Kapitel 15


*Baha Men: „Who Let The Dogs Out"*


Sie waren am Gartentor vor dem Haus ihrer Großmutter angekommen, als sich Snape nochmal zu Hermione umdrehte.

„Was ist, wenn ihre Eltern das hier erfahren…sie werden…sie werden was weiß ich denken und McGonagall reißt mir den Kopf ab, wenn…"

Hermione öffnete das Törchen und ließ ihn als erstes hinein. Er drehte sich wieder zu ihr um und sie schloss das Tor, während sie ihm antwortete.

„Erstens: Großmutter wird sowieso nichts erzählen, dazu kenne ich sie viel zu gut. Sie wird es mir überlassen. Was eigentlich? Dass sie gerne Tee trinken oder was meinen sie, sollten meine Eltern nicht erfahren?", grinste sie. Natürlich wusste sie, was er meinte.

Zweitens: Das haben wir jetzt genug diskutiert und es gibt doch keine neuen Entwicklungen, oder? – Pause – Schweigen – Drittens: Sie können doch gar nicht wissen was meine Eltern denken. Sie kennen sie doch gar nicht."

Bei dem letzten Satz hatten Hermiones Mundwinkel kurz gezuckt und ihre Augen leuchteten. Nur dass es Snape vermutlich falsch interpretierte…nein, nicht nur vermutlich, sondern offensichtlich.

„Ihr Grinsen und ihr ständig abweichender Blick lässt mich eher vermuten, dass ich Recht habe. Vielleicht sollten wir besser gehen und…" Stimmt, ihr Blick war ein paar mal an ihm vorbeigeglitten und er würde gleich merken, warum.

Weiter kam er nicht mit seinen Zweifeln, denn Emma, eine Golden-Retriever-Hündin, kam in Windeseile, dennoch lautlos, auf die beiden zugerannt. Sie liebte Menschen und hatte die Angewohnheit, jeden einzelnen ausgiebig zu begrüßen, ob fremd oder nicht.

Scheinbar war sie, neben Lily und seit neuestem Hermiones Großmutter, die einzigste in der Welt, oder im ganzen Universum, die Snape von der ersten Sekunde an mochte, denn sie machte weder Halt noch wich sie zurück, sondern rannte mit voller Geschwindigkeit von hinten in seine Beine – überschwänglicher, als man es sonst von ihr kannte. Durch ihre Kraft und den Überraschungsmoment verlor er den Halt und landete in Hermiones Armen. Sie stütze ihn und er hielt sich ein wenig länger an ihr fest, als es vielleicht nötig gewesen wäre. Normalerweise hätte er sofort seinen Zauberstab gezückt, aber nicht einmal der Reflex war mehr da, nur noch ihre Augen, ihre Arme…

„Was in Merlins Namen war das?", raunte er und Hermione konnte ihr Lachen jetzt nicht mehr unterdrücken. So etwas Ähnliches hatte sie kommen sehen. Emma lief ganz aufgeregt um die beiden herum um Aufmerksamkeit zu bekommen, musste sich aber noch etwas gedulden. Mit tiefstem Entsetzen folgte Snape den Runden des Hundes und versuchte ihn, mit seinem typischen Snape-Blick zu fixieren:

„Zeig wer du bist, sonst wirst du mich kennen lernen. Ein Angriff in Animagus-Form auf einen Zauberer ist eine Straftat, also…"

Hermione bog sich vor Lachen und Tränen liefen ihr die Wangen hinunter.

„Es ist ein Hund, Severus, nur ein Hund und nichts anderes. Eine Sie um genau zu sein."

Der einzigste Hund, mit dem er je zu tun hatte, war Sirius (‚der Köter'), und das waren bei weitem einige der schlechtesten Erfahrungen, die er in seinem Leben gemacht hatte.

„Sie hätten mich vorwarnen können! Was soll das, warum läuft es hier herum und ist nicht in einem Käfig?"

„Emma gehört doch nicht in einen Käfig", erwiderte sie entsetzt, musste aber gleich darauf wieder lachen.

„Natürlich. Es ist gefährlich und hat sich hinterhältig herangeschlichen."

Hermione rollte mit den Augen und gab auf. Sie kniete sich auf die Wiese und belohnte den Hund endlich mit seinen erhofften Streicheleinheiten. Severus stand fassungslos daneben.

„Kommen sie schon, streicheln sie sie auch, nur einmal."

„Nein!"

„Keine falsche Scheu", rief sie.

„Niemals!", schnauzte er zurück.

„Dann gehen wir besser rein und trinken Tee, es ist sowieso etwas zu kühl um hier draußen zu diskutieren."

