A/N:
Ihr Lieben!
Entgegen einiger Ankündigungen von mir erleben wir heute erst einmal ein paar...Überraschungen und andere – wie ich hoffe – interessante Dinge. Aber nächste Woche gibt's dann wirklich Sommer, Sonne, und *** einiges mehr ;o)
VLG KeyMagic
Kapitel 44
*R. Kelly: „I Believe I Can Fly"*
Für einen kurzen Moment dachte er, sie hätten wieder verschlafen, aber dann überlegte er, dass sie dann ja wohl kaum am Flügel sitzen würde. Er schlief besser und länger als sonst, vermutlich besser als seit Jahrzehnten. Nachdem er sich im Bett genüsslich gestreckt hatte, stand er auf und ging zu ihr hin, stellte sich hinter sie und umarmte sie.
„Dann war es kein Traum?", fragte sie vorsichtig und er beugte sich zu ihr hinunter, um sie hinters Ohr zu küssen. Dabei nahm sie seine Hände in ihre, die er über ihre Schultern gelegt hatte.
„Mir geht es genauso. Nein, es war kein Traum."
Sie hätte eigentlich gerne gefragt, was geschehen war, aber es war einfach nicht der richtige Zeitpunkt und sie wollte nichts kaputtmachen, was gestern so wundervoll begonnen hatte.
„Wir müssen wohl gleich los.", sagte sie daher und stand auf.
„Merkst du dir das Lied, was du gespielt hast…ich würde es irgendwann gerne noch einmal hören."
„Sicher…für dich immer."
Es war so wie vorher und doch ganz anders. Beide ein wenig verlegen, vorsichtig und durchweg mit einem Lächeln, was für ihn schon ungewöhnlich genug war. Man konnte es sehen und fühlen...Liebe lag in der Luft, obwohl er seine Worte nicht wiederholt hatte. Sie erwartete es auch nicht, denn den Moment von gestern würde sie nie wieder vergessen.
Beide fühlten sich, als könnten sie den Himmel berühren, als könnten sie fliegen, sie mussten sich nur noch darüber klar werden – jeder für sich und gegenseitig.
„Danke. Und…du weißt, ich habe, wie meistens montags, heute Abend wieder Aufsicht…dann…"
„Ja, kein Problem, ich habe da noch einen Strafaufsatz zu schreiben, stell dir vor, den ich morgen früh einem gewissen Tränkemeister abgeben muss wie der Rest der Klasse auch."
„Was du nicht sagst. Ich möchte nur nicht, dass du dich anderen…Männern zu sehr annäherst…"
„Nicht? Weißt du, er…ich mag seine schwarzen Haare, und seine Hände, und seine Lippen…da kann ich leider nichts tun…ich muss mich ihm einfach nähern…"
Während sie sprach, war sie ihm mit einer Hand durch die Haare gefahren, hatte seine Lippen mit den Fingern nachgezeichnet und ihn dann an seinem Schlafshirt zu sich gezogen und geküsst.
„Außerdem ist er groß und stark und sexy und unglaublich gut im…"
„Wir sollten gehen, bevor du Dinge von dir gibst, die ich über ihn nicht hören will…", unterbrach er sie und konnte kaum sein Schmunzeln unterdrücken.
„Ja, das sollten wir wohl.", seufzte sie und verschwand im Bad.
„…gut im Tränkebrauen.", wollte ich sagen, was hast du denn gedacht?", rief sie ihm zu, während sie das Wasser anstellte.
„Nichts", rief er zurück. „Gar nichts."
Fünf Minuten später stieg sie aus der Dusche und erschreckte sich, weil er am Türrahmen angelehnt stand und sie beobachtete.
„Du kannst..."
„Was kann ich?"
„Duschen."
„Ach so. Aber du hast recht, ich darf keine Minute länger mehr hier stehen, sonst..."
„Sonst?"
„Kommen wir beide zu spät."
„Tun wir das?"
„Nicht wenn ich jetzt endlich duschen und mich anziehen kann."
„Na dann..."
„Wir sollten beim Frühstück erscheinen, gestern..."
„Ich weiß. Aber...ohne einen Kuss gehe ich nicht."
„Ohne würde ich dich auch nicht gehen lassen, es ist immer noch meine Wohnung."
Er ließ ihr keine Zeit mehr, sondern zog sie zu sich und küsste sie. Da sie immer noch nicht mehr als nur ein Handtuch vor sich hielt, musste er sich zwingen, sie loszulassen, sonst würden sie alles tun, nur nicht frühstücken.
„Hast du eigentlich mal deinen Kauz gesehen in letzter Zeit?", fragte sie, während sie sich anzog und er endlich vorankam. „Ich vermisse ihn."
„Nein", rief er. „Das Vieh macht was es will. Letztens hab ich ihn einmal gebraucht und er kam nach mindestens drei Rufen erst und hat mich völlig entnervt angeschaut. Danach ward er nicht mehr gesehen. Frage mich nicht, warum."
„Ich weiß auch nicht, Krummbein lässt sich auch nicht mehr blicken. Aber... Oh, ich gehe schon mal los. Bis...zwischendurch dann mal."
Sie ließ es sich aber nicht nehmen, noch einmal zu ihm zu gehen und ihm ein paar Wassertropfen wegzuküssen, was er innig erwiderte.
„Bis später."
Zehn Minuten hatte sie noch, die wollte sie nutzen, um Poppy wenigstens zu fragen, ob sie noch eine Bewerbung abgeben durfte, dann könnte sie sie heute noch fertig schreiben und spätestens morgen abgeben.
Hermione hetzte die Gänge entlang, die Stufen hinauf und polterte in die Krankenstation, wo Poppy glücklicherweise anwesend war.
„Hermione, ist was passiert?"
„Entschuldige, nein." Sie duzten sich seit...damals, wenn sie allein waren.
„Was ist los?"
„Ich..."
„Gerade heraus, Kind."
„Hat es noch Sinn, eine Bewerbung für ein Praktikum bei dir abzugeben? Ich bin spät, ich weiß, aber..."
„Hm, ich habe schon einen Stapel auf meinem Schreibtisch liegen, vor allem auch von außerhalb, die alle gerne hierhin möchten. Gib sie mir und dann sehen wir weiter."
Hermione senkte traurig ihren Kopf. So etwas war ihr noch nie passiert, aber ohne gewisse Dinge geklärt zu haben hätte sie diese Entscheidung auch nicht treffen wollen. Zur Not würde sie in ein Muggelkrankenhaus gehen und sich diese Zeit anrechnen lassen, das war nur nicht halb so gut für die Universität wie ein Praktikum hier.
Poppy sah ihr Dilemma und schmunzelte. „Ich dachte schon, du fragst nie! Nächste Woche hätte ich dich gefragt!"
„Wirklich? Oh danke, danke, Poppy."
„Freu dich nicht zu früh. Du wirst hin und wieder Dinge zu sehen bekommen..."
„Es gibt nichts Schlimmeres als das, was wir schon gesehen haben."
Sie seufzte. „Wie recht du hast, mein Kind, man versucht es nur immer wieder, zu vergessen."
„Dann darf ich dir morgen die Bewerbung noch bringen?"
„Du hast sie längst abgegeben."
„Wie?"
„Letztes Jahr, unser Geheimnis. Ich habe dich beobachtet, du hast Vielen geholfen und vor allem ihm. Das werde ich dir nie vergessen und du hast immer wieder nach ihm gesehen. Deine Art und dein Können reicht mir als Bewerbung aus. Wenn Minerva zustimmt, ist alles klar. Du bist die Beste, die ich mir wünschen kann, egal, wann du gefragt hast. Also ist es auch nicht unfair gegenüber den anderen, ich hätte dich sowieso genommen, weil ich nicht anders kann."
Hermione fiel Poppy um den Hals und löste sich schnell wieder, weil sie noch zum Frühstück wollte. „Ich muss los."
„Eines noch, Kind. Du hast immer nach unserem Sturkopf gefragt, wenigstens einmal im Monat oder so, nur seit einiger Zeit nicht mehr. Ich habe zwar mitbekommen, dass zwischendurch mal viel...Stress war, aber jetzt? Was ist los? Ihm geht es übrigens recht gut, wie mir scheint."
