Kapitel 16

„Wollen sie wirklich nach Hogwarts zurück? Jetzt?", fragte sie mit einer unglaublich enttäuschten Stimme.

„Es wäre die logische Schlussfolgerung, Hermione."

„Sie hatten mal gesagt ich bleibe."

„Aber das ist schon länger her."

„Unheimlich lang...es sind wahrscheinlich Jahre..."

„Noch so eine neue Seite an ihnen...woher haben sie bloß den Sarkasmus gelernt?", spöttelte er und zog eine Augenbraue und einen Mundwinkel hoch, wie sie überrascht feststellte.

„Wie witzig, Severus."

„Wir könnten noch eine kleine Runde spazieren gehen, wenn sie mögen."

Jetzt zog Hermione überrascht eine Augenbraue hoch. „Schön. Dann machen wir das doch."

Leider hatte es wieder zu regnen begonnen, als sie auf dem Weg nach Hause waren. Zum bummeln war es jetzt viel zu ungemütlich. Ohne sich abzusprechen waren sie gemeinsam mit schnellen Schritten zurückgekehrt. Sie hatte nicht mehr gefragt und er hatte nichts mehr gesagt – es hatte sich einfach so ergeben. Im Haus war es auch nicht viel gemütlicher weil kühl, deshalb drehte Hermione die Heizung etwas höher und ging nach oben, um sich etwas Wärmeres anzuziehen. Danach wollte sie das Abendessen zubereiten.


*Muse: „Apocalypse, please"*


Snape war ganz in Gedanken. Er überlegte krampfhaft, wie er an diesem Abend nicht wieder in so eine verfängliche Situation wie am Tag zuvor geraten würde. Ein drittes mal könnte er sich wahrscheinlich nicht mehr beherrschen – es kostete ihn sowieso schon enorme Kraft, seinen Gefühlen nicht nachzugeben. Fast tat es schon weh. Bei Merlin, warum war er nicht nach Hogwarts zurückgekehrt (‚und habe ich gerade über Gefühle nachgedacht?'). Und wie immer wusste er keine Antwort.

Noch mit seinen Grübeleien beschäftigt, stieg er langsam die Stufen hinauf und wollte ins Gästezimmer, als sein Blick durch die halb geöffnete Tür in Hermiones Schlafzimmer glitt. Wie angewurzelt blieb er stehen und hielt die Luft an. Irgendetwas zwang ihn förmlich dazu. Er hatte gar nicht mitbekommen, dass sie auch hochgegangen war.

Sie stand mit dem Rücken zu ihm und streifte sich gerade das Shirt über den Kopf. Die Jeans lag schon auf dem Boden und so hatte er freie Sicht auf ihren wunderbaren Körper. Diese Frau hatte wieder keine Ähnlichkeit mit der Schülerin, die er kannte. Sie bückte sich und wühlte in einer Schublade, und da war es endgültig um ihn geschehen. Wenn er jetzt nicht schleunigst hier verschwand, dann…

Hermione hatte gefunden was sie suchte, drehte sich um, um zum Kleiderschrank zu gehen und entdeckte Severus, wie er im Flur stand und seinen Blick nicht abwenden konnte. Der Schock stand ihm ins Gesicht geschrieben, aber ihr schien es nichts auszumachen. Sie kam auf ihn zu bis zur Tür, das Shirt halbwegs vor sich gehalten.

„Stimmt ja, ich wollte ihre Hose noch in Ordnung bringen. Da hat Emma ganze Arbeit geleistet. Ich gebe ihnen eine Jogginghose für den Übergang. Ziehen sie sie aus und legen sie sie einfach auf den Boden. Wollen sie auch etwas einen Pulli statt des Hemdes oder reicht eine Decke?"

„Ich werde doch nicht hier…"

Ohne nachzudenken griff sie an seinen Gürtel und zog am Hosenbund und merkte dann erst, was sie da gerade machte…mit ihrem Lehrer, mit Snape!Sie ließ los, rückte aber keinen Schritt ab. Das verlegene Lächeln ging gründlich in die Ho.. – ähm, schief. Stattdessen färbten sich ihre Wangen mal wieder leicht rosa, was ihr ein äußerst reizendes Aussehen gab.

Nur zu gerne würde er sich seiner Hose entledigen, die mittlerweile viel zu eng war nach diesem Anblick, aber er war immer noch unfähig, sich zu bewegen. Nicht, dass er es getan hätte!

„Bitte…Hermione…geh und zieh etwas an…sofort", keuchte er.

„Wir haben uns doch schon so gesehen, also was könnte man noch verstecken?"

‚Klar, logisch, sie, wie immer…', schoss es Snape durch den Kopf.

