Kapitel 5


*Nightwish: „Phantom Of The Opera"* !


Montagmorgen, aber ein ganz und gar nicht normaler Wochenbeginn

Die Vögel in den Bäumen vor dem Haus der Grangers flatterten aufgeregt davon, als ein markerschütternder Schrei zu ihnen drang. Ein paar eilige Passanten, die um diese Morgenstunde auf dem Weg zur Arbeit waren, drehten sich irritiert um, andere beschleunigten ihre Schritte, um dem zu entkommen, von dem sie nicht wussten, was es war und woher es kam.

Nur wenige, die die Zahnarztpraxis kannten, gingen einfach weiter und schüttelten verständnislos den Kopf. So schlimm konnte doch eine Behandlung wirklich nicht sein, nicht einmal mit dem Bohrer…

Hermiones Herz raste, im Kopf drehte sich alles, oder drehte sich das Zimmer? Und die leichte Übelkeit gab ihr den Rest. Fast. Sie war aus dem Bett aufgesprungen und wäre beinahe hingefallen vor Schwindel. Eigentlich wollte sie sich endlich ausziehen um zu duschen. Die Träger des Kleides hatte sie schon abgestreift, als sie ihre Augen letztendlich richtig öffnete – es war so unerträglich hell.

Was sie dann sah ließ sie erneut schwanken. Mit einer Hand an der Wand abgestützt rang sie nach Luft. Vorsichtig drehte sie den Kopf wieder in Richtung Bett, wo sie kurz zuvor schon hingeschaut hatte.

Der Schock bahnte sich seinen Weg von den Knien an, dann tief durch ihren Magen, über die Stimmbänder nach draußen und entlud sich in einem Schrei, der wahrscheinlich alle Gläser hätte zerspringen lassen, wären welche in der Nähe gewesen.

Den Zauberstab, den sie gegen alle Vorsätze doch immer griffbereit hatte, hatte sie wohl instinktiv gegriffen.

Ridicculus", quiekste sie.

Nichts passierte.

‚Denk nach, Hermione – dein Irrwicht hat doch nicht die Gestalt – oh mein Kooopf – Irrwichte gibt's doch hier nicht…'

Aber genau die Gestalt saß bis ins Mark erschrocken aufrecht im Bett, die Decke an sich gepresst und die Augen weit aufgerissen von dem Schock des Geweckt-Werdens. ‚Disapparieren – disapparieren' formte sich in seinen Gedanken.

Nur dazu fehlte das Wichtigste – Konzentration.

Außerdem sah er einen Zauberstab direkt auf sich gerichtet.

‚Ein Streich, ein Alptraum, Café – Drogen, schlechte Zutaten…was weiß ich', schwirrte es ihm panikartig durch den Kopf.

Langsam, ganz langsam, wurde es klarer. Warum stand diese Frau in aller Frühe im Abendkleid da? Wieso stand überhaupt eine Frau da? Oh bei Merlin, die Besitzer sind zurück!

Diese Frau! Atemberaubend – diesmal im positiven Sinn – schön war sie. In Bruchteilen von Sekunden gaukelte ihm sein Kopf tausend Bilder und ebenso viele Szenen vor: Seine Hände berühren die Schultern und gleiten herab über den weichen glatten Stoff, die andere Hand streicht ihr die Haare aus dem Gesicht, zieht sie zu sich heran und…

Die Frau strich ihr glattes, langes, zerzaustes Haar aus dem Gesicht und…

„GRANGER!", entfuhr es ihm.

„PROFESSOR – WAS, WAS – MACHEN – SIE – HIER?", schrie sie.

Plötzlich wussten beide, dass es kein Alptraum war. Snape war eigentlich nicht schnell aus der Ruhe zu bringen, aber jetzt kam langsam die Panik in ihm hoch.

„VERSCHWINDEN SIE HIER! – und was FÄLLT IHNEN EIGENTLICH EIN, MICH SO ANZUSTARREN?!"

Hermione wurde es heiß und kalt – dann hatte sie gestern Nacht nicht von einer Fledermaus geträumt, sondern eine gesehen.