Emma wich ihm nicht von der Seite, wedelte enthusiastisch mit dem Schwanz und schaute ständig zu ihm auf, als sie Richtung Haus gingen.


Mrs. Tenerhale stand mittlerweile in der Haustüre freute sich sichtlich, dass sie beiden wirklich vorbeigekommen waren. Gestern Abend war sie schneller aufgebrochen, als sie eigentlich vorhatte. Es war keine Lüge gewesen, dass sie Emma bei der Nachbarin abholen musste, nur hatten sie keine Zeit ausgemacht und zur Not hätte der Hund dort übernachtet – es wäre nicht das erste mal gewesen und Carey wusste Bescheid. Gerne hätte sie sich noch länger unterhalten, doch ihr Gefühl hatte ihr gesagt, sie sollte die beiden allein lassen. So wie er ihre Enkelin angeschaut hatte...

Nach Hermiones wenigen Schilderungen hätte der Professor ganz anders sein müssen. Sie war überrascht gewesen, was für ein angenehmer Mensch er war. Warum, konnte sie nicht recht beurteilen, aber sie wusste, dass sie bisher die Menschen fast immer richtig eingeschätzt hatte.

Sie hätte ihn auch einfach mitgebracht, wenn sie ihn in der Stadt getroffen hätte. Nur Hermione war sonst eigentlich nicht ganz so locker, deshalb wunderte sie sich ein klein wenig. Sorgen machte sie sich keine, warum auch. Nur das Gefühl ließ sie nach wie vor nicht los, dass da noch mehr dahinter steckte. Neue Menschen und unerwartete Ereignisse fand wirklich spannend...sie würde ihnen mal auf den Zahn fühlen müssen. ‚Ha', dachte sie, ‚nicht nur meine Kinder sind Zahnärzte.' Sie musste über ihren eigenen Witz lachen.

„Schön, dass ihr da seid. Habt ihr gut geschlafen?", fragte sie unvermittelt und sehr beiläufig – zu beiläufig.

Hermiones Gesichtsfarbe wechselte nicht zum ersten mal diese Woche auf leicht-rosa.

„Was? Neiiin...nicht so gut. War ja auch etwas spät gestern..." antwortete sie verlegen. Jean grinste. „Ich, ich meinte ich hab nicht so gut...".

„Du hast ja noch ein paar Tage Ferien, Liebes, da kannst du dich ja sicher noch etwas ausschla...ausruhen."

Dann blickte sie fragend zum Professor und der sagte außer einer Begrüßung gar nichts.

‚Na wenn das mal nicht der erste Hinweis ist...', dachte sie bei sich und führte die beiden ins Wohnzimmer.


Hätte ihm das einer vor zwei Wochen gesagt, dass er bei einer älteren Dame zum Tee eingeladen wird, hätte er denjenigen vielleicht in eine Kröte verwandelt. Er kannte sich selbst nicht wieder. Nicht nur seit heute.

Sie setzten sich an den bereits gedeckten Tisch und genossen unterschiedlichste Sorten von Großmutters selbstgebackenen Muffins. Sie hielt ihm den Teller hin und er sollte sich ordentlich bedienen. Während sie aßen, konnte sie sich ihn ein wenig näher anschauen. Die Haare gefielen ihr, nicht so langweilig wie bei anderen Männern. Die Alltagskleidung mit Jeans und Hemd stand ihm zwar, doch gestern Abend in dem schwarzen Anzug hatte er ihr besser gefallen. Als wenn er nicht er selbst wäre... Zwischendurch frage sie ihn, ob er noch Tee oder Kaffee möge und sie unterhielten sich über belanglose Dinge. Leicht zu bewältigender Smalltalk – für ihn – vorerst.

Trotzdem war ihm nicht sonderlich wohl zumute, denn er wurde ständig beobachtet. Er konnte einfach die vielen vergangenen Jahre nicht einfach so abschütteln und so konnte er nur langsam in einer für ihn neuen Situation entspannen. Je länger sie dort saßen, desto intensiver wurden die Blicke, die ihn verfolgten. Er wurde nervös und fragte sich, wie lange er sich noch unter Kontrolle hatte.

Nach weiteren Minuten stand er abrupt vom Tisch auf.

„Miss Granger, ich kann das nicht, wir…es geht zu schnell, ich…"

Mrs. Tenerhales Augen verfolgten aufmerksam die Situation. Völlig perplex aber auch sichtlich amüsiert beschränkte sie sich darauf, das Schauspiel – und sie liebte Schauspiele – als stiller Zuschauer zu genießen und machte sich weiterhin ihre eigenen Gedanken dazu.

