A/N:

Ihr Lieben!

Die Autorin grinst breit, hat geschwiegen und genossen. Hab ich euch doch wirklich aufs Glatteis geführt? Ach, was für eine Freude. Was rede ich hier lang...lest selbst – Mine erklärt es euch.

VLG KeyMagic

P.S.: Verzeiht, das Kapitel hat sich immer wieder selbst verlängert...es gab so viel zu sagen ;o) Hoffe, ihr habt ein bisschen Spaß?


Kapitel 34


*Rooney: „Are You Afraid?"*


„Waaaah…", rief Ginny, „…es wird ein Mädchen!"

„Wie sehr habe ich mir ein Mädchen gewünscht, wenn schon keine Schwester, dann wenigstens ein Patenmädchen… Hauptsache, ich werde Patin…werde ich doch…oder? Ich hab in Hogsmeade letztens so ein schönes Mützchen gesehen, das hatte…"

„Ginyyyyyyyyyyyyy", schrie Hermione hysterisch, „…bist du wahnsinnig? Woher willst du wissen, was es wird? Hast du irgendeinen verdammten Zaubertest gemacht? Willst du MICH FERTIGMACHEN?"

„Hab ich nihicht…", sang Ginny und wedelte mit dem Teststreifen, als sie aus dem Bad in Zimmer kam.

„Was hast du da?"

„Den Test, sonst nichts. Ich hab ihn genauso gemacht, wie du mir zwanzigmal erklärt hast."

„Und was hast du DANN GEMACHT?"

„Gewartet."

„ICH BRING DICH GLEICH UM! WAS IST DABEI RAUSGEKOMMEN?"

„Hab ich doch schon gesagt! Ein Mädchen!"

Hermione sprang auf, was sie leicht schwindelig werden ließ, und baute sich vor ihrer Freundin auf.

„Der Test KANN so etwas nicht anzeigen. Gib ihn her! Sonst weiß ich so viel wie vorher. Ich flipp gleich aus." Sie war echt mit den Nerven am Ende.

Ginny blieb ganz locker stehen.

„Hier sieh doch…da ist ein rosa Streifen! Wenn im anderen Feld noch einer gewesen wäre, wären es doch sicher Zwillinge...wobei...wie hätten die das bei Drillingen..."

„HÖR AUF ZU QUATSCHEN."

„Wir können eh nichts mehr ändern."

Hermione lief ins Bad, holte ihre Sachen, las den kurzen Abschnitt, der ihre Vermutung bestätigte, und drückte Ginny die leere Verpackung samt Beipackzettel gegen die Brust.

„Lies, verdammt! Lies WEITER! Weiter unten! Und zwar jetzt und RICHTIG!"

Ginny las und biss sich auf die Unterlippe.

„Uhuuups!"

„UHUUUPS? Ist das ALLES, was du dazu sagst? Ich hatte fast einen HERZINFARKT! Was steht da, hm? Ich hatte gesagt, du sollst es VORHER lesen, meine Güte."

„Hab ich doch…überflogen", gab sie kleinlaut zu. Dennoch hätte sie fast lachen müssen, was sie um ihrer Sicherheit willen krampfhaft versuchte, nicht zu tun.

„Ich dachte, rosa und blau…du weißt schon."

„DIE STREIFEN SIND IMMER ROSA. Stell dir vor, MISS, ich hätte ihm gesagt, hör zu, mir ist da ein Missgeschick passiert: Es wird ein Mädchen…hm? Und zwei Stunden später ach entschuldige, Ginny hat sich nur vertan. Was denkst du, wäre dann passiert?"

„Ähm…Katastrophe?" Sie trat unruhig von einem Fuß auf den anderen.

„Katastrophe?! ES WÄRE EIN VERDAMMTER WELTUNTERGANG GEWESEN! Nach seiner Reaktion hätte ich vermutlich um einen Crucio gebettelt, und DU SAGT ÄHM? Boah, Ginnyyy. WAS steht da? Lies es nochmal!"

Hermione tippte auf den Zettel, den Ginny immer noch an ihre Brust presste.

„Erscheint nach der oben genannten Wartezeit ein schmaler, rosafarbener Strich auf dem Testfeld, so bedeutet das, dass keine Schwangerschaft vorliegt. Sollte das zweite…"

„Das reicht. Es reicht. Mir reicht's. Warte ab, bis wir uns wiedersehen, MISS."

Sagte es, verließ das Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu.

Ginny stand erstarrt im Zimmer und fächerte sich mit dem Beipackzettel Luft zu. Anschließend brach sie in Gelächter aus – hätte sich Hermione bloß selber sehen können. Und dann begann sie sich zu fragen, ob ihre Freundin wirklich sauer war oder nur...völlig...nervenlos.


Beim Mittagessen trafen sie sich alle wieder. Hermione ging sogar auch hin und hatte sich wieder beruhigt. Wenn es nicht so eine ernste Situation gewesen wäre, hätte man ja fast über Ginny lachen können. Wirklich nur fast. Nicht auszudenken, hätte sie es nicht nachgeprüft und Severus gebeichtet, was ihr für ein fataler Fehler unterlaufen war. Zu allem Überfluss war er ihr auch nochmal im Flur begegnet und hatte sofort gemerkt, dass sie offenbar völlig vor Wut schäumte.

Sie hatte sich mit der Erklärung herausreden können, das Ginny im Bad eine Katastrophe verursacht hatte und Severus hatte nichts weiter als ein abfälliges „Weiberkram" dazu gesagt. Glück im Unglück, und sie hatte nicht einmal gelogen. Jetzt musste sie nur aufpassen, da er sich ausgerechnet heute ausgesucht hatte, zum Mittagessen zu erscheinen, was er an Wochenenden nur sehr selten tat. Entweder wollte er sie im Auge behalten oder er mochte das Essen. Hermione beschloss sich zu merken, was es gab: Französischen Quiche.

Neben Ron war noch ein Platz frei und sie setzte sich umständlich hin.

„Wo warst du den ganzen Vormittag? Wieder lernen?", fragte er, um etwas zu sagen zu haben. Natürlich hatte er in letzter Zeit mitbekommen, dass Hermione wieder so war wie früher, aber eben nicht ganz so wie früher. Weder er noch Harry hatten sich in den vergangenen Wochen getraut – seit es ihr offensichtlich wieder besser ging – mehr als nur das Übliche oder allgemeine Dinge zu fragen, und Harry schwor hoch und heilig, nicht mehr zu wissen, auch nicht von Ginny.

Die hielt ihr Versprechen ein und verriet nichts, was sie nicht durfte, schließlich war das ja nicht mal eben eine kleine Schwärmerei unter Schülern, sondern…sie wusste nicht, wie sie es nennen sollte, was da zwischen Snape – nein, Verus nannte sie ihn, wenn es um die beiden ging – und Hermione abging. Sie ließ es sich nicht nehmen, weiterhin von Verus zu sprechen, schließlich hatte sie ihn mit diesem Namen kennen gelernt und außerdem zog sie ihre Freundin gerne – sehr gerne – damit auf, weil sie sich dann so schön aufregte. Hermione hatte Angst, dass jemand Rückschlüsse aus dem Namen ziehen konnte, und wenn Ginny sich dann ganz gespielt entrüstet und empört verteidigte, dass sie den Namen ja von ihr selbst hätte, wurde Hermione ganz kleinlaut und das ließ Ginny dann noch mehr lachen. Natürlich verließ der Name nie das Schlafzimmer, denn in der Öffentlichkeit sprach Ginny, wenn überhaupt, nur von ihm.

Jedenfalls benahm sich Ron in letzter Zeit äußerst…erwachsen, zuvorkommend und freundlich.

Ja, er hatte schon kapiert, dass ihm seine Schwester ziemlich direkt gesagt hatte, dass es sich bei Hermiones angeblichem Freund um jemand anderen handelte, doch seitdem hatte er kaum oder gar nichts mehr zu diesem Thema gehört. Vielleicht gab es ihn ja gar nicht mehr, sonst würde sie doch sicher mal das ein oder andere Wochenende aus Hogwarts verschwinden und ihn besuchen. Er war doch ein Muggel, den sie in den Ferien kennen gelernt hatte, oder? Klar, sie war oft nicht da, vor allem an den Abenden. Das war kein Wunder, denn sie lernte sicher wie verrückt für die Abschlussprüfungen – so war sie immer gewesen.

