A/N:

Ihr Lieben!

Der Abend aller Abende ist gekommen und wie ihr merken werdet, fängt er gerade erst an – ich hoffe, ihr verzeiht! ;o)

Und ich hoffe, ihr habt Spaß mit Oma, Ginny, manchen anderen und dem Fluff! ;o)

VLG KeyMagic

Nine88: Ich kann dir leider nicht persönlich antworten - DANKE für dein Review!


Kapitel 50


*Alan (The Voice*g*) Rickman & Johnny Depp: „Pretty Women"*


Es ging herum wie ein Lauffeuer.

Ginny hatte irgendeine unbedachte Bemerkung fallen lassen und schon war es heraus. Dabei hatte der Tag so gut angefangen und sie dachten, sie hätten noch ein wenig Ruhe und vor allem Zeit für und mit sich allein gehabt. Das war allerdings jetzt vorbei.

Hermione seufzte laut und lauter und bekam langsam aber sicher Panik. Nun war alles zu spät, oder? Jetzt konnte sie alles vergessen, alles, worauf sie sich gefreut hatte. Sie würden keine Rücksicht nehmen – das ahnte sie nicht nur, sie wusste es.

Als es an ihrer Tür klopfte, zuckte sie regelrecht zusammen. Nicht einmal den Anstand hatten sie, auf ein Herein zu warten.

„Ist das wahr? Ginny hat gesagt... Oh! Oh bei Merlin, Hermione, es stimmt!?"

Parvati, Padma und Lavender standen am Eingang des Zimmers und schlossen die Tür hinter sich – allesamt schon in ihren Abendkleidern, mit kleinen Täschchen in der Hand und ganz großen Augen.

Hermione stöhnte auf. „Offensichtlich ist es wahr. Wonach sieht es denn sonst aus? Ihr seht doch, dass ich nicht allein bin, was fragt ihr also noch?"

Dabei drehte sie sich herum und schaute in die Augen, die sie schon so lange liebte und ohne die sie niemals sein wollte. Außerdem erhoffte sie, daraus ein wenig Unterstützung zu schöpfen. Allerdings waren diese Augen solche Situationen gewöhnt und strahlten Gelassenheit und so etwas wie Überlegenheit aus, wie so oft.

„Hermione, damit hättest du rechnen müssen, wieso wunderst du dich noch?"

„Aber...wir wollten doch noch..."

„Das können wir immer noch."

„Was wirst du jetzt tun? Kümmerst du dich...darum?"

„Natürlich, so etwas überlässt man am besten...Profis. Und ich bin schnell und präzise, das weißt du, das hast du schon hundertmal gesehen. Und damit... zu ihnen, meine Damen!"

Die drei Mädchen schauten ganz verlegen drein.

„Herkommen!"

„Was..."

„Eine Jede sagt jetzt, was sie will und dann fangen wir an!"

„Wirklich?", fragten sie im Chor und Mrs. Tenerhale verdrehte die Augen.

„Ihr habt es gehört. Was habt ihr mitgebracht? Los, los, die Zeit läuft!"

Während Hermione warten musste, bis ihre Haare soweit waren – Oma hatte unbedingt die blonden Strähnen auffrischen wollen – zauberte sie im annäherndsten Sinne des Wortes den Zwillingen Hochsteckfrisuren aus ihren langen Haaren, die sie bisher noch nie gesehen hatten. Zusammen mit dem typisch indischen Schmuck sahen sie einfach nur genial aus und sie freuten sich mächtig. Am Make-up musste nicht viel gemacht werden, denn das konnten sie schon lange alleine aufgrund der Tradition.

Lavender wollte gerne die Haare glatt haben und Oma kramte in ihrer extra mitgebrachten Arbeitstasche, die beinahe größer war als ihr eigenes Gepäck. Sie fischte ein Lockenstab hervor, den man gleichzeitig auch als Glätteisen benutzen konnte und suchte die Steckdose.

„Oma...Oma! Hier gibt's keinen Strom!"

„Ach du Sch****, oh, entschuldigt, Kinder. Wie konnte mir das denn entfallen? Gut...was tun...Plan...W – wie weiß ich nicht. Was ist mit eurem Zauberstab?"

„Ja, irgendwas geht da, aber es wird nie so perfekt, wie wenn man es nicht-magisch macht."

„Kann man den irgendwie aufheizen? Oder könnt ihr..."

Irgendwie schafften sie es, Lavenders Zauberstab so umzuwandeln, dass Mrs. Tenerhale damit arbeiten konnte. Nach ein paar Minuten gewöhnte sie sich an das Ungewohnte und außerdem hatte sie schon oft improvisieren müssen. Anschließend bekam Lavender noch ein Make-up, das sie tatsächlich fast hübsch machte und das sie eine gefühlte Viertelstunde vor dem Spiegel betrachtete, ohne noch irgendetwas mitzubekommen.

„Möchte noch jemand was?", fragte Jean in die Runde, als die ebenfalls mitgebrachte Eieruhr schrillte.

„Vielen, vielen Dank, Mrs. Tenerhale.", schwärmten die Mädchen gleichzeitig, verabschiedeten sich kichernd und gingen hinaus.

In dem Moment kam Ginny durch den Vorhang, der ihrer beider Zimmer trennte, wenn sie es wollten – nur hin und wieder hatten sie die richtige Wand wieder hergezaubert, falls Harry mal dort übernachtet hatte.

„Hey...tut mir leid. Sie sind so... Das war keine Absicht, ich hab wieder geplappert."

„Schon gut, Herzchen, komm her, es ist noch Zeit genug und du bist pünktlich dran, wie verabredet. Während Hermione sich die Haare auswäscht, mache ich schon mal dein Make-up, ok?"

„Wenn ich sie nicht hätte, Jean."

Mrs. Tenerhale fing erneut an zu zaubern und legte noch eins drauf im Vergleich zu dem Tag in der Boutique, was zur Folge hatte, das Ginny vor Freude heulte und Jean es wieder ausbügeln musste.

„Herzchen, du solltest nicht weinen, sondern dich freuen. Hier, nimm mal ein paar Sachen und steck sie dir in dein Handtäschchen, vielleicht willst du mal auffrischen zwischendurch. Ansonsten sehen wir uns ja."

„Ich bin endlich eine Frau.", sagte sie, als sie wieder in den Spiegel schaute.

Sie hatte einen dicken, schwarzen Lidstrich bekommen und volle Wimpern, dazu Rouge, das ihr Gesicht wunderbar hervorbrachte. Ihre langen Haare waren offen und leicht lockig, weil es ihr am besten stand. Allerdings hatte Mrs. Tenerhale ein paar Strähnen an den Seiten streng nach hinten unter die anderen gesteckt, sodass nach hinten das Volumen und die schönen Hollywood-Wellen, wie sie sie nannte, so richtig gut herauskamen und dazu noch aufregend aussahen.

„Du bist längst eine, wirst du nicht übermorgen 18?"

„Ja. Und Harry ist 19 geworden letztens, aber das war mitten in den Prüfungen. Wir wollen dann in den Ferien zusammen feiern, aber das ist noch nicht ganz fertiggeplant."

„Und heute feiert erst einmal euren Abschluss, das wird toll.

Hier, lackier dir noch die Nägel, kannst du das allein? Du hast schwarze Sandaletten, oder?"

„Ja, die hat Mum gekauft.", sagte Ginny zögernd.

„Die sind völlig in Ordnung und schön zierlich, kannst du immer tragen und der Absatz ist perfekt. Außerdem willst du doch nicht größer als dein Freund sein, hm? Hier, nimm den schwarzen Nagellack."

„Schwarz?"

„Nur wenn du magst, du hast ein wenig Schwarz an den Augen, die Schuhe, dann die Finger und Füße. Das macht dich geheimnisvoller, aufregender und entfernt dich noch ein bisschen mehr vom Mädchen-Dasein."

Ginny nahm ihr ohne Worte das kleine Fläschchen aus der Hand, ließ sich auf Hermiones Bett plumpsen und begann mit dem letzten Schliff.

Lächelnd widmete sich Jean nun endlich ihrer Enkelin, die mit feuchten Haaren und einem Bademantel aus dem Bad kam.

„So, Liebes. Wie hättest du es gerne?"

„Nicht so wie immer. Mach mal wie du denkst, bitte, und wie...also...passend zu...äh..."

„Verstehe, passend zum Mann, hm?"

