A/N:
Ihr Lieben!
Die Verwirrung geht weiter, Spannung und Magie liegt in der Luft und sie ist voller schillernder Farben *g* Jedenfalls hoffe ich, man kann sie schon fühlen, bevor sie überhaupt anfängt. Heute gibt's Musik, die Filius Flitwick bestellt hat und ihm – und auch mir – sehr am Herzen liegt. Verzeiht, die Worte dazu waren mir genauso wichtig. Und wenn ihr am Ende angekommen seid, bewahrt euch das Gefühl (und den Spaß), bis es weitergeht. ;o)
VLG KeyMagic
PS: Hallo liebe/r Guest/Gast ;o): DANKE für dein Review, ich kann es ja leider nicht persönlich beantworten - ich freue mich sehr.
*Doris Day: „It's Magic"*
You sigh, the song begins;You speak, and I hear violins -
It's magic.
The stars desert the skies and rush to nestle in your eyes -
It's magic.
Without a golden wand or mystic charms, fantastic things begin when I am in your arms.
When we walk hand-in-hand the world becomes a wonderland -
It's magic.
Why do I tell myself these things that happen are all really true?
When, in my heart, I know the magic is my love for you. -
It's magic...
Kapitel 51
Nach der Zeugnisübergabe begab sich das Kollegium – allen voran die Schulleiterin – auf die Empore an den festlich geschmückten Tisch. Ihr dafür verantwortlicher Kollege hatte sich zusammen mit den Elfen selbst übertroffen. Minerva seufzte. Das war das allerschönste Erlebnis seit langer Zeit und vor allem das erste nach dem Krieg. Zwar war Weihnachten dazwischen gewesen, doch die Stimmung war bei allen getrübt gewesen, war doch erst ein halbes Jahr vergangen, seitdem so viele ihre Toten begraben und um sie getrauert hatten – und es immer noch taten.
Doch diesmal sah es anders aus. Man konnte in die Zukunft blicken und das wollten alle.
Mit Freude und Genugtuung schaute auch Filius Flitwick von der Seite der Empore hinunter in die Halle und beobachtete das aufgeregte Gewusel und die angeregten Unterhaltungen. Der erste Teil des Abends war gut gelaufen und sie hatten den Abschlussjahrgang verabschiedet – mit der ein oder anderen Überraschung. Den größten Coup hatte sein Kollege gelandet, indem er im höchsteigenen Festumhang erschienen war, von dem sie nicht einmal wussten, dass er überhaupt existierte – der Umhang. Und das hatte mit Sicherheit mit der Frage aller Fragen zu tun, mit der Frage der vergangenen Nächte und der Frage des Abends: Der nach dem leeren Stuhl. Wirklich, das Fest war toll, die Deko hervorragend, die Musik ein Highlight, aber die Spannung wurde unerträglich. Wen bei Merlins Tanzschuhen hatte er eingeladen? War sie rot, blond oder schwarz? Groß oder klein, bekannt oder nicht? Filius seufzte und drehte sich zum Lehrertisch, um einen letzten Blick von dieser Seite aus darauf zu werfen:
Hagrid hätte gerne seine Madame Maxime eingeladen, doch die war als Direktorin von Beauxbatons selbst mit den Abschlusszeremonien beschäftigt und hatte abgesagt. Ein paar andere Kollegen hatten ihre Ehefrauen oder -männer mitgebracht, so auch Professor Sinistra, die seit knapp einem Jahr verheiratet und sehr glücklich war. Ihr muggelstämmiger Mann saß schon am Tisch und bestaunte die festliche Umgebung. Professor Sprout und Madam Hooch waren auch schon anwesend und nur Severus fehlte noch – wie immer.
Filius wischte sich gedankenverloren die Hände an seinem Jackett ab. Abwarten, nur abwarten half noch – und beobachten.
Erneut ließ er seine Augen in Halle schweifen, wo sich schon die meisten an ihrem Tisch niedergelassen hatten. Alle schienen fröhlich und unterhielten sich aufgeregt, weil die Schulleiterin offenbar doch allen noch etwas mehr Zeit zum Austauschen gab, bevor sie das Festessen eröffnen würde. Es lag in der Natur der Dinge, dass alle ihre Zeugnisse verglichen und darüber sprachen oder sich die Anwesenden gegenseitig musterten.
Eine der Letzten, die zu ihrem Platz ging, war Hermione Granger, die beste Schülerin der letzten Jahrzehnte. Eben noch hatte er ihr herzlich gratuliert. Sie strahlte, als sie aus dem Nebeneingang... ‚Moment mal!'
Warum kam sie aus dem Nebeneingang? Dort befanden sich keine Toiletten oder sonst etwas, wo man jetzt hin müsste – nur die Gänge zur Küche und zu anderen Hauswirtschaftsräumen.
Wie alle Anwesenden hatte sich auch Miss Granger herausgeputzt und er hätte wahrlich damit gerechnet, dass sich so eine Vorzeige-Gryffindor in ihren Hausfarben kleiden würde. Flitwick selbst hatte sich eine blaue Fliege umgebunden – schließlich hatte er ein Gespür für Farben. Viele hatten das gemacht und sich aus Stolz oder auch nur aus Wehmut zu ihrem Haus bekannt, aber sie war eine der Ausnahmen.
Und als sie im Schein der tausend Kerzen an der Empore vorbeiging, um zu ihrem Tisch ganz vorne zu gelangen, fiel ihm auf, dass etwas an ihr aufblitzte und funkelte. Als er ihr eben die Hand geschüttelt hatte, war das definitiv nicht der Fall gewesen, oder doch? Etwas Grünes spiegelte sich im Licht und gerade als er näher hinsehen wollte, drehte sie sich zu ihren Eltern.
Entweder wurde er alt oder sie hatte sich das Collier erst gerade eben umgelegt. Hatte sie es vergessen? Wie als wenn er aus einer Trance erwachte, schüttelte Flitwick plötzlich vehement seinen Kopf ob seiner mehr als verwirrenden anstatt fruchtbringenden Gedanken über sein Altwerden.
Er machte sich auf, den Lehrertisch zu umrunden. Am Ende angekommen und immer noch halb in Gedanken stieß er fast mit Severus zusammen, der gerade aus der Tür hinter der Empore gekommen war.
„Severus, nach dir."
Sie waren meistens Tischnachbarn gewesen, obwohl keine feste Sitzordnung herrschte – warum auch – und er setzte sich rechts neben ihm. Der linke Platz neben Severus blieb frei, dann kam Poppy, neben ihr und damit in der Mitte Minerva.
„Alles in Ordnung, Severus?"
„Warum nicht?", sagte der ausdruckslos wie immer – man wusste ja, dass er solche Festlichkeiten nicht besonders mochte. Allerdings erhob sein Festumhang heute vehement dagegen Einspruch. Flitwicks Grübeleien kamen zurück, denn er vermutete, dass der Umhang mit dem leeren Platz zu tun hatte, das war die einzig mögliche Erklärung für einen Snape in grüner Festrobe – und das nur zu so einer Banalität wie einer Abschlussfeier.
Allerdings sah Filius auch ein wenig hinter diesen ach so lange eingeübten und ewig gleichen Blick – Severus' Augen schienen von innen zu strahlen. Der Tatsache war er sich sicher nicht bewusst und die anderen waren offenbar zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um es zu bemerken. Wer machte sich schon die Mühe, Snape anzusehen?
Poppy, ja, und Minerva. Die beiden hatten hin und wieder getuschelt und er fragte sich, ob sie irgendetwas wussten. Allerdings hatten sie sich in den letzten Tagen nicht allzu oft gesehen und wenn, hatten sie anderes zu tun. Stimmte da etwas nicht oder machte er sich nur viel zu viele Gedanken um...diese kleinen, netten, unwichtigen Wichtigkeiten?
Und dann war da noch die Sache von eben, die so gar nicht ins Bild passte. Er hatte mit allen Dreien des Goldenen Trios geredet und Miss Grangers Hand lange festgehalten, sodass einige schon dachten, sie hätten vielleicht einen Stupor verpasst, in dem er und sie vielleicht gefangen gewesen waren. War das ein seltsames Bild gewesen, aber man hatte es auf die Zeit geschoben, auf alles, was sich im letzten Jahr geändert hatte.
Hermione kam wieder mit einem strahlenden Lächeln und noch feuchten Augen. Von weitem sah sie schon all die, die ihr so viel bedeuteten: Ihre Eltern, ihre Großmutter, Harry und Ginny, Ron, die Weasleys, mit denen sie so viel Zeit verbracht hatte und auch Neville mit seiner Hannah, mit der er seit ein paar Wochen zusammen war und worüber sich alle gefreut hatten. Gemeinsam hatten sie gekämpft und es hatte sie so sehr zusammengeschweißt. Der Nebentisch war ebenso besetzt mit all denen, die sie nicht mehr missen wollte. Inständig hoffte sie, dass sich das an diesem Abend nicht ändern würde.
„Mum, Dad, Großmutter, ich liebe euch, und ich danke euch so sehr, dass ihr hier seid."
Sie umarmte sie alle von hinten und gab ihnen ein Kuss auf die Wangen. Eben hatten sie sich schon miteinander gefreut und sie hatten sie herzlich in die Arme geschlossen wegen ihres so guten Abschlusses.
„Wir sind gerne hier, aber sag, dein Freund lässt lange auf sich warten, oder ist es doch Ron? Genau zwischen ihm und uns ist doch ein Platz frei.", sagte Mrs. Granger, zugleich gespannt, nervös und besorgt und ließ dabei den jungen Weasley nicht aus den Augen.
„Nein, sieht es so aus? Und das hat Professor Flitwick sicher so arrangiert, er hat die Planung des Abends gemacht.", flüsterte Hermione, dass nur ihre Familie es hören konnte.
„Liebes, wo warst du denn gerade? Die Zeugnisübergabe war so schöö…"
In dem Moment drehte sich Großmutter zu ihrer Enkelin um und sah den Schmuck. Sie stieß einen hohen Seufzer aus. „SO SCHÖN! Oh mein Gott, Liebes, woher…woher…herrje, ich stelle blöde Fragen… Das…"
„Mutter, alles in Ordnung?"
„Sieh deine Tochter an, Rose!"
