A/N:
Ihr Lieben!

Nene, es gibt nicht immer Ornithologie... Nicht, dass es manchen zuviel wird... *g*

Heute reiche ich euch ein Kissen, ein paar neue Schuhe (wer braucht die nicht? *lach*) und jede Menge Kürbis- und Kesselkuchen, Popcorn, Chips, Butterbier, und was auch immer ihr euch wünscht.

Hoffe, ihr habt ein klein, klein wenig Spaß – so wie ich beim Schreiben ;o)

VLG KeyMagic

PS: Ich schreib's lieber mal... Ich mag Ron, ich mochte Ron. Ich gehörte zu den Vielen, die im ersten Kinofilm gerufen haben „Oh wie süüüß". Aber zwischendurch...naja...ihr kennt das Ganze. Jaaah ich weiß, Ron ist immer wieder ein beliebtes Opfer in SS/HG Geschichten, aber kommt schon... Er bietet sich doch förmlich an ;o) und ein OC wäre nicht halb so lustig und schon gar nicht vorstellbar ;o)


Kapitel 41


*Johann Sebastian Bach: „Sheep May Safely..."*


Vermutlich war noch nie eine Klasse so leise gewesen wie in dieser Stunde.

Zuerst hatten ihn ein paar Slytherins wecken wollen, die nicht noch einmal Punkte verlieren wollten – hatten sie doch in den vergangenen Wochen gelernt, dass er das eigene Haus nicht mehr gänzlich rücksichtsvoll behandelte. Aber durch einige böse Blicke ihrer Mitschüler hatten sie sich besonnen und grinsten jetzt genauso breit wie alle anderen. Die Erkenntnis, dass sie alle Zeugen eines historischen Ereignisses waren, breitete sich rasend schnell aus und kleine Zettelchen mit Nachrichten flogen durch das Labor. Natürlich hatte irgendein ganz Schlauer ihnen allen einen Silencio verpasst, damit sie sich auch ja nicht verrieten. Allerdings besaßen sie soviel Verstand, nicht einfach das Labor für ein paar schöne, frei Minuten zu verlassen, sondern ließen ihre Tränke nicht aus den Augen – immerhin stand der Abschluss kurz bevor und sie waren alle erwachsen – dem Himmel sei Dank.

Ginny stand stocksteif an ihrem Tisch und starrte Snape an. Sie legte ihren Kopf schief und überlegte, was so ungewöhnlich an diesem Bild war – außer, dass er im Unterricht eingeschlafen war. Bald hatte sie es: So hatte sie ihn schon kurz in Mrs. Tenerhales Wohnung gesehen. Sein Gesicht war so entspannt und keine angestrengte Zornesfalte war zu sehen. Und sonst waren seine Lippen oft zu einem schmalen Strich zusammengepresst, jetzt hatten sie einen schönen Schwung und...

Harry schubste seine Freundin an und hielt ihr einen Fetzen Pergament unter die Nase, auf dem er fragte, ob sie noch anwesend sei. Sie winkte nur ab und ignorierte ihn.

Trotzdem riss sie ihm den Zettel aus der Hand, kritzelte etwas drauf, schwang kurz ihren Zauberstab und reichte ihn Hermione, die nicht weniger abwesend war.

Na DEN Anblick bist du ja gewöhnt' stand darauf und daneben konnte man ein Strichmännchen mit langen roten Haaren erkennen, das ihr übermütig zuzwinkerte.

„GINNY!", formten Hermiones Lippen tonlos und Ginny kicherte jetzt genauso übermütig wie ihr gezeichnetes Ebenbild.

Für einen Augenblick passte sie nicht auf, da schnappte sich Harry den Zettel und runzelte die Stirn. ‚WAS für ein Anblick?', schrieb er drauf.

Ähm nichts', bekam er zurück.

Ich bin nicht blöd.'

Na, den Anblick eines schlafenden Mannes, mein Freund.'

Ja sicher klar doch...das diskutieren wir später, FREUNDIN!'

Tzzz.'

Hermione befand sich währenddessen in einem echt miesen Zwiespalt. Er sah wirklich so friedlich aus, allerdings würde sich das schlagartig ändern, wenn er seine Augen auftat. Wenn sie nichts tun würde, wäre er hinterher sicherlich sauer auf sie und dann würden ihre so zart geflickten Bande wieder arg strapaziert, oder schlimmer noch, ganz zerreißen. Das wäre durchaus im Bereich des Möglichen. Allerdings konnte sie auch nicht einfach nach vorne gehen, ihn sanft an der Schulter rütteln und ihn wecken. Das wäre doch ein zu komisches Bild, außerdem wäre sie dann wieder bei ihren Mitschülern unten durch und sie konnte schon die blöden Sprüche der Slytherins hören. Eigentlich hatte sie gehofft, dass das einer von seinem Haus übernehmen würde – Draco vielleicht, aber dem ging es vermutlich ähnlich wie ihr. Nun ja, ansatzweise ähnlich aus gänzlich anderen Gründen.

Jetzt aber ging erst einmal der Trank in die entscheidende Phase und das brachte ihr zehn Minuten für weitere Überlegungen. Als sich bis dahin nichts änderte und einige Unverbesserliche im Labor begannen, umherzulaufen auf der Suche nach Unsinn, entschied sie sich, dem ganzen ein Ende zu bereiten. Denn ein Ende mit Schrecken würde es so oder so geben – früher oder später.

Hermione ließ absichtlich eine kleine, leere Blechschale fallen, die wunderbar auf dem Steinfußboden schepperte. Die giftigen Blicke ihrer Mitschüler ignorierte sie und zuckte gekonnt und mit entschuldigendem Blick die Schultern hoch. Natürlich wachte Severus davon auf und so konnte er wenigstens noch ein klein wenig seiner Würde retten, denn die zweite Stunde Zaubertränke war noch nicht ganz zu Ende. Dann schwang sie blitzschnell unter dem Tisch ihren Zauberstab und beendete mit einem ‚Finite' den Silencio-Zauber, bevor er es merkte, denn dann könnte es noch schlimmer werden. Es kam allerdings anders.

Snape zuckte von dem Knall zusammen, orientierte sich in Bruchteilen von Sekunden und stand auf. Innerlich war ihm so schrecklich zumute wie schon lange nicht mehr, was er sich äußerlich nicht anmerken ließ. Um Ruhe brauchte er nicht zu kämpfen, denn es war sehr still im Labor, weil ihn fast alle anstarrten.

