A/N:
So, ihr Lieben!
Ihr wollt sicher wissen, ob es Oma geschafft hat, oder?
Und allen, die sich - so wie Ginny - eine angemessene Beschäftigung gewünscht haben...nun ja...
zumindest wünsche ich euch, wie ich hoffe, eine angemessene...Unterhaltung! *g*
VLG KeyMagic
Kapitel 31
Montag zuvor
„Severus...Severus! Bleib stehen! Wann gedenkst du, mal wieder zu den Mahlzeiten zu erscheinen? Mir platzt langsam der Kragen – und nicht nur mir, wie wir gesehen haben."
„Ich hatte eine Ent-schul-di-gung! Frag Poppy."
„Ich wüsste nicht, dass du die letzten drei Wochen krank gewesen wärst, sondern nur zwei Tage. Du erscheinst, und zwar ab gestern! So, und noch etwas..."
„Was du nicht alles weißt!" Wie im wahrsten Sinne des...Satzes er das doch meinte!
„Und ich kann's kaum erwarten, Schul-leiterin, deine noch-etwas-Ansage."
McGonagall wagte einen Sprung ins...vermutlich kalte Wasser. Aber diese Ungewissheit nagte an ihr, obwohl Jean ihr eine normale und plausible Antwort gegeben hatte.
„Woher kanntest du denn die Dame?"
„Welche Dame?", versuchte er es mit einer schön hochgezogenen Augenbraue. Minerva war leider nicht doof.
„Mrs. Tenerhale, Severus...oder hat sie sich dir nicht vorgestellt?"
„Ach die meinst du? Natürlich hat sie sich mir vorgestellt. Es gibt noch Leute, die mir mit Respekt gegenübertreten, Professor!"
„Ach sieh an. Du sahst so aus, als wäre in dem Moment dein Herz in die Hose gerutscht, als sie vor dir stand."
„Wo du überall hinguckst, Minerva, tztz, kann ich da nur sagen!", überspielte er die Erkenntnis, dass sie es ganz genau mitbekommen hatte.
„Dir scheint es ja wieder blendend zu gehen, wie ich höre. Lenk nicht ab, Severus."
„Ich war schlicht überrascht, jemand...Fremdes vor meiner Tür vorzufinden."
„Sonst hattest du deine Reaktionen immer besser unter Kontrolle..."
„Die Zeiten ändern sich, stell dir vor."
„Hätte nicht gedacht, dass du davon schon gehört hast, wenn ich an die letzten Wochen deines Unterrichts denke. Also?"
Severus rollte mit den Augen, voll bewusst der Tatsache, dass sie nicht locker lassen würde, bis sie zufrieden war.
„Ist dir etwa entgangen...perfekt wie du bist...dass sie Ähnlichkeit mit jemandem hat?"
Der Einfall war ihm gerade gekommen und wehrte sich mit aller Kraft, logisch zu klingen.
„Naja, etwas...aber Hermione hat auch Einiges von ihrem Vater..."
„Doch nicht...die! Nimue! Verlässt dich dein Gedächtnis?", fragte er überheblich und versuchte, so wie immer zu klingen.
„Nimue? Wer ist Nimue?"
„Nimue Malfoy."
Man sah förmlich, wie Minerva ihr Gedächtnis durchforstete. „Malfoys Mutter?", fragte sie entgeistert.
„Ja. Findest du nicht? Ich dachte schon, sie sei es...nun ja, in einer jüngeren Ausgabe, wie ich zugeben muss."
„Du meine Güte, Severus, ich hab sie vor 25 Jahren das letzte mal gesehen, diese...Frau. Du musst es ja besser wissen. Kann schon sein, ich erinnere mich dunkel. Hatte nie viel mit ihr zu tun, zum Glück. Sie war ein paar Jahre über mir und eine Vorzeige-Slytherin. Kein Wunder, dass du so entgeistert warst."
„Sage ich doch."
„Wie nett, dass du überhaupt wieder etwas von dir gibst. Dem Himmel sei Dank für diese...weibliche Inkarnation meiner...Gebete.", sagte sie mit einem schiefen Lächeln.
‚Wenn McGonagall wüsste, wie viel slytherin'sches Potential Mrs. Tenerhale in sich hat, würde sie ihre theatralischen Worte vielleicht nochmal überdenken.'
Beinahe hätte er ob dieses Gedankens innerlich gegrinst, ihm war aber absolut nicht danach. Wenigstens war er raus aus der Inquisition...dachte er...und drehte sich auf dem Absatz um.
„Nicht so schnell, Severus. Eigentlich sollte Hermione heute wieder zum Unterricht kommen. Ist sie aber nicht. Weißt du etwas?"
Sein Herz zog sich zusammen bei dem Namen und das machte sich auch in seinem Gesicht bemerkbar. Da aber alle an so eine...verzerrte Grimasse seinerseits gewohnt waren, fiel es Minerva gar nicht mehr auf.
„Wieso sollte ich?"
„Weil du gestern Besuch hattest und Mrs. Tenerhale ihre Großmutter ist...vielleicht?", fragte McGonagall sarkastisch.
„Ach, ich vergaß!", antwortete er in gleicher Manier. „Nun, sie hat nichts dergleichen erwähnt. Keinen Wochentag."
„Nun denn, sie hat mir auch nur gesagt, dass sie sie, wenn es geht, heute wieder herschicken würde. Dann wird sie sicher noch einen Tag brauchen und morgen wieder herkommen."
Ja, Hermione war am Dienstag wiedergekommen. Und wie! Er hätte gar nicht zu ihrem Platz schauen müssen an diesem Morgen, er hatte ihre Anwesenheit schon gespürt. Wieder haftete der Duft an ihr, der ihn an alles andere denken ließ, nur nicht an Zaubertränke, sondern an einen...zauberhaften Nachmittag bei ihr...damals. Deshalb sagte er auch nur das Nötigste und hatte fast bis zum Ende der Stunde warten müssen, dass er seine Chance bekommen hatte, um ihr, um sich ein Nachsitzen abzuringen.
Und da stand sie nun vor seiner Tür und ein Teil von ihm hätte am liebsten die Flucht ergriffen, aber nur ein kleiner. Ihr ging es nicht viel anders.
Er hatte sie wochenlang ignoriert, geschweige denn mit ihr ein Wort gewechselt. Ihr wurde beinahe übel vor Angst und von der Nähe, die so schmerzte, wie sie es noch nie gefühlt hatte. Nur auf gutes Zureden ihrer Großmutter war sie wieder nach Hogwarts gegangen – und in seinen Unterricht. Sie wollte ihre Familie nicht enttäuschen und auch nicht sich selbst, das war ihr klar geworden. Den Abschluss wollte sie nicht aufs Spiel setzen und so versuchte sie nun, es hinter sich zu bringen. Egal wie – egal wie schwer es sein würde.
Wortlos ging er ein Stück zur Seite, dass sie in sein Büro durchgehen konnte. Langsam schloss er die Tür, als wenn er etwas suchte, um Zeit zu gewinnen.
Ebenso unschlüssig und mit klopfendem Herzen stand sie vor seinem großen Schreibtisch und starrte ein Loch in den Boden.
Alle erdenklichen Vorsätze hatte sie sich gemacht. Auf keinen Fall wollte sie sich weder anschreien noch anders unangemessen behandeln lassen. Seine Ignoranz schien er ja – zumindest am Morgen – beiseite gelegt zu haben. Für wie lange, wüsste keiner außer er selbst. Innerlich machte sie sich für alles bereit und nicht erst seit heute schwirrten ihr alle möglichen Argumente im Kopf herum, die sie ihm antworten und zur Not auch entgegen schreien würde.
Außerdem hatte ihr Ginny noch ein paar warme Worte und noch wärmere verbale Flüche mit auf den Weg gegeben, die sie sich unbedingt merken sollte. Hatte sie getan, denn so schnell würde sie die sowieso nicht mehr vergessen. Das Problem Ginny an sich machte ihr auch noch leichte Magenschmerzen. Darum würde sie sich ein andermal kümmern müssen und darauf vertrauen, dass sie bis dahin nichts von sich geben würde. Nein, würde sie nicht, ganz sicher. Außerdem war dafür heute keine Zeit gewesen, da der Tag fast komplett mit Unterricht und Hausaufgaben nachholen ausgefüllt gewesen war. Bis jetzt.
