A/N:

Ihr Lieben!

Danke für euer Verständnis, die lieben Worte und Reviews!

Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das für mich bedeutet.

Ich hab es tatsächlich geschafft, bis heute das nächste Kapitel fertig zu schreiben. Eigentlich sollte es viel kürzer werden, doch seit gestern hat mich was, ich weiß echt nicht was, geritten, dass DAS dabei rausgekommen ist – herrje.

Leider oder deshalb muss ich echt (für die eigentlich Bodenständigen unter euch – so wie ich *g*) einen Kitsch-Alarm beifügen – ihr dürft mich gerne und unbedingt wachrütteln aus meinem...Tagtraum oder was immer es war ;o) Vielleicht hab ich auch so was einfach nur gebraucht :o)

Für alle anderen gilt: Fühlt euch einfach wie...Zuhause!

VLG KeyMagic


Kapitel 33

Er riss die Bürotür auf und richtete sofort seinen durchdringenden Blick auf sie.

„Miss Granger, ich erwarte Pünktlichkeit. Drei Minuten nach sieben sind nicht akzeptabel."

Hermiones Herz sank in ihre Knie. Soviel zum Thema Begrüßung. Damit war ihr Mut dahin, ihre Pläne…und wahrscheinlich nicht nur die…


Mit starrem Blick ging sie an ihm vorbei und blieb, wie zwei Tage zuvor schon, vor seinem Schreibtisch stehen, wartete, was von ihm kommen würde und hätte am liebsten Augen und Ohren geschlossen.

„Ist alles in Ordnung?"

Sie zuckte mit den Schultern. „Sag du es mir."

„Es ist in Ordnung. Gut, dass wir gestern das schwere Thema hinter uns gebracht haben."

Hermione stöhnte nur auf und er interpretierte es natürlich falsch.

„Ich weiß. Beim nächsten Mal – was es nicht geben wird – werde ich wieder wissenschaftlich denken. Warum stehst du so da?"

„Nach DER Begrüßung…"

Severus holte tief Luft.

„Es hätte gut sein können, dass andere Schüler im Flur umhergehen. Dich in der offenen Tür zu küssen, wäre sicherlich keine angemessene…Begrüßung gewesen,…obwohl…"

„Ja?"

„…ich das vielleicht gerne gemacht hätte."

Hermione musste ihn ziemlich ungläubig angesehen haben, was ihm selber einen fragenden Ausdruck verlieh.

„Wie…meinst du das?"

„So wie ich es gesagt habe.", bestätigte er, fuhr mit seiner Hand an ihrem Kinn entlang, beugte sich zu ihr herunter und küsste sie sanft auf den Mund.

Als ihr verwirrter Blick immer noch nicht verschwunden war, erklärte er weiter: „Wir müssen vorsichtig sein, übervorsichtig, Hermione, das brauche ich nicht zu wiederholen. Wenn nur einer etwas auch nur von Weitem sieht oder hört, was nicht für seine Augen und Ohren bestimmt ist, dann gibt es echte Probleme, die du dir wahrscheinlich selbst ausmalen kannst. Wenn, ist es eher vorbei, als dir…als uns lieb ist."

„Ja", flüsterte sie kleinlaut und ärgerte sich über sich selbst, dass sie so empfindlich geworden war. Nun, kein Wunder nach den schlimmen Wochen.

„Außerdem habe ich es…nett gemeint."

Wieder der Ausdruck auf ihrem Gesicht, nur mit einer Vielzahl von Fragezeichen mehr.

War das wirklich ein kleines Lächeln bei ihm?

„Ich kann es nicht glauben, dass ich das jetzt sage. Drei Minuten eher…hätten wir uns drei Minuten länger gesehen. Wir werden nicht viel Zeit miteinander haben, schließlich kann ich dich nicht jeden Abend zum Nachsitzen herbestellen."

Hatte er tatsächlich gerade versucht, etwas Nettes zu sagen? Wäre es nicht er gewesen, hätte sie sicher laut gelacht, denn es klang derart komisch aus seinem Mund, dass sie immer noch glaubte, sich verhört zu haben. Sie lachte nicht, weil sie ahnte, dass es nicht passte und dass er dann wahrscheinlich nie wieder versuchen würde, ein paar nette Worte von sich zu geben.

„Du hast ja recht, entschuldige, dass ich zu spät war. Könnten wir…den Kuss nachholen?"

„Heute darf man sich ausnahmsweise etwas zum Nachsitzen wünschen. Nur eine Ausnahme, verstanden?"

„Verstanden, Professor, Sir."

Vielleicht wollte er zeigen, dass er sich bemühte, nicht alles falsch zu machen, als er ihre Haarsträhne hinters Ohr strich, ihr Gesicht in beide Hände nahm und sie so küsste, wie er es eben schon gerne getan hätte.

„Noch einen Wunsch, Miss Granger?"

„Sie haben gesagt eine Ausnahme, Sir. Alles andere überlasse ich ihnen. Oder kann ich schon gehen?"

„Auf keinen Fall. Seit wann gibt es bei mir eine Strafarbeit, die nur eine Viertelstunde dauert?"

„Gab es noch nie."

Sie ließ sich auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch fallen und grinste. Auf einmal setzte er sich dahinter und schaute sie ernst an.

„Ich möchte noch etwas mit dir besprechen und bitte dich gleichzeitig, dass du mich bis zu Ende anhörst."

„So mache ich es immer."

„Wir sind nicht im Unterricht. Es ist wirklich wichtig, nach den Ereignissen der letzten Zeit."

Hermione nickte nur und wurde wieder unruhig. Unruhig? Sie bekam eher schon weiche Knie. Außer abwarten konnte sie nichts dagegen tun.

„So geht das nicht." Severus stand wieder auf und begann im Raum umherzulaufen. Das kannte sie schon und machte sie noch nervöser.

„Damit es nicht wieder zu solchen Missverständnissen kommt, wollte ich dich bitten, darüber nachzudenken, ob du…ob wir…vielleicht… Ich vertraue den Zaubertränken mehr als der Muggelmedizin, die außerdem weitaus weniger oder gar keine Nebenwirkungen haben und auf die man sich hundertprozentig verlassen kann, wenn sie gut gebraut wurden."

„Sonst kommst du schneller zum Punkt.", grinste sie trotz allem und hatte eine leise Ahnung, worauf er hinaus wollte.

Er warf ihr einen giftigen Blick zu und setzte seine Runden fort.

„Das ist nicht leicht zu sagen, Hermione. Ich wollte dir nahe legen, dass du…dass ich für dich Verhütungstränke braue. Die schaden deiner Gesundheit weit weniger als die chemischen Erfindungen, in denen fast nichts Natürliches enthalten ist." Erleichtert atmete er aus – er hatte es hinter sich.

„Gibt es die nicht in der Apotheke in Hogsmeade?"

„Ja, warum willst du dorthin gehen? Würdest du dem überhaupt zustimmen?"

„Ich vertraue dir, Severus. Wenn du sagst, es ist sicher und besser, dann ja."

„Es ist so. Außerdem kennst du sicher die zahlreichen Nebenwirkungen oder die eventuellen Spätfolgen, die aus der Einnahme resultieren können."

„Ja, kenne ich. Du kennst dich auch gut aus."

„Das muss ich, Hermione. Mein Beruf bringt das mit sich, dass man sich in beiden Welten auf seinem Fachgebiet auskennt, zumindest soweit, dass man die Grundlagen überblickt oder dass man die Fachliteratur versteht. In Hogwarts gibt es viele muggelstämmige Schüler, die die ein oder anderen Medikamente von Zuhause aus nehmen oder nehmen müssen. Wenn sie dann zu Poppy auf die Krankenstation kommen, ist dieses Wissen unbedingt vonnöten, und Zauberränke gehören generell und unmittelbar zu einer Behandlung."

„Natürlich. Ich hätte nur nicht gedacht, dass du dich mit dem speziellen Thema so detailliert auskennst."

„Poppy kennt sich da sehr gut aus, ich fast so gut und ich habe nochmal alles nachgelesen. Außerdem war ich in den Ferien in London in zwei Bibliotheken."

Das hast du da gemacht?"

„Ja, unter anderem."