‚Oh mein GottohmeinGottomeinGott – was passiert hier? – Cool bleiben – Logik – gibt immer eine Erklärung – also…'

Ihr Blick huschte über ihn, oder zumindest über das, was zu sehen war.

‚Ok, denk nach denk nach, ok, Snape, Professor, Professor Snape – in meinem BETT, ok, NICHT ok – oook, also…'

Selbst vom Denken war sie außer Atem.

Weiter kam sie nicht. „ZEHN SEKUNDEN, GRANGER, oder…"

Da wurde ihm bewusst, dass zumindest er selbst nicht verschwinden konnte. Höchstens durch einen äußerst peinlichen Abgang – nur mit einer Decke bekleidet.

Hermione sammelte sich, soweit es überhaupt möglich war, atmete tief ein und wagte die Frage.

"'Ähm, Professor, wiiiieee, ähm, kommen sie hierher?"

Jeder andere wäre vor Snapes Blick entweder geflüchtet oder gleich tot umgefallen. Er schien kurz vor dem Explodieren und seine Augen waren schon so schmal, dass er gerade noch hindurch blicken konnte.

„Wie kommen SIE hierher zum Teufel?", fauchte er.

Hermione schluckte. Wenn sie jetzt antworten würde…nein, zu kneifen war nicht ihre Art. Immerhin kannte sie sein Auftreten schon seit mehr als acht Jahren.

„Ääähm, ich, ich wohne hier!"

Schweigen.

Wie elektrisierte Luft.

Schweigen.

Er konnte sich kaum erinnern wann er das letzte mal auf dieser Seite war. Auf der Seite wo Fehler passierten, auf der Seite des Nicht-Zuhörens, auf der Seite, etwas falsch gemacht zu haben.

Gedanken wie in einer Achterbahn.

‚Nachsitzen, und zehn Rollen Pergament, Severus – für Leichtsinn, Unüberlegtheit und grenzenlose Dummheit!'

Er versuchte seinen Atem unter Kontrolle zu bringen. Jetzt erst bemerkte er wie elend ihm zumute war. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn und trotzdem fröstelte er.

„Dann war es doch ein Portschlüssel?", fragte er leise, fast wie zu sich selbst.

Die Bruchstücke formten sich langsam zu einem Bild zusammen. Hermione sammelte sich und holte tief Luft.

„Dann haben sie offensichtlich meinen Portschlüssel doch im Labor gefunden – aber…"

„Es, es tut …bitte entschuldigen sie, Miss Granger."

Schweigen.

‚Hat er sich gerade entschuldigt? Hat er? Er hat!'

Schweigen.

Snape war es nicht gewohnt sich zu entschuldigen. Er hatte einen Fehler begangen und sie, seine Schülerin, war im Recht und hatte ihn auch eigentlich in der Hand. Schlimmer konnte es ja gar nicht kommen, niemals und zu keiner Zeit...oder doch?

Er ahnte ja nicht, wie!

„Es, es war…"

„Wir könnten, ähm, später darüber reden. Sie sehen ziemlich schlecht aus...

Ein Blick, der böser nicht hätte sein können.

„Also, ich meine sie sehen ziemlich krank aus."

„Unsinn Miss Granger, es geht mir gut. Hätten sie die unendliche Güte mich für einen Moment allein zu lassen? Dann könnte ich endlich verschwinden".

„Aber…"

„B-i-t-t-e".

„Aber wie…"

„RAAAUS!"

Eilig verließ Hermione das Zimmer, blieb aber vor der Tür stehen und lauschte.

Und – hatte er sie gerade aus ihrem eigenen Zimmer geschmissen? Das konnte nur Snape! Sie wartete auf das typische PLOPP des Apparierens, aber es kam nicht.

Snape hatte sich auf die Bettkante gesetzt. ‚Wo bin ich nur reingeraten', dachte er, als er aufstehen wollte.