„Sie brauchen nichts zu tun was sie nicht wollen", sagte Hermione leise und packte ihn sanft am Arm, um ihn wieder zum Hinsetzen zu bewegen. Murrend folgte er ihrer Führung. Sie strich ihm den Arm entlang und berührte kurz seine Schulter, bevor sie sich abwandte, um ihm und sich einen weiteren Apfel-Muffin auf den Teller zu laden.

Beim Merlin, er war Todesser gewesen, hatte Voldemort betrogen und war der Alptraum aller Schüler, die er jemals unterrichtet hatte – und jetzt machte er davor einen Rückzieher?

Mrs. Tenerhale grinste und schwieg, Hermione schmollte oder tat zumindest so.

„Schon gut, schon gut" seufzte er und verfluchte sich innerlich, dass es zwei Frauen und ein Hund geschafft hatten, ihn zu schlagen und er dem nichts, soviel er auch überlegte, nichts mehr entgegenzusetzen hatte.

So unauffällig wie möglich lehnte er sich ein wenig in Richtung Hermione, streckte seine Hand aus, erwiderte endlich den Blick …

…und zu seinem wiederholten Erstaunen kam Emma ihm sofort einen Schritt entgegen und ließ sich den Kopf tätscheln, als wenn sie gewusst hätte, dass er nachgeben würde – früher oder später. Sie hatte die ganze Zeit zwischen ihm und Hermione gesessen und die Augen weder von ihm noch von den Muffins gelassen.

‚Beim größten Merlin, der dunkle Lord hätte nur einen Hund haben müssen um seine Todesser zu durchschauen oder zu kontrollieren', dachte er völlig abwesend, abgelenkt von diesem irren Gedankengang.

Ein erleichtertes Aufatmen ging durch den Raum und Hermione strahlte wieder.

„War doch gar nicht so schlimm, oder?"

„Schlimm ist gar kein Ausdruck", schimpfte er und zog seine Hand wieder zurück, „meine Hose ist voller heller Hundehaare – ist der schon so alt dass er an Haarausfall leidet?"

„Hunde haaren nun mal, ich bringe das nachher wieder in Ordnung", versprach sie. Das beschwichtige ihn ein wenig, nicht ahnend, was er mit der Aktion in Gang gesetzt hatte.

Kaum eine Minute später hörte er ein leises Winseln aus Richtung Hund.

„Was ist denn nun schon wieder?"

„Nun jaaah, Professor, sie werden es herausfinden…"

Silencio", sagte er zu Emma und sie hörte nicht auf.

Dann versuchte er es wieder mit seinem Einschüchterungs-Blick, der bei jedem Schüler wirkte, von der ersten Klasse bis zur siebten, ach was, bis zum Lehrer-Kollegium – nur hier nicht. Kaum berührte er wieder das Fell, war Ruhe. Mit der anderen Hand stütze er seinen Kopf auf den Tisch und schüttelte denselben fassungslos. Die Prozedur wiederholte er noch zweimal und kam immer wieder zum selben Ergebnis des Experiments: Aufhören gleich Wimmern und Jaulen; Streicheln bedeutete Ruhe und Schwanzwedeln.

Dann setzte sie noch einen drauf, hob ihre Pfote und legte sie Snape aufs Knie, damit er auch noch ihren Bauch besser streicheln konnte. Und Hermione dachte ‚so einfach ist das also' und bezeichnete sich gleich darauf als völlig irre. Severus gab seinen Wiederstand (zum wievielten mal diese Woche?) auf und sah sich gezwungen, die nächste Stunde in der Position zu verharren. Wäre er aufgestanden um dorthin zu gehen, wo er gerne hingehen wollte, so wäre sie ihm am Ende noch gefolgt und das wollte er um jeden Preis vermeiden.

Der Anblick war zu köstlich, doch irgendwann hatte Mrs. Tenerhale ein Einsehen.

„Ich werde Emma in der Küche etwas zu fressen geben, dann haben sie einen Moment Ruhe, Mr. Snape", sagte sie. „Fühlen sie sich bitte wie Zuhause."

Snape stand sofort auf und ging aus dem Wohnzimmer. Emma schaute ihm hinterher, als könne sie sich nicht zwischen ihrem Futter und ihm entscheiden. Doch sie wählte letztendlich den nun lecker gefüllten Fressnapf.


Hermione erhob sich auch. „Kann ich dir helfen, Oma?"

„Oh ja, Liebling, nenn mich nicht Oma", lachte sie. „Sag mal, dein Professor, der ist doch ganz nett. Wieso hast du mir etwas anderes erzählt?"

