A/N:
Ihr Lieben, heute knüpfe ich direkt an das letzte Kapitel an. Danke ganz herzlich für alle Rückmeldungen... Ihr seid ja echt kreativ mit den Ideen, was da wohl auf dem Kerkerflur los ist. Ich fürchte, ich war da nicht so kreativ, es ging auch nicht anders, da wir ja schlicht und einfach...Montagmorgen haben!
Hoffe, ihr habt trotzdem den ein oder anderen, winzig kleinen Spaß!? ;o)
Und falls ihr euch Harpyi nicht so ganz vorstellen könnt – hier eine kleine Unterstützung:
h t t p
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(Danke an Kaddi für die Idee mit dem Vid und an die Vorab-Lacher *knuddel*)
VLG KeyMagic
Kapitel 35
Hätten seine beiden Menschen auf ihn gehört und ihn nicht wieder geschimpft, hätten sie vielleicht auch die vielen Stimmen gehört, die vom Kerkerflur ins Schlafzimmer drangen.
*Paul Young: "Love Is In The Air"*
Genervt – wenn man von einem Steinkauz sagen kann, dass er genervt war – tappte er über die Bettdecke.
Natürlich können Vögel das – genervt sein. Das kann man zum Beispiel an Amseln sehen, die ihre Flügelspitzen fast bis zum Boden hängen lassen, wenn sie so drauf sind. Das ist dann ein Zeichen dafür, dass sie total angepi... dass sie eben total entnervt sind.
Dummerweise bewegte sich die Bettdecke, und zwar von rechts nach links, weil Severus gerade dabei war, Hermione noch näher zu kommen.
Da sie schon Körper an Körper lagen, gab es nur noch eine Möglichkeit, das Näherkommen umzusetzen – er musste in sie, und zwar bald.
Mit einem müden Kauz sollte man aber nicht spaßen!
Sonst lebte doch sein Mensch getreu nach dem Motto der frühe Vogel fängt den Wurm – oder die Schüler – eben jeder nach seinem Geschmack. Vielleicht hätte man auch im Moment Schülerin sagen können.
Nun gut, der konnte bisher sowieso nur selten gut oder durchschlafen, aber seit das Weibchen hin und wieder bei ihm war, hatte sich das geändert, hatte er festgestellt.
Ja, Käuze konnten so etwas feststellen, denn sie hatten, wie alle Eulenvögel, ihre eigene Magie.
Harpyi tappte weiter und war dort angekommen, wo schwarze Haare aus der Decke hervorragten. Mit einem intelligenten Flügelschlag hüpfte er näher und zupfte Severus am Ohr.
Fluchend schlug der von unter der Bettdecke nach dem Vogel, was natürlich nur mäßigen Erfolg brachte. Falls er richtig nach ihm schlagen wollte, musste er die Hände von Hermiones Hüfte nehmen... Was für eine schwere Entscheidung...
Die Folge war, dass Harpyi seinen empörten Schrei direkt in Snapes Ohr losließ, der wiederum deshalb mit mehr Kraft als nötig die Bettdecke herunterriss, um diesen Vogel zu erwürgen.
„BIST DU VERRÜCKT GEWORDEN?"
Er erwischte ihn natürlich nicht, denn der hatte sich auf den Schrank gerettet, wo er begann, sich seine weitere Strategie zurechtzulegen. Das war gerade wieder der Mensch gewesen, der er vorher gewesen war, bevor das Weibchen aufgetaucht war. Sie mochte er ziemlich gerne, denn sie war nicht so aufbrausend wie sein Besitzer. An ihr konnte es also nicht liegen. Vielleicht war er so, weil er immer so schwarz gefiedert war.
Während er so nachdachte, hatte besagter Besitzer die Bettdecke wieder hochgezogen und widmete sich erneut Hermiones Hüfte. Hinter ihr war es so...erweckend gewesen und er positionierte sich in gleicher Weise wie vorher. Er war ihr nah und gleich noch näher, spürte schon ihre Wärme an seinem pochenden...
Harpyi verschob seine Überlegungen auf die kommende Nacht, wenn er wieder wach und munter und vor allem besser gelaunt sein würde. Er lugte runter und sah, wie sich schon wieder die Bettdecke bewegte. Sein ganzer Einsatz hatte nichts gebracht!
‚Anders geht's auch', musste er anschließend gedacht haben, denn er landete mit einem großen Satz auf Snapes Nachtschränkchen, wobei er heftig mit den Flügeln schlug. Der Wecker fiel um und der Ast, der immer nur Zauberstab genannt wurde, flog irgendwo auf den Boden.
Das passierte, als Severus gerade dabei war, Hermione so nah, so in sie wie möglich zu kommen.
„ICH BRING DICH UM, VOGEL, DAS GRENZT JA SCHON AN KRIMINELLES VERHALTEN!", brüllte er und war eine Sekunde später halb aus dem Bett.
„Ignorier ihn einfach…komm schon.", stöhnte sie, denn er hatte bisher ganze Arbeit geleistet, ihr den Morgen und das Folgende wirklich schmackhaft zu machen. Wenn er sie schon weckte, sollte es sich auch lohnen...
Severus konnte sich gar nicht beruhigen.
„Das hat er noch nie gemacht."
„Und?", gähnte sie, während sie ihn am Shirt zu sich hinzog. „Lass uns da weitermachen, wo du aufgehört hast…"
Das war ein Argument, und außerdem hatte sein Körper schon längere Zeit das beste Argument.
So eine frühe Morgenstunde zu zweit konnte schon schön sein, deshalb drückte er Hermione zurück in die Kissen, küsste sie und schob ihre Beine auseinander. Das ging schneller. Sie schlang sie um ihn und gleich würde sie…würde er den Himmel auf Erden…
Es krachte ohrenbetäubend, als fiele der Himmel auf die Erde, denn mehr als zwei Flügelschläge und eine Drehung hatte der Steinkauz nicht gebraucht, um den Kerzenhalter, zwei Bücher und endgültig den Wecker auf den Boden zu befördern. Das Schränkchen war nun leergefegt.
Wie eine Furie und genauso schnell war Snape auf den Beinen. Das Bild, das er abgab, war für die… Nein, das wollte bestimmt keiner außer Hermione sehen, obwohl sie ihn viel lieber wieder über sich gesehen hätte.
„JETZT REICHTS! WO IST MEIN ZAUBERSTAB?"
Er fand ihn nicht. Dafür aber die anderen Sachen auf dem Boden.
Hermione rappelte sich hoch auf die Knie und rutschte auf seine Seite des Bettes.
„Severus, beruhige dich…es ist ein Tier…es kann nichts dafür."
„UND OB ER DAS KANN! DAS WAR VOLLE ABSICHT! Man wird nur noch ein PAAR FEDERN von ihm finden, wenn ich mit ihm FERTIG BIN!"
„SEVERUS!"
Sie umschlang seine Hüfte von hinten und küsste ihn auf den Rücken. Das nützte nicht viel, erinnerte ihn nur an das fast schon schmerzhafte Ziehen in seiner Mitte. Was mehr nützte war, dass sie langsam ihre Hände auf seine Vorderseite wandern ließ, was ihm ein Stöhnen entlockte. Die Ablenkung währte nicht lange, weil er, während er die Bewegungen von Hermiones Händen verfolgte, leider auch den Fußboden im Blick hatte.
