Author's Note: Sooorry fürs lange Warten _ Schule war anstrengend aber letztendlich... HAB ICH MEINE MATURA MIT AUSZEICHNUNG BESTANDEN! YAAAY :P Lächelt ihr jetzt auch? Naaaa, lächelt ihr jetzt auuuuch? Naaaa? Ja. Ihr lächelt. ;) Ok, jetzt aber das neue Kapitel ^^ Viel Spaß :D
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/Backdoor (pt 1)/
"Lungenkrebs?! Aber sie hat doch noch nie geraucht!"
Alan war richtig aufgebracht. Doch er konnte sich selbst gar nicht erklären, wieso er den Arzt so forsch anging. Immerhin war es nicht seine Schuld. Im Gegenteil: Er versuchte bestimmt sein Bestes, um Susan zu helfen.
"So etwas kommt leider nicht nur bei Rauchern vor. Es ist zwar selten, aber hin und wieder gibt es eben Ausnahmen. Zum Beispiel könnte es sein, dass der Auslöser in diesem Fall ihre Gene sind."
Währenddessen saß Flynn stumm daneben auf einem Stuhl und starrte auf den Boden. Er konnte es nicht vergessen. Ihren Blick. Das Blut. Ihren zitternden zierlichen Leib unter seinen Händen. Seine beste Freundin war vor ihm zusammengebrochen und nun wurde er die Bilder dieses Vorfalls nicht mehr los.
Er ist die ganze Zeit bei ihr gewesen. Hat ihr im Krankenwagen die Hand gehalten, obwohl er nicht wusste ob sie es überhaupt spüren würde wenn sie immer noch ohnmächtig war. Er war der von Sanitätern gerollten Trage schnellen Schrittes gefolgt, bis sie in die Notaufnahme geführt wurde. Dort hatte man ihm versichert, dass Susan außer Lebensgefahr wäre und, dass man sich darum bemühen werde herauszufinden was los war. Er hatte sofort Jordan angerufen und ihr gesagt, dass er heute die Nacht im Krankenhaus verbringen werde. Danach hatte er bei Alan angeläutet. Als er ihm die Situation geschildert hatte, war dieser sofort aufgebrochen und in weniger als 15 Minuten im Krankenhaus.
Flynn war nun sehr müde, also überließ er Alan den Wutpart. Er war selbst auch wütend, aber nichts konnte seinen Schock verdrängen. Er sah auf seine Hände und erinnerte sich wieder an den Ausdruck auf Susan's Gesicht als sie ihre angesehen hatte.
"Wir müssen noch ein paar Tests machen, aber alles deutet darauf hin, dass Miss Gifford schon in einem fortgeschrittenen Stadion ist. Zum Beispiel ..., der Bluthusten. Hat sie jemals über Schmerzen in der Brust geklagt?"
"Nein, verdammt, sie hat sich nie beklagt! Sie hatte zwar oft diese Hustenanfälle, aber sonst war alles in bester Ordnung. Ich dachte sie hätte einfach nur sowas wie... Asthma!" "Nun, es ist auf jeden Fall tragisch, dass sie nicht früher zu einem Arzt gegangen ist..." Alan funkelte den Mann wütend an. Als dieser das bemerkte, schluckte er und fügte hinzu: "... Was aber natürlich keineswegs ihre Schuld ist. Man kommt meistens durch Zufall auf die Lungenkrebsdiagnose oder erst sehr sehr spät."
"Und was heißt das jetzt für sie?", fragte Alan gereizt.
"Nun ja... Sollte sich mein Verdacht bestätigen... dann fürchte ich, hat sie nicht mehr lange zu leben."
Alan versuchte erst gar nicht zu verstecken wie geschockt er war. Ihm fiel die Kinnlade runter und die Hände, die er vorhin in seine Hüfte gestemmt hatte, fielen mit ihr. Auf einmal sah sein Körper ganz schlapp aus.
