A/N:
gretaSerebro und Hilllo: Vielen Dank für eure Reviews, ich kann euch ja leider nicht persönlich antworten - ich freue mich sehr!
Kapitel 52
„Wo ist eigentlich Hermione? Und ihn sehe ich auch nicht mehr..."
Mrs. Granger sah sich überall um, als sie wieder in die Große Halle kam, nachdem sie sich mal kurz aufgefrischt hatte.
„Ach komm, Rose, lass uns doch auch mal etwas nach draußen gehen und frische Luft schnappen, die kommen schon wieder. Vielleicht gehen sie auch nur eine Runde oder sind mal, äh, für kleine...Zauberer..."
„Ja kann sein.", meinte Rose und blieb stehen, um auf ihren Mann zu warten.
Jean drehte sich grinsend weg und flüsterte vor sich hin. „...mal für kleine Zauberbabys.".
Sie wollte ihre Tochter ja nicht gleich am ersten Tag der Erkenntnis überfordern.
Jean wusste gar nicht, wie nah sie an der Wahrheit dran war. Sie hatte die beiden nur Hand in Hand die Treppen hinauf verschwinden sehen und hatte für sich selbst geraten, dass sie das sicher nicht gemeinsam getan hätten, würden sie sich nur mal...frisch machen wollen.
„Gute Idee. Wenn Hugo kommt, können wir uns ein bisschen die Beine vertreten."
Während Rose sprach, hatte sich Jean umgesehen. Sie sah den Gentleman zu der extra aufgebauten Bar gehen, der sie zuvor an ihren Platz geleitet hatte. Alles in allem sah er so aus, als könne er einen Whisky gebrauchen.
„Was ist, Mutter, kommst du mit nach draußen?"
„Ach nein, nein, geht ihr beide nur... Ihr braucht doch auch mal Zeit zu zweit."
„Wir haben immer Zeit zu zweit."
„So meine ich das nicht. Du weißt schon, die schöne Umgebung, der romantische Sternenhimmel..."
Rose seufzte. Ihre Mutter hatte ja recht, es konnte ihnen wirklich nicht schaden, mal endlich von der Arbeit abzuschalten, aber sie gab es nur ungern zu, weil sie immer recht hatte.
Langsam aber selbstbewusst schlenderte Jean zur Bar, die in einer Ecke der Großen Halle von einem renommierten Restaurant am Rande der Winkelgasse eingerichtet worden war. Mit Freude sah sie, dass es auch ihr bekannte Getränke gab und bestellte sich einen Scotch mit Eis.
Lucius Malfoy hob sein Glas.
„Wie ich sehe, haben sie nicht nur äußerlich Geschmack, Mylady."
Danach prostete er ihr zu. Schon immer hatten ihn Äußerlichkeiten beeindruckt – eine Schwäche, die er zugeben musste. Daher war es auch nicht ganz so verwunderlich, dass er sie, trotz Muggelherkunft, interessant fand. Außerdem hatten sich die Zeiten geändert, man musste sich ja anpassen, rechtfertigte er sich hin und wieder innerlich. Seine Frau war in dieser Hinsicht schon immer anders gewesen und die begrüßte seine neu aufkeimende Einstellung. Natürlich hatte Narcissa mitbekommen, was vorging, allerdings schätzte sie Mrs. Tenerhale nicht als Gefahr ein, sondern als Herausforderung für ihren Mann, was sie mit einem gewissen Amüsement beobachtete. Zudem musste sie zugeben, dass sie die Granger und ihre Familie reichlich unterschätzt hatte – immerhin hatte sie sich Severus geangelt, einer der härtesten Brocken, die sie kannte. Es würde sicherlich interessant werden, diese Leute zu ihren Bekannten zu zählen.
„Immer noch so galant, Mr. Malfoy – Lucius? Meine Tischnachbarn haben mich ein wenig aufgeklärt."
Seine Miene zeigte keine Regung. „Das bin ich gewohnt. Ich hoffe, sie glauben nicht alles, was sie hören."
„Nun, sie wissen ja nicht, was ich weiß… Und nein, ich glaube nicht alles, ich bevorzuge es, mir mein eigenes Bild von den Menschen zu machen, die mit mir reden. Und da es ja kein Geheimnis mehr ist, kann ich ihnen sagen, dass ich über diese Eigenschaft sehr froh bin, denn sonst wären die letzten Monate sicherlich anders verlaufen."
„Ein delikates Thema.", raunte Lucius und war höchstinteressiert.
„Nun ja, hätte ich mich nur auf ein paar Erzählungen verlassen, sähe es nicht halb so gut aus."
„Ich gehe davon aus, dass wir dasselbe Thema umrunden – ihren Groß-Schwiegersohn?" Dabei blickte er weg und trank einen Schluck des besten Feuerwhiskys, um das neu gelernte Wort hinunterzuspülen.
„Ganz recht. Und daher sage ich ihnen eines: Es ist gut so wie es ist. Es ist perfekt. Und sollte jemand anderer Meinung sein, so kann ich sie nicht teilen, um es einmal milde auszudrücken. Bisher habe ich immer herausbekommen, wenn etwas schieflief, also können sie versichert sein, dass sich dies nicht ändert."
„Sie sind eine beeindruckende Frau, Mylady. Intelligent und stark und gar nicht ängstlich, trotzdem dass sie keine von uns sind."
„Sollte ich das als Kompliment oder anders sehen, Lucius?"
„Ersteres, versteht sich."
„Sie haben recht, Angst ist fehl am Platze, oder gibt es einen Grund, warum ich vor ihnen Angst haben sollte?"
„Vor mir?" Er lachte leicht. „Wenn sie vor ihm keine hatten, könnte ich dies wohl kaum übertreffen."
„Eine interessante Ansicht, Lucius, die mich schmunzeln lässt. Ich sehe, wir verstehen uns. Kann ich davon ausgehen, dass von ihrer Seite keine…Probleme auftauchen werden, um ganz offen zu sein? Ich erlaube es mir aufgrund meines Alters." Dabei lächelte sie gewinnend.
„Das Alter ist nur eine Zahl und muss verschwindend gering sein, wenn sie erlauben."
„Ah, da ist er wieder, der charmante Unbekannte."
„So ist es. Ich kann ihnen versichern, dass der ernannte Oberslytherin immer zu meinen…Freunden zählte und sich das aufgrund der delikaten Neuentwicklung nicht ändern wird. Falls doch, bin ich sicher, dass sie es herausfinden, richtig?" Er zwinkerte ihr zu.
„So ist es."
„Darf ich sie zu etwas einladen, Mylady?"
In dem Moment ging Minerva McGonagall an der Bar entlang. Sie schwitze immer noch und ihr war schwummrig.
„Minerva!", rief Mrs. Tenerhale und winkte die Direktorin zu sich. „Ich hatte gehofft, wir sähen uns für einen Moment."
„Oh Jean, Jean, mir geht es genauso." Lucius begrüßte sie mit einem knappen Nicken, der allerdings keine Anstalten machte, das Feld zu räumen.
„Helfen sie mir, ich bin platt.", offenbarte die Professorin und hiefte sich auf einen Barhocker zwischen den beiden ursprünglichen Anwesenden.
„Was kann ich tun, meine Liebe?"
Für beide war es so, als würden sie sich schon Ewigkeiten kennen.
„Ich brauche noch einen Whisky. Und dann… Bei Merlins altem Zauberstab, war es eine Show oder war es echt? Jean, sie haben mich damals doch extra gebeten..." Sie drehte sich und wand sich von Lucius ab – der brauchte ja nicht alles mitzukriegen.
Jean wusste sofort, worum es ging. „Es war echt, Minerva. Und ja, ich hatte sie gebeten, es war eine dringende Sache, und heute kann ich sagen, dass das eine von den wichtigsten Entscheidungen war, die ich je getroffen habe, nur dass Hermione nichts davon weiß. Ich hoffe, es bleibt so."
„Aber...das klingt so... Ich dachte damals, es sei wegen dem jungen Mr. Weasley gewesen."
„Davon habe ich nie ein Wort gesagt."
Minerva schaute sie entgeistert an, trank einen großen Schluck und begann, nachzudenken. Hermiones Großmutter hatte ihr an jenem Sonntagmorgen in dem Londoner Café etwas über Liebe erzählt, und dass es Hermione nicht gut gehen würde und...dann hatte sie selbst Ron ins Spiel gebracht, weil sie sich keinen anderen hatte vorstellen können.
