A/N:
Ihr Lieben, der Ausflug geht dem Ende zu, genau wie die Geschichte. Unsere Mine wird bald dem Prüfungsstress ausgesetzt sein und kann danach dem Abschlussball entgegenfiebern – und nicht nur sie, wie ich mitbekommen habe ;o) Was dann dabei rauskommt, kommt...im nächsten Kapitel.
Ich hoffe, ihr habt heute ein bisschen Spaß und kein Stress.
VLG KeyMagic
Kapitel 47
Severus trug die Taschen hinunter, weil sie wohl kaum ohne sichtbares Gepäck abreisen konnten, während Hermione schon mal das Verdeck des Cabrios öffnete und sich hinters Steuer setzte, als der Junge auf sie zugerannt kam.
„Wollt ihr schon gehen?"
„Ja, wir müssen los, Nick. Machs gut und denk an unser Geheimnis, hm?"
„Ehrenwort. Aber warum geht ihr jetzt?"
„Wir müssen morgen wieder arbeiten und du doch sicher zur Schule, oder nicht?"
„Hm, ja, wir fahren heute Abend glaub ich."
„Lass den Kopf nicht hängen, es wird alles gut, ok? Denk daran, was ich gesagt habe."
„Mach ich."
Severus hatte sich längst Gedanken gemacht, dass so etwas passieren könnte. Auf der anderen Seite wäre es auch für das Kind nicht schön gewesen, wenn er sie nicht mehr gesehen hätte ohne Abschied. Dass er Nick ein klein wenig mochte, würde er nie zugeben, niemals.
Trotzdem winkte er ihn zu sich. Er war noch nicht ins Auto eingestiegen und stand etwas abseits dahinter, weil er sich noch ein letztes mal die Umgebung angesehen hatte.
„Mr. Ryan, kommen sie her."
„Was iiich? Wieso redest du so?"
„Gewöhn dich daran."
„Wieso?"
„Wir werden uns wiedersehen. Wie alt bist du?"
„Neun, Sir."
„Wir werden uns in zwei Jahren wiedersehen, wenn alles so kommt, wie es kommen muss."
„Echt? Wo denn?"
„Es könnte eventuell so kommen, dass ich einer deiner Lehrer sein werde."
„Kommst du auf meine Schule?"
„Nein, aber du vielleicht auf meine."
„Ach deshalb guckst du so streng, du bist ein Lehrer."
„Professor, Mr. Ryan."
„Ist doch egal. Was is mit dem Drachen? War der Tierarzt schon da?"
Severus seufzte. „Nein, ich werde dir Bescheid geben. Welche Interessen hast du – in der Schule?"
„Hm...ich hab nen Chemie-Baukasten zum Geburtstag gekriegt. Ist cool. Haben wir aber noch nicht. Also ich mag ganz gern Sachkunde und Naturkunde und so was."
„Zaubertränke also.", murmelte der Professor und freute sich – natürlich nur heimlich.
„Zauber-Was?"
„Nichts. Komm näher." Er hielt Nick eine Münze hin, die der Junge nicht kannte.
„Was ist das?"
„Ein Sickel, so heißt die Münze. Sie ist besonders. Wenn jemals etwas passiert, wenn du Hilfe brauchst oder so etwas in der Art, dann kannst du mich – oder uns – damit rufen."
„Hä? Wie soll das gehen?"
„Wenn es soweit ist, wirst du sehen, wie es geht." Severus hatte sie ähnlich magisch verändert, so wie Hermione damals die DA-Münzen verzaubert hatte, um sich geheime Nachrichten zukommen lassen zu können. „Das funktioniert nur dann, wenn es wirklich wichtig ist, du weißt, was ich meine?"
„Hm ja, denke schon. Wie geht das denn jetzt?"
„Glaube mir, du wirst es sehen und du wirst es wissen."
„Echt?"
Severus stieg ins Auto und der verdutzte Junge stand davor. Als Hermione den Wagen startete, winkte sie Nick und der winkte zurück.
„Echt, Mr. Ryan.", rief Severus und sah noch, wie sich die Miene des Jungen aufhellte.
„Das war total süß von dir."
„Süß? Bist du des Wahnsinns? Ich habe rein gar nichts gemacht und etwas Süßes schon mal gar nicht. Tz. Frauen... Du konntest doch gar nichts sehen."
„Natürlich nicht, natürlich...", lachte Hermione, schaute in den Rückspiegel und gab Gas.
*Monrose: „Hot Summer"*
Diesmal suchten sie sich zunächst einmal Land- und Nebenstraßen aus der Landkarte heraus, weil es einfach schöner war an diesem Sonntagmorgen und weil sie auf diese Weise noch mehr von der Kurzreise hatten. Hermione machte wieder ihre Gute-Laune-CD an, weil sie so richtig glücklich und zufrieden war und hoffte, dass sich das niemals mehr ändern würde – träumen durfte man ja mal.
Auch glücklich war sie über die Tatsache, dass sie für Severus noch eine Uhr gekauft hatte, die sie ihm eigentlich zu Weihnachten geben wollte, nur dass sie sicher so lange nicht warten konnte und wollte. Als sie am Samstag in der Eisdiele gewesen waren, hatte sie sich kurz auf die Toilette entschuldigt, dabei war sie schnell und heimlich wieder zu dem Goldschmied gegangen, der sie mit einem überraschten, aber gleichermaßen strahlendem Lächeln empfangen hatte. Sie hatte ihn gefragt, welche Uhr Severus gefallen hatte und der alte Mann wusste es tatsächlich. Trotz des ganzen Theaters – im wahrsten Sinne des Wortes – hatte er wohl gemerkt, dass das Interesse des jungen Mannes an den Uhren echt gewesen war und hatte ebenso gesehen, welche ihm zugesagt hatten. Schnell hatte er Hermione drei zur Auswahl gezeigt und sie hatte sich für eine davon entschieden.
Ihre Eltern und ihre Großmutter hatten ihr Geld für das Wochenende gegeben, aber sie fand, dass dies hier die beste Investition war – für ihn.
Die Landschaft fernab der Hauptverkehrsstraßen war wunderschön – Felder, Wiesen und Auen, eine Jeans, Bäume, die sich im Wind bewegten, dazu stahlendblauer Himmel und ein Mann. Severus. Äh, ein Mann, den man liebte und der unglaublicherweise mit einem Bein leicht zur Musik mitwippte, das in einer dunkelblauen, engen Jeans steckte, von der man, nein, von der frau nur schwerlich die Augen lassen konnte.
Urplötzlich bremste Hermione und hielt in einer Ausbuchtung am Straßenrand an, drehte um und fuhr ein Stück zurück zu dem Punkt, wo offenbar ein Feldweg abging.
Der Motor verstummte, Hermione holte tief Luft, drehte sich zu dem überraschten Mann neben ihr und zog ihn zu sich, um ihn zu küssen.
„Womit habe ich das verdient?", fragte er vorsichtig und runzelte die Stirn.
„Du...bist hier...mit mir und...lenkst mich ab."
„Wovon? Ich mache gar nichts!"
„Von...klaren Gedanken."
„Wie bitte?"
„Najaaa...", begann sie und ließ ihren Blick ungeniert über seine Brust und seine Hose schweifen. Wie er da so saß in seiner Jeans, den Ellbogen auf die Autotür gelehnt und mit zersaustem Haar...lenkte sie wahrlich schon eine ganze Weile ab. Außerdem...
„...man hat es schon so oft gesehen – in Filmen – und...ehrlich gesagt..." Ein weiterer, intensiverer Kuss folgte, wobei sie diesmal an seinem Shirt nestelte. „...ehrlich gesagt, ich würde es gerne aus...pro...bieren."
„Was möchtest du probieren?", fragte er, obwohl er tief unten eine Ahnung hatte.
Ohne eine Antwort zu geben stieg sie aus, murmelte ein paar Zaubersprüche, ging um das Auto herum und öffnete langsam die Tür von seiner Seite.
„Das hier.", hauchte sie und setzte sich rittlings auf seinen Schoß, was gar nicht so einfach war ein einem Auto – wenn es nicht gerade ein Geländewagen war.
„Ist etwas mit deinem Sitz nicht in Ordnung?", fragte er vorsichtig und hoffte – vermutlich vergeblich – dass sie etwas in der Art sagen würde.
„Nein, damit ist alles in Ordnung. Ich möchte...also ich möchte..."
Vielleicht kam doch etwas anderes – oft hielt sie einen Vortrag über irgendetwas oder sie wollte fragen, wie es heute Abend weiterging oder...
„Drück dich klar aus, Hermione, das habe ich dir schon oft versucht, nahe zu legen."