„DU HAST AUCH NOCH DEN WECKER KAPUTT GEMACHT, VOGEL! Sieh dir das an!"
„So schnell geht der nicht kaputt.", stöhnte sie ebenfalls, nur aus einem anderen Grund wie er.
Er hob den Wecker auf.
„Hier: Zehn nach acht."
Hermione guckte skeptisch, rollte sich über das Bett auf ihre Seite, nahm ihre Armbanduhr und schrie auf.
„Ähm…der Wecker ist nicht kaputt."
„WAS?"
„Meine Uhr!"
„WAS?"
„Wir haben verschlafen. MIST!"
„ICH HABE NOCH NIE VERSCHLAFEN! MIST? KATASTROPHE!"
Jetzt waren beide auf den Beinen – und zwar ziemlich hektisch. Endlich hörten sie auch die Stimmen vom Flur und er erklärte nur zwischen zwei oder mehr verbalen Flüchen, dass er zu allem Überfluss auch noch die sechste Klasse Slytherin und Hufflepuff hatte…hätte. Die vergnügten sich sicher vor dem Labor und würden einen Teufel tun, die Direktorin zu benachrichtigen. Snape und Verspätung bedeutete den…Himmel auf Erden, selbst für den Schlangennachwuchs.
„WO IST DER VERDAMMTE ZAUBERSTAB?"
Hermione wusste es natürlich nicht und wollte ihn lieber in Frieden lassen.
„Ähm, du ins Bad oder…"
„NEIN!"
Dazu war keine Zeit und außerdem…hatte er noch ein ganz anderes Problem – das Unvollendete!
Sie rannte ins Bad, ging zur Toilette und hörte ihn immer noch fluchen. Scheinbar fand er seinen Zauberstab immer noch nicht.
„Du brauchst ihn doch eh nicht…kein Gefuchtel, du weißt schon.", rief sie durch die offene Tür und musste trotz allem Lachen, bis sie selbst in Panik geriet.
„Scheiße", entfuhr es ihr so untypisch, wobei es sich in letzter Zeit häufte. Wenn man so ein Wort positiv meinen konnte, war es wohl – einerseits – so gemeint, denn sie hatte gerade festgestellt, dass die überfälligen Tage vorbei waren und die richtigen gekommen waren. Andererseits ergab sich das nächste Problem: Sie hatte absolut gar nichts dabei. Nichts dafür und…dann fiel es ihr kochendheiß ein: Keine Kleidung zum Wechseln und schon gar keine Schuluniform oder Schulsachen. Das hatte sie heute Morgen in aller Frühe erledigen wollen.
„AAAH MIST!"
Sie behalf sich mit ein paar Streifen gefaltetem Papier, da ihr nichts anderes übrig blieb, und würde das nachher ändern.
„DAS FÄLLT DIR ERST JETZT AUF?", schrie er zurück und konnte nicht ahnen, um was es bei ihr ging.
Als sie aus dem Bad kam, lag er auf dem Teppich im Schlafzimmer und angelte scheinbar nach dem Zauberstab, der unter das Bett gerollt war, weil er sich wohl gerade nicht daran erinnern konnte, den Accio zu benutzen – Kein Wunder, kämpfte er noch mit den Nachwirkungen des bis vor fünf Minuten so schönen Morgens.
„Vielleicht solltest du dir noch eine Shorts anziehen, bevor du…"
Daraufhin hörte sie nur einen undefinierbaren Laut und danach noch einen, weil er sich beim Aufstehen den Kopf am Bettrand gestoßen hatte. Er drehte sich zu ihr um und unwillkürlich und ohne dass sie etwas dagegen tun konnte, wanderte ihr Blick dorthin, wo keine Shorts zu sehen war. Sie konnte nur noch seufzen.
„DAS KANN MAN WOHL SAGEN!", jammerte er und suchte sich aus der Kommode etwas, um die Ursache des Gejammers zu bedecken.
Auf dem Weg zurück zum Bett sah er den Kauz auf dem Schrank, der stocksteif wie eine Statue dort oben saß und ihn wohl die ganze Zeit beobachtet hatte. Hätte man es nicht besser gewusst, hätte man denken können, er würde grinsen.
„MIT DIR BIN ICH NOCH NICHT FERTIG – DU BIST TOT, UND ZWAR HEUTE ABEND!"
Der Vogel rührte sich nicht, aber blinzelte genau einmal. Dann erhob er sich lautlos und flog ins Bad zu seinem Baum.
Nachdem Severus endlich den Zauberstab von unter dem Bett geholt hatte, zog er sich seinen Gehrock gleich über das Schlafshirt und stieß sich heftig vor Wut die Zehen an der Kommode, als er entdeckte, dass die unzähligen Knöpfe genau um einen versetzt falsch zugeknöpft waren.
„Nimm doch den Zauberstab!", rief sie ihm zu, während sie Rock und Bluse suchte, die sie während des vergangenen Abends irgendwo verloren hatte beziehungsweise die ihr abgenommen worden waren. Sie fand die Bluse und das Top im Wohnzimmer vor der Couch auf dem Boden, ebenso den BH, und der Rock lag ganz unschuldig auf dem Weg zum Schlafzimmer.
„MACH DU ES DOCH!", ärgerte er sich, weil er nicht an seine magischen Fähigkeiten gedacht hatte.
Endlich erinnerte er sich doch daran und brachte es in Ordnung. Schnell noch eine Hose an – und Shorts, und zwar darunter. Dann noch die – Merlin sei Dank – weite Robe und fertig.
„Ich kann meinen auch nicht finden… Waaah, so ein Mist!"
Sie rannte von einer Ecke zur anderen und weil er auch gerade mit Gehen beschäftigt war, prallte sie auf ihn und trat ihm auf den Fuß – ausgerechnet auf den, der vorher schon in Mitleidenschaft gezogen worden war.
„PASS DOCH AUF!"
„PASS DU DOCH AUF!"
Sie meinten es nicht so, es war einfach nur Chaos angesagt.
Harpyi ward danach nicht mehr gesehen – er hatte sich auf den höchsten Ast hinter den meisten Blättern in das kleine Schlafloch seines Baums verkrochen und wartete immer noch entnervt darauf, dass die endlich verschwanden. Sonst um die Zeit hatte er längst seine Ruhe.
„Wie machen wir es?", fragte Hermione außer Atem.
„Ich zuerst, ich muss die Meute vom Flur holen, dann kannst du gehen. WIE ICH MONTAGE HASSE!"
„Du hasst jeden Tag."
Ohne Verabschiedung verschwand er aus der Tür. Kaum einen Augenblick später hörte sie ihn auf dem Flur schreien.
„WAS STEHEN SIE HIER HERUM UND MACHEN DIE GANZE SCHULE VERRÜCKT? GIBT ES KEINE BÜCHER MEHR ZUM LERNEN?"
War ja klar, dass er es wieder so drehte, dass sich die Schüler schuldig fühlten und nicht er. Tat er zwar, musste nur nicht jeder wissen, sonst würden sie ihm noch auf der Nase herumtanzen, selbst die Slytherins.