Severus begann mit verschränkten Händen hinter dem Rücken in dem großen Kerkerraum umherzulaufen. Das Treffen konnte man mit nichts vergleichen, aber es war für ihn genauso nervenzehrend wie wenn er zu Voldemort gerufen worden war.
Die ersten fünf Minuten zogen sich unendlich hin und sie hielt es nicht mehr aus. Eigentlich sollte er das erste Wort sagen, schließlich hatte er sie herbestellt, doch das war ihr jetzt egal.
„Geben sie mir meine Strafe und dann haben wir es hinter uns…Sir."
Auf ein Donnerwetter gefasst, blieb sie weiter in ihrer Position und schaute ihn nicht einmal an. Innerlich zitterte sie sowieso schon viel zu sehr, dann wollte sie es ihm nicht auch noch zeigen.
Kaum hörbar räusperte er sich und blieb ein paar Meter entfernt von ihr stehen. Er musste es jetzt hinter sich bringen, koste es, was es wolle. Das war kein Zustand mehr. Er konnte nicht mehr und ihr durfte er keine Vorwürfe machen, denn die ganze Schuld lag bei ihm. Früher hätte er sicher darüber hinwegsehen können – nur heute tat es weh, und nicht erst seit ihm Mrs. Tenerhale auf den Kopf zugesagt hatte, dass er Gefühle hat und verliebt sei.
„Das…das ist keine Strafe. Es…soll keine sein.", flüsterte er.
„Was bitte haben sie gesagt, Sir?" Wieder hörte sich ihr Sir an, als würde sie es am liebsten ausspucken.
„Es ist kein Nachsitzen, Hermione, ich…möchte mit dir reden."
Vor Erstaunen bekam sie fast kein Wort heraus, aber dann erinnerte sie sich an Ginnys Vorab-Strafpredigt und sagte doch etwas.
„Wenn das mal nicht ein Weltwunder ist", murmelte sie erst leise vor sich hin, bevor sie laut fragte, was er denn zu sagen hätte.
„Es kann so nicht weitergehen."
Hermiones Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Jetzt machte er es also offiziell und ohne zu schreien? Dann war es wirklich ernst und...endgültig. Immer noch hatte sie gehofft, dass es anders gehen würde, aber da hatte sie sich in ihm getäuscht – nein, eigentlich nicht. Er machte genau das, was jeder an ihrer Stelle von ihm erwartete – erwarten sollte. Er machte mit ihr Schluss, wobei sie gar nicht wusste, ob es überhaupt angefangen hatte.
Ron wartete schon ganz ungeduldig auf Ginny im Gemeinschaftsraum.
„Und, hast du sie abgeliefert? Soll ich sie gleich abholen?"
„Wir wissen doch gar nicht, wie lange es dauert, da können wir nichts machen."
Er machte sich die größten Vorwürfe, dass er so wenig mit ihr geredet hatte in letzter Zeit. Seit er das erstemal gemerkt hatte, dass sie sich anders verhielt und dass es ihr nicht so gut ging, hätte er es wissen müssen. Letztendlich hatte Lunas Brille den Stein ins Rollen gebracht – es war alles wegen ihm! Vielleicht. Zumindest hatte er die Hoffnung. Und dann war auch extra noch ihre Oma vorbeigekommen und hatte so nebenbei erwähnt – wahrscheinlich auch extra – dass sie immer noch Liebeskummer hätte. Was sollte er bloß tun? Schließlich hatte er auch gemerkt, dass die Gefühle für sie zurückgekommen waren – oder nie ganz erloschen waren. Ja, seine Gefühle konnte er einschätzen, nur ihre nicht mit endgültiger Sicherheit. Ein winzig kleiner Zweifel nagte an ihm, doch den hatte er bisher ziemlich gründlich ignoriert.
„Ich warte auf sie.", verkündete er und Ginny schaute hilflos zu Harry. Sie musste dringend mit ihrem Bruder reden, denn so konnte sie ihn nicht auf Hermione loslassen – die hatte ihre eigenen Probleme und die waren nicht gerade klein – die waren so...snape.
Harry zuckte hilflos mit den Schultern, trotzdem lief er nicht weg. Das rechnete ihm seine Freundin hoch an und deshalb machte sie doch den Anfang.
„Ron, setz dich mal."
„Klar, ich warte hier unten...ich mach's mir im Sessel gemütlich und dann kann ich endlich mit ihr reden. Ich hab sie echt im Stich gelassen. Der blöde Sack da unten, der sie so mies behandelt und dann auch noch ihr Kummer wegen...mir. Muss mich echt ändern, wir sind keine Kinder mehr."
Ginny bekam große Augen und hätte den letzten Satz gerne in ein magisches Erinner-mich-und-erinner-ihn-wenns-nötig-ist-Heftc hen geschrieben, wenn die Situation nicht so...verzwickt gewesen wäre.
„Bruder, dein Wort in Merlins Ohr, aber ich frag mich wirklich, was du dir da einredest."
„Ist doch wahr. Und dann kommt noch extra ihre Oma zu mir...zu uns, um mir das zu sagen."
„Was, Ron?"
„Na dass Mine solchen Kummer hat, weil ich das alles nicht bemerkt habe und..."
„Stimmt, du hast da was nicht bemerkt... Harry, so komm doch!"
Etwas widerwillig setzte er sich zu den Geschwistern und sein Gesicht sprach Bände. Für so etwas waren Männer nicht geschaffen, das sollten Frauen übernehmen.
Ginny entschied sich für den kurzen und schmerz...vollen Weg – wozu war sie mit so vielen Brüdern aufgewachsen? Da kam man zartbesaitet nicht viel weiter. Nicht im Umgang untereinander. Meistens.
„Hermione hat nicht wegen dir Liebeskummer! Das musst du doch geschnallt haben! Sie ist in jemand anderen verliebt." Kurz und eindeutig.
Für einen Moment schwieg Ron.
„Wer soll das denn sein? Ich hab sie doch durch Lunas Brille gesehen."
„Habt ihr nicht gesagt, sie funktioniert nicht, hm?", triumphierte Ginny. „Hm?"
„Jaaah, kann sein, die alte Fledermaus hat ja auch geleuchtet...aber bei Mine bin ich mir sicher...war ich mir so sicher und...nicht nur deswegen. Sie war doch so fröhlich, als sie aus den Ferien wiederkam, sie hat mich bestimmt vermisst."
„Hat sie das gesagt?"
Ron räusperte sich und gab dann kleinlaut zu: „Nein, das hätte ich sagen müssen – dass ich sie vermisse. Ist doch klar. Da war ich echt ein Idiot. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät."
Harry klinkte sich ein, weil er das Elend nicht mehr sehen konnte. Selbst er hatte schon gezweifelt, dass sie jeden aber nicht Ron meinen konnte und so hatte sich es auch erwiesen – naja, durch die letztendliche Bestätigung von Ginny.
„Kumpel, es ist zu spät. Tut mir ja auch leid, aber das hättet ihr früher wieder hinkriegen müssen. Nur jetzt, fürchte ich, ist der Zug abgefahren. Dass du das nicht merkst! Wenn du es wärst, dann passt doch alles nicht zusammen."
„Früher waren wir uns beide nicht sicher, wie es weitergehen sollte... Man, seid ihr sicher? Kann doch nicht wahr sein... Ach verdammt."
„Doch Ron. Sie hat schon genug Probleme, mach es ihr nicht noch schwerer."
„Aber wenn sie Kummer wegen einem anderen Typ hat und er sie versetzt hat oder was weiß ich, kann ich ihr doch vielleicht..."
Ginny musste wieder eingreifen: „Nein, die Sache ist zu kompliziert und noch ganz und gar nicht vorbei. Glaub mir."
„Du klingst so sicher.", sagte er traurig und er merkte, dass er es irgendwie doch gewusst hatte.
„Glaub mir, ich bin sicher."
„Wer ist es? Wisst ihr beide das etwa? Wissen das alle außer mir?", sagte er laut und sprang aus dem Sessel auf. „Ihr guckt mich so an, als wenn ich der letzte Trottel wär."