„Sex. Jetzt."
Severus entglitten die Gesichtszüge.
„Was ist mit dir? Hast du mich nicht verstanden? Sex, ich möchte mit dir schlafen, du kannst auch vö...
„Hermione!" Die Hoffnung war doch vergeblich und seine erste Ahnung war richtig gewesen. Quatsch. Ahnung war leicht untertrieben, wenn eine Frau schon auf seinem Schoß saß.
„Warum siehst du mich so komisch an? Wolltest du nicht, dass ich klare Ansagen mache?"
Nur ein Stöhnen konnte man hören.
Sie bewegte sich auf ihm. „Nicht? Hast du nicht verstanden?"
„Hermione! Ich...bin mit dem Vokabular durchaus vertraut, wenn es auch nicht so aussieht zuweilen."
„Was denn? DU wolltest es so...verbal.", grinste sie.
„Doch nicht hier!"
„Warum nicht? Du hast die Zauber gehört. Und ich habe in meinem Aufsatz doch glatt den Überraschungsmoment vergessen – wie konnte ich nur. Also hole ich das jetzt nach, direkt praktisch und mit Beweisen, dann ist es..." Sie ließ ihre rechte Hand ganz unschuldig dorthin gleiten, wo seine Hosenknöpfe waren. „...handfester."
„Hexe."
„Allerdings."
Sie machte sich schnell ein wenig Platz, öffnete geschickt seine Hose und begann mit der Beweisführung. „Geht doch.", stellte sie bald fest und er legte den Kopf zurück. „Dachtest du, ES geht nicht?", fragte sie anzüglich.
Wieder ein Stöhnen – aus zweierlei Gründen.
„Glauben kann...ich...das...nicht."
„Was, dass es geht?"
„Bei Merlin... Eine schöne...heiße Frau hat die Hand auf meinem S... besten Stück, was soll...da...bitte...nicht gehen?"
„Du findest mich schön?"
Das Stöhnen wurde lauter. „Was bei Merlins Namen hast du denn gedacht? Und jetzt hör auf zu denken!"
„Stattdessen..."
„Mach weiter..."
„Oh...mann genießt es?"
„Hmm..."
Hermione ließ geschickt ihren Händen freie...Hand, während sie ihn immer wieder leidenschaftlich küsste. Und zwischendurch umschloss er ihre Hand mit seiner und zeigte ihr auf diese Weise, wie sie ihn an den Rand des Kontrollverlustes bringen konnte.
„Hör auf.", befahl er kurz darauf und sie schaute ihn erschreckt an. „Nein, nicht-was-du-denkst... Wenn...du...weitermachst komme ich...in deiner Hand..."
„Und ich nur...dadurch, dass ich dir zuhöre...und zusehe.", keuchte sie. Den ganzen Morgen ging es ihr schon so.
„Auf keinen Fall." Er fasste unter ihren Po, um sie anzuheben, schob mit der anderen Hand ihren Slip beiseite und ließ sie wieder los.
Das erste Gefühl von ihm in sich brachte sie noch ein Stück weiter, bis...
„Aua, meine Knie... Es...geht nicht."
„Das merke ich."
„In den Filmen sieht es immer anders aus..."
„Vielleicht haben diese Autos keine Seitentüren..."
„Ich fürchte..."
„Steh auf und geh raus. Los." Gut, dass sie nur ihr bequemes Shirtkleid anhatte, was von allein wieder richtig fiel.
Severus versuchte derweil, seine Hose zuzubekommen, was gar nicht so einfach war und biss die Zähne zusammen, damit das Unterfangen schnell vonstatten gehen konnte. Dann verließ er ebenfalls das Auto, nahm ihre Hand und zog sie hinter sich her. Ein kleines Stück weit gingen sie den Feldweg entlang, bis sie feststellten, dass er auf eine offene Wiese führte, deren Gras schon recht hoch war und zu deren anderer Seite ein kleines Wäldchen angesiedelt war.
„Komm...", sagte er nur und ging beschwingten Schrittes weiter, bis er sich an einem Baum herunterrutschen ließ und sie auf sich zog.
„Oder ist dir Gras lieber?", fragte er, während er sich schon von ihren Knien zu den Oberschenkeln vorarbeitete.
„Hmm… Weiß nicht."
„Also hier. Ist das Moos weich genug für deine Knie? Ja. Und jetzt kannst du das wiederholen, was du eben bei mir gemacht hast.", sagte er ungeduldig und schaute sie so an, als hätte er gerade eine Hausaufgabe verkündet.
„Wuuu… Wer wollte eben nicht?", fragte sie nur und tat, wie ihr geheißen. Allerdings nicht lang, dann hörte sie einfach auf, weil sie nicht mehr warten konnte, und ließ ihn in sich gleiten. Sie wusste nicht, warum ihr heute so danach war, aber es war nicht auszuhalten. Vielleicht das warme Wetter oder seine Jeans – oder beides.
Abwechselnd krallte sie sich in seinen Haaren oder seiner Schulter fest und man konnte nicht genau herausfinden, ob sein Keuchen von den Schmerzen oder seiner eigenen Lust herrührte.
„Bei Merlin, Hermione,…woher…"
Ein erlösender Schrei von ihr war die Antwort, woraufhin er ihre Hüften packte und sie fest auf sich drückte, dass er auch Erlösung fand, mittig als auch aus ihren Klauen.
„Wow", keuchte er, als sie von ihm aufstand.
„So etwas aus deinem Mund?"
„Du wolltest doch klare, verbale Ansagen."
„Klar war das nicht, wenn du so willst."
„Heiße Nummer – war das klar genug?"
Hermione sah ihn von der Seite an, als hätte sie ein Hippogreif gestreift. Als sie merkte, dass er seine Mundwinkel fast nicht mehr unter Kontrolle hatte, musste sie laut lachen und gemeinsam gingen sie zurück zum Auto.
Kaum dort angekommen, parkte ein anderer Wagen in der Nähe, aus dem ein Mann mit seinem Hund ausstieg, um spazieren zu gehen.
„Wuhuups… Wir haben den Zauber vergessen."
„Ich dachte du…"
„Nein, der war nur um das Auto herum, danach…"
„Hermione!"
„Ist ja nichts passiert."
„Das ist die Untertreibung des Monats. Du solltest lieber bald auf andere Gedanken kommen und für die Prüfungen lernen!", sagte er gespielt streng.
„Mache ich ja auch…gleich ab morgen. Dann sehen wir uns kaum noch."
„Das geht vorbei."
*Paul Anka: „Puppy Love"*
Emma rannte schon ungeduldig am Zaun hin und her, als Hermione den Motor ausmachte und sie beide aus dem Wagen stiegen. Natürlich hatte der Hund schon vorher gewusst, dass sie bald kommen würden – ihr Instinkt versagte nie, nun, so gut wie nie.
Oma Tenerhale war auch im Garten und konnte gar nicht soviel strahlen, wie sie wollte, sah sie doch ihre beiden Lieblinge wieder und dann auch noch in offenbar bester Stimmung.
„Komm her, Liebes..." Mit festem Griff drückte sie ihre Enkelin an sich und winkte gleichzeitig Severus heran. „...und du auch." Sie ließ Hermione los und umarmte ihn kurz, was er wieder zuließ. Mit Emma hatte er dann noch etwas länger zu tun, denn sie dachte nicht daran, auf ihre Streicheleinheiten von ihm zu verzichten.
„Wie sieht es aus, wollt ihr noch hier bleiben? Der Fairness halber muss ich nur sagen, dass nachher Violet mit dem ganzen Anhang vorbeikommt."
„Violet ist meine Tante, die Mutter von Sam.", erklärte Hermione Severus.
„A propos Sam…Flora kommt auch mit. Ich habe so im Gefühl, dass sie mir etwas sagen wollen. Die wollen bestimmt heiraten.", freute sich Jean, während sie Severus einen bestimmten Blick zuwarf, der diesen gekonnt ignorierte. „Vielleicht ist ja auch schon was unterwegs, wer weiß.", überlegte sie weiter.
„Ach was, der will doch sicher erst zu Ende studieren. Ist zwar nicht mehr lang, aber..."
„Na und? Wäre doch schön."
Severus entwich ein Atemzug, als hätte er die Luft angehalten.
„Liebes, wärst du so gut und holst mir mal gerade eine Flasche Wasser?" Hermione ging und Jean wandte sich zu ihrem Gegenüber.
„So war das nicht gemeint."
„Wie bitte?"
