Meine Lieben!
Das Kapitel hat mir zuerst Streß gemacht, da nicht vorhanden - und jetzt sind es doch wieder viele Seiten geworden mit nur etwas Verspätung. Verzeiht ihr mir? *g* Vielleicht gefällt es euch ja trotzdem ein bißchen?!

Kapitel 20

„Das werden wir nicht!", donnerte er und ließ zur Unterstreichung seiner Worte die Hand auf den Tisch sausen.

Sie saßen beim Frühstück und Hermione hatte überlegt, wie sie ihm einen schönen Ferientag bescheren könnte. Ihr war etwas eingefallen, wovon sie dachte, es könnte ihm gefallen. Jetzt war er schon sauer, bevor sie überhaupt einen zweiten Satz von sich gegeben hatte. Sauer oder genervt? Oder tat er nur so?

„Hermione, denkst du nicht, es ist ein wenig…riskant, wenn wir durch die Öffentlichkeit gehen? Sei doch vernünftig. Das macht keinen Sinn."

„Wie viele von uns sind wohl in Muggel-London unterwegs, was meinst du?"

„Mehr als du denkst."

„Sicher?"

„Nein. Doch es reicht, wenn uns nur einer sieht, Hermione. Was machst du dann?"

„Obliviaten."

„Das ist doch nicht dein Ernst!"

„Ach, für dich ist es doch auch die gängige Methode, Probleme zu lösen, oder?"

„Das war etwas anderes.", blaffte er.

„Stimmt, es wäre schlimmer gewesen, mir gegen meinen Willen meine Erinnerung an…dieses Erlebnis und an…dich zu nehmen."

„Das wäre bei denjenigen auch gegen ihren Willen."

„Glaubst du, ich meinte das wirklich?"

„Warum sagst du es dann?"

„Deshalb!"

Seine Antwort war nur ein böser Blick.

„Dann sieht uns eben jemand, na und?!"

Wieder der böse Blick.

„Wenn es dir peinlich ist…"

Entnervt stöhnte er auf. „Du weißt genau worum es geht, stell dich nicht dumm."

„Schon gut. Da du ja wohl kaum da draußen über mich herfallen wirst…und ich nicht über dich…wird es wohl keine Probleme geben."

„Gib nicht so ein Unsinn von dir."

„Du hattest es doch vor?", grinste sie. „Komm, lass uns gehen."

Mit einem weiteren bösen Blick erhob er sich.

„Außerdem fällst du mit den hellen Sachen und ohne Robe gar nicht so auf…", bemerkte sie mit einem ganz leichten Sarkasmus in ihrer Stimme.

Er hatte wieder die dunkelblaue Jeans und das helle Hemd an, dass ihm Hermione ausgesucht hatte, dazu seine schwarze Jacke.

„Du solltest wissen, wann es gut ist, aufzuhören!"

„Gut, ich werde es mir merken, Professor, um mich in gegebener Situation daran zu erinnern!", sagte sie mehr als zweideutig, was seinen Mund für ein paar Zehntelsekunden aufklappen ließ.

Wütend knallte er die Haustür zu und folgte ihr, immer darauf bedacht, möglichst normal auszusehen. Mit jeder Minute wurde er schneller und Hermione hatte Mühe, mit ihm Schritt zu halten.

„Weißt du überhaupt den Weg?"

„Nein, du hättest mich aber schon längst aufgehalten, wenn es der falsche wäre."

Wer hatte jetzt wohl den bösen Blick?

Endlich war die Station in Sicht und sie stiegen die steilen Treppen hinunter in die Tiefe.

„Bist du eigentlich schon mal U-Bahn gefahren?"

„Nein."

„Nein? Auch nicht...früher?"

„Nein. Die Schule war zu Fuß erreichbar, außerdem hätten wir sowieso..." Severus stockte und sie merkte, dass er nicht weitersprechen wollte. Immerhin hatte er für seine Verhältnisse gerade schon relativ...naja...viel erzählt.

Hermione warf einige Münzen in den Fahrkartenautomat, reichte ihm sein Ticket und ging vor durch die Absperrung. Sie drehte sich um und sah, wie er ein wenig verloren vor dem Durchgang zu den Gleisen stand. Dunkel erinnerte sie sich, dass ihm Harry mal eine ähnliche Szene mit Mr. Weasley erzählt hatte – sie hatten sich nachher kaputtgelacht darüber. Als sie schon zurück wollte, wurde ihr bewusst, dass sie wohl seine Intelligenz nicht so unterschätzen sollte. Ziemlich schnell hatte er sich an seine früheren Aufgaben erinnert und durch Beobachtung gelernt. Was er tun musste, hatte er sich gerade von ein paar anderen Fahrgästen abgeschaut und kam zu ihr.

„Was ist so schlimm daran, mit der U-Bahn zu fahren?"

„Das hatten wir gerade."

„Nur das?"

„Ja."


*Coolio: „Gangsta's Paradise"*


An diesem frühen Vormittag standen recht viele Leute in der Station und warteten auf die District Line, sie sich durch die Vororte Londons Richtung Innenstadt schlängelte, wo scheinbar alle hin wollten. Sie würden jedoch weiterfahren und Hermione hatte ihm nicht gesagt, wo es hingehen sollte. Vielleicht war das auch einer der Gründe, warum er verhältnismäßig schlecht drauf war – im Vergleich zu den vergangenen Tagen. Im Vergleich zu sonst war er heute sehr normal, stellte sie für sich fest und versuchte, ihr Grinsen unter Kontrolle zu halten. Wer weiß, ob sie es damit schlimmer machen würde.