Auch Mr. Granger drehte sich nun um und sah, ebenso wie seine Frau, die Kette und die Ohrringe, die ihre Tochter zuvor noch nicht getragen hatte.
In dem Moment drehte sich auch Ginny wieder um, weil sie in der Zwischenzeit mit Harry innig geredet – und geküsst – hatte, da er ihr endlich die heißersehnten Komplimente zu ihrem Aussehen gemacht hatte, was er nicht so einfach zwischendurch hatte machen wollen, wie er sagte.
Als sie zu Hermione herüberschaute, sah sie eigentlich nur deren Hals, schrie sie kurz auf und hielt dann ihre Hand auf den Mund. Ginny wäre nicht Ginny, es musste so kommen: Sofort wurden ihre Augen wässrig und sie musste Harry nach einem Taschentuch fragen. Laut schnäuzte sie sich die Nase und versuchte, das Make-up nicht zu verwischen. In dem Moment war sie Mrs. Tenerhale sehr ähnlich.
„Was ist denn mit dir auf einmal, Schatz?"
Ginny schnäuzte noch einmal.
„Schatz? Hab ich was falsch gemacht?"
„Nein…", seufzte Ginny und deutete auf Hermione.
„Was mit ihr?"
„Guck doch!"
„Was? Oh!"
„Kind, von wem hast du das denn?", fragte Hermiones Mutter und sah genauer hin. „Mutter, täusche ich mich, sieh mal…"
„Nein, du täuschst dich nicht, es ist…"
„Stimmt, es ist…", antwortete Hermione mit einem Strahlen.
„Bei allen guten Geistern.", meinte Rose und hielt sich auch die Hand vor den Mund.
„Kann mir mal einer sagen, was hier vorgeht?", schaltete sich Hugo Granger ein, weil er nur – wie so oft – die halben Sätze seiner Frauen hörte.
„Ich kann nicht.", meinte seine Frau nur und strich ihrer Tochter über den Arm und hielt dann deren Hand fest.
„Sie hat das Collier geschenkt bekommen – es ist echt, Hugo. Und es muss ein Vermögen wert sein, das haben wir doch gerade gesagt."
„Das haben wir nicht gesagt, Mutter." Schon lange nannte er seine Schwiegermutter auch Mutter, weil sie sich so gut verstanden.
„Es ist von ihm, oder? Von wem sonst."
„Ja Mum, ist es."
„Wie ist das möglich? Wo...wer...Kind, bitte..."
„Das Kleid auch.", ergänzte Jean und machte damit ihre Tochter nun vollkommen sprachlos – sie hatte es die ganze Zeit schon bewundert und nicht gewusst, wie und warum sich Hermione wohl solch ein Kleid ausgesucht hatte. Nun wusste sie es besser.
Neville war es, der nach Ginny auch die Veränderung bemerkte und Hannahs Augen wurden ganz groß.
„Wow Hermione, das hattest du eben noch nicht um."
„Wunderschön…"
Jetzt wurden die anderen ebenfalls aufmerksam und sahen die wunderschöne Kette und die Ohrringe, die sie trug.
Erst jetzt drehte sich auch Ron um, weil er die ganze Zeit zum Slytherintisch geschielt hatte, weil er nicht fassen konnte, dass Crabbe eine Freundin hatte und auch neben dem Frettchen ein freigehaltener Platz zu sehen war. Trotzdem, Hermione war für ihn die Hübscheste heute Abend und gleich würde er sie fragen, ob sie es vielleicht noch einmal miteinander versuchen wollten.
„Wo hast du das denn her?", fragte er fast schockiert und starrte auf ihren Hals, nachdem alle anderen schon gemerkt hatten, dass etwas vorging. „Warum um alles in der Welt grün? Zusammen mit dem schwarzen Kleid könnte man meinen, du gehörst zu Slytherin."
„Cool, stimmt.", meinte Seamus vom Nebentisch. „Echt, jeder hätte dich in Gryffindor-Rot erwartet, aber das ist cool, willst sie wohl richtig aufmischen heute und denen zeigen, dass wir es am besten können und die schönsten Frauen haben, was, Mine?", rief er herüber.
„Ähm…danke, Seamus."
„Wieso grün, Mine?", rief Dean, dem sie auch gefiel.
„Habe ich geschenkt bekommen."
„GESCHENKT? VON WEM?"
„Ron, lass sie in Ruhe.", zischte Ginny.
„Ich darf doch mal fragen, wer ihr SOWAS schenkt!"
Er ärgerte sich maßlos, dass er nicht an ein Geschenk für sie gedacht hatte. Aber ein anderer hatte es scheinbar! Das war peinlich und machte ihn nebenbei auch noch ziemlich wütend.
„Welcher Slytherin hat die Frechheit, dich so zu… Es kann ja nur einer von denen sein!"
„Wie bitte? Ron, was soll das? Das ist ein wunderschönes Geschenk, wie kannst du das als Frechheit bezeichnen?" Es tat ihr weh, wenn jemand so redete.
„Tschuldige…ich mein ja nur…wer von uns mag grün?"
„Ich zum Beispiel und ich freue mich unglaublich darüber."
„Also sagst du jetzt von wem?"
„Nein, das brauche ich nicht, das werdet ihr schon merken."
„Kinder, nicht streiten, wollen wir jetzt einen schönen Abend haben? Es gibt nichts zu diskutieren hier! Man kann nicht über Liebe diskutieren.", schaltete sich Jean ein und die meisten nickten, wenngleich sie auch unsagbar neugierig waren. Für die Mädchen war klar, dass es nur von ihrem geheimnisvollen Freund kommen konnte und das machte die Sache noch spannender und delikater, als sie sowieso durch den Patronus schon war.
Minerva erhob sich und blickte ganz kurz in Severus' Richtung, weil der Platz neben ihm immer noch leer war. Sie zuckte kurz mit den Schultern, tauschte in Sekundenbruchteilen einen traurigen Blick mit Poppy und Filius aus, die selbst mehr oder weniger ratlos waren, und begann zu sprechen. Severus blickte starr irgendwo in die Große Halle und bekam das alles nicht mit. Flitwick versuchte herauszufinden, ob er einen bestimmten Punkt fokussierte, doch das ging nicht, ohne dass es auffiel. Jetzt hatte er noch ein paar Minuten Zeit, solange Minerva sprach, sich zu überlegen, ob er seinen Kollegen fragen sollte oder nicht – zum Beispiel, ob sich sein Gast verspätete oder abgesagt hätte. Allerdings könnte das böse enden, falls ihn der Gast versetzt hatte. Seines Lebens zu froh, beschloss der kleine Professor, noch ein wenig abzuwarten, schließlich konnte sich jeder einmal verspäten.
Bis dahin hatte Hermione die ganze Zeit an ihrem Tisch gestanden. Als McGonagall das erste Wort mit Hilfe eines Sonorus sprach, schien sie regelrecht überrascht und setzte sich halbwegs und schräg auf ihren Stuhl, damit sie nicht störte. Sie sah so aus, als sei sie auf dem Sprung, jeden Moment wieder verschwinden zu wollen. Ihre Eltern hatten derweil echte Schwierigkeiten, sich auf die Rede zu konzentrieren, weil sie nicht fassen konnten, dass und vor allem wer ihrer Tochter solche Geschenke machte. Sollten sie beunruhigt oder erfreut sein?
Die Schulleiterin hatte kurz ihre Freude über das Erscheinen aller zum Ausdruck gebracht und überdeutlich gesagt, dass es ein wunderschönes, fröhliches, unbeschwertes Fest werden sollte mit Tanz, Musik und herrlichem Essen.
Als die Elfen durch ihre eigene Magie die köstlichen Leckereien auf den Tisch gezaubert hatten, nahmen alle ihre Unterhaltungen wieder auf und es herrschte bald eine Atmosphäre, wie sie es sich gewünscht hatte. Beinahe...beinahe überall.
Hermione schaute zum Lehrertisch und traf genau Severus' Augen. Schwarz und unergründlich wie eh und je und doch so anders. Dass er sehnsüchtig auf sie herabsah, fühlte sie mit jeder Faser ihres Herzens – und das war der Moment. Der Moment war gekommen, an dem sich das Leben erneut ändern würde, denn sie erkannte, dass der Platz neben ihm nur für sie allein war und nicht leer bleiben sollte. Angst hatte sie nicht – dazu hatten sie alle schon genug erlebt. Es war einfach anders, unbeschreiblich seltsam und doch so...gut.
Dort oben wartete jemand auf sie – schlicht und einfach – und sie würde zu ihm gehen, das hatte sie von Anfang an beschlossen und mit sich selbst ausgemacht, wenn er sie nur fragen würde. Und das, weil sie nirgendwo anders hingehörte als an seine Seite, jetzt, hier und heute, in Zukunft und wenn er nur wollte auch bis in alle Ewigkeiten. Egal was kommen mochte – sie gehörten zusammen, das hatten sie und alle anderen mit aller Deutlichkeit gesehen, auch wenn es kaum einer wusste bis jetzt.
Ja, es würde schwer werden, aber nur, wenn sie sich durch andere es schwer machen lassen würden. Sei beide waren stark, starke Persönlichkeiten, die sich nicht unterkriegen lassen wollten, nicht mehr. Darüber hatten sie bisher nie offen gesprochen, aber sie ahnte, sie wusste, dass es so war, sonst hätte er sie nicht an seine Seite eingeladen – niemals. Die Liebe ging manchmal seltsame und beschwerliche Wege, aber diese sollte man mit seinem eigenen Verstand niemals infrage stellen.
Plötzlich wurde sie herausgerissen aus ihren Gedanken.
„Willst du nichts essen, Mine? Soll ich dir etwas geben? Was von dem leckeren Kartoffelkürbisecken oder erst Suppe oder..."
„Ron, danke, aber ich muss..."
„Was musst du denn?"
Langsam wurde Ginny aufmerksam, die diesmal gar nichts wusste und deshalb umso verwirrter war, dann Harry und bald hörte der ganze Tisch zu. Es war nicht laut, aber interessant.
„Ich muss..."
„Warte, ich muss...dir etwas sagen, Hermione. Ich wollte dich fragen, ob du..."
„Ron?"