„Zu der Zeit hast du dir schon Gedanken darüber gemacht? Oh…"

„Was war falsch daran?"

„Gar nichts. Das bedeutet für mich, dass du schon weiter gedacht hast."

„Weiter?"

„An uns!" Mit den Worten nahm sie ihn in den Arm und sie meinte, er würde mit dem Kopf hinter ihren Schultern leicht nicken, vielleicht auch nicht.

Er löste sich von ihr. „Du schuldest mir noch eine Antwort."

„Wir machen es so. Ich hätte nur noch ein paar Fragen. Generell. Wärest du bereit...mit mir darüber zu reden?"

„Bitte." Ihm fiel es immer noch schwer, doch der Anfang war gemacht und es wäre keinem geholfen, das Thema zu verschieben, nur, um hinterher wieder Anlaufschwierigkeiten zu bekommen. Sie waren vernünftig – bis auf die Sache im Ganzen eben – intelligent und erwachsen.

Ein paar oder die meisten Antworten wusste sie schon, aber es schien ihr passend, sie zu stellen und zudem konnte sie damit eine spezielle Frage gut verpacken…oder verstecken. Wieder einmal eine Gratwanderung. Eigentlich hatte sie echtes Glück, dass er gerade jetzt dieses Thema anschnitt. Besser könnte es nicht kommen.

„Hast du sie vorrätig?"

„Nein, die gehören nicht unbedingt zum Standard-Repertoire in Hogwarts, sondern können, wie du weißt, in Hogsmeade und natürlich in der Winkelgasse gekauft oder auf Anordnung von Poppy herausgegeben werden. Das alles gilt für erwachsene Schülerinnen. Die anderen bekommen sie nicht ohne Erlaubnis der Eltern."

„Das ist bei uns auch so ähnlich. Stellst du sie dann für mich her?"

„Natürlich."

„Was kosten sie?"

„Nichts."

„Das kann nicht sein."

„Zumindest in unserer Gesellschaft ist es selbstverständlich, sollte es sein, dass… Natürlich ist das meine Sache."

„Ich kann mir das schon leisten."

„Kommt nicht infrage, und ich dulde dahingehend keine Widerworte."

„Dann…danke. Wann…sollte man damit beginnen?"

„Es ist nicht, dass du sie wie deine Tabletten täglich nehmen musst, sondern nur...hinterher. Trotzdem wird empfohlen, erst...deine Methode zu beenden und dann auf die andere umzustellen."

So gut wie möglich versuchte sie, ihre Maske aufrechtzuerhalten, sonst wäre alles dahin. Sie setzte sich wieder und klemmte ihre Hände soweit unter ihren Po, dass sie nicht mehr zittern konnten und spielte ihm weiterhin Interesse und Lockerheit vor. Hoffentlich schöpfte er kein Verdacht, dass sie leichte...Panik hatte, die nun wieder ganz präsent war.

„Gut, das wusste ich schon, ich wollte nur sichergehen."

‚Jetzt kommt's', dachte sei.

„Noch etwas: Nur für den Fall…es gibt blöde Zufälle oder…eine Krankheit, durch die… Also, was ich fragen will, falls doch etwas passiert und...ich nehme den Trank, würde es dem Kind schaden?"

Severus sah sie entgeistert an.

„Erstens: Es gibt keine blöden Zufälle. Wir werden beide daran denken."

Hermione schluckte kaum hörbar.

„Zweitens: Krankheit? Soweit ich weiß, kann deine chemische Medizin davon außer Kraft gesetzt werden, wenn du das meinst. So etwas gibt es bei dem Trank nicht. Und nein, der Trank kann dem…Kind nicht schaden, da nur natürliche Zutaten verwendet werden, kombiniert mit der magischen Komponente, die die…Mutter sowieso in sich trägt."

„Gut.", meinte sie nur und er sah irritiert drein.

„Ich wollte es einfach nur wissen. Ich…möchte ein Gesamtbild und Antworten…auf alles.", erklärte sie schnell.

„Nicht anders kenne ich dich. Weitere Fragen?"

Er schien kein Verdacht zu schöpfen. Wenigstens das Problem hatte sich erledigt.

„Anders als bei meiner Variante muss ich den nicht jeden Tag nehmen, richtig? Sondern…nachher."

„Richtig. Noch ein Vorteil davon. Man sollte ihn innerhalb von einer Stunde…danach einnehmen."

Durch den winzigen Stein weniger auf ihrem Herzen begann sie verschmitzt zu lächeln.

„Und was wenn wir…die ganze Nacht…"

„Hermione!", sagte er vorsätzlich entrüstet, obwohl auch einer seiner Mundwinkel zuckte.

„Dann nach dem…letzten mal innerhalb einer Stunde, und zwar multipliziert mit…das kannst du dir denken."

„Alles klar.", grinste sie immer noch und ihn riss es mit.

„Wenn du Zeit hast…könnte ich dir die Theorie vielleicht…ein wenig mehr praktisch erläutern."

Ihr Lächeln wurde breiter. „Sehr gerne, Professor. Ganz ohne Praxis ist es sowieso immer schwerer zu verstehen."

„So ist es.", bestätigte er und gönnte ihr ebenso ein ganz leichtes Lächeln.

„Gut, dass wir darüber gesprochen haben, obwohl es eines der seltsamsten Gespräche war, die ich je hatte.", gab sie zu. Solche Gespräche waren schon mit normalen Jungs oder Männern nicht leicht, mit ihm dagegen waren sie völlig…sie fand kein Wort dafür.

„Meinst du, mir wäre es leicht gefallen? Im Gegenteil. Aber es gibt immer Dinge im Leben, die nicht leicht sind, die dennoch ausgesprochen werden müssen. Das habe ich mit der Zeit gelernt, und das war bei Weitem nicht immer einfach. Es musste sein und ich bin erleichtert, dass ich den Anfang gefunden habe."

„Ja…ich danke dir.", sagte sie ehrlich.

„Ich danke dir."

„Wann hat eigentlich deine Großmutter Geburtstag?", fragte er völlig unvermittelt und zusammenhanglos.

Stirnrunzelnd antwortete sie, dass es der 21. Februar sei und fragte gleich darauf, warum er das wissen wolle.

„Sie hatte irgendwann ihren Geburtstag erwähnt…ich glaube…", druckste er herum, „…im Zusammenhang mit meinem Alter."

„Hat sie etwa gefragt, wie alt du bist?"

„Ja. Wahrscheinlich hatte sie zu dem Zeitpunkt schon einiges mitbekommen, was niemand hätte mitbekommen sollen."

„Das hast du auch bemerkt?"

„Wer hätte das nicht? So wie sie sich am letzten Feriensonntag verhalten und geäußert hat…"

„Als ich bei ihr war, hat sie mir sehr klar und deutlich vor Augen geführt, was sie weiß."

„Hat sie das?", fragte er ironisch, was Hermione aber entging.

„Oh ja, und ich werde es hier nicht wiederholen…ähm, weil ich ihren Wortlaut nicht mehr genau weiß. Jedenfalls weiß sie, dass wir mehr als Lehrer und Schülerin sind."

Hermione hatte Angst, dass er vor lauter Ärger toben würde, weil ihre Großmutter so gut wie alles wusste – und mit alles war nicht nur zusammen essen oder küssen gemeint. Niemals, oder zumindest noch nicht, dürfte er das erfahren.

Innerlich stöhnte Severus, weil er genauso gut wie Hermione wusste, was ihre Großmutter wusste, denn sie hatte es ihm so ziemlich brühwarm und zuweilen kochendheiß auf den Kopf zugesagt, hier, in seinem...Kerker. Hermione dürfte das niemals erfahren.

Er stöhnte noch mehr, als er darüber nachdachte, dass das Geschenk, das sich Mrs. Tenerhale so klar und deutlich gewünscht hatte, allein rein rechnerisch realisierbar gewesen wäre. Wäre Hermione tatsächlich in den Ferien schwanger geworden, hätten sie das Geschenk – das Baby – im Januar bekommen, auch noch in seinem Geburtsmonat. Ob sie das so schnell überlegt hatte? Wenigstens hatte sie kein Jahr genannt, aber er ahnte, dass sie nicht zu lange darauf warten wollte – eigentlich hatte sie immer nur ihren 70. Geburtstag erwähnt. Diese Frau war seine Nemesis und würde es wahrscheinlich auch bleiben.

