A/N:
Ihr Lieben!
Verzeiht mir, dass ich nicht wie gewohnt am Wochenende ein neues Kapitel hochgeladen habe, sondern erst jetzt.
Mein Papa ist plötzlich ins Krankenhaus gekommen, wo ich jeden Tag viele Kilometer hinfahre, und den Rest der Zeit muss ich mich um Mum kümmern, die sich schon ein paar Jahre nicht mehr komplett allein versorgen kann.
Trotzdem wollte ich weiterschreiben und hab mein kleines Laptop hin und wieder mitgenommen. Ich hoffe, ich hab nicht das komplette Kapitel in den Sand gesetzt…wenn doch, sagt es mir ruhig, das muss sein und ich kann das vertragen ;o)
Ich hoffe, dass ich das nächste Kapitel dann wieder an einem Wochenende (dem übernächsten) hochladen kann, dann hätte ich wieder eineinhalb Wochen Zeit. Wenn nicht, seid mir bitte nicht allzu böse… *liebguck* Weitergehen wird es immer!
Ich knuddel euch mal alle und sage danke! Antworten kommen auch immer von mir, nur kann es mit Verspätung sein. Bitte verzeiht mir auch das.
VLG KeyMagic
P.S: Ein besonders herzlicher Knuddler geht an Kaddi, die sich so viele Sorgen gemacht hat, obwohl es ihr selbst nicht so gut geht und die mich storytechnisch vor einem groben „Sev-nein-so-ist-er-nicht-Fehler" bewahrt hat. Deshalb hier und ganz offiziell: Danke ganz ganz lieb für alles!
*Green Day: „Panic Song"* (für das ganze Kapitel)
Kapitel 32
Sie schüttelte immer noch den Kopf. „WAS meinst du?"
„Du hast mich verstanden."
„Schwanger! Jaaah…hmm…"
Sie tat, was man von ihr erwartete. Zuerst zog sie die Stirn kraus, dann verschränkte sie die Arme und fing bald an, auf ihrer Unterklippe zu kauen. Tief in Gedanken zog sie sich Slip und BH an, setzte sich wieder auf die immer noch verwandelte Couch und zog die Beine zu sich heran.
Sie dachte lange und gründlich nach, wägte das ein oder andere Argument ab, natürlich und zuallererst auch das, was ihn hatte zu dieser Vermutung kommen lassen, verglich ihr Wissen mit den Fakten, die bis dahin nur ihr aus erster Hand zur Verfügung standen und war für eine – für ihn – gefühlte Ewigkeit damit beschäftigt.
Severus beobachtete sie währenddessen und vergaß sogar, sich noch ein Glas Rotwein einzugießen, was ihm gewiss geholfen hätte. Zu seinem sehr bewussten Leidwesen sah er sie gerade nicht als wirklich verführerische Hermione in einem Hauch von nachtblauer Spitze, sondern fast ging es ihm wie ihr. Die Panik der letzten Tage kam immer mehr an die Oberfläche und stand kurz vor dem Ausbruch. Erst wurde er kalkweiß und dann kam die Übelkeit.
Vor seinem geistigen Auge sah er alptraumhafte Szenen. Er sah sich schon nach einem neuen Job suchen, stand auf der Anklagebank – zuerst bei Minerva, dann bei Hermiones Eltern, die er nicht einmal richtig kannte – und zu allem Überfluss sah er, wie sich Mrs. Tenerhale an irgendeinem Tag im Februar ihr Geschenk auf den Arm nahm, es an sich drückte und herzte, während sie ihn ganz nebenbei fragte, ob er Hermione schon einen Heiratsantrag gemacht hätte. Wenn nicht, sei dies ihr Wunsch spätestens zum nächsten Osterfest, weil's ja so passend und sie schon lange nicht mehr auf einer Hochzeit gewesen wäre. Dann kam ein anderes Bild und er sah Hermione mit einem leicht gerundeten Bauch auf dem Abschlussball in dem schwarzen Kleid, das er ihr gekauft und bisher nicht einmal geschenkt hatte, das sie aufgrund ihrer neuen, unvermeidbaren Figur bei Madam Malkin hatte ändern lassen müssen.
In dem Moment streckte Hermione ihre Beine auf der Couch aus und legte einen Arm über ihren Bauch. Vermutlich total unbewusst, aber taten das nicht schwangere Frauen automatisch? Ihr Blick verlor sich irgendwo im Nichts, dafür war seiner umso fokussierter, als er die kreisenden Bewegungen ihrer Hand verfolgte. Seine Übelkeit wuchs und ließ ein paar Schweißperlen mehr auf seiner Stirn erscheinen.
Als wenn das noch nicht genug gewesen sei, kamen ihm deutliche Bilder von einem Duell, zu dem ihn Potter und Weasley herausgefordert hatten – was die natürlich mit Sang und Klang verloren hatten (Potter hatte sich fünf Minuten länger gehalten) – und einer Miss Weasley, die ihm ständig zuzwinkerte und den Daumen nach oben streckte.
„Hmm…", machte Hermione, was ihn derartig zusammenzucken ließ, dass sie ihn mit mindestens drei Fragezeichen im Gesicht anschaute und unwillkürlich den Kopf schüttelte.
„Die These ist nicht von der Hand zu weisen.", eröffnete sie und Severus bekam einen Hustenanfall.
„Dein Argument ist durchaus plausibel, aber leider nur gestützt durch einen einzigen Fakt."
„Hermione…", krächzte er, „…das ist doch nicht dein Ernst, ich habe kein Referat von dir verlangt."
„Ich dachte, du siehst es nüchtern und bestehst auf eine wissenschaftliche Analyse, wie im Unterricht."
„Bist du wahnsinnig?", sagte er völlig verzweifelt und einer echten Panikattacke nahe.
Langsam merkte sie, dass er die Nerven verlor und das begann, Spaß zu machen.
„Komm zum Fazit, jetzt! Es ist mitten in der Nacht."
„Die Nächte haben dich bei der…eventuellen Produktion auch nicht gestört."
Den Laut, den er von sich gab, konnte man nicht genau bestimmen. Es klang ein bisschen nach Lupin, wenn er sein...kleines Problem bekam – ebenso klein sie seines gerade. Er nahm die Flasche und machte sich nicht erst die Mühe, den Wein in ein Glas zu füllen, sondern führte sie direkt zum Mund.
Hermione drehte sich weg, um ihr Grinsen zu verbergen.
„Trinken kann so etwas nicht rückgängig machen, wie du sicher weißt."
„Nein, aber man kann es kurz vergessen.", sagte er mit panischem Unterton.
„Solltest du nicht."
Er stöhnte vor sich hin und massierte sich die Schläfen. „Trinken oder vergessen?"
„Beides."
„Du willst mich quälen, oder? Ich weiß, wie ich zu dir war. Und es tut mir leid, Hermione. Das kannst du sicher immer noch nicht glauben, aber es ist so. Und das…", er deutete auf ihren noch nicht vorhandenen Bauch, „…war auch mein Fehler.", erklärte er immer leiser. „So etwas darf nicht und niemals passieren. Ich weiß gar nicht, wo ich meinen Kopf hatte."
„Oh…ich schon!"
Vermutlich hätte sein Gesicht einen Preis gewonnen, hätte man ein Foto davon veröffentlicht.
Trotz allen Schmerzes, den er ihr zugefügt hatte, fühlte sie sich gerade gut…wieder gut und ihrem Körper ging es sehr gut. Sie würde es irgendwann verarbeiten und abhaken können, wie sie hoffte…wie sie wollte. Er war ihr viel zu wichtig, um es nicht zu versuchen. Und das tat sie gerade, zumindest für ein paar Minuten. Der Mensch musste Spaß haben, auch in der größten Not, betonte ihre Oma hin und wieder, und die hatte recht.
