A/N:

Das Spiel geht weiter…und mal sehen, was sich alles offenbart an dem Wochenende... ;o)

Viel Spaß und VLG KeyMagic!


Kapitel 42


*Christina Aguilera: „Ain't No Other Man"*


„Was ist hier los?", blaffte er so schön künstlich überrascht.

Ein kollektives, leises Stöhnen ging durch die Runde und Dean tippte mit seinem Zauberstab auf Seamus', damit das Spiel unterbrochen würde.

„Antwort, sofort!"

„Wir feiern nur ein wenig… Seamus hat Geburtstag und…"

„Ah, jetzt verstehe ich, Mr. Finnigans Kindergeburtstag! Nun, wenn das so ist, will ich sie auch wie Kinder bestrafen. Sie räumen augenblicklich das Feld und begeben sich sofort in die Betten, es ist immerhin schon nach 22 Uhr. Für ihr Alter sowieso viel zu spät. Und morgen werden sie bis vor dem Mittagessen noch zwei Rollen Pergament über die Nutzlosigkeit von derartigen Spielereien verfassen, die sie natürlich auch noch vor dem Essen in meinem Büro abgeben werden."

Seine Stimme triefte nur so vor Sarkasmus. „Falls ich sie auf meiner nächsten Runde erwische, sieht die Sache ganz anders aus. Sie sind gewarnt."

Die geschockten Gesichter waren zu schön und er genoss es richtig.

„Ja, ich weiß, dass morgen Sonntag ist!", setzte er noch obendrauf und dann guckten sie alle so schön traurig.

Ach ja, eine kleine Freude musste man sich doch ab und zu in dieser Form nochmal gönnen. Er wusste genau, was Sache war und was sie da spielten und er hatte es in seiner Jugendzeit gehasst. Wenn ihn mal jemand eingeladen hatte, dann war es nicht immer nett gewesen und die Fragen oder Aufgaben waren nicht nur einmal fies oder unlösbar gewesen. Deshalb war es eigentlich gut von ihm, hier einzugreifen. Je nach dem, wer gerade dran war, würde er demjenigen sicher noch einen Gefallen tun. Nicht, dass er seine Schüler mochte, aber im Moment fühlte er sich innerlich fast genauso wie damals vor fast 25 Jahren. Äußerlich konnte man allerdings nur sein boshaftes und schadenfrohes Gesicht sehen – jahrelange Übung machte sich doch manchmal bezahlt.

Gerade wollte er sich zum Weitergehen umdrehen, da stand Hermione auf. Dean, Ron und vor allem Harry, ach eigentlich alle, guckten sie geschockt an. Das wollte sie doch nicht wirklich schon wieder tun, oder? Erst am Donnerstag hatte sie sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt und bis auf sie selbst waren sie alle nochmal glimpflich davongekommen. Dass sie keine Strafe bekommen hatte, wusste ja keiner außer Ginny. Eigentlich hätten sie Hermione dankbar sein müssen – waren sie auch – aber etwas Ähnliches wieder zu riskieren, fanden sie alle viel zu...naja...riskant eben. Aber sie wussten ja gar nicht genau, was sie vorhatte.

Egal, was auch immer sie vorhatte, eine Katastrophe stand schon wieder bevor, oder Strafarbeiten bis ans Ende des Schuljahres – zumindest für Hermione, oder für alle, oder etwas viel Schlimmeres. Immerhin war er hier mit ihnen alleine und es gab keine Zeugen. Er konnte im Prinzip tun und lassen was er wollte, kein offizieller Unterricht, keine offiziellen Stunden, nichts. Jetzt würde das unweigerlich eintreffen, denn nochmal würde sich Snape so etwas sicher nicht gefallen lassen.

Hermione drehte sich zu ihnen um und machte ein Zeichen, dass sie still sein sollten. Getraut hätte sich sowieso niemand mehr, einen Mucks zu machen.

„Sir, entschuldigen sie, könnte ich sie bitte ganz kurz sprechen?"

„Was soll das werden, Miss Granger? Sie werden mich nicht von der Strafe abbringen können."

„Nein Sir, das habe ich nicht vor."

„Ach so?"

„Entschuldigen sie, dass wir nach zehn Uhr noch hier sitzen. Aber...wir sind alt genug und vor allem... Letztes Jahr hat keiner von uns feiern können...es war schlimm. Lassen sie uns die letzten Wochen von unserer Schulzeit ein bisschen genießen, bevor das richtige Leben losgeht. Erwachsen waren wir schon in den vergangenen Jahren...viel zu früh."

Sie sah ihn traurig an und sie hatte es genauso gemeint, wie sie gesagt hatte. Er verstand nur zu gut, was in ihnen allen vorgehen musste und er wusste, dass sie mit jedem Wort recht hatte. Nein, solche Erfahrungen, wie sie sie alle hatten machen müssen, gönnte er keinem.

Alles hatten sie erwartet, nur keine ernsthafte Ansprache. Aber etwas Besseres hätte ihr gar nicht einfallen können. Einfach eine Entschuldigung und die Wahrheit.

Er rang mit sich und hin und wieder wollte er einfach nicht mehr so sein wie früher – und jetzt war so eine Sekunde. Hermione hatte recht, die Zeiten waren vorbei.

„Ja...", sagte er fast unhörbar, aber alle verstanden es. „...es war die Hölle."

Dann erhob er seine Stimme ein wenig. „Nun gut, sie können die Strafarbeit am Dienstagmorgen zum Unterricht mitbringen...und...ich denke, bis Mitternacht macht keinen großen Unterschied mehr."

Ein paar leise Seufzer der Erleichterung konnte man hören und den meisten stand dabei der Mund offen. Sie konnten ihr Glück kaum fassen. Jetzt sich bloß anständig benehmen und ja eine Sekunde vor Mitternacht hier verschwinden. Das war mal wieder, dank Hermione, glimpflich ausgegangen und jetzt warteten sie nur noch, dass Snape in den Tiefen des Schlosses verschwinden würde. Der wandte sich zum Gehen und machte die ersten Schritte.

Manchmal war es erstaunlich, wie schnell Gras über eine Sache wachsen konnte, bis...

...ja, aber nur bis ein Kamel kam und es wieder abfraß.

Lavender hatte den Zauberstab in der Mitte des Kreises wieder angetippt und der leuchtete zur Bestätigung kurz hell auf.

„Hey Hermione...", rief sie laut, „...du bist immer noch dran. Nicht, dass wir das vergessen. Sollen wir die Frage nochmal wiederholen? Willst du nicht mal langsam was verraten oder soll ich schon mal vorgehen zu den Slytherins?" Sie lachte ungehalten.

Ginny war kurz davor, handgreiflich zu werden und war schon auf den Knien in Richtung Lavender gekrabbelt, als Harry sie gerade noch zurückzog.

„Du dumme Nuss, verdammt, gerade war es gut...das hat er jetzt wieder gehört, boah...hast du eben nicht zugehört? Wir hätten noch fünf Minuten warten können."

„Selber Nuss. Wir wollen doch Spaß haben."

„Tzzz."

Manche andere schüttelten auch mit dem Kopf. Das Spiel hätte man auch leiser oder später fortsetzen können, vor allem, wenn man gerade einem vermeintlichen Blitzeinschlag entkommen war.

Natürlich hatte er es gehört und als Hermiones Name gefallen war, war er stehen geblieben. Sie war also an der Reihe und er hatte nichts erreicht, weder mit seiner Strafe noch mit seiner...Kulanz. Die würden nie erwachsen.