Innerlich bebte sie und fühlte sich total bloßgestellt und gleichzeitig wollte sie nichts lieber, als dass er sie berührte, oder küsste, irgendetwas…oder besser beides…

Als er sah, dass sie wie angewurzelt stehen blieb, war er verloren. Er umfasste ihre Schultern und zog sie fest an sich. Ihre Münder verschmolzen miteinander, wie am vorangegangenen Abend, ihre Zungen umkreisten sich liebevoll, dann wieder fordernd. Er strich über ihren Rücken, über ihren Po und fühlte, dass er nicht mehr lange durchhalten konnte, nicht schon wieder.

Hermione versuchte sich aus seinem Griff zu befreien, um ihrerseits ihre Hände auf Wanderschaft zu schicken. Sie schaffte es, strich über seine Brust und zog sein Hemd und sein Shirt aus der Hose, öffnete ein paar Knöpfe und berührte zum ersten mal seine nackte Haut.

„Bitte...", jammerte er, „hör auf oder ich...".

Sie dachte gar nicht daran wieder aufzuhören. Sie küsste ihn auf die Brust und wanderte mit ihrem Mund immer tiefer. Gleichzeitig packte sie seinen Gürtel und wollte ihn mit sich ziehen Richtung Bett, bevor sie der Mut wieder verließ.

Das war zu viel. Mit letzter Kraft packte Severus sie an den Armen und zog sie wieder zu sich hoch. Auf keinen Fall durfte sie sich noch weiter abwärts bewegen und auf keinen Fall durfte er jetzt nachgeben, sonst war alles ruiniert, ihr Leben, und alles.

„Nein", wimmerte er, „wir dürfen nicht, nein."

Sie nickte kaum merklich, dennoch trafen sich wieder ihre Münder und sie verfielen erneut in einen leidenschaftlichen Kuss. Fest aneinandergeklammert lösten sie sich nur kurz voneinander, um Luft zu holen, dann fanden sich wieder ihre Lippen.

Mit einer Hand strich er langsam über ihren Hals immer tiefer, wo sie verweilte. Dann schob er vorsichtig ihren BH nach oben und strich sanft mit den Fingern über ihre Brust, bevor er sie schnell wieder zurücknahm – als hätte er sich verbrannt. Stattdessen vergrub er seine Hand in ihren Haaren und Hermione war ihm so nah, dass sie seine harte Erektion spüren konnte. Sie konnte sich nur annähernd vorstellen, wie er sich quälte, war es doch schon zweimal zuvor soweit gekommen. Deshalb packte sie ihn um die Taille und konnte sich so noch enger an ihn pressen, um ein wenig nachzuhelfen. Severus konnte sich nicht mehr zusammennehmen – er nahm seine beiden Hände, packte ihren Po und bewegte sie ein wenig auf und ab. Ein letzter wilder Kuss und unter lautem Stöhnen kam er endlich zu seiner Erlösung.

Danach waren beide wie versteinert. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit, in der sie eng umschlungen verharrt hatten, kam er wieder zu sich und befreite sich aus seiner Position zwischen Türrahmen und Hermione. Etwas grob hatte er sie von sich weg auf die andere Seite geschoben und war nach unten geeilt.

Hermione rutschte am Türrahmen hinunter, blieb wie in Trance einfach auf dem Boden sitzen und starrte irgendwo ins Leere.

Der laute Knall der zugeschlagenen Haustüre ließ sie kurz aufschrecken und gleich danach wieder in sich zusammenzufallen.

Tausend Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Um Gottes Willen, was hatte sie sich dabei gedacht? Oder hätte sie einfach weitermachen sollen? Warum hatte er sie nicht angeschrien und ihr die Schuld gegeben so wie die ganzen Jahre zuvor? Warum war er so…ja wie? Wütend? Enttäuscht? Über sie oder über sich? Oder hatte er sich selbst schon aufgegeben? Würde er wiederkommen? Nein, ganz sicher nicht. Nicht er. Nicht danach.

Schlimmer könnte es nicht kommen, oder? Zumindest nicht heute. Über das, was kommen könnte wenn die Schule wieder anfängt, wollte sie sich gar keine Gedanken machen – wenn sie überhaupt wieder hinginge und geschweige denn ihm unter die Augen treten könnte. Der bescheuertste Gedanke, wie sie im Nachhinein fand, kam ihr ganz zum Schluss. Wäre Emma nicht gewesen, hätte sie ihm nicht...naja, an die Wäsche gemusst. Emma war schuld. War das jetzt gut oder schlecht? Wie sich doch die Gedanken bogen, wenn man nicht Herr, nein, Frau seiner Sinne war.

Irgendwann stand sie auf, schnappte sich ihren Bademantel, ging nach draußen vor die Haustür und sog die kühle Abendluft ein. Wie viel Zeit vergangen war, wusste sie nicht. Das einzigste, was sie wusste war, dass sie ihn vermissen würde. Sehr. Sehr viel mehr und ganz anders als Harry oder Ron in den Ferien. Es sich selbst einzugestehen – nein, soweit war sie eigentlich noch nicht – ihr Herz schon.


