Kapitel 46
*Alexander O'Neal: „All True Man"*
Hermione hatte erst mitbekommen, dass er seinen Zauberstab aus dem Hosenbund gezogen hatte, als er ihn wieder wegsteckte.
Und dann sah sie nichts anderes mehr um sich herum außer diesem Ring an seiner linken Hand. Wo war... Er hatte... Keine klaren Gedanken...nur...das Gefühl von...
Verstohlen hob sie ihre eigene, linke Hand, damit sie sehen konnte, was geschehen war. An ihrem Ringfinger fand sich ebenfalls ein einfacher, silberfarbener Ring, und als Severus sah, dass sie mit offenem Mund darauf starrte, schüttelte er unmerklich den Kopf und raunte ihr zu: „Darum kümmere ich mich später noch."
Was meinte er denn damit?
Die Dame hinter dem Empfangstisch holte sie wieder in die Realität. Die hatte, ebenso wie sie, auch auf den Ring geschaut und sah so aus, als schüttelte sie innerlich den Kopf. Tat sie auch, denn sie überlegte, wann ihr das letzte mal ihre Augen so einen Streich gespielt hatten.
„Nun, ähm, wenn das so ist, Mr. Snape, bis Sonntag also?"
„Richtig."
Innerlich brodelte er vor sich hin, aber wahrte den Schein. Er hatte bisher gedacht, die Zauberwelt wäre noch ein wenig rückschrittlich, aber bei den Muggeln schien es nicht anders zu sein. In der magischen Gesellschaft war es lange verpönt gewesen, irgendetwas öffentlich zu machen, bevor man nicht verheiratet war, aber selbst dort hatten sich die Zeiten geändert, oder zumindest lockerten sich die Ansichten in den jüngeren Generationen so unter 70. Manche sahen es immer noch nicht gerne, aber darauf achtete sowieso kaum einer noch. Das hieß nicht, dass er gegen eine Ehe war, nein, aber gegen Vorurteile aller Art.
Die Dame war sehr freundlich, keine Frage, nur eben etwas antiquiert in mancher Hinsicht, trotz ihres verhältnismäßig jungen Alters von schätzungsweise Ende 50.
„Unsere Zimmer sind sehr unterschiedlich. Zur Zeit sind einige belegt und heute Abend werden in der Tat noch Gäste anreisen, aber wir finden etwas. Die anderen sind entweder gerade weg auf einem Ausflug oder sie halten Mittagschlaf. Aber was erzähle ich...
Haben sie einen speziellen Wunsch?"
„Kann man von irgendwo den See sehen?"
„Oh...nun...wenn sie Glück haben, kann man ihn vom östlichen, oberen Turmzimmer sehen, wenn sich die Bäume im Sommerwind bewegen. Ansonsten können sie hier gut in dem Wäldchen spazieren gehen – quer über die Straße und dann sehen sie schon die Wege. Nach wenigen hundert Metern kommen sie an den Rand der Hügelkette, von wo sie einen schönen Blick auf beide Seen haben, die im Tal sind."
„Das Zimmer wäre nicht zufällig noch frei?", fragte Severus, weil er das Strahlen von Hermione sah.
„Ist es, allerdings müssten sie dann bis Sonntag Nachmittag ausgezogen sein, weil es ab dann reserviert ist. Außerdem ist vielen älteren Leuten die Treppe zu hoch."
„Das wird kein Problem sein. Wir reisen pünktlich, vermutlich morgens ab. Wir nehmen es - nur mit Frühstück."
„Sehr schön. Dann brauche ich nur noch einige Daten, Adresse und so weiter, nichts Besonderes, und ihre Unterschriften."
Jetzt sah Severus mit leichter Unschlüssigkeit zu Hermione. Was sollte er denn eintragen? Die Adresse von Spinner's End? Sie verstand glücklicherweise sofort und half ihm heraus.
„Das kann ich ja schon mal machen."
Mrs. Chickadeel, so hieß sie, reichte Hermione das Blatt, wo sie alles eintragen musste. Sie entschied sich für die Adresse ihrer Großmutter, schrieb ihrer beider Geburtsdaten auf und schummelte dabei nicht. Es war so wie es ist. Als es an die Unterschrift ging, griff Severus nach dem Blatt, nahm ihr den Stift aus der Hand und unterschrieb zuerst, dann schob er es ihr wieder hin und sah sie intensiv an.
Erst wusste sie nicht, was los war, aber als sie ihren Vornamen und das halbe G ihres Nachnamens geschrieben hatte, spürte sie einen leichten Anstupser an ihrem Fuß, während er so gekonnt hustete. Im letzten Moment machte sie aus dem Bogen des Gs noch ein großes S und unterschrieb zum ersten, vermutlich auch zum einzigsten mal in ihrem Leben mit Hermione Snape. Komisch fühlte sich der so ungewohnte Schriftzug an, der gleichzeitig ein seltsames Kribbeln auslöste, und das nicht nur in ihren Fingern.
„Prima.", bestätigte Mrs. Chickadeel, als sie alles überflogen und für gut befunden hatte. „Hier ist der Schlüssel für das Turmzimmer, Mr. Snape. Mrs. Snape – einen angenehmen Aufenthalt! Ich begleite sie noch nach oben, zeige ihnen den Weg und die anderen Räumlichkeiten."
Die komplette Villa war mit dunkelrotem, weichem Teppichboden ausgestattet, die Wände mit einem blassen vanillegelb angestrichen und die Türen waren weiß, wobei jedes Zimmer mit einem Blumennamen versehen war. Die Kronleuchter an der Decke in jedem Flur und die kerzenartigen Wandleuchten komplettierten die wohlige Atmosphäre. Gut, dass die Dame des Hauses mit ihnen gegangen war, sonst hätten sie sich vermutlich noch in den verwinkelten Fluren und über die drei verschiedenen Treppen verlaufen.
Mrs. Chickadeel ging voraus, Hermione war ihr gefolgt und sie hielten Smalltalk, wenn sie sich nicht gerade über das Haus und die Umgebung unterhielten.
Severus bekam zwar alles mit, jedoch hatte er während des Aufstiegs über die vielen Stufen eine wirklich wunderbare und überaus verlockende Aussicht auf Hermiones Beine, die durch den kurzen Rock mehr als vorteilhaft zur Geltung kamen. Im Auto war es schon nicht leicht gewesen, die Augen davon abzuwenden, aber hier war dies ein Ding der Unmöglichkeit. Mit jedem Schritt, der unweigerlich mit ein paar grazilen Bewegungen verbunden war, stieg seine Nervosität – um es mal relativ neutral auszudrücken – und er betete, dass sie bald ihr Zimmer bekämen.
Offenbar waren die Geister mit ihm.
„Da wären wir: Vergissmeinnicht – ihr Zimmer. Ein hübscher Name, der immer passt, wie ich finde. Dann nochmals angenehmen Aufenthalt. Falls sie etwas benötigen, einfach im Büro oder an der Küchentüre klopfen. Bis bald."
Das Turmzimmer war geschmackvoll eingerichtet. Ebenfalls vanillegelbe Wände, dazu weiße, wehende Vorhänge und weißer Stuck an der Decke. Nur eine Seite war gerade, die andere Begrenzung bestand aus einer durchweg runden Mauer, in der zwei hohe, hübsch verzierte Flügelfenster eingelassen waren, durch die das helle Sommerlicht hineindrang und die den Blick auf die hohen Bäume der Umgebung, den Vorpark sowie die runde Einfahrt zum Gelände freigaben.
Das breite, relativ moderne Doppelbett stand an der geraden Wand auf der linken Seite, daneben befand sich die Tür zum Bad, das allerdings keine Dusche bereithielt. Dazu würden sie ganz nach unten gehen müssen. Das war nicht weiter schlimm, denn sie würden ja nur zwei Nächte bleiben. Gegenüber der Eingangstür befand sich eine kleine Empore, auf der ein Tisch mit einer kleinen Bank und zwei Stühlen stand.
„Schon wieder im Turm."
„Du wolltest es doch auch.", kommentierte er nur und hoffte, dass sie nicht viel reden wollte.
„Ja, war nur Spaß. Ist ja ganz anders und wirklich schön. Wollen wir auspacken und..."
Das war das perfekte Stichwort für ihn. „Und ob wir das wollen.", sagte er, trat ganz nah von hinten an sie heran und zog langsam ihren Rock nach oben. „Ich packe dich schon mal aus, der Rest muss warten."
„Gestern konntest du scheinbar warten. Warum...äh...warum... Wir hatten doch viel Zeit. Oder hast du etwa etwas vergessen?"
„Bist du von allen guten Geistern verlassen? Das passiert häufiger in letzter Zeit. Ich habe nichts vergessen, das wäre ja... Und im Haus deiner Großmutter? Das war unmöglich."
„Dass DAS nicht unmöglich war, habe ich gemerkt, Mister, und zwar abends und morgens.", grinste sie süffisant und schaute provozierend auf seine Mitte.
„Einbildung."
„Einbildung der Augen UND des Gefühls? Oh, dann brauche ich wohl mal einen Arzt."
„Ich zeige dir jetzt, was du brauchst, wenn du so frech wirst."
„DA hab ich aber Angst."
„Werden wir ja sehen.", drohte er und zog ein Stück Pergament aus seiner hinteren Hosentasche.
„So, wir brauchen keine chemische Komponente. Das geht bestens ohne. Das Biochemische kommt automatisch, wie aus deiner Abhandlung hervorgeht."
Hermione bekam große Augen, als sie erkannte, was er da in der Hand hielt. Hatte er tatsächlich eine Kopie ihres Aufsatzes gemacht? Was für ein Slytherin.
„Es wird Zeit, dass die Testreihe beginnt, die Probanden sind anwesend." Während er redete, blieb er hinter ihr stehen und hielt seinen linken Arm fest um sie herumgeschlungen. Durch den hochgezogenen Rock merkte sie ziemlich deutlich, dass es nicht nur leere Drohungen waren, die er da mit seiner perfektesten Professorenstimme äußerte. Mit seinem Kopf beugte er sich zu ihr herunter, hielt ihr das Pergament vor die Nase und flüsterte an ihr rechtes Ohr: „Eine Theorie ohne Beweise hält nicht den wissenschaftlichen Ansprüchen stand, Mrs. Snape."