Hermione hatte gehofft, die Sache wäre vergessen, aber soviel Glück hatte sie nicht. Aus dem Augenwinkel hatte sie gesehen, dass Severus wartete, weshalb sie ihn rief. Angst hatte sie vor ihm natürlich nicht, nur davor, dass ihre Idee, die ihr gerade glühend heiß eingefallen war, nicht funktionierte. Das Timing wäre entscheidend und so würde sie keinem – weder der Gruppe noch ihm – alles sagen müssen.

„Sir? Ähm...könnte ich... Auf ein Wort, bitte?"

„Was ist denn noch, Miss Granger? Möchten sie alle doch noch eine zusätzliche Aufgabe?"

Die eben noch so erleichterte Runde stöhnte und starrte zugleich. Hermione wollte jetzt nicht ernsthaft die Aufgabe erfüllen?

Die meisten hätten sich wohl für Malfoy entschieden und noch eher für die Aussage. Auf der anderen Seite jedoch nicht. Keiner wollte gerne solche Dinge preisgeben. Aber das Ganze mit Snape durchzumachen, war das mit Abstand Gefährlichste, was sie sich hatte aussuchen können, oder?

Wenn sie wüssten...

Sie tat es wirklich und sie gingen aufeinander zu.

Ihr Ausdruck hatte etwas Bittendes und das wollte er ihr natürlich nicht abschlagen.

„Mitkommen."

Ein paar Schritte entfernten sie sich von den anderen und er lehnte sich an die Wand, damit er die Runde im Auge behalten konnte.

„Das Spiel…es ist wirklich kindisch, du hast recht…", flüsterte sie.

„Das gibt es nicht erst seit heute.", deutete er an und sie verstand. „Welches Problem?"

„Entweder die Wahrheit, und die kann und will ich keinem sagen..."

Und das nächste erklärte sie wieder mit lauter Stimme, dass alle sie hören konnten. „...oder zu den Slytherins, Malfoy herholen, ihn küssen und nervös machen."

Sein Blick verfinsterte sich. „Warum kannst du es mir nicht sagen?"

„Nein, ich kann nicht. Bitte..."

„Du wirst nichts von beiden wählen. Soll ich sie verfluchen?", flüsterte er in ihr Ohr, während er die Gruppe fixierte. Für die sah es anders aus...wahrscheinlich für jeden anders.

„Klar doch."

„Was dann?"

„Sie haben gesagt, die Alternative seiest du."

„Wie bitte?"

„Dasselbe. Kuss. Aber richtig...und dann...was sie unter nervös machen verstehen, weiß ich auch nicht."

Er stöhnte auf und überlegte sekundenschnell, was er tun sollte. Auf keinen Fall sollte sie wählen müssen – er kannte das noch von früher und es war grausam gewesen – und in diesem Fall könnte es weit schlimmer kommen. Außerdem wollte er sie sich nicht mit jemand anderem vorstellen. Niemals.

„Ich mache es. Versuch, ängstlich und angewidert auszusehen."

„Du spinnst ja, das kann ich nicht."

„Du musst."

„Ach..."

Ihre Freunde und Mitschüler bekamen langsam keine Luft mehr, weil sie den Atem anhielten. Was ging da vor zwischen den beiden? Versuchte sie wirklich, ihn zu überreden? Gleich würde das Donnerwetter hereinbrechen, gleich würde er anfangen zu schreien! Zu schade, dass sie nichts verstehen konnten.

„Nun gut. Was tun? Sollen wir ihnen eine Show bieten oder soll es echt aussehen?"

Sie wusste genau, wie er es meinte und fing an zu grinsen. Die anderen sahen es natürlich nicht, weil sie mit dem Rücken ihnen abgewandt stand.

„Show.", hauchte sie ihm ins Ohr und die Gesichter der Beobachter konnten kaum angespannter sein. Die hätten alles, wirklich alles dafür gegeben, um zuhören zu können.

„Danke, dass du mir hilfst. Übrigens...hatte ich heute extra etwas für dich..."

„Was ist das Extra?"

„Ein Stück Stoff.", hauchte sie und er bekam eine Gänsehaut.

„Dann muss ich jetzt besonders gut aufpassen, ob ich etwas entdecke, hm?"

„Kannst du ja versuchen.", lächelte sie und allein das gab ihr schon einen Kick...wenn das die anderen gehört und gesehen hätten... Und dann...

...ging es richtig los.

„Professor Snape...", sagte sie ein klein wenig lauter als zuvor, und ergänzte wieder ganz leise „...komm her."

Hermione legte ihren Arm um seinen Hals, zog ihn zu sich runter und kam seinem Mund immer näher. Mit einer schnellen Bewegung hatte er auch seine Arme um sie geschlungen und begann, sie zu küssen – so richtig, so gut, so...

Nicht erst seit diesem Moment leuchtete der Zauberstab grün, doch wer achtete schon gerade darauf?

Sie hätte nie gedacht, niemals, dass sie in so einer Situation ganz andere Gefühle entwickeln konnte. Ihr wurde richtig warm und ihr Kopf gaukelte ihr in Bruchteilen von Sekunden vor, wie es weitergehen könnte, wenn die anderen nicht da wären. In Gedanken ließ er seine Hand unter ihre Bluse gleiten und...

...der Professor löste sich von ihr – keine Sekunde zu früh – für ihn, um nicht noch ganz andere Reaktionen zu zeigen und für sie beide, da Ron bereits aufgestanden war und mit seinem Zauberstab spielte.

Trotzdem kam er ihr noch einmal ganz nah und flüsterte:

„Kenne ich das schon, was du da trägst? War es das, was du meinst?" Er hatte kurz einen wirklich schönen Blick auf sie herunterwerfen können.

„Nein... Ich hatte trotz allem gehofft, dich heute noch zu sehen...mein Slytherin."

„Wer ist hier slytherin?", raunte er.

Ron kam näher und Snape warf ihm einen gemeingefährlichen Blick zu.

„Lassen sie sie los!"

„Was denn, Mr. Weasley? War ihnen das zu kindisch? Oder bekommen sie schon rote Ohren wegen eines harmlosen Kusses? Ach ja, ich vergaß, sie sind ja noch so jung und...unerfahren.

SIE WOLLTEN ES DOCH ALLE! KINDER!"

Snape entfernte er sich schnellen Schrittes und musste vor sich hin grinsen. Gerade überwog das gute und sehr...ablenkende Gefühl von dem Kuss und davon, Weasley mal wieder eins ausgewischt zu haben, anstatt der Ärger über die Beschränktheit und die Naivität der Individuen, die sich erwachsen nannten.

„Denken sie an meine Worte!", rief er aus dem dunklen Gang und verschwand um die nächste Ecke.

Natürlich dachten sie daran, und natürlich ignorierten sie die Worte. Die Zeiten hatten sich doch geändert – was wollte er denn noch?!

„Sie hat es getan und sie hat den Kopf noch dran...", sagte Neville ganz nervös und die anderen nickten stumm. Harry war ganz verwirrt, weil das, was er bei Snape gesehen hatte, so gar nicht gepasst hatte. Hermiones Gesicht hatte er ja nicht sehen können, aber es war einfach komisch gewesen. Ganz irritiert drehte er sich zu Ginny um, die sich mit der Hand Luft zufächerte. Sie sah so gar nicht entsetzt aus.

„Na das hast du ja gut vertragen.", kommentierte Harry und Ginny machte große Augen.

„Wie vertragen?"

„Na der Anblick?"

„Ein Kuss? Na und? Ihr wolltet es doch...jetzt guckt nicht so, lasst sie bloß in Ruhe jetzt.", sagte Ginny laut in die Runde. Die anderen waren viel zu perplex, um etwas dagegen zu sagen oder zu haben, nur wenige nickten verhalten.

Nur Ron kochte vor Wut. „Seid ihr total bescheuert?", regte er sich auf. „SNAPE? Verdammt, ich glaub das nicht. Seamus!"