Die meiste Zeit schwiegen sie, nachdem er aufgegeben hatte herauszufinden, wo sie hin wollte. Ab und zu gab er einen Kommentar ab, mal zum Fahrstil des Bahnfahrers, mal zu den Stationen oder zum Verhalten mancher Fahrgäste. Alles in allem war er so richtig Snape. Hermione kommentierte nur im Stillen, mal mit unterdrücktem Lachen und mal mit gerollten Augen, an mehr war nicht zu denken.

Die Krönung der Fahrt personifizierte sich in Form von vier Jugendlichen, vielleicht um die 16 Jahre alt, die an der nächsten Haltestelle zustiegen. Die Jungs, die sich wie Männer fühlten und sich wie Kinder benahmen, ließen sich hinter Hermione und Severus in zwei Vierersitze fallen und unterhielten sich lautstark, grölten rum und bald bereute jeder andere, dass in England Ferien waren.

Severus' Laune war ja schon nicht die beste, doch man konnte förmlich in der Luft spüren, dass sie noch tiefer sank. Sie merkte, wie er sich kerzengerade hinsetzte und hatte schon Angst, dass er den Zauberstab zücken würde. Nein, so weit würde er nicht gehen, nicht hier, oder?

Normalerweise reichte sein typischer Snape-Blick, und der auch noch so selbstsichere Schüler war ganz klein. Langsam drehte er sich um und sah die Ruhestörer kurz aber intensiv an, jeden nach der Reihe. Die guckten aber nur zurück und machten einfach weiter. Das war er nicht gewohnt! Als er wieder in Fahrtrichtung saß, ballten sich langsam seine Hände zu Fäusten. Hinter ihm wurde es nicht leiser – im Gegenteil. Andere Leute sahen schon zu den Ruhestörern rüber, manche aus Angst und mache vor lauter Ärger.

Nach weiteren zwei Minuten atmete Severus tief ein und aus – nicht etwa, weil er sich überwinden musste, das zu tun, was zu tun war, sondern um nicht komplett die Beherrschung zu verlieren. Er stand auf, ging einen Schritt zu den hinteren Bänken und streckte sich, um seine volle Größe zu demonstrieren. Auf Hogwarts wären sie jetzt schon vor Angst auf dem Boden gekrochen, wenn er sich so vor jemandem aufbaute.

Hier jedoch nicht. Noch nicht. Zwei von ihnen hatten sogar die Füße auf den Sitz hochgelegt und machten keine Anstalten, sich zu bewegen. Zunächst sagte er kein Wort, sondern hob endlich den Blick fixierte wieder jeden einzelnen in seiner so gekonnten Art – nur weitaus schlimmer als zuvor und ohne ein einziges mal zu blinzeln. Schlagartig verstummten sie. Zwei von ihnen sahen sofort weg und hatten seinem Blick nicht einmal drei Sekunden standgehalten. Leider machen die anderen beiden ihrem Ärger Luft und wagten zu fragen, was er sich denn einbilde und wie er dazu käme, sich in ihre Angelegenheiten zu mischen – obwohl er keinen Ton von sich gegeben hatte.

Snape war kurz vor dem Ausrasten und spielte mit der Spitze seines Zauberstabs, den er im Ärmel griffbereit hatte. Mittlerweile schauten ihnen immer mehr Fahrgäste interessiert zu und sie hofften, dass der Erwachsene den Jugendlichen mal die Meinung sagte. Keiner der anderen hatten sich getraut – wie üblich. Auf der anderen Seite war es ja auch kein Wunder – heutzutage musste man mit allem rechnen, man hörte nicht selten von solchen Szenen in den Nachrichten. Hermione hatte sich in ihrem Sitz ganz klein gemacht und schaute ab und zu hinter sich. Um Severus hatte sie keine Angst, sie sah nur, dass er mit den Fingern der einen Hand seinen Zauberstab bearbeitete. Wenn man es genau nahm, müsste sie um die Jungs Angst haben, doch sie hatten es nicht anders verdient.

Er antwortete natürlich nicht auf deren Provokation. Nicht mit Worten. Gekonnt kickte er die Beine von den Sitzen, bevor er blitzschnell die beiden anderen am Jackenkragen packte und sie zu ihren Kumpels schob, sodass sie nun alle in einem Viererabteil hockten. Während der ganzen Aktion hatte er geschwiegen und den lautstarken Protest hingenommen. Doch jetzt war Schluss.

Langsam aber gefährlich beugte er sich ein wenig zu ihnen runter und fing so leise an zu sprechen, dass nur sie es hören könnten. Jeder, wirklich jeder hätte eine lautstarke Auseinandersetzung erwartet – gut, mit Ausnahme von Hermione, die wusste, je leiser er wurde, desto schlimmer würde es enden – umso erstaunter waren jetzt die Gesichtsausdrücke der Zuschauer. Nicht ein Widerwort war von den Jugendlichen zu hören. Einer schaute nur noch auf den Boden, zwei von ihnen starrten Snape an und der vierte ließ seine Augen verzweifelt durch die Bahn gleiten in der Hoffnung auf einen schnellen Ausweg. Es gab aber kein Entkommen. Nicht einmal eine Minute war vergangen, da hoben sie auch noch freiwillig ihren Müll weg, den sie zuvor in Form von leeren Getränkedosen und Chipstüten auf den Boden geworfen hatten.