Wie schon am Anfang begann er, im Raum umherzulaufen – lediglich in seiner Boxershorts bekleidet. Den Anblick würde sie nie im Leben wieder vergessen. Wäre jetzt alles anders, oder etwas anders, wäre sie ihm vielleicht gerne nachgelaufen und hätte ihn auf andere…Gedanken gebracht. Als er sich dann auch noch den Fuß an einem riesigen, ehernen Kerzenständer stieß, als er gerade die Augen hilfesuchend zur Decke gerichtet hatte, konnte sie nicht mehr.
Sie platzte vor Lachen und dass ließ ihn zum zweitenmal zusammenzucken.
„Das ist verdammt nicht witzig."
„Und ob es das ist…"
„Das ist verdammt ernst. Hermione, deine Zukunft… Wir müssen etwas unternehmen, wir müssen überlegen, wie es weitergeht."
Selten hatte sie von ihm solche Ausdrücke gehört. Eigentlich nie.
„Mit meiner Zukunft ist alles klar…naja, so ziemlich. Ist ja nicht so, als sei ich schwanger."
„Wir können deine Zukunft nicht so leichtfertig aufs Spiel setzten, und ein Kind… WAS? WAS hast du gesagt?"
„Dass alles klar ist mit meiner Zukunft…"
„Du bist nicht schwanger?"
„Nein! Habe ich das je behauptet?"
Severus ließ sich neben ihr auf die Couch fallen, legte den Kopf zurück und streckte die Beine von sich.
Irgendwie…nein, nicht nur irgendwie, er war so richtig sexy, wie er da saß. Wie schön wäre es gewesen, wenn…
„Du hast auch nicht das Gegenteil behauptet.", stöhnte er mit langgezogenen Silben.
„Dann muss ich mal klarstellen, dass ich nach deiner Frage angefangen habe nachzudenken – wie du es immer von uns verlangst – die Fakten zu prüfen und versucht darauf zu kommen, wie um alles in der Welt du darauf gekommen bist. Außer meiner Übelkeit hast du ja nichts weiter zu bieten gehabt."
„Ich zeige dir gleich, was ich noch zu bieten habe, wenn du mitten in der Nacht wissenschaftlich arbeiten willst."
„Hmm…du würdest mich durchaus zu einer Wiederholung überreden können, denn gegen eine noch etwas ausführlichere…Feldstudie zu dem, was du bisher geboten hast…"
Severus verschränkte die Arme vor der Brust und verzog den Mund.
„Ich meinte meine Bücher."
„Oh die…die kann ich doch hier sehen."
„Das sind bei Weitem nicht alle."
„Dann war es eine…leere Drohung?"
„Hermione, es ist wichtig. Bist du dir sicher?"
Eigentlich hätte sie das Spielchen noch gerne weitergeführt, man musste nur wissen – vor allem bei ihm – wann es genug war.
„Ich bin mir sicher. Übelkeit ist nicht nur dafür ein Symptom."
„Weiß ich. Man kommt eben…auf solche Gedanken, wenn…"
„Verstehe."
„Also sicher? Wie?"
„Wie sicher?", gähnte sie. Es war eine Sache, mit ihm diverser…Beschäftigungen nachzugehen, aber eine andere, darüber zu reden und schon gar nicht über noch andere Dinge – mit ihm! Dass es für ihn genauso schwer war, konnte sie sich vorstellen, und natürlich musste es wirklich geklärt werden. Nur dass sie dazu keine Lust hatte und nicht mehr nachdenken wollte.
Hermione hätte beinahe mit den Augen gerollt, wenn es nicht…Snape gewesen wäre, mit dem sie hier über Frauenangelegenheiten sprach.
„Es war alles…im pünktlichen Rahmen, verstehst du? Erste Ferienwoche, letzte Woche. Auf einen Tag mehr oder weniger kommt es nicht an. Das ist dann…Stress oder…Ähnliches."
Während sie sprach, kam ein ganz kurzer Gedanke in ihren Kopf, den sie weder richtig bemerkte noch fassen konnte. Wie wenn man einen Blitz nur von Weitem aus dem Augenwinkel sieht oder wie ein Duft, den man als Kind schon einmal irgendwo eingeatmet hat. An diesem Abend – in dieser Nacht, war viel zu viel, nein, viel mehr passiert, als sie verarbeiten konnte. Da war es kein Wunder.
Ihm war die Erleichterung ins Gesicht geschrieben und die ganze Anspannung fiel von ihm ab.
„Bei Merlin.", konnte er nur noch sagen und Hermione traute sich daraufhin, sich auf die Couch zu knien und ihn zu küssen, bis ihr einfiel, was beim letztenmal auf solch einem Schauplatz dabei herausgekommen war. Zu ihrer Überraschung küsste er sie zurück, obwohl sie meinte, er wäre nicht ganz bei der Sache. Das änderte sich ein paar Küsse später, als er sie auf sich zog und mit einer Hand anfing, über den zarten Stoff ihres BHs zu gleiten.
„Hermione…"
„Ja?"
„Ich war…ich hätte besser nachdenken sollen."
„Kann ich schon verstehen…naja…irgendwie… Außerdem bist du ja nur ein Mann, der…"
„Vorsicht…"
„Du weißt ja gar nicht, was ich sagen wollte.", neckte sie ihn, glücklich darüber, dass er sich beinahe – zumindest für den Moment – wie in den Ferien benahm.
„Will ich gerade wirklich nicht wissen."
„Was willst du dann? Hm…warte, ich merke, was du willst."
„Tust du das?"
„Jaha."
„Dann sollten wir aufhören."
„Aufhören?"
„Ja, es wäre besser. Und du sollst nicht glauben, dass ich dich deshalb habe herkommen lassen."
„Das glaube ich nicht, denn vorhin hättest du merken müssen, dass ich nicht abgeneigt war."
„Habe ich…"
„Wenn das so ist!", meinte sie und verwickelte ihn in einen erneuten Kuss. Sie wollte für einen Moment – wieder – ihre restlichen Sorgen vergessen, und all das, was noch zwischen ihnen ungesagt geblieben war.
Es hätte ihm genügt, sie einfach nur festzuhalten, sie zu umarmen, ihre Nähe zu spüren, nur, dass sein Körper schon längst eine andere Sprache sprach. Er hob sie kurz an, um das, was ihn verraten hatte, aus seiner Shorts zu befreien. Dann zog er einfach ihren Slip beiseite und setzte sie langsam wieder ab. Beide keuchten auf, weil sie diesmal ganz bewusst den jeweils anderen spürten und sie klammerten sich aneinander, als wenn sie Angst hätten, sich wieder loslassen zu müssen. Wieder dauerte es nicht lang, bis sie beide ihre Erlösung fanden und verharrten danach noch für eine ganze Weile so nah beieinander.
Fast vier Wochen der Trennung schienen doch eine lange, eine zu lange Zeit zu sein, wenn man sich erst frisch kennen gelernt hatte.
„Es wäre besser, wenn du den Rest der Nacht in deinem Turm verbringst, und verstehe mich bitte nicht falsch."
Sie nahm es zur Kenntnis. „Wie soll es weitergehen?", fragte sie daraufhin unvermittelt.
Severus schwieg eine Weile. „Es ist nicht einfach, Hermione, im Gegenteil. Ich bin nicht einfach, wie du schon merken musstest."
„Machst du jetzt mit mir Schluss? Dann hättest du doch die Wahrheit gesagt…und es nur…ausgenutzt." Sie wusste gar nicht, wie die Worte aus ihr herauskamen. Es passierte einfach.
Wieder Schweigen. „Nein, nein,…ich…möchte dir nur nicht mehr weh tun.", flüsterte er, als wenn er hoffte, es damit einfacher machen zu können.
„Ich glaube, noch mehr weh tun als in den letzten Wochen kannst du mir nicht mehr."