Vielleicht sollte er auch mal langsam anfangen damit. Vielleicht würde sich aus dieser Situation noch einmal etwas ergeben, vielleicht...wenn er wirklich zeigte, dass er gut lernen wollte, seinen Abschluss ernst nahm und bereit war, für ein Erwachsenenleben nach der Schule. Ja, das könnte ihr vielleicht gefallen. Nur heute war Wochenende und da hatte er andere Pläne.

„Kommst du mit nach Hogsmeade?"

„Nein, lass mal. Ich hatte heute schon genug Ablenkung.", sagte sie und schaute an Rons Rücken vorbei auf Ginny.

Die machte immer wieder einen herzzerreißenden Hundeblick und klimperte mit den Augen, was sie selbst zum Lachen brachte. Hermiones Mundwinkel zuckten, was ihrer Freundin nicht entging, und damit war wieder alles gut zwischen ihnen. Naja, soweit... Der Tag war ja noch nicht zu Ende.

„Ach bitte, Hermione. Es könnte ein schöner Nachmittag werden und du musst doch auch mal Pause machen. Komm schon, wie früher."

Ron wollte wirklich gerne einen schönen, normalen Nachmittag mit ihnen...mit ihr verbringen. Trotz seines Hundeblicks, den er fast genauso gut beherrschte wie seine Schwester, merkte Hermione, dass er sich ganz vernünftig verhielt und auch – für seine Verhältnisse – vernünftig sprach, also stimmte sie zu. Ein Geburtstagsgeschenk für ihren Vater hatte sie nämlich immer noch nicht, so war Hogsmeade ihre letzte Chance, eines zu finden.

Das Blöde war nur, dass Severus Aufsicht hatte bei dem Ausflug. Das hatte er ihr vor dem Essen mit tödlich genervtem Blick gesagt. Zwar musste er sich nur um die unteren Klassen kümmern, das hieß aber nicht, dass sie sich nicht sehen oder nicht aufeinandertreffen würden. Egal, es würde keiner merken, warum auch.

Hermione konnte die schöne Maisonne wieder genießen. Der Test war vorüber und negativ. Was wollte man mehr? Sie würde ihn am nächsten Tag nochmal wiederholen – und zwar allein, denn sie hatte sich gleich drei aus der Apotheke mitgebracht. Sicher ist sicher. Dass sie zwei Tage überfällig war, hatte sie doch selber früher einleuchtend erklären können. So etwas konnte durch körperlichen oder emotionalen Stress oder durch einige andere Umwelteinflüsse durcheinander geraten, kein Grund zur weiteren Panik. Der emotionale Stress konnte bei ihr gar nicht höher gewesen sein seit der Entdeckung ihres...Leichtsinns.


Fröhlich gingen die vier Freunde in das gemütliche Zauberdörfchen, schauten hier und kauften da. Ginny entdeckte einen ganz bestimmten Laden, an dem sie nicht vorübergehen konnte und versuchte, alle hineinzudrängeln. Die Jungs weigerten sich beharrlich und erfolgreich und warteten draußen, bis die Mädels nach einer gefühlten Ewigkeit wieder aus dem Geschäft rauskamen. Ginny hielt freudestrahlend ein Päckchen in der Hand und Hermione schüttelte mit dem Kopf.

Schwatzend standen sie noch vor der Tür und bemerkten nicht, dass ihr Lieblingsprofessor im Anmarsch war.

„Miss Weasley…", sprach er sie hinter dem Rücken an und sie machte vor Schreck einen Satz nach vorne, nicht ohne einen kleinen Schrei von sich zu geben.

„…gibt es etwas, das wir wissen sollten?"

„Wie meinen sie, Sir?"

Snape nickte mit dem Kopf auf das Ladenschild über der Tür.

Witchbys & Wizbys – Alles für ihr zauberhaftes Baby

Ginny war total neben der…Mütze.

„Oh…äh…nein, Sir, es gehört…ihr!"

Mit den Worten drückte sie Hermione das Päckchen in die Hand, das liebevoll mit Papier eingewickelt war, auf dem lauter Störche, Eulen und Hippogreife zu sehen waren und auch noch mit einer dicken, rosafarbenen Schleife verziert war.

Als sie sich selbst noch sprechen hörte, merkte sie, was sie da gerade gesagt hatte.

‚Fehler, böser Fehler, fataler Fehler.' ging es sofort in ihrem Kopf rund.

Gleichzeitig zog Snape seine Augenbrauen in ungeahnte Höhen und fixierte Hermione.

Miss Granger? Haben sie eine Erklärung?"

Die stand nur da und versuchte, Ginny nicht zu erwürgen. Die griff – Merlin sei Dank – ein.

„Oh…nein, nicht so wie sie denken, Sir…Es…ich wollte es ihr nur zeigen…es ist für…"

„Ich warte, Weasley."

„...Ähm... Für Bill und Fleur…sie haben gestern...äh...Mum geeult, dass Fleur glaubt, dass sie...ein Baby bekommt."

„Davon weiß ich ja gar nichts!", mischte sich Ron ein und Ginny hätte ihm fast eine runtergehauen. „Warum hast du mir denn nichts gesagt. Und wann ist die Eule gekommen?"

„Halt die Klappe, Ron."

„Sie werden rot, Miss Weasley, das ist nie ein gutes Zeichen. Haben sie ihrer Erklärung noch etwas hinzuzufügen oder möchten sie sie noch einmal revidieren?"

„Ähm...nein, Sir."

„Ich werde sie beobachten, sie und natürlich auch Mr. Potter. Möchte er vielleicht etwas ergänzen?"

„Nein, Sir, wieso?", fragte Harry ganz cool. Was immer Snape wollte, er war hier auf dem falschen Dampfer, soviel wusste er – hoffte er zu wissen.

„Miss Granger, haben sie noch etwas zu sagen? DAZU?"

Snape deutete auf das Päckchen, das sie immer noch so fest in der Hand hielt, dass sie es schon fast zusammengequetscht hatte.

„Nein, gewiss nicht, Professor."

„Nun denn, sie wissen, dass ich ein Auge auf sie haben werde", sagte er zu ihr gewandt, „und auf sie auch, Herrschaften – spätestens in ein paar Monaten. Guten Tag."

Mit wehendem Umhang ging er seines Weges und sie hörten ihn bald darauf eine Schar Zweitklässler zusammenstauchen, die vor dem Eberkopf herumschlichen.

„Was war das denn?", fragte Ron mit offenem Mund. Hat der etwa gedacht…du…? Oder noch schlimmer, Mine? Was geht denn in dem seinen Kopf vor? Meinte der, das wäre für ein Baby?

Seine Schwester rollte nur mit den Augen.

„Das ist für ein Baby, Ron."

„Weiß ich auch, ich bin nicht dämlich. Aber er kann doch nicht denken, dass Mine schwanger ist. Wie das denn? Warum guckst du so? Was denn?"

„Nichts, gar nichts, Ron."

„Wie denn auch, Mine doch nicht!"

Ginny und Hermione gucken sich nur an und schüttelten dem Kopf.

„Soll ich dir erklären, wie das gemacht wird, Bruder?"

Ron bekam beinahe einen Hustenanfall. „Nein, verdammt. Was soll das. Aber..."

„Lass gut sein, Ron, es war doch nur Snape... Was sollte ich tun?"

„Stimmt das gar nicht mit Fleur?"

„Neiiin!"

„Warum hast du dann die Mütze gekauft?"

„Das war ein Spaß, Ron.", stöhnte Ginny. „Ich fand sie schön, nicht weniger und nicht mehr."

Hätte Ron gewusst, wie viel mehr dahinter steckte, hätte er sich vielleicht im Eberkopf betrunken...oder sonst wo ertränkt. Nicht zuletzt deshalb, weil er leider gar nicht aus eigener Erfahrung wusste, wie das war...das Thema, das Snape – ausgerechnet Snape – da eben angeschnitten hatte.