„Ja, Mann, sorry... aber DU hattest doch nicht das Problem, oder doch?"

Dean kickte seinem Freund in die Seite und flüsterte: „Du weißt es doch, du Trampeltier. Ron ist doch..."

„Ach so. Hey...Ron, komm, lass uns weiterfeiern... War doch ne einmalige Sache und komm schon, cool war's auch!"

Ein paar nickten wieder und die anderen hatten es immer noch nicht realisiert.

Nun, bis auf...das besagte Kamel von vorhin.

„Da war was komisch...", begann Lavender und Luna nickte aus ganz anderen Sphären. „Was?", zischte Ginny und guckte ganz giftig. Sie war nicht die einzigste, die wissen wollte, was Lavender schon wieder von sich geben wollte.

„Der Zauberstab hat schon geleuchtet, als die sich noch gar nicht geküsst haben. Der fing schon kurz vorher an!"

„Na und?", fragte Harry.

„Sie hat sich ja offensichtlich für die Aufgabe entschieden, und die war doch noch nicht erfüllt!"

Hermione bekam schweißnasse Hände. Wie konnte so eine dumme Kuh wie ausgerechnet Lavender es merken? Sie hatte sich doch so sehr um ein perfektes Timing bemüht, aber der Kuss war scheinbar ein paar Sekunden zu spät gekommen. Sie hätte nicht zögern dürfen, aber wenn sie zu schnell angefangen hätte, hätte das in den Augen der anderen wohl auch nicht gerade normal ausgesehen. Hermione biss sich auf die Lippen und warf Ginny einen hilflosen Blick zu. Sie wusste nicht, ob ihre Freundin irgendetwas mitbekommen hatte.

Ginny selbst begann so angestrengt nachzudenken, dass ihr fast schwindelig wurde. Was war geschehen? Sie ging das durch, was sie gesehen und gehört hatte. Hermione war aufgestanden, hatte ihn um ein Wort gebeten und ihm scheinbar das Dilemma erklärt. So weit, so gut. Völlig in Gedanken versunken setzte sie sich in den Schneidersitz und wippte vor und zurück.

Nur nebenbei hörte sie ihre Freunde sprechen, denen das scheinbar egal war und die zu Lavender sagten, dass Hermione wahrscheinlich Snape schon vor dem Kuss nervös gemacht hatte – wie sie es sollte – und dass es offenbar dem Zauberstab ausgereicht habe, um die Runde zu beenden. War doch kein Wunder, wenn ein Lehrer so eine Frage gestellt bekam! Damit war die Sache für sie erledigt. Lavender schmollte zwar ein wenig, aber dann machte sie einfach weiter mit. Luna hingegen machte sich – ebenso wie Ginny – ihre eigenen Gedanken, sagte aber kein Wort. Sie schätzte ihre Freunde. Deshalb beschloss sie im Stillen, dass es bald wieder einmal an der Zeit sei, die uralte, pinkfarbene Brille von Großtante Vif herauszuholen.

Irgendwann und urplötzlich quiekte Ginny auf. Sie wusste, was Hermione gemacht hatte. Da es jetzt eh zu spät war und Lavender scheinbar überstimmt worden war, tat sie gut daran, nichts dazu zu sagen, gar nichts. Auf die Frage Harrys, was mit ihr sei, sagte sie nur, dass sie gerade überlegt hatte, was sie noch lernen müsse. Daraufhin hatte er nur gegrinst und geseufzt, dass Hermione wohl deutlich abgefärbt habe. Während das Spiel weiterging, holte Ginny sich zur Beruhigung einen Feuerwhisky und die anderen staunten nicht schlecht. Nur Hermiones Augen lächelten und sie lächelte zurück und hob unauffällig ihren Daumen. Bei Merlin, ihre Freundin war echt eine Intelligenzbestie, selbst hier und jetzt.

„Sie hat das eine mit dem anderen verdeckt...wie genial.", flüsterte Ginny vor sich hin. Sie hoffte, wenn auf sie noch einmal so etwas Blödes zukäme, könnte sie das auch tun. Schwierig war es allemal und beinahe schief gegangen.

Ron hatte zwar nichts davon mitbekommen, was Ginny vor sich hinmurmelte, aber er fand das Ganze alles andere als genial. Er hatte nur auf Hermione und ihn gestarrt, als sie sich geküsst hatten. Das war widerlich gewesen und er hätte Snape auf der Stelle umbringen können. Nicht einen Moment dachte er daran, dass Seamus diese Aufgabe gestellt und den Professor als Alternative genannt hatte, sondern gab Snape die volle Schuld für seine Wut und den Kuss.


Mittlerweile waren schon fast zwei weitere Stunden vergangen und diverse Häppchen und noch mehr Flaschen oder Gläser ebenso abhanden gekommen. Wohin, konnte man ahnen und bei dem ein oder anderen deutlich sehen. Mit soviel Vergnügen ging die Zeit rasend schnell um.

Der Zauberstab drehte unermüdlich seine Runden und blieb diesmal bei Ron stehen.

„Jetzt bin ich dran mit Instruktionen!", sagte Dean mit einer gewissen Vorfreude. Den Jungs war es nicht wirklich verborgen geblieben, dass Ron wieder – oder immer noch – eine gewisse Vorliebe für Hermione hatte, um es mal harmlos auszudrücken, außer Seamus vorhin, abgelenkt von dem Glas in seiner Hand. Sie beobachteten ihn: Immer noch schien Ron leidend wie ein Hund und wütend wie Fluffy.

Deshalb wollte Dean ihm ein wenig auf die Sprünge helfen und machte es einfach, schließlich wollten sie ja weiterhin ihren Spaß haben. Außerdem hatte er die ganze Zeit über in Rons entsetztes und enttäuschtes Gesicht sehen müssen und...sah es immer noch.

„Ok, diesmal ein bisschen anders. Ron, du musst die Farbe von Hermiones Unterwäsche erraten. Wenn es falsch ist, musst du sie küssen, wenn es richtig ist, dann…musst du es nicht. Du kannst auch wahlweise die Waaahrheit nehmen. Sag uns einfach...hm...ob du immer noch die gestrickten Unterhosen deiner Muuum trägst, wie es im ersten Schuljahr war."

Dean hatte eine wunderbare Betonung in seiner Aufgabe, nur dass man nicht ganz unterscheiden konnte, ob durch diverse wohlschmeckende Getränke oder weil ihm das selbst zu lächerlich war, was er da von sich gab.

Keiner hatte gemerkt, dass sich Snape wieder näherte. Es war nach Mitternacht und natürlich hatten sie nicht auf ihn gehört und sein wirklich – für seine Verhältnisse – großzügiges Entgegenkommen vergessen.

War ja klar, und deshalb hatte der Professor natürlich auch eine zweite Runde durch den besagten Korridor gedreht. Im Flur hallte es so schön und so hatte er Deans Anweisungen mitbekommen. Seine Miene verfinsterte sich danach noch mehr. Das konnte er nicht durchgehen lassen. Keiner würde sie anrühren – seine Frau. Dass er wirklich gerade an seine Frau gedacht hatte, war ihm gar nicht aufgefallen. Er starrte nur auf sie und überlegte, was er tun könnte.

Bis die anderen mal mitbekommen hatten, was es auf sich hatte mit Deans Aufgabe für Ron, hatte Hermione schon geschaltet.

„Das ist doch nicht dein Ernst, Dean.", regte sich Hermione auf, die es als erstes durchschaut hatte. „Die anderen bekommen so miese Sachen und er? Was soll das?"

„Ist eben so...jetzt können wir es nicht mehr rückgängig machen.", grinste er und zuckte mit den Schultern.