Diesmal zeigte sein Schweigen, dass er ihre Worte so schnell nicht wieder vergessen würde. Beinahe konnte man seinen Schmerz fühlen.
„Das will ich nicht, das wollte ich niemals, aber…ich kann…"
Hermione legte ihm einen Finger auf den Mund. „Nein, das will ich nicht hören. Ich will nur wissen, ob du mich wiedersehen willst. Nur Ehrlichkeit, sonst nichts."
„Ich will dich wiedersehen – und dass du, dass wir vorsichtig sein müssen…"
„…brauchst du mir nicht erklären."
„Nein."
„Dann…"
„Bis morgen. Nein, heute, Unterricht am Abend, Hermione."
„Ja…dann..."
Einen Moment zögerte sie noch, doch als er nichts weiter sagte und leider auch nichts tat, ging sie zur Tür und öffnete sie vorsichtig.
„Hermione", sagte er leise und legte eine Hand auf ihre Schulter. Sie schien ein bisschen traurig zu sein, obwohl alles relativ – für seine, für ihre Verhältnisse – gut, und in einigen Momenten auch sehr gut gelaufen war.
„Ja?"
Er drehte sie leicht zu sich herum und küsste sie auf den Mund. „Schlaf gut."
„Du auch…und…danke."
„Wofür?"
„Dass ich kommen durfte…äh…dass du mir eine Eule geschickt hast. War das eine Schuleule?", lenkte sie schnell ab.
„Nein, das war meine."
„Wirklich?"
„Sonst würde ich es nicht sagen."
„Seit wann…"
„Bitte geh jetzt, wir sollten nicht vor der offenen Tür sprechen."
„In Ordnung."
*Eric Carmen: „All By Myself"*
Nicht zum erstenmal lehnte sich Severus von innen an die geschlossene Tür. Und wieder hatte er nicht über seinen Schatten springen können, um ehrlich zu sagen, was er wollte. Dass er sie wiedersehen wollte, und zwar außerhalb des Unterrichts, dass er eigentlich keine Woche, keinen Tag mehr ohne sie verbringen wollte.
Sie konnte ihre Gefühle gar nicht einordnen, als sie den langen Weg hinauf zum Turm ging. Ihr Bauch kribbelte und es war ein Wahnsinnsgefühl gewesen, endlich wieder mit ihm zusammen zu sein – und damit meinte sie nicht nur ihr kurzes und schnelles Intermezzo auf der verzauberten Couch. Die beiden. Dieser Kuss am Ende gab ihr ein wenig Zuversicht, dass es wirklich weitergehen würde mit ihnen.
Auf der anderen Seite hatte er so gezögert, so wenige Worte verloren, sie nicht zu sich in seine Wohnung mitgenommen. Das war noch nicht alles. Sie hatte ihn nicht gleich darauf ansprechen wollen, um den Moment, der von ihm gekommen war, nicht kaputtzumachen. Es tat ihr immer noch so sehr weh, dass er ihr ihren Raum weggenommen hatte. Diesen traumhaften Rückzugsort, den er ihr geschenkt hatte, den sie so sehr gebraucht hatte und wieder brauchen könnte und an den eine so schöne Erinnerung haftete. Eine Erinnerung an diesen außergewöhnlichen Nachmittag, an die Ferien, für die er sich bedankt hatte, und damit an die Zeit, in der sie ihm zur Seite gestanden hatte und ihn wirklich langsam aber sicher lieben gelernt hatte.
Irgendwann würde sie ihn darauf ansprechen müssen, und zwar bald, denn das nagte sehr an ihr und sie fühlte sich nicht wirklich wohl in ihrer Haut. Ja, er hatte gesagt, er wolle sie wiedersehen, aber das hatte er am letzten Ferientag auch gesagt. Gut, da war Sam dazwischengekommen, die personifizierte Katastrophe, aber bei einem Mann wie Severus musste man mit allem rechnen. Wieso hatte er den Raum nicht versiegelt oder ein anderes Passwort kreiert? Das waren keine Dinge, die jemand wie er vergessen würde. Oder war es pure Absicht, dass es ihr noch mehr wehtun sollte? Eigentlich konnte und wollte sie das nicht glauben – nicht mehr. Ohne ihn zu fragen, würde sie dazu keine Antworten finden.
Ein anderes Problem – ein weitaus kleineres – waren die Jungs. Seit ihrer Rückkehr am Tag zuvor hatte sie immer noch kaum ein Wort mit ihnen gesprochen und Ron verhielt sich ziemlich komisch. Wenn er was fragen wollte oder sonst irgendwas, sollte er es doch einfach tun, wie sonst auch immer. Gut, dass wenigstens Ginny da war und dass sie mit ihr reden konnte. Sie hatte recht, wenn sie sagte, dass es nur gut für sie beide – oder sie drei – sein konnte, dass sie den zweiten Obliviate in letzter Sekunde noch verhindert hatte.
Mit dem Kopf voller Gedanken schlich sie so leise wie möglich in ihr Zimmer, um ihre beste Freundin nicht zu wecken, die mit Sicherheit nicht in ihr eigenes zurückgegangen war. Hermione hätte alles darauf verwettet, dass Ginny hatte wach bleiben wollen und dann eingeschlafen ist. So war es auch – fast. Kaum hatte sie ihre Sachen ausgezogen, sie auf einen Haufen geworfen, sich das Nachthemd übergezogen und unter die Bettdecke gekuschelt, ging es los.
„Dann fang mal an.", brabbelte Ginny von irgendwo weiter rechts, dass sich Hermione so richtig erschreckte.
„Was? Ich dachte, du schläfst."
„Tu ich auch. Wie spät ist es?"
„Gleich drei."
„Du bist gegen elf gegangen."
„Weiß ich. Bist du aufgewacht, um mir das zu sagen?", grinste Hermione in die Dunkelheit und gähnte.
„Du riechst wie sein Shirt."
„Was? Das darf doch nicht…"
„Keine…Panik. Kommt dir doch sonst keiner so nah wie ich… Ähhm, oh…", gähnte Ginny unter der Decke."
„Warst du nicht am schlafen?"
„Bin ich doooch. Du warst vier Stunden weg…"
„Hm… Du kannst noch rechnen, das bedeutet…"
„…Hahaa…dass ihr geredet habt!", vervollständigte Ginny den Satz und setzte sich so plötzlich aufrecht hin, dass Hermione vor Schreck ebenfalls hochfuhr.
„So, dann lass mal die Einzelheiten eures Gesprächs verlauten."
„Es ist mitten in der Nacht."
„Glaube nicht, dass ihr darüber geredet habt, dass es schon spät ist. Also?"
„Er hat sich nochmal entschuldigt, später hab ich gefragt, als ich ging, ob wir uns…"
„Moooment mal. Nicht so schnell mit den jungen Thestralen. WIE hat er sich entschuldigt, erstens, und zweitens: WIE als du gingst? Und die Stunden dazwischen, hm?"
„Ganz normal hat er das, Ginny, dass es schwer wird, dass er mich nicht verletzen wollte und in Zukunft nicht will, aber dass es nicht leicht wird mit ihm, was ja klar ist, dass er mich wiedersehen will und mehr weiß ich darüber echt auch nicht."
„Aha, und die drei Sätze haben vier Stunden gedauert? Klar doch. Wie sieht seine Wohnung aus? Ich bin ganz neugierig."
Hermione seufzte zur Decke. „Das bin ich auch."
„Was? Du warst nicht bei ihm?"
„Nein."
Ginny schaltete recht schnell und fand alles Mögliche. „Weißt du, die Eule kam ja auch echt überraschend. Vielleicht hat er sich selbst überrascht. Das scheint mir die beste Erklärung zu sein. Überrumpeln wollte er dich sicher auch nicht so spät. Vielleicht hat er gedacht, dass du dann denkst, er wolle nur…naja…wenn er dich zu sich holt. Oder er hat einfach nicht aufgeräumt…obwohl…kann ich mir bei ihm gar nicht vorstellen. Die nächste Möglichkeit wäre, dass er ein romantisches Essen oder so plant, wenn du das erstemal kommst… ähm, bei ihm bist. Oder…nein, ich denke, erstere sind die besten Erklärungen."