„Äh...zum Kleid?"

„Zu beidem."

„Und auf jeden Fall..."

„Smokey Eyes, nicht?"

„Kannst du Gedanken lesen?"

„Ja. Die hauen doch jeden Mann um. Damit fangen wir an."

Gesagt, getan. Hermione bekam ihren Raubtierblick und eine Frisur, die Ginny etliche Wows entlockte. Jean hatte ihr die Haare, die nun wieder schön frisch weil blond schimmerten, vorne antoupiert, um ein wenig Volumen zu bekommen und den Scheitel der vorderen Haare ganz weit auf einer Seite gezogen. Die seitliche Haarpartie steckte sie wie bei Ginny streng nach hinten – so weit, dass es fast wie ein Pferdeschwanz aussah, aber eben nicht ganz.

„Das nennt man Edel-Punk, Liebes. Aufrei...gend und vor allem hat das nicht jeder. Gefällt es dir?"

Ginny pfiff durch die Zähne.

„Genau das hätte ich auch gesagt.", meinte Hermione dazu.

„Kann ich echt so gehen?"

„Vielleicht solltest du den Bademantel ausziehen, Liebes."

„Oh!" Hermione zog sich aus und stand letztendlich nur in ihren schicken, schwarzen, neuen Dessous da.

„Hey Mine, für ihn brauchst du das Kleid aber nicht mehr drüberziehen!", kicherte Ginny übermütig. „Echt heiß. Ich darf das sagen, ich bin eine Frau und deine beste Freundin. Ich könnt dich glatt küssen und wär ich ein Mann, würd ich dich auf der Stelle flachlegen."

„GINNY! Großmutter ist auch noch da!"

„Meine Güte, bin ich denn schon 90 oder was? Ich kenn mich damit aus, ich hab zwei Kinder."

Ginny platzte zuerst vor Lachen und die beiden anderen stimmten mit ein.

„Jetzt aber schnell weiter.", mahnte Jean. „Ich muss mich auch noch umziehen."

Hermione zog das Kleid über und schaute an sich herab. „Ich wusste nicht, dass der Ausschnitt so viel zeigt."

„Er zeigt nicht viel, man kann nur ahnen, und das ist das Allerbeste, wenn du mich fragst. Bloß nicht dran rumzaubern."

„Muss ich aber, es muss ein bisschen kürzer sein wegen...den Schuhen." Sie holte die Pumps hervor, zog sie an, schwenkte ihren Zauberstab und das Kleid wurde etwas kürzer, dass es knapp über ihre Knöchel reichte. Die angedeutete Schleppe wurde schmaler, dass sie von hinten die Sicht auf ihre Absätze freigab.

„Lass mal sehen." Jean starrte und riss den Mund weit auf. „DAS sind deine Schuhe? Du großer Meister im Him... im Kerker..."

Ginny schrie vor Lachen im Hintergrund.

„So schlimm, Oma?"

„Nein, ich darf nur das passende Wort nicht aussprechen, dafür bin ich zu alt. Das sind die genialsten High Heels, die ich je gesehen habe. Wenn die Jay im Theater sehen würde, würde er ohnmächtig, ich schwöre es. Die Schlange...ich hab das doch hier im Schloss schon mal irgendwo gesehen...?"

„Ja, Slytherin, genau wie die Farben schwarz und grün."

„Das wusste ich noch, aber die Schlange... Ach Liebes, ich hab da eine Brosche für mein Kleid, ein schwarz-silbernes Etwas. Kannst du die nicht ein wenig verzaubern, dass ich auch eine kleine Schlange habe – passend zu dir...äh...euch...?"

„Normalerweise haben wir einen Löwen, Oma."

„Und weil du mich jetzt schon wieder Oma nennst, will ich auf jeden Fall die Schlange. Severus war da höflicher zu mir als du. Los und jetzt Beeilung!"

„Er kann dich ja auch nicht Oma nennen!" Hermione erfüllte ihrer Großmutter trotzdem den Wunsch, aber bekam deren Kleid immer noch nicht zu Gesicht.

„Danke, Liebes, und jetzt geh ich schnell in mein Zimmer. Ich muss Rose auch noch die Haare stecken. Wir sollen dann schon runter ins Foyer und danach in der Halle die Plätze suchen, richtig? Und dann kommt ihr für die Zeugnisübergabe?"

„Genau richtig, um 19 Uhr geht's los, aber ihr könnt schon früher runter."

„Vergesst nicht, euch alles ins Täschchen zu stecken – alles was frau braucht. Bis gleich."

Ein letzter Blick in den Spiegel und Ginny und Hermione ruhten sich noch ein bisschen aus. Nachher – kurz vor Beginn – würden sie sich alle unten in der Eingangshalle treffen, denn die Jungs hatten schon gemurrt, dass es ja mit den Frauen ewig dauern könnte, bis sie fertig wären.


Die Zeit verging wie im Flug und die beiden gingen langsam hinunter – was auch nötig war wegen der schwindelerregenden Höhe, auf der sich Hermione bewegte. Im Laufe des Abends würde sie wohl noch ein paar Zauber mehr an ihren Füßen ausprobieren müssen.

Auf halbem Weg trafen sie die Schulleiterin, die in ihrer Festrobe eilig umherlief.

„Miss Granger? Wie gut, dass ich sie noch sehe. Hätten sie einen Moment für mich? Entschuldigen sie, Miss Weasley, sie kommt sofort wieder zu ihnen."

„Natürlich, Professor."

„Oh, Miss...Miss Granger...so…habe ich sie noch nie gesehen. Aus Kindern werden Leute.", seufzte sie. „Es ist nicht zu fassen, wie schnell die Zeit vergeht. Ein wahrlich ungünstiger Moment, aber vorher ist so viel zu tun gewesen und…"

Minerva unterbrach sich selbst, als sie Hermiones Schuhe sah. „Ist das eine…"

„Wie bitte, Professor?"

„Ähm, ach nichts, nichts, Miss Granger. Was ich sagen wollte, ach ja, nun, haben sie sich entschieden, wo sie wohnen möchten? Ich wollte es noch so gerne angesprochen haben vor dem Fest. Nicht dass wir uns nicht mehr sehen."

„Ich würde gerne auf Hogwarts wohnen während meines Praktikums und… Ja, währenddessen."

„Wie mich das freut! Dann können wir in den Ferien oder noch vorher eine kleine Wohnung für sie herrichten oder ein Zimmer. Es gibt so viel Platz. Möchten sie in der Nähe des Gryffindor-Turms bleiben oder…" Immer wieder schielte Minerva zu Hermiones Pumps.

„Wenn es geht ein wenig weiter unten."

„Wie? Ach so...näher zur Krankenstation, sicher"

„Ähm, ja." Hermione verlagerte ein wenig nervös ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen und weil sie die hohen Absätze wahrlich nicht gewöhnt war.

Das brachte Minerva wieder aus dem Konzept. „Sind das Schlangen, Miss Granger? Wie… Schlangen?" Sie schaute ihre Lieblingsschülerin über ihre Brille hinweg an und kräuselte die Stirn.

„Ähm, ja." Die Antwort häufte sich.

„Wieso Schlangen?"

„Sie haben mir…gefallen." Hermione lächelte verlegen und wurde ein wenig rot, was so gar nicht zu ihrem Outfit passte.

Gefallen?" Da kam die unterschwellige, kollegiale Rivalität wieder heraus, die sie schon immer mit Severus pflegte. Jahrelang hatte sie den Haus- oder Quidditchpokal an ihn verloren, bis damals Harry auf die Schule kam. Dennoch hatten sich – wenn auch harmlos – diese kleinen Neckereien hartnäckig gehalten. Sie hatte doch nicht etwa ihre Miss Granger an eine Schlange verloren? ‚Oh nein, ganz sicher nicht, nicht sie.', dachte sie schnell und schüttelte für sich selbst den Kopf. So ein ausgemachter Unsinn! Da käme ja nun gar keiner infrage, nicht für so eine wie sie!

„Nun denn…ähm…meine Liebe. Ich... Es tut mir leid, dass ich mich gar nicht gut um sie gekümmert habe. Das wollte ich auch noch sagen – damals, als sie…verschwunden waren. Hat sich denn alles wieder eingerenkt? Ich meine, ich sehe sie beide hin und wieder, aber es…es… Ist alles in wieder in Ordnung mit ihnen und Mr. Weasley? Ach ich kann es nicht ertragen, wenn irgendetwas ist mit meinen Löwenbabys." Sie seufzte, weil sie sie verlieren würde bald. Dafür kämen zwar Neue hinzu, aber es würde nicht das Gleiche sein.