„Ja?", fragte er hoffnungsvoll zurück. Vielleicht hatte er ja doch noch eine Chance.
„Bitte, sag es nicht. Tu dir das nicht an." Sie ahnte, dass etwas anderes kommen würde als eine weitere Frage nach dem Essen.
„Du musst mir zuhören, sonst verlässt mich der Mut...Mine!"
Ginny wurde es zu doof. „Ron! Sie-hat-einen-Freund! Kapier es endlich!"
„Aber er ist nicht hier, ich schon! Ist er ein Phantom oder was?"
„So etwas Ähnliches – lange genug – aber nicht mehr lang, Bruder, dann wird er zum Leibhaftigen, und nicht nur für sie, also finde dich endlich ab, wir haben es dir oft genug gesagt!" Seine Schwester rollte nur mit den Augen und erntete fragende und mahnende Blicke von ihren Eltern.
Die hatten bisher stumm und interessiert zugehört und nur die Hälfte verstanden. Ginny fand, dass es an der Zeit war, ihre Mutter über den Sachverhalt aufzuklären, dass es nicht noch von dieser Seite Schwierigkeiten gäbe. Nicht über alle Details, aber soweit, dass sie wusste, dass Hermione einen Freund hatte. Der Rest würde sich von selbst ergeben und das nicht zu knapp. Molly war hinterher ein wenig traurig, aber insgeheim hatte sie immer gewusst, dass ihr jüngster Sohn und Hermione nicht zusammenpassten, wenngleich sie es auch trotzdem immer gehofft hatte.
Hermione holte tief Luft. „Es tut mir leid, wirklich, Ron, aber ich muss jetzt gehen, sonst verlässt mich der Mut."
„Wo willst du denn hin, jetzt?" Ron war lauter geworden.
„Dort, wo ich hingehöre!"
Und in dem Moment horchte Ginny auf, folgte Hermiones Blick und sah zum erstenmal bewusst den freien Platz neben Snape, den sie zwar zuvor auch gesehen, aber nicht wirklich wahrgenommen hatte. Sie verstand augenblicklich und schlug sich zum zweitenmal an diesem Abend vor Freude und Erstaunen die Hand vor den Mund. Dann hatte er sie doch eingeladen – zwar im letzten Moment offenbar, aber...er hatte es getan!
Sofort sah sie zu Mrs. Tenerhale rüber und sie verstanden sich. Die strahlte und sah gleichzeitig so gerührt aus wie Ginny selbst. Beiden liefen nun echte Tränen über die Wangen und reichten sich zur Verwunderung und Belustigung aller anderen gegenseitig Taschentücher. „Nur tupfen, nicht wischen, Herzchen!"
Langsam, vor lauter Aufregung und weil sie mit ihren zitternden Knien nicht stolpern wollte, ging Hermione die paar Stufen zur Empore hinauf, umrundete den Tisch und kam letztlich zu dem einzig freien, zu dem einzig richtigen Platz.
In dem Moment stand Severus auf, nahm ihre Hand und deutete einen Kuss an, bevor er ihr den Stuhl zurechtrückte und wartete, bis sie sich setzte. Sie konnte sich gerade noch soweit fassen, dass sich nicht ihr Mund vor lauter Staunen öffnete oder dass sie ihn nicht gleich hier vor aller Augen küsste – richtig küsste.
Was in der Großen Halle passierte, während sie langsam ihren Tisch verließ und dorthin ging, wo sie hingehörte, bekam sie nicht mit – Merlin sei Dank. Es wäre sowieso viel zu viel gewesen:
„Wo geht sie hin?", fragte Mrs. Granger ratlos und wollte noch ihrer Tochter hinterher rufen, aber ihre Mutter legte ihr beruhigend eine Hand auf den Arm.
„Sie geht dorthin, wo sie hingehört. Schau!", flüsterte Jean, denn es sollte sonst keiner hören. Das war Hermiones Moment und der Moment ihrer...Familie.
„Aber…nicht…nicht zu…"
„Doch, Rose. Und bevor du etwas sagst: Erinner' dich an deinen Vater. Er war die Liebe meines Lebens, bis zuletzt, und er war euch ein wundervoller Vater, nicht wahr?"
„Ja, das war er. Aber…"
„Kein Aber mehr, Kind, sieh sie dir an, die Blicke sind die gleichen, wie ich sie vor Jahrzehnten gesehen habe bei uns selbst. Severus ist genau der Richtige, glaub mir."
„Wie kannst du das wissen, Mutter, du… Du WUSSTEST, DASS ER das ist?" Rose Granger keuchte auf. „Du nennst ihn SEVERUS?"
Ein liebevoller Blick traf Rose, der sie wissend anlächelte. „Beruhige dich. Ich weiß es. Und wenn du deine Tochter liebst, und mich, dann freu dich jetzt mit ihr und lass uns später alles bereden. Vertraust du mir?"
„Ja. Das habe ich immer getan, auch wenn es manchmal schwer war. Aber ich konnte mich immer auf dein Urteil verlassen, das habe ich erkannt – irgendwann."
„Rose, ich liebe dich, mein Kind, das sagen wir viel zu wenig."
„Ich liebe dich auch, Mama. Aber er ist ihr Lehrer und älter und..."
„...und im Begriff, die Liebe ihres Lebens zu werden. Bitte, eben noch sagte ich dir, du sollest dich an deine Eltern erinnern. Bei uns war es genauso. Und nun ist er nicht mehr ihr Lehrer. Die Liebe macht keine Unterschiede, hat keine Barrieren, und das ist gut so. Du wolltest mir doch vertrauen." Jean nahm die Hand ihrer Tochter in ihre und drückte sie.
„Das tue ich, aber von ihm haben wir..."
„...noch lange nicht alles gehört. Rose, ich weiß. Aber hör mir zu: Ich würde ihm mein Leben, ja das auch, aber ich würde ihm das Wertvollste anvertrauen, das ich besitze, das Leben meiner Kinder und Enkelkinder – blind. Reicht das für dich?"
Rose war sprachlos und ließ das Gehörte still durch ihren Kopf gehen, während sie die Hand ihres Mannes suchte.
„Woher weißt du das alles, wie kannst du so etwas sagen? Du, wir kennen ihn doch gar nicht richtig. Warum weiß ich es nicht, ich bin ihre Mutter, ich müsste..." Mrs. Granger war verwirrt, unsicher und beeindruckt zugleich.
„Es hat damit nichts zu tun. Wärest du da gewesen in den Osterferien, wärest du jetzt diejenige, die alles wüsste. Aber das ist ja das Paradoxe. Hättet ihr Zeit gehabt, wäre sie mit euch nach Dänemark gefahren und all das..." Jean nickte zur Empore, „...diese Magie wäre nicht passiert – vielleicht nie. Als wenn es so hätte sein sollen – ich fühle es. Rose, das war alles nicht geplant und ich habe es halt eben herausgefunden und ihn kennen gelernt. Und Hermione hat mir dann alles erzählt."
Sie zog ihre Tochter zu sich und legte ihr kurz den Arm über die Schulter. „Wir holen das alles nach, aber glaub mir, es gibt kein Grund zur Sorge, sondern nur Grund zur Freude. Eure Tochter hat heute das beste Zeugnis der letzten Jahrgänge bekommen und schau, wie glücklich sie ist. Lass es uns auch sein, ja? Alles ist gut."
„Ist es das, Mutter?"
„Ja, mein Kind."
„Dann hat er...ihr das alles geschenkt?"
„Das hat er, weil er sie liebt, das weiß ich sehr genau."
Hugo Granger hatte das Gespräch mit angehört und war eigentlich besorgt, doch er respektierte seine Schwiegermutter schon von Anfang an und er wusste, dass all das stimmte, was gerade gesagt worden war, denn sie hatte ein großes Herz und eine unglaubliche Menschenkenntnis. Deshalb wollte er erst einmal abwarten und sich die Sache ansehen, außerdem war seine Tochter erwachsen, so schwer das für Eltern auch sein mochte. Sie selbst waren auch relativ jung gewesen und hatten die und den Richtigen gefunden, als sie sich kennen gelernt hatten, und deshalb konnte man ihr zumindest in diesem Punkt keinen Vorwurf machen.
Außer ihren Eltern sahen ihr die hinterher, die unmittelbar in der Nähe saßen – ihre Freunde sowieso. Anschließend alle vorderen Tische mit dem gesamten Abschlussjahrgang samt Familien. Als sie die Empore erklommen hatte, sahen sie ausnahmslos alle, weil auch der Letzte bald nun von irgendeinem Nachbarn angestupst worden war. Man sah und hörte, wie sie tuschelten, manche waren auch sprachlos oder hielten einen vollen Löffel vor ihren Mund, ohne zu essen.
Sicher, manche hatten eine kleine Ansprache von der Jahrgangsbesten und ehemaligen Schulsprecherin erwartet, aber nicht gerade während des Festessens. Aber das war im Vorfeld geklärt worden. Sie und alle, die direkt und intensiv am Kriegsgeschehen beteiligt gewesen waren, wollten keine Sonderbehandlung haben und nichts sagen, da dies alles zur Vergangenheit gehörte und neue Zeiten angebrochen waren. Sie wollten nicht mehr erinnert werden und das Fest sollte in eine bessere Zukunft leiten.
Das konnten ja nicht alle wissen – außerdem ging sie hinter den Tisch. Der freie Platz konnte nun endlich zugeordnet werden. Als die ersten Gryffindors und ein paar andere ihre Sprache wiedergefunden hatten, ging das Getuschel weiter. Hätte man die kleinen Runden belauschen können, hätte man unterschiedliche, aber auch ähnliche Vermutungen hören können, allerdings kaum einer, der auf der richtigen Fährte war. Diese Wenigen gehörten entweder zur Spezies Ich-bin-Frau-ich-weiß-alles oder zu den ganz Schlauen, die gut im Kombinieren waren. Trotzdem konnten selbst die sich der Sache nicht sicher sein und schwiegen lieber, weil es so abwegig war und weil sie nicht genug Puzzleteilchen hatten.