Und dann bekam Ginny einen ihrer berühmten Lachanfälle und konnte nicht mehr aufhören. Zu cool fand sie im Nachhinein, wie Snape geguckt hatte, wie ihm für eine Zehntelsekunde die Gesichtszüge entglitten waren und wie Ron sich nicht vorstellen konnte, was er gemeint hatte und schon gar nicht, dass er DAS gemeint haben konnte.

Erst als Hermione ihr das Päckchen um die Ohren haute, konnte sie kurz aufhören, bevor sie wieder anfing. Schnell lief sie ein paar Schritte vor und damit weg von Hermione, die ihr hinterher rief, dass sie noch nicht fertig mit ihr sei und dann aber auch ein kleines bisschen lachen musste.

Ginny hakte sich immer noch kichernd bei Harry unter und der konnte mitlachen – Snapes Miene war wirklich zu entsetzt und damit für sie zu lustig gewesen. Trotzdem fragte er vorsichtshalber nach.

„Du bist doch nicht..."

„Harry! Fang du jetzt nicht auch noch an. Nein!"

„Schon gut, weiß ich doch. Und Mine doch..."

„HARRY!"

„Na das könnte ich doch nicht wissen."

„Ist sie nicht."

„Du weißt aber gut Bescheid."

„Ja. Äh, nein, äh, ich meine, ich denke...nein, mit ihr ist alles...normal."

„Das hört sich so an, als wäre es wieder alles ok mit ihrem Freund?"

„Wieso?"

„Wenn du denkst, mit ihr sei alles normal, dann denke ich, dass sie...du weißt schon, mit ihm zusammen ist? Komm schon, wir sind Freunde."

„Frag sie doch. Wollten wir nicht einen schönen Tag haben?", versuchte Ginny abzulenken, denn sie sah ein paar mehr Fragen auf sich zukommen.

„Sonst könnte ich glatt heute Abend Kopfschmerzen haben."

„Was? Schatz, das ist nicht fair."

„Dann hör auf."

„Ok. Wie schön, mal kein Frauenabend heute?"

„Nein. Sie hat...zu tun."

„Lernen?"

„Oh...ich denke jaaah, sie wird wahrscheinlich wieder das ein oder andere lernen und vor allem wird sie das ein oder andere...durcharbeiten, wie ich sie kenne."

Innerlich grinste Ginny breit, denn sie wusste, dass Hermione heute Abend bei Severus sein würde.

Erst zum Abendessen waren sie wieder auf Hogwarts und sie setzten sich alle zusammen in die Große Halle. Es wäre zu auffällig gewesen, wenn sie sich jetzt schon aus dem Staub gemacht hätte. Deshalb setzte sie sich – wie es der Zufall wollte – wieder auf den freien Platz neben Ron und aß eine Kleinigkeit mit. Snape saß nicht beim Abendbrot, was nicht weiter ungewöhnlich war, aber sie hoffte, dass sie vielleicht mal endlich gemeinsam und nur zu zweit essen würden. Schon länger plante sie, ihm noch einmal etwas zu kochen, so wie sie es in den Ferien getan hatte. Sie wollte nur erst fragen und sich dann von den Elfen ein paar Zutaten geben lassen, anders war es kaum möglich.

„Du bist ja wieder ganz in Gedanken, Mine. Siehst du, war doch schön, dass du mitgekommen bist.

„Ja...soweit."

„Versteh schon, der blöde Snape musste ja mal wieder dazwischenfunken. Was hat der sich nur dabei gedacht. Glaubt, dass du... Unmöglich!"

‚Oh man', dachte Hermione. ‚Wenn Ron wüsste, wie möglich das gewesen war bis heute Morgen, würde er seinen Pudding bis zum Lehrertisch spucken.'

„Lass dir von dem nicht die Laune verderben, hörst du?"

Ron wollte sie ehrlich aufmuntern und konnte ja gar nicht ahnen, wie tief er in den Nesseln saß.

„Nein, tue ich sicher nicht."

„Gut! Sag, es war schön heute und es ist Samstag. Ich weiß, du willst lernen und Harry und Ginny haben etwas anderes vor. Wir...ich meine...wir könnten doch eine Stunde gemeinsam lernen und anschließend machen wir noch etwas anderes...vielleicht einen Spaziergang oder so...was dir gefallen würde."

Hermione konnte kaum glauben, was sie da hörte. Wollte er wirklich lernen? Oder war das nur ein Vorwand für...ein...Date? Bei Merlin. Hatte sich Ginny nicht deutlich ausgedrückt oder musste er es von ihr selbst hören? Dazu hatte sie nur absolut keinen Nerv, weil sie sich auf ein Date mit Snape...mit Severus freute.

„Hör zu, Ron, lieb gemeint, danke. Heute nicht, ich habe echt noch einiges vor. Nicht nur lernen, sondern ich wollte noch etwas für Dads Geburtstag morgen vorbereiten, weißt du?"

„Oh ja...dann... Verstehe. Gratulier ihm dann von uns. Wann gehst du morgen?"

„Nach dem Frühstück, schätze ich."

„Dann bis morgen früh."

Mist, nicht aufgepasst. Sie würde doch höchstwahrscheinlich bei Severus übernachten und direkt von dort aus nach Hause verschwinden.

„Ähm...es kann auch sein, dass ich nicht frühstücken werde und gleich nach Hause appariere. Dann hab ich länger mit meiner Familie, weißt du."

„Na klar...die siehst du ja echt selten. Ich lass mich überraschen. Ob ich dir dann einen schönen Abend wünschen kann mit all der Arbeit..."

„Kannst du.", grinste Hermione und ging vor den anderen aus der Großen Halle, aus der ihr Ginny hinterher grinste.


„Willst du mir etwas sagen?"

„Nein, außer...guten Abend."

„Von heute Nachmittag vielleicht?"

„Nein, du?"

„Ich? Nein, ich will nur Antworten."

„Ach das mit dem Babyladen?", fragte sie scheinheilig.

„Was sonst."

„Das war doch nichts. Ginny findet die ganzen Sachen so süß und sie kann da kaum dran vorbeigehen – sie hat doch nur Brüder und hat nur ein Mützchen für ein Mädchen gekauft. Um Harry nicht in Panik zu versetzen, hat sie gesagt, das sei für Bill und Fleur. Es ist gar nichts...keiner ist schwanger, wie du vielleicht dachtest... So sind Mädchen...Frauen halt manchmal."

Severus runzelte die Stirn, glaubte aber ihrer Erklärung. Hin und wieder hatte er Molly, Tonks und noch ein paar andere Frauen bei ähnlichen Themen erwischt und er hatte es nie verstehen können, wie sie sich stundenlang über nicht vorhandene Babys, über Babyklamotten oder über alte Babyfotos unterhalten konnten.

Hätte er geahnt, dass Ginny Hermione das Mützchen wirklich geschenkt hatte und aus welchem Grund, hätte er mit Sicherheit nicht nur die Stirn gerunzelt. Aber das wusste er ja nicht.

„Weitere...Fragen?"

„Nein. Außer ob du Hunger hast."

Er hatte für beide von den Elfen ein wirklich leckeres Abendessen servieren lassen. Zum allerersten mal aßen sie gemeinsam in seiner Wohnung und es fühlte sich so gut an.


*Whitney Houston: „I Have Nothing"*


Und Ginny hatte recht gehabt, als sie sagte, Hermione würde an diesem Abend noch einiges lernen und durcharbeiten.

Sie lernte etwas über Ornithologie:

Severus' winzigen Steinkauz hatte sie nun schon während der Zeit hin und wieder gesehen und kennen gelernt. Nur seinen Namen hatte sie bisher immer komisch gefunden: Harpyi. Er erklärte ihr, dass Harpyien eine der größten Greifvogelarten der Erde und dass sie physisch die kräftigsten seien. Außerdem seien sie faszinierende Jäger und hätten einen bestechenden Blick. Den hatte der Kauz auch und der Gegensatz zu den riesigen Vögeln hatte ihn zum Lachen gebracht. Außerdem kämen Harpyien in der griechischen Mythologie vor, wo sie als vogelähnliche Dämonen des Sturms bekannt waren. Da Harpyi noch nie einen Auftrag nicht hatte erfüllen können, hatte er sich diesen Namen wirklich verdient.