„Ja, wei...ähm... Ich...hatte so wenig Zeit und dann..."
„Das sieht dir nicht ähnlich, was ist los?"
„Nun...ich war öfter...zu Hause und dann noch die Prüfungen..."
„Vor Monaten waren keine Prüfungen."
„Nein, aber es ist etwas dazwischengekommen, das..."
„Kleine rote Bäckchen, sieh einer an!", strahlte Poppy. „Wenn das mal nicht ein untrügerisches Zeichen von akuter Liebeskrankheit ist."
‚Das wird ja immer besser', dachte sie noch bei sich. Ihr Severus verhielt sich auch so komisch in letzter Zeit und sie grübelte immer noch über das Top, das bei ihm am Kamin gehangen hatte. Sie musste ihn unbedingt einmal richtig...interviewen. Und jetzt noch ein weiterer ihrer Lieblinge...noch einer glücklich...was konnte man sich mehr wünschen? Sie konnte ja nicht ahnen, dass die beiden Krankheitsbilder direkt miteinander verbunden waren.
„Wer ist es?"
„Ähm..."
„Ich möchte auch mal etwas Schönes hören, und nicht nur immer von laufenden Nasen oder schief hängenden Armen."
„Er...es..."
„Ist ja noch schlimmer, als ich dachte. Dann sag mir wenigstens, wie er ist, ich möchte nur das Beste für meine zukünftige Assistentin. Außerdem müssen wir ja demnach die Dienstpläne ausarbeiten, oder nicht?"
Hermione grinste fröhlich. So ein Glück hatte nicht jeder.
„Er ist...für mich...genau richtig. Intelligent, ein Gentleman, ein guter Job, mutig, intelligent..." Sie wiederholte einfach die Worte, die sie im Gespräch mit Harry bereits gewählt hatte.
„Wenn das mal nicht ein Glückstreffer ist. Du musst mir bald mehr erzählen."
„Hm."
„Ich rede mit Minerva."
„Danke nochmal, Poppy, danke."
„Nun geh."
„Mine! Da bist du ja, komm, Harry, rutsch mal, sie setzt sich hierhin.", ordnete Ginny an, die schon seit gestern ganz hibbelig war.
Harry rutschte und ihm verrutschte gleichzeitig die Brille. Hermione war den restlichen Sonntag nicht mehr aufgetaucht und er fragte sich, ob ihm seine Augen gestern nicht doch einen Streich gespielt hatten. War es nun wahr oder nicht? Vielleicht war sie nur in der Bibliothek gewesen, wie sie es vorgehabt hatte? Möglichst unauffällig versuchte er, sie sich anzusehen und irgendwelche Anzeichen zu entdecken, aber er fand keine. Nun ja, er hatte ja auch nicht die Augen einer Frau. Allerdings hatte er Harrys Kopf, und der befahl ihm, aufzustehen und zu Luna rüberzugehen, ob sie nicht nochmal ihre nette Brille holen würde. Sie tat es, weil sie es selber längst vorgehabt hatte seit der Geburtstagsfeier.
„Was ist passiert?", flüsterte Ginny und Hermione konnte das sofort erscheinende Grinsen nicht verhindern.
„Gut, sehr gut, ich wusste es. Es ist alles gut, nicht?"
„Hm.", seufzte sie nur und goss sich gedankenverloren ein Glas Kürbissaft ein.
„Was? Lass mich doch nicht im Regen sitzen. Ich sehe, bei Merlin, verliebte Frauen sehen immer noch hübscher aus. Was habt ihr... Ach lass mal, ich kann es mir denken. Das müssen wir bereden, wenn wir allein sind. Glaub nicht, dass du mir davon kommst."
Ginny brabbelte weiter, und in der Zwischenzeit hatten Hermione und die anderen fast zu Ende gefrühstückt. Zwischendurch versuchte sie immer wieder, einen Blick zum Lehrertisch zu erhaschen, wo Severus ganz offenbar in einem Wechselbad der Gefühle saß – heute Morgen schien jeder etwas von ihm zu wollen. Was, konnte sie nicht sagen, denn man konnte die unterschiedlichsten Ausdrücke auf seinem Gesicht sehen, was so gut wie nie vorkam.
„...unbedingt machen, am besten mal heute Abend, falls ihr mal nicht...du weißt schon. Soll ich rüber oder kommst du oder...?"
Die Hälfte hatte sie gar nicht mitbekommen von dem, was Ginny alles erzählt hatte. Aber sie wusste ja, worum es ging und strahlte weiter vor sich hin, was sie besser nicht getan hätte.
„Du bist die wahre Meisterschülerin unter ihm mittlerweile – im wahrsten Sinne des Wortes, Missy – du weißt wohl, wie du dein Gegenüber quälen kannst."
„Ist alles ok."
„DAS merke ich. WAS ist ok?" Ginny versuchte es einmal mit einem herzerweichenden Blick, dann wieder mit ungeduldigem Fingerklopfen auf dem Holztisch.
Hermione schob sich derweil einen Löffel Müsli in den Mund und nuschelte vor sich hin. Sie musste es loswerden, ob sie wollte oder nicht, ob es leichtsinnig war oder nicht.
„Er hat gesagt er liebt mich."
„Was hast du gesagt?"
„Er hat gesagt er liebt mich."
Ginnys „OH BEI MEEERLIN WIE COOL IST DAS DENN" war fast in der ganzen Halle zu hören und sie hatte die Aufmerksamkeit etlicher Schüler und ein paar Lehrer, die aber mit der Zeit gelernt hatten, das so etwas hin und wieder vorkommen konnte. Glücklicherweise war Severus zu abgelenkt, um die Szene genauer zu beobachten.
„Er-hat-es-gesagt?"
„Schschttt."
„Das ist Folter. SAG ES!"
„Ja, hat er, gestern, auf der Wiese..."
„Wirklich? Ooooooooh ist das süß."
Ginny trat ein Tränchen ins Auge und sie schnäuzte sich geräuschvoll die Nase. „Du musst mir alles ganz genau erzählen, bitteee. Kannst du denn nicht mal einen Abend..."
„Heute Abend hat er Aufsicht, da..."
„Klasse, ich kann es nicht erwarten." Dann umarmte sie Hermione heftig und rannte aus der Großen Halle.
„Was ist denn mit ihr los?", fragte Harry, der gerade zurückkam und starrte seiner Freundin hinterher.
„Weiß nicht.", bekam er zur Antwort und sie wusste wirklich nicht, warum sie so plötzlich hinausgelaufen war.
Ginny wusste es allerdings ganz genau. Sie wollte endlich wieder ihr Versprechen einlösen, Mrs. Tenerhale auf dem Laufenden zu halten. Schnell lief sie zur Eulerei hinauf, um einen Zettel zu kritzeln, dass alles in allerbester Ordnung bei dem schwierigen Fall war.
„Und was ist mit dir, Mine?"
„Alles ok, Harry, wie gesagt, sehr ok...perfekt."
„Perfekt?"
„Oh ja, besser könnte es nicht sein."
„Wo warst du noch so gestern?"
„Ich? Äh...ich war...Bibliothek, weißt du doch."
„Und deshalb bist du so glücklich?"
„Ähm, ja.", sagte sie unsicher und überlegte, was mit Harry los war.
Sie entschied sich in der Zwischenzeit noch für einen Schokomuffin, denn heute war eigentlich der perfekte Tag für einen Schokomuffin. Während sie vor sich hinkaute, kam Luna an den Tisch, um Harry die Brille zu reichen, die sie schnell geholt und schon aufgesetzt hatte, als sie in die große Halle zurückging. Sie hatte sich intuitiv Hermione vorgenommen und hätte beinahe die Brille sofort wieder abgenommen, weil sie so geblendet wurde. Der schwarze Schleier, der vor ein paar Wochen noch über ihr gelegen hatte, war weg und jetzt leuchtete sie in...weiß! Noch nie hatte die alte Brille von Tante Vif diesen Farbton angezeigt, immer waren es die verschiedensten Rottöne gewesen und Luna wusste es nicht richtig zu deuten, aber es schien etwas Gutes zu sein.
