A/N:

Ihr Lieben!

Es tut mir so leid, dass ich dieses Kapitel nicht pünktlich geschafft habe. Mir rennt einfach die Zeit davon und es ist im Moment nicht einfach, jedem gerecht zu werden. Ich hoffe, ich kann es wieder ein bisschen gut machen mit dem megalangen Kapitel? ;o)

Außerdem habe ich endlose Diskussionen mit Sev und vor allem mit Hermione führen müssen, die nicht einfach waren. Es geht ab und auf, hin und her (nicht nur mit den Schauplätzen). Schließlich hat es nichts genützt und ich musste mir alle Hilfe holen, die verfügbar war - eine ganze Rettungsstaffel...aber lest selbst, falls ihr noch mögt.

VLG KeyMagic


*Joe Satriani: „Cryin'"*


Kapitel 38

Als er ihren Blick traf, wichen alle Gedanken, die gerade innerhalb von Sekunden auf ihn eingestürzt waren und machen Platz für eine Erinnerung: Lily.

Ein einziger Moment damals...

Wie lange dauert ein Augenblick? Wie lang, ein Wort auszusprechen? Minuten? Sekunden? Nein, nicht einmal... Bruchteile, ein Wimpernschlag.

Mit einem Wort in einem Augenblick konnte man einen Moment verändern, eine Situation, ein Gefühl. Man konnte einem Menschen den Himmel bereiten...oder die Hölle.

Ein Wort war so mächtig, das es ein Leben oder sogar zwei zerstören konnte – so, wie er damals seines zerstört hatte, als er Lily Schlammblut genannt hatte.

Eine falsche Entscheidung – nein, es war keine bewusste Entscheidung gewesen. Auch kein Gefühl, kein Herz und kein Verstand. Es war etwas gewesen, das ihn damals gefangen genommen hatte, das ihm sein Leben genommen hatte.

Und jetzt? Auch ihr hatte er schon wehgetan...ihr...die jetzt nur ein paar Meter von ihm entfernt stand.

„Tu etwas!"

Das hier war etwas anderes, aber was es auch war, warum es so war, spielte keine Rolle. Nicht noch einmal, nie wieder wollte er mit einer falschen Entscheidung, die keine war, mit einem falschen Moment etwas so Zerbrechliches zerstören.

Er fühlte, wenn er jetzt nichts tun würde, wäre alles verloren, wäre er verloren – schon wieder und endgültig, denn dann würde er sie verlieren.

„So tu doch was!"

Und dann war da noch das Bild, was es ihm nicht gerade leichter machte. Damals hatte er Lily schon mit ihrem Sohn auf dem Arm gesehen und...die Liebe gesehen. Und jetzt sie... Mit diesem winzigen Leben auf dem Arm – so klein und doch so mächtig. Zumindest mächtig genug, um Gefühle in einem Mann wie Severus hervorzurufen, die er nie gehabt hatte.

‚Stimmt nicht', sagte etwas in ihm. Keine Stimme, kein Gefühl und doch...eine Ahnung? Ein Hauch von...

‚Ich mag keine Kinder.', konterte er vehement.

‚Keine Fremden...', erklärte das Gefühl.

‚Lass mich...ich sehe eine Schülerin mit einem fremden Kind auf dem Arm...'

‚Deine Frau mit deinem Kind siehst du...'


Das Baby fing an zu schreien, weil es scheinbar nicht im Wagen liegen wollte. Das riss Severus aus seinen zermürbenden Gedanken.

Sandra versuchte alles, um das Baby zu beruhigen, aber sie schaffte es nicht. Nat, der dadurch ebenso aus seiner Trance gerissen wurde, nur aus gänzlich anderen Gründen als sein…Konkurrent, erbarmte sich, da er bei seiner Schwester schon das ein oder andere Mal ausgeholfen hatte und sich dadurch ein klein wenig mit Kindern auskannte. Dankbar reichte sie ihm Joanna und legte sie ihm in die Arme, wo er sie vorsichtig hin und her wiegte. Das und das gute Zureden war gleichermaßen erfolglos. Die Mutter legte es daraufhin wieder in den Wagen zurück und versuchte es mit leichten, schaukelnden Bewegungen – nichts.

Severus verdrehte die Augen, denn er versuchte die ganze Zeit, vernünftige Sätze mit Hermione zu sprechen. Warum die beiden nicht weggingen, war ihm ein Rätsel und er selbst konnte sich bisher nicht durchringen, sich mit ihr zu entfernen. Irgendetwas hielt ihn dort, vielleicht weil er sich im Inneren einredete, es würde ihm so leichter fallen und mehr noch – sie könne ihn nicht einfach stehen lassen – warum auch immer.

Tatsächlich konzentrierte sich Hermione mehr auf das kleine Kind und hatte einen mitleidigen Blick. Allerdings wollte sie sich auch nicht einmischen, da sie im Moment Nat nicht zu nahe kommen wollte – nicht ihrerseits. Das war eine mehr als skurrile Situation und sie wusste nicht so recht, was sie machen sollte. Die Tatsache, dass Severus hier im Park stand, war ihr bis gerade gar nicht richtig bewusst geworden. Was wollte er wirklich hier?

Den Gedanken konnte sie nicht zu Ende denken, denn er griff plötzlich nach hinten in seinen Hosenbund und sie dachte schon, er würde den Zauberstab zücken, um dem Geschrei ein Ende zu setzen.

„Nein!", schrie sie und erntete nur einen entsetzten und dann zornigen Blick.

Er hatte schlicht und einfach nur sein Hemd wieder vernünftig in die Hose gesteckt, das vom Laufen etwas nach oben gerutscht war. Den Gehrock hatte er zuvor geistesgegenwärtig im Haus der Grangers ausgezogen und beim Hinausgehen an einen Haken im Flur gehängt. Das erleichterte Ausatmen hörte er, doch er ließ sich nicht davon beirren.

Man konnte sich ja nicht konzentrieren bei so einer Unterbrechung. Er holte tief Luft, schaute zum Himmel, als wenn es dadurch besser werden würde und sah so aus, als koste es ihn unglaubliche Kraft, sich zusammenzureißen.

Als er ein paar Schritte auf den Kinderwagen zu machte, hielt Hermione die Luft an und konnte nicht mehr eingreifen, nicht ohne sie beide zu verraten und dadurch den anderen beiden samt Parkbesucher zu einem Schock zu verhelfen. Sie schluckte, als sich Severus über den Wagen beugte und eine Hand ausstreckte. Nat war beiseite gegangen und Sandra beobachtete ihn zwar, aber ließ ihn gewähren. Warum sollte sie ihn auch abhalten, sie kannte ihn ja nicht und wusste nur seit ein paar Minuten durch Intuition und gute Beobachtungsgabe, dass er derjenige war, den ihre ehemalige Freundin liebte. Grund genug, ihn sich genauer anzusehen.

Ganz vorsichtig strich Severus dem Baby über den Bauch und kaum einen Augenblick später wurde das Weinen weniger. Als es nicht ganz aufhörte, sah er kurz fragend die Mutter an und die nickte nur. Sie wusste nicht warum, aber sie vertraute dem fremden Mann. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn er in seinem üblichen schwarzen Outfit dort gestanden hätte – vielleicht aber auch nicht.

Noch behutsamer hob er das Mädchen aus dem Wagen, legte ihren Kopf ein wenig über seine Schulter und strich ihr über den Rücken, während sein Blick irgendwo war, nur nicht in dieser Welt. Das Weinen verstummte und keiner sagte ein Wort.

Hermione starrte ihn an und wusste nicht, was da gerade passierte. Sie wusste nur, dass sie ihn noch niemals zuvor so gesehen hatte. Das war jemand anderes, das war… Es tat so weh… Warum nur musste sie diese Seite an ihm kennen lernen? Wieso jetzt? Wieso war es jetzt passiert, ein paar Monate vor dem Abschluss? Hätte sie nicht diesen blöden Portschlüssel liegen lassen, wäre das alles nicht gewesen. Er wäre nicht bei ihr zu Hause gewesen und sie hätten sich nie…nie geliebt. Geliebt? Er jedenfalls nicht, das war ihr ja jetzt klar geworden, nur warum war er hier? Warum nur?

Warum musste ihr das ausgerechnet passieren? Dann hätte sie nie erfahren, dass Liebe so weh tun konnte – jedenfalls nicht zu diesem Zeitpunkt. Oder sollte es ihr eine Lehre sein, sich nicht mit einem Mann einzulassen, der ihr offenbar ein paar Nummern zu groß war? Sie sollte sich besser Ihresgleichen suchen, das würde ihr sicher jeder raten, wenn es denn jemand wüsste. Ihresgleichen? Ihr drehte sich der Magen um, wenn sie an ihre Schulkameraden dachte. Nicht, dass sie sie nicht mögen würde – im Gegenteil. Doch einen für eine Beziehung? Wenn sie sie mit Severus verglich, konnte sie nur müde oder höhnisch lachen, je nach dem.

Severus bewegte sich und das holte sie aus ihren Überlegungen. Das Baby giggelte über seine Schulter hinweg und er brachte es zu seinem Kinderwagen zurück, nicht ohne es vorher einmal hoch in die Luft zu heben, was es vor Vergnügen aufjauchzen ließ.

Mrs. Tenerhale, die die Szene die ganze Zeit schon beobachtete und sich dabei halb hinter einen Baum gestellt hatte, schlug sich unbewusst die Hand vor den Mund.

„Meine Güte Emma, ist das nicht ein herrliches Bild?"