Überaus schlau war er noch dazu. In dem großen Bad hatte er ein eigenes, hochgelegenes Fenster in der steinernen Mauer, immer offen zum Ein- und Ausflug, zudem einen Baum zum täglichen Schlaf. Immer, wenn Hermione mal das Bad hatte benutzen müssen in seiner Anwesenheit, hatte er sie kurz mit seinen bestechend gelben Augen angesehen und, als akzeptiere er sie, danach die Augen wieder geschlossen.

Als Severus und sie an diesem Abend küssend ins Bad eingefallen waren und begonnen hatten, sich gegenseitig auszuziehen, hatte er einen kurzen, aber lauten Schrei verlauten lassen und hatte seine nächtliche Jagd eine halbe Stunde früher als üblich begonnen.

Ab diesem Zeitpunkt lernte sie etwas zur Architektur:

Das Schloss bot eine Menge Platz, auch für Badezimmer. Die dunklen Steine waren – wie überall – auch hier verbaut worden und bildeten mit dem Baum, den Grünpflanzen, den zwei weiteren, hohen Fenstern aus Buntglas und den Kerzenhalten an der Wand einen wahrgewordenen Traum einer Frau. Für Severus war es schlicht und einfach ein Badezimmer mit Dusche und Wanne. Nur dass die Wanne eine im Boden eingelassene, runde Vertiefung aus ähnlich dunklen Steinen war, zu der drei Stufen hinunter führten. Zwar längst nicht so groß wie das Vertrauensschülerbad, aber dennoch mit Platz für drei oder vier Leute.

Die Zwei, die heute in das nach Kräutern duftende und schäumende Wasser stiegen, fühlten sich direkt mehr als wohl und ignorierten für den Rest der folgenden Stunde die Inneneinrichtung.

In dieser Stunde lernte sie etwas aus dem Fachgebiet der Wahrnehmungsphysiologie:

Nämlich dass die Aufmerksamkeit, die man den jeweiligen Reizen schenkt, welche einem geboten werden, eine entscheidende Rolle für das subjektive Erleben von Sinneseindrücken spielt.

Andere hätten das vielleicht anders formuliert:

Dadurch, dass die Anstrengung, die so ein liebevolles Beisammensein mit sich brachte, durch die Schwerelosigkeit im Wasser beinahe vollständig wegfiel, konnte sie sich viel mehr auf ihre eigenen Empfindungen konzentrieren. Die waren so heftig, weil so neu und so intensiv, dass Severus wahrscheinlich Kratzspuren im Nacken davongetragen hatte. Man konnte die Lektion als einen der Höhepunkte des Abends bezeichnen, hätte es jemand gewusst.

Völlig und wohlig erwärmt, äußerlich und innerlich, legten sie sich gemeinsam Schlafen und dann kam das letzte Kapitel des Tages: Eines aus dem dicksten aller Bücher – der Psychologie:

Severus hatte die Flammen gelöscht und sie zu sich herangezogen, wie er es schon des Öfteren getan hatte, wenn sie bei ihm schlief. Das konnte sie zwar noch an zehn Fingern abzählen, aber es war nicht anders möglich gewesen. Dass sie überhaupt über Nacht bei ihm bleiben durfte, war schon mehr, als sie sich je erhofft hatte, deshalb kam die folgende Lektion auch so unerwartet.

Sie hatte den ersten Trank von ihm genommen und ihn gut vertragen. Mit viel Mühe und Geduld hatte er stundenlang für sie – für sie beide – gebraut und die Phiolen in den kleinen Nachtschrank gestellt, der auf ihrer Seite des Bettes stand. Das bedeutete ihr viel, denn das hieß, dass sie wohl öfter bei ihm sein dürfte.

Und dann kam ein weiterer Höhepunkt – ein unglaublicher, einer fürs Herz und für die Zukunft. Nachdem sie minutenlang still so dagelegen hatte, sagte er:

Ras al Ghul."

"Wie bitte? Tut mir leid, ich habe kein Wort verstanden."

„Das ist der eigentlich arabische Name eines Sternes im Perseus und bedeutet Haupt des Dämonen."

Sie war immer wieder beeindruckt von seinem immensen Wissen auf so vielen Gebieten.

„Ich versuche es mir zu merken.", flüsterte sie und zog seine Hand hoch zu ihrem Mund, um sie zu küssen, die er ihr zuvor von hinten auf den Bauch gelegt hatte.

Severus küsste sie in den Nacken und flüsterte ebenfalls.

„Das solltest du auch. Es ist das Passwort für meine Wohnung."

Minuten des Schweigens waren vergangen, bis sie sich zu ihm herumdrehte und ihn so innig küsste, dass er wünschte, es würde nie enden.

Zusammenfassend könnte man sagen, dass Hermione an diesem Abend wirklich unglaublich viel gelernt hatte – Schönes, Traumhaftes, Intensives und...Liebevolles. Nur eines nicht: Absolut nichts für die Schule, sondern fürs Leben – für ein Leben mit Severus.


Am Sonntagmorgen frühstückten sie gemeinsam und dann machte sie sich auf zum Geburtstag ihres Vaters. Zwar hatte sie noch einmal versucht, ihn zum Mitkommen zu überreden, natürlich erfolglos. Er wollte die Zeit nutzen, um den Stapel Aufsätze zu korrigieren, die sich schon in bedrohlicher Menge auf seinem Schreibtisch türmten.

Sie nahm die Geschenke aus Hogsmeade – einen schwebenden Rasierapparat, der sich selbst reinigte und eine Zahnbürste, die ihren Besitzer wiedererkannte und einen Alarmton von sich gab, vergaß man das Zähneputzen – und spazierte in strahlendem Sonnenschein über die Wiesen vor die Tore Hogwarts'.

Ron war gerade vom späten Frühstück wieder in den Gryffindorturm zurückgekehrt und sah durch Zufall Hermione über die Ländereien gehen. Er wunderte sich noch, dass sie nicht früher gegangen war, überlegte aber dann, dass sie heute morgen vielleicht noch weitergelernt hätte. Schön sah sie aus – sie hatte einen langen, dunkelroten Rock an, ein weißes Top, soweit er sehen konnte, und eine leichte, taillierte Bluse darüber, die sie aber nicht zugemacht hatte. Eine weiße Blüte steckte in ihrem offenen, glatten Haar und... Ron seufzte. Sie sah echt hübsch aus. Morgen war auch noch ein Tag, dachte er. Viele gemeinsame Schulstunden.


*Sister Sledge: „We Are Family"*


„Der Hund wird langsam verrückt, Oma!"

„Ich auch, wenn du mich immer Oma nennst, Samir!"

Emma lief im hintersten Teil von Familie Grangers Garten hin und her, auf und ab und wedelte heftig mit dem Schwanz.

„Kaninchen?"

„Nein, das macht sie nie. Lass sie doch. Erzähl mir lieber mal etwas über dein Studium. Wo ist deine Freundin Flora eigentlich? Ich freue mich, dass ich sie mal wiedersehe."

Mrs. Tenerhale schlenderte mit ihrem Enkel über sie Wiese. Ihre Töchter bereiteten das Essen vor und die Männer unterhielten sich vermutlich und übersahen bewusst oder unbewusst, dass vielleicht noch mehr zu tun sei.

„Sie ist drin bei Tante Rose und hilft ihr, weil sie so gerne Salate macht. Außerdem ist sie froh, wenn sie etwas zu tun hat, weil sie bei neuen Leuten recht schüchtern ist."

„So ein Quatsch, wir kennen sie fast schon ein Jahr. Wir sind ganz normal, sag ihr das. Ach, ich mach das schon. Sie ist so ein nettes Mädchen. Und, was läuft an der Uni?"