Gerade als sie sie abnehmen wollte und sich ein wenig drehte, stutzte sie und rückte die Brille ein wenig zurecht. Noch ein weißes Licht mit einem ganz leichten, grau-schwarzen Rand an den äußersten Enden – und zwar vom Lehrertisch. Von...Snape! Luna legte den Kopf schief und sagte von da an kein Wort mehr, weil sie mit ihren eigenen Grübeleien beschäftigt war. Sie reichte Harry die Brille und verschwand hüpfend und sichtlich...abwesend zurück an ihren eigenen Tisch.
Harry verfolgte Lunas Abgang und setzte sich dann selbst das ungewöhnliche Teil auf. Zuerst suchte er wohlweißlich das Ravenclaw-Paar Meralind und Jason und die glühten in einem einheitlichen Farbton, einem leicht ins lila gehende rot. Soweit, so gut. Noch ein paar weitere Tests bei Leuten, bei denen er sich sicher war und dann drehte er sich zu Hermione und fiel fast von der Bank, so gleißend hell war ihr Schimmern. In dem Moment stand sie auf, weil sie fertig war und ging hinaus, um sich noch einmal die Hände zu waschen und dann langsam zum Unterricht zu gehen.
„Was zum..."
„Was is?", fragte Ron mit dem Mund voller Cornflakes.
„Ach, nichts, Lunas Brille..."
„Gibt's was Neues?"
„Hm...nichts...was ich nicht schon vorher mal...äh...gedacht hätte." Er konnte wohl kaum irgendetwas anderes sagen und vor allem nicht jetzt.
„Das blöde Ding funktioniert doch eh nicht, hast du doch damals bei der Miesmuschel gesehen, konnte doch gar nicht sein, dass so einer wie der leuchtet.", ätzte Ron und aß weiter. Offenbar hatte er keinerlei Interesse, selbst noch einmal nachzusehen. Gut so für alle.
‚Apropos Miesmuschel...', dachte Harry und nahm den Lehrertisch in Augenschein – im wahrsten Sinne des Wortes.
„Bei allen Göttern!"
Noch ein Hinweis, noch ein Beweis. Harry sackte auf der Bank zusammen und legte die Brille auf den Tisch.
„Was ist jetzt schon wieder? Wieder das Ding? Doch was Neues? Gib mal her."
„Nein, nein, Ron, alles wie immer. Ähm, ich hab nur...einen Absatz für den Aufsatz vergessen, den ich noch hatte schreiben wollen. Nicht der Rede wert. Ist mir gerade eingefallen."
„Ach so. Dann lass uns gehen."
Wortlos reichte Harry Luna beim Hinausgehen noch ihre Brille und die grinste. „Nun, mein Freund, alles gesehen?"
„Ähm." Er schüttelte unmerklich den Kopf und Luna verstand. Sie war sowieso nicht eine, die etwas herumerzählte, aber sie schien es zu wissen. „Genauso viel wie ich, schätze ich."
„Mag sein. Geheim wie die DA?", flüsterte er ihr zu.
„Absolut. Meine Brille wird verschwinden, Harry, dass man sie genauso schwer findet wie ein Horkrux.", bestätigte sie und drehte sich weg, als wenn nichts gewesen wäre.
Man konnte wirklich von Glück sprechen – zumindest der Gryffindor-Tisch – dass die Lehrer oder Snape höchstpersönlich nicht viel von den Aktivitäten mitbekommen hatten, denn die waren mehr als ungewöhnlich und auffällig gewesen und er hätte aufgrund seiner Erfahrung mit Geheimnissen sich sicher das eine oder andere zusammenreimen können und wäre dann vermutlich in leichte Panik ausgebrochen. So müsste er seinen Kollegen eigentlich dankbar sein, aber da er nichts wusste, war er alles andere als dankbar, denn sie hatten ihm ganz schön zugesetzt an diesem Morgen:
Durch Hermione war Poppy wieder auf ein Thema gekommen, das sie schon lange hatte ansprechen wollen, so ganz nebenbei und so hintenrum wie möglich. Jetzt konnte sie nicht mehr abwarten und freute sich, als er sich endlich an den Frühstückstisch niederließ und ein „Guten Morgen" in die Runde verlauten ließ.
Es dauerte ein paar Sekunden, bis es in das ein oder andere Hirn vorgedrungen war. Poppy starrte ihn an, dann schaute sie zu Minerva und ein paar anderen und die starrten ihren allseits morgen- oder eher immer-muffeligen Tränkemeister ebenfalls an.
„Dir auch einen guten Morgen, Severus." Poppy war die erste, die die Sprache wiederfand.
„Was meinst du mit dir auch?", fragte er nunmehr wieder gekonnt genervt zurück.
Sie stöhnte. „Du kamst wunderbar beschwingt mit einem leichten Lächeln auf den Lippen hier herein und hast auch noch gegrüßt!"
„Das habe ich nicht!"
„Und wie du es hast, frag die anderen. Da, sieh, Minerva guckt immer noch."
„Schulleiterin, nerv nicht, kümmere dich um dein eigenes Frühstück und schieb den Kaffee herüber."
„Wir haben wohl geträumt. Und bitte.", stellte McGonagall fest und schob mit einem schiefen Grinsen die Kaffeekanne über den Tisch.
„Danke.", giftete Severus zurück und ignorierte wohlwissend ihr Bitte.
Nach seiner ersten Tasse Kaffee hielt es Poppy nicht mehr aus und fragte ihn leise. „Wie geht es dir, Severus?"
„Wie immer."
„Das stimmt nicht. Du strahlst und...ich möchte meinen, du wirkst glücklich in letzter Zeit."
„Du hattest schon immer eine gute Einbildung."
„Ich kenne dich schon Jahrzehnte, mein Junge, und ich bin nicht blöd."
„Habe ich nicht behauptet."
„Nun...wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, du hast ein kleines Geheimnis."
Ganz kurz zuckte er zusammen und Poppy merkte es natürlich.
Wie konnte sie nur so viel wissen? Lag es nur daran, dass sie eine Frau war oder woran sonst?
„Ich habe viele Geheimnisse."
„Auch ein Süßes?", flüsterte Poppy fast unhörbar.
Daraufhin spuckte Severus seinen Schluck Kaffee quer über den Tisch und Flitwick nahm eine Serviette, um die Tröpfchen wegzuwischen – nicht im Traum hatte er gerade an seine magischen Fähigkeiten gedacht, weil er fast so gute Ohren wie sein Kollege hatte.
‚Darauf läuft es also hinaus, ich wusste es.', dachte Filius für sich und versuchte, weiter zu lauschen.
Sie setzte noch einen drauf. „Ein hübsches Top hattest du da am Kamin hängen, die eine Nacht. Wenn du es nicht selbst trägst, was ich nicht vermute, finde ich es...ganz wunderbar, mein Lieber."
Severus' folgender Hustenanfall war filmreif und brachte wieder alle Augenpaare dazu, sich zu ihm zu wenden.
„Severus, hast du dich etwa verschluckt?", fragte Minerva und kräuselte ihre Lippen. Sie fand das Schauspiel wunderbar und sie ahnte, was die beiden für ein Gespräch führten, hatte sie sich doch neulich auf der Krankenstation so köstlich mit Poppy bei einem Glas Elfenwein über die besagte Nacht unterhalten, in denen sie beide das Gleiche bei Severus in der Wohnung gesehen hatten. Da hatten sie schon sämtliche Vermutungen geäußert und sich das Gehirn zermartert, wer diejenige sein könnte. Sie waren auf nicht ein annähernd zufriedenstellendes Ergebnis gekommen und wollten unbedingt mehr wissen. Sie konnten einfach nicht anders. Minerva hoffte, dass Poppy etwas herausfinden würde.
„Guck nicht so."
„Ich gucke nicht, Severus. Und du brauchst auch nicht mehr zu antworten – vorerst. Dein Hustenanfall war mir Antwort genug. Ach, ich hätte da ein Mittelchen, falls dein Hals nun des Öfteren in Mitleidenschaft gezogen wird. Du kannst dann zu mir kommen und ich...behebe das Dilemma. Dazu brauchst du nichts weiter als mir ein paar...Kleinigkeiten zu sagen, aus denen ich dann eine genaue Diagnose und darauf aufbauend eine Therapie, oder besser noch, die weitere Vorgehensweise für dich zusammenstellen kann, damit die Sache auch zum größtmöglichen Erfolg führt, verstanden?"