Sie dachte an die längst vergangenen Jahre und erinnerte sich an ihren Mann, und dann sah sie ihre Enkelin, die mit einem Blick voller Schmerz und Sehnsucht ihrer eigenen Liebe zusah. „Wenn jetzt nichts geschieht, müssen wir was tun. Am besten wäre es, sie kämen mit zu mir, um zu reden. Wenn sie alleine sind, wird das nichts. Wir können nicht zulassen, dass sie ihr Glück wegwerfen, was auch immer geschehen ist, an ihm liegt es nicht, das sagt mein Herz. Deins auch?"

Emma winselte leise.

„Guter Hund, du kennst die Menschen besser als sie sich selbst. Und mir kommen gleich die Tränen.", sagte sie noch und musste sich schon ein Taschentuch aus der Hose angeln.

„Das müsste jetzt nur noch unser Baby sein, dann ist alles gut. Aber wir bekommen schon noch eins, oder, Emma?"

Wieder ein Winseln und heftiges Schwanzwedeln.

„Na wenn du dir da so sicher bist, will ich mal die Hoffnung nicht aufgeben und kräftig mithelfen. Und unseren Dr. Parker werde ich mir wohl auch vornehmen müssen."

Severus legte Joanna in den Wagen zurück und die Mutter war hin und hergerissen zwischen Freude und Traurigkeit.

„Tja, Daddy fehlt dir, nicht wahr, meine Kleine? Danke ihnen. Danke."

Er nickte nur knapp, drehte sich dann mit einem intensiven Blick zu Dr. Parker um und schließlich sah er Hermione an.

Er machte ein paar Schritte auf sie zu und fragte leise, was los sei.

„Das müsstest du selbst am besten wissen, geh einfach zurück in dein Leben uns lass mich."

„Hermione, noch einmal, was ist los, was ist passiert?"

„Geh einfach, warum bist du eigentlich hier?"

„Weil man klären muss, wenn etwas schief läuft."

„Ach, das fällt dir jetzt ein? Sagt der, der mir das Leben zur Hölle gemacht hat?"

„Wie oft soll ich mich noch entschuldigen? Es tut mir leid und das weißt du. Man…kann auch dazulernen.", sagte er leise.

„Tatsächlich? Naja, aber man kann nicht alles. Dem großen Severus Snape unterlaufen auch mal Fehler, nicht wahr?"

„Was war es für ein Fehler? Und müssen wir das hier bereden?"

„Nein, wiedersehen!"

Hermione begann, weiter in den Park zu laufen, weil sie sonst nicht wusste, wo sie hingehen sollte, ohne dass sie gestört oder aufgehalten würde.

„Hermione!", rief er laut hinterher.

Sie hörte nicht und Severus war der Verzweiflung nahe. Er kümmerte sich nicht darum, was die anderen beiden dachten, sondern folgte ihr und hatte sie bald eingeholt.

„Bitte bleib stehen."

„Oh nein…das läuft hier schief…", jammerte Mrs. Tenerhale, als sie sah, dass Severus keinen Erfolg hatte.

„Emma, lauf, hol sie ein!"

Der Hund rannte los und machte sich auf den Weg. So viel und so schnell war er noch nie an einem einzelnen Tag gelaufen, aber es machte ihm offensichtlich Spaß, etwas Sinnvolles zu tun zu haben.

Als Hermione wieder nicht reagierte, lief er noch ein wenig schneller und bekam ihren Arm zu fassen.

„LASS MICH LOS!"

So konnte es nicht weitergehen. Kurz sah er sich um, zog sie auf eine Seite eines dicken Baums und apparierte mit ihr, ohne sie zu fragen.

Emma blieb abrupt stehen und drehte sich in alle Richtungen. Sofort brachte sie ihre Nase auf den Boden und folgte der Geruchsspur, die aber – von welcher Seite und aus welcher Windrichtung sie es auch versuchte – immer wieder an dem großen, dicken Baum endete. Von oben hörte sie schon einen Eichelhäher wütend krächzen und machte sich daraufhin auf den Weg zurück zu ihrem Frauchen, die das Ganze aus der Ferne beobachtet hatte.

„Nun sind sie weg und das sah noch weniger als gut aus. Wir müssen uns sofort etwas einfallen lassen, Emma.", sagte sie ganz verzweifelt. „Aber zuvor geht kein Weg an Dr. Parker vorbei, fürchte ich."

Der und Sandra hatten natürlich auch alles mitbekommen und standen fassungslos an der gleichen Stelle wie die ganze Zeit zuvor. Joanna weinte auch wieder, seit Hermione angefangen hatte, so laut zu reden.

„Tja, da sind sie weg.", versuchte Jean die Katastrophe herunterzuspielen.

„Wo um alles in der Welt sind sie hin?"

„Ach…äh…sie sind sicher nur weitergegangen, damit sie ungestört reden können. Dort hinten gibt es doch so eine schöne Sitzgruppe am Teich."

„Sie sind einfach verschwunden!"

„Dann habt ihr sicher gerade nicht richtig hingesehen."

„Aber…"

„Ist doch egal. Ach so eine süße Kleine, was ist nur mit ihr?"

„Heute ist irgendwas in der Luft, ich weiß auch nicht.", stöhnte Sandra und machte das Gleiche, was Severus gemacht hatte, nur dass es nicht funktionierte. Daraufhin bot Nat sich an und nahm ebenfalls das Baby, aber es nützte auch nichts.

„Tut mir leid.", entschuldigte er sich und Sandra versicherte ihm, dass er bestimmt keine Schuld hätte.

„Kann ich noch irgendetwas für sie tun?", fragte er sie mit seinem netten Lächeln.

„Danke, nein, ich glaube, ich gehe jetzt besser mit ihr nach Hause, vielleicht beruhigt sie sich da."

„Ja dann…vielleicht laufen wir uns nochmal zufällig über den Weg."

„Mit Sicherheit, Dr. Parker, nächste Woche habe ich einen Termin bei ihnen!"

„Wirklich? Bringen sie ihre Tochter mit, ich freue mich schon drauf!"

„Wirklich?"

„Ja, ganz ehrlich. Bis dann."

Sie winkten sich zum Abschied zu und Mrs. Tenerhale hatte das Gespräch mit wachsendem Interesse verfolgt. Sofort hatte sie mit weiblicher Intuition und einer gehörigen Portion Egoismus das Potential erkannt, das sich gerade in Form einer ganz neuen Konstellation der Dinge geboten hatte. Das sollte unbedingt vertieft werden!

„Eine so nette Frau, und hübsch noch dazu! Diese blonden Locken…wunderbar. Ein Jammer, dass so etwas Liebes so allein gelassen wurde, wie ich hörte."

„Kann man nicht verstehen.", stimmte Dr. Parker geistesabwesend zu.

„Sie hat einen lieben, guten Mann verdient, der hoffentlich auch Kinder mag."

„Ich mag Kinder sehr…"

„Sehen sie. Dann streichen sie sich den Termin nächste Woche mal rot im Kalender an.", ergänzte sie und zwinkerte ihm zu.

„Hm…"

„Ich habe es mitbekommen, Nat. Aber ich fürchte, Hermione ist bereits vergeben."

„Wie…"

„Offensichtlicher geht es nicht, nicht für mich jedenfalls.", grinste sie, obwohl sie innerlich mehr als unruhig war. Die Zeit lief und das Eis hier war gerade erst im Begriff, zuzufrieren, also noch viel zu dünn.

„Wenn ich das richtig verstanden habe, ist er ihr Professor?" Nat konnte es immer noch nicht glauben.

„Ja, so ist es, aber glauben sie mir, es ist gut so und auch richtig, außerdem ist sie längst erwachsen. Ich weiß Bescheid und sie brauchen sich keine Gedanken zu machen. Es ist nur noch recht frisch und nicht ganz einfach, das können sie sich vielleicht denken. Daher wäre es auch besser, wenn sie es Hermione überlassen würden, es ihren Eltern zu sagen."

Jean musste das Gespräch führen, obwohl sich alles in ihr dagegen sträubte. Sie konnte es nicht aufschieben und wenn er wirklich angefangen hätte, darüber mit seinen Vorgesetzen zu reden, wäre die Katastrophe noch um Einiges größer geworden.

„Sicher, in so eine Angelegenheit sollte ich mich besser nicht einmischen. Ach ja…"

„Es tut mir leid, Nat, aber sie kommen drüber hinweg, oder? Es war doch noch nichts, oder?"

„Wie… Nein, nichts. Ich... Wir kennen uns schon recht lang und letztens… Ich mag sie einfach, aber das muss wohl jetzt reichen."

„Ja, das muss reichen. Gegen die Liebe kann man nichts tun, sie kommt einfach, oder auch nicht. Und sie werden jemanden finden."

„Verzweifelt bin ich noch nicht...", lächelte er, „…aber ein Versuch war es wert und ich bin eben zu spät. Gut, dass ich es jetzt erfahren habe und nicht mit noch mehr Gefühlen im Spiel."

„Wie wahr. Sie sind ein netter Mann, Nat, ein Glück für die Frau, die für sie bestimmt ist, glauben sie mir."

„Danke. Tut gut, das zu hören."

„Ich meine es so. Wollen wir gehen?"

„Ja."

Gemeinsam gingen sie zu dem Haus der Grangers, wo sich Nat einfach nur verabschiedete, weil ja schon längst Dienstschluss war. Als Mrs. Tenerhale das Auto wegfahren hörte, seufzte sie erleichtert auf und konnte sich nun dem Notfall widmen. Endlich.


„Na, Liebling, hast du das Essen fertig?"

„Ähm, ja, Mutter. Das hört sich so an, als würdest du gerne bleiben?"

„Oh, nein, nein, das hast du vollkommen falsch verstanden." Auf keinen Fall wollte sie bleiben, das könnte schief gehen.

„Du bleibst. Setzt dich."

„Ich muss noch..."