"W-was?", hauchte er.
Der Arzt sah ihn mitfühlend an. "Es... Es tut mir Leid." Dann ging er wieder an seine Arbeit.
Alan ließ sich auf einen Sessel neben Flynn sinken. Er vergrub das Gesicht in seinen Händen. Flynn wagte es kaum zu atmen. Die Nachricht des Arztes hatte ihn sofort aus den Gedanken gerissen und nun vollständig aus dem Gleichgewicht gebracht.
Lange saßen die beiden nur so da, ohne sich anzusehen geschweige denn etwas zu sagen. Die Zeit verging und dann, nach einer halben Ewigkeit, kam plötzlich eine Krankenschwester auf sie zu.
"Mr. Flynn? Mr. Bradley?" Sie sahen hoch. "Ihre Freundin ist aufgewacht und stabil. Wollen sie mit ihr sprechen?"
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Es war 6:00. Susan lag in einem bequemen Bett. Die aufgehende Sonne schien von dem Fenster zu ihrer Linken herein und tauchte den weißen Raum in ein warmes Orange. Draußen konnte man die ersten Vögel zwitschern hören. Es war herrlich!
Doch sie bekam nicht wirklich etwas davon mit. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt geradeaus zu starren. Innerlich fühlte sie sich leer, konnte keinen einzigen klaren Gedanken fassen.
Vor etwa einer halben Stunde war sie aufgewacht und ein freundlich aussehender Arzt hatte ihr ernst ihre Situation erklärt: 3 Monate gab er ihr. Höchstens.
Sie war nicht in der Lage gewesen zu sprechen. Was sollte sie auch sagen? Danke für die Auskunft?
Plötzlich öffnete sich die Tür und Alan und Flynn traten zaghaft ein.
"Hey...", murmelte Alan. Flynn schloss hinter ihnen die Tür.
Sie stellten sich vor Susan hin. Sie sah sie nicht einmal an, fixierte einfach weiterhin die Wand vor ihr.
Flynn betrachtete Susan kurz. Sie war blass und hatte dunkle Schatten unter den Augen. Sie sah so schwach aus. So hatte er sie noch nie erlebt. Es war alles so irreal.
"Wie geht es dir, Sue?", ergriff Alan zögerlich das Wort.
Endlich sah Susan hoch. Ihr Blick war leer und ihre Antwort kam schleppend: "Ich...weiß..." Sie seufzte und schloss die Augen. "Keine Ahnung."
Eine fast unerträgliche Stille machte sich breit. Alan sah aus dem Fenster, der Sonne entgegen. Sogar sie hatte für ihn ihren Glanz verloren. In einer solchen Situation wirkte einfach alles nicht mehr so schön wie sonst.
Er schluckte. "Ich nehme an du weißt..." Alan biss sich auf die Zunge.
Susan nickte langsam. "Ja, der Arzt hat es mir schon gesagt. 3 Monate. Hoffentlich." Ihr versagte die Stimme.
Keiner von ihnen wusste was zu sagen war. Aufmunterung war hier Fehl am Platz, genauso auch Mitleid. Wie sollte man sich also verhalten?
Auch wenn die Stimmung im Moment sehr beklemmend war, war Susan froh, dass ihre zwei besten Freunde da waren. Sie hatte keine Familie. Sie war mit 16 von Zuhause weggelaufen. Damals schon waren ihr Jungs immer sympathischer als Mädchen, da diese ihr viel öfter geholfen hatten. So kam es, dass sie nie, wie auch jetzt, eine beste Freundin gehabt hat, so wie andere Frauen. Sie verstand sich mit Männern einfach viel besser und obwohl sie keine Eltern oder Geschwister hatte, fühlte sie sich nie allein. Auf dem Collage hatte sie Kevin Flynn kennengelernt, mit dem sie, trotz des Altersunterschiedes von 3 Jahren, ganze 2 Monate zusammen war. Doch beide hatten bald bemerkt, dass sie nicht das füreinander empfanden, was in einer Beziehung vorhanden sein sollte: Liebe. So hatten sie beschlossen einfach nur Freunde zu bleiben und obwohl ihnen jeder aus ihrem Umfeld prophezeit hatte, dass dies niemals gutgehen könnte, wurden sie die besten Freunde. Und das waren sie immer noch.