Das Starren wurde noch größer, als er sich vor versammelter Klasse damit entschuldigte, dass es immer lange und harte Nächte vor den Prüfungen seien. Bis auf eine Ausnahme – nein, eigentlich gab es doch keine Ausnahme – standen die Münder der Schüler offen, sowohl von den Gryffindors als auch von den Slytherins. Man konnte förmlich sehen, wie ihre Gedächtnisse auf Hochtouren arbeiteten, weil sie nach einer Erinnerung suchten, ob sich Snape jemals für irgendetwas und bei irgendjemandem entschuldigt hatte. Keiner – jetzt aber bis auf eine Ausnahme – fand etwas Passendes aus den vergangenen Jahren. Hermione hatte den Mund offen, weil er gerade über lange und harte Nächte gesprochen hatte und sie Bilder im Kopf hatte, die eindeutig nicht jugendfrei waren.

So oder so – manche von ihnen merkten sich, was gerade geschehen war und das brachte Snape – wenn auch nur ein kleines bisschen – etwas mehr Respekt ein. Ob nur für fünf Minuten oder für länger, konnte man noch nicht sagen.

„Wie ich sehe, haben sie sich zusammengenommen und das Labor nicht verwüstet. So kann man wenigstens einmal erkennen, dass sie sich in einem UTZ-Kurs befinden. Fünf Punkte für Slytherin und Gryffindor."

Nicht auszudenken, wenn das in einer der unteren Klassen passiert wäre. Die Erstklässler hätten mit Sicherheit Hogwarts zum Explodieren gebracht und dessen war er sich vollkommen bewusst. So etwas durfte nicht passieren und schon gar nicht in seinem Fach.

Snape hatte aus dem Augenwinkel gesehen, dass Hermione sorgfältig die Schale vom Boden aufgehoben und saubergemacht hatte. Sie hatte ihn also geweckt und er war ihr unendlich dankbar dafür.

Während der letzten Viertelstunde des Unterrichts brauten sie ihre Tränke zu Ende und Snape hatte noch etwas Verwunderliches getan: Er hatte sie zwischendurch kurz allein gelassen, weil ihm kochendheiß eingefallen war, was er – was sie – in der kurzen Pause zwischen der Doppelstunde vergessen hatten.

Was war bloß mit ihm los? Brauchte er nur Schlaf oder war es noch etwas anderes? So unkonzentriert war er schon lange nicht mehr gewesen und das durfte nicht sein – nicht hier und nicht privat. Hätte er es zugegeben, hätte er gewusst, dass ihn der Verlust seines Patronus mehr zu schaffen machte, als gedacht.

Auf dem Weg vom Schlafzimmer, durch das Büro zurück in den Klassenraum steckte er die kleine Phiole in den Umhang, um ihn Hermione zu geben. Unbedingt musste sich noch eine Gelegenheit geben, sonst hätten sie ein Problem. Erst als er zurückkam, sich ans Pult setzte und ihr einen kurzen, aber intensiven Blick zuwarf, hatte sie es dann auch verstanden und hielt sich mit leichtem Entsetzen die Hand vor den Mund. Sie schaute auf die Uhr und ihr blieb noch Zeit bis zum Beginn der nächsten Schulstunde. Jetzt musste sie nur noch ungesehen die Phiole von ihm bekommen – irgendwie.

Um die fertigen Tränke zu begutachten, schritt er am Ende der Stunde durch die Reihen.

Und dann nahm das Unglück seinen Lauf.

Dean saß zusammen mit Seamus, Neville und Parvati an dem Vierertisch direkt hinter Hermione und den anderen. Um Snape Platz zu machen, verrückte Dean seinen Hocker, kam mit dem Ellbogen an Parvatis Messerset, das sie zum Säubern in einen Kübel mit einer scharfen Reinigungsessenz gestellt hatte, weil sie heute nicht nur mit Kolanüssen, sondern auch mit giftigen Pilzen gearbeitet hatten. Der Kübel samt Säure und Messer flogen auf den Boden und Snape direkt auf den Umhang. Das Donnerwetter war wieder richtig schön Snape-like und die Punkte, die Gryffindor zuvor so sensationsmäßig gewonnen hatte, flogen in ebenso hohen Bogen wie die Messer.

Sofort zog er sich mit Schwung den Umhang aus, eilte nach vorne und warf ihn dort auf den Boden. Dummerweise flog dabei nicht nur sein Zauberstab aus der Robe, den er immer Griffbereit in der linken Innenseite verstaut hatte, sondern auch die kleine, grüne Phiole, die er zuvor aus seinem Schlafzimmer geholt hatte.

Hermione versuchte sofort, magisch die Sachen vom Boden wieder auf den Tisch zu befördern, deshalb bekam sie nicht mit, was vorne geschah. Ginny allerdings hatte sofort gesehen, was passiert war und bekam leichte Panik. Sie wollte nicht, dass die beiden in Schwierigkeiten gerieten, deshalb eilte sie nach vorne, hob die Phiole auf und reichte sie wortlos an ihren Professor, der sie mit entsetztem Gesicht ansah. Ginny tat, als sei nichts gewesen und als hätte sie nichts erkannt. Natürlich wusste sie, was sie da gerade aufgehoben hatte, denn den gleichen Trank in gleicher Ausführung holte sie sich immer in der Apotheke in Hogsmeade. Alle medizinischen Tränke unterlagen ja den gleichen Bestimmungen. Vorsichtig sah sie sich um und es schienen nicht viele mitbekommen zu haben. Wenn das jemand kannte, waren es die Mädchen. Wenn sie sich da mal nicht täuschte.

Inzwischen hatte Professor Snape die Säure vom Boden entfernt und die Gegenstände auf ätzende und giftige Rückstände geprüft. Alles war in Ordnung und er ließ nur noch die fertigen Tränke abfüllen und sich aufs Pult stellen. Seine Robe beförderte er in einen Behälter, in dem alle Sachen gesammelt wurden, die benutzt, beschädigt oder mit schädlichen Stoffen kontaminiert waren, wie Tücher, Handschuhe oder hin und wieder Kleidung. Die Hauselfen kümmerten sich täglich darum.

