A/N:
Ihr Lieben!
Da heute bei uns nichts mehr viel ging weil ca. 20cm Neuschnee, habe ich geschrieben und geschrieben und es ist lang geworden, sodass ich das Kapitelchen leider irgendwo spalten musste. Passend zum Wetter verspreche ich euch aber ;o), dass ihr mit Sev und Mine wenigstens schon mal langsam aufbrechen könnt – in das Sommer-Wochenende *g*, wenn ihr wollt natürlich nur und wenn ihr ein wenig Wärme gebrauchen könnt? Bin gespannt.
DANKE und VLG KeyMagic
P.S: Der Songtipp...unbedingt notwendig fürs richtige Feeling ;o)
Gwen und A: Danke für Eure Reviews, auf die ich leider nicht persönlich antworten kann. Solche netten Worte machen auch süchtig! DANKE!
Kapitel 45
„...Ich wünsch dir ein heißes Wochenende! Und nicht nur draußen, sondern auch zwischen den...Kissen."
„GINNYYY!"
„Wuhuuu...", rief Ginny nur, winkte über ihren Kopf hinweg und verschwand.
„Ginny! Komm zurück! Sonst lässt du mich nicht in Ruhe und jetzt? Ginnyyy!"
Sie kam nicht zurück, sondern winkte immer noch, wackelte ein wenig übertrieben mit den Hüften und verschwand durch die Flure in die Große Halle zum Abendessen.
Hermione war ein wenig überfordert. Sonst plante sie immer alles und gerne und jetzt wollte er, dass sie spontan zum See käme und dann...
Was sollte sie anziehen? Wollte er mit ihr weg? Wenn ja, wohin? Normal oder schick? Je nach dem müsste man sich doch richten. Und nur an diesem Abend oder länger? Aber er hatte doch etwas von arbeiten und für die Prüfungen lernen an dem langen Wochenende erzählt und nahegelegt. Wollte er dann überhaupt weg? Aber wenn nicht, wäre das nicht zu riskant trotz Abwehrzauber, wenn sie am See blieben? Wollte er vielleicht schwimmen gehen? Er doch nicht, oder? Dann bräuchte sie einen Badeanzug. Und ein Handtuch. Und...
Tief ins Grübeln versunken rannte sie in ihren Turm, tauschte die Schuluniform gegen ein langes, luftiges Sommerkleid und beschloss, nichts mitzunehmen außer einer Strickjacke und einem kleinen Täschchen mit Dingen, die frau immer bei sich trug oder tragen sollte. Falls er etwas anderes geplant haben sollte, könnte sie immer noch zurückkehren und sich ein paar Dinge einpacken.
Gut, dass die meisten beim Abendessen waren, so wurde sie nur von wenigen Schülern gesehen und glücklicherweise von keinem aus ihrem Jahrgang. Trotzdem war sie vorsichtig und schaute sich immer wieder um, ob sie auch keiner verfolgte, warum auch immer. Dem war nicht so und sie gelangte schneller als sie dachte an den Rand des Sees. Von dort führte ein kleiner, schmaler Weg am Ufer entlang zu einer abgelegenen Lichtung, von der er ihr einmal erzählt hatte. Von dort aus war Apparieren möglich, was nicht viele wussten, daher vermutete sie, dass er diese Stelle gemeint hatte.
Keine fünf Minuten später entdeckte sie ihn und blieb erst einmal stehen, um ihn zu betrachten. Offenbar hatte er auf einem großen, alten Baumstumpf gesessen, mit einem Bein angewinkelt und die Arme darum geschlungen und sich mit seinem Blick und seinen Gedanken in die Weite des Wassers verloren.
Es war ein solch ungewohntes Bild von ihm – so anders, so gar nicht Professor, so nachdenklich, so...oh ja, und so sexy in den Klamotten. Man konnte gar nicht glauben, dass das immer noch derselbe Mann war, der die Schüler seit Jahren terrorisierte. Deshalb konnte sie sich auch immer noch nicht von dem Anblick loslösen.
Bald stand er auf, nahm sich einen flachen Kieselstein vom Ufer des Sees, holte aus und ließ ihn in perfekter Weise über das Wasser gleiten, bis er nicht mehr zu sehen war.
Für einen kurzen Moment tauchten Bilder vor ihrem inneren Auge auf, die an eine Zeit erinnerten, die man besser vergessen sollte, oder auch nicht – als Mahnung für alle Zeiten. Damals hatten sie irgendwo an einem See ihr Zelt aufgestellt und nicht selten hatte Ron allein an dem verlassenen, weitläufigen Ufer gestanden und einen Stein nach dem anderen ins Wasser geschleudert – aus Frust, aus Langeweile oder einfach nur so. Hin und wieder hatte er versucht, es ihr beizubringen, aber das hatte nie so wirklich geklappt. Es kam ihr vor wie Szenen aus einem anderen Leben, wie aus einer anderen Welt und in gewisser Weise war es das auch.
Wer hätte sich jemals vorstellen können, auf welche Weise sich ein Leben, wie sich zwei Leben innerhalb von zwei Monaten ändern konnten? Und woher kam dieses Gefühl, dass es noch für viel, viel länger so sein würde? Dass es vielleicht für ewig sein könnte? Es war einfach so und es fühlte sich so gut an.
Noch länger konnte und wollte sie ihn nicht warten lassen. Langsam ging sie auf ihn zu und er hörte sie, obwohl sie vorsichtige und leise Schritte machte.
„Du bist da."
„Ja."
Ebenso langsam drehte er sich zu ihr um und betrachtete sie.
„Ich weiß, was du fragen willst. Mir ist keiner gefolgt und ich war vorsichtig."
„Nein. Ich meine ja, das weiß ich. Ich wollte danke sagen, dass du gekommen bist."
Ein Severus, der sich bedankte, der leicht lächelte – ja, es war eine vollkommen andere, neue, wundervolle Welt.
„Und nun?", fragte sie, stellte sich neben ihn und hakte sich bei ihm unter, was er zuließ.
„Ich... Hermione, du weißt, ich bin nicht gerade...geübt in diesen Dingen. Ich würde gerne Hogwarts verlassen bis Sonntag. Weg von dem Schloss, den Schülern, den...Erinnerungen und...einfach nur...normal sein, verstehst du?"
„Ja, das kann ich, und du hast es mehr als verdient. Das hättest du mir auch schon früher sagen können, dann wärst du schon weg und..."
Ein leicht trauriger Unterton schwang in ihrer Stimme mit, den sie allerdings eigentlich gar nicht zeigen wollte. Von Herzen gönnte sie ihm diese Auszeit, die er sicher seit Jahren nicht mehr gehabt hatte – zumindest nicht ohne Angst oder ohne den fürchterlichen Gedanken, jederzeit gerufen werden zu können, von wem auch immer. An seine geschriebenen Worte hatte sie gerade gar nicht mehr gedacht, womit er sie vorhin darum gebeten hatte, die Schulkleidung im Schloss zu lassen. Warum hätte er das tun sollen, wenn...
„Man kann ja förmlich hören, was du denkst, ohne dass du etwas sagst. Das war schon immer leicht.", schmunzelte er und schaute weiterhin über den See. „Ich möchte dich dabei haben, warum sonst hätte ich dich herbeten sollen? Und jetzt höre ich wieder, was du denkst. Ja, es ist so und ja, ich freue mich auch, das kann ich zugeben, wo wir unter uns sind."
Daraufhin musste sie lachen und zog ihn zu sich, um ihn zu küssen.
„Und...bald sind Prüfungen. Das wird für dich und für mich eine stressige Zeit und wir werden kaum noch Gelegenheit haben, uns zu sehen, jedenfalls nicht so wie bisher."
„Du hast recht – leider. Aber lass uns das vergessen für jetzt. Wo möchtest du hin?"
„Das ist das Problem, Hermione. Wann war ich mal weg? Ich kenne nicht viel – nicht auf die Art – und ich möchte auch die Zauberwelt hinter mir lassen, verstehst du das auch? Und deshalb...brauche ich deine Hilfe. Wenn du irgendeinen Wunsch hast, eine Idee, bitte. Du brauchst dir keine Gedanken machen, das geht alles auf mich."
„Auf keinen Fall."