„Mit ihm? Ja klar, alles ok, wir sind nach wie vor gute Freunde."

„Aber…damals, es war doch so… Sie sagte doch…"

„Wer sagte was?"

Minerva biss sich auf die Zunge. „Ähm, niemand sagte was." Sie hatte doch Hermiones Großmutter versprochen, nichts zu verraten. Sie freute sich schon auf die Gelegenheit, diese nette Dame wiederzusehen.

„Stimmt schon...", erklärte Hermione, „...ich war weg, weil es…mir nicht gut ging. Es…hatte nichts mit Ron zu tun, sondern mit…jemand anderem."

„Jaja, die Liebe." Minerva seufzte traurig. „Bei mir war es auch nicht einfach, es…hat nicht sollen sein, nicht so, wie...wie wir es gerne gehabt hätten."

Hermione überlegte. „Dann…war es nicht Professor Dumbledore?"

Ihr Gegenüber lächelte. „Nein, wir waren auch nur gute Freunde, und wenn jemand etwas anderes gedacht hat, dann war es eben so und keiner von uns musste sich anderweitig rechtfertigen. Sie wirken so glücklich seit damals, Miss Granger."

„Das bin ich, Professor, sehr sogar."

„Es kann kein Muggel sein, nicht wahr? Ihr Patronus…"

Hermione wurde unruhig. „Ähm, ja."

„Oh… Werde ich ihn heute kennen lernen?" Sie lächelte leicht, aber man konnte ihr ansehen, dass sie unglaublich gespannt und neugierig war – sie musste doch wissen, ob es ihren Kindern gut ging!

„Kennen lernen? Nein, das…werden sie nicht, nein, kann man nicht sagen."

„Dann muss er ja von woanders kommen, aber dann war er doch hier, als es passiert ist und…"

Hermione biss sich auf die Unterlippe. McGonagall war nicht zu unterschätzen, das wusste sie ja, aber auch in dieser Richtung konnte sie offenbar eins und eins zusammenzählen.

„Schon gut. Verstehen sie mich bitte nicht falsch. Die Hauptsache ist, dass sie glücklich sind und dass…alles…gut ist."

„Das ist es, mehr als gut." Das war es auch, obwohl sie nicht wusste, wie der Abend verlaufen würde. Mit Severus war alles gut und sie würde ihn sehen – so oder so.

Minerva zog so gekonnt die Augenbrauen hoch wie der Tränkemeister höchstpersönlich. „Nun denn, es geht gleich los, sie wissen ja, wie es abläuft. Haben sie…einen schönen Abend, Miss Granger."

„Nennen sie mich doch bitte endlich Hermione, Professor."

„Oh, das würde ich sehr gerne. Aber nur, wenn sie mich ab nachher Minerva nennen, mein liebes Kind."

Sie strahlten sich an und umarmten sich kurz.

‚Wer weiß, wie ich sie nennen soll, wenn der Tag rum ist.', überlegte Hermione.

Auch McGonagall hin ihren Gedanken nach, als sie sich abwandte und den Flur entlang ging. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht. Keiner, niemals eines ihrer Löwenbabys würde freiwillig eine Schlange an sich tragen. Ihr war gar nicht wohl, aber dass Hermione glücklich war, war nicht zu übersehen. Aber es konnte einfach keiner von den Slytherins sein – unmöglich. Kein Einziger würde passen und dieser Patronus… Sie kannte ihn nicht. Und das wiederum musste bedeuten, dass sich ein Fremder auf dem Gelände aufgehalten hatte. Sie brauchte dringend einen kleinen Schluck von ihrem selbstgemachten Tannenspitzenlikör – das war viel zu kompliziert und sie musste sich dringend innerlich auf die Zeremonie vorbereiten, etwas anderes würde sowieso nichts bringen.

Vielleicht hatte sie nur ein einfaches Puzzleteilchen übersehen und vielleicht würde sie nach den Ferien mehr erfahren. Auf der anderen Seite verhielt sich ihre Freundin Poppy seit Tagen auch so komisch, aber die schwieg beharrlich und tat dumm, wenn die Sprache auf das Thema gekommen war – rein zufällig natürlich. Allerdings war ihr deren Dauerlächeln schon ein wenig komisch vorgekommen, doch sie hatte zum ersten Mal nichts aus ihr herausbekommen. Entweder wusste sie etwas oder sie wollte sie ärgern oder…es war etwas gänzlich anderes. Ein Slytherin – wäre ja noch schöner! Minerva schüttelte über sich selbst den Kopf und ging festen Schrittes in ihr Büro, um das zu tun, was sie tun musste.


Ein weiterer Lehrer aus dem Kollegium wuselte herum – und zwar in der Großen Halle, die noch verschlossen war. Filius Flitwick begutachtete ein letztes Mal sein Werk, dem er sich etliche Stunden gewidmet hatte. Vor allem auf die Dekoration war er stolz. Die Farben der Häuser, mal getrennt, aber noch öfter vereint zu bunten Bändern an den Wänden, fanden sich ebenso auf den Tischen wieder. Tausende Kerzen verzierten die Decke und der Boden hatte eine schimmernde, leicht silber und golden glitzernde Schicht bekommen. Ja, er konnte es.

Vor gut zwei Wochen war der Aushang veröffentlicht worden, auf dem man sich und seine Gäste hatte eintragen und anmelden können. Dem vorausgegangen war die ein oder andere Besprechung – zuerst mit der Schulleiterin allein, dann mit Pomona, Poppy und Aurora und letztlich mit dem ganzen Kollegium. Sie hatten sich geeinigt, den Schülern und sich selbst und der Schule im Allgemeinen keine Konventionen mehr aufzudrücken, sondern das von vornherein zu berücksichtigen, was sich im Laufe des Abends sowieso ergeben hatte – eine bunte Mischung quer durch die vier Häuser.

Zwar konnte man die Reihen erkennen, wo sonst die langen Tafeln der Häuser standen, doch heute waren es große, runde Tische, an denen bis zu zehn Leute Platz fanden – je nach Familie und Anmeldungen. Mit einem sehr ausgeklügelten Zauber, auf den er ungeheuer stolz war, hatte er die Tische, die Anzahl der Stühle und die Ausrichtung so hinbekommen, dass ausnahmslos alle zufrieden wären – davon war er fest überzeugt.

Alles sollte sich mischen, sollte zu einem wahrlich bunten Abend werden und vor allem harmonisch sollte es sein. Keine Trennungen mehr, sondern nur Friede und Einigkeit.

Der ein oder andere Schüler hatte sowieso eine Freundin oder einen Freund aus einem anderen Haus, mit denen sie zusammensitzen wollten. Es waren nicht viele, aber einige Paare hatten sich durchaus gefunden und dadurch war der Respekt voreinander gewachsen – zur Freude aller Lehrer. Die Jüngeren sollten ebenso an runden Tischen sitzen, jedoch weiter zur Eingangstür hin, damit die Abschlussklassen nach ihrer offiziellen Verabschiedung vorne saßen, wo später die Tanzfläche eröffnet werden würde.

Auch um die Musik hatte er sich gekümmert, worauf er fast noch stolzer war. Er hatte eine große Big Band samt äußerst fähiger Sängerin engagiert – aus der Muggelwelt. Er liebte diese Musik und sie würde allen gefallen – dessen war er sich sicher. Er hatte ihnen eine wahrlich zauberhafte Geschichte aufgetischt, in der es um ein Filmset, ein Fest und um Special Effects gegangen war und sie hatten zugesagt, stolz darauf, bei so einem Event dabei sein zu dürfen. Nachher würden sie zwar nichts mehr davon wissen, aber das war ja zweitrangig.

Und dann war da noch das Rätsel, das Filius schon zwei schlaflose Nächte beschert hatte – ein leerer Stuhl. Dass ihn jemals ein leerer oder ein zusätzlicher Stuhl so beschäftigen würde, hätte er in seinem Leben nicht gedacht.