Ginny flüsterte Hermione ins Ohr, was geschehen war und die zeigte einen nicht weniger panischen Gesichtsausdruck. Sie versicherte ihr, dass sie so schnell reagiert hatte, wie sie konnte und Hermione war ihr ehrlich dankbar dafür. Vielleicht hatten sie Glück. In dem Moment beendete Snape den Unterricht mit ein paar mahnenden Worten und die ungewöhnlich katastrophalen Stunden waren um. Oder noch nicht ganz...

Da es mittlerweile recht spät geworden war und es sowieso wieder ein recht warmer Sommertag wurde, beschloss er, nur den Gehrock in seiner Wohnung zu wechseln, da die Substanz sehr geruchsintensiv war, und die Robe wegzulassen. Außerdem wollte er kurz hinaus, um frische Luft zu schnappen, bevor die nächsten, wandelnden Katastrophen im Labor eintreffen würden.

Er öffnete die Tür bis zum Anschlag, ging auf den Kerkerflur, stemmte die Arme in die Hüfte und wartete, bis alle ihre Sachen zusammengepackt hatten. Zudem hoffte auf eine Gelegenheit, Hermione die Phiole zu geben, die Zeit lief unerbittlich davon. Manche waren schon weg, aber nicht alle von denen, die noch im Labor waren, hatten mitbekommen, dass Snape vor der Tür stand und benahmen sich so zwanglos, als sei er wie immer durch den hinteren Ausgang in sein Büro verschwunden.

„Ist ja interessant, habt ihr gesehen? Snape und ein Verhütungstrank? Ich hätt am liebsten gelacht.", kommentierte Lavender und einer der Slytherins nickte wissend, während sie sich im Getümmel nach vorne schob. Von wem sollte so etwas sonst kommen? Nachdenken war ja nicht gerade eine Stärke von bestimmten Leuten und manchen war es völlig egal, ob es anderen schaden könnte oder nicht. Fast alle um sie herum bekamen es mit: Hermione, die ihr am liebsten gleich einen Fluch auf den Hals gehetzt hätte und die von Ginny am Arm gepackt wurde, damit es nicht auffiel, Seamus und Dean, die kicherten und Harry, der sich seine eigenen Gedanken machte.

Er hatte – genau wie Ginny – das Fläschchen erkannt und sich nicht viel dabei gedacht, immerhin war er Tränkeprofessor. Vielleicht hatte er am Morgen schon gebraut und es aus Versehen in die Tasche getan. Jetzt allerdings kam es ihm auch komisch vor. Was wäre, wenn… Vielleicht hatte Snape ja tatsächlich eine Freundin, aber die beiden Worte, vor allem Freundin, in einem Satz, hörten sich so ungewohnt an, dass er leise auflachte. Nicht, weil er ihm das nicht gönnte, nachdem er seine Mutter so lange geliebt hatte, sondern nur, weil es so…überraschend war. Was auch immer, er würde es nicht herausfinden und Snape würde es ihm mit Sicherheit nicht sagen. Von Ginny erhielt Harry einen bösen Blick, weil sie dachte, er hätte aus den gleichen Gründen wie die anderen gelacht.

Leider griff Ron das Thema seiner Exfreundin auf. Er hatte vorhin auch mitbekommen, dass Snape etwas aus dem Umhang gefallen war, allerdings hatte er nicht gewusst, was es mit der kleinen Phiole auf sich hatte. Umso größer wurden seine Augen, als Lavender davon anfing.

„Snape und Verhütung?", tönte er. „Was will der denn damit? Der hat doch mit Sicherheit noch keine Frau in seinem Schlafzimmer gehabt, geschweige denn, dass er jemals eine angefasst hätte. Wer…"

Er bekam keine Gelegenheit mehr, die entsetzten Blicke zu sehen, die ihm von seiner Schwester und ein paar wenigen anderen zugeworfen wurden.

Snape hatte sich im Flur schon abgewandt um zu gehen, aber jetzt blieb er stehen und drehte sich ganz langsam herum. Das war furchteinflößender, als wenn er sich wie eine Furie umgedreht und ihnen mit dem Buch eins übergezogen hätte.

Er funkelte Ron böse an, der jetzt ganz in seiner Nähe war, machte noch einen Schritt auf ihn zu und setzte dann aber sein fiesestes Lächeln auf.

„Mr. Weasley...was führt sie zu der Annahme?"

„Ich...ich..."

„Gerade haben sie auch nicht gestottert. Sind sie noch zu jung, um darüber mit mir reden zu können, hm?"

„Was? Nein! Aber..." Ron war knallrot geworden.

„Ah, ich verstehe, wenn nicht zu jung, dann zu un-er-fah-ren, habe ich recht?"

„Wie können sie..."

„...es wagen? Oder wie können sie es wissen? WAS wollten sie sagen?"

Snape sah auf Ron hinunter, der immer noch mehr als einen halben Kopf kleiner war als er. Hätte man es nicht besser gewusst, hätte man gedacht, der Professor sei amüsiert.

„Was soll das?"

„Was das soll, Mr. Weasley? Sie haben angefangen – und nun zu feige, es mit mir auszudiskutieren? Wer hat hier wohl wen beleidigt?"

„Beleidigt? Fakten genannt.", murmelte Ron für sich selbst. Nach all den Jahren hätte er doch wissen müssen, dass Snape alles hörte – was er sollte und vor allem was nicht.

„Mutig wie ein Gryffindor, aber ebenso dumm und leichtsinnig wie eh und je. Was sagt man dazu? Dann will ich sie mal etwas fragen, Mr. Mutig..."

Manche wunderten sich schon, dass Snape nicht anfing zu schreien.

Er beugte sich zu Ron und kam ganz nah an sein Ohr. In seiner typisch leisen und sehr…gezielten Stimme fing er an zu sprechen, was allerdings – auch wie üblich – noch sehr gut zu verstehen war:

„Sind sie je-mals in den Genuss gekommen, dass sich eine Frau nach ihnen verzehrt? Dass sie in ihren Mund stöhnt, während sie sie küssen, weil sie nicht mehr abwarten will?"

Ron bekam so große Augen, dass man meinen könnte, sie würden gleich rausfallen. Ebenso weitete sich sein Mund und ein leicht oder eher mehr als leicht entsetzter Ausdruck erschien auf seinem Gesicht. Sein Gegenüber war noch nicht fertig und gab ihm den Rest.

