A/N:

Ihr Lieben!

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal für alle Reviews mit den lieben und netten Worten bedanken und für die Emails. Auch wer meine Geschichte in den Favos hat und still mitliest, darf sich meines Dankes gewiss sein... ich hab euch alle lieb ;oD

So, nun ist es also soweit:

Der letzte Ferientag von Hermione und Sev ist da und sie werden einiges erleben – Schönes, Liebevolles, Lustiges, aber auch Freud und Leid – sie haben sich verselbstständigt und ich konnte nichts weiter tun, als ihnen zuzuhören und zuzusehen. Sie haben ihre eigenen Entscheidungen getroffen.

Ihr werdet sehen, die Ferien begannen alptraumhaft und traumhaft und genauso werden sie enden!

Doch Ihr könnt/müsst/dürft heute entscheiden, ob ich die beiden weiter beobachten und ihre Erlebnisse nach den Ferien mitschreiben soll – oder nicht. *g*

Denn eigentlich schreibt mir der Titel ja den Zeitraum vor und ich will euch weder langweilen noch zum Weiterlesen zwingen ;oD

Noch ein Tipp: Die einzige Musik, die ich wieder vorgebe, kennt ihr schon aus Kapitel 21(mit Link), als Sev den Flügel sucht. Hört sie euch an, und ihr wisst sofort, was diesmal in ihm vorgeht.

Aber jetzt genug des Blablas (verzeiht!) und viel Spaß vor dem Altar!

VLG KeyMagic


Kapitel 23

Die Sonne strahlte an diesem denkwürdigen Ostermorgen, es war um die 20 Grad, nur eine leichte Brise wehte– kurz gesagt: Ein perfekter Morgen, und es würde ein perfekter Tag. So etwas gab es in England selten so früh ihm Jahr.

Und die Nacht war ebenso perfekt gewesen, denn es war die letzte in den Ferien gewesen und sie hatten sie ausgenutzt.

Nachdem er sie abends aus der Dusche entführt und ins Schlafzimmer getragen hatte, war er kurz und heftig über sie hergefallen und das hatte ihr ein wahnsinns-Kribbeln im Bauch beschert, und nicht nur da.

Danach waren sie natürlich nicht mehr ausgegangen und Hermione hatte, weil sie absolut keine Lust zum Kochen gehabt hatte, telefonisch chinesisches Essen bestellt. Severus hatte es geliebt und sehr bedauert, dass die Hauselfen es wahrscheinlich nicht kannten. Dann hatten sie sich noch eine Weile unterhalten und sie hatte ihn gefragt, ob er bereit sei, mit ihr zu Ostern in die Kirche zu gehen, weil sie es so gewohnt war und weil sie es immer so gemacht hatten. Es war ein längeres und interessantes Gespräch geworden und letztendlich hatte er zugestimmt.

Erst spät abends hatten sie sich schlafen gelegt und gute Nacht gesagt, doch keiner konnte ein Auge zu tun. So kam es wie es kommen musste und sie hatten sich sehr gefühlvoll, leise und innig geliebt, bevor sie endlich eng umschlungen eingeschlafen waren.


Hermione wachte an diesem Morgen als erste auf und nutzte die Gelegenheit, ihm einfach beim Schlafen zuzusehen. Wer hatte sonst schon die Gelegenheit? Niemand – und sie hoffte, dass sich das auch sobald nicht ändern würde. Friedlich und still lag er da und seine Gesichtszüge waren so entspannt, wie sie sie bis vor zwei Wochen noch nie gesehen hatte. Allein dieser Anblick war nicht mit Gold aufzuwiegen.

Vor allem das letzte Kriegsjahr hatte alle komplett aus der Bahn geworfen und man hatte allen auch körperlich ansehen können, dass sie am Ende waren. Sie hatte damals einen Schreck bekommen, als sie nach dem Jahr im Nirgendwo wiedergekommen war und ihn gesehen hatte. Damals schien er schlagartig um Jahre gealtert zu sein, hatte dunkle Ringe unter den Augen gehabt und sein Gesicht war mehr als fahl gewesen, mehr als sowieso schon immer. Wem war es nicht so gegangen? Jetzt, nach fast einem Jahr, hatte er sich erholt und sie bildete sich ein, nach diesen zwei Wochen noch mehr denn je.

‚Einbildung ist auch eine Bildung', tadelte sie sich selbst mit dem Muggelspruch, der immer wieder gut passte.

Einbildung hin oder her – er sah wieder so viel jünger aus. So wie vor vielen Jahren in ihrem ersten Schuljahr, das sich so weit weg fühlte wie ein anderes Sonnensystem. Nicht nur bei Harry hatte sich damals dieser Blick von ihm eingebrannt, als er ihn an jenem ersten Abend in der Großen Halle so durchdringend angesehen hatte – zu der Zeit, als ihn noch keiner von ihnen kannte und sie nicht im Traum daran gedacht hätten, was auf sie alle zukommen würde.

Wer hätte das gedacht...wer hätte so etwas je erträumt, dass sie einmal mit ihm aufwachen würde? Niemals niemand – und doch war es so. Ihr Herz machte einen Sprung und sagte ihr, dass es ihn darin behalten wollte. Wäre er bei ihr geblieben, wenn es ihm nicht auch ein kleines bisschen so ginge? Nein, nicht er.

Sie stütze ihren Kopf auf und konnte ihren Blick nicht von ihm wenden. Wer würde ihr glauben, dass diese Lippen, über die jahrelang kaum etwas anderes als harte Worte, Strafen und Beleidigungen gekommen waren, so leidenschaftlich und sanft küssen konnten? Wer hatte je gefühlt, dass diese Hände so zärtlich sein konnten? Und seine schönen, seidigen, tiefschwarzen Haare, die meistens nur durch die Tränke und deren Dämpfe so fettig geworden waren...ganz zu schweigen von seinen bestechenden Augen, die einen glauben ließen, sie könnten direkt in die Seele eines anderen sehen.

Wie Viele hatten sich über sein Aussehen und seine Auftritte lustig gemacht, vor allem wegen seiner immerzu schwarzen Kleidung und der weiten Robe. Nicht selten hatten sie gesagt, er bräuchte sich deshalb nicht waschen oder er würde ein Monster darunter verstecken. Nur zu deutlich war ihr das alles in Erinnerung und es tat ihr so weh, als wenn sie über sie selbst gelästert hätten. Dabei war er gar nicht selten nur im Gehrock erschienen und hatte so unbewusst die gemeinen Gerüchte lächerlich gemacht.