Hermione dachte nach und konnte nicht anders als ihr beizupflichten. „Ich hoffe es."
„Ja, gut, dann habt ihr schön geredet und…na los, erzähl schon."
„Ach Ginny, ich weiß auch nicht so recht. Viel hat er nicht gesagt und es ist immer noch nicht alles geklärt."
„Du klingst ein bisschen traurig und irgendwie auch nicht."
„Ich weiß nicht. Wir haben recht lang auf der Couch gesessen, er hat noch Wein geholt und wir haben einen Schluck…"
„Stop."
„Endlich. Dann gute Nacht, …"
„Ne ne ne, so nicht. In seinem Büro steht keine Couch."
„Nicht?", fragte Hermione scheinheilig.
„Nein, jeder musste schon einmal nachsitzen und da steht keine. Du kommst nicht drum herum, Süße. Nicht, wenn ich extra meinen Schönheitsschlaf unterbreche."
„Er hat nur einen Sessel umgewandelt. Wäre doch blöd gewesen – er hinter seinem Schreibtisch und ich…"
„…auf dem Schreibtisch… wäre gar nicht so blöd, wenn ich's mir recht überlege."
„Ginnyyy…"
„Was denn? Träumen kann man ja mal?", hauchte Ginny, während sie ein paar Kerzen anzündete.
„Wie jetzt, du träumst von sowas?"
„Ach, mal liest halt mal was und denkt dann… Bei uns…man traut sich doch nichts wenn es alles so neu ist. Deshalb will ich ja was lernen. Los! Vielleicht kann ich ja Harry mal ein paar Tipps geben, wie…"
Hermione verschluckte sich beim Atmen und hustete sich die Seele aus dem Leib. Danach mussten sie sich nur angucken, hatten den gleichen Gedanken und bekamen einen Lachanfall.
„Denkst du das Gleiche wie ich?", kicherte Ginny. „Wenn Harry dann wüsste, von wem... Ich kann nicht mehr. Lässt er sich denn was einfallen oder ist es…"
„Das fragst du doch jetzt nicht wirklich, oder?"
„Na was? Versetz dich doch mal in meine…in aller Welts Lage. Was wissen wir schon über ihn? Wir kennen nur die wehenden Roben und nicht, was drunter ist."
„Ginny!"
„Hast du dich das nie gefragt? Man weiß doch nicht mal, was er…ne, man weiß einfach gar nichts. Und da er jetzt dein Lover ist…"
„Ginny!"
„Maaan, ich weiß, wie ich heiße. Klappe. …dein Freund ist, will ich natürlich auch etwas wissen, am besten alles. Schließlich muss ich ja auf dich aufpassen…auf euch, oder? Also, was habt ihr zwischen dem Reden gemacht? Reden, wie ich immer noch hoffe?"
„Du hast nen Knall!", fasste Hermione zusammen und wurde leicht rot.
„Kerzenlicht – mein bester Einfall für heute. Das mit dem Duschen und dich anziehen war ja gestern. Du hast ne schöne Farbe, Süße, wie ich glaube zu sehen. Guck mich an, ihr habt geredet, was? ENDLICH, kann ich nur sagen. Ja? Dann kann der Abend doch gar nicht so schlecht gewesen sein."
„Jaaa, man, können wir dann schlafen?", fragte Hermione und musste doch ein bisschen grinsen.
„Was sagt ihr immer – Halleluja? Wie war's?"
„Als wenn ich dir erzähle, wie…"
„Sonst kann ich doch nicht beurteilen, wie man es einzuschätzen hat."
„Wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen, du hast verdammt tief ins Glas geschaut, Ginny, und wenn war das kein Kürbissaft."
„Ich hab dir gesagt, dass du mir Details schuldest, und nicht nur vom heutigen Abend. Da fehlen mir noch einige aus den Ferien! Hey, das ist alles nur, um ihn endlich aus einem anderen Blickwinkel sehen zu können. Versteh doch. Ich betreibe hier…Snapekunde! Snape in 10 Schritten! Wie sie einen Snape mögen lernen können!"
„Kann es sein dass du einfach nur hochgradig neugierig bist, meine liebste Freundin?"
„Ich? Ne, seit ich es weiß, will ich einfach nur alles wissen. Bevor du was sagst… Du liebst ihn, oder? Also interessiert er mich auch, weil ich dich auch gern hab. Deshalb will ich versuchen, ihn auch zu mögen, so wirklich, weißt du? Du musst mir helfen, und irgendwann mit Sicherheit auch uns allen helfen. Ich schaffe das fast jetzt schon. Ich glaub, ich sehe ihn schon mit zwei verschiedenen Augen. Einmal als deiner und sonst als Professor. Jaaa, das kann ich. Deshalb: Ich will wissen, ob er dich wieder glücklich gemacht hat…und es in Zukunft auch tut. Ok?"
„Jaaah, aber doch nicht mit Details."
Ginny wurde theatralisch, wahrscheinlich weil hochgradig müde.
„Details sind das Salz in der Suppe, Süße, das Sahnehäubchen, das Highlight in meinem tristen Leben, die Zusatzlektionen, die es zu…lernen gilt."
„Ich glaub das alles nicht, das ist ein böser Traum und ich erwache und dann ist wieder der erste Ferientag.", stöhnte Hermione und schlug Ginny mit einem Kissen, die dadurch nur umso heftiger lachte.
„Na, na, gewisse Dinge werden dich deutlich daran erinnern, dass es kein Traum war. Ich könnte auch einem von euch Veritaserum unterjubeln. Da stellen sich nur die Fragen, wie ich daran komme und bei wem von euch beiden es interessanter wäre. Kann mich kaum entscheiden."
„Gibt's die Chance, dass du heute noch aufhörst, ohne dass ich dir einen Stupor verpasse?"
„Nein! Wo denkst du hin? Je eher du redest, desto eher ist es vorbei!", sagte sie entrüstet, stand auf, zog die Decke glatt, schüttelte das Kissen auf und legte sich in perfekter Erwartungshaltung wieder hin.
Hermione stöhnte erneut und zog sich die Decke bis ans Kinn.
„Ja, wir haben geredet…", begann sie und verschwieg das schwierige Thema, das dem Gespräch zugrunde gelegen hatte, sonst würde sie kein Auge mehr zutun diese Nacht. Vermutlich würde Ginny es sowieso irgendwann herausfinden, durch welchen dummen Zufall auch immer. Aber eben irgendwann, und nicht jetzt. Sie konnte nicht ahnen, wie wahr ihre Gedanken bald würden.
„…und danach haben wir geredet, so wie du es betonst, und dann wieder geredet. Ja, es war schön, wieder mit ihm zusammen zu sein, und er hatte eine Hose und ein dunkles Shirt an und er hat mich zum Abschied geküsst und gesagt, er will mich wiedersehen…erst einmal zum Unterricht morgen – oh Wunder – und dann muss ich wohl genau wie du abwarten."
„Hmm…", machte Ginny nur und Hermione wunderte sich schon, während sie die Kerzen mit dem Zauberstab ausmachte.
„Snape im Shirt…allein das würde ich gerne mal sehen. Das ist total unvorstellbar. Ich kann's nicht, es klappt nicht. Du hattest ja mal seine Jeans – holla – aber mit ihm da drin? Sonst geht sowas doch, aber nicht bei ihm. Chance gleich null in echt, was?"
„Schätze ja."