„Auf jeden Fall. Mein Wunsch, meine Idee, meine... Du bist dabei, das ist wichtig."
„Das kann ich nicht, nicht auf deine Kosten."
„Kannst du."
„Darüber reden wir noch."
„Tun wir nicht, und keine Widerworte, Miss Granger. Außer Vorschläge. Hilf mir."
„Wenn du ins Ausland willst, wird es schwierig ohne Magie. Sei denn..."
„Muss ich nicht, nur weg von hier."
„Was für mich dann noch wichtig wäre: Ich muss zurück ins Schloss um mir ein paar Sachen einzupacken – aus deinem und meinem Schrank."
„Brauchst du nicht. Ich habe mir erlaubt, eine Tasche für dich zu packen. Es sollte doch eigentlich...eine Überraschung sein, die mir nicht gelungen ist – nicht so, wie ich wollte."
„Das hast du gemacht?" Hermione war sichtlich beeindruckt und freute sich unglaublich darüber, dass die Initiative von ihm ausging. „Es ist eine Überraschung. Eine richtig schöne! Das ist so lieb von dir. Hast du denn alles?"
„Hoffe ich. Und wenn nicht, holen wir all das, was ich vergessen habe und was du brauchst."
„Sehen wir dann. Ein Problem gelöst. Lass mal weiterüberlegen...
Das Beste wäre, wir hätten ein Auto. Wir könnten zu mir apparieren und dann sehen wir weiter."
„Ja, und ich sage deinen Eltern Guten Tag und wir sind dann mal weg? Hermione!"
„Das muss klappen, sonst stehen wir dumm da. Apparieren geht ja sowieso nicht, wenn wir nicht wissen wohin und wenn wir nicht dahin wollen, wo wir alles kennen."
„Es tut mir leid, dass es so ist. Aber du kannst dir sicher vorstellen, dass ich es nicht viel besser...planen kann. Gar nicht planen kann. Beim nächsten Mal wird es anders, das verspreche ich dir."
„Ist doch ganz egal. Ok, wir apparieren zu Oma, von da aus gehe ich zu meinen Eltern und frage, ob ich fürs Wochenende ein Auto haben kann. Soweit ich weiß, haben sie eh Bereitschaft und fahren nicht weg."
„Zu deiner Großmutter?"
„Ja, die kennst du doch schon recht gut, hm?"
Severus musste zugeben, dass das die beste Lösung war und dass ein Treffen mehr oder weniger mit Mrs. Tenerhale ja gar nicht so schlimm war. Sei denn, sie wäre mal wieder in der Stimmung, ihm ihre speziellen Wünsche mitzuteilen. Beim letzten Zusammentreffen, als sie ihn per Eilpost herbeizitiert hatte, hatte sie schon wieder beim Abschied so komisch geguckt. Letztendlich stimmte er zu und sie versicherte ihm, dass sich ihre Großmutter vermutlich überaus freuen würde trotz des überfallartigen Auftauchens.
So war es dann auch. Die beiden landeten im Garten hinter dem Fliederstrauch, der noch seit Ende Mai immer in voller Pracht blühte, obwohl er längst nicht an zwei Meter heranreichte. Ein wunderbarer Duft ging von ihm aus und Severus ging noch näher heran. Er liebte die Kräuter- und Blumendüfte und nutzte die Gelegenheiten, seine Eindrücke und sein Wissen zu erweitern, wann immer er konnte oder allein war.
Ein lauter Beller ließ ihn hochschrecken und Hermione lachte laut, während sie sich zu Emma beugte, die wie von Sinnen um die beiden herumlief und quasi aus dem Nichts aufgetaucht war. Sie hatte die Neuankömmlinge natürlich gehört und war sofort nach hinten in den Garten gelaufen. Dann musste Oma wohl vor der Haustür sein und Hermione ging dorthin, um sie zu begrüßen. Severus wurde derweil umzingelt und kam nicht drumherum, den Hund wenigstens einmal zu streicheln, oder zweimal, oder dreimal. Vermutlich hätte nicht einmal Veritaserum geholfen, ihn zugeben zu lassen, dass er Emma ein ganz winziges bisschen mochte, aber wirklich nur ganz, ganz wenig mochte.
„Oma?"
„Liebes! Als Emma wegrannte, hatte ich schon so eine Ahnung, sonst wäre sie ja wiedergekommen. Da hast du Glück, ich bin erst seit einer Stunde da und muss mich mal hier um das Blumenbeetchen kümmern. Gut, dass es so schön warm draußen ist, das tut gut. Aber...warum bist du hier? Oh nein, ist wieder was mit euch? Ich halt es nicht aus. Wenn man einmal denkt, es ist alles in Ordnung, dann stehst du wieder auf der Matte und..."
„Oma..."
„Keine Ausreden, was ist passiert? Hattet ihr Streit oder was ist nun? Herrje."
Mrs. Tenerhale achtete gar nicht auf den Gesichtsausdruck ihrer Enkelin, sonst hätte sie aufgehört zu reden. Aber sie war ja seit etlichen Wochen Stress mit ihren Sorgenkindern gewöhnt und vermutete nun erneuten Stress. In Gedanken wiederholte sie schon den Spruch, mit dem man die Eulen oder einen Falken rufen konnte und murmelte vor sich hin. Emma kam derweil um die Ecke, stellte sich vor ihr Frauchen und wedelte wie immer heftig mit dem Schwanz, wenn Besuch da war.
„Was, Hund? Fröhlichkeit ist nicht angesagt, wenn... Wah!"
Gerade war Severus lautlos vor ihr aufgetaucht und grinste verhalten. Offenbar hatte er sie erschreckt in seiner schwarzen Erscheinung.
„Was...was machen sie denn hier? Ich dachte..."
„Oma, du hast noch nicht einen Ton von mir gehört...geschweige denn zugehört."
„Dann...dann ist nichts?"
„Nein, alles gut. Sehr gut. Ohnegleichen."
„Wenn das wahr ist... Was macht ihr hier? Mich besuchen? Was für eine wunderbare Idee, wir könnten..."
„Oma! Oma! Hör mir doch mal zu!"
Hermione erzählte ihr, was sie vorhatten oder noch nicht wussten, vorzuhaben, und Jean nickte immer wieder, während sie zwischendurch Severus angrinste, der sich – wie immer in ihrer Nähe – völlig offenbart fühlte. Wie machte sie das? Er war sonst Meister darin, aber nicht bei ihr. Das gab ihm ein kleines Gefühl davon, wie sich seine Schüler fühlen mussten.
„Wo wollt ihr denn um diese Zeit noch hin, wenn ihr noch kein genaues Ziel habt? Und jetzt zu deinen Eltern gehen, alles erklä...umschreiben, losfahren, eine Stadt suchen, eine Unterkunft? Das geht doch nicht. Ich mache euch einen Vorschlag: Bleibt über Nacht hier und gleich morgen früh kannst du zu ihnen gehen und fragen. Dann habt ihr immer noch ganze drei Tage Zeit und das Wetter soll auch so schön bleiben. Hm?"
Severus zog scharf die Luft ein und sagte gar nichts. Er hoffte darauf, dass Hermione wusste, wie er darüber dachte und überließ es ihr, zu antworten.
„Oh, hm...was denkst du?", fragte Hermione ihn und er warf ihr nur seinen so gekonnt unlesbaren Blick zu, von dem er glaubte, sie würde ihn richtig deuten können.
„Ist eigentlich sinnvoll, denn wir wissen ja noch nicht so genau...", und jetzt bedachte sie ihn mit einem typisch weiblichen Blick, „...wohin es gehen soll." Falsch gehofft also.
„Wie schön, gut. Mal überlegen. Was wollt ihr essen? Habt ihr doch sicher noch nicht, oder?"
„Nein. Aber mach dir keine Umstände."
„Quatsch. Severus, was mögen sie gerne?"
Er zuckte nur mit den Schultern und Mrs. Tenerhale fand, dass es ratsam wäre, etwas lockerer zu werden. „Da ich nicht vorbereitet war, könnten wir was bestellen. Italiener, chinesisch...was meint ihr?"