„Sie haben zu der Zeit schon von...ihm gesprochen, nicht wahr? Von Professor Snape?"
„Ja, das habe ich. Von Severus. Wir duzen uns mittlerweile."
Minerva krallte sich an der Kante des hohen Bartisches fest, sonst wäre sie hinuntergefallen. „Was...wie...das... DAS hat er zugelassen?"
„Wieso nicht?"
„ER?"
„Ja, ich habe es gesagt, also vorgeschlagen, und er...äh... Ja!"
Malfoy verschwand von der Bar. Erstens konnte er nichts Genaues hören, dafür waren die zu gut, außerdem schien es ein längeres Gespräch unter Frauen zu geben, und wenn er was hasste war, dass er nicht teilhaben konnte, in welcher Weise auch immer. McGonagall! Tz.
„Oh...oh. Nun, dann...aber... Oh Merlin. Was hat er ihr angetan damals?"
„Nichts, was nicht zu richten gewesen wäre. Es war alles ein Missverständnis und es war heftige...Eifersucht."
„SEVERUS war eifersüchtig?"
„Oh ja. Und letztendlich war der Grund nur Hermiones Cousin, mein Enkel Sam. Und wäre ich nicht hergekommen und hätte mit ihm...äh...geredet, dann hätten sie sich nie ausgesprochen und nicht mehr vertragen, und das hätte mir das Herz gebrochen, und den beiden noch dazu."
„Man fasst es nicht...ich fasse es nicht. Wie konnte mir das entgehen?"
„Was hätten sie getan?"
„Ich weiß es nicht. Als Schulleiterin..."
„Sie war doch längst erwachsen und nach dem, was sie mir alles erzählt hat...waren die Kinder hier alle viel erwachsener, als sie es verdient haben. Glauben sie mir, die beiden gehören zusammen, sie sind füreinander geschaffen, das weiß ich und...es ist Liebe, das schwöre ich beim Leben meiner Familie. Werden sie... Wird es für ihn Schwierigkeiten geben?"
McGonagall dachte nach und seufzte. Sie wusste, wie sehr Liebe wehtun konnte. Das hatte sie selbst in jungen Jahren erlebt und es war kein Happy End gewesen.
„Ich müsste es vielleicht, aber habe ich keine Beweise." Sie lächelte und Jean lächelte noch breiter. „Nein, ich denke nicht. Sie haben recht, mit all dem, was sie sagen. Und...Severus hat so viel für uns getan, er hat ein neues Leben verdient. Hermione sieht auch nicht gerade unglücklich oder gezwungen aus. Es war nur ein...Schock. Nein, es war so völlig abwegig, so überraschend, so... Bei Merlin – der Patronus! Ihr Patronus! Deshalb... Jean! Jean, es muss etwas sein...sonst...ändern sie sich nicht. Es ist..."
„Es ist Liebe, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Im Gegenteil.", vervollständigte Mrs. Tenerhale den Satz.
„Dem kann ich nichts hinzufügen, außer, dass ich das noch nie so überwältigend miterlebt habe. Sie hätten es sehen sollen...sie flogen...es war... Es waren Schneegänse.
Trotzdem, einen Scotch trinke ich jetzt auch noch mit ihnen. Den habe ich mir verdient und vielleicht dringt es ja dann irgendwann in meinen Verstand." Minerva verzog den Mund und lachte danach.
„Das mit den Vögeln habe ich gehört. Und sicher, meine Liebe, ich sehe, wir verstehen uns auch. Ich scheine mich mit allen zu verstehen, ach ist das schön. Wir sollten uns duzen."
Minerva schaute von ihrem Glas auf.
„Herrje, ich bin immer zu voreilig. Immerhin sind sie die Direktorin der Schule und Professorin, da steht mir das nicht zu. Entschuldigung."
„Nein, aber nein. Ich...finde es so schön. Hier auf Hogwarts habe ich nur Poppy und Pomona, meine Kolleginnen, für andere Freundschaften ist nicht viel Zeit, aber...eigentlich...ich habe sonst keine Freundin. Also, wie ich heiße, weißt du ja schon."
Sie stießen an und sahen sich um.
„Wo sind die Turteltäubchen? Sie...turteln doch nicht etwa richtig, oder, Jean?" Minerva war nun doch ein wenig beunruhigt.
Jean schaute sich noch angestrengter um, obwohl sie ganz genau wusste, dass die beiden nicht in der Nähe waren.
„Was meinst du, Minerva? Vielleicht...sind sie ja nur mal spazieren."
„Oh, oh ja. Mag sein, Severus läuft gerne umher und bestraft alles und jeden bei den Schülern."
„Ah ja?" Mrs. Tenerhale kicherte in sich hinein. Ob er im Moment eine gewisse Schülerin direkt bestrafte, glaubte sie nicht. Und ob ihre neue Freundin wirklich glaubte, dass die beiden bisher nur Händchen gehalten hatten, konnte sie nicht einschätzen.
Nein, von Bestrafung konnte man nicht direkt sprechen. Allerdings... Vielleicht doch, je nach dem, aus welcher Perspektive man es betrachtete, oder betrachten würde im Verlauf des...Geschehens.
Während sich die beiden Damen an der Bar so gut unterhielten, ging es weiter oben nicht ganz so einträchtig zu – obwohl...wieder eine Sache der Definition oder des...Gefühls. Aber eines stand zumindest fest: Um Händchenhalten ging es wahrlich nicht.
Hermione zog Severus mit sich, nachdem er sie eingeholt hatte, immer weiter nach oben und schließlich war ihm klar, wo sie hin wollte.
„OH NEIN! Nein, nein, auf gar keinen Fall. Ich gehe nicht in den Turm, nicht in nicht-offizieller Funktion."
„Ich verleihe dir eine Funktion, Professor, du könntest mich ein bisschen...entspannen.", sagte sie übermütig und ließ ihn nicht los.
Als sie das Passwort zum Gryffindor-Gemeinschaftsraum sagte, schüttelte er nur mit dem Kopf.
„Die Luft ist rein, die sind doch eh alle unten."
„Die Jüngeren müssen um zehn Uhr das Fest verlassen.", versuchte er, aber es half nichts.
„Bis dahin ist es noch fast eine dreiviertel Stunde!"
Die zog ihn durch den Eingang und verwickelte ihn gleich in einen Kuss, dem er natürlich nicht widerstehen konnte, wobei sie ihn immer weiter nach hinten schob, dass er bald mit seinen Waden an einen großen, gemütlichen Sessel stieß und automatisch nach hinten fiel.
Solch eine Gelegenheit sollte man sich nicht entgehen lassen, deshalb raffte sie ihr Kleid ein wenig, setzte sich auf ihn, schlang ihre Arme um seinen Hals und begann, sich ganz und gar beiläufig auf ihm zu bewegen.
„Wie viel hast du getrunken? Du bist eine echte Hexe. Was hast du dir dabei gedacht? Stell dir vor, ich hätte dein...Höschen, das den Namen nicht verdient, richtig rausgeholt...", stöhnte er nur und sie lachte.
„Hoffe ich doch, das mit der Hexe. Und nicht viel, ein Gläschen Sekt oder zwei, genau wie du. War das nicht eine gute Idee? Weißt du...du hattest mir doch Geld gegeben...und...ich hatte dir noch nicht gezeigt, was ich davon gekauft habe. Da dachte ich...es wäre eine gute Gelegenheit..."
Als sie ihre Bewegungen intensivierte und begann, die obersten Knöpfe seines Hemdes zu öffnen, sagte er erst einmal nichts, sondern nahm ihre Handgelenke und hielt sie fest. Ihren schwarzen Raubtieraugen konnte er kaum widerstehen, aber das Risiko war zu groß – wenn plötzlich einer hereinkäme, wäre es wahrlich nicht das Beste, das Oberhaupt der Schlangen im Zentrum der Gryffindors und zudem noch in einem ganz anderen, noch behaglicherem Zentrum einer Gryffindor zu erwischen.
Schnell, damit sie nicht reagieren konnte, ließ er ihre Hände los, packte sie unter ihren Po und stand mit ihr aus dem Sessel auf. Automatisch schlang sie ihre Arme und Beine um ihn herum, um sich festzuhalten und ihr begleitendes Quieken überhörte er gekonnt, während er mit einem stummen Spruch die Treppe zu den Mädchenschlafräumen hindernisfrei zauberte. Ihr Protest erstarb und wich einer hochgezogenen Augenbraue, die sie mittlerweile annähernd so gut einsetzen konnte wie er.