„Bist du nicht Ron... Gefühle sind manchmal...kompliziert."
Ginnys verwunderter Blick ging auf Harry, der sofort Schadensbegrenzung betrieb.
„Nicht bei uns, Schatz."
„Will ich doch hoffen.", grinste sie zurück.
„Also?"
„Ich weiß es nicht, Ron, aber sie muss ihn in den Ferien kennen gelernt haben, denn vorher war nichts.", schlussfolgerte Harry richtig.
„Stimmt. Dann ist es sicher ein Muggel. Keine Chance, ihn zu...sehen. Na, vielleicht auch besser so."
„Naja... Es ist besser so, Bruder."
„Du klingst so, als würdest du ihn kennen."
Das sollte eigentlich gar nicht so klingen. Ginny versuchte es philosophisch: „Oh...kennen...äh...wen kennt man schon wirklich?"
Irgendetwas musste sie ja sagen, sonst wäre es unglaubwürdig. Die Jungs wussten, dass Frauen immer redeten, vor allem über solche Themen.
„Sie hat mir Einiges erzählt und ihn mir beschrieben.", gab sie zu.
„Na das hätte ich auch gerne gehört.", kommentierte Ron.
„Sicher nicht, Ron, so was wollt ihr gar nicht hören. Versprich mir...versuch dich damit abzufinden, schließlich hast du die ganzen Monate auch nichts davon gesagt... Behandle sie einfach normal und wie früher...wie Freunde. Sei froh, dass du es jetzt herausgefunden hast."
„Ja...vielleicht hätte ich es gerne wie früher...da war alles so...einfach. Einfach alles."
„Klar...als Kind ist Vieles einfacher. Würdest du die Zeit wirklich zurückhaben wollen und alles nochmal erleben? Jetzt ist es besser, Ron, denk drüber nach.", sagte Harry, stand auf und klopfte ihm auf die Schulter.
„Ja...so ist es.", stimmte er ganz nachdenklich zu und viel ernster, als er sonst war. Sie waren alle erwachsen geworden, er auch, obwohl das Viele nicht vermuteten. Letztendlich hatte er jetzt Gewissheit und das war gut so.
Klar würde es ihm schwer fallen, aber seine Schwester hatte recht: So lange hatte er noch gar nicht darüber nachgedacht. Vielleicht konnte er seinen Gefühlen noch Einhalt gebieten und sie wirklich wieder als eine, als seine beste Freundin sehen. Zu schade wäre es, dafür die ganzen Jahre der Freundschaft aufzugeben – komme, was...wer da wolle.
Mit dem Vorsatz versuchte er sich abzulenken und begann, mit Harry eine Partie Zauberschach zu spielen. Nach Voldemort war das Leben viel zu schön und erleichtert, dass man es sich von was oder wem auch immer verderben lassen sollte.
Hätte er geahnt, über was oder wen er nachdachte, hätte er sich vielleicht...Voldemort zurückgewünscht. Vielleicht auch nicht.
Severus hatte ihr Gesicht gesehen, den Schmerz in ihren Augen, als er sagte, dass es so nicht weitergehen könnte. Konnte es auch nicht.
„Hermione, sieh mich an."
Sie tat es nicht. Sie konnte und wollte es nicht, denn dann wäre es noch viel schlimmer. Sie wollte seine Augen nicht sehen, die sie auf eine Art angeschaut hatten, wie sie es noch nie erlebt hatte. Sie wollte auch seinen Mund nicht sehen, der sie so innig geküsst hatte und der sie nachher so verletzt hatte. Nein. Sollte er doch reden, aber ansehen würde sie ihn nicht dabei.
„Bitte, Hermione, sieh mich an. Das wolltest du doch. Du wolltest, dass ich dich ansehe." Zögernd streckte er seinen Arm aus und wollte sie sanft am Kinn berühren um ihren Kopf zu drehen, aber sie wich zurück.
Wieder begann er, seine Runden zu drehen. Es gab keinen Ausweg, kein Zurück. Er musste das hier und jetzt unbedingt hinter sich bringen, sonst wäre alles verloren.
‚Und an das Donnerwetter von Mrs. Tenerhale wollen wir gar nicht denken.', kommentierte seine gehässige innere Stimme. Die war doch sonst nicht da. Am besten ignorieren. Wieso sollte er vor einer Frau Angst haben? Gut, gerade lief etwas Ähnliches ab.
‚Kleine Schritte', sagte er sich. ‚Eines nach dem anderen.' Wenn er erst mal den Anfang hätte, würden sich die anderen Fragen auch noch klären lassen.
„Ich...ich weiß, ich...war..."
Bei Merlin, war das schwer. Doch er musste sich unbedingt aufraffen. Damals, bei Lily, hatte er auch seine Chance vertan, sich richtig bei ihr zu entschuldigen. Irgendwann hatte sie ihm nicht mehr zugehört, und das wollte und musste er jetzt unbedingt vermeiden.
Seine Hände kneteten seinen schwarzen Umhang, der ihm eine lächerliche Sicherheit gab.
„Ich war gemein zu dir. Ich habe dich...ignoriert und dich...verletzt."
Unbewusst hatte Hermione die Luft angehalten und jetzt schwankte sie leicht.
Bevor ihn der Mut verließ, sprach er weiter.
„Ich habe dich angeschrien und dich zu Unrecht beschuldigt, Hermione. Wie schon...gesagt, ich habe dich mit dem..., mit ihm gesehen an jenem Sonntag, und da ist alles in mir...zusammengebrochen. Dass das keine Entschuldigung ist, ist mir klar. Nur...ein Erklärungsversuch. Scheinbar...hatte...habe ich...hat mich das nicht ganz...unberührt gelassen. Das alles. Das mit...uns. Sonst hätte ich vielleicht nicht so...reagiert. Ich... bitte nimm meine Entschuldigung an."
Hermione konnte gar nicht glauben, was sie da hörte.
Snape, der sich entschuldigte? Snape, der einen Fehler zugab? Snape, der..., nein, Severus, der gerade irgendwie und recht gut verpackt gestand, dass er...Gefühle hat? Für sie?
Endlich drehte sie sich zu ihm und sah, dass er sich am Kamin festhielt und gegen die Steine der Mauer starrte.
Eigentlich wusste sie gar nicht, was sie sagen sollte, doch sie begann.
„Du hättest einfach fragen können."
„Das konnte ich nicht...es...ich war... Solch ein Anblick war nicht neu für mich."
Langsam verstand sie ihn. Sie hatte nur gedacht, dass er es irgendwann hatte verarbeiten können. Die ganzen Jahre hatte er Lily und James sehen müssen und das musste ihm unglaublichen Kummer bereitet haben. Sie versuchte sich vorzustellen, wie sie reagiert hätte, wenn sie ihn mit einer anderen Frau gesehen hätte, als alles so...neu war. Das hätte ihr auch das Herz gebrochen und sie hätte sich vielleicht auch nicht getraut, zu fragen, sondern von vornherein geglaubt, dass er sie nur...benutzt hätte. Ja. Das musste sie zugeben – gemeinsam mit Millionen anderen Frauen – und Männern – auf der Welt.
„Du hättest einen Legilimens benutzen können, dann hättest du Gewissheit gehabt."
„Das ist nicht erlaubt."
„Das wäre nicht der erste Punkt auf der Unerlaubt-Liste gewesen. Es hätte mir...eine Menge erspart."
Severus atmete nur tief aus. Sie hatte ja recht...so recht.
„DU HÄTTEST EINFACH MIT MIR REDEN MÜSSEN, VERDAMMT! WEISST DU EIGENTLICH, WIE ES MIR GING – WIE ES MIR GEHT?"
„Ja, das kann ich mir nur zu gut vorstellen, Hermione, und ich wünschte, ich könnte es nicht."
Mit dem Satz nahm er ihr komplett den Wind aus den Segeln. Sie hätte ihn so gerne und aus tiefstem Herzen noch weiter anschreien wollen, aber sie sah nicht mehr die Kälte und den Hass in seinen Augen, sondern nur noch Verzweiflung. Ihr kam die Schilderung von Harry in den Sinn – so musste er sich damals schon einmal gefühlt haben...und nicht nur einmal, sondern unzählige Male. Er hatte nie gelernt, anders damit umzugehen, denn niemand hatte ihn spüren lassen, dass er wirklich und aufrichtig geliebt wird. Außer vielleicht noch seine Mutter, die nur viel zu früh zerbrochen und dann gestorben war.