Da Severus damals das chinesische Essen wirklich gut geschmeckt hatte, entschieden sie sich dafür und gingen gemeinsam ins Haus. Jean zog sich um und holte eine Flasche Wein aus dem Keller während sie auf die Lieferung wartete. Gemeinsam beschlossen sie, auf der Terrasse zu essen, die in den hinteren Garten führte. Jeder nahm etwas mit nach draußen auf den Tisch und Mrs. Tenerhale versorgte die beiden und sich selbst regelmäßig mit gefüllten Gläsern – und Emma wurde mit kleinen Häppchen vom Teller versorgt. Ganz offensichtlich und... ebenso hin und wieder heimlich, wenn keiner hinsah. So oder so verließ sie ihren Platz neben Severus nur ein einziges mal während des Abends, um aus ihrer Wasserschüssel zu trinken.
Zwischendurch kam Carey, Mrs. Tenerhales Nachbarin, nach Hause und winkte über die Hecke.
„Willst du ein Glas mit uns trinken, Carey?", rief Jean rüber. „Du störst nicht, ich weiß, was du sagen willst."
Severus hingegen verfolgte misstrauisch die Frau, die sich ihnen näherte. Er war es schlicht und einfach nicht gewohnt – dieses normale Leben, und es kostete ihn einiges an Selbstbeherrschung und Überwindung. Aber wenn er zu Hermione sah und sie ihm dann manchmal die Hand drückte, war es die Sache wert. Allzu gut wurde ihm dann bewusst, dass er sich früher oder später daran gewöhnen musste und...wollte.
Die Frau war ganz nett, aber hin und wieder guckte sie ein wenig komisch und grinste verstohlen, wenn sie dachte, keiner sähe es. Das Komisch-Gucken konnte er ja noch verstehen, aber das Grinsen war selten in seiner Gegenwart. Hermione schien sich ähnlich zu fühlen und das beruhigte ihn wieder ein wenig.
Carey blieb auch nicht lang, weil ihr Freund nach Hause kam. Sie verabschiedete sich mit einem breiten Lächeln und ging rüber ins Haus.
Mrs. Tenerhale hatte alles mitbekommen und es war herrlich gewesen. Carey hatte sich sichtlich darüber gefreut, dass ihre Mission von vor einer Woche oder so tatsächlich Erfolg gehabt hatte und die beiden sich ganz offensichtlich wieder vertragen hatten.
Satt und zufrieden verlagerten sie später am Abend die Runde ins Wohnzimmer auf die Couch und den Sessel – noch war ja kein Hochsommer – und erzählten ein bisschen aus der Familie, aus der Schule und noch andere, ungezwungene Dinge. Als Emma mal raus musste, bot sich Hermione an, mit ihr eine Runde zu gehen, weil sie ihrer Großmutter einen Gefallen tun wollte – nahm sie sie schon hier so spontan auf.
„Willst du mit?", frage sie Severus und der kam gar nicht dazu, eine Antwort zu geben.
„Nein, will er nicht. Ich meine, er hat doch auch mal Ruhe verdient...endlich."
„Ähm, ja... Dann, bis gleich."
Hermione nahm die Leine vom Haken und verschwand mit Emma aus der Tür.
Severus hatte sich die Szene angeschaut und angehört und sie einfach hingenommen. Er hatte sowieso nichts zu entscheiden. Nicht hier. Wie zur Bestätigung schenkte sie ihm einfach einen Schwenker Cognac aus und er nahm ihn mit einem Nicken entgegen.
Obwohl er sie nun schon verhältnismäßig oft gesehen hatte, fühlte er sich immer noch nicht richtig wohl in der Gegenwart von eigentlich...Fremden. Nicht wohlfühlen war das falsche Wort – er mochte sie ja. Vielleicht war sie ihm auch zu sehr... Er dachte nach. Sie war ihm von Anfang an normal gegenübergetreten, hatte ihn normal angesprochen ohne Angst, ohne Zurückweichen, und ohne die anderen Dinge, die die meisten Menschen in seiner Gegenwart bewusst oder mehr unbewusst zum Ausdruck brachten. Vielleicht kam ihm alles nur so ungewohnt vor, weil er gerade dabei war, sich an sie zu gewöhnen. Respektieren tat er sie schon längst, vermutlich gerade weil sie ihm auch ein wenig ähnlich war und eine intelligente, starke Frau war.
„Was ist geschehen?", fragte sie gerade heraus und er zog eine Augenbraue hoch. „Seitdem ihr hier wart und euch offensichtlich vertragen habt, hat sich etwas verändert, oder?"
Ein Schluck aus dem Glas musste als Antwort reichen. Er wusste nicht im Geringsten, was er dazu sagen konnte.
„Wissen sie, Severus, verliebte Frauen sehen noch hübscher aus, als sie von Natur aus schon sind. Und Hermione strahlt von innen heraus. Das habe ich ihnen zu verdanken, nicht wahr?"
Woher wusste sie das, um alles in der Welt? Wie oft hatte er sich das jetzt schon gefragt?
„Mir scheint, als sei es an der Zeit, das zu tun.", sagte sie unvermittelt.
Was meinte sie jetzt schon wieder? Mrs. Tenerhale schenkte nach und hob ihr Glas.
„Ich heiße Jean, willkommen zu Hause.", eröffnete sie und stieß sein Glas an. Perplex sah er sie an und bekam den Mund nicht auf. „Das Recht der Älteren, Severus. Aber nur, wenn sie es wollen."
Wie ferngesteuert nickte er knapp und erwiderte das Anstoßen, woraufhin er den Cognac in einem Zug leerte. Aus welchen Gründen er in den letzten zwei Monaten schon getrunken hatte, war haarsträubend. Und jetzt kam ein weiterer hinzu – ein sehr...interessanter.
„Jean!..."
„Wunderbar, Severus. Mein Haus hier ist offen für jeden. Du bist jederzeit herzlich willkommen, du gehörst zu uns. Ist das klar? Ja!" Schon wieder antwortete sie für ihn und grinste breit.
„Wo wollt ihr schlafen? Die Couch ist nicht so... Das Gästebett ist bequemer, allerdings ein wenig zu klein für zwei...obwohl... Egal, da lässt sich doch sicher magisch was machen, hm?"
Er räusperte sich. „Ich nehme die Couch, Hermione kann das Bett nehmen. Wir richten alles wieder her morgen früh. Und...danke."
Jetzt zog Jean die Augenbrauen hoch und schaute stöhnend an die Decke. „Hatte ich dir nicht schon einmal gesagt, ich bin nicht nur Oma, sondern auch eine Frau und nicht doof?", lachte sie. „So ein Papperlapapp. Wozu hast du das Ding?"
Er verschluckte sich so schön, ohne etwas getrunken zu haben.
„Könnt ihr nicht damit alles verändern, mit dem Stab? Meine Güte, das müsste doch einfach sein, das Bett ein wenig zu vergrößern, soweit es der Raum hergibt. Oder nicht?"
„Ach...ja, ja, ist es."
„Na also. Ich gehe mal hoch und richte das Bettzeug her. Das mache ich per Hand.", lachte sie wieder, verschwand und ließ einen sprachlosen Professor zurück, den die Welt so nicht kannte.
Nicht lange danach kam sie wieder herunter und räumte ein wenig auf. „Es ist alles fertig. Geht schlafen, wann ihr wollt."
„Danke.", brachte er hervor und half ihr stillschweigend mit ein paar Handgriffen und ohne Stab.
Ja, das fühlte sich so an, als sei es normal, ganz so, wie er es sich für das Wochenende gewünscht hatte. So ganz seltsam, ungewohnt, so komisch normal.
Als Hermione zurückkehrte, schaute sie von einem zum anderen und merkte bald, was sich ereignet hatte. Ohne dass darüber gesprochen wurde, verbrachten sie noch eine halbe Stunde gemeinsam, bevor sich alle dazu entschlossen, schlafen zu gehen.
„Gute Nacht, ihr beiden. Frühstück wann ihr wollt. Schlaft gut.", waren Omas letzte, herrlich betonte Worte.
Das gemütliche Bett des Gästezimmers konnten sie ein wenig verbreitern, aber auch nur, bis die Fensterbank im Weg war. So hatten sie 1,40m für sich, was ja durchaus noch zur gängigen Größe gehörte, wenn auch etwas knapp.
„Hast du meine Sachen?"
„Natürlich – hier."
„Mal sehen."