„Das einzigste, was du musst, liebe Mutter, ist dich hinsetzen und ausruhen."

Ach das meinte sie. Töchter waren ja immer besorgt und das schien ihr immer noch im Kopf herumzugehen. Nun gut, wenn es weiter nichts war...

Mrs. Tenerhale setzte sich an den Tisch und sah auf den beängstigend steigenden Berg Kartoffeln auf ihrem Teller.

„Rose...Rose! Ist gut! Wo bist du nur mit deinen Gedanken?"

„Nicht bei dir."

„Na danke."

„Wo ist Hermione?"

„Ist doch klar...", begann sie, ohne mit der Wimper zu zucken und log nicht einmal. Vorerst.

„Er hat sie mitgenommen."

„Wohin?"

„Rose! In die Schule, wohin denn sonst? Ich hatte recht."

„Sieht ihr gar nicht ähnlich, so etwas zu vergessen. Wenn es schon Zusatzkurse gibt..."

„Kann doch jedem mal passieren. Sie ist sicher aufgeregt wegen der Prüfungen und...so."

Mrs. Granger überlegte, während sich Hermiones Vater immer noch nicht einmischte. Er hatte schlicht und einfach Hunger.

„Wieso macht mich dein und so nervös?"

„Da kann ich doch nichts für... Der...Schulkram und so eben."

„Was weißt du?"

„Wie meinst du das?"

„Du weißt mehr als Hugo und ich zusammen."

„Naja...wir hatten viel Zeit in den Ferien...viel erzählt und so."

„Da war es wieder, das und so. Mutter. Das da oben eben, das war nicht meine Hermione, was ist mit ihr?"

„Ach, sie hat Angst, die Prüfungen nicht zu schaffen und weil noch so viel zu tun ist und..."

„Das ist nichts Neues für mich, das von vorhin schon."

„Vermutlich...vielleicht...hat sie noch ein paar andere Dinge..."

„Die mit und so anfangen und aufhören?"

„Mag sein. Ich weiß es nicht so genau."

„Sie hat uns gestern Abend Essen gekocht, kam ohne Anmeldung und du kannst es dir gar nicht vorstellen – während wir aßen starrte sie auf einmal auf ihren Teller, warf das Besteck hin und rannte in ihr Zimmer. Als sie wieder unten war, dachte sie, ich hätte ihre roten Augen nicht gesehen. Hugo, sag doch was?"

„Ähm, ja, Liebling, so war es. Ich denke, du liegst mit deiner Vermutung richtig."

„Sie hat Liebeskummer, Mutter!"

Ach sag bloß?"

„Als wenn du das noch nicht gemerkt hättest, Mutter! Erinnerst du dich an damals?"

„Wer könnte das vergessen? Hugo hatte schon längst ein Auge auf dich und du hast es nicht einmal gemerkt."

„Sagt die, die jetzt sag bloß sagt?"

„Na... Ich weiß ja nicht wie...schlimm das ist und..."

„Wirklich nicht? Hm, naja, aber es ist sicher normal für das Alter."

„Im Prinzip ist es recht spät, nicht wahr, Rose?"

‚Nur immer gute Miene zum Spiel machen und bloß nicht ungeduldig werden', war Jeans Mantra während des ganzen Gesprächs. Und bloß keinen Anlass für Verdächtigkeiten geben. Sie brauchte dringend eine Eule und einen Zettel – du liebe Güte. Alles andere interessierte sie gerade so herzlich wenig, nur ohne Geduld würde das hier in die übelste Richtung laufen...

„Du hast ja recht, aber sie ist immer noch mein kleines Mädchen, verstehst du?"

„Natürlich, Schätzchen. Nur sie ist fast 20, bedenke das. Andere sind in dem Alter schon verheiratet und haben Kinder."

„Ich weiß, und ich habe Angst, dass sie bald vor der Tür steht und verkündet, dass sie mit ihrem Freund weit weg zieht, am Ende noch in ein anderes Land und..."

„Das glaube ich kaum, Rose, sie wird nicht weit weg gehen."

„Wie kannst du dir so sicher sein?"

„Hm, ich habe es im Gefühl."

„Weißt du, wer es ist?"

„Hm, ich kann mir nicht solche Namen merken... Da war mal jemand..."

„Wie? Meinst du, es ist wieder Ron?"

„Vielleicht wäre es besser, sie erzählt uns alles, wenn sie bereit dazu ist, anstatt dass wir hier die wildesten Spekulationen von uns geben und nichts Besseres wissen. Oder? Was meinst du, Hugo?"

„So sehe ich es, wir mögen Fakten, nicht wahr?", grinste er und seine Frau musste ihm recht geben. Jean atmete heimlich und erleichtert auf. Hoffentlich war das Thema jetzt durch.

„Wo wir gerade beim Thema Fakten sind, Kinder...

Wie bekam man eine Eule, wenn man dringend eine brauchte? Wenn man keine Hexe war, konnte das ein echtes Problem sein. Sie hatte in den Jahren nur auf Hermiones Eulen geantwortet, die meistens geduldig auf Post gewartet hatten. Nie hatte sie sich Gedanken darüber gemacht, wie ihre Kinder das regelten. Ein Notfall hatte es auch nie gegeben. Da half nur noch das Blaue vom Himmel...oder so.

„Rose, ich... Hermione hat etwas bei mir letztens vergessen...auf deinem Geburtstag, Hugo. Etwas, das sie mir aus der Schule gezeigt hatte. Sie braucht es sicher. Wie habt ihr das immer gemacht, wenn ihr ihr was schicken wolltet?"

„Uns wurden damals einige Unterlagen mitgegeben – zusammen mit ihrem Hogwarts-Brief – wo drin stand, wie wir Posteulen rufen können. Weißt du nicht mehr?"

„Ähm, nein, habe ich wohl vergessen und doch immer nur unmittelbar geantwortet. Also, könnt ihr eine rufen?"

„Ja schon. Ist es so wichtig?"

Mrs. Tenerhale überlegte und versuchte so beiläufig wie möglich zu fragen:

„Ja, für sie denke ich schon. Gibt es eigentlich so welche wie Eil- oder Expresseulen?"

„Hm...ja, ich meine, da hätte etwas gestanden...", überlegte ihr Schwiegersohn. „Warum?"

„Habe ich doch schon gesagt, weil sie es sicher braucht."

Hugo stand auf und ging in die Bibliothek, wo er die wenigen Hogwarts-Unterlagen und Hermiones Einschulungsbrief in einer reich verzierten Schatulle aufbewahrte, die er immer sorgsam verschlossen hielt.

Nach für Jean unendlichen und viel zu lang dauernden Minuten, in denen sie unruhig und ununterbrochen mit dem Fuß unter dem Tisch gewippt hatte, kam er wieder und blätterte erneut viel zu langsam die Pergamentblätter durch.

„Und?", fragte sie fast schon zu ungeduldig.

„Ah, hier haben wir den Postverkehr... Lass mich lesen..."

Sie musste an sich halten, um ihm nicht die Blätter aus der Hand zu reißen.

„...Eulen für Briefe,... Päckchen... besonders... Gewicht nur durch... Uhus die größten...", murmelte Hermiones Vater vor sich hin und Oma bekam beinahe einen Schreikrampf.

„Nun? Eilpost?"

Nach einer weiteren halben Minute hatte er etwas Passendes gefunden:

„Eilboten: Besonders kräftige und ausdauernde Vögel für Päckchen oder Wanderfalken für Briefe, die in bestimmten..."

„Schon gut, zeig mal her..."

Jean zog ihm das Pergament aus der Hand und überflog es.

„Oooh, Hugo, Rose, Schätzchen, ich sehe ab und zu Falken fliegen, aber ich habe noch nie einen von Nahem zu Gesicht bekommen... Den hätte ich gerne."

Rose guckte nur skeptisch.

„Bezahl ich auch, natürlich."

„Das ist es nicht. Wozu die Eile?"

„Habe ich schon zweimal erklärt, Kind, ihr wisst doch, wie eure Tochter ist in Schulangelegenheiten..."

‚Im Gegenteil.', dachte sie. ‚Hier geht's um einen Notfall, und wenn es nicht so blöd wäre, würde ich fragen, ob ich einen mit Blaulicht auf dem Kopf haben könnte.'

„Nur darum, dass ich gerne mal einen Falken oder einen anderen schnellen Vogel aus der Nähe sehen würde. Du weißt doch, dein Großvater hat Vögel geliebt und sich viel damit beschäftigt."

„Ja. Dann werde ich einen ordern."

Keine fünf Minuten später klopfte ein ungeduldiger Wanderfalke an die Fensterscheibe. Gut, dass Jean zwischenzeitlich schnell einen Zettel gekritzelt hatte, den sie in einen Umschlag steckte.

„Hör zu, du lieber Vogel...", flüsterte sie kaum hörbar. „...Gott, ich rede hier mit einem Vogel... Also, lieber Vogel, danke, ähm, dass du gekommen bist. Nun, ich habe hier einen Brief, der schnellstmöglich nach Hogwarts muss. Einer für Ginny...wie heißt sie gleich...ach ja, Weasley. So ein liebes, rothaariges Mädchen. Ich danke dir herzlich."

„Der Umschlag? Kein Buch? Was soll das sein, das sie vergessen hat und so wichtig ist?"

„Ähm...ja... Es...sind ein paar Blätter mit...Prüfungsnotizen."

„Ach so? Die hattest du bei dir?"

„Nun ja, ich hatte sie mir schon auf der Flurgarderobe bereitgelegt und heute Morgen, als ich los wollte, fielen sie mir wieder ins Auge."

Rose ließ ein paar Münzen in das winzige Beutelchen fallen, das der Falke an einem seiner Füße trug.

