A/N: Ihr Lieben!

Das Kapitel hat sich verselbstständigt und ist lang geworden. Es lässt sich auch nicht trennen - verzeiht! ;oD

Und dann auch noch so ein Titel - es war wie ein Zwang - verzeiht ihr mir den auch? ;oD

Das muss ich euch noch erklären:

Da der Titel schon jemanden vorstellt: Unter dem folgenden Link könnt ihr sehen, wie ich mir meinen netten Arzt vorstelle. Ich habe mir dafür Nathaniel Parker ausgeliehen, der sonst hauptsächlich aus der Serie "Inspector Lynley" bekannt ist. Den findet Hermione ja ganz gut *g* und denkt in Kapitel 11 an ihn, während sie alle miteinander vergleicht. In meiner Geschichte ist er natürlich nur ein ganz normaler Arzt.

h t t p

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Ich hoffe, ihr habt ein bisschen Spaß!

VLG KeyMagic


Kapitel 22

Severus ergriff zaghaft ihre Hand und drückte sie. „Wir gehen."

Bei Hermione angekommen, war es schon wieder Abend. Wie schnell die Zeit verging, wenn man es gar nicht gebrauchen konnte.

„Ich danke dir so sehr, Severus."

„Das hast du jetzt schon hundertmal gemacht. Nun ist gut! Wann kommen eigentlich deine Eltern wieder? Ich habe zwar vorgestern Bruchstücke deines Telefonats mitgehört, aber nicht alles verstanden.", fragte er, um sie endlich auf ein anderes Thema zu bringen.

„Sie kommen Sonntag am Spätnachmittag wieder. Die genaue Uhrzeit wollten sie mir noch durchgeben...äh, glaube ich."

„Du glaubst?"

„Ich war wohl doch mehr müde an diesem Abend als ich zugeben wollte."

„Das war nicht zu übersehen."

„Mach dich nur lustig über mich."

„Ich mache nie lustig, Hermione, ich äußere Fakten.", dozierte er.

Sie sah seinen leicht hochgezogenen Mundwinkel. „Klar."

„Übermorgen werde ich am Nachmittag nach Hogwarts zurückkehren."

„Ja.", bestätigte sie traurig. Sie hatte Angst.

„Was mich wirklich interessieren würde, wenn es geht..."

„Alles was du möchtest, Severus."

„Klar!", neckte er sie zurück. „Was ich sagen wollte – ich würde mir gerne die Praxis deiner Eltern anschauen."

Das überraschte sie. Andererseits war sein Fachgebiet ja sehr eng mit der Medizin verwandt und er hatte ein weit über das Normalmaß gehende Wissen über Pharmazie und Therapie, wie die Muggel es nannten. Aber war er denn nie beim Zahnarzt gewesen?

Ihre Überraschung hatte er kurz gesehen und überwand sich, weiterzureden.

„Meine Mutter ist mit mir...hin und wieder heimlich zu einem Heiler gegangen oder ins St. Mungo, wenn das G...". Er atmete tief ein. „Kurz – wir waren nie in einer Muggelpraxis."

Hermione hakte nicht nach, was sie sonst immer tat, wissbegierig wie sie war. Sie hatte es sehr wohl mitbekommen. Wenn das Geld reichte, hatte er sagen wollen. Und demnach auch nur, wenn sein Vater nicht da war. Tiefe Traurigkeit stieg in ihr hoch.

Nachdem es vorbei war, hatte ihr Harry alles erzählt, was er in seinem Okklumentik-Unterricht bei Professor Snape erfahren hatte. Nicht, weil er seinen Lehrer bloßstellen wollte, sondern weil er selbst Probleme damit hatte, dass die Rumtreiber und vor allem sein Vater nicht immer die großen Helden gewesen waren, wie er sie sich in seinen Gedanken ausgemalt hatte. Damals war sie schon bestürzt gewesen, doch jetzt traf es sie viel härter. Sie würde alles für ihn tun, wenn sie könnte.

„Dann komm mal mit, ich zeige dir alles."

Sie gingen durch eine Verbindungstür im Flur in den Anbau, wo die Praxisräume gelegen waren und so praktischerweise mit dem Wohnhaus verbunden waren.

Hermione zeigte ihm das große Büro, in das man als erstes gelangte, dann den Empfangsbereich mit separatem Eingang für die Patienten, das Wartezimmer und schließlich die drei Behandlungsräume.

„Kommen viele Leute hierher?"

„Das ist unterschiedlich. Oft ist es rappelvoll und manchmal sind nur zwei oder drei Patienten da. Kommt auf die Tageszeit an. Die drei Behandlungszimmer müssen schon sein, weil meine Eltern gemeinsam arbeiten und sie manchmal noch durch einen Assistenzarzt unterstützt oder abgelöst werden.

Durch Poppy hatte er schon einige Geschichten über Zahnarztbesuche von muggelstämmigen Schülern gehört, die puren Horror vermittelt hatten.

„Du kannst dich ruhig in den Behandlungsstuhl setzen – ist sehr bequem."

„Stimmt", stellte er fest. „So schlimm ist es nicht, wie viele sagen."

„Nein, eigentlich nicht, es kommt auf die Erfahrung und auf die Verfassung an."

„Verstehe."

Allerdings hatten ihre Eltern vor ihrer Abreise die Instrumente sorgfältig weggeräumt. Nun begann Hermione, den Behandlungsplatz so vorzubereiten, wie es üblich war. Sie kannte die Handgriffe auswendig, denn in den Ferien hatte sie immer mal wieder mitgeholfen. Nach und nach legte sie den Mundspiegel, den kleinen Haken und ein bisschen Watte auf die kleine Ablage am Schwenkarm und drückte einen Knopf, der etwas Wasser in den Plastikbecher füllte. Snape beobachtete alles ganz genau und stellte wieder einmal mit Genugtuung fest, dass er recht hatte, wenn er sagte, die Kinder seien alle verweichlicht.

Anschließend zog Hermione einen Griff nach dem anderen, die an Kabeln befestigt waren, aus der Halterung und steckte die passenden Aufsätze darauf wie zum Beispiel den Bohrer. Dann schaltete sie ihn an und erklärte ihm, wie ihr Vater jetzt vorgehen würde. Das Geräusch hörte sich zwar nicht angenehm an, doch was konnte solch ein winziges Gerät schon anrichten? Außerdem hatte sie gesagt, dass es Mittel zur Betäubung gäbe, wenn die Patienten wollten. Da konnte ein Zauberstab schon weitaus schlimmere Auswirkungen haben. Ein paar Fragen stellte er ihr noch und sie zeigte ihm, wie das Füllmaterial für kaputte Zähne angemischt wurde. Alles in allem fand er es sehr interessant und überlegte, ob man das ein oder andere Material auch anderweitig nutzen könnte.