„Letzte Woche…"

Plötzlich gab es einen Knall und Hermione landete neben einem Fliederstrauch in der hinteren Ecke des Gartens – und direkt vor Sam und Jean, weil sie auf ihrer Runde gerade wieder dort angekommen waren, wo Emma immer noch ganz nervös umherlief.

„Scheiße!", schrie Sam und machte einen Satz zurück.

„Sam!", empörte sich Mrs. Tenerhale mit einem breiten Grinsen.

„Irgendwann werde ich wegen dir einen Herzinfarkt erleiden, Cousine! Wie kannst du so ruhig bleiben, OMA?"

„Ich habe Emma beobachtet, du nicht? Sie hat es schon gespürt, vermute ich. Außerdem wussten wir doch, dass sie kommt."

„Doch nicht wo!", ärgerte sich Sam, eigentlich über sich selbst.

„Hallooo…ich bin daaa…"

„Entschuldige, Liebes."

„Ja, sorry, Cousinchen."

„Schon gut, ich…"

Sie wurde sofort wieder unterbrochen.

„Wo ist er?", fragten Sam und Jean im Chor und schauten sich daraufhin völlig entsetzt an. Keiner von beiden hatte nachgedacht, dass eigentlich keiner darüber reden sollte.

„Was weißt du?", fragte Mrs. Tenerhale sogleich.

„Was weißt DU?", konterte er.

Hermione blickte von einem zum anderen und schüttelte den Kopf. „Sagt mal, geht's noch?"

Sie beachteten sie gar nicht.

„Ich weiß nichts."

„Dann weiß ich genauso viel. Sag schon!"

Sam war seit dem letzten Treffen mit Hermione ganz gespannt. Verraten hatte sie nichts, aber ohne Worte hatten sie sich verstanden und er hatte es bis dahin akzeptiert. Jetzt siegte die Neugierde, da Oma auch etwas zu wissen schien. Das ging ja mal gar nicht! Aus irgendeinem Grund hatte er vermutet, dass es einer aus ihrer Schule sein musste, und jetzt schien seine Ahnung bestätigt, denn Oma hatte genauso erwartet, dass sie jemanden auf die magische Weise mitbringen würde.

„Oma! Komm schon!"

„So mal gar nicht, Sam! Wir wissen alle nichts."

„Dann hättest du nicht gefragt."

„Ich glaub das alles nicht!", empörte sich Hermione. „Wo ist Dad? Vielleicht freut der sich, mich zu sehen." Mit schnellen Schritten ging sie über die Wiese zum Haus.

„Minchen…", rief Sam und lief hinter ihr her. „Bleib mal stehen."

Großmutter und Emma gingen auch gleich mit.

„Ihr seid unmöglich."

„Jep."

Sie umarmten sich herzlich und Hermione schrie, als sie von ihrem Cousin herumgewirbelt wurde.

„Na, wie geht's dir mit…dir?"

„Gut. Danke. Und ich weiß echt nicht, was ihr meint."

„Ne klar, mit so einem IQ wie du kann man ja nicht alles wissen."

„Flubberwürmer sind mir lieber als du."

„Diese schleimigen Dinger, von denen du früher immer erzählt hast? Das tut weh, Cousine, wirklich."

„Ach was."

„Jetzt mal im Ernst. Alles klar bei dir? Du strahlst."

„Tue ich nicht."

„Tust du doch. Was macht er, der nicht vorhanden ist?"

„Nichts, verschwinde. Wo ist Flora?"

„Drinnen."

„Geh mal zu ihr. Los!"

„Damit bist du nicht von der Angel!", drohte Sam und ging tatsächlich ins Haus.

Jetzt hatte sie etwas Zeit, mit ihrer Großmutter zu reden. Die hatte ja nur einen Brief bekommen und hätte sie nicht zusätzlich den von Hermiones Freundin Ginny gehabt, würde sie wirklich nicht genug wissen.

„Du strahlst, da hat er recht. Alles gut bei euch?"

„Ja.", sagte Hermione nur und grinste breit.

„Das reicht mir, Liebes – ich kann es sehen, und zwar überall!"

„Überall?"

„Überall."

„Oh je."

„Lass mal, keine falsche Scheu. Hat er dich mal zu sich eingeladen?"

„Ja." Ihr Grinsen wurde noch breiter.

„Du bekommst etwas Farbe, Liebes, das freut mich. Dann wird dich sicher deine Freundin vermissen, wenn du jetzt öfter bei ihm...bist."

„Äh..."

„Ich habe ins..." Jean kicherte und war stolz auf ihre treffende Wortwahl. „...ins Schwarze getroffen, nicht wahr?"

„Jaaah."

„Wie mich das freut. Lass uns schauen, ob wir was tun können."

Gemeinsam gingen sie erst einmal ins Haus und es gab eine große Wiedersehensfreude.

Hermione war froh, dass sie früher als geplant gekommen war, denn es stellte sich heraus, dass die Party schon mittags losgehen würde, weil für abends ein Unwetter angekündigt war. Noch strahlte die Maisonne vom Himmel und langsam trudelten die anderen Gäste ein. Außer der Verwandtschaft waren noch ein paar Freunde und Kollegen ihrer Eltern eingeladen – darunter natürlich auch der nette Assistenzarzt Dr. Parker. Na das konnte ja heiter werden.


Dadurch, dass genug Leute zum Plaudern da waren, war es nicht so unangenehm mit Nat, wie sie befürchtet hatte. Außerdem ging das unangenehme Gefühl nur von ihr aus, er konnte gar nichts dazu, weil er gar nicht wusste, dass sie ihn mal ganz...gut gefunden hatte.

Es wurde ein schöner, lustiger Tag. Ihr Vater hatte sich wie ein kleines Kind über die Geschenke gefreut, die er natürlich nur der Familie vorführen konnte und Emma tat das Übrige, die Gesellschaft zu unterhalten. Reichlich gefüttert wurde sie auch und man wunderte sich, wie sie das alles vertragen konnte. Gut, dass sie alle im Garten saßen.

Das Würstchen von Dr. Parker hatte sie restlos und in Windeseile verputzt und wartete nun geduldig...nein, ungeduldig auf den nächsten Happen. Der kam, denn Sam hatte ein Einsehen mir ihr.

„Hier, du Hund...genieß die Party." Er hatte nur einmal abgebissen und reichte Emma die Bratwurst, davon gab es noch genug auf dem Grill.

Voller Freude ging sie auf ihn zu und dann... ließ sie mit der Wurst in der Schnauze einen seltsamen Jauler los und drehte sich schlagartig um.

Emma ließ plötzlich das halbe Würstchen auf die Wiese fallen, bellte einmal laut und rannte Richtung Haus.

Die, die es mitbekommen hatten, verstanden die Welt nicht mehr. Irritiert folgten dem Hund etliche Augenpaare und Mrs. Tenerhale begann, interessiert zu sein. Gut, Emma war etwas Besonderes, aber ein Würstchen hatte sie selten oder nie liegengelassen.

„Was ist mit ihr?", fragten drei Leute gleichzeitig.

„Willst du nicht mal nachsehen?", fragte Mr. Granger ein wenig besorgt. Nicht dass er Angst hatte, sie würde drinnen etwas anstellen, aber wer weiß...Hunde hatten einen guten Instinkt.

Hermione hatte das Schauspiel auch mitbekommen und dachte sich eigentlich nur, dass Emma vielleicht gerade wieder die glorreiche Idee gekommen war, sich auf ihrem Bett zu wälzen und sich dann der Länge nach hinzulegen – nur um sich dann daran zu erinnern, ihr Würstchen zu holen und es auf dem Bett zu fressen. Kichernd schüttelte sie den Kopf, weil sie die Bilder allzu deutlich vor Augen sah.

Die meisten gingen wieder ihren Beschäftigungen nach, nur Mrs. Tenerhale stand auf, um ins Haus zu gehen, dem keiner irgendeine Bedeutung beimaß. Ohne zu rufen ging sie im Haus umher und fand den Hund nicht – zumindest nicht in der unteren Etage. Dann konnte sie nur oben sein und vielleicht tatsächlich wieder mal auf Hermiones Bett liegen, wie sie es öfter tat, wenn man vergaß, die Türen zu schließen.