„Das eine hat mit dem anderen rein gar nichts zu tun. Du sahst gerade so erleichtert aus, aber mein Wunsch hat sich nicht im geringsten geändert. Ich erwarte von euch ein Geburtstagsgeschenk...nun ja, zum nächsten klappt es ja nicht mehr, oder?"
Jean rechnete laut nach. „Wenn es jetzt... August, September, Oktober... April. Nein, dann aber vielleicht Weihnachten nächstes Jahr? Egal, zwischendurch nehme ich es auch sehr gerne..."
Severus schluckte und sagte gar nichts, was sie nur zum Lachen brachte. Woher um alles in der Welt hatte sie gewusst, dass er tatsächlich erleichtert gewesen war, als sie von den Plänen ihres anderen Enkels berichtet hatte? Sie konnte kein Legilimens – unmöglich.
„Das wollte ich nur gesagt haben.", grinste sie ihn frech an. „Also, wollt ihr bleiben?", fragte sie, als Hermione wieder da war.
„Nein, das geht doch nicht, nicht bevor Mum und Dad Bescheid wissen."
„Richtig. Absolut. Ich würde nur so gerne ein Wochenendbericht haben..."
„Bekommst du...spätestens beim Abschlussball. Du kommst doch?"
„Natürlich Liebes, für euch beide immer."
„Ich schicke euch noch eine Eule mit Einzelheiten, Oma."
„An Oma adressiert kommt gar nichts, Liebes."
„Jaja."
„Weißt du was? Lass das Auto hier stehen, dann brauchst du nicht zur Inquisition. Ich sage ihnen, dass ich Lust hatte, es sauberzumachen."
„Ja klar."
„Mein Ernst, geht in Ordnung. Ihr habt doch sicher noch Besseres zu tun, nicht wahr, Severus?" Er holte Luft und kam wieder nicht zur Antwort. „Wusste ich's doch.", ergänzte sie und begleitete sie in den hinteren Garten.
„Ach übrigens – gestern ging ich mit Emma raus und da traf ich doch tatsächlich Dr. Parker unterwegs. Stell dir vor, er ging mit Sandra und dem Baby spazieren, das war doch deine Freundin."
Hermione wusste ja immer noch nicht, dass Oma die Szene im Park damals mitbekommen und danach mit Nat Parker eine kleine Unterredung gehabt hatte.
„Oh, tatsächlich? Wow, freut mich, freut mich wirklich. Schön für ihn und auch für Sandra, wenn das was wird."
„Ganz genau.", bestätigte sie und warf Severus wieder einen bestimmten Blick zu. „Jetzt hast du einen Grund zur Erleichterung.", flüsterte sie ihm zu und er nickte.
„Macht's gut, ihr Lieben, kommt gut in Hogwarts an."
Sie verabschiedeten sich und lösten sich mit einem leichten Knall vor Jeans Augen auf.
Als sie an die gleiche Stelle am See zurück apparierten, von der aus sie am Donnerstagabend gestartet waren, flog eine kleine Eule so tief über ihrem Kopf hinweg, dass sich Severus instinktiv duckte. Er sah ihr hinterher und konnte es kaum glauben.
„Das war mein Kauz!", stellte er wütend fest und Hermione lachte.
„Harpyi hat es wieder eilig?"
„Eilig? Ich habe ihn kaum gesehen in letzter Zeit, wie du weißt, und von den ein oder zwei Aufträgen ganz zu schweigen."
„Er hatte eine Maus, glaube ich."
„Um diese Zeit? Seit wann jagt er, wenn es noch hell ist? Was ist nur mit dem Tier los? Komm, ich will wissen, was ihn dazu veranlasst, sich so zu verhalten. Ich habe eine vage Ahnung, wo er hin ist."
Hermione hatte auch eine vage Ahnung, was Harpyi betraf, doch sie wollte sich erst einmal den Stress diesbezüglich ersparen. Daher schwieg sie und grinste.
„Wir nehmen einen anderen Weg in den Verbotenen Wald, damit und keiner sieht.", verkündete er und marschierte los. Hermione versuchte, mit ihm Schritt zu halten und ruinierte sich ihre Ballerinas im Gestrüpp.
Endlich angekommen, ließen sie sich an einem breiten Baum nieder, wo Severus nur knapp erklärte, dass er hier schon oft allein gesessen und nachgedacht hatte.
„Déjà Vu.", grinste Hermione anzüglich. „Hatten wir heute schon so ähnlich...so mit Baum..."
„Glaub mir, das vergesse ich nie wieder."
Für eine Auffrischung der Erinnerung war keine Zeit, denn nach einer Weile hörten sie ein Flattern irgendwo in den Bäumen.
„Ich wusste es – er hat mich sicher beobachtet und verfolgt und sich extra meinen Platz ausgesucht, um mich zu ärgern."
„Severus, es ist ein Kauz, kein Schüler."
In dem Moment kam Harpyi angeflogen und verschwand in einem Loch, das sich gegenüber in einem weiteren, dicken, alten Baum befand.
„Sonst schläft er in meinem Baum im Bad.", stellte Severus fest und Hermione rollte nur mit den Augen.
Sie nahm ihren Zauberstab und richtete ihn auf die Baumhöhle: „Speculum imaginis". Sogleich enthüllte sich vor ihr ein Spiegelbild dessen, was sich oben im Inneren befand.
„Wir haben Nachwuchs, Severus!"
Für eine Millisekunde fühlte er eine Panikattacke, und schon war sie wieder weg.
„Da, sieh, ich hatte es mir gedacht."
Auf dem vor ihnen projizierten Bild konnten sie vier kräftige, wohlgenährte Steinkauz-Küken mit ihrer Mutter erkennen, die sorgsam die von Harpyi herbeigebrachte Maus zerteilte und an die Jungen verfütterte. Zwar spät für dieses Jahr, aber so ein Snape-Kauz musste ja seine Zeit einzuteilen wissen zwischen Familie und Arbeit. Besser spät als nie.
„Ist das nicht süüüß?"
Severus stöhnte nur. Wenigstens wusste er nun, dass er noch für einige Zeit mit den Schuleulen Vorlieb nehmen musste.
Beim nächsten Anflug und erfolgreicher Futterlieferung kam Harpyi plötzlich auf sie zugeflogen und landete vor den Füßen der Frau, die er gern hatte. Er sah so aus, als sei er ungeduldig, tippelte mit den Krallen auf dem Waldboden und flog dann hoch auf den nächsten Ast, als wenn er etwas zeigen wollte.
„Unsinn.", kommentierte Severus, ging aber doch mit, als Hermione dem Vogel folgte, der von Ast zu Ast flatterte.
Die Stelle, an der er sitzen blieb, war nur ungefähr 20 Meter entfernt und führte ein wenig tiefer in den Wald. Als seine Menschen angekommen waren, landete Harpyi auf einem kleinen Erdwall und drehte den Kopf schief und nach unten. Das konnte er wirklich gut.
„Oh...hier ist ein kleiner Eingang zu einer Höhle, nicht? Hast du da etwas versteckt?", fragte Hermione liebevoll.
Der Kauz flatterte mit den Flügeln, blieb aber sitzen. Sie bückte sich und lauschte. Von innen schien ein Geräusch zu kommen. Als Hermione ihren Kopf weiter senkte, um noch besser sehen und hören zu können, hörte sie es deutlicher rascheln und eine Sekunde später sprang etwas fauchend aus der Höhle. Sie konnte es kaum glauben, als sie realisierte, was es war – wer es war.
„KRUMMBEIN! Wo warst du die ganze Zeit? Ich dachte schon, du seist... Du... Was...?"
Er blieb stehen und erkannte offenbar sein Frauchen, denn er umrundete sie und schmiegte sich an ihr Bein. „Warum bist du nicht zurü..."
In dem Moment raschelte es wieder und aus dem kleinen Erdloch krochen auf wackligen, kleinen Pfötchen drei orangefarbene Knieselbabys.
Hermione stand wie erstarrt. „Das, das...wow...das... Krummbein! Ach sind die süüüß, deine Kinderchen. Dann hast du mich gar nicht verlassen und warst nicht böse auf mich?" Als wolle er antworten, kuschelte er sich erneut an Hermiones Bein und die Katzenbabys taten es ihm gleich. Ihr kamen die Tränen und setzte sich auf den Waldboden, um sie zu streicheln oder sie auf den Arm zu nehmen, was sie offensichtlich durfte.
Irgendwann löste sie sich von ihnen und stand wieder auf. Zwar hatte Severus still und geduldig gewartet, aber sie wusste, dass dies hier nicht so ganz dem entsprach, was er für den Tag noch geplant hatte.
Der Kauz hockte immer noch auf dem Erdwall und Krummbein setzte sich daneben, während die Katzenkinder im Moos spielten.