Gemeinsam räumten sie auf und gingen zurück in das eigentliche Wohnhaus. Nach dem späten Abendessen setzten sie sich wieder gemeinsam auf die gemütliche Couch und widmeten sich ihrer Lektüre. Es hatte sich zu einem kleinen Ritual entwickelt, wenn man es nach so wenigen Tagen schon als solches bezeichnen konnte. Dass sie sich wohl fühlten, konnte man nicht leugnen, also bedurfte es nicht mehr vieler Worte und schon gar keiner Diskussion.

Severus saß in einer Ecke und sie in der anderen. Da sie schon lange ihre Lesegewohnheiten hatte, verselbstständigten sich ihre Bewegungen und auf einmal lagen ihre Beine auf seinem Schoß. Wenn sie nicht in ihrem Sessel in der Bibliothek gesessen hatte, war sie zu ihren Eltern ins Wohnzimmer gekommen, hatte sie in die Couch gekuschelt und mehr oder weniger liegend gelesen. Etwas irritiert schaute er herunter auf ihre Füße und stellte fest, dass sie es gar nicht mitbekommen hatte. Vertieft in ihre Zeilen sah er sie ab und zu die Stirn kraus ziehen oder leicht die Lippen bewegen und wandte sich ohne Weiteres wieder seinem eigenen Buch zu.

Nach einer Weile bemerkte sie, während sie eine Seite umblätterte, dass er einen Arm auf ihren Beinen abgelegt hatte und wie automatisch rauf und runter strich. Was für ein schönes Gefühl das war! Morgen müsste sie sich endlich überwinden, ihn zu fragen... Nachdenklich betrachtete sie ihn, bevor er es merkte, und kurz darauf machten sie sich auf, ins Bett zu gehen.


*Christina Aguilera: „Beautiful"*


Hermione schlich am nächsten Morgen auf Zehenspitzen hinunter, setzte sich auf die Couch, zog die Beine hoch und zog ihr kurzes Nachthemd über die Knie. Gleich wollte sie leise den Fernseher einschalten, um die Nachrichten zu hören. Auf einmal hörte sie ihn im Bad. Einerseits freute sie sich und andererseits hatte sie Angst, dass sie ihn geweckt hatte.

„Hey.", begrüßte sie ihn als er ins Wohnzimmer kam.

„Früher hieß das Guten Morgen."

„Guten Morgen."

„Dir wünsche ich auch einen guten Morgen."

„Oh, so formvollendet, das mag ich.", grinste sie. „Wolltest du nicht nochmal richtig ausschlafen? Es ist erst knapp neun Uhr. Habe ich dich geweckt?"

„Ich bin ausgeschlafen. Ziemlich spät. Und nein."

„Feeerien!"

„Und du?"

„Ich konnte auch nicht mehr schlafen, deshalb bin ich nach unten gegangen um dich nicht zu stören."

Während ihres Gesprächs begannen sich ihre Augen selbstständig zu machen. War er je zuvor so unten erschienen? Nein! Scheinbar konnte er alles tragen und es sah gut aus...das schwarze Shirt und die anthrazit-schwarz karierte Boxershorts lenkten sie gerade ziemlich ab. Natürlich hatte sie ihn so gesehen, aber immer nur ganz kurz, bevor er sonst ins Bett schlüpfte.

Er sah, worauf ihre Augen gerichtet waren und reagierte ganz anders als erwartet.

„Wo habe ich nur meine Gedanken. Entschuldige."

„Entschuldigung wofür?"

„Dass ich mich so hierher gesetzt habe, das ist nicht...angemessen."

„Was? Nein, das ist doch Quatsch. Es ist...normal, Severus."

„Normal ist seit zwei Wochen gar nichts mehr und ich kann mich nicht dagegen wehren."

„Das freut mich."

Sie erntete darauf nur eine säuerliche Miene.

Hermione gab sich einen Ruck, kniete sich auf die Couch und gab ihm einen guten-Morgen-Kuss. Er erwiderte ihn – trotzdem – und das ermutigte sie dazu, sich rittlings auf seinen Schoß zu setzen und mit küssen einfach weiterzumachen. Seine Arme streckte er von sich und versuchte die Gefühle zu ignorieren, die in ihm hochkamen.

„Ich wollte mich gerade anziehen."

„Du hast doch was an..."

„Nicht mehr alles wenn du so weitermachst."

„Ok."

„Ich meine es Ernst, Hermione."

„Ich auch.", sagte sie und machte einfach weiter. Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten.

„Letzte Chance."

„Ist doch längst zu spät."

„Keineswegs.", log er.

„Ah so, dann ist es wieder mal Einbildung, was ich hier fühle..."

„Wieder mal?"

„Ich denke da an zwei ähnliche Situationen vor nicht mal einer Woche."

„Da täuschst du dich."

„Ja klar doch…", ärgerte sie ihn, während sie sich weiter auf ihm bewegte.

„Nicht so frech, Miss Granger."

„Frech? Wenn du behauptest, ich hätte mich getäuscht? Das kannst du vielleicht kleinen Mädchen erzählen..."

„Du hast es gemerkt."

„Ähm,...jaa...nun...es war ja nicht so, dass es nicht zu...äh – es war be...merkenswert."

Ihr nunmehr verlegenes Lächeln passte so gar nicht zu ihren Bewegungen.

Mehr als ein Blick, der gleichzeitig Verärgerung über sich selbst, Verwunderung über ihre Äußerung und Ablenkung durch ihre Tätigkeit zeigte, war nicht drin.

Sanft ließ sie ihre Hände unter sein Shirt gleiten, schob es ein Stück hoch und wurde von ihm jäh unterbrochen, indem er ihre Handgelenkte festhielt.

In ein paar Sekunden schossen ihr tausend Gedanken durch den Kopf. Was war jetzt wieder falsch? Was wollte er – oder eher nicht? Durfte sie nicht einmal nach diesen ganzen Tagen sein Shirt anfassen? Da hatten sie weit mehr hinter sich!

Als sie ihn daraufhin ein wenig entmutigt umarmte und ihren Kopf auf seine Schultern legte, ließ sie die vergangenen Tage Revue passieren. An diesem einen verhängnisvollen Abend hatte sie ihm vor lauter Verlangen das Hemd aus der Hose gezogen und ein bisschen nach oben geschoben. Und dann ihre ersten Male – die wunderschönen Momente trotz aller Angst und Nervosität – waren dunkel gewesen… Und dann bei den heißen Nummern – anders konnte sie die Erlebnisse in dem Laden und auf Hogwarts im Nachhinein nicht bezeichnen – hatte er nicht weiter Zeit mit seiner Kleidung vergeudet.

Ganz langsam dämmerte es ihr und gleichzeitig war sie fest überzeugt, dass sie mehr als daneben lag mit ihrer Vermutung. Er? Der so selbstbewusste Professor Snape, der sich mit jedem anlegen konnte und jedes Duell gewinnen konnte – körperlich und geistig allemal?