Harpyi horchte auf. Endlich war die Tür zugeknallt, zwei Minuten später hörte er sie noch einmal auf- und zugehen, nur sehr leise. Käuze haben gute Ohren. Sehr gute. Halleluja hätte er gesungen, wenn er das Wort gekannt hätte und dazu noch hätte singen können. So gähnte er lieber herzhaft und begann, seine zuvor begonnen Überlegungen zu vertiefen, die konnten doch nicht bis zur nächsten Nacht warten:
Seit das Weibchen bei seinem Besitzer war, hatte sich einiges verändert. Er wurde von ihr freundlich begrüßt, wenn er da war. Damit hatte sie einen Stein im Brett bei ihm. Für sie würde er auch Post wegbringen, wenn sie ihn fragen würde – so viel stand fest. Außerdem war das Männchen, der wegen der schwarzen Federn wohl immer so schlecht gelaunt war, seitdem etwas anders in Verhalten und Nahrungsgewohnheiten. Zudem kam er hin und wieder und mittlerweile viel öfter auch abends ins Bad und duschte somit zweimal am Tag.
An den ersten drei Tagen hatte er ihn intensiv dabei beobachtet, weil es für die Jagd noch zu früh war um die Zeit. Eine neue Beschäftigung war immer gut und Käuze liebten es sowieso, zu beobachten – warum sonst war ihr Kopf so geschaffen, dass sie ihn um bis zu 270 Grad drehen konnten?
Severus – so hieß er, das hatte er gelernt in dem Jahr, seit er da war – hatte ihn daraufhin immer giftig angeschaut und bald auch angemeckert. Später hatte er gelernt, dass das Prozedere im Bad immer dann vonstatten ging, wenn sie kam. Sie war eine Frau. Das hatte er wiederum gelernt, weil sein Besitzer einmal sehr unfreundlich gesagt hatte: Was gibt's da zu sehen? Meine Frau kommt gleich.
Das hatte er dann verstanden. Er selbst hatte auch so jemanden – ein Weibchen – und immer wenn er zu ihr flog an den Rand des Verbotenen Waldes, putzte er sich auch vorher sehr sorgsam seine Federn, vom Scheitel bis zum Bürzel. Nur wer sich sorgfältig um so etwas kümmerte, konnte in die engere Auswahl gelangen. Er hatte Glück gehabt. Sie hatte ihn erwählt und hatte seine zweite Baumhöhle, quasi seine Hauptwohnung im Wald, nach intensiver Begutachtung für angemessen befunden.
Ebenso wichtig waren die Geschenke: Beim Kennenlernen hatte er ihr eine Maus mitgebracht und später auch immer wieder besonders stattliche Nager, um sie bei Laune zu halten.
Hier hatte er das noch nicht beobachtet. Die Menschen waren dahingehend komisch. Vielleicht waren auch nur seine Menschen so komisch. Er hatte ihr noch nichts Brauchbares geschenkt außer ein paar kleinen Phiolen ohne Sinn und Zweck. Was sollte man damit anfangen können?
Jedenfalls war noch etwas komisch:
Normalerweise kamen erst die Geschenke und dann alles andere. Nur hier in der Wohnung wurde kräftig geschnäbelt ohne Geschenke.
Oder er musste ihr etwas gegeben haben, wenn er nachts auf Jagd ging. Ja, so musste es sein, denn nach dem Schnäbeln oder wenn sie morgens aufwachten, schienen sie meist glücklich.
Harpyi beschloss, seine Menschen weiterhin zu beobachten, soweit wie es möglich war, um dann erneut darüber nachzudenken.
Müde schloss er die Augen und fand seinen wohlverdienten Schlaf nach diesem arbeitsreichen Morgen.
Hermione stand auf dem Flur und versuchte, eine Entscheidung zu treffen.
Sie hatte jetzt eigentlich Zauberkunst bei Professor Flitwick. Der war zwar nett und hatte für Vieles Verständnis, doch für das Fach war der Zauberstab absolut notwendig und sie hatte ihn nicht finden können. Der Accio hatte nicht funktioniert, vielleicht hing er irgendwo fest.
Keiner war von ihr gewohnt, zu spät zu kommen. Sollte sie noch in den Turm, um sich umzuziehen, ihre Schulsachen zu holen, nur um dann ohne Zauberstab doch nicht richtig mitmachen zu können oder sollte sie, so wie sie war, in den Unterricht? Über die Kleidung würde der Professor hinwegsehen, das war ihm ziemlich egal. Vielleicht könnte sie sagen, dass sie gestern auf dem Geburtstag ihres Vaters gewesen war, dort übernachtet hatte und dann verschlafen hatte... Dann wäre nur das mit dem Übernachten gelogen.
Sie wollte nicht lügen, aber diesmal ging kein Weg daran vorbei – wenigstens nur eine Notlüge. Und dass sie beide heute Morgen in Not waren, konnte man nicht abstreiten, also wäre das mehr als gerechtfertig. Noch während des Gehens überlegte sie, ob Severus sich auch erklären würde oder es so formulieren würde, dass sich seine Schüler wieder dumm vorkamen. Vermutlich Letzteres – darin war er der unangefochtene Meister, wovon sie eben schon eine Lektion mitbekommen hatte.
Die Entscheidung war gar nicht einfach. Hatte sie jemand gesehen gestern Abend? Es hatte gedonnert und geregnet. Hatte es wirklich schon geregnet? Draußen auf ihrem Weg war keiner gewesen, soviel war sicher. Wenn sie doch jemand gesehen hätte, dann nur aus dem Fenster. Die meisten hatten an einem Sonntagabend Besseres zu tun, als hinauszugucken und das dunkle, ungemütliche Wetter zu betrachten. Wenn doch, warum sollte man sie auf die Entfernung erkannt haben? Sie lief schließlich nicht jeden Tag in einem weiten, wallenden Rock und einer weißen Bluse herum.
Professor Flitwick würde sich mit einer Erklärung am Ende des Unterrichts begnügen, wusste sie aus Erfahrung. Ihre Freunde wahrscheinlich nicht, doch denen könnte sie dieselbe Geschichte liefern. Bei Ginny war es sowieso egal.
Der Klassenraum lag im ersten Stock und somit näher am Kerker als der Gryffindorturm. Damit war die Entscheidung gefallen. Jetzt noch die vielen Treppen rauf und runter und es wäre noch mehr Zeit verloren.
So unauffällig wie möglich betrat Hermione den Klassenraum. Was für ein Glück, dass die Stunden nicht mit den Slytherins zusammengelegt waren, sondern mit den Ravenclaws. Die fingen nicht gleich an, dumme Sprüche loszulassen oder sie in aller Öffentlichkeit auf das aufmerksam zu machen, was sie selbst am besten wusste.
Noch mehr Glück war, dass alle gerade damit beschäftigt waren, eine neue Bewegung mit dem Zauberstab zu lernen und dabei einen ganzen Satz zu sagen. Wenigstens herrschte somit keine Stille im Klassenzimmer und Professor Flitwick saß nicht am Pult, sondern ging durch die Reihen, um besser kontrollieren oder vielmehr, um besser Hilfe leisten zu können.
Als er sie sah, musterte er sie kurz und sie ging zu ihm hin, entschuldigte sich und versprach, nach der Stunde zu ihm zu kommen. Eine halbe Stunde hatte sie verpasst und der Lehrer wusste, dass sie es sicherlich nacharbeiten würde. Da sie keinen Zauberstab hatte, lieh er ihr seinen, mit dem sie üben konnte. Über soviel Vertrauen und Verständnis froh, machte sie gleich mit, auch wenn ihre Ergebnisse durch den fremden Stab nicht ganz so gut waren wie gewöhnlich.