Ron gehörte natürlich weder zur einen noch zur anderen Gruppe, sondern zu den 90 Prozent, die alles andere in Betracht zogen. Ebenso gehörte er zu denen, die – ganz wider ihrer Natur – das Essen vergaßen und das Ereignis verfolgten. Allerdings kam er auch – ebenso entgegen seiner Natur – auf eine, für ihn ganz einfache und einzigst nachvollziehbare Erklärung:
„Arme Mine…", ließ er lauter als nötig verlauten, „…jetzt weiß ich, warum sie so nervös war und Mut brauchte, um da hochzugehen. Hätten sie ihr nicht einen anderen Platz geben können – auf der anderen Seite?"
„Was meinst du?", fragte Ginny und schnäuzte sich ein letztes Mal ihre Nase vor Rührung.
„Na, als neue Kollegin von Poppy sozusagen soll sie sicher schon dazugehören, aber jetzt muss sie auch noch neben der alten Fledermaus sitzen. Man hätte ihr genauso gut links neben Poppy einen Stuhl freihalten können.
Ginny konnte es nicht fassen und hätte beinahe ihren Kopf auf den Tisch gehauen, hätte dort nicht der Teller gestanden. Stattdessen jammerte sie an Harrys Schulter.
„Hilf mir – hilf ihm! Ich halt's nicht mehr aus."
Jedoch schienen andere ebenfalls Rons Meinung zu sein, denn man sah etliche mitleidsvolle Mienen.
Als Snape aufstand, waren sie vollends verwirrt.
„Was macht er da?", entsetzte sich Ron.
„Wonach sieht's denn aus, Bruder?" Sie verdrehte die Augen und Harry kicherte heimlich.
„Aber…aber…"
„Ein Handkuss, Ron, manche Männer wissen eben, was sich gehört."
„Das ist kein Mann, das ist Snape!" Er sah so aus wie damals, als er Schnecken spucken musste, während er das sagte.
„Ron!", mischte sich Molly ein, „Sei nicht so unfreundlich, was sollen denn die Leute denken? Severus hat viel für uns getan, wir waren zusammen im Orden, vergiss das nicht!" Sie konnte keine Ungerechtigkeit leiden und Arthur pflichtete ihr bei. Sie hatten ja keine Ahnung, was vor sich ging, und Ginny würde es sicher nicht preisgeben. Das müsste sich von ganz allein ergeben.
Ron verzog das Gesicht und aß einen Löffel Suppe, bevor er wieder aufhörte.
„Hey Harry, warum ist McGonagall so erstarrt? Scheint, als hätte sie nichts gewusst."
Der Angesprochene stöhnte laut und meinte dann nur, dass jemand anderes vielleicht die Entscheidung getroffen hatte, Hermione dorthin einzuladen.
„Ach Poppy meinst du? Na klar, logisch."
Daraufhin sagte Harry gar nichts mehr und biss die Zähne zusammen, weil Ginny sein Knie so fest umklammerte, dass es wehtat. Er ließ sie gewähren, denn sie brauchte das als Ventil, sonst wäre sie hochgegangen.
„Na Poppy freut sich, sieh nur, wie sie strahlt und Mine ist auch glücklich. Hoffentlich verdirbt er ihr nicht den Appetit oder am Ende noch den ganzen Abend."
„Ron Weasley!", schnappte seine Mutter und daraufhin kehrte erst einmal Ruhe ein – aus den unterschiedlichsten Gründen.
An anderen Tischen ging es ähnlich und doch ganz anders zu.
In Lucius Malfoys Gehirn rotierte es gewaltig. Er war schon immer ein guter Beobachter gewesen – natürlich – und begann, ein paar Dinge zusammenzuzählen. Diese Frau… Diese Frau hatte er letztlich vor dem Essen schon eindeutig zuordnen können. Sie musste die Großmutter von dem Granger-Mädchen sein, der besten Hexe der letzten Jahre, Kopf des Trios, erbitterte Kämpferin und Feindin aller Slytherins – zumindest damals. Ja, all das musste er zugeben, denn die Zeiten waren ja offiziell vorbei und er würde einen Teufel tun, öffentlich etwas anderes verlauten zu lassen. Schließlich hatte er seinen Status langsam aber sicher und aus dem Hintergrund wiederhergestellt. Außerdem beeindruckte ihn in gewisser Weise die Klugheit und das Wissen dieser Hexe und – er konnte ja seinem Sohn in nichts nachstehen, hatte dieser sich bei der Zeugnisübergabe schon auf seine standesgemäßen Manieren besonnen.
Dazu kam noch, dass ihn die Dame, die Großmutter, faszinierte und er unbedingt noch mehr erfahren wollte, vor allem, wer der Slytherin in ihrer Verwandtschaft sein sollte.
Als Granger auf die Empore stieg und neben seinem einstigen und heutigen Freund – oder was dem nahe kam – Platz nahm, machten sich seine Gedanken daran, von einer ganz anderen Seite aufzukreuzen und zuzuschlagen.
Was hatte sie gesagt? Mein zukünftiger Groß-Schwiegersohn? Und jetzt setzte sich ihre Enkelin neben Severus? Bei Salazar Slytherins Basilisk – die Halle des Schreckens war geöffnet worden!
In dem Moment, als sich besagter, angeblicher Schwiegersohn erhob, um dieses Mädchen – nun gut, um diese heute äußerst angemessen geklei…, um nicht zu sagen äußerst reizvolle Frau – wie ein Gentleman zu empfangen und ihr auch noch als Krönung einen Handkuss andeutete, erfasste ihn die Erkenntnis mit voller Wucht, dass sein Weinglas in tausend Scherben auf den Tisch krachte, an dem er sich die ganze Zeit krampfhaft festgehalten hatte.
Sein Freund hatte sich die zugegebenermaßen schlauste und jüngste Frau genommen, die er wohl hatte bekommen können – was für ein Slytherin und was für ein Mann, der seinem Status als Oberschlange damit mehr als gerecht wurde!
In Lucius Malfoy kämpften ein gewissen Entsetzen, Überraschung, aber gleichermaßen auch Stolz oder Bewunderung um die Vorherrschaft. ‚Was für ein Slytherin!', wiederholte er sich im Stillen, ‚Er vögelt eine Gryffindor.'
„Luc, was geht hier vor?", fragte Narcissa verwirrt und ein wenig pikiert und rückte ihr Glas zurecht, nachdem die Elfenmagie diskret die Scherben hatte verschwinden lassen.
„Wir werden unser nächstes Bankett um eine Einladung erweitern müssen."
„Wie meinst du?"
Lucius nickte in Richtung des Lehrertischs und Narcissa hielt sich ganz damenhaft die Hand vor den Mund, weil sie augenblicklich verstand.
Draco allerdings war nicht geschockt, er war…amüsiert, anders konnte man das nicht bezeichnen. „Und das Rätsel um die sexy High Heels wäre geklärt.", sagte er nur mit einem breiten, slytherin'schen Grinsen und erntete einen bösen Blick von seiner neuen Freundin Astoria.
„Du wusstest es, Sohn?"
„Nein, aber als sie mir erschienen ist vorhin, ist mir schon ganz anders geworden. Ha! Severus vö…"
„DRACO MALFOY! Das kannst du denken, aber nicht aussprechen.", mahnte ihn sein Vater und musste ein Grinsen verbergen.
Draco lachte nur und beschloss, nachher mal etwas näher auf Tuchfühlung zu gehen…
Filius Flitwicks erster Gedanke war, dass er nun doch dazugehörte – zu dem Club der spuckenden Kollegen. Zuerst Severus, dann Minerva und jetzt er selbst. Merlin hatte ihn nicht davor bewahrt. Jetzt musste er sich selbst auch als Lama bezeichnen und das ließ ihn insgeheim, aber ziemlich hysterisch auflachen.
Er hatte die köstliche Vorsuppe, die er gerade in seinen Mund befördert hatte, als Miss Granger sich neben Severus gesetzt und er sie mit einem leisen „Du bist da!" begrüßt hatte, quer über den gefüllten Rollbraten inklusive Hagrids Hand gespuckt, der den Fehler gemacht hatte, genau in dem Moment zugreifen zu wollen.
Es war so, als hätte dies ihm das Denkvermögen freigepustet. In Sekunden kombinierte Flitwick – während ein paar andere noch ihren Schock auskosteten – den leeren Stuhl mit seinen Beobachtungen, die keine gewesen waren (keine fremden Frauen auf dem Gelände) und mit dem zuerst nicht vorhandenen und ungewohnt grünlastigen Collier um Miss Grangers Hals. Blieb das Rätsel mit dem Klavierspiel. Sie musste es können und ihm war so, als hätte er das irgendwann einmal aufgeschnappt.
Er tat, was er tun musste:
„Miss Granger…", fragte er an seinem schwarzen, nein, heute grünen – GRÜNEN! – Kollegen vorbei, „…spielen sie ein Instrument?"
Hermione war ganz verwirrt, denn das war eine der letzten Fragen gewesen, die sie erwartet hatte. Severus legte nur seine Stirn in Falten und sah auf seinen kleinen Tischnachbarn herab.
„Ähm, ja Professor, ich spiele Klavier, warum?"
„Ah. Aah, ach, es…hatte mich nur gerade interessiert.", erklärte er mit der besten Unschuldsmiene und beeilte sich, ebenso unschuldig weiter zu essen. Sein Puls hingegen raste mit 180 durch seinen Meter, und zwar vor Freude darüber, dass er doch noch nicht alt wurde. Grinsend aß er seine Suppe, während Hagrid sich mit seinem quadratmetergroßen Taschentuch die Hand abwischte, denn Flitwick hatte seine Magie vollkommen vergessen und selbiges einmal bemerkt.
Für Hagrid waren solche Dinge nicht schlimm und er vergaß sie schnell. Daher beugte er sich vor und strahlte, dass seine Augen fast nicht mehr zu sehen waren. „Schöne Sache, schöne Sache, Herminchen."
Sie schluckte und Severus krallte sich am Tisch fest, aber Hagrid redete weiter.
„Jetzt biste unsere Kollegin, nich wahr? Freut mich, freut mich. Is doch schön, nich wahr, Professor Snape, Sir? Prost!"
Er hatte nicht verstanden, nur Poppy griff unter dem Tisch nach Hermiones Hand, drückte sie und strahlte mit sich selbst um die Wette.