Der giftige Blick von ihm ließ sie schmunzeln und sie wusste, dass sie im wahrsten Sinne ins Schwarze getroffen hatte. Jetzt hieß es abwarten und...auf weitere Symptome achten.
Flitwick hatte mehr als die Hälfte mitbekommen und begann, ein paar imaginäre Puzzleteilchen zusammenzustecken. Sie hatten welche, er hatte welche, doch zusammen war das noch kein ganzes Bild. Unbedingt musste er endlich mit seinem Kollegen sprechen, er konnte es nicht noch länger hinauszögern. Ihm ging es zwar offensichtlich wieder gut, aber die ganzen letzten Wochen waren dermaßen seltsam gewesen, dass sich ein klein wenig der Sorge noch hartnäckig hielt – und der Neugierde, wie er zugeben musste. Die ganze Zeit hatte er schon über das Zusammentreffen in den Osterferien nachgedacht und war nicht dahintergekommen, was Severus damals vorgehabt hatte. Und dann – neulich Abend – hatte er doch tatsächlich ein paar Klänge des Flügels aus der Wohnung seines Kollegen dringen hören. Das hatte ihn dermaßen überrascht, dass er sich keinen Reim darauf machen konnte. Er hatte doch nicht das Instrument für sich selbst gewollt oder nahm er heimlich Unterricht? Die Vorstellung war zu köstlich und Flitwick rotierte fast bei dem Gedanken, wie, wann, warum und vor allem von wem das vonstatten ging.
Zur Erleichterung von Snape ging die Frühstückszeit dem Ende zu und die Schulleiterin erhob sich, um eine Ankündigung zu machen. Sie hob den Zauberstab an ihren Hals und sprach einen Sonorus.
„Meine lieben Schülerinnen und Schüler – hört mir mal alle zu:
Am kommenden Freitag, dem Tag der Sommersonnenwende, fällt der Unterricht entgegen des Jahresplans aus. Ich habe beschlossen, dass ein Tag unseren Zeitplan nicht durcheinanderbringen kann und wir alle – nicht zuletzt wegen der seltenen Sonnentage in Schottland – einen Tag Urlaub gebrauchen können. Außerdem breche ich nicht gerne mit Traditionen."
Ihr etwas strenger gesprochener Nachsatz ging fast im Jubel unter. „Und die Siebtklässler werden ihn sicherlich im Hinblick auf die Prüfungen zu nutzen wissen!"
Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, erhob sich Severus und beeilte sich, das Inquisitions-Frühstück zu verlassen, um seinen langen Tag zu beginnen.
Am Abend ließ er naheliegenderweise das Essen in der Großen Halle ausfallen – die Chance auf Einsamkeit war relativ gering – und korrigierte ein paar Aufsätze, bevor er zur Aufsicht hinaus in die Flure musste. Kaum war er dann später aus seiner Tür getreten, überraschte ihn sein Kollege.
„Severus!"
Snape zuckte zusammen. Sonst war er doch nicht so schreckhaft, aber er wurde nur äußerst selten hier unten begrüßt.
„Flitwick... Was machst du hier? Hast du mir etwa aufgelauert?"
„Wie schön dich zu sehen. Ich kam zufällig hierher." Ganz zufällig hatten ihn seine Füße genau in den Kerker vor Snapes Wohnung getragen.
„Du bewegst dich auf dünnem Eis."
Der kleine Professor ignorierte oder parierte – wie so oft – die Art seines Lieblingskollegen.
„Und das im Sommer! Wer hätte das gedacht. Wie auch immer. Du hast dich in den letzten Wochen sehr rar gemacht. Was war los? Was ist los? Geht es dir besser?"
„Wie du siehst."
Das hatte ihm auch noch gefehlt, eine weitere Befragung auf seinem Kontrollgang, wo er nicht weglaufen konnte.
„Dir ging es schlecht an jenem Abend, als ich bei dir war, das kannst du nicht verleugnen."
„Es-ist-besser."
„Das freut mich. Und wie geht es dir sonst?"
„Flitwick, was willst du?"
„Nichts, Severus, außer eine Antwort auf meine Frage. Darf ich mir keine Sorgen machen?"
„Unnötig."
„Als ich dich in den Ferien getroffen hatte, schienst du fast fröhlich zu sein...was ist danach passiert?"
„Nichts."
„Natürlich nicht. Was ich gerne wissen wollte..."
Snape atmete tief und genervt ein. „Ich habe Patrouille, nicht du!"
„Darf ich nicht hier herlaufen?"
„Tu was du nicht lassen kannst."
‚Das wird nichts.', dachte Flitwick und versuchte es auf die direkte Art: „Du hast mich damals gefragt, ob in Hogwarts ein Flügel steht. Hast du Erfolg gehabt?"
Snape schwieg beharrlich und so gingen sie Seite an Seite durch die Gänge. Das ließ ihn wieder an den Abend zurückdenken, der ihm schon am Morgen im Sinn gewesen war – eigentlich nicht nur am Morgen, sondern schon einige Zeit seit dem Ereignis. Der Abend, an dem er zum zweitenmal etwas eigentlich Unmögliches gehört hatte:
Flitwicks Erinnerung Anfang
Professor Flitwick ging auf seiner Runde eigentlich selten oder nie in den Kerker, denn wenn sich Schüler im Schloss herumtrieben, dann gewiss nicht dort unten im Reich der Oberschlange. Flitwick kicherte. Nein, dorthin würde sich sicher keiner freiwillig begeben, nicht mal freiwillig verlaufen...das war bisher noch nie vorgekommen.
Als er gerade in der Nähe des Labors war, blieb er abrupt stehen. Sonst herrschte absolute Stille dort unten, aber was waren das für Geräusche? Zuerst schüttelte er den Kopf, doch als er weiterging in Richtung des Büros seines Kollegen, wurde es lauter. Er hatte es in einer der vorherigen Nächte schon einmal gehört. Ja, genau, in der Nacht, als der Zweitklässler aus Slytherin in den Verbotenen Wald verschwunden war. Da hatte er auch Aufsicht gehabt und war hier vorbeigekommen – ausnahmsweise.
Musik, gespielt auf einem Instrument, dass interessanterweise einem Klavier oder einem Flügel sehr ähnlich war.
Flitwicks Erinnerung Ende
„Wie lange willst du noch neben mir herlaufen? Übernimmst du meinen Dienst, Fi-li-us?"
Die Ansage seines Kollegen holte ihn wieder aus den Gedanken.
„Ach, nur solange ich noch keine Antwort von dir habe."
„Du bist ein Slytherin!"
„Was du nicht sagst.", meinte der Hauslehrer der Ravenclaws.
„Ja, verdammt, ich hatte Erfolg und damit war's das, du kannst verschwinden."
Die schroffe Art prallte schon Jahre an ihm ab – auch daran konnte man sich gewöhnen.
„Ich habe es gehört, lernst du etwa Klavierspielen? Das ist bei uns nicht gerade gewöhnlich. Bei wem?" Noch länger konnte er seine Neugierde nicht mehr zurückhalten.
„Ich-lerne-nicht."
„Woher kommen sonst die Töne aus deinen Räumen?"
„Welche Töne?"
„Ich bin klein, aber nicht taub, Mister-Oberschlau!"
Severus wurde es warm, obwohl die Hitze von draußen nicht überall im Schloss ankam. Wann hatte Flitwick Hermione spielen hören? Vor allem, hatten sie nicht immer an den Schallschutz gedacht? Sie beide wussten ja, dass das große Instrument recht laut werden konnte – viel lauter als menschliche Stimmen. Dann hatten sie es wohl einmal vergessen oder der eine hatte sich auf den anderen verlassen. Jetzt lag es an ihm, das Dilemma in die richtige Richtung zu drehen.