Sie setzte sich wieder aufrecht hin, dass sie ihn ansehen konnte. Ihrem fragenden Blick wich er aus, bis er merkte, dass es nicht funktionierte.

„Nicht umsonst war es bisher anders.", begann er leise eine Erklärung.

Dann hatte sie doch recht gehabt mit ihrer Vermutung.

„Sprich weiter – bitte."

Er hätte sie nur runterschieben und aufstehen brauchen. Allerdings wäre das Thema damit nicht aus der Welt geschafft.

„Ich bin nicht gerade... das, was man im Allgemeinen unter vorzeigbar versteht."

Sein gequälter Gesichtsausdruck und die Worte, die er gewählt hatte, spiegelten wieder, wie sehr er sich gerade zwang, darüber zu reden. Trotzdem tat er es, denn nach Alldem hatte sie auf irgendeine Weise ein recht darauf.

‚Hast du eine Ahnung...', war der erste Gedanke, der ihr daraufhin durch den Kopf schoss. Nicht erst seit gestern hatte sie wahrgenommen, dass er in vielerlei Hinsicht wahrhaft mehr zu bieten hatte als andere. Liebevoll ließ sie ihre Hand durch seine weichen, schwarzen Haare gleiten und nahm den feinen Kräuterduft wahr, an den sie sich so gewöhnt hatte. Ihr Hinterkopf machte eine Notiz, dass sie ihn fragen wollte, ob er dieses Shampoo auch für sie machen könnte.

„Du bist du, Severus – endlich. Das ist alles, was zählt.", flüsterte sie und zog ihm ganz langsam das Shirt über den Kopf. Die Narbe von Nagini war deutlich sichtbar und noch nicht verblasst. Eine tiefe Furche, von der sie vorher nur den Ansatz gesehen hatte, verlief von seinem Hals hinunter über das Schlüsselbein und endete kurz über der Brust.


Sie hatte ihn damals nur einmal auf der Krankenstation besucht. Nicht, weil sie nicht öfter gewollt hätte, sondern aus einigen anderen Gründen. Erstens sollte es ein Geheimnis bleiben, dass sie ihm geholfen hatte. Zweitens lag er in einem verborgenen Raum abseits der anderen und Poppy hatte alles getan, um ihm diese Abgeschiedenheit zu ermöglichen, nicht zuletzt deswegen, weil viele ihn unbedingt in Azkaban sehen wollten. Wäre sie immerzu dorthin gegangen, hätten sie angefangen, Fragen zu stellen.

Damals war sie schon von einer gewissen Traurigkeit erfüllt gewesen wegen ihm, doch jetzt brach es ihr das Herz, weil sie sah, dass diese Narbe bei Weitem nicht die einzigste war. Viele mussten älter sein und sie verstand, dass sich Voldemort und wahrscheinlich auch angebliche Freunde – Todesser – an ihm ausgetobt, gerächt oder ihn bestraft hatten.


Sie keuchte auf, als sie ihn betrachtete, und ein paar Tränen sammelten sich in ihren Augen.

„Siehst du, deshalb.", sagte er leise und dennoch mit fester Stimme.

„Nein, ganz und gar nicht. Nicht wie du denkst. Es tut mir so leid, Severus, so leid. Verzeih mir. Deshalb!"

„Du hast keine Schuld."

„Jeder hat Schuld. Wir haben dich alle verletzt – auf irgendeine Weise."

Um jegliche Antwort oder Argument seinerseits von vornherein zum Schweigen zu bringen, küsste sie ihn. Nur kurz löste sie sich von ihm, um ihm in die Augen zu schauen. In diesen paar Sekunden sah sie Verzweiflung, Traurigkeit, Wut, aber auch Sehnsucht und etwas, das sie nicht zu bestimmen vermochte. Wie in Zeitlupe sah sie, dass er seinen Mund öffnete, um ihr endlich zu widersprechen, doch sie war schon immer schnell gewesen: Sanft ließ sie ihre Zunge über seine Lippen gleiten und lud sich daraufhin selbst ein, seinen Mund zu erkunden.

Während seine Mimik und seine Hände sich noch zu wehren versuchten, sprach sein Körper eine ganz andere Sprache, denn sie merkte, wie seine zuvor verlorene Erregung zurückkehrte.

„Wollen wir Ferien haben und vergessen? Zeigst du mir, wie es wäre?"

„Ja."

Eine tiefe Wärme breitete sich in ihr aus. „Schön… Na dann los!", forderte sie ihn verschmitzt auf.

„Du weißt nicht, was du dir da wünschst!"

Aufreizend ließ sie ihre Hüften auf ihm kreisen. „Oh doch!"

„Oh nein!", versicherte er ihr und grinste mindestens genauso gut wie sie. Wie er es auch von ihr in einer ähnlichen Situation verlangt hatte, konnte er sich genauso gut und schnell auf Veränderungen anpassen.

Er packte sie bei den Hüften und stellte sie auf den Boden.

„Oh nein, Mister, nicht schon wieder. Das hatten wir schon zweimal."

Ohne ein Wort griff er unter ihr Nachthemd, zog ihr den Slip runter, rutschte wieder nach hinten und lehnte sich an die Kissen.

„Jetzt kannst du wiederkommen."

„Du...du..."

„Was ich?"

Weil sie keine Lust auf Reden hatte, küsste sie lieber weiter. Sie arbeitete sich von seinem Mund, über seinen Hals zu seiner Brust vor, wo sie sich besonders lange aufhielt. Jede seiner Reaktionen versuchte sie sich zu merken und lernte, dass es kein Gerücht war, dass auch Männer an bestimmten Stellen sehr empfindlich waren. Sein unterdrücktes Stöhnen wurde lauter und keiner von beiden konnte mehr länger warten. Kurz hob sie ihre Hüfte an, während er sein nunmehr pochendes Glied aus der Shorts befreite und Hermione wieder auf sich drückte. Schnell fanden sie einen gemeinsamen Rhythmus und das weiche Polster der Couch war wie geschaffen für...das, stellte sie fest.

Durch den Stoff ihres Nachthemdes streichelte er ab und zu ganz sanft über ihre Brüste und das verschaffte ihr einen Schauer über den ganzen Körper. Diese zusätzlichen Berührungen seiner Hände brachten sie schneller als gedacht an die Klippe und sie krallte sich in seinen Haaren fest, während sie ihren Höhepunkt laut herausstöhnte. Severus atmete schwer und versuchte alles, dass es ihn nicht mitriss.

Als er ihr ein paar Sekunden gegönnt hatte, packte er sie, legte sie hin und kniete selbst auf der Couch. Nach einem wilden Kuss drehte er sie zur Seite, wobei sie automatisch ihre Knie anwinkelte, hob vorsichtig ihr linkes Bein an und brachte sich wieder in sie. Viel länger konnte und wollte er nicht mehr warten.