Gleich darauf verkündete Ron, dass er sich nach langem Überlegen – nach einer Sekunde ungefähr – für die Aufgabe entschieden hätte und lächelte breit, weil er jetzt endlich eine Chance bekam. In seiner Glückseligkeit über Deans genialen Einfall bekam er gar nicht mit, wie wütend Hermione war und dass sie doch sonst nicht so war.

„Reicht nicht ein Kuss heute Abend?", fauchte Hermione. Die anderen Jungs fingen an zu kichern, denn jetzt hatten sie es auch mitbekommen und ein paar machten unterdrückte Würgegeräusche, weil sie an Snapes Kuss dachten.

„Na und…", verteidigte sich Dean. „Ist doch mal was anderes."

„Ja klar. Wie stehen wohl die Chancen für ihn, hm?"

Ron konnte ja nur gewinnen. Glück für ihn. Er holte gerade Luft, um zu antworten – immerhin hatte er eine nahezu 99-prozentige Chance, richtig zu liegen und somit falsch. Er hatte sich schon die unmöglichste Farbe ausgedacht: „Sie ist neonge..."

Urplötzlich trat Snape aus der Dunkelheit und schnitt ihm das Wort ab. Alle fuhren herum, denn keiner hatte ihn kommen hören, geschweige denn gesehen.

„MR. WEASLEY! Was auch immer sie sagen wollten, behalten sie es für sich."

„A..."

„Keinen ein-zi-gen Ton mehr, Weasley, sonst vergesse ich mich. Sei denn, sie möchten noch zwei weitere Wochen bei Filch. Ich habe keine Probleme damit, sie auch nach dem Abschluss – falls sie ihn bekommen – weiterhin antreten zu lassen. Und hatte ich ihnen allen nicht befohlen, dieses idiotische Spiel zu beenden? Wenn ich sie nochmal erwische, fallen mir ein paar Strafen ein, die unter die Kategorie Todesser fallen, habe ich mich klar ausgedrückt?", giftete er.

Ein kollektives Stöhnen und Gemurre breitete sich aus und ein, zwei kleine Aufschreie konnte man hören, als er das böse T-Wort aussprach. Musste er ihnen denn immer noch und jetzt schon wieder den Spaß verderben, selbst nachdem die schlimme Zeit vorbei war? Sie konnten seine Beweggründe ja nicht im Geringsten ahnen…

Er fixierte Ron mit äußerst gereiztem Blick, dann schaute er Hermione noch in die Augen und drehte sich mit gewohnt aufbauschendem Umhang zum Gehen um.

Ohne nochmal in die Runde zu schauen, sprach er weiter:

„Sie ist slytheringrün – heute – Mr. Weasley, und damit ist der nächste dran. Sie sind durch!" Snapes Grinsen hätte einem Haifisch Angst gemacht.

Der Zauberstab in der Mitte leuchtete grün auf und fing sich an zu drehen, damit er den nächsten Spielpartner finden konnte. Snapes Antwort war richtig gewesen!

„Und wenn sie nicht alle augenblicklich verschwinden, sind alle Häuser außer Slytherin morgen im Negativbereich. IST DAS KLAR?", drohte er und verschwand abermals in der Dunkelheit, immer noch ein genugtuendes Lächeln auf dem Gesicht.

Alle starrten den Zauberstab an und anschließend in die Richtung, in die er verschwunden war.

„Das gibt's doch nicht!", durchbrach zuerst Seamus die Stille und Dean stimmte mit ein. „Die Chance war gleich nuuull. Wie hat er das gemaaacht?"

Die ersten starrten auf Hermione, als wenn sie ihnen bestätigen sollte, dass sich Snape geirrt und nur geblufft hatte.

„WAS?", fragte sie ungehalten, aber eigentlich nur rhetorisch.

„Der hat manipuliert, sag's doch, Hermione. Er ist in dein Hirn eingedrungen, was?", schlussfolgerte Ron.

Ginny spuckte ihr Butterbier in die Runde, weil ihr eigenes Hirn das Wort Hirn wohl mit etwas Anderem ersetzt hatte. Harry raufte sich die Haare und verstand nur noch...nichts.

„Ähm…"

„Ist doch nicht schlimm, deine Farbe zu sagen. Was is'n schon dabei?"

„Auch wenn sie pink mit lila Tupfen ist…", kicherte Parvati.

Und Harry griff derweil zu einem weiteren Schluck Feuerwhisky. Das wurde ja immer irrer. Alle Augen warteten gespannt auf ihre Antwort.

„Ähm, er hat recht."

Schweigen.

„Ist nicht waaahr?", sagten ein paar im Chor.

„Wollt ihr es auch noch sehen als Beweis?", fragte sie in einem Tonfall, der beängstigend dem von Snape ähnelte.

„Ja!", platze es aus Ron raus. „Ich glaub dem gar nichts. Der versaut uns doch immer alles."

„Lass es gut sein Ron, du wirst wieder ungerecht. Du weißt, dass ich es hasse."

Wütend wie sie mittlerweile war, zog sie ihre Bluse ein wenig über die Schulter, damit er den grünen Träger ihres BHs sehen konnte. „Ist jetzt gut?"

„Hat er dich etwa angegrapscht eben?" Ron erhob sich wütend, zog seinen Zauberstab und wollte gehen.

„Ron! Setz dich! Sofort!", befahl Hermione. „Was soll der Kinderkram? Ihr wart alle dabei und habt bestimmt jedes Detail mitverfolgt, oder irre ich mich da? Wir sollten jetzt gehen, oder wollt ihr alle Punkte verlieren?"

Das war zwar nicht ihr primärer Grund zu gehen, aber für die anderen bestimmt. Sie hatte eine ganz andere Sache im Sinn, die sie schon fast zwei Stunden beschäftigte. Nun, im Sinn war die Sache weniger, eher...woanders.

Nach dem allgemeinen Gemurre stimmten sie zu und ließen mit ein paar mehr oder weniger präzisen Zaubersprüchen das Chaos verschwinden.

Dean und Seamus nahmen quasi als Entschuldigung für den Snape-GAU Ron in ihre Mitte, hakten sich unter, nahmen ein Fläschchen mit und verschwanden irgendwo hin. Die meisten anderen gähnten hemmungslos und gingen in ihre Zimmer.


Harry und Ginny waren die Letzten und ließen sich in einen gemütlichen und großen Sessel im Gryffindor-Gemeinschaftsraum fallen. Sie waren allein und kuschelten ein wenig. Nach einer Weile begann sich Harrys Verstand ein wenig auf Abwegen zu...bewegen und fragte seine Freundin alles, was er die ganze Zeit vor sich hingeschoben hatte. Ihre Lachanfälle im Unterricht, die Aktion auf der Wiese vor dem Schloss, als sie Ron mit dem Fesselfluch zur Strecke gebracht hatte und noch einige Dinge. Während der letzten Wochen war es ihm immer so vorgekommen, als wenn alle Überlegungen immer entweder bei Hermione oder bei Snape endeten, oder bei beiden, warum auch immer. Das sagte er allerdings nicht. Ginny würde ihn vermutlich für verrückt erklären. Aber diesen komischen Gesichtsausdruck auf Snapes Gesicht vorhin bei dem Kuss...bei Merlins Whiskyglas...! Hatte Ginny das denn nicht mitbekommen? Sonst bemerkte sie doch alles, wirklich alles! Und dann hatte sie auch noch den Kuss verteidigt!

„Wieso hast DU denn kein Theater gemacht eben? Sie ist deine beste Freundin und sie musste die Fledermaus küssen. Sonst hättest du alles für sie getan und sie...beschützt. Ginnyyy!?"

„Äh, ich kann mich beherrschen."

„DU KANNST DICH BEHERRSCHEN?"

„Äähm…jaaah…"

„Hermione musste Snape küssen!"

„Najaaaah..."