Hätte es jemanden interessiert, hätten sie erahnen können, dass er sich keineswegs hinter anderen Männern verstecken musste – im Gegenteil. Groß, eine gute Figur und weder untrainiert noch muskelbepackt – und wesentlich fitter als sie selbst. Der Gedanke ließ sie ein wenig lächeln bevor es wieder verschwand. Wäre er es nicht gewesen, hätte er das alles nicht durchstehen können. Keiner wusste, wie oft er nachts gerufen worden war und die Hölle durchgemacht hatte. Hatte es je jemanden gekümmert? Und wer hatte sich jemals die Mühe gemacht, ihn genau anzusehen? Wahrscheinlich könnte man diejenigen an einer Hand abzählen.

Er regte sich langsam und holte sie damit aus ihren Gedanken.

Der letzte Tag. Schnell verdrängte sie die Traurigkeit und betrachtete ihn ununterbrochen liebevoll.

Sie war ein wenig nervös wegen heute – die letzte Chance, ihn zu fragen und ihm etwas zu sagen – doch das hielt sie nicht davon ab, ihn wach zu küssen.

Sie fing mit seiner Stirn an, dann die Wangen, verteile Küsse auf seinem Hals bis zu seiner Brust. Mit einem wohligen Seufzend schlug er die Augen auf und schaute sie lange an.

„Hermione, du weißt was passiert, wenn du so weitermachst…"

„Guten Morgen. Das hoffe ich doch!", gab sie mit einem leichten Grinsen zurück und arbeitete sich weiter abwärts vor. Eine Hand ließ sie unter die Decke gleiten, streichelte seinen Bauch entlang, über seine Hüfte und über die Innenseite seiner Schenkel. Dann beugte sie sich über ihn und küsste ihn leidenschaftlich, bevor sie wieder fast komplett unter der Decke verschwand. Bis jetzt hatte sie sich noch nicht getraut, es zu versuchen. Wissbegierig, wie sie war, wollte sie sich das aber nicht entgehen lassen – man hatte ja doch schon einiges gehört... Langsam arbeitete sie sich mit ihren Streicheleinheiten zu seiner Mitte vor. Als sie dort angekommen war, merkte sie schon, wie er härter wurde. Mit ein bisschen Hilfe ihrer Hand wuchs er zu voller Größe und sie fuhr sanft mit ihren Lippen an seinem Schaft entlang. Irgendwann überwand sie sich und leckte erst mit ihrer Zunge über seine Spitze, bevor sie ihn mit ihrem Mund umschloss und ihn verwöhnte.

Sie hörte ihn laut ihren Namen ausrufen, wohl vor Überraschung und unsagbarer Erregung. Währenddessen krallte er sich in ihren Haaren fest und wand sich unter ihren Berührungen. Immer wieder ließ sie ihren Mund auf und ab gleiten, verteilte Liebkosungen rund um seine empfindlichste Stelle oder spielte mit ihrer Zunge, wobei sie meist eine Hand benutzte, um ihn zusätzlich zu reizen. Seine Atmung kam mittlerweile nur noch stoßweise. „Hermione...du...musst aufhören..."

„Wieso?", fragte sie nur, bevor sie weitermachte.

„Ich kann sonst...du...", presste er noch hervor, doch dann überwältigten ihn wieder seine Gefühle. Immer schwebte in seinem Kopf, dass er doch auch etwas für sie tun musste, aber tief im Inneren genoss er es so sehr, dass er hoffte, sie würde nicht aufhören. Außerdem konnte er sie nicht erreichen, obwohl er die Decke auf den Boden gezogen hatte, dass er sie wenigstens sehen konnte – beobachten konnte. Und sein Gewissen bezüglich wer das hier gerade mit ihm veranstaltete, hatte er vor ein paar Minuten über Bord geworfen, oder sonst wohin.

Sie wollte heute Morgen nicht wirklich mitmachen, sondern nur ihn verwöhnen. Schließlich hatte er sich um sie ziemlich oft gekümmert. Außerdem brauchte sie mal dringend eine Pause, grinste sie in sich hinein. Als sie ihre Bemühungen noch intensivierte, merkte sie, dass er sich nicht mehr lange unter Kontrolle haben würde.

„Bitte...Hermione..."

„Was bitte?", unterbrach sie kurz seine Morsezeichen mit einem wissenden Lächeln, um gleich wieder sein pochendes Glied in sich aufzunehmen.

„...oh...bei Merlin...sonst...ich komme ...", schaffte er gerade noch hervorzubringen, während er sie keine Sekunde zu früh etwas unsanft an ihren Haaren von sich weggezogen hatte.

Triumphierend beobachtete sie ihn, bevor sie seinen Mund mit einem innigen Kuss verschloss, dass er nichts weiter sagen konnte, sondern nur von ihrem – und von seinem – Geschmack überwältigt wurde.

Kurze Zeit später stand er auf, um duschen zu gehen. Dafür war sie ihm wirklich dankbar, denn sie hätte nie gedacht oder anderen geglaubt, was sie jetzt fühlte. Die ganze Aktion hatte sie ziemlich heiß gemacht, ohne irgendein Zutun seinerseits. ‚Das gibt's doch gar nicht.' So komisch sie sich nun vorkam, sie musste es noch zu Ende bringen. Nicht lange, nachdem sie ihren so nach Aufmerksamkeit schreienden Punkt berührt hatte, kam sie auch mit einem lauten Seufzer der Erleichterung. Was für ein Glück, dass das Wasser noch rauschte...

Während sie wartete, bis das Bad frei wurde, legte sie sich ihre Sachen parat. Heute würde sie das Kleid tragen, ein Kleid für ganz besondere Anlässe, in das sie sich vor nicht allzu langer Zeit verliebt hatte und es einfach gekauft hatte – Sinn hin oder her.

Es war aus dünnem, weißen Satin, hatte einen U-Boot-Ausschnitt und dreiviertel lange Ärmel. Ab der Taille war es leicht ausgestellt und hinten etwas länger als vorne. Dazu hatte es nur einen Hauch von einem Muster in Form von ganz blass pastellfarbenen Blüten. Passend dazu wählte sie schmale, weiße Peeptoes.

Wann wenn nicht heute? Wer weiß, wann sich solch eine Gelegenheit je wieder bieten würde?


Severus war zwar in der Muggelwelt aufgewachsen, war aber nie zuvor in einer Kirche gewesen. Sein Vater konnte damit nichts anfangen und seine Mutter kannte es nicht, da sie eine Hexe war. Er hatte zugestimmt mitzukommen – es konnte ja nie schaden, Neues kennen zu lernen – hatte er bis zu diesem Zeitpunkt noch gedacht.

An diesem Tag waren recht viele Leute auf dem Weg zur Kirche, die ganz in der Nähe am Ende der Straße lag. Manche unterhielten sich noch im Vorhof, andere gingen langsam hinein. Die meisten waren schick angezogen, manche Frauen sogar mit Hut.