„Was...machst...du mit mir? Oh Merlin..."

Die Gefühle überwältigen sie. Mit seinen Ideen brachte er sie in ungeahnte Höhen und sie wimmerte nur noch, weil sie nicht wusste wohin mit ihren Empfindungen.

Ab diesem Zeitpunkt konnte man immer mehr das Aufeinandertreffen zweier Körper hören, die tief in ihre Leidenschaft versunken miteinander spielten.

Als sie zum zweitenmal kam, wieder viel intensiver als beim erstenmal, spürte er ihre Kontraktionen so heftig, dass er mit einem ungewohnt lauten „Oh Hermione" ebenfalls kam.


Irgendwo wurde eine Tür zugeschlagen und sie hörte Stimmen.

„Ach du Scheiße..."

Schwer atmend legte er sich hinter sie und ließ ein Bein über ihr liegen, während er sich mit dem Ellbogen aufstützte und ihren Hals küsste.

„Hermione! Tztz... Es ging gerade nicht leiser.", entschuldigte er sich mit einem hochgezogenen Mundwinkel.

„Hast du nichts gehört? Du? Und das meine ich nicht."

„Ich war leicht...abgelenkt. Man sollte meinen, du seiest auch...ent-spannter... Was?"

„Na DIE!", antwortete sie leicht hysterisch und deutete mit ihrem Arm irgendwo über seinen Kopf hinweg. „Wenn ich die höre, konnten sie uns auch hören."

„Wer sind die?"

„Ich bin so ein Idiot...er hat's mir gesagt..."

„Fang an, dich klar auszudrücken."

Sie setzte sich auf und versuchte es.

„Mein Vater...am Telefon...aaargh... Er hat gesagt, dass am Wochenende Bereitschaftsdienst, also Notdienst, ist. Und da sie nicht da sind, muss den eine Vertretung übernehmen. In dem Fall der Assistenzarzt, der das immer macht – Nathan Parker und eine unserer Helferinnen. Meistens ist es Anna."

Er schmunzelte über ihren Ärger, obwohl er jetzt auch ein wenig beunruhigt war.

„Wahrscheinlich haben sie nichts gehört. Man ist eher auf das Gespräch konzentriert."

„Bist du sicher?"

„Sicher kann man nie sein – nur, wenn du fragst."

„Na klar, ich frage: Hey, habt ihr uns zufällig v..."

Hermione! Diese Ausdrücke bin ich nicht gewohnt, schon gar nicht von dir!"

„Ist doch so!"

„Bleibt nur noch die Beobachtung der Reaktionen, wenn du mit ihnen sprichst."

„Du hast wohl recht."

„Etwas anders bleibt uns sowieso nicht übrig – außer du weißt schon."

Kaum war sie von der Couch aufgestanden, klopfte es auch schon an der Durchgangstür zur Praxis.

Mit ein paar weiteren Schimpfwörtern, die man sonst nie von ihr hörte, zog sie sich schnell den Slip an und lief ziellos um den Wohnzimmertisch.

„Hermione...! Hermione! Was bist du?!"

„Abgelenkt... - ...und äh, Hexe. Stimmt."

Schnell brachte sie mit ein paar Alltagszaubern, die sie schon mal nahm, wenn sie zu spät war, ihre Haare in Ordnung und hüllte sich in einen leichten, blumigen Duft. Severus hatte ihr mit einem Accio den Bademantel hergezaubert und reichte ihn ihr, bevor er sich schnell und leise in die obere Etage verzog.

Sie öffnete die Verbindungstür und schluckte.

Es war fast ein Jahr her, dass die den netten Assistenzarzt, der ab und zu aushalf, in der Praxis gesehen hatte. Am Anfang der Ferien hatte sie noch an ihn gedacht, aber jetzt vor ihm zu stehen, war etwas ganz anderes. Immerhin hatte er ihr ja ziemlich gut gefallen und sie hätte sich – damals, nein, bis vor Kurzem – mehr vorstellen können.

Sie wusste nicht, ob er überhaupt irgendetwas über sie dachte, doch er war immer freundlich gewesen. Vielleicht sah er in ihr auch nur die Tochter der Chefs oder ein Mädchen, das elf Jahre jünger war als er. Vielleicht auch nicht.

Nervös zog sie den Gürtel des Bademantels fester und lächelte verlegen. Ihr war doch die Ähnlichkeit schon vorher bewusst geworden, was sollte das jetzt? Es waren die Details: Selbst die Größe stimmte, die dunklen Haare und die dunklen Augen...es war erschreckend. Dennoch – sie merkte, dass etwas fehlte. Die Augen konnten nicht das Gleiche hervorrufen wie seine.

„Hermione!" Kurz zögerte er, bevor er weitersprach. „Du bist ja doch da. Nett, dich mal wiederzusehen."

„Nat!" Schon von Anfang an hatten sie sich geduzt. „Ja...äh, gleichfalls. Die Ferien...ich habe etwas länger geschlafen und..."

„Hätte ich auch gemacht, das sollte man ausnutzen. Ich dachte nur, als ich ins Büro kam, ich hätte etwas gehört."

„Jaaah, ich hatte kurz den Fernseher an und...habe nicht mehr daran gedacht, dass jemand kommt."

„Kein Problem, ich habe ja den Schlüssel."

Das hörte sich gut an. Er schien nichts weiter bemerkt zu haben und war erst gar nicht näher auf den...Fernseher eingegangen.

Schweigend standen sie sich gegenüber.

„Du siehst verändert aus. Ich hatte dich etwas anders in Erinnerung, dabei ist es noch nicht so lange her." Offen lächelte er sie an. Was war das jetzt?

„Großmutter hat ihr Können an mir ausprobiert. Hat funktioniert."

„Da kann ich nur zustimmen. Möchtest du vielleicht wieder mithelfen so wie früher schon mal? Wäre ganz nett. Anna ist zwar schon da, aber man weiß ja nie, was kommt."

„Haben schon welche angerufen?"

„Bis jetzt hat sich nur eine Patientin mit einer herausgefallenen Füllung angemeldet, eine Miss Tanya Wisedairy. Kennst du sie?"

„Nein, der Name sagt mir nichts, aber ich bin ja auch nur sehr selten hier."

„Und hilfst du uns?"

„Ähm, nein, ihr schafft das schon. Bis jetzt scheint auch noch kein Notfall da zu sein."

„Bis jetzt. Die meisten kommen ja sowieso, ohne vorher anzurufen. Tja, wenn ich dich nicht überreden kann...schade eigentlich. Aber du hast ja Ferien. Bis 13 Uhr habe ich heute Dienst. Vielleicht sehen wir uns dann nachher noch kurz?"

„Ja, melde dich mittags einfach ab. Ich...habe noch zu lernen."

„Fleißig wie eh und je? Die Internatsschüler...!", grinste er. „Bis später."