„Du sahst so gar nicht überrascht aus."

„Hmmm..."

„Ginny!"

Ginny rotierte ein wenig. Der Feuerwhisky hatte echt reingehauen...und die anderen Sachen.

„Ich hab da mal vermutet...äh...das sah nicht aus wie...der erste Kuss. Deshalb...konnte ich mich beherrschen.", grinste sie.

„WAS BITTE?…WIESO KANNST DU DICH BEHERRSCHEN? Oh bei Merlin! WAS LÄUFT DA? WAS weißt DU?"

„Äähm… Sie...sind...äh...be...freundet!"

„Ich glaub's einfach nicht! ...Befreundet? Hast du dir mal überlegt, was er ihr alles angetan haben könnte? Befreundet?"

„Oooh…"

„Warum stöhnst du?"

„Ich stöhne nicht."

Ginny atmete nur tief ein. Was er ihr alles angetan hatte? ‚Wahrscheinlich mehr Orga…'

Ginny!', rief sie sich selbst in Gedanken zur Ordnung. ‚Na jedenfalls mehr als du im letzten Jahr gehabt…' „Halt die Klappe."

„Wieso?"

„Meinte dich nicht."

„Wen dann?"

„Ähm…meine innere Stimme."

„Ach?"

„Er hat ihr doch nichts angetan, was denkst du denn?"

„Ich respektiere ihn, ja, aber es ist immer noch Snape! Hast du schon vergessen, was vor ein paar Wochen noch los war, wie er sie da behandelt hat? Oh mein Kooopf."

Ginny war total entnervt. „Ist es immer noch nicht vorbei? Nach all der Zeit? Wir waren fast alle drüber hinweg."

Vor allem Hermione ist über ihm…' ‚Halt die Klappe, du blöde Stimme.'

„Ja, aber das ist was anderes. Und ja, ich respektierte ihn…wieder. Aber das? Er kann doch nicht mit einer Schülerin befreuuundet sein."

„Harry Potter! Sie ist erwachsen. Sie entscheidet, mit wem sie eine Beziehung eingehen will und kein anderer. Schon gar nicht du!" ‚HUPS', meldete sich die innere Stimme wieder – leider zu spät.

„Beziehung? BEZIEHUNG?" Harry sprang auf und Ginny rutschte eine Etage tiefer.

„Was dachtest DU denn?"

Ginnys Grinsen war sehr breit und zeigte die Zähne. Sie konnte nicht anders, sonst hätte sie schallend gelacht, das wäre noch schlimmer gewesen.

„Du willst sagen SIE HALTEN HÄNDCHEN und gehen spazieren und so etwas?"

Aus dem Grinsen wurde ein filmreifer Hustenanfall. Händchenhalten im Zusammenhang mit Snape? Hätte sie nicht gehustet, hätte sie hyperventiliert. Mit einer Hand fächerte sie sich Luft zu und sah Harry an. Sie biss sich von innen auf die Lippen, damit sie nicht mehr lachen musste.

„Merlin sei Dank, ich dachte schon…puh…"

„Hä?"

„Dann tun sie das nicht…bin ich erleichtert. Wär dir auch komisch vorgekommen, was?"

„HÄ?"

„Na, sonst hättest du mich doch nicht ausgelacht gerade. War ja auch zu absurd der Gedanke, dass sie so etwas machen würden…also nur irgendwie so…Freunde? Na das geht ja noch. Nicht auszudenken, wenn… Man, ich hätte nicht so viel trinken sollen..."

Mittlerweile krümmte sich Ginny hinter dem Sessel, hielt sich den Bauch und biss in die Wolldecke, die hinten herunterhing.

„Was um alles in der Welt machst du da?"

„Ne, du hast recht, sie halten kein Händchen und so…oder hast du das mal gesehen?"

„Nein, und will ich auch gar nicht."

Als Harry schon dachte, sie hätte sich wieder beruhigt, fing ihr Mund schon wieder an zu beben. Wie gut, dass sonst keiner im Gemeinschaftsraum war.

„WAS?"

„Sie gehen vielleicht mal spazieren, aber sicher nicht hier. Eigentlich sind sie immer im Kerker." Meine Güte, hatte sie Sabbelwasser getrunken oder was? ‚Bloß kein Alkohol mehr.', dachte sie bei sich.

„Sie sind im Kerker? Sie sollten sich besser in der Bibliothek treffen oder in einem leeren Klassenraum, das könnte man dann weniger falsch verstehen."

„Harry!"

„Was? Zum Lesen oder Diskutieren braucht man nicht in den Kerker."

„Ne, dazu nicht."

„Wozu dann? Brauen sie auch zusammen? Ja…das wäre nicht schlecht, Hermione findet es sicher gut, wenn…"

„Keine Ahnung – dass sie zusammen brauen, hat sie noch nie erzählt."

Harrys Gesichtsausdruck änderte sich zum x-ten Mal in den letzten zehn Minuten.

Was machen sie dann da unten? Und wo ist Mine eigentlich, hast du sie gesehen?"

„Ähm…Was sie da machen? Vielleicht Schach spielen oder um den Tisch herumlaufen…keine Ahnung…", überlegte Ginny scheinheilig…

Wäre sie doch gerade besser vorbereitet gewesen, hätte sie sich wer weiß was einfallen lassen können.

„…ich war noch nicht in seiner Wohnung. Sie ist vermutlich...ach nix."

„Sie treffen sich IN SEINER WOHNUNG? Sag mal GEHT'S NOCH? Dann ist sie ganz allein mit ihm und…"

„Na Zuschauer wären dabei ziemlich blö…"

„DABEI?"

‚Uhuuups', dachte Ginny wieder und lief rot an wie eine Tomate. Wieso konnte sie denn ihre Klappe nicht halten?

DABEI? Nein, nein, nein…NEIN! Nein? WO IST SIE?"

„Äääähm…" Was war noch intensiver als tomatenrot? Chili!

„Sssag dass das nicht wahr ist…!"

„Ääääääähm…"

„Fällt dir nichts anderes ein als Ähm?"

Ginny schüttelte vehement den Kopf und ihr Kopf würde gleich beginnen zu rauchen, wenn ihr nicht schnell etwas einfiel…

Ihr Freund war ja nicht blöd. Immerhin hatte er Voldi besiegt.

„Du willst mir sagen SIE SCHLAFEN MITEINANDER?"

Zu spät. Kein Einfall mehr.

Harry war jetzt genauso rot wie seine Freundin und schwankte.

In dem Moment öffnete sich das Porträtloch und Dean, Seamus und mittig Ron kamen in den Raum, mit der nunmehr halbleeren Flasche.

„WER schläft mit weeem?", fragte Seamus ganz interessiert und guckte von einem zum anderen.

„Ja, gibt's Neuigkeiten?", unterstütze ihn Dean.

Harry war in einen Sessel gefallen und schüttelte nur noch ganz apathisch mit dem Kopf. Er hätte nicht soviel trinken dürfen, das war er nicht gewohnt. Das musste ein ganz, ganz böser Traum sein.

„Ähm, nur...Meralind und Jason...kennt ihr doch.", log Ginny und schwitzte Blut und...Feuerwhisky.

„Ach die? Das is' doch'n alter Hut. Man...hätte spannender sein können, hm?"

„Ab ins Bett, Jungs! Harry, du aaauch. Abmarsch!"

Eigentlich wollte Harry protestieren, aber er bekam kein Wort mehr formuliert. Also gehorchte er wie die anderen auch und Ginny konnte nicht einschlafen. Da hatte sie ja ne schöne Schei***benkleistersoße angerührt.