Das Gebäude war schön und einladend, aber im Verhältnis kleiner als „Großstadtkirchen". Zu klein für einen Dom, zu groß für eine Kapelle. Trotzdem oder deswegen herrschte eine fast familiäre Atmosphäre. Natürlich sahen Viele, dass er ein Neuer war, jedoch wurde er trotzdem von manchen freundlich begrüßt und von anderen von oben bis unten gemustert. Das war in beiden Welten leider weit verbreitet.

Er war wie gewohnt in schwarz – seine Anzugshose und ein schwarzes Hemd. Das weiße war ja mit Farbe beschmutzt und für eine Jacke war es zu warm.

Mittlerweile konnte er nicht mehr im Geringsten nachvollziehen, warum er zu Hause noch gedacht hatte, es könne ja nicht schaden. Eigentlich hasste er solche Situationen, die er nicht gut kannte. Warum hatte er sich bloß überreden lassen, hierher zu kommen? Was hatte ihn bloß geritten, zuzustimmen? Dass er sich mal von einer Schülerin, nun ja, jetzt von seiner…nein, das Wort brachte er einfach nicht über…seinen Verstand – geschweige denn über seine Lippen – zu etwas drängen lassen würde, hätte er niemals gedacht.

Mitgefangen, mitgehangen.

Mittlerweile war es schwer für ihn geworden, ihren Augen zu widerstehen, die ihm fest in die seinen geschaut hatten. Außerdem sah sie umwerfend aus heute. Dieses weiße Kleid stand ihr ausgezeichnet und so etwas hatte er noch nie an ihr gesehen – wann auch? Nervös war er. Ziemlich sogar, weil er nicht wusste, was sie geplant hatte und was auf ihn zukam. Hätte er gewusst, was da alles los war, hätte er entschieden abgelehnt und ihr gesagt, sie sei nicht ganz bei Trost.

Hermione ging vor, nickte hier und da jemandem zu und hoffte, dass Severus ihr folgte. Sie hatte den linken Gang gewählt, damit sie der Musik etwas näher waren. Dabei hatte sie an ihn gedacht, da er Musik scheinbar liebte und sicher noch nicht in den Genuss auf diese Art und Weise – unter Muggeln – gekommen war.

Natürlich war er ihr schnellen Schrittes gefolgt, denn am Ende irgendwo zwischen Fremden zu sitzen, wollte er tunlichst vermeiden. Sie gingen an der Orgel vorbei, die im linken Bereich der Kirche platziert war – nicht wie eigentlich gewohnt auf einer Empore – und setzten sich in die Nähe in eine der vorderen Sitzreihen. Severus betrachtete das imposante Instrument mit großem Interesse und versuchte herauszufinden, wie genau sie funktionieren könnte.

Aus irgendeinem Impuls heraus – war es der Luftzug der Leute, die vorbeigegangen waren, oder ein Gefühl der Ahnung – drehte sich die Organistin um, was sie sonst nie tat, und traf direkt seinen Blick. Sie wäre fast von der Bank gefallen, denn diesen Mann hatte sie hier noch nie gesehen – und was für ein Mann! Diese Augen und überhaupt seine ganze Erscheinung veranlassten sie dazu, ihr langes Haar nervös zu richten und sich die nach vorn gefallenen Strähnen wieder hinters Ohr zu streichen. Mit leicht feuchten Händen wühlte sie in ihren Notenblättern, denn dieses Ereignis verlangte nach einer Hymne. Die junge Frau neben ihm hatte sie gar nicht bemerkt oder ignoriert. Hermione hatte aber auch nicht rüber geschaut. Dann zupfte sie noch hier und da ihr Kleid zurecht, brachte die Füße in Position, die in neuen grünen Pumps steckten, und bereitete sich auf den ersten Akkord vor.

Da saß er nun in einer der vorderen Reihen der Kirche und spürte immer wieder einen fremden Blick auf sich ruhen. Hermione saß neben ihm und drückte ihm sanft den Arm, sonst hätte er wahrscheinlich seinen Professor Snape raushängen lassen, und das wollte sie auf jeden Fall vermeiden, wenn eben möglich.

Kurz bevor das Glockengeläut endete, hörte man die hintere Tür der Kirche zufallen. Mit schnellen Schritten näherte sich jemand durch den Mittelgang und rauschte an ihnen vorbei. Snape starrte dem wallenden schwarzen Umhang hinterher und sein Adrenalinspiegel erhöhte sich schlagartig.

„Dein Zauberstab, Hermione! Jetzt!", zischte er.

„Hab ich nicht dabei. Du auch nicht? Wieso?"

„Bist du blind?"

„Was ist denn?", raunte Hermione, darauf bedacht, nicht zu laut zu sein. Glücklicherweise erklang nun das Vorspiel der Orgel.

„Wird das hier ein Theaterstück mit einer schlechten Kopie von mir oder willst du mich…wie Muggel sagen, an der Nase herum führen?" Dabei deutete Snape auf den schwarz gewandeten Mann, der sich langsam von seinem Stuhl erhob und vor den Altar trat.

Hermione fing an zu grinsen und musste ihr Lachen regelrecht unterdrücken. Sie deutete ihm, still zu sein und hoffte, dass er ihren Blick verstand. Sie würde ihm später die Erklärung liefern, die er eigentlich sofort brauchte. „Das ist der Pfarrer!", raunte sie nur.

„Die haben sonst ein weißes Gewand.", zischte er zurück. Soviel wusste er!

„Nicht bei uns und sonst auch nicht überall, und jetzt still."

In dem Moment endete die Musik und der schwarze Mann drehte sich mit Schwung in Richtung Gemeinde, dass sein Umhang sich ein wenig aufbauschte. Dann fing er an zu sprechen:

Ich begrüße sie aufs Herzlichste und freue mich über alle, die den Weg hierher gefunden haben an so einem wunderschönen Tag. Wir sind heute hier zusammengekommen, um etwas ganz Besonderes zu feiern.

Snape horchte auf.

Es geht um die Liebe, die…"

Es war doch Ostern! Was sollte das dann bedeuten?

Hermione nahm ganz unauffällig seine Hand...

„…die Menschen seit Urzeiten verbunden hat…"

...und er zog sie nicht weg. Sie war am Morgen so nervös geworden und er hatte sehr wohl mitbekommen, dass sie mehrmals angesetzt hatte, etwas zu fragen.

„…und bis heute nicht ihre Macht verloren hat."

Sie hatte sich kleine weiße Blüten in die Haare gesteckt und die Kette umgelegt, die sie von ihrer Großmutter und den Generationen davor geerbt hatte.