„Ok."

Schnell schloss sie die Tür, lehnte sich dagegen und blies die ganze angespannte Luft raus. Du meine Güte, das war schwerer als eine Prüfung gewesen. Drei Stunden musste sie aushalten, bevor sie sich wieder befreit bewegen könnte.

‚Scheiße, scheiße, scheiße...', dachte sie. Sonst kamen selten solche Worte in ihren Kopf, doch heute waren sie mehr als angebracht. Wie konnte das sein, dass er sie so nervös machte? Seit Severus hier war, hatte sie keinen einzigen Gedanken mehr an andere...Männer gehabt und wollte es auch nicht mehr. Scheinbar brachte der Arzt sie nur deshalb so aus der Fassung, weil sie ihn vorher gut gefunden hatte und weil die Ähnlichkeit nicht wirklich zu übersehen war. Gefühle hatte sie keine (mehr) für ihn, definitiv nicht, nur seine Art, die heute anders als sonst gewesen war, machte sie unruhig. Einbildung hin oder her, man konnte es nicht ändern.

In Gedanken ging sie in die obere Etage, um sich in Windeseile ein bisschen frisch zu machen und anzuziehen, für den Fall, dass sich so ein Klopfen wiederholen würde. Auf dem Flur stieß sie mit Severus zusammen, der mittlerweile fertig war.

„Dass Flitwick übersehen wird, kann ich nachvollziehen..."

„Wuhups, entschuldige."

„War es so schlimm?"

„Nein, alles in Ordnung. Glück gehabt."

„Dann steht einer Wiederholung nichts im Wege...", raunte er ihr zu und küsste sie am Hals.

„Nicht in den nächsten drei Stunden."

„Warum erkennt nie jemand meine Scherze?"

„Weil du nie welche machst?"

„Das war einer."

„Jetzt weiß ich's.", lachte sie. „Ich gehe mich schnell anziehen. Nimm dir was zum Frühstück, wenn du nicht warten willst."

„Ich hatte schon etwas."

„Du warst doch hier oben."

„Schon wieder!"

„Was?"

„Ein nicht erkannter Scherz. Ich hatte dich, etwa vergessen?"

„Oh...was für eine Frage.", sagte sie mit immer noch leicht geröteten Wangen.

„Soll ich dir beim Umziehen helfen?"

„Diesmal habe ich ihn erkannt, Severus.", sagte sie lehrerhaft und ging in ihr Zimmer.

„Habe ich gescherzt?", fragte Severus sich selbst, als er wieder nach unten ging.


„Wir müssen heute noch Eier färben", rief sie von oben. „Machst du mit?"

‚Eier färben? ‚Ach ja, ein uralter Brauch der Muggelkultur.' „Ich helfe dir."

Nach fünf Minuten war sie fertig und trug die Wickelbluse von gestern kombiniert mit einer Jeans.

„So, da bin ich."

„Das sehe ich."

„Wollen wir anfangen?" Sie nahm um die 30 Eier aus dem Kühlschrank und legte sie sorgfältig in einen großen Kochtopf, füllte Wasser auf und stellte den Herd an.

„Wärst du so nett und passt darauf auf, wenn sie kochen?"

„Natürlich. Wozu so viele?"

„Haben wir schon immer gemacht. Großmutter bekommt welche, dann stellen wir in der Praxis welche zum Mitnehmen für die Kinder hin, meine Eltern hätten sicher morgen auch gerne ein paar und die restlichen können wir essen oder mitnehmen. Du weißt, dass eigentlich der Hase die Eier bringt?", kicherte sie.

„Das habe ich am Rande mitbekommen, vor allem, wenn sich die Erstklässler vor den Ferien dadurch abgelenkt zeigen. Weihnachten ist noch schlimmer."

„Ach Severus, lass ihnen die Freude. Es schadet nicht, die Bräuche beizubehalten."

„Das lehne ich auch nicht ab, immerhin entstanden diese Feste vor Tausenden von Jahren und haben sich letztendlich in den meisten Kulturen der Menschheit wiedergespiegelt, in welcher Form auch immer. Ich kann es nur nicht leiden, wenn sich Schüler dadurch vom Lernen abhalten lassen."

„So ist es nun mal und es wird in Jahrhunderten immer noch so sein."

„Ich fürchte ja."

„Du kennst dich gut aus."

„Gut ist weit übertrieben. Ich kenne die Ursprünge und die Zusammenhänge, weil dieses Wissen zur Kultur und der Gesellschaft dazugehört, doch ich könnte niemandem etwas vom Osterhasen erzählen oder einem Kleinkind plausibel erklären, wo der Weihnachtsmann herkommt. Ich habe es nur am Rande...miterlebt."

„Ich weiß", sagte sie leise und strich ihm über die Schulter. „Ich hole ein paar alte Töpfe und die Farbe aus dem Keller."

Als er gerade nachfragen wollte, war sie schon verschwunden und kam polternd wieder hoch.

„Mit dem Zauberstab geht es schneller."

„Wir haben es immer so gemacht und so möchte ich es weiterhin tun."

Als die Eier – natürlich perfekt auf die Minute – fertig gekocht waren, breitete sie sie auf einem Trockentuch aus, rührte die Farbe in allerlei kleinen Töpfen an, wobei er half, und legte ein paar Löffel zurecht.

„So, es kann losgehen. Einfach eintauchen, ein bisschen liegen lassen, wieder herausnehmen und trocknen lassen. Kinderleicht.", lachte sie.

Bald schon lagen ein paar schöne, pastellfarbene Eier fertig auf dem Tisch – hellgelb, ein zartes blau, grün wie von frischen Blättern und orange.

Severus machte sich gut, da er ja in seinem Beruf äußerst ruhige Hände haben musste... Bis ihm ein Ei vom Löffel rutschte und zurück in den Farbtopf plumpste. Laut fluchend („Severus!") schmiss er den Löffel auf den Tisch und betrachtete sein Hemd, heute ausgerechnet weiß, das kunstvoll mit lauter bunten Farbsprenkeln verziert war.

Hermione bog sich vor Lachen und machte mit Freude ihre Arbeit weiter.

„Ich gehe mich umziehen. Viel habe ich nicht mehr zum Wechseln."

„Warte bis wir fertig sind. So ein...Unglück könnte durchaus wieder passieren. Außerdem kannst du das Hemd zur Wäsche legen, ich bringe das noch in Ordnung. Deine Jeans hat auch was abbekommen, fällt aber nicht so auf."

Vor sich hin grummelnd gab er vor, weiterzumachen. Als sie einmal nicht hinsah, nahm er heimlich doch seinen Zauberstab und richtete ihn auf die restlichen Eier.

Als sie sie sah, konnte man nicht sagen, ob sie jeden Moment wieder in Gelächter ausbrechen oder vor Empörung den Mund nicht zukriegen würde. Sie reagierte äußerst sachlich, bevor sie dann in Gelächter ausbrach.