Die Anrede traf sie durch und durch, überall in ihrem Körper und vor allem im Herzen. Die Gänsehaut von der Kopfhaut zu den Zehen machten es überdeutlich und Severus schnalzte mit der Zunge. „Da hätten wir schon mal eine der Reaktionen abgehakt. Weiter – da ich immer noch dein Professor bin, entscheide ich mich, und zwar für Variation 2b, zweite Methode. Leg dich aufs Bett!"
Er schlug sie mit ihren eigenen Waffen, fand es großartig und grinste breit, als sie aufs Bett krabbelte. „Zieh deine Bluse und deinen Rock aus."
Sie tat wie ihr geheißen und sah, dass er keineswegs untätig blieb. Sein Hemd war längst weg und gerade war er dabei, seine Hose zu öffnen, als es an der Tür klopfte.
„Ich bring sie um.", fauchte er, griff sich sein Hemd und Hermione flüchtete mit ihren Sachen ins Bad.
Nur einen Spalt weit öffnete er die Tür und vor ihm stand tatsächlich wieder Mrs. Chickadeel. „Entschuldigen sie bitte, sie wollten sich sicher etwas ausruhen nach der langen Fahrt und frisch machen..."
Severus musste schwer an sich halten, um nicht unfreundlich zu werden. Er wollte sich nicht ausruhen, nur endlich entspannen – das artete ja schon in Quälerei aus."
„...Ich habe nur vergessen zu sagen – das Frühstück ist um 9 Uhr. Schon bin ich weg."
„Danke.", presste er noch hervor und schloss ein wenig zu laut die Tür.
Danach holte er seinen Zauberstab, schloss vorher noch die Fenster und legte einen Muffliato über den Raum. Bloß keine Störungen oder andere Zwischenfälle mehr. Hermione kam grinsend aus dem WC und sah, wie geladen er war. „Damit muss man rechnen.", kommentierte sie altklug und legte sich wieder aufs Bett.
„Jetzt nicht mehr, und wenn doch, muss sie warten, bis ich fertig bin." Sein Hemd flog auf den Boden, ebenso wie seine Hose. „Wo waren wir? Zieh dich weiter aus."
„Ja, Professor.", grinste sie immer noch und öffnete langsam ihren BH.
„Geht's noch langsamer?"
„Was?"
„Ich zitiere: Ausgeübte Dominanz der männlichen Testperson, laute Wunschäußerung und gesteigertes Tempo kann die Probandin durchaus zum gleichen Ziel bringen."
„Stimmt, das habe ich geschrieben. Was aber, wenn...", begann sie, streifte sich immer noch sehr langsam den BH ab, krabbelte an den Rand des Bettes, vor dem er stand, und erhob sich genau vor ihm. Severus wurde nervös und atmete laut aus und ein, während einige Schweißperlen auf seiner Stirn erschienen. Was hatte die kleine Hexe denn jetzt vor?
Sie strich ihm mit ihren Fingernägeln über seine Brust und verharrte genau oberhalb des Randes seiner Boxershorts.
„...wenn ich deine Entscheidung mit Variation 2a, Möglichkeit 1 verbinde? Was passiert dann, Herr Professor?"
Soweit er noch denken konnte – viel war nicht mehr übrig – fiel ihm ein, dass es sich dabei um einen netten, langsamen Strip handelte, was sie natürlich nicht so deutlich geschrieben, aber gemeint hatte. Als ob sie ihn gehört hätte, nickte sie. „Du zeigst alle Reaktionen und bestätigst damit meine These: Vermehrte Schweißproduktion, innere Unruhe sowie körperliche ANSPANNUNG."
Sie war noch nicht fertig und brachte ihn an den Rand des Wahnsinns. Mit einem koketten Blick auf seine Mitte drehte sie sich langsam um, zog ihren Slip wie in Zeitlupe aus, bückte sich vor ihm und schlüpfte heraus, bevor sie wieder aufs Bett krabbelte. Während dieser Aktion hatte sich seine Hand wie verselbstständigt zu seiner Shorts bewegt, und wenn er nicht bald etwas tun konnte, würde er damit weitermachen, entgegen jeglichem Verstand, der sowieso abgemeldet war.
Ausgerechnet in dem Moment drehte sie ihren Kopf über die Schultern und sah es. Sie fand das Bild, was sich ihr bot, unglaublich sexy – hätte sie niemals gedacht. Leider öffnete er die Augen, die er nur ganz kurz geschlossen hatte, als er seinen Kopf in den Nacken gelegt hatte, und fühlte sich ertappt.
„Oh bitte…Kannst du…mach damit weiter…"
„Wie bitte?"
„Ach…nichts." Die Vorstellung, ihm dabei zuzusehen, brachte sie in ganz andere Gefühlslagen und beschloss, ihn irgendwann dazu zu überreden, notfalls mit drastischeren Mitteln als gerade eben. Sie hatte schon gehört, dass Männer das umgekehrt sehr mochten, und jetzt erst konnte sie es sich vorstellen.
Hatte sie ihn gerade allen Ernstes gebeten, weiter selbst Hand anzulegen? Das zu denken machte ihm schon Schwierigkeiten und lenkte sich und sie lieber ab.
„Ich zeige dir jetzt, was dann ist, Hexe." Besagtes Übel – die Shorts – war schnell ausgezogen und er kniete sich hinter sie aufs Bett. Anders ging es nicht mehr. Mit den Händen fasste er sie fest um ihre Hüfte und drang mit einem heftigen Stoß in sie. Hätte sie sich ihm nicht so dargeboten, wäre es vielleicht weniger heftig ausgefallen, aber es war so wie es ist. Irgendwie gefiel es ihr, so von ihm genommen zu werden, weil sie seine geballte Leidenschaft hörte und fühlte. Er wiederum fühlte das bei ihr und seine Aktionen wurden noch härter und schneller und kurz darauf kam er mit einem lauten „Hermione", bevor er sich neben sie fallen ließ.
Dabei vergaß er sie natürlich nicht, sondern drehte sie herum, damit sie auf dem Rücken zu liegen kam und legte diesmal Hand an ihr an. Nun konnte er sich – endlich entspannter – um sie kümmern und verwöhnte sie mit all seinen Künsten.
Ihr abgehacktes Atmen und ihre kleinen Seufzer, die er so mochte, waren untrügliche Zeichen dafür, dass er damit aufhören sollte.
„Wag es auf-zu-hören, und ich bring dich um…", stöhnte sie laut und umfasste sein Handgelenk so fest, wie sie konnte. Die Chance ging gegen null, denn er hatte wesentlich mehr Kraft als sie, womit er nun ihre Hände gefangen hielt. Da lag sie wie ein Fisch auf dem Trockenen und wand sich, weil sie so kurz davor um ihre Erlösung gebracht worden war. „Was willst du? Du kannst es mir sagen. In deiner These hast du nämlich einen wichtigen Punkt vergessen – die verbale Komponente. Was Wörter so alles vermögen… Sag es mir!"
„Deine Hand."
„Die hattest du schon. Andere Ideen?"
„Meine…dann meine. Gib sie frei."
Severus überlegte kurz, aber entschied sich dagegen. „Glaub mir, das werde ich irgendwann in Betracht ziehen, wenn mir danach ist, meine Liebe. Weiter."
Mittlerweile versuchte sie, mit der Bewegung ihrer Beine irgendetwas zu bewirken, was nur so gut wie unmöglich war.
„Du brauchst es nur auszusprechen, dann tue ich es."
„Dann tu es doch, verdammt."
Er ignorierte ihre Ansage und amüsierte sich prächtig. Worte konnten tatsächlich einiges bewirken, das spürte er gerade am eigenen Leib – im wahrsten Sinne des Wortes.
„Weißt du, wie sehr – du –mich quälst? Weißt du, wie...das...ist?"
„Oh ja, seit gestern Nacht mehr denn je. Sag es!"
„Man, verdammt, f.., ich kann das nicht."
„Das war doch schon mal ein Anfang.", scherzte er, fuhr mit der Hand zwischen ihre Beine und drückte sie auseinander, damit er sich dorthin legen konnte. Anschließend setzte er die Quälerei fort, indem er mit seiner wieder harten Spitze an ihrer empfindlichen Stelle rieb. Sie glaubte, auf der Stelle zu vergehen, wenn er nicht sofort…
„Jetzt, du, in mich, sofort… sonst ist das Wochenende…gelaufen. Kein Sex mehr."
Nun gut, das reichte ihm auch als verbale Information und er tat, wie ihm geheißen. Kaum zwei Minuten später kam sie mit einem Schrei und Fingernägeln in seinem Rücken. Bei ihrem zweiten Orgasmus, der noch heftiger war, war sein Po dran, den sie fest im Griff hatte. Danach konnte er nach eigenem Ermessen handeln merkte, sodass sie etwas später noch ein drittes mal unter ihm erzitterte, gemeinsam mit ihm. Wie gut, dass der Zauber über dem Zimmer lag, sonst hätten sie vermutlich eine Versammlung vor der Tür gehabt.
„Und, was willst du heute noch machen?", fragte sie ihn, als sie wieder atmen konnten.
„Im Bett bleiben."
„Ist nicht wahr."
„Habe ich mir schon immer mal gewünscht."
„Dann lass es uns tun. Ist ja schon fast Nachmittag."
Einfach so blieben sie liegen, weil die Sonne so schön aufs Bett schien und erzählten sich etwas oder schwiegen gemeinsam. Kurz vor Ablauf der zu beachtenden Stunde konnten sie ihre Finger erneut nicht voneinander lassen und liebten sich wieder kurz, aber nicht so heftig.
Etwas später beschlossen sie, doch noch hinauszugehen und die Gegend zu erkunden. Das Wetter, der Wald und der See waren einfach zu schön, um ignoriert zu werden. Auf dem Rückweg des langen Spaziergangs, bei dem er fast die ganze Zeit ihre Hand genommen hatte, entdeckten sie im Nachbarort ein gemütliches Restaurant und Severus lud sie zum Essen ein. „Das macht man doch so.", hatte er erklärt und das war ein weiterer Schritt in ein normales Leben.