Viele unterschätzen sie oder wollen sie nicht wahr haben,…"

Hatte er gerade in seine Richtung geschaut? ‚Was geht denn hier vor?', dachte er unbehaglich.

...doch sie ist allgegenwärtig."

Ein wenig nervös spielte er mit seinen Fingern...

„Man braucht sich nur fallen zu lassen..."

...und betrachtete sie von der Seite. Wie schön sie heute war! Und jedes Wort stimmte – er hatte sich fallen lassen bei ihr...und hatte sich nicht dagegen wehren können, so sehr er es auch versucht hatte.

...und man wird aufgefangen oder aus der Tiefe errettet."

Wahrscheinlich hatte sie wirklich sein Leben gerettet in jener Nacht vor fast zwei Wochen...

„Schon in einem der ältesten Bücher der Welt heißt es:..."

...und tief im Inneren war er bereit, das auch zuzugeben.

Dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin."

Hermione hatte sich um ihn gekümmert, ohne die geringste Beschwerde, ohne darauf zu achten, dass er es war...der Böse,...

„Die Liebe ist langmütig und freundlich..."

...ohne Hintergedanken, aber mit Aufopferung und ja, mit Hingabe.

...sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles."

Mit der anderen Hand kramte sie in ihrem kleinen, hellblauen Stoffbeutel...

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei..."

...und zog eine winzige Schachtel hervor.

...aber die Liebe ist die größte unter ihnen."

Severus drehte den Kopf zu Hermione und betrachtete sie. Das konnte nicht wahr sein, oder? So weit würde sie nicht gehen.

Diese Worte, diese Erkenntnis, liebe Gemeinde, sollte ein Jeder von ihnen auf ewig in seinem Gedächtnis und vor allem in seinem Herzen behalten,..."

Doch nicht nach einer Woche...!

...egal, ob wir sie erst seit kurzem kennen oder schon das ganze Leben lang."

...Obwohl sich manche Augenblicke wie die Ewigkeit angefühlt hatten.

„Denken sie darüber nach,..."

Hermione öffnete die kleine Schachtel.

...reden sie miteinander darüber..."

„Severus,...", flüsterte sie und wandte sich ihm zu. Ihm wurde heiß und kalt.

... tauschen sie sich aus."

„...möchtest du auch ein Bonbon?"

„Wann wenn nicht Ostern, dem Fest der Freude und der Liebe. Halleluja!"

„Was?"

"Lasst uns singen Love's Redeeming Work Is Done!"

„Bon-bon!?"

Hermione schüttelte gleichzeitig mit dem Kopf.

„Was hast du denn aufgeschlagen? Die Hymne für die besiegten Märtyrer? Es ist 1-3-5, nicht 35!"

Sie musste kichern, denn gerade sah er wirklich wie ein Märtyrer aus, warum auch immer.

Der Rest des Gottesdienstes ging recht schnell und ohne weitere Vorkommnisse oder Besorgnisse vorbei und sie verließen gemeinsam die Kirche. Hier und da wurde Hermione noch von jemandem begrüßt, weshalb sich Severus etwas von ihr fernhielt, dass sie nicht zusammen angesprochen wurden. Die meisten Besucher eilten sowieso nach Hause, um das Mittagessen zum Fest vorzubereiten.

Er hatte es hinter sich gebracht, hatte sich angepasst, war kaum angesprochen worden und auch sonst hatte es keine Probleme gegeben. Mit sich zufrieden ging er zu Hermione am Rande des Kirchplatzes. Dass er zwischendurch Blut und Wasser geschwitzt hatte, verdrängte er schnell.

„Gehen wir?", rief er ihr zu, als er noch nicht ganz da war. „Es ist schon..."

„Mr. Snape!"

Er kannte mittlerweile die Stimme und blieb stehen, ohne sich umzudrehen. Beinahe...hätte er es geschafft – aber wirklich nur beinahe. Woher kam sie auf einmal? Vorher hatte er sie nicht gesehen und Hermione hatte auch kein Wort gesagt.

„Alle guten Dinge sind...vier, nicht wahr? Ich grüße sie."

„Und ebenso tue ich es, Mrs. Tenerhale." Er mochte sie wirklich, nur hatte sie ein absolut unperfektes Timing, wie er fand.

Sie strahlte über das ganze Gesicht. In der Kirche hatte sie ziemlich weit hinten gesessen und erst als sie die Reihen nach Hermione abgesucht hatte, waren ihr zuerst die schwarzen Haare aufgefallen. Überrascht hatte sie das nicht wirklich, wusste sie doch mehr, als die beiden zugeben würden. Eigentlich würde sie gerne wissen, was Sache ist und ob sie offen reden könnte, doch sie glaubte nicht, dass es überhaupt irgendjemand wüsste. Deshalb sprach sie das Thema nicht an, war aber gespannt, wie die beiden so die Kurve kriegen würden. Ihr Strahlen wurde breiter.

„Dass ich sie nochmal sehe, hätte ich ja wirklich nicht gedacht. Sie waren so unentschlossen."

So musste es im Mittelalter bei der Inquisition gewesen sein, dachte er bei sich. Obwohl – es könnte schlimmer sein.

„Ich..."

„Hallo Oma, frohe Ostern.", half ihm Hermione.

„Dir auch, Liebes, und es wäre ein schöneres Fest, wenn du mich nicht Oma nennen würdest. Mr. Snape, was hat sie letztendlich dazu bewogen, zu blei...äh, heute hierher zu kommen?"

„Weiterbildung, wenn sie so wollen." Er hatte die Frage kommen sehen.

„Oh, ich verstehe. Nicht mal als Lehrer lernt man aus." Mrs. Tenerhale wollte größere Schritte, also ließ sie das Thema fallen und begab sich auf...privateres Terrain.

„Und was habt ihr für den Rest des Tages geplant?"

Mit zuckenden Mundwinkeln schaute sie sich die beiden an. Wie sie rumdrucksten und warteten, dass jeweils der andere eine Antwort geben würde. Das war für sie Antwort genug. „Es ist so schönes Wetter. Hermione, ich habe wie immer Emma bei euch gelassen. Wir holen sie und ich lade euch auf ein Eis ein, ja?"

Das gleiche Schauspiel wie eben.

„Ich danke ihnen, aber..."

„Mögen sie kein Eis? Sie können dort auch einen Kaffee bekommen. Ganz nach Wunsch."

Schade, eine Ausrede weniger.

Selbstbewusst schritt Mrs. Tenerhale voran und sie folgten ihr. Kaum drei Minuten später waren sie bei Hermiones Haus. Drinnen angekommen, rief sie Emma und sie kam – nicht.

„Wo ist sie bloß? Sonst liegt sie doch immer hier im Flur in ihrem Gästekorb. Emma!"