Irgendwann, als er die Anmeldelisten schon aus dem Lehrerzimmer entfernen wollte, hatte sein Kollege und Freund, wie er Severus zuweilen bezeichnete, einen zweiten Platz in die Liste eingetragen. Dass Snape ihn auch als etwas sah, das einem Freund relativ nahe kam, wusste er, der hätte das nur nie zugegeben oder laut ausgesprochen. Jedenfalls war es der leere Platz, der ihn aus der Bahn geworfen hatte.

Vor zwei Monaten noch wäre das nicht so gewesen, da hatte er noch gedacht, dass Severus irgendeine Heimlichkeit hatte, doch seitdem hatte er ihn beobachtet und ihn nie weder zu ungewöhnlichen Zeiten weggehen, noch fremde Leute in Form von Frauen auf Hogwarts kommen sehen. Es war verzwickt und zum Verzweifeln. Hin und wieder war er soweit gewesen, einen Zauber zu entwickeln, aber das hätte Severus mit Sicherheit mitbekommen oder bald herausgefunden – und dann wäre die Hölle über seinen kleinen Leib hereingebrochen.

Nun, und war der Tag des leeren Stuhls gekommen und alles war wieder offen gewesen. Wen um alles in der Welt hatte Severus eingeladen? Ein entferntes Familienmitglied? Nur – hatte er jemals jemanden erwähnt? Nein. Einen Bekannten aus der Studienzeit? Sehr abwegig. Kollegen? Was für ein Unsinn. Wer war es? Hatte er doch jemanden kennen gelernt? Den Verdacht oder jemand Neues? Wenn ja, wann bei Merlins zitternden Alarmglocken?

War in der Show, die Severus beim Frühstück letztens gebracht hatte, doch ein Fünkchen Wahrheit gewesen und hatte man danach versäumt, auf weitere Zeichen zu achten? Unverzeihlich!

Flitwick war kurz vor dem Platzen vor Neugier und Vorfreude, was denn da käme. Wenn etwas Weibliches kommen würde, wäre es wunderbar, denn das wünschte er ihm schon lange und von Herzen. Severus hätte es verdient nach all den Jahren der Entbehrung, der Traurigkeit und der Hölle. Ob es doch etwas mit dem Flügel und dem Klavierspiel zu tun hatte? War doch schon etwas in den Osterferien vorgefallen, als sie sich kurz in der Winkelgasse getroffen hatten? War es da gewesen? Wenn ja, war sie in der Nähe gewesen? Da war Severus wirklich für seine Verhältnisse bester Laune gewesen.

Es half alles nichts, er musste warten, bis sich die Pforten öffneten.


Hermiones Familie ging gemeinsam nach unten und blieben in der Eingangshalle stehen, um sich umzusehen und um eventuell jemanden zu treffen, die sie kannten. Sie hatten Glück, denn Molly und Arthur Weasley hatten sie entdeckt und unterhielten sich nach der großen Wiedersehensfreude prächtig mit ihnen. Jean fand sie auch nett, aber sie hatte auch andere interessante Leute entdeckt und verschwand in der Menge, nachdem sie versichert hatte, gleich nachzukommen.

Bald ging das Ehepaar Granger mit den Weasleys in die Große Halle, wobei sich Mrs. Granger bei ihrem Mann untergehakt hatte. Sie trug ein dunkelrotes, langes Kleid mit einer breiten Stola in gleicher Farbe. Sie wusste, dass es die Hausfarbe ihrer Tochter war und hätte keine andere, passendere Farbe für ihre Abendgarderobe finden können. Die welligen, mittelbraunen Haare trug sie hochgesteckt, wobei ihr einzelne Strähnen ins Gesicht fielen.

Mr. Granger hatte sich für einen Frack entschieden, der ihm wider Erwarten sehr gut stand. Sein kurz und modern geschnittenes Haar wies erste graue Stellen auf, was ihm aber, wie seine Frau ihm versicherte, ein durchaus attraktives Aussehen verlieh. Das ließ er mal dahingestellt und schaute sich neugierig um. Man konnte genau erkennen, wer hier Muggeleltern waren oder nicht – man brauchte nur auf die großen Augen zu achten. Beruhigt, dass es anderen auch so ging, setzten sie sich an den vorgesehen Tisch und waren froh, dass die Weasleys ihn teilten.

Nach einer Weile wurde Rose unruhig, es rückte schon auf zehn vor sieben. „Wo ist Mutter?"

„Haben wir sie verloren? Aber glaube ich auch nicht. Sie wird schon kommen, sie ist ja nicht auf den Mund gefallen.", beruhigte sie Hugo und beantwortete weitere Fragen bezüglich des Zahnarztbohrers, gestellt von einem äußerst enthusiastischen Mr. Weasley.

Tatsächlich fand sich besagte vermisste Mutter bereits in ein Gespräch in der Eingangshalle verwickelt. Eine Dame hatte sie auf ihr Kleid angesprochen und die war ganz hin und weg, einer Muggelfrau begegnet zu sein, weil sie sich so gut wie nie in der anderen Welt bewegte, wie sie sagte. Sie hielten einen endlos scheinenden Dialog über Farben, Formen und Vorzüge der jeweiligen Stoffe und Mrs. Tenerhale amüsierte sich köstlich. Das hier war etwas für sie – alles wie ein großes Theaterstück oder vielmehr, eine Oper. Ob tragisch, lustig oder hinreißend wusste sie noch nicht.

Hinreißend war auf jeden Fall ihr Kleid, oder war wenigstes so bezeichnet worden.

Ebenso wie Hermione – und Severus, wie sie insgeheim ergänzt hatte – trug sie schwarz.

Das Kleid war relativ schmal geschnitten und ab der Hüfte leicht ausgestellt. Das figurbetonende Oberteil hatte einen U-Boot-Ausschnitt, der bis weit zu den Schultern reichte, aber hinten einen recht hohen Stehkragen hatte. Die Ärmel, die bis zu den Ellbogen reichten, gingen trompetenförmig auseinander.

Durchgehend von oben schlängelten sich schmale, aus Strasssteinchen bestehende, filigrane Bahnen bis zum Saum, was ihre Silhouette noch schlanker erscheinen ließ, als sie schon war. Das Ungewöhnliche war, dass die Steinchen nicht hell waren, sondern in einem warmen, mittelgrünen Ton schimmerten.

Als sie das Kleid im Fundus des Theaters gefunden hatte, wäre sie beinahe vor Freude durch die Katakomben gesprungen – wusste sie doch, dass das die Farben sind, die Severus' Haus darstellen. Geplant hatte sie es nicht, aber als sie es gesehen hatte, war es ihr so klar gewesen, dass es beinahe ein innerer Zwang gewesen war, dieses Kleid zu wählen. Mit einer ihrer Freundinnen, Kostümbildnerin und wandelndes Modelexikon Francine Dresher, war sie durch die endlosen Reihen mit Kleiderständern und Schränken gegangen, um etwas Passendes zu finden und hatte es tatsächlich gefunden. Rose, ihre Tochter, war aus allen Wolken gefallen, hatten sie sich doch ausgemacht, in den Farben von Hermiones Haus zu kommen.

Jean erinnerte sich, wie der Moment gewesen war:

„Ach was,…tja…", hatte sie dann gesagt, „Hm, vielleicht repräsentiere ich ja zufällig auch ein Haus."

„Tust du tatsächlich." Es war Rose also aufgefallen. „Das allseits Gehasste, wenn ich mich recht erinnere: Slytherin."

„So heißt es? Ach?" Wie es richtig hieß, war ihr tatsächlich entfallen, doch sie hatte genau gewusst, wie es sich mit grün und schwarz vertrug, nämlich bestens. „Elegant ist es, das ist die Hauptsache.", hatte sie noch scheinheilig hinterher behauptet. Ihr Innerstes hatte ihr gesagt, dass es richtig so war, sie wollte auch Severus das Gefühl geben, dass sich jemand für ihn interessierte, ihm zugehörig fühlte oder für ihn da war.

Das nächste Problem war gewesen, dass Hermione zu Hause nicht ein Sterbenswörtchen über ihr eigenes Kleid verloren hatte. Ihre Mutter hatte insgeheim gehofft, sie würden es zusammen aussuchen, weil sie ihre Tochter so selten sah, aber dem war nicht so gewesen. Sie hatte nur nebenbei erwähnt, sie hätte schon eines gesehen und das wolle sie tragen und kein anderes. Jean wusste natürlich, um was es sich handelte, doch hatte sie beharrlich geschwiegen, um nicht im Vorfeld Stress auszulösen. Der würde mit Sicherheit kommen, sei denn, sie könnte rechtzeitig und mit einem glücklichen Händchen eingreifen. Jedenfalls hatte sie Rose beruhigt, indem sie erklärte, dass die Sache mit dem Kleid nicht im Geringsten etwas mit einem Mutter-Tochter-Problem zu tun hatte.