Severus und Hermione schauten sich gegenseitig an und schienen sich zu fragen, ob noch alles in Ordnung sei mit Flitwick und Hagrid. Alles hatten sie erwartet, aber nicht solche Reaktionen. Sie sollten sich noch mehr wundern.
Minerva McGonagall reagierte und Severus wartete jeden Moment darauf, dass sie das gesamte Geschirr auf dem Tisch zerstören würde – aber nichts.
Nach dem ersten Überraschungsmoment – das Verhalten von Severus hatte sie als Provokation ihr gegenüber angesehen – hatte sie sich schlicht und einfach geärgert, nicht selbst auf die Idee gekommen zu sein, weshalb sie ihre Freundin neben sich ansprach.
„Poppy, das ist ja eine hervorragende Idee von dir gewesen, sie einzuladen. Unverzeihlich, dass ich nicht daran gedacht habe, ich werde wohl alt."
Dann beugte sie sich vor. „Miss…ach, Hermione, schön, dass sie gekommen sind. Sie sind jetzt bald eine von uns!"
„Ähm, danke Professor…Minerva. Danke."
„Schön, mein Kind. Fühl dich frei und guten Appetit." Mit den Worten warf sie einen mahnenden Blick auf Severus, weil sie nicht wollte, dass sich ihr Löwenbaby irgendwie unwohl neben ihm fühlte. Das hätte Filius ja auch anders planen können. Vielleicht hatte er sich deshalb eben so verschluckt, weil er sonst doch eigentlich so perfektionistisch veranlagt war.
Die Verwunderung von Hermione und Severus hätte nicht größer sein können. Vorerst.
Es passierte erst beim Nachtisch.
Die Augenweide von Köstlichkeiten war erschienen und offenbar kannten die Elfen die Vorlieben des Kollegiums. Minerva nahm einen Glaskelch und schaufelte sich schottischen Cranachan hinein – ein magisches Vergnügen aus Himbeeren, Sahne, Honig und Whisky. Mit Argusaugen überwachte sie die große Schüssel, aus der sie ihre Schwäche entnommen hatte, zog sie ein wenig näher zu sich heran, stützte ihre Ellbogen auf den Tisch, umklammerte den gefüllten Kelch und löffelte genüsslich daraus.
Genau vor Severus stand eine Schale frisch gemachter Clotted Cream, daneben eine noch größere Schüssel Obstsalat mit den exotischsten Früchten, wovon er sich gerade etwas auf den Dessertteller lud, genau wie Hermione.
Er genoss es sichtlich und während des Essens musste sie ihn immer wieder heimlich ansehen, weil sie sich unglaublich fühlte neben ihm. Das Getuschel unten war mittlerweile – bis auf ein paar Ausnahmen – abgeebbt, eben weil die Schulleiterin es nicht ungewöhnlich gefunden hatte und sich ganz zwanglos benahm – bis jetzt zumindest.
Beim nächsten Blick sah Hermione, dass ein winzig kleiner Rest der Sahne an seinem Mund hängen geblieben war und sie hatte einen Déjà Vu – so war es schon einmal gewesen. Bevor er seine Serviette nehmen konnte und sie nachdachte, hob sie schon ihre Hand und strich ihm ganz sanft über seine Lippe, was ihn so aus der Wirklichkeit holte, dass sie sich immer näher kamen, immer näher, bis sich ihre Lippen fast berührten. Es dauerte nur ein paar Sekunden, aber die waren magisch, als wenn die Zeit stillstände. Bald würden sie sich spüren, eins sein und...
...und Poppy beugte sich vor, um sich ein Shortbread von einem Tablett zu angeln, und gab damit Minerva die Sicht frei, die aus irgendeinem Instinkt – womöglich dem einer Löwenmutter – ihren Kopf drehte. Nämlich die Sicht auf die Hand von Hermione, die an Severus' Oberschenkel entlang strich und schließlich auf seinem Knie liegen blieb – ganz zu schweigen von den nur Millimeter entfernten Mündern.
In Millisekunden suchte sie ein Anzeichen von Zwang bei Hermione, fand aber keines, dann sah sie Severus' Augen, die dunkler als sonst waren, und dann sah sie nur noch grün – Schlangengrün und...rot – aus zweierlei Gründen:
Zuerst zitterte nur ihr kleiner Finger, dann die ganze Hand, gleichzeitig damit ihre Knie. Dann nahm das Rot überhand, weil ihr Glaskelch in die Schale mit der Himbeersahne gefallen war und sich der weiche, cremige Inhalt samt roter Früchte durch das von oben herabfallende Gewicht in die Höhe schraubte – ganz unmagisch weil physikalisch.
Die Sahnehimbeeren verteilten sich rings um die Schale, auf ihrem goldenen Festumhang, auf Pomona und auf Poppy, ebenso auf dem Tablett mit dem Shortbread.
Poppy bekam einen Lachanfall und langte zu. Es war köstlich – nicht nur das neue Dessert. Allerdings wurde sie schnell wieder ernst, da sich ihre Freundin nicht mehr bewegte und ihr Atem kaum zu hören war.
„Minerva, MINERVA!", rief sie und das holte Severus und Hermione keine Zehntelsekunde zu früh aus ihrem Beinahe-Kuss.
Minerva kam zurück – so halb. „Sie sind grün, grün... Sie sind beide grün! Die Schlangen..."
„Bei Merlins Blinddarm, MINERVA!" Sie tätschelte unsanft ihre Wangen.
„MINERVA! Es sind Himbeeren und sie sind verdammt rot! Bist du blind?"
„Sie...er...glitzern auch noch. Die Steine..."
„HIMBEEREN!", schrie Poppy und wusste nicht, was sie tun sollte, weil sie so perplex war. Fast hätte sie der Schulleiterin eine gelangt.
„...sind grün. WHISKY!", schrie Minerva genauso laut.
„Der ist braun."
„WHISKYyy!", kam es wieder aus deren Mund – mehr als ein Stöhnen und jammervolles Verlangen.
„Ach so." Poppy war erleichtert und klopfte mit ihrem Zauberstab auf den Tisch, auf dem sofort eine Flasche Feuerwhisky erschien – der von der härtesten Sorte.
Poppy goss einen Dreifachen in ein Glas und hielt ihn ihrer Freundin hin, die ihn auf ex leerte. Minerva schüttelte sich heftig und stöhnte. Mittlerweile warfen alle Kollegen und andere besorgte Leute Blicke auf sie, wussten sie aber in den besten Händen.
Langsam kam es Hermione, dass sie schuld an dem Desaster waren und entfernte mittels Magie die Sa...hnerei vom Tisch.
„Ich glaube, ich habe ein paar mehr graue Haare bekommen.", jammerte Minerva und ließ lautstark das Glas auf die Tischplatte knallen.
„Grün, rot, grau... Hast du was genommen, Minerva?"
„WAS?" Sie ließ ihren Kopf in die Hände sinken und drehte sich langsam nach rechts.
„Severus, das ist deine Strategie, nicht wahr? Mach sie fertig, die Alte! Du willst den Posten des Schulleiters wiederhaben? Du kriegst ihn! Bitteschön."
„Wie bitte?", fragte dieser mit Augenbrauen in ungeahnter Höhe.
„Du hast mich fast umgebracht, jetzt kannst du sie von dem Imperius befreien...", jammerte sie und Poppy konnte es nicht glauben.
„Minerva!"
„Ja, ja, ich weiß, das macht er nicht, dann hat er ihr was anderes dafür gegeben, aber warum... Du kannst den Hauspokal geschenkt kriegen, er gehört dir – mitsamt den Smaragden. Ach nein, die hat Hermione ja um den Hals hängen..." Sie war völlig neben sich und sah nur im Geiste, wie sich die Schlangen von Hermiones Schuhen um Severus' Knie wanden.
„MINERVA!" Poppy fächerte ihr Luft zu.
Hermione lehnte sich über ihre zukünftige Kollegin. „Professor McGonagall, Minerva, kann ich ihnen helfen?"
„Kind, mein Löwchen, ich hab mir Dinge eingebildet...grüne, schwarze...sag...was..."
Sie ahnte, was los war und es war nicht ganz einfach...für beide – für alle.
„Sie haben sich nichts eingebildet. Die Schlangen...sie haben recht, sie..."
Severus wurde es zu bunt. „Das dauert alles zu lang. Sie gehört mir, Minerva. Deine liebste Gryffindor liebt die Oberschlange, und der Oberslytherin liebt deine kleine Löwin. Schonender kann ich es leider nicht sagen, außer, dass du nichts dagegen machen kannst." Er ließ seinen Zauberstab kreisen, um ihr Whiskyglas bis zum Rand zu füllen. „Und jetzt trink, ich habe nicht die geringste Lust auf diesen Posten, weil ich Besseres zu tun habe, wie du ahnst. Erinnerst du dich an meine Pflichten, die ich letztens erwähnte? TRINK JETZT, damit du nicht tot umfällst!"
„Das war dein finaler Schlag, nicht wahr? Für all die Jahre, die Slytherin gegen uns verloren hat! Du bist genial, Severus, du kriegst sie alle, du kannst uns alle hinters Licht führen und verziehst dabei keine Miene – Hut ab!", sagte sie verzweifelt, aber nicht todernst. Dafür war das ganze zu grotesk.
„Minerva, Professor, es...stimmt. Ich liebe ihn, wir lieben uns.", bestätigte Hermione und drückte fest die Hand von Severus. „Es ist wahr, und es ist... Es ist wie Magie. Ich könnte nicht glücklicher sein und ich würde mir wünschen, dass uns alle verstehen könnten und dass wir, dass..."
„Schon gut, mein Kind...", schaltete sich Poppy ein. „Alles wird gut, das verspreche ich euch. Euer Patronus sagt mehr als tausend Worte."
Minerva begann zu schwitzen – das Glas war leer. „Das kann nicht sein, er hat ein Reh! Wollt ihr mich alle..."
„Nein.", seufzte ihre Freundin. „Es war seiner, eine Schneegans, genau wie ihrer. Sie haben sich beide verändert. Das ist höhere Magie und so weiß und rein wie Schnee, Minerva, die schönste, die es gibt, wenn du mich fragst – Liebe. Denk daran, du hast sie auch einst gefühlt."
Die alte Schulleiterin wurde nachdenklich, obwohl der Alkohol sehr an ihr nagte. „Ist das wahr, Hermione? Severus?"