Die letzten Stufen hatte sie noch vor sich, als sie schon Emma am Treppenansatz stehen sah, wie sie heftig hechelte und mit dem Schwanz wedelte. Unruhig tippelte sie mit ihren Pfoten, drehte sich um, um zwei Schritte zu machen, und drehte sich dann wieder zu ihrem Frauchen.

„Willst du mir was zeigen, Hund? Ich dachte, du hättest eine gute Erziehung genossen. Hoffentlich hast du hier oben kein weiteres Würstchen versteckt."

Nein, das konnte man wirklich nicht sagen...sie hatte keine Wurst versteckt, auch keine gefunden, sondern etwas...anderes.

Mrs. Tenerhale folgte ihrem Hund, der tatsächlich in Hermiones Zimmer gehen wollte.

‚Also doch', dachte sie und holte schon mal ein Taschentuch aus ihrer Hose, um das Würstchen, oder was es auch immer sein mochte, einzustecken.

„Emma, was hast du… OH! Guter Hund, bester Hund!"

Wie gut, dass sie nicht so schreckhaft war wie andere Damen ihres Alters.

Ihr Gegenüber schaute nur zur Decke und seufzte.

„Ich freue mich wirklich, sie wiederzusehen.", strahlte Mrs. Tenerhale und streckte ihre Hand zum Gruß aus.

„Ich..."

„Die sind alle draußen. Machen sie sich keine Sorgen."

Emma umkreiste ganz aufgeregt den neuen Gast und blieb dann vor ihm sitzen, jaulte und setzte ein paar mal an, bevor sie sich traute, den ersten Beller von sich zu geben. Bald folgte der zweite, dann der dritte. Um den vierten zu verhindern, seufzte der Besucher erneut und tätschelte kurz ihren Kopf. Daraufhin ging ihr Schwanz noch freudiger hin und her und ließ ihn nicht mehr aus den Augen.

Das erste Aufeinandertreffen nach ihrem Treffen und er fühlte sich fast genauso unbehaglich wie letztens. Ob sie jetzt noch mehr wüsste? Inständig hoffte er, dass Hermione nur erzählt hatte – und das hatte sie mit Sicherheit, wenn vielleicht auch nur auf Drängen einer gewissen Mrs. Tenerhale – dass sie sich wieder vertragen hatten.

Für einen kurzen Moment zog er einen kleinen, ganz kleinen Legilimens in Betracht, verwarf es aber sogleich wieder. Erstens weil sie, so wie sie eben war, es vielleicht doch merken würde und zweitens, weil es sich einfach nicht gehörte. Er hatte sich geändert, nein, er war wieder er selbst.

„Wie geht es ihnen?"

„Gut, danke."

„Nun denn, Mr. Snape, wo sie schon mal da sind… Mir liegt noch etwas auf dem Herzen."

Severus zog eine Augenbraue hoch.

Jean räusperte sich und für ihn war es ein seltsamer Anblick, sie auf einmal nervös zu sehen. Sie drehte sich zum Fenster und schaute in den Vordergarten. Gut, dass die ganze Gesellschaft hinter dem Haus versammelt war…geschützt vor neugierigen Blicken von der Straße.

„Ich war nie anders, Mr. Snape, ich habe immer mit Herz und Intuition gehandelt. Natürlich auch mit Verstand, aber niemals ohne Gefühl, verstehen sie? Was ich sagen will ist, dass…nein, es tut mir nicht leid, dass ich zu ihnen gekommen bin. Vielleicht die Art und Weise, so…unangekündigt. Aber sie wissen selbst, dass meine Möglichkeiten sehr begrenzt sind, sie zu erreichen, und als keine Eulenantwort kam, konnte ich nicht anders. Es ging um Hermione und noch viel wichtiger, um euch beide. Das konnte ich nicht so hinnehmen, denn ich habe gesehen…"

„Bitte, Mrs. Tenerhale."

„Lassen sie mich es noch zu Ende…"

„Das ist nicht nötig.", sagte er strenger als er vorhatte und sie erkannte wieder den Professor in ihm, den sie eigentlich nie erlebt hatte.

„Ich muss… Es war gut, dass sie gekommen sind."

Jean drehte sich um und schaute ihm direkt in die Augen, wo sie sehen konnte, dass er meinte, was er sagte. Trotzdem war sie überrascht.

„Ich glaube auch, hm? Hermione lacht wieder und sie…ihnen geht es auch besser, nicht wahr? Sie brauchen nicht zu antworten, ich sehe es. Wollen sie nicht doch mit runter kommen?"

„Nein."

„Nein, müssen sie nicht. Nicht jetzt. Ein privaterer Rahmen ist dafür viel geeigneter. Aber gewöhnen sie sich schon mal an das Haus, es könnte ihr zweites Zuhause werden. Ich rufe Hermione, einverstanden?"

Snape nickte nur und zeigte ein kaum sichtbares Lächeln.

Fast war sie aus der Tür, da drehte sie sich nochmal um.

„Das mit meinem Geschenk…war übrigens kein Scherz, Mr. Snape. Damit mache ich keine."

Schlagartig verschwand sein Lächeln, das konnte sie nur nicht mehr sehen. Er trat ans Fenster und schüttelte den Kopf.

„Das Geschenk, ein zweites Zuhause…was kommt als nächstes?", flüsterte er vor sich hin.


„Liebes, komm mal her."

„Kann ich dir etwas holen, Oma?"

„Nein, nein, danke. Du kannst etwas anderes für mich tun. Geh doch mal ins Haus, hoch in dein Zimmer. Am besten sofort und unauffällig."

„Wieso? Hast du da noch etwas für Dad, das ich…"

„Nein. Los, geh jetzt! Du wirst schon wissen, was ich meine."

Mit einem fragenden Blick über der Schulter ging Hermione betont langsam und lässig ins Haus, stieg die Stufen hoch, öffnete ihre Zimmertür und konnte gerade noch einen Schrei unterdrücken.


Als Hermione weg war, ging ihre Großmutter ebenso betont lässig und ganz nebenbei an den Tisch mit dem Essen, nahm sich einen neuen Teller und häufte ihn bis zum Rand voll mit zweierlei Salaten, einem Steak und einer Grillwurst. Eine kleine Schüssel voll mit Weincreme als Nachtisch und eine Flasche Wasser vergaß sie auch nicht und balancierte alles in Richtung Haus.

„Oma!"

‚Mist', dachte sie.

„Dein Teller steht noch an deinem Platz. Hast du das vergessen?"

„Oh...ähm...ja...nein..."

Sam kicherte. „Wirst du etwa alt?"

„So alt wie ich wirst du nie werden, wenn du das nicht zurücknimmst!"

„Ich hab schon aufgegessen und jetzt möchte ich noch etwas. Wir haben genug Pappteller, da konnte ich mir doch einen neuen nehmen. Wollte mich vorne ein bisschen auf die Treppe setzen und den Garten genießen."

„Wir haben hier hinten auch Garten."

„Den hab ich den ganzen Morgen schon gesehen. Jetzt will ich eine andere Perspektive." ‚Was für eine dämliche Erklärung', dachte sie.

„Schön, ich komme mit dir. Flora unterhält sich gerade so gut mit allen, endlich mal. Ein guter Grund, dass wir uns mal unterhalten. Du hast mir noch nicht gesagt, was du über Mines Freund weißt."

Meine Güte, sie musste ihren Enkel unbedingt loswerden, sonst könnte sie den so liebevoll gehäuften Teller nicht...an den Mann bringen.

„Ich weiß nicht mehr als vor ein paar Stunden – und wenn du mich noch einmal darauf ansprichst, enterbe ich dich."

„Sicher, Oma..."

„Nicht so frech. Und jetzt sei so gut und hol mir noch etwas Brot, das habe ich vergessen."

„Mach ich."