„Hättest du mir geglaubt, wenn ich eine Erklärung abgegeben hätte?"
„Vermutlich nicht...nicht zu dem Zeitpunkt.", gab er zu.
„Und jetzt?"
„Hermione, ich glaube dir, weil ich dich kenne. Weil...ich mir einbilde dich zu kennen."
„Es war nur Sam...mein Cousin. Sie kamen alle zu Besuch an dem Abend und die ganze Zeit habe ich daran gedacht, wie schön es wäre, dich dabei zu haben. Und so sehr ich auch meine Eltern vermisst habe – zu Beginn – so schnell wollte ich auch nach Hogwarts zurückkehren in der Hoffnung, dich wiederzusehen. Ja...und dann...brach die Hölle über mir ein.", flüsterte sie.
Unendlich langsam ging er auf sie zu, blieb aber vor ihr stehen, weil er sie einen Schritt machen lassen wollte...wenn sie wollte.
„Es hat so weh getan, gerade weil ich dich... Wäre er jemand anders gewesen, hätte mich das doch nicht so fertig gemacht. Hast du darüber mal nachgedacht? Du hast es doch gesehen, oder etwa nicht?"
„Ich habe es gesehen...", sagte er mit erstickter Stimme und dem Blick auf den Boden gerichtet, „...und jeder Augenblick war für mich genauso eine Hölle. Wenn du es willst, kannst du darüber nachdenken. Es...tut mir leid, Hermione."
Stumm nickte sie und verließ ohne einen weiteren Blick sein Büro.
Später wusste er nicht mehr, wie lange er noch auf die längst geschlossene Tür gestarrt hatte, aus der sie eben gegangen war.
Schwerfällig stieg sie die Stufen zum Gryffindorturm hinauf und hoffte inständig, dass sie keinem begegnen würde. Die Hoffnung war vergeblich, denn es war kaum eine Stunde vergangen und erst kurz vor acht. Deshalb machte sie kehrt und rannte den ganzen Weg wieder hinunter, raus aufs Gelände und verbrachte die nächsten zwei Stunden am See, um nachzudenken und ihren Kopf freizubekommen.
Sie glaubte ihm wirklich, doch sie konnte nicht von jetzt auf gleich alles vergessen, was er ihr entgegengeschrien hatte. Doch dass er sich auf diese Weise und mit den Worten entschuldigt hatte, hätte sie niemals geglaubt – nie in ihrem Leben – aber er hatte es getan, sogar mit mehr als einem Satz. Und er hatte sie weder gebeten, es zu vergessen, noch zu ihm zurückzukommen oder dass sie bleiben solle. Nichts davon, und das rechnete sie ihm ebenso hoch an. Es schien so, nein, es war so, dass es an ihr lag. Er legte ihr die Entscheidung in die Hände. So hatte sie es verstanden und das war für sie genauso wertvoll wie seine Entschuldigung. Dass sie immer noch Gefühle für ihn hatte, wusste sie auch schon vor diesem Abend. Die ließen sich nicht einfach unterdrücken oder wegwischen. Nein, sie wollte ihn nicht aufgeben, sie musste nur einen Weg finden, die vergangenen drei Wochen als Erfahrung abzuhaken und daraus zu lernen.
Wahrscheinlich hätte ihre Großmutter jetzt gesagt, dass Lieb, Leid und Leib nur aus getauschten Buchstaben bestehe und dass keines davon ohne die anderen existiere. Der Gedanke ließ tatsächlich ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht erscheinen. Ja, Oma hatte wirklich recht!
Im Turm angekommen, wartete nur noch Ginny auf sie, denn die hatte die Jungs mit strengen Worten ins Bett geschickt.
„Na endlich, Mine, ich hab mir fast schon Sorgen gemacht. Alles klar bei dir? Was ist passiert? Komm mal her."
Hermione ging zu ihr und umarmte ihre Freundin, ohne etwas zu sagen.
„Hey...du hast ja rote Wängchen, na, dann weiß ich, wo du so lange gesteckt hast.", strahlte sie.
„Was? Nein...ich war die letzten zwei Stunden unten am See und hab nachgedacht."
„Ach so...und ich dachte schon... Hat er dich wieder rausgeworfen oder...boah, ich hetze dem sämtliche Drachen auf den Hals. Sag doch was!"
„Er...hat sich entschuldigt."
„Er hat WAS?"
„Du hast es gehört... Wollen wir raufgehen? Ich bin müde."
„Er hat sich ENTSCHULDIGT?"
„Schhhht."
„Wow...wow...entschuldigt. WIE?"
„Ginny! Mit Worten, wovon ich nie gedacht hätte, dass ich sie jemals von ihm hören würde."
„Mit Worten...hmmm...naja... Was nicht ist, kann ja noch werden."
„Was faselst du da?"
„Nichts. Und sonst nichts? Wie soll es denn nun weitergehen mit euch?"
„Ich weiß es nicht. Vermutlich liegt es jetzt an mir, ob ich ihm verzeihen kann."
„Das wirst du doch, oder?"
„Du hast mitbekommen, wie er zu mir war."
„Ja, das habe ich.", sagte Ginny, zum erstenmal ernsthaft seit Beginn ihres Gesprächs. „Mum sagt immer, jemandem zu verzeihen wiegt mehr als die Entschuldigung."
„Ich...hab ihn viel zu...gern, als dass ich ihm nicht verzeihen würde. Irgendwie kann ich ihn verstehen. Er ist er und kann sich nicht von heute auf morgen ändern. Ich kann verstehen, wie er sich gefühlt haben muss."
„Wann seht ihr euch wieder?"
„Schätze am Donnerstag im Unterricht."
Ginny stöhnte nur. „Sturköpfe."
„Hm?"
„Nix."
Oben angekommen, fasste sich Hermione ein Herz, und sprach Ginny an.
„Dass ich dich da oben...obliviaten wollte, in dem Zustand... Es tut mir auch so leid, Ginny."
„Vergeben und vergessen, Süße. Ich weiß, dass es dir leid tut. Du willst es doch nicht jetzt etwa machen?"
„Besser wäre es."
„Für wen?", fragte sie entrüstet.
„Wohl für keinen."
„So ist es."
Ginny nahm Hermione fest in den Arm. Frauen brauchten nicht immer viele Worte, wenn es um etwas Wichtiges ging. Damit war die Sache ein für allemal vom Tisch und sie legten sich – auch ohne Worte – gemeinsam schlafen.
Ginny dachte schon, Hermione sei eingeschlafen, dem war aber nicht so.
„Irgendwas stimmt nicht."
„Was? Wie meinst du das?" Ginny musste immer auf der Hut sein. „Geht es um ihn? Etwas, das er gesagt hat?"
„Nein, was anderes."
‚Oh', dachte Ginny, denn so ein Oh laut auszusprechen oder an falscher Stelle einzuwerfen, konnte schon fatal sein.
„Mit Oma."
„Oh!" Diesmal konnte sie es nicht unterdrücken. Sie schob die Decke ein wenig herunter, da ihr warm wurde. „Und was genau?"
„Sie hat in der Küche zu mir gesagt, sie hätte noch nie einer Eule einen Brief gegeben...das hab ich gar nicht richtig mitbekommen, weil ich viel zu beschäftigt mit...mir war. Ich hab ihr im Laufe der Jahre schon zig Briefe geschickt und meistens auch eine Antwort bekommen. Meine Eltern waren sicher nicht immer da, um ihr diese Arbeit abzunehmen... Hat sie es vergessen? Sieht ihr gar nicht ähnlich."
Was sollte sie bloß antworten?
„Von wem war die Eule? Von Professor McGonagall, oder?"
„Ja."
„Eine Schuleule?"
„Ich glaube, ihre eigene. Ein riesiger Uhu."