Hermione hatte so eine Ahnung und stieg die Treppe hinauf. Die Ahnung bestätigte sich: Der Retriever hatte es sich auf ihrem Bett gemütlich gemacht und hob nun den Kopf, um seine treuen Hundeaugen zum Einsatz zu bringen.

„Emma, Emma! Was soll ich sagen?"

Severus war ihr gefolgt, weil er das Gefühl hatte, dass es sonst mit der Inquisition weitergehen würde.

„Wo ist...", setzte er gerade an und starrte auf das Bett. „Das ist doch nicht normal!"

„Nein, aber manchmal ist ihr danach, wie es scheint. Da nützt auch kein Befehl."

„Das haben wir gleich.", versicherte er ihr, drückte die Schlafzimmertür zu und nahm seinen Zauberstab vom Nachtschränkchen.

„IMPER..."

Mrs. Tenerhale hörte, dass sie sich plötzlich oben stritten. Ziemlich laut sogar. Was war denn nun auf einmal los? Eben war doch noch alles in Ordnung.***

Kurz überlegte sie, ob sie dazwischen gehen sollte, aber entschied, sich weiter nach Emma umzusehen. Nachdem sie jedes Zimmer durchsucht hatte, setzte sie sich in die Küche und wartete darauf, dass die beiden mit sich fertig waren – sie wollte auf keinen Fall auch nach oben gehen.

Eine Tür wurde geknallt und kurz darauf kam Snape nach unten. Hilflos stand er in der Küche und schaute sich um.

„Alles in Ordnung?", fragte sie besorgt.

„Nein. Wo sind die...", er holte tief Luft, als wenn er ein ernstes Wort mit ihr reden müsste. „...die Leckerlis?"

„Für den Hund?", grinste sie. ‚Für wen denn sonst', wollte er schon giften, besann sich aber eines Besseren.

„Ich hole sie. Was ist denn los? Ach...ist sie wieder auf ihrem Lieblingsplatz?"

„Wenn es ein Bett ist, ja."

„Verstehe. Das kann ich ihr nicht abgewöhnen. Sonst hört sie ja, aber wenn sie alleine ist, wird die Chance genutzt."

Daraufhin holte sie ihren Hund und sie verließen gemeinsam das Haus.


Schweigend gingen sie durch die Straßen und Emma ging bei Fuß – bei Snapes Fuß.

Jean ging ein bisschen hinter ihnen her, so konnte sie sie besser beobachten. Keinem von beiden schien klar zu sein, dass das vorhin ganz und gar nicht nach Lehrer und Schülerin ausgesehen hatte. Eben noch war er zur Weiterbildung hier und dann stritten sie sich in ihrem Schlafzimmer! Und wie sie sich heimlich anschauten zwischendurch...! Die aufkommende Traurigkeit schob sie beiseite und freute sich von Herzen für ihre Enkelin. Sie wusste nur zu gut, wie es sich anfühlte, so frisch verliebt zu sein – auch wenn sie es nicht wahrhaben oder zugeben wollten. Wenn ihr geliebter Mann es doch noch erlebt hätte... wahrscheinlich hätte er Mr. Snape irgendwann mal beiseite genommen und...

„Großmutter, die Eisdiele hat noch zu, sie öffnen erst in zwei Wochen."

„Ach wie schade, hätten sie gewusst, dass es so schön wird... Lasst uns doch dann da hinten am Park ins Café Borderline gehen, die haben auch Eis."

Bei Café horchte Severus auf. Andererseits, warum sollte es nicht noch andere geben? Langsam schlenderten sie weiter durch den Vorort und näherten sich bald ihrem Ziel.

‚Wie es der Teufel will', konnte er nur noch denken, bevor leichte Panik in ihm hochkam.

„Wenn sie nichts dagegen haben, würde ich mir in der Zeit gerne etwas...den Ort ansehen. Ich gehöre nicht dazu und daher könnten wir einen Treffpunkt für später vereinbaren."

„Was soll denn das bedeuten? So ein Unsinn. Kommt gar nicht infrage, Mr. Snape, sie sind eingeladen. Machen sie sich keine Gedanken. Kommen sie schon. So einen Festtag genießt man in der Fam...in Gesellschaft."

Tief einatmend setzte er zu einer Antwort an, die im Keim erstickt wurde.

„Keine Widerrede, sonst verpassen sie was."

„Davon bin ich überzeugt.", presste er hervor.

Wieso konnte sie ihm das Wort abschneiden und wieso hatte er dem nichts entgegenzusetzen? Irgendwann kam er darauf, dass es einfach ganz normale Gespräche mit einer normalen Frau waren, die er sonst nie hatte. Fast normal.

„Wollen wir draußen sitzen?" Einige Gäste saßen schon draußen und genossen den Ostermittag.

„Gerne, Oma, die Sonne scheint so schön."

Sie nahmen vor dem Café Platz und warteten auf die Bedienung. Währenddessen nahm Emma auch Platz, und zwar zwischen ihrem Frauchen und Snape, dem sie ab diesem Zeitpunkt die Schnauze auf sein Knie legte und nur den Kopf zwischendurch anhob, um zu sehen, ob die anderen noch da waren.

Severus war viel zu abgelenkt, um darüber zu schimpfen – hatte er noch die kleine Hoffnung, dass sie frei hatte, doch die Hoffnung war – wie so oft bei ihm – vergebens.

„Guten...", setzte die Kellnerin an und stockte kurz, als sie ihn sah. „...Tag zusammen."

Das Kartenhaus begann zu wackeln, und zwar heftig. Sollte er sie schnell mit einem Zauber belegen? Nicht nur die beiden Frauen saßen in der Nähe, sondern auch andere Leute. Es war machbar, aber nicht sicher, dass es keiner mitbekommen würde. Er entschied sich dagegen, während er grübelnd die Finger in Emmas Fell vergrub, ohne dass er es merkte. Vielleicht hatte sie ja den nötigen Grips, kein Kommentar abzugeben. Die Zweifel wurden stärker ob seiner Überlegung.

Viel zu schnell war sie zurück mit den Bestellungen und verteilte betont langsam – zumindest kam es ihm so vor – die beiden Eisbecher an Mrs. Tenerhale und Hermione und stellte ihm einen Kaffee auf den Tisch. Um sich zu beschäftigen, griff er zur Tasse und staunte nicht schlecht: Sie hatte ihm wieder ein Schuss Alkohol dazugetan, wie damals an dem verhängnisvollen Abend. Scheinbar zuvorkommend war sie stehen geblieben und erntete dafür eine hochgezogene Augenbraue.

„Kann ich noch irgendwas für sie tun?", fragte sie mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen ich-lass-gleich-die-Bombe-platzen und überlegenem Mitleid lag, während sie nur ihn ansah.

