Ihr Lieben! Danke wieder und wieder für' Mitlesen! Freue mich.
Achtung für Kapitel 14: Kitschalarm! Sorryyy *g*
Sonja: Vielen Dank für Dein Review und dass Du den ersten überhaupt an mich richtest! Es ist eine große Ehre! Leider kann ich Dir nicht persönlich schreiben, da Du die Funktion nicht aktiviert hast oder nicht eingeloggt warst, als Du reviewt hast. LG KeyMagic!
Kapitel 14
*Foreigner: „I Want To Know What Love Is"*
Gewinnen war manchmal schwerer als verlieren – das spürte er gerade allzu deutlich als er „Nein, nein, nein…" mehr zu sich selbst schrie und sie dann mit einem festen Griff von sich runter schob. Er fuhr sich mit den Händen durchs Gesicht und starrte auf den Boden.
„Das, das war falsch, Hermione, es tut mir leid, das…"
Wenn der Verstand gewann, tat das Herz meistens weh, und das erfuhr er jetzt, eiskalt überrascht. Die meiste Zeit hatte er – wenn auch nur unterbewusst – vermutet, sein Verstand und sein Körper würden kämpfen.
Nein, so schnell gab sie nicht auf, sie sah das anders. Deshalb nahm sie seine Hände in ihre und küsste ihn ganz sanft.
„Sie…du brauchst dich nicht zu entschuldigen, ich wollte es doch auch. Bitte, wir…"
„Nein, wir hätten, nein, wir haben schon den größten Fehler gemacht. Wir dürfen nicht, ich darf nicht, ich bin dein Lehrer, Hermione.", sagte er ganz außer Atem.
„Aber ich bin erwachsen, ich entscheide…"
„Na, gerade eben habe ich für dich entschieden, ich habe die Kontrolle verloren und das darf mir nicht passieren, nicht mir."
Ohne ein weiteres Wort und sichtlich niedergeschlagen stand er auf und ging hoch in das Gästezimmer. Kurz darauf bildete sie sich ein, etwas gehört zu haben, dass sich wie Schläge gegen eine Wand anhörte, vielleicht auch nicht.
Hermione war viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Eigentlich hatte er recht, doch in ein paar Monaten wäre sie keine Schülerin mehr. Außerdem hatte sie, zusammen ihren Freunden und einigen anderen, seit Beginn des Krieges sowieso einen Sonderstatus in Hogwarts. Sie wurden wie Erwachsene behandelt und hatten sich des Vertrauens würdig erwiesen. Sie hatten Kraft, Mut und Entschlossenheit gezeigt und gekämpft, für das, was ihnen wichtig war.
Sie hatte schon einmal für ihn gekämpft, für sein Leben, und nun entschloss sie sich, (ihn) nicht aufzugeben. Woher ihre Gefühle kamen, konnte sie sich nicht erklären. Sie hatte ihn immer respektiert und mögen gelernt, während und vor allem nach dem Krieg. Was war anders? Langsam wurde ihr klar, dass sie endlich den Menschen Severus Snape kennen gelernt hatte. Der, der mal ein Fehler macht, der mal krank wird, der mal sagt was er gerne isst, der zeigt, dass er entgegen aller Erwartungen der anderen noch Gefühle hat – und immer hatte. Und – weil er endlich ohne seine Roben unterwegs war! Seine Figur war ganz ansehnlich...unter dem Gehrock.
Mit dem letzten Gedanken hatte sie sich selbst ein ganz kurzes Lächeln auf das Gesicht gezaubert. Ganz ohne Magie... – nun, ohne die Magie ihres Zauberstabs – bevor es wieder erstarb. Hätte sie einen Knopf, der die logisch-kluge Hermione wieder anschalten könnte, hätte diese gemerkt, dass sie im Begriff war, sich in ihren Professor zu verlieben. Es gab aber keinen Knopf.
Da es schon reichlich spät war, ging sie ebenfalls hoch und schloss leise ihre Schlafzimmertür. Von Snape hörte sie nichts mehr. Sie hatte Angst, dass er nach Hogwarts appariert war und dass sie nie mehr die Gelegenheit bekommen würde, ihn zu sprechen (‚und zu küssen, Hermione, gib's zu') – auf dieser privaten, fast schon freundschaftlichen Ebene. War nun alles vorbei? Sie wusste es nicht.
