Ihr Lieben! Danke nochmal für alle die, die weiterlesen.
Ich muss den beiden wirklich mal in den H* treten. Aber wie ihr euch vorstellen könnt, ist es ja nicht einfach mit der Schüler/Lehrer-Geschichte! Werde mir wohl Hilfe holen müssen, die den beiden ein wenig Sand aus den Augen wischt und ihnen mal ein bißchen den Blickwinkel dreht...ihr werdet sehen. Glaube jeder, der die beiden - zumindest heute - beobachtet hätte, hätte gesagt "Nehmt euch endlich ein Zimmer"...aber sie sind ja allein. *g*
Für heute verspreche ich euch, wie ich hoffe, wenigstens einen kleinen Lachanfall *grins* und mehrere hitzige Momente, wie auch immer man hitzig interpretieren möchte...
KeyMagic proudly presents: The Shopping King and Queen...
Kapitel 11
*Survivor: „Eye Of The Tiger"*
Samstag
Es war schon spät am anderen Morgen, als ein gewaltiger Donnerschlag die Fensterscheiben erzittern ließ. Der Himmel war düster und wolkenverhangen, immer noch regnete es wie an den ganzen vergangenen Tagen. Langsam wäre es an der Zeit, dass sich der April doch mal wieder umentscheiden müsste, damit er seinem Image gerecht werden könnte. Immerhin war nächstes Wochenende Ostern – da musste die Sonne einfach scheinen.
Hermione entfuhr ein kleiner Schrei, da der Donner sie aus einem Traum aufgeschreckt hatte. Sie hielt die Augen geschlossen, packte sich an den Kopf und wuschelte in ihren Haaren, um so vielleicht den Schreck oder die Kopfschmerzen oder am besten beides zu vertreiben.
Auch Snape war von dem Krachen aufgewacht. Donner hatte ihn noch nie erschreckt, aber der Lärm hätte wohl auch den letzten Langschläfer wachgerüttelt. Ganz langsam öffnete er ein Auge und hatte eigentlich vor, sich nochmal genüsslich auf die andere Seite zu drehen und weiterzuschlafen.
Das eine Auge blickte in dunkelroten Stoff.
Die Bezüge in seinem Gästebett waren eindeutig hell gewesen, beige, um genau zu sein. Soviel hatte er noch mitbekommen gestern Abend, schließlich hatte er Hermione dabei beobachtet und ihr noch das Kissen angereicht.
Ein Stich ging durch seine Schläfen, als wenn die Kopfschmerzen versuchten, seine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Als er dann noch seinen Arm auf der vermeintlichen Wärmflasche liegen sah, durchzuckte ein Blitz seinen Körper, oder war es ein Stromschlag? Doch ein Blitz? Mehr als ein lautes Stöhnen brachte er nicht mehr hervor, bevor auch Hermione die Augen aufgeschlagen hatte und sich in selbiger Situation vorfand.
Ihr Stöhnen war nicht weniger laut, als beide gleichzeitig zur Decke griffen um sie näher an sich zu reißen und um damit jeden Winkel ihres Körpers zu bedecken. Keiner von beiden hatte gewonnen, und so hatte jeder nur einen Zipfel in der Hand. Der Rest lag zwischen ihnen. Natürlich brachte keiner ein Wort heraus. Man konnte förmlich sehen, wie ihre verwirrten Geister nach einer Lösung für das Dilemma suchten, aber gleichzeitig damit beschäftigt waren, ihr Gegenüber mit den Augen Zentimeter für Zentimeter abzutasten. Gefühlt war es eine halbe Ewigkeit, tatsächlich nur ein paar Sekunden, wenn überhaupt.
Hermiones Wangen verfärbten sich langsam immer mehr zu einem satten pink, während bei Snape ein leichter Schweißfilm auf der Stirn entstand. Nicht nur das verriet, dass ihm gefiel was er sah. Deshalb versuchter er krampfhaft, das kleine Stückchen Decke an richtiger Position beizubehalten. Keiner hatte scheinbar gestern Abend mehr Lust oder Kraft, geschweige denn den lichten Moment gehabt, einen Schlafanzug anzuziehen. Nur in Unterwäsche waren sie ins Bett geschlüpft und er...nun...definitiv in das falsche.