Es fiel ihm unendlich schwer. Als er es endlich geschafft hatte, musste er sich am Stuhl festhalten. An apparieren war gar nicht zu denken. Wer weiß, wo er gelandet wäre, wenn überhaupt die Konzentration ausgereicht hätte. Langsam drehte er sich um und sah sich im Zimmer um. Verdammt, hier musste doch irgendwo diese Lederhülle sein, die scheinbar als Portschlüssel gedient hatte, aber er sah sie nirgends.

Hermione hielt es nicht länger aus, deshalb klopfte sie an der Tür. Als keine Antwort kam, öffnete sie die Tür einen Spalt weit.

„Professor, alles in Ordnung?"

„NEIN, natürlich nicht. Dumme Fragen brauchen sie nicht zu stellen, Granger, wenn schon normale Fragen nerven. – Sind sie immer noch da?"

„Bei allem Respekt, Sir, aber es ist mein Zimmer. Und wie es aussieht brauchen sie Hilfe."

„ICH BRAUCHE NIEMALS HILFE, merken sie sich das."

Hermione verdrehte die Augen. ‚Männer!'

Sie war es gewohnt zu helfen und sich um jemanden zu kümmern, wenn es einem schlecht ging. So war sie erzogen und würde es nicht ändern, auch nicht für eine Miesmuschel.

Schnurstracks ging sie auf ihn zu und legte ihre Hand auf seine Stirn.

„Fieber, eindeutig, und wie!"

„Wie können sie es wagen, so mit mir umzugehen? NEHMEN SIE IHRE PFOTEN AUS MEINEM GESICHT!"

„Na, immerhin sitzen sie auf meinem Bett und haben die Nacht hier verbracht – da kann ich wohl mal nach dem Rechten sehen, oder?"

Sie hatte ja wirklich recht, aber er konnte sich nicht dazu durchringen, es zuzugeben.

„Wie lange sind sie schon hier, Miss Granger?"

„Gestern Nacht ist es etwas spät geworden – wir waren in der Oper. Dann, ähm, dann hab ich noch ein Weilchen unten gesessen und dann bin ich irgendwie ins Bett gekommen."

„Dann haben sie es wohl genossen, mich hier so schutzlos liegen zu sehen? Was in ihrem – vermutlich vorhandenen – Hirn vorgeht konnte ich noch nie nachvollziehen."

„Ich habe sie nicht gesehen. Meinen sie, dann hätte ich mir erst heute Morgen die Seele aus dem Leib geschrien?"

„Für wie dämlich halten sie mich eigentlich? Und warum um alles in der Welt tragen sie noch ein Abendkleid?"

Er musterte sie aus dem Augenwinkel, als sie den Kopf zur Seite drehte, um offensichtlich ihre leicht erröteten Wangen zu verstecken. Das war nicht die Miss Granger die er kannte, nein, das war...'

‚Sie ist wunderschön…beim Merlin sie muss recht haben, das Fieber scheint höher zu sein als ich fühle, ich phantasiere ja schon'.

„Nun jaaah, ein wenig Musik und ein Schluck Sekt…"

„Das können sie vielleicht anderen erzählen, aber nicht mir."

„Ok, es war etwas mehr als ein Schluck…und dann hab ich mich nur noch ins Bett geschleppt und …ähm…den Rest kennen sie ja."

Das war ja noch viel schlimmer als er sich ausgemalt hatte!

Sie hatten…er hatte…sie hatten die Nacht im Bett verbracht, im selben Bett!

‚Wenn das einer erfährt bin ich erledigt!'

„Legen sie sich wieder hin, sie können so nicht verschwinden. Ich werde einen heißen Tee machen, dann gehe ich einkaufen und werde etwas kochen – sie müssen etwas essen. Punkt."

Ihr Blick duldete keine Widerworte. Wenn ihm nicht so elend gewesen wäre, hätte er Schwierigkeiten gehabt, sich ein Grinsen zu verkneifen.

‚Scheinbar hat sie eine Menge von mir gelernt', dachte er. Tatsächlich legte er sich wieder hin.