Snape ging ohne einen weiteren Kommentar wieder zu seinem Platz und setzte sich. Von den Jungs war nicht einmal mehr ein Flüstern zu hören, sie hockten nur stocksteif auf ihren Sitzen und starrten aus dem Fenster. Hätte man es nicht besser gewusst, hätte man gedacht, sie würden es nicht einmal mehr wagen, zu atmen.

Als das die anderen Fahrgäste mitbekamen, war die Erleichterung auf ihren Gesichtern zu sehen. Ein Geschäftsmann schaute zu Snape rüber und reckte den Daumen in die Luft, die Frauen lächelten und zwei applaudierten sogar.

„Was hast du mit denen gemacht?", zischte Hermione nervös.

„Nichts."

„Ja klar. Dann eben so: Was hast du ihnen gesagt?"

„Todesser-Geheimnis."

Hermione wollte etwas erwidern, doch die Worte blieben ihr im Hals stecken, als sie endlich mitbekommen hatte, was er gerade gesagt hatte. Hatte er einen Witz gemacht? Oder schlimmer – hatte er keinen Witz gemacht? Zumindest eines schien offensichtlich: Er kam ein wenig besser mit seiner Vergangenheit klar, wenn er das Wort auf diese Art und Weise in den Mund nahm. Bei Merlin, sie würde es nie erfahren.

Drei Stationen später erhoben sich die Jugendlichen und wollten aussteigen. Leider mussten sie an Snape vorbei. Der behielt sie genau im Auge und sie wagten es kaum, ihn anzusehen. Gegenseitig drängelten sie sich durch den Gang zur Tür, damit sie auch ja schnell genug hinauskamen.


An der Haltestelle Kew Gardens stiegen sie aus der U-Bahn aus, die mittlerweile nicht mehr im Tunnel, sondern überirdisch angekommen war. Die Fahrt hatte weit mehr als eine halbe Stunde gedauert, doch so war es am besten gewesen. Keine Parkplatzsuche und keine Apparier-Probleme.

Kew Gardens hatte er schon einmal gehört – in einem anderen Leben vielleicht – doch Näheres war nicht mehr in seinem Gedächtnis zu finden. Die Station sah sehr schön aus, hier und da große, schön verzierte Kübel mit beinahe exotischen Palmen und ein paar Bänke zum Ausruhen. Es machte einen Eindruck, als wäre die Zeit irgendwann stehen geblieben – je nach dem, in welche Richtung man blickte. Nachdem sie ungefähr 400 Meter an verschiedenen Geschäften vorbeigelaufen waren und eine weitere Kreuzung überquert hatten, standen sie vor dem Eingang der Kew Gardens.

„Derselbe Name? Ich dachte, die Station hieße so."

„Ja, die Station heißt deswegen so.", erklärte Hermione und deutete auf das Tor, an dem der Name prangte.

„Das sind die Königlichen Botanischen Gärten", erklärte sie und er war auf einmal ganz interessiert. Hermione kaufte zwei Tickets an der Kasse und reichte ihm eines.

„Ich hoffe wirklich, dass es dir gefällt. Ich dachte, weil es ja dein Fach ist, würden dich die Pflanzen, Blumen, Bäume und Kräuter interessieren. Manche sind wirklich exotisch und nur hier zu sehen außerhalb ihrer Heimat. Vielleicht kennst du ja auch nicht alle Muggelgewächse. Außerdem kann man sich hier entspannen und viel spazieren gehen. Verpflegung gibt es auch genug."

„Hermione..."

„Magst du nicht?"

„Lass mich doch ausreden. Bevor wir reingehen, möchte ich den Eintritt bezahlen. Du kannst das nicht alles vorstrecken."

„Du bist eingeladen, Severus, und du kannst dir gar nicht vorstellen, was ich noch alles für dich tun würde. Du hast es verdient und leider kann ich nicht annähernd irgendwas wieder gut machen. Ich will dir wenigstens ein paar schöne Tage schenken, dass dir mal etwas anderes in den Sinn kommt als der Kerker und die Schüler und deine...Vergangenheit."

„Das hast du doch schon längst...schon mehr als mir...mehr als...du denkst."

Die Gärten waren eine traumhafte Oase mitten in der Großstadt. Das riesige Gelände mit seinen bunten Blumenflächen, blühenden Bäumen und grünen Wiesen war ein kleines Paradies, das nicht nur Hermione in Begeisterung versetzte. Meere von Farben berauschten die Sinne. Weiße und rote Blumen und verschiedene Braun- und Grüntöne der Sträucher bildeten einen herrlichen Kontrast zum strahlenden blau des Himmels und dem nachtblauen See. Besonders die großen Gewächshäuser mit den abertausenden von unterschiedlichen Pflanzen und Kräutern hatten ihn beeindruckt – mehr als das, wie sie glücklich feststellte. Sie wusste, dass dort auch Kurse zur Botanik, Biochemie und Pharmazie angeboten wurden, nicht nur für Kinder und Studenten, sondern auch für Fortgeschrittene, wie zum Beispiel Professoren.

Irgendwann hatte sich Hermione mit einer Ausrede für eine Viertelstunde verabschiedet und kam mit einem der Dozenten zurück. Das hatte sie einiges an Überredungs-, gut, auch Schwindelkunst gekostet, aber sie hatte es geschafft. Severus stellte sie wie üblich vor (Professor, Chemie, Biologie und Internatsschule im Ausland...) und bald waren die beiden in angeregte Gespräche vertieft. Sein Gegenüber merkte sehr bald, dass er wirklich mit einem Meister seines Fachs sprach, denn Snape konnte seine Kenntnisse so geschickt in Muggelart darstellen, dass es eine wahre Freude war, mit ihm fachsimpeln zu können. Am Ende durfte er sogar ein paar Kräuter- und Pflanzenstecklinge und noch ein paar Samen mitnehmen. Als Highlight erhielt er eine Einladung zum nächsten Treffen der Fachleute von Universitäten auf der ganzen Welt, die hin und wieder zum Austausch zusammenkamen. Erst hatte er ablehnen wollen, denn er würde all sein Wissen über magische Pflanzen und Tränke nicht oder nur sehr gut verpackt einfließen lassen können, doch dann hatte sein Wissensdurst und sein Stolz gesiegt und er verabschiedete sich freundlich und mit Dank von dem Kollegen.