„Na dann wundert es mich nicht, Mine. Deine Oma hat bestimmt noch keinen halben Meter großen Uhu auf der Fensterbank sitzen gehabt und so einem schon gar kein Brief gegeben. Das ist was anderes als eine kleine Waldohr-Schuleule oder so."
„Da hast du wohl recht, der war wirklich imposant und Emma war auch ganz nervös. Hat fast die ganze Zeit gebellt."
„Siehst du."
Wenigstens war das kleine Problem aus der Welt und Ginny beschloss, ruhig zu schlafen. Nun ja, bis sie anfing zu überlegen – so typisch Frau. So ein Hin- und Herdenken für gleich sieben Personen war super anstrengend. Wohl oder übel musste sie da durch und es gab so leicht und so schnell kein Entkommen.
Laut gähnend ging sie im Kopf nochmal alle durch und versuchte sich zu merken, wer was wusste und wem sie was erzählen durfte und was nicht. Je mehr sie darüber nachdachte, desto komplizierter wurde es.
Zuallererst war da Oma. Die war noch am einfachsten. Die wusste alles und mit der war der Kontakt letztendlich nur noch schriftlich bei Gelegenheit. Sehr gut.
Mit Hermione war auch noch relativ einfach zu reden. Sie durfte nur nichts über den Oma-Besuch erzählen.
Dann Snape: Erzählen war bei dem kein Thema – sie durfte sich nichts anmerken lassen. Das konnte schwieriger werden, als man dachte. So weit, so gut.
McGonagall würde wahrscheinlich nicht mehr viele Worte darüber verlieren, wenn nichts mehr dazwischenkam und Snape wieder für seine Verhältnisse normal wurde. Merke: Sie wusste nur vom Oma-Besuch, dem Liebeskummer – dummer- oder andererweise im Bezug auf Ron – und dem Unterrichts-Desaster bei Snape.
Nicht, dass es ja mal einfach sein konnte. Nein...
Tja, und Ron und Harry wussten von Oma, vom Liebeskummer und vom Snape-Desaster, wobei Harry ja mehr wusste als Ron.
Ginny bekam Kopfschmerzen. Sie sollte sich einen Merkzettel machen, wenn es nicht so...tödlich wäre – zumindest dann, wenn der Snape in die Hände fiel. Und im Hinblick auf ihn hatte sie vor kurzem auch die restlichen Zweifel über Bord geworfen, dass es selbst bei ihm etwas gäbe, das unmöglich wäre. Das Unmögliche war möglich geworden.
Naja, sie wäre nicht Ginny, wenn sie das nicht schaffen würde.
*Van Halen: „Jump"*
Der Mittwoch war genauso vollgepackt mit Unterricht und ellenlangen Hausaufgaben gewesen, dass sie alle spät abends und weit nach halb elf nur noch müde in ihre Schlafräume gingen.
„Kannst du wieder bei mir schlafen? Ich...es ist so komisch allein."
„Klar, Süße. Soll ich dir was erzählen? Ne Geschichte vom Mum?"
„Gerne. Nur keine Romanze."
„Hm...dann muss ich umdenken. Dann erzähl ich dir was von früher bei uns zu Hause."
Kaum hatte sie angefangen zu erzählen, hörten sie ein leises, zaghaftes Klopfen am Fenster.
„Erwartest du Post? Hey...vielleicht von ihm?", grinste Ginny.
„Sicher doch... So sicher, als wenn Voldemort zum nächsten Schulball kommt. Ist bestimmt für dich von deiner Mum oder so.". Das hatte Ginny auch gedacht, doch sie wollte Hermione aufmuntern.
Deshalb war sie es auch, die aufstand und das Fenster öffnete und...nichts sah.
„Wer..."
Kurz darauf hörte sie ein leises Tapsen entlang des äußeren Fensterbretts und dann sah sie...ihn.
„Och wie süüüüüüüüüüüß!", schrie Ginny, dass sich Hermione erschreckte – und nicht nur sie. Der kleine Steinkauz bekam ganz große Augen und ließ den Zettel aus dem Schnabel fallen, glücklicherweise zum Raum hin.
„Der ist ja winzig... ach wie nieeedlich." Sie konnte sich kaum beruhigen. „Den hab ich ja noch nie gesehen hier. Der ist sicherlich nicht von uns. Woher kommst du denn?", fragte sie den kleinen Vogel, während sie sich nach dem Zettel bückte. Als der Kauz das sah, war er mit einem schnellen Flügelschlag am Boden und hackte Ginny leicht auf die Hand, bevor er selbst den Zettel in den Schnabel nahm und zu Hermione tapste.
„So klein und so frech", grinste Ginny liebevoll. „Der kennt wohl seinen Auftrag ganz genau und ist noch sehr gewissenhaft."
Kaum hatte er seinen Auftrag ausgeführt, flog er hinaus. Ginny rief noch hinterher, ob er keinen Keks wollte, doch er kam nicht wieder. Sie sah, wie er in kreisenden Bewegungen nach unten flog. Verwundert über die Richtung schloss sie das Fenster und drehte sich neugierig zu Hermione.
„Mine! Ich verwette meinen... äh...Hintern, dass ich die Schrift diesmal sofort erkannt habe. Zeig mal!"
„Was...?"
Hermione lag immer noch im Bett und streckte nur müde und gelangweilt ihren Arm raus.
„Klar doch...du hast gerade mit Sicherheit deinen hübschen Hintern verwettet, Ginny."
„Wieso, hab ich nicht recht? Hast du noch nicht draufgeguckt? Das gibt's doch nicht."
„Keine Ahnung", gähnte Hermione und linste nur mit einem Auge auf die besagte Schrift, bevor sie sich mit einem Ruck aufsetzte.
„Ich glaub's nicht. Du hast tatsächlich recht...ich glaub's nicht."
„Du wiederholst dich, Süße... Was drauf steht, muss ich wissen. Sofort!"
Hermione las die zwei Zeilen nun zum drittenmal durch und schüttelte ohne es zu bemerken den Kopf.
Ginny wurde es zu bunt. Sie riss ihr den Zettel aus der Hand, überflog ihn und schrie wieder.
„HIMMELMERLINNOCHMAL – los! Aufstehen!", befahl sie und zerrte ihre beste Freundin am Arm, dass sie fast aus dem Bett fiel.
„Ich fasse es nicht... Das war seine Eule? Seine? Neee. Mach schon!"
„Bist du wahnsinnig? Er ruft und ich springe?"
„Natürlich! Bist DU wahnsinnig? Gestern hat er dich schon gebeten...naja, gut, mit Nachsitzen...aber es war ja keins. Und heute schreibt er...herrje...er schreibt bitte! Und das nach seiner Entschuldigung! Das ist für Snape...für Snape...keine Ahnung, schon wie...ach, das weißt du selber. Magst du ihn nicht mehr? Willst du nicht mehr?"
„Doooch."
„Also was?"
Während Ginny Hermione aus dem Bett holte und sie ins Badezimmer schob, in Windeseile den Wasserhahn in der Dusche anstellte und sämtliche Make-Up Utensilien aus der Kosmetiktasche auf die kleine Kommode schüttete, um schneller ranzukommen, wiederholte sie in Gedanken die Worte von dem Zettel, die sie bestärkten, dass sie sich hier gerade nicht zum Affen machte.
Hermione, bitte komm, wenn du kannst, heute noch zu mir.
S.
„Zieh dich aus!"
„Hä?"
„Ich weiß, Mine, du würdest es lieber von ihm hören, aber das kommt später."
„WAAAS?"
"Quatsch' nicht rum, runter mit dem Nachthemd. Ab in die Dusche, wenn er das nachher auch sagen soll! In drei Minuten komm ich wieder rein."
Völlig über...rollt tat sie, wie ihr geheißen und ließ das Wasser über ihren Körper rieseln, der eigentlich ziemlich hundemüde war. Viel Schlaf, oder viel ruhigen Schlaf, hatte sie in den letzten Wochen wahrlich nicht bekommen.
„Vergiss nicht das Duschgel, das so schön duftet.", rief Ginny von draußen und Hermione vermutete, dass sie direkt vor der Tür stand und auch dort stehen bleiben würde.
„Wieso muss ich mich duschen, bevor ich mit ihm rede? Wir haben gestern schon geredet.", fragte sie entnervt.