Hermione nahm die kleine, schwarze Reisetasche, die offensichtlich ihm gehörte, und packte sie aus. Hoffentlich hatte er an alles gedacht, aber woher würde er wissen, was sie alles brauchte? Als sie die Sachen auf dem Bett ausbreitete, sah sie, dass er beinahe alles genommen und verkleinert hatte, was sie bei ihm deponiert hatte – obenauf drei ihrer schönsten Wäschestücke, sorgfältig gefaltet.
‚Wie süß.', dachte sie bei sich und konnte es nicht fassen, dass sie süß als Adjektiv für Professor Snape gebrauchte.
„Es ist gut so, wie es ist. Morgen kann ich mir noch etwas aus meinem Zimmer bei den Eltern holen, für den Sommer. Ich danke dir."
„Wir können auch unterwegs etwas kaufen. Sehen wir dann.", bot er ihr an, legte sich hin und sie folgte.
„Ich kann gar nicht glauben, dass ich jetzt hier mit dir liege."
„Glaube mir, wenn ich eines nicht kann, dann ebenfalls das. Ich fühle mich, als hätte ich Vielsafttrank mit meiner eigenen DNS getrunken."
Sie kicherte, drehte sich zu ihm hin und schlang ihren Arm um seine Taille. „Geht das überhaupt?"
„Müsste ich nachlesen. Aber es gab und gibt immer wieder Verrückte, die so etwas ausprobieren würden."
„Warst du eigentlich bei Minerva, wie du kurz erwähntest?", fragte er, als sie schon eine Weile aneinandergekuschelt im Bett lagen. Bloß nicht auf andere Gedanken kommen. Gedanken, die einen aktiv werden lassen könnten. Ihr Arm auf seinem Bauch machte die Sache nicht gerade einfacher – wie lang doch viereinhalb Tage werden konnten...
„Ja, das war ich. Sie wollte mich ja am Dienstagabend sprechen. Weißt du es schon?"
„Nein. Worum geht es?"
„Ich habe dir gesagt, dass ich Heilerin werden möchte, und vor dem Studium muss man ein Praktikum absolvieren, sonst darf man nicht beginnen. Quasi als Test, ob man das ernsthaft machen möchte. Ich hatte Poppy längst fragen wollen, aber dann... Jedenfalls habe ich Montag gefragt und ich darf es bei ihr machen, hier in Hogwarts, unter Vorbehalt."
„Vorbehalt?", fragte er nur, weil er seine Gedanken erst einmal ordnen musste.
„Ja, das Kollegium muss zustimmen, aber erst, wenn ich mir klar bin..." Hermione holte tief Luft. Es half ja nichts, es hinauszuzögern. „...wo ich wohnen möchte. Lieber endlich weg hier und auf eigenen Beinen stehen oder wieder bei den Eltern wohnen – das hieße dann täglich apparieren – oder hier auf Hogwarts in einem Zimmer oder in einer kleinen Wohnung. Das Schloss ist ja groß genug. Minerva lässt mir die Wahl. Falls ich mich für Hogwarts entscheiden würde, müssten die Lehrer zustimmen, denn sie möchte es nicht über eure Köpfe hinweg bestimmen."
Severus begann, das Gehörte zu verarbeiten und schwieg deshalb, was ihr wiederum zu schaffen machte. Sie hatte ein ganz klein wenig gehofft, dass er sich freuen würde, jetzt, da er die entscheidenden Worte laut ausgesprochen hatte. Aber nichts. Nur Schweigen, kein Lächeln, geschweige denn eine Umarmung oder sonst etwas, mit dem sie hätte zurecht kommen können.
Wie es ihm wirklich ging, konnte sie ja nicht wissen. Er hatte sich viele Gedanken gemacht – um sie, um die Zukunft, um ihre Zukunft, die sie ja geneigt war, mit ihm zu verbringen, um das Wie und Wo und Wann. Und er hatte sich bisher nicht getraut, mit ihr darüber zu reden. Zu neu und zu ungewohnt waren die Gefühle, die echten Gefühle und die drei Worte, die er noch nie zuvor einer Frau offenbart hatte. Die Angst stand im Raum, dass er sie überfordern würde, mit irgendetwas Unbedachtem verletzten würde, weil er es nicht besser wusste und und und.
Und jetzt – ganz einfach in zwei Minuten des Erzählens – waren fast alle Probleme hinfällig. Wenn sie sich für Hogwarts entscheiden würde, was er inständig hoffte, würde er sie weiterhin sehen können, wenigstens noch ein paar Monate länger. Dann könnten sie sich besser kennen lernen und sehen, ob sie es schaffen konnten –sie beide gemeinsam. Bisher hatte sie nur keine Entscheidung verkündet. Sollte er fragen oder nicht? Was war falsch, was richtig, was würde sie erwarten, was unmöglich finden? So viele Dinge mussten bedacht werden, wenn man nicht mehr allein war. Allerdings war ihm in den vergangenen Monaten klar geworden, dass schweigen oder warten absolut nichts nützte, wenn man die Sache ernst nahm. Einfach fragen, einfach... Es war so schwer, aber er tat es.
„Und...hast du dich bereits entschieden?"
Hermione zögerte. Sie wollte ihre Entscheidung gerne treffen, nachdem sie gehört hatte, wie er dazu stand, aber noch hatte er nichts gesagt – gar nichts und aus seinem unergründlichen Blick wurde sie auch nicht schlau.
„Ich...weiß es nicht. Doch, eigentlich weiß ich... ich weiß, was ich gerne würde, von Herzen gerne, aber..."
„Was aber?"
„Ich möchte... Aber wenn du Bedenken hast, wenn ich in Hogwarts bleibe, dann werde ich mich anders entscheiden, ich möchte dir nicht..."
Das war es also.
„Hast du etwa vergessen, was ich dir am Sonntag gesagt habe? Wie sollte ich dich nicht um mich haben wollen?"
„Ist das wahr? Darf ich...kann ich mich für Hogwarts entscheiden?"
„Nur wenn du es auch möchtest."
„Nichts lieber, Sev."
Sie beugte sich über ihn und begann, ihn innig zu küssen. Als sie dann auch noch ein Bein über seines legte, unterbrach er den Kuss und schob sie ein wenig beiseite. Das hier wurde gefährlich. Er konnte doch nicht im Haus ihrer Großmutter mit ihr schlafen. Das ging gar nicht und nur mit Mühe gelang es ihm, seine sich anbahnende Erregung mit einem anderen Thema abzuwenden. Früher hatten ihm doch lächerliche vier oder fünf Tage, oder vier oder fünf Monate, nichts ausgemacht. Gut, da hatte er auch keine Frau neben sich liegen gehabt. Was für ein Dilemma.
Hermione ihrerseits wunderte sich. Jetzt waren sie endlich frei am Wochenende, hatten Zeit, hatten Ruhe und dann...tat er nichts. Hatte sie etwas falsch gemacht? Hatte sie sich eingebildet, dass er gerade nicht abgeneigt gewesen war? Warum hörte er auf, zurückzuküssen? Ihr eigener Körper hätte ihn wirklich, wirklich gerne länger gespürt, und woanders auch, aber...
‚Oh nein. Hat er die kleinen, netten, grünen Phiolen vergessen?', fragte sie sich. Aber sie konnte ihn doch nicht einfach fragen! Machte sie auch nicht. Sie hoffte auf seine eigentlich so perfektionistische Eigenart. Außerdem plauderte er gerade weiter.
„Ist es schon zu euch durchgedrungen oder ist es noch ein Lehrerzimmer-Geheimnis?"
„Was?"
„Scheinbar ja. Dieses Jahr darf die Abschlussklasse Familienmitglieder zur Zeugnisübergabe und zur Feier einladen und nach Hogwarts mitbringen. McGonagall und Flitwick haben das ausgeheckt, mit uns allen besprochen und schon einen entsprechenden Aushang vorbereitet, der sicher in der nächsten Woche veröffentlicht wird."
„Echt?"
„Ja, echt, Hermione, sonst würde ich es nicht sagen und wenn du etwas verrätst, werde ich alles abstreiten."
„Ja sicher. Wie kommt das denn?"