„Ich...habe hin und wieder Musik gehört, wenn ich in der Muggelwelt...unterwegs war, und da dachte ich...es wäre schön, die Möglichkeit öfter zu haben. Also...habe ich etwas gesucht und gefunden – schien ja keiner zu brauchen und keinen zu interessieren."
„Und du hast eine Möglichkeit gefunden, ihn zum Spielen zu bringen?"
„Äh, ja, in gewisser Weise. Ja!" Lieber verschwieg er, dass er auch noch einen CD-Player in seiner Wohnung hatte, den er mittlerweile auch zum Spielen brachte – nicht nur mit Gefühl, wie zu Anfang.
„Ah tatsächlich?"
„Tatsächlich, stell dir vor."
Als Flitwick merkte, dass – zumindest an diesem Abend – der Strom an Informationen erschöpft war, verabschiedete er sich mit einer Ausrede und ging in seine eigene Wohnung, um zu...puzzeln.
Severus kannte seinen Kollegen gut genug um zu wissen, dass das noch nicht alles gewesen war. Viele machten den Fehler, ihn zu unterschätzen, und das hatte er diesbezüglich gerade – oder vielmehr in den Ferien – gemacht. Filius interessierte sich für Musik, das wusste jeder, und deshalb wollte er natürlich alles wissen, was im Zusammenhang damit stand. Allerdings hatte er auch so einen komischen Gesichtsausdruck gehabt, der Severus erschreckenderweise an Poppy und Minerva erinnert hatte. Grübeln nützte jetzt allerdings auch nichts, denn er konnte nur reagieren, nicht agieren, ohne sich selbst zu verraten.
Nach zwei weiteren Stunden der Kontrolle ging er müde zu Bett und freute sich auf Hermione, die er am nächsten Morgen wieder zum Unterricht sehen würde.
Am Dienstag mussten sich die Kindergeburtstagsgäste beeilen, weil sie noch bis auf die letzten Sekunden nach dem Frühstück an ihrer Strafarbeit gearbeitet hatten und verzweifelt Argumente austauschten, was sie über die Unsinnigkeit ihrer Spiele bloß aufschreiben sollten. Hermione hatte den Aufsatz bereits seit Montag fertig und betrat als Erste das Labor und ging zu ihm ans Pult. Von weitem hörte sie schon ihre Mitschüler kommen und murren. Natürlich hatten sie vergessen, wie er ihnen entgegengekommen war und dass sie wirklich – im Gegensatz zu früher – mehr als glimpflich davongekommen waren.
„Du entschuldigst dich letzte Woche für einen eigenen Fehler, was die Welt noch nicht gesehen hat, dann lässt du sie so glimpflich davonkommen bei der Party und sie vergessen es wieder und murren immer noch, es ist unglaublich. Ich dachte, du hättest sie mal endlich alle überrascht.", flüsterte sie ihm zu.
„Das hier war ja nur für den Kindergeburtstag. Die Strafe für letzte Woche bekommt ihr noch, das muss sein – und außerdem – das werden wir ja sehen, was sie überrascht und was nicht in Zukunft...", überlegte er laut und Hermione wurde aus seinen kryptischen Formulierungen nicht ganz schlau.
„Du wirst doch nachträglich keine Punkte mehr dafür abziehen?"
„Nein, das sicher nicht, nur ein Test."
„Ach nein...", stöhnte Hermione und erntete nur eine hochgezogene Augenbraue.
„Aber sie werden sich noch...umdrehen, nur eine Frage der Zeit.", erklärte er weiterhin leise und seine Mundwinkel zuckten dabei.
„Aha..."
Während Hermione zu ihrem Platz ging, überlegte sie, wie er es anstellen wollte, sie alle zu überraschen. Das mit der Entschuldigung für sein Schläfchen während der Stunde war doch schon ein Weltwunder gewesen – eigentlich schon zwei. Sie kannten ihn schon acht Jahre lang, da würde es schwierig werden.
Die Überlegungen musste sie unterbrechen, denn er kündigte den weiteren Straftest an und das verleitete sogar manche dazu, sich laut zu beschweren, was dann dem jeweiligen Haus letztendlich doch noch ein paar Punkte kostete.
„Haben sie etwa vergessen...", begann er leise und bedrohlich wie immer, „...was in der letzten Stunde passiert ist? Haben sie gedacht, sie kämen davon, nur, weil ich mit meinem Umhang beschäftigt war, den ein paar von ihnen gedachten, mit Säure zu zerstören? Das war unverantwortlich, so unachtsam mit giftigen Rückständen und ätzenden Subtanzen umzugehen! Man glaubt fast, sie kennen mich nicht. Fangen sie an, die verlorene Zeit lässt sich wohl kaum aufholen."
Nicht nur die Klasse hatte keine Lust, sondern Hermione hatte noch weniger Lust als alle anderen, seit er das Thema des Tests verkündet hatte. Sie kannte das alles schon auswendig und sie hätte sich hundert Dinge ausmalen können, was sie lieber tun würde als das Ganze aufzuschreiben, von dem er wusste, dass sie jedes Detail im Schlaf aufsagen könnte.
Für ein paar kurze Sekunden fühlte sie seinen Blick auf sich ruhen, weil er sah, dass sie nicht einmal die Feder in die Hand genommen hatte. Dann musste sie sich wohl fügen, denn andernfalls würde es auffallen.
Nachdem sie die ersten Sätze geschrieben hatte, wurde es ihr zu blöd und sie wagte selbst eine Überraschung. ‚Du hast eine angekündigt, aber ich bin zuerst.', dachte sie grinsend. Die letzten Tage schienen prädestiniert für Neuerungen und Überraschungen zu sein.
Hermione zerknüllte das Pergament und nahm sich ein neues, was ihr einiges an Aufmerksamkeit einbrachte. Snape zog eine Augenbraue hoch und ermahnte sie damit still zur Weiterarbeit.
‚Ok, wenn du es so willst…', dachte sie bei sich und nahm wieder ihre Feder, ‚…dann schreibe ich…'
Allerdings konnte der Professor nicht im Geringsten ahnen, was er gleich zu Lesen bekommen würde.
Wie immer war sie die erste, die die Strafarbeit abgab und er wusste, dass sie wahrscheinlich wieder eine wissenschaftliche Abhandlung mit der besten Note geschrieben hatte in der relativ kurzen Zeit. Deshalb wollte er ihre Arbeit nur kurz überfliegen und sie dann wie üblich abzeichnen, damit er in der verbleibenden Zeit die Klasse im Auge behalten konnte...oder den ein oder anderen Blick auf sie werfen konnte.
Er begann zu lesen und schon nach den ersten Wörtern hob er ungläubig eine Augenbraue, später die zweite und bald darauf verkrampfte sich seine Hand.
SSHGSSHGSSHGSSHGSSHGSSHGSSHGSS
Da Sie und ich, lieber Herr Professor, die Zubereitung und die Wirkung des Multomagis-Animus-Trankes im Schlaf aufsagen könnten, werde ich heute einen wissenschaftlichen Aufsatz zu einem in der Muggelwelt beheimateten, aber dennoch mit Zaubertränken verwandten Thema eruieren:
Fachbereich: Organische Chemie
Thema:
Die Wirkung von C2H5OH auf den menschlichen Orga(ni)smus"
Probanden:
Person, männlich, 30-40 Jahre; Person, weiblich, 18-25 Jahre
Versuchsraum:
Wahlweise Zutatenlabor, „Schlaflabor" o.ä.
Eigene Vorschläge der Probanden können berücksichtigt werden.
Chemische Komponenten:
C2H5OH – Spezialisiert nach Vorlieben der Probanden, z.B. Rotwein, Weißwein oder Sekt
Biochemische Komponenten:
Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin
Versuchsvorbereitung und Versuchsanordnung:
Den Probanden wird eine bestimmte Menge C2H5OH im Versuchsraum zur Verfügung gestellt und sie sind von diesem Zeitpunkt an verpflichtet, sich den Gegebenheiten anzupassen, den Versuch ohne Mithilfe von Dritten durchzuführen und die Ergebnisse soweit festzuhalten, dass sie ggf. für spätere Wiederholungen bzw. Ausarbeitungen abrufbar sind.