„Was guckt ihr mich so an? Oder bilde ich mir das ein?" In der Tat wurde sie von stechend gelben und orangefarbenen Augen fixiert.
„Nein, ich habe keine Babys, die ich euch zeigen könnte, meine Lieben."
Gut, dass sie mit dem Rücken zu ihm stand. Da war es wieder gewesen – für ein Bruchteil von Sekunden – das Bild von ihr mit dem Baby auf dem Arm, damals im Park. Das Thema häufte sich in den letzten drei Monaten und nach wie vor wusste er nicht, woher die Gedanken kamen. In dem Moment wurde einem Teil, den er am liebsten aus sich verbannt hätte, von ihm klar, dass er das nicht mehr so ganz ausschloss, jedenfalls nicht mehr zu 200 Prozent, sondern nur noch zu 99.
„Darf ich euch nochmal besuchen? Oder besucht ihr mich?", fragte Hermione die Tiere und ertappte sich dabei, auf eine Antwort zu warten. „Macht's gut. Und danke, Harpyi."
„Ja...", ergänzte Severus, „...danke. Du wirst gekündigt demnächst, Kauz."
„Sei doch nicht so, er kommt schon wieder, wenn die Jungen bald flügge sind und kümmert sich um deine Aufträge."
„Ich will aber so sein."
„Ach was, ich bin doch auch haustierlos, nicht nur du."
„Darum geht es nicht."
„Tut es doch, das sehe ich dir an, aber wir haben uns."
„Stimmt.", gab er zu und küsste sie, bevor sie sich getrennt auf den Weg in den Kerker machten.
In der folgenden Nacht hatte der Steinkauz einen Traum:
Menschen brachten Post zu Menschen. Sie fuhren in kleinen gelben Autos. Manchmal auch in großen gelben Autos.
Nie mehr musste er sich mit schweren Briefen herumärgern, das taten jetzt die Menschen für ihn. Und sein Mensch ärgerte sich nicht mehr über ihn, oder über sich selbst. Und sein Herrchen, den die Frau jetzt Sev nannte, kümmerte sich besser um sein Weibchen und sie bekamen Küken, genau wie er, ganz ohne Mäuse. Wie schön könnte das Leben sein, wenn man nicht aufwachen müsste...
„Hermione, alles in Ordnung?", fragte er sie, als sie lange geschwiegen hatte. Sie hatten zusammen auf der Couch gelesen und nun legte er einen Arm um sie.
„Ja, es ist besser als in Ordnung. Ich habe mich nur gefragt, ob du dir das Wochenende nicht schöner vorgestellt hattest. Ich fand es so schön, aber warst du zufrieden, also..."
„Es war meine Idee, ich wollte weg, Hermione, warum sollte ich es nicht schön gefunden haben. Hattest du den Eindruck?"
„Nein, eigentlich nicht."
„Du warst dabei, es war so... Es...war das Leben, wie ich es nie hatte. Endlich konnte ich mal alles hinter mir lassen. Nur glauben kann ich es immer noch nicht, dass du...dass du mich willst."
„Was hatten wir gesagt? Nie wieder! Nie wieder will ich das hören."
„Gut, dann etwas anderes, etwas, das ich schon lange wollte."
Severus stand auf, ging in sein Schlafzimmer und holte das Kleid aus dem Schrank.
„Oh...nein...jetzt?"
„Jetzt. Jetzt ist genau der richtige Moment. Wenn nicht jetzt, wann dann? Noch bist du meine Frau, da kann ich dir doch etwas schenken." Sein Lächeln verunglückte ein wenig und sie fühlte sich genauso wie er, ohne dass sie es wussten oder dass sie überhaupt ihre eigenen Gefühle erfassen konnten.
„Danke, danke Hermione, dass du dich um mich gekümmert hast, als ich in den Ferien krank war. Ich wollte es nicht zugeben, aber ich weiß nicht, wie ich das ohne dich geschafft hätte. Deshalb... Danke für alles. Willst du es anziehen?"
„Severus, ich hätte das für jeden getan, das weißt du. Es ist selbstverständlich, jemandem zu helfen."
„Nicht wenn es um mich geht."
„Wenn du wüsstest...", murmelte sie und unterdrückte schnell die Bilder, die von der Schlacht in ihr hochkamen. Bloß nicht weinen jetzt.
„Gefällt es dir ein wenig?" Er hielt es ihr hin.
„Ich wusste nicht mehr, wie schön es ist. War ja nur ein kurzer Moment in dem Laden damals. Du hast es einfach so gekauft..."
Hermione nahm es und ging zurück ins Schlafzimmer, um sich in Ruhe umzuziehen und um notfalls ein wenig nachzuhelfen, falls die Größe nicht stimmte. Als sie hineinschlüpfte, merkte sie schon, dass es offenbar wie angegossen saß. Weil im Schlafzimmer kein Spiegel war – das würde sie noch ändern – rannte sie ins Bad und er sah nur einen schwarzen Schatten an sich vorbeiziehen.
Nur einmal hatte sie sich in einem langen Abendkleid gesehen – damals auf dem Weihnachtsball in einer anderen Welt. Diesmal war es etwas anderes. Hermione drehte und wendete sich vor dem alten, hohen Spiegel und konnte nicht fassen, dass sie es war, die sie sah und die den edlen Chiffonstoff trug. Gut für sie, dass sie in den Ferien das Preisschild nicht gesehen hatte.
Ihre Augen verloren sich in dem tiefen Schwarz des Kleides, das fast bis zum Boden ging und an dessen hinterem Teil eine kurze Schleppe angedeutet war, die eine Frau wie eine Prinzessin fühlen ließ. Um die Taille zu betonen, war ein breites, gleichfarbiges Band angesetzt, das hinten am Rücken als dezente Schleife endete. Die Träger waren relativ breit und setzten sich nicht vom restlichen Kleid ab, sondern gingen nahtlos und breiter werdend zum Oberteil über, um vorne als auch hinten einen tiefen V-Ausschnitt zu bilden, wobei vom Rücken ein wenig mehr gezeigt wurde als vom Dekolleté.
Trotzdem, gewagt war es schon für Severus' Verhältnisse, obwohl man nichts sehen, höchstens erahnen konnte. Wenn sie recht überlegte, wusste sie doch gar nichts von seinen Verhältnissen. Was wussten sie denn nach so kurzer Zeit voneinander? Sie hatten bisher nur spekuliert, behauptet und gespottet, dachte sie traurig und so ziemlich alles hatte er in den nun fast drei Monaten wiederlegt.
Ein erneuter Blick in den Spiegel verdrängte die Gedanken wieder dorthin, wo sie hingehörten – weit weg.
Schlichte Eleganz – mit diesen zwei Worten konnte sie das Aussehen des Abendkleides beschreiben. Keine Schnörkel, keine zweite Farbe und vor allem nichts Glitzerndes. Ja, die Auswahl passte zu Severus und damit würde sie perfekt zu ihm passen, falls er sich überhaupt mit ihr zusammen sehen lassen würde. Sie konnte es dennoch kaum erwarten, darin aufzutreten, nervten doch ein paar Mädchen schon wochenlang mit diesem Thema – allen voran Lavender und die Patil-Zwillinge.
Und Severus? Sie hatte gesehen, dass er einen Festumhang besaß, zumindest hatte es so ausgesehen in seinem Schrank. Zu der Zeit hatte sie nur ihre eigene Dummheit davon abgehalten, genauer hinzusehen. Heute konnte sie nur noch den Kopf über ihr Verhalten schütteln, das vielleicht am dicken Ende noch zur Trennung geführt hätte und dessen Ursache sie jetzt am Leib trug.
Würde er sie sehen wollen? Die Frage beantwortete sich von selbst, da er an die Tür klopfte, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei.
Als sie herauskam, langsam und möglichst würdevoll, sah sie das Erstaunen und die Überwältigung in seinen Augen, die er vermutlich nie zugegeben hätte.
„Es passt perfekt.", verkündete sie strahlend und fiel ihm um den Hals. „Ich liebe dich und...danke, danke. Wie kann ich es je wieder gut machen?"
„Ich wüsste etwas."
„Ja?", fragte sie voller Erwartung.
„Wir werden einen Knopf an dem Ausschnitt anbringen, und zwar hier." Severus deutete auf einen Punkt an ihrer Kehle.
Hermione begann zu kichern. „Ja sicher."
„Mein Ernst."
„So hat sich der Designer das aber ausgedacht und du hast es mir so gekauft!"
„Das sah an der Puppe etwas anders aus."