Und nun stand Flynn einfach nur da, auf den Boden starrend, unfähig etwas zu sagen. Er konnte mit der Situation nicht umgehen, doch wer konnte das schon? Seine beste Freundin, die er jetzt schon 8 Jahre lang kannte, würde sterben. In spätestens 3 Monaten wäre sie weg. Für immer.
Nach einer langen Pause ergriff Alan wieder das Wort: "Können wir irgendetwas tun? Wenn es etwas gibt, was du brauchst ... Wir werden alles tun."
Susan sah ihn spöttisch an. "Ein längeres Leben wäre ganz nett." Sie setzte sich auf und krallte sich dabei am Laken fest. Während sie mit schneller wütender Stimme sprach, ronnen ihr Tränen übers Gesicht. "Ich weiß, ich sollte das nicht tun. Sollte nicht herumheulen wie ein kleines Mädchen. Sollte lieber, wie es so schön heißt, Frieden mit mir selbst machen und akzeptieren, dass für jeden Menschen einmal die Zeit kommt, aber SCHEIß DRAUF! Ich bin stinksauer deswegen! Ich meine, es gibt tausende Menschen, die es mehr verdient haben zu sterben als ich, oder etwa nicht?!"
Alan schaute sie mit traurigem Blick an. "Bitte, beruh..."
"HALT DIE KLAPPE!" Nun ging er erschrocken einen Schritt zurück. Susan schnaufte. "Verdammt nochmal..." Sie wischte sich rasch mit dem Handrücken übers Gesicht. Ihre Stimme veränderte sich und sie klang nun eher todtraurig als zornig. "Es tut mir Leid, Alan. Aber es ist einfach so schrecklich unfair! Es gibt tausende Dinge die ich noch hätte machen wollen in meinem Leben und jetzt habe ich nur noch 3 Monate!" Sie lachte kurz verzweifelt auf. "Ja und jetzt fühle ich mich durch den Krebs auch noch so schwach und beschissen, dass ich nicht einmal eines davon erledigen kann!"
Alan wurde es zu viel. Er nahm seine Brille ab, rieb sich über die Augen und marschierte dann mit einem schwachen "Entschuldige bitte..." zur Tür hinaus.
Susan atmete tief durch, griff auf ihre schmerzende Brust und ließ sich langsam wieder auf das Bett sinken.
"Kev...", sagte sie fast in Flüsterton. "Ich wollte noch so viel erledigen. Den Richtigen finden, heiraten und dann vielleicht doch noch Kinder kriegen. Ich weiß es nicht. Und dann auch noch die kleinen Dinge: von dir lernen wie man Motorrad fährt, oder Tai Boxen, oder vielleicht eine Band gründen. Einen Job finden, der mir richtig Spaß macht. Ich meine, Programmieren für ENCOM ist toll, aber es muss doch irgendetwas geben wo ich mir denke: 'DAS ist es!' Ich dachte, ich hätte noch so lange Zeit. Ich hab mich nie getraut so zu leben als wäre es mein letzter Tag, weil ich geglaubt habe, dass es dann wirklich mein letzter werden würde, bei all den kranken Sachen, die ich vorhätte. Ich bin nie zu der Person geworden, die ich immer schon sein wollte. Jemand der etwas bedeutet. Und jetzt sterbe ich mit dem Gefühl, nie gelebt zu haben. Alles verpasst zu haben..."