These:
Die Zuführung einer überdurchschnittlichen Menge C2H5OH, im Folgenden Alkohol genannt, kann bei Probanden in o.g. Altersstufen unvorhergesehene bzw. unbeabsichtigte Aktionen und Reaktionen auslösen. Diese Wirkung wird vor allem dann verstärkt, wenn die Probanden sich bereits kennen und zudem den Versuchsraum aus unterschiedlichen Gründen nicht verlassen können.
- Aktionen:
Fallen je nach Teilnehmern sehr unterschiedlich aus und werden an dieser Stelle nicht genannt, da keine Beeinflussung der Probanden stattfinden soll.
- Reaktionen können sich wie folgt darstellen:
Veränderung der Vitalparameter wie z.B. erhöhte Atem- und Herzfrequenz, erweiterte Pupillen, Piloerektion, Tremor, vermehrte Schweiß(Pheromon)- und Adrenalinproduktion, unkontrollierbare Lautäußerungen, Nervosität, Ungeduld sowie geschlechtsspezifische Reaktionen.
Möglicher Versuchsverlauf – Variation 1:
Die Probanden zeigen keinerlei Interesse an der chemischen Komponente und der Versuch muss abgebrochen werden.
Möglicher Versuchsverlauf – Variation 2:
Nur einer der Probanden zeigt Interesse an der chemischen Komponente.
Dieser Verlauf stellt die größtmögliche Schwierigkeit dar, da ein Ungleichgewicht zwischen allen Komponenten herrscht und kompensiert werden muss.
Variation 2a):
Männlicher Proband zeigt kein Interesse an der chemischen Komponente:
Die weibliche Testperson hat nun die Aufgabe, das Ungleichgewicht zu kompensieren. Dazu stehen ihr folgende Möglichkeiten zur Verfügung:
Nach Zuführung eines weiteren Glases C2H5OH bei sich selbst zum Ausgleich der inneren, biochemischen Werte, sollte zur Unterstützung eine motorisch-visuelle Stimulation des Probanden in Betracht gezogen werden. Dazu entledigt sich die Probandin nach und nach und mit größtmöglicher Langsamkeit sämtlicher Kleidungsstücke. Erfahrungswerte aus früheren Testreihen belegen, dass dies die bei der männlichen Testperson fehlende Komponente C2H5OH ausgleichen kann und dieser sich dann im Folgenden so verhält, dass die körperlichen Anzeichen denen gleichen, die sonst mit der chemischen Komponente hätten erreicht werden können. Dazu gehören in diesem Stadium vor allem vermehrte Schweißproduktion sowie innerliche Unruhe und körperliche Anspannung.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin – nach Umsetzung der gleichen, o.g. Vorbereitungen – dass die Probandin ihrerseits dem Probanden langsam die Kleidung entzieht und sich anschließend auf eine motorische Stimulation der männlichen Testperson einstellt, die bestmögliche Ergebnisse erbringt, wenn sich die Probandin hauptsächlich der mittleren Körperregion widmet, indem sie dem Probanden zunächst langsam, danach mit stetig steigerndem Tempo, mit ihren Händen und ggf. auch oral, die Merkmale der körperlichen Erregung visualisiert.
Variation 2b):
Weibliche Probandin zeigt keinerlei Interesse an der chemischen Komponente:
Die männliche Testperson hat nun die Aufgabe, das Ungleichgewicht zu kompensieren. Dazu stehen ihr folgende Möglichkeiten zur Verfügung:
Sanfte Küsse und stetiges Berühren des Haut-Organs können bei weiblichen Testpersonen das Fehlen der chemischen Komponente ausgleichen und haben oftmals die gleiche Wirkung.
Eine weitaus drastischere, zuweilen jedoch äußerst wirkungsvolle Methode ist die ausgeübte Dominanz der männlichen Testperson. Dazu werden die Wünsche laut ausgesprochen sowie ein gesteigertes Tempo oder ein härter Grad der Durchführung gewählt, was die Probandin durchaus zum gleichen Ziel bringen kann.
Möglicher Versuchsverlauf – Variation 3:
Beide Probanden zeigen Interesse an der chemischen Komponente. Variation 3 stellt somit den größtmöglichen, wissenschaftlich verwertbarsten Verlauf dar und entspricht den Zielen der internationalen Standards.
Hierbei haben beide Testpersonen freie Entscheidungskraft und können sich sowohl aktiv als auch passiv verhalten und/oder die Rollen während der Testphase tauschen. Für ein repräsentatives Testergebnis ist es erforderlich, sich den internationalen Standards im Bereich der Aktivitäten anzupassen und breitgefächerte, multikulturelle Systeme anzuwenden. Dazu gehören z.B.: Französische, schwedische, russische, spanische o.a. Systeme, die möglichst alle in einer Testreihe angewandt werden sollten, wobei die Reihenfolge von den Testpersonen festgelegt werden kann.
Startzeitpunkt des Versuchs:
Wissenschaftlich: Ab sofort möglich.
Terminverständigung erforderlich.
Status:
Probanden anwesend und instruiert.
Beweise ausstehend.
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Einen Teil der Reaktionen aus der Liste hatte er schon hinter sich, als er das Pergament auf sein Pult zurücklegte.
‚Das hat sie nicht wirklich geschrieben und abgegeben.', dachte er und wurde durch ihren Blick, der mit einem ganz leicht anzüglichen Grinsen untermauert wurde, eines Besseren belehrt. Mit der flachen Hand wischte er sich über die Stirn und knöpfte sich den obersten Knopf seines Hemdkragens auf. Dadurch wurde seine Hand wie ferngesteuert dazu gebracht, ein Ohnegleichen unter den Aufsatz zu schreiben, genauer gesagt ein O unter Vorbehalt wegen ausstehender Beweise.
Danach nahm er seinen Zauberstab, kopierte das Pergament, faltete das Duplikat und verstaute es sorgfältig in seinen Gehrock. Irgendwann würde er es gebrauchen – und zwar jede einzelne Variation außer Nummer 1 – ziemlich bald.
Ohne ein Wort legte er ihr das Pergament auf den Tisch und drehte sich auf dem Absatz um. Sofort riss Hermione das Blatt an sich und grinste noch breiter. Beinahe hätte sie ihm zugezwinkert, als er wieder vorne saß, aber das wäre dann doch zu gefährlich gewesen.
Leider brauchte der Rest der Klasse recht lang, um fertig zu werden. So hatten sie keine Zeit mehr, sich zu sprechen und die ganze Klasse musste sich beeilen, in den nächsten Unterricht zu kommen.
Nur abends hatten sie kurz Zeit, sich vor dem Abendessen in einer kleinen Nische bei dem Nebeneingang zur Großen Halle zu unterhalten:
„Du standest nicht zufällig unter Einfluss von C2H5OH heute Morgen, Hermione?"
„Nicht dass ich wüsste.", überlegte sie scheinheilig.
„Du bist eine Slytherin, wie ich bereits feststellen konnte. Glaub ja nicht, dass ich deine These ohne Testreihe akzeptiere."
„Akzeptiert. Lass mich wissen, wenn die Testreihe beginnt.", sagte sie und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.
„Das wirst du merken!
Aber jetzt etwas anderes:
Hast du gestern die Ankündigung von Minerva mitbekommen, dass sie den Feiertag doch freigibt? Eigentlich war dieser wieder zum Aufholen der Schulzeit angedacht, aber in Anbetracht des schönen Wetters, wie sie sagte, ist der Freitag frei.
„Habe ich nebenbei mitbekommen. Ich war nicht ganz...bei mir."
„Wieso?", fragte er scheinheilig und küsste sie schnell.
„Ach, nichts weiter. Mein Leben hat sich am Sonntag geändert, sonst war nichts. Hast du Pläne für die Sommersonnenwende?"
„Hm, da deine Prüfungen in vier Wochen stattfinden, solltest du mal zuerst Pläne haben und ich...werde die Tränkevorräte für Poppy endlich aufstocken und noch so einiges nachholen."
„Oh."
Er sah ihren enttäuschten Blick und lächelte in sich hinein. Kein Sterbenswörtchen würde zusätzlich über seine Lippen kommen. Seit seine Chefin die Ankündigung schon vorab im Lehrerzimmer ausgehängt hatte, war in ihm eine Idee gereift, um sie einmal zu überraschen.