„Vermutlich war die größer als ich. Ich brauche unbedingt noch passende Schuhe, dann ist es noch perfekter und... Kommst du mit?"
„Frauensache. Außerdem...sind nicht bald Prüfungen, Hermione?"
„Ach...", sie klatschte sich gegen die Stirn, „...hab ich glatt vergessen. Danke für die Erinnerung. Aber für Schuhe ist immer Zeit – es muss."
„Wie du meinst." Innerlich schmunzelte er, denn er hatte das kommen sehen. Wie oft hatte er derlei Gespräche mitbekommen – mitbekommen müssen, selbst im Lehrerzimmer.
„Gefalle ich dir so?"
Severus seufzte. „Du gefällst mir immer, Hermione, wieso sonst sollten wir hier stehen? Wirst du es zum Ball tragen?"
„Was für eine Frage! Es ist wunderschön...sie werden platzen vor Neid."
‚Warte ab, bis ich den Rest ergänze.', dachte er voller ehrlicher Freude.
„Ich ziehe es wieder aus, damit nichts drankommt."
„Vergiss den Knopf nicht." Ein Fünkchen Wunschdenken war in seiner Aussage, aber andererseits – den Jungs, die Männer sein wollten, würden die Augen herausfallen bei ihrem Anblick und sie würden irgendwann begreifen, dass sie ihm gehörte. Vorfreude machte sich breit – er würde den Moment genießen und sie keine Sekunde aus den Augen lassen, wenn es soweit war.
Ob sie sich an seiner Seite zeigen würde, wenn er sie darum bat? Warum nicht? Ehrlich gesagt wusste er es nicht. Einzige Lösung: Er musste sie erst einmal einladen. Nur – konnte er sie auf ihren eigenen Abschluss einladen? So viele Fragen, an denen sich zeigte, dass er nicht wusste, wie er mit ihr, mit einer Beziehung umgehen sollte.
Wenn er wüsste, wie sehr sie auf ein Zeichen von ihm wartete, weil sie ihn nicht überrumpeln und zu einer unbedachten und damit ungewollten Handlung hinreißen lassen wollte. Vielleicht würde sich eine Gelegenheit bieten, wenn Minerva die Ankündigung zum Abschlussball machen würde.
*Tom Jones: „It's Not Unusual"*
„Guten Morgen ihr Lieben.", begrüßte Hermione am Montagmorgen ihre Freunde und setzte sich mit einem breiten Grinsen an den Frühstückstisch.
„Wo warst du denn?", fragte Ron und sie guckte komisch.
„Ich hatte mich doch abgemeldet fürs Wochenende."
„Jah, aber ich hab dich gestern Nachmittag über die Wiese laufen sehen und Ginny sagte, dass du wahrscheinlich erst heute Morgen zurückkommst."
„Oh…ähm… Ich…war…in…der Bibliothek gleich danach…"
„Ja…", sprang Ginny ein, „…sie ist sicher erst aufs Zimmer, als ich schon schlief, da hab ich es sicher nicht gehört…keine Tür und so, und…heute Morgen…"
„…bin ich schon früh raus, weil ich nicht schlafen konnte. Ähm…Bibliothek."
„Aha.", meinte Ron und fragte sich, ob das alles stimmte oder nicht.
„Bin ich froh, dass du wieder da bist. Ein Wochenende ohne dich ist langweilig.", meinte Ginny, während sie an einem Apfelstückchen kaute.
„Du hast doch deine Jungs."
„Ist nicht das Gleiche. Und – erzähl schon, wie war es, wo wart ihr, was habt ihr gemacht, wie oft habt ihr es gemacht, wie..."
„Ginny!"
„Nicht schon wieder. Mine...wir hatten so lange kein Mädelsabend mehr und ich vermisse dich im Bett...äh...du weißt schon... Erzähl mir doch wa... WAAAAAAAH!", schrie Ginny plötzlich und sprang auf. „OH MERLIN, OH MERLIN, OH BEI VOLDI'S BLEICHEN FINGERN!"
Fast alle Schüler, sogar ein paar Lehrer, hatten sich zu ihr umgedreht und sie setzte sich mit hochrotem Kopf wieder hin.
„GINNY! Was um alles in der W..."
Ginny riss Hermiones linke Hand an sich und die fiel fast mit dem Kopf auf den Tisch, weil sie sich darauf gestützt hatte.
„Ring. Er... Er hat... Du bist... Ihr seid... Hat er... Wann ist das passiert, ist es das, was ich... Oh Merlins... Wie hat er das... Ein Ring, ein Ring... Mine! Sag doch was!" Sie platzte fast, weil sie so leise sprechen musste und bekam keine Luft mehr, deshalb fuchtelte sie nur wild mit den Armen durch die Gegend und presste dann die Lippen ganz fest aufeinander.
„Ach du meine Güte, den habe ich vergessen abzulegen.", erschreckte sich Hermione. Wenn Severus das erfahren würde... „Keine Panik, Ginny, ist nur ein Fake."
„Zeig. Ein Fake? Aha, mit den richtigen Buchstaben drin, hm? Klar doch. Hat er das etwa gemacht? Ach wie süß. H und S. Hermione Snape? Oh man wie süüüß! Ist er echt so? Sag doch was!"
„Du lässt mich doch gar nicht – wieder mal. Ja, wir...er dachte, es sei besser so." Hermione hatte noch gar nicht daran gedacht, dass HS auch Hermione Snape und nicht nur Hermione und Severus heißen konnte. Ob sie ihn fragen sollte?
„Jaja, lass mich dumm sterben ohne ein Häppchen. Menno. Und du hast sicher wieder keine Zeit."
„Doch, heute Abend bin ich oben. Wenn du willst, komm rüber und wir erzählen uns was."
„Echt jetzt? Wie cool. Ich freu mich schon so. Aber keine Häppchen, ich will ALLES wissen. Auch aus den Wochen vorher...ich bin im Rückstand, Miss. ALLES!"
„Ja klar."
„Wo ist er eigentlich?"
„Keine Ahnung, er kommt sicher gleich, hatte er jedenfalls vor."
Ginny war gespannt auf Snape und konnte es selbst nicht fassen.
An diesem Morgen strahlte immer noch die Sonne und alle schienen nach dem langen Wochenende bestens gelaunt zu sein – bis auf einen. Snape polterte wie immer mit wehendem Umhang an den Frühstückstisch, an dem er zu erscheinen hatte. War gar nicht so einfach, miese Laune vorzutäuschen, wenn man solch wunderbar entspannte Tage hinter sich hatte. Immerhin hatte er einen Ruf zu verlieren und strengte sich an.
Ein „Guten Morgen" kam allerdings trotzdem über seine Lippen, aber er besann sich schnell und zog seinen miesesten Gesichtsausdruck über. Dummerweise war er spät dran und alle saßen schon an ihren Plätzen. Aus einem unerfindlichen Grund hatten drei Slytherin-Mädchen aus der Abschlussklasse vor der Labortür auf ihn gewartet und nicht einmal einen Grund dafür vorbringen können. Er konnte ja nicht ahnen, dass denen ein gewisser Professor in Jeans nicht mehr aus dem Kopf ging, sonst hätte sein Haus jetzt deutlich weniger Punkte.
Minerva seufzte nur und kaute weiter an ihrem Brötchen. Danach seufzte Severus entnervt. In all den Jahren hatte sich ein Problem immer noch nicht gelöst – Kaffee. Warum war es nicht möglich, jedem eine Kanne hinzustellen? Warum? Nach jedem Frühstück beschloss er, sich darum zu kümmern, aber irgendwie hatte es nie gepasst. Nie.
„Bitte, Schul-lei-te-rin, Kaffee, oder hast du ihn abonniert?" Er streckte fordernd den linken Arm in ihre Richtung und schaute dabei nicht einmal hin. Poppy wich zurück, sonst hätte er sie erwischt.
McGonagall stöhnte, biss erst nochmal genüsslich in ihr Marmeladenbrötchen, um ihn ein wenig zur Geduld zu mahnen – oder um ihn zu ärgern – nahm dann die Kaffeekanne hoch und wollte sie ihm gerade reichen, als ihr Blick auf seine linke Hand fiel, mit deren Fingern er ungeduldig in der Luft herumwedelte.
‚Ring! Ring...Ring, Ring, Ring, Ring. Ring!', ging es in ihrem Kopf, dass sie schon Glocken läuten hörte, während im gleichen Moment die Kaffeekanne ohrenbetäubend laut auf den Tisch krachte und der braune Inhalt sich seinen Weg über das Holz bahnte. Durch den Schreck hatte sie sich am Brötchen verschluckt und Teile davon – inklusive der Marmelade – verteilten sich quer über den Tisch. Irgendwann hatte Hagrid ein Einsehen, stand auf und klopfte ihr mutmachend auf den Rücken, dass sie fast vom Stuhl fiel.