Gut, dass es nicht so gekommen war und in Zukunft auch nicht dazu kommen würde – dem Gespräch sei Dank!

Hätte er gewusst, was Hermione gerade für echte, für realistische Probleme mit diesem Thema hatte, wäre er vermutlich die Wände hochgegangen oder würde freiwillig für die nächsten Jahre die Gryffindor-Erstklässler als Vertrauenslehrer betreuen.

„Worüber grübelst du?"

„Nein, nein…alles in Ordnung. Es ist nichts."

„Hermione, aber ich…grüble noch über etwas nach. Ich würde gerne wissen… Kannst du mir verzeihen, hast du mir verziehen? Irgendetwas scheint dich noch zu...beschäftigen."

„Ja, das habe ich, weil ich dich verstehen kann. Man muss verzeihen können, wenn man…jemanden liebt. Dass ich mich verliebt habe, weißt du, und es gilt nach wie vor. Es hätte mir auch das Herz gebrochen, dich mit jemand anderem zu sehen. Gerade weil…du weißt."

„Verdient habe ich das nicht…nicht mehr."

„Das hatten wir schon…ich will es nicht immer wieder hören."

„Verstanden.", flüsterte er.

Da ist noch etwas, oder?"

„Du hast mehr Gefühl, als du denkst…vergiss das niemals. Ja, da ist noch etwas und habe mich bisher nicht getraut. Du…hast mir…diesen wunderschönen Nachmittag hier in Hogwarts geschenkt…meinen Raum, meinen…der geliehene Flügel. Den Rückzugsort hätte ich gut gebrauchen können."

Darüber hatte er bisher gar nicht nachgedacht, weil er wirklich andere Sorgen gehabt hatte und ebenso wie sie in den Wochen der Hölle gefangen gewesen war. Wenn sie in den uralten Salon gegangen war und hatte ihn leer vorgefunden, konnte er sich ausmalen, wie ihr zumute gewesen sein musste. Das hieß, dass er am besten heute noch für eine Klärung oder Erklärung sorgen musste.

Im Büro wollte er sowieso nicht bleiben, er fand nur keinen Anfang, sie zu sich…einzuladen. Was ihn davon abhielt, wusste er selbst nicht genau. Dass er Angst hatte, sie zu überrumpeln, sie zu enttäuschen – mit was auch immer – wusste er nicht und wenn, hätte er es nicht zugegeben.

Als er weiterhin schwieg, war sie es, die diesmal etwas falsch interpretierte.

„Ich…wollte nicht…klagen, ich war nur…traurig und…"

„Möchtest du…etwas trinken vielleicht?"

Weiterhin im Büro herumzustehen, war auch keine Lösung und nicht wirklich gemütlich. Außerdem hatte sie ihm gerade unwissentlich einen Grund zu einer...Einladung gegeben.

Sie sah sich ein wenig um und wusste nicht recht, wie sie reagieren sollte.

„Oh…nein, danke, muss nicht, von Rotwein habe ich letztens ein bisschen Kopfweh bekommen."

„Du kannst etwas anderes haben."

„Mach dir keine Mühe."

„Hermione, es ist keine Mühe. Kommst du?"

„Wohin?"

„Wir bleiben nicht im Büro. Nachsitzen ist dir erlassen.", sagte er todernst, nur seine Mundwinkel verrieten, dass er – wenn er nicht er wäre – vielleicht gelächelt hätte.

Er ging zur Tür, schaute in den Flur und prüfte mit seinem Zauberstab, ob jemand in der Nähe war. Keiner war in den Kerkern, weil sich kaum oder gar keiner freiwillig dort herumtrieb. Deshalb streckte er ihr seine Hand entgegen, die sie zögernd annahm, weil sie solche Gesten nicht wirklich von ihm gewohnt war, und ging hinter ihm her.

Severus führte sie ein einige Meter weiter bis zu einer massiven Holztür, die dort lag, wo der Kerkerflur einen Knick gemacht hatte. Sie glaubte, bisher noch nie so weit in diese Gänge vorgedrungen zu sein. Warum auch?


*Bonnie Bianco & Pierre Cosso: „Stay"*

„When I see you...there's a glow from the stars above..."


Fast lautlos nannte er ein Passwort, dass sie aber nicht verstehen konnte, und trat durch die Tür. Immer noch hielt er sie an der Hand, doch sie zögerte, hinter ihm herzugehen.

„Warum kommst du nicht?"

„Zu dir, nicht wahr?"

„Würde es dir auf dem Flur besser gefallen?", fragte er sie mit hochgezogener Augenbraue und schaute sich gleichzeitig in dem Gang um, ob sie immer noch allein waren.

„Dann müsstest du gleichzeitig die Ideen liefern, was wir hier machen könnten und wie wir das eventuellen...Passanten erklären könnten!"

„Oh...", tat sie übertrieben und ging hinter ihm her.

„Hermione...", begann er wieder ernst. „Wenn du nicht möchtest, kann ich das verstehen...nach dieser Zeit."

„Ich möchte...sehr gerne sogar. Wenn du es ehrlich möchtest."

Severus seufzte. „Wenn ich dich nicht hier haben wollte, würde ich dich nicht hereinbitten. Soweit müsstest du mich kennen."

Kaum waren sie in seinem Reich, entledigte er sich seiner Roben und des Gehrocks und hängte sie an die Haken, die an einer Steinmauer angebracht waren, die auf der rechten Seite etwas weiter in den Raum hineinzugehen schien als auf der linken, damit das Wohnzimmer eine kleine Abtrennung vom Eingangsbereich hatte. Die Schuhe zog er auch noch aus und ging auf Socken weiter.

Seine Handgriffe sahen so selbstverständlich aus, dass sie dachte, es müsse ein Ritual sein, das er jeden Tag durchführte – so normal sah es aus und so normal fühlte es sich an. Darüber war sie einfach glücklich. Alle hatten immer gedacht, er würde sogar in seinen Roben schlafen, aber diese Vermutung, nicht ihre eigene, hatte sie ja schon vor einigen Wochen revidieren können. Trotzdem musste sie heimlich deswegen lächeln, als sie ihn nun in seinem weißen Hemd sah, von dem er gerade die obersten zwei Knöpfe öffnete.

Noch damit beschäftigt, drehte er sich fragend zu ihr um:

„Du darfst gerne näher kommen, Hermione, der Anblick dürfte dich doch nicht mehr schocken."

„Was denkst du denn? Ich habe mich gerade gefragt...", log sie, „...ob du weitermachst."

„Womit?"

„Damit!", grinste sie und deutete auf sein nur am Kragen geöffnetes Hemd.

„Ich fasse es nicht. Du bist das erstemal hier und hast das im Kopf?"

„Wenn du schon anfängst... Nein, es war ein Scherz, Severus."

„Fühl dich wie... Sei einfach ganz...normal da."

Kurz fragte sie sich, ob er das nicht hatte aussprechen wollen oder können, doch sie fühlte, welche Antwort die richtige war.

Severus war durch eine Tür verschwunden, wo sie das Bad hinter vermutete. Vielleicht wollte er ihr ein wenig Zeit in der neuen Umgebung lassen, was ein unglaublicher Vertrauensbeweis war – gerade von so jemandem wie ihm. Andererseits war sein Tag ebenso lang wie ihrer gewesen und er hatte nach der letzten gemeinsamen Zaubertrankstunde und dem Abendessen ebenso wenig Zeit gehabt wie sie. Kurz darauf glaubte sie, Wasser rauschen zu hören, was sie wieder lächeln ließ. Ja...so war es schon einmal gewesen und es fühlte sich tatsächlich wieder so...Zuhause an. So oder so – er schien ihr wirklich zu vertrauen und das erfüllte sie wieder mit einer inneren Wärme, die sie für kurze Zeit vergessen hatte.

Hermione stand noch immer in der Nähe des Eingangs, bewegte sich kaum einen Zentimeter und schaute sich etwas schüchtern um. Die Decke bestand aus mehreren kleinen Gewölben, die etwas an das Innere eines großen Kirchenbaus erinnerten. Fenster sah sie von dieser Perspektive aus nicht, doch aus den höchsten Punkten der Deckenrundungen drang eine Art von Licht, nicht zu dunkel und nicht zu hell, von dem sie nicht ausmachen konnte, ob es echt oder verzaubert war. Vielleicht gab es in den anderen Räumen Fenster.

