Kapitel 28

Hals über Kopf rannten sie den Flur entlang, immer der anderen Gruppe hinterher. Was auch immer passiert war, sie mussten das Gebäude verlassen. Für Izaya ging das alles zu schnell und er fragte sich unweigerlich, ob es wirklich das Richtige war, das sie hier taten oder ob sie gerade ihr Todesurteil unterschrieben hatten.

Jetzt war es jedoch zu spät Einwände darüber zu äußern...

Kizami´s eiserner Griff um sein Handgelenk, als er ihn hinter sich herzog, lockerte sich in keiner Sekunde und trotz der höllischen Schmerzen in seinem Knöchel, blieb ihm nichts andres übrig, als weiterzulaufen.

Nur noch dumpf hörte er das Läuten einer Glocke, dass wie ein Timer immer lauter zu werden schien.

„Da vorne ist der Ausgang!" rief der Junge, der wohl als eine Art Anführer fungierte. Als einer der ersten hatte er die Tür bereits erreicht und riss sie auf. Draußen peitschte immer noch der Regen, aber dass war ihnen egal und jetzt verstand auch Izaya. Denn kaum hatte er das Gebäude verlassen, schien mit diesem etwas zu geschehen. Er konnte es selbst nicht erklären, aber er wusste, dass er sterben würde, wenn er jetzt noch einmal dort hinein gehen müsste.

„Alles in Ordnung?" erkundigte sich Kizami, der wohl doch ein schlechtes Gewissen hatte, dass er ihn so durch die Gegend gezerrt hatte.

„Werd´s überleben."

„Und jetzt?" fragte Shinra, „können wir jetzt endlich hier weg?"

Wie sich herausstellte, war es erschreckend einfach, wieder in ihre Welt zurückzukehren, der einzige Haken war nur, dass sie noch das Stück Papier besaßen, dass sie am Anfang des Rituals abgerissen hatten. Es grenzte wohl an ein Wunder, dass niemand von ihnen es verloren hatte. Vor allem Kizami, der von ihnen wohl am längsten hier war...

„Alle soweit?"

Die Frage blieb offen im Raum stehen, als sie das Ritual, dass sie hierher gebracht hatte, wiederholten.

Ein helles Licht umgab sie, als die Umgebung sich langsam veränderte. Izaya erkannte den Ort sofort wieder. Es war Shinra´s Labor.

Inzwischen kam es ihm wie eine Ewigkeit vor, dass er es das letzte mal gesehen hatte. Wieviel Zeit wohl hier vergangen war?

Und dann waren er und Shinra plötzlich allein...

„Scheint als ob jeder dorthin gebracht wurde, wo das Ritual stattgefunden hatte."

Wie zu erwarten, verhielt sich Shinra kurz darauf wieder so, als wäre all das niemals geschehen. Wenigstens ignorierte er Izaya´s Verletzungen nicht und flickte ihn so gut es ging wieder zusammen.

Für die nächste Zeit würde er sich ein wenig zurückhalten müssen und Shizuo so gut es ging aus dem Weg gehen...Nicht dass das sonderlich schwierig war.

Und doch spürte er eine gewisse Leere, die er einfach nicht verdrängen konnte. Er musste nur die Augen schließen und er sah das Gesicht des Mannes vor sich, mit dem er zusammen in dieser Hölle war...Kizami...

Seit seiner Rückkehr hatte er nichts mehr von ihm gesehen oder gehört und trotz der Tatsache, dass er alles verleugnete, musste er zugeben, dass er ihn doch ein wenig vermisste. Ihm blieb nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass er es sicher nach Hause geschafft hatte. Wahrscheinlich war Izaya für ihn sowieso nicht mehr als ein Zeitvertreib gewesen, schließlich hatte niemand sagen können, ob sie das überlebten oder nicht. So gesehen konnte er ihm nicht mal böse sein.

Und doch...

„Wenn du den ganzen Tag nichts anderes vor hast als elendig in einer Ecke zu sitzen, kannst du deinen Arsch auch nach draußen bewegen. Frische Luft hat noch niemandem geschadet."

Shinra, der sich das Elend nicht mehr mitansehen konnte, verfrachtete ihn kurzerhand vor die Tür. Doch was er jetzt machen sollte, wusste er trotzdem nicht. Selbst seine geliebten Menschen konnten ihn momentan einfach nicht aufheitern.

„..."

Er setzte sich auf eine Treppen, von der man einen guten Überblick über die Stadt hatte und beobachtete die Leute, die an ihm vorbeigingen.

„...?"

Das Display seines Handy´s leuchtete auf.

Um diese Tageszeit rechnete er normalerweise nicht mit irgendwelchen Nachrichten, was ihn umso neugieriger machte. Hoffentlich war es nicht nur wieder irgendwelche Werbung...

„Was zur...?!"

Die Nachricht ließ keinen Zweifel übrig. Und plötzlich fiel ein Schatten über ihn.

„Schön zu sehen, dass du mich doch ein wenig vermisst hast."

Und wie er das hatte.