Gut, der war für ein paar Sekunden abgelenkt. Flugs eilte sie zur Eingangstür und balancierte den Teller und alles andere die Treppen hinauf. Sie hörte Sam unten rufen, ignorierte ihn aber gekonnt. In der Zeit konnte sie sich eine weitere Ausrede einfallen lassen.


„Wie…was…?"

„Zuerst: Tür zu! Der Portschlüssel aus dem Labor war immer noch aktiv. Hättest du ihn nicht längst deaktivieren sollen?", sagte er mit vermeintlich strenger Miene.

„Ähm…ganz vergessen. Ich kann kaum glauben, dass du vor mir stehst."

„So?", meinte ihr Gegenüber und grinste ganz leicht. „Nachhilfe?"

Er ließ ihr keine Zeit zu antworten, sondern küsste sie.

„Kannst du es jetzt glauben?"

„Oh jaaa. Willst du mit runterkommen?"

„Nein, Hermione. Ich…habe hier etwas für deinen Vater, das vielleicht passend ist. Gib ihm das und sag, es ist von dir."

„Auf keinen Fall, das mache ich nicht. Was ist es?"

„Bücher."

„Klar", grinste sie. „Du hast sie sogar eingepackt. Danke."

„Wozu ein Zauberstab alles gut ist."

„Bleibst du wenigstens noch?"

„Du solltest wieder zu deiner Familie gehen. Ich habe noch viel zu tun und außerdem sehen wir uns heute Abend, wenn du magst."

Hermione freute sich über die Initiative seinerseits. „Ja sicher mag ich. Die Feier ist heute Abend sowieso vorbei, weil morgen jeder arbeiten muss. Außerdem ist ein Unwetter angekündigt. Schön, dass du da warst."

„Wenn…"

In dem Moment klopfte es leise an der Tür und sie hörten eine Stimme vom Flur.

„Liebes, kannst du kurz schauen oder störe ich?"

„Du kannst reinkommen. Wieso solltest du stören?"

„Naja, falls ihr euch gerade…unterhaltet. Hier, Mr. Snape, ich habe ihnen etwas zu essen ausgesucht, wenn sie erlauben. Wenn sie schon nicht zu uns kommen wollen... Mögen sie Salat und Steak?"

„Wer soll diese Massen essen?"

„Es ist doch nur ein Teller voll, von jedem etwas, und ich denke, dass sie wohl kaum selber einen Nachschlag holen?"

Den giftigen Blick bekam er nur halbwegs glaubwürdig hin und nahm den Teller an. Seine Nemesis war wieder da und er hatte wie immer nichts entgegenzusetzen.

„Guten Appetit. Ich gehe wieder hinunter, damit ich sie ablenken kann. Sehen wir uns noch, Mr. Snape?"

„Ich…fürchte, heute nicht mehr."

„Schade, aber ich verstehe sie. Bis bald und kommen sie gut nach Hause."

Severus ließ es sich tatsächlich schmecken und Hermione stibitzte sich hin und wieder eine Gabel voll Salat. Hier hatte alles angefangen und es fühlte sich so gut an, wieder mit ihm hier zu sitzen, so ganz, so fast normal wie mit einem...Freund.

Bald darauf verabschiedete er sich und nahm den zweiten Portschlüssel, der immer noch in ihrer Kommode lag.

Glücklich rannte sie zurück zu ihrer Familie in den Garten.

„Wo warst du so lange?", fragte ihr Vater, der sie schon vermisst hatte. „Ich sehe dich schon so selten und dann..."

„Hier, ich habe noch ein Geschenk für dich."

„Danach hast du gesucht?"

„Nein, aber... Ach, mach es einfach auf."

Sie war zu neugierig, was Severus für ihren Dad gefunden hatte und die anderen wurden auch aufmerksam, was das wohl für ein so ungewöhnlich verpacktes Geschenk war.

Ungeduldig ging sie kurz weg und holte sich ein Schüsselchen mit Nachtisch – Weincreme mit Schokostreuseln – da hörte sie ihren Vater.

„Das ist doch nicht möglich! Rose! Nat! Kommt mal her."

Auch Hermione eilte hin und schaute ihm über die Schulter und wusste erst gar nicht, was das für Bücher waren. Zwei relativ schmale Bücher hielt er in der Hand, die scheinbar uralt und in Leder gebunden waren. Die Seiten waren aus Pergament und die Schrift schien älter als der Buchdruck. Bei näherem Hinsehen konnte sie auf einem griechische Schriftzeichen erkennen und ihr blieb nichts anderes, als abzuwarten, was ihr Vater zu erklären hatte.

Allerdings schien sie sich gedulden zu müssen, denn ihre Mutter und Dr. Parker steckten die Köpfe so nah zusammen, dass ihr die Sicht versperrt wurde.

„Das ist unglaublich...wenn das stimmt...", hörte sie Nat sagen. Und ihre Mutter sagte nur „Oh mein Gott, oh mein Gott, ich habe das noch nie gesehen."

Severus hatte sicher gedacht, ihr Vater würde die Bücher alleine auspacken. Kein Wunder, er war Geburtstagspartys nicht gewohnt und konnte nicht ahnen, wie gerne die Familie zusammen war.

„Das ist unglaublich.", wiederholte sich Nat und starrte auf das erste der beiden Bücher. „Archigenes gilt als einer der ersten Zahnheilkundler der Antike. Das lernt jeder im Studium. Seine Schriften sind nur bruchstückhaft überliefert, aber das hier...scheint komplett!"

„Hier steht, dass es eine der vier noch existierenden Original-Abschriften ist. Ja, Nat, im Gegensatz zu dir mussten wir noch griechisch lernen."

„Schon gut, hier ist auch eine Übersetzung."

„Tatsächlich."

Das andere Buch schien ähnlich wertvoll und bahnbrechend zu sein – zumindest für diese Welt. Zwar konnten sie sich nicht erklären, wie das möglich sei, doch sie wirkten so unsagbar echt.

„Hermione, wo hast du sie her?", fragten die Mediziner beinahe im Chor und konnten ihr Erstaunen, ihre Neugierde und ihr Entsetzen kaum verbergen. Die Frage musste wohl kommen. Was hatte er sich nur dabei gedacht?

Sie wollte und konnte nicht lügen, denn ihr fiel nichts Plausibles ein.

„Die...hat mir ein Lehrer für dich gegeben als Geschenk. Er...hat zufällig mitbekommen, dass du Geburtstag hast und dann...hat er sie wohl...herausgesucht."

„Herausgesucht? Ein Lehrer?" Die Fragezeichen auf Mr. Grangers Gesicht wurden immer größer – und nicht nur auf seinem.

„Jaaah, wahrscheinlich aus der Bibliothek."

Das war der Erklärungen noch nicht genug. „Ähm, es ist eine sehr, sehr alte Schule mit einer Bibliothek, die wohl einige verborgene Schätze schon...zutage gebracht hat. Einige wenige.", erläuterte sie mit Blick auf die anderen Kollegen seiner Eltern.

„So etwas muss doch erforscht werden. Wir müssten die Fakultät der Universität informieren und..."

Hermione musste schnell reagieren. Da würde sie nicht mehr so leicht rauskommen, ohne ihre Welt zu verraten und sich in endlose, total unlogische Erklärungen zu verstricken, die ihr keiner außer den Eingeweihten glauben würde. Schnell nahm sie ihrem Vater die Bücher aus der Hand und zückte unglaublich schnell den Zauberstab aus dem hinteren Bund ihres Rocks. Sie wollte nicht, aber sie musste.

Obliviate!"

Mit größter Konzentration hatte sie allen Anwesenden die Erinnerung an die Bücher genommen und beschloss, dass sie sie ihren Eltern geben würde, wenn sie mal alleine waren. Das war die einzigste Lösung.


Der Nachmittag blieb danach weiterhin gesellig und lustig und als sie von weitem das erste Donnergrollen hörten, begannen sie gemeinsam, die Sachen ins Haus zu tragen und sich zu verabschieden.

„Lass das Wiedersehen nicht zu lange dauern, Hermione.", hörte sie von Vielen – vom Mum und Dad, von Sam und Flora und natürlich von Großmutter. Emma sagte es auf ihre Weise.