An den wenigen freien Stellen der Wände, die wie in ganz Hogwarts aus steinernen Mauern bestanden, hingen kleine Fackeln und auf dem Tisch, dem Kamin und in zwei Ecken des Raumes standen große, mittlere oder kleine Kerzenhalter, die, zusammen mit dem indirekten Licht der Decke, der Wohnung eine angenehme Helligkeit verschafften.

Die Eingangstür lag quasi in dem linken Drittel des Wohnzimmers. Auf der linken Seite gab es eine Tür, gegenüber zwei und nach rechts erstreckte sich ein großes Wohnzimmer, das im hinteren Teil scheinbar noch nach links um die Ecke ging, wo sie aber nicht hinsehen konnte. In der Mitte, rechts neben den beiden Türen, gab es einen großen Kamin, davor standen zwei einladende, schwere Sessel aus dunklem Holz mit hellen Polstern, ein kleiner ovaler Tisch und eine gemütliche Couch, die die gleiche Farbe wie die Sessel hatte – irgendeine zwischen champagnerfarben und silbergrau. An der rechten Wand und eigentlich an jedem noch so schmalen freien Streifen befanden sich über und über mit Büchern beladene Regale, die sie am liebsten sofort durchstöbert hätte, wäre es nicht er, bei dem sie war.

Drei Stellen der Wände waren allerdings nicht mit Bücherregalen zugestellt, sondern boten Platz für große Bilder. Leinwände in verschiedenen Rahmen, deren Farbe sich dem eigentlichen Gemälde angepasst hatte. Sie übten eine echte Anziehungskraft auf sie aus und sie beschloss gerade, doch ein paar Schritte zu wagen um sie näher zu betrachten, als er mit noch feuchten Haaren aus dem Bad kam. Jetzt hatte er eine Jeans an und ein dunkelgraues Hemd mit schwarzen, ganz dünnen Streifen. Noch immer konnte sie sich kaum von diesem Anblick losreißen, weil er so...voller Erinnerungen war und vor allem, weil er in dieser Umgebung so völlig ungewohnt war.

„Was ist mit dir? Hast du die ganze Zeit am gleichen Fleck gestanden?"

Sie nickte. „Die Bilder sind traumhaft.", sagte sie als erstes und ehrlich bewundernd.

„Danke."

Das größte hing über dem Kamin, ein zweites an der linken Wand neben der Tür und das dritte weiter hinten im Raum, dass man es sehen konnte, wenn man den Kopf vom Eingang aus nach rechts drehte. Wenn man genauer hinsah, konnte man erkennen, dass sie – nicht wie in vielen Muggelwohnungen – künstlich, sondern in Handarbeit gemalt wurden und dass verschiedene Materialien benutzt worden waren. Eines schien ein Aquarell zu sein, die beiden anderen waren mit Ölfarben gemalt.

Sie zeigten keine Porträts oder Landschaften, wie sie zu Hunderten im Schloss zu sehen waren, sondern offenbar Ausschnitte aus dem Sternenhimmel oder dem Weltraum. Näheres konnte sie nicht bestimmen, aber die Farben, das Spiel mit Licht und Dunkel und die Perspektiven waren faszinierend. Da der hintere, rechte Teil des Raums noch relativ im Dunklen lag, weil er dort noch keine zusätzlichen Fackeln an den Wänden oder Kerzen entzündet hatte, konnte sie erkennen, wie manche Punkte des Bildes pulsierten oder hier und da aufleuchteten – so, wie man es vom...Himmel erwarten würde. Nie hatte sie sich Gedanken darüber gemacht, ob sich außer den Porträts auch andere Bilder bewegen und wie natürlich verhalten würden. Sie mussten von einem Zauberer oder einer Hexe gemalt worden sein, sonst wäre dies unmöglich oder sie bildete es sich ein.

Severus trat ein wenig näher zu ihr heran, weil er scheinbar ihr Blinzeln und ihr Interesse erkannt hatte.

„Das dort hinten ist ein Teil des Orion-Nebels – du kennst das Sternbild?"

„Ja, die Wichtigsten soweit...", druckste sie herum, weil ihr das Fach nie besonders gelegen hatte.

„Mach dir keine Gedanken, ich weiß, wie dir ist. Wahrsagen und Astrologie hat mich nie interessiert, sondern die Astronomie. Für mich ein gewaltiger Unterschied, auch wenn ihn die meisten nicht machen, besonders in unserer Welt."

Erleichtert lächelte sie ihn an und freute sich über die Gemeinsamkeit, die sie hatten.

„Jedenfalls ist der Orion-Nebel eine Geburtsstätte für neue Sterne. Ein aufregender Teil des Weltalls. Die bunten Wirbel, die du sehen kannst, in den Rottönen, in smaragdgrün und in blau, sind Wolken aus Kohlenstoff, Wasserstoff oder Schwefelgas. Die hellen, strahlenden und pulsierenden Punkte sind echte Sterne."

Fasziniert und beeindruckt lauschte sie seinen Ausführungen und bemerkte bald, dass er hier wirklich von einer Leidenschaft, eine seiner Leidenschaften sprach, und das machte sie unsagbar glücklich. Wer hätte je gedacht, wie oder dass er so sein konnte? Alles hatten sie ihm abgesprochen – Hobbys, eine normale Wohnung, normale Kleidung... Sie hatten ihm nichts zugetraut, nichts gegönnt und nichts gewünscht. Umso mehr wollte sie erfahren und sie hätte ihm endlos zuhören können.

„Bitte sprich weiter."

Daraufhin drehte er sich zu dem dunkelsten der Bilder, das über dem Kamin hing und dadurch in ein Zwielicht getaucht war.

„Warte, ich glaube, das ist die Milchstraße."

„Du hast recht. Unsere Galaxie."

Dieser filigrane, flirrende Streifen, der von weitem aussah wie ein Sandweg, waren in Wirklichkeit unzählige winzige, leuchtende Punkte über einem dunklen, fast schwarzen Hintergrund, der die unendliche Tiefe des Weltalls darstellen sollte. Jeder einzelne hatte seine Bedeutung... Die meisten waren Sterne und Sonnen, von denen man die Planeten nicht unterscheiden konnte, waren sie doch allesamt so klein und vermeintlich unbedeutend. Was für eine Arbeit musste das gewesen sein, sie alle auf die Leinwand zu bringen.

Hermione staunte mit offenem Mund und er betrachtete sie erfreut...oder eher erstaunt. Er konnte es kaum fassen, dass er hier mit ihr stand, dass er überhaupt mit jemandem in seiner Wohnung stand, der sich für ihn, für seine...Welt interessierte. Sein tiefstes Innerstes hoffte, dass es nie wieder anders sein würde.

Nachdem er ihr das dritte Bild erklärt hatte, ließ er sie erneut stehen und kam mit zwei Gläsern Weißwein aus der Küche.

„Besser als rot?"

„Etwas anderes hätte auch gereicht."

„Ja, aber ich hatte Lust darauf."

„Danke.", sagte sie etwas verlegen.

Er war wieder er, Severus, und doch war alles so anders, jetzt, wo sie bei ihm war. Und trotzdem...eine Antwort auf ihre Frage nach ihrem Raum hatte sie immer noch nicht bekommen. Unterbewusst machte ihr das zu schaffen, aber sie wollte den Abend genießen und auf keinen Fall noch einmal nachhaken.

Als wenn er Gedanken gelesen hätte, begann er selbst.

„Ich bin dir noch eine Antwort schuldig. Und ich muss zugeben, dass ich darüber die ganze Zeit nicht nachgedacht habe, weil ich mit anderen Dingen besch... zu kämpfen hatte. Hast du die Antwort...nicht schon selbst...gesehen?"

„Gesehen? Wie meinst du das?"

„Du hast wirklich noch keinen Schritt gemacht, oder?"

„Nein."