„Gib ihm doch bitte ein bisschen mehr, vielleicht bekommt er dann ein extra Leckerli. So ein süßer Kerl..."

Wüsste man es nicht besser, hätte man meinen können, der Falke hätte eine Augenbraue hochgezogen.

„Wenn du willst..."

Der Falke erhob sich schwungvoll und mit unglaublicher Schnelligkeit in die Lüfte.

„Machs gut, lieber Vogel! Danke euch. Dann mache ich mich mal schnell auf den Weg. Daheim wartet noch ein Haufen Arbeit auf mich, die Bridge-Mädels waren mal wieder da."

„Viel Spaß, Mutter, du hast sie doch gern."

„Sicher. Macht's gut."

„Falls dir noch was einfällt, was du weißt...ruf an!"

„Ähm, ja. Komm, Emma."

Kaum war sie um die Ecke, ging sie einen Schritt schneller. Das war hart an der Grenze gewesen und sie war sich nicht wirklich sicher, ob sich Rose mit ihren Erklärungen zufrieden gegeben hatte. Es schien so, aber bei einer Mutter wusste man nie so genau, das wusste sie natürlich aus eigener Erfahrung. Alles nach der Reihe am besten, alles andere hätte jetzt keinen Sinn.


Harry, Ron und die ganze Clique hatten sich überaus erwachsen entschieden an diesem Wochenende. Statt nach Hogsmeade zu gehen, hatten sie beschlossen, den Samstagmittag und das schöne Wetter mit etwas Nützlichem zu verbinden. Sie hatten sich ein paar Decken mitgekommen, sich auf die Wiese vor dem Schloss gesetzt und steckten ihre Köpfe in die Lehrbücher. Gemeinsam ließen sich vielleicht mehr Unklarheiten beseitigen als allein – jetzt, wo Hermione wieder weg war. Und sie ahnten nichts von dem, was da kommen sollte.

Das Apparieren dauerte nur einen kurzen Moment und mit einem Knall kam Severus mit Hermione in den schottischen Highlands an. Vor der Grenze zu Hogwarts lockerte er seinen Griff und nahm sie bei der Hand. Sie wollte sich herauswinden, doch er hielt sie fest. Nicht einmal auf halber Strecke ließ er sie los und das machte ihr nicht gerade leichte Gedanken. Im Gegenteil, die kreisten wie wild durcheinander.

Erst als das Schloss vor ihnen immer größer wurde, schien er sich auf einmal zu besinnen, ließ ihre Hand los, aber hielt sie an seiner Seite mit einem Hauch von Berührung ihres Oberarms. Für die paar Schüler, die auf der Wiese spielten oder umherliefen, sah es aus, als hätte sie etwas ausgefressen und er führte sie nun zum Nachsitzen. Da Hermiones Gesicht ebenso aussah, war alles fast normal.

Ron fläzte sich gerade ohne Buch auf der Wiese herum, weil er – nach fünf Minuten – mal wieder Entspannung brauchte. Er streckte sich, rollte sich auf den Bauch und wollte gerade ein paar Blumen ausrupfen, als er einen schwarzen Schatten aus dem Augenwinkel sah.

„Das gibt's doch nicht!"

Sofort war er aufgesprungen und griff nach seinem Zauberstab, der zuvor achtlos auf der Wiese gelegen hatte. Sein zorniger Ausdruck auf dem Gesicht machte die anderen aufmerksam und sie versuchten, die Ursache zu ergründen.

Ginny blickte in die Richtung, in die ihr Bruder davoneilte und das versetzte sie gleich in helle Panik.

„Ihr bleibt hier, sonst seid ihr tot!", mahnte sie ihre Freunde und rannte los. Harry schaute ihr verdutzt hinterher, aber rührte sich nicht. Er wusste – wenn seine Freundin so eine Warnung aussprach, sollte man dieser möglichst nachkommen, immerhin kannte er Molly schon jahrelang.

„Was geht denn da ab?", frage Seamus und fand das Ganze spannend, so wie er guckte.

„Hast du das noch nicht gemerkt?"

„Was?"

„Na, das ist doch klar. Ron ist wieder hinter Hermione her und hat einen neuerlichen Hass auf Snape, weil er sie so mies behandelt hat letzte Zeit. Der ist jetzt wie ein rotes Tuch für ihn.", erklärte Harry, weil die anderen eh nicht locker ließen. Außerdem war es mehr als offensichtlich mittlerweile.

Ginny bekam schon Seitenstechen. Ihr Bruder war recht schnell unterwegs und hielt den Zauberstab schon vor sich. Sie aber auch.

„RON!", schrie sie, aber der hörte nicht oder wollte nicht hören.

„ROOOOOOON! BLEIB STEHEN!"

Keine Reaktion.

„BLEIB STEHEN ODER ICH HETZ DIR EINEN STUPOR AUF DEN HALS!"

„LASS MICH, guck dir das an! Der macht sie fertig. Das lass ich nicht mehr zu!"

„RONALD WEASLEY", brüllte Ginny weiter und erhob ihren Zauberstab. In dem Moment zeigte sie damit allzu deutlich, wessen Tochter sie war.

Spätestens jetzt hatten es auch Snape und Hermione mitbekommen und gingen umso schneller weiter in Richtung Schloss. Keiner von beiden hatte jetzt den Nerv für irgendetwas außer ihren eigenen Problemen, die schlimm genug waren.

Ron ließ sich nicht beirren und legte einen Zahn zu. Ungefähr 25 Meter trennten ihn noch von seinem oder deren Schicksal, doch Ginny hatte – wie sie alle – nichts vergessen, was sie in sieben Jahren und vor allem im Kampf gelernt hatte.

Incarcerus invisibil!"

Unsichtbare Seile schossen aus ihrem Zauberstab und schlangen sich um Rons Füße, der daraufhin der Länge nach auf die zum Glück weiche Wiese fiel.

„BIST DU WAHNSINNIG? Mach sie weg, lass mich gehen!", schrie er und seine Schwester dachte nur: ‚Um Merlins Willen, benutz deinen eigenen Zauberstab oder besser noch dein Hirn.'

Sie hatte ihr Ziel erreicht – Snape war gerade durch das Portal verschwunden, Hermione voraus.

Inzwischen hatten alle anderen das Spektakel mitbekommen und kamen hinterher getrabt.

„Ist das so eine ich-bin-eine-Frau-ich-darf-Launen-haben-Sache?", schrie er immer noch seine Schwester an, als er nach einer gefühlten halben Stunde auf die Idee kam, seine Fesseln selbst zu lösen.

„Eine Geschwister-unter-sich-Sache?", mischte sich Harry ein und grinste ganz leicht, wohlweißlich nur zu seiner Freundin gewandt.

„Ich hab ihn nur vor einem Fehler und Gryffindor vor einem Mega-Punkteverlust bewahrt."

„Ach, weil er hinter Snape her war?"

„Ja klar, der kriegt sich ja seit Neuestem nicht mehr ein, wenn er ihn sieht. Mine kann sich allein wehren und es sah nicht danach aus, als sei etwas Schlimmes vorgefallen.", log Ginny, denn die anderen waren zu weit weg gewesen, dass sie ihre Gesichtsausdrücke hätten erkannt haben können. Tatsächlich hatten beide äußerst angespannt und gequält ausgesehen. Also musste doch etwas beziehungstechnisches vorgefallen sein, schloss Ginny daraus.

„Sahen sie doch!", protestierte Ron.

„Ach Quatsch, Snape sieht immer so aus. Vielleicht hat sie ihm auch nur sein Buch noch nicht zurückgegeben, das er ihr leihen wollte, erinnerst du dich? Das wäre Grund genug. Überleg doch mal!" Ginny machte innerlich drei Kreuze, dass ihr das noch eingefallen war.

Ron erinnerte sich und es klang zudem einleuchtend. Fast hätte er sich zum Affen gemacht und unnötig einen Haufen Punkte verloren.

Kleinlaut und leise maulend ging er mit den anderen zurück zu dem Platz, den sie sich so schön hergerichtet hatten und vertiefte sich in ein Buch, während er tunlichst vermied, seine Schwester anzusehen.


Als Hermione in seiner Wohnung stand, stürzte alles wieder auf sie ein. Alles war vergessen – Er, der sie mit so unendlich Viel in seinen Augen angesehen hatte ihm Park, Severus mit dem Baby, Severus, mit ihrer Hand in seiner... Und jetzt? Noch viel schlimmer. Sein Reich, in das er sie eingeladen hatte, sein Innerstes, das er ihr mit den Bildern offenbart hatte – wenigstens ein Teil davon – das Bett, das sie mehr als einmal geteilt hatten und... Sie starrte auf den geschlossenen Schrank, den sie durch die offene Schlafzimmertür sehen konnte.

Er ließ ihr Zeit und sagte gar nichts. Keiner von beiden hatte hinterher eine Ahnung, wie lange sie im Kerker gewesen waren und geschwiegen hatten. Irgendwann brach er die Stille, weil sie ihn zermürbte.

„Du warst hier, oder? Ich habe ein Shirt auf dem Boden gefunden. Was ist bloß..."

Das ließ sie ausbrechen – sie konnte nicht mehr.

„WANN WOLLTEST DU MIR VON IHR ERZÄHLEN?"

„Wie bitte?"

„Bevor ich von Hogwarts verschwinde oder nachher? Oder wolltest du den passenden Zeitpunkt abpassen, wann du es mir am besten heimzahlen kannst? Ist es das, was noch an dir nagt?"

„Wovon redest du?", flüsterte er fast und war wie vor den Kopf gestoßen. Er hatte nicht die geringste Idee. „Ich weiß nicht, wovon du sprichst."