„Das hat es früher schon einmal gegeben, vor deiner Zeit, aber dann kam…er wieder und es wurde mehr oder weniger sofort beschlossen, dass so etwas zu gefährlich ist – für euch und die Familien. Die Reise – auf welche Weise auch immer – und vor allem die Anwesenheit von vielen Muggeln oder generell von noch mehr Menschen im Schloss war einfach zu riskant. Zu solchen Anlässen sind alle abgelenkt und das hätte ausgenutzt werden können. Nicht immer war ich in alles eingeweiht und hätte im schlimmsten Fall nicht mehr rechtzeitig eingreifen können."
„Ja, ja…wie traurig.", flüsterte sie und strich ihm über die Wange.
„Lassen wir das. Jeder darf sich und seine Gäste, soweit ich zugehört habe, in eine Liste eintragen und Flitwick wird sich um alles Weitere kümmern. Zunächst ist die Zahl uneingeschränkt, sollten jedoch mehr Gäste als erwartet darauf erscheinen, wird es auf die Eltern beschränkt. Sollten weniger kommen, wird ein erneuter Aushang gemacht, wo jeder noch eventuelle Ergänzungen vornehmen kann bis zu einem bestimmten Zeitpunkt."
„Oh…das…das ist was Neues. Nicht…schlecht."
Hermiones Gedanken verselbstständigten sich gerade. Wenn sie ihre Eltern einladen würde, was sie ja auch wirklich gerne wollte, würden sie spätestens dann Severus richtig kennen lernen, und zwar als das, was er jetzt war. Anders ging es nicht.
War sie dafür bereit? War er dafür bereit? Ja und…nein…vielleicht. Eine klare Antwort könnte man sowieso niemals wissen. Sie hatte sich schon ausgemalt, wie es wohl mit ihm sein würde auf dem Abschlussball. Würde er sich mit ihr sehen lassen? Würde er sich so verhalten wie immer in den vergangenen Jahren? Würde er gar nicht erscheinen und sie allein lassen – ihre Beziehung verleugnen? All das machte ihr Angst, doch bisher hatte sie es ganz tief in sich vergraben und schlummern lassen. Es nützte nur nichts, sie würde erst an diesem großen Tag, an diesem Abend die Antworten erhalten – keinen Tag früher.
„Tja, dann warte ich mal auf die Aushänge.", sagte sie daher nur und schwieg anschließend für eine Weile.
Severus ahnte, was sie beschäftigte und ihm ging es nicht anders. Würde sie zu ihm stehen? Würde sie wollen, dass man sie zusammen sieht oder würde sie es lieber weiterhin geheim halten? Hatte sie Angst vor den Reaktionen, so wie er es hatte, oder machte ihr es nichts aus? Schon Vieles hatte er in seinem Leben getan und gesagt, aber mit ihr darüber zu reden brachte er nicht fertig. Nicht jetzt und vermutlich auch dann nicht, wenn es dringend wurde. So musste er es darauf ankommen lassen und auf ihre Zeichen und Reaktionen achten. Das Schönste war – für ihn eher weniger – dass Gleiches auch für das Kollegium galt. Sie durften auch ihre Familien mitbringen, wenn sie wollten, sie mussten nur die Zahl der benötigten Plätze eintragen und mehr nicht.
In dem Moment, als das Thema im Lehrerzimmer besprochen worden war, waren seine Gedanken abgeschweift und er hatte sich ausgemalt, wie es sein würde, wenn sie zu ihm gehören würde, wenn sie seine Familie war. Gleich darauf hatte er sich innerlich geschalt für solche Abwegigkeiten und daraufhin wieder seine Maske aufgesetzt, die seine Kollegen wie immer abschätzig und genervt betrachtete.
Bald merkte er, dass ihre Augen zufielen und sie wünschten sich eine Gute Nacht.
Als Hermione längst schlief, dachte er erneut über das Thema nach. Das brachte ihn gedanklich wieder zum vergangenen Sonntag und er fühlte, dass er richtig gehandelt hatte. Jetzt war es ausgesprochen und sie erwiderte seine Liebe. Das wiederum brachte ihn auf eine ganz andere Art von Liebe und die machte ihm gerade zu schaffen. Da half es auch nicht – im Gegenteil – dass sie ihren hübschen Po im Schlaf gegen ihn drückte und er nicht nach hinten wegrücken konnte, weil sich die Wand partout nicht verrücken ließ. Daher drehte er sich auf die andere Seite und versuchte mit aller Kraft, an etwas Eis zu denken. Dummerweise erinnerte ihn Eis an das, was sie in einer der letzten Nächte damit alles angestellt hatten und dahin war sein vermeintlich guter Einfall. Es wurde eine lange Nacht für ihn mit mehr oder weniger unruhigen Träumen.
Der nächste Morgen war nicht weniger unruhig, denn sie gedachte ihn mit einem intensiven Kuss zu wecken.
„Her-mi-o-ne...", nuschelte er in ihren Mund, „...sie...wartet doch sicher schon auf uns. Nicht dass sie denkt, wir..."
„Ach was."
„Ähm, ich wollte gerade duschen gehen.", erklärte er und kletterte bedacht aus dem Bett. ‚Und zwar kalt.', schob er gedanklich hinterher. „Bis gleich."
Und wieder ließ er eine nachdenkliche Frau zurück, die nicht blind war.
‚Warum auch immer.', dachte sie, stieg aus dem Bett, legte die Decken zusammen und verkleinerte es wieder auf Originalgröße.
Beim Frühstück sah er ein wenig...weniger gestresst aus, denn das Wasser war ziemlich kalt gewesen. Lange hielten sie sich nicht auf und Hermione verabschiedete sich, um es möglichst schnell hinter sich zu bringen – das mit ihren Eltern. Sie liebte sie, ja, aber sie konnten auch sehr ausdauernd und geschickt Fragen stellen. Glücklicherweise hatten sie eine ebenso schlaue Tochter.
In der Zwischenzeit hatte Jean Severus dazu gebracht, mal zu versuchen, mit Emma eine Runde zu gehen.
„Warum nicht.", hatte er daraufhin gesagt und gedacht. Wenn es schon zum normalen Leben dazugehörte... Die Wunder hörten gar nicht auf für ihn.
Jedenfalls war es der Tag, an dem...Emma zum erstenmal mit ihm spazieren ging.
Gut war, dass ihre Eltern arbeiteten, immerhin war in der Muggelwelt ein ganz normaler Freitag und kein Feiertag. So hatten sie wenig Zeit, überrascht und inquisitorisch zu sein. Da noch Patienten da waren, lief Hermione zwischenzeitlich hoch in ihr Zimmer und packte noch ein paar wenige Kleidungsstücke ein und ein paar CDs – falls sie das Auto bekommen würde. Außerdem zog sie sich um und trug jetzt einen kurzen, engen Rock mit pastellfarbenen Blüten und eine weiße, ärmellose Bluse. Heute sollte es in Südbritannien an die 27 Grad geben. Ungewöhnlich, aber schön.
In letzter Sekunde – als sie sich nochmal kurz im Zimmer umsah – fiel ihr wieder die Sache ein, die sie schon längst hatte erledigen wollen. Bevor sie es wieder vergaß, machte sie es lieber gleich. Unbedingt müsste der von ihr modifizierte Portschlüssel endlich deaktiviert werden, bevor noch McGonagall oder sonst jemand davon erfuhr. Hermione öffnete die Schublade ihrer Kommode, wo der Portschlüssel in Form der schön verzierten Zauberstabhülle lag, ließ ihn mit ihrem Zauberstab heraus schweben und wollte gerade den Spruch sagen, als ihre Mutter von unten laut rief. Vor Schreck war die Konzentration weg und die Hülle fiel auf den Boden – halb unters Bett. Darum würde sie sich gleich kümmern.
Schnell lief sie die Stufen hinunter und fragte, was los sei.
„Wir haben gerade einen Moment Luft.", erklärte Dr. Granger und sie setzten sich gemeinsam ins Büro. Nun ging kein Weg daran mehr vorbei. Hermione musste beichten, dass sie sich verliebt und einen Freund hatte und ihre Mutter nickte schon während des Erzählens wissend, während ihr Vater nur grinste. Sie hatten sich das schon gedacht und waren im Moment froh, dass sie glücklich oder wieder glücklich zu sein schien. Dass die Zauberwelt Sommersonnenwende feierte, wussten sie aus den vergangenen Jahren auch und daher wunderten sie sich nicht mehr großartig, warum ihre Tochter heute bei ihnen auftauchte. Allerdings wunderten sie sich umso mehr über den Grund ihres Daseins. Wenn sie doch einen Freund hatte, warum...
