An dieser Stelle mal ganz lieben Dank an alle, die meine Geschichte lesen. Ich freue mich über jeden einzelnen und auch über jeden noch so klitzekleinen Review...! ;o) Gebe ihn auch gerne an unsere geliebten Hauptakteure weiter.

Ich hoffe, Ihr habt weiterhin Spaß. Leider folgt auf Sonne auch mal Regen...aber es klart immer wieder auf...irgendwann.

GLG


*Mahler: 5. Symphonie „Adagietto"


Kapitel 7

Dienstagabend

Der Sog wirbelte ihn hin und her und spuckte ihn mit aller Kraft auf den harten Steinboden in seinen Räumen in Hogwarts. Endlich wusste er, wie das alles passieren konnte. Hermione hatte die Portschlüssel so codiert, dass man nach Hause oder Zuhause transportiert wurde, und das beliebig oft. Beides war ihr Zuhause, Hogwarts und das Elternhaus. Wer weiß, in welcher Abteilung der Bibliothek sie das wieder gefunden hatte.

„Verfluchter Mist, warum nicht einen Meter weiter rechts auf den Teppich…", krächzte er. Mühsam rappelte er sich hoch und schleppte sich in sein Schlafzimmer. Es ging ihm immer schlechter, obwohl das Fieber ein wenig gesunken war. Ohne sich auszuziehen kroch er auf sein großes Bett und blieb liegen. Die Nase tropfte, der Husten wurde schlimmer und der Schweiß rann ihm die Brust runter, obwohl im gleichzeitig eiskalt war. Das Atmen ging immer schwerer.

‚Wo ist der Zauberstab', fragte er sich. „Oh nein, im Labor – Accio Zauberstab!" Dort war er liegengeblieben vor seiner letzten „Reise".

RUMMS – der Zauberstab knallte gegen die verschlossene Tür und fiel zu Boden. Wäre so etwas zu Zeiten passiert, in denen er noch Todesser war, wäre er längst tot. Unkonzentriertheit wurde sofort bestraft, Unaufmerksamkeit nicht selten mit dem Tod.

‚Ohne Zauberstab kein Heilzauber', dachte er, zu schwach aufzustehen.

Tränke gegen Banalitäten wie Grippe oder Schrammen hatte er nicht mehr genug vorrätig in den Ferien, die waren aufgebraucht und er wurde natürlich nie krank. Die medizinischen Heiltränke braute er auf Geheiß der Krankenschwester meist nur während der Ferien oder sonst wann zu, wenn nichts Wichtiges zu erledigen war. Dann gab er sie direkt an Madam Pomfrey weiter, die sie an die verweichlichten Schüler verschwendete.

‚Augen zu und durch', dachte er noch hilflos und schloss die Augen.


Hermione hatte lange genug gewartet, bevor sie wieder aus dem Keller kam. Die Wäsche war inzwischen fertig. Sie versetzte der Waschmaschinen-Tür einen heftigen Tritt, dass ihr zur Strafe die Zehen wehtaten.

Warum war sie eigentlich so wütend auf Snape? Weil er gekommen war ohne zu fragen? Weil er ihre Privatsphäre verletzt hatte? Er war einfach in ihr Haus eingedrungen – zugegebenermaßen ungeplant aber trotzdem! Ausgerechnet er hatte sich zu so etwas hinreißen lassen. Jedem anderen hätte sie es eher zugetraut, wenn diese anderen dann überhaupt geblieben wären. Dumbledore hätte es sicher den Spaß seines Lebens gehabt und es als Abenteuer gesehen. Aber Snape? Niemals.

Warum war sie dann jetzt so wütend auf ihn? Oder war es Enttäuschung? Hatte sie gedacht er könne eine Art Prüfung oder Übung für ihren geplanten Berufswunsch sein?

‚Quatsch', dachte sie.

Nach seiner Schilderung der vergangenen Tage hatte sie nichts dazu gesagt, ihr waren nur die Bilder des letzten Schultages in den Sinn gekommen, wo sie ihn so niedergeschlagen am Pult hatte sitzen sehen. So war es für sie eine Selbstverständlichkeit gewesen, ihn ein wenig zu umsorgen. Jedem anderen hätte sie ebenso helfen wollen.

Dass er ihr nicht dankbar sein würde, hätte sie sich doch denken können. Danke hatte er zwar gesagt, aber wahrscheinlich gar nicht so gemeint. Andererseits hatte sein Blick manchmal etwas anderes gesagt.

Als sie seine Kleidung auf den Wäscheständer hängte, strich sie sie sanft glatt und ihre innere Stimme begann ihr einzureden, dass sie nur wütend auf ihn war, weil er gegangen war...