Ginny rollte mit den Augen, obwohl es keiner sehen konnte, und schrie zurück.
„Na damit du gut riechst wenn er mit dir redet."
„Was für ne Logik."
„Das ist die Logik der Frauen, das musst du doch schon gelernt haben."
„Du glaubst nicht ernsthaft, dass ich mit ihm..."
„...redest? Na klar wirst du mit ihm reden!" War sie denn immer noch nicht fertig?
„Dann brauche ich nicht duschen.", rief sie wieder zurück und das Rauschen des Wassers machte es nicht gerade leichter.
„Ihr werdet bestimmt noch...reden."
„Das hatten wir schon, Ginny."
„Ich meinte...reden nach dem...Reden – klar?!
Ich komm jetzt rein. Ah, du hast schon dein Handtuch. Los, der Rest trocknet unterwegs. Setz dich, ich kämm dir die Haare und du nimmst dir den Kram da vor."
Irgendwie ahnte sie, dass Ginny nicht locker lassen würde und...gehorchte. Weitere drei Minuten später hatte sie schöne glattgekämmte Haare, ein Hauch von Lipgloss und ein bisschen Wimperntusche im Gesicht – mehr hatte sie durch das Gewackel nicht hinbekommen. Mit einer beinahe olympischen Leistung angelte Ginny nach dem Parfum im obersten Fach des dunkelrot gestrichenen Holzregals und sprühte es oberhalb von Hermione auf sie herab, dass es sich auch auf ihren Haaren verteilen konnte. Danach rannte sie wie ein Wirbelwind zurück ins Zimmer, riss den Kleiderschrank auf und bald landete ein Teil nach dem anderen auf dem Boden.
„Hier, zieh das an!"
„Bist du verrückt?" Ginny hatte ausgerechnet die nachtblaue Unterwäsche herausgeholt, die Severus ihr gekauft hatte.
„Ich zieh das nicht an."
„Tust du doch."
„Nicht das."
„Warum nicht? Weiß ich etwa etwas nicht? Das gibt's doch nicht. Raus mit der Sprache."
„Das...er...hat es mir gekauft."
„Eeeer? SNAPE? Wieso hab ich das vorher nicht gesehen?"
„Beruhige dich."
„ER hat dir DAS gekauft?", schrie Ginny vor...Begeisterung. „ER? DAS?"
„Still!"
„Kann ich nicht. Jetzt ziehst du das erst recht an! DAS hat er..."
„Ginny!"
„Schon gut. Mach schon. Glaub ja nicht, dass du damit raus aus...der Geschichte bist. Später."
Hermione zog es an wie befohlen und schon reichte ihr Ginny eine hautenge Jeans von ihr selbst.
„Die ist mir zu klein!"
„Nicht quatschen – anziehen!"
„Die ist mir zu eng." Immerhin war Ginny ein bisschen kleiner als sie und auch ziemlich zierlich.
„Du hast abgenommen in etzter Zeit. Deine Hosen schlabbern ja schon fast."
„Stimmt nicht."
„Stimmt wohl. Und was Schlabberndes können wir jetzt nicht gebrauchen."
„Es schlabbert nicht."
„Man! Wir wollen deinen schicken Hintern betonen!"
„Wollen wir?"
„Ja.
Und hier, zieh das dazu an. Ohne Widerworte, sonst verpass ich dir einen Imperius."
„Alles klar.", sagte Hermione perplex und zog sich das Shirt über, das Ginny ihr vor die Nase hielt – und zog es gleich wieder aus. „Auf keinen Fall."
Es war ein Top mit einem Wasserfall-Ausschnitt... und der Fall ging ziemlich tief.
„Warum nicht? Er könnte denken, das ist dein Schlafshirt."
„Klar, ich schlafe in einer Jeans, in der ich fast nur liegen kann und mit Make-Up und einer Duftwolke um mich rum."
Ginny tat so, als überhörte sie den Einwand.
„Nimm das. Schnell." Diesmal hatte sie Hermiones weiße, ärmellose Bluse gefunden, deren oberster Knopf auch ziemlich weit unten angesetzt war. Sonst trug sie immer ein Top drunter, was sie aber nicht gereicht bekam.
„Ich bin nicht auf der Flucht. Wieso sollte ich sofort kommen, wenn er ruft?"
„Sofort nicht, und auch nicht, wenn er ruft, sondern wenn er dich unter sich..."
„Ginny!"
„Ich weiß, wie ich heiße. Na, ich denke, er schafft das, dass du dich unter..."
„GINNY!"
„WAS DENN?", kicherte sie und ahnte, dass sich bald wieder alles einrenken würde. Was für eine Freude, und nicht nur für sie! Mrs. Tenerhale würde natürlich davon erfahren...naja, vielleicht nicht die Details, auf die Ginny selbst nur hoffen konnte, sie zu erfahren. Die Details, die ja noch gar nicht stattgefunden hatten... – aber bald, wie sie hoffte. Sie bemühte sich redlich.
„Hattest du nicht erwääähnt, dass du...ich meine...bei ihm...äh...mit ihm... es sei gut? So richtig? Mir fehlen die Details, Miss, das muss sich ändern, sonst kann ich nicht adäquat handeln."
„Man Ginny, ich hab gerade andere Probleme... man kann fast den BH sehen... Adäquat handeln? Woher hast du das denn?"
„Von dir und so meine ich's auch. Und ja SICHER kann man fast den BH sehen! Los jetzt. Ab in den Kerker! Und komm ja nicht vor Ablauf von zwei Stunden wieder hoch, sonst bring ich dich persönlich wieder zurück."
„Schon klar. Wünsch mir...Glück."
„Ich wünsch dir was ganz anderes, Süße, und zwar multip..."
„GINNYYY! Sei ruhig!"
Die ganze Aktion, die man mit einem Tornado hätte vergleichen können, hatte genau elf Minuten gedauert. Ginny legte sich schwer atmend ins Bett und machte sich so ihre Gedanken, was ein paar Etagen unter ihr vor sich ging. Sie nahm sich ein Buch und wollte unbedingt auf Hermione warten, um sofort die Neuigkeiten zu erfahren.
Keine zehn Minuten später schlief sie wie ein Stein.
*Alison Moyet: „That Ole Devil Called Love"*
Leise und sich ständig umschauend lief sie hinunter in den Kerker und wusste selbst nicht so genau, warum sie das wirklich tat.
Vor der Tür zum Büro zog sie an ihrer Bluse versuchte so gut wie möglich, den Ausschnitt zu verdecken. Das ging auch, solange sie sich nicht bewegte. Länger wollte sie nicht im Flur herumstehen, deshalb klopfte sie leise an seine Bürotür.
Nach ein paar Sekunden, in denen sie wartete, hätte sie sich fast für ihr Unvermögen geohrfeigt. In letzter Sekunde eben hatte sie noch ihren Zauberstab gegriffen und zog ihn jetzt hervor, um ihrer Bluse einen weiteren, magischen Knopf anzufügen. Diesmal reichte die Sekunde nicht mehr, denn er öffnete die Tür und seine Augen blickten sie mit Überraschung und...noch etwas anderem an. War es...Erleichterung? Freude? Sie konnte es nicht einordnen, bis sie ihn hörte.
„Du bist da.", sagte er schlicht und deutete ihr, einzutreten. Er hatte nur ein anthrazitfarbenes Shirt an und eine schwarze Hose und schaute ihr hinterher. Ob sie noch auf gewesen war?
„Hat dich jemand gesehen?"
„Natürlich nicht.", sagte sie mit einem vorwurfsvollen Unterton und dachte: ‚Gesehen? Ne, Ginny hat mich im Prinzip nur geduscht, mich angezogen und aus der Tür rausgeschubst, aber sonst...'
„Tja, da bin ich, wie du wolltest."
„Ich...danke dir."
„Und?"
„Letzte Nacht habe ich mir so meine Gedanken gemacht... Vielleicht hab ich es nicht gut genug formuliert."
„Was meinst du?"
„Meine Entschuldigung. Ich möchte dir nochmal erklären, wie leid..."
„Ich habe alles verstanden."
Severus sah sie zum erstenmal richtig an – mit einer Mischung aus Erstaunen und Angst.