‚Eine gute Entscheidung.', dachte sie. Nun, das würde sich noch herausstellen...
Im allgemeinen Gemurmel kam es auf ein paar mehr Worte nicht an. Ginny ahnte direkt, was Sache war, denn sie wusste ja, dass Hermione nicht in ihrem Zimmer gewesen war – da hatte sie als erstes nachgesehen.
„Du hast ins Schwarze getroffen.", bestätigte ihr Hermione und zog einen ihrer Mundwinkel hoch.
„Na, du hast wohl eher den Schwarzen getroffen, was?", kicherte Ginny.
„Schscht!"
„Und hat der Schwarze richtig getroffen?" Das Kichern wurde lauter.
„Bist du verrückt? Sei still!"
„Hat er wenigstens seine Klamotten gefunden oder unterrichtet er jetzt im Schlafanzug?"
„Ginny!"
„Ach, er hatte gar keinen Schlafanzug an?"
Mittlerweile war sie fast genauso rot im Gesicht wie ihre Haare, weil sie sich arg zurückhalten musste.
„Schschscht!"
Die Jungs konnten wohl nichts verstehen, weil Ginny sich bemühte, sehr leise zu sprechen und die Klasse wurde immer lauter, aber man konnte ja nie wissen.
„Warum habt ihr verschlafen?"
„Der Wecker ist kaputtgegangen."
„Wobei?"
„Boah Ginny, denkst du immer nur an das Eine?"
„Nein, nur wenn ich an euch denke."
„Ginny! Der Kauz hat ihn runtergeworfen, da war es zehn nach acht."
„Ach?! Und wieso brauchst du dann 25 Minuten, um dir Rock und Bluse anzuziehen und ein paar kurze Treppen hinaufzusteigen?"
„Ich war früher hier."
„Ok, 23 Minuten. Also?"
„Lass gut sein."
Tatsächlich war Ginny still und Hermione übte weiter ihre Handbewegungen. Ein paar Sekunden später merkte sie, dass sie von ihrer Freundin beobachtet wurde.
„Was?" zischte sie und funkelte sie an.
„Wuhuu...so gereizt? Nicht, dass ihr bei was Schönem unterbrochen worden seid?"
„Verdammt, halt die Klappe."
Jetzt hockte sich Ginny hinter den Tisch und hielt sich den Arm vor den Mund, weil sie so lachen musste.
„Hey, können wir mitlachen?", fragte Harry und seine Freundin schüttelte nur mit dem Kopf.
„So wie du drauf bist, Mine, hab ich re-hecht! Der Vogel hat euch beim Vög..."
„Ginnyyy!"
„Meine Damen, dürfte ich sie um etwas mehr Aufmerksamkeit bitten?", quiekte Flitwick und Hermione entschuldigte sich zum zweitenmal an diesem Tag bei ihm. Damit war die Sache für ihn erledigt. Wenn doch nur alle Lehrer so wären. Nicht auszudenken, wenn das in McGonagalls Unterricht passiert wäre.
„Wir waren nicht dabei!", giftete sie Ginny an und schaute wieder weg.
„Na dann aber kurz davor...mit so einem Gefühl den ganzen Tag rumrennen ist nicht schön...gar nicht... Soll ich eine Eule an Verus schicken, dass du ihn in der Pause sehen willst?", kicherte sie wieder. „Das müsst ihr noch beenden, sonst gibt es eine Katastrophe – und zwar bei ihm im Unterricht...wenn du schon so wu..."
Das nächste, was Ginny spürte, war ein Schlag auf dem Kopf mit einer Rolle Pergament.
„Das hat aber nicht so weh getan, wie wenn man unbefr..."
Hermione griff um Ginny herum und hielt ihr den Mund zu.
„Wenn du jetzt nicht die Klappe hältst, sage ich deinem Freund, dass du gewisse Tipps für ihn von ihm wolltest, klar?"
„Iiich...bin ruhig!"
„So, und keine weiteren Kommentare, klar?"
„Klar."
„Weil ich nämlich was von dir brauche."
„Was?"
„Was Frauentechnisches, hast du?"
„Hä? Oh, OH, sehr gut, gut für dich – überlebenstechnisch meine ich..."
„Ginny! Bitte!"
„Warte...ja klar. Jetzt?"
„Besser wäre es."
Sie kramte in der Tasche. „Herrje, das auch noch? Wann hast du das denn gemerkt? Deshalb habt..."
„Eben erst, eben erst, Ginny. Alles im grünen Bereich. Und jetzt bitte..."
„Hier, schon klar."
Hermione verließ mit Erlaubnis das Klassenzimmer und kam drei Minuten später wieder zurück. Ginny war endlich ruhig, nur ihr Grinsen wurde sie nicht mehr los, während sie übte und übte. Harry hatte sie übrigens gesagt, dass Hermione wahrscheinlich bei ihren Eltern geblieben war, was der keineswegs unnormal gefunden, sondern nicht anders erwartet hatte. Ginny dachte, wenn Harry das wüsste, würde er es weitergeben und damit wäre alles geklärt. Dachte sie wirklich.
Als sie wieder Flitwicks Zauberstab genommen hatte und weiterüben wollte, gab Ginny immer noch Ruhe.
Stattdessen sprach Ron sie leise an. „Du sahst hübsch aus gestern, als du zu deiner Familie gegangen bist."
„Oh...danke...Ron. Ja...mal was anderes als immer nur die Uniformen."
„Gut, dass du noch vor dem Regen zurück warst...", sagte er noch hinterher und sah sie so komisch dabei an.
Erst jetzt bemerkte sie, dass er an ihr runterschaute und langsam aber sicher verstand sie...
Gestern Abend musste er sie auf ihrem Rückweg gesehen haben und jetzt hatte sie immer noch die gleichen Sachen an! Bei Merlin, das konnte doch nicht wahr sein. Was dachte er jetzt? Was sollte sie sagen?
„Hast du in den Klamotten geschlafen oder was?" Ron versuchte belustigt zu klingen, was er aber nicht schaffte. Er hörte sich total komisch an.
„Ähm...ich war so müde nach der Feier... Da...wollte ich mich nur kurz aufs Bett legen und dann muss ich wohl eingeschlafen sein. Und den Rest weißt du ja...verschlafen... Einfach verschlafen, stell dir das vor!"
„Ja...schon komisch...gerade du!"
„Ähm...ja."
Severus hatte auch ein Problem im Unterricht. Noch eins. Wieder eins. Nach einer Viertelstunde hielt er es nicht mehr aus.
„Zwei Minuten selbstständiges Arbeiten! – Und ich werde sie alle vergiften, wenn sie in dieser Zeit etwas anstellen!"
Die Sechstklässler, vor allem die Hufflepuffs, schüttelten mit dem Kopf.
Was war denn mit dem los heute Morgen? Erst eine halbe Stunde Verspätung, dann giftig wie Galle.
Die Spekulationen gingen wild durcheinander, als er den Klassenraum verlassen hatte. Von „Peeves wütet in seinem Wohnzimmer" über „Das Witched Ladies in der Nokturngasse hatte gestern Ruhetag" bis „ Er hatte Nachsitzen bei seiner Chefin" war alles dabei, aber keiner traf ins Schwarze – Merlin sei nochmal Dank!
Er musste schlicht und einfach mal für kleine Ex-Todesser, weil es zuvor aus…anatomischen Gründen leider nicht möglich gewesen war.