„Hm, er war ja auch so die ganze Zeit seit ich ihn kennen gelernt habe. Ich weiß es nicht, die letzten Jahre haben uns alle verändert. Auf verschiedene Weisen."

Vielmehr als die groben Ereignisse hatte Hermione nicht erklären können, denn von der Härte des Krieges und dem letzten Jahr, wo sie auf der Suche nach den Horkruxen waren, wusste ihre Familie nicht viel. Nur weitaus abgeschwächtere Formen. Sie hätten nie wissen dürfen, in welcher Gefahr sie waren, geschweige denn von den Folterungen und den Morden seitens der Todesser. Natürlich hatte sie erklären müssen, warum sie ihre Eltern nach Australien geschickt hatte – zur ihrer aller Sicherheit, eine Vorsichtsmaßnahme, wahrscheinlich eigentlich gar nicht nötig und so weiter – es war eine Gratwanderung gewesen.

„Naja, jedenfalls ist er ein wirklich netter Mann und du kannst sicher noch viel von ihm lernen...auch für dein Leben."

Hermione wusste nicht, wie sie das meinte. Ja, sie hatte viel von Snape gelernt. Fachlich ganz klar, aber später auch Loyalität, Ehrlichkeit (mal war es richtig und mal hart) und nicht aufzugeben. Insofern hatte ihre Großmutter schon recht. Doch bald war die Schulzeit um und es stand nicht mehr viel Zeit bevor, die sie mit Snape im Unterricht verbringen würde. Eigentlich wusste sie das, deshalb schob Hermione den Gedanken über ihre Worte beiseite.

„Er wohnt in der Schule?", fragte sie weiter.

„Ja, aber wie du weißt, gibt es hier in London die Winkelgasse und viele gehen dorthin und erledigen ihre Besorgungen. Nicht nur da, manchmal müssen sie auch in die Mug... zu uns, meine ich."

„Und, ist er verheiratet? Hat er Kinder?"

„Was? Natürlich nicht. Wieso?", hustete Hermione, weil sie sich verschluckt hatte.

„Wieso nicht! Es interessiert mich. Und wieso natürlich nicht? Ich hätte eher das Gegenteil erwartet, aber dann wäre er sicher nicht hier...", überlegte Großmutter laut und schaute Hermione mit funkelnden Augen an.

„Wie meinst du das denn? Ich hab ihn doch nur...".

Abrupt hörte sie auf zu sprechen, denn der Hund war aufgesprungen weil Snape zurück war.

„Ich? Ich meine Nichts, Liebes.", sagte sie mit nicht sehr viel Überzeugungskraft. „Aber könntest du bitte mit Emma eine kleine Runde um den Block? Danke, dann kann ich hier eben zu Ende aufräumen."

„Lass uns tauschen, ich mache das hier..."

„Nein, nein, ich fürchte, ich habe ein bisschen...Kratzen im Hals. Vielleicht habe ich mich bei dir angesteckt. Außerdem ist es kalt draußen und du scheinst wieder gesund zu sein. Nur ganz kurz eine Runde, bitte."

„Ok, dann geh' ich mal eben. Professor? Ich bin gleich wieder da.", rief sie beim Hinausgehen.


So! Das Kratzen im Hals war plötzlich verschwunden.

„Nun, Mr. Snape, es war sicher ein ungewöhnlicher Abend für sie?" Während sie die Teller in die Spülmaschine räumte und die restlichen Muffins im Kühlschrank verstaute, eröffnete sie nebenbei die Fragestunde.

„In der Tat, so etwas zählte bisher nicht zu meinen Erlebnissen."

„Es tut mir leid wenn es etwas zu sehr ungewöhnlich war, ich wusste ja nicht, dass sie mitkommen. Ich glaube, dass es für Hermione auch nicht so das Treffende war. Aber sie kennt mich ja", witzelte Mrs. Tenerhale. „Schön, dass sie heute trotzdem meiner Einladung gefolgt sind. Dann mussten sie extra wieder...anreisen oder wie man es in ihrer Welt nennt?"

„Sie meinen sicher Apparieren. Quasi ein Ort-zu-Ort Transport. Nein, ich...bin in der Stadt geblieben da ich noch eine...Vereinbarung zu erfüllen hatte."

„Ahh so, ich verstehe. (‚Aaaha!')