Sie bemerkte sein Zögern und machte heute ihrerseits ein Schritt auf ihn zu.
„Glaub mir, ich habe dir zugehört und...ich verstehe dich. Vielleicht nicht komplett, aber mir wäre es ähnlich gegangen."
Sein Erstaunen wurde größer und dann konnte sie noch etwas anderes in seinen Augen sehen. Die Härte war fast vollständig verschwunden und war der Hoffnung gewichen. In dem Moment wusste sie, dass er es wirklich so gemeint hatte, wie er gesagt hatte am Abend zuvor. Das war die letzte Gewissheit, die ihr noch gefehlt hatte.
Er stand nur vor ihr, mit hängenden Schultern und völlig bewegungslos. Auf keinen Fall würde er ihr zu nahe kommen wollen – nicht bevor die unausgesprochene Frage noch im Raum stand und nicht, wenn sie es nicht wollte.
Und dann stellte sie sich auf Zehenspitzen, um ihm ein Kuss auf die Wange zu geben und nahm gleichzeitig seine Hand. In dem Moment wollte sie die ganzen Wochen vergessen. Wenigstens in dem Moment. Mit der anderen Hand umschlang sie seinen Hals, wodurch er dem nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Ihre Lippen trafen sich und lösten sich erst wieder nach Minuten, in denen sich ihre Zungen mit einer Leidenschaft begegneten, als wären sie jahrelang getrennt gewesen.
Es kostete ihn alle Kraft, um sich von ihr zu lösen und etwas Abstand zu ihr zu gewinnen. Sein Verstand musste das klären, hier und jetzt, nur sein Körper hatte eigentlich etwas dagegen.
„Hermione, das ist noch etwas anderes, was wir klären müssen."
„Was gibt es denn noch? Du hast alles gesagt, glaub mir, Severus, und ich weiß, dass du es ehrlich meinst. Mehr zählt nicht mehr. Nicht in diesem Moment.", erklärte sie atemlos.
„Für mich...ich muss erst noch etwas...wir müssen...erst..."
„Reden? Noch mehr? Jetzt?"
„Ja."
„Es ändert nichts mehr – du kannst nichts mehr rückgängig machen." Langsam wurde sie ungeduldig... Nein, ihr Körper wurde ungeduldig.
„Das ist es ja, Hermione."
„Du hast die ganze Zeit auch nicht reden wollen, nicht wahr?"
Damit hoffte sie, ihm die Redseligkeit – zumindest für einen Augenblick – nehmen zu können. Sie wollte etwas anderes. Sie wollte ihn. Sie brauchte ihn. Ihr Körper brauchte ihn und sie konnte sich nicht erklären warum, denn sie war wochenlang wegen ihm durch die Hölle gegangen und zwischendurch stinksauer gewesen. Und ausgerechnet jetzt schaltete sich ihr Verstand komplett ab und sie fühlte nur noch... Sie konnte es nicht fassen, dass sie so auf ihn reagierte.
Mit zwei Schritten war sie wieder bei ihm und kam ihm gefährlich nahe. Gefährlich für ihn.
„Stimmt doch.", bekräftigte sie ihre Frage und hauchte ihm erneut einen Kuss auf die Lippen.
„Ja, aber..."
„Schhht.", machte sie. „Nicht jetzt. Nicht mehr."
Wieder fanden sie sich an die Wand gepresst und küssend wieder. Hermione zog ihm das Shirt über den Kopf und er ließ es zu, während er die Knöpfe ihrer Bluse öffnete und aufkeuchte, als er sah, was sie drunter trug. Sofort hatte er wieder die Bilder aus den Ferien im Kopf, in denen die Wäsche eine nicht ganz unwichtige Rolle gespielt hatte.
Suchend ließ sie ihren Blick durch sein Büro schweifen und fand leider nichts, auf dem sie Ganze hätten...bequemer gestalten können. Als hätte er ihre Gedanken gelesen, griff er nach seinem Zauberstab, den er hinten im Hosenbund stecken hatte und verwandelte seinen Sessel in eine Couch. Das musste reichen.
Hermione schob ihn in Richtung Couch und zog im Gehen ihre Schuhe aus. Dort angekommen, nestelte sie an seiner Hose und als es ihnen zu lang dauerte, erledigte der Zauberstab den Rest. Noch nie in ihrem Leben hatte sie derartige Gefühle gehabt und sie konnte es immer noch nicht fassen. Hätte sie den Mut gehabt, es so auszudrücken, wie manche ihrer Mitschülerinnen es taten, wäre es treffender gewesen. So konnte sie an nichts anderes mehr denken, außer an ihr Verlangen, dass er sie sich schlicht und einfach hier und jetzt und unbedingt sofort...nehmen sollte.
Vorhin hatte sie schon gespürt, dass mindestens sein Körper die gleichen Empfindungen hatte. Sie legte sich hin und zog ihn mit sich und als er anfangen wollte, ganz sanft und fast zurückhaltend ihre Brüste zu küssen, umklammerte sie mit beiden Händen fest seinen Po und drängte ihn in die einzig richtige Richtung.
„Hermione...bitte...nein...dann..."
„Ja eben."
„Du verstehst nicht...", keuchte er.
Warum war es jetzt nach nur drei Wochen so schwer, wenn er früher Monate oder noch länger dazwischen hatte...warten können? Lag es nur an ihr oder daran, dass sie beide wirklich mehr füreinander empfanden? Die Antwort musste erst einmal warten.
Mit einem weiteren festen Griff versuchte sie ihn wieder zu lenken, und als sie sich ihm zusätzlich entgegenbog und er ihre schon mehr als feuchte Mitte an seiner Spitze fühlte, war es mit der letzten Zurückhaltung dahin. Mit einem festen Stoß brachte er sich in sie und hätte am liebsten aufgeschrien vor Leidenschaft. Sofort unterbrach er seine Aktion, was ihr ein Laut der Entrüstung abrang und ihm ein bisschen Zeit verschaffte. Erneut bewegte sie sich unter ihm und versuchte, einen Rhythmus zu bestimmen.
Mit geschlossenen Augen und abgehackten Worten versuchte er, sich dagegen zu wehren, schaffte es aber nicht.
„Hermione...du musst...das...lassen...sonst..."
„Geht...nicht... bitte..."
„Dann..."
„Jaaaaah...eben..."
Vermutlich würde er spätestens morgen früh die Kratzer und Striemen sehen können, die sie auf seinem Rücken und vor allem seinem Po hinterließ.
Durch den Druck, den er unter ihren Händen spürte, und ihr...Entgegenkommen, fiel endgültig sein Widerstand. Er erhöhte sein Tempo und biss sich auf die Lippen, um den letzten kleinen Rest Kontrolle zu behalten...der nach ein paar weiteren Stößen dahin war. Keine zwei Minuten später wurde ihr Griff fast schmerzhaft und er hörte, dass sie nur mit allergrößter Mühe einen lauten Schrei unterdrückte. Kurz öffnete er ungläubig seine Augen, doch im selben Moment spürte er ihre Kontraktionen so heftig, dass er ihr folgte und sich mit der nächsten Bewegung in sie ergoss.
Schwer atmend von diesem schnellen...Intermezzo rollte er sich neben sie und starrte an die Decke. Das hätte nicht passieren sollen, aber es war offensichtlich unvermeidbar gewesen. Hätte sie ihn nur nicht geküsst und hätte sich auf diese Weise bewegt, hätte er sich vielleicht zurückhalten können. Scheinbar war es ihr genauso gegangen wie ihm und es war geschehen.
Kaum dass er sich halbwegs erholt hatte, drängten sich die Zweifel wieder auf.
Wie gut jetzt ein Legilimens wäre, dann hätte er einige Probleme weniger.
„Hermione...", begann er, immer noch atemlos.
„Ja?", stöhnte sie und zog ihn nochmal zu sich für einen Kuss. „Doch reden?"
„Unbedingt." Er musste es wissen. Am besten geradeheraus.
„Bist du..."
„Was?"
Er konnte das einfach nicht. Was hatte er in seinem Leben schon alles über die Lippen gebracht, aber das?
„Kann es vielleicht sein, dass du..."
„Ein ganzer Satz würde mir vielleicht bei der Antwortsuche helfen."