Als er wiederkam, stellte er erleichtert fest, dass alle arbeiteten, wobei manche ein leichtes Grinsen auf dem Gesicht hatten. Mit bestem Snape-Blick ließ er auch das verschwinden und die weiteren Stunden des Vormittages liefen in normalen Bahnen.
„Voll cool.", sagte Seamus, als er sich an den Tisch setzte.
„Was'n cool?", fragte Ron mit einer Hähnchenkeule vor dem Mund und biss erneut herzhaft zu.
„Naja, cool…ich weiß nicht, ob man lachen oder lieber eingreifen soll.", gab Dean zu bedenken.
„Bei Snape? Bist du lebensmüde?"
„Hey…sagt doch…was ist wieder mit dem A…?"
„Ron!"
„Boah Schwester, lass mich aussprechen, was der ist!"
„Wirst du es nicht leid? Er hat viel für uns alle getan, vergiss das nicht."
„Du hörst dich an wie Hermione."
„Weil sie recht hat."
Ginny meinte was sie sagte, außerdem wollte sie langsam darauf hinarbeiten, falls es jemals rauskommen würde…und es würde rauskommen, spätestens nach dem Abschluss. Hoffentlich keine Sisyphos-Aufgabe. Doch.
Ron ignorierte sie und Harry wollte sich nicht einmischen. Seine Freundin hatte recht und er dachte in etwa genauso, konnte aber Ron auch verstehen. Zwiespalt nannte man so etwas, oder?
„Seamus, was jetzt?"
„Sie streiten sich in der Eingangshalle."
„Wer?"
Er stöhnte. „Hab ich doch gesagt. Snape mit Hermione – oder umgekehrt."
„Was?", fragte Ginny ungläubig und gleich darauf sagte ihre innere, grinsende Stimme, dass sie dann nicht Verus eulen musste, wenn die beiden es selbst schon in die Hand nahmen.
„Keine Ahnung. Ich hab nur Bruchstücke gehört. Wer will denen schon zu nahe kommen? Irgendwas mit verfluchen, aussetzen und lass das und armes Geschöpf hab ich gehört."
„Ohoh.", kommentierte Ginny, ließ ihre Gabel fallen und stand schnell auf.
„Was ist denn mir ihr los? Das würde ich nicht machen."
„Keine Ahnung. Sie ist ihre Freundin, vielleicht will sie ihr beistehen."
Das hatte Ginny noch gehört, bevor sie aus der Halle lief, und fragte sich, wer hier wem beistehen sollte.
„Echt jetzt? Sie streitet sich mit Snape? Oh Merlin, nachdem er sie so behandelt hat letztens? Nicht, dass das wieder von vorne losgeht."
Ron war besorgt und überlegte, ob er nicht auch rausgehen sollte, um sie zur Not zu verteidigen. Zwar war ihm die Sache mit ihren Klamotten heute Morgen komisch vorgekommen, aber er hatte noch keine Zeit gehabt, weiter darüber nachzudenken. Deshalb überlegte er kurz und folgte seiner Schwester.
„Keine gute Idee.", kommentierte Dean. „Naja, sie ist zwar nicht mehr Vertrauensschülerin, genießt aber noch den Status. Dann wird's sicherlich nicht so schlimm mit Snape."
Damit hatte er recht. Das war bei den meisten der Fall, die in der Schlacht gekämpft hatten.
Harry sagte zu allem nichts und machte sich seine eigenen Gedanken. Er hatte sich alles angehört und irgendetwas passte nicht so ganz zusammen… Was, konnte er nicht sagen...
Ginny stand im Rahmen der riesigen Eingangstür und lugte um die Ecke. Tatsächlich standen die beiden noch da. Hermione und selbst Snape hatte die Hände in die Hüften gestemmt und man konnte sehen, dass es kein Liebesgeflüster war. Laut waren sie nicht, doch wer an ihnen vorbeigekommen war, hatte sicher ein paar Worte aufschnappen können. Was für ein Bild!
Als Ron hinter ihr auftauchte, biss sie sich auf die Lippen, um nicht weiter zu grinsen. Dass sie sich um keinen der beiden Sorgen machen musste, hatte sie direkt gesehen.
„Wo ist er, ich bring ihn um, wenn er sie nicht behandelt, wie er sollte."
„Sei still!", zischte sie und wand sich wieder ab, weil das Grinsen wiederkam. Wenn er wüsste… Snape behandelte sie absolut so, wie er sollte. Und zwar meistens unten im Kerker.
„Komm mit. Jetzt."
„Ich lass sie nicht hier allein.", flüsterte er zurück.
„Und ob du das wirst. Abmarsch!"
Laut protestierend ging er hinter ihr her zum Tisch. „Was sollte das?"
„Es war nichts Ernstes."
„Woher willst du das wissen?"
„Das kann man doch sehen. Und meinst du nicht, Hermione käme allein klar?"
„Nicht nach den letzen Wochen."
„Das ist doch längst vorbei. Außerdem… Wenn Snape dich gesehen hätte, wäre er sicher stinkwütend geworden."
Das wäre absolut im Rahmen des Möglichen gewesen, gab Ron mit gut verpackten Worten kleinlaut zu und widmete sich dem mittlerweile nur noch lauwarmen Hähnchen, während er immer wieder zur Tür schielte.
Drei Minuten später kam Hermione auch an den Tisch und setzte sich, als sei nichts gewesen.
„Was wollte der Typ von dir? Soll ich ihn…"
„Alles gut, Ron. Wieso, was hast du denn gehört?"
„Äh…nichts. Seamus hat nur gesehen, dass ihr…diskutiert habt?"
„Ja, das war…wegen einer Posteule. Ich hatte vorher gesehen, dass er sie nicht…nett behandeln wollte, weil sie nicht so gehandelt hatte, wie sie sollte…und ich hab mich eingemischt, was ich nicht sollte… Naja, und dann kam eines zum anderen…"
„Geht's dir gut?"
„Warum nicht? Er hat mir nur ein paar Punkte abgezogen, sonst gar nichts."
„Na gut, leg dich besser nicht mit ihm an, du weißt doch…!"
Ginny musste sich wieder auf die Lippe beißen. Nein, Hermione legte sich nicht mit ihm an, sondern sie legte sich auf…
„Aua!"
Hermione sah das Grinsen und trat ihrer Freundin auf den Fuß, weil sie ahnte, dass eine Befragung kam.
„Was hat er gesagt?", flüsterte Ginny so leise in Hermiones Ohr, dass sie sich selbst kaum verstehen konnte.
„Nicht viel…es ging nur um seinen Steinkauz. Ich hab nicht gelogen…naja, halb."
„Seht ihr euch heute Abend…naja, nach dem abgebrochenen Morgen? Dann weiß ich wenigstens Bescheid."
Hermione nickte nur.
„Aaaaha!", meinte Ginny nur, bevor sie sich einen Löffel ihres Lieblingsnachtischs in den Mund schob und gleich den nächsten aufhäufte. Heute gab es roten Wackelpudding.
Dummerweise flüsterte ihre innere Stimme wieder etwas, weshalb sie den glibbrigen, äußerst schwer zu bändigenden Wackelpudding vom Löffel verlor und den Rest aus ihrem Mund in ihre freie Hand prustete. Sie nahm eine Serviette und brachte das Missgeschick unter Beobachtung zahlreicher, ungläubiger Augenpaare wieder in Ordnung.