Sichtlich besser, nein, bestens gelaunt erkundeten er und Hermione für die nächsten Stunden den gesamten Garten. Immer wieder roch er an den verschiedensten Gewächsen und blühte – im wahrsten Sinne des Wortes – richtig mit auf. Die Sonne meinte es gut und sie spazierten zum See, der in der Mitte der Anlage gelegen war.

Und als gerade niemand in unmittelbarer Nähe war, zog er sie zu sich in den Arm und küsste sie – zwar nur kurz, aber das war schon mehr, als sie sich erhofft hatte. Nur ein leises Danke hatte er gesagt, doch in seinen Augen konnte sie weit mehr erkennen.

Ab und zu traute sie sich, seine Hand zu nehmen und er ließ es geschehen. Unbedingt wollte sie auch noch auf die chinesische Pagode hochsteigen, um den Ausblick zu genießen. So zog sie ihn hinter sich her und sie begannen den Aufstieg über die gefühlten acht Millionen Stufen. Ächzend kam sie oben an und stellte entsetzt fest, dass er nicht einmal halb so fertig war wie sie. Wie peinlich. Der weite Blick über die Stadt entschädigte sie für alle Anstrengung. Mit wachsender Begeisterung zeigte sie ihm ein paar Dinge, die er nicht so gut kannte und gemeinsam suchten sie Big Ben, die Tower Bridge und das London Eye.

Der Abstieg ging weit weniger problematisch vonstatten und Severus kam zehn Minuten später in den Genuss seiner ersten Schale Pommes mit Mayo. Von Genuss zu reden wäre in dem Falle übertrieben, doch die Bratwurst mit Bärlauch, einem besonderen Angebot der Kew Gardens, sprach seinen Geschmackssinn eher an.

Mittlerweile war es schon nach sechs Uhr abends – die Zeit schien gerast zu sein, wie immer, wenn es schön war. So beschlossen sie, sich langsam auf den Heimweg zu machen.


Auf dem Rückweg zur U-Bahn kamen sie wieder an der Geschäftsmeile vorbei. Severus hatte den halben Tag überlegt, wie er sich bei ihr bedanken könnte. Nachdem sie am Morgen an ihr Ziel angekommen waren, hatte er zugeben müssen, wenn auch nur halb so offensichtlich wie innerlich, dass ihm ihre Idee wirklich gut gefallen hatte und dass er eine Menge gelernt hatte. So etwas könnte man durchaus wiederholen – mit ihr.

Sicher hätte er ihr das Kleid schenken können, dass er gestern für sie ausgesucht hatte, doch er fand es etwas übertrieben – das verlangte nach einer anderen Gelegenheit – schließlich war es etwas Besonderes.

Eine anderer Einfall hatte sich auch schon in den letzten Stunden in seinen Kopf geschlichen, nur dass dafür ein paar Vorbereitungen und ein paar Recherchen benötigt wurden. Heute würde das nicht klappen, vielleicht aber morgen, wie er hoffte. Dafür müsste er sich allerdings nach Hogwarts begeben und um ihr das zu erklären, müsste er sich eine kleine Notlüge einfallen lassen. ‚Einfach abwarten', dachte er bei sich.

Die Idee für das heutige Dankeschön kam ihm jetzt in den Sinn. Unauffällig schaute er sich um. Es lagen nur kleine Läden an der Straße, nett zum Bummeln, nur nicht das Richtige. Dann müsste sein Plan eben doch warten und er hoffte, dass er unterwegs noch einen Geistesblitz oder einen anderen Hinweis finden würde, um ihn in die Tat umsetzen zu können.

Die U-Bahn kam pünktlich und sie stiegen ein.

Nicht nur die Hogwarts-Schüler, sondern auch die Muggelkinder hatten Schulferien, deshalb waren viele Familien in den Urlaub gefahren, sicher auch, um dem Londoner Wetter zu entkommen, das bis vor zwei Tagen noch so schlecht gewesen war. Die Rushhour, in der die verbliebenen Menschen nach Hause gefahren waren, die arbeiten mussten, war so gut wie um, deshalb war die Bahn relativ leer im Gegensatz zum Morgen. Sie suchten sich eine Bank aus und ließen sich in die Sitze fallen. So schön es auch war, viel gelaufen waren sie auch.

Einige der Fahrgäste schauten sie zwar an, aber das taten sie meist bei jedem neuen Fahrgast, der zustieg. Schließlich war London ein Weltstadt-Pflaster und nicht gerade langweilig, deshalb sah man nicht selten Menschen, die vielleicht etwas anders aussahen als gewöhnlich. Andererseits – was war so ungewöhnlich an einem Mann mit kinnlangen schwarzen Haaren? Eigentlich gar nichts.

Severus konnte nicht anders. Er kannte zwar fast die ganze Zauberwelt, doch wie es manchmal der Zufall wollte, war genau dann jemand Unbekanntes in der Nähe, der das Ganze zum Scheitern verurteilen konnte. Am Morgen waren es zu viele Leute gewesen.