Nein, Hermione war nicht in seiner Wohnung, definitiv nicht. Sie war auf Abwegen, und zwar auf seinen. In etwa hatte sie gelernt, seine Kontrollrunden nachzuvollziehen und entdeckte ihn gar nicht weit von dem Flur, auf dem sie bis eben noch gefeiert hatten. Natürlich hatte er noch einmal nachgesehen und zufrieden festgestellt, dass der Haufen sich endlich an seine Ansage gehalten hatte. Trotzdem schade, ein paar Punkte mehr hätte er gerne abgezogen. Nur noch ein paar Flure, dann hatte er endlich Feierabend.

Als sie sich sicher war, dass keiner in der Nähe war, schlich sie sich näher an ihn heran.

„Hey…", wisperte sie leise und er fuhr herum, dass sich seine Robe aufbauschte.

„Wo kommst du denn her? Was willst du hier?"

„Na dich!"

„Wie bitte?"

„Mich hat keiner gesehen."

„Ist was mit dir?"

„Nein, ähm,…der…Kuss von eben geht mir nicht aus dem Kopf."

Er stutzte. „Das war nicht unser erster, Hermione.", neckte er sie.

„Jaaah, aber…es hat sich anders angefühlt oder eher…" Den Rest flüsterte sie ihm ins Ohr.

Seine Mimik löste sich auf. „Bist du von Sinnen? Das kann doch nicht dein Ernst sein!"

„Ähm…hat es dich ganz kalt gelassen…?"

„-"

„Wusste ich's doch."

„Das geht nicht."

„Wir haben beide unsere Zauberstäbe dabei."

„Wenn das einer mitbekommt, sind wir in Teufels Küche und ich in Azkaban."

„Du warst doch sonst immer so mutig…"

„Das vergleichst du miteinander? Ich glaub das jetzt nicht. Wie viel hast du getrunken?"

„Nicht viel, das kannst du ja sehen."

„Mehr als du zugibst, oder? Ich kann das nicht."

„Hmm, das werde ich sehen…", sagte sie und drängte ihn an die Wand hinter der letzten Säule.

„Was soll das werden?"

Die Antwort war ein Kuss, den er zwar erwiderte, während sie ihre Hand zu seiner Mitte wandern ließ und begann, ihn durch den Stoff seiner Hose zu massieren.

„Hermione, lass es, ich meine es ernst. Ich will…"

Um weitere Äußerungen von ihm zu unterbinden, verschloss sie seinen Mund immer wieder mit Küssen und unterbrach auch sonst nichts.

Kurze Zeit später nahm er ihre Schultern und drückte sie ein wenig von sich weg, zumindest ein paar Zentimeter.

„Das nützt nichts mehr", grinste sie und überbrückte den Abstand mit einem leichten Vorbeugen. „Seit Dienstag war es verdammt lang."

„Was du nicht sagst.", stöhnte er und versuchte vergeblich, ihre Aktionen zu ignorieren.

„Du kannst mir nicht erzählen, dass du so weiterhin Kontrollgänge machen kannst."

„Weißt du was? Du gehörst nach Slytherin und nicht nach Gryffindor. Ich habe in einer Stunde Schluss."

„...und willst dann erst das hier beenden?", fragte sie und ließ seine Hose nicht los.

„Ja...nein."

Sie kicherte nur und er merkte, dass sie wohl doch etwas mehr intus hatte als zugegeben.

„Nachher wirst du es bereuen."

„Wie könnte ich?"

„Das wird schnell gehen."

„Bitte, oder soll ich deutlich sagen, was ich will?"

„Sei still.", mahnte er sie und drehte sie so schnell dabei um, dass sie aufschrie. Er drückte sie gegen die steinerne Mauer und schob ihre Bluse bis über den BH.

„Slytheringrün – damit gehörst du mir, das weißt du?"

„Voll und ganz.", hauchte sie und bog sich ihm entgegen.

Glücklicherweise dachte er noch an einen Warnzauber, falls sich doch noch ein paar Unverbesserliche herumtrieben – außer ihnen beiden selbst.

Sie stöhnte schon laut, als er nur mit der Hand über den Stoff ihres BHs fuhr, ihre Brust danach daraus befreite und sich daran machte, die andere Seite auch zu begutachten.

„Severus!"

„Sei still. Nein, wir lassen das. Ich... Komm nachher."

„Oh nein, nein, nein. Du kommst jetzt...äh..."

„Hermione...wenn..."

„Nimm mich, jetzt! Guck nicht so, du hast richtig gehört. Ich will dich, jetzt sofort, oder soll ich noch deutlicher werden?"

Er verdrehte die Augen um zu überspielen, dass er alles andere als gelassen war. Sie sprach das aus, was er gedacht hatte, nicht nur gerade jetzt, sondern auch vorhin schon. Aber sie konnten doch nicht hier...

„Severus Snape, ich will, dass du mich jetzt auf der Stelle v..."

„HERMIONE!"

Die Empörung war nur gespielt und er ging wieder einen Schritt auf sie zu. Dann küsste er sie besitzergreifend und machte sich währenddessen an seiner Hose zu schaffen. Er war verloren. Urplötzlich griff er unter ihren Rock und der Slip war Geschichte, dann hob er sie hoch, indem er mit beiden Händen ihren Po umfasste und sie schrie wieder auf. Mit ihrem Rücken gegen die Wand konnte er sie besser halten und besser...

Zum Denken war keine Zeit mehr, die Gefühle, nein, die Lust, das Verlangen riss beide mit und sie brachten sich gegenseitig mit ihren Lauten immer näher an den Rand der Explosion. Hermione schlang ihre Beine um ihn, damit sie mehr Halt hatte, und das war der letzte, nötige Funke.


Den Sonntag verbrachten sie gemeinsam, nachdem sie lange und ausgiebig geschlafen, ja wirklich geschlafen hatten. Hermione hatte die perfekte Entschuldigung, wie eigentlich alle, die den Abend zuvor mitgefeiert hatten. Keiner sah den anderen vor dem Mittagessen und daher fiel es nicht weiter auf, dass sie nur zum Mittagessen in Erscheinung trat und für den Rest des Tages wieder verschwand – sie war ja nicht die Einzigste.

Allerdings machte ihr der ein oder andere Blick von Harry Sorgen, was sie nach weiteren Überlegungen auf Kopfschmerzen oder andere Nachwirkungen schob. Ginny grinste nur schief und biss sich auf die Unterlippe. Ihr ging es gar nicht gut, denn Harry hatte seit gestern Abend beharrlich geschwiegen. Sie hoffte, dass er glaubte, sich die Offenbarung nur eingebildet zu haben, aber konnte sie soviel Glück haben? Eher nicht, denn Ginny sah, mit welch einem entrückten Blick Harry Hermione beobachtete. Das könnte ja doch noch eine Katastrophe werden. Zur Not machte sie sich bereit, ihn mit einem Silencio zum Schweigen zu bringen, falls er denn mal loslegte. Er tat es nicht. Noch nicht.

Viel gesprochen wurde generell nicht, man verschob es stillschweigend auf eine Zeit, in der sie wieder richtig funktionierten.

Severus war auch zum Mittagessen gegangen und gleich danach wieder in den Kerker. Das Wetter war zwar immer noch so schön draußen, aber sie wollten einfach einen Tag für sich haben, weil die nächste Zeit nicht gerade viel an Freizeit bieten würde.

Nach einer schönen Lesestunde zu zweit auf der Couch, die sie beide wie immer genossen, legte er sein Buch auf den Tisch und drehte sich zu ihr. Ohne ein Wort betrachtete er sie und holte tief Luft, dann noch einmal, und sagte trotzdem nichts.

Längst hatte Hermione es gemerkt.

„Severus?"

„Was..."

„Hm?"

„Es...ich weiß nicht, ob ich das fragen soll... Geht mich eigentlich nichts an... Gestern Nacht, auf meiner Runde, und als ich euch so beobachtet habe... Wohl das letzte Fest, hm?"