„Dass sie sich unter ihnen windet und sich in ihren...Haaren festkrallt...dass sie ihren Namen schreit, wenn sie unter ihnen kommt? Nein? Nie erlebt? Zu schade! Wenn sie so weitermachen, werden sie es auch nie erleben – im Gegensatz zu mir – das kann ich ihnen versichern. Wäre es nicht so persönlich, würde ich ihnen gerne ein paar Bilder in ihren un-ver-schäm-ten, oder sollte ich sagen, ihren jung-fräu-lichen Kopf legilimentieren, um das alles ein bisschen für sie zu verdeutlichen. Wirk-lich schade um die Gelegenheit, noch etwas lernen zu können, nicht wahr, Mr. Weasley? Gute…Nacht hätte ich fast gesagt. Ach nein, mein Fehler, so eine Nacht können sie sich ja gar nicht vorstellen! Dann doch besser noch einen guten Morgen!"

Snape drehte um und machte ein paar Schritte. Ron konnte sich nicht bewegen und starrte ihm hinterher. Plötzlich stoppte der Professor und schaute über die Schulter zurück.

„Mr. Weasley…sie hätten eine Strafe verdient…oder waren meine Worte Strafe genug?"

Ron schluckte nur und konnte es immer noch nicht verarbeiten.

„Melden sie sich bei Mr. Filch, und zwar zwei Wochen lang, jeden Abend."

Dann rauschte Snape endgültig davon und ließ einen Schüler zurück, der gerade aussah, als sei er überfahren worden, von was auch immer.

„So ein A…".

„Das war verdammt nochmal nicht nötig, Ron, was sollte das denn? Wie kann man nur so gemein sein?", erboste sich Ginny und Harry nickte tatsächlich. „Eine Entschuldigung wäre angebracht."

„Der sollte das doch gar nicht hören."

„Hat er aber, und wenn du so dämlich bist, zu glauben, er würde nichts mitbekommen, bist du selbst schuld. Hast du nicht genug zu tun für die Prüfungen? Jetzt auch noch Strafe bei Filch? Sei froh, dass du bei Filch bist, ich hingegen hätte lieber, dass du die beim Professor ableisten müsstest."

„Halt die Klappe, Schwester."

Daraufhin erhielt er eine Kopfnuss und Ginny schob ihn vor sich her, damit sie nicht noch später zum nächsten Unterricht kämen.

„Das werde ich Mum berichten, darauf kannst du Gift nehmen. Die kann sowas nicht leiden."

„Wirst du nicht. Und fass mich nicht an."

„Ich kann nichts dafür. Abmarsch jetzt."

„Musste das sein?", zischte Ginny anschließend auch zu Lavender und die zuckte nur mit den Schultern, das wohl so viel wie na und heißen sollte. Sie grinste immer noch und meinte, dass sie endlich mal etwas Lustiges hatte beitragen können.

„Weibstück", flüsterte Ginny vor sich hin und Harry legte seinen Arm um ihre Schultern, um sie zu beruhigen.

Er schwieg dazu, aber machte sich Gedanken. Früher oder später mussten sie wohl mal reden – das war alles so absurd. Seine Freundin war zwar aufbrausend, aber diese Leidenschaft war ein wenig seltsam, wenn vielleicht auch nur für ihn.

In der ganzen Aufregung hatten sie glücklicherweise nicht mitbekommen, dass Hermione sich heimlich verdrückt hatte. Sie war hinter Severus hergelaufen und er hatte sie an seiner Tür erwartet, weil er erhofft hatte, sie würde mitdenken.

„Es tut mir so leid."

„Du brauchst dich nicht für deinen fünfjährigen Freund zu entschuldigen. Nur hat er dich mit-beleidigt. Hermione, ich kann verstehen, wenn du dich nicht mit mir abgeben willst. Du hörst, was andere denken."

„Nie wieder, Severus, ich will das nie wieder in meinem Leben von dir hören. Es tut mir wirklich leid, dass du dir so etwas gefallen lassen musst."

„Habe ich doch nicht, immerhin weiß ich mich zu wehren, und sein Gesichtsausdruck war eine Genugtuung, das kann ich dir versichern. Schön, dass er auf meinen Bluff hereingefallen ist."

„Bluff?"

„So gut kenne ich keinen meiner Schüler – will ich auch gar nicht – dass ich solche Behauptungen abgeben könnte." Irgendetwas ließ sein Grinsen komisch aussehen und Hermione konnte es nicht ganz deuten. Sie hatten nur beide keine Zeit mehr, um weiterzureden.

„Nimm den Trank mit, du bist zu spät. Aber eines noch: Könnten wir…sollten wir heute und oder auch morgen Abend mal eine Pause machen? Ich habe noch viel zu tun und ein wenig Schlaf wäre…"

„Ich hatte schon Angst, wenn ich es selbst vorschlagen würde, dass du… Ja, das wäre wirklich angebracht. Und Samstag feiert Seamus seinen Geburtstag. Er hat mich auch eingeladen. Dann müssen wir ein andermal überlegen..."


Es war gut, dass sie sich die nächsten Abende nicht privat sahen. Hermione ging – genau wie Severus – relativ früh schlafen und sie nutzten die Stunden, um entweder zu lernen oder ganz einfach die anstehende Arbeit zu tun. Natürlich vermissten sie sich, aber es ging nun mal kein Weg daran vorbei. Hermione hatte sowieso schon Glück, dass die Abschlussprüfungen um etwa vier Wochen nach hinten versetzt waren.

Das kam daher, dass das Schuljahr im vergangenen Jahr erst am ersten November statt am ersten September angefangen hatte, weil Hogwarts zum üblichen Termin noch nicht wieder komplett aufgebaut und instandgesetzt worden war. Die Direktorin hatte sich damals im Ministerium geweigert – mit der Unterstützung aller Lehrer – die Schule nach dem Krieg wiederzueröffnen, bevor nicht alles wieder so war, wie sie es kannten. Nichts sollte mehr an die Schlacht erinnern und solange nicht jeder Stein wieder an seinem Platz war, kam eine Rückkehr der Schüler nicht infrage. Die Kinder hatten genug durchgemacht und von Vielen war das Herz und die Seele noch voller Kummer – nicht wenige hatten Familienangehörige oder Freunde verloren. Da mussten sie nicht auch noch während der Schulzeit durch Kleinigkeiten jeden Tag daran erinnert werden. Zudem waren die Zimmer magisch umorganisiert worden, um den älteren Schülern ein wenig mehr Privatsphäre geben zu können, die unmittelbar an der Schlacht beteiligt gewesen waren. Daraus resultierten ja auch die Einzelzimmer, die Ginny und Hermione nach Herzenslust verbanden oder auch nicht.