„Hast du nicht mehr drauf als so einen Standardspruch?"

Sonst wäre er längst ungehalten gewesen, doch jetzt war es schlichtes Entsetzen und ein Gefühl, das ihm sagte, dass mehr als die nächsten Wochen in Gefahr waren.

„Hermione, bitte...was ist bloß los? Habe ich nicht das Recht zu erfahren, was geschehen ist?"

„Du willst es aus meinem Mund hören? Na dann. Ich hab es gesehen. Ihr Kleid in deinem Schrank. Wohnt sie eigentlich hier oder ist sie nur ab und zu bei dir? Oder ist sie am Ende auch nur ein nettes Vergnügen für Zwischendurch? Egal, will ich nicht wissen. Da bin ich altmodisch, Professor, ich will nicht teilen. Ich dachte, sie wären genauso."

In dem Moment klopfte es an seiner Bürotür und er ging hin, beinahe froh über die Unterbrechung. Vielleicht würde er danach klarer denken können, wenn es nichts Besonderes war. Hermione war viel zu sehr in Rage, um es mitzubekommen, und sie fragte auch nicht nach, als er nach einem kurzen Moment schon wiederkam.

Severus massierte seine Schläfen und wusste jetzt endlich, was sie meinte. Sie hatte ihr Kleid im Schrank entdeckt und er hätte sich ohrfeigen können, nicht daran gedacht zu haben. Aber in der Nacht, als er ihr gesagt hatte, dass sie ihre Sachen bei ihm einräumen könnte, hatte er sich nichts dabei gedacht.

„Es tut mir leid, dass du es so erfahren musstest!", begann er und merkte gar nicht, wie sich das für sie anhörte.

„Ich hätte dir sagen müssen, wo ich dir Platz zugedacht hatte, mein Fehler. Eigentlich wollte ich es dir zu einem anderen Zeitpunkt..."

Geben, hatte er noch sagen wollen, aber wurde zu früh unterbrochen.

„Sei still! Also stimmt es. Tja, eine andere Frau...wieso wundert mich das jetzt doch nicht so sehr...wie konnte ich nur denken, dass ich..."

„Ja, es gibt eine Frau in meinem Leben. Eine, die mir wichtig geworden...die mir wichtig ist, Hermione, und ohne die...auf die ich nicht mehr verzichten will, das ist mir klar geworden. Es ist..."

„Hör auf! Ich will das nicht hören... Und ich? Nur eine nette Abwechslung, ich weiß. Ich hab es kapiert – endlich.

„Aber..."

„NEIN! Ich will dich nichts stammeln hören... ICH HAB GESAGT ICH LIEBE DICH...UND DU?"

„Ich kann..."

„Nichts, ich will auch das nicht. Du kannst das nicht erklären. Ich... Wiedersehen!"

Sagte es und wollte die Tür öffnen, konnte es aber nicht.

„MACH DIE TÜR AUF! LASS MICH GEHEN!"

„Ich habe dich nicht eingesperrt."

„WARUM GEHT SIE DANN NICHT AUF?"

Severus wusste es wirklich nicht, aber mir zwei kurzen Sprüchen hatte er die Ursache gefunden und löste die magische Barriere, die jemand – aus welchem Grund auch immer – errichtet hatte. Vielleicht ein Streich, den zuvor allerdings noch nicht viele Schüler gewagt hatten. War ihm allerdings jetzt ziemlich egal.

Hermione drehte sich nicht mehr um und knallte die Tür hinter sich zu.

Er hatte das nicht kommen sehen. Keine Chance mehr.

Wie versteinert, mit hängenden Schultern und verzerrtem Gesichtsausdruck, stand er mitten im Wohnzimmer und starrte auf die Tür, aus der sie verschwunden war. Es sollte wohl nicht sein. War es jetzt wirklich aus? Hatte es je begonnen?

Wieder versagt, wieder allein... Warum brachte er es nicht über sich? Warum lange Erklärungen? Warum hatte er es nicht einfach gesagt...dass er sie lie... mag?

Er war wohl nicht dafür geschaffen, Gefühle zu haben geschweige denn zu zeigen, es funktionierte einfach nicht. Sie wollte ihn nicht und hatte ihm keine Möglichkeit gelassen, sich zu erklären. Das hatte er wohl verdient, denn er hatte ihr auf ähnliche Weise weh getan. Nur dass er nicht glaubte, es sei nur eine Retourkutsche von ihr. Nein, diesmal war es wohl aus und vorbei. Einmal eine große Liebe zu verlieren war grausam, aber ein zweites Mal war unerträglich.

Er hätte das Kleid diesmal wirklich in den Kamin werfen können, er hätte den Verbotenen Wald in die Luft jagen können oder er hätte ihr folgen können. Stattdessen setzte er sich einfach auf die Couch und starrte auf das Bild über seinem Kamin, das mit den Hunderten von winzigen Sternen, wovon jeder einzelne für sich eine eigene Welt war und für ihn selbst Erinnerungen. Heute würde eine dazukommen.


Nach dem Vorfall draußen auf der Wiese hatten sich alle beruhigt und lasen oder schrieben Notizen aus ihren Prüfungsunterlagen. Ron konnte sogar ein kleines bisschen lachen, weil Harry ihn damit aufzog, von seiner kleinen Schwester mal wieder zur Strecke gebracht worden zu sein und deshalb seinen Stolz auf seine Freundin nicht verhehlen konnte.

Parvati machte auch gerade eine kleine Pause vom Lernen, lag auf dem Rücken und spielte mit einem Grashalm, als sie am Himmel einen Schatten sah.

„Seht mal!", rief sie und deutete mit einer Hand in den Himmel. „Ist der schnell."

„Wer?"

„Na da oben!" Sie zeigte auf einen schwarzen Punkt, der aus Richtung Süden schnell auf das Schloss zukam.

„So schnell ist keine Eule.", meinte Dean, der ziemlich gute Augen hatte und sie jetzt zusammenkniff, um noch besser sehen zu können.

„Ich glaube das ist einer der magischen Express-Falken, dann muss es wichtig sein. Falco peregrinus magicus – wow, sieht man nicht oft hier... Nicht mehr seit..."

In Sekunden war der Schatten nahe und schoss mit fast 300 Stundenkilometern zur Erde. Die Wanderfalken konnten durch ihre magische Fähigkeit die Geschwindigkeit nicht nur im Sturzflug erreichen, sondern diese über so lange Zeit beibehalten, bis sie ihren Auftrag erfüllt hatten. Danach mussten sie sich allerdings erholen, bevor sie wieder einen Expressflug übernehmen konnten. Da es genug von ihnen gab und ihre Dienste nicht im Übermaß gebraucht wurden, verlief immer alles reibungslos.

Etwa zehn Meter über dem Boden drehte er seine Flügel in einen anderen Winkel und schwenkte seine Füße von hinten nach vorne, um besser abbremsen zu können. Exakt über Ginny warf er seinen Brief herunter, drehte ab und nahm wieder Geschwindigkeit auf, allerdings nicht mehr so extrem wie zuvor.

„Für mich?", rief Ginny ihm ganz überrascht hinterher, doch der Vogel war längst verschwunden.

„Hast du dich nicht geirrt?", fragte sie und schüttelte sogleich den Kopf. Erstens irrten sich die Vögel nie, und schon gar nicht die Wanderfalken, und zweitens stand ihr Name auf dem Umschlag. Wer sollte bloß der Absender sein? Es war keiner zu finden. Alle Augen waren neugierig auf sie gerichtet, als sie den Zettel aus dem Umschlag nahm. Schnell überflog sie die Worte und sprang fast so schnell auf wie der Vogel geflogen war – aber auch nur fast.

„Scheiße!" Und schon rannte sie zum Schloss.

„GINNY! WAS IST?", riefen Ron und Harry im Chor.

„Nichts...", schrie sie zurück, „...nichts mit dem Brief zu tun, bleibt... Frauensache...macht...einfach...weiter." Ihr blieb fast die Luft weg, weil sie sich so anstrengte.

„Versteh einer die Frauen.", maulte Ron. „Es wird immer schlimmer."

„Es ist eben so.", beschwichtigte ihn sein bester Freund, wobei er sich selbst Gedanken machte, ob er ihr folgen sollte oder besser nicht.

„Oder?", suchte Harry verunsichert Bestätigung von den anderen Mädchen. Die nickten nur und grinsten.

„An deiner Stelle würde ich auf sie hören.", kommentierte Lavender, während Parvati und Luna nickten.

„Na dann."

Ginny hatte die Worte so schnell überfliegen können, weil nicht viel auf dem Zettel stand:

Liebe Ginny,

hier ist Jean, die Oma von Hermione!

Keine Zeit für lange Erklärungen – später. Wahrscheinlich sind die beiden nach Hogwarts. Viel weiß ich nicht außer Katastrophe. Sie müssen dringend reden. Tu was du kannst, sperr sie in einen Raum oder was dir einfällt, sonst ist alles dahin, fühle ich.

Bin auf Severus' Seite. Du auch!

Bitte, danke.

Jean

„Krass, krass, man oh man, was soll ich nur tun?", keuchte sie vor sich hin. Am meisten zu schaffen machte ihr das Du auch!

Keine Zeit, darüber nachzudenken. Sie waren bestimmt vorhin in den Kerker gegangen, wohin sonst? Es gab keinen anderen Ort, wo sie sonst hätten reden oder streiten können. Leider wusste Ginny noch weniger als Mrs. Tenerhale und ärgerte sich maßlos, dass sie Mine nicht einer genauen Inquisition unterzogen hatte, als sie am Tag zuvor weggegangen war. Sie hatte doch gesehen, dass da etwas nicht stimmte! „Mist!" Auf Snapes Seite sein? Was war dann bloß passiert? Was konnte Mine angestellt haben? Oder etwas falsch verstanden?