Jean lächelte. Endlich war der Tag gekommen, an dem sich das Problem und alle anderen Verwirrungen hoffentlich lösen würden.

Noch immer redete ihr Gegenüber über die Mode der Zauberwelt.

Aus dem Augenwinkel bemerkte Jean währenddessen, dass sie von einem Mann beobachtet wurde. Natürlich kannte sie ihn nicht, aber seine Erscheinung strahlte etwas aus – Etwas, das sie nicht genau einordnen konnte. Ein attraktiver Mann, wie sie fand, aber auch mit harten Gesichtszügen, wenn er wollte, und mit einem überaus charmanten Lächeln, auch wenn er wollte. Die Frau, die scheinbar zu ihm gehörte, unterhielt sich anderweitig und es schien ihm – zumindest im Moment – egal zu sein.

Die designbegeisterte Hexe verabschiedete sich von Mrs. Tenerhale und sie begann, sich langsam nach einem Weg durch die Menge zur Großen Halle umzusehen, um ihre Kinder zu finden.

Der Mann, der sie beobachtet hatte, bahnte sich ebenso einen Weg, und zwar in ihre Richtung, aber bei genauerem Hinsehen hätte man feststellen können, dass ihm automatisch Platz gemacht wurde. Kaum hatte sie es bemerkt, war er auch schon da.

„Eine so elegante Dame sollte zu ihrem Platz geleitet werden.", raunte er ihr zu und sie erschrak ein wenig, weil er so schnell bei ihr gewesen war.

„Oh, es gibt noch Gentlemen.", erwiderte sie selbstbewusst und gleichzeitig amüsiert.

„Hier bei uns…", begann er, „...ist dies selbstverständlich. Man kann nicht verstehen, wenn es woanders…nicht so ist."

„Nun ja, es gibt Ausnahmen, wissen sie. Nicht viele, aber es gibt sie noch zum Glück."

„Ich wünsche ihnen einen guten Abend, Mylady." Mit den Worten verbeugte er sich leicht, nahm ihre Hand und gab ihr einen formvollendeten Handkuss.

Jean war sprachlos. Das war sie selten, aber das hier war ein Grund, um es nochmal zu sein. Was war an ihr, dass ihn so reagieren ließ? Ihr Kleid, ihre offenen, leicht hochtoupierten Haare, was sie zusammengenommen noch jünger erscheinen ließ, oder was sonst? Nach einem tiefen Atemzug fand sie sie wieder – die Sprache.

„Das wünsche ich ihnen auch."

„Ich muss gestehen, dass ich selten so eine außergewöhnliche Dame wie sie hier gesehen habe, und ich habe schon viele Feste gefeiert."

„Ach so?"

„Darf ich nach ihrem Namen fragen, Mylady?"

„Tenerhale, Mrs. Jean Tenerhale. Und mit wem habe ich die Ehre?"

„Malfoy. Wenn sie belieben, dürfen sie mich Lucius nennen."

Malfoy kannte den Namen nicht, aber war ganz erpicht darauf zu erfahren, zu wem sie gehörte. Allerdings besann er sich seiner Manieren und überließ es seiner guten Beobachtungsgabe und der Zeit, die noch vor ihnen lag. Vielleicht war sie aus dem Ausland und hatte den britischen Akzent nie verlernt. Dass sie keine Hexe war, war ihm klar, aber sie war auch nicht irgendeine Muggelfrau. Sie war eine Dame, so etwas erkannte er von weitem.

„Wenn ich mir ein Kompliment erlauben darf, sie sehen…zauberhaft aus. Schwarz steht ihnen außerordentlich."

„Sie dürfen. Eine Frau kann sich nur über solche galanten Worte freuen."

„So ist es. Sie sind doch nicht allein hier?"

„Nein, natürlich nicht. Ich bin wegen meiner Enkelin hier, außerdem sind meine Kinder, also meine Tochter und mein Schwiegersohn und mein zukünftiger Groß-Schwiegersohn, ebenso dabei."

„Sie belieben zu scherzen, Mylady. Eine Enkelin kann unmöglich zu ihnen gehören!"

„Lucius, sie schaffen es, dass ich mich geschmeichelt fühle, aber es ist so."

„Unmöglich, wenn sie mich fragen, aber ich vertraue natürlich ihren Worten. Sie gehört, wie ich annehme, zu unserem Haus?"

„Da ich nicht ahne, welchem Haus sie angehören, Lucius…"

„Nur das Beste, Mylady: Slytherin. Und wie ich sehe – und bewundere – tragen sie unsere Farben und unser Symbol."

„Ach...ja. Nun, ich kann ihnen sagen, dass ein Teil meiner Familie zu diesem Haus gehört."

Lucius wunderte sich, dass sie ihn nicht kannte – noch nicht einmal vom Namen, wie es schien – wenn doch einer ihrer Familienmitglieder zu Slytherin gehörte. Diese Frau war ein Rätsel für ihn und er liebte Rätsel. Er würde sich im Laufe des Abends damit befassen, sonst würde es, sonst würde sie ihm innerlich keine Ruhe lassen.

„Es ist gleich soweit – darf ich?" Er bot ihr den Arm und sie hakte sich bei ihm unter. Gemeinsam gingen sie in die Große Halle und viele machten ihnen Platz, die meisten mit großen Augen und offenen Mündern.

Als sie ihren Tisch erreicht hatte, war sein Mund allerdings stumm vor Überraschung und das Rätsel wurde größer, denn er konnte nicht verstehen, wohin sie wirklich gehörte.

Die Weasleys saßen dort, ebenso waren Plätze für Harry, sowie Neville und Hannah Abbott freigehalten, wie man an den Tischkarten ablesen konnte. Gleich daneben am Tisch sollten Dean und Seamus, die Patil-Zwillinge, Lavender und Luna sitzen, dazu deren neuer Freund und einige Familienmitglieder der Genannten.

An diesen beiden Tischen war die Verwunderung noch größer und es herrschte Stillschweigen.

„Vielen Dank für ihre Begleitung, Lucius, es war mir eine Ehre."

„Die Ehre war ganz auf meiner Seite.", brachte Malfoy hervor und verbeugte sich abermals, viel verwirrter als zuvor. Er wollte nicht fragen, er würde es selbst herausfinden. Sie saß zwar neben den Eltern des Granger-Mädchens, das musste nur nichts bedeuten. Allerdings gehörte sie auch nicht zum Weasley-Clan oder zu Potter. Wohin um alles in der Welt gehörte sie dann? Er kannte doch die gesamte Zauberwelt! Und wie passte da der Slytherin-Teil hinein, von dem sie gesprochen hatte?

Ganz in rotierenden Gedanken wandte er sich ab, um zu seinem eigenen Platz zu kommen, an dem schon Narcissa und Astoria, die neueste Freundin seines Sprösslings, warteten.


Der Moment war gekommen. Es war kurz vor sieben und die Abschlussklässler hatten sich vor der Großen Halle versammelt.

Das Getuschel nahm kein Ende, nachdem sie sich zuerst alle gegenseitig inspiziert – Slytherins und der Rest – und zuweilen auch der Rest untereinander – bewundert hatten. Hermione schien Gesprächsthema Nummer eins zu sein, seit sie mit Ginny die Treppe heruntergekommen war und nun in der Eingangshalle warten musste. Wie Frauen so waren, hatten die natürlich alle Hermiones ungewohntes Outfit, vor allem aber die Augen und die Schuhe gesehen. Man hörte hier und da Spekulationen und dann hatten es auch ein paar Jungs gesehen, die ganz große Augen und auch ein paar offene Münder bekommen hatten.

„RUHE, meine Damen und Herren!", rief McGonagall, als sie ebenso wie die Schüler den unteren Flur erreichte – nun etwas beruhigter als noch vor ein paar Minuten. „Es geht gleich los!"

Die Schulleiterin ließ sich es nicht nehmen, den Abschlussjahrgang draußen abzuholen – wie einst bei der Auswahlzeremonie, die jeder hatte durchlaufen müssen – und mit Stolz in die Halle zu führen. Es gab keine strenge Ordnung und keine Trennung nach Häusern mehr, sie konnten zu zweit gehen, wie es ihnen beliebte. Außer den Dreien, die besonders geehrt werden und deshalb zum Schluss gehen sollten.