„Was für ein Jammer, denn die Hose war nicht schlecht. Aber dann ist das andere doch auch klar. Er will es bestimmt irgendwie…planen oder vorher wissen, wenn du zu ihm kommst. Ist doch dann eine echte Steigerung…erst in deinem Zimmer, dann bei ihm im Büro, und dann im Allerheiligsten…"
„Ginny…"
„Wolltest du was ergänzen vielleicht?"
„Ginnyyy…"
„Das hört sich so an…", kicherte sie schon wieder. „…hmm…hattet ihr schon eine Steigerung? Oder hab ich was vergessen bei meiner Aufzählung? War es nicht dein Zimmer?"
„Drei Fragen, drei Antworten: Nicht unbedingt und vergessen nicht weil du es nicht weißt und doch, da auch."
„Moment, ich muss erst denken. … Du hast dich noch nie so unklar ausgedrückt. Was um alles in der Welt bedeutet nicht unbedingt, was weiß ich nicht, und WO bei Merlin noch? Ich kann sonst nicht mehr schlafen."
„Gibst du dann endlich Ruhe?"
„Für heute Nacht? Ja."
„Gut. Und wenn du das alles nicht mit in dein Grab nimmst, bist du vorher tot."
„Einverstanden."
„Da, wo wir noch…äh…waren, konnte ich nicht unbedingt als Steigerung sehen und ich werde nur über meine Leiche verraten, wo das war, und ansonsten – nein, nicht nur mein Zimmer, das Haus hat noch andere Räume."
„Ich krieg gleich Atemnot."
„Du solltest vielleicht mal bei Harry schlafen, was?"
„Was du nicht sagst."
„Ihr habt doch sicher längst alle rausgefunden, wie das mit der Treppe funktioniert, oder?"
„Jep. Lenk nicht ab."
„Es ist fast vier Uhr. Wir müssen in zweieinhalb Stunden wieder aufstehen."
„Drei. In drei Stunden."
„Lass uns schlafen, es wäre keine gute Idee, heute Abend bei ihm im Unterricht einzuschlafen."
„Oh nein auf keinen Fall! Ich muss doch alles mitkriegen. Überredet. Wir machen morgen weiter. Schlaf…guuut."
Ginny brachte Hermione gut durch den donnerstäglichen Schulalltag und versuchte zwischendurch immer wieder und meist vergeblich, noch mehr Details des nächtlichen Treffens herauszubekommen.
Als dann auch noch Snape tatsächlich zum Mittagessen erschien und dafür eine wirklich sehr an jemanden erinnernde hochgezogene Augenbraue von Professor McGonagall erntete, konnte sich Ginny ein breites Grinsen hinter vorgehaltener Hand nicht verkneifen. Auf andere Art vergeblich versuchte sie bei ihm etwas zu erkennen, was ihr weiterhelfen würde. Das war ein echtes Problem, denn außer dem Professor selbst und einer Menge schwarzen Stoffs konnte sie beim besten Willen keine interessanten Einzelheiten entdecken. Deshalb versuchte sie, sich ein Bild vorzustellen, wie er sein könnte. Das war schwerer als sie dachte und verschob das Unterfangen auf einen geeigneteren Zeitpunkt. Zum Beispiel auf die kommenden zwei Zaubertrank-Stunden. Harry guckte schon komisch, weil ihm nicht entgangen war, an wen sich der Blick seiner Freundin festgeheftet hatte.
„Meine Fresse, das ist doch unmöglich, dieser verd...".
„Ron, kannst du nicht leiser fluchen, Snape hat Ohren wie ein Luchs, daran hat sich nichts geändert", zischte Harry. „Tu wenigstens so, als ob du es versuchst."
„Ich kann nun mal nicht acht verschiedene Düfte unterscheiden, das können nur Frauen, was soll das ganze überhaupt?"
„Es ist ein wichtiger Trank, Ron, und es lässt sich nun mal nur so prüfen, ob man alles richtig gemacht hat."
„Boah, seit dem bist du wohl auf seiner Seite, was?", maulte Ron.
„Nein verdammt, wir sind erwachsen, wir haben überlebt, ich will Auror werden, also lass uns uns gefälligst auch so benehmen...lass es uns versuchen wenigstens...solange Hermione nur drei Wörter pro Tag mit uns redet oder einfach wieder abhauen sollte, haben wir eh keine andere Chance."
„Heute Morgen hat sie schon etwas mehr gesagt, hast du das nicht mitbekommen?"
„Still."
„Jaja, schon gut, ich versuch's ja, er ist trotzdem ein..."
„WAS wollten sie sagen, Mr. Weasley? Ich kann mich nur daran erinnern, sie alle zum Riechen aufgefordert zu haben, nicht zum Sprechen. Wollen sie gerne ganz allein nochmal von vorne beginnen? Nein? Oh ich bin sicher, mir würde noch etwas ganz anderes einfallen, wenn sie jetzt nicht den Mund halten."
Mit diesen Worten rauschte Snape zum Pult und donnerte: „Raus mit Ihnen, 20 Minuten an die frische Luft und seien sie ja pünktlich zur zweiten Stunde zurück, sonst gibt es für jeden 20 Punkte Abzug. Der Trank muss sich entfalten, und nach ihrer Rückkehr erwarte ich eine vollständige Analyse.
Harry und Ron konnten gar nicht schnell genug raus, aber sie hörten noch, wie Snape Hermione zurückrief. Sie drehten sich um, aber hatten keinen Mumm, sich einzumischen. Die vergangenen drei Höllenwochen steckten ihnen noch in den Knochen, obwohl alle merkten, dass es sich wieder etwas gebessert hatte. Warum konnte sich keiner erklären. Sie hatten eigentlich – und wohl fälschlich – gehofft, nach beinahe zwei guten Tagen hätte er sich wieder zum normal-miesen Snape geändert. Ihnen fiel genauso wenig ein, wofür er Hermione hätte anmeckern können. Sie hatte nichts gesagt, gar nichts.
Sie hatte nur stur in ihrem Kessel gerührt und schien weit weg vom Kerker. Was sie nicht wussten war, dass sie die ganze Zeit über seine Worte nachgedacht hatte, die er gestern Nacht gesagt hatte. Noch immer wurde sie nicht recht schlau daraus und er hatte nichts mehr erklärt – sie waren beide zu müde gewesen. Was wollte er wirklich?
„Ob ihm das plötzlich auf einmal nicht gepasst hat, dass sie...ach, der blöde..."
„Ach keine Ahnung, Ron. Ich weiß ja selbst nicht weiter. Man weiß echt nicht mehr, ob sein Verhalten am Dienstag nur das Auge des Sturms war, in dem es für ganz kurze Zeit mal ruhig ist. Also lieber nichts machen."
„Tjaaa, da hast du Recht – schätze, wir werden's nie erfahren – wenn sie doch nur wieder die Alte wär..."
„Am besten wir lassen sie, sie kommt schon wieder. Das war alles nicht so leicht und manchmal kommt alles erst später raus was man aufgestaut hat. Ginny kümmert sich um sie, das weiß ich. Komm, wir gehen zum See und atmen mal tief ein.", beendete Harry das Gespräch und rannte los.
Hermione war genau so verwirrt wie die beiden. Snape hatte sie in sein Büro zitiert und sie hatte es nicht mitbekommen. Die anderen waren schon fast aus dem Klassenzimmer gestürmt, nur sie rührte immer noch im Kessel. Die zweite Aufforderung war im Normalfall nie ratsam, wie auch jetzt. Snape stand dicht vor ihr – sie hatte ihn immer noch nicht bemerkt.
„MISS GRANGER! IN MEIN BÜRO! SOFORT!", sagte er mit aller Schärfe, für den Fall, dass noch andere in der Nähe waren, rauschte aus dem Klassenzimmer und knallte die Bürotür zu.
Hermione zuckte zusammen.
Es war besser, sie beeilte sich, wer weiß, was sonst noch passieren könnte.