Ihr blieb nichts anders übrig, als auf den nächsten Morgen zu warten, denn heute Nacht hatte alles andere keinen Sinn mehr.
Noch Stunden lag sie wach und spürte seine Küsse auf ihrem Mund und ihrem Hals, als wenn sie echt wären. An so einem Punkt aufzuhören war grausam. Sie stellte sich vor, wie es hätte weitergehen können und konnte das prickelnde Gefühl in ihr nicht abstellen. Mit einer Hand strich sie über ihre Lippen und zeichnete eine Spur von Punkt zu Punkt, wo sie ihn gefühlt hatte...weiter den Hals entlang, über den Arm, wo er sie festgehalten hatte...bis zu dem Punkt, wo sie ihn gerne gefühlt hätte.
Dann schloss sie die Augen und sah sein Gesicht vor sich, diese Lippen und diese unglaublichen Augen, die sie das erste mal auf eine ganz andere Weise sah als bisher... Das Bild in ihrem Kopf ließ ihr Gefühl bis ins Unermessliche steigen. Sie ließ ihre Hand weiter abwärts wandern und stellte sich vor, dass es seine wäre und es dauerte keine paar Minuten, da erschauderte sie und genoss für einige Zeit das wohlige Pochen. Doch die Leere in ihrem Inneren war geblieben und das Gefühl des Verlustes war unerträglich, obwohl sie ihn doch gar nicht besessen hatte. Erst gegen Morgen fiel sie in einen unruhigen Schlaf.
*Love Story "Theme"*
Sonntag
Als es begann hell zu werden, wachte sie schon wieder auf. Mittlerweile machte sie sich keine Hoffnungen mehr, ihn heute wiederzusehen. Hätte sie doch nur einen Traumlos-Trank hier, dann wäre alles einfacher zu ertragen. Sie schloss wieder die Augen und döste vor sich hin.
Plötzlich hörte sie ein leises Klappern von unten. Es durchzuckte ihren ganzen Körper, ob vor Schreck oder vor Freude, konnte man nicht auseinanderhalten. Hermione sprang aus dem Bett, schnappte sich ihren Bademantel und zog ihn mit Müh und Not über ihr kurzes Nachthemdchen, während sie barfuss die Treppe hinunterlief.
Da war er! Mit zwei Tellern in der Hand stand er vor dem fast fertig gedeckten Frühstückstisch. So wie er aussah, hatte er auch kein Auge zugetan letzte Nacht.
Mit offenem Mund sah sie abwechselnd zu ihm und zum Tisch und formte tonlos die Frage nach dem Warum. Sie hatte ihn nicht gehört. Doch dann wurde ihr klar, dass er sich schon immer hatte lautlos bewegen können – entweder, um Schüler zu ertappen, die verbotenerweise irgendwo herumschlichen, oder in seiner Funktion als Spion.
Hermione konnte sich nicht erklären, warum er da war, noch da war. Sie verstand es nicht, nur ihr Herz machten einen riesigen Hüpfer. Am liebsten wäre sie auf ihn zugerannt und hätte ihn umarmt. Noch lieber hätte sie ihn geküsst und dann... wurde ihr Tagtraum von ihm unterbrochen.
Er durchbrach die Stille und versuchte, die richtigen Worte zu finden.
„Miss...Hermione, ich…ich habe über einen gegenseitigen Obliviate nachgedacht…doch es würde nicht funktionieren, nicht jetzt. Das Timing ist äußerst schwierig. Wenn der Spruch nicht auf die Sekunde genau ausgesprochen wird, steht der andere da und weiß nicht einmal mehr, was er bei seinem Gegenüber obliviaten soll. Entweder werde ich es bei ihnen allein vornehmen..."
„NEIN! Auf keinen Fall!", unterbrach sie ihn. Diesen Kuss wollte sie nie mehr vergessen. Es war so anders gewesen als die, die sie vorher mit Viktor oder Ron ausgetauscht hatte. Es hatte sich so richtig, so echt, so...ewig angefühlt.