„Mr. Malfoy, wären sie dann so nett, sich loszureißen und ihren richtigen Platz einzunehmen?", rief McGonagall von der Spitze. Er seufzte und ergab sich seinem Schicksal, wusste er doch, wer ihn am Ende der Schlange erwarten würde: Potter und Granger. Mit Harry sollte er den gleichen Notendurchschnitt haben und somit waren sie die besten Jungs des Jahrgangs. Er schlenderte extra lässig in seinem sündhaft teuren Festumhang nach hinten und blieb abrupt stehen, während ihm gleichzeitig der Unterkiefer entglitt. Er schluckte schwer und musste blinzeln. Dem Getuschel von vorhin hatte er – wie nicht alle, aber die meisten Slytherins – kaum Beachtung geschenkt.

„Granger? Granger?"

„Malfoy."

Draco musterte sie von oben bis unten, ohne seinen Mund zu schließen.

„Was…was ist…"

Ich bin es, sonst noch was?"

Harry wurde gar nicht beachtet, er schien gar nicht vorhanden. Das machte ihm aber nicht viel, weil es immer so gewesen war und er genoss die Show, fand er Hermione doch selbst auch überwältigend aufregend heute Abend. Ginny, die vor ihnen mit Ron ging, kicherte haltlos hinter vorgehaltener Hand und Ron guckte böse.

Und dann entdeckte Draco bei der Musterung Hermiones Schuhe.

„Bei Salazar Slytherin.", brachte er hervor und umrundete sie.

„Hab ich dir nicht ein schwarzes Wunder versprochen?", grinste Hermione, weil es ihr gerade – neben aller Nervosität – ganz gut ging aufgrund seiner Reaktion.

„Das…das hast du.

Wenn ich es nicht besser wüsste…"

„Was weißt du schon, Malfoy.", spottete Harry mit einem überlegenen Lächeln.

„Jedenfalls weiß ich, wie ich mich benehmen muss, Potter.", gab er zurück und bot Hermione seinen Arm, in den sie sich tatsächlich einhakte. Harry pfiff durch den geschlossenen Mund und machte es ihm nach. So hatten sie Hermione in der Mitte, kamen sich dabei sehr seltsam vor und kriegten gerade noch mit, dass McGonagall magisch die Flügeltüren öffnete.

In dem Moment fing die Musik in der Halle an zu spielen und die Schulleiterin schritt stolz voran. Sie ging an der Empore vorbei und nahm die rechte Treppe hinauf, während der Abschlussjahrgang davor wartete.

Ihre Abschlusszeugnisse, besonders schön geschrieben und verziert, lagen als gerollte Pergamente auf einem Tisch auf der Empore und die Lehrer standen in einer Reihe davor, um sich von den Schülerinnen und Schülern zu verabschieden – mehr oder weniger freiwillig. Nun gut, das traf nur auf einen zu, der innerlich hin- und hergerissen war und mit den Nerven ziemlich am Ende, was man ihm natürlich nicht ansehen konnte, oder doch? Er würde der letzte Lehrer sein, von dem sie sich verabschieden würden – falls es überhaupt einer täte – und neben ihm stand nur noch Poppy, weil sie genauso dazugehörte und auch unbedingt dabei sein wollte.

Die Schüler warfen derweil fröhliche, aber nervöse Blicke in Richtung der Tische, wo ihre Familien und Schulkameraden saßen. Als McGonagall eine kleine Rede begann, sahen sie alle wieder nach vorne und dann bemerkten sie auch ihn – Snape. Professor Snape in...in einem dunkelgrün schimmernden Festumhang über einem schwarzen Hemd und schicker, enger Hose samt Gürtel.

Die Robe war mit schmalen, schwarzen und silberfarbenen Stickereien an den Rändern verziert, auf denen abwechselnd seine Initialen, das Wappen von Slytherin und kleine Schlangen zu sehen waren.

Sie guckten sich fast alle völlig überrascht und zuweilen geschockt an und verstanden nicht, warum er aussah, wie er aussah und warum er überhaupt auf diese Weise an dem Fest teilnahm. Eine genaue Antwort würden sie sowieso nicht bekommen, daher rissen sie sich so gut wie möglich zusammen. Einige der (Slytherin)Mädchen erinnerten sich allerdings an den Moment, wo er letztens im Unterricht in Muggelkleidung erschienen war und dieser Aufzug von heute Abend hier brachte wieder den Mann in ihm zum Vorschein, weshalb sie den ein oder anderen heimlichen Blick riskierten.

Da Hermione zusammen mit Harry und Malfoy die Letzten waren, kam es so, dass sie genau auf der Höhe zum Stehen gekommen war, wo Severus oben auf der Empore stand.

Ihre Blicke trafen sich und er keuchte auf und sein Atem ging schneller – den Rest der Schüler nahm er gar nicht mehr wahr. Er realisierte, dass es ihm beim ersten Mal ebenso ergangen war, als er sie mit diesen Augen gesehen hatte damals. Oh ja, damals hätte er sie verbotenerweise sofort an sich reißen und küssen wollen und hatte sich gerade noch im letzten Moment unter Kontrolle gehabt und jetzt könnte er es auf der Stelle auch tun.

Ihre Augen, das Kleid – dessen Ausschnitt sie natürlich nicht mit einem Knopf versehen hatte – und ihre Haare! Bei Merlin, sie war eine Frau, eine wunderschöne Frau, die…zu ihm gehörte. Gehörte sie zu ihm?

Die ersten wurden aufgerufen, um die Zeugnisse und die Hogwarts-Abschlussurkunde entgegenzunehmen. Es ging bis auf die drei Ausnahmen in alphabetischer Reihenfolge. So dauerte es eine ganze Weile, bis Hermione an der Reihe war.

Severus hätte sich am liebsten den obersten Hemdknopf geöffnet, doch das konnte er ja wohl kaum tun vor aller Augen.

„Severus…", sagte Poppy, „…sie ist wunderschön, nicht wahr?"

Er zuckte zusammen und musste schlucken, bevor er wie in Zeitlupe den Kopf zu ihr drehte, um dann zu bemerken, dass er wohl die ganze Zeit Hermione angesehen hatte. Genau das hatte Harry schon längst mitbekommen – aufmerksam wie immer – weshalb er seine beste Freundin ganz leicht mit dem Ellbogen anstieß und breit grinste. Ginny hatte sich auch umgedreht und fächerte sich demonstrativ mit der Hand Luft zu, seit sie Snape in Festrobe entdeckt hatte.

Hermione verdrehte ansatzweise die Augen und ermahnte sie mit einer gequälten Mundbewegung zum Aufhören, obwohl sie am liebsten genau das Gleiche gemacht hätte.

„Was meinst du?", flüsterte Severus Poppy zu und zog tadelnd eine Augenbraue hoch.

„Sie! Deine Hermione!", strahlte sie und lächelte ihn spitzbübisch und wohlwissend von der Seite her an. „Bei Merlin, ich hätte das nicht für möglich gehalten. Oh wie gut sie zu dir passt…"

Severus entwich ein tiefer Atemzug und seine aufgesetzte Fassade bekam erste Risse.

„Sag nichts, atme erst einmal wieder normal, sonst muss ich am Ende auch noch Erste Hilfe leisten!", ermahnte sie fürsorglich.

Ein paar tiefe Atemzüge später fragte er nur „Woher?", ohne sie anzusehen.

„Euer Patronus! Ich habe gesehen, von wo er kam, das konntest nur du gewesen sein. Es war wundervoll.", seufzte Poppy.

Während ihrer kaum hörbaren Unterhaltung schüttelten sie immer wieder die Hände derjenigen, die gerade an ihnen vorbeigingen. Von ihm erwartete keiner ein Wort, sondern es war sowieso schon eine seltsame Begegnung, ihn im grünen Festumhang vor sich stehen zu sehen.

„Keine Sorge, mein Junge, wenn du nur so glücklich bist wie ich… Euch kann nichts geschehen, es ist wie es ist, sie ist alt genug und es war sowieso alles anders. Es war die Hölle für jeden von uns… Schluss damit. Wie schön, jetzt konnte ich dir es endlich sagen, weil du nicht weglaufen kannst."