„Wenn du Beweise willst – bitte.", antwortete er, schlang einen Arm um Hermiones Hals, zog sie zu sich und küsste sie.
In der Halle hörte man diverse Gläser klirren und ein paar Aufschreie – sowohl von denen, die es gesehen hatten, als auch von denjenigen, die von ihren Tischnachbarn auf den Fuß getreten worden waren.
Manche fühlten sich, als wären sie einem kollektiven Imperius erlegen, manche rieben sich ungläubig die Augen, ein kleiner Teil fühlte sich bestätigt und der Rest war schlicht und einfach am Nachtisch essen und hatte gar nichts mitbekommen. Allerdings wurden diese schneller und mehr als deutlich aufgeklärt und legten kollektiv ihre Löffel nieder, in der Hoffnung, es mit eigenen Augen sehen zu können.
Der Kuss war allerdings schon vorbei und es kam ihnen vor wie ein Traum, ein Alptraum. Viele glaubten hinterher tatsächlich, sich das eingebildet zu haben, überprüften ihre Getränke oder schüttelten ihren Kopf, um den Verstand freizubekommen.
Ginny saß wie weggetreten an ihrem Platz und starrte auf den Lehrertisch.
„Bei Merlin, war das süüüß. Jetzt hab ich sie zum zweitenmal küssen sehen...oooh..."
„WEN hast du küssen sehen?", fragte Ron und schaute erst jetzt von seinem Windbeutel auf, der aussah, als wäre er zu einem Orkan mutiert. Gleich darauf schob er einen Löffel davon in seinen Mund.
„Na, Hermione mit ihrem FREUND, Ron!" Ginny grinste. Ach war das herrlich!
„HÄ? Verarschst du mich wieder? Sie sitzt doch da oben. Blöde Nuss."
Die Nuss kicherte ungehalten und krallte sich wieder in Harrys Knie.
„Sie sitzt neben SNAPE, schon vergessen?"
„Ne, eben nicht! Das ist es ja!"
Ihr liefen die Lachtränen die Wangen hinunter und sie schlug mit der freien Hand auf den Tisch.
„Was ist hier los?", fragten ihre Eltern. Die hatten nichts mitbekommen, weil sie sich angeregt mit den Grangers unterhielten.
„Nichts, ich...lache nur."
„Schön, Kind, Lachen ist gesund.", meinte Arthur und grinste, obwohl er nicht mehr wusste als vorher. Danach nahm er die Unterhaltung wieder auf.
„Ron! Hey...sie sitzt neben Snape, capiche?"
„Weiß ich, deshalb stimmt dein Stuss ja auch nicht, Schwesterherz."
„Harry, Schatz, was soll ich noch tun?"
„Mein Knie loslassen bitte." Dann wandte er sich an seinen Freund und versuchte es noch einmal – es war ja nicht das erstemal. „Ron, ähm... Ginny sagt keinen Stuss. Das ein oder andere schließt sich nicht gegenseitig aus, verstehst du?"
„Ne."
„Also... Das mit dem Freund und dass sie...da oben sitzt."
„Ist der unsichtbar oder was? Das hatten wir schon – also doch ein Phantom oder ein Geist. Ha, ha."
„Neiiin, er...ist...ziemlich...undurchsichtig, wenn man es genau nimmt."
Ginny schrie vor Lachen und Harry hatte erst gar nicht verstanden, wie doppeldeutig er gewesen war. Bald ließ es ihn auch grinsen.
„Ach was!?", meinte Ron. „Ein unsichtbarer, undurchsichtiger Typ, hm? Klar."
„Im Gruuunde genommen...", Harry dehnte es, „...trifft es genau auf den Punkt, ja." Ja, es hätte jahrelang genau die Definition von Snape gewesen sein können.
Zu seiner Freundin gewandt seufzte er: „Ich geb' auf."
„Ja, anders geht's nicht. Dann wird's wohl ne härtere Lektion."
„Das fürchte ich auch."
Ginny ahnte nicht im Geringsten, wie sich ihre Worte noch als wahr herausstellen würden – und das auch sehr doppeldeutig.
Inzwischen atmete McGonagall wieder – durch einen gekonnten Schlag auf den Rücken durch Poppy.
„Reicht dir der Beweis, Chefin?", fragte Severus und setzte sein absolut bestes Slytherinlächeln auf.
„Wie...wann...wie...konnte das passieren?", fragte sie und langte blind nach der Flasche.
Hermione räusperte sich. Auf keinen Fall durfte das mit dem modifizierten Portschlüssel rauskommen. „Es...ist einfach so gekommen. Wir...haben es ja selbst nicht geglaubt, aber..."
„Jetzt hört schon auf!", schaltete sich Poppy ein, weil auch ihre Kollegen genauso guckten oder redeten wie die Schulleiterin.
„Ich kann euch alle auf Zeit suspendieren aufgrund geistiger Umnachtung oder Herzenskälte oder..." Ein Blick auf Minerva – „...zu viel Alkoholkonsum, die Befugnis habe ich. Zählen wir die Fakten auf: Unser lieber Kollege hat sich verliebt – in eine Frau wohlgemerkt, keine Schülerin. Sie ist schon lange keine mehr, das müsst ihr zugeben. Diese Frau liebt ihn auch. Punkt. Basta. WO ist das Problem, bei allen guten Geistern? Hat er es nicht verdient? Ist die Liebe so etwas Schreckliches? Grün und rot passen ziemlich gut zusammen, wie ich meine. Und dann unsere zwei Intelligenzbestien – ist das nicht herrlich? Was mögen das für Kinder geben!"
Damit hatte sie sie...getötet oder berührt, eines von beidem. Als sie in die Runde schaute, stellte sie Letzteres als mögliche Diagnose, denn das Lächeln auf Auroras, Filius' und Hagrids Gesicht war echt. Und Severus war übel. Auch die Diagnose war leicht und naheliegend.
Hagrid war es auch wieder, der das Schweigen brach. „Nun dann, nun denn... Herminchen, Professor, Sir...ähm... Schöne Sache, schöne Sache, jaja. Wisst ihr, bei den Flubberwürmern ist das..."
Nachdem sie ihn ausnahmslos alle entgeistert angesehen hatten, brach der erste in Gelächter aus – nämlich Flitwick – und alle stimmten mit ein, auch Minerva. Sie drückte die Hand von Hermione und warf Severus einen extra-bösen Blick zu, der ihm verriet, dass alles gut werden würde. Immerhin kannten sie sich schon so lang.
Die Schulleiterin hatte sich sogar wieder soweit im Griff, dass sie mit fester Stimme – allerdings leicht schwankend – verkündete, dass nach dem Essen die Tanzfläche vor der Empore magisch vergrößert und eröffnet werden würde und begrüßte zudem die große Big Band mit der Sängerin extra herzlich. Der Applaus war groß und alle freuten sich auf das Bevorstehende.
Severus gehörte nicht wirklich zu denjenigen, denn jetzt stand ihm wohl der schwerste Teil des Abends bevor. Als das Essen von den Tischen verschwunden war und die Musiker zu spielen begannen, erhob er sich und Hermione mit ihm. Jetzt fiel es nicht mehr ganz so auf, weil die ersten die Halle verließen, um sich frisch zu machen oder schon tanzten.
„Soll ich sie beiseite holen?"
„Das wäre mir sehr recht." Seine Stimme zitterte wie damals nach ihrem ersten Kuss und bei ihrer ersten Nacht.
„Soll Oma dabei sein?"
„Bitte."
„Sie hat vielleicht schon vorgearbeitet, wie ich sie kenne." Hermione nahm unauffällig seine Hand und zog ihn mit sich.
Sie blieben an der Seite der Empore stehen und dann traf sie den Blick ihrer Großmutter. Nach einem Wink, dass sie mal kommen sollten, streckte Jean einen Daumen nach oben und stand auf, etwas zu ihren Kindern flüsternd. Die drehten sich um und wussten, was Sache war. Für sie war es nicht minder schwer, aber sie hatten immer noch die Worte im Kopf, die ihnen ihre Mutter und Schwiegermutter gesagt hatte. Alle atmeten tief durch.
„Mum, Dad, Professor Snape kennt ihr ja und ich...denke, ihr wisst mittlerweile, dass...er...für mich...Severus ist. Severus, meine Eltern kennst du ebenso: Dr. Rose und Hugo Granger." Hermione lächelte verlegen.
Ihr Vater machte – wie am Tag zuvor im Labor – den Anfang und gab ihm die Hand, seine Frau tat es ihm gleich. Zu sagen wusste keiner so recht etwas – außer Jean natürlich.
„Severus, ist das nicht ein herrlicher Abend? Lassen wir uns ihn nicht mit Nervosität verderben. Sie wissen Bescheid, ich musste ja Mines Verschwinden klären, nicht wahr?" Ihr Lächeln war entwaffnend. „Ach, wie gut ich das kenne, und wir hatten nicht so viel Glück damals. Jedenfalls... Rose, Hugo, wie gesagt, ihr könnt euch keinen Besseren wünschen. Sogar sein Titel ist noch eine Stufe über eurem...", grinste sie, damit allen klar war, dass sie nur die Situation auflockern wollte.
„Nun, Professor...", begann Hugo Granger und nahm ihn etwas beiseite. Er war nur knapp über zehn Jahre älter als Severus. „Ich weiß nicht viel, nur das, was man uns erzählt hat. Aber ich weiß, dass sie eine Koryphäe auf ihrem Gebiet sind und...zu den Guten gehörten, wenn ich offen sprechen darf."
Severus nickte.
„Meine Tochter...würde nicht so...handeln, wenn es ihr nicht ernst wäre, das weiß ich, und daher respektiere ich ihre Entscheidung. Vielleicht...sollten wir uns einfach kennen lernen und ja...kennen lernen. Die Ferien beginnen doch jetzt – es wäre nett, wenn sich dann mal eine Gelegenheit böte. Meine Frau und ich haben auch bald Urlaub. Was...meinen sie?"
„Das wäre...durchaus eine sinnvolle Maßnahme und sicherlich notwendig." Severus holte noch einmal tief Luft. „Es ist mir durchaus auch ernst, das kann ich ihnen versichern."