„Nun, wenn du meinst."
„Meine ich, Hermione.
Sehen wir uns heute Abend? Ich habe allerdings noch einen Stapel Arbeit hinter mich zu bringen."
„Professor McGonagall hat mich auf ein Gespräch zu sich gebeten, ich weiß nicht, wie lange das dauert. Schade. Ich vermisse dich jetzt schon."
„Nun, dann kann ich etwas aufholen und wir haben morgen vielleicht ein oder zwei Stunden – oder die Nacht?", fragte er gespielt gleichmütig und sie glaubte kaum, dass er so etwas sagte. Es war so...ungewöhnlich...schön.
„Die Lerngruppe...sie nerven mich... Ach man. Es tut mir so leid. Aber wenn ich immer absage... Aber dann muss ich dir absagen und es tut weh, gerade jetzt, wo wir...wo es sich...geändert hat. Nicht, dass du mich dann nicht mehr... Ich will es doch jedem recht machen und vorsichtig muss ich auch sein und..."
„Hermione..."
„...dann möchte ich nichts lieber auf der Welt, als mit dir zusammen zu sein und dann geht das nicht und..."
„Hermione, hör mich an. Das ändert doch nichts. So können wir unsere Arbeit tun, die sowieso hinterherhinkt."
„Ja?"
„Ja, deshalb...deshalb...liebe ich dich nicht weniger."
Ein Schauer ging ihr über den gesamten Körper, als er es wiederholte – so musste sich der Himmel anfühlen. Sie konnte nichts sagen, sondern nahm nur sein Kopf zwischen ihre Hände und zog ihn zu einem Kuss heran.
„Donnerstag auf jeden Fall. Spätestens im Unterricht."
„Ja."
*Sarah Brightman: „Harem"*
Der morgige Freitag würde tatsächlich schulfrei sein – die Schulleiterin hatte Wort gehalten – und jeder konnte die diesjährige Sommersonnenwende so feiern oder auch nicht, wie er mochte.
Nur noch zwei Stunden Zaubertränke hinter sich bringen und das Wochenende konnte kommen, dachten alle fröhlich – und nichts ahnend, dass sie den Unterricht nicht so schnell wieder vergessen würden.
Die Tür zum Labor stand offen, wie meistens, wenn sie als letztes Unterricht hatten und alle setzten sich wie üblich ordentlich hin. Er war zwar nicht mehr Professor Obermies und so gift-schlänglig wie vor einiger Zeit, aber immer noch Snape, und der konnte Punkte abziehen und Strafarbeiten verhängen wie eh und je – siehe Dienstag zuvor.
Die meisten kramten noch nach ihren Büchern, als die Tür wie üblich knallte. Aber sobald sie das Rauschen seines Umhangs hörten und den Luftzug spürten, wussten sie, dass sie besser aufpas...
Moment mal. Kein Luftzug, keine leisen Geräusche, wie als wenn sich Stoff im Wind bewegt? Hermione, die auch gerade in ihrer Tasche kramte, hörte Ginny einen Quiekser ausstoßen, die sich gleich daraufhin die Hand vor den Mund presste, und von weiter hinten hörte sie ein Buch auf den Boden fallen, dann noch eins. Ein paar Mädchen holten tief Luft und Seamus bekam einen Hustenanfall, da er gerade sein Kaugummi verschluckt hatte, was er sowieso nicht hätte essen dürfen.
‚Komisch.', dachte Hermione nur. Egal, was es auch war, wahrscheinlich hatte er wieder seinen bösen Blick drauf. Sie kannten ihn doch und sie selbst kannte ihn besser – wozu die Aufregung?
So ein Mist – ihr Pergament hatte sich irgendwo in der Tasche verheddert und sie versuchte verzweifelt, es ohne Zauberstabgefuchtel herauszubekommen. Sie merkte, wie ihr das Blut in den Kopf stieg vom ständigen Bücken. Auf einmal trat ihr Ginny leicht gegen das Schienbein und Hermione winkte nur unter dem Tisch ab. Das war immer so. Sie wusste, dass er volle Aufmerksamkeit verlangte, sobald er reinkam – in den Klassenraum kam. Das eine mal, wo sie ihn nicht sofort ansah, würde er schon verkraften. Unwillkürlich musste sie grinsen. Ja, Aufmerksamkeit mochte er wirklich, nicht nur im Unterricht.
Fast hatte sie es geschafft, da trat Ginny ihr auf den Fuß und sie unterdrückte gerade noch ein lautes Aua. Als sie sie dann auch noch am Ärmel der Bluse zupfte und sie somit zum Hochkommen zwang, gab sie sich geschlagen. Sie nahm aber trotzdem die Tasche hoch und stellte sie auf den Schoß, damit sie besser drankam und begann, den halben Inhalt auf dem Tisch vor ihr zu stapeln. Sie würde sich gleich um das Pergament kümmern, wenn sie wüsste, was Ginny von ihr wollte.
Sorgfältig richtete sie noch ihre Haare und schaute nach vorn und dann fiel die andere Hälfte des Inhalts, der sich noch in der Schultasche befand, wieder von ihrem Schoß herunter – samt Tintenfass, glücklicherweise geschlossen, Federn und einem kleinen Schminkbeutelchen.
...Warum hatte sie den ganzen Kram auf dem Schoß und dem Tisch?
Sie hatte es gerade vergessen. Ihr Gehirn hatte sich in der Sekunde abgemeldet, als sie nach vorne geschaut hatte. Irgendwas mit P war es gewesen...Post, nein, Pfefferminz, Pfeife, Parfum…alles nix, P..., Per..., ach, Pustekuchen.
Die Augen funktionierten eigentlich noch ganz gut. Nur, dass sie nicht das meldeten, was sie sollten, sondern irgendein Bild aus ihrem Gedächtnis zeigten. Vorne stand Severus, Professor Snape...nein, vorne stand Severus ans Pult gelehnt.
Äh, ja, Severus – und zwar in seiner schwarzen Jeans, einem dunkelgrauen Hemd, das in der Jeans steckte und von dem ein paar Knöpfe geöffnet waren, wodurch man das weiße Shirt darunter sehen konnte, und der leichten, sportlichen, schwarzen Jacke, die er in den Ferien getragen hatte. Ja, da hatte er verdammt gut ausgesehen und sie führte es darauf zurück, dass sie ihn gerne nochmal so sehen würde.
Jetzt hatte sie schon Tagträume...auweia. Dabei hatten sie noch gar nicht mit dem Brauen angefangen...oder lagen schon Giftpilze auf dem Tisch? Nein. Keine zu sehen. Die Augen funktionierten ja. Oder nein.
Als er jetzt auch noch die Jacke auszog, stöhnte sie auf und biss sich in den Finger, damit sie ja in den nächsten Sekunden aufwachen würde – dass ihr Hirn aufwachen würde. Aber nein...es tat sich nichts...außer, dass er sich umdrehte, um etwas an die Tafel zu schreiben und sie somit freie Sicht auf..., ‚verdammt', seinen wirklich von ihr schon oft als knackig bezeichneten Hintern hatte. Es konnte doch wirklich nicht daran liegen, dass sie am Sonntag das letzte mal... Es waren doch keine Wochen, sondern nur ein paar Tage, und dann sah sie ihn schon so? Als Mann und nicht im Geringsten als...Professor? Sie bräuchte wohl langsam Ferien.
In der Sekunde begann Ginny, sich mit ihrem P... – ach ja, das war es gewesen – mit ihrem eigenen Pergament Luft zuzufächern.
„Ist doch nicht warm hier unten im Kerker, was ist mir dir?"
Sie bekam nur einen Zeigefinger als Antwort, der nach vorne deutete.
Irgendwas stimmte hier immer noch nicht.
„Äh, ja, er ist da...und weiter?", versuchte sie vorsichtig.
Beide schauten nur zur Tafel während ihres Gesprächs. Ginny deutete weiterhin mit offenem Mund und großen Augen in die gleiche Richtung und ihr Blick sagte soviel wie ‚WAS IST DAS und ich fall tot um wenn du es mir nicht sofort erklärst.'