„Danke, im Moment nicht.", sagte Mrs. Tenerhale und die Kellnerin verschwand.

Snape haderte mit sich. Er konnte das hier nicht so...belassen wie es war. Mit einer Entschuldigung stand er auf und ging in das Café hinein, das drinnen so gut wie leer war. Sie stand hinter der Theke und füllte gerade ein paar Tassen mit Kaffee.

„Füllen sie die alle mit Alkohol auf?", fragte er in seiner typischen Art, mit der er jedem Schüler einen Schweißfilm auf die Hände zauberte.

„Nein, Fremder, nur deinen. Es sah so aus, als wäre es...angemessen."

„Was veranlasst sie zu dieser Meinung?"

„Du sahst ein bisschen...unbehaglich aus."

„Ich?"

„Nein, die Queen. Ich muss den Kaffee rausbringen. Einen Moment..."

Als sie wiederkam, wollte er es endlich hinter sich bringen.

„Akzeptieren sie meine...Entschuldigung?"

„Vergessen... Es war ja nicht so, dass ich...abgeneigt gewesen wäre."

„Dennoch...entschuldigt es nicht mein Verhalten."

„Angenommen."

Er wollte sich schon abwenden, als sie ihn zurückhielt.

„Nicht so schnell, Fremder."

„Wie bitte?"

„Wie ich sehe, hast du dich richtig entschieden."

„Was meinen sie?"

„Es ist alles gut...mit ihr!"

„Woher wollen sie wissen, dass..."

„Natürlich weiß ich, dass sie es ist."

„Wie..."

Die Kellnerin stemmte die Hände in die Hüften und sah ihn entrüstet an. „So wie du sie ansiehst."

„Ganz normal, erzählen sie keinen Unsinn."

„Also noch ganz frisch, was? Jedenfalls hat es mächtig gefunkt zwischen euch, das sieht ja ein Blinder."

„Ich weiß nicht, was sie sehen, aber ich sehe es nicht."

„Nimm die Scheuklappen ab."

„Was...?"

„Vergiss es, Hauptsache, ihr liebt euch. Und weißt du was? Entscheide dich immer wieder so, ja? Mach was draus, jetzt, wo du es weißt.", sagte sie mit einem Augenzwinkern. „Mach den Mund zu und jetzt raus, ich hab zu tun."

Beim Hinausgehen drehte sich Snape nochmal um.

„Alles Gute.", rief sie leise und er wünschte es ihr auch.

Nachdenklich setzte er sich wieder nach draußen und versuchte das zu sehen, was sie gesagt hatte, doch er konnte es nicht. Hatte er wirklich nur Scheuklappen auf? Sollte es so einfach sein? Vor einer guten Stunde schon und nicht nur da hatte er sich seine Gedanken gemacht und seinen Gefühlen etwas nachgeben müssen, die so vehement und unnachgiebig auf ihn eingestürzt waren und die ihm so einiges vor Augen geführt hatten.

„Severus, ist alles in Ordnung bei dir?", fragte eine besorgte Hermione.

Ein tadelnder Blick traf sie. „Natürlich, Miss Granger."

Dann schaute er zu Mrs. Tenerhale rüber, die nur ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht hatte und schwieg.

‚Was für ein Schauspiel', dachte sie belustigt, ‚und Hermione hat gepatzt.'

Von Snape hörte man nur ein Schnauben.

Hermione versuchte, abzulenken. „Wollen wir gehen? Da vorne ist gerade die Kellnerin."

„Ja, Liebes, ich rufe sie."

„Nein, das ist nicht nötig. Es ist schon alles beglichen.", mischte sich Severus ein. Er hatte vorhin schon für alle gezahlt, als er drinnen gewesen war.

„Wie nett, Mr. Snape. Vielen Dank, natürlich auch im Namen von der lieben Miss Granger hier."

Er nickte nur zurück und versuchte, den leicht ironischen Unterton überhört zu haben.

„Und nun? Was hast du vor, Oma?"

„Ignorieren, dass du mich schon wieder Oma nennst und danach werde ich gehen. Ich habe noch einiges vor heute."

Einiges stimmte nicht ganz, aber sie wusste, dass es der letzte Ferientag der beiden war und da wollte sie sich auf keinen Fall noch länger einmischen. Nur zu gerne hätte sie gewusst, ob er die ganze Zeit da gewesen war, aber sie vermutete es stark.

„Mr. Snape, ich bin wirklich froh, dass ich sie kennen gelernt habe – und das ist nicht nur eine Floskel. Ich wünsche ihnen – mal wieder – alles Gute und passen sie auf sich auf...und auch auf meine Mine, ja?"

Snape zog nur eine Augenbraue hoch, was sie ebenso gekonnt erwiderte.

„Auf Wiedersehen, und das meine ich auch so wie ich es sage. Ich hoffe sehr, dass wir uns wiedersehen."

Er reichte ihr tatsächlich die Hand. „Ihnen auch alles Gute, Mrs. Tenerhale."

Und das denkwürdigste an diesem Tag war, dass er Emma den Kopf zum Abschied tätschelte, deren Schwanz wie wild eine Runde nach der anderen drehte.


Langsam gingen die beiden nach Hause, und als gerade keiner in der Nähe war, nahm er schweigend ihre Hand und ließ sie bis kurz vor ihrem Haus nicht mehr los.

Hermione wischte sich unterwegs verstohlen eine Träne aus ihren Augen – denn diese Geste bedeutete mehr als tausend Worte, die er nicht zu sagen vermochte.

„Hast du Hunger?", fragte sie, als sie zu Hause waren, um die seltsame Situation zu überspielen.

„Nein. Nur vielleicht etwas zu Trinken, bitte."

Froh über die Beschäftigung, holte sie die Gläser aus dem Schrank.

Sie atmete tief durch. Es musste sein. Jetzt. Wann wenn nicht jetzt?`

„Sehen wir uns wieder, Severus?", fragte sie mit einer leicht zittrigen Stimme, nachdem sie sich endlich ein Herz gefasst hatte.

„Natürlich. Was soll die Frage?", erwiderte er etwas grob.

„Du weißt genau, wie ich es meine."

„Und du weißt, wie schwer es sein wird, Hermione, ich bin ab morgen wieder dein Lehrer."

Ein kleines Grinsen schlich sich in ihr Gesicht. „Streitest du etwa ab, dass du mir in den Ferien etwas beigebracht hast?"

Er verschluckte sich an dem Wasser, das er gerade getrunken hatte.

„Wohl nichts, was du nicht schon konntest.", presste er hervor.

„Hast du eine Ahnung…", nuschelte sie.