„Was könnte es sein, das dich nichts angeht? Wir sind doch...zusammen, sind wir nicht? Und ja, vermutlich, leider. Es ist alles...bald vorbei." Hermione war schon lange traurig, immer wenn sie daran dachte.

„Mich würde interessieren...ich würde gerne wissen, was du nach der Schule machen möchtest. Du hast doch sicher Pläne und ich kenne kaum welche von euch."

Hatte er sie das gerade wirklich gefragt? Auf einmal schwang ihre Traurigkeit in ein Glücksgefühl um. „Ich möchte Heilerin werden."

„Heilerin? Vieles hatte ich gedacht, aber nicht das, zumindest nicht zuerst. Vielleicht Lehrerin, oder ein Amt im Ministerium, oder..."

„Seit die ersten Übergriffe bekannt wurden, habe ich mich hilflos gefühlt. Dann waren wir fast ein Jahr unterwegs und es hätte noch gefährlicher werden können – wir hatten so viel Glück und ich konnte zwar gute, aber nur wenige Sprüche. Keiner davon hätte wirklich Leben retten können – nicht ohne Hilfe. Und später...die Schlacht...es war so grausam. Und...und dann...und als ich dich gesehen habe...

Sie wand sich ab, damit er die Träne nicht sah, die ihr plötzlich die Wange hinablief.

„Ich bin da... warum auch immer. Eigentlich hatte ich schon abgeschlossen und nicht nur einmal habe ich gedacht, es wäre besser gewesen, wenn ich...nicht mehr da wäre, wenn ich nicht überlebt hätte. Verstehst du? Ich weiß nicht, warum...warum ich überlebt habe."

„Nein...nein...dann...hätte ich dich jetzt nicht...wir hätten uns nicht. Das Leben wäre ganz anders geworden und..." Den Rest verschwieg sie ihm.

„Dann hätten wir uns nicht, nein. Und es wäre besser gewesen, Hermione."

„Besser? Bist du von allen guten Geistern..."

„Weißt du immer noch nicht, wie ich das meine? Du...meine Schülerin, das..."

„Nur noch wenige Wochen, das zählt nicht mehr."

„Ja, aber du könntest...ich bin zu alt für dich. Die Jungs in deinem Alter werden dich mehr interessieren, sie haben mehr gemeinsam mit dir, können dir andere Dinge bieten..."

Hermione musste auflachen, obwohl ihr gar nicht danach war.

„Bieten? Ja klar, ein paar Butterbier für eine Hausaufgabe, die sie abgeschrieben haben..."

Severus zog eine Augenbraue hoch.

„Ach komm schon, das weißt du doch. Und deshalb – sie können mir nichts bieten, gar nichts, im Gegensatz zu dir. Ich muss nicht für dich mitdenken."

„Oh danke"

„Du weißt, wie ich das meine. Was will man mehr, wenn man dich hat? Du bist alles, Severus, intelligent, ein vollendeter Gentleman, du bist schön, du bist..."

„Mach dich nicht lächerlich."

„Für mich bist du das.", sagte sie mit fester Stimme und strich sanft mit ihrer Hand über seine Haare, an der Schläfe entlang bis zu seinem Mund.

„Hast du Angst?"

„Ja."

„Ich auch, aber das heißt nicht, dass wir es nicht schaffen. Ich meine, so ein ähnliches Gespräch hatten wir schon einmal, oder?"

„Mag sein."

„Ein Severus Snape sagt nicht mag sein."

„Hermione, du hast mehr davon, wenn du dir jemand Jüngeren nimmst."

„Hast du sie gesehen? Du kannst sie nicht ausstehen, du hast gesehen, wie sie sich benehmen und du willst allen Ernstes, dass ich mit einem von denen...? Ich kann es nicht glauben...das ist nicht wahr. Und du behauptest, 39 sei alt? Jetzt hätte ich fast was Böses gesagt."

„Wenn du mit dem Studium fertig bist, bekomme ich sicher die ersten grauen Haare!

Außerdem...willst du...willst du keine Familie? Kinder?"

„Das kann sein. Steht dem etwas im Wege, außer, dass du Kinder nicht magst?" Sie versuchte, die ganze, absurde Situation aufzulockern, was aber nicht wirklich gelang.

„Außerdem sind ein paar graue Strähnen sexy, wieso glauben das Männer nie?"

Severus schnaubte nur.

„Du hast keine, das weiß ich."

„Du weißt ja gar nicht, was du da faselst."

„Das sexy oder was meinst du? Du bist verdammt se.."

„Hermione! Das meinte ich nicht. Ich will dir nicht im Wege stehen in Zukunft."

„Was redest du? Haben wir keine Zukunft?"

„Nicht so, wie du dir sie vielleicht vorstellst."

„Bis jetzt habe ich keine Vorstellung, man kann das nicht alles planen. Außer, dass ich eine Zukunft mit dir will. Versuchst du gerade, mit mir Schluss zu machen?"

„Nein! Ich will nur nicht, dass... Ich möchte niemanden enttäuschen, ich bin nicht richtig für dich, nicht der Richtige."

„Ich bin keine Affäre, Severus, für die Behauptung hast du dich entschuldigt. War die Entschuldigung ernst gemeint?"

„Du warst nie eine Affäre."

„Dann will ich so etwas nie wieder hören. Ich kann selbst entscheiden, was richtig für mich ist, wer der Richtige für mich ist. Ich habe die Entscheidung getroffen, ich habe es zugelassen, ich hatte die Wahl, und ich habe...mich verliebt. Du warst der... Es war einfach alles richtig, ich bereue gar nichts.

„Das...hast du schon einmal gesagt...oben...als wir uns gestritten haben."

„Ich weiß, und wenn es dich nicht nervt, und wenn es dich doch nervt, werde ich es jeden Tag wiederholen, wenn es sein muss bis an mein Lebensende."

Er beugte sich vor, ließ den Kopf hängen und sprach weiter, während er auf den Boden starrte.

„Meinst du das so wie es klingt, wie es schon wieder klingt, Hermione?"

Er konnte es nicht noch einmal ignorieren oder verdrängen. Er musste es endlich wissen.

„Wie klingt was?"

„Hermione…"

„Der Richtige, ja, wir drehen uns im Kreis."

„Damals hast du auch gesagt, ich sei der Richtige…und das du dir es nie…anders gewünscht hättest. War es so, wie es sich anhört? Bitte sag mir die Wahrheit…ich darf es…nicht mehr…verdrängen. Mir fällt es schwer genug, glaub mir."

Sie drehte sich verlegen weg und wusste, dass der Zeitpunkt gekommen war. Wie hatte sie auch denken können, dass es niemals ans Tageslicht kommen würde? Andererseits hatte er recht…einmal gesagt, war es leichter, oder es war zu Ende.

Hermione sprach vor sich hin und konnte ihn nicht ansehen.

„Jedes Wort ist wahr. Ja, es war das Beste, was mir hat passieren können, dass du es warst. Ich kann und will es mir nicht und nicht mehr anders vorstellen."

„Oh bei Merlin, nein, nein…nein…ich habe es befürchtet."

Seine Stimme klang erstickt und er vergrub seine Hände in sein Gesicht.

„Was ist mit dir?", fragte sie und setzte sich neben ihn auf die Couch.

„Das hätte niemals passieren dürfen – niemals."

„Wusstest du es wirklich nicht?", flüsterte sie mit der Angst, dass jedes Wort falsch sein könnte.

„Wie könnte ich, Hermione? Wie konntest du es mir nicht sagen?" Plötzlich sprang er auf.

„Hast du mir denn von deiner Vergangenheit erzählt – dahingehend? Hättest du es gemacht, wenn ich gesagt hätte, du musst?"