„Mum? Ähm wir...er...und ich...also, ich...habe ihn in...unsere Welt eingeladen und wir wollten einen Wochenend-Ausflug machen. Ich dachte, dass ich… Darf ich dein Auto haben?"
Ach deswegen! „Meins?"
„Naja…es…ist doch nicht lang und hast du nicht Dienst dieses Wochenende, dann fahrt ihr doch nicht damit."
„Du weißt, dass es das Geschenk zu unserem 20. Hochzeitstag war von Dad – vor nicht mal einem Jahr, oder?"
„Und du weißt, dass ich verantwortungsvoll bin und…nur selten um etwas bitte, aber es wäre so…schön."
„Und wann stellst du ihn uns vor?"
„Es…ich…bald, versprochen. Es ist nur noch so neu und…für ihn auch und man hat doch immer…Bedenken und…"
„Ich weiß, Schätzchen, du musst uns aber auch verstehen. Man macht sich immer Gedanken oder Sorgen, wir wollen nur das Beste für dich. Kennen wir ihn denn gar nicht?"
„Ähm...nicht so...direkt. Also, nicht so gut wir Ron und Harry. Und Mum, ihr müsst euch keine Sorgen machen. Ich…bin in den besten Händen, die man sich wünschen kann. Mir geschieht nichts, gar nichts. Außerdem…habt ihr vergessen, was ich bin?"
„Nein, nur…ist er das nicht auch?"
„Ja, einer der besten, die unsere Welt je hatte."
„So?"
„Du kannst mir…uns vertrauen, ich gebe dir mein Wort."
„Eltern sind so, aber wir wissen, was wir an dir haben."
„Danke Mum. Außerdem…dieses Jahr dürfen wir unsere Familien zum Abschlussball mitbringen. Wollt ihr kommen? Bitte…"
„Nach Hogwarts? Wirklich? Hugo…hast du gehört?"
„Sicher kommen wir.", bestätigte Mr. Granger mit einem Lächeln. Er mochte diese Welt von Anfang an. „Kommen die Weasleys auch, sie waren immer nett zu uns."
„Denke schon, immerhin haben Ron und Ginny beide Abschluss."
„Dann müssen wir Ron wohl ausschließen aus den Kandidaten – aufgrund deiner Erklärung von vorhin?"
„Ja, das ist wohl so."
„Du machst es ja spannend, Schätzchen."
„Lange müsst ihr ja nicht mehr warten, spätestes dann…"
Mrs. Granger seufzte. „Ich merke, wann ich verloren habe."
„Tut mir leid Mum…es ist…nicht so einfach, wenn man vorher…"
„Schon gut, ich dränge dich nicht, pass nur auf dich auf, hörst du?"
„Melde dich bitte, wenigstens jeden Abend, ja?"
„Ja Dad, versprochen. Und danke."
Hermione umarmte ihre Eltern innig und die sahen, wie glücklich ihre Tochter war. Sie ließen sie ziehen, weil sie sich bewusst waren, dass sie sie mit fast 20 Jahren sowieso nicht mehr halten konnten und weil sie ihnen noch nie Grund zum Zweifeln gegeben hatte.
Hugo Granger ging mit zur Haustür und steckte seiner Tochter drei Zwanzig-Pfund-Noten zu.
„Hier, meine Große, wir waren auch mal jung. Ein Beitrag zum Tanken fürs Wochenende."
„Oh danke, danke Dad. Ich hab dich lieb."
„Und ich dich. Fahr vorsichtig."
Hermione fuhr mit dem Wagen aus der Garage und blieb nochmal stehen, um zu winken, da kam ihre Mutter angelaufen.
„Was ist denn jetzt, Rose?", fragte ihr Mann. „Lass sie ziehen."
„Ach nichts…habe nur noch etwas im Auto liegen…"
„Aha…"
Sie steckte den Kopf durch das geöffnete Fenster.
„Hier, Schätzchen, ich hab noch was für dich, steck das ein. Vielleicht findest du ja etwas Schönes für dich…und ihn. Aber das bleibt unter uns, ja? Ich weiß, wie es ist…"
Hermione grinste breit. Ihre Eltern waren wirklich unschlagbar.
„Danke Mum. Das vergesse ich euch nie. Danke."
„Pass gut auf, ja?"
„Jaaa, hab dich lieb."
„Wo sie ihn nur aufgabelt jetzt?", fragte sich Hugo und Rose überlegte.
„Ich denke, er wird irgendwohin apparieren, ist doch ganz einfach."
„Du hast wohl recht. Keine Chance für uns, ihn uns anzugucken, hm?"
„Ich fürchte nein. Das kann überall und nirgends sein."
„Hm."
Sie konnten ja nicht ahnen, dass besagter Unbekannte währenddessen von Großmutters Hund spazieren gegangen worden war und nun bei ihr in der Küche wartete und ständig von seinem nunmehr noch größeren Fan beäugt wurde, der unglaublich gut winseln konnte.
*Stevie Wonder: „For Once In My Life"*
Hermione fuhr links neben Omas Haus vor die Einfahrt. Als sie drinnen war, strahlte sie übers ganze Gesicht und zwei Augenpaare sahen sie an.
„Hat geklappt, nicht? Wie schön!", strahlte Oma zurück. „Komm mal her, Liebes."
Sie nahm ihre Enkelin erst innig in den Arm und nahm dann ihre Hand, um ihr unauffällig ein paar sorgfältig zusammengefaltete Scheinchen zu übergeben.
„Oh nein, Oma, wir durften schon hierbleiben und du hast schon so viel getan und…"
‚Wenn du wüsstest, was ich schon alles getan habe, wärest du zurückhaltender, mein liebes Kind.', dachte Mrs. Tenerhale bei sich.
„Kein Wort, Hermione, außer nicht das Oma-Wort. Es ist meine Entscheidung, meine Freude, meine Zuk…ähm." Jean räusperte sich. „Gönnt euch was.", flüsterte sie weiter und täuschte zwischendurch ein weiteres Kratzen im Hals vor. „Ihr müsst ja auch irgendwo übernachten. Wenn ihr jede Nacht zurück nach Hogwarts appadingst, ist es doch keine Erholung, oder? Jedenfalls…lad ihn auch mal zu etwas ein, genießt das Leben, bitte! Ich hab dich lieb."
„Ich dich auch. Danke für alles. Und wenn Mum fragt… Sie weiß, dass jemand…einer…mitkommt, aber nicht viel mehr."
„Herrje, dann steht mir ja was bevor.", stöhnte Großmutter und dachte an ihre Tochter Rose.
„Nein, keine Angst, ich hab sie natürlich auch auf den Abschlussball eingeladen, bis dahin müssen sie sich gedulden, habe ich gesagt.", grinste Hermione. Sie hatte ihre Oma beim Frühstück schon von den Neuerungen zu ihrem Abschluss erzählt.
Severus kam die Treppe herunter und hatte den letzten Satz mitbekommen, was ihn lauter seufzen ließ als er wollte.
Mrs. Tenerhale hatte das sehr wohl mitbekommen. „Alles wird gut, Severus, glaub mir das, mein Ju…äh, glaub mir das."
Mit den Worten nahm sie ihn auch einfach in den Arm, drückte ihn kurz und ließ dann einen – mal wieder – sprachlosen Mann stehen.
„Los jetzt, habt ein paar schöne Tage. Raus hier!"
Emma bellte dazu genau einmal wie so oft und wedelte heftig mit dem Schwanz.
„Macht's gut, meine Lieben, und passt auf euch auf."
„Danke Oma."
„Nicht Oma!", schrie sie noch hinterher, aber die beiden stiegen schon ins Auto ein.
„So, Emma, da fahren sie. Wollen wir mal hoffen, dass sie die Zeit ganz allein mal endlich genießen können ohne Störungen und… Weißt du was? Wir gehen mal auf den Dachboden heute. Da sind irgendwo zwei Kisten mit den Babysachen von Rose und Violet. Stöbern macht Spaß, hm?"