Schnell verdrängte sein Verstand die Tatsache, dass zumindest seine Ohren sie gerade richtig gehört hatten.

„Ich werde viel zu tun haben mit Hausaufgaben, der Unterrichtsvorbereitung und so weiter…"

„Als wenn ich das nicht wüsste. Schätze, es wird mir genauso gehen. Schließlich werden mich deine Hausaufgaben am meisten beanspruchen…du gibst mehr auf als alle anderen."

Seine Augenbraue stieg in die Höhe. „Ach wirklich?"

Sie stemmte die Hände in die Hüften. „Jetzt mal ernsthaft. Was…was wird sein ab morgen?" Ihre Selbstsicherheit schwand dahin.

Severus wich ihrem Blick aus und atmete tief ein.

„Was?", hakte sie nach. Immer noch kam keine Antwort.

„Du hast Angst, oder?", flüsterte sie.

Daraufhin drehte er sich zu ihr um und blickte sie nur stumm an.

„Ich nicht, Severus. Du weißt, wie ich bin. Von mir wird keiner etwas erfahren."

„Das sagtest du bereits."

Sie seufzte und suchte sich irgendeine Arbeit in der Küche. Eigentlich hatte sie erwartet, dass er hinausgehen würde, aber er stand immer noch an den Küchenschrank gelehnt da und blickte ins Leere.

Bald wurde ihr es zu still. „Ok, gefragt habe ich dich. Und das wollte ich dir auch schon vorher sagen – vorgestern, gestern, heute Morgen – doch immer wieder hat mich der Mut verlassen. Jetzt ist es mir egal."

Er schaute auf und in seiner Mimik sah man, dass er es hasste, nicht zu wissen, was sein Gegenüber vorhatte.

Mit ein paar Schritten stand sie vor ihm und nahm seine Hände in ihre.

„Ich mag dich, Severus, und…ich…ich hab mich in dich verliebt."

Ihre Stimme war nur noch ein Flüstern. „Ich weiß, es klingt ein bisschen…ach ich weiß nicht…es gibt eben keine anderen Worte dafür." So, nun war es heraus.

Wie vom Donner gerührt stand er da und bekam fast seinen Mund nicht mehr zu.

„Das kann nicht dein Ernst sein…nach einer Woche…"

Die Worte der Kellnerin hallten in seinem Kopf nach: Hauptsache, ihr liebt euch.

Unendlich enttäuscht sah sie ihn an.

„Du glaubst allen Ernstes, dass ich so etwas sage, wenn ich es nicht so meine? Das kann nicht dein Ernst sein! Und nein, nicht erst seit einer Woche. Ich habe schon lange gelernt, dich zu respektieren, das weißt du. Nicht nur für dein Können, sondern auch für alles andere, was du getan hast. Als du hier so hilflos lagst…"

Sein Blick verfinsterte sich.

„Ach komm schon. Dir ging es wirklich nicht gut. Du warst hier und trotzdem so einsam, hab ich recht? Ja, das habe ich gesehen und es hat mir das Herz gebrochen. Und dann haben wir uns von einer ganz anderen Seite kennen gelernt und die habe ich…lieben gelernt."

Er schluckte. Genau das war ihm heute Morgen klar geworden – und dennoch konnte er sich nicht durchringen, etwas zu sagen. Es war eher so, dass er sich selbst nicht glaubte, seinen Gefühlen nicht traute und vor allem nicht für möglich hielt, dass ihn irgendjemand lieben könnte. Wie Unrecht er hatte, konnte ein Teil von ihm nur ahnen.

„Komm", sagte sie leise, nahm ihn bei der Hand und zog ihn mit sich nach oben.

„Hermione, deine Eltern…"

„Sie kommen doch erst in zwei Stunden."

„Anderthalb", verbesserte er sie.

„Ja, und…?"

Das waren ihre letzten Worte für die nächste Stunde. Sie nahm ihn einfach in den Arm und begann ihn zu küssen mit solch einer Liebe und Leidenschaft, dass ihm kein Gegenargument mehr einfiel. Langsam fing sie an, sein Hemd aufzuknöpfen und zog es ihm aus. Anschließend war seine Hose und der Rest an der Reihe, bevor sie ihn sanft Richtung Bett schob. Als er sich hingesetzt hatte, den Oberkörper ans Kopfende gelehnt, stellte sie sich vor ihn, zog den Reißverschluss ihres Kleides auf und ließ es zu Boden fallen.

Immer noch kostete sie es Überwindung, sich ihm so zu offenbaren, dennoch wusste sie, dass sie keine Bedenken haben musste. Seitdem sie sich richtig kennen gelernt hatten, hatte er nie wieder einen abschätzenden Blick auf sie geworfen oder irgendetwas Gemeines gesagt, zumindest nichts Persönliches wie in den vergangenen Schuljahren. Alles andere waren nur Wortgefechte gewesen, bei denen mal der eine gewann und mal der andere. So waren sie eben.

Ihr BH und der Slip landeten neben dem Kleid auf dem Boden. Langsam setzte sie sich in Bewegung, kroch aufs Bett und setzte sich auf ihn. Zärtlich verteilte sie Küsse auf seiner Brust, seinen Schultern und seinem Mund. Es war doch etwas anderes, jetzt, wo sie es ihm gesagt hatte. Dass er nichts dergleichen erwidert hatte, machte ihr wenig aus, denn sie wusste, es wäre zu diesem Zeitpunkt mehr, als er geben könnte. Gefühle hatte er trotzdem, das war nicht zu leugnen und das gab ihr Gewissheit genug.

Hermione bewegte sich auf ihm und allein durch das Gefühl seines immer härter werdenden Schafts unter ihr wurde sie selbst so feucht, dass sie nicht mehr warten mussten. Sie streckte sich kurz, nahm ihn in die Hand und brachte ihn in Position. Als sie sich wieder niederließ, nahm sie ihn ganz in sich auf und er keuchte. Noch immer überwältigte ihn ihre Enge und es war ein unglaublich gutes Gefühl, so tief in ihr zu sein. Er streckte seine Hände aus, um ihre Brüste erreichen zu können, liebkoste sie und zog Hermione dann näher zu sich hin, dass er sie küssten konnte. Ihre Bewegungen intensivierten sich und er packte sie bei den Hüften, dass er den Rhythmus besser kontrollieren konnte.

Zum erstenmal wagte sie es vor ihm, selbst Hand anzulegen. Mit zwei Fingern strich sie ihren Bauch entlang bis zur Mitte, wo sie ihre Knospe fand und langsam anfing, sich selbst zu reizen. Unbedingt brauchte sie Erlösung, doch sie wusste, dass es ihr in dieser Position bisher zwar gelungen war, aber dass sie sich auch innerlich fallen lassen musste. Sie machte sich zu viele Gedanken, weil er sie auf diese Art voll im Blick hatte und sie damit noch nicht so richtig umgehen konnte. Andererseits hatte sie gemerkt, dass er es auf diese Weise ziemlich genoss und sie wollte es ihm nicht verwehren, nicht heute, nicht mehr.