„Dann ging's ja wirklich ums Vög…um Vögel, was?"
„GINNYYY!", war alles, was die anderen hören konnten.
Dass sie im Prinzip recht hatte, wollte sie ihr nicht gerade aufs Auge drücken.
Severus hatte sie wirklich gefragt, ob sie das am Morgen Begonnene vielleicht abends fortsetzen wollten, nur spät, weil er noch viel zu tun hatte. Hätte sie wirklich sehr gerne, weil ihre Gefühle schon den halben Tag danach verlangten. Dummerweise konnte sie ja nicht, doch das hatte sie ihm nun wirklich nicht auf dem Flur sagen wollen. Bis heute Abend hatte sie ja noch Zeit, sich etwas einfallen zu lassen...
Der Schultag war von Ginny grinsend, von Harry und Ron grübelnd – aus unterschiedlichen und doch so ähnlichen Gründen – und von Hermione unruhig bewältigt worden.
Gegen zehn Uhr abends schlich sie sich hinunter in den Kerker, um seiner Einladung zu folgen. Die ganze Zeit zermarterte sie sich schon ihren hübschen Kopf, wie sie die Sache hinter sich bringen könnte, ohne dass sie ihm sagen musste, dass sie nicht konnte. Zwar hatten sie bis jetzt schon einige Zeit und etliche, sagen wir romantische Momente miteinander verbracht, doch ihm so etwas zu sagen fiel ihr schwer und sie würde das nicht über ihre Lippen bringen können. Blieb nur die Flucht oder die Flucht nach vorn. Sie wollte wirklich gerne den kurzen Abend mit ihm verbringen, weil er sie gefragt hatte. Wenn auch sonst nicht, aber heute war es gut, dass er ab elf Uhr für die Kontrollgänge eingeteilt war.
Höflich klopfte sie leise, bevor sie das Passwort zu seiner Wohnung nannte.
Kaum war sie drin, fand sie sich mit dem Rücken zur Eingangstür in einen leidenschaftlichen Kuss verwickelt.
„Guten Abend", raunte er gegen ihren Hals und sie begann zu überlegen, ob eine Flucht nicht besser gewesen wäre.
Das würde eine Qual für sie werden – so wie wenn man ein Stück Schokoladenkuchen mit einem dunklen, glänzenden, wahnsinnig süßen Überzug vor sich stehen hat und ihn nicht essen darf, weil man gerade eine Diät macht. ‚Verdammt!'
„Ähm...Severus..."
„Entschuldige, komm rein. Möchtest du etwas trinken?"
Gut, das kostete Zeit. „Gerne, aber nichts Alkoholisches."
„Nein, Tee?"
Noch besser. „Ja, schwarz. Hast du Clotted Cream und ein bisschen Zucker dazu?"
„Süß veranlagt so spät?"
„Äh...ziemlich."
Irgendwann hatte sie herausgefunden, dass er doch eine kleine Schwäche hatte, und das war diese typisch englische Sahne zum Tee oder zum Frühstück. Solche kleinen Dinge, die sie in der kurzen Zeit schon kennen gelernt hatte im Zusammenhang mit ihm, hatten so etwas Vertrautes und gaben ihr ein unglaublich warmes Gefühl.
Ein paar Minuten später stellte er die Tassen auf den niedrigen Wohnzimmertisch und sie nahm einen Schluck.
„Hmm...danke."
Sie betrachtete ihn, während sie trank. Snape, der ihr Tee machte, sie auch noch bediente und der heute Abend die dunkelblaue Jeans trug, die sie ihm gekauft hatte, zusammen mit einem einfachen, weißen Hemd.
Ob er bemerkt hatte, dass sie sich ganz in ihm verloren hatte – wenigstens mit den Augen – wusste sie nicht.
So oder so – er kam auf sie zu und blieb vor ihr stehen.
„Du hast da was..."
Sanft strich er ihr mit dem Daumen über die Lippen, weil scheinbar etwas von der Sahne daran hängen geblieben war. Die Ausrede nutzte er auch gleich dazu, sie erneut zu küssen. Eng umschlungen standen sie im Wohnzimmer, seine Hände strichen über ihren Rücken, dann weiter runter über ihren Po und wieder zurück.
„Fast so schön wie heute Morgen – bis der verdammte Vogel kam.", meinte er mit deutlich genervter Stimme.
Und gleich darauf strich er mit seiner Zunge über ihre Lippen, als hätte er noch einen Rest Sahne entdeckt oder um sich von dem schiefgelaufenen Morgen abzulenken.
Das friedliche Gefühl war mit dem Kuss zurückgekehrt und es knisterte nicht nur aus Richtung des Kamins. Man konnte förmlich spüren, dass Liebe in der Luft lag, die...
...mit ein paar lautlosen Flügelschlägen zwei Runden durchs Wohnzimmer drehte.
Harpyi hatte, seitdem er aus seinem täglichen Schlaf aufgewacht war, weiter nachgedacht.
Das konnte mit seinen Menschen nicht mehr so weitergehen. Wusste sein Besitzer denn gar nicht, wie das funktionierte? Da gab es nur eine Lösung – er musste es ihm zeigen, so gut er konnte. Man konnte kein Weibchen oder keine Frau, wie er sie nannte, nur mit Schnäbeln beeindrucken. Das lag nicht in der Natur der Dinge. Und gerade als er hineingeflogen war, waren sie schon wieder dabei! Unmöglich! Wie gut, dass er sich etwas ausgedacht hatte.
Damit sie endgültig mit seiner Höhle zufrieden wäre und bei ihm einziehen würde, um dann den Nachwuchs auszubrüten und ihn aufzuziehen, waren erst die Gaben und Geschenke erforderlich, damit sie sah, dass er um sie warb und dass er sie auch versorgen und ernähren konnte. So lief das und nicht anders! Heute war er extra eine halbe Stunde früher zum Verbotenen Wald geflogen und hatte Erfolg gehabt. Für sein eigenes Weibchen würde er nachher nochmal auf Jagd gehen.
Noch immer hatten sie ihn nicht gesehen – lautlos zu fliegen war eine gute und zuweilen notwendige Eigenschaft.
Kurz löste sich sein Besitzer von seiner Frau und das war der richtige Moment – der perfekte Moment.
Harpyi ließ die stattliche Maus genau vor Snapes Füße fallen und entschwand gleich darauf aus seinem kleinen Fenster im Bad hinaus in die regnerische Nachtluft.
„WAS?", schrie er und Hermione quiekte – nicht weil sie Angst vor toten Mäusen hatte, sondern weil sie sich so erschreckt hatte.
Aus den Augenwinkeln hatte Severus noch einen fliegenden Schatten gesehen und war von null auf 180 Prozent Wut.
„VOGEL! JETZT REICHT'S WIRKLICH – ICH BRING IHN UM, UND ZWAR MIT MEINEN EIGENEN HÄNDEN! KOMM ZURÜCK, VERDAMMSTES FEDERVIEH! WAS HAB ICH DIR GETAN?"
Er lief ins Bad, wo natürlich kein Kauz mehr zu finden war.
„WARTE AB WENN DU WIEDERKOMMST...", brüllte er in Richtung Fenster, „DANN HABE ICH EINE ÜBERRASCHUNG FÜR DICH – EINE NETTE, KLEINE, TÖDLICHE VERMUTLICH!"