„Wau."
Draußen war Severus zuerst kurz vor dem Auto stehen geblieben.
„Das? Es ist anders als in den Ferien."
„Das ist Mums Auto, klasse, nicht? Steig ein. Ist was damit?"
„Nein…interessante Farbe."
Hermione lachte. „Interessant? Passend eher, Dad ist ein Slytherin!"
„WAS?"
„Nein, nur ein Scherz. Er hat ihn Mum zum 20. Hochzeitstag letztes Jahr geschenkt, aber sie haben ihn eigentlich – naja, mehr oder weniger zusammen ausgesucht. Mum wollte eigentlich schwarz, aber das war ihm zu…traurig irgendwie. Dad wollte rot, aber die Farbe mag meine Mutter nicht sonderlich. Weiß wollten sie auch nicht, weil sie den ganzen Tag nur weiß sehen und silber hat jeder. Also ist es dunkelgrün geworden. Gut, nicht?"
„Hm…", meinte er nur und grinste. „Guter Geschmack."
„Tjaha, dachte ich mir.
Wohin willst du?"
„Such dir was aus."
„Moment mal… Du hattest die Idee – die tolle Idee – und weißt immer nicht, wohin du willst? Ich dachte, du hättest dir etwas überlegt seit gestern oder mal den Atlas genommen."
„Ja…nein. Einfach etwas…Normales erleben, weißt du? Ich kenne doch keine schönen Strecken und das alles."
„Ok, Nord oder Süd?"
„Nicht Nord. Nicht zurück. Im Süden ist viel los, oder?"
„Hm, ja vielleicht."
„Dann...West."
Daraufhin fuhr Hermione los Richtung Autobahnauffahrt.
„Da vorne im Handschuhfach liegt eine Landkarte. Schau einfach, ob du irgendetwas findest, was dich anspricht."
An der nächsten Ampel schob sie erst einmal eine der CDs ins Autoradio, die sie sich schnell noch aus ihrem Zimmer geholt hatte.
„Musik?", fragte sie eigentlich nur rhetorisch und er nickte. Er lernte sowieso immer mehr kennen und mögen.
Kaum waren sie auf der Autobahn, drehte sie lauter und gab Gas.
Niemals hätte er zugegeben – nicht mal unter Veritaserum – dass er ein wenig Panik gehabt hatte in den ersten zehn Minuten. Ein Snape hatte eben keine Panik – niemals.
Die Muggel hatten keinen Feiertag und deshalb war an diesem Freitagmorgen nicht ganz so viel los. Das würde am Nachmittag ganz anders aussehen, aber dann würden sie längst irgendwo angekommen sein. Die Sonne schien, blauer Himmel und denjenigen neben sich, den man liebte. Was wollte man mehr?
Sie ließ sich von ihm die Sonnenbrille reichen, die immer im Auto lag, und gab noch ein wenig mehr Gas. „Ich liebe das Fahren."
„Ich merke es.", presste er hervor und versuchte, die vorbeiziehende, oder eher die vorbeirasende Landschaft zu genießen…zu sehen, und sich auf die Musik zu konzentrieren.
Ihre Gute-Laune-CD hatte sie gesagt und es war tatsächlich so. Sie war blendend gelaunt und ihm wurde immer wärmer, nicht nur durch die angekündigten 27 Grad.
„Oh!", quiekte sie auf einmal und er erschreckte sich.
„Ist was passiert?"
„Nein, das hättest du gemerkt.", grinste sie, natürlich ohne ihn anzusehen. „Du hast nicht etwa Angst?"
„Ich? Was soll die Frage?"
„Ich dachte beinahe." Ihr Grinsen wurde breiter und sie holte noch fünf Stundenkilometer mehr heraus auf dem freien und geraden Autobahnstück Richtung Bristol.
Aus dem Augenwinkel sah sie, wie er sich mit dem linken Arm am Türgriff festhielt.
„Weißt du, hierbei kann man nicht zersplintern."
„Nein, nur zersplittern, wie mir scheint.", grummelte er. „Und ich könnte mir vorstellen, dass diese Schilder am Straßenrand irgendeinen Sinn haben..."
Den letzten Teil des Satzes ignorierte sie. „Ach was, ist auch nicht viel gefährlicher als apparieren. Oooh, mein Lieblings-Sommer-Sonne-Cabrio-Lied kommt jetzt."
Sie drehte wieder ein wenig lauter und traute sich bei der zweien Wiederholung, mitzusingen. Ungläubig schaute er nach rechts und betrachtete sie. Beinahe jede Stunde lernte er neue Dinge an ihr kennen und…lieben – mit oder ohne ein Schmunzeln.
„Er hat recht, mit jeder Silbe.", stellte sie auf einmal fest und sang sofort weiter. Damit hatte sie Severus wieder zurückgeholt und er versuchte nachzuvollziehen, was sie meinte.
Nach der gefühlten zehnten Wiederholung des Songs – sie hatte immer wieder zurückgedrückt – konnte er den Text fast auswendig und verstand, was sie meinte. Die Worte passten hundertprozentig auf ihn selbst, wie er tief im Inneren zugeben musste. Jedes einzelne hätte er sagen und unterschreiben können – in die Welt hinausrufen können.
For once in my life I have someone who needs me
Someone I've needed so long
For once, unafraid, I can go where life leads me
And somehow I know I'll be strong
For once I can touch what my heart used to dream of
Long before I knew
Someone warm like you
Would make my dreams come true
For once in my life I won't let sorrow hurt me
Not like it's hurt me before
For once, I have something I know won't desert me
I'm not alone anymore
For once, I can say, this is mine, you can't take it
As long as I know I have love, I can make it
For once in my life, I have someone who needs me
Nach der 15. Wiederholung fragte er sie, ob es nicht noch mehr Gute-Laune-Lieder gäbe und sie erklärte ihm, wie er suchen konnte. Nicht, dass es ihm nicht gefallen hätte, sondern es brachte ihn einfach zu sehr zum Nachdenken und zum…Fühlen – trotz der Musik, die einen fast zum Tanzen brachte. Jetzt wollte er auch Fühlen, keine Frage, aber anders. Er wollte drei Tage einfach ganz normal sein – mit ihr.
„Hier sieht es schön aus, wollen wir?", nachdem sie einige Zeit später Bristol hinter sich gelassen hatten und dann doch nach Süden abgebogen waren.
„Klar.", sagte sie und freute sich sichtlich, dass er die Entscheidung traf. An der nächsten Ausfahrt verließ sie die Autobahn und sie sahen auf der linken Seite einen großen See. Sie fuhren weiter durch die Gegend auf einer Landstraße und hielten ab da Ausschau nach einem schönen Fleckchen mit einer Pension, einem Hotel oder was auch immer ihnen ins Auge springen würde. Severus entspannte sich wieder und konnte endlich auch mal den Anblick innerhalb des Autos genießen – den auf ihre Beine. Der Rock war höher gerutscht und ihre leichten, anmutigen Bewegungen beim Schalten oder Bremsen gefielen ihm durchaus.
Nur allzu lang sollte sein Blick besser nicht darauf verweilen – die Nacht war...hart genug gewesen.
Auf einmal hielt sie am Straßenrand an und das brachte ihn glücklicherweise von seinen...warmen, um nicht zu sagen heißen Gedanken ab. Ohne etwas zu sagen drückte sie auf einen Knopf im Auto und das Dach öffnete sich.
Das Wort, dass ihm daraufhin entfuhr, sollte eigentlich nicht ausgesprochen werden. Jedenfalls nahm er seinen Zauberstab und richtete ihn schon auf das Verdeck, das nunmehr ganz heruntergeklappt war.
„Lass das bloß sein!", warnte sie ihn und lachte. „Noch nie ein Cabrio gesehen?"
„Vielleicht. Musst du mich so...ach...fahr weiter, Frau."
Nach ungefähr 14 Kilometern, währenddessen sie ständig gelacht hatte, kamen sie scheinbar in die Nähe des Sees, der ihnen von der Autobahn aus schon aufgefallen war.
„Blagdon Lake ist das. Wir sind in Somerset. Warst du schon mal hier?"
„Nein, noch nie, oder sagen wir, nicht dass ich wüsste."
„Und nun? Sollen wir die kleinen Städte erkunden, ob wir eine Unterkunft finden?"