„Alle Lehrer kennen den Spruch – für Notfälle. Stumm, versteht sich, damit keiner illegale Unternehmungen macht."
Ihre Augenbraue wanderte noch ein Stück in die Höhe und ihren Kopf legte sie schief. „Als wenn das noch nie jemand herausgefunden hätte..."
„Ach was?"
Auf der Hälfte der Treppe hielt er an und drückte sie mit dem Rücken zur Turmmauer. „Also ist hier schon einiges passiert?", raunte er in ihr Ohr.
„Nicht mit mir..."
„Gut so. Das ändert sich gleich." Er küsste sie hungrig, spielte mit ihrer Zunge und ließ wieder von ihr ab. „Ich kann dich nicht ewig halten. Wo ist dein Zimmer?"
„Oben nach rechts, die hinterste Tür. Die davor ist Ginnys, aber wir haben..."
„Mehr wollte ich nicht wissen." Vielleicht war das ein Fehler, dass er nicht mehr zuhörte, vielleicht auch nicht.
Severus festigte noch einmal seinen Griff unter ihrem Po, stieg die restlichen Stufen hinauf und öffnete mit einem Ellbogen ihre Tür.
Er stellte sie auf ihre eigenen Füße und sah sich kurz um. „Ich war noch nie bei dir."
„Sonst hätte ich es sicher gemerkt."
„Vielleicht auch nicht.", grinste er. „Nein, niemals, keine Angst. Nur bei den Slytherins hin und wieder."
Hermione sah ihn alarmiert an, weil sie gerade so gar nicht klar denken konnte.
„Zur Zimmerinspektion, was dachtest du denn? Du glaubst gar nicht, was man dabei alles findet und sieht danach erst, wie nötig das war. Du hast es dir schön gemacht.", stellte er fest, sah aber gleichzeitig nur sie an und ging auf sie zu, dass sie nur nach hinten zurückweichen konnte. Meinte er jetzt das Zimmer oder...? Bald stieß sie mit den Beinen an ihr breites Bett und fiel nach hinten, was ihn grinsen ließ.
*Jane Birkin & Serge Gainsbourg: „Je t'aime...moi non plus"*
„Du kannst es nicht erwarten, hm?"
„Du hast mich gedrängelt..."
„Was habe ich, Miss Granger?" Mit den Worten zog er seine Festrobe, Schuhe und Socken aus und knöpfte sich das Hemd weiter auf, während sie vor ihm lag und ihn dabei beobachtete. Beinahe hätte sie schon davon gestöhnt, konnte sich aber gerade noch zurückhalten.
Hier lief einiges schief. Sie hatte ihn verführen wollen, nicht umgekehrt, aber er nahm einfach das Ruder in die Hand und sie konnte nur noch ein bisschen Paddeln. „Bitte, wenigstens die...Hose gehört mir." ‚Eine der Ursachen.', dachte sie noch hinterher.
Ohne ein weiteres Wort kam er näher, bis seine Knie gegen das Bett stießen. Hermione rückte näher, spreizte ihre Beine und stellte sie rechts und links neben ihn, während sie langsam mit den Händen an seiner Hose hochfuhr, um am Gürtel Halt zu machen. Der war schnell geöffnet, ebenso elegant die Knöpfe. Es ließ sich ja nicht vermeiden, dass sie immer wieder seiner Mitte einen Hauch von Berührung schenkte, deren verräterische, wachsende Wölbung aus ihrer Enge befreit werden wollte. Langsam streifte sie ihm die Hose ab und er stieg hinaus, woraufhin sie sich an seinen Beinen mit Küssen hocharbeitete und ihre Finger langsam unter seine Shorts schob.
Einen Moment lang genoss er ihre Berührungen, schloss die Augen und legte den Kopf in den Nacken.
„Stopp.", sagte er plötzlich und sah sie an. „Das Bett ist groß genug. Leg dich hin!", befahl er und sie kam dem ganz überrumpelt nach.
Als er sich aufs Bett kniete, ihr näher kam und dabei ihr Abendkleid hochschob, begann ihr ganzer Körper zu prickeln, und dennoch – wie Frauen so waren – meldete sich ihr Kopf.
„Das Kleid..."
„...bringen wir nachher in Ordnung. Jetzt möchte ich auch etwas davon haben. Ich musste es schon den ganzen Abend ansehen und hat mich, zusammen mit den Schuhen, unglaublich..." Seine Worte erstarben und er rutschte soweit über sie, dass er sie küssen konnte.
Als er wieder von ihr abließ, fuhr er mit seinen Händen an den breiten Trägern des Kleides entlang, die gleichzeitig fast das komplette Oberteil bildeten. Vorsichtig schob er sie beiseite und stellte fest, dass sie nichts darunter trug.
„Bei Merlin...", stöhnte er, „...du hast nichts... Wenn ich das gewusst hätte..."
„Was dann?" Sie tat unschuldig, aber lächelte in sich hinein.
Eben beim Hinaufsteigen in den Turm hatte sie auch ihren BH mit einem Schlenker ihres Zauberstabs verschwinden lassen – er musste ja nicht alles wissen und vor allem noch nicht alles sehen. Das hatte sie sich für später vorgenommen – viel später.
„Dann...dann wäre vermutlich etwas sehr Ungewöhnliches in der Halle passiert. Du bist eine wahre Slytherin."
Mit beiden Händen strich er über ihre Brüste, die von der ersten Berührung an schon bis aufs äußerste gereizt waren. Als er sich dann noch hinabbeugte, um sie abwechselnd mit Küssen und kleinen Bissen zu verwöhnen, wand sich Hermione schon unter ihm und versuchte, ihn mit ihren Beinen zu umschlingen, um ihn endlich noch näher zu spüren.
„Severus, bitte...du brauchst...dich...nicht zu...bemühen."
„Ich möchte es aber." Sollte sie doch mal sehen, wer hier die Oberhand hatte – jedenfalls nicht sie, wie sie sich einbildete. Langsam rutschte er tiefer und legte sich ihr linkes Bein über die Schulter.
„Sie werden auf uns warten." Nein, sie selbst konnte nicht mehr warten und versuchte, seine...Aktionen ein wenig zu beschleunigen, koste es, was es wollte.
„Deshalb ja. Sie werden gut ohne uns klarkommen." Seine Küsse zwischendurch waren an ihrem Zentrum angekommen.
„Wie deshalb ja? Bei Merlin, Sev...
Während sie sprachen – gut, dass sie sprachen – hatte sich eine Tür geöffnet, und zwar die zum Nebenzimmer, das nach wie vor nur durch den schweren Vorhang abgetrennt war.
Eigentlich stürmte Ginny immer in irgendwelche Räume, aber im letzten Moment hatte sie noch Stimmen gehört, die sie stutzig machten. Der ganze Turm war doch verlassen, alle waren beim Fest, und doch hörte sie...
‚In meinem Zimmer, oder...bei Merlin...in...Herminoneees...', dachte sie mit schon klopfendem Herzen.
Eine dunkle – noch nicht ganz erleuchtet – und böse – für sie, wenn es denn so wäre – Ahnung machte sich breit, und trotzdem konnte sie nicht anders, als nachzusehen. Immerhin konnte man sich ja täuschen und eigentlich wollte sie nur schnell ihren Lippenstift holen, den sie entgegen Mrs. Tenerhales Warnung doch vergessen hatte.
Sie täuschte sich nicht – und da war es schon zu spät.
Den ersten Moment des Schocks hatte sie blitzschnell überwunden und den dicken Vorhang wieder bis auf einen mikroskopisch kleinen Spalt zufallen lassen. Sie konnte kaum ihre Augen abwenden von dem, was sie sah.
Hermione – so wunderschön, wie sie heute aussah – auf dem Bett mit hochgeschobenem Kleid, das nun wie schwarze Flügel um sie herum ausgebreitet lag und Snape, oooh nein, Severus über ihr – er, mit diesen Händen, die so präzise und so formvollendet den Körper ihrer Freundin verwöhnten, und der Mund, der...