Bevor irgendjemand etwas sagen konnte – hätte überhaupt einer etwas hervorgebracht – klingelte das Telefon. Ob Glück oder Pech hätte man beim besten Willen nicht an ihren Gesichtern erkennen können.
Und hätte sich Hermione daran erinnert, eine Hexe zu sein, hätte sie sich einfach das Shirt, das hinter der Tür auf dem Boden lag, herzaubern können. Dem war nicht so, und das soll schon was heißen. Deshalb blieb ihr dieser Auftritt nicht erspart. Noch einmal vergeblich zerrte sie an der Decke, hatte aber gegen Snape keine Chance. Also erhob sie sich, so würdevoll wie möglich in Slip und BH, mit gestreckten Schultern vom Bett, schnappte sich das Shirt und lief aus dem Zimmer.
Sie spürte tausend Augen auf ihrer Rückseite.
‚Aber der Professor würde doch nicht…oder? Nein!', dachte sie leicht verzweifelt.
… Tatsächlich waren es nur zwei.
Indessen machte Snape innerlich drei Kreuze und befand ab sofort dieses schrillende Muggelding als absolut nützlich.
‚Beim Barte des Merlin', stöhnte er. ‚Wenn du noch eine Sekunde weiter daran denkst…', schalt er sich selbst und starrte noch immer auf das Bild, dass sich tief in seine schwarzen Augen gebrannt hatte, ‚dann kann ich für nichts garantieren.' Er quälte sich aus dem Bett und beeilte sich, wieder einmal, in die Dusche zu kommen.
Beim Frühstück erwähnte keiner auch nur eine Silbe von dem Vorfall, nur Snape meinte, er sähe ein süffisantes Grinsen auf Hermiones Gesicht. Vielleicht irrte er, vielleicht auch nicht, oder vielleicht war es ihr genauso peinlich wie ihm. Letzteres befand er als am wahrscheinlichsten. Er würde sich hüten den Anfang zu machen, hatte er doch – und es häufte sich in letzter Zeit äußerst unangenehm – wieder ins Fettnäpfchen getreten, in ein gewaltiges. Heiß und kalt wurde es ihm, als er weiter über das Ausmaß des Fettnäpfchens nachdachte. Oh beim Erschaffer des Universums, sie hatten doch nicht, oder? Oder doch? Nicht doch! Wenn, hätte er sich doch sichtlich entspannter... 'Stopp!' Er kam zu keiner Lösung. ‚Ein Fluch! Eine andere Erklärung gibt es nicht', dachte er brötchenkauend.
„Nun, was möchten sie heute machen, Severus? Natürlich immer wieder hinlegen zwischendurch – gucken sie nicht so böse, es muss sein, Befehl vom Arzt – aber dazwischen?" Sie zog es glücklicherweise weiterhin vor, das Thema nicht anzuschneiden. Sie tat so, als sei nichts gewesen. Und sie machte auch keinen besonders verstörten Eindruck...dann hatten sie wohl nicht, oder?
„Nun ja, ich würde gerne ein paar Kleidungsstücke von mir haben, deshalb werde ich wohl nach Hogwarts…"
„Netter Versuch, Severus. Und dort möchten sie direkt Prof. McGonagall oder Madam Pomfrey in die Arme laufen und mit Fragen überhäuft werden?"
Snape wägte ab und innerlich tobte ein Krieg mit allen Waffen. Den beiden Damen in die Arme zu laufen wollte er tunlichst vermeiden, die konnten echt nerven. Es würde sich nicht ganz vermeiden lassen, in den Kerkern zu bleiben. Er brauchte Essen und Trinken und nicht alle Hauselfen waren wirklich verschwiegen. Sie, aber mindestens Poppy, würden zudem sofort sehen, dass es ihm nicht wirklich gut geht. Dann würden sie ihn nötigen zu erzählen, dann würde er das Blaue vom Himmel lügen müssen – was ja nicht schwer wäre – aber sie würden es vermutlich durchschauen – ‚Hyänen'. Und ein halbes Dutzend Mal hatte er nun mit Hermione diskutiert.