Dummerweise schloss sich auch Nat an, der ihr die Hand reichte und sie länger festhielt als nötig. „Sehen wir uns bald mal wieder?"

„Mag sein, ich bin ja hin und wieder hier."

„Lass es nicht zu lange dauern.", lächelte er ihr zu und sie beeilte sich, in ihr Zimmer zu kommen.


Sam wäre nicht Sam, wenn er alles auf sich beruhen lassen würde.

„Oma, du hast mir noch nicht gesagt, was du mit dem vollen Teller gemacht hast. Du bist einfach verschwunden und ich stand dumm wie und mit einem Brot im Garten.", sagte er, als sie alle am Gartentörchen standen und sich eigentlich schon verabschiedet hatten.

Jean lachte laut. Das war ihr Enkel, wie er leibt und lebt. Sie deutete ihm mit einem Finger, näher zu ihr zu kommen, damit sie ihm etwas zuflüstern konnte.

„Wenn du das weitererzählst, was ich dir jetzt sage, zwinge ich dich zu einem Tanzkurs im Theater, und zwar bei Jay, wenn du weißt, wen ich meine."

Sam schluckte. Er kannte Jay, den Paradiesvogel. Nein, was auch immer sie erzählen würde, er würde schweigen wie ein Grab.

„Mines Freund war oben und hat kurz für Hugo ein Geschenk gebracht. Weil er nicht runterkommen wollte, hab ich ihm etwas zu essen gebracht, so konnte er wenigstens ein bisschen mitfeiern."

Ihm klappte der Unterkiefer runter „Verdammt, OMA, GEHT'S DIR NOCH GUT?"

„Nana, Sohn, wie sprichst du mit deiner Großmutter. Entschuldige dich."

„Schon gut, Isaac, er ist nur etwas...verwirrt. Alles gut.", sagte sie schnell und wieder einmal breit grinsend.

Sam machte ein Gesicht, als hätte er Wahnsinns-Zahnschmerzen.

„Ich glaub das nicht, ich glaub das nicht...das verzeihe ich dir nie... ER war da?"

„Oh ja, Sam, er war da, und wie. Machs gut, Junge. Und denk an mein Geschenk an dich...den Tanzkurs."

„Warte nur ab, bis wir uns wiedersehen, Oma!"


Hermione nahm nicht ihren Portschlüssel, weil sie ihn seit den Ferien nicht mehr benutzt hatte und sie nicht wirklich wusste, wo er sie hinbefördern würde, wenn sie an Zuhause dachte. Deshalb apparierte sie aus ihrem Zimmer vor die Tore Hogwarts und ging diesmal mit nur zwei Umwegen in den Kerker.

Severus öffnete ihr in Muggelkleidung die Tür, weil er wusste, dass sie nicht klopfen würde, wenn jemand in der Nähe wäre.

„Du hast doch das Passwort!"

Ohne darauf zu reagieren, trat sie ein.

„Was hast du dir dabei gedacht?", war ihre Begrüßung und erklärte ihm das Ereignis von der Feier. Wie sie schon vermutetet hatte, hatte er sich das ganz anders vorgestellt und sie konnte ihm versichern, dass sie alles geregelt hatte. Sie bedankte sich bei ihm im Namen ihres Vaters und versprach ihm, dass er die Bücher bekommen würde.

Man konnte hören, dass es zu regnen begann. Das Unwetter hatte wohl ganz Britannien erreicht und sie war gerade noch rechtzeitig und trocken Zuhause angekommen.

Zu aller Beruhigung öffnete er einen guten Wein und stieß mit ihr auf den Geburtstag ihres Vaters an, worüber sie sich unglaublich freute – zum zweitenmal an diesem Tag hatte er sie überrascht und ihr wurde richtig warm ums Herz. Die Flasche leerte sich wie von Zauberhand, während sie gemütlich auf der Couch vor dem prasselnden Kaminfeuer saßen, das er schnell entzündet hatte. Man merkte, dass es sich abgekühlt hatte.

Hermione fror jetzt ein bisschen, denn sie hatte ja nur ihren Rock und die Bluse an. In den Turm wollte sie auch nicht gehen, denn dann wäre es umso schwieriger, sich wieder bei den anderen mit einer Ausrede zu entschuldigen. Sie würde morgen in aller Frühe hochgehen, um die Kleidung zu wechseln und ihre Schulsachen zu holen.

Als er sie fragte, was sie gerne machen würde, wünschte sie sich, sich endlich mal in seinen Bücherregalen umsehen zu dürfen, was er ihr gewährte. Es fühlte sich wie in den Ferien an, als sie sich zum Lesen hinsetzen und sie ihren Kopf an seine Brust lehnte.

Es wurde ein langer, wunderschöner Leseabend. Sorgsam hatte er ihr eine Wolldecke gegeben und sie regelrecht darin eingepackt. Irgendwann zu später Stunde rutschte wie durch Zufall seine Hand etwas tiefer, die zuvor die ganze Zeit ihre Schulter umfasst hatte, und begann, sie erst aus der Decke und dann aus ihrer Bluse zu befreien.

„Zeit fürs Bett?", fragte er zwischen zwei Küssen.

„Zeit fürs Bett!"

Nach weiteren zwei Stunden, in denen er ihr gezeigt hatte, dass sie keine Wolldecke mehr brauchte, damit ihr warm oder heiß wird, kuschelte sie sich an ihn und schlief genau wie er sofort ein.


Der Regen prasselte weiterhin an das kleine, hohe Fenster im Schlafzimmer, und als es Morgen wurde, war es nicht besser.

Die Abkühlung draußen hielt an, deshalb lagen sie immer noch Körper an Körper unter der bis über die Ohren hochgezogenen Decke.

Sie lag auf der Seite, mit dem Kopf von ihm abgewandt. Halb schlafend, halb wach, rutschte er näher zu ihr, bahnte sich einen Weg unter ihr Schlafshirt, das sie von ihm geklaut hatte irgendwann in den letzten Tagen und begann, sanft ihre Brust zu streicheln, Mit einem wohligen Seufzer ließ sie es geschehen, aber drehte sich nicht um. Bald merkte sie deutlich, was er gedachte zu tun, als er sich noch fester gegen ihren Po drückte.

Dadurch, dass durch das kleine Fenster nur ganz wenig Licht drang und sie immer noch weit unter der Decke versteckt lagen, hörten sie den lautlosen Anflug von Harpyi nicht. Er ließ sich auf der Kante des Fußendes am Bett nieder und stieß seinen hohen schrillen Schrei aus. Severus und Hermione saßen auf einmal senkrecht im Bett.

„Was soll das? Das machst du sonst nicht? Wenn du keine Post hast, Gnade dir Merlin!"

Der kleine Kauz hatte keine Post und sein Besitzer wurde ziemlich wütend, war er doch gerade bei einer so schönen, sich gerade anbahnenden Beschäftigung unterbrochen worden. Harpyi bewegte sich keinen Zentimeter, sondern wiederholte seinen Ruf immer wieder, nicht ohne seinen bestechenden Blick funkeln zu lassen.

Severus versuchte ihn zu verscheuchen, was ihm nicht gelang und Hermione kicherte nur vor sich hin.

„Dann lass ihn doch.", gähnte sie, immer noch nicht richtig wach. „Komm wieder unter die Decke."

Das ließ er sich nicht zweimal sagen.

Der Steinkauz wurde langsam ungeduldig und ließ nicht locker. Wenn es sein müsste, könnte er genauso ausdauernd, unnachgiebig und gnadenlos wie seine Namensgeberin sein. Einer wütenden Harpyie zu begegnen, war keine Freude...

Mit einem einzigen Flügelschlag landete er auf der Bettdecke und begann mit seinem Schnabel, an selbiger zu zupfen.

Hätten seine beiden Menschen auf ihn gehört und ihn nicht wieder geschimpft, hätten sie vielleicht auch die vielen Stimmen gehört, die vom Kerkerflur ins Schlafzimmer drangen.

tbc