Abends fielen sie erschöpft aber glücklich ins Bett, nachdem sie ein wenig durch die Fernsehkanäle gezappt hatte.
„Gute Nacht...", flüsterte er und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, als sie schon längst eingeschlafen war. „...Mrs. Snape."
Er konnte trotz der Müdigkeit noch nicht schlafen, zu viel und zu ungewohnt waren die Eindrücke, die seit gestern auf ihn wirkten. Außerdem schien der helle Vollmond durch die Vorhänge und beleuchtete sie auf so ungewohnte Art. Als er sie betrachtete, fiel sein Blick auf ihre linke Hand, an der der Ring schimmerte.
‚Darum wollte ich mich ja noch kümmern.', dachte er und griff nach seinem Zauberstab auf dem Nachtschränkchen.
Als Hermione am nächsten Morgen als erste im Badezimmer stand und sich die Zähne putzte, dachte sie zuerst, der Spiegel spiele ihr einen Streich. Sie spülte ihren Mund aus, trocknete sich ab und sah genauer hin.
Das war nicht mehr der Ring, der es gestern noch gewesen war. Ungläubig betrachtete sie ihn und traute sich gar nicht, ihn abzuziehen aus der irrationalen Angst, er würde dann verschwinden. Silber war er immer noch, aber die Form war nicht mehr gerade, sondern er zeigte ganz kleine Ausbuchtungen, wie angedeutete Zacken eines Sterns – nur rundherum. Oder wie eine Dornenhecke, die sich nach außen hin gegen wen oder was auch immer verteidigen musste. Auch ein ganz zartes, filigranes Muster zierte jetzt den Ring. Erst als Hermione ihn unter das Licht des Spiegels hielt, erkannte sie, dass es nicht irgendein Muster war, sondern dass es ineinander verschlungene, kalligraphisch kunstvoll ausgearbeitete Buchstaben waren – H und S. Sie legte die Hand vor den Mund vor Rührung. Hermione und Severus hatte er magisch eingraviert. Niemals würde sie dieses Wochenende vergessen und vermutlich den Ring noch fühlen, wenn sie ihn längst wieder hatte ablegen müssen.
„Wann hast du das gemacht?"
„Ich war...noch etwas länger wach als du und da ich sagte, ich würde mich noch darum kümmern..."
„Der ist...wirklich zauberhaft schön, Severus...so schön."
Tatsächlich hatte er lange wachgelegen in dieser sowieso schon kürzesten Nacht des Jahres. Unzählige Variationen hatte er ausprobiert, mit und ohne Muster, mit und ohne Buchstaben und mit und ohne Stein. Letztendlich war es diese Version, die ihm am ehesten zugesagt hatte – wenn er schon für knapp drei Tage ein Ehering sein sollte, dann auch so, dass man eins damit werden konnte. Bis vorgestern hätte er noch gedacht, dass ihn solch ein Schmuckstück stören würde, aber dem war nicht so – nur das wohltuende Gefühl und das Wissen darum ließ ihn den Ring noch spüren.
Beim Frühstück an diesem Samstagmorgen sahen sie mehr Leute als zuvor. Manche waren wohl neu angereist und manche hatten sie schlicht und einfach nicht zu Gesicht bekommen. Zwar fühlten sich Hermione und Severus hin und wieder beobachtet, aber sie stellten fest, dass das offenbar jedem so ging, der neu hinzukam. Die meisten Gäste, die an der langen Tafel saßen, waren wesentlich älter als sie und schienen aus ganz Britannien zu kommen. Schottische, walisische oder irische Akzente konnte man erkennen und ein oder zwei gebrochen englische Wörter. Trotzdem war es eine harmonische Gruppe, von der sie vermuteten, dass sich mindestens schon ein paar kannten. Ihre Großmutter hätte sich hier wohlgefühlt, denn der Haufen war fröhlich und ziemlich rüstig für sein Alter.
Eine Ausnahme bildete ein Paar, die zwar ein paar Jahre älter zu sein schienen, deren Altersunterschied Hermione allerdings auch auf etwas mehr als die durchschnittlichen fünf Jahre schätzte. Die kannten auch schon ein paar Leute und sie bekam mit, dass sie gleich nach dem Frühstück abreisen mussten. Eigentlich schade, denn Hermione wünschte sich – zumindest in Zukunft – für Severus und für sich ein paar nette Freunde außerhalb der Zauberwelt, was ihm durchaus gut tun würde.
Blieb nur noch eine Familie, die am Abend zuvor gekommen war. Ein Mann, vermutlich in Severus' Alter, und eine sicherlich gleichaltrige Frau, die etwas müde und blass aussah. Vielleicht war sie auch traurig, darauf wollte sich Hermione nicht gleich festlegen. Sie saßen ihnen gegenüber an dem langen Tisch, wobei sie ihre Söhne auf je eine Seite verbannt hatten, damit sie nicht so viel Unfug trieben.
Der Ältere saß Severus gegenüber und war so um die acht oder neun Jahre alt, sein Bruder vielleicht fünf, der immer wieder versuchte, aufzustehen, aber von der Mutter zurückgehalten wurde. ‚Sollen sie doch ihren Kindern ein bisschen Freiraum geben.', dachte Hermione, während sie ein Brötchen schmierte. Immerhin gab es ein Frühstücksbuffet und somit immer irgendwelche, die herumgingen.
Wie Kinder so waren, beobachteten sie auch gerne, und der ältere Junge hatte ganz offensichtlich Severus als durchaus interessant eingestuft. Am liebsten hätte sie gelacht, aber versuchte es besser zu vermeiden. Severus hatte noch nicht genug Kaffee getrunken und war daher für Späße noch nicht aufgelegt – was er ja nie war – egal.
Kaum einen Moment später bekam Nick, so hieß der Junge, den ersten giftigen Blick ab, weil er meinte, Severus angrinsen zu müssen. Das schien ihn allerdings wenig zu beeindrucken. Nach der zweiten Tasse Kaffee stand er endlich auf und holte sich etwas vom Buffet – ein Brötchen, eine Schnitte Brot, Butter, Orangensaft, Lemon Curd, Käse und eine Scheibe Lachs. Als er etwa die Hälfte davon auf seinen Teller getan hatte, sah er neben ein paar anderen auch den Jungen an den breiten, viereckigen Tisch kommen, auf dem das Essen liebevoll angerichtet war. Er guckte auf Severus' Teller und begann, haargenau das Gleiche auszusuchen und versuchte nicht einmal, es zu verheimlichen. Breit grinsend rückte er auf und stapelte zum Schluss den Fisch auf seinen chaotischen Teller.
„Bist du sicher, dass du das essen wirst?", grummelte Severus. „Es wird nichts weggeworfen!" Warum sprach er überhaupt mit dem Kind? Gut, es war kein Schüler, das wertete ihn gleich auf.
„Fisch ist gesund, Sir!", sagte er höflich, jedoch ohne das Grinsen zu vergessen.
‚Manieren hat er wenigstens', dachte der Lehrer auf Urlaub und lernte, dass hier sein Professor-Snape-Blick nichts brachte.
Zurück am Tisch ging das Schauspiel erst richtig los, weil Nick begann, sogar alles in der gleichen Reihenfolge zu essen. Zwischendurch legte Severus entnervt das Messer auf den Tisch, guckte böse und sah dann, dass Nick nicht untalentiert war, vielleicht ebenfalls Lehrer zu werden.
Hermione hätte ihr Lachen kaum mehr unterdrücken können, wenn ihr nicht seit ein paar Momenten etwas mulmig war, denn der Vater des Jungen, der ihr gegenüber saß, sah sie hin und wieder etwas zu lange an und bekam gar nicht mit, was sein Sohn anstellte.
Heute hatte sie ein tailliertes, lilafarbenes, einfaches Shirtkleid an mit einem tiefen V-Ausschnitt, der aber von einem Top darunter zur Hälfte verdeckt wurde. Vorsichtig zupfte sie hier und da, aber da war nichts, womit sie jemanden hätte provozieren können.
Sie schob das leere Schälchen von sich, das zuvor mit Obstsalat gefüllt gewesen war und hoffte, dass Severus bald fertig sein würde. Eigentlich freute sie sich ja, dass er vernünftig aß und scheinbar auch Hunger hatte, nur jetzt...
Vermutlich bildete sie sich das alles nur ein. Immerhin betrachtete sie selbst auch den ein oder anderen Gast, weil es einfach interessant war.
„Einen schönen Tag, Sir!", sagte Nick, als sie endlich aufstanden.
„Das hoffe ich für dich.", bekam er als Antwort. Er hörte nicht mehr, dass der Junge „Das hoffe ich auch." noch hinterher schob.
„Was wollen wir heute machen? Hast du einen Wunsch?", fragte er sie, als sie kurz wieder auf dem Zimmer waren.
„Hm, ich habe unten in der Leseecke ein paar Prospekte und Auslagen von der Umgebung gesehen, wollen wir die mal ansehen?"
„Warum nicht.", stimmte er zu, denn er kannte sich ebenso wenig aus wie sie. Wieder unten angekommen, nahm sich Hermione einige Flyer und studierte sie eingehend. Severus hingegen sah Mrs. Chickadeel im Saal herumwuseln und bat sie auf ein Wort, denn er wollte schon die Rechnung begleichen für sie beide, bevor es zur Sprache kam. Schnell war das erledigt und er stellte sich danach ganz unschuldig neben Hermione, die immer weit abwesend war, wenn sie etwas zu lesen in die Hand bekam.
„Etwas gefunden?"
„Wie erwartet ist es nicht allzu viel. Eine Menge Kunsthandwerk in der Nähe, eine Sportarena und nicht weit sind zwei Höhlen zu besichtigen. Eine hat etwas mit dem berühmten Cheddar-Käse zu tun und die andere ist angeblich eine Drachenhöhle*, der Erzählung nach."
„Dem sollten wir auf den Grund gehen, was meinst du?"
„Können wir. Du glaubst aber doch nicht etwa, dass die Legende wahr ist? Ein böser Drache, eine hübsche Bauerntochter als Opfer und ein strahlender Held, der sie rettet..." Hermione rollte mit den Augen. „Hier steht, die machen für Kinder eine kurze Lasershow dort unten."