Die wenigen, die jetzt in Sichtweite saßen, wurden einer ganz kurzen Überprüfung unterzogen. Es dauerte nur Bruchteile von Sekunden, in denen er seinen Zauberstab im Jackenärmel auf die Fahrgäste richtete und stumm ein „Legilimens" ausführte. Natürlich mit etwas mehr Feingefühl als bei Harry damals – sie durften ja nicht das Geringste merken. Keiner von ihnen war ein Zauberer, oh Wunder.

Von den meisten hatte er nur Bruchstücke ihrer Gedanken gelesen, doch bei einem war er irgendwie hängen geblieben. Scheinbar ein Vater, der von seiner Schicht nach Hause fuhr und sich so sehr auf seine Familie freute. Trotz des geringen Einkommens schien er zufrieden und setzte seine Prioritäten auf andere Dinge als auf Geld – die Liebe seiner Frau und die Fröhlichkeit der Kinder, wenn sie ihn sahen. Tief aus seinem Inneren stieg ein Hauch eines Gefühls auf – von Verständnis, aber auch von einem gewissen Maß an Neid, den wohl nur sein Unterbewusstsein registrierte. Nachdenklich beendete er seine Spionage, rutschte tiefer in seinem Sitz, streckte die Beine aus und schlang die Füße übereinander.

Hermione schaute ihn fragend an, doch er schien weit weg zu sein und starrte auf den Fußboden. Sie wollte ihn nicht stören. ‚Einen Penny für ein Legilimens bei dir...', dachte sie, während sie mit dem Träger ihres kleinen Rucksacks spielte.

Eine Frau, die schräg gegenüber den beiden rückwärts in einem Viererabteil saß, hatte wahrscheinlich seine Blicke falsch interpretiert. Schließlich hatte er beim Gedankenlesen kurz in ihre Augen schauen müssen. Sie sah zu ihm rüber und fing leicht an zu lächeln. Er wäre nicht Snape, wenn er so etwas nicht mitbekam. Er erwiderte den Blick und zog die Stirn kraus. Offenbar kam sie wieder zu dem falschen Schluss, denn sie schlang aufreizend die Beine übereinander, was ihren sowieso schon recht kurzen Rock noch weiter nach oben rutschen ließ. Währenddessen musterte sie ihn ungeniert. Etwas länger als nötig blieben ihre Augen an seiner Hose hängen, was ihr Lächeln noch breiter werden ließ und sie scheinbar dazu veranlasste, ihren Lippenstift herauszuholen und sich die Lippen nachzuziehen.

Was wollten die eigentlich von ihm? Im Park waren ihm auch ein paar Leute – hauptsächlich, nein, eigentlich ausschließlich Frauen – aufgefallen, die sich wie die hier so komisch benahmen. Hermione hatte das auch bemerkt, obwohl er es nicht angesprochen hatte. Sie konnte sich sehr wohl vorstellen, was die wollten. Zuvor hatte sie niemals daran gedacht, doch jetzt, da sie mit ihm – das Wort stellte für sie wirklich eine Hürde dar – zusammen war (war sie das?), fiel es ihr auf: Er hatte was, oh ja!

Severus ging das Benehmen der Dame gehörig auf den Senkel, vor allem, als er gemerkt hatte, wie sie seine Jeans in Augenschein genommen hatte. Das bedurfte einer Gegenmaßnahme. Er drehte sich zu Hermione, strich ihr zärtlich eine Haarsträhne hinters Ohr, zog sie zu sich und küsste sie.

Überrascht weiteten sich ihre Augen und sie versuchte, irgendwas in ihm zu erkennen – konnte sie aber nicht, da er seine geschlossen hatte. ‚Lass es kein Traum sein', hoffte sie inständig. Nein, es war keiner. Als er sich von ihr löste, schielte er kurz rüber zu der Frau, deren Lächeln offenbar eingefroren war und die sich demonstrativ zum Fenster gedreht hatte. ‚Geht doch', dachte er triumphierend und rutschte wieder etwas tiefer in den Sitz.

Auf einmal spürte Hermione, dass er seinen Kopf auf ihre Schulter legte. War er etwa eingeschlafen? Als sie vorsichtig auf ihn hinunterschaute, stellte sie fest, dass dem nicht so war. Er schien weiterhin mit seinen Gedanken auf Abwegen zu sein, doch sie fühlte sich ihm näher als jemals zuvor.

Je näher sie der Innenstadt kamen, desto mehr füllte sich die Bahn. Jetzt konnte er nicht mehr jeden durchchecken und langsam war es ihm auch egal. Er vertraute auf seine Beobachtungsgabe und darauf, dass er sowieso die allermeisten kannte.

Nach einer schönen, so vertrauten Viertelstunde setzte er sich plötzlich aufrecht hin und bemühte sich, richtig aus dem Fenster schauen zu können. Die Bahn fuhr langsam in eine der vielen Stationen ein.

Oxford Circus sind wir?", fragte er hastig. Der Name kam ihm bekannt vor und er glaubte, gestern bei ihrem Stadtausflug den Namen gesehen zu haben.

„Nein, das Schild bedeutet nur, dass man hier in eine andere Linie umsteigen kann, die dorthin führt. Wir sind gerade in Victoria, eine der größten."

„Komm, aussteigen."

„Warum?"

Er packte sie bei der Hand und zog sie zur Tür. „Komm, schnell."

Sie schafften es gerade noch und Severus sah sich schon um, um die richtige Bahn Richtung Oxford Circus zu finden. Das war der Hinweis oder die Eingebung, auf die er gewartet hatte.