„Sie können doch nicht allen Ernstes behaupten, dass sie das im Gedächtnis behalten wollen? Das, und dann auch noch mit so jemandem wie...mir. Wie wichtig die Maßnahme wäre, brauche ich ihnen wohl nicht erklären, oder? Hermione, mit so einem Fehler ist nicht zu spaßen und die Folgen wären nicht auszudenken. Für uns beide. Sie wissen das alles..." Während er sprach hatte er die Arme über der Brust verschränkt und versucht, sie mit seinem Blick und seiner Größe einzuschüchtern. Vergeblich.
Enttäuscht verließ sie den Raum. Sie hatte ihn einfach stehen gelassen und verdutzt sah er ihr nach. Dann schob sie die Türen der Bibliothek zu und setzte sich auf die knarrende Bank des alten, schwarzen Klaviers. Viel hatte sie nicht verlernt und begann, die traurige Melodie eines alten Liebesfilms zu spielen. Vor ihrer Zeit in Hogwarts hatte sie ein paar Jahre Unterricht gehabt und sich immer gewundert, warum auf der Zaubereischule Musik nicht auf dem Lehrplan stand. Manchmal war für sie im Raum der Wünsche ein Flügel erschienen, doch leider war die Zeit immer knapp gewesen, außer hier und da mal ein paar Minuten ganz für sie allein.
Genau an die gegenüberliegende Wand auf der anderen Seite hatte Severus seinen Kopf angelehnt. Ihm war nicht einmal das Klavier aufgefallen in der Zeit als er dort war. Und nie im Leben wäre er darauf gekommen, dass sie spielen konnte. Er lauschte eine Zeit lang der Melodie, die bis tief in sein Herz drang. Die Musik berührte ihn, nur dass ihm das noch nie zuvor so bewusst geworden war.
Seine Gedanken trugen ihn durch verschiedene Stationen seines Lebens und er kam zu dem Schluss, dass dies hier, das hier und jetzt, nicht wirklich zu den schlimmsten Erlebnissen zählen konnte. Und er wusste, dass Hermione niemals etwas herumerzählen würde. So war sie einfach nicht. Er wartete noch einen Moment und rang sich dann dazu durch, zu ihr zu gehen.
Er schob die Türen auseinander und sie hörte sofort auf zu spielen.
„Hören sie nicht auf!"
Ungläubig blickte sie zu ihm auf.
„Ich wusste gar nicht, dass sie spielen können..."
„Was wissen sie schon von ihren Schülern?" Hermione ließ ihm keine Zeit zu antworten, sondern spielte weiter, diesmal mit beiden Händen und bis zu Ende. Sie hatte keine Lust auf eine weitere Diskussion.
Snape setzte sich – entgegen ihrer Erwartung – in den Sessel, blickte aus dem Fenster und hing wieder seinen Gedanken nach. Als sie geendet hatte, verbreitete sich Stille. Erst nach ein paar Minuten brachte er eine Antwort hervor.
„Nichts, ich weiß nichts von meinen Schülern. Nur das, was ich eigentlich nicht wissen will – wann sie die Regeln brechen, warum sie keine Hausaufgaben machen und so vieles mehr. Was sollten die mir auch mehr erzählen wollen? Nichts. Eben nichts."
„Sie haben es nie versucht!"
„Nein.", gab er zu. „Aber ich weiß, was sie für unsere Welt getan haben, alle drei, und alle anderen. Das habe ich nicht vergessen."
„Das beruht auf Gegenseitigkeit.", erwiderte sie und betrachtete ihn. Diesmal wich keiner dem Blick des anderen aus.
„Und was soll das heißen, mit so jemandem wie mir? Hat es ihnen denn noch nie jemand gesagt? Das glaube ich nicht. Sie haben nie zugehört. Sie sind jemand, Severus, sie sind intelligent, sie sind wichtig, sie werden gebraucht, sie sind... Ich schaue ihnen gerne beim Arbeiten zu...und...". Sie konnte nicht weitersprechen.