Severus fluchte innerlich. Das konnte doch nicht so schwer sein, verdammt. ‚Wer bin ich denn', dachte er nur.
„Geht es dir immer noch so...schlecht wie in letzter Zeit?"
„Schlecht?"
„Ja...ich meine...körperlich?"
„Körperlich?", frage sie mit großen Augen, bevor sich ihre Mundwinkel nach oben zogen.
„Ich dachte, du hättest gemerkt, dass es mir...körperlich...gerade ziemlich gut ging... Hast du nicht?"
Sie sprach nicht weiter, sondern drehte sich zu ihm, legte ein Bein über seins und küsste ihn wieder. Währenddessen ließ sie ihr Knie etwas weiter höher wandern und kam seiner empfindlichen Stelle...empfindlich nahe.
‚Nein, nein, nein', schrie alles in ihm.
Mit größter Beherrschung versuchte er, so sachlich wie möglich zu klingen und weiterzufragen.
„Ähm...doch. Das habe ich bemerkt. Was ich wissen wollte... Wird dir immer noch übel?"
„Hmm. Am Wochenende zweimal wieder. Dann hast du es also doch mitbekommen?", fragte sie, nicht ohne einen ganz leicht sarkastischen Unterton mitschwingen zu lassen.
Oh beim großen Merlin. Was sollte das bedeuten? Hatte er recht? War es so? Sie musste es also auch gemerkt haben.
„Aber das lag sicher an der Pizza."
„Pizza?"
„Ich hab nicht sehr viel gegessen in letzter Zeit und dann hatte ich doch mal Hunger und hab wohl zuviel gehabt. Sonst wüsste ich nicht, warum. Naja, außer dem Grund, den du wohl selbst am besten kennst.", sagte sie vorwurfsvoll und dachte, welcher Frau es wohl nicht so gehen würde, wenn ein Mann sie so behandelt hatte wie er sie in den letzten Wochen.
Severus war nun vollkommen verunsichert, und das musste schon etwas heißen. Wollte sie ihm gerade sagen, dass er es ja schon wissen müsste? Sein schlimmster Alptraum begann sich gerade als wahr herauszustellen. Das durfte nicht wahr sein! Ja, er hatte in letzter Zeit über Kinder nachgedacht... Im Allgemeinen, im Bezug auf die Vergangenheit, relativ neutral – aber nicht mit ihr und vor allem nicht jetzt. Das könnte ihm seinen Job kosten und einen Aufenthalt in Azkaban einbringen, wenn es herauskäme.
„Ja...der Grund. Ich...ich...habe es befürchtet.", flüsterte er und schüttelte langsam mit dem Kopf, den er unter einem Arm verstecken wollte.
„Könntest du dich mal erklären?"
„Was gibt es da noch zu erklären?"
„Du sagst befürchtet, obwohl du selber schuld bist? Dann sag lieber gar nichts...oder frag nicht. Vor allem nicht jetzt."
Er sprang auf, zog sich seine Boxershorts an und lief im Büro umher.
„Ja verdammt, ich bin schuld, ich hätte mich nicht darauf verlassen dürfen... und so ein Fehler passiert mir. Ein Spruch und alles wäre...zumindest sicherer gewesen...ich..."
„Drück dich klar aus. Ich weiß echt nicht mehr, wovon du redest. Ein Spruch, und es wäre sicherer gewesen, dass du mich nicht so behandelt hättest? Den kenne ich noch nicht."
„Behandelt? Das Wort habe ich in dem Zusammenhang noch nie gehört..."
„Ich wüsste nicht, wie ich das sonst beschreiben sollte."
„Wenn du das meinst. Was sollen wir jetzt machen?"
Am liebsten hätte er irgendetwas in die Luft gejagt oder sonst was, bis ihm der Whisky einfiel. Den könnte er jetzt gut gebrauchen. Mit einem Accio zauberte er sich die Flasche herbei, nur um gleich darauf festzustellen, dass nichts als zwei kleine Tropfen mehr vorhanden waren. Wütend stellte er sie wieder zurück. Er hatte am Sonntag einiges davon getrunken – zwei Gläser während des Besuchs von Mrs. Tenerhale und drei nach ihrem Besuch. Die waren lebenswichtig gewesen! Außerdem hatte sie erstaunlicherweise selbst anderthalb Gläser des starken Alkohols geleert. Was für eine Frau...
Auf Cognac hatte er keine Lust, also blieb die Flasche Rotwein, die auf einem kleinen, ovalen Tischchen neben seinem Schreibtisch stand. Gut, dass Rotweingläser sowieso die größten waren, wovon er sich eines fast bis zum Rand füllte.
„Kann ich vielleicht auch ein Glas davon haben?"
„Das solltest du eher nicht..."
„Wieso nicht? Wir haben zu Hause auch zusammen ein Glas Wein getrunken, und nicht nur eins."
„Du weißt, dass das...nicht gut wäre in deinem...möglichen...Zustand."
„In meinem ZUSTAND? Mein Zustand war bis gerade ziemlich entspannt und beginnt gerade ziemlich nervös zu werden, weil ich nicht weiß, wovon du redest. Und da wird mir jeder zustimmen, dass da Alkohol ziemlich hilfreich ist... Also bekomme ich nun etwas oder soll ich mir es selber holen? DANKE!"
Er wandte sich ab, weil er erst einmal einen klaren Kopf bekommen musste. Wenn sie so darauf bestand, ein Glas mitzutrinken, konnte sie nicht schwanger sein. Denn jeder wusste, jede Frau wusste, dass das nicht nur nicht gut, sondern auch gefährlich für das Kind war. Da war sie auf keinen Fall eine Ausnahme. Wenn sie es wäre, würde sie alles darüber wissen, wenn nicht sowieso schon. Konnte das die Lösung seines Problems sein? Warum war er nicht darauf gekommen? Am liebsten hätte er sich selbst in den Allerwertesten getreten. Sollte er wirklich solch ein Glück haben?
Wenn er es sich recht überlegte, hatte er sich das ganze Problem selbst aufgehalst, und zwar mal wieder nur in seinem Kopf. Und sie würde ihm, wenn sie es jemals rausfände, wieder an den Kopf werfen, warum er nicht einfach nur gefragt hätte. Es war aber eben nicht einfach, und schon gar nicht für ihn.
Er füllte das Glas zur Hälfte, ging zu ihr und reichte es ihr. Wenn sie wirklicht trinken würde, wäre sein Problem gelöst, ohne dass er es hatte aussprechen müssen.
Sie nahm das Glas, schwenkte den Wein kurz hin und her und trank ihn in einem Zug aus.
‚Soviel zum Thema Schwangerschaft', dachte er und hätte sich am liebsten selbst ein Nachsitzen verpasst, oder einen der Unverzeihlichen. Die Nerven, die er deswegen in den letzten Tagen verloren hatte, würde das auch nicht wiederbringen.
Am besten sollte er versuchen, das Ganze unter dem Oberbegriff Erfahrung abzuhaken und daraus zu lernen. Jeder Wissenschaftler lernte zuerst, nachzufragen, alles logisch zu durchdenken und erst dann eine These aufzustellen. Er hatte gleich das Endergebnis in seinem Kopf gehabt, das ihm nicht nur Magenschmerzen bereitet hatte. Nun, dann hatte er sich wohl – mal wieder – wie ein Schuljunge benommen. Ein Desaster hatte ja nicht gereicht.
„Raus mit der Sprache!", sagte sie mit fester Stimme und holte ihn aus seinen Gedanken. „Was um alles in der Welt hast du sagen wollen? Ich verstehe es immer noch nicht!"
In dem Moment wusste er, dass sie ihn hatte und dass sie nicht locker lassen würde. Eine Eigenschaft, die scheinbar in der Familie lag.
„Ich wollte wissen... Ich meinte... Bist du schwanger?"
Inmitten eines Atemzugs blieb Hermione der Mund offen stehen.
„Wie bitte? WAS? Wie kommst du darauf?"
„Weil dir offenbar so oft übel geworden ist und..."
Langsam schüttelte Hermione den Kopf hin und her.
Auf diesen Gedanken wäre sie selbst nie gekommen...
tbc