‚Ja verdammt, sie hat recht recht recht.' – Und die innere Stimme musste auch wieder ihren Senf dazu geben und brachte fast die Kopfschmerzen zurück, die er gerade so gut mit einem Aspirin („Gift? Schon wieder? – Bald werden sie es schaffen, Hermione") verdrängen konnte: ‚Du willst doch gar nicht willst nicht willst nicht...willst nicht weg...schau hin zu ihr…'
„Nun gut, aber ich möchte nicht die ganze Zeit die Kleidung ihres Vaters anziehen. Das wäre etwas…unpassend – im wahrsten Sinne des Wortes. Bisher war es akzeptabel in Anbetracht der Umstände, aber manches ist doch ein wenig zu kurz. Vor allem wenn wir…ähm, wenn ich irgendwo hingehen möchte." Während des Sprechens hatte er sich schon wieder zweimal die Nase schnäuzen müssen.
„Ich habe gesehen sie haben meinen Anzug gewaschen?"
„Bitte, gerne, für zu Hause nicht gerade bequem, oder? Und für draußen, naja…"
„Es sind bequeme Teile und ich trage sie gerne, wie sie sicher bemerkt haben. Das heißt ja nicht dass ich sie immer trage."
Hermione schaute ihn ungläubig an. „Nicht immer? – Es liefen Wetten dass sie sie auch nachts tragen – mindestens einmal im Schuljahr hatten wir Wettabende", sagte sie todernst.
„Und", fragte er in seiner beängstigend leisen Stimme, „haben sie gewonnen?"
Ihre zartrosa Wangen verfärbten sich ein wenig dunkler – das Gesicht kannte er schon seit sie das erste mal in seinem Unterricht gesessen hatte.
„Das habe ich!", konterte sie im Brustton der Überzeugung – „nur dass die anderen davon noch nichts wissen!"
„Noch nicht?"
„Sie…sie haben mich reingelegt und das noch nicht war die Revanche dafür".
Auf dem Tisch entstand eine kleine Pfütze, so hatte sie die Teetasse auf den Tisch geknallt.
Snape setzte sein fiesestes Grinsen auf.
„Und mussten sie denn auch eine eigene Idee einbringen?"
„Nun, es standen fünf Varianten zur Auswahl.", platze es aus ihr heraus, ahnend, dass sie sich auf dünnem Eis bewegte.
„Wären sie so freundlich sie mir zu verraten? Ich könnte diese Informationen ganz gut für die kommende Unterrichtsvorbereitung nutzen." Dafür hatte er sich vom Stuhl erhoben, stützte die Ellbogen auf den Tisch und war kaum zehn Zentimeter von ihrer Nase entfernt.
Der schöne rote Apfel in der Obstschale hatte nun erschreckende Ähnlichkeit mit Hermiones Gesicht. Ein bisschen Angst hatte sie schon noch, aber immerhin würde er genauso wenig von dieser Unterhaltung erzählen können wie sie. Punkte abziehen schon mal gar nicht. Trotzdem hatte sie das ungute Gefühl, dass er es irgendwie irgendwann verwenden würde – zu ihren oder zu Ungunsten aller Schüler.
„Hmm, also, es gab folgende Varianten:
erstens: in ihrer Alltagskleidung,
zweitens: in einem Seidentuch – ääähm, im ..., nein, ich kann das nicht sagen,
drittens: ähm...unbekleidet,
viertens: in Shorts oder so, wie ein normaler Mann,
fünftens: sie brauchen kein Schlaf weil...sie kein Mensch sind."
Immer noch fixierte er sie, dann richtete er sich langsam auf und brach in schallendes Gelächter aus. „Würde gerne wissen wer was getippt hat…das würde mir mindestens die nächsten drei Schuljahre versüßen."
Hermione musste, um antworten zu können, ihren weit nach unten geklappten Unterkiefer schließen, so sehr hatte sie sein Lachanfall – was war es gewesen – geschockt?
„Schätzungsweise 86% wählten Möglichkeit eins oder zwei, Möglichkeit drei nahm, glaube ich, nur eine Schülerin, und ich sage nicht wer! Nummer vier eine Handvoll Mädchen, darunter meine Wenigkeit, und die letzte Version nahm vielleicht ein Dutzend Schüler, ausschließlich männlich. – Und im Gegenzug sagen sie mir jetzt, ob ich wirklich gewonnen habe, und nicht nur für die letzten paar Stunden."