Die zwei Monate, die dem Schuljahr fehlten, hatte man nach Abstimmung so verteilt, dass die Ferien in den nächsten zwei Jahren jeweils um wenige Tage kürzer waren und dass hin und wieder an einem Samstag unterrichtet worden war – außer im letzten Viertel vor dem Abschluss. Daher wurden auch die Prüfungen nach hinten verschoben und im nächsten Jahr hatten sie alles wieder aufgeholt. Das war die beste Lösung für alle gewesen und kaum einer hatte wegen der fehlenden oder zusätzlichen Tage gejammert.

Jetzt war es Mitte Juni und so hatten sie noch Zeit bis Ende Juli, um alles zu lernen, was es zu lernen gab. Hermione hatte natürlich schon in dem Jahr der Horkrux-Suche viel gelernt und sich mit Büchern von dem Horror abgelenkt, was ihr jetzt die kostbare Zeit mit Severus einbrachte. Allerdings schadete es nicht, alles regelmäßig zu wiederholen. Die Abschlussfeier sollte am 9. August stattfinden, bevor dann für die Nächsten das Schuljahr am ersten Oktober wieder begann. Und nach der Zeugnisübergabe mit Ball hatten sie noch zwei Tage Zeit, ihre Sachen zu packen und sich zu verabschieden – die meisten für immer.

Der Gedanke daran lag ihr schwer im Magen, denn weder sie noch er hatten bisher das danach angesprochen. Sie traute sich nicht und hoffte inständig, das er es tat – sofern er es wollte.

Sie verdrängte den Gedanken immer wieder mehr oder weniger erfolgreich und brachte den Alltag hinter sich.


Am späten Donnerstagnachmittag kamen ihnen die Fünftklässler in Panik entgegen, als die Gryffindor- und Slytherin-Abschlussklasse in dem Kerkergang zum Labor eintraf. Der noch gefassteste von ihnen, Klassensprecher Verus Calme, rief ihnen noch hinterher, dass Snape stinkwütend sei mit keiner Aussicht auf Besserung – wenn sie Pech hätten für die nächsten zwei Wochen.

Drei aus dessen Klasse, die vor der Siebten Unterricht hatte, hatten beim Brauen ihre Kessel zum Explodieren gebracht. Das war aber noch nicht alles. Die für den durchgenommenen Trank extrem teure Zutat – Blutplasma von einem Gewittertier – hatte auch noch Snapes Schuhsohlen zum Schmelzen gebracht, sodass er jetzt auf Socken im Labor umherlief. Sie hörten ihn schon von draußen fluchen. Die Sauerei musste er selbst entfernen, denn keiner seiner Nieten hätte es hinbekommen. Dafür hatte sich der gesamte fünfte Hufflepuff-Jahrgang eine Woche Strafarbeiten bei Filch eingebrockt, ob schuldig oder nicht. Der Hausmeister hatte einiges zu tun zur Zeit.

Ein kollektives Stöhnen hallte durch den Gang – nicht nur von den Gryffindors. Alle hatten sich – bis auf Ron und ein paar Unverbesserliche – in letzter Zeit unsagbar angestrengt, weil sie ein gutes Abschlusszeugnis haben wollten. Da konnten sie so eine Situation nun gar nicht gebrauchen.

„Macht es ja nicht noch schlimmer, überlasst ihn mir!", zischte Hermione in Richtung ihrer Mitschüler, als sie vor der Tür zum Labor standen. Scheinbar hatte sie gerade ein großes Herz für (die meisten) ihrer Freunde und den Rest, allerdings wusste sie selbst nicht, warum. Es war so eine Eingebung gewesen, dass sie das Ganze noch herumreißen könnte.

„Hermione, du versaust dir viel mehr als deinen Abschluss, lass ihn bloß in Ruhe. Besser wir sind alle ganz still und tun unser absolut Bestes."

„Du weißt, das hilft heute nicht mehr, Harry."

Kaum hatte sie das letzte Wort ausgesprochen, öffnete sie die Tür mit einem Ruck. Einer musste es ja tun.

Harry rollte mit den Augen und folgte ihr in den Klassenraum. Danach alle anderen, auf Zehenspitzen und beinahe ohne zu atmen.

„Pergamente raus, TEST!", brüllte er, als sie noch gar nicht richtig saßen.

Während sie ihre Schreibsachen herausholten, starrten sie auf Snapes Füße, die immer noch nur mit Socken bekleidet waren. Dadurch, dass er die Sauerei hatte entfernen müssen, war er noch gar nicht dazu gekommen, sich andere Schuhe aus seiner Wohnung zu holen. Gut, dass sie vorgewarnt worden waren, sonst wäre das jetzt sehr peinlich gewesen. Die meisten wollten das gar nicht tun, aber wer hatte jemals den Professor in seinen Socken gesehen?

Hermione stand von ihrem Hocker auf.

„Verzeihen sie, Professor, darf ich…kann ich ihnen vorher vielleicht ein paar neue Schuhe holen?"

Harry, Ron, Ginny und eigentlich die ganze Klasse hielt die Luft an in Erwartung eines Donnerwetters.

„Miss Granger, wollten sie nicht auch gerade ihre Feder herausholen, anstatt sich um meine Füße zu kümmern?", antwortete er mit seiner leisesten, bedrohlichsten Stimme, die danach aber ganz andere Ausmaße annahm:

„Außerdem – SOLLTE SICH IHRE AUFMERKSAMKEIT AUF DAS THEMA KONZENTRIEREN, NICHT AUF ANDERLEUTS ANGELEGENHEITEN!"

Man hätte eine Stecknadel fallen hören können.

„Wissen sie was? Ich ziehe meine Schuhe auch aus, dann fällt es gar nicht mehr so auf!", meinte Hermione trocken und streifte sich währenddessen schon ihre Ballerinas ab.

Snapes Augenbrauen stiegen ins Unermessliche. Er vergaß sogar, den Mund wieder zu schließen.