„Bitte helfen sie mir nach Hause zu kommen – und um alles in der Welt erzählen sie keinem hiervon. Wenn doch, werden sie sich wünschen, ich würde sie gleich vergiften."

„Zum ersten: Sie können so nicht gehen. Zum zweiten: Wieso nicht?"

Er brachte nicht mehr als ein Stöhnen von sich und legte einen Arm über seinen Kopf.

„Ich weiß, sie haben mich in der Hand. Ich habe einen, nein, einige Fehler begangen. Es, es tut mir wirklich leid."

Sie lachte. (‚Wie unangemessen!')

„Ach Professor, wer würde mir denn das glauben? Die würden mich auslachen, vor Entsetzen, aus Mitleid, oder mich gleich ins St. Mungos bringen – wahrscheinlich eher alles drei."

„Ja, hmm, ja,…das ist der erste vernünftige Gedanke seit langem, Miss Granger – in der Tat."


Er hörte, wie sie unten in der Küche hantierte.

‚Beim großen Merlin, tu etwas, Severus, das ist die größte zwischenmenschliche Katastrophe seit…'

Er ertappte sein Unterbewusstsein bei dem Wunsch, dass sie bald wieder hochkäme…dass sie sich aufs Bett setzte, dass...

Kurz darauf brodelte das Wasser. Einige Minuten später kam sie mit einem Tablett und zwei dampfenden Tassen Tee zurück.

„Hier, trinken sie, das wird ihnen gut tun."

Sie zog sich den Stuhl heran und betrachtete ihn.

„Seit wann sind sie krank?"

„Nicht dass es sie etwas anginge, aber gestern ging es mir noch gut."

„Komisch – kommt doch nicht angeflogen…", sagte sie vor sich hin.

Eigentlich hatte er kein Recht, sie so zu behandeln, also versuchte er – und es war anstrengend – etwas netter zu sein.

„Ich bin gestern etwas spazieren gegangen – hier – und es hat fast die ganze Zeit geregnet. Außerdem war es ziemlich kalt heute Nacht – im Gegensatz zu den letzten Tagen."

Dann erzählte er ihr noch, was er seit Freitagabend erlebt hatte – irgendwie schien er ihr das schuldig zu sein.

Wortlos verließ sie den Raum und er versuchte, seine Enttäuschung und seine Scham zu verbergen.

Doch sie kam wieder mit einem warmen Schlafanzug von ihrem Vater, einer Wärmflasche und einer Flasche Wasser, immer noch ohne das eben gehörte zu kommentieren.

„Bitte, Professor, sie können so nicht weg. Es wäre unverantwortlich und keiner würde sich um sie kümmern – jaah, ich weiß, weil sie nicht wollen. Aber ich weiß doch jetzt eh Bescheid und so brauchen sie sich nicht erklären, auch nicht bei Madam Pomfrey, wenn sie überhaupt in den Ferien da ist. Ich habe zwar nicht genug Wissen über Medi-Magie – noch nicht – deshalb mache ich genau das, was meine Mutter immer macht, wenn einer von uns krank ist."

Um seinem Kommentar zu entgehen, steckte sie ihm das Fieberthermometer ohne Vorwarnung in den Mund. In den paar Minuten, wo sie auf das Ergebnis warten musste, verlor sie kein einziges Wort über die Schilderung seiner vergangenen Tage.

„Wie ich vermutet habe, 40° Grad, das ist nicht gut, gar nicht."

„Miss Granger", stöhnte er, „ich werde schon nicht daran sterben, wenn ich auch vielen damit ihre Wunschträume erfüllen würde."

Er setzte sich auf und trank etwas von dem Tee. Sogleich fiel er wieder ins Bett zurück – alles tat weh.

„Nach dem Sekt war mir so heiß heut Nacht, ich habe alle Fenster aufgerissen. Tut mir leid. Dann war es wohl meine Schuld. Außerdem war es ein Portschlüssel, der öfter als einmal funktioniert, hab ich in der Bibliothek herausgefunden...ähm...

Versuchen sie, etwas zu schlafen."