„Es geht sie zwar nicht im Geringsten etwas an, aber da sie sowieso nichts erzählen dürfen – ja, sie haben gewonnen…!"
„Ok, wenn das so ist, können wir ja jetzt fahren und ein paar normale Sachen für einen normalen Mann kaufen, oder?"
Während sie sprach war sie schon auf den Flur gegangen und zog sich die Schuhe an.
„Kommen sie schon, sie wollten es doch."
„Ich wollte das? Ich wollte lediglich nach Hogwarts, ein paar Sachen von mir holen, dann eventuell noch in den Verbotenen Wald um ein paar Kräuter..."
„Bla bla, und warum sind sie dann nicht schon weg, sondern binden sich gerade den Schal um den Hals?"
„Vorsicht, Granger..."
„Ach, steigen sie schon ein."
*Smokey Robinson & The Miracles: „Shop Around"*
„Hier?"
„Glaubten sie, wir kämen in ein Gewölbe, in dem in jeder Ecke eine Elfe mit einer Nähnadel säße?"
„Unmöglich, wie soll man den hier finden was passt?"
Sie waren wieder in das Einkaufszentrum gefahren, in dem es einen großen, gut sortierten und vor allem modischen Laden gab.
„Wissen sie ihre Größe denn nicht? Oh, ach so ja. Versuchen sie die Reihe hier."
Snape nickte nur knapp und verschwand irgendwo zwischen Hosen und Hemden. Eigentlich wollte Hermione die Zeit nutzen, um für sich ein bisschen zu stöbern. Dann sah sie ihren Lehrer in eine der Umkleidekabinen verschwinden. Die Versuchung war einfach zu groß. Sie ging ihm hinterher und setzte sich auf eines der Sesselchen vor den Kabinen.
„Severus? Kommen sie raus und zeigen sich mal, bitte, ich möchte gern sehen was sie sich ausgesucht haben."
„Wieso um alles in der Welt sollte ich? Es passt und das reicht. Mehr brauche ich nicht."
„Nun jaaah, sie bräuchten ein paar Pfundnoten, oder nicht?"
„Das ist hinterhältige Erpressung, Granger, aber nicht mit mir. Ich brauche nichts."
„Ach seien sie doch nicht so…so leicht kann sie doch sonst nichts schocken, oder?" Kurzerhand stand sie auf und zog den Vorhang mit einem Ruck beiseite, bevor sie enttäuscht die Hände in die Hüften stemmte.
„Haargenau das Gleiche das sie immer tragen! Schwarze Hose und schwarzer Gehrock. Waren sie in der Abend- und Hochzeitsecke? Dafür gebe ich kein Geld aus. Sie wollten doch was für zu Hause und zum Rausgehen."
„Das wollten sie", erwiderte er säuerlich.
„Ziehen sie sich schon mal aus, und dann komm ich..." - ‚Wuhuups...'
Auf halben Weg machte sie abrupt kehrt und stand mit leicht geröteten Wangen wieder vor ihm.
„Ich meinte natürlich, ich suche ihnen mal was zum Anprobieren aus. Bis gleich."
‚Jetzt aber schnell bevor er verschwindet', dachte Hermione und griff nach einer schicken dunklen Jeans mit diesen modischen Abnähern an Knie und Seite.
– ‚Perfekt, und jetzt noch…'. Prüfend ging ihr Blick durch die Kleiderständer und den Sachen, die die Modelle trugen.
„Mal was krasses, rot vielleicht? Grün wie Slytherin? Ne, das will ich nicht, dunkel ist schon die Hose…auf jeden Fall ein Hemd mit kurzen Ärmeln…ja, so ein flottes Karomuster, weiß mit blauen und grauen Streifen, Aufdrucken darauf und irgendwelchen Aufsätzen an Schulter und Ärmel. Noch was für drunter…weiß? Nein, zu viel des Guten." Daraufhin entschloss sie sich in seinem Sinne, naja, und damit für ein einfaches dunkelblaues, langärmliges Shirt und Sneakers in gleicher Farbe.
„NIEMALS!", donnerte es aus der Umkleide, „sind sie verrückt geworden?"
Eine Verkäuferin war daraufhin dazugeeilt und fragte, ob sie Hilfe benötigten. Hermione setzte ihre absolut perfekte Unschuldsmine auf und erklärte ihr, dass sie den Freund ihrer Mutter ein bisschen in Modefragen unterstütze, da er etwas schüchtern sei, ein wenig unbeholfen sei und ihm nichts einfiel, seine neue Partnerin mal so richtig zu überraschen. Die Verkäuferin musterte ihn schnell und profihaft, nickte verständnisvoll und war in ihrem Element.
„Mister, versuchen sie es doch einfach mal…sie werden sehen, es gefällt ihnen."
Fluchend zog er die Sachen an und schwor sich, das nächste mal mit seinem Zauberstab wiederzukommen. So etwas durfte man nicht ungestraft lassen. Sie würde gar nicht merken wie ihr geschieht. Sie beide.
Vorsichtig schob er den Vorhang zurück und setzte seinen mörderischsten Blick auf.
„Na sehen sie, ist doch perfekt – macht sie ein wenig jünger. Ein Lächeln sollten sie noch versuchen, dann wird sie nur so dahin schmelzen."
Die Verkäuferin nahm Hermione ein wenig beiseite während er wieder in der Kabine verschwand.
„Kindchen, jetzt haben sie es bis hier geschafft, nun setzen sie am besten alles daran, ihn noch zum Frisör zu überreden, versprochen?"
„DAS HAB' ICH GEHÖRT!", brüllte Snape aus der Umkleide.
Flugs verschwand die Verkäuferin, denn der Blick des schüchternen Mannes von vorhin hatte sie doch ein wenig irritiert.
Hermione dachte darüber nach. Eigentlich gefiel er ihr so. Seine Haare waren weich und seidig, keineswegs fettig wie immer gesagt wurde. Das hatten die Mädchen längst erkannt. Sicher konnten einige Tränke und Dämpfe das Haar ruinieren, doch am nächsten Morgen sah es bei ihm immer wieder...gut aus.
Sie könnte sich ihn kaum mit kürzeren Haaren, schon gar nicht mit ganz kurzen vorstellen. Trotzdem versuchte sie es. Ihr wurde plötzlich bewusst, dass er den Männern ähnlich sah, die sie ganz gut fand...äußerlich...und so. Erstens dem Assistenzarzt. Der war immer nett und freundlich und trotzdem, so wurde es ihr klar, fehlte etwas. Zweitens einem ihrer Lieblingsschauspieler. Es gab da eine englische Krimiserie mit einem gewissen Inspector Lynley. Unerreichbar natürlich. Wenn sie die beiden vor dem innerlichen Auge verglich, könnten sie fast Brüder sein. Und wenn ihr einer im Traum anböte, dass sie einen von ihnen zu einem Date einladen könnte, ganz gleich wo auf der Welt, so hatte sie sich, so glaubte sie, entschieden...
„Granger, räumen sie die Sachen weg."
„Severus, ist ja gut. Gegenüber ist eine nette Buchhandlung. Vielleicht haben sie Lust dort etwas zu stöbern...und sich zu beruhigen. Währenddessen bringe ich das hier zu Ende."
Schon marschierte er hinaus. Beschäftigung mit vernünftigen Dingen war dringend mal wieder notwendig.
Jetzt hatte Hermione ein wenig Zeit, für sich selbst noch etwas Hübsches auszusuchen, wo sie sonst so selten Gelegenheit zu hatte. Die Winkelgasse war zwar auch ganz nett, aber eben nicht für alle Dinge, die man brauchte oder gerne wollte. Sie wäre nicht sie selbst gewesen, hätte sie nicht die Sachen für Snape trotzdem gekauft. Wenn sie schon da waren, würde er sie vielleicht doch anziehen – und er wäre fair genug, ihr später das Geld zurückzugeben.
Für den Vormittag war das genug Stress. Zu Hause angekommen, legte Hermione die Tüten achtlos in die Küche und machte sich daran, Kaffee zu kochen und für ihn, zu seinem Leidwesen, Tee. Nicht dass er Tee nicht mochte, aber er brauchte etwas, um die Sinne wach und bei Verstand zu halten.
Er war es nicht gewöhnt einfach herumzusitzen und nichts zu tun. Dann erblickte er ihre Tüten und bellte:
„Ich hatte sie gewarnt, dafür gebe ich ihnen keinen Sickel zurück, verlassen sie sich drauf."
„Na, dann mache ich einfach bei ein paar anderen Wetten mit, wenn ich wieder zurück bin, und verdiene mir so das Geld. Das wird sicher kein Problem sein nach diesen zwei Wochen.", grinste sie. „Und wie kommen sie darauf, dass da ihre Sachen drin sind?"
„Was wollen sie damit andeuten? Wir hatten eine Abmachung", erwiderte er mit mörderischem Blick.
„Ich werde mich ganz bestimmt daran halten, nichts zu erzählen…aber manchmal zählen Bilder sowieso mehr als tausend Worte", sagte sie mit ihrer unverkennbaren Unschuldsmiene und dachte an Mutters Kamera.
Wütend wie er war, weil er sich nicht sicher sein konnte, zu was sie wirklich in der Lage war, schnappte er sich eine der Tüten und ging damit ins Wohnzimmer. Das grenzte schon an Erpressung, aber das würde er ihr schon noch austreiben!
Gerade überlegte er, wie er die Sachen ungesehen in den Kleiderschrank von Hermiones Vater verschwinden lassen könnte, da kam sie wie eine Furie auf ihn zugerannt, konnte nicht mehr bremsen und landete auf der Couch – und auf ihm, da er gerade davor gestanden hatte. Er lag wie versteinert unter ihr und rang nach Luft, die Tüte immer noch in der Hand haltend.
„Machen sie sofort, dass sie runterkommen", giftete er und versuchte sich halbwegs in eine aufrechte Position zu bringen.
Damit bewegte er Hermione gleich mit, sodass ihre Situation noch verfänglicher wurde, als sie ohnehin schon war, denn jetzt saß sie rittlings auf seinem Schoß. Der Blick von Snape war kurz vor ich-werde-gleich-zum-Mörder, aber Hermione konnte sich nicht bewegen – so grotesk wie das Ganze war, starrte sie nur zurück.
„Was ist denn so schlimm daran, dass ich meine Sachen an mich nehme?", brüllte er, nur mit einer deutlich ungeduldigeren Stimme als man sie üblicherweise kannte. Währenddessen kippte er den Inhalt neben sich auf das Sofa, womit sich schlagartig seine Mine versteinerte. Hermiones Gesicht stand seinem in nichts nach, nur dass es eine knallrote Farbe angenommen hatte.
Snape starrte auf schwarze Nylonstrümpfe.
– Sekunden später auch auf zwei Haarbänder, eine Packung Hundekekse‚ Mädchenkram wie Mascara, Lidschatten und das neueste Cosmopolitan-Magazin. Und als wenn es noch nicht peinlich genug gewesen wäre, lag ihre beste – wie sie bis eben noch fand – Errungenschaft des Tages obendrauf, als wenn extra arrangiert: Ein Traum aus Spitze in schwarz und creme, wahr geworden in einem Set aus BH und passendem Höschen.
Sein Atem ging immer schneller und eine erste Schweißperle bildete sich auf seiner Stirn. Sie konnte ja nicht ahnen, dass ihm – just in dem Moment als sie noch näher an ihn heran rutschte (wenn das überhaupt noch ging) um ihm besorgt eine Hand auf die Stirn zu legen – sein Gehirn eine Diashow von Bildern vorführte, die sich nicht im geringsten mit einem gesundheitlichen Rückfall in Verbindung bringen lassen konnten.
Gerade rechtzeitig, bevor Hermiones Gefühl seine Informationen über den plötzlichen Widerstand unter ihr an das Denkzentrum weiterleiten konnte, packte er sie mit aller Kraft in der Taille und schob sie neben sich.
Snape war ohne ein Wort die Treppe hochgerannt und lehnte sich atemlos an die Wand. Hatte sie es gespürt oder gesehen oder – viel schlimmer – beides? Ihm drehte sich beinahe der Magen um. So konnte das nicht weitergehen. Irgendwie musste er aus dieser Situation raus, aber wie?
tbc