Nicht nur der Lehrertisch war zusammengezuckt, auch die Schüler – eigentlich alle Anwesenden, bis auf einen. Flitwick hatte nur einmal kurz die Augen zugekniffen, griff nun in aller Seelenruhe nach seinem Zauberstab, weil er sich diesmal an seine magischen Fähigkeiten erinnerte, und ließ das Dilemma einfach verschwinden. Gut, dass er den Grund desselben nicht erfasst hatte, sonst...tja, was dann passiert wäre, konnte ja keiner wissen.
Langsam gewöhnte er sich an spuckende Kollegen, was sollte also die Aufregung? Früher war er einmal in einem Muggelzoo gewesen, da gab es Tiere, die Lamas genannt wurden, erinnerte er sich, die machten ähnliche Dinge. Erst Severus letzte Woche, jetzt sie, wer war der nächste? Poppy sah nur so aus, als bekäme sie keine Luft mehr, denn sie lief rot an. Wenigstens spuckte sie nicht. War irgendwas?
Minerva jedenfalls saß noch genauso da, den rechten Arm ausgestreckt, die Finger um den nunmehr nicht vorhandenen Griff und eben auch ohne die Kanne. Den Schrei, den sie dabei ausgestoßen hatte, hatte sie nicht einmal gehört. Nicht bewusst, sonst würde sie sich sicher jetzt erleichteter fühlen.
„Was hast du getan?", fragte Severus ungerührt. „Mein Morgenelixier vernichtet! Gegönnt hast du mir noch nie etwas.", entrüstete er sich spielerisch.
Zitternd nahm sie ihren Arm erst jetzt herunter und rieb ihn sich. „Ring.", sagte sie nur. „Da."
„Du solltest dich als Schul-lei-te-rin klarer ausdrücken können, Professor." Erst dann merkte er, dass sie ihn gar nicht anguckte, sondern nur seine Hand. Und dann kam es in seinem Gehirn an.
‚Bei Merlins xxx xxx', dachte er. (A/N: Der Rest wurde von Sev selbst beim Korrekturlesen zensiert.)
Wie konnte ihm bloß ein solcher Fehler unterlaufen? Ihm wurde heiß und kalt und wackelig und er wurde sich der Tatsache bewusst, dass er den Ring tatsächlich weder bemerkt noch gespürt hatte – er hatte sich bereits an ihn gewöhnt. Was tun?
‚Was tun, was tun, was tun?' Offensive oder Defensive? ‚Du warst Spion, du hast belogen und betrogen, du...' Was hatte er sich selbst beigebracht? Den Gegner mit eigenen Waffen schlagen? ‚Mal sehen, Minerva.', überlegte er still und setzte dann sein hübschestes, also fiesestes Grinsen auf.
„Ja WAS denn, Minerva? Ich habe am Freitag geheiratet und kannst du mir mal den Tee reichen, wo du schon den Kaffee zerstört hast?"
„DAS HAST DU NICHT!?", schrie Minerva und es kamen wieder Krümel aus ihrem Mund. Die Teekanne nahm sie automatisch, ohne es zu merken.
Warum musste er auch immer zu so einem Schlag ausholen, wenn sie am essen war? Pomona fing an zu kichern – sie liebte Humor und sie lachte gerne und sie hätte nie gedacht, dass der gute Severus einmal so einen guten Witz bringen würde. Einfach herrlich. Sie konnte sich gar nicht beruhigen und bald lachte das halbe Kollegium mit, vor allem, nachdem Sibyll mehr gesungen als gesagt hatte, dass sie es bereits im April in ihrer Glaskugel gesehen hätte. Ja klar!
Severus lachte natürlich nicht, sondern guckte giftig in die Runde, wovon Pomona noch mehr lachen musste. So schnell brachte er mit diesen Blicken keinen mehr zum Schweigen. Als sich wenige Minuten später fast alle beruhigt hatten, stand er plötzlich auf und ließ seinen Stuhl so schön langsam über den Boden quietschen.
„Muss das sein?", stöhnte Minerva, die das Geräusch hasste wie die Pest, weil ihr dadurch alle Zähne wehtaten.
„Nein, muss es nicht. Wieso? Stört es dich?"
„Das weißt du genau!"
„Ist mir entfallen."
„Das Frühstück ist noch nicht beendet."
„Ja, Severus, du hast noch gar nichts gegessen.", meinte Poppy ehrlich.
„Was euch nicht alles auffällt. Ich habe keine Zeit mehr zu essen. Bis zum Unterrichtsbeginn habe ich noch einiges zu tun, meine Damen."
„Brauen kannst du später."
„Seit wann interessiert ihr euch dafür? Ich werde sehen, dass ich woanders einen Kaffee oder irgendetwas zu trinken bekomme. Darüber hinaus habe ich noch weitere Pflichten zu erfüllen."
„Welche denn?", fragte Minerva und konnte sich heute Morgen außer dem folgenden Unterricht nichts vorstellen.
Severus fixierte sie: „Eheliche, Minerva, wenn du verstehst. Guten Morgen." Dann drehte er sich auf dem Absatz um und verschwand mit wehendem Umhang aus der Hintertür.
Die schöne, runde Teekanne rutschte aus McGonagalls Hand, rollte an den Rand des Tischs und landete mit ohrenbetäubendem Getöse auf dem Steinboden, wo der Inhalt eine hübsche Pfütze verursachte, die sich langsam aber sicher ausbreitete.
Diesmal schreckte Filius gar nicht mehr hoch, sondern schwenkte seinen Zauberstab, während er eine Portion Schokoladencornflakes zum Nachtisch löffelte. Dabei ging ihm durch den Kopf, dass seine Vermutungen bezüglich Severus' Privatleben – wenn man das mal so vorsichtig so nennen durfte – vielleicht falsch sein könnten. Vielleicht hatte sein Kollege das Ganze mitbekommen – er war ja nicht ganz unschlau – und holte jetzt zu diesen Retourkutschen aus, um es ihnen so richtig zu zeigen. Das bei Minerva hatte jedenfalls gesessen. Flitwick blieb nichts anderes übrig als weiterhin Ohren und Augen offen zu halten.
„Was war denn da los?", fragte Harry und die anderen zuckten nur mit den Schultern, während sie immer noch auf den Lehrertisch starrten, wo ihre Schulleiterin von Poppy Luft zugefächert bekam.
„Snape hat sicher wieder was von sich gegeben in seiner besten Laune.", kommentierte Dean und die anderen stimmten zu. Hermione wusste, dass es anders war, aber sie konnte nicht im Geringsten ahnen, was gerade passiert war und warum McGonagall zwei Kannen bruchreif gemacht hatte.
Ginny hingegen starrte auf die Tür, aus der Snape verschwunden war. Hatte er oder hatte er nicht? Sie war sich fast sicher gewesen, dass sie auch einen Ring an seinem Finger gesehen hatte. Das wäre ja lustig, dann hätte er ihn auch vergessen – genau wie Hermione. Sie würde es ihr heute Abend erzählen.
Ihrer aller Aufmerksamkeit wurde danach abgelenkt, denn Professor Flitwick stand auf, stellte sich auf seinen Stuhl und verstärkte mit einem Sonorus seine Stimme. Einer musste ja arbeiten, wenn die Schulleiterin unpässlich war.
So übernahm er es, die Ankündigungen und Neuerungen bezüglich des Abschlussballs zu verkünden und erklärte, wo die Aushänge zu finden sein würden. Der Tumult, der daraufhin ausbrach, lenkte die meisten von den anderen morgendlichen Vorfällen erst einmal ab und das war auch gut so.
Woanders an diesem Tag bahnte sich noch ein Tumult an.
„Mutter!"
„Ja, ich wollte nur mal kurz vorbeischauen, wenn ich darf."
Rose schüttelte nur mit dem Kopf. „Was du so alles von dir gibst!"
„Ich bin nur höflich.", grinste Mrs. Tenerhale und schob sich mit Emma durch die Haustür der Grangers.
„Lust auf einen Orangensaft mit Vanilleeis, Mum? Als Dankeschön fürs Autowaschen heute Morgen."
„Immer, Kind, immer, das kann man ja bei uns schon als Tradition bezeichnen. Und bitte, gern geschehen. Der Wagen war sauber, ich hatte nur Lust, mich draußen in der Sonne zu bewegen. Hermione ist sorgsam damit umgegangen, aber das hab ich dir ja gestern schon am Telefon berichtet."