Der nächste Schüler kam und ging.

Severus schluckte wieder und drehte sich zu ihr.

„Deine Augen sagen alles, mein Junge, genieß den Abend, aber gönn mir ein Tänzchen, du kannst es doch. Irgendwann nach ihr natürlich."

Wieder ein paar Hände…

Ein entsetzter Blick war die Antwort auf ihre Worte.

„Wenn du das nicht tust, weiß ich auch nicht… Oder doch. Dann fordere ich dich auf, damit das klar ist!"

Ein Schnaufen aus seiner Richtung. Er wusste, dass er längst verloren hatte. Und ja, ohne ein Tanz mit Hermione würde er diese Halle nicht verlassen, das verlangte seine Erziehung, sein Gefühl und seine Liebe zu ihr. Allerdings wehrte sich der Snape in ihm vehement.

Die Weasleys näherten sich, bald waren sie durch mit der Zeremonie, gleich würde sie an der Reihe sein.

Ron flüsterte die ganze Zeit auf seine Schwester ein. „Bei Merlin, Ginny, ein E! Er hat mir ein E gegeben? Wo ist der Haken? Ginny!"

„Halt die Klappe, Ron. Freu dich und reiß dich zusammen!"

„In Zaubertränke? Das kann nicht sein, nicht von dem!"

„Beweg dich!"

„Aber ein E? Ich hatte nicht mal mit A gerechnet, obwohl ich so viel aufgeholt habe, eher T, aber…"

Auf einmal stand er vor Snape, der ihn mit einem Blick empfing, den er seit Jahren für solche Schüler wie ihn bereithielt. Ron wollte ihm eigentlich keine Hand geben, sondern fuhr sich nervös durch die Haare. Von Ginny allerdings bekam er einen Knuff in den Rücken.

„Ron Weasley!", zischte sie.

Daraufhin gab Ron Snape zögerlich die Hand, woraufhin er eine hochgezogene Augenbraue und ein leichtes Haifischlächeln von oben herab als Antwort bekam.

„Konnte ich sie überraschen, Weasley?"

„Ähm, äh…"

„Ron!"

„Äh, ja, danke."

Noch ein Knuff.

„Sir."

„Vielleicht gelingt es mir ja noch einmal im Laufe des Abends.", flüsterte Snape und Ron wusste nicht, was er meinte.

Ginny schüttelte Snape fest die Hand, strahlte ihn übermütig an und sagte: „Danke, danke für alles, Se…Sir. Wir werden uns sicher noch öfter sehen!" Ihr Grinsen wurde breiter und sein Mund ging auf, aber es kam nichts raus.

Ginny wurde noch von Madam Pomfrey umarmt, wie sie es bei den meisten Mädchen getan hatte und dann verließ sie die Empore, an deren Ende ihr Bruder schon ungeduldig wartete.

„Wo bleibst du denn? Was hat der gemeint eben? Ginny..."

„So wie er es gesagt hat?", versuchte sie und freute sich diebisch auf den Abend. Sie liebte ihren Bruder, aber manchmal... Nun ja, er war einfach zu spät gewesen und die Liebe wartete eben nicht. Die Lektion würde hart für ihn werden – untertrieben – aber da musste er nun durch und würde hoffentlich daraus lernen. Wenigstens hatte er für die Prüfungen gelernt und ja – ein E von Snape glich schon einem Weltwunder.

Draco war nun an der Reihe und auch schnell wieder weg – er kannte Severus gut genug und würde ihn noch oft zu Hause sehen. Anschließend hielt Harry schon die Hand hin und grinste ebenso wie seine Freundin zuvor.

„Severus...", flüsterte er und Snape wurde für einen Bruchteil einer Sekunde wütend, bevor er sich mit seinem Eigentor konfrontiert sah. Harry wurde allerdings wieder ernst. „Sir, ich danke ihnen, ich danke ihnen für alles. Wir stehen alle in ihrer Schuld."

„Versprechen sie mir nur eines, Pot...Harry..." Severus sah so aus, als sei ihm schlecht. „In meinem Unterricht war es anders, ich war dabei, aber lassen sie Weasley nie, ich meine niemals, alleine Tränke brauen, sonst mische ich mich persönlich in ihre Aurorenausbildung ein, haben wir uns verstanden?"

„Alles klar, Sir, versprochen! Nochmal danke, auch dafür."

Severus hatte außer vielen Händen und wegen Poppys wohlplatzierter Offenbarung nicht viel von der Zeremonie an sich mitbekommen. Hermione war als beste Hogwarts-Absolventin der letzten 21 Jahre mit noch mehr Worten der Anerkennung geehrt worden und alle hatten besonders laut geklatscht. Erst das ließ ihn aufschrecken – er hatte es tatsächlich verpasst und hasste sich selbst dafür. Vielleicht könnte er sie später um ihre Erinnerung bitten.

Langsam kam sie näher, hatte für jeden ihrer Professoren ein nettes Wort und die ebenso für sie – wie sollte es anders sein. Minerva hatte sogar ein Tränchen vergossen und sich damit getröstet, dass sie sich ja bald wiedersehen würden.

Und dann stand sie vor ihm und reichte ihm die Hand, wie allen anderen zuvor auch. Ein Blitzschlag durchzuckte ihn – sie beide – als sie sich fühlten, als sie sich in die Augen sahen.

„Sir!", brach sie das Schweigen und er sagte gar nichts. Er hielt nur ihre Hand fest und verlor sich in ihren schwarzen Katzenaugen wie damals.

Als er Poppy neben sich seufzen hörte, war er wieder in der Realität und beugte sich zu Hermione. „Hättest du...würdest du...bitte gleich kurz zum Nebeneingang der Empore hinauskommen...wenn..." Bei Merlin, er stammelte wie ein fünfzehnjähriger Junge beim ersten Date.

„Liebend gern.", flüsterte sie ihm ebenso leise zu, erst dann ließ er ihre Hand los.

Ein paar oder ein paar mehr hatten sie schon angestrengt beobachtet, sowohl Schüler als auch Lehrer. Nachdem Hermione von Poppy innig umarmt wurde, ging sie langsam weg. In dem Moment sah Severus ihre Pumps von hinten, und ohne dass er es merkte, hielt er sich an Poppys Schulter fest und musste zum zweitenmal an diesem Abend keuchen.

„Bei Merlins Stiefeln, Severus! Das...das sind Schlangen! Das...oh...oooh. Die sind wohl für dich, hm?"

Er nickte und versuchte danach sofort, das Gesehene zu verarbeiten und sich einigermaßen normal zu benehmen. Jeder, der noch guckte und nicht wusste, was da gerade auf der Empore geschehen war, wurde mit einem ach so typischen Snape-Blick bedacht und wandte sich dann unweigerlich ab.

Nun hatten sie alle noch eine Viertelstunde Zeit und sie begannen, sich zu unterhalten, die Abschlussklässler vor allem über ihre Zeugnisse und nicht wenige über Hermiones Pumps, die die meisten Mädchen in Verwirrung gestürzt hatten.

Nachdem Hermione kurz an ihrem Tisch gewesen war und ihrer Familie die Hogwarts-Urkunde gezeigt und die Glückwünsche entgegengenommen hatte, entschuldigte sie sich und verschwand dahin, wo Severus sie hingebeten hatte. Gut, dass dieser Flur immer leer war, weil es nur der Zugang zur Elfenküche war.

„Bist du da?", rief sie leise und vorsichtig.

„Ja.", erwiderte er und trat aus dem Schatten des sowieso schon halbdunklen Gangs. „Hermione, es tut mir leid, ich...hätte viel früher mit dir reden müssen..."

„Wo ist sie hin?", fragte Mrs. Granger in die Runde und schaute sich um, doch sie sah ihre Tochter nicht mehr.

„Ich weiß es nicht, aber sie kommt mit Sicherheit gleich wieder, wie sie gesagt hat, denn das Fest will keiner verpassen.", beruhigte sie Harry, das Wort an die ganze Runde richtend.


*Gotthard: „I've Seen An Angel Cry"*


„Es ist alles in Ordnung, Severus. Du...du siehst... Der Festumhang steht dir unglaublich gut. Darin habe ich dich noch niemals gesehen. Hast du das für mich gemacht? Du...siehst unglaublich...unglaublich gut aus, um nicht zu sagen..." Hermione wusste nicht, wie sie ausdrücken sollte, was sie gerade dachte und fühlte – für ihn.