„Mit grünen Ostereiern kommt jeder klar. Super-dunkelgrüne sind schon gewöhnungsbedürftig. Aber wie denkst du könnte ich schwarze und silberfarbene Eier erklären, Severus?"

Währenddessen hatte sie ein Ei in die Hand genommen und hielt es ihm vor die Nase, wobei sich ihre Augen weiteten.

„Das ist jetzt nicht dein Ernst!"

„Was?", fragte er unschuldig.

„Die grüne Schlange auf dem schwarzen Ei!"

„Hab ich gar nicht bemerkt."

„Klar!" Daraufhin untersuchte sie die anderen Eier, fand auf dem nächsten einen Löwen und auf einem weiteren einen Hasen. Die restlichen waren nur...bunt.

„Klar.", wiederholte sie sich und legte sie zurück auf den Tisch. „Den Löwen und den Hasen würden sie verstehen, aber nicht die Schlange und die Farben."

„Was kümmert es dich? Sie sind ganz annehmbar."

„Ja, und ich erkläre dann, dass ich zu Slytherin übergelaufen bin – soviel wissen sie."

„Nimm sie doch für die Praxis."

„Ich denke, dass das unsere Eier werden, Professor!"

„Wie du willst."

Jetzt musste sie doch richtig lachen und stellte glücklich fest, dass ihm die Ferien wirklich gut taten und ihn langsam aber sicher verwandelten...

„Könnest du bitte, wenn es geht, in den Keller gehen und die drei Weidenkörbchen holen, die im Regal stehen? Die füllen wir nachher mit Moos und legen die bunten Eier hinein. Ich räume hier auf."

Severus ging runter und suchte nach den Körbchen.


Während sie das bunte Küchenpapier wegwarf und die Töpfe in die Spülmaschine einräumte, drang plötzlich lautes Weinen aus der Praxis zu ihr. Wieder ein Kind, das Angst vor dem Zahnarzt hatte. Wenn Eltern mit ihren Kindern am Wochenende kamen, musste es wichtig sein. Hermione wusch sich schnell die Hände und ging rüber, weil sie sich schon öfters um kleine Patienten gekümmert hatte.

Sie betrat Raum 2 und fragte sofort, ob sie helfen könne.

„Wir haben kaum angefangen.", seufzte Nat, obwohl er immer die Freundlichkeit in Person war und wirklich eine Engelsgeduld mit allen seinen Patienten hatte – die musste man in dem Job schon mitbringen. „Schön, dass du da bist."

Das kleine Mädchen schrie wie am Spieß. Hermione versuchte sie zu trösten, so gut es ging.

„Schau, Aily, du bist doch schon fast sechs Jahre alt, ein ganz großes Mädchen. Wir sind alle so stolz auf dich, wenn du jetzt tapfer bist."

Sonst konnte sie die Kinder immer ganz gut beruhigen, doch diesmal half wirklich gar nichts. Das Kind hatte scheinbar große Schmerzen und Angst noch dazu und schrie immer weiter. Bald redeten alle durcheinander – Anna, der Arzt und Hermione, die sich mit lauter Stimme durchzusetzen versuchte. Sie wollte den anderen klar machen, dass es so nicht funktionierte. Zum Glück war wenigstens die Mutter nicht mit drin, das hätte es noch viel schlimmer gemacht. Die tigerte mittlerweile im Anmeldebereich auf und ab und hoffte, dass es bald endete.

Severus kam aus dem Keller und fand die Küche leer. Er stellte die Körbe auf den Tisch und sah sich um. Bald hörte er laute Stimmen aus Richtung Praxis, darunter ein schreiendes Kind und die Stimme von Hermione. Da stimmte etwas nicht. Wenn es so laut wurde, war es nie gut. Gestern Abend hatte er sich ja detailliert überzeugen können, dass es absolut nicht notwendig war, vor einer Zahnarztbehandlung Angst zu haben. Deshalb musste dies andere Gründe haben und das zwang ihn, zu handeln.

Ohne weiter nachzudenken lief er in die Praxis, während er seinen Zauberstab aus dem Hosenbund hervorzog.

Hermione hatte währenddessen den Einfall gehabt, sich selbst in den Behandlungsstuhl zu setzen und das Kind auf den Schoß zu nehmen. Sie hatte sich zurückgelehnt und strich dem Mädchen beruhigend über die Haare. Die Kleine weinte immer noch laut und Hermione musste sie übertönen, dass sie ihr überhaupt zuhörte. Um endlich beginnen zu können, wollte sie ihr erklären, dass sie ihr zugucken sollte, wie sie weit dem Mund aufmachte und wie der Onkel Doktor ihr helfen würde.

Das Kind schluchzte immer noch herzzerreißend, doch es begann langsam, Hermione zuzuhören und ihr nachzuahmen. Der Zahnarzt nahm den Bohrer in die Hand, drehte die Lampe zurecht und beugte sich nunmehr über zwei Patienten.

Snape stürmte an einer völlig perplexen Frau vorbei, die im Flur herumlief, schnurstracks in das Zimmer, aus dem der Tumult kam. Mit der linken Hand riss er die Tür auf und mit der rechten Hand hielt er den Zauberstab vor die Nase des Arztes, den er mit nur zwei großen Schritten erreicht hatte.

Drei völlig fassungslose Augenpaare starrten ihn an und es herrschte nun eine Totenstille. Sogar das Mädchen hatte aufgehört zu schreien und Hermione bekam den Mund nicht mehr zu.

Dr. Parker fand als erstes die Sprache wieder. Ab und zu hatte er so etwas Ähnliches schon erlebt, vor allem mit besorgten Eltern. Nur diese Art und Weise war neu.

„Nehmen sie den Ast aus meinem Gesicht!", sagte er gleichzeitig verwirrt und bestimmt, aber nicht wütend. Feingefühl war das A und O.

Hermione sog scharf die Luft ein. Ihre Großmutter hätte helle Freude an dem Schauspiel gehabt, sie dagegen sah ein Unwetter, das auf der Stelle verharrte.

Langsam senkte Snape den Zauberstab und steckte ihn weg. Ein paar Sekunden funkelten die Männer sich noch an, bis sich die Situation ein wenig entspannte.

„Sind sie der Vater?"

Vater?" Severus war nun völlig desorientiert. Erst die komische Situation und dann noch jemand, der glaubte, er sei Vater eines Kindes. Nie zuvor hatte ihn jemand in diesem Zusammenhang gesehen oder gar darauf angesprochen.

„Nein!"

„Dann wäre wohl die Frage berechtigt, was sie hier machen."

„Ich..." Sein Kopf war wie leer gefegt.

Hermione half ihm raus. „Großmutter ist da und hat Besuch mitgebracht, entschuldige, Nat. Er ist Lehrer und wenn ein Kind schreit...kann er nicht raus aus seiner Haut..."