Flynn hatte sich währenddessen auf einen Stuhl ihr gegenüber gesetzt und schluchzte in seine Hände hinein.
Lange verharrten die beiden in ihrer Position und weinten leise vor sich hin.
Die Vögel draußen zwitscherten fröhlich. Das Rauschen von vorbeifahrenden Autos und die leichte Brise, die durch die Bäume wehte, tönten laut in dieser Stille.
Nach einer halben Ewigkeit sagte Susan: "Kev?"
Er hob den Kopf. Seine Augen waren rot und geschwollen. "Hm?"
"Ich bin müde. Und du bestimmt auch. Wir sollten beide schlafen. Geh nach Hause zu Sam und kuriere dich aus. Morgen trinken wir dann gemeinsam mit Alan einen Kaffee, in Ordnung?"
Flynn atmete schwer aus. "Klar..."
Er stand auf und wollte gerade zur Tür hinaus, als er Susan hinter sich sprechen hörte. "Kevin?"
"Ja?"
"Ich hab's mit anders überlegt." Er sah sie fragend an. Susan lächelte leicht. "Ich will lieber einen Riesen-Erdbeer-Frappé mit viel Schlagobers und Soße statt dem Kaffee morgen..."
Flynn lachte, sagte "Alles klar, Mann" und verschwand aus dem Zimmer.
Susan drehte sich erschöpft so, dass die Sonne ihr auf den Rücken schien und schlief ein.
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Es war warm draußen. Die Sonne schien zwar nicht direkt ins Fenster hinein, doch trotzdem war der Raum durch sie hell erleuchtet.
Susan saß aufrecht auf ihrem Bett und schlürfte zufrieden ihren XXL Erdbeer-Frappé mit extra Schlagobers. Flynn hatte ihr erzählt, dass der Verkäufer ihm zuerst weiß machen wollte, dass es keine extra großen Frappés gibt. Er hatte eine anregende Unterhaltung mit dem Typen geführt und darauf bestanden, dass er trotzdem einen haben will, koste es, was es wolle. Erst als er gesagt hatte, dass er Kevin Flynn wäre, hatte der Mann gerufen: "Oh! Mr. Flynn! Es tut mir Leid!", war hinten in die Küche verschwunden und hat einen riesigen Becher, der zwar kein echter Frappé-Becher war, geholt.
Nun grinste Susan auf ihren Schlagobers und wackelte fröhlich mit den Füßen, wie ein kleines Kind. Alan saß rechts neben ihr auf einer kleinen Couch und trank einen Automaten-Kaffee.
Lora war vorhin auch da gewesen, doch sie musste wieder gehen, da es einen Notfall in der Firma gab, was Susan aber nicht sonderlich störte. Sie hatte es sowieso lieber wenn wenige Menschen um sie herum waren, und dann auch noch ihre besten Freunde. Jordan war auch für ein paar Stunden mit Sam gekommen. Das kleine herumquietschende Baby hatte nicht unwesentlich zu Susan's besseren Laune beigetragen. Der Frappé aber genauso.
Flynn hatte sich links von ihr auf dem Boden verschanzt, da der Sessel alt und unbequem war. Aber, da es Susan irgendwie gestört hatte, dass dieser arme Stuhl ganz unbeachtet bleibt, hatte Flynn seine Lederjacke ausgezogen und sie sorgfältig darauf gelegt.
"Wie schmeckt dein Shake?", fragte Alan.
"Ich bitte dich, Alan. Das ist ein Frappé und kein Shake.", sagte Susan mit übertrieben spießiger Stimme und rümpfte die Nase.
"Wo ist der Unterschied?"
Susan blinzelte ihn an, schaute dann zu Flynn rüber, der nur mit den Schultern zuckte, und sah wieder auf ihren Becher.
"Er schmeckt gut, danke der Nachfrage.", murmelte sie.
Alan lachte laut und die anderen stimmten darauf ein. Wie sie so beisammen saßen