Severus nahm ihre Hand, entzündete im Gehen die Kerzen und führte sie in am Kamin vorbei in den hinteren Teil des Wohnzimmers, wo ein weiterer großer, alter Lesesessel irgendwie verloren und fehl am Platz stand, und dann...sah sie ihn.

Hermione presste sie eine Hand auf den Mund und ging um den Flügel herum.

Irgendwann fand sie ihre Sprache wieder. „Ist das...meiner?"

„Erkennst du ihn nicht?", fragte er halb erstaunt, halb amüsiert.

„Doooch. Wie... Seit...wann...?"

„Mit Magie, Hermione.", lachte er. „Und gleich nachdem ich ihn dir gezeigt hatte. Erinnerst du dich? Ich habe dich noch in die Bibliothek geschickt. In der Zeit habe ich den Flügel in meine Wohnung verfrachtet und Merlin gedankt, dass ich keinem begegnet bin währenddessen. Wie du siehst... Es war alles anders geplant..."

Sie ging zu ihm und stand nun ganz nah vor ihm.

„Nach den Ferien...hättest du...gar keine Gelegenheit mehr gehabt...gebraucht, in deinen Raum zu gehen, dann hättest du schon gewusst... Was ich sagen will ist,...ich...wollte dich hier haben, nicht irgendwo zig Stockwerke weiter weg."

Stumme Tränen rannen ihr die Wangen hinunter, als sie ihn fest in den Arm nahm und erst einmal nicht mehr losließ. Das war ihr letztes Puzzleteilchen gewesen und es passte perfekt. Wie verletzt musste er gewesen sein in den drei Wochen. Wer konnte wissen, wie oft er hier auf dem alten Hocker gesessen und sich vorgestellt hatte, wie es wäre, wenn sie da wäre. Das war ihr erster Gedanke gerade gewesen und brach ihr fast das Herz. Die letzte Gewissheit hatte sie nun bekommen, dass nichts von dem wahr gewesen ist, was er ihr entgegengeschrien hatte. Nichts.

Er rückte ein wenig von ihr ab, um sie küssen zu können. Sie erwiderte es nur zu gerne und bald fand sie sich an den Flügel gelehnt wieder, während sie immer mehr ihrer Leidenschaft verfielen.

Damals war es zwar mal eine...interessante Variante gewesen, aber noch einmal wollte er es nicht erleben. Deshalb ließ er von ihr ab.

„Kommst du noch einmal mit mir mit?"

Ohne zu überlegen streckte sie ihm ihre Hand entgegen und folgte ihm auf die gegenüberliegende Seite der Wohnung.


„Blau?"

„Wie bitte?"

„Es ist blau?"

„Hermione, nach all der Zeit…und du sagst das? Du bist unglaublich!"

„So hätte ich es mir nur nie vorgestellt…nicht so…un-slytherin."

Hermione stand wie angewurzelt in der Tür zum Schlafzimmer und blickte sich ungläubig um. Sie bewunderte die nachtblauen Sternenvorhänge, den aus gleichem Stoff gefertigten Betthimmel und die hellen, flauschigen Teppiche rundherum. Wenn sie es recht überlegte, deutete nichts in seiner Wohnung darauf hin, dass er das Oberhaupt der Schlangen war. Nur in seinem Büro hing das slytherinsche Wappen an der Wand und die Sessel waren aus dunkelgrünem Samt.

Sein Schlafzimmer gefiel ihr umso mehr. Auf der rechten Seite stand ein großer, alter und verzierter Schrank. Daneben, in der hinteren Ecke, ein weiterer Lesesessel, wie sie ihn schon im Wohnzimmer gesehen hatte. Darüber, weit oben, gab es ein kleines, halbrundes Fenster, das in die dicken Mauern des Schlosses eingelassen war. Links neben der Tür und somit gegenüber des Bettes stand eine kleine Kommode, worüber ein weiteres Bild mit Sternenmotiv hing, das sie besonderes fesselte. Nach längerem Hinsehen musste sie sich regelrecht davon losreißen, um sich wieder ihm zuzuwenden, der ihr still die Zeit gegeben hatte, die sie brauchte, um sich letztendlich...überaus behaglich zu fühlen.

Severus trat näher zu ihr und umarmte sie von hinten.

„Komm", flüsterte er, „denk nicht soviel nach, ich schulde dir noch etwas von…aus der Pause."

Erneut nahm er ihre Hand und führte sie zu dem großen Bett, dessen Decken und Kissen mit nachtblauem Stoff bezogen waren. Jetzt wusste sie, warum ihm die Wäsche so gut gefallen hatte, die er ihr geschenkt hatte.

Sie setzte sich und er tat es ihr gleich. Sanft begann er, sie zu küssen. Erst ihre Hand, dann den Mund, den Hals entlang und wieder zurück. Über so viel Zärtlichkeit überrascht, über wieder so viel Zärtlichkeit überrascht, konnte sie nichts anderes, als seine Küsse zu erwidern und sich ihnen voll und ganz auszuliefern. Diese Behandlung war das genaue Gegenteil von vorher, von seinem schnellen…Überfall in der Pause. Nicht, dass sie das gar nicht mochte, aber es war so völlig überraschend gekommen nach dieser Zeit, dass sie es weder hatte vorhersehen noch vollkommen genießen können.

„Ich habe gesagt, ich schulde dir etwas. Das kommt gleich..."

Kurz musste er grinsen, obwohl er das gar nicht wollte.

„...aber ich muss mich auch entschuldigen für das, was...während der Pause geschehen ist. Es ist unverzeihlich und darf nicht passieren, vor allem nicht... Hermione, ich..."

„Ssscht.", machte sie und legte ihm ein Finger auf den Mund.

„Das musst du nicht. Das sind...Gefühle. Zu einer anderen Zeit...ich meine, wenn wir vorher... also...ich hätte das bestimmt genossen... Vielleicht gibt es ja mal eine Wiederholung..."

Über ihre Worte konnte er nur den Kopf schütteln, wobei sie nicht wusste, ob das wegen ihrer Offenheit war oder im Bezug auf die Frage nach der Wiederholung. Mehr Reaktion kam nicht von ihm, außer dass er da weitermachte, wo er aufgehört hatte.

Langsam zog er ihr Shirt aus und deutete ihr, sich hinzulegen. Dann befreite er sie mit unendlicher Bedächtigkeit von dem Rock und schaute sie immer wieder an, ob sie auch mit allem einverstanden wäre. Sollte sie nur einmal ein Unbehagen in ihrem Blick zeigen, so würde er sofort aufhören, hatte er sich geschworen. Das war noch nie vorgekommen, und trotzdem wollte er noch besser darauf aufpassen als sowieso schon.

Anschließend entledigte er sich selber seiner Sachen bis auf die Shorts, kniete sich über sie und begann die formvollendet zu verwöhnen.

Zuerst küsste er sie wieder innig, während er beide Hände dazu benutzte, ihren ganzen Oberkörper mit Streicheleinheiten zu versorgen, wobei er auch ihre Arme und Hände nicht vergaß. Mit seinem Mund arbeitete er sich ihren Hals hinunter, verteilte Küsse entlang ihres Schlüsselbeins und auf ihren Brüsten, nachdem er sie mit unendlicher Sanftheit zuerst durch den Stoff ein wenig gereizt und sie dann davon befreit hatte.

Immer noch kniete er über ihr und hörte ihr leises und wohliges Stöhnen, das sich noch intensivierte, als er ihren längst durch seine Bemühungen aufgerichteten Brustwarzen abwechselnd mit seinen Händen und seinen Lippen noch mehr Aufmerksamkeit zuteil werden ließ.

Langsam sehnte sie sich nach mehr und versuchte, ihre Beine unter ihm zu befreien, dass sie sie um ihn schlingen konnte. Das ließ er aber nicht zu, sondern rutschte nur etwas tiefer, dass er mehr von ihr vor sich hatte.

Jetzt begann er, ihre Beine mit einzubeziehen und streichelte sie auf und ab, während er sich zwischendurch immer wieder zu ihr hinunterbeugte, um ihre Brüste zu liebkosen oder sie zu küssen. Als wenn er sie quälen wolle, dachte sie, machte er mit seinen Händen immer wieder einen Bogen, wenn auch nur einen kleinen, um ihre Mitte, dass sie begann, sie unter ihm zu winden und immer wieder zu versuchen, ihre Beine zu befreien. Weil seine eigenen Beine links und rechts neben ihr knieten, saß er fast auf ihren und hatte sie immer noch fest im Griff, wenn es auch keineswegs wehtat. So hatte sie keine Chance, ihm zu entkommen.