Severus zog seine Augenbrauen in ungeahnte Höhen.

„Ach so. Nun, es gibt nicht mehr viele Lehrer, die sich so engagiert für Kinder einsetzen und sich kümmern."

Innerlich schüttelte Snape mit dem Kopf. Natürlich hatte er Hermiones Unterton wahrgenommen und das, was Parker dazu gesagt hatte, passte ganz und gar nicht. Und trotzdem hatte er so etwas in der Art schon einmal diese Woche gehört.

„Eines noch: Wieso ein Ast?", fragte der Arzt noch etwas verwirrt.

„Wie bitte?"

Schweigen.

Schweißausbrüche.

„Der Hund, er..."

„Ach so, Emma ist auch da. Ja, die ist verspielt."

Snape klopfte sich innerlich auf die Schulter ob seines Last-Minute-, nein, Last-Second-Einfalls. Zum Glück hatte ihm Hermione eben eine Vorlage gegeben und er hatte gerade noch darauf aufbauen können. Hätte sein Gegenüber nur etwas genauer hingesehen, hätte er erkannt, dass es ganz und gar nicht nach einem Ast ausgesehen hatte. Dafür war nur die ganze Aktion viel zu grotesk gewesen. Bei Merlin, er rostete langsam ein, dabei hieß es doch immer: Einmal Agent, immer Agent.

Nur mit einem Kopfnicken drehte er auf dem Absatz um und eilte aus der Praxis, ohne nach rechts und links zu schauen. Die Mutter des Mädchens starrte ihm hinterher – sie hatte alles mitbekommen. Erstaunlich war nur, dass das Kind von da an ruhig war und die Behandlung über sich ergehen ließ, ohne einen Mucks zu machen.

Hermione hatte noch ein paar harmlose Worte zur Erklärung gegeben, als er sich entfernt hatte und war ihm dann in die Wohnung gefolgt. Nat hatte ihr versichert, dass er schon Ähnliches bei Vätern erlebt hatte, nur nicht ganz so...außergewöhnlich. Damit war für ihn die Sache erledigt. Wieder Glück gehabt – zum zweitenmal an diesem Tag.

„Willst du diskutieren?"

„Nein. Nur eines..."

Severus seufzte.

„Ein Silencio war es nicht."

„Ich habe nichts gemacht."

„Hast du doch. Ich weiß, dass du ihn nicht aussprechen musst."

Ein erneuter Seufzer entwich ihm. „Ein kleiner Zauber von Madam Pomfrey...ein oder zwei."

Heimlich hatte er dem Mädchen die Schmerzen genommen und...sie würde nie wieder Angst vor dem Zahnarzt haben. Immerhin war das Kind recht jung und noch nicht im Schüleralter, in dem sie ihn alle nervten. Nur unter Veritaserum würde er das zugeben.

„Nett von dir, Severus."

„Ich bin nicht nett."

Irgendetwas hatte er gemacht, doch sie ließ ihm sein Geheimnis. Sie verl..., sie mochte ihn dadurch immer mehr.

„Natürlich nicht."


„Was stellen wir mit dem Rest des Tages an? Die übliche Frage, ich weiß. Wünsch dir was!"

„Eigentlich habe ich keine...Wünsche. Wie du weißt, gab es immer...viel zu tun, und ehrlich gesagt finde ich es ganz annehmbar – nur ausnahmsweise – mal wenig zu tun ohne weg zu müssen."

„Das verstehe ich nur zu gut...nach den letzten Jahren. Wir können einfach hier bleiben, lesen, fernsehen, essen und was immer uns einfällt. Und falls wir die Meinung ändern, könnten wir heute Abend ausgehen."

„Ausgehen?"

„Kino, Essen, Tanzen...was auch immer du sonst in der Freizeit bevorzugst."

„Es gab keine Freizeit, Hermione."

„Früher?"

„Nicht so. Wenn du es unbedingt möchtest, passe ich mich den Umständen an."

„Ich fände es ganz schön, auszugehen – man kommt hier nicht oft dazu."

„Wie du meinst."

„Komm, wir machen es uns im Wohnzimmer gemütlich, die Arbeit ist ja getan."

„Mir ist etwas eingefallen. Ich würde gerne nochmal etwas Musik hören nebenbei...du kannst auch etwas aussuchen."

„Gerne. Dabei fällt mir ein – meinst du, es gäbe einen Weg, den CD-Player auf Hogwarts zum Laufen zu bringen?"

„Du weißt, dass wir kein Strom haben."

„Klar, aber magisch?"

„Ich wüsste zur Zeit keinen geeigneten Spruch, allerdings könnten wir in der Bibliothek nachschlagen, wenn wir wieder dort sind."

Hermione hatte aufmerksam zugehört: Wir und dort – noch nie hatte sie diese Wörter so geliebt wie gerade in diesem Moment. Zu ihrem größten Erstaunen waren sie wie selbstverständlich aus seinem Mund gekommen.

„Vielleicht läuft er durch die geballte Magie und die Energieströme auf Hogwarts von selbst."

„Das wäre mir neu, aber wer weiß, dort ist Vieles möglich.", gab er zu.

„Weißt du was? Nimm ihn morgen mit...dann probieren wir es aus."

„Das kannst du nicht machen."

„Ich werde es meinen Eltern erklären und sie werden es verstehen, glaub mir."

„Wenn du meinst." Zu gerne würde er diese neugewonnene Möglichkeit weiterhin nutzen und stimmte daher zu.


*Madonna: „Die Another Day"*


Mehr als sie ahnte freute er sich über ihren Vorschlag mit dem CD-Player. Deshalb zog er sie zu sich heran und küsste sie. Es war eines der wenigen Male, wo er es aus eigener Motivation tat, und deshalb bedeutete ihr dieser Kuss mehr als alle anderen, die sie sich zwischendurch gestohlen hatte. Bald wurde daraus ein sehr inniges Zungenspiel, von dem sich keiner so schnell lösen wollte.

Kurz darauf klopfte es wieder an der Durchgangstür und sie schreckten hoch.

Hermione stand auf und schaute dabei auf die Uhr. Bei Merlin, der hatte heute ein wahnsinns- Timing drauf. Der Bereitschaftsdienst war zu Ende und Nat wollte sich sicher abmelden. Sie holte tief Luft und öffnete die Tür.

„Ich melde mich ab wie versprochen."

„Willst du kurz reinkommen?" Das sagte ihr ihre Erziehung.

„Gerne, wenn es dir nichts ausmacht."

Der Arzt ging ins Wohnzimmer und sah Snape da sitzen. „Hallo, wir kennen uns ja schon.", grinste er und Severus fixierte ihn nach wie vor misstrauisch.