Er schwieg und sie deutete es als natürlich nicht.

„Siehst du!"

„Du willst das nicht wissen, Hermione."

„Woher weißt du das?"

„Und was dann? Was denkst du von mir?"

„Kann es denn noch schlimmer werden als die Dinge, die ich sowieso schon weiß?"

„.Nein, vermutlich nicht."

„Was hält dich dann zurück, es jetzt zu erzählen? Das klingt ja nicht so, als hättest du eine Frau und fünf Kinder."

Severus lachte gequält. „Die habe ich nicht. Nein."

War sie zu weit gegangen? Aber sie wollte auch etwas von ihm wissen, sie wollte ihn einfach kennen lernen.

„Gut, wo wir dabei sind und wenn... Du weißt von Lily."

„Ja, du hast sie geliebt und es tut mir so leid, glaub mir das."

„Es...ist...lange her, seit sie… Lassen wir das. Alles andere war nur...war allermeist ohne Gefühle, ohne...echte Gefühle."

„Es ist eben so, und wenn du denkst, ich hätte mir darüber keine Gedanken gemacht, liegst du falsch. Die kommen unweigerlich."

„Néelia."

„Hm?"

„Es gab noch Néelia, mit ihr habe ich ganz zu Anfang, als er zurück war, zusammengearbeitet. Die Umstände waren...schwer. Wir... Letztendlich waren es eher Gefühle wie...als seien wir Geschwister und lassen wir das auch."

„Es stört mich nicht, Severus. Wenn es vorbei ist... Es ist wie es ist und man kann ja kaum damit rechnen, dass... Lassen wir das auch, um es mit deinen Worten zu sagen. Rede mit mir, wenn du möchtest, und wenn nicht, akzeptiere ich das auch."

„Eines noch. Da gab es noch... Es war in deinem fünften Schuljahr, glaube ich. Sie sollte...eigentlich eine Stelle als Professorin hier annehmen, aber das klappte nicht. Jedenfalls...sie kam hin und wieder her, um sich umzusehen und einzugewöhnen und irgendwann... Tatsächlich...kamen ein paar Gefühle, nach vielen Jahren noch einmal."

„Davon habe ich nichts...mitbekommen. Nein, nicht so, wie du denkst. Dass eine neue Lehrerin kommen sollte."

„Das war auch noch nicht spruchreif. Verteidigung gegen die Dunklen Künste sollte es sein, aber wie so oft, kam etwas dazuwischen. Vermutlich war sie mir zu ähnlich...beinahe hätte sie mich in der Hand gehabt und glücklicherweise, kann ich jetzt sagen, ist Evy dann wieder nach Beauxbatons zurückgekehrt. – Vielleicht hat sie dort jemanden gefunden, den sie kommandieren kann.", murmelte er noch hinterher.

„Nun, genug der Offenbarungen. Das sollte gar nicht so kommen, Hermione. Aber jetzt weißt du es und...es ist etwas ganz anderes als das, was... Du hättest es mir wirklich sagen müssen."

Während der ganzen Zeit war er im Raum umhergelaufen und hatte sie nicht einmal angesehen. Sie konnte sehen, welche Überwindung ihn das gekostet hatte, ihr von seinen Vergangenheiten zu erzählen. Nie hätte sie damit gerechnet und nie als erste danach gefragt. Umso mehr erleichtert war sie, dass er es dennoch getan hatte. Das bedeutete ihr sehr viel, denn er hatte ihr sein Vertrauen geschenkt.

„Anders? Was quält dich denn? Was ist so schlimm daran? Ich wollte es. Habe ich mich in den Ferien jemals abgeneigt gezeigt? Wir konnten es doch kaum noch aushalten."

Er trat gegen die Wand neben dem Kamin.

„Du hättest es sagen müssen!"

„Und was dann?"

„Das weißt du."

„Denkst du auch mal daran, dass das nicht gerade einfach für mich war? Weißt du, wie peinlich mir das war? Hätte ich gesagt hör mal zu, ich habe keine Ahnung wie das geht und machst du… Ach hör doch auf. Ich war heilfroh, dass du nichts gesagt hast. Warum jetzt auf einmal?"

„ICH WUSSTE ES NICHT, ich habe es hinterher nur geahnt, als du mir das alles zum erstenmal sagtest, das, was du gerade wiederholt hast."

„Kann…kann man das nicht merken? Ich meine…"

„HERMIONE, ich war gerade dabei, mit einer Schülerin zu schlafen und…das nach langer Zeit, verstehst du nicht? Ich war verdammt nochmal leicht abgelenkt und habe das Gefühl verdrängt…ganz weit nach hinten. Außerdem hast du gesagt, du nimmst Muggelmedizin, und du bist seit Jahren nur mit den Jungs zusammen, ihr wart fast ein Jahr alleine weg. WAS soll ich da denken? WAS?"

„Severus, ich möchte nicht wieder streiten. Ich sage dir alles, wenigstens…jetzt… Es tut mir leid. Die Medizin habe ich schon länger genommen. Meine Eltern dachten wohl damals ähnlich, außerdem ist sie gut für die Haut und ich hatte ein paar Probleme mit der…Regelmäßigkeit – deshalb. Mit den Jungs war nie etwas! Nicht das. Ja, Ron und ich, wir haben uns geküsst, nichts weiter, und mit Jaron – das weißt du sicher – war auch nicht mehr."

„Ja, ich weiß das. Ihr seid Schüler und Lehrer müssen so etwas mitbekommen."

„Meine Güte, im Vergleich zu dir sind das KINDER! Ich will mir gar nicht vorstellen, wie das mit einem von ihnen gewesen wäre. Peinlich wäre da sicher noch das geringste Problem gewesen, befürchte ich. Meinst du nicht?"

Er verdrehte nur die Augen.

„Wenn wir schon reden, dann auch alles – zurück geht es nicht mehr." Sie ging zu ihm und stellte sich neben ihn vor den Kamin.

„Es war…wunderschön, du warst so… wie ich es nie erwartet hätte. Ja, du warst, du bist das Beste, was mir hat passieren können, egal, ob ich mich wiederhole oder nicht. Wer kann schon mit solchem Glücksgefühl daran denken? Wenn ich überlege, wie nüchtern Ginny über…"

„Bitte! Hermione! Ich will das nicht hören. Bei Merlin."

„Mehr kann ich dann nicht dazu sagen…außer… Haben wir eine Zukunft, Severus?"

„Ich kann dir nicht gerecht werden, und was ich getan habe…"

Warum konnte er nichts anderes als das sagen? Warum hatte er ihr erlaubt, ihre Kleidung bei ihm einzuräumen, wenn sie in ein paar wenigen Wochen weg war und er sie nicht wiedersehen wollte? Das wäre so absurd. Sie hoffte, er würde keinen Rückzieher mehr machen, aber ihn wirklich einschätzen konnte sie nicht. Würde sie es jemals können?

„Ich muss hier raus!", sagte er, griff sich seinen Gehrock und ließ sie stehen.

„Ich liebe dich…", sagte sie in den Raum hinein und wusste nicht, ob er es noch gehört hatte.

tbc


A/N: Mir fühlt, als kämen ein paar Steinchen geflogen...

ABER: Ich hab euch doch alle lieb und verspreche euch, dass die Offenbarungen noch nicht zu Ende sind – nächste Woche sieht gar nicht so schlecht aus, wie ihr denkt ;o)


*Christina Aguilera: "Ain't No Other Man"*

Ain't no other man can stand up next to you
Ain't no other man on the planet does what you do
You're the kinda guy a girl finds in a blue moon
You got soul, you got class, you got style with your bad ass

Never thought I'd be alright, no no no
Til you came and changed my life
What was cloudy now is clear
You're the light that I needed