Übrigens sahen die Blicke der anderen in etwa genauso aus, stellte sie fest, als sie sich kurz umdrehte. Ron und Harry schienen ganz abwesend, einzig Malfoy wirkte relativ normal.
‚Snape?', formte sie mit den Lippen und Ginny schüttelte vehement mit dem Kopf.
‚Ok, nicht Snape? Wer dann?', überlegte sie und kam sich dabei ziemlich dämlich vor. Wenn ihre Augen...ihr Hirn doch endlich wieder seine Arbeit aufnehmen würde...
Ihre Freundin reichte ihr ein Fetzen Pergament herüber und sie las es heimlich unter dem Tisch.
‚Ich hatte recht damals', stand drauf.
‚Womit?', kritzelte sie zurück. Gut, dass er immer noch etwas an die Tafel schrieb. Warum tat er es heute eigentlich per Hand?
‚Bist du abgemeldet gerade? Guck nach vorne, und zwar MITTIG!'
Hermione wurde es langsam mulmig. Was wenn...
‚Ähm, was?', schrieb sie als nächstes.
Ginny schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn, stand abrupt auf, dass der Hocker über den Boden quietschte, zerknüllte entnervt das Stückchen Pergament und warf es mit Kraft auf den Boden. Ihr Blick funkelte – wütend oder ...anders? Scheinbar dachte sie nicht mehr nach. Mittlerweile passte niemand mehr auf die Tafel auf, sondern jetzt war Ginny das Objekt der Aufmerksamkeit.
Sie deutete ganz ungeniert, weil völlig neben sich, und für jedermann sichtbar nach vorne in die...Mitte – in die Mitte von Snape – formte dann mit den Händen seinen Hintern nach, streckte beide Daumen nach oben und fing an zu grinsen.
Anschließend setzte sie sich schnell wieder hin und kritzelte weiter:
‚Ich hatte recht damals, dass die Jeans knackig aussieht und dass er darin bestimmt nicht schlecht aussieht – der Hintern.'
Die Show von Ginny hatte jetzt wohl jeder mitbekommen, weil ihr Tisch vorne war, und von manchen Jungs hörte man leise Würgegeräusche. Pansy und ein paar andere weibliche Slytherins bekamen den Mund nicht mehr zu und begannen kollektiv mit Pergamentwedeln. Parvati und Lavender kicherten, ohne dass sie es in den Griff bekamen, und Harry starrte Ginny an, als hätte er das Dunkle Mal gesehen. Ron hatte ein sehr schönes Gesicht, das gerade eine Mischung aus Entsetzen und Ekel zeigte, als wenn er jeden Moment eine Schnecke heraufwürgen wollte. Wollte er wirklich gerne, wenn ihm das hier dafür erspart geblieben wäre.
„Sehe ich, was du siehst?", fragte Hermione ganz verunsichert und Ginny konnte ein lautes Stöhnen nicht unterdrücken. Sie war allerdings nicht die Einzigste, denn Pansy stöhnte gleich mit – aus anderen Gründen.
„Ja sicher!", zischte sie. „Aber ich kann es nicht begreifen, es kommt nicht in mein Hirn rein. Hilf mir!"
„Ich kann nicht."
„Dann helfe ich dir: Snape – DEIN Snape – steht da vorne in einer verdammt knackig engen Jeans und alle Weiblichkeiten starren auf seinen Hintern. War das deutlich genug?", erklärte Ginny oberlehrerhaft, bevor sie selbst wieder starrte und jede seiner Bewegungen mit einem breiten Grinsen verfolgte.
„Du hast recht.", meinte Hermione und starrte gleichermaßen, allerdings mit sicherlich anderen Auswirkungen als bei den anderen.
Die Slytherin-Mädchen fingen auch an zu tuscheln, und hin und wieder bildete man sich ein, als gelangten sie zu der Ansicht, dass Snape tatsächlich ein Mann war. Und zwar – zumindest von hinten – ein ziemlich ansehnlicher Mann. Die ein oder andere beschloss, sich in den nächsten Tagen mal etwas intensiver um ihren Professor zu kümmern – oder ihn zu beobachten, oder...
„WANN GEDENKEN DIE HERRSCHAFTEN, RUHIG ZU SEIN?", brüllte er auf einmal. „GIBT ES ETWAS ZU BEREDEN?"
Alle starrten ihn weiterhin an und brachten kein Ton mehr hervor.
„Ich wüsste nicht, was es zu bereden oder zu sehen gäbe. Fangen sie an: Zutaten, brauen, aufräumen, verschwinden! Ansonsten PUNKTABZUG, und zwar nicht zu knapp."
Sie mussten wirklich alles an Selbstbeherrschung und Konzentration zusammenkratzen, was noch übrig war, sonst gäbe es eine Katastrophe. Keiner von ihnen, nicht einmal Hermione, konnte sich erklären, was da vor sich ging und warum er um alles in der Welt dort vorne in Muggelkleidung stand. Nun – überrascht hatte er sie wirklich, wie in seiner Ankündigung ihr gegenüber – und zwar so richtig. Das wurde Hermione irgendwann gegen Ende der Stunde klar.
Und dann kam noch eine Überraschung. Während sie alle beim Aufräumen waren, ging er durch die Reihen und steckte ihr unauffällig ein Stück Pergament zu.
Hermione entfaltete den Zettel unter dem Tisch und staunte immer mehr.
Zieh deine Schuluniform aus, melde dich bei deinen Freunden ab
und komm, sobald du kannst,
an die Appariergrenze am See.
S.
Was kam denn jetzt noch? Am See? Das war nicht die übliche Stelle, sondern eine, die man schlecht einsehen konnte. Was hatte er bloß vor? Gut, wenn sie ihm folgen sollte, wäre es leichtsinnig, an die übliche Stelle zu gehen, von der man sonst aus apparierte. Sollte sie etwas mitbringen oder etwas vorbereiten? Davon stand nichts auf dem kleinen Zettel, sondern so wenig wie üblich. Allerdings hieß es auch nur Appariergrenze – das bedeutete noch lange nicht, dass er irgendwohin wollte. So musste sie sich gedulden und fieberte dem Ende der Stunde entgegen.
Kaum hatte er den Unterricht fünf Minuten später beendet, verschwand er in Richtung Büro und ließ eine völlig perplexe und geschaffte Klasse zurück und sie konnte ihn auch nichts mehr fragen. Was sie nicht wusste war, dass er genau das beabsichtigt hatte, sonst wäre es ja keine Überraschung mehr.
„Jetzt erklär mir mal, was das war, Mine!", flüsterte Ginny als sie hinausgingen und würde nicht locker lassen.
„Ich habe nicht die geringste Ahnung, ich schwöre."
„Was stand auf dem Zettel, der war doch von ihm, oder?" Ginny wartete nicht ab, sondern riss ihrer Freundin einfach den Zettel aus der Hand.
„Wuhuu...das hört sich doch glatt nach einem heißen Wochenende an, hm?"
„Das hört sich nach nicht mehr an, als dass ich dorthin kommen soll."
„Ja klar...was soll er sonst... Oooh, vielleicht hat er einen heißen Abend am See mit dir geplant... Hoffentlich denkt er auch an die Abwehrzauber.", lachte Ginny und grinste breit. Ein paar Sekunden später prustete sie regelrecht los und redete weiter.
„Er hat nicht geschrieben, dass du dir wieder was anziehen sollst!"
„Was?"
„Lies doch! Hier steht nur, du sollst die Uniform ausziehen." Sie lachte sich halb kaputt und hatte schon einen hochroten Kopf.
„Du bist unmöglich."
„Ich weiß, und ich find's echt gut... Ihr beide seid besser als jedes Unterhaltungsprogramm."
„GINNY!"
„Klappe, und jetzt beeil dich. Ich weiß ja Bescheid und sag's den anderen. Ich wünsch dir ein heißes Wochenende! Und nicht nur draußen, sondern auch zwischen den...Kissen."
„GINNYYY!"
„Wuhuuu...", rief Ginny nur, winkte über ihren Kopf hinweg und verschwand.
tbc