„In unserer Welt muss man mit allem rechnen. Ich habe mich nicht intensiv mit Drachenforschung beschäftigt, dass ich ein Fünkchen Wahrheit ausschließen könnte, du?"
„Nein, du hast recht.", stimmte sie zu. „Eine Führung ist um halb elf, das würden wir schaffen. Wollen wir los?"
Es ging tatsächlich schnell und war nicht weit weg von ihrer Unterkunft. Bei dem kleinen Häuschen, das die Kasse und den Eingang zur Höhle darstellte, fanden sie die Familie vom Frühstück, die offensichtlich die gleiche Eingebung gehabt hatten. Als die Kinder sie entdeckten, hellte sich Nicks Gesicht auf und er zog seinen Bruder am Shirt, um ihm etwas zuzuflüstern.
Severus stöhnte. „Das musste ja so kommen."
„Was hast du, er mag dich!"
„Woher bitte willst du das wissen? Keiner mag mich."
„Sag so etwas nicht, das tut mir weh. Ich liebe dich, schon vergessen? Meine Oma mag dich sehr, Minerva, Poppy, Flitwick und viele andere."
„Sicher, du wärest morgen noch nicht mit der Aufzählung fertig.", giftete er.
„Warum behauptest du das?"
„Kinder mögen einen oder nicht. Beides lassen sie dich wissen. Das ist nicht so wie bei Erwachsenen, die sich entweder nicht trauen oder dir etwas vorheucheln. Bei meinen Eltern in der Praxis war mal ein Mädchen, das sich nur behandeln ließ, wenn ich in den Ferien dabei war. Dabei hatten wir eigentlich nichts miteinander zu tun – sie mochte mich einfach. Und für die Kinder ist das eine einfache Sache, die sie dann auch zeigen, dann können sie auch mal zum Anhängsel werden."
„Das Letzte, was ich brauche, ist eine Klette!", seufzte er und beobachtete unauffällig das Kind.
„Keine Sorge, so schlimm wird es nicht, er ist ja schon etwas älter."
„Wehe du behältst nicht recht."
„Was dann?"
„Dann werde ich zur Klette."
„Wuhuuu, ähm... Naja, Strafe ist immer eine Sache der Definition."
Sie verschoben ihre Diskussion auf später, denn die Reihe rückte vorwärts und sie konnten endlich bezahlen und durchgehen. Diesmal war Hermione schneller gewesen und hatte den Eintritt übernommen. Der Höhlenführer kam und unterbrach somit Severus begonnenen Vortrag über die Kostenübernahme.
Der junge Mann rief alle zu sich und bat die Gruppe, sich die Jacken überzuziehen, an die die meisten gedacht hatten. Hermione nahm ihre Strickjacke und Severus half ihr ganz gentlemanlike rein, wenn auch nur angedeutet. Dazu gehörte auch, dass er die vielen, steilen Stufen vor ihr herging, damit er sie notfalls auffangen könnte. Erst hatte sie mit den Augen gerollt, aber es dann wirklich lieb von ihm gefunden. Noch immer konnte sie nicht fassen, dass das derselbe Mann wie Professor Snape war.
‚Der Welt ist etwas entgangen – der Damenwelt. Dem Himmel sei Dank.', lächelte sie in sich hinein.
Mit zunehmender Tiefe wurde es immer kälter und als sie unten angekommen waren, legte Severus heimlich einen Wärmezauber um sie beide. In dem Moment hatte sich Nick ganz kurz umgedreht, der mit seiner Familie vor ihnen herging.
Die Höhle war typisch Höhle, mit wunderschönen, jahrtausende- und jahrmillionen alten Gesteinsformationen. Stalagmiten, Stalagtiten und andere, vom Wasser geformte Figuren schimmerten im diffusen Licht und besonders anmutende Nischen waren kunstvoll ausgeleuchtet. Überall tropfte es und der feuchte, leicht modrige Geruch war nicht unangenehm, sondern passte zur Atmosphäre.
Der Höhlenführer erklärte viel und hier und da blieben sie stehen, um zu schauen und zu staunen. Langsam näherten sie sich der Hauptattraktion und die Kinder wurden unruhig. Als sie an der größten Halle – wie er es nannte – der Höhle angekommen waren, begann die Lasershow, die mit Musik untermalt war und in der des Drachen Stimme vom Tonband kam. Der grün leuchtende Drache erschien lebensgroß und erzählte seine Geschichte mit großen, runden Kulleraugen und einem breiten Lachen. Ab und zu kam Rauch aus seinen Nasenlöchern und am Ende seiner Rede spuckte er sogar Feuer, was die Kinder durcheinander schreien ließ vor Freude und Aufregung.
Severus seufzte und Hermione knuffte ihm in die Seite. Klar waren sie ganz andere Drachen gewohnt, aber jeder wusste, warum dies hier gemacht wurde. So eine Show, dazu noch mit Höhle und Drachen, lockte Touristen an und griff dem kleinen Ort weit ab von den Metropolen unter die Arme. Severus stimmte dem letztendlich zu und musste zugeben, dass die Vorführung für Kinder bis drei Jahre wahrscheinlich ganz in Ordnung gewesen sei. Hermione lachte nur und nahm seine Hand.
„Wenn sie hinter mir an der Absperrung entlang gehen, haben sie gleich in Ruhe die Gelegenheit, sich die schönste und größte Aushöhlung – im wahrsten Sinne des Wortes – der Höhle anzusehen. Genießen sie den Blick in die Vergangenheit, in die Entstehung der Welten.", erklärte der junge Mann.
Die Halle, in der angeblich der Drache einst gewohnt haben soll, war riesengroß und konnte nur als Halle oder Saal bezeichnet werden. Man hätte ein Tanzfest darin feiern können und gemäß dessen war sie wundervoll und indirekt ausgeleuchtet, dass man fast jeden Winkel betrachten konnte. An den Wänden tropfte langsam aber stetig das Wasser und trug auf diese Weise bei, die Form der unterirdischen Welt in unendlicher Langsamkeit zu verändern. Der Geruch war ebenfalls etwas anders als im restlichen Teil der Höhle und ab und zu konnte man einen ganz leichten Luftzug spüren.
Irgendjemand fragte, warum man den Saal nicht betreten dürfe, schien er doch groß und hell und damit sicher zu sein. Der Höhlenführer erklärte, dass hin und wieder beobachtet wurde, vor allem wenn Reparaturen an den Stromleitungen oder ähnliche Wartungs- oder Reinigungsaktionen durchgeführt werden mussten, dass sich hier und da eine Spannung zu entladen schien, deren Ursprung bisher nicht gefunden werden konnte und daher aus Sicherheitsgründen beschlossen worden war, die Touristen nur bis an die Absperrung zu lassen, an der sie ersten jetzt schon standen. Hin und wieder hätte sich sogar ein wahrer Funkenregen gezeigt, der immer völlig überraschend, unterschiedlich intensiv, gänzlich unabhängig und weit weg von jeglichen elektrischen Kabeln auftauche.
Nach seiner Erklärung, die Severus und Hermione stutzig gemacht hatte, ließ er der Gruppe genügend Zeit, sich umzusehen. Manche schauten länger, manche kürzer oder gingen lieber ein wenig auf den ausgewiesenen, schmalen Wegen umher. Die Familie Ryan, deren Name sie mittlerweile herausgefunden hatten, war immer noch direkt vor ihnen und die Kinder warteten schon ungeduldig, dass sie sich die Wohnung des Drachen ansehen konnten, wie es der Kleinste formulierte. Ganz enttäuscht war er und ging zu seiner Mutter, als er nicht das lustige Tier aus der Vorführung sah.
Als Nick endlich freie Sicht hatte, wurden seine Augen größer und größer. Schnell zog er seinen kleinen Bruder Alex an der Jacke. „Guck doch, da ist er, DA!"
„Wo?", weinte Alex, „Ich seh ihn nicht. Das is gemein, wieso siehst du ihn?"
„Aber da liegt er doch. Er ist grün, genau wie auf den Bildern. Boah, ist der groß." Nick konnte sich gar nicht beruhigen und starrte in den Höhlensaal. Sein Vater hatte endlich mitbekommen, was Sache war und schimpfte seinen ältesten Sohn, dass er nicht immer seinen kleinen Bruder ärgern sollte und vor allem nicht mit solchen komischen Dingen, wie so oft. Sie gingen weiter, aber Nick blieb wie angewurzelt stehen. Mittlerweile waren Hermione und Severus aufgerückt und stellten sich neben ihn. Sie sahen den Drachen auch. Unauffällig zückte er seinen Zauberstab und stellte fest, dass ein Desillusionierungsszauber über dem Tier lag und ihn damit für Muggel unsichtbar machte. Severus nickte in Richtung des Jungen und Hermione verstand. Sie sahen, dass er ungläubig, fröhlich und total perplex dort stand, obwohl ihm ein paar Tränen herunterliefen. Offenbar wurde er des Öfteren geschimpft und jetzt wusste Hermione auch, warum. Ein magisches Kind in einer kompletten Muggelfamilie hatte es wahrlich nicht leicht, denn nicht alle Eltern nahmen es hin oder hatten Verständnis für jedwede Andersartigkeit ihrer Nachkommen. Da wurde Hermione so richtig bewusst, wie viel Glück sie gehabt hatte.
„Hey…Kleiner, das wird schon wieder.", versuchte sie ihn aufzumuntern.
„Dauernd schimpft Dad mich, aber ich sehe ihn doch.", schniefte er.
Sie hockte sich hin, dass sie mit dem Jungen auf Augenhöhe war. „Ich sehe ihn auch."
Jetzt starrte Nick sie an. „Eeehrlich?"
„Ganz ehrlich, und er auch." Hermione nickte zu Severus, der mit verschränkten Armen und einer steilen Falte auf der Stirn den Drachen beobachtete.
„Jaaa? Er auch?" Man konnte förmlich sehen, wie er nachdachte. „Wieso können die anderen ihn nicht sehen?"
„Weißt du, manche Menschen sind ein bisschen…anders als andere, so etwas kommt vor." „Meinst du wie wenn einer nicht gehen kann oder so?"