Wenn sie doch einen Versuch startete, beugte er sich wieder kurz zu ihr herunter und besänftigte sie mit Küssen, wobei sie seine eigene Erregung an ihrem Körper spürte, was ihr nur noch mehr Verlangen bereitete.

Als er endlich damit anfing, eine Hand zu ihrem Zentrum zu bewegen und gleichzeitig mit der anderen ihre rechte Brust zu streicheln, stöhnte sie laut auf. Das war für ihn Zeichen genug, dass er weitergehen konnte. Kurz ließ er von ihr ab und befreite sie von ihrem Slip, den er achtlos auf den Boden warf, nur, um sie sofort wieder voll und ganz in Beschlag zu nehmen. Diesmal nahm er ihre Beine und positionierte sie rechts und links neben sich. Dann zog er sie näher zu sich, dass ihr Becken nun auf seinen Knien ruhte.

So gerne hätte sie ihn näher bei sich gespürt, ihre Hände in seinen Haaren vergraben oder noch mehr, was einfach nicht möglich war. Sie war ihm vollkommen ausgeliefert und versuchte, es zu genießen.

Um nicht gänzlich vor Lust umzukommen, fiel ihr Blick hin und wieder auf das große, dunkle Sternenbild an der Wand, das sie selbst in den Momenten noch in seinen Bann zog.

Wenn sie meinte, sie hätte sich wieder im Griff, fiel ihm etwas Neues ein. Jetzt benutzte er seine linke Hand, um ihre Mitte mit kreisenden Bewegungen weiterhin zu reizen, während er mit der anderen feststellte, dass er nicht warten musste, sondern seinen Finger mit Leichtigkeit in ihr versenken konnte, was mit einem lauten Seufzer quittiert wurde. Bald wand sie sich wieder unter seinen Berührungen und wollte sich aufsetzen, damit sie ihn mit sich ziehen konnte, auf sich...in sich. Wieder und wieder hielt er nur kurz ihren Kopf mit einer Hand fest, damit er sie küssen konnte, dann ließ er sie zurück in die Kissen gleiten und setzte seine Bemühungen fort. Kaum ein paar Minuten waren vergangen, da fing sie an zu wimmern.

„Was möchtest du, Hermione?"

„Dich. Noch...nicht...gemerkt?"

„Du solltest versuchen, dich klarer auszudrücken."

Er rutschte ein wenig nach hinten und unten, um das anderweitig fortzusetzen, was er mit den Händen begonnen hatte.

„Sooo...meinte...ich...das...nicht."

Eigentlich war er ein kleines bisschen erleichtert darüber und hatte es eigentlich schon vorher gewusst. Sie jetzt auch noch zu schmecken, hätte ihn wahrscheinlich selbst an den Rand des Wahnsinns gebracht, musste er sich doch schon so sehr zurückhalten, um nicht allein durch ihre Laute und durch die Berührung ihres so weichen und warmen Körpers zu kommen.

„Ich möchte dich...jetzt!"

„Hermione...ich...hatte...schon vorher mein...Vergnügen. Jetzt bist du dran."

„Ich...verzeihe dir...alles...wenn du nur..."

Unbeirrt machte er weiter, brachte sich wieder in die ursprüngliche Position, nur dass er sie diesmal noch weiter zu sich heranzog, sodass ihre Mitte nicht mehr auf seinen Knien lag, sondern fast auf seiner eigenen. Das spürte sie natürlich genauso wie er und es war eine Qual sondergleichen für beide. Als er erneut seine Finger so perfekt zum Einsatz brachte, konnte sie nicht mehr. Unbeholfen taste sie über ihren Kopf hinweg, fand ein Kissen und krallte sich mit aller Kraft daran fest, dass sie wenigstens dort ihre überschüssige Energie loswerden konnte. Kaum eine Minute später kam sie unter seinen Händen mit einem lauten Stöhnen der Erleichterung. Er spürte ihr Pulsieren und musste sich so zusammenreißen, dass selbst ihm nur noch ein Keuchen entwich.

Langsam strich er über ihre Beine und ihren Bauch und beobachtete ihre Mimik. Ewig könnte er sie betrachten, wenn da nicht...

Sie öffnete ihre Augen und traf seinen Blick. Ein Stück rutschte sie von ihm runter, dass sie wieder auf dem Bett saß, umfasste seinen Hals und zog ihn mit sich runter.

„Das ist keine gute Idee...", raunte er gegen ihren Hals.

„Du kannst mir nicht erzählen, dass du so einschlafen kannst..."

„Tue ich nicht...kann...ich...nicht."

„Dann wird es Zeit, dass..."

Weiter redete sie nicht, sondern zog seine Shorts soweit runter, wie sie konnte, und deutete ihm mit ihren Händen die einzig richtige Richtung. Es dauerte nicht lange, dass sie beide laut und gemeinsam explodierten und danach erschöpft aber glücklich einfach nur nebeneinander lagen.


Später hatten sich ein Kissen hochgestellt, saßen Schulter an Schulter und lehnten mit dem Rücken am Kopfende des Bettes.

Tausend Dinge gingen ihm durch den Kopf, gute, schlechte, zermürbende... So viele Gedanken, die gar nicht sein mussten im Bezug auf sie und sie beide. Einer davon war, dass es am ersten Abend bei ihm gar nicht so weit hätte kommen sollen, doch es war geschehen und alles hatte sich wieder einmal so richtig angefühlt. Und auf keinen Fall sollte sie bei ihm übernachten, schon gar nicht, wenn am nächsten Tag Unterricht war. Und dann holte sie ihn in die Wirklichkeit zurück und der Gedanke löste sich auf, als sei er nie da gewesen.

Nach einem erneuten Kuss schaute sie wieder auf das Bild an der Wand gegenüber des Bettes und wollte gerne auch über dieses etwas erfahren, weil es sie fast noch mehr gefesselt hatte als die anderen im Wohnzimmer.

Auf den ersten Blick konnte man nur einen gewöhnlichen Nachthimmel aus der Bodenperspektive sehen, der am unteren Rand von einer Reihe von im Nachtschatten erkennbaren Bäumen begrenzt wurde.

„Das Sternbild Perseus...mit seinen hellen Sternen Mirfak und Algol. Daneben das Himmels-W – schon einmal gesehen?"

„Jaaah...Cassiopeia, oder? Opa hat es mir mal gezeigt, als ich noch jünger war."

„Der Name ist richtig. Hat sich dein Großvater für Astronomie interessiert?"

„Das hat er. Leider weiß ich nicht soviel davon und in den letzten Jahren war so wenig Zeit und dann...ist er gestorben.", erzählte sie traurig.

Er ging nicht darauf ein, nicht sofort.

„Perseus...", begann er und deutete auf die Mitte des Bildes, „...ist eine Gestalt aus der griechischen Mythologie. Er hat das Böse besiegt...Medusa."

„Das Böse?"

„Kennst du die Geschichte nicht?"

„Nicht so gut."

„Die Medusa galt seit jeher als eine geflügelte Schreckensgestalt, eine Gorgone, deren Haare Schlangen waren. Jeder, den sie ansah, wurde versteinert und wurde demnach von ihr...ermordet."

„Oh..." Hermione wusste nicht recht, warum er gerade an so eine Geschichte erinnert werden wollte, doch er war noch nicht fertig mit seiner Erzählung.

Als wenn sie es nicht bemerken sollte, nahm er ihre Hand und drückte sie ganz sachte.

„Meine Mutter hat mir die Geschichte oft erzählt, als ich noch nicht nach Hogwarts ging, als ich noch ein Kind war. Einen Teil davon habe ich damals nie verstanden. Sie sagte immer: Irgendwann wird die Schlange besiegt, du wirst sehen, Severus. Vergiss das niemals."

Seine Stimme wurde immer leiser, bis es nur noch ein Flüstern war.