„Gebraucht? Wohl eher nicht...mehr.", sagte er mit einem spöttischen Auflachen, das trauriger klang als er dachte. Vielleicht hatte man ihm solche Sachen schon mal gesagt. Lily, damals am Anfang, später Voldemort, um ihn zu ködern, Dumbledore, um ihn für seine Sache zu gewinnen – oder als Freund und Mentor? Vielleicht auch.
Vorsichtig ging sie auf ihn zu, bückte sich zu ihm herunter und hauchte ihm ein Kuss auf die Wange. „Es ist so!", flüsterte sie.
Er ließ es geschehen, wenn auch mit einem ungläubigen Ausdruck auf seinem Gesicht. Diesmal hatte er keine Schuld. Sie war auf ihn zugekommen und er wurde nervös, weil sie noch nicht wieder zurückgewichen war.
„Hermione, bitte,..."
„Was?", fragte sie ganz verwirrt, denn in Gedanken durchlebte sie gerade noch mal die Szene mit ihm von gestern Abend.
„Der Bademantel...bitte, mach, machen sie ihn zu."
„Oh!" Als er das sagte, dachte sie unwillkürlich daran, was sie gestern Nacht noch alleine gemacht hatte und ihr schoss das Blut in die Wangen.
„Aber..."
„Ja?", fragte sie erwartungsvoll.
„Würden sie vielleicht noch etwas spielen?"
„Oh... ja...dann..."
„Wenn sie nicht mögen..."
„Doch, natürlich...die...Pedale waren nur etwas kalt unter meinen nackten Füßen.", sagte sie schnell, bevor er etwas Falsches dachte. Nach seinem Aber hatte sie gehofft...ja, was eigentlich? Dass er sagen würde komm wir gehen nach oben oder was? ‚Du meine Güte, Hermione...besser wäre Eis zum Frühstück zum Abkühlen.' Sie konnte ihm keinen Wunsch mehr abschlagen, deshalb setzte sie sich wieder und erfüllte seine Bitte mit einem weiteren Stück.
Severus konnte sich nicht erklären, warum er noch geblieben war. Zum hundertsten mal ungefähr. Der Gedanke, jetzt nach Hogwarts zurückzukehren, war für ihn gerade unvorstellbar. Irgendetwas zwang ihn förmlich dazu, zu bleiben. Müde war er, da er die ganze Nacht wachgelegen hatte. Schon komisch. Sonst war er nächtelang durch Hogwarts gestreift, hatte Schüler erschreckt, Kontrollgänge gemacht oder wurde zu Todesser-Treffen gerufen. Und wenn er mal keine Aufgaben erledigen musste, hatte er dennoch nicht schlafen können wegen quälender Gedanken, wegen des immer-bereit-sein-müssens und sogar wegen Angst. Wenn sich der Schlaf dann mal eingestellt hatte, wurde er immer wieder durch Alpträume unterbrochen. Sogar nachdem der Krieg beendet war, hatte sich nicht sehr viel geändert. Doch hier und jetzt, in dieser einen Woche, schlief er besser als je zuvor und war nun müde wegen einer durchwachten Nacht? Wie paradox. Er schüttelte innerlich den Kopf über sich selbst.
Während seiner Überlegungen hatte er sie beobachtet und gleichzeitig beschlossen, noch nicht zu gehen. Dann hörte sie auf zu spielen und drehte sich zu ihm herum.
„Frühstück?", fragte sie unvermittelt.
„Ja", gab er zurück, und damit war alles gesagt.
Schweigend aßen sie ihre Brötchen und räumten gemeinsam den Tisch ab.
„Ich werde nachher zu Großmutter gehen, wie versprochen...und nein, ich werde nicht fragen, ob sie ebenfalls die Einladung annehmen. Vielleicht...sind sie ja noch hier wenn ich zurück bin, es...würde mich freuen."
„Hatte ich gesagt ich käme nicht mit?"
„Ähm...?"
„Wissen sie, es ist wirklich angenehm mit jemandem zu sprechen, der einen nicht kennt, und der die Geschichte nicht kennt. Es ist so...normal wie es nie war."
Na, ob er sich da nicht täuschte. Er würde es herausfinden...
Hermione konnte nichts sagen, aber sie strahlte über das ganze Gesicht.
tbc