Harry hielt sich krampfhaft an der Tischkante fest und wechselte einen verzweifelten Blick mit Ginny. Das war's wohl, jetzt konnten sie sicher den Rest ihres Schuljahres bei Filch verbringen, oder im Verbotenen Wald, oder in Azkaban, sie alle!

„Außerdem ist es hier unerträglich warm von den Dämpfen."

Mit diesen Worten hängte sie dann auch noch ihre Schulrobe über den Hocker und knöpfte sich die obersten zwei Knöpfe ihrer Bluse auf.

Das stimmte wirklich, es wär eine furchtbare Luft im Kerker, viel schlimmer als sonst.

Nun war es aus, Luft hin oder her, nun konnten sie wahrscheinlich alle ihren Abschluss an den Nagel hängen.

‚Aus mit der Karriere als Auror', dachte Harry. ‚Vielleicht noch Quidditch', mehr war nicht mehr drin.

Ron stellte sich schon den Wutanfall seiner Mutter vor und das enttäuschte Gesicht seines Vaters, wenn er ohne Abschlusszeugnis zu Hause auftauchen würde. Ginny hatte seit fünf Minuten die Hand vor dem Mund und in ihren Augen sah man das blanke Entsetzen – allerdings weniger aus Angst vor dem, was da kam, als vor einem erneuten Lachanfall in einer Doppelstunde Zaubertränke. Das hätte sie nicht gut erklären können – aber die Show war einfach nur zu göttlich. Nun, nach außen hin sah ihr Gesichtsausdruck glücklicherweise ähnlich dem aus, den die meisten anderen hatten.

Keine Frage, Hermione hatte Snape abgelenkt, definitiv, aber doch nicht SO! Die Folgen würden schlimmer als alles was jemals gewesen war. Vielleicht seit Gründung der Schule. Und nein, das war noch nicht alles. Es war noch nicht zu Ende.

Harry tastete unter dem Tisch nach seinem Zauberstab. Er hatte vor Voldemort wenig Angst gehabt, also brauchte er auch keine Angst vor Hermione zu haben. Notfalls würde er sie mit einem Stupor außer Gefecht setzen. Er würde sich nachher bei ihr entschuldigen, aber seine Gründe waren mehr als ausreichend. Wenn er sich genug konzentrierte, könnte er ihn vielleicht stumm auf sie schleudern.

Sie stand immer noch vor Professor Snape und öffnete einen weiteren Knopf.

Harry zog so langsam einen kleinen, vielleicht einen ganz kleinen, einen klitzekleinen Imperius in Erwägung...vielleicht einen winzigen? Seine Hände wurden ganz kalt und schwitzig bei diesem Gedanken, den er krampfhaft zu verdrängen versuchte.

„Was...glauben sie...was - sie - da - machen, Miss - Neunmalklug? Davon wird die Luft auch nicht besser."

Snapes Stimme kam nur noch abgehackt. Schweißperlen traten auf seine Stirn und er ließ sie nicht aus den Augen.

Das lag vielleicht ein klein wenig daran, dass er sich anstrengen musste, nicht auf ihre Aktionen zu reagieren – und zwar als Mann, nicht als Professor. Sie machte es ihm verdammt schwer und er hätte nie damit gerechnet, dass sie im Unterricht so weit gehen würde.

‚Kleines Biest', dachte er bei sich und dankte Merlin, dass er seinen weiten Umhang noch anhatte – für den Fall der Fälle.

Er war zwar noch wütend auf die Fünftklässler, aber das mit den Kesseln war halb so schlimm, wie es aussah. Er hatte halt nur einen Ruf zu verlieren…und die Schuhe...verloren.

Jede Sekunde, die verstrich, in der sie so vor ihm stand – mit einer Hand an ihrem Kragen und der anderen in die Hüfte gestemmt – machte es ihm schwerer, einen klaren Gedanken zu fassen.

‚Reiß dich zusammen, du bist schließlich schon aus mieseren Situationen herausgekommen', schalt er sich selbst. Jetzt rächten sich die zwei Nächte, die sie beide allein in ihren Schlafzimmern verbracht hatten. Früher hatte es ihm doch nichts ausgemacht, da hatte er ganz andere Zeiten überbrücken müssen. Allerdings ging es ihr nicht anders, wie er hin und wieder gemerkt hatte. Wenigstens etwas.

Als Hermione den vierten Knopf öffnete und er die Oberkante ihres BHs sehen konnte, blieben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Es jetzt und hier zu Ende bringen, Haken dabei: Die Klasse ist anwesend. Oder es ignorieren und weitermachen, Haken dabei: Es würde nicht funktionieren.

Harry war inzwischen aufgesprungen und haderte mit sich, ob er Hermione einfach mit den bloßen Händen an ihren Platz zerren sollte oder ob er wirklich seinen Zauberstab erheben sollte. Nur ein paar Slytherins kicherten leise vor sich hin, die anderen hielten immer noch die Luft an.

Bei Ginny lief die erste Träne die Wange hinunter, weil sie kaum noch Luft bekam und das Lachen kaum mehr unterdrücken konnte. Als sich ihr Freund kurz umdrehte und das sah, beugte er sich zu ihr und wischte ihr die Träne ab.

„Keine Angst...ich regle das."

Das brachte das Fass zum überlaufen. Ginny sprang so schnell auf, dass ihr Hocker nach hinten kippte und sie rannte mit einem hervorgepressten „Tschuldigung" aus dem Klassenraum, von dem sie auch noch die Tür richtig krachen ließ.

Draußen auf dem Flur rannte sie ein paar Schritte und schrie vor Lachen. Nie hätte sie gedacht, dass Hermione so etwas tun würde, schon gar nicht vor allen anderen. Und Snapes Gesichtsausdruck hatte Bände gesprochen. Die beiden hatten so ausgesehen, als wenn sie am liebsten gleich ein Ort und Stelle übereinander hergefallen wären. Das würde sie ja gleich sehen, wenn sie wieder das Labor beträte. Ginny schnäuzte sich die Nase und tupfte sich die Augen ab, bevor sie wieder reinging.