Käuze haben sehr gute Ohren. Er hörte seinen Besitzer schreien und wunderte sich. Nun hatte er ein solch wertvolles Geschenk extra ihm zu Füßen gelegt, um endlich etwas für seine Frau zu haben, und dann sowas? In der Fauna gab es noch Dankbarkeit, doch bei den Menschen? Nun, bis ihm etwas Neues einfallen würde, war Severus, sein Mensch, auf sich allein gestellt. Und wahrscheinlich würde der es wieder vermasseln, vermutete er.
„SEVERUS! Lass ihn!"
„NEIN, TUE ICH NICHT!", zeterte er, während er die Maus in Harpyis Baumloch schmiss.
„Komm her...bedenke, dass wir ohne ihn noch viel mehr...ähm...ver-schlafen hätten. Er hat es gewusst und uns aufmerksam gemacht!"
„DANN WÄRE ICH WENIGSTENS ENTSPANNTER GEWESEN!"
Als Hermione mitgekriegt hatte, was er meinte, zuckten ihre Mundwinkel genauso wie seine.
Auf einmal fing sie an, sich vor ihm ihre Bluse aufzuknöpfen.
„Severus! Du kannst ihn eh nicht mehr sehen...also guck woanders hin als zum Fenster."
Sie nahm seinen Kopf in beide Hände und drehte ihn zu sich.
„Setz dich auf die Couch!"
Er schluckte und tat, wie ihm geheißen.
Ihre Entscheidung war mit Hilfe des Steinkauzes gefallen: Flucht nach vorn!
Hermione stellte sich vor ihn und zog ihre Bluse aus, kurz danach die Hose. Seine Augen folgten jeder ihrer Bewegungen und ihm wurde ziemlich warm ums...Herz. Da stand sie in unschuldiger, weißer Spitzenunterwäsche, die mit kleinen Blüten bestickt war und ihn an den Tag erinnerten, mit dem alles angefangen hatte – als er unwissentlich und unwillentlich in ihrem Zimmer gelandet war und auf ihre damals noch weißen, mit Blumen verzierten Vorhänge gestarrt hatte.
Jetzt fiel sein Blick allerdings auf ihren wohlgeformten Körper und er begann sich zu ärgern, dass er die Jeans angezogen hatte, die von selbst enger zu werden schien. Es wurde nicht besser – im Gegenteil – als sie sich rittlings auf ihn setzte und bei ihm begann, die Knöpfe seines Hemdes zu öffnen und jeden, den sie geschafft hatte, durch einen Kuss auf seine Brust zu ersetzen. Als sie damit fertig war, zog sie ihm das Hemd aus und bewegte sich während der ganzen Zeit ziemlich aufreizend auf ihm.
Dann rutschte sie etwas weiter nach hinten und saß nun mit dem Po auf seinen Knien. Langsam streichelte sie über seine Beine, küsste ihn immer wieder und als er spürte, wo sie ihre Hände mit leichten, kreisenden Bewegungen verweilen ließ, konnte er ein Stöhnen nicht mehr unterdrücken.
Völlig unerwartet hielt sie plötzlich inne, nachdem sie die ersten zwei Knöpfe seiner Jeans geöffnet hatte.
„Ach! Wo hab ich nur meinen Kopf? Ich muss doch noch meinen Zauberstab suchen... Er muss irgendwo fest hängen, der Accio hat nicht funktioniert."
Severus wusste gar nicht, wie ihm geschieht. Heute Morgen war es schon hart gewesen, an so einer Stelle aufzuhören, aber jetzt schon wieder? Das konnte doch keiner aushalten!
Umständlich stand Hermione auf, kniete sich auf den Boden, krabbelte zu einem Sessel, dann zum anderen und Severus krallte seine Hände in den Stoff der Couch. Ahnte sie eigentlich, was sie da tat? Machte sie das extra oder suchte sie wirklich nur ihren Zauberstab?
Eine Frau, die nur in Spitzenwäsche vor einem Mann auf dem Boden herumkroch, war nur schwer zu ignorieren. Als sie sich noch tiefer und mit dem Po zu ihm gewandt unter einen der Sessel beugte, um mit dem Arm darunter greifen zu können, meinte er, es nicht mehr aushalten zu können.
„Hermione!"
„Warte, ich glaub, hier ist er.", war alles, was sie sagte und er knöpfte sich die verbliebenen Knöpfe der Jeans selbst auf.
„Bitte...könntest du das auf später verschieben und wieder herkommen?"
„Ja gleich... Hab ihn! Du hast Hausschuhe? Die liegen hier unter dem Sessel und..."
„HERMIONE!"
„Komme..."
Als sie sich umdrehte, versuchte er in ihren Augen zu erkennen, ob das ganze Absicht gewesen war, um ihn zu quälen, aber er konnte absolut nichts erkennen – nichts für die eine noch für die andere Vermutung. Er würde es nie herausfinden.
Auf allen Vieren krabbelte sie zu ihm, legte den Zauberstab sorgsam beiseite und blieb zwischen seinen Beinen hocken.
„Ah, du hast schon weitergemacht? Gut."
Hermione blieb auf ihren Knien, streckte sich aber und führte ihre Hände wieder dorthin, wo sie ihn eben verlassen hatten. Sie zog den Hosenbund etwas weiter auf, dass sie mehr Platz hatte, und ließ eine Hand an dem schon ziemlich harten Inhalt auf- und abgleiten, während sie mit der anderen Hand an der Innenseite seiner Schenkel entlang strich, was sein Stöhnen noch lauter werden ließ.
„Zu eng?", frage sie grinsend und wartete erst gar keine Antwort ab. Stattdessen befreite sie den Grund seines Stöhnens aus der Shorts und hauchte einen Kuss auf seine schon feuchte Spitze.
„Hermione...bitte..."
„Was bitte? Was soll ich tun?", fragte sie mit einer verführerischen Stimme.
„Irgendwas...aber tu was!"
„Wie du meinst..."
Einmal hatte sie es schon getan, und jetzt wollte sie es wieder. Ganz langsam umschloss sie seinen harten Schaft mit dem Mund und die Laute, die er von sich gab, ermutigten sie, es so gut wie möglich für ihn zu machen. Mal griff er so fest in das Polster der Couch, dass seine Fingerknöchel weiß wurden, mal bog er ihr seine Hüfte so weit wie möglich entgegen, dass sie ihn noch tiefer in sich aufnehmen konnte, und ein andermal krallte er seine Hände in ihre Haare, um sie ein klein wenig führen zu können.
Als sie dann kurz locker ließ, um mit ihrer Zunge über seine Spitze zu gleiten, keuchte er so laut auf, dass sie erst dachte, sie hätte etwas falsch gemacht.
„Her-mi-o-ne...wenn du jetzt nicht aufhörst...kann ich...nichts mehr für...dich tun. Es...war zuviel...heute..."
Sie löste ihre Bemühungen kurz mit ihrer Hand ab, um zu antworten.
„Brauchst du nicht..."
„Aber..."
„Hm...obwohl...du hast mir...uns...in den vergangenen Wochen so viele Punkte abgezogen..."
„Ich...meinte...etwas anderes! Für...dich...", stöhnte er langgezogen.