Sie eilte hinter ihm her und riss die Bürotür auf. Nur stand er genau dahinter weil er sie gerade nochmal rufen wollte.
Da standen sie also, kaum ein paar Zentimeter waren zwischen ihnen.
Alles in Hermione war wieder unsicher, trotz seiner Worte, und sie wollte sich herumdrehen, wegrennen – und nur, weil er sie gerade wieder so angeschrien hatte. Es war beinahe so, als hätte die letzte Nacht nicht stattgefunden. Aber dann fühlte sie eine Hand an ihrem Arm, spürte, wie sie rumgedreht wurde, spürte seinen Blick auf ihrem Gesicht. Nein, da war kein Zorn, nur immer noch Traurigkeit und Schuld und...was war es...Sehnsucht?
Er riss sie fast an sich und küsste sie, ließ ihr keine Zeit zum Nachdenken. Ihr Verstand zögerte diesmal, aber alles andere klammerte sich an ihn, als er sie hochhob und auf den Schreibtisch setzte.
„Wir haben nur noch 15 Minuten.", war alles, was er sagte. Sie erwiderte seine zahllosen Küsse und hörte nicht auf damit, als er ihr den Rock hochschob und seinen Umhang in die Ecke warf. Viel mehr war nicht nötig. Und als er sich in sie schob, erst mit unbändiger Leidenschaft, dann ganz sanft, weinte sie alle Tränen, die in den letzten Wochen und bis zur letzten Nacht so mühsam vor ihm unterdrückt worden waren. Gestern hatte sie schon Hoffnung gehabt, dass sich alles wieder richten würde. Heute hatte er wieder diesen Blick und sie hatte ihn verstanden. Obwohl er sie so überfiel und nichts weiter sagte, fühlte sie, dass nichts davon unecht war.
Und dann war es vorbei.
Er brachte kein Wort über seine Lippen – er strich ihr nur sanft über die Haare, schob eine Strähne zurück, küsste sie sanft auf den Mund und dann auf die Stirn und sprach einen schnellen Reinigungszauber über sie beide, bevor er seinen Umhang überzog.
Sie verstand und beeilte sich, kurz vor ihren Mitschülern wieder im Klassenraum zu sitzen.
„Bitte, Hermione, was hat er mit dir gemacht? Du hast ganz rote Augen. Bitte rede mit uns, wir wollen doch nur helfen."
Klar, was er mit ihr gemacht hatte, wollten sie wissen. Was sollte sie sagen? Ach wisst ihr, erst hat er mich wie ein...Etwas behandelt, weil er mit seiner ich-bin-ein-dummer-Junge-Eifersucht nicht klar kam, dann haben wir uns gestern Nacht versöhnt, beinahe voll und ganz, und gerade hat er, Severus, nicht Professor Snape, mich im Büro gevögelt, und als er fertig war, war er wieder Professor. Sonst ist nichts. Klar doch. Was war schon dabei? Nichts, außer dass sie nicht wusste, was ihr gerade wirklich geschehen war. Gut, das hatte sie damals in dem Laden auch nicht gewusst. Als ihr das in den Sinn kam, konnte sie nur mühsam ein verlegenes Grinsen unterdrücken. Und ein paar Sekunden später fiel ihr ein, dass Ginny nachts noch von dem Schreibtisch bei ihm im Büro gesprochen hatte. Daraufhin musste sie sich fest die Hand auf den Mund pressen, um nicht zu schreien.
Und dann sahen die beiden ihre Freundin das erstemal lächeln nach Wochen.
„Es ist alles ok, ich war nur, ich war danach, ich meine nach der Aufforderung von Se…, ähm, Professor Snape, nur kurz draußen und hab von dem Wind ein paar Pollen in die Augen bekommen. Seid jetzt still, noch ein paar..."
Nein, keine paar Sekunden mehr. Snape schlug die Tür hinter sich zu und blickte durch den Raum. Er sah alles andere als erholt aus nach der Pause und die Klasse befürchtete schon das Schlimmste.
Allerdings ahnte keiner, wie ihm gerade zumute war. Er machte sich die schlimmsten Vorwürfe, dass er das gerade getan hatte. Wie konnte er sie nur so überfallen? Gestern hatten sie es zwar auch getan, aber das konnte man nicht vergleichen. Und wäre nur ein Schüler in sein Büro gekommen, säße er jetzt schon in Azkaban, denn er hatte vergessen, die Tür abzuschließen. Die Spuren hatten sich schnell beseitigen lassen. Ein einfacher Zauber hatte sein durchschwitztes Hemd getrocknet und geglättet. Nur sein leicht erschöpftes Äußeres konnte keine Zauberei verändern. Nicht so schnell jedenfalls.
Er überlegte krampfhaft, wie er das wieder geradebiegen könnte und kam zu dem Schluss, dass er ihr wohl ein erneutes Nachsitzen verpassen musste – wieder offiziell, damit sie auch wirklich kommen würde und damit sie Zeit hätten, ohne dass sie Ausreden erfinden müsste. Seine Strafarbeiten konnten sich Stunden in die Länge ziehen, das wusste jeder. Nur, dass er das gerade bei ihr nicht oft machen konnte, denn es gab fast nie einen Grund. Bald würden sie sich etwas anderes einfallen lassen müssen, kaum, dass es begonnen hatte.
‚Denk dran, du bist der böse Snape, also benimm dich auch so…'. Dass das nicht immer vor ihr funktionieren würde, war zumindest seinem Unterbewusstsein längst klar.
„Sie machen jetzt ihre Analyse des Trankes, und denken sie vor allem an die Geruchsproben.", rief er in den Raum.
Ron wunderte sich noch, dass er keine Drohung anhängte, als er in ihre Nähe kam auf seinem Rundgang durch die Reihen. Zur Überraschung blieb er aber bei Hermione stehen. Schon wieder bei ihr. Die Arme.
„Miss Granger", zischte er, aber noch laut genug, dass die Schüler im Umkreis es mitbekommen würden wenn sie wollten, „Sie sollten alle, ALLE, an die frische Luft, um sich und ihre Nasen zu neutralisieren, auch sie habe ich nachher hinausgeschickt – nur sie umgibt ein ganz anderer Duft..."
„Sir, ich..."
„Sie sollten es nicht wagen, mich im wahrsten Sinne des Wortes an der Nase herumzuführen, dazu bin ich zu gut, und das wissen sie!"
„Ja, Sir ich weiß, sie sind gut...ähm, sehr gut, jaaa...nun...es war so, ich..."
„Ruhe! Ich dulde keine Unterbrechungen und auch keine Missachtung meiner Anordnungen. Und schon gar nicht. wenn es sich um ein Stelldichein mit irgendeinem dummen Mitschüler handelt."
Die Vorlage war eine Gratwanderung, aber eine, die eine stundenlange Strafarbeit absolut rechtfertigte.
Spätestens jetzt hatte sie die Aufmerksamkeit der anderen um sie herum. Ron klappte der Unterkiefer runter und Harry machte nur den Mund auf, um ihn gleich wieder zu schließen. Auf Ginnys Gesicht stahl sich ein unmerkliches Lächeln und sie beschloss, ihre Freundin gleich nach dem Unterricht zu verhören. War das schwer, wenn man so tun musste, als wenn man nichts wüsste. Aber was gerade hier vor sich ging, konnte sie sich nicht erklären.
„Sir, ich schwöre, es..."
„Sie wagen es schon wieder, mir Widerworte zu geben?"
„Bitte, Sir, ich schwöre, da war kein dummer Mitschüler!"
Innerlich bebte sie und ihr Atem ging immer schneller. Sie musste sich ziemlich zusammenreißen um nicht zu Lachen oder ihn an sich zu ziehen, um nochmal das Geschehen der Pause zu wiederholen, denn sie sah in seinen Augen, was wohl gerade in ihm vorging.
„Nun gut, ich glaube ihnen ein letztes mal, aber was auch immer es war, lassen sie es nie wieder meine Tränke ruinieren."