„Ja, vielleicht so. Einfach anders, aber sie sind deswegen nicht schlechter oder besser als alle anderen, verstehst du? Und wir können eben den Drachen sehen oder ein paar andere Sachen, oder es passieren Dinge, wie wir nicht erklären können. Ist dir auch schon mal was Komisches passiert?"
„Oh ja, einmal hat Alex mich beim Schlafengehen geärgert, da war auf einmal sein Schlafanzug an den Füßen zusammengebunden. Dad hat furchtbar geschimpft, aber ich war das nicht."
„Solche Dinge meine ich, so komische Sachen. Aber du kannst mir eines glauben, das ist uns auch passiert, als wir so alt waren wie du."
„Echt?"
„Ja, echt und Indianerehrenwort. Du weißt, was das bedeutet?"
„Klar. Geht's dem Drachen gut? Guck mal."
„Hm, ich denke schon, aber wir werden einen Drachentierarzt rufen, damit er sich ihn mal ansieht. Das muss nur ganz geheim bleiben. Kannst du Geheimnisse für dich behalten und sie nicht einmal deinen Eltern verraten?"
„Kann ich, auch Indianerehrenwort. Die würden mir eh nicht glauben und wieder schimpfen. Also Dad würde schimpfen und Mum wieder nur traurig sein."
Hermione ahnte, was bei ihm zu Hause los war und schüttelte innerlich mit dem Kopf.
„Versprich mir eines: Nichts verraten, aber auch nicht traurig sein, in Ordnung? Das wird alles besser, glaub mir."
„Ok, versprochen. Warum guckt er immer so böse?"
„Der Drache, hm…er…"
„Neiiin, er!" Nick zeigte auf Severus.
„Ach der? Der ist nicht so, er guckt nur manchmal so. Du brauchst keine Angst zu haben." „Ne, hab ich nicht.", grinste Nick wieder und das war genau das, was Hermione sehen wollte. „Gehen wir?"
„Ja, ruft er den Tierarzt?"
„Ja, das macht er später."
„Ok."
Die meisten waren schon weitergegangen und Nicks Eltern warteten schon. Der Vater hatte zugelassen, dass sich das fremde Paar mit seinem Sohn unterhielt, vielleicht konnten die ihm besser die Meinung sagen als er.
Severus hatte die ganze Zeit über abwesend gewirkt, allerdings hatte er alles gehört und Hermione bewundert. Sie konnte gut mit Kindern umgehen im Gegensatz zu ihm. Diesen Nick würde er mit Sicherheit in zwei oder drei Jahren wiedersehen, davon war er überzeugt. Dass er ihm ein wenig leid tat, verdrängte er ganz weit nach hinten. Gleichzeitig formulierte er schon eine kurze Notiz an einen vertrauenswürdigen Mitarbeiter in der Abteilung zur Führung und Aufsicht Magischer Geschöpfe des Ministeriums, ob sie über den Aufenthaltsort des Irischen Hell-Gründrachen informiert waren. Immerhin musste ja irgendjemand den Zauber über den Ort gelegt haben. Wenn es dunkel war, würde er eine Eule rufen und das erledigen. Mit seinem Steinkauz hatte es keinen Sinn, der hörte ja nicht mehr.
Die beiden gingen an der Familie vorbei, die sich langsam beruhigte, und begannen den Aufstieg.
„Kannst du bitte hinter mir gehen?", bat Hermione ihn, als sie zu der endlos hohen Treppe kamen, die aus der Höhle hinausführte.
„Nichts lieber als das, Mylady.", grinste er und schaute an ihren Beinen herunter. Dass das genau der Grund war, fast genau, konnte er nicht ahnen. Lieber er starrte auf ihre Beine als ein Fremder. Die Blicke des Familienvaters wurden ihr unangenehm, jedenfalls in solch einer Situation.
Nach einer kleinen Mittagspause entschieden sie sich, in die nächstgrößere Stadt zu fahren und sich dort ein wenig umzusehen oder zu bummeln.
Dort angekommen, schlenderten sie durch die Gassen und Severus entdeckte einen kleinen Juwelierladen, der ihm mehr zusagte, als die großen und modernen Geschäfte, an denen sie vorbeigekommen waren. Endlich hatte er Gelegenheit, seine schon längst gereifte Idee umzusetzen und gab daher vor, sich gerne einmal die Herrenuhren ansehen zu wollen, die dort zweifelsohne zu finden waren. In seinen Kindertagen hatte er eine alte, abgegriffene Armbanduhr besessen und seitdem nicht mehr. Hermione willigte nur allzu gerne ein.
Severus haderte mit sich. Sollte er oder sollte er nicht? Würde es so klappen oder würde es in einer Peinlichkeit enden? Oder in einer Überraschung, die keine mehr war? Konnte er sich auf die Mitarbeit, auf das Verstehen des alten Mannes verlassen, der sie im Laden begrüßt hatte? Er beziehungsweise seine Vorfahren waren noch nicht so lange im Geschäft, dass er ihm blind hätte vertrauen können, oder doch? Erst seit 1860 wurde der Laden geführt von Generationen von Goldschmieden.
Sollte er eine kleine Notiz für ihn zaubern? Wenn ja, was sollte er schreiben, dass er es richtig verstand? Zuviel durfte es auch nicht sein, zu wenig schon gar nicht. Ein Zauberer war er nicht, das hatte er längst herausgefunden. Nein, er durfte nicht riskieren, dass Hermione irgendetwas davon mitbekam. Außerdem hatte der Mann, der schon ganz leicht gebückt, aber dennoch zufrieden mit sich durch den schmalen Durchgang in seinem Geschäft lief, flinke und wache Augen. Daher entschied er sich für die Alternative und vertraute darauf, dass ihn der Eindruck nicht täuschte, dass sein Geist ebenso wach war und im Gegensatz zu seinen körperlichen Leiden stand.
Als Hermione sich einer anderen Auslage als bisher zuwand, versuchte er sein Glück.
„Sir, haben sie nicht eventuell noch weitere, Uhrenmodelle in ihrem Fundus?", fragte Severus, während seine Miene und seine Hände etwas ganz anderes erzählten. Mit einem Blick auf Hermione hatte er dem Mann gedeutet, dass es um sie ging und mit seinen Händen hatte er gezeigt, dass er gerne kurz unter vier Augen im Hinterzimmer reden würde.
*Grace Potter & The Nocturnals: „Stars"*
„In der Tat, Sir, kommen sie mit."
Der alte Mann winkte ihn zu sich und ging ein paar Schritte in seine Werkstatt, in der jedes Teil seinen Platz hatte und die überaus genau geordnet zu sein schien. Das gefiel Severus, der selbst einen solches Arbeitsumfeld schätzte.
„Ich vertraue auf ihr Auge und ihre Vorschläge. Ich benötige für die...Dame etwas Grünes, Malachit, besser noch Smaragd, etwas Besonderes. Ein grüner Saphir?"
„Sie kennen sich aus?"
„Ein wenig."
„Etwas Besonderes, sagten sie?"
„So ist es."
„Frauen sind wie Edelsteine, junger Mann, und zu jeder gehört etwas Besonderes, so ist es schon seit Urzeiten. Manchmal findet man sogar eine, die so selten ist wie ein grüner Diamant..."
„Ein grüner Diamant? Ich hörte davon, aber..."
„Unglaublich selten, kaum eine Handvoll sind bekannt, unerreichbar, unerschwinglich, aber einige hätten ihn verdient, nicht wahr?"
„Ja.", flüsterte er.
„Und sie soll es nicht wissen, richtig?"
„Sie verstehen ihr Geschäft."
„Ich führe es mit Verstand und mit Herz, junger Mann. Vertrauen sie mir, ich weiß die Dame schon für mich zu gewinnen. Schauen sie sich derweil einfach die Auslagen an, die Uhren und das ein oder andere… Interessieren sie sich dafür."
Severus nickte und ging wieder in den Laden, wo sie glücklicherweise noch allein waren. „Hatte er nichts für dich?"
„Ich werde mich hier nochmal in Ruhe umsehen, wenn es dir nichts ausmacht. Ich habe einiges übersehen."
„Mach das, gerne."
„Ach…", stöhnte der alte Mann und kam mit ein paar übereinandergestapelten, flachen, mit Samt ausgekleideten Kistchen wieder hinter die Theke.
„Kann ich ihnen helfen, Sir?"
„Nein danke, junge Dame, lassen sie sich nicht stören. Wissen sie, ich habe es ganz vergessen. Nachher kommt ein Paar aus dem britischen Adel, eines von vielen, die im weitesten Sinne dazugehören. Unter uns…nett, reich, aber schwierig, sie verstehen?"
Hermione grinste und nickte. „Ich kann es mir vorstellen."
„Sie haben um eine Vorauswahl gebeten und jetzt suche ich alles heraus, was den Vorgaben entspricht in der Hoffnung, etwas Geeignetes zu besitzen." Bedächtig legte er die ledernen, offenen Schmuckkästchen nebeneinander auf den Glastisch.
„Darf ich nur mal einen Blick auf die schönen Stücke werfen?", fragte Hermione und der Ladenbesitzer ließ sich nicht anmerken, dass er sie da hatte, wo er sie haben wollte.
„Sicher, und wenn sie mir doch helfen wollen… Sie sind eine Dame, ich nicht – offensichtlich – was würde ihnen gefallen?"
Sorgsam betrachtete sie die Ketten, Ringe, Armreifen und Ohrringe und zeigte auf das ein oder andere Stück. Ein grüner Stein, geformt wie eine Träne, zierte eine Kette, die ihr recht gut gefiel. Dazu erregte ein Ring ihre Aufmerksamkeit, der wie eine Rose aus Antiksilber geformt war mit einem winzigen Smaragd in der Mitte der Blüte. Schlichter Schmuck war dabei, uralt anmutende Stücke sowie pompös glitzernde Teile. Man konnte sich kaum entscheiden, aber sie musste es ja auch nicht.
„Vielleicht das…oder das…", überlegte sie laut und der Juwelier merkte, dass noch nicht das Richtige dabei war. Das Glitzern in ihren Augen war nicht da. Und dann fiel es ihm ein…
„Warten sie, ich habe etwas ganz vergessen…um nicht zu sagen verdrängt." Er ging in die Werkstatt und zog eine Schatulle hervor, auf der ein wenig Staub lag und die offenbar schon länger nicht geöffnet worden war.