„A propos berichten: Du kannst uns dann mal berichten, was mit meiner Tochter los ist."
„Sie hatte einfach keine Zeit mehr gestern, die Prüfungen... Weißt du es immer noch nicht?", fragte Jean betont lässig und begann zu schwitzen, nicht wegen der Hitze draußen.
„Sie ist verliebt, das hat sich wohl bestätigt, aber wir wissen nicht, wer es ist. Du?"
„Nun…" Zeit zu schinden bei so einem Thema war gar nicht leicht. Schon gar nicht bei einer Tochter wie Rose. „Wo ist eigentlich Emma?"
„Keine Ahnung, sonst bleibt sie doch immer bei dir – oder macht sich auf Abwege, wo sie nicht hin soll."
„Dann gibt es nur zwei Stellen, wo sie sein kann. Euer Bett oder Hermiones. Ich geh mal nachschauen."
Mrs. Tenerhale suchte die Zimmer ab und fand keinen Hund. Draußen konnte er nicht sein, denn die Türen waren zu und selbst aufmachen konnte sie sie nicht. Jede noch so kleine Nische wurde in Augenschein genommen, aber er tauchte nicht auf. Zum Schluss der zweiten Runde durchs Haus gingen Jean und Rose noch einmal in die Schlafzimmer, während Hugo Granger doch im Garten nach dem Hund rief, was allerdings nicht möglich war.
„Sie hat auf jeden Fall hier auf Hermiones Bett gelegen und sich darauf herumgewälzt, das sieht man deutlich.", stellte Jean fest und schüttelte mit dem Kopf. „Und die Kommode steht offen. An die Möbel geht sie doch sonst nicht dran. Ach Emma.", seufzte sie und ging wieder die Stufen zum Wohnzimmer hinunter. Früher oder später müsste sie ja wieder auftauchen. Die Tatsache, dass ihr Hund fehlte, hielt ihre Tochter leider nicht davon ab, noch mehr Fragen über Hermione, ihren vermeintlichen Freund und den Ausflug zu stellen. Mrs. Tenerhale trank als Kompromiss noch einen Orangensaft mit Sekt – Alkohol konnte ja helfen – und verabschiedete sich dann schleunigst nach Hause. Vielleicht war Emma ja einfach schon mal vorgegangen.
Hätte Hermione mit gesucht, wäre ihr sicherlich aufgefallen, dass sie selbst vergessen hatte, die Schublade zu schließen und den Portschlüssel zu deaktivieren…
Dem war aber nicht so und Emma blieb – schlicht und einfach – verschwunden.
Von Montagnachmittag an hatte Snape wie immer Aufsicht – zunächst Hausaufgabenkontrolle in der Großen Halle, die er schon hinter sich hatte – danach auf den Ländereien bis zur Dämmerung und ab zehn Uhr Rundgänge durchs Schloss und über das Gelände.
Nach dem Abendessen gingen viele Schüler nach draußen, um noch den Sonnenschein zu genießen, zu spielen oder zu lernen, wie fast der gesamte Abschlussjahrgang. Selbst ein paar Kollegen waren draußen, gingen spazieren oder saßen auf einer Bank, um sich zu unterhalten. Diesen Sommer, der gerade erst angefangen hatte, würde man so schnell nicht vergessen – nicht nur wegen des Wetters.
Hagrid kümmerte sich im Vorgarten der Hütte um seine mittlerweile 1,74 Meter hohen Pracht-Gänseblümchen, deren Samen er irgendwo gewonnen hatte und deren Größe er jeden Tag stolz kontrollierte.
Eine Idylle, ein herrlicher Tag. Herrlich deswegen – so dachte Severus – weil er den Damen heute Morgen unwillentlich einen ganz schönen Schock beschert hatte mit seinem Ring und auf seinen Abgang war er besonders Stolz. Das hatte gesessen und zwar so, dass sie nun hoffentlich Ruhe geben und nicht mehr so neugierig sein würden. So etwas im Bezug auf seine Person würden sie ja wohl kaum für voll nehmen und deshalb hatte er ihnen den Wind aus den Segeln genommen. Wenn er sich da mal nicht täuschte, denn Frauen dachten absolut anders als Männer.
Auf einmal wurde er aus seinen Überlegungen gerissen.
„Ähm, Sir, da ist..."
„Wissen sie sich in der vierten Klasse noch immer nicht auszudrücken?"
„Sir, da, da..."
„Vergessen sie es."
Der Schüler zuckte mit den Schultern und ging wieder zu seinen Freunden.
Severus ging weiter und dachte über seinen nächsten Schlag für Minerva nach, als er an der nächsten Gruppe von Schülern vorbeikam, die ihn doof ansahen.
„Was gibt es hier zu sehen?", blaffte er sie an und merkte, dass sie eigentlich nicht ihn, sondern hinter ihn guckten. Dann war es ja gut.
Der Tag war zu schön, um sich über solche Kleinigkeiten zu ärgern.
„Professor Snape?" Schon wieder eine Störung. Sonst ließen sie ihn doch wohlweißlich in Ruhe.
„WAS?" Er vermied weitere Beschimpfungen, weil es ein Slytherin-Siebtklässler war.
„Da... Es..."
„Sind sie der Sprache mächtig, Mr. Abel?"
„Sir, ja Sir, warum...wie... Ein Hund folgt ihnen. Wieso?"
„Waren sie zu lange in der Sonne? Gehen sie hinein, bevor der Sonnenstich noch größer wird!"
Severus ging weiter und kam in die Nähe der Gryffindors, die wieder gemeinsam lernten. Hermione war offenbar gerade nicht dabei.
Lavender und ein paar andere Mädchen guckten auch schon in seine Richtung und grinsten.
„Wie niedlich." oder „Ist der süß" hörte er und er dachte, er sei in einem Alptraum.
„Haben sie ein neues Haustier, Sir?", fragte Luna geradeheraus und stand auf, um es sich näher anzusehen.
„WAS IST HEUTE LOS? REIN MIT IHNEN, die Sonne scheint zu stark."
„Professor, da steht ein Hund hinter ihnen. Der folgt ihnen schon die ganze Zeit.", erklärte Parvati höflich, ohne das Kichern unterdrücken zu können.
„WAS...", blaffte er und drehte sich um. Fehler.
Und dann gab es kein Halten mehr. Emma bellte auf und sprang auf ihn zu, weil sie ihre Freude nicht im Zaum halten konnte. Wie von Sinnen umrundete sie ihn und wedelte wie immer heftig mit dem Schwanz, bellte dann lauter, weil sie auf eine Reaktion von ihm wartete, die sie ja mittlerweile das ein oder andere mal schon erhalten hatte.
„DAS GLAUBE ICH NICHT!", stöhnte er und wusste nicht, was er tun sollte. Wie war der Hund hierher gekommen? Hatte Hermione...? Nein, auf keinen Fall.
„Ist das nicht Hermiones Hu... AUA!" Ginny hatte Harry gegen das Schienbein getreten und haute noch mit der Hand über seinen Kopf – glücklicherweise duckte er sich rechtzeitig.
„Aber das ist doch der Hu... AUA! Hör auf mich zu schlagen."
„Dann halt die Klappe." Sie bedachte ihn mit einem vielsagenden Blick.
„Ach so. Sorry. Aber wenn sie vom Klo kommt, dann..."
„Richtig, meine Güte. Ich lauf und warne sie. Wenn die sehen, dass der Hund Snape und Mine kennt, dann haben wir ein Problem."
„Das kann man wohl sagen."
Mittlerweile starrte die gesamte Schülerschaft, die sich draußen aufhielt, auf den Professor und die meisten lachten sich kaputt. So etwas hatte die Welt noch nicht gesehen. Was würde er tun?
Severus überlegte und kam zu dem Schluss, dass es nur etwas mit dem Portschlüssel in Hermiones Zimmer zu tun haben konnte. Aber bei einem Tier? Vielleicht war der Hund dort gewesen, hatte die Gerüche von ihr und ihm aufgenommen und dann an sie gedacht – wenn man in einem solchen Fall von denken sprechen konnte. So musste es gewesen sein. Er musste Emma sofort zurückbringen, bevor es noch eine Katastrophe gäbe – oder Hermione holen. Er beschloss, den Hund so gut wie möglich zu ignorieren und in seine Räume zu gehen, von wo aus er dann Hermione Bescheid geben konnte.