„Ich dürfte gar nicht hier sein – also was faseln sie…da...", murmelte er noch leise und schloss die Augen.

Ein paar Minuten blieb sie noch, stand dann langsam aus dem Sessel auf schlich auf Zehenspitzen Richtung Tür.

„Jeder hat ein Zuhause verdient und dass sich jemand um einen kümmert, sie auch, sie gemeiner Sturkopf…nimm es an, solange du hier bist,...Severus…", flüsterte Hermione – nicht ahnend, dass sein feines Gehör ihre Worte noch erfasst hatten...


Unruhig wälzte er sich hin und her. Die Wärme tat gut, aber Kopf und Glieder fühlten sich an wie kurz vor dem Zerreißen. Nicht wach und nicht schlafend holten ihn immer wieder wirre Gedanken ein – wie so oft und doch ganz anders.

‚Nie krank…Katastrophe…sie hat wir gesagt…wir waren in der Oper…'


Der Schlaf hatte ihn irgendwann doch übermannt, denn als er erwachte, schien es schon leicht dunkel zu werden. Alles war so unwirklich – ein Haus um sich herum und fremde Geräusche. Er hörte von unten Geschirr klappern und irgendwas wurde gekocht.

Ein paar Stunden waren vergangen und jetzt spähte Hermione durch den Türspalt.

„Sie sind wach – prima. Dann hol ich gleich eine Tasse frische Hühnersuppe.

„Warten sie, Herm…, Miss Granger, ich habe keinen Hunger. Ich muss gehen, meine Tränke werden helfen…ihre Eltern…"

„Sie können nicht gehen. Sie schaffen es ja nicht mal bis unten. Meine Eltern sind auf einer Tagung – haben sie das Schild draußen nicht gesehen?"

Mehr als ein paar Löffel bekam er nicht runter.

Hermione überredete ihn, zwei Grippetabletten zu nehmen („Muggelmedizin? Wollen sie mich vergiften?" – „Aha, wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen ihnen geht's besser."), wechselte schnell die Bettwäsche als er sich ins Bad geschleppt hatte und legte ihm ein Stapel Taschentücher auf den Nachtschrank. Langsam aber sicher fing er an zu schniefen.

Als er zurück kam nahm er alles dankbar an aber fühlte sich noch schlimmer, wenn er darüber nachdachte, wie privat alles war. Nie hatte ihn jemand in so einem Zustand in Hogwarts gesehen. Dabei wurde ihm klar, wie wenig er eigentlich über alle anderen wusste, mit denen er tagtäglich zusammenlebte. Wie wenig er über Hermione wusste…über ihre andere Welt, ihr anderes Leben…ihre Kindheit in der Muggelwelt…hatte sie eigentlich noch einen Freund? – In Hogwarts war er sich fast sicher, nein, da nicht, nicht mehr – aber hier?...


Mitten in der Nacht wachte er immer wieder auf. Er bekam kaum Luft und der Schüttelfrost ließ seinen ganzen Körper unkontrollierbar zittern. Trotzdem tat die Kühle auf seiner Stirn gut, von der er nicht wusste, wo sie eigentlich herkam.

Hermione wechselte alle zehn Minuten den kalten Waschlappen, den sie ihm sorgsam über Stirn und Schläfen gelegt hatte. Nie hätte sie sich den Professor so vorstellen können, so...menschlich, so elend, so...einsam. All die Erinnerungen an die Schuljahre, wo er sie gedemütigt, ignoriert oder angeschrieen hatte, verloren sich im Dunkel der Nacht.

Bevor sie den Lappen erneut ins kalte Wasser tauchte und wechselte, küsste sie ihn auf seine heiße Stirn, in der bizarren Hoffnung, es würde ihm die Schmerzen nehmen. Warum sie das tat, konnte sie sich nicht erklären. Schwach bewusst, dass sie gerade das Seltsamste (und – hätte er es gemerkt – wohl das Gefährlichste) in ihrem bisherigen Leben getan hatte, kämpfte sie gegen ihre Müdigkeit, um über ihn zu wachen.

tbc