„Wir waren gestern dort. Willst du wieder da hin?"

Dann hatte er also recht gehabt – was für ein Glück. Schnell fand er die richtige Linie und drängte Hermione in den Waggon. Sein Orientierungssinn war schon immer gut gewesen und so fand er schnell die Straße wieder, wo sie gestern gewesen waren.

„Hast du wieder etwas vergessen?", zog sie ihn auf und erntete wie üblich eine hochgezogene Augenbraue.

„Wenn du dich ja nicht so...unangemessen gegenüber einem Lehrer benehmen würdest, hätte ich jetzt eine Überraschung für dich gehabt."

„Oh! Es tut mir wirklich leid, Herr Lehrer. Überraschung?"

„Nun, nicht direkt. Ich...wollte mich irgendwie bei dir bedanken für den Tag heute. Es war – wider Erwarten – ganz in...es war wirklich schön."

Ihr blieb der Mund offen stehen und schaute ihn ganz ungläubig an, aber gleichzeitig breitete sich ein ganz warmes Gefühl in ihrem Inneren aus. Hatte er das wirklich gerade gesagt? Laut? Sie hatte es ihm natürlich den ganzen Tag angemerkt und jetzt hatte er es zugegeben.

„Mach den Mund zu."

„Du brauchst dich doch nicht bedanken, Severus, ich hab es gerne getan, sehr gerne. Das weißt du mittlerweile, und nicht nur, weil ich es dir heute Morgen schon gesagt habe."


*Dan Finnerty: „Feel Like Makin' Love"* (*g*)


Er zog sie zu dem großen Modegeschäft von gestern und hoffte, dass seine Verkäuferin heute frei hatte.

„Hier willst du rein? Freiwillig?", kicherte sie. „Schon wieder?"

„Ich glaubte bisher beobachtet zu haben, dass Damen jeder Altersstufe gerne derlei Wiederholungen hätten, oder täusche ich mich etwa?"

„Nein."

„Siehst du. Dann ist es doch sicher auch kein Problem, wieder mit mir einkaufen zu gehen."

„Ähm, nein."

„Siehst du."

Er schaute sich um und sah die Verkäuferin nicht. Gut so.

„Wo gehst du hin?"

„Das siehst du doch."

Diese Abteilung?" Die Fragezeichen standen nur so in ihrem offenen Mund.

Siehst du doch! Man glaubt beinahe, du wärest gerade erblindet. Und nun keine Fragen mehr. Nicht in der Art." Er stellte sie in die Mitte der Stände und der Ausstellungsstücke und rückte ein wenig ab.

„Such dir etwas aus. Egal was, wenn es nur nicht mehr als eine Stunde dauert."

„Wieso?"

„Bei Merlin, als Dankeschön. Das war gerade das, was mir eingefallen ist."

„Aber..."

„Kein Wort mehr außer so etwas wie das möchte ich."

„Oook dann."

Sie hatte zwar keine Probleme damit, sich etwas auszusuchen, nur damit, dass er dabei war und auch noch zuschaute. Zögernd drehte sie ihren Kopf und traute sich kaum, etwas genauer hinzusehen. Das schicke Werbeplakat mit der Aufschrift Traumhafte Dessous für alle Gelegenheiten machte es ihr nicht gerade leichter.

„Die Zeit läuft."

„Ja, schon gut." Wenn jetzt auch noch eine der Angestellten käme und fragte, ob sie ihnen helfen könnte, würde es eine Katastrophe werden. Es kam aber keine, da es viel zu tun gab.

Schließlich wählte sie ein hautfarbenes Unterhemd und ein paar Strümpfe für insgesamt nicht mehr als zehn Pfund.

„Da stimmt doch was nicht", sagte er mit Nachdruck und nahm ihr die Sachen wieder ab.

„Tu so als sei ich nicht da – mach es so wie gestern."

Seufzend fand sie ein schönes Wäsche-Set in creme und nun doch eines in rot.

„Anprobieren, sonst wird das nichts.", befahl er und sie gehorchte. Wenn man Snapes Stimme hörte, konnte man gar nicht anders. Nicht einmal hier. Sie probierte die Sachen an und entsetzt sah sie seinen Kopf hinter dem Vorhang auftauchen.

„Nein."

„Nein?"

„Nein. Diese Farbe hast du schon wenn ich mich nicht täusche und rot...ist zu gryffindor."

„Es ist doch hellrot."

Sein Scherz kam wohl nicht ganz an, aber dieses rot passte wirklich nicht zu ihrer blassen Haut.

„Ich muss mich wieder ganz anziehen, um etwas Neues zu suchen. Komm, wir lassen es."

„Kommt nicht infrage. Dann muss ich eben etwas holen."

„Warte."

„Keine Widerrede."

„Weißt du die Größe?"

„Grob."

„Das reicht aber nicht." Sie sagte sie ihm und er machte sich auf in den Unterwäsche-Dschungel. Nach fünf Minuten kam er zurück mit drei kompletten dreiteiligen Sets inklusive Top.

„Oh!", brachte sie nur hervor und nahm die Sachen entgegen.

„Gestern warst du auch hier – und scheinbar freiwillig...also mach nicht so ein...Stress."

„Jaah..."

„Wie lange brauchst du noch?"

„Bin fertig." Sie hatte einen braunen Satin-BH und French Knickers dazu an.

Er runzelte die Stirn und das war Kommentar genug.