Ginny keuchte in sich hinein und wusste genau, dass es falsch war, was sie hier machte, aber sie fühlte sich in dem Moment so angezogen von diesen Bildern, dass sie sich gar nicht mehr bewegen konnte. Ihr Atem war flach und gleichzeitig hätte sie fast hyperventiliert. Und in dem gleichen Moment sah sie nicht den Professor, sondern nur den Mann, über den sie mittlerweile so viel wusste, wie sie sich niemals hätte ausmalen können. Und das hier war die Bestätigung für all die Worte, die mit soviel Liebe, Bewunderung und Faszination über die Lippen ihrer Freundin gekommen waren. Bei Merlin, sie hatte nicht gelogen, sondern eher untertrieben. Sein Körper, seine seidigen Haare, seine Bewegungen – alles konnte sie nachvollziehen.
Hermiones Atmung war mittlerweile nur noch ein abgehacktes Keuchen. Er verwöhnte sie nach allen Regeln der Kunst und da sie nicht erst seit ein paar Minuten das Verlangen nach ihm hatte, sondern schon seit ihrem Tanz, konnte sie es kaum mehr aushalten. Abwechselnd griff sie nach seinen Händen, die währenddessen unaufhörlich über ihren Körper strichen oder die ihre Brüste aufs Äußerste reizten, oder sie biss sich auf den Finger, sonst würde sie kommen, ohne dass es richtig angefangen hatte. Immer noch dachte sie, dass das hier zwar der Himmel auf Erden war, aber dass sie es sich irgendwie anders vorgestellt hatte.
Davon ließ er sich nicht beeindrucken, sondern trieb sie unaufhörlich auf den Gipfel zu und sie konnte nicht mehr anders, als ihm nachzugeben. Kurz bevor es soweit war, schrie sie seinen Namen und dann...hörte er einfach auf.
„Du kommst…in die Hölle, wenn du nicht weitermachst.", fauchte sie und versuchte, seinen Kopf wieder nach unten zu drücken.
Er lachte leise auf, begab sich auf Augenhöhe und ließ sie sich selbst schmecken, bevor er etwas sagte. „Das hörte sich vorhin noch ganz anders an. Hast du auch was gehört?", fragte er auf einmal, ließ aber dabei ganz nebenbei einen seiner Finger in ihrer Mitte verschwinden. Er war nicht ganz überzeugt davon, ob er wirklich etwas gehört oder ob sich sein wahrlich ab- und umgelenkter Verstand einen Streich erlaubt hatte.
In dem Moment, als Ginny das hörte, sah sie ihr Ende. Keine Hochzeit mehr mit Harry, kein Quidditch, nichts… Er würde sie umbringen, und vorher würde er sie verfluchen bis in alle Ewigkeit. Vielleicht könnte Hermione ihn noch für ein paar Sekunden aufhalten, aber danach…hätte sie auch keine Chance. Mine würde ihr nicht böse sein, das wusste sie, weil sie sich schon etliche Male so gesehen hatten und viele Nächte in einem Bett verbracht hatten – was gab es da noch zu verbergen? Nicht mehr viel. Aber das alles wäre irrelevant, wenn sie nicht mehr lebte. Es kam aber anders und sie hätte fast aufgeschrien vor Erleichterung, hätte sie nicht im allerletzten Moment die Hand auf den Mund gepresst.
„Se...verus, ich werde gleich hysterisch, wenn du nicht...oh Meeerlin..."
„Hört sich so an, als hätte ich es mir eingebildet. Gut, dann kann ich ja weiter..."
„Wag es, und..."
„Entscheiden kannst du dich auch nicht.", kommentierte er und küsste sich ihren Bauch hinab.
„Das dauert schon viel zu lange, und wie ich gemerkt habe, bist du...auch...oooh...nicht gerade abgeneigt."
Ginny lehnte sich an die magische Holzzarge, denn der Vorhang war nur etwa türbreit gezaubert.
Das Bad, das sie sich beide teilten, konnte sie vielleicht ohne ein Geräusch zu machen erreichen, vielleicht auch nicht. Gut, erreichen ja, wenn sie sich vorher ihrer Schuhe entledigte. Das wiederum verursachte auch Geräusche. Dann bliebe noch das Öffnen der Tür, das eigentlich nie ohne irgendein Knarren oder sonst was vonstatten ging. Sollte er sie dabei hören oder gar sehen, würde der Lippenstift sowieso zur absoluten Nebensache. Nein, dann wäre er nicht mehr notwendig – Tote brauchten keinen Lippenstift mehr. So ein verdammtes kleines Ding, und deswegen steckte sie in dem größten Schlammassel seit der Sache mit dem Tagebuch. Oh nein, das hier war schlimmer – kein Harry, der sie retten würde. Niemand, nada. Dabei wäre das hier einen langen Eintrag in ein Tagebuch wert gewesen – in ein geheimes.
Hinzu kam noch der Hauptgrund. Sie war dermaßen abgelenkt, dass sie vermutlich überhaupt nicht laufen könnte, weil sie vergessen hatte, wie das geht. Ihre Knie wurden weich und ihr selbst immer heißer. Der Vorhang war zu, aber diese leisen Töne, die beide von sich gaben, dieses Keuchen und… Bei Merlin, sie musste dringend raus. Wenn jemals jemand sie legilimentieren würde, dann würde sie vor Scham sterben, denn die Situation ließ sie ganz und gar nicht kalt. Im Gegenteil.
Das Kribbeln wanderte von ihrem Bauch aus in tiefere Regionen und wenn das so weiterging, ginge es ihr ganz genau wie Hermione in diesem Moment. Gab es etwas Peinlicheres als das? Einen ihrer Professoren beim Sex zu…hören? Und wieder korrigierte sie sich, so wirr wie ihr war, dass das gerade alles andere als ein Professor war, sondern ein verdammt heißer…
‚Oh ihr Geister des Himmels, lasst mich das nicht ausdenken.', bat Ginny voller Verzweiflung. Wo war Harry, wenn man ihn wirklich brauchte? Unerreichbar! Wenn er doch nur – wenigstens einmal – das auch mit ihr machen würde, für sie machen würde! Das war bis jetzt noch nie der Fall gewesen und sie hatte schon immer wissen wollen, wie das ist. Entweder hatte er sich nie getraut oder erst gar nicht daran gedacht. Es half alles nichts, er war ja nicht hier. Stattdessen ging der Moment – im wahrsten Sinne des Wortes – auf seinen Höhepunkt zu.
Severus ließ nicht locker. Ein zweites Mal trieb er sie unaufhaltsam auf den Gipfel und Hermione schwor Rache. Sie wusste zwar noch nicht ganz genau wie, aber sie würde fürchterlich werden – und je schneller sie dazu kam, desto besser. Vielleicht würde sich ja im Verlauf der Nacht noch Gelegenheit bieten.
„Ich hasse dich!", kam aus ihrem Mund und er lachte leise, was bei ihr einen zusätzlichen Reiz auslöste.
„Na, na, das Höschen nanntest du Gelegenheit, das hier nenne ich meine Gelegenheit – jetzt sind wir quitt.", dozierte er und ließ danach seine Zunge besonders langsam über ihren empfindlichsten Punkt gleiten.
In einem kurzen Augenblick, wo er gerade nicht aufpasste, weil ihn seine eigene, mittlerweile schon schmerzhaft pochende Erregung ablenkte, ließ er ihre Hände los, um ein wenig weiter hochzurücken und ihre Brüste zu kneten. Als dabei auch noch sein im Moment höchst empfindliches Glied durch die Shorts an ihrem Oberschenkel entlang strich, stöhnte er auf und sie nutzte die Chance, sich in seine Haare zu krallen, um ihn hoch und auf sich zu ziehen.
Sein Stöhnen hatte Ginnys Hand ferngesteuert und den Vorhang um einen Millimeter verrückt. Sie wollte das nicht, es war wie ein Zwang – ein ganz furchtbarer. Als sie sah, dass er an den einzigen Stoff griff, den er noch trug, kniff sie die Augen zusammen…
Damit überzeugte Hermione ihn eindrücklich und ein wenig schmerzhaft und er entledigte sich endlich seiner Shorts. Warten war nicht mehr. Schell und heftig versenkte er sich in ihr und musste sofort innehalten. Mit einem wilden Kuss lenkte er sich ab, bevor er sich zu bewegen begann. Mit den Ellbogen stützte er sich neben ihr ab, damit er ihr so nahe wie möglich sein und er immer wieder mit ihren Lippen und ihrer Zunge spielen konnte. Wenn er von ihr abließ, um ihre sowieso schon bis aufs äußerste gereizten Brustwarzen zu verwöhnen, mussten sie beide die Zähne zusammenbeißen, um nicht vor Lust zu schreien. Ihr unregelmäßiger Atem und ihre kleinen Laute, die er so mochte, zeigte ihm, dass sie bald wieder soweit war. Oh ja, er kannte das Gefühl, aber sie hatte ihn dermaßen provoziert, dass er sie ein wenig bestrafen wollte – was ihn natürlich selbst an den Rand der Beherrschung brachte.