Doch der Anblick, den sie ihm bot, machte es ihm nicht gerade einfacher weil so überraschend.

„Bei Merlin, Hermione, bitte, lass mich es für dich tun…"

Schon nahm er ihre Hand, führte sie zu sich und küsste jeden einzelnen ihrer Finger. Dann ließ er sie los und machte mit dem Daumen das weiter, was sie angefangen hatte. Nach nicht allzu langer Zeit wand sie sich auf ihm und stöhnte seinen Namen, als sie kam. Er spürte ihr Pulsieren um sein Glied, was ihn kurz nach ihr über die Klippe brachte.

Einen Augenblick blieb sie noch auf ihm liegen und genoss das innige Beisammensein, während er zärtlich ihren Rücken streichelte und ihre Wange küsste. Wer weiß, wann sie das nächste mal Gelegenheit bekamen.

„Die Zeit, Hermione…", erinnerte er sie irgendwann und es klang beinahe widerwillig.

„Oh… Ich will nicht, dass es zu Ende ist…"

„Irgendwann endet alles.", antwortete er mit lehrerhaftem Ausdruck. Nur wer genauer hinhörte, erkannte den leicht traurigen Unterton in seiner Stimme. Er schob sie von sich runter und strich ihr die langen, glatten Haare hinters Ohr.

Sie zog sich das Kleid wieder an und machte sich ein wenig frisch. In der Zwischenzeit war er auch soweit und beide wussten, dass der Moment des Abschieds gekommen war.

„Ich kann nicht hier bleiben, wenn du gehst.", sagte sie traurig. „Ich gehe raus in den Garten und schaue, ob meine Eltern vielleicht schon kommen."

Diesmal nahm er ihre Hände in seine und küsste sie zum Abschied.

„Wir sehen uns.", sagte er schlicht und ließ sie nur zögernd los.

Dann verließ sie den Raum und ging nach draußen.

Der Abschied tat ihr zwar weh, aber schon morgen oder übermorgen würden sie sich ja wiedersehen. Sie konnte es kaum erwarten.

Was für traumhafte Ferien waren das gewesen, dachte sie überglücklich.


Ohne dass er es geplant hatte, trat er noch einmal ans Fenster, um sie sich anzuschauen.

Ich hab mich in dich verliebt hatte sie gesagt und tief in seinem Inneren hatte sich eine Wärme ausgebreitet, die er seit sehr langer Zeit nicht mehr gespürt hatte. Nie würde sie so etwas sagen, wenn sie es nicht meinte, das wusste er ohne jeden Zweifel.

Ja, er würde sie wiedersehen wollen – und nicht nur im Unterricht. Sie konnten es schaffen, das wurde ihm mit jedem Moment klarer.


Er wollte sich schon abwenden, doch dann sah er, wie zwei Männer den Bürgersteig vor dem Haus entlang gingen und dann stehen blieben – der eine jünger, der andere älter. Hermione war im Garten und als sie sich umdrehte, jauchzte sie auf, rannte auf die Straße und fiel dem jüngeren Mann um den Hals.


*Edward Elgar: „Nimrod"*


Severus blieb das Herz stehen. Was er da sah, ließ seine gerade wachsenden Gefühle gefrieren. Wie hatte er nur so dumm sein können zu glauben, jemand würde ihn mögen – ihn! – Und dann auch noch so jemand wie Hermione – so jung, so nett. Das hätte ihm doch längst klar werden müssen!

Aber dass alles nur ein Schauspiel gewesen war, konnte er auch nicht glauben. Er hatte keine Erklärung und sein Kopf spielte verrückt. Eine Kälte und Leere breitete sich ihm aus, wie er sie nur in den schlimmsten Zeiten seines Lebens erfahren hatte.

Schnell schritt er zum Portschlüssel und landete unsanft in seinem kalten Kerker in Hogwarts. Er nahm sich ein Glas aus dem Schrank und füllte es mit Feuerwhisky, den er in einem Zug leer trank und gleich wieder nachfüllte. Die restlichen Gläser brachte er mit einem Schwenk seines Zauberstabs zum Explodieren und sie zerfielen in tausend Stücke auf dem Boden.

Man konnte es kaum glauben – der Raum knisterte fast vor solch geballten Emotionen und gebündelter Magie, dass die Musik von selbst anfing, zu erschallen. Hätte er klar denken können, hätte ihn das sehr interessiert, denn jetzt hätte man erfahren, dass der CD-Player, der in seinem kleinen Koffer lag, auch auf magische Weise funktionieren konnte.

Die traurigen Klänge gaben ihm den Rest und er ließ sich auf die Bank vor dem Flügel fallen. Nachher wusste er nicht mehr, wie lange er dort gesessen hatte mit seinen Armen auf den Tasten gestützt und den Kopf in seinen Händen vergraben.

Aus einem Impuls heraus erinnerte er sich an das Kleid, dass er für sie gekauft hatte. Erst wollte er es in die gerade entfachten, lodernden Flammen seines Kamins werfen, nachdem er es aus seinem Gepäck geholt hatte, doch dann entschied er sich anders.

Er ging in das Schlafzimmer und hängte es neben seine schwarzen Roben in den Schrank.

‚Damit du immer daran erinnert wirst, was geschieht, wenn du Gefühle hast.', dachte er völlig neben sich. Es sollte ein Mahnmal werden und bleiben.

Was für eine Ironie – das erstemal, dass er seine Gefühle nicht verleugnet hatte, war auch das letzte mal für lange Zeit gewesen.

Ein paar Gläser Feuerwhisky später kam ihm alles vor wie ein böser Traum und er konnte nicht mehr ansatzweise rational über alles nachdenken, um eventuelle, plausible Erklärungen zu finden.

Was für alptraumhafte Ferien waren das gewesen. Nicht noch einmal, schwor er sich. Nie wieder.


A/N:

So, meine Lieben, die (alp)traumhaften Ferien, so wie es der Titel vorgab, sind zu Ende – jetzt seid ihr dran.

Hätte ich das kleine tbc anfügen sollen oder nicht?

Ich würde mich sooo freuen über das ein oder andere Feedback – von allen und egal in welcher Form! Lieben Dank! *knuddel*


P.S.: *** die Sternchen bedeuten - wer wissen will (und noch nicht weiß), was da oben im Schlafzimmer los ist und worüber sie streiten, kann es im kleinen Oneshot "Unverzeihlich" unter meinem Account nachlesen