„Und sie sagte, dass, egal wer es ist, was man ist, man das Böse besiegen kann. Dafür bräuchte man kein Held zu sein, sondern man müsste nur in sich selbst hören, wenn man das Böse erkennen wollte. Perseus hat gesiegt, er hat das Böse besiegt."

Hermione erwiderte seinen Händedruck und legte ihren Kopf auf seine Schulter.

„Es ist vorbei.", sagte sie schlicht und er nickte nur.

Sie überlegte, ob seine Mutter vielleicht seinen Vater gemeint hatte, unter dem die beiden so sehr gelitten hatten, oder ob sie wieder, schon oder immer noch Voldemort gemeint hatte, der damals schon das personifizierte Böse war, wenn auch nicht so stark wie wenige Jahre später. Vielleicht hatte sie schon etwas geahnt – Mütter waren zu Vielem fähig. Die Geschichte passte einfach viel zu gut, als dass sie sie einfach nur so immer wieder erzählt hätte. Sie war zerbrochen unter ihrem Leben, aber ihr Sohn hatte überlebt und er begann gerade, wieder zu leben oder überhaupt zu leben.

„Das Bild wird noch schöner, wenn man es mit anderen Augen betrachtet."

„Es gab nicht viele...Ausflüchte aus dem Leben damals.", erzählte er weiter und zog die Knie zu sich heran. In der Küche hat sie sich oft ganz leise mit mir unterhalten, hat mir alles über Kräuter, Pflanzen und Blumen beigebracht, weil sie es liebte. Wenn er nicht da war, haben wir, als ich etwas älter war, einfache Zaubertränke gebraut, wenn etwas dafür übrig... Außerdem konnte sie mir dann auch all ihre Geschichten erzählen. Das waren die wenigen schönen Momente. Sonst gab es für mich nur den Ausweg in mein kleines Zimmer, wo ich nachts oft auf dem Boden gesessen und den Sternenhimmel betrachtet habe. Auf irgendeine Weise...hat es mir Mut gemacht. Außerdem war das die stillste Beschäftigung neben noch einer anderen, und das war gut so. Stille war die beste Methode, um...dem allem zu entkommen."

Hermione fühlte die Tränen in sich hochsteigen. Es war das erstemal, dass er mehr als einen Satz aus seiner Vergangenheit sagte, dass er sich selbst nicht unterbrach. Eine Antwort erwartete er nicht, er schien nur dankbar zu sein, dass sie zuhörte und dass sie da war und nicht vor ihm weglief. Es schien einfach der richtige Zeitpunkt zu sein – bewusst oder unbewusst.

Die Tränen konnte sie unterdrücken, denn sie wollte nicht, dass er sich schuldig für ihre Traurigkeit fühlte, die sie nur für ihn empfand. Was sie nicht unterdrücken konnte, waren die ganzen Gedanken, die neuen Dinge, die sie erfahren hatte, die Gefühle, die er mit seinen ernsten und monotonen Schilderungen hervorgerufen hatte.

Und irgendwann, als sie sich wieder ein paar Minuten in dem Bild verloren hatte, wurde es ihr klar.

Du hast gemalt, nicht wahr? Das war die andere, stille Beschäftigung."

Nach weiteren, endlos gefühlten Augenblicken antwortete er ihr.

„Ja... Es hat mich damals schon für Stunden...abgelenkt, in eine andere...in eine bessere Welt entführt und das hat mich nicht mehr losgelassen."

„Sie sind alle von dir, oder?"

„Ja."

„Und in jedem steckt so unendlich viel von dir..."

„Ja."

„Erzählst du mir die Geschichten zu den anderen Bildern?"

Sie merkte, wie er zögerte.

„Irgendwann einmal...vielleicht."


Das war mehr, als sie jemals von ihm erhofft hatte.

Und irgendwann später, in irgendeiner anderen Zeit, würde ihr bewusst werden, dass es dieser Moment gewesen war, in dem sich ihr Verliebtsein in eine aufrichtige Liebe verwandelt hatte.


Severus richtete sein Kissen, legte sich hin, packte sie um die Taille und zog sie einfach zu sich. Dann deckte er sie sorgsam zu, küsste sie auf die Stirn und sagte schlicht und einfach „Gute Nacht."

Es gab keine Erklärungen, keine Fragen, nichts weiter. Für ihn schien alles klar und sie verbrachte die erste Nacht bei ihm, wo es sich anfühlte, als sei sie Zuhause.


Mittlerweile war längst der Mai gekommen, vielmehr gesagt ging er schon wieder dem Ende entgegen. Hin und wieder oder ziemlich oft, je nach dem, wie man es sah, hatten sie sich bei ihm getroffen und sie hatte sogar die ein oder andere Nacht komplett bei ihm verbracht. Sie waren übereingekommen, dass das nicht immer ging. Nachdem durch Zufall aber herausgekommen war, dass sie eigentlich ein eigenes Zimmer hatte und es nicht wirklich oder nicht oft auffallen würde, wenn sie nicht da wäre, hatte er sich etwas...nachsichtiger gezeigt und sich öfter hinreißen lassen, sie bei sich übernachten zu lassen.

Durch sein Koma nach der Schlacht und dem langen Aufenthalt auf der Krankenstation waren ihm nicht alle Neuregelungen, die ihn nicht direkt betrafen – zum Beispiel Raumaufteilung bei den Gryffindors – bekannt.

Das Wetter zeigte sich schon viele Tage wieder von der schönsten Seite. Leider hatte Hermione dafür absolut keinen Sinn. Langsam wurde ihre Panik größer, denn mit jedem Tag, der verging, rückten die besonderen Tage näher…hoffentlich. Nach der Katastrophe hatte sie ihre Pille wieder peinlich genau und regelmäßig genommen und vor ein paar Tagen nach Vorschrift abgesetzt. Glücklicherweise zeigten sich bis jetzt keinerlei Anzeichen: Keine Übelkeit, keine Spannung in ihren Brüsten (sie hatte natürlich nochmal alles genau nachgelesen) und auch sonst keinerlei Beschwerden oder Stimmungsschwankungen, die nicht durch ihre Freunde oder durch Severus hervorgerufen wurden.

Das musste nur nichts heißen, denn jede Frau war anders. Zu Poppy konnte und wollte sie nicht gehen, um sich vorab Sicherheit und Ruhe zu verschaffen.

Als sie genau zwei Tage überfällig war, hielt sie es nicht mehr aus, nachdem sie die ganze Nacht nicht geschlafen hatte. Glücklicherweise war Samstagmorgen und sie hatte nicht bei Severus übernachtet, weil sie vorgegeben hatte, endlich nochmal lernen zu müssen, obwohl sie den Stoff schon beherrschte, seit sie ein Jahr auf Horkrux-Suche gewesen waren. In der Zeit hatte sie lange Tage und lange Nächte gehabt und sie hatte sich damals mit Büchern eingedeckt und sich durch Lernen von der Verzweiflung und der Angst ablenken können, die sie alle und fast jeden Tag beherrschte.

Nun war sie des Wartens überdrüssig und verschwand in aller Frühe in die Winkelgasse. Kaum jemandem war sie in den Gängen begegnet und glücklicherweise hatte Ginny mal wieder bei Harry übernachtet, so dass sie keine langen Erklärungen abgeben musste. Dass sie sich einen Test aus einer normalen Muggelapotheke holen wollte, hatte sie längst beschlossen und irgendwann einmal erwähnt, und jetzt musste es sein. Sie apparierte direkt an den Ausgang zu Muggellondon und suchte sich die erstbeste Apotheke. Einfacher wäre es gewesen, in ihren Stadtteil zu gehen, doch sie wollte nicht riskieren, dass sie jemanden traf oder dass sie jemand erkannte.

Mit dem besten und teuersten…Leichtsinn in der Hand apparierte sie direkt zurück vor die Grenzen Hogwarts'. Mit immer größer werdenden Aufregung und wirren Gedanken über die Zukunft lief sie über die Wiese und sah nicht den dunklen Schatten, der sich vom Verbotenen Wald aus näherte.

Als er fast neben ihr war, drehte sie den Kopf und zuckte zusammen.

„Miss Granger…so früh schon unterwegs?"

Hermione umklammerte ihr kleines Täschchen mit dem brisanten Inhalt noch fester, als ohnehin schon.