Beinahe enttäuscht guckte sie von Hermione zu Snape und von Snape zu Hermione, die wieder an ihren Plätzen waren. Was sie nicht wusste war, dass ihr Ausbruch sie alle aus der Show wieder hatte erwachen und sich auf ihre eigentlichen Aufgaben besinnen lassen. Harry schüttelte immer noch den Kopf und drehte sich besorgt zu seiner Freundin um, die ihm wortlos versicherte, dass alles in Ordnung sei. Ihm fiel auf, dass sie keineswegs beunruhigt, sondern belustigt aussah. Alles in allem verhielt sie sich ziemlich komisch in letzter Zeit und das Gespräch, was er bisher vor sich hingeschoben hatte, sollte vielleicht doch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Als wieder Ruhe eingekehrt war, ließ Professor Snape die ersten Fragen des Tests an der Tafel erscheinen und verließ dann für zwei Minuten das Labor, um sich neue Schuhe zu holen. Somit gab er seinen Schülern Zeit, sich ein wenig vorzubereiten – was er sonst nie tat – und vor allem sich selbst, um sich kurz ein wenig kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen.

Der Test hatte es in sich und gab ihnen einen kleinen Vorgeschmack auf die Prüfungen – und eine deutliche Zurschaustellung dessen, was die meisten noch lernen mussten. Bis ans Ende der Doppelstunde waren sie damit beschäftigt und Snape ließ keinen gehen, bevor nicht die letzte Frage zumindest ansatzweise beantwortet war.

Wie nicht anders erwartet, rief er Hermione ganz zuletzt zurück und alle dachten, jetzt würde sie sich eine der schlimmsten oder längsten Strafpredigten abholen, die es jemals gegeben hatte.

Ansatzweise stimmte das sogar, denn er fragte sie sogleich, als sie allein waren, was sie sich um alles in der Welt dabei gedacht hatte. Zu einer Antwort kam sie diesmal nicht, denn er holte sich einen Kuss ab, von dem er meinte, ihn durchaus verdient zu haben. Während er ihn intensivierte, öffnete er die ersten drei Knöpfe ihrer Bluse, die vorhin schon mal offen gewesen waren. Als sie begann, in seinen Mund zu seufzen, ließ er von ihr ab und schloss die Knöpfe wieder, richtete ihre Haare und grinste sie an.

„Wie du mir, so ich dir, oder wie heißt das?"

„Du bist gemein!"

„Ich weiß."

„Lektion gelernt.", bestätigte sie und wollte ihn weiterküssen, was er allerdings nicht zuließ. „Du meinst das ernst? Die Lektion?"

„Nicht so wie du denkst. Wir haben gleich Konferenz nach dem Abendessen und ich habe keine Ahnung, wie lange das dauert. Wenn wir jetzt fehlen, fällt es ein bisschen zu sehr auf, meinst du nicht?"

„Das ist Quälerei.", lachte sie.

„Was du nicht sagst...", gab er zu.

„Wann sehen wir uns?"

„Samstag Spätnachmittag, wenn du willst, denn morgen habe ich so viele Tränke zum Vorbereiten und..."

„Äh...die Geburtstagsfeier ist doch Samstag ab 18 Uhr."

„Ach ja.", erinnerte er sich in einem halb entnervten, halb amüsierten Ton. „Kindergeburtstag. Was macht ihr? Ich lass mein Haustier fliegen oder was?"

„Jaja, mach dich nur lustig. Ich habe Krummbein schon seit den Ferien nicht mehr gesehen – entweder ist er sauer auf mich oder... Lassen wir das. Ich habe keine Ahnung, was Seamus geplant hat. Aber lustig wird es sicher...und ja, sicher auch so, wie du denkst."

„Dann habe ich ja allerhand zu kontrollieren."

„Wieso?"

„Eben war ich noch nicht fertig mit meinem Satz. Samstagabend habe ich bis nachts Aufsicht."

„Und ich hatte schon gedacht, wir könnten uns danach treffen. Schade."

„Die Feier ist doch sicher nicht um neun zu Ende."

„Keine Ahnung. Nein, denke nicht."

„Wir sollten zum Essen gehen...du zuerst."

„Ein Kuss noch?"

„Unbedingt."

Nur mit Mühe lösten sie sich voneinander und mussten den ganzen Abend – jeder für sich – damit kämpfen, ihre Gefühle zu unterdrücken. Irgendwann kamen aber die unvermeidlichen Aufgaben für Severus und für Hermione eine Lerngruppe, die Neville angeregt hatte. Für Ablenkung war somit Donnerstag und Freitag gesorgt.


*Poison: „Nothing But A Good Time"*


Im vergangen Jahr hatte nicht einer seinen Geburtstag gefeiert. Keinem war danach gewesen und zuweilen wäre es auch gar nicht möglich gewesen. Die Kämpfe, die Schlacht und die Trauer hatte sie alle fest im Griff gehabt und manche hatten ihren Jahrestag sogar gänzlich vergessen. Nicht so dieses Jahr. Ron hatte am 1. März schon richtig gefeiert, Ginny und Harry planten in wenigen Wochen eine gemeinsame Feier, da ihr Geburtstag nur ein paar Tage auseinander lag und Hermione wusste noch nicht, ob oder wie sie ihren Zwanzigsten feiern wollte. Das hing von Severus ab.

Heute war Seamus dran und hatte soviel aufgefahren und geplant, dass es für den 18. und 19. Geburtstag reichte. Dean, Ron, Harry, Ginny, Lavender, Parvati, Padma, Neville, Luna und noch ein paar andere hatte er eingeladen und freute sich tierisch, dass alle gekommen waren. Harry hatte ihm vorher den Tipp mit dem Flur in einem der oberen Stockwerke gegeben, den er und Ginny hin und wieder...entdeckt hatten. Als Hermione erkannte, wo es hinging, stöhnte sie leise auf, weil es der Flur war, in dem sie sich mit Severus fast bis zur Verzweiflung gestritten hatte. Scheinbar war er mehr und mehr bekannt geworden, aber letztendlich war es egal, denn sie verließen ja sowieso alle bald die Schule.

Sie verdrängte den Gedanken und bewunderte die schöne Dekoration, bei der sicherlich ein paar Mädels geholfen hatten. Überall auf dem Boden waren weiche Kissen und Matten verteilt, dass sie nicht auf dem harten Steinboden sitzen mussten. An der Wand mit den hohen, halbrunden Fenstern waren Tische mit allerhand Leckereien aufgebaut – von Kürbiskuchen über reichlich Butterbier bis Feuerwhisky war alles dabei und Dean hatte sogar etliche Chipstüten und andere Köstlichkeiten aus der Muggelwelt für Seamus liefern lassen.