„Das hier habe ich hin und wieder einer Kundin gezeigt, aber nur wenigen, allerdings fand es keinen Abnehmer. Vielleicht habe ich heute Glück – oder Pech. Wollen sie mal sehen?"
„Sehr gerne."
Vorsichtig wickelte er das rote Samttuch auseinander und gab den Blick auf den Inhalt frei. Hermione holte tief Luft und bekam den Mund nicht zu. Absolut nichts sagte sie, sondern schaute nur kurz den alten Mann an. Der strahlte aus einem unerfindlichen Grund und begann zu erzählen, was Severus dazu veranlasste, sich zu ihnen gesellen, nachdem er vorher perfektes Desinteresse gezeigt hatte.
„Ich weiß es noch wie heute. Es war vor Weihnachten 1979, als mir die Idee dazu kam…"
„Das ist mein Geburtsjahr.", warf Hermione ein, obwohl sie ihn gar nicht unterbrechen wollte. „Ist es das? Was für ein Zufall, was für ein Zufall…", murmelte er und sprach dann etwas lauter weiter. „Meine jüngste Enkeltochter war geboren worden und ich beschloss, wie für die anderen, ihr etwas zu fertigen, was sie dann später, wenn sie groß sein würde, bekommen sollte. Es hat mich viele Nächte gekostet, aber es hat mich erfüllt, verstehen sie? Die Nächte damals waren kalt und sternenklar, wie selten in England. Muss mich wohl inspiriert haben…"
„Warum liegen die Sachen dann noch hier?"
„Ich weiß nicht, woran es lag, wir haben uns den Kopf zerbrochen, meine Frau und ich – Gott hab sie selig. Mein Sohn kam nicht mehr, sie riefen bald auch nicht mehr an, und ich hörte, sie seien ins Ausland gezogen – ohne sich zu verabschieden, ohne, dass ich den geliebten Kindern noch etwas geben konnte, nicht einmal das hier.", erzählte er traurig und entschuldigte sich kurz nach hinten, wo er vorgab, etwas zu suchen. Hermione wusste, dass er sich wieder fangen musste und Severus verstand ebenfalls.
„Wunderschön…ich habe noch nie so etwas gesehen.", sagte sie vor sich hin und traute sich nicht, auch nur ein Teil davon zu berühren. Vor ihr lag ein Collier, als wenn es direkt vom Himmel gefallen wäre – von unaufdringlicher Schönheit und Einzigartigkeit. Eine silberne Kette mit einer Reihe von nicht einmal einen Zentimeter großen Sternen, in deren Mitte ein kleiner Diamant funkelte. An den Enden der jeweils sechs Zacken war je ein winzig kleiner Smaragd eingearbeitet. In der Mitte war ein etwas größerer Stern, eher ein Komet, dessen dreizackiger Schweif nach unten zeigte und genauso verarbeitet war. Ohrstecker, Ring und Armband waren passend dazu entworfen mit ebenso kleinen, filigranen Sternen.
„Das muss ein Vermögen wert sein, vor allem die Handarbeit.", stellte Hermione fest und Severus stimmte ihr im Stillen zu. Nicht nur die Handarbeit, sondern auch die Anzahl der Steine und die Verarbeitung derselben. Er wäre nicht in ein solches Geschäft gegangen, wenn er nur vorgehabt hätte, ihr etwas zu kaufen, das er woanders auch bekommen konnte, und die anderen Schmuckstücke, die der Mann herausgesucht hatte, waren wunderschön. Das Problem war nur, dass davon keines ihre Augen so sehr zum Strahlen gebrachte hatte wie die Kette, die nun vor ihr lag. Außerdem stand kein Preis daran, was nur allzu verständlich war, sollten die Dinge doch in der Familie bleiben. Dann mussten sie also weitersuchen und er hoffte, bis zu ihrem Abschluss in vier Wochen noch etwas zu finden, was ihr annähernd gut gefiel. Nur wann sollten sie Gelegenheit dazu haben? Noch einmal mit ihr zusammen war wohl kaum möglich – aus mehreren Gründen. Wie sollte er es erklären, wann hätten sie Zeit? Gar nicht und gar nicht. Und selbst aussuchen? Schwer – und noch schwerer für ihn.
„Würden sie noch einmal...Sir? Kommen sie, kommen sie, ich habe noch etwas für sie gefunden."
Der alte Mann rief Severus zu sich nach hinten. „Ich danke ihnen für ihre Mühe, das war...perfekt. Allerdings..."
„Nicht so voreilig, junger Mann. Ich weiß, ich weiß was sie sagen wollen, nur hören sie mir zuerst zu: Noch nie hat jemand meine Arbeit – diese Arbeit – so angesehen wie ihre Frau, pardon, ihre Zukünftige? So sehr hatte ich mir gewünscht, dass es eines Tages so kommen würde. Nachdem ich diesen Schmuck für Jahre in die hinterste Ecke meiner Werkstatt und meines Herzens verbannt hatte, zeigte ich ihn einigen Frauen oder Paaren und nie war es so wie heute. Ein Wink des Schicksals, meinen sie nicht? Und dann das Jahr... Gefertigt 1979, in dem sie, und sie auch, geboren wurde. Wenn es sternenklar ist draußen, schaue ich manchmal in den Himmel und frage mich, wo sie sind. Ich bin alt und so kann man doch nicht gehen, oder? Kann man so diese Welt verlassen? Sie, die sie dort steht in meinen Laden...so hätte meine Enkelin vielleicht auch sein können, wissen sie? Ich hoffe, sie ist groß geworden, lebt ihr Leben und ist glücklich. Ihre Frau ist es, das sieht man mit einem einzigen Blick, oder?"
Severus' Herz war so tief berührt wie nur ganz selten in seinem Leben. Dieser Mann tat ihm leid und er konnte so gut nachvollziehen, wie er sich fühlte – einsam und verlassen, wie er selbst bis vor wenigen Wochen. „Wie heißt sie? Ihre Familie?"
„Grace, meine Enkelin, der gleiche Name wie ich, wenn sie nicht schon verheiratet ist. Und mein Sohn Matt und seine Frau Catherine."
Severus nickte nur und beschloss, nach ihnen zu suchen – wenn nicht selbst, dann durch einen Vertrauten im Ministerium. Vielleicht gab die Magie etwas her, wozu hatte man sie?
„Nun, junger Mann, lassen wir für einen Moment die Vergangenheit ruhen und widmen uns der schönen Gegenwart. Sie ist genau die Richtige, das fühle ich. Wenn sie möchten – für sie würde ich den Schmuck von ganzem Herzen abgeben."
„Nicht um alles in der Welt. Er war für ihre Familie und nicht für Fremde. Wenn ihre Enkelin eines Tages wiederkommt,…"
„…dann haben sich die Zeiten geändert. Dann ist wirklich Zeit für etwas Neues, sollte es jemals so kommen. Vermutlich nur in meinen Träumen. Deshalb…nehmen sie ihn guten Gewissens."
„Wenn es das nicht ist…dann der…Preis. Die Arbeit ist unbezahlbar, das sehe ich."
„Wir werden uns einigen, da bin ich mir sicher."
Nach fünf nervenzerreißenden Minuten – für Severus – waren sie sich einig, wenn auch nur mit Widerwillen. Das Ganze war andersherum gelaufen, als man erwarten würde, denn der Verkäufer hatte so niedrig angefangen, dass Severus ihn hochgeboten hatte. Immerhin war er ja verbal ziemlich geschickt und hatte den alten Mann geschlagen – gut für diesen, denn sonst wäre das schlechte Gewissen weitaus schlechter jetzt. Dafür beschloss er, die Suche nach der Familie des Goldschmieds zu beschleunigen und zu intensivieren. Fall nötig, würde er sie höchstpersönlich vor die Ladentür schleifen, das hatte er sich geschworen und das war er ihm mehr als schuldig.
Das nächste Problem würde er am Sonntagmorgen in aller Frühe lösen müssen. Soviel Muggelgeld trug er nicht bei sich und würde wohl oder übel in die Winkelgasse apparieren müssen, um zu tauschen. Hier in der Nähe wusste er keine Stelle, an der man dies machen konnte. Vielleicht hatte er Glück und Hermione schlief länger – andernfalls hatte er sich schon die Ausrede in Form eines langen, einsamen Spaziergangs in der Morgendämmerung ausgedacht und eine Alternative. Der Mann war einverstanden und strahlte aus tiefstem Herzen.
Aufgrund der vierstelligen Summe – kein Wunder bei den Steinen und der Handarbeit – beschloss Severus, ihr zunächst das Collier zum Abschluss zu schenken, damit sie es zum Kleid tragen konnte. Die anderen, dazu passenden Schmuckstücke könnte er auf ihren 20. Geburtstag und Weihnachten verteilen – wenn es so sein sollte. Schlüssig war er sich noch nicht, am liebsten hätte er ihr alles auf der Stelle geschenkt. Schon ewig hatte er gearbeitet, spioniert, sein Leben riskiert und...nicht gelebt – also auch gespart, ohne dass er es gemerkt hatte oder dass es ihm etwas bedeutet hätte.
Danach verabschiedeten sie sich aus dem Laden und holten sich ein Eis in der Eisdiele gegenüber. Zwischendurch verschwand Hermione kurz, weil sie zur Toilette musste und kam mit einem strahlenden Lächeln zurück, das Severus nicht zu deuten vermochte. Wollte er auch nicht.
Danach fuhren sie zurück, holten sich unterwegs noch etwas zum Essen und Severus versuchte schon den ganzen Tag über, ihre Bettelei zu ignorieren – sie wollte unbedingt in den Pool, weil sie sonst keine Gelegenheit zu so etwas hatte und weil es schon tagelang so warm war.
Nach halb zehn war es immer noch hell. Die untergegangene Sonne, die ein wunderschönes orangerotes Licht in den blauen Himmel sendete, machte den Abend noch schöner. Beide liebten dieses Zwielicht und das Schattenspiel der Bäume in dem kleinen Park machte alles noch schöner, als es sowieso schon war.
Hermione ging ans Fenster und schaute hinunter auf das Gelände, wo sie weiter hinten den kleinen Pool sehen konnte.