„Oh, Professor, jaaah… So früh ist es gar nicht mehr."

„In der Tat. Ich wünsche ihnen einen guten Morgen."

Er hielt Abstand zu ihr. Zwar waren keine Schüler in der Nähe, doch man konnte ja nie wissen.

„Du musst genervt und ertappt aussehen."

„Quatsch…"

„Quatsch sagst du?"

Fast hätte darüber gelacht, wie sie mit ihm redete.

„Sieh dir die vielen Fenster des Schlosses an. Hinter jedem könnte einer stehen und uns beobachten."

„Weiß ich. Ich bin dir nur die ganzen Jahre relativ neutral gegenüber getreten, warum sollte sich das ändern?"

„Stimmt. Wo warst du? Ich dachte, du lernst?"

„Habe ich gestern Abend."

Seine Antwort war ein fragender und strenger Blick, weswegen sie sich wirklich eine Notflunkerei einfallen lassen musste, die aber zu ihrem inneren Frieden nur eine halbe Flunkerei war. Ob er ihr misstraute? Ob er eifersüchtig war? Nein, eifersüchtig auf keinen Fall, denn er war nie eifersüchtig – erst nach der Einnahme von Veritaserum.

„Mein Dad hat ziemlich bald Geburtstag, da wollte ich ihm in London etwas kaufen, aber ich habe es nicht gefunden."

„Wann ist der Geburtstag?"

„Am 31. Mai."

„Das ist nicht ziemlich bald, das ist morgen!"

„Ähm...tatsächlich."

„Wo hast du nur deine Gedanken? Dann hast du wirklich nicht mehr viel Zeit. Kann ich dir helfen?"

Sie schlenderten langsam mit gut zwei Meter Abstand in Richtung Schloss.

„Nein, danke dir. Du könntest etwas anderes tun."

„Was?"

„Du könntest mitkommen."

„Ist nicht dein Ernst, hoffe ich."

„Irgendwann geht kein Weg mehr dran vorbei."

„Du meinst nicht, was ich denke..."

„Ich denke schon. Irgendwann werdet ihr euch kennen lernen."

„Das muss nicht sein."

„Hast du Vorstellungen."

„Nicht nur ich."

„Wir sollten das Thema…vertagen."

„Glaube ich auch. So ist es etwas anstrengend."

Das restliche Stück zum Haupteingang gingen sie schweigend und er ließ ihr den Vortritt. Nach den letzten Stufen hörten sie schon Stimmen in der Eingangshalle. Es war mittlerweile nach kurz nach neun und die Schülerschaft war zum Leben erwacht. Die meisten gingen erst zum Frühstück, ein paar wenige waren schon fertig und liefen in alle Richtungen.

Die, die sie bemerkten, guckten irritiert und fragten sich, was Snape schon wieder mit einer Schülerin zu meckern hatte. Fast jeder machte ein Bogen um ihn oder gingen so schnell wie möglich weiter.

Sein Ruf sollte ja nicht leiden, deshalb kam, was jeder als normal empfinden würde.

„Granger, mitkommen. Jetzt."

„Ja Sir.", presste sie hervor und versuchte, ihren Gesichtsausdruck anzupassen.

Manch einer aus den unteren Klassen schaute verängstigt oder mitleidig, und ein paar aus den oberen schüttelten mit dem Kopf, weil sie letztens das meiste von Snape abbekommen hatten. Nach einer kurzen Treppe kam ein Stück Gang, bevor es tiefer in die Kerker ging. Da drehte er sich um und entließ sie wieder, dass sie frühstücken gehen konnte. Ihre Freunde würden sie sicher vermissen und deshalb war es besser so.

„Hast du nicht noch etwas vergessen?", fragte sie ihn mit leuchtenden Augen. Severus überlegte ein Moment und zog eine Augenbraue hoch. Danach streckte er seinen Zauberstab in die Luft, hielt ihn weiterhin hoch, murmelte etwas und drückte Hermione sanft gegen die Wand. Mit der anderen Hand zog er ihren Kopf zu sich und küsste sie leidenschaftlich.

„Guten Morgen.", unterbrach er seine Aktion kurz, bevor er wieder mit seiner Zunge um Einlass bat.

„Dir…auch", erwiderte sie atemlos, als er sie losließ. „Das…verlangt...nach…einer Fortsetzung."

„Tut es das?" Man könnte beinahe glauben, er sei amüsiert. „Nun, wenn du dich heute Abend für einen Moment frei machen…". Er räusperte sich. „…wenn du ein wenig Zeit hast, könntest du vorbeikommen."

„Wirklich?"

„Hermione!"

„Ich weiß, wenn du es nicht so meinst, dann sagst du es nicht. Die Uhrzeit kann ich noch nicht sagen."

Konnte sie wirklich nicht, denn sie musste immer auf einen guten Moment oder eine gute Situation warten, die es ihr ermöglichte, sich von ihren Freunden, aus der Halle, aus dem Zimmer oder dem Gemeinschaftsraum zu entfernen. Außerdem stand das weitaus Schwierigere noch bevor: Der Test. Sie hatte keine Ahnung, wann sie sich trauen würde, ihn durchzuführen, auf jeden Fall aber musste es noch am gleichen Tag sein, sonst würde sie nicht mehr ohne ein Beruhigungsmittel auskommen.

„Das weiß ich auch. Sei bitte wie immer vorsichtig."

„Und ob. Bis später."


*Alice Cooper: „The Nightmare Returns"*


All ihre Freunde waren beim Frühstück versammelt und sie freute sich jeden Tag aufrichtig auf sie, denn mittlerweile fühlte sich alles – fast alles – wieder ein bisschen wie Normalität an. Abgesehen der Tatsache, dass sie mit Professor Snape zusammen war, dass sie Angst hatte, von demselben schwanger zu sein, dass sie alles geheim halten musste und dass sich Ron irgendwie komisch benahm. Sonst war alles normal. Kein Grund, Panik zu schieben. Nein.

Mit einem kleinen, halb echten, halb aufgesetzten Lächeln ging sie zu ihrem Tisch und wurde sofort von Ginny, Harry und ein paar anderen angestrahlt. Offenbar sah jeder, dass es ihr wieder besser ging und dass es nicht weiter gefährlich war, sie anzusprechen oder dass man sich Sorgen um sie machen müsste. Keine großen zumindest, denn das hatte man deutlich gesehen in den vergangenen Wochen.

Als sie zum Turm zurückgingen, nahm sie Ginny beiseite und erklärte ihr, dass sie Hilfe bei dem Test bräuchte, die sie natürlich direkt zugesagt bekam. Mit einer wie immer fadenscheinigen Ausrede befreiten sie sich von den Jungs und schlossen sich in Hermiones Zimmer ein.

Sie gab ihrer Freundin den Test, nachdem sie die Gebrauchsanweisung zur Hälfte durchgelesen hatte, und bat sie, ihn durchzuführen. Den Absatz über die Auswertung des Tests und wie eine etwaige Schwangerschaft aufgezeigt wird, hatte sie wohlweißlich außer Acht gelassen – das sollte Ginny lesen und es ihr dann, im Fall der Fälle, möglichst schonend beibringen.

Ungefähr zehnmal hatte sie Ginny erklärt, wie sie es machen müsste, bis sie nur noch mit den Augen rollte und eine zitternde Hermione ins Bad schob.

Der Teststreifen war schnell vorbereitet und Hermione lief zurück ins Zimmer, kauerte sich auf den Boden hinter dem Bett und dachte, dass die Minuten, die sie warten musste, in Wirklichkeit Stunden waren.

Als der verzauberte Wecker klingelte, hörte sie Ginny im Bad hantieren und kurz darauf zuckte sie durch einen Schrei zusammen.

„Waaaah…", schrie Ginny, „…es wird ein Mädchen!"

tbc


A/N:

Wen es interessiert: Vor kurzem erst habe ich gelesen, dass Alan ausgebildeter Grafikdesigner ist und wirklich malen kann...also habe ich das einfach auf Sev übertragen ;o)

Vielleicht zu abwegig, aber wer weiß schon, was er so in seinen Kerkern in seiner Freizeit treibt... Für mich war es eine schöne Vorstellung, die mir einfach so...vom Himmel vor die Tastatur fiel.