Als nächstes kam ein anthrazitfarbenes Bustier mit einem normalen Slip und sie hörte ein „Akzeptabel", nachdem er den Vorhang wieder zugezogen hatte.

Könnte sie doch nur allein etwas aussuchen. Sicher hatte er sie schon ein paar mal so gesehen, es war aber immer noch so...unwirklich. Vielleicht hätte sie ahnen können – nein, eher weniger – dass ihm die ganze Aktion auch nicht leicht fiel. Die Gründe dafür konnten ihren nicht unähnlicher sein. Ihr Anblick in diesen...Sachen veranlasste ihn dazu, sich wenigstens die Jacke auszuziehen – es war unerträglich warm. Sein inneres Auge spielte ihm einige Szenen vor, die ganz und gar nicht in ein Geschäft passten. Wie lang brauchte sie denn noch?

Ungeduldig schaute er wieder durch den Vorhang und wurde sofort angefaucht, weil ihr noch ein Teil fehlte. Sie hatte zwar mit dem Rücken zu ihm gestanden, aber den Spiegel vergessen. Wenn sie doch nur schon zu Hause wären, könnte er...ihr wenigstens behilflich sein – gerne sogar – sich um- oder auszuziehen. Eine kleine, böse Stimme in ihm begann, ihm etwas zuzuflüstern.

„Fertig!", rief sie leise.

Mit einem gekonnten Blick eines Ex-Spions blickte er sich um und stellte zufrieden fest, dass gerade keine der Angestellten oder der Kunden den Umkleidekabinen nahe waren. Schnell glitt er durch den Vorhang, zog ihn sorgfältig zu und sprach einen Muffliato. Für was der vor Ewigkeiten von ihm erfundene Spruch mal gut sein könnte, hätte er sich damals auch nicht gedacht.

Er schaute an ihr herunter. Das dritte Set war komplett in nachtblau – ein Panty, ein zarter Balconett-BH und ein passendes Top dazu aus transparenter Spitze.

„Ganz nett." Für Severus war die Äußerung schon eine echte Steigerung.

„Was...?"

„Sei ruhig!", raunte er und drückte sie gegen die Seite der Wand, wo keine andere Kabine angrenzte. „Repello muggeltum!".

„Aber was..."

„Leise, sonst kriegst du einen Silencio verpasst! Der Muffliato reicht zwar eigentlich, aber kann ja nie wissen."

„Verdammt, was hast du vor?", fragte sie kaum hörbar.

„Wirst du gleich wissen.", versicherte er ihr, weiterhin im Flüsterton, während er unter ihr hauchdünnes Spitzentop griff und geschickt den BH öffnete.

„Kann ich mich nicht erst umziehen?"

„Ich bin doch schon dabei."

„Wenn du apparieren willst, so wie ich hier bin, verhexe ich dich..."

„Hast du längst..."

Und um dem Geplapper endlich ein Ende zu setzen, schob er ihr die Zunge in den Mund und verwickelte sie in einen leidenschaftlichen Kuss. Als er sich auch noch fest an sie drückte und an seinen Knöpfen rumfingerte, ahnte sie langsam, was vor sich ging.

„Du kannst doch nicht hier...", presste sie entsetzt hervor.

„Ich kann nicht?", gab er entrüstet zurück. „Wirst du ja...merken." Dabei zuckten seine Mundwinkel wieder verdächtig. „Du musst dich immer an gegebene Situationen anpassen können, das ist wichtig.", flüsterte er weiter.

„Aber..."

Severus fischte nach seinem Zauberstab und richtete ihn auf sie. „Si..."

„Nein, ich bin ruhig, bin ruhig, verspreche ich.", versicherte sie ihm atemlos, während er den Zauberstab weglegte und sich danach ausgiebig um ihre Brüste kümmerte. Seine Hose lag längst auf dem Boden und sie konnte spüren, dass seine Idee langsam Gestalt annahm. Das zarte Höschen von ihr wurde grob angepackt und achtlos auf den Boden geworfen. Dann packte er ihren Po, hob sie ein wenig hoch und drückte sie wieder an die Wand. Automatisch schlang sie ihre Beine um seine Hüfte und ihre Arme um seinen Hals, um sich irgendwie festhalten zu können.

„Ich kann das nicht...", sagte sie langsam ein bisschen verzweifelt, während sie seine...oh, wirklich ausgereifte...Idee an ihrer Mitte spürte.

„Ruhe, hatte ich gesagt!"

Gleich darauf verschloss er ihren Mund erneut mit Küssen, denn er hatte kommen sehen, dass sie wieder...Töne von sich gab, als er sich in sie schob. So hörte man nur einen unterdrückten Quieker.

„Die Wand...", nuschelte sie in seinen Mund. Sie war nicht gerade robust, aber sie würde es aushalten, schätzte er. Von draußen würde man es sehen können, dass es ein bisschen...wackelte, doch der Zauber schützte sie – hoffentlich gut genug – vor unliebsamen Überraschungen.

Tatsächlich hatte eine Verkäuferin etwas bemerkt und marschierte nun schnurstracks auf die Kabinen zu. Ein Vorhang war zugezogen, aber man hörte absolut gar nichts.

‚Komisch', dachte sie ganz verwirrt. Doch ein paar Schritte vor ihrem Ziel fiel ihr plötzlich ein, dass sie eine wichtige Kundin in der Schuhabteilung hatte stehen lassen. Das würde der Chefin gar nicht gefallen, wenn sie es merken würde. Also beeilte sie sich, dort hinzukommen und vergaß ihre Beobachtung. Den Kundinnen, die etwas anprobierten, ging es ähnlich – ihnen kam ganz plötzlich etwas anderes in den Sinn und legten ihre Ware beiseite. Komische Sache...