„Es ist niemand mehr da. Wollen wir?"
„Du kannst allein gehen, das habe ich dir schon öfters gesagt."
„Alleine gehe ich nicht, ich möchte mit dir zusammen sein. Außerdem ist es noch ziemlich warm und eine Abkühlung wäre herrlich. Ich glaube nicht, dass um die Zeit noch jemand kommt. Was ist denn so schlimm daran?"
„Nichts." Nichts war untertrieben. Er war es einfach nicht gewohnt, einfach mal so schwimmen zu gehen. Wann auch? Und im See in Hogwarts? Hin und wieder in den Sommerferien, wenn er sich sicher war, dass keiner da war oder spät abends...aber hier? Andererseits, was war schon schlimm daran? Sicherlich war er nicht der Einzigste auf der Welt mit Narben auf dem Körper und sie hatte recht, gestern um die Zeit war auch niemand mehr zum Pool gegangen. Entweder waren die paar Gäste zu alt oder einfach zu erschöpft nach einem langen, heißen Urlaubstag.
Letztendlich entschied es sich von selbst. Anders gesagt, entschied sich Hermione und das bewog ihn, sich mitzuentscheiden, denn sie begann, sich auszuziehen. Ob sie es extra machte? Nein, sie würde doch nicht? Ein einziges mal hatte er sich so etwas schon einmal gefragt – damals an dem Tag, als sie in Unterwäsche auf seinem Boden herumgekrochen war, um ihren Zauberstab zu suchen. Warum ging sie nicht ins Bad, um sich umziehen? Oder war ihre...Beziehung schon so weit fortgeschritten, dass sie keine Hemmungen mehr hatte, sich so vor ihm zu zeigen? Es war ja bei weitem nicht das erstemal, aber ihm fiel es jetzt so richtig auf. Nicht dass es ihn störte, er konnte kaum seine Augen von ihr abwenden. Der Hauch von dunkelrotem Stoff mit schmalen, goldgelben Streifen an den Rändern, den sie jetzt überzog, musste wohl Jahre alt sein, obwohl er noch nicht alt aussah, ansonsten konnte er sich nicht erklären, warum man zum Schwimmen gehen nicht mehr Kleidung anzog als das. Niemals hätte er sie so gehen lassen, wenn er nicht gewusst hätte, dass sie vermutlich allein sein würden. Wenigstens zog sie noch ein leichtes Kleid darüber.
„Kommst du? Oder hast du etwa keine Badehose eingepackt?"
„Das haben wir gleich.", sagte er nur – scheinbar von sich selbst überstimmt – nahm den Zauberstab und verwandelte kurzerhand eine seiner Shorts in eine Badeshorts, gleiches Aussehen – natürlich schwarz – nur jetzt aus einem anderen Material. Dann musste er sich eben in der Hütte umziehen oder den Zauberstab mitnehmen. Er entschied sich für ersteres, denn ein Zauberstab in einer Badeshorts konnte etwas...gewöhnungsbedürftig aussehen, sollte sie einer sehen, um es mal untertrieben zu formulieren.
Sie freute sich sichtlich und konnte gar nicht schnell genug hinunterkommen. Beim Hinauslaufen hatte er sich gerade noch ein Handtuch greifen können und folgte ihr die breite, steinerne Treppe hinunter in den kleinen Park, wo er ihre Hand nahm und sie dann etwas langsamer zum Pool schlenderten.
Er schaute nach allen Seiten und es schien sich um diese Zeit wirklich keiner mehr draußen aufzuhalten. Sie gingen über die kleine, hölzerne Brücke, die in die Mitte des Pools führte, wo man dann über einige Stufen einer Treppe ins Wasser steigen konnte. Nach ein paar Runden, die sie beide sichtlich genossen, hörte Severus auf zu schwimmen, stellte sich einfach hin, passte sie ab und hinderte sie am Weiterschwimmen. Zu lange hatte er sich ihren Körper mit diesen zwei winzigen Stückchen Stoff ansehen müssen.
„Was machst du da?"
„Baden, wie du es wolltest."
„Der Pool ist groß genug für uns beide!"
„Ich möchte aber genau hier stehen!"
„Das fühle ich."
„Das fühle ich? Miss Granger, Miss Granger, tz." Immer noch hielt er sie fest.
„Wollen wir nicht weiterschwimmen und es genießen – endlich fern ab von allen anderen?", versuchte sie es auf die sanfte Tour mit einem hinreißenden Lächeln und einem Hauch von einem Kuss auf seine Lippen.
„Genießen? Wenn du es wünschst – gerne."
„So hatte ich…"
„Keine falsche Bescheidenheit. Ich erfülle dir gerne deine Wünsche, vor allem wenn es ums Genießen geht."
„Hm…lässt du mich los?"
„Nein!"
„Warum nicht?"
„Weil ich gedenke, deinen Wunsch mit meiner Energie zu kombinieren."
„Energie? Die drückt sich offenbar gerade an meinen Bauch."
„Nun, wenn du es schon so sagst, können wir zusammen genießen, hm?", hauchte er ihr hinters Ohr und schob sanft ein Bein von ihr nach außen, damit sein eigenes einen besseren Platz fand.
„Oh nein nein nein nein… DAS hast du jetzt nicht vor!"
„Genießen, Hermione."
„Nicht so!"
„Wie denn? Und du glaubst doch nicht, dass ich so aus dem Pool steige?", warf er ihr gespielt beleidigt vor und schaute kurz an sich runter.
„Du hast ein Handtuch?"
„Was ändert das?"
„Ähm, nicht viel, fürchte ich."
„Dann musst du mir wohl…helfen."
„Das machst du besser selbst, sonst…fällt es auf."
„Bitte WAS? Selbst? Bist du von allen guten Geistern verlassen?", entrüstete er sich und er konnte nicht verhindern, dass seine Mundwinkel zuckten.
Was für eine Hexe hatte er da vor sich. Unglaublich. Unglaublich liebenswert, wie er immer mehr merkte. ‚Kleines Biest.', dachte er daher. ‚Das werden wir ja sehen.'
Er ließ ihre Hände los und küsste sie sanft, was sie gerne zuließ – jetzt, wo sie wieder frei war. Sie hatte schon Angst gehabt, er würde das wirklich durchziehen. Allerdings vergaß sie gerade, dass er immer noch Snape war.
„Ich musste mich die ganze Zeit fragen…"
„Ja?", fragte sie voller freudiger Erwartung, weil sie dachte, jetzt käme etwas ganz anderes.
„…als du deine Runden gedreht hast und mir ständig vor Augen warst…"
„Hm?"
„…wozu diese hübschen…" – bei dem Wort verzog er leicht das Gesicht – „…Schleifen an der Seite deines Höschens gut sind, aber gerade ist es mir klar geworden."
„Was…?", begann sie und schrie auf. Ganz unbemerkt hatte er das linke Band ihres Bikini-Unterteils aufgezogen und da stand sie nun – zwischen Beckenrand und ihm.
„Schau nicht so, du bist schuld, wenn du so etwas anziehst!", beschuldigte er sie grinsend und küsste sie erneut.
„Das wagst du nicht!"
„Und ob, ich habe schon ganz andere Dinge gewagt, Miss Granger. Das hier nicht, zugegeben, trotzdem. Eben habe ich den Muggelabwehr-Zauber ausgeführt wie damals, weißt du etwa nicht mehr? In der Umkleidekabine?"
„Hier ist kein Vorhang!", entrüstete sie sich und versuchte ihn immer noch wegzudrücken, was natürlich nicht gelang.
„Keiner ist da, sieh dich um, und falls sich doch jemand nähert, dreht er wieder um, du kennst den Zauber gut genug."
„Sie können es sehen!"
„Auf die Entfernung?
Gut, ich lasse dir dein Oberteil und werde dich nicht anrühren…"
‚Er gibt auf, wie gut.', dachte sie erleichtert. Nein, Mine, tut er nicht, immer noch Snape – denk dran.
„Ja dann…kann ich ja weiterschwimmen."
„Einer deiner…Eigenheiten, Hermione, du solltest mich ausreden lassen. Nicht anrühren oberhalb der Wasseroberfläche, gedachte ich zu sagen."
So schnell, wie er sie mit einer Hand festhielt und sich mit der anderen einen Weg über ihren Bauch hinab abwärts suchte, konnte sie gar nicht denken. Und doch meldete sich ein paar Augenblicke später noch einmal ihr Verstand.
„Das Häuschen im Park ist…oh…lass das... Ist auch mit Gästen bewohnt...die...Familie..."
„Wir stehen hier an der Seite, wo hinter uns Sträucher wachsen, außerdem ist die kleine Brücke mit der Treppe noch dazwischen."
„Aber…"
„Kein aber." Diesmal bedachte er sie mit einem Kuss, der sie klein beigeben ließ.
Sein Anblick tat das Übrige. Die dunklen Augen voller Liebe und Begehren, und seine Haare, die sie mittlerweile so liebte, von denen bisher nur die Spitzen nass waren, was ihm im Ganzen noch zusätzlich etwas Besonderes verlieh.
Weil er nicht wusste, ob sie wirklich komplett nachgegeben hatte, ließ er ganz unschuldig seine Hand, seine Finger noch tiefer gleiten und begann, sie damit zum…Nachgeben zu bewegen.
Wie er versprochen hatte – was für ein Slytherin – rührte er ihre Brüste nicht an, sondern genoss nur deren Anblick in dem Hauch von Stoff. Er wusste, was er tat, das merkte sie und bald schlang sie ein Bein um ihn, mit seiner Hilfe bald auch das zweite. Endlich hatte sie nachgegeben.
Noch einmal schaute er sich ihr zuliebe um. Niemand war zu sehen. Mit einer eleganten Bewegung befreite er anschließend seine Energie aus der Badeshorts und versenkte sich sogleich in ihr. Sein Keuchen war laut, denn es hatte bis hierhin lange gedauert und das ganze Spielchen hatte ihn immer härter werden lassen. Ein wenig stützte er sie, in dem er seine Hände unter ihren Po platzierte, doch viel Kraft brauchte er nicht, denn das Wasser trug sie. Die leichten Wellenbewegungen, die sie selbst verursachten, taten ihr Übriges, um sich voll und ganz den immer stärker werdenden Empfindungen hingeben zu können.