„Ich glaube ihnen und ich traue meiner Schwiegermutter, sie schwärmt ja in den höchsten Tönen."
Sein Gegenüber zog eine Augenbraue hoch und Hugo musste lachen. „Ja, sie haben recht, so hätte ich auch reagiert. Sie ist schon etwas Besonderes."
„Damit haben sie auch recht."
Dr. Granger klopfte kurz auf Severus' Arm und ging wieder zurück zu den Frauen.
„Professor Snape, hat sie mein Mann schon eingeladen?"
Im Hintergrund reckte Jean beide Daumen nach oben und war stolz auf ihre Tochter.
„Ja, das hat er, Mrs. Granger. Danke dafür."
„Nun, vielleicht ergibt sich ja auch heute Abend noch das ein oder andere Wort.", sagte sie mit einem leichten Lächeln und forderte dann ihren Mann zum Tanzen auf.
„Seht ihr, war doch gar nicht schlimm.", meinte Jean und schaute ihren Kindern hinterher. „Und jetzt tun sie, was sie tun müssen, das gilt auch für euch beide. Hopp, hopp!"
„Sie meint, was sie sagt, oder?", seufzte Severus und Hermione nickte lachend.
„Ich fürchte, da kommst du nicht drum herum."
„Dann kommt jetzt unser Moment und mein Untergang. Ich habe es seit Jahren nicht getan."
„Macht mir nichts, ich auch nicht. Aber man soll es nicht verlernen."
„Sie werden mich umbringen wollen."
„Ich rette dich."
„Nun denn, Miss Granger, darf...ich bitten?"
„Unbedingt."
Severus ging mit Hermione an den Rand der Tanzfläche und legte seinen rechten Arm um ihre Taille.
„Was tut sie da?, jammerte Ron, als er es gesehen hatte. „Hey, Harry, Ginny, wartet, guckt euch das an."
„Wir wissen es.", riefen sie ihm zu. „Man darf doch mal mit seinem Freund tanzen." Beide hofften, dass er es jetzt endlich kapierte. Die Hoffnung starb bekanntlich zuletzt – oder sie starb an Altersschwäche, weil sie nie zur Erfüllung gekommen war:
„Klar darfst du mit deinem Freund tanzen, Gin, aber guckt doch mal, sie tut es mit Snape, mit Snape! ICH wollte doch..."
„Ja verdammt..." rief Ginny, „...sie tut es mit Snape!"
Diesmal schrie Harry vor Lachen auf und Ginny erkannte ihren Fehler. Sie kicherten beide den ganzen Song über und stolperten deswegen über ihre eigenen Füße. Darüber vergaßen sie auch erst einmal Ron.
Man verlernte es nicht, das stellte sich heraus. Nachdem die anderen gesehen hatten, wer sich dort so anmutig im Takt der Musik bewegte, fing das Getuschel wieder an und manchen wurde es mulmig, bekamen sie doch ein weiteres, zu denken gebendes Häppchen. Der Anblick war dermaßen ungewöhnlich, dass Severus und Hermione bald viel mehr Platz als nötig hatten. Mit ein paar gezielten Blicken und Bemerkungen zu den Schülern, in denen er fragte, was es zu sehen gäbe und warum er nicht tanzen dürfe, bekam er die Sache ein wenig in den Griff. Wie gut, dass das Lied bald zu Ende war. Was er nicht sagte war, dass es ihm eigentlich Spaß gemacht hatte. Natürlich würde er dies nicht zugeben und verpackte es anders – und zwar mit etwas, was er sich sowieso vorgenommen hatte.
„Verzeihst du mir, wenn ich den nächsten Tanz nicht mir dir mache?"
„Natürlich, dieser eine war schon mehr, als ich erwartet hatte."
„Und noch viel mehr, als ich selbst erwartet habe, glaub mir das."
Sie lächelte ihn an, verließen gemeinsam die Tanzfläche und kamen an ihrem Tisch an. Hermione setzte sich und wurde dann – wie alle anderen – überrascht. Sie hatte ganz einfach gedacht, er wolle nicht mehr tanzen. Aber Severus ging weiter, an ihrem Vater und ihrer Mutter entlang und blieb schließlich bei Jean stehen.
„Würdest du mir die Ehre erweisen, Jean?" Dabei reichte er ihr die Hand.
Sie hätte nicht damit gerechnet, aber gehofft. Irgendwie hatte sie gewusst, dass er es kann.
„Oh Severus, liebend gern."
*Doris Day: „When I Fall In Love It Will Be Forever"*
Sie harmonierten unglaublich gut miteinander.
„Du tanzt wunderbar, Severus. Wie ich hörte, hast du es niemals zuvor getan auf einem Fest?"
„Mit wem sollte ich?"
Daraufhin sagte sie nichts und ließ sich führen – bisher hatte sie ihn immer geführt, seit sie sich kannten. Sie selbst konnte es schon Jahrzehnte – früher gehörte es eben dazu, einen Tanzkurs in jungen Jahren zu machen und genau das hatte sie auch Hermione nahegelegt, damals, in den Sommerferien vor ihrem vierten Schuljahr.
Als die Unterhaltung zugunsten des Gefühls erstarb, hörte sie die Musik genauer. Überhaupt erkannte sie die meisten Songs und ihr fiel wieder ein, dass es ja eine Muggel-Big Band sein sollte. War es auch, sonst hätte es sich anders angehört.
Ein paar Takte später stiegen ihr Tränen in die Augen und zuerst versuchte sie, sich wegzudrehen. Allerdings entging ihm niemals etwas.
„Jean?"
„Oh verzeih mir, Severus. Es... Nicht wichtig."
„So nicht-wichtig wie alles, was wir beredet haben?"
„Ja, nein..."
„So kenne ich dich nicht."
„Dieses Lied ist schon alt, ich... wir waren jung, ich war 22, glaube ich. Mein Mann hat mit mir getanzt, damals war er noch nicht mein Mann, aber wir haben uns schon geliebt. Danach hat er mir...einen Antrag gemacht. In dem Jahr wurde er schon 40, aber das war uns egal. Es war alles egal, alles, was andere gesagt und gedacht haben. Und wir haben sie alle Lügen gestraft."
Severus sagte nichts darauf.
„Er fehlt mir so sehr.", flüsterte sie. „Ich wünschte, er würde es miterleben. Entschuldige, das gehört nicht hierher."
„Ich denke doch. Ich weiß wie es ist, jemanden zu vermissen. Mehr als nur einen."
„Ja, das weißt du, ich habe ja alles erfahren. Es tut mir so leid. Aber trotz allem – zuweilen meint es das Leben gut und es wird besser, als wir uns es gedacht haben, nicht wahr?"
„Ja."
Kaum waren Severus und Jean vor den vor Überraschung geweiteten Augen von Rose und Hugo verschwunden, kam die nächste – arrogant und blond.
„Granger!" Mit einem Blick auf Hermiones Eltern verbesserte er sich schnell. „Hermione!"
„Frettchen!" – Ein geschockter Blick ihrer Mutter. „... Malfoy! Was willst du hier?"
Draco Malfoy beugte sich zu ihr herunter, damit nur sie es hören konnte. „Worauf wartest du noch?"
„Wie bitte?"
„Stell dich nicht dumm!" Er hielt ihr seinen Arm hin.
„Was?"
„Mach schon, beweg dich, oder muss ich deutlicher werden?"
„Ja, musst du, verdammt."
Draco verdrehte die Augen und wippte ungeduldig mit dem Fuß. „Darf ich bitten, Granger?"
„Hm? Du willst...tanzen?" Ihr blieb der Mund offen.
„Ach was! Nein, ich will mit dir in die Karibik apparieren. Natürlich will ich tanzen!"
„Ach was?" Sie stand auf, als sei sie ein Roboter.
Während sie tanzten, musterte er sie immer wieder ungeniert, wie vorher.
„Was denn? Probleme mit den Schlangen?" Sie war froh, denn mit den Absätzen war sie auf Augenhöhe mit ihm.
„ICH? Granger!"
„Was dann?"
„Da hast du ja echte Qualität ergattert!"
Hermione verschluckte sich bei den Worten und einer Drehung und musste husten, doch Draco lachte, hielt sie fest und tanzte einfach weiter.
„Dein Schmuck, so was sehen wir!"
„Ach so."
Er amüsierte sich prächtig und machte sie noch ein wenig nervöser.
„Hattest du ihn vergessen? Und warum ist er grün? Sag bloß, du bist übergelaufen?"
„Quatsch nicht so ein Unsinn."
„Na, na, du solltest dich langsam an einen anderen Ton gewöhnen, du bist nicht mehr in Weasleys und Potters Gesellschaft, sondern schickst dich an, eine Slytherin zu werden."
„Ihre Äußerungen entbehren einer gewissen Sinnhaftigkeit, Mr. Malfoy."
„Hä?"
Beide mussten lachen.
„Also was willst du, Frettchen?"
„Dich näher kennen lernen, du Kopf des Trios. Oder sollte ich jetzt besser sagen, Oberhaupt der Schlangen?"
Ihre Wangen röteten sich schlagartig. „Was meinst du?"
„Nun, mein Vater sinniert schon über das nächste Bankett und dass er nun wohl eine Einladung mehr verschicken muss. Oder kann er eine sparen, indem er eure Namen auf eine Karte schreibt?"
‚Er weiß es, er weiß es.', dachte Hermione schockiert und versuchte, es zu verbergen.
„Deine rote Farbe passt aber jetzt nicht mehr zu dem schwarz-grünen Outfit.", stellte er fest und grinste breit. „Steht er darauf?"
‚Oh bei Merlin. Wieso dauert der Tanz so lang?' – „Wer?"
Er ließ sie zappeln. „Weißt du, bei meinem Vater war es Entsetzen und Bewunderung zugleich, bei mir war es eher...Amüsement, genau wie jetzt. Irgendwie finde ich das ja echt genial, Granger. Weiß es Wiesel schon? Wenn nicht, ich bin bereit, dafür zu zahlen – und zwar dafür, dass ich dann dabei sein darf. Ist das ein Deal?"
„Ich weiß nicht, was du meinst."
„Weißt du doch." Er kam ihrem Ohr ganz nah. „Also ich denke nicht, dass man es nicht merkt, wenn einer wie Severus einen vö..."