Auf dem Weg dorthin und unter vielen Blicken begegnete er Ginny mit Hermione im Schlepptau. Das auch noch! Egal, eine Lösung musste her. Hermione bekam große Augen, obwohl Ginny – die sich schnell und diskret verabschiedete, als sei nichts gewesen – sie vorgewarnt hatte. Severus deutete ihr, in seine Räume mitzukommen. Dort beschlossen sie, dass Hermione am besten allein mit dem Hund zuerst zu ihrer Großmutter apparieren und ihn dort abliefern sollte und anschließend möglichst ungesehen bei ihren Eltern den Portschlüssel deaktivieren musste, damit nicht noch einmal so etwas oder Schlimmeres passieren konnte. Mit einem schlechten Gewissen und einer Portion Kichern machte sich Hermione an die Appariergrenze am Hang hinter dem Schloss, die nur selten jemand benutzte. Emma hingegen wollte sich nicht von Severus trennen und er musste sich in der Küche einschließen, dass sie ihn nicht mehr sah.
Hermione hatte das Glück auf ihrer Seite und sie schaffte es so, wie sie es sich gedacht hatten. Sie benachrichtigte kurz Severus und ging dann in ihr Zimmer, wo sie den ersten Mädelsabend nach längerer Zeit mit Ginny verbrachte, während die Jungs noch im Gemeinschaftsraum saßen – sie durften sich als Siebtklässler dort noch nach der Sperrstunde aufhalten, wer sollte sie auch davon abhalten?
Harry und Ron spielten Zauberschach und zuckten zusammen, als sie Ginny schreien hörten. Sie verstanden nicht alles, aber das, was sie hörten, war äußerst denkwürdig.
Nach dem ersten von vielen „WOW WOOOW" kam „ER HAT WAS GEMACHT?". Dann so etwas Ähnliches wie „POOL", danach „WO...SEINE HÄNDE" und dann der lauteste Satz, von dem sie nur „...AUTO...BAUM...ÖGELT" verstehen konnten, worauf sie sich nicht den geringsten Reim drauf machen konnten – jedenfalls nicht Ron. Nur Harry hatte eine ganz, ganz vage Ahnung, welches Thema gerade erörtert wurde.
„Man, was ist bloß mit denen los?"
Das brachte Harry darauf, endlich die Chance zu nutzen, um noch einmal mit Ron zu reden – so von Mann zu Mann.
„Hm, Hermione hat sicher was zu erzählen vom Wochenende."
„Meinst du, sie hat sich auch wieder mit ihrem angeblichen Freund getroffen?"
„Angeblich? Ich denke schon, dass es wirklich so ist."
Mittlerweile war er komplett überzeugt, denn er hatte Hermione und Snape einmal ganz kurz zusammen gesehen, als sie sich unglaublich verliebt angesehen hatten, in einem vermeintlich unbeobachteten Moment vorhin nach dem Abendessen und in der vergangenen Woche auch schon. Seitdem war er auch davon überzeugt, dass die Gefühle nicht ganz unecht sein konnten. Er wusste, dass Snape Gefühle haben konnte, das hatte er ihm selbst gezeigt damals, und jetzt schien er sie erneut zu entdecken. Harry war im Begriff, es zu akzeptieren – oder es zumindest zu lernen. Hermione schien ehrlich glücklich zu sein, das war die Hauptsache und das respektierte er.
„Ron, glaub mir, sie hat jemanden."
„Aber sie bekommt nie Post, oder hast du das schon mal gesehen? Warum meldet er sich nicht? Das ist doch komisch."
„Vielleicht ist es anders, als wir denken."
„Nicht, dass sie enttäuscht wird.", überlegte Ron traurig.
„Das weiß ich nicht. Aber siehst du nicht, dass sie glücklich ist?"
„Nicht anders als sonst, oder? Also, als früher."
„Doch. Es ist anders. Sie ist anders. Wir sind erwachsen geworden, Ron. Schau sie dir an."
„Das mache ich, glaub mir... Ich...ich... Weißt du, ich hätte sie gerne zurück."
„Wird nicht funktionieren, mein Freund, das haben wir dir doch schon mehrmals gesagt."
„Weiß ich, aber ich habe einen Plan. Ich werde mich ab jetzt auf den Hosenboden setzen und lernen, zur Not mit Nachtschichten bis zu den Prüfungen. Ich bin auch erwachsen geworden, ich will mit dir zusammen Auror werden, das weißt du doch. Dazu reicht es noch nicht und das enttäuscht sie sicher. Und ich enttäusche mich selbst. Ich werde es allen zeigen, dass ich es kann, Harry. Und dann...vielleicht... Dann kann ich sie auf den Ball einladen. Damals hab ich meine Chance verpasst, jetzt nicht mehr."
„Oh man.", sagte Harry nur und wusste nicht, wie er es noch besser formulieren könnte.
„Ron, sie hat einen Freund."
„So etwas kann sich ändern. Hast du doch gesehen bei mir und Lavender."
Harry lachte auf, obwohl er es nicht wollte. Die Geschichte mit der Beziehung von Hermione und Snape zu vergleichen, grenzte an guten Geschmack, obwohl er rein gar nichts darüber wusste – außer dem, was er durch Ginny wusste, aber nicht wissen wollte.
Es hatte keinen Zweck, Ron ließ sich nicht überzeugen, was er auch im Laufe des Abends noch zu erklären versuchte. Nur zum letzten Schlag konnte er sich nicht durchringen, denn dazu hätte er deutlich sagen müssen, dass Hermione ihre Nächte bei Snape im Kerker verbrachte und dass es dann um alles andere als um den Austausch von Tränkeflüssigkeiten oder –Variationen ging.
Seufzend gab er sich bei diesem Thema und beim Zauberschach geschlagen und kam zu dem Schluss, dass er es dabei belassen sollte. Wenn Ron so richtig lernen wollte, sollte er es tun – besser ging's gar nicht und dessen Zukunft wäre gesichert.
Ron hatte dadurch seine erste durchwachte Nacht, ebenso wie Ginny, die wegen den Bildern in ihrem Kopf nicht einschlafen konnte.
Nach diesem wundervollen Wochenende und dem äußerst denkwürdigen Montag sahen sich Hermione und Severus kaum, da für Hermione bereits in der darauffolgenden Woche die erste von vielen Prüfungen stattfinden sollte und sie nebenbei noch mit den anderen lernte. Immerhin hatte sie einige Fächer mehr als die meisten Schüler der Abschlussklasse.
Severus selbst hatte unendlich viel Arbeit nachzuholen und musste die Prüfungen vorbereiten, was ein Heidenaufwand war jedes Jahr. Dazu noch der reguläre Unterricht, die sich türmenden Stapel von Hausaufgaben und Aufsätzen, Tränke für die Stunden, für die Krankenstation und für sich selbst brauen, Kontrollrunden und die Zeugniskonferenzen für alle Stufen.
Es war zum Verzweifeln und er vermisste seine...Frau, der es nicht anders ging. Hin und wieder nahm er den Ring in die Hand, den er sorgsam in seiner kleinen, schwarzen, hölzernen Truhe mit all den anderen, wertvollen Erinnerungen aufbewahrte.
Nur am nächsten Samstagabend trafen sie sich spät und – typisch für Hermione – rotierte sie in der kostbaren Zeit zu zweit wegen einer möglichen Prüfungsfrage in Arithmantik. Sie konnte alles, aber so war sie eben. Er half ihr, indem er sie beinahe mit Gewalt an sich zog und so niederküsste, dass sie ihn daraufhin fast nicht schnell genug ins Schlafzimmer zerren konnte. Was für ein Glück, dass er auch daran gedacht hatte – diesen Trank auf Vorrat zu brauen.
Nach diesen wenigen Stunden lief es so wie davor und die Nervosität, die Sehnsucht und...ja, und die Liebe wuchs von Tag zu Tag, sowohl bei Severus als auch bei Hermione.
tbc
A/N:
Ich nochmal ;o) Die stressigen Tage laufen auf Hochtouren, wie sicher bei uns allen. Deshalb kann ich nicht versprechen, dass ich das nächste Kapitel zum nächsten Freitag schaffen werde. Es ist zwar zu etwa ein Drittel fertig, aber trotzdem. Sorry schon mal dafür.
Ich wünsche Euch, ihr Lieben, ganz, ganz schöne und erholsame Weihnachten!
Und als ganz kleines Dankeschön für euer Lesen und für die vielen lieben Worte, habe ich einen kurzen Weihnachts-Dankeschön-Oneshot geschrieben, den ich am 23.12.13 hochladen werde. Wenn ihr mögt, lest doch mal rein irgendwann ;o)
Eines kann ich schon verraten: Es geht um eine Uroma und eine gewisse Art von...Geschenk! *g* Und ich hoffe, es gefällt euch auch ein wenig.
VLG KeyMagic