„Schttt.", machte er und strich ihr sanft über die Lippen, damit er endlich das loswerden konnte, was ihn seit vielen Tagen quälte und vielleicht auch, um sie das letzte Wort nicht aussprechen zu lassen, weil er damit nicht klarkam.

„Hör mir zu. Ich...bin so stolz auf dich, das musst du mir glauben, auch wenn ich es niemals gesagt habe, sondern dich wie das Gegenteil behandelt habe. Das muss für dich schlimm und verwirrend zugleich gewesen sein. Du bist die beste Schülerin, die ich je hatte, die klügste Frau, die ich je getroffen habe – in deinem Alter. Du kannst alles werden, was du möchtest, dir stehen alle Wege offen, und wenn dabei...vielleicht noch ein klein wenig von dir übrig bleibt für mich, wäre das..."

„Severus, du weißt ganz genau, dass ich nichts lieber möchte, als dass wir zusammen sind. Sag so etwas nicht immer. Ich liebe dich, das weißt du und das wirst du noch öfter hören, ob du willst oder nicht. Und heute Abend... Ich weiß, dass du woanders sein musst, vielleicht hast du ja auch wieder Aufsicht oder anderweitig zu tun, aber...vielleicht hast du nach dem Ende des Fests ja noch ein paar Minuten für...mich, weil ich den Tag auch mit dir teilen möchte. Nur ein paar Minuten, nur wenn es geht natürlich und du nicht zu müde bist oder... Du gehörst dazu...genauso wie meine..."

Erneut legte er einen Finger auf ihre Lippen und küsste sie anschließend. Dann nestelte er an seinem Umhang und holte eine schmale, samtene Schatulle hervor.

„Ich habe dir noch nicht gesagt, wie..." Er schluckte – so etwas hatte er noch nie zuvor gesagt, jedenfalls nicht ernsthaft. „...wie...umwerfend du aussiehst. Wenn es nach mir ginge, würden wir direkt den Abend nur zu zweit ausklingen lassen."

„Dir gefallen die Schuhe?", fragte sie mit einem aufreizenden Lächeln.

„Gefallen? Vielleicht das falsche Wort. Die haben mich leicht abgelenkt eben. Aber nun zurück. Dreh dich um."

„Hm?"

„Tu es einfach."

Er legte ihr das handgearbeitete Sternencollier mit den winzigen Smaragden um den Hals und drehte sie wieder zu sich.

„Was..."

„Moment." Er machte eine kleine Bewegung mit dem Zauberstab und hielt ihr einen Spiegel hin.

Hermione schlug sich die Hand vor den Mund und blieb wie erstarrt stehen, nur ihre andere Hand krallte sich an dem Ärmel seines Hemdes fest. Es dauerte gefühlte Minuten, bis sie es realisierte. Währenddessen lief ihr schon eine Träne an der Wange hinunter und sie schüttelte mit dem Kopf, ohne dass sie es merkte.

„Das, das...ist...unmöglich, Sev... Unmöglich. Das...ich...träume sicher nur. Es sieht genauso aus wie das, was wir dort bei dem alten Mann gesehen haben."

Er begann zu lächeln und ließ sie weiterreden, jede Sekunde ihrer Reaktion genießend.

„Hast du es dir so gut gemerkt oder gleich dort eine magische Kopie gemacht? Du hast ja gesehen, wie gut es mir gefallen hat und...das...ist wunderschön. Wie kann ich dir danken?"

„Ein Kuss?", meinte er egoistisch. Ihre Münder verschmolzen miteinander und sie konnten sich nur mit größter Beherrschung voneinander losreißen.

„Du hattest ja noch gar keinen Schmuck an, wieso?"

„Nun, ich glaube, ich bin so auffällig genug und sie sollen alle die Schuhe sehen, das ist meine Art, den Abend zu genießen. Damit gehöre ich dir. Aber sag, habe ich recht?"

„Nicht ganz, ich habe es gekauft, das war einfacher."

Ihr Mund klappte auf, ganz undamenhaft. „Oh nein, nein, nein, das hast du nicht."

Jetzt lachte er richtig und sah dabei hinreißend aus, hätte ihn jemand sehen können. „Habe ich doch. Für dich, für deinen Abschluss."

Hermiones Gesicht wurde ernst und sie strich ganz vorsichtig über das Collier und über den Kometen in der Mitte, den sie durch den Spiegel betrachtete, den er ihr immer noch hinhielt.

„Das...ist doch nicht möglich! Das kann ich nicht annehmen, Severus, unmöglich. Du wirst es zurückbringen und dein Geld behalten, ich bin das nicht wert, nicht das."

„Du bist viel mehr wert als das, du hast mich von mir selbst befreit, du hast mir Freude an meinem Leben geschenkt und mir gezeigt, dass ich überhaupt lebe. Das ist mit nichts auf der Welt zu bezahlen. Mir bedeutet Geld nichts, nicht viel, es hat sich angesammelt, weil ich kein Leben hatte. Mehr will ich dazu nicht sagen und mehr wirst du auch nicht sagen."

Mit jeden Wort mehr seiner Erklärung war auch eine Träne mehr in ihre Augen getreten. Sie streckte eine Hand aus und strich ihm eine Strähne aus dem Gesicht, dann glitt sie an seiner Wange entlang und schlang ihren Arm um seinen Hals, um ihn zu sich zu ziehen und zu umarmen.

„Wann hast du das gekauft? Ich war doch dabei. Das kann ich nie wieder gut..."

„Still, Hermione."

„Ich...liebe dich."

„Ach ja, stimmt..." Er steckte eine Hand in die Hosentasche, woraus er noch ein kleineres Kästchen hervorholte.

„Was meinst du?"

„Hier, das dafür, weil...ich dich liebe." Da war es heraus, er hatte es wieder über die Lippen gebracht. „Mach es auf."

Sie öffnete die kleine Box und fand die passenden, kleinen Sternenohrstecker darin. Das dazugehörige Armband würde er ihr ein andermal geben, vielleicht zum Geburtstag, und den Ring...vielleicht, wenn es wieder einen besonderen Tag gäbe in ihrer...Zukunft.

Sofort verschloss er ihren Mund wieder mit einem Kuss, weil er nicht wollte, dass sie etwas sagte.

Mit zitternden Fingern nahm sie die Ohrringe und steckte sie sich ein, woraufhin er automatisch wieder den Spiegel hinhielt, mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht.

„Sterne...", sagte sie, „...du liebst sie und ich habe sie zu lieben gelernt bei dir. Wirst du hierfür noch einen dazumalen?"

„Nicht nur einen, Hermione."

„Du bist mehr, als man sich jemals wünschen könnte, weißt du das? Sag nie wieder, du bist nicht wert, dass... Nein, das alles ist jetzt vorbei."

„Und dennoch habe ich wieder nicht das Richtige getan, weil ich es...nicht besser weiß. Hermione, ich habe dich nicht gefragt, ob du diesen Abend mit mir..."

„Ich weiß, du hast ja jedes Jahr zu arbeiten..."

„Nein, hör mir zu. Ich...war mir nicht sicher, ob...ich dich einladen könnte, da es dein – euer Abend ist, und deine Familie ist da. Aber wenn du möchtest... Bei mir wird ein Platz für dich sein. Und jetzt geh, sonst vermissen sie dich."

Sie wusste nicht, wie er das meinte und er schob sie nach einem schnellen Kuss schon zur Tür hinaus, ohne dass er nachkam. Ihre erneuten Fragen ignorierte er und lächelte sie an.

Eigentlich war es doch klar, dass sie immer zu ihm kommen durfte, schließlich hatte er ihr die Passwörter verraten. Also war immer Platz für sie bei ihm in seinen Räumen... Oder...


Schnell und möglichst unauffällig mische sie sich wieder unter die Leute, doch die meisten saßen mittlerweile an ihrem Platz, weil die Schulleiterin gleich des Fest offiziell eröffnen würde. Sie versuchte sich zu fassen, denn sie hätte auf der Stelle ihren Gefühlen freien Lauf lassen können.

Während sie in Richtung ihres Tisches ging, richtete sich noch kurz die Haare, tupfte mit einem Finger eine Träne weg und strich, ohne dass sie es merkte, über ihr neues Collier.

„Da bin ich wieder.", sagte sie betont und bemüht lässig, als sie angekommen war.

tbc