Einzig das stand fest: Wenn eine Frau wie Hermiones Großmutter das meinte, war es auch so und Ginny vertraute voll und ganz auf deren Worte und Einschätzung, obwohl sie nur einmal mit ihr gesprochen hatte.

Atemlos kam sie im Kerker an und lauschte angestrengt an der Tür, obwohl das sinnlos war. Noch nie hatten sie etwas durch die schweren Holztüren dringen hören, sei denn aus dem Klassenzimmer. Wo der Eingang zu seiner Privatwohnung war, wusste sie nicht genau, hatte aber eine Vermutung. Die Bürotür war fest verschlossen, deshalb ging sie tiefer in den Kerker, bog um eine Ecke und sah eine weitere Tür, die ihr nie bewusst aufgefallen war. Eigentlich waren sie nur sehr selten bis hierher gegangen – aus gutem Grund.

Auch hier konnte sie nichts hören und ging zurück zum Büroeingang. An die andere Tür zu klopfen wollte sie nicht riskieren, also entschied sie sich für diese und hämmerte lauter als nötig und gewöhnlich an das Holz. Nichts tat sich. Nach zwei Minuten versuchte sie es erneut und rief zusätzlich nach Professor Snape. Noch während sie klopfte, wurde ihr heiß und kalt, weil sie gar nicht wusste, was sie sagen wollte, falls er...

„Was schreien sie hier herum, Weasley? Gnade ihnen Merlin, wenn es kein Notfall ist."

„Ähm..."

Er verschränkte die Arme vor der Brust und musterte sie eindringlich. Irgendetwas war komisch an dem Bild, das Snape abgab, sagte Ginnys Gefühl.

Der übliche Zorn, die Ungeduld, das Herablassende konnte sie in seinem Blick nicht finden. Wäre es nicht so ungewöhnlich, hätte sie seinen Ausdruck beinahe als Verzweiflung oder Aufgabe bezeichnet, aber das war so wenig Snape wie...

„Miss Weasley!"

Fast hatte er seine Maske wieder aufgesetzt. Aber nur fast.

„Ich dachte, Sir, Entschuldigung, sie sollten wissen, dass Peeves..."

„Gehen sie zu McGonagall.", sagte er nur in einem so ganz ungereizten, sondern vielmehr resignierenden Tonfall.

Eigentlich wäre ein Donnerwetter an der Tagesordnung gewesen, doch er schloss lediglich die Tür und ließ Ginny wie einen begossenen Pudel stehen.

„Nicht einmal eine kleine Strafe oder ein giftiges Wort, Sir? Nicht mal fünf Punkte von Gryffindor? Zwei?", fragte sie die Tür. „Oh je, dann ist es Ernst."

Sollte sie es wagen? Sollte es überhaupt funktionieren? All ihren Mut sammelte sie – selbst aus den hintersten Ecken ihres Selbst mit den schlimmstmöglichen Strafen im Hinterkopf – hob dann ihren Zauberstab und holte tief Luft.

Colloportus!"

Nichts deutete daraufhin, dass er besondere Schutzzauber auf den beiden Türen hatte, die sie magisch versiegelt hatte – zumindest nicht gegen diesen Zauber. Andererseits ahnte sie, dass es für ihn und Hermione keine große Sache war, die Barrieren aufzuheben. Nun, zumindest würde es sie ein wenig aufhalten und wenn nicht, würde sie selbst zur Stelle sein, denn sie hatte gerade beschlossen, im Flur zu warten – zur Not bis sie schwarz würde. Sie wollte schon immer mal eine andere Haarfarbe.

Soviel war klar, das war sie ihnen schuldig – nicht nur Hermiones Oma, die sie sofort ins Herz geschlossen hatte, sondern auch ihrer Freundin...und ihm – ja, ihm. Er hatte endlich einmal Glück verdient und er schien glücklich zu sein an anderen Tagen – soviel konnte man sehen, konnte sie zumindest sehen. Also würde sie jeden dazu zwingen, der hier aus einer der Türen entkommen wollte.

Lange musste sie nicht warten, da stürzte Hermione mit erhobenem Zauberstab in der Hand aus der hinteren Tür. Ginny sprang auf, weil sie sich mit einem gezauberten Kissen auf den Boden gesetzt hatte, und stellte sich ihr in den Weg.

„Was machst du hier? Warst du das?", schrie sie. „Hast DU DIE TÜREN VERSIEGELT?"

„Jaaah, ihr...du musst zurück!"

„Niemals, lass mich durch!"

„Bitte, Hermione, redet miteinander."

„Was weißt DU denn? Es ist Geschichte."

„...Die sich ändern kann!"

„Der ändert sich nie.", fauchte Hermione und ging einfach an ihrer Freundin vorbei.

„Hat er doch längst. Man kann es sehen, hören, fühlen... Mine!"

„Du weißt gar nichts. Er fühlt nichts, nicht für mich. Ich bin weg und versuch ja nicht, mich aufzuhalten."

Dann rannte sie los und Ginny hinterher.

Als sie merkte, dass Hermione wieder zur Appariergrenze lief, blieb sie stehen und stampfte wütend mit dem Fuß auf.

„VERDAMMT, ich hätte nie gedacht, dass du mir so ein Stress machst, FREUNDIN!", schrie sie Hermione hinterher, die längst weg war.

Was tun? Auf jeden Fall Bescheid sagen, sonst würde es wieder so ein Chaos werden mit Missverständnissen und Suchereien. Und dann...hinterher! Wo war sie hin? Mit Sicherheit zu ihren Eltern oder zur Großmutter. Wie hinkommen? Sie war noch nie dort gewesen, Harry schon – vor Jahren schon mal und dann wieder, als Hermione schweren Herzens das Gedächtnis ihrer Eltern verändert hatte.

Also ging kein Weg daran vorbei, nicht daran, ihr zu folgen und nicht daran, Harry zu holen, damit er sie hin-apparieren könnte. Sonst fiel ihr nichts Hilfreiches ein.

Ginny lief um deren Leben, zog Harry beiseite und erklärte ihm, dass Hermione wieder ein ähnliches Problem hatte wie kurz nach den Ferien – mit ihrem Freund – und dass sie sich dringend um sie kümmern müsste, dass er den anderen nichts sagen sollte, vor allem nicht Ron, und dass er bitte gleich wieder zurückkehren sollte, damit es nicht noch mehr auffiel. Harry willigte ganz verwirrt ein, denn er sah, dass es wichtig war und er wollte, dass es Hermione gut ging. Dass mit ihr nicht mehr alles so wie früher war, hatte er die ganze Zeit über gemerkt, aber sich immer noch nicht getraut, sich intensiver um die Sache zu kümmern.

Besprochen – getan.


Mrs. Tenerhale schreckte auf und ließ die Tasse wieder ins Spülwasser fallen. Der Knall konnte nur eines bedeuten: Ihre Enkelin war wieder da!

„Das gibt's doch nicht, du bist tatsächlich wieder da? Was willst du hier? Wo ist er?"

„Na wo schon, da wo er hingehört!"

„Hermione, nicht in diesem Ton. Was ist passiert? Wenn du schon wieder zu mir kommst, habe ich wohl ein Recht darauf, es zu erfahren. Wieso habe ich das Gefühl, dass sich nichts geändert hat seit er dich heute Vormittag mitgenommen hat? Ja, ich hab euch gesehen, ich bin auch hinterher, das war ja eine Aktion und ich hab deinen Eltern wer-weiß-was erzählen müssen."

„Was soll sich geändert haben? Er hat sich nicht erklären können oder wollen und auf Gestammel kann ich verzichten. Und...äh...danke."

„Vergiss es. Ich glaube dir sonst alles, aber das nicht, Hermione. Das passt nicht zu diesem Mann."

„Ach…bei dem weiß keiner, wo er dran ist."

„Nun gut. Du weißt, ich liebe dich, aber so geht das nicht. Es gibt drei, nein vier Möglichkeiten. Erstens: Du kannst bleiben aber erzählst mir alles, wirklich alles – und glaub mir, ich merke, wenn du mir etwas verschweigst oder die Tatsachen verdrehst. Ich will wissen, warum ich deinen Eltern so einen Stuss erzählen musste."

Hermione guckte ihre Großmutter ungläubig an. So hatte sie sie nur selten erlebt und dann war mit ihr nicht zu spaßen. Aber sie erreichte meistens, was sie wollte. Wie sie zugeben musste, war das meist zum Besseren der Betroffenen gewesen in der Vergangenheit.

„Zweitens: Du erzählst mir nichts, dann kannst du hier nicht bleiben und siehst zu, wie du dein Leben in deiner Schule allein geregelt bekommst. Und du wirst sehen, dass es mit Weglaufen nicht funktioniert und mit nicht-reden auch nicht.

Drittens: Du gehst zu deiner Mutter und redest mit ihr. Unterschätze sie nur nicht, sie ist beinahe wie ich, sie weiß es nur nicht so genau.

Viertens: Du gehst zu Nat, er ist lieb und er wird sich um dich kümmern. Wenn du deinen Severus nicht mehr willst, steht dem ja nichts im Wege."

„Was…?"

„Ich habe alles gesagt, was ich wollte. Jetzt ist es an dir, zu entscheiden. Ich werde derweil rüber zu Carey gehen und mit ihr einen Cognac trinken, den hab ich mir mehr als verdient."