„Wissen sie was? Ihre...Aktion hatte wirklich etwas Gutes – das Mädchen hat bis zum Ende still gehalten und überhaupt nicht mehr geweint. Es war wie ein Wunder."

„War es das?", murmelte Snape.

„Anscheinend."

„Hermione, die Unterlagen der Notfälle liegen sortiert auf dem Schreibtisch, der Sterilisator läuft und schaltet sich automatisch ab, aber das weißt du ja. Alles in allem war es heute recht ruhig. Mal sehen, wie es morgen wird. Zwischen 10 Uhr und 12 Uhr bin ich wieder da, damit du Bescheid weißt."

„Ich bin dann nicht da, es ist ja Ostern. Aber das ist ja egal."

„Einerseits ja, andererseits schade.", ließ Nat verlauten.

Seit er Hermione letzten Sommer gesehen hatte, hatte sie sich ganz schön verändert. Damals hatte sie richtig fertig ausgesehen, blass und ausgemergelt und ohne ein Lächeln. Heute war sie wie verwandelt und sah richtig toll aus mit ihrer neuen Frisur. Vielleicht könnte er sie mal einladen.

„Wo sind denn deine Großmutter und der Hund? Dann hätte ich sie auch noch kurz begrüßt."

„Oh...sie...sind...sie ist gerade..."

„...mit dem Hund um den Block. Er war ziemlich unruhig.", vollendete Severus den Satz und half ihr damit aus der Patsche.

„Naja, da kann man nichts machen. Sag mal, Hermione, wann bist du denn mal wieder hier? Erst in den Sommerferien?"

„Das weiß ich noch nicht genau. Vielleicht bin ich zwischendurch mal für ein Wochenende hier."

Snapes Augen verfinsterten sich langsam.

„Vielleicht...könnten wir uns dann mal sehen...ich meine...außerhalb der Arbeitszeit?"

„Oh..." ‚Warum jetzt', fragte sie sich – ‚Verdammtes Timing. Jetzt kann ich es nicht mehr brauchen – von Wollen ganz zu schweigen.'

„Nun, wir schauen mal." Hermione wollte keine klare Antwort geben, weil es so viel unverfänglicher war und kein Törchen zu weiteren Frage- und Antwortspielchen öffnete.

Hinter ihr ließ jemand langsam die Luft aus seinen Lungen, das nur sie hören könnte. Er war doch nicht etwa eifersüchtig? Snape? Niemals!

„Damit muss ich mich wohl zufrieden geben." Er nahm Hermiones Hand und drückte sie zum Abschied. „Mach's gut bis dahin."

Daraufhin ging er näher zu dem Sessel, wo Snape saß, der zugleich aufstand und sich streckte. Es nützte nur nichts, da sie gleich groß waren.

„Ihnen auch Auf Wiedersehen."

Nat reichte ihm die Hand und zwei dunkle Augenpaare funkelten sich an. Einer, weil er immer noch ein wenig amüsiert war und nicht im Entferntesten auf andere Gedanken kam, und der andere, weil er einem Konkurrenten gegenüberstand, was sein Verstand aber nur unterbewusst signalisierte und sich nur im Verhalten äußerte.

Das gemurmelte „besser nicht" konnte glücklicherweise niemand außer Severus selbst hören.

Als Dr. Parker weg war, zog sich Severus wieder in seine Couchecke zurück und sie verbrachten den geplant ruhigen Tag mehr oder weniger schweigend, was keinen im Geringsten störte.


Als es Abend wurde, stand Hermione auf und verkündete, dass sie sich nun duschen und fertig machen wollte fürs Ausgehen. Sie ging hoch, suchte sich ihre schicke neue Wäsche raus und verschwand im Bad.

Nach einer Weile ging Severus ihr nach und wollte sich auch umziehen, um ihr den Wunsch zu erfüllen. Als er die Stufen hinaufgegangen war, sah er, dass sie die Tür zum Bad offengelassen hatte. Im diffusen Licht des Sonnenuntergangs und dem feuchten, heißen Dunst, der hinter dem Vorhang emporstieg, konnte er nur ihre Umrisse erkennen. Der Schatten bewegte sich langsam und anmutig. Snape hatte sich lässig an den Türrahmen gelehnt, aber langsam hielt er es nicht mehr aus. Als sie das Wasser endlich abdrehte, war es fast schon dunkel. Nur ein schmaler, roter Streifen am Horizont bezeugte den Tag, der gerade zu Ende ging. Von dort oben hatte man einen wunderschönen Blick über die Felder hinter der Vorstadt, und am Ende der Welt konnte man das Meer erahnen. Diese Welt war so anders, und ihm selbst kam es so surreal vor, in beiden existieren zu können. Würde er es überhaupt können, wenn er, wenn sie zurückkehrten?

Als der Vorhang zurückgeschoben wurde, holte ihn diese Welt wieder zurück. Schnell hatte sie sich in ein dünnes Handtuch gewickelt und schaute ihn mit einem gespielt-entrüsteten Blick an. Aus ihren Haaren tropfte das lauwarme Wasser herunter auf seine Schultern, als er sie aus der Dusche hob und an sich drückte.

„Ich hatte fast gedacht, du wärest ein bisschen sauer gewesen heute...danach."

Danach?"

„Nach der...Verabschiedung."

„Ich weiß nicht, wovon du sprichst.", fragte er mit einer hochgezogenen Augenbraue.

„Ich auch nicht."

„Dann ist alles gesagt."

Eine hübsche Kommode stand auf der anderen Seite des Badezimmers, überzogen mit einer dicken, flauschigen Decke. Nur eine silberne Puderdose, eine filigran gearbeitete Seifenschale und eine passende Bürste lagen darauf. An der Wand darüber hing ein ebenso schön verarbeiteter Spiegel. Er setzte sie dort ab und strich sanft ihre noch nassen Haare beiseite.

Als er sie küsste, am Hals, im Nacken, blickte er in den Spiegel und dachte, wenn es der Spiegel wäre, den jeder in Hogwarts zu finden wünscht, der sich aber nur dem zeigt, der ihn gerade am meisten braucht – Nerhegeb – dann würde er genau das zeigen, was er jetzt dort sah. Hermione sah es auch – Begehren in seinen Augen, in seinen Bewegungen. Sie war feucht und warm, und ihr Duft brachte ihn fast um den Verstand.

Hermione hatte sich gerade einen innerlichen Ruck gegeben, um ihn zu fragen...die wichtigste Frage überhaupt, doch in dem Moment hob er sie hoch und nach dem ersten kleinen Schreck schlang sie ihren Arm um seinen Hals.

Vergessen war die wichtige Frage und wurde durch eine andere ersetzt.

„Wollten wir nicht ausgehen?"

„Nein.", antwortete er schlicht und brachte mit einem Schwenk seines Zauberstabs die Sternenkette in ihrem Schlafzimmer zum Leuchten, nachdem er Hermione auf das Bett gelegt hatte.

tbc