„Ja, Sir, Entschuldigung, Sir."
Als alle erleichtert aufatmen wollten, drehte er sich nochmal herum:
„Wenn sie denken, sie kämen davon, nur weil ich ihnen ein paar ihrer Worte glaube, haben sie sich getäuscht. Nachsitzen bei mir, pünktlich um sieben Uhr!"
Glücklicherweise war das Ende der Stunde nahe, denn es herrschte irgendwie bei allen eine unterschwellige Nervosität, die leicht hätte an die Oberfläche dringen können, deshalb verließen fast alle den Klassenraum in Windeseile.
Ron und Harry warteten auf sie in gebührendem Abstand zum Labor.
„Heeey, Mine, du hast eben in zwei Minuten mehr gesprochen als in den letzten paar Wochen...geht's dir wieder besser?
„Lasst sie in Ruhe, Jungs, geht, na macht schon!"
„Aber Ginny wieso, lass uns doch…"
„Haut ab! Gestern! LOS!"
„Versteh einer die Frauen…Harry, sag doch was, sie ist DEINE FREUNDIN! Sie wird doch auf dich hören oder nicht? Ich will wissen, was mit Hermione ist, auch, wenn sie…"
„In welcher Welt lebst du denn, Ron? Keine Chance, lass uns nach draußen gehen. Sie werden es uns wissen lassen, wenn wir würdig sind, dabei zu sein."
„Aber Ginny ist doch…"
„Ron", versuchte Harry total entnervt zu erklären, „Ginny ist eine Frau, hast du das noch nicht mitgekriegt? Sie ist nicht mehr deine kleine Schwester, die kein Wort herausbekommt, wenn Fremde um sie herum sind. Und Hermione, sie auch. Wie auch immer. Sie… Es hat sich viel verändert in den letzten Wochen. Ach ich weiß auch nicht. Ja klar wissen wir, was so grob war, aber schau sie dir doch an. Da ist mehr als nur ein bisschen Liebeskummer um irgendeinen Typen."
Ron verdrehte die Augen.
„Ich seh sie doch, Harry, jeden Tag, ich weiß ja, aber was meinst du noch?"
„Boah, tust du nur so oder bist du wirklich so, Ron? Hast du sie dir mal richtig angesehen?
„Wie jetzt?"
„Sie hat andere Haare, sie schminkt sich, ich könnte wetten, sie geht sogar anders."
„Das hab ich auch gesehen, ihre Haare sind heller, aber das andere…bist du sicher?"
„Kannst dir ja mal selber ein Bild machen. Wolltest du nicht noch mit ihr reden?"
„Ursprünglich ja, aber Ginny hat mir ja klar gemacht, dass es…anders ist."
„Trotzdem kannst du es machen. Sie ist immer noch unsere beste Freundin, das soll auch so bleiben."
„Ach, ich weiß nicht, was…wie ich mit ihr reden soll…"
„Nicht anders als sonst am besten. Das werde ich auch so machen, schließlich will ich wissen, was mit ihr ist."
„Ich weiß nicht, ob ich das so genau wissen will."
„Wegen dem Typ? Ach, den werden wir vorerst sowieso nicht kennen lernen. Außerdem wissen wir gar nicht, ob es ihn jetzt noch gibt oder nicht. Immerhin hattest du ja auch Lavender, deshalb solltest du das akzeptieren."
„Das war was anderes."
„War es nicht. Wenn du ihr ihn nicht gönnst, hättest du dich mehr um sie bemühen sollen."
„Bis vor ein paar Wochen war das kein Thema mit uns…ich…weiß nicht, woher das Gefühl wieder kam, und nun ist es zu spät."
„Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wir werden es erfahren. Am besten, wir lassen sie reden, wenn sie will. Wenn sie es nur wieder täte. Nur mit Ginny spricht sie, ich hoffe, sie schafft das, aber ich werde das auch versuchen."
„Wenn du meinst…hm…ich auch."
„Komm essen. Dann sehen wir die beiden wenigstens."
„Beeil dich mit dem Essen, wir müssen noch hoch, bevor du Naaachsitzen hast, Miss."
„Ich geh gleich von hier."
„Denkst du. Du solltest dich ein bisschen frisch machen und was Schickes anziehen."
„Nur Nachsitzen, Ginny."
„Ja klar, und morgen schneit's. Los, komm schon. Du brauchst nicht aufessen."
„Ich möchte aber. Letzte Woche hast mich geschimpft, weil…"
„Nein. Wir müssen uns noch umziehen, Zähne putzen,…"
„Wir müssen uns umziehen?"
„Na, du. Und ich helfe dir."
So schnell, wie die beiden aus der Großen Halle verschwunden waren, konnten die Jungs gar nicht gucken. Soviel zum Thema mit-Hermione-reden.
„Warum rennen die auf einmal so panisch aus der Halle?", fragte Ron mit vollem Mund. „Du kriegst dieselbe Antwort, Ron. Ich habe keine Ahnung und wenn wir würdig wären, es zu wissen…du kannst den Rest selbst ergänzen."
Ginny jagte Hermione fast die vielen Stufen hinauf. „Es ist schon fast zwanzig vor sieben. Du hast so langsam gegessen."
„Wir hatten bis sechs Uhr Unterricht!", schimpfte sie ganz außer Atem, als sie in ihrem Zimmer angekommen waren.
„Deine Pfefferminz-Fenchel-Bonbons sind noch in deiner Schublade?"
„Ja…bedien' dich.", rief Hermione aus dem Bad, während sie sich nochmal die Haare auskämmte.
„Für dich, meine ich…hm, ich nehme auch eins. Oooh…Mine…", begann Ginny, während sie ein Bonbon lutschte und ihr auch eines reichte, „…ich kenn mich ja nicht so gut aus damit, aber es scheint, als hättest du etwas vergessen. Vielleicht täusche ich mich ja auch."
„Was denn?"
„Musst du selbst sehen. Hier." Ginny reichte ihr eine kleine Schachtel.
Hermione nahm sie entgegen und sie meinte, ihr Herz blieb stehen.
„Nein! Nein,…scheiße, scheiße, scheiße…nein…"
„Ganz ruhig, ganz ruhig. Dann hab ich mich wohl nicht getäuscht."
„Nein…"
DAS war es gewesen, was die ganze Zeit außer allem anderen in ihrem Kopf geschwebt hatte. Wie konnte sie das nur vergessen haben? Sie war so überfordert gewesen, als sie zu ihrer Großmutter geflüchtet war, dass sie alles andere komplett ausgeblendet hatte. Sie hatte alles vergessen und war einfach nur losgerannt vor ein paar Tagen – und jetzt würde sie die Konsequenzen tragen müssen. Nur dass es diesmal todernst war. Wenn er das erfahren würde, wäre alles vorbei.
„Hermione! Bleib stehen. Wenn du rumrennst, ändert das auch nichts. Gib mir die Schachtel. Lass mal sehen. Daran hätte ich auch nicht gedacht…nicht danach. Du warst doch völlig fertig, das passiert eben. Eins, zwei…sechs Tage. Wie lang, sagtest du nochmal, wirken die nach? Hermione!"
„36 Stunden höchstens."
„Tja, da kann man nichts machen. Keine Panik. Aber es ist doch nicht gesagt, dass es bei einem mal gleich…"
„Dreimal.", nuschelte Hermione, während sie sich kaltes Wasser auf die Stirn rieb.
„WIE OFT? WANN das… Seine Eule kam doch erst gestern…letzte Nacht. Da… NEIN! Sag jetzt nicht, dass er eben die Wahrheit gesagt hat! Das war kein Scherz? Äh, gut, er macht nie Scherze, aber das war echt?"
Von Hermione war nur ein undefinierbarer Laut zu hören.