Dass ihre Nerven wie Schmetterlinge flatterten, konnte sie natürlich nicht zugeben. Der Vogel war auf seinem Rettungsflug und sie konnte nur hoffen, dass es so war, wie die Beschreibungen auf dem offiziellen Pergament es versprachen. Leider war er offenbar zu spät gewesen oder alle Beteiligten hatten aneinander vorbei gehandelt. Wenn Ginny den Brief bekommen hätte… Nein, wie wusste nicht wirklich, wie und ob es funktionierte und wie und ob Ginny handeln würde. Jedenfalls hatte sie Hermione nicht aufhalten können. Vielleicht hatte die eine andere Idee. Etwas anderes als abzuwarten war ihr nicht möglich.

Der Cognac hatte gut getan, aber länger als eine Viertelstunde hatte sie es nicht bei ihrer Nachbarin ausgehalten. Sie ging zurück und fand ihre Enkelin am Küchentisch, wie sie gerade schnell ein Taschentuch verschwinden ließ.

„Du hast dich entschieden? Gut, ich bin ganz Ohr. Alles, und zwar ohne etwas auszulassen, sind wir uns darüber klar?"

„Ja.", flüsterte Hermione und erzählte ihr von dem Abend, als Severus ihr gesagt hatte, sie könne ein paar Sachen bei ihm einräumen.

Ihre Großmutter seufzte laut und wenn sie nicht schon so sicher gewesen wäre, war sie es jetzt mehr als hundertprozentig. Mr. Snape hatte nichts falsch gemacht.

Und dann berichtete ihre Enkelin über die Entdeckung, die sie in seinem Schrank gemacht hatte und wie sie Hals über Kopf aus Hogwarts abgehauen war.

„War doch klar, mit so jemandem wie mir kann er doch nichts anfangen. Hätte mir denken müssen, dass er eine Andere hat."

„Hermione Jean Granger, das ist das Dämlichste, was ich je aus deinem Mund gehört habe! Bist du nicht sonst immer Klassenbeste gewesen? Intelligent, überdurchschnittlich, dazu noch immer freundlich und liebenswert? Wo ist diese Hermione? Ich glaub das alles nicht und ich kann's nicht fassen!"

„Aber…"

„Ruhe, jetzt bin ich dran. Hast du mit deinem klugen Kopf denn gar nicht nachgedacht? Herrje, meinst du diese Frau, die es ja nicht gibt, würde ein Abendkleid bei ihm deponieren, aber nicht mal einen Schlüpfer zum wechseln? Nicht mal eine Zahnbürste, einen Kamm, ein BH oder Schlappen? Nichts, gar nichts? Und dann auch noch ausgerechnet ein Abendkleid? Keine Hose, keine Strümpfe, keine Bluse und kein Ohrring, keine fremden Haare irgendwo oder vielleicht ein winziges DNS-Partikelchen? Hermione!"

„Aber…"

„Außer aber weißt du nichts darauf zu sagen, oder?"

„Nein.", gab sie kleinlaut zu. „Aber…"

„Ich vergess mich gleich! Und still, ich bin immer noch nicht fertig. Ich weiß ja nicht, wie es in Hogwarts zugeht, aber als Lehrer hat man doch sicher auch ein bisschen zu tun, oder nicht? Unterricht vorbereiten, der, wie ich mich zu erinnern meine, öfter bis nachmittags oder abends geht, Arbeiten und Tests korrigieren, Aufsicht bei Hausaufgaben, draußen oder nachts? Lehrerkonferenzen und Strafarbeiten oder sich mit Nachsitzen für unverbesserliche Schüler quälen? Ist es nicht so?"

„Ja."

„Und habt ihr euch in den letzten Wochen gesehen?"

„Klar."

„Einmal die Woche?"

„Nein, öfter, wieso?"

„Und du hast bei ihm übernachtet? Er hat dir seinen Schlüssel gegeben?"

„Seine Passwörter."

„Na und? Ist das Gleiche. Und jetzt sag mir eines: WANN um alles in der Welt, Hermione, sollte er Zeit für eine andere Frau haben? Sag es mir! Und wenn du keine vernünftige Idee hast, passiert was."

„Ich… Er... Also…Zeit hatte er nicht viel dann…"

„Ach nein? Und glaubst du, wenn du sagst, er müsse ja eine richtige Frau haben, die zu ihm passt, so eine würde sich mit ein paar Minuten seiner Zeit zufrieden geben, während du gerade mal Hausaufgaben machst? Meinst du, so eine Klassefrau wäre so dämlich, nicht zu merken, wenn du bei ihm übernachtet hast?"

Darauf wusste Hermione keine Antwort – was sehr selten in ihrem Leben vorgekommen war – und ihre Großmutter wusste, dass sie gewonnen hatte. Jetzt musste nur noch Severus davon Kenntnis erhalten. Nur wie?

„Ich bin müde, Oma. Kann ich hier schlafen?"

Jean sah, dass es kein Zweck hatte, jetzt mit ihr über eine Rückkehr nach Hogwarts zu diskutieren, das konnte sie später immer noch machen. In der Zwischenzeit könnte sie einen weiteren Vogel ordern, denn sie hatte sich gemerkt, was sie zu sagen hatte.

„Ruh dich aus, mach ein Nachmittags-Schlaf, Vorabend-Schlaf, was auch immer. Ich gehe nochmal mit Emma raus, wir brauchen frische Luft, und dann sehen wir weiter."


Harry musste sich erst einmal orientieren, als sie in der Nähe von Hermiones Elternhaus angekommen waren. Er glaubte die grobe Richtung noch zu wissen, wo es zu Mrs. Tenerhale ging. Mit Ginny an der Hand ging er los und seine Freundin zappelte ganz unruhig, weil sie schneller gehen wollte.

Nach einer Viertelstunde blieb er stehen und wusste nicht mehr genau, wo er war.

„Wir sollten jemanden fragen."

„Meinst du nicht, das sei zu auffällig?"

„Ginny, ich bin in der Muggelwelt aufgewachsen, was soll auffällig an einer Frage sein? Wir müssten eigentlich in der Nähe sein, ich weiß nur nicht mehr, welches Haus." Verwirrt drehte er sich in alle Richtungen.

„Oh guck mal wie süß...da hinten läuft ein Hund! Hat die Oma nicht einen Hund?"

„Gibt viele Hunde, Ginny.", erklärte er geistesabwesend.

„Hm... Oh... Harry, Harry...guck mal...ist sie das nicht? Da hinten?"

„Wo? Ja, das könnte sie wirklich sein. Komm."

„Mrs. Tenerhale? Mrs. Tenerhale?"

Die Frau blieb stehen und der Hund kam schon in ihre Richtung gelaufen, weil er den Namen seines Frauchens gehört hatte.

„Kinder? Ginny, Harry, das gibt's doch nicht. Was macht ihr denn hier?" Der Brief war doch angekommen? Dem Himmel sei Dank!

„Ähm...wir...ich...wegen Hermione, sie wissen schon. Zum Glück haben wir sie gefunden. Harry hat mich hergebracht weil ich ja nicht wusste...und jetzt will er wieder gehen und...er wusste ihr Haus nicht mehr und dann sah ich den Hund und er meinte, es gibt viele..."

„Ginny, Schätzchen, ist ja gut, ihr habt mich gefunden. Harry, ich danke dir."

„Schön sie zu sehen, aber ich muss wieder zurück – auf Anordnung."

„Du kannst auch bleiben, aber es scheint eher eine...Freundinnen-Sache zu werden. Ich möchte euch ja alle mal einladen, machen wir das?"

Sie ging davon aus, dass sonst noch immer keiner von der Sache wusste und das war auch mehr als gut so, deshalb redeten sie nur das Nötigste.

„Gerne...dann such ich mir mal einen schönen Punkt zum...Verschwinden. Wann kommst du wieder, Schatz?"

„Keine Ahnung, aber ich bin ja gut aufgehoben."

„Das ist sie, das ist sie, mach dir keine Sorgen, Harry. Machs gut!"

„Ginny, du Liebe, ich kann es nicht glauben, dass du da bist, so ein Stress. Danke."

„Immer und jederzeit, Mrs. Tenerhale. Man hält es ja nicht mehr aus, was?"

„Das kannst du laut sagen."

Sie brachten sich gegenseitig auf den neuesten Stand – bei welcher Gelegenheit sich Ginny entschuldigte, dass sie Hermione nicht hatte aufhalten können – und beschlossen, dass es am einfachsten und eigentlich die einzigste Möglichkeit sei, Severus auch einen Eilbrief zu senden, denn er würde kaum auf Ginny hören, wenn sie ihn holen würde – falls sie es denn überhaupt überlebte, wäre sie wohl um große Teile ihres Gedächtnisses erleichtert worden.

Da sie nicht nach Hause konnten, weil Hermione vorerst nichts mitbekommen durfte, beschlossen sie, Carey zu fragen, ob sie bei ihr bleiben konnten. Carey war die direkte Nachbarin von Mrs. Tenerhale, bei der sie des Öfteren Emma einquartieren konnte, falls sie mal weg musste. Außerdem verstanden sie sich blendend, auch wenn der Altersunterschied mehr als 30 Jahre betrug. Der Freund von Carey war relativ oft beruflich unterwegs und deshalb freute sie sich immer über Besuch und Abwechslung, wenn sie selbst nicht arbeiten musste. Natürlich mussten und wollten sie sie einweihen, sonst hätte die ganze Aktion wirklich blöd ausgesehen.

Nachdem eine verdutzte und überraschte Carey den beiden geöffnet hatte, musste sie ihnen erst einmal Zettel und Stift besorgen. Ginny begann schon zu überlegen und Jean erklärte ihrer Nachbarin und Freundin die Umstände.

„Ist das spannend.", freute die sich und ließ sich noch den Mann beschreiben, um den es ging. „Aber sagt mal, habt ihr denn den Kurier schon bestellt? Weiß er die Adresse? Die sind ja immer schnell mit ihren Fahrrädern unterwegs..."