Lange würde er sich nicht mehr zurückhalten können, allerdings merkte er, dass sie sich noch nicht komplett fallengelassen hatte.
„Hermione…", flüsterte er, „…was kann ich für dich tun? Sag es mir."
„Du…tust doch – es… fühlt sich so gut an, aber…warte nicht auf mich. Brauchst du nicht."
„Immer noch Angst, dass uns jemand sieht, hm? Es wird keiner kommen – außer uns beiden, wie ich hoffe, und das sehr bald. Mein Zauber funktioniert."
Als sie endlich seine so beiläufig süffisante Doppeldeutigkeit erkannt hatte, musste sie lachen und entspannte sich ein wenig.
„Darf ich mich weiterbewegen, Mrs. Snape?", fragte er und schob sich immer wieder leicht in sie – ganz im Rhythmus der kleinen Wellen.
Ohne Frage genoss sie es und sie war schon ein paarmal am Rand der Klippe gewesen, aber ihr Verstand blockierte die Erlösung, der sie beide so nah waren und die er offenbar mit aller Kraft zurückhalten musste.
„Warte nicht, Severus, ehrlich.", sagte sie wieder und meinte es so. Für sie war es nicht so schlimm, denn allein das Zusammensein mit ihm war wundervoll. „Du könntest mich auf dem Zimmer…erlösen? Hm? Du darfst auch alles mit mir tun, was du willst.", lächelte sie ihn an.
„Alles?" Auf keinen Fall wollte er hier nur seinen eigenen Spaß haben, sie waren gemeinsam hier und so sollte auch alles gemeinsam…gemacht werden. Jetzt musste er sich nur etwas einfallen lassen, denn lange konnte und wollte er es nicht mehr aushalten. Zu stark waren seine Gefühle und der Anblick ihres Körpers, die herunter perlenden Wassertropfen ihrer nassen Haare auf ihrer Haut und ihre leicht geöffneten Lippen ließen ihn fast schon ohne eine weitere Bewegung kommen.
„Alles?", wiederholte er und sie nickte. Sie gönnte es ihm – jetzt und hier – und deshalb würde sie warten. Fest umschlang sie ihre Beine um ihn und bog sich ihm entgegen, und trotz der Bedenken genoss sie das Gefühl von ihm in sich – so nah, so vertraut, so intensiv.
Allerdings hatte er seine Frage nach dem Alles ein wenig anders interpretiert. Seine Bewegungen, die sie trotz allem unterstützte. wurden intensiver und er brachte sie wieder zum Stöhnen. Als er merkte, dass sie erneut an dem Punkt war, der einen innerlich fast zerriss, begann er, ihren Po nicht nur festzuhalten, sondern intensiv zu kneten und bald kümmerte sich ein Teil seiner Hand um Regionen, die vorher noch niemals erkundet worden waren. Hermione schrie auf und er musste ihr mit letzter Konzentration einen stablosen Silencio verpassen.
„Was…tuuust…du…da?", keuchte sie, falls er ihre Lippenbewegungen richtig interpretierte, und hielt sich so an seinen Schultern fest, dass es fast schon wehtat.
Severus enthielt sich der Antwort und sah lieber ihren kleinen Schreien zu, die mit jedem seiner Stöße intensiver wurden. Auf einmal umschlang sie ihre Beine ganz eng um ihn, bog sich nach hinten und er sah an ihrer Mimik, wie heftig sie kam. Das riss ihn mit und endlich lockerte sie ihre Umklammerung etwas.
„Was auch immer du getan hast…", begann sie, als sie wieder sprechen konnte, „…ich will es nicht wissen, mir nicht vorstellen, aber…merk es dir für gewisse…Stunden."
„Alles was du wünschst.", grinste er und band ihr sorgfältig das Badehöschen wieder zu.
Der Sonntagmorgen und somit der Tag der Abreise kam schneller als gedacht. Das Allerschlimmste an diesem Morgen war, dass Mr. Ryan, der Familienvater, Hermione noch vor dem Frühstück angesprochen hatte – sie war hinuntergegangen, weil Severus noch nicht fertig war und er sie runtergeschickt hatte. Er wollte einfach nur in aller Ruhe den Schmuck, den er in aller Frühe ungesehen und ungehört bezahlt und abgeholt hatte, sicher und gut in seiner Tasche verstauen ohne Gefahr zu laufen, entdeckt zu werden.
Jedenfalls hatte der Mann sie abgepasst, sich bei nächster Gelegenheit in einen Lesesessel neben ihr gesetzt und sie leise gefragt, ob sie nicht Lust hätte, am Abend vielleicht mit Schwimmen zu gehen. Das hatte sie so aus der Fassung gebracht, dass sie aufgesprungen und sich zu den älteren Leuten auf die Terrasse gesellt hatte.
‚Er hat uns gesehen, er hat uns gesehen.', ging es durch ihren Kopf, der sicherlich hochrot war. Wie sollte sie nur den Morgen hinter sich bringen?
Glücklicherweise war es fast 9 Uhr und Severus kam die Stufen hinunter. Da keine Platzordnung herrschte, zerrte sie ihn an das andere Ende des Tisches und bekam keinen Bissen herunter.
So einem Meister der Beobachtung konnte man allerdings nicht viel vormachen.
„Was ist los? Iss etwas."
„Ich kann nicht."
Das ging dreimal hin und her, bevor er entnervt die Serviette auf den Teller legte.
„Du erzähltst mir jetzt sofort, was los ist."
Hermione schilderte die Geschichte und Severus wurde so wütend, dass sie ihn nur mit gutem Zureden ruhig halten konnte. Sie sah, dass er hinter seinem Rücken mit dem Zauberstab spielte, ohne nachzudenken.
„Vielleicht hat er es ja nicht so gemeint."
„Glaubst du dir das?", zischte er.
„Nein...nicht wirklich."
„Den nehme ich mir nach dem Frühstück vor. Er hat eine Frau und Kinder, was soll das? Ich hasse es.", giftete er vor sich hin.
Wenn sie recht überlegte, müsste sie sich mehr Sorgen um den Mann als um Severus machen, aber es machte ihr eigentlich dann doch nichts aus. Sollte er sich drum kümmern, das gab ihr ein unglaubliches Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Mit ihm an ihrer Seite würde ihr nie etwas geschehen.
Das Essen wurde beendet und die Kinder liefen mit der Mutter vor nach draußen. Offenbar trödelte Mr. Ryan ein wenig – warum, ließ er besser dahingestellt – und Severus ergriff die Gelegenheit. Anders gesagt, er griff sich den Mann.
Urplötzlich drängte er ihn gegen eine Wand im Treppenaufgang und ließ ihn nicht entkommen.
„Sie werden hören, ich werde sprechen. Klar?"
Perplex, völlig überrumpelt und mit Zorn in den Augen nickte sein Gegenüber, weil er ahnte, dass mit dem schwarzen Mann nicht zu spaßen war.
„Schämen in Grund und Boden sollten sie sich, meine Frau anzumachen."
Ein ungerührter Blick folgte, was Severus dazu veranlasste, einen Legilimens anzuwenden – und zwar nicht sanft, sondern wie bei Potter damals, was sich bei Muggeln wie ein überaus unangenehmer, stechender Kopfschmerz bemerkbar machte. Ryan zuckte zusammen und hielt sich die Stirn. In Bruchteilen von Sekunden wurde sein Gehirn durchgekämmt, wo Snape Szenen fand, die er haben wollte.
„Haben sie nicht aus Liebe geheiratet? Reißen sie sich zusammen, verdammt." Und dann zählte er ihm ein paar Dinge auf, die ein Fremder eigentlich gar nicht wissen konnte und der Mann bekam regelrecht Angst.
„...und wenn sie noch ein einziges mal ihre Frau oder einen ihrer Söhne ungerecht behandeln oder Hand anlegen, dann weiß ich sie zu finden, das schwöre ich beim Leben ihrer Familie, haben wir uns verstanden? Mir stehen Mittel zur Verfügung, die sie sich nicht einmal im Traum vorstellen können. Denken sie über meine Worte nach und retten sie, was zu retten ist. Haben-wir-uns-verstanden?"
Ryan nickte nur und Severus ließ ihn – überaus zufrieden mit sich – gehen. Der eilte nur nach draußen und verstand die Welt nicht mehr. Dieses Erlebnis würde ihn für sein Leben prägen und er kam zu dem Schluss, dass Snape – er wusste ja, wie er hieß – ein Agent oder sonst etwas in der Art sein musste, wenn er solche Möglichkeiten hatte, über die er lieber nicht nachdenken wollte.
Anschließend ging Severus in ihr gemeinsames Zimmer und packte mit einem Schlenker seines Zauberstabes die Sachen zusammen. Nur seine über Jahre antrainierte Selbstdisziplin hinderte ihn daran, die Wände einzuschlagen vor Wut. Hermione war schon fertig und wartete auf eine Erklärung seinerseits.
Er holte tief Luft. „Es war halb so schlimm, mach dir keine Gedanken. Er hatte nur gedacht, weil wir uns so gut mit den Kindern verstehen... Außerdem ist heute Abend ein Grillabend hier und..."
„Ist das wahr?"
Keine Silbe war wahr, aber für sie war es das Beste, nichts zu erfahren.
„Nun, ich denke, ein Mann wäre kein Mann, wenn er dich mal nicht ansehen würde, schätze ich? Das hat er doch vorher?"
„Jaaah. Tut mir leid."
„Du kannst doch nichts dafür. Komm her. Nur wenn das nochmal passiert, könnte es sein, dass diejenigen sich dann als Flubberwurm wiederfinden."
„Ja klar. Gehen wir?"
„Wir gehen."
A/N:
So, ihr Lieben, ich hoffe, euch hat der kleine Wochenendausflug auch ein bisschen erholt? Nächste Woche kehren sie zurück in ihr neues, altes Leben und Mine wird mit den Prüfungsvorbereitungen anfangen müssen. Na, wenn das mal möglich ist... *g*
P.S.: * Die Drachenhöhle und den Drachen habe ich mir nur als Schauplatz ausgeliehen und gehören nicht mir.