Kaum merklich schüttelte sie den Kopf und machte daraufhin einfach weiter. Ab da gab es kein Halten mehr. Er brauchte die Erlösung so sehr und er würde schreien, wenn es noch länger dauerte. Noch einmal bog er seine Hüfte so weit nach vorne wie er konnte, und als Hermione mit einer Hand noch zusätzlich ein paar andere empfindliche Stellen verwöhnte, war es soweit. Fast zu spät wollte er sie an den Haaren von sich wegziehen, doch sie hielt stand. Er kam heftig und laut und sie tat, was wohl die meisten Frauen taten.
„Ein-hundert-sechs...Punkte...für...Gryffindor!", stöhnte er, während er den Kopf nach hinten auf die Couch legte.
Nach ein paar Sekunden der Überlegung fragte sie ihn: „Wieso 106?"
„Weil...heute der erste Juni ist?"
Sie lachte und setzte sich neben ihn auf die Couch. „Danke dir!"
„Das wären wohl die Worte, die ich sagen müsste.", stellte er fest, den Blick auf die Zimmerdecke gerichtet.
Nach zehn Minuten Erholung konnte er sie immer noch nicht ansehen, sondern stand auf, um ins Bad zu gehen und sich dann das Hemd und den Umhang überzuziehen. Die Hose zu wechseln hatte er keine Lust. Kurz nach elf war es schon und er musste auf Kontrollgang.
Hermione zog sich auch wieder an und grinste.
„Ach, dann haben die, die sich jetzt noch herumtreiben nach der Sperrstunde ja nicht viel zu befürchten.", sagte sie leise und zwinkerte ihm zu.
„Wieso nicht?"
„So entspannt, wie du bist vor deiner Kontrollrunde!"
„Mach, dass ich dich nicht erwische! Sonst bekommst du die Punkte wieder abgezogen!", drohte er, während sie die Wohnung verließen.
„Hm, das würde ich mir überlegen, sonst kommt das...", und sie deutete kess auf Severus' Leistengegend, „...nicht wieder vor!"
„Mach, dass du hochkommst!"
„Das sagst du mir? Ich dachte immer, das seien Worte, die Frauen gerne an ihre Männer richten!", kicherte sie übermütig und lief ein Stück vor. Sie wusste auch nicht, warum...aber es war heute so lustig mit ihm. Lustig? Wer hätte das je gedacht?
Entgeistert sah er sie an, guckte sich dann aber prüfend um, obwohl er wusste, dass eigentlich keiner im Kerkerflur sein konnte, und ging langsam aber bedrohlich auf sie zu.
Als er sie eingeholt hatte, schlang er erst sanft seine Arme um sie, um sie in Sicherheit zu wiegen, bevor er ihr urplötzlich unter den Po griff, dass sie quiekte, sie hochhob und mit dem Rücken zur Wand an die Mauer drückte, wobei sie ganz automatisch ihre Beine um ihn schlang, um ein bisschen mehr Halt zu erlangen.
„Was meinten sie, Miss Granger?"
„Ähm..."
„Wolltest du mir etwas sagen?"
„Ähm...nein?"
„Das hörte sich anders an!"
„Naja... Vielleicht das?", schlug sie vor und verwickelte ihn in einen Kuss.
Während der ganzen Zeit hatte er seine Mitte schon – notwendigerweise, damit sie nicht fiel – gegen sie gepresst und sie konnte spüren, dass ihre Worte und der Kuss Wirkung zeigten. Das hatte sie gar nicht gewollt, es war sowieso schon schwer genug, nicht richtig mitmachen zu können. Wie gerne wäre sie jetzt mit ihm wieder in sein Reich verschwunden und hätte sich von ihm neh...
Nein, Schluss! Bevor sie am Ende noch in seinen Mund stöhnte, löste sie sich von ihm und er ließ sie langsam runter.
„Zu schade...", meinte er und war sich seiner Pflicht als Aufsicht diese Nacht nur zu gut bewusst. „Morgen früh im Unterricht!"
Jetzt war es Hermione, die entgeistert guckte.
„Du willst das im Unterricht fortsetzen?"
„Ich glaube das jetzt nicht! Mach, dass du hoch...in deinen Turm kommst, aber plötzlich!"
Sie lief los und wurde von keinem erwischt. Der Gemeinschaftsraum war leer und sie stieg die Stufen zu ihrem Schlafzimmer hinauf, wo sie bald darauf mit einem Lächeln auf den Lippen einschlief.
Sie konnte gar nicht ahnen, wie viel Glück sie gehabt hatte. Keine zwanzig Minuten früher und sie hätte ihre besten Freunde noch erwischt – oder umgekehrt.
Harry war im Gemeinschaftsraum hin und her gegangen, auf und ab. Es war schon spät gewesen und eigentlich wollten sie schlafen gehen. Den ganzen Tag hatte ihn das Gefühl nicht losgelassen, das er seit dem Mittagessen hatte. Irgendetwas hatte nicht gestimmt und das nagte an ihm. Musste er sich wieder Sorgen machen? Lief etwas an der Schule? Etwas, das nicht sein sollte? Hatte Hermione etwas herausgefunden und versuchte, es alleine zu klären?
Nach den ganzen Jahren war es kein Wunder, dass er so dachte. Immer war etwas gewesen.
Ginny war langsam genervt gewesen von seinem komischen Verhalten. Sie hätte viel lieber mit Harry in einem der Sessel vor dem Kamin gekuschelt, die endlich mal frei waren, weil die meisten schon zu Bett gegangen waren. Stattdessen war ihr Freund immer noch im Raum umhergetigert und hatte eine steile Falte auf der Stirn gehabt.
„Lass das!", hatte sie ihn bald ermahnt und mit der Hand auf die Sessellehne geklopft, damit er zu ihr käme.
Plötzlich war er stehen geblieben. Ginnys Worte hallten in seinem Kopf:
Lass das…lass das… Lass das?
Bald hatte er es…es war zum Greifen nah… Was hatte Seamus nochmal gesagt beim Mittagessen? Dass Snape sich mit Hermione stritt…dass er nur Bruchstücke gehört hatte. Und dann hatte er deutlich die Worte seines Klassenkameraden gehört, als würde er immer noch neben ihm stehen:
‚Irgendwas mit verfluchen, aussetzen und lass das und armes Geschöpf hab ich gehört.'
Innerlich wiederholte er es: Irgendwas mit verfluchen, aussetzen und lass das und…LASS DAS…LASS–DAS…LASS…
Hatte sich Seamus verhört? Konnte sein im Vorbeigehen. Oder rutscht einem im Streit mal so etwas raus? Nein, nicht ihr. Ihm? Nein, auf keinen Fall, oder doch? In Rage? Hatte sie den Professor so auf die Palme gebracht, dass er seine Angewohnheiten vergaß? Der war doch ganz andere Sachen gewohnt!
LASS DAS…einer von beiden hatte den anderen geduzt!
„Sie haben sich geduzt!"
„Wer?"
„Na Snape und Hermione."
„Was?", hatte Ginny gequiekt in einem höheren Ton, als sie vorgehabt hatte.
„Na, das hat Seamus gehört. Du warst doch dabei. Einer hat zum anderen lass das gesagt."
Ginny hatte regelrecht aufkeuchen müssen. „Ach…"
Sie hätte nie gedacht, dass Snape sie – im weitesten Sinne – mal zum Keuchen bringen würde. Hinter dem Rücken hatten sich ihre Fingernägel in die eigene Hand gebohrt.
„Ähm…das hat der bestimmt falsch verstanden… Und jetzt lass uns schlafen gehen!"
tbc