*Stryper: „Rain"*


Mit offenem Hemd lief er die Stufen hinunter, hinaus ins Freie, bloß weg. Er ging immer weiter die dunkle Straße entlang und spürte kaum den kalten Regen auf seinem verschwitzen Shirt. Den Gürtel und ein paar Knöpfe seines Hemdes hatte er automatisch geschlossen, denn an klare Gedanken war, nein, war wirklich nicht zu denken.

Hätte er seinen Zauberstab gehabt, hätte er sicher irgendetwas in die Luft gejagt oder sonst etwas gemacht. Aber er hatte ihn nicht. Stattdessen trat er gegen einen halb kaputten Zaun am Ende eines verlassenen und verwilderten Grundstücks. Der Fuß schmerzte schon, doch über die Jahre hinweg hatte er gelernt, Schmerzen zu ignorieren oder sie nicht wichtig zu nehmen.

Dann lief er weiter. Bald kamen ein paar Läden in Sicht und ohne es zu wollen, fand er sich vor dem Café wieder, das er einige Tage zuvor schon gefunden hatte. Es waren keine Gäste mehr da, doch die blonde Kellnerin räumte noch die Stühle zusammen und wischte die letzten Tische ab. Er starrte durch das Fenster und war immer noch wie in Trance.

Als sie sich zum Fenster umdrehte und die dunkle, nasse Gestalt erblickte, erschrak sie ein wenig. Nach einem Augenblick erkannte sie ihn doch und schloss die Tür wieder auf.

„Hallo Fremder, ich hätt' ja nich' gedacht dass ich sie noch mal wiedersehe! Wollen sie reinkommen?"

Er trat ein und sagte gar nichts.

„Sie sind ja ganz nass! Was ist denn mit ihnen los? Ich mach erst mal einen Kaffee, ja?"

Er sagte immer noch nichts und ließ sich auf einen Stuhl fallen. Er stützte seinen Kopf in beide Hände und schloss die Augen. Das konnte alles nicht wahr sein. Ein schrecklicher Alptraum – mal wieder. Nur diesmal ganz anders. Mit anderen Konsequenzen. Mit Sicherheit. Vielleicht. Wie hatte er sich nur so gehen lassen können?

Aber, bei Merlin, sie war nicht ganz unschuldig daran. Sie war doch eine Frau und müsste wissen... Das Wort peinlich konnte nicht annähernd das ausdrücken, was er empfand.

Mit einer dampfenden Kaffeetasse kam die Kellnerin zurück und setzte sich zu ihm an den Tisch. Keiner sagte etwas, sie blickte ihn nur an und versuchte, aus ihm schlau zu werden.

Als er den Kopf hob, fragte er nur, ob sie irgendetwas Alkoholisches für den Kaffee hätte und sie holte es ihm. Dann trank er die Tasse in einem Zug leer, egal ob zu heiß oder nicht. Nach einer Ewigkeit stand sie wortlos auf und räumte das Geschirr weg.

Aus einem Impuls heraus – er konnte sich später nur noch vage die Gründe dafür erklären – folgte er ihr, packte sie am Arm und drehte sie etwas zu ruppig zu sich herum. Er musste, mehr unbewusst als bewusst, unbedingt auf andere Gedanken kommen, sich abreagieren, nur um Merlins Willen nicht an ihr. Wenn er sich hier und jetzt nahm, was er anscheinend dringend brauchte, wäre die Gefahr nicht mehr so groß, dass er ein weiteres mal in so eine verfängliche und äußerst peinliche Situation geriete. Schließlich war er auch nur ein Mann. Doch dieser Spruch kam ihm schon lächerlich vor, bevor er ihm so richtig in den Sinn gekommen war.

Die Kellnerin schrie kurz auf, weil sie sich erschreckt hatte. Snape schob sie rückwärts an der Theke vorbei in ein Hinterzimmer und drückte sie gegen die Wand. Dennoch machte sie nur einen halbherzigen Versuch, ihm zu entkommen. Er hatte ihr ja irgendwie gefallen – von Anfang an.

Dann kam er ihr mit seinem Gesicht immer näher und küsste sie. Weil er merkte, dass sie keinen Widerstand leistete, schob er seine Zunge in ihren Mund. Ohne den wilden Kuss zu unterbrechen, presste er sich noch fester an ihren Körper und begann mit einer Hand, zuerst ein paar Knöpfe ihrer Bluse zu öffnen und ihr dann den Rock hochzuschieben...

tbc


A/N: Wer Lust hat und es noch nicht entdeckt hat

und

wer Emma liebgewonnen hat im letzten Kapitel und sie jetzt ein bißchen vermisst (obwohl sooo schuldig *g*), kann gerne mal bei mir schauen: Ich hab einen kleinen Outtake der Story als Oneshot hochgeladen... so als Vor-, Bei- oder Nachgeschmack der Story oder der Kapitel...: "Unverzeihlich". Viel Spaß