„DRACO MALFOY!"
„Komisch...", gackerte er, „...das habe ich eben schon einmal gehört – genau so! Hey, erst warst du rot, jetzt weiß...was kommt noch? Also bist du doch übergelaufen. Das ist geil. Wir werden uns noch öfter sehen und dann tanze ich wieder mit dir. Das hat echt Spaß gemacht. Und keine Panik, Granger, ich meine es so, wie ich es sage. Nur tanzen, hm?"
„Jaaah. Und jetzt geh zu deiner Freundin, Frettchen."
„Na klar, Granger, wir sehen uns."
Mit diesen Worten und einem Augenzwinkern geleitete er sie wieder an ihren Tisch, deutete eine Verbeugung vor ihr und ihren Eltern an und verschwand.
„War das nicht der Junge, der dich gehasst hat?"
„Jaaah, das war er, Dad."
„Und nun?"
„Ich habe nicht die geringste Ahnung."
„Er war aber sehr galant."
„Jaaah."
„Gute Erziehung."
„Jaaah."
In dem Moment kamen Severus und Jean zurück. Letztere ließ sich auf den Stuhl fallen und freute sich ihres Lebens.
Severus allerdings fragte Hermione, was Draco von ihr gewollt hatte und sie sagte ihm, dass es nun wohl die Malfoys wussten.
„Das war nur eine Frage der Zeit. Ist es dir unangenehm?"
„Wieso stellst du mir so eine Frage, Severus Snape?" Mit einem liebevollen Blick sah sie ihn an: Seine Haare, seine dunklen Augen und sein Mund, dazu kam der grüne Festumhang und nicht zu vergessen die schicke, schwarze, enge Ho... Bevor sie in tiefere Regionen abdriftete, beantwortete sie lieber ihre eigene Frage.
„Ich liebe dich, Severus Snape. Wollen wir tanzen?"
Er seufzte, aber reichte ihr den Arm. Offenbar war ihr ein Tanz nicht genug gewesen.
*Doris Day: „A Secret Love"*
Once I had a secret love that lived within the heart of me
All too soon my secret love became impatient to be free
So I told a friendly star the way that dreamers often do
Just how wonderful you are and why I am so in love with you
Now I shout it from the highest hill, even told the golden daffodils
At last my heart's an open door and my secret love's no secret anymore
Das Lied war langsam und voller Gefühl und schien wie für sie gemacht. Viele Paare schmiegten sich aneinander und waren endlich mal abgelenkt und mit sich selbst beschäftigt. Das hatten sie sich noch nicht getraut. Allerdings war es Hermione ganz anders zumute oder…intensiver zumute, denn sie verringerte den Abstand ein wenig, ließ seine Hand los und ging mit ihrer eigenen auf Wanderschaft – und zwar unter seinen Festumhang, der das ganze Vorhaben vor Blicken schützte. Sie wollte sich mit ihm beschäftigen, und zwar jetzt oder sobald wie möglich. Zentimeter um Zentimeter tastete sie sich vor, umschlang mit ihren Armen seine Taille und ließ, nachdem sie sich eine hochgezogene Augenbraue abgeholt hatte, ihre Hände noch ein wenig weiter nach unten gleiten.
„Hermione…", flüsterte er, nachdem er tief eingeatmet hatte, „…was denkst du, machen deine Hände dort?"
„Dafür kann ich nichts.", gab sie ebenso leise zurück. „Du bist schuld. So ein Mann wie du vor mir, in diesem grünem Umhang und vor allem in dieser Hose, hat eben eine besondere Wirkung auf mich, gegen die ich absolut nichts machen kann."
Seine Augenbrauen wanderten höher. „Wenn ich dies zu dir sagen würde, könnte man es verstehen, aber ich? Leider kann ich meine Hände jetzt nicht dorthin legen, wo ich sie gerne hätte."
„Warum nicht?", fragte sie mit einem koketten Lächeln.
„Willst du ihnen einen kollektiven Herzanfall bescheren? Nicht dass ich etwas dagegen hätte, aber..."
„Den haben die doch schon hinter sich."
„Ich glaube, einige haben es noch nicht verstanden."
„Dann gib es ihnen zu verstehen, hm?"
Er tat es tatsächlich. Wann, wenn nicht jetzt? Langsam beugte er sich zu ihr herunter – nicht so weit wie sonst durch ihre hohen Absätze – und küsste sie vorsichtig auf den Mund.
Einige Slytherin-Mädchen standen in der Nähe, weil sie ihren Hauslehrer nicht wirklich aus den Augen gelassen hatten heute Abend und weil sie nicht wirklich wussten, was sie während des Essens gesehen hatten – oder nicht glauben wollten gesehen zu haben. Ihre Unterhaltung stand beinahe stellvertretend für viele, viele andere.
„Ich glaube du hast recht, Pansy.", stellte Milli fest und krallte sich schmerzhaft in den Arm ihrer Klassenkameradin, als sie den Kuss sahen.
„Das ist...nicht...zu...übersehen.", war die stockende, weil geschockte Antwort. Vielleicht spielte auch noch Neugierde und Eifersucht eine Rolle, aber das konnte man nicht so genau sagen – wer wusste schon, wie die Slytherins ticken?
„Meinst du, das geht schon länger so?"
„Überleg doch mal, fällt dir nicht so einiges ein?"
„Meine Güte, meinst du, sie hätten auch..."
„Die Granger hat doch kein..."
„Granger? Wer weiß, was die so alles hinter ihrer Fassade treibt, aber er hat doch kein..."
Während des Kusses zog ihn Hermione fester zu sich, eine Hand immer noch in seiner Taille, die andere...woanders, leckte ihm über die Lippen und lud sich damit selbst in seinen Mund ein – mitten auf der Tanzfläche. Dass sie dabei nicht vergaßen, sich im langsamen Rhythmus der Musik weiterzubewegen, ging entweder auf ihre Multitasking-Fähigkeit zurück oder weil sie schon oft einen gemeinsamen Rhythmus gefunden hatten – oder auf beides, denn beides hatte ja im weitesten Sinne miteinander zu tun – oder im engeren, wie man's nimmt...
„Sie haben, Pansy, sie haben..."
„Ja...", bestätigte die hübsche Slytherin, „...sie tun es, kein Zweifel."
Nach einer gefühlten Ewigkeit löste er den Kuss.
„Was in Merlins Namen... Du bist im falschen Haus."
„Nur wegen des Kusses? Na, da kann ich aber noch anders.", neckte sie ihn, als er in Richtung der Bar ging, um sich und ihr etwas zu trinken zu holen.
Gefolgt von zahlreichen, entsetzten Blicken, die sie ignorierten weil beschäftigt, setzten sie sich kurz an ihren nunmehr leeren Tisch, weil ein paar schon draußen waren, die anderen entweder tanzten oder sich woanders unterhielten. In dem Moment kündigte die Band ihr letztes Lied vor einer kurzen Pause an und Hermione zog ihn wieder zur Tanzfläche. Ja, er konnte es sehr gut und es machte Spaß mit ihm und sie genoss es, wie sie zusammen aussahen. Dass sie ganz andere Pläne hatte, wusste er nicht.
„Hermione, würdest du deine Hände dort lassen, wo sie hingehören?", raunte er ihr zu nach ein paar Sekunden der...Bewegung.
„Genau da will ich sie haben."
„Das hatten wir schon."
„Und?"
Bei Merlin, gut, dass Ron gerade draußen zu sein schien, sonst wäre er der nächste mit einem Beinahe-Herzanfall gewesen.
Severus seufzte. „Mir fällt es dadurch nicht gerade leichter, mich von...dir abzulenken."
„Ja dann..." Sie brachte ihre Hände ein paar Etagen höher und umfasste sein Gesicht, um ihn erneut zu sich zu ziehen und zu küssen, und zwar direkt so, dass er nichts mehr sagen konnte. Irgendwann schaffte er es doch.
„Warum machst du es mir so schwer?", fragte er, aber nicht ohne leicht zu grinsen.
Sie lachte auf. Er hatte ja keine Ahnung. „Oh nein, nein, nein, Mister, du machst es mir schwer." Hermione reckte sich zu ihm hin, sofern das auf diesen Absätzen noch möglich war, und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
„Das kann nicht dein Ernst sein, Miss Granger!", sagte er entrüstet, wozu aber sein Gesichtsausdruck nicht ganz passte. Darin war eher leichte Panik, Entsetzen und...noch etwas ganz, ganz anderes.
Das Lied neigte sich dem Ende. Sie ließ ihn los und schien an ihren Tisch zu wollen, was ihn ein wenig erleichtert ausatmen ließ. Allerdings trank sie nur einen Schluck Sekt aus ihrem Glas, zwinkerte ihm zu und ging einfach weg. Er sah ihr hinterher und wunderte sich noch, dass sie nicht kurz gesagt hatte, dass sie sich mal frisch machen wollte. Allerdings stutzte ihn die Art, wie sie ging und kurz vor der Eingangstür drehte sie sich wieder um und er sah noch, wie sie ihren Zauberstab kaum sichtbar benutzte und wie sich ihre Lippen bewegten. Danach verschwand sie mit einem Lächeln aus der Großen Halle.
Severus überlegte schon, was er tun sollte, als er merkte, dass sich etwas verändert hatte. In seiner Hosentasche spürte er etwas, das vorher noch nicht darin gewesen war. Er fasste hinein und fühlte Stoff, zog ihn ein wenig hervor und stellte fest, dass er schwarz war mit ein paar silbernen…
Ihm wurde heiß und kalt und beeilte sich gerade noch rechtzeitig, den Hauch von Nichts wieder tief in seine Hosentasche zu stopfen. Ein Impuls, ein Stromschlag durchfuhr seinen Körper und machte einen kurzen Zwischenstopp in seinem Herzen, bevor er sich in tiefere Regionen vorarbeitete.
Und danach beeilte sich Severus, ihr zu folgen. Er bahnte sich ohne Rücksicht einen Weg durch die Umherstehenden, kam in der Eingangshalle an und sah, wie sie auf der Treppe stand – einen Arm lässig auf das Geländer gelegt, die Wangen rot – und ihm abermals zuzwinkerte, bevor sie weiter nach oben ging.
tbc