Wissen sie, so ist Hermione auch. Immer darauf bedacht, alles richtig zu machen, sich um andere zu kümmern, ihre Aufgaben zu erfüllen. Dabei vergisst sie oft, dass es auch noch das Leben gibt. Sie hat sich so verändert, im letzten Jahr besonders. Das Stahlen ihrer Augen vermisse ich ein wenig – oder sie war nur bei mir so. Obwohl es in den letzten Monaten wieder besser geworden ist. Abgesehen davon hat sie sich wirklich gemacht...eine richtig hübsche Frau ist sie geworden, finden sie nicht auch?"

„Nun..." Snape wusste nicht, wie er auf so ein Thema reagieren soll und ihm war ein wenig mulmig in seiner Haut.

„Ach, sie sind doch nicht nur Professor, oder?", grinste sie.

„Ähm...". Irgendwie erinnerte ihn das an das ein oder andere Todessertreffen. Wenn man zu Voldemort gerufen wurde, war es auch nie ganz klar, welche Antwort die richtige war. Entweder es erwartete einen ein kleiner Crucio oder ein weiterer Tag Leben...Absurd, aber er fühlte sich gerade ein kleines bisschen ähnlich... So sprachlos war er selten gewesen.

Er durfte nicht darüber nachdenken, wie recht Mrs. Tenerhale hatte. Immer wieder spürte er die Küsse von gestern Abend auf seinen Lippen...ihre Haut unter seinen Händen...

„Welches Fach unterrichten sie noch mal?"

„Zaubertränke", erwiderte er, erleichtert über das neue Thema.

„Zaubertränke...hm...ich gehe davon aus, dass es mehr in Richtung Chemie geht als in Hauswirtschaft?"

„So ist es. Man würde es in ihrer Welt wahrscheinlich als eine Mischung aus Biochemie und Botanik erklären können. Wobei die wichtigste Komponente, die der Magie, natürlich fehlt."

„Wie ich höre, kennen sie sich gut aus mit dem Schulsystem hier."

„Nun, fast alle Kinder, die aus kompletten oder gemischten Muggelfamilien, ich meine Nicht-Zaubererfamilien stammen, besuchen in den ersten Jahren eine normale Schule."

„Sie auch? Aus welcher Gegend stammen sie?"

Snape blickte etwas ausweichend umher. „Es ist lange her.", sagte er nur und sie verstand, dass er jetzt nicht weiter darauf eingehen wollte.

„Oh, und wegen gestern Abend noch mal – für Jay wollte ich mich irgendwie...nein, entschuldigen wäre das falsche Wort. Er ist ein bisschen überschwänglich, aber ein sehr netter Mensch, der nur manchmal das Offensichtliche ausspricht, was sich sonst niemand traut..."

„Ich denke nicht, Mrs. Tenerhale, dass..."

Sie fiel ihm ins Wort: „Ich finde, er hatte recht, als er sagte..." Ihm war so, als hätte er diesen Satz schon einmal gehört, vor nicht allzu vielen Stunden.

Zu wessen Glück auch immer, in dem Moment kam Hermione mit Emma zurück.

Sie ging gleich in die Küche und schaute in zwei überraschte Gesichter. Was war denn nun schon wieder? Hoffentlich hatten die beiden sich gut unterhalten, dachte sie ein wenig nervös. Oder besser hoffentlich nicht.

„So, Großmutter, danke für die Einladung. Es wird schon langsam dunkler und ich denke, wir gehen dann jetzt. Wir haben dich ja auch schon mehr als drei Stunden in Anspruch genommen."

„Liebes, es war schön. Sehen wir uns in deinen Ferien noch mal?"

„Denke schon."

„Und sehe ich sie auch noch mal, Mr. Snape?"

„Ich denke eher nicht. Vielen Dank für die Einladung. Es hat mich auch gefreut, sie kennen zu lernen."

„Oh!"

„Zum Schulbeginn gibt es noch einiges zu erledigen, daher muss ich bald nach Hogwarts zurückkehren."

„Verstehe. Ich wünsche ihnen alles Gute, Mr. Snape. Bis irgendwann, hoffe ich!"

Hermione verabschiedete sich noch von Emma. Severus nicht.

Der Hund guckte ganz irritiert und wollte hinterher laufen, doch Mrs. Tenerhale hielt ihn zurück. „Lass die beiden. Du bekommst jetzt von mir deine Streicheleinheiten, und die beiden haben auch noch was Ähnliches zu erledigen, vermutlich.", sagte sie mit einem Seufzer, der in einem Grinsen endete.

Als sie auf der Straße standen, schaute sie ihm in seine unergründlichen Augen.

„Wollen sie wirklich nach Hogwarts zurück? Jetzt?", fragte sie mit einer unglaublich enttäuschten Stimme.

tbc