„Sev…Seeev… Ich…du…ein bisschen…"
„Deine…Grammatik ist nicht…gerade eindeutig…"
„Bist du…waaahnsinnig, Professor?"
„So…nicht…Miss…Granger.", brachte er in seinem so typischen Ton hervor, der ihr noch mehr Gänsehaut bereitete.
Er zog sich aus ihr zurück, kurz bevor sie beide soweit waren – „Neiiin! Das kannst du nicht…" – drehte sie auf die Seite und zog automatisch ihre Knie hoch in Richtung Bauch. Severus positionierte sich hinter sie und schob sich erneut in sie. Gerade noch konnte er ein Lautwerden unterdrücken, weil ihn die Enge fast alle Kontrolle verlieren ließ. Dadurch, dass Hermiones Beine aufeinander gepresst waren, wurde ihr empfindlichster Punkt noch zusätzlich gereizt und das ließ sie kaum ein paar Augenblicke später seinen Namen schreien.
Von Hermiones Stimme und dem heftigen Pulsieren ihres Innersten überwältigt, folgte er ihr mit einem letzten, kräftigen Stoß, während er ihren Po fest im Griff hatte. Die Wucht seines eigenen Orgasmus ließ ihn beinahe über ihr zusammenbrechen, doch er stütze sich mit den Ellbogen rechts und links neben ihr ab, aber legte seinen Oberkörper auf den ihren, ohne sich aus ihr zurückzuziehen – mittlerweile wusste er ja, dass da noch etwas...kommt. Nachdem sie beide wieder ein wenig zu Atem gekommen waren, blieb er so, küsste sie auf den Hals, auf die Schultern und begann, seine Hüften erneut leicht zu bewegen. Kurze Zeit später merkte er, wie sie sich wieder versteifte und ein zweites Mal kam.
„Bleib!", seufzte sie, völlig hingegeben ihren Sinnen, aber dennoch äußerst nachdrücklich. Er tat wie ihm geheißen und fühlte, wie sie sich ein letztes Mal zusammenzog.
Danach stand er auf und nahm sich seine Shorts.
Ginny war kurz vor Ohnmacht, denn sie bekam kaum noch Luft. Zwischendurch hatte sie sie ganz angehalten, weil es still geworden war, Merlin sei Dank nur kurz. Der andere, weitaus atemberaubendere Grund war das, was sie gehört und – ‚Ich werde in die Hölle kommen.' – kurz gesehen hatte. Ihr standen Schweißperlen auf der Stirn und – ‚Das darf nicht sein, oh Merlin.' – ihr Höschen war auch nicht mehr ganz trocken.
Und dann endlich: Hermione ging ins Bad, um sich die Haare wieder annähernd zu richten und das Make-up in Ordnung zu bringen – zumindest soweit, dass ihr kleines Intermezzo nicht mehr direkt auffiel. Severus lehnte sich derweil an den Türrahmen und beobachtete sie lächelnd, anschließend nahm er sich einen Kamm und machte sich auch wieder vorzeigbar. Mehr als das und mal eben mit einem kleinen Zauber die Knitterfalten aus dem Kleid zu entfernen, machte sie nicht, denn sie wollte etwas von dem Gefühl behalten, von seinem Duft, von…allem etwas.
Das war die erste und einzigste Gelegenheit für Ginny, mit angehaltenem Atem und auf Zehenspitzen aus ihrem Zimmer zu verschwinden. Sie hatte keine Zeit, sich draußen kurz an die kalte Mauer zu lehnen, um sich abzukühlen oder Luft zu holen, sondern musste so schnell wie möglich wieder hinunterkommen. Auf der zweiten Treppe hörte sie schon die Absätze von Hermione – wie gut, dass sie nicht so schnell vorankam damit.
Als Ginny unten angekommen war, hatte die Band gerade noch Pause, denn es war kaum eine halbe Stunde vergangen. Die Eingangshalle war voll, das Hauptportal offen und Viele nutzen die Gelegenheit, sich zu unterhalten oder spazieren zu gehen. Die meisten aus dem Abschlussjahrgang sah sie auf Anhieb – sie unterhielten sich und lachten am Rande der Treppe, wollten gerne weiterfeiern und warteten auf die Musik, nur Harry sah sie erst einmal nicht. Ihre Eltern, die Grangers und noch einige schienen auch nicht da zu sein, vielleicht machten sie einen Rundgang auf dem Gelände. Viele jüngere Schüler wuselten umher und versuchten, die 22-Uhr-Deadline zu umgehen oder zu ignorieren, indem sie nach draußen ins Halbdunkel verschwanden. Manche waren aber auch vorbildlich und gingen hinauf oder hinunter in ihre Schlafräume.
„Hey Ginny, alles klar bei dir, du hast so einen roten Kopf.", fragte Dean, mit dem sie sich immer noch so gut verstand. „Hier, trink, das wird dir gut tun. Was hast du gemacht?" Er reichte ihr ein Glas Sekt.
Sie konnte keine klaren Worte herausbringen, weil ihr Gehirn fast Amok lief.
‚Sie werden mich umbringen, wenn sie das erfahren. Bei Merlin, was hätte ich denn machen sollen…was…bei allen Geistern, ich hab das…oh neiiin...'
Aus Spaß hatte sie immer sowas in der Art gesagt oder Hermione damit reizen wollen, aber…
„Ääähm, jep, alles…gut, äh, ja. Und...ich...bin schnell zum Turm und wieder runter, deshalb."
„Na, das war ja mal ne klare Ansage.", scherzte ihr Ex-Freund, knuffte sie liebevoll in die Seite und kicherte. „Und ja, du warst schnell – für ne Hundertjährige. Ich hab gesehen, wann du hochgegangen bist! Wenn ich's nicht besser wüsste… Aber nein, Harry wollte ja mal zur Toilette und noch was zu trinken holen. Er hat dich gesucht."
„Was wenn du es nicht besser wüsstest? Immer diese bösen Gedanken, tz.", konterte Ginny und trank den Sekt auf ex.
Wenn Dean nur wüsste, wie viel schlimmer und tiefer ihr Erlebnis gegangen wäre, wäre er vermutlich schreiend nach draußen gelaufen. Aber sie hatte doch nicht wissen können, dass ausgerechnet dann…
‚Bei Slytherin's Salazar', sie hatte das Elitevögeln beobachtet und ihr wurde schwummrig!
Seamus kam dazwischen und vielleicht war es gut. Oder nicht, denn das Thema war das gleiche.
„Na, das war ja ein Auftritt von unserer Mine, was? Und dann der absolute Hammer – Snape tanzt! Bei Merlin, was ist denn bloß in den gefahren? Festrobe, tanzen…"
‚Was in IHN... Hör auf, du Stimme, das ist doch kein PWP!', redete sie mit sich selbst in Gedanken. „Hast du noch ein Glas, Dean, ich brauch noch was!", warf Ginny ein, diesmal laut.
„Äh, ja klar. Hey Seamus, bring mal ein Glas mit – Ginny braucht es gerade.", rief er und einige kicherten.
Sie rieb sich die Schläfen. Das wurde ja ein Alptraum…und er war noch nicht vorbei.
Bald bekam sie, was sie brauchte und hielt sich den eiskalten Glaskelch an die Wangen und anschließend an die Stirn. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Hatte denn wirklich keiner aus der Clique den Kuss mitbekommen? Gut, er war gegen Ende des letzten Tanzes vor der Pause gewesen und manche waren schon nach draußen gegangen, aber… Sowas sprach sich doch sonst immer rum. Sie konnte nicht mehr.
„Äh, Dean, ist euch nichts…Ungewöhnliches aufgefallen, hm, Dean?"
„Doooch, das war voll geil. Ich glaub, Snape hat McGonagall einen Schock versetzt beim Essen. Er hat so getan, als küsste er Hermione und sie… Hast du ihr Gesicht gesehen? Ich glaub, nach den ganzen Jahren ist es seine Art von Rache, was?"