„Oh ja, Ginny wird draußen warten, ihm den Brief und das Geld geben, nicht wahr, Ginny?"

„Klar, meine Aufgabe.", stimmte sie zu. „Wir sollten nur zuerst weiter überlegen, was wir schreiben.

Letzten Endes hatten sie zu dritt ein paar Sätze zusammengebastelt und nun war der Brief unterwegs nach Hogwarts – Ginny hatte es geschafft, den Falken heimlich abzupassen.

Sehr geehrter Mr. Snape, Severus,

bitte kommen Sie zu mir, Hermione ist hier.

Es muss dringend etwas geschehen. Wieder einmal hat sie mir alles erzählt (nun gut, nicht freiwillig) und ich habe ihr meine Meinung dazu gesagt.

Ich weiß, dass sie sie liebt, sonst hätte sie nicht so reagiert. Ich denke, sie hat ihren Fehler eingesehen und es wird sich alles klären.

Ich bitte Sie innigst und bin auf Ihrer Seite. Das Leben ist zu schade.

Von Herzen, Jean

P.S: Sie können auf gleichem Weg kommen wie letztens, sonst ist niemand hier.


Zwei Stunden später stand Carey auf, um Nachschub zu holen.

„Nochmal Kaffee oder was anderes?"

„Kaffee, was sonst.", kam unisono. Eigentlich war es zu warm für Kaffee, doch der hielt so schön munter.

Als sie mit dem Tablett wieder zum Fenster ging, fragte sie zum hundertsten mal:

„Meint ihr, er käme noch und sieht er uns hier wirklich nicht?"

„Ja, er kommt, ich hab es im Gefühl und nein, aus der Richtung, aus der er wahrscheinlich kommt, wird er uns nicht direkt im Blickfeld haben."

Carey hatte sich zu Beginn der Observation auch einen Stuhl zurechtgeschoben, sodass sie nun schon die ganze Zeit zu dritt in einer Reihe nebeneinander vor dem Wohnzimmerfenster saßen und Kaffee tranken. Sie waren so schlau gewesen, die Blumentöpfe auf der Fensterbank so zu verschieben, dass jeder freie Sicht hatte, aber zwischen ihnen jeweils eine große Pflanze stand, damit sie sich notfalls dahinter ein wenig verstecken konnten. Außerdem war so genug Platz für die Tassen und die Keksdose.

Nach einer weiteren halben Stunde stand Carey wieder auf.

„Es hilft nichts, ich muss mal Kaffee wegbringen. Hoffentlich verpasse ich nichts."

Schnell lief sie auf die Toilette und genau in dem Moment knallte es leise und Severus trat hinter einem kleinen Haselnussstrauch hervor. Ginny hatte ihn zuerst gesehen und schrie auf. Gut, dass Carey gerade weg war, sonst hätte sie es nicht verstanden, warum er ausgerechnet aus Richtung der Büsche im Garten auftauchte.

„Carey! Caaaareeeeeyyyyyyyyyyyyyyyy! Er ist da!"

„Oh mein Gott, oh mein Gott, ich komme!", rief sie, während sie sich den Hosenknopf zumachte.

„Da!"

„DAS ist er? Oooooooh, nicht schlecht, Herr Specht. DAS ist Mines Freund?"

„Äh, ja. Hoffentlich."

„Kann man wohl sagen. Rutscht mal, ich will mehr sehen."

Dicht gedrängt und geduckt verfolgten sie, wie Severus langsam zur Haustür ging.

„Wo hab ich nur meinen Kopf?", schalt sich Mrs. Tenerhale und sprang auf. „Ich muss ihn wohl reinlassen. Alles andere später. Ginny, du kommst nach, aber ohne dass sie es hören. Danke, Carey, alles andere später."

„Los, los, Jean, nicht viel Geschwätz. Wir gucken hier."


„Mr. Snape, Severus, schön, dass sie gekommen sind. Ich war gerade hier im Garten und... Wollen wir reingehen? Hermione wollte sich etwas hinlegen, mal sehen."

„Mrs. Tenerhale, ich denke nicht, dass das hier einen Sinn ergibt. Hermione will mich nicht sehen und nicht anhören. Ich bin nur gekommen, weil ich sie respektiere und sie mich gebeten haben. Zumindest das wollte ich ihnen persönlich sagen und wieder nach Hogwarts zurückkehren. Man kann nichts tun, ich habe wieder einmal alles falsch gemacht. Ich bin nicht bestimmt für eine Beziehung oder für Lie... für Gefühle."

Er klang so traurig, dass sie ihn am liebsten gleich in den Arm genommen hätte.

„Sie haben gar nichts falsch gemacht. Sie sind ein wunderbarer Mann, Severus, keine Widerrede. Und jetzt ist es an der Zeit, dass wieder alles in Ordnung kommt. Ich mag keine Streitereien und keine ungeklärten Dinge. Wie schon gesagt, das Leben ist zu kurz und zu schön, wollt ihr euch das mal endlich sagen lassen von einer alten Frau? Los, rein!"

Wie immer in ihrer Nähe hatte Severus nicht viel zu antworten. Er folgte ihr unter intensiver Beobachtung dreier Augenpaare – Emma war ja auch noch da, und zwar heftig wedelnd – ins Haus und setzte sich in die Küche, während Jean nach oben ging und Hermione weckte.

„Komm mal mit runter, Liebes."

„Was denn?"

„Wenn deine Großmutter dich bittet, so kannst du kommen. Richte dir mal die Haare."

Mrs. Tenerhale übernahm das gleich selbst, weil sie ungeduldig war und ihre Enkelin nicht reagierte.

„Los jetzt!"

Hermione tat, wie ihr geheißen und erstarrte förmlich, als sie sich Severus gegenüber fand.

„Nein, nein, nein...", brachte sie nur hervor und rannte wieder nach oben.

„Sehen sie, keine Chance.", sagte er nur und wollte zur Tür.

„Nicht so schnell. Sie werden jetzt nach oben gehen und mit ihr reden. Sperren sie sie von mir aus ein, aber kommt erst wieder raus, wenn ihr euch vertragen habt. Das ist mein letztes Wort!"

Da Severus sowieso schon im Flur stand, schob sie ihn einfach zur Treppe und versperrte ihm den Weg zurück.

„Oben, erste Tür rechts."

Kaum hatte er die Tür geöffnet, wollte Hermione sie schon zudrücken.

Jean ging dazwischen.

„So nicht, Hermione Jean Granger, ihr sollt reden, und zwar vernünftig wie Erwachsene. Du führst dich gerade auf wie eine Fünfjährige. Kommen sie, Severus."

Tatsächlich ging er hinein und Hermione drehte ihm demonstrativ den Rücken.

„Ich vergess' mich gleich! Kinder!", sagte sie und war richtig sauer, während sie theatralisch mit den Armen fuchtelte und die Tür zuknallte.

„EMMA! Platz! Und rühr dich ja nicht von der Stelle!"

Von unten hörte sie, wie Ginny ganz leise die Haustür öffnete und ging ihr entgegen. Schweigend verständigten sie sich, dass sie gemeinsam warten und dann spontan entscheiden wollten, was zu tun sei. Keine von beiden hatte mehr Lust auf das Beziehungs-Theater und wünschten sich nur, dass die beiden sich zusammenraufen würden.

Sie hatten sich in Mrs. Tenerhales Schlafzimmer verzogen, das schräg gegenüber dem Gästezimmer lag, und die Tür bis auf einen Spalt zugemacht. Zwei Minuten später hatte Jean sie wieder aufgemacht, weil ihr der Gedanke gekommen war, wie blöd sie gewesen war. Eine geschlossene Tür und ein Hund davor war nicht gerade das, was zwei magisch fähige Personen davon abhielt, ein Zimmer zu verlassen. Tja, abzuschließen wäre genauso dumm gewesen, also musste sie darauf trauen, dass die beiden erst gar nicht auf die Idee kamen, abzuhauen. Ginny konnte nichts tun, denn das hätten die anderen gemerkt und sich gefragt, wie die Tür hätte magisch verschlossen werden können.


Fast eine Stunde, etliche heftige Wortgefechte, vor allem von Hermione, und zwischenzeitlichen Minuten der Totenstille später, verließ Emma entgegen der Anordnung den Platz vor der Gästezimmertür und trabte zu ihrem Frauchen. Heftig wedelnd blieb sie vor ihr stehen und zeigte die gleiche Erwartungshaltung wie vor einem Leckerli.

„Du hast keines verdient, wenn du nicht gehorchst!"

Daraufhin drehte sie sich um und ging wieder auf ihren Platz, nicht ohne sich mindestens fünfmal auf drei Metern umzudrehen.

Mrs. Tenerhale stutzte.

„Nein, nicht dass sie weg sind... Oh bitte nicht, es ist so still...", murmelte sie zu Ginny, während sie ihrem Hund folgte. Emma war vor der Tür stehen geblieben und hatte sich nicht wieder hingelegt. Mit einer Pfote versuchte sie, den Türgriff zu erreichen, machte aber nur eine Kratzspur auf dem Holz.

Leise und vorsichtig drückte Jean die Klinke runter und konnte gerade noch jeglichen Laut unterdrücken. Dann winkte sie wild gestikulierend Ginny zu sich, die mit ihren Zauberstab sofort zur Stelle war – bereit für alles.

tbc


A/N:

Tja, ihr Lieben, falls die Autorin nächste Woche noch lebt *duck*, kann ich euch schon mal verraten, dass es ziemlich...kalt wird. Jeder darf sich schon mal seine Lieblingseissorte aussuchen... ;oD

VLG, eine aus der Panik heraus spendable Autorin ;o)