„Wuhuu, nein, ihr habt es getan, während wir alle draußen waren? Und dann spricht er dich auch noch drauf an? Wie krass ist das denn? Ihr habt eben eeecht?"
„Ich hab jetzt echt andere Sorgen, Ginny…ich weiß nicht, was ihn da ger…was er sich dabei gedacht hat."
Trotz der Ernsthaftigkeit der Situation musste Ginny lachen.
„Süße, ich muss das gleich erstmal alles in meinem Kopf hin- und herschieben. Nur müssen wir jetzt anders nachdenken. Rückgängig machen kannst du nichts mehr, klar, sei denn, du gehst zu Madam Pomfrey und fragst, ob das geht. Weiß ich nicht. Guck nicht so, ich weiß, dass du da jetzt schlecht hingehen kannst. Ich kann's doch nicht ändern, dann musst du abwarten und am besten die Dinger nicht mehr vergessen. Du denkst doch sonst so rational. Komm schon, das musst du jetzt auch. Dann sagst du am besten gleich, wenn du bei ihm bist, dass du nicht…äh…kannst, weil du gerade deine Ta…"
„Das geht nicht.", fiel sie ihr ins Wort.
„Wieso nicht? Kann doch sein."
„Weil ich die letzte Woche schon hatte."
„Na und? Weiß er doch nicht."
„Doooch.", stöhnte Hermione.
„Wieso das denn? Du warst doch nicht hier."
„Weiß ich, Ginny…ach lass, ich muss mir was einfallen lassen."
„Aber wieso…"
„Weil ich es ihm gesagt habe."
„Warum um alles in der Welt sagst du ihm sowas…gestern?"
„Ginyyy, bitte…"
„Stimmt, die Zeit läuft uns davon. Ich muss mir langsam ne Liste machen, was wir noch alles klären müssen, Miss. Die wird immer länger. Hm, dann bleiben nur noch zwei Möglichkeiten: Du sagst es ihm oder du bittest ihn um einen Trank."
„Dann komme ich ohne Kopf wieder hoch – das ist dir klar, oder? Und ihn darum bitten geht auch nicht."
„Weil…ja, er muss ja wissen, dass du deine Methode…hattest."
„Jahaa."
„Ich gebe dir einen Verhütungstrank von mir, Hermione. Habe ich übrig und ich kann neuen besorgen. Jedenfalls besser als du im Moment."
„Ich weiß nicht, ob ich das parallel nehmen kann."
„Denke schon, hab ich mal mitbekommen letztes Jahr bei Blanka aus Hufflepuff. Die war mir mit zusammen bei Poppy und da hatte sie ein ähnliches Problem wie du."
„Wenn du meinst. Damit habe ich mich noch nicht auseinandergesetzt."
„DU hast mal was nicht gelesen? Egal, ich hol ihn dir."
Hermione blieb nichts anderes übrig, wenn sie sich nicht noch tiefer in die Katastrophe reiten wollte, die diesmal zu einer echten mutierte. Auf keinen Fall konnte sie jetzt mit ihm darüber reden, nicht nach dem Theater und seiner Panik von letzter Nacht.
„So, du solltest ihn dann…nachher trinken, Mine. Du weißt schon.", Ginny grinste breit.
„Wer sagt, dass wir…"
„Ha, ihr nicht, ist so wahrscheinlich, wie wenn ich Zaubereiministerin werde, Süße."
„Was du nicht alles weißt."
„Na klar. Er lädt dich doch nicht zum Nachsitzen ein und lässt dich dann…nachsitzen. Nene. Jetzt aber mal ein Schritt schneller. Willst du nicht den schicken kurzen Rock anziehen und dieses Shirt, das du gestern abgelehnt hast?"
„Und alle die mitbekommen haben, dass ich heute zum Nachsitzen muss und sehen mich dann so dahin gehen…fällt ja gar nicht auf, was?"
„Du hast doch deinen Umhang, wo hast du nur deinen süßen Kopf. Ach lass mal, ich weiß schon."
„Ginny."
„Ja, blabla. Zieh das an. Wir wollen doch, dass alles wieder gut wird, oder nicht? Was rede ich für ein Unsinn. Es ist ja schon wieder…gut. Dass es besser wird, so wie in euren Ferien, wovon mir ja leider noch Details fehlen, mit denen ich das besser beurteilen…"
„Ginnyyy… Ja, wäre schön."
„Ach?! Also kannst du etwas nachhelfen. Erzähl mir nicht, dass er dich nicht ansieht…du weißt schon, wie eine Frau von einem Mann angesehen wird."
Hermione zog sich um und warf die Schulrobe über. „Denke schon, dass er mich ansieht."
„Dazu sage ich jetzt nichts mehr. Wo willst du den Trank hinstecken? Am besten in die Tasche der Robe, aber lass sie sie dir nicht von ihm herunterreißen im Eifer des Gefechts, Süße, sonst gibt's Bruch und das wäre schlecht. Du solltest ihn innerhalb einer Stunde hinterher nehmen. Alles klar? Dann sehen wir uns morgen früh im Unterricht.", erklärte Ginny bedeutungsvoll."
„Träum weiter. Er wird mich wohl kaum im Büro übernachten lassen."
„Nein, in seinem Bett. Und dass du mir jeden Winkel beschreibst hinterher. Ich hab das im Gefühl, Süße. Er kann dich ja schließlich nicht immer nur im Büro…empfangen. Stell dir vor, es klopft jemand und dann muss er sämtliche Möbel wieder zurückverwandeln. Außerdem ist es doch viel gemütlicher und bequemer – naja, wenn es so normal ist wie…bei normalen Leuten. Warten wir es ab. So, und nun los. Beeil dich."
„Ich kann jetzt nicht zu ihm gehen. Nicht mit dem Wissen!"
„Du kannst, du musst, du kannst es nicht ändern, du musst abwarten, wenn du nicht zu Poppy gehen willst, in drei Wochen weißt du es und dann geht's weiter, wir schaffen das schon und andere machen das auch jahrelang und es passiert nichts."
„Du musst atmen, Ginny. Ich danke dir. Du hast ja recht. Panik nützt echt keinem. Außerdem weiß ich, dass es sowieso recht unwahrscheinlich ist, wenn man die für längere Zeit schon nimmt und dann absetzt."
„Siehst du. Und jetzt mach, dass du rauskommst!"
Die nächste halbe Stunde verbrachte Ginny damit, einen Brief an Mrs. Tenerhale zu schreiben, in dem sie schilderte, bis auf ein paar Details, was sie bisher mitbekommen hatte und das es danach aussehe, dass die beiden offenbar innerhalb von drei Tagen die ein oder andere schöne Zeit miteinander verbracht hätten. Sie glaubte nicht, dass Hermione das bisher getan hatte. Morgen wollte sie sie dran erinnern und außerdem war es egal. Ihre Großmutter würde sich mit Sicherheit sehr über beide Briefe…und beide Versionen freuen.
Obwohl sie sich auf ihn freute, war sie unglaublich nervös, weil sie eigentlich noch heute mit ihm reden wollte über das letzte, nein, mittlerweile über das vorletzte offengebliebene Problem. An das andere, auf das sie Ginny eben erst gestoßen hatte, wollte sie gar nicht denken.
Panik stieg in ihr hoch und ließ ihre Knie zittern, als sie wieder einmal an seine Tür klopfte. Wenn er sie doch nur so begrüßen würde, wie er sie verabschiedet hatte, würde alles gut werden, hoffte sie.
Er riss die Bürotür auf und richtete sofort seinen durchdringenden Blick auf sie. „Miss Granger, ich erwarte Pünktlichkeit. Drei Minuten nach sieben sind nicht akzeptabel."
Hermiones Herz sank auf einen Tiefpunkt. Soviel zum Thema Begrüßung. Damit war ihr Mut dahin, ihre Pläne…und wahrscheinlich nicht nur die…
tbc