Zudem tat es leid, dass sie ihre Großmutter am Telefon belogen hatte. Das war gar nicht ihre Art. Wie gerne hätte sie sich jetzt von ihr ablenken lassen mit ihren Geschichten aus der Vergangenheit oder mit dem Hund gespielt. Stattdessen schrubbte sie wie wild den Flur und die Küche. Als alles blank blitzte ging sie in ihr Zimmer, nahm gegen ihren Willen den Zauberstab und stellte es regelrecht auf den Kopf.

Die hellen Vorhänge wurden blutrot wie der Sessel, die Blumenmuster erschienen in schwarzem Samt, das rosé der Wände wurde dunkler und das Bett erhielt einen Himmel, der an beiden Seiten und am Kopfende herunterhing und gleich den Vorhängen war. Als I-Tüpfelchen, wie sie fand, zauberte sie noch eine Sternenlichterkette rundherum, die auf ein einfaches Lumos reagierte.

‚Du hast es für ihn getan…wegen ihm', redete ihre innere Stimme ihr ein.

„Für mich", sagte sie laut und trotzig und betrachtete ihr Werk…nur dass sie sich selbst nicht glaubte.

Immer noch voller Tatendrang rührte sie einen Kuchenteig in einer riesigen Schüssel. Als er fertig war übergoss sie ihn mit einer dicken Schokoladenschicht, erst mit Zartbitter und danach mit weißer Schokolade, dass ein schönes Muster entstand. Dabei ignorierte sie mit Erfolg die Tatsache, schon die doppelte Menge an Schokostückchen hinzugefügt zu haben, als das Rezept vorgab. Außerdem war es ein Obstkuchen! Denn es waren ein paar Kirschen darin! Also kein Grund zu Grübeln. Natürlich wollte sie ihren Eltern keinen Herzinfarkt verpassen, deshalb beschloss Hermione, ihn sobald als möglich zu verputzen.

Das Stück auf ihrem Teller war doppelt so dick wie üblich, das Sahnehäubchen türmte sich in die Höhe und die Kirsche als Krönung drohte, den weißen Gipfel hinunter zu kullern. Nach zwei Bissen meinte sie, platzen zu müssen und dann stellte sie sich zu ihrem eigenen Entsetzen die gefühlte fünfstellige Kalorienzahl vor, die sie sonst immer ganz gut zu vermeiden wusste. Egal, was jetzt zählte, war ein bisschen Aufmunterung und was half da besser als ein paar zusätzliche Endorphine?

Als Hermione im Bett lag, endlich ermüdet nach der ganzen Arbeit, wollte sich das Glücksgefühl nicht so recht einstellen – immer noch nicht. Im Gegenteil. Auf jeden Fall würde sie Großmutter morgen anrufen und ihr sagen, dass es ihr besser ging. Schließlich hatte sie sich eine Ausrede einfallen lassen müssen, als sie nicht hatte kommen können. Allein fiel ihr die Decke auf den Kopf.

Sie kuschelte sich tiefer in ihre Decke ein und drehte sich auf die Schlafseite. Als sie schon halb in den Schlaf hinübergeglitten war, durchströmte sie ein ungewohnter Duft, so angenehm, so fremd, so vertraut, so… – denn keine zwölf Stunden zuvor hatte er noch in ihrer Decke gelegen.


„Neiiiiiiiiin, Albus, nein,….." Snape war von seinem eigenen Schreien aufgewacht. Nur langsam kam er zu Sinnen und es dauerte eine Weile, bis er wusste, wo er war. Kaum dass er sich mühsam aufgesetzt hatte blieb ihm die Luft weg. Ein Hustenanfall durchschüttelte seinen ganzen Körper und als er die Hände von seinem Mund nahm, waren sie voller Blut.

Mit letzter Kraft schleppte er sich ins angrenzende Labor. Die Krankenstation schien Lichtjahre entfernt, ebenso die anderen Gemächer seiner Kollegen, wovon er nicht einmal wusste, wer in Hogwarts geblieben war. Nicht dass er sie jemals benachrichtigt hätte, aber die Abgeschiedenheit in den Kerkern traf ihn in dem Moment mit voller Wucht und die Einsamkeit tat fast genauso weh wie sein Körper.

Seine Fingerspitzen erreichten die lederne Hülle im Kessel und das war das Letzte, an das sich Severus Snape erinnerte.

tbc


A/N: Wer nach dem Kapitel Endorphin-Bedarf hat und Hermiones „Frustkuchen" als Therapiemöglichkeit sieht, möge mir bitte schreiben :o)