„Ja, ich schaue mich um."
Sie fuhren die Landstraße weiter und zur Linken lag das gleichnamige Dorf, wobei man in der Ferne noch das nächste erkennen konnte. Ein paar Hügel erhoben sich dort und sie beschlossen, diese Richtung einzuschlagen.
„Mendip Hills werden sie genannt. Stand auf dem Schild."
„Vielleicht finden wir dort oben etwas mit Blick auf den See. Das wäre schön."
Glück hatten sie kurze Zeit später: Nach der nächsten Kurve tauchte ein Schild auf, das auf eine Unterkunft hindeutete. Vielleicht war es das, was sie wollten – nicht viele Touristen und schon gar keine Zauberer oder Hexen, und trotzdem nicht zu einsam... Als sie sich näherten, fuhr sie etwas langsamer.
„Eigentlich müsste es hier sein.", überlegte sie laut.
„Fahr noch ein kleines Stück, dort hinten ist ein hoher weißer Zaun vor dem vermeintlichen Wäldchen. Wenn mich nicht alles täuscht..."
Und dann sahen sie sie: Eine wunderschöne, alte, weiße Jugendstil-Villa mit zwei Türmchen an beiden Seiten, die ein wenig versteckt hinter einem Kreis aus hohen Bäumen und einer halbrunden Wiese lag, die von blühenden Rhododendrenbüschen und Rosen-Sträuchern an den Rändern eingerahmt wurde.
HAVEN OF PEACE stand auf einem verschnörkelten Schild neben dem Tor, durch das man auf das Gelände hineinfahren konnte. Hermione fuhr die schmale, halbrunde Einfahrt entlang und stellte fest, dass hinter dem Haus ein paar Parkplätze eingezeichnet waren, von denen zur Zeit nur drei besetzt waren. Als sie ausstiegen, sahen sie, dass sich von dort aus das Gelände noch weiter nach hinten erstreckte und dass es parkähnlich angelegt war. Kleine, schmale Wege mit weißem Kies, ein kleiner Teich mit wunderbar duftenden Blumen und Seerosen, ein paar Bänke, ein weiteres, kleines Haus und...ein Pool.
Alles sah so schön gepflegt aus und die hohen Nadel- und Laubbäume, die sich im leichten Wind bewegten und rauschten, machten die Atmosphäre komplett. Wenn jetzt noch ein Zimmer für sie frei wäre und nicht zu teuer, würden sie bleiben.
Dort, wo sie den Eingang vermuteten, war er jedenfalls nicht. Zum Tor gelegen befand sich eine riesige, breite Treppe, an deren Enden oben jeweils ein steinerner, liegender Löwe angebracht war.
„Wenn das mal kein Zeichen ist.", murmelte Severus.
„Noch können wir gehen. Ist es dir zu...Hogwarts?"
„Nein, ich denke nicht. Hogwarts ist ein riesiges Schloss, das hier ist hell und...anders. Außerdem habe ich bei deiner Großmutter in ein paar Zeitschriften geblättert. Ich glaube, eine ganz moderne Einrichtung würde mir sowieso nicht gefallen."
„Hm...das hier scheint nur der ehemalige Zugang zum Garten gewesen zu sein – für die hohen Herrschaften. Dann ist es sicher der andere Eingang."
An der Seite des Hauses befand sich ebenfalls eine Treppe, die etwas schmaler, dafür aber höher hinaufführte und an einer alten, dunklen Holztüre endete. Unsicher blieb sie stehen und er ging vor, um ihr die Tür aufzuhalten – das gehörte sich einfach so.
Innen lag ein dunkelroter Teppich im Flur, der dort endete, wo ein kleiner Saal anfing. Tatsächlich erinnerte alles etwas an Hogwarts und dennoch war es ganz anders. Ein langer Tisch mit vielen Stühlen stand in der Mitte und hohe, alte, dunkelbraune Holzschränke und eine riesige Anrichte umrahmten den Essbereich. Auf der rechten Seite gab es eine Wendeltreppe mit einem verschnörkelten, schmiedeeisernem Geländer nach unten, ein altes Klavier stand an der Wand und dahinter lag die andere Hälfte des Saals, in der gemütliche Sessel, eine Couch und kleine Tischchen standen. Offenbar konnte man hier lesen oder einfach nur die Zeit verbringen. Eine große, gläserne Flügeltür gab am hinteren Ende den Weg über die breite Löwentreppe in den Vorpark frei.
Hinter dem langen Tisch auf der anderen Seite war ebenfalls eine breite, halbrunde Fensterfront mit einer Flügeltür, die auf einen Balkon führte, von dem aus man einen Blick auf den Park hinter der Villa hatte. Außerdem konnte man dort draußen sitzen und essen, denn es standen kleine Tische mit drei oder vier Stühlen an jedem dort.
„Gefällt es dir hier?", fragte Hermione ihn und er nickte.
„Wenn jetzt noch jemand da wäre..."
Vielleicht wurden sie gehört, denn sie selbst hörten irgendwo eine Tür und kurz darauf kam eine kleine, rundliche Frau mittleren Alters auf sie zu und begrüßte sie herzlich.
„Ah, neue Gäste, wie schön. Waren sie angemeldet?"
Severus ergriff das Wort. „Nein, das war...spontan. Hätten sie eventuell ein Zimmer frei?"
„Kommen sie mit in mein Büro, gleich hier."
Sie gingen in einen angrenzenden Raum und setzten sich um den großen Schreibtisch, wobei die Tür offen blieb, weil sowieso niemand anderes da zu sein schien.
„Nun, Mr...?"
„Snape."
„Mr. Snape, ich schaue gleich mal nach.", sagte sie lächelnd.
Severus begann zu überlegen. Die Villa schien mehr Zimmer zu haben, als es auf den ersten Blick aussah. Was gab es da groß nachzusehen? Sei denn, heute Abend würde eine Gruppe erwartet oder morgen. Allerdings hatte er noch gar nicht gesagt, wie lang sie bleiben wollten. Während die Frau ihr großes Anmeldebuch studierte, sah er, dass sie immer wieder einen kaum merkbaren Blick auf ihre beiden Neuankömmlinge warf. Was war los?
„Wie lange würden sie...beide bleiben wollen?", fragte sie immer noch freundlich.
„Bis Sonntag, wenn es möglich ist."
„Bis Sonntag...", murmelte sie und fuhr mit dem Finger die Seiten entlang. Diesmal hatte er gemerkt, dass sie offenbar ihn mit Hermione verglich. Klar, den Altersunterschied sah man schon, aber lange nicht so gravierend, als wäre er in seinem Gehrock aufgekreuzt oder wenn sie in ihrem Faltenröckchen erschienen wäre. Alles in allem akzeptabel und bei weitem nicht unnormal – lange nicht mehr in der heutigen Zeit.
Hermione schaute kurz zu ihm zur Seite und zuckte leicht mit den Schultern, wobei Severus längst überlegte, einen winzig kleinen Legilimens anzuwenden, was er aber eigentlich nicht wollte. Stattdessen besann er sich auf seine anderen Fähigkeiten – vor allem die der guten Beobachtungsgabe.
Bald darauf glaubte er, den Grund erkannt zu haben:
Sie schielte hin und wieder auf ihrer beider Hände, an denen es nichts Besonderes außer vielleicht dem Ring an Hermiones rechter Hand zu sehen gab, der mit seinen drei kleinen, pastellfarbenen Blüten genau zu ihrem Sommerrock passte.
Unauffällig griff er nach seinem Zauberstab hinter dem Rücken und murmelte etwas, während die Dame erneut in ihr Buch schaute.
Er war ein wahrlicher Meister der Ablenkung und der Heimlichkeiten und als alles in Bruchteilen von Sekunden geschehen war, sah er nach wie vor so aus wie immer.
Offensichtlich für jeden legte er erst seine rechte Hand auf den Schreibtisch und dann die linke, mit der er ein wenig ungeduldig über das Holz fuhr.
tbc
A/N:
Tjaha, was der gute Severus da wohl gemacht hat? Hm...
Der Ausflug geht natürlich weiter und danach...nähern wir uns langsam dem Abschluss, ihr Lieben. Nicht, dass ich noch einen langweile...? *g*