„Deaaan! Sonst seid ihr doch so auf Zack, klingelt da nix?"
„Was klingelt?", fragte Seamus.
In dem Moment kamen die Mädels – das hatte gerade noch gefehlt. Lavender, Padma, Parvati, Luna und ihr neuer Freund.
Lavender quasselte drauf los. Klar, dass Hermione das Gesprächsthema Nummer eins war. „Was für ein Abend, man kann's ja nicht glauben. Ich meine, hast du das gewusst, dass Hermione so aufkreuzt? Sie muss ja einen Slytherin haben, das haben wir uns zusammengereimt. Und deshalb ist sie sicher auch so dicke mit Snape." Sie machte ein entsprechendes Zeichen mit den Fingern.
Ginny hätte am liebsten ihren Kopf an die Wand gehauen. (A/N: Das kannst du gleich, warte noch ein wenig, bis du einen besseren Grund hast.)
„Äähm, haaabt ihr nicht zufällig gesehen, was sonst noch war?"
Lavender begann ihren Vortrag – sie liebte es ja, im Mittelpunkt zu stehen.
„Doch, der Handkuss war ja schon krass, aber wow…der Kuss – dass das so ein guter Schauspieler ist… Seamus meinte vorhin, er hätte sich sicher damit am Kollegium rächen wollen für all den ganzen…Mist. Und der Tanz? Oh man, die Arme, McGonagall hat sie gewiss gezwungen oder so. Oder nein, das würde sie doch nicht. Jedenfalls… Aber man hat Hermione noch nicht mit ihrem Freund gesehen. Wir sind uns sicher, dass es ein Slytherin ist – nach eingehender Beratung, wie gesagt. Man, als sie mit Malfoy tanzte, blieb uns fast das Herz stehen, aber der hat ja ne andere. Und deshalb konnte Snape sie sicher... Und ihr Freund war deshalb nicht sauer, weil er ja dessen Hauslehrer dann ist."
Ginny konnte die kollektive Dumm- und Blindheit nicht fassen.
„Was quatscht ihr da für zusammengereimtes Zeugs ohne Punkt und Komma und wichtigeren Satzzeichen. Hattet ihr Hühner nichts Besseres zu tun zwischendurch? Kümmert euch drum, dass ihr auch einen abkriegt."
„Jaja, Ron krieg ich schon. Das ist ja sicher kein Problem mehr. Mal sehen, was noch so läuft heute Abend.", sagte Lavender mit Überzeugung und Ginny biss die Zähne zusammen. Trotzdem musste sie zugeben, dass es ja auch schon ein Jahrhundertereignis war und man nicht auf diese Kombination kommen könnte, weil man gewisse Dinge einfach nicht sehen, wahrhaben oder kombinieren konnte, und – weil man im schlimmsten oder abwegigsten Traum nicht daran denken würde.
Unbedacht stöhnte sie. „Habt ihr nich mal alles zusammengenommen betrachtet?, fragte sie gedehnt.
„Sie ist mit Snape zusammen.", warf Luna wie beiläufig ein und schaute mit einem leicht entrückten Blick und einem Lächeln zur Decke der Eingangshalle. „Ist das nicht schön?" – Man wusste nicht, was sie jetzt meinte. „Es ist Sommer, das Leben wird anders."
Diesmal waren sich die meisten einig: Sie war endgültig übergeschnappt. „Der Kuss war traumhaft."
„Lunaaa, das hatten wir schon.", meinte Seamus trocken, während die anderen wie vom Donner gerührt dastanden, weil sie nicht wussten, ob es ein Hirngespinst oder vielleicht doch die Wahrheit war. Sie hatte es so echt gesagt.
„Was hattet ihr?", fragte Ginny.
„Na, Snape und Mine, haha, voll krass, was? Aber dann waren wir ja ganz schlau: Der Patronus! Den haben wir doch alle gesehen. Snape hat keine Schneegans, weiß doch jeder. Aber dass es ein Feind sein muss, da sind wir uns einig."
„Ja.", stimmte Lavender zu. „Eindeutig Slytherin, wie gesagt."
„Feind?", stöhnte Ginny und sie hasste es. „Die Zeiten sind vorbei!"
„Jaaah, wissen wir, war nur Spaß. Das Komische ist nur, keiner von denen hat sich zur Patronus-Prüfung gemeldet, wir dachten eigentlich, die können das nicht. Aber vielleicht sollte es ja keiner sehen. Das wär ein Grund. Man, ist das verzwickt."
„Hat sie Angst oder warum zeigt sie sich nicht mit ihm? Du musst doch was wissen, Ginny!", meinte Parvati und war unsagbar neugierig.
„Ja, ich weiß es, und wenn ihr alle so seid, werde ich schon gar nichts sagen. Ihr werdet es wohl hoffentlich noch kapieren und es ist Mines Sache, und wenn ihr das dann nicht akzeptiert, kündige ich euch allen die Freundschaft. Vorher mache ich euch allerdings zur Schnecke, damit das mal klar ist."
„Uiui, komm, Gin, beruhige dich. Wir bleiben Freunde, das haben wir uns geschworen nach den Prüfungen. So schlimm kann's ja nicht werden." Dean schlang einen Arm um ihre Schultern und drückte sie.
„Wenn ihr alle so doof seid…" Die letzten zwei Worte gingen ein wenig unter. Die Musik fing wieder an und etliche Leute kamen rein und gingen in die Große Halle. Trotzdem waren noch Viele draußen oder unterhielten sich hier und da.
*Alice Cooper: „Sideshow"*
I ain't got no fun today
I need a sideshow, some kinda creepshow
I just want to step inside, I want a scary ride
See Jeckyll turn to Hyde
Ron kam auf sie zugelaufen, ganz außer Atem.
‚Das fehlte auch noch zu meinem Glück.', dachte Ginny. Aber schließlich musste er ja irgendwo sein.
„Gin, hast du Mine gesehen? Ich suche sie und kann sie nicht finden, die ganze Zeit schon. Ich wollte nochmal mit ihr reden und…"
Sie zog ihren Bruder beiseite. „Ron, so geht's nicht weiter. Hast du es immer noch nicht verstanden? Sie hat einen Freund, sie ist vergeben, sie hat eine Beziehung, sie…mir fällt nix mehr ein."
„Doch, aber wenn sie sich nicht mit ihm zeigt, will er es entweder nicht oder ihr ist es peinlich, weil er ein Slytherin ist – sagte ja alle und sieht ja auch so aus. Ausgerechnet einer von der Schlangenbrut! Wie konnte das denn bloß passieren? Warum haben wir nichts gemerkt oder es nicht verhindert…verdammt." Er sah richtig verzweifelt aus.
„RON!"
„Ist doch wahr. Oder ihm ist es peinlich. Noch schlimmer. Aber was auch immer stimmt – beides ist doch keine Grundlage für eine Beziehung." Das letzte Wort spuckte er wieder wie eine Schnecke aus. „Dann ist es eben noch nichts Festes und ich hab noch eine Chance.
„Bruder, sie hat sich mit ihm gezeigt und er hat ihr den Schmuck geschenkt, das sind echte Steine! Grundlage genug, oder?" Sie blieb nur so ruhig, weil sie das Sektglas in der Hand hielt und sich krampfhaft daran klammerte – genauso krampfhaft wie Ron an den nichtvorhandenen Strohhalm.
„Ach Quatsch, sie hat bis jetzt nur mit Snape, der Oberschlange getanzt. Bah. Wie konnte sie nur, oder er? Das hat der doch nie gemacht, was sollte das? Oh maaan. Der hat sie bestimmt unter seinem Imper..."
„JA MAN, ER HAT SIE UNTER SICH, aber anders als du denkst." Ginny wurde laut und manche drehten sich wieder ganz interessiert zu ihr. Es war ja nicht nur so, dass sie gereizt war. Doch, war sie doch, und zwar auf zweierlei Arten. Gereizt und...gereizt eben. Und wenn sie jetzt wählen könnte, wäre sie auch irgendwo unter... – vorzugsweise unter Harry. Wo war er, wenn man ihn brauchte? – Auch auf zweierlei Art.
In dem Moment kam zu allem Überfluss auch noch Draco Malfoy mit Gefolge von einem Spaziergang wieder rein. Da Ginny und die anderen an der Treppe standen, hatte er es mitbekommen, die Ohren gespitzt und verstanden, dass da etwas im Gange war.
„Geht schon mal, ich komm gleich nach.", wies er Goyle, Crabbe und ein paar Mädchen an. „Ich komme gleich, Astoria-Baby, geh."
Astoria-Baby maulte ein wenig, aber gehorchte. Es gab nichts Interessantes zu sehen und schon gar nicht mit Gryffindors, Ravenclaws und lauter unbedeu...unbekannten Erwachsenen. Draco rollte innerlich mit den Augen. Tat sie nur so, weil sie dachte, er würde es so wollen oder war sie wirklich so oberflächlich? Das müsste er dringend herausfinden, aber jetzt galt es, sich anderen Dingen zu widmen.
Aus dem Augenwinkel sah er nämlich Snape die Treppe hinunterkommen, hinter ihm Hermione. Nachdem er kurz gestutzt hatte, klappte ihm der Unterkiefer runter. Warum kamen die beiden von oben runter? Und dann sah er die Weasleys sich fast zoffen und er begann, sich einen Platz an vorderster Front freizumachen.
Was hatte die Rothaarige gerade gesagt? Unter ihm? ‚Bei Slytherin...', dachte Draco, ‚...mein Timing ist wie immer perfekt.'
Er klimperte mit den Galleonen in der Hosentasche und grinste diabolisch, bereit für die...Show.
„Wie unter sich? Hat der sie etwa zu was gezwungen? Musste sie für ihn arbeiten, damit sie ein O mit Sternchen bekommt? Aber..."
Ron rotierte fast und Snape war schon auf der letzten Treppe, was Ginny nicht gesehen hatte. Eigentlich waren die beiden ja relativ hinter ihr gewesen, aber sie hatten sich zwischendurch noch ein wenig mit küssen aufgehalten.
Das Dilemma nahm seinen Lauf, Ginny schrie ihre...Anspannung heraus:
„Bei MERLIN VEDAMMT NOCH EINS! JA, ER HAT IHR SCHON ETLICHE STERNCHEN BESCHERT. SIE SIND EIN PAAR! SIE – HABEN – SEX, VERSTEHST DU?", brüllte Ginny durch die Eingangshalle und hatte etliche Augen und Lacher auf ihrer Seite. Allerdings interessierte es eigentlich jeden, der es gehört hatte und die wildesten Spekulationen machten die Runden, da dieser Satz an einem solchen Abend nicht ein so ganz abwegiges Thema beinhaltete.
Das Beste oder Schlechteste an der ganzen Szene war – je nach dem, aus welcher Perspektive man es sah oder wer man war – dass Snape mit Hermione im Schlepptau gerade am Rand der letzten Treppe angekommen waren und sie Ginny gehört hatten.
Nach Hermiones rotem Kopf zu urteilen wusste die ganz genau, was gerade besprochen wurde, und Severus ließ sich nichts anmerken. Cool wie immer rauschte er auf den Ursprung des Unterhaltungsprogramms zu und zog einen Mundwinkel hoch, als er Ginny ansah. Die biss sich auf die Lippen, konnte aber dennoch kaum ein Grinsen unterdrücken. In dem Moment hatte sie gar keine Angst mehr vor Snape, denn Snape war nicht existent, nur der Mann, den sie beim Elitev... ‚Halt die Klappe, du böse, böse Stimme.'
Ron war stinkwütend auf seine Schwester, weil sie ihn erstens so angeschrien hatte und zweitens, weil sie ihm aufbinden wollte, dass angeblich seine Hermione mit Snape zusammen war.
Nun, Ginny hatte es nicht geschafft, vielleicht konnte der Professor es Ron noch ein wenig deutlicher machen.
„MISS WEASLEY!", begann er in lehrerhaftem Ton, „Leider stimmt ihre Grammatik nicht ganz."
„WAS?"
„Das heißt wie bitte."
„Wie bitte?"
„Nun, ihre Aussage war nicht ganz korrekt."
„SIEHST DU, du blöde...Nuss. Was soll das alles? Nichts stimmt. DAMIT MACHT MAN KEINE SCHERZE!" Ron schaffte es, gleichzeitig entnervt, erleichtert und verärgert zu klingen. Gleich würden noch ein paar andere Gefühle hinzukommen.
„Ich sagte, nicht ganz, Mr. Weasley. Schon im Unterricht passten sie nicht auf, und jetzt nicht einmal hier. Hören sie gefälligst richtig zu, wenn man mit ihnen redet."
Ron zuckte mit den Schultern und nickte Richtung Ginny. „Was stört mich jetzt noch ihre GRAMMATIK?"
„Das sollte es, denn korrekt wäre gewesen: Sie HATTEN Sex."
Ginny, völlig überrumpelt von Snape und seiner Reaktion, merkte nicht mehr, dass es Snape war. Sie blickte zu ihm auf und sah wieder nur den Mann vor sich, der gerade...der gerade...der...dessen...
„Ich weiß."
„WAS...WIE BITTE?", fragte er schockiert und drehte sich langsam und bedrohlich zu ihr herum.
Und da merkte sie ihren Fehler und wurde knallrot im Gesicht – noch mehr, als sie sowieso schon war.
„Ääähm, ich weiiiß, dass...äh...meine...meine Grammatik nicht immer korrekt ist...äh, Sir."
Er zog die Augenbraue hoch. „Ach tatsächlich, Miss Weasley?" Sein Blick war durchdringend und sie fragte sich schon, ob er gerade in ihrem Kopf war. Aber da wandte er sich schon ab und drehte sich erneut zu Ron, der mit geballten Fäusten dastand.
„Oh entschuldigen sie, Mr. Weasley, ich habe ihnen noch keinen schönen Abend gewünscht und mich stattdessen um die Grammatik ihrer Schwester gekümmert. Nun, wie ich gerade sagte, bisher war ich, nein, Verzeihung, falsche Grammatik meinerseits, waren WIR...anderweitig beschäftigt, um ihnen einen solchen zu wünschen."
Snape grinste von oben herab und man konnte ahnen, dass es ihm sichtlich Spaß machte. Wenn schon alles dahin war mit der Geheimhaltung, dann eben wenigstens richtig. Dabei machte er einen Schritt auf Hermione zu und ließ seine Hand an ihrem Rücken entlang wandern, was aber nur die wenigsten sehen konnten, da sie vor der halb hohen Säule des Treppengeländers stand.
„Was...was...w-w-was soll DAS denn bedeuten?", stotterte Ron und starrte Snape an.
„Tja, ich meinte es eher generell, aber er meinte wohl eher den...Moment.", erklärte Ginny und grinste noch breiter. Der Auftritt von ihrem nunmehr ehemaligen Professor und künftigen...Bekannten war genial gewesen – sie fand ihn genial.
Hermione war ganz perplex und schaute wie beim Tennis zwischen Ginny, Ron und Severus hin und her. „Was machst du da?", zischte sie zu Severus, aber der reagierte nicht.
„Hey...Süße...entspannter Abend, hm?", meinte Ginny strahlend zu ihrer Freundin und die nickte nur ganz abwesend – und Ron hörte abwesend zu.
„VON WAS REDET IHR EIGENTLICH?", fragte Ron fassungslos.
„Von Sex. Immer noch."
„Wer soll hier..."
„Haben wir doch gerade gesagt. Ich sagte dir sie haben Sex und er ...", dabei zeigte sie auf Snape, „...sagte, sie hatten Sex."
„Seid ihr alle wahnsinnig? Und wieso redet ER darüber...MIT EUCH, und MIR?"
Mit offenem Mund starrte Ginny erst ihren Bruder an, dann Hermione, und dann ging sie zur nächsten Säule, stieß ihren Kopf dreimal langsam dagegen und kam wieder zurück.
„Bruder...", begann sie und zeigte mit dem Finger auf ihre beste Freundin.
„Das ist Hermione, sie hat einen Freund..."
„Ja weiß ich."
„Sie hatte gerade Sex. Mit ihm." Dabei nickte sie in Richtung ihres ehemaligen Professors.
„Mit ihrem Freund? KANN NICHT SEIN, WO IST ER DENN, WO WAR ER DENN DEN GANZEN ABEND? Außerdem hat Snape gerade was von DEM Thema gesagt, nicht SIE!"
Diesmal ließ Ginny den Kopf auf Hermiones Schulter sinken und schüttelte ihn hin und her.
„Lass gut sein, Ginny."
„NEIN! Ich kann nicht mehr. Mein Blutdruck ist auf 360, ich habe Kopfschmerzen, mein Puls geht 901 mal pro Sekunde. Es geht nicht."
„Kann ich dir helfen?", fragte Ron trocken und Ginnys Augen weiteten sich ins Unermessliche.
„AAAAAAAAAAAAAH.", schrie sie durch die ganze Halle. „Das hat gut getan." Jetzt sprach sie ein wenig leiser, dass nicht unbedingt ganz Hogwarts etwas hörte.
Harry kam aus Richtung der Toiletten wieder in die volle Eingangshalle. Auf dem Weg hatte er sich mit irgendeinem aus der Sechsten über Quidditch festgeredet. Erst als er sich etwas hindurchgedrängelt hatte, erblickte er seine Freunde mitsamt Snape in einem ungeordneten Haufen am Rande des großen Flures stehen.
„Du hast ne Show verpasst, Harry.", stellte Seamus fest und nickte mit dem Kopf zu Snape, Ginny und Ron.
„Was denn?"
„Ginny, deine Freundin,...echt ne coole Socke. Wissen wir ja, aber so? Hat durch die Eingangshalle gebrüllt, dass irgendwer gerade Sex hatte und hat immer hier und dorthin gedeutet. Aber ich glaub, die Show ist noch nicht vorbei. So ein Mist, wir haben gerade mit ein paar Ravenclaws gequatscht, als Ginny losbrüllte."
„Wer? Über wen...", fragte Harry extra dumm und wusste sofort, dass er einen Fehler gemacht hatte. Von denen, die in seiner Nähe standen, kam nur ein Paar infrage, und zwar Hermione und...
„Na, das ist die Frage. Ich steh hier, weil ich wissen will, wie es ausgeht und vor allem, von wem die Rede ist. Glaube, Mine ist beteiligt, wenn man nach ihrer Gesichtsfarbe geht, aber außer Malfoy seh' ich keinen Slytherin, der infrage käme, der ist das doch nicht! ", lachte Seamus und konnte sich nicht mehr einkriegen.
„Ach komm wieder rein. Du auch, Dean."
„Bist du wahnsinnig? Der Spaß ist hier draußen. Wir wollen es jetzt endlich wissen."
Jetzt konnte Harry nur noch hoffen, dass es keine Toten geben würde – emotional Tote oder...so.
„Snape ist außer Malfoy der einzige Slytherin hier gerade.", stellte Dean daraufhin ganz trocken fest und hätte er sich selbst ansehen können, hätte er sich geschockt angesehen, denn das taten die anderen, die mittlerweile alle noch näher gekommen waren.
Die Mädchen holten kollektiv Luft und alle schienen wie von allen guten Geistern verlassen.
‚Snape?', formten die meisten tonlos mit den Lippen.
Severus stand immer noch dabei, ein wenig hinter Hermione und er konnte sich nicht erklären, warum er nicht einfach ging. Entweder war er fasziniert oder gleichzeitig geschockt von Ginny, oder ihm machte es Spaß oder er konnte die grenzenlose Begriffsstutzigkeit von Weasley nicht fassen. Vielleicht waren es auch alle drei Gründe gleichzeitig. Vermutlich ja.
„Was ist denn hier los?", sagte Minerva zu Jean. Sie kamen gerade von einer kleinen Runde draußen wieder herein. Sie hatte ihr ein wenig das Gelände gezeigt, nachdem sie beschlossen hatten, sich ein wenig die...den Whisky zu vertreten.
Mit ein wenig Abstand zu dem kleinen Auflauf blieben sie stehen. Ein Glück, dass drum herum noch etwas los war und die Aufmerksamkeit nicht nur auf den Hauptakteuren lag. Die Musik tat – Merlin sei Dank – einiges dafür.
„Komm mal näher, Bruder."
„Shhhht...". Seamus machte ein Zeichen. „Es geht weiter.", zischte er.
Ron ging zu seiner Schwester, sie fasste ihn an der Schulter, ließ nicht los, und drehte ihn herum, dass er Hermione und Snape sehen konnte. Warum die nichts dagegen taten, wusste hinterher keiner mehr so genau – Severus sowieso nicht – immer noch nicht.
Ron verzog das Gesicht vor Schmerzen, weil Ginnys Griff verdammt fest war und ihr Grinsen, dass ihn an eine Rachegöttin erinnerte, tat nicht minder weh – innerlich.
Allerdings sprach sie mit zuckersüßer Stimme, und das machte ihm am meisten Angst.
„Gut, du wolltest es nicht anders. Ganz langsam und von ganz vorne: Ron, schau. Darf ich vorstellen: Das ist Hermione, unsere Freundin. Klar soweit?"
„Willst du mich wieder verarschen?"
Sie verfestigte ihren Griff und Ron jammerte vor Schmerzen. „Ok, dahinter, das ist Professor Snape. Schon mal gesehen?"
„Boaaah..."
„Still. Ok soweit. Hier geblieben! Hermione nennt ihn, Professor Snape, Severus, das ist sein Vorname. Sie nennt ihn Severus, WEIL ER IHR FREUND IST, CAPIIIIICHE?" Sie schrie ihm direkt ins Ohr.
„WAS?"
„DAS ist der Freund, dessen Existenz wir dir seit Wochen VERINNERLICHEN wollen!"
„WAS?"
„RON!"
„DAS KANN NICHT SEIN!"
„WIE sollte man sonst jemanden nennen, den man liebt, mit dem man..."
„Sagst du mir gerade, DIE BEIDEN haben..."
„JA VERDAMMT, sie hatten Sex, sie haben gerade gevögelt, sie..."
„DANKE, MISS WEASLEY! DAS WAR DEUTLICH GENUG!", blaffte Severus und konnte sich das Grinsen nicht mehr verkneifen.
„Entschuldigen sie, Sir.", sagte sie höflich und in normaler Lautstärke, als sei sie im Unterricht und hätte einfach nur die Zutaten eines Trankes aufgesagt.
„WIESO?", schrie Ron.
„WEIL ES IHNEN SPASS MACHT, VERDAMMT, WEIL SIE AUFEINANDER SCHAR..."
„MISS WEASLEY! ES GENÜGT JETZT!", brüllte Snape dazwischen.
„Es ist Snape, es ist tatsächlich...Snape.", sagten die Zwillinge im Chor und hielten ihr Sektglas so, dass sich der Inhalt auf den Boden ergoss.
„Sagte ich bereits.", säuselte Luna dazwischen und strahlte in höheren Sphären.
Seamus und Dean konnten es auch synchron: „Wie geil ist DAS DENN?" Wären sie die Weasley-Zwillinge gewesen, wäre es noch eine Nummer größer geworden. Nach den ersten zwei Sekunden der Überraschung hätten sie mit diabolischer Freude die ersten Wetten auf ihren Bruder angenommen.
Malfoy hielt sich den Bauch vor Lachen und ließ Ron und Snape nicht aus den Augen.
„HALT DIE KLAPPE, SCHWESTER! WIESOOO ER? WIESOOO? HERMIONE?", schrie Ron und zückte den Zauberstab.
Severus schaute entnervt, aber keineswegs überrascht oder alarmiert gen Schlossdecke. So etwas hatte er kommen sehen.
„Ach du liebes Bisschen!", kam es aus Jean und Minerva heraus und die Schulleiterin zückte ebenfalls ihren Zauberstab.
„Lass mal stecken, Minerva, ich mach das schon."
„Das kannst du nicht, JEAN! Wenn es zu Flüchen kommt..."
„Ich kann auch fluchen.", gab sie zurück und setzte sich in Bewegung.
tbc
A/N:
Na, ihr Lieben, war euch auch heiß und kalt zwischendurch, aus welchen Gründen auch immer? *g*
Mehr will ich ja auch gar nicht wissen oder sagen...außer...
Falls ihr...wie soll ich sagen...wissen wollt, was aus so einer Kleinigkeit wie einem vergessenen Lippenstift noch hätte werden können...könnt ihr mal in den kleinen Oneshot reinlesen, den ich - wenn ich mich traue - Samstag als Late-Night-Special hochlade für euch, meine Liebsten, da draußen... ;o)
VLG KeyMagic, die eine Runde Sekt ausgibt, wahlweise auch einen Scotch.