Sie hatten viel Spaß und man konnte ihnen die Leichtigkeit ansehen, weil die höllische Zeit endlich vorbei war. Sie konnten wieder sie selbst sein, sie konnten Teenager sein, die sie in den letzten Jahren nicht immer hatten sein können und sie konnten sich zwischendurch auch durchaus gut wie Erwachsene unterhalten und sprachen viel über ihre Zukunft.

Je später der Abend wurde und je mehr Butterbier und Ähnliches verschwand, wurden sie wieder zu Kindern – und bis auf ein paar Ausnahmen genossen sie es sichtlich. Was unweigerlich kam, waren Spielchen, die jeder für sich gesehen entweder liebte oder hasste wie die Pest – Sperrstunde hin oder her. Hermione wollte schon fast gehen, als einer das obligatorische Zauberstabdrehen vorschlug und sich gleich alle automatisch in einem Kreis hinsetzten. Nicht einmal davon war die Zauberwelt verschont geblieben.

Dean verzauberte Seamus' Zauberstab so, dass er von alleine die Runden bestimmte und dass nur dann eine neue beginnen konnte, wenn einer wirklich die Wahrheit gesagt oder seine Aufgabe erfüllt hatte. Andernfalls ging es nicht weiter.

Zunächst kamen ein paar lustige und schüchterne Ideen, bis es den meisten zu langweilig wurde.

„Kommt schon...", lachte Seamus irgendwann, „...wir sind unter uns, sind erwachsen UND es ist immer verdammt lustig. Mal ehrlich, wer will schon wissen, welche Farbe meine Socken haben oder hat Angst, bei McGonagall an die Tür zu klopfen?"

Zustimmung machte sich breit und das Glänzen in den Augen mancher Mitspieler verhieß nichts Gutes.

Luna traf es als erstes und sie musste offenbaren, was sie gedacht hatte, als sie das erste mal Professor Quirrell gesehen hatte, wussten doch einige, dass sie ihn ganz am Anfang niedlich gefunden hatte. Sie hatte allerdings nur selten Probleme damit, die Wahrheit zu sagen, also ging es schnell weiter.

Dean holte lieber ein beißendes Wacholderblatt aus dem Gewächshaus als wie zu gestehen, in wen er als erstes mal verliebt gewesen war.

Der erste Treffer für Hermione war relativ harmlos gewesen und sie konnte sich bequem zurücklehnen, nachdem sie verraten musste, wen sie zuerst in ihrem Leben auf den Mund geküsst hatte – das war Michael aus der Nachbarschaft gewesen, als sie ungefähr sieben Jahre alt gewesen war.

Viele Fragen wiederholten sich, aber alle fanden es super spannend, lachten sich kaputt und verschwendeten keinen Gedanken daran, ob es peinlich war oder ob es möglich war, erwischt zu werden.

„Kindergeburtstag", dachte Hermione dann, weil sie sich an Severus' Worte erinnerte. Trotzdem lachte sie mit, nicht nur wegen dieser Erinnerung. Bald ging es ans Eingemachte, wie die Muggel so schön sagten. Ginny hatte die Wahl zwischen Goyle fragen, ob er mit ihr zum Abschlussball ginge, oder zu sagen, wann sie zum letzten Mal die Freuden der Liebe genossen hatte. Ginny wählte die Wahrheit und Ron stopfte sich vorsichtshalber die Finger in die Ohren, denn er wollte es auf keinen Fall hören. Als sie „letzten Sonntag" sagte, leuchtete der Zauberstab grün auf und drehte sich weiter, während Ginny selbst und Harry eher leuchtend rot wurden.

Leider waren solche Fragen – wie immer – die beliebtesten und es hörte nicht auf. Irgendwann war Hermione wieder dran und bekam dann einen richtigen Hammer.

„Du willst bitte was wissen? Ich glaub, dir geht's nicht gut. Niemals.", erklärte sie mit lauter Stimme und gefühlte hundertmal. „Was ist die Alternative?"

„Nun gut, dann eben anders. Durch Zufall hab ich Letztens das Passwort von Slytherin mitgehört. Du magst doch Malfoy so gerne, wie wir ja alle wissen. Überrasch ihn doch mal und überrede ihn, hierher zu kommen. Falls er nicht will...", kicherte Seamus, „...darfst du ihn von mir aus gerne fesseln und hierhin schweben lassen. Sehr gerne sogar. Anschließend darfst du ihn leidenschaftlich küssen und ihn ein bisschen...wie soll ich sagen...nervös machen."

Ron, der nicht wollte, dass Hermione jemand anderen küsste, schon gar nicht Malfoy, legte seinen Arm auf ihren und flüsterte ihr beruhigend zu, während er eine weitere Flasche Butterbier aufmachte.

„Mine...ist doch nichts dabei, das zu sagen. Eigentlich wissen es doch die meisten und ich... bei mir ist es doch auch so... Du bist doch nicht die Einzigste und..."

Hermione befreite sich von Rons Arm und kniete sich hin, um aufzustehen. „Ich steig aus.", verkündete sie mit Nachdruck.

„Kannst du nicht, das weißt du genau."

„Mir wird schon was einfallen."

„Sicher, aber nicht auf die Schnelle."

„Dann müsst ihr eben warten." Sie setzte sich wieder hin.

„Auf keinen Fall, da macht der Zauberstab keine Ausnahmen. Ich will nicht wissen, was dabei rauskommt, wenn der ein Eigenleben entwickelt."

Kaum hatte er zu Ende gesprochen, merkten sie einen leichten Luftzug.

„Oh nein, Snape im Anmarsch. Ich dachte, der würde hier nicht herkommen, Harry."

„Sorry, dachte ich auch nicht. Aber bei ihm kann man doch nie wissen…"

Seamus sah allerdings auch gleichzeitig eine andere Möglichkeit für das Spielchen und für Hermione, doch mit dem Hintergedanken, dass es genauso schlimm oder schlimmer für sie wäre als mit Malfoy.

„Hey, Hermione…", zischte er und grinste breit, obwohl sie alle wahrscheinlich eine Strafpredigt zu hören bekommen würden. „...Alternative im Anmarsch!"

„Was?"

„Pssst. Alterna-tiiive!", sagte er beschwörend und nickte mit dem Kopf in die Richtung, aus der der Professor kam.

tbc