Ihr Lieben! Immer wieder danke für ein Review - ich hoffe, ich habe bisher alle beantwortet - falls doch nicht, dürft Ihr mich gerne in den Kerker sperren! *g*
Hoffe das folgende kleine Chappi macht Lust auf Weiterlesen demnächst...wir nähern uns langsam dem Samstagabend :o)
Kapitel 12
Nach dem Vorfall auf der Couch gingen sie sich für den Rest des Nachmittags aus dem Weg, ob zufällig oder beabsichtigt wusste keiner von beiden so genau. Irgendwann schaute sie nach wo er war und stellte fest, dass er sich in die Bibliothek, wie Hermiones Vater immer gerne sagte, mit einem Stapel Bücher auf dem kleinen Tischchen zurückgezogen hatte.
Er musste nachdenken. Warum er nicht längst verschwunden war, war ihm absolut unklar und befand sich selbst im Moment als absolut unzurechnungsfähig. Die Muggelmedikamente? Vielleicht. Eher nicht. Nur stünde dann immer dieser Vorfall zwischen ihnen. Es musste geklärt werden. Bald.
Die Bibliothek war ein kleiner gemütlicher Raum der an das Wohnzimmer angrenzte und mit einer Schiebetür zu schließen war, wenn man wollte. Zwei Seiten des Zimmers waren mit alten dunkelbraunen Bücherregalen vollgestellt, in der ihre Eltern alle gesammelten Werke der Familie Granger und der Familie Tenerhale aufbewahrten – Fachbücher über Zahnmedizin, Romane, Reiseführer bis hin zu Hermiones alten Kinderbüchern.
Dort hatte Hermione auch die Liebe zum Lesen entdeckt und sich als Kind oft auf dem riesigen, kuscheligen Lesesessel in eine Wolldecke eingerollt und gelesen. Manchmal hatten ihre Eltern sie stundenlang nicht gesehen. Irgendwann hatte sie ihren Vater überredet, den zweiten, gleichen Sessel mit in ihr Zimmer nehmen zu dürfen – und auch wie so oft hatte er ihr den Wunsch nicht abschlagen können.
Dort saß er also, in ihrem Sessel, die Nase tief in ein Buch versunken. Beim genaueren Hinsehen erkannte sie, dass er einen Bildband über die Landschaften in Osteuropa herausgesucht hatte.
Dabei dachte sie unwillkürlich an Durmstrang, wo ihr Ex-Freund Viktor Krum zur Schule gegangen war – wenn man ihn überhaupt als solchen bezeichnen konnte. Damals war es ein so wunderbares Gefühl gewesen, wie er sie angesehen hatte, als sie die große Treppe in Hogwarts hinunterkam, wie er sie in seine starken Arme genommen hatte, wie er sie mit sicheren Schritten beim Tanzen geführt hatte…
Damals eben. Mit ihm hatte sie den ersten richtigen Kuss erlebt, aber für mehr war die Zeit einfach zu kurz. Sie hatte sich noch nicht bereit für mehr gefühlt. Natürlich hatten ein paar Hogwarts-Jungs um sie geworben, verliebt hatte sie sich nur in einen von ihnen – Jaron aus Ravenclaw und kaum einer wusste das. Wie es so ist im Teenageralter, war diese heimliche Liebe nach ein paar Monaten wieder vorbei gewesen. Später war sie dann Ron nähergekommen, aber letztendlich war es nicht so gewesen wie mit Jaron. Vorbei und vorbei.
Snape hatte längst bemerkt, dass sie in der Tür stand. Sein Interesse an dem Buch war groß, gerade besonders groß, und er hoffte, sie würde es ihm nicht ansehen, dass sein Blick irgendwo war, nur nicht auf der Seite, die er gerade aufgeschlagen hatte. Sein Verstand und seine Augen schienen wie vernebelt von einem Dunstschleier.
Hermione räusperte sich.
Snape stöhnte innerlich auf. Jetzt würde sie reden wollen und er wüsste nichts zu antworten. Nichts Plausibles. Nichts Logisches. Nichts Vernünftiges. Er würde es nicht erklären können und es nicht leugnen können. Dazu war sie viel zu klug. Doch es kam anders.
„Haben sie vielleicht Lust, heute Abend mit uns auszugehen, ich meine ins Theater? Wäre doch eine schöne Ablenkung und nicht zu anstrengend."
Da war es wieder – das wir, das uns. Wie schon bei den Telefonaten mitgehört. Sein Magen zog sich zusammen und er konnte nichts dagegen tun. Was war bloß mit ihm los? Keine Kontrolle über seinen Körper, sein Gefühl – eigentlich über vieles nicht mehr. Vielleicht ein Fluch? Eigentlich konnte es nur ein Fluch sein, aber, konnte sie…nein, und wenn, warum hätte sie…?'
Diese Überlegungen waren ein Ausmaß an Unsinn, schloss er.
Langsam legte er das Buch auf den Tisch und versuchte, wenigstens irgendetwas in Hermiones Gesicht zu erkennen, aber da war nur eine einfache Frage – nichts Gemeines, nichts Lauerndes, nur ein leichtes, ehrliches Lächeln. Falls sie doch etwas bemerkt hatte vor ein paar Stunden, dann sagte sie wohl nichts – entweder aus Angst, aus Entsetzten oder sie hatte die nötige Reife zu schweigen. Ihm war nicht klar ob es so besser war als wenn sie herumgeschrien hätte oder ganz verschwunden wäre. Letzteres allerdings gefiel ihm irgendwie nicht besonders, warum auch immer.
„Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee wäre wenn ich mitkomme, Hermione."
Im Unterricht war es ihr nie gelungen, ihre Gefühle hinter einer Maske zu verstecken, deshalb konnte er in ihr wie in einem offenen Buch lesen. Die ganzen Jahre hatte er das meistens ausgenutzt, um sie zu verunsichern oder um mit einem einzigen sarkastischen Kommentar ihre Augen zum wütenden Funkeln zu bringen. Nicht selten hatte ihm das sogar Spaß gemacht, doch wollte er sie damit eigentlich immer zu noch besseren Überlegungen oder Arbeitsmethoden anregen. Wie so vieles würde er das natürlich auch niemals zugeben.
Jetzt hatte sich ihr Lächeln in Bruchteilen von Sekunden zu Enttäuschung verwandelt. Bevor sie zu einem Aber ansetzen konnte, beeilte er sich weiterzusprechen.
„Nun, es ist doch sicher besser wenn ich hier bleibe und ein wenig ruhe. Außerdem gönne ich ihnen den Abend zu zweit – ich würde bei so etwas ja nie stören wollen…" Beim letzten Teil des Satzes triefte seine Stimme nur wieder so vor Sarkasmus.
Hermione brauchte einen kleinen Moment, bis sich ihr Lächeln wieder verstärkte bis hin zu einem lauten Lachen.
„Professor…ich meine Severus…ich hätte nie gedacht dass sie auch mal einen Scherz machen könnten…klasse…ach wenn ich doch nur was erzählen könnte…wirklich schade."
Er versuchte, einen seiner bösen Blicke aufzusetzen, obwohl er gar nicht wusste, was sie meinte. Wahrscheinlich war ihm das aber misslungen, sonst wäre sie vielleicht schon wieder rausgegangen.
„Wie um alles in der Welt kommen sie darauf, dass ich scherze?"
„Na, so wie sie das bei so etwas betont haben, kann es nur ein Scherz gewesen sein. Was soll denn das so etwas bedeuten?"
Betont langsam nahm er das Buch wieder zur Hand und schob es vor sein Gesicht.
„Sagen sie schon…"
Schweigen.
„Kommen sie nun mit oder nicht?"
Knurren.
„MÄNNER!"
Mit einem Poltern schob sie die Schiebetüren zusammen und stieg die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf. Es war höchste Zeit, sich auf den Abend vorzubereiten.
*Aretha Franklin: „(You Make Me Feel Like) A Natural Woman"*
Als am Morgen ihre Großmutter angerufen hatte, freute die sich sehr, dass ihre geliebte Enkelin wieder gesund ist und hatte sie gleich eingeladen, diesmal in ihre alte Wirkungsstätte: Ein großes Schauspielhaus mitten in London. Dort sollte am Abend ein berühmtes Rock-Musical aus den 70ern aufgeführt werden. Hermione kannte ihre Oma gut genug, um sich nicht über solch eine Einladung zu wundern.
Als Chef-Maskenbildnerin und gleichzeitig gute Seele des Theaters über einige Jahrzehnte war Großmutter an alles gewöhnt und hatte auch so ziemlich alles mitgemacht, was es zu erleben gab. Seit kurzer Zeit war sie im Ruhestand und konnte sich kaum daran gewöhnen, deshalb ging sie immer wieder an ihre alte Arbeits- und fast auch Vergnügungsstätte zurück und hatte auch sonst einen gefüllten Terminkalender.
Hermione war unglaublich froh über so eine Großmutter, die sie viel zu wenig sah. Andere Großmütter sahen oft auch aus wie eine Oma und benahmen sich so, ihre aber nicht und sie war stolz darauf, dass sie noch so fit war und dass sie mit ihr reden konnte. Über alles. Fast alles.
So wie sie ihre Schützlinge, die Schauspieler, verwandelt hatte, konnte sie es mit sich selbst immer wieder machen und schämte sich auch nicht dafür. Beim Bridge-Nachmittag mit ihren Freundinnen hatte sie immer ihr langes Haar – passenderweise, wie sie meinte – zu einem Dutt gesteckt und eine Strickweste über ein Blümchen-Blüschen angezogen. Bei ihr sah es nur aus wie eine Verkleidung. Beim Ausflug in die City trug sie oft eine schicke Hochsteckfrisur und ein Kostüm, was sie mindestens zehn Jahre jünger aussehen ließ. Hermione war gespannt, wie sie heute Abend ankam.
Hermione wollte sich ein Beispiel an ihr nehmen und starrte in ihren Kleiderschrank – Muggelkleiderschrank. Der gab nichts besonders Außergewöhnliches her außer sie würde... Zum 18. Geburtstag hatte sie endlich die langersehnte, schwarze Lederhose bekommen (von wem wohl?) und grinste bei dem Gedanken, dass sie keiner, aber auch keiner hatte verstehen können, außer einer. Ihre Eltern waren ziemlich verwundert, wiedersprachen aber nicht, warum auch.
Ja, sie würde es tun. Sie zog die neuen Strümpfe an, dann die Hose und entschied sich für die cremefarbene, trägerlose Corsage. Für die wäre es heute Abend eine Premiere und sie fragte sich, ob sie sich wirklich trauen würde. Dazu noch die enganliegende schwarze Kette...
„Ich mach das jetzt, jetzt oder nie. So schnell krieg' ich keine Gelegenheit mehr…", sagte sie zu ihrem Spiegelbild. Endlich mal anders als erwartet sein! Frau-sein.
In diesem Aufzug zum nächsten Schulfest oder gar im Unterricht aufzutauchen reizte sie ungemein, hatte aber keine Lust auf vier Wochen Nachsitzen – mindestens. Bei Snape sicherlich nicht nur vier Wochen, sondern für den Rest des Schuljahres.
Der Gedanke rief allerdings etwas ganz Seltsames in ihr hervor…heiß und kalt und beschleunigter Herzschlag…und die innere Stimme flüsterte ihr, dass sie es nur allzu gerne auf Nachsitzen ankommen lassen würde…
Sie schaute auf die Uhr und langsam wurde es Zeit für den letzten Schliff.
Einige Zeit später stand Hermione vor dem Spiegel im Bad und betrachtete sich eingehend. Die Smokey Eyes hatte sie wirklich gut hinbekommen – genau wie ihr es Großmutter beigebracht hatte. Zum Schluss verrieb sie etwas Gel in den Händen und glättete ihre Haare, die nun ganz streng seitlich nach hinten gekämmt waren und in einem langen, glatten Zopf endeten. Perfekt.
Nur wer das da im Spiegel war, wusste sie wirklich nicht mehr...fremd und gleichzeitig se** – nein, das andere Wort in ihrem Kopf würde sie nun wirklich nicht über die Lippen bringen.
Schnell schlüpfte sie in die hohen schwarzen Pumps und ging vorsichtig nach unten. Sie wollte es noch einmal versuchen und ihn fragen.
Snape saß immer noch in der Bibliothek, hatte seitdem aber kein Kapitel mehr gelesen. Innerlich rang er mit sich. Er wollte es einfach nicht wissen und auf der anderen Seite wollte er es unbedingt wissen. Wir! Doch Weasley noch? Nein, auf keinen Fall! Wer sonst?
Welcher Idiot, dazu Muggel höchstwahrscheinlich, konnte ihr das Wasser reichen? Der würde sie nur ins Unglück steuern und sie intellektuell verkümmern lassen. Sie würde sich aus der Zauberwelt verabschieden müssen und am Ende würde sie das gleiche Schicksal ereilen wie bei seiner Mutter... ‚Bei Merlin – deine Gedanken verselbstständigen sich...'
Nun, wenn er mitginge könnte er ihn vielleicht kurz allein zu einem Gespräch unter vier Augen bitten…was wäre so verkehrt daran…keiner würde es erfahren…ein bisschen Legilimentik…na dann...oder doch nicht?...
Er gab sich einen Ruck und ging Richtung Tür. Im gleichen Moment griff Hermione nach den Griffen und schob die Tür auseinander…
Ein Keuchen.
Atmen.
Herzklopfen.
Das was er sah machte ihn sprachlos, ließ ihn das Atmen vergessen, sein Verstand… Alle Überlegungen waren nur noch Schall und Rauch...
Sie – sie war die Ursache.
Sie – in der engen Hose, sie – in dem atemberaubenden Hauch von Nichts auf ihrem Oberkörper, sie – mit den Katzenaugen, sie – mit den Schuhen die ihn schwindelig machten.
Ohne Nachdenken, aus einem Impuls heraus, packte er sie am Arm, zog sie zu sich heran und es fühlte sich so an, als ob alle Gefühle, die er in den letzten langen Jahren unterdrückt und verborgen hatte, gleichzeitig in diesem Moment auf ihn einströmten.
Erschrocken von seiner plötzlichen Reaktion flackerte kurz Panik in Hermiones Augen auf – was hatte sie jetzt schon wieder falsch gemacht?
Aber als er ihr so tief in die Augen blickte, wie es noch nie jemand gemacht hatte, setzte ihr Nachdenken aus, einfach so. Langsam schloss sie die Augen und spürte seinen Atem auf ihrem Gesicht – er war ihr so nah…so nah… und auf einmal schrie ihr ganzer Körper nach ihm, nach seinen starken Armen‚ seinem Duft, seinen Lippen…seiner ganzen Präsenz…und dann war ihr klar warum sie nie jemand anderen hatte so nah kommen lassen, so nah…so tief in ihre Gefühle…
'Warum tust du es nicht…tu es einfach…tu es…', schrie sie innerlich.
tbc