Hermione versuchte den Hocker zu erreichen, um wenigstens einen Fuß darauf abstützen zu können. Sie schaffte es, es machte nur die Sache nicht einfacher. Sicher hielt er sie fest, doch die Angst, ihm zu schwer zu werden, war ständig dabei. Severus hingegen hatte seinerseits auch an ein paar Dinge zu denken, nur nicht an so etwas wie sie. Hätte er gewusst, dass ihn diese ganze Anprobiererei so...mitreißen würde, hätte er einen großen Bogen um den Laden gemacht...oder auch nicht. Immer wieder verschloss er ihren Mund mit Küssen oder kümmerte sich genauso intensiv um ihren Hals, während er versuchte, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Bald merkte er, dass sie zu sehr abgelenkt war und stellte sie wieder auf den Boden. Schnell setzte er sich auf den Hocker, packte sie um die Taille und zog sie zu sich.

„Ich kann das so ni..."

„Pscht...", machte er und legte einen Finger auf ihre sinnlichen Lippen. Er hatte nicht verstanden, wie sie das meinte. Auf diese Art war es noch nicht dazu gekommen und sie wusste nicht recht, ob sie das konnte – perfektionistisch, wie sie war – und ob sie die Bewegungen richtig hinbekommen würde.

„Komm her", sagte er sanft. Sie tat es und stand über ihm. Dann half er mit seiner Hand ein wenig nach, dass sie ihn komplett in sich aufnehmen konnte. Hermione keuchte auf, denn er füllte sie so sehr aus, wie sie es anders noch nicht ganz so intensiv gefühlt hatte. Er lehnte sich gegen die Rückwand, umschlang ihre Hüften mit seinen Händen und bestimmte die Bewegungen, was ihr durchaus entgegen kam.

Leider saß ihr die Angst im Nacken, entdeckt zu werden – was ja eigentlich durch die Zauber nicht möglich war – doch es lenkte sie zu sehr von ihrem eigenen Glück ab. Sie gab sich auf und versuchte, das Beste daraus zu machen.

Wie sehr er es genoss, konnte sie ahnen, als sie ihn beobachtete. Ab und zu hörte sie ein Stöhnen und sie wusste dann, dass er sich zurückhielt. „Das brauchst du nicht", versicherte sie ihm, denn sie genoss es trotzdem, auf diese Art begehrt zu werden. Sie beschleunigte ihre Bewegungen und zog sich hin und wieder von ihm zurück, nur um ihn danach noch tiefer in sich aufzunehmen. Nach dem letzten mal behielt er ihren Po in festem Griff, drückte sie fest auf sich und kam mit einem unterdrückten Stöhnen.

Danach lockerte er den Griff nicht, aber bewegte seine Hüfte ganz leicht weiter, wie er es die ganze Zeit gemacht hatte.

Sie war so abgelenkt von seinen Emotionen und seiner Mimik gewesen und hatte sich in seine Augen versenkt, dass sie von ihrem eigenen Orgasmus regelrecht überrascht wurde. Noch schwer atmend gab er sie frei und grinste sie an, denn er hatte ihr die Überraschung und die Erlösung angesehen. Nichts anderes hatte er gewollt und es hatte geklappt.

Die zerzausten Haare und die verschwitzte Haut brachten sie mit einem Zauber wieder in Ordnung.

„Das letzte Set nehmen wir dann wohl, oder?"

„Ja.", war alles, was er dazu sagte.

Schnell und leise zogen sie sich an und er löste die Zauber wieder auf. Zunächst trat er vorsichtig aus der Kabine und wartete auf sie. Es hatte alles geklappt und weiterhin war niemand in unmittelbarer Nähe.

„Gib mir schon mal die Wäsche", sagte er und hielt die Hand hinter den Vorhang. „Ich gehe an die Kasse und du kannst ja dann nachkommen."

„Ok."

Er legte die drei Sachen auf die Theke und sie wurden von der Kassiererin etwas näher begutachtet.

‚Beim großen Merlin!' Er hatte gedacht, sie hätte die gleichen Zauber auch für die Wäsche angewendet, und sie hatte wahrscheinlich das gleiche andersherum gedacht. Da lag sie nun so wie sie war – das Spitzentop war am meisten zerknittert.

„Möchten sie vielleicht ein anderes holen? Dieses hier wurde scheinbar sehr unsorgfältig ins Regal geräumt.", fragte sie freundlich.

„Nein, danke, man kann es zu Hause herrichten.", antwortete er erleichtert und ohne mit der Wimper zu zucken.

Gemeinsam verließen sie das Geschäft und machten sich auf den Nachhauseweg.

Völlig erledigt – der eine weniger, die andere mehr – kamen sie zu Hause an. Mehr als duschen, Abendessen und ein bisschen lesen war nicht mehr drin. Gemeinsam und ohne Diskussion fielen sie ins Bett.

Es war fast zu schön um wahr zu sein, dachte sie – er hatte sie geküsst, sogar ein paar mal. Einfach so, ohne irgendeinen anderen Gedanken, nur mit viel Gefühl und sehr innig.

Und an diesem Abend war er in ihren Armen eingeschlafen.

Als er schon tief und fest schlief, dachte sie noch weiter über den Tag nach und musste bald versuchen, ein Kichern zu unterdrücken, um ihn nicht aufzuwecken.

‚Er hätte doch einfach nur sagen müssen, dass ihm die nachtblauen Dessous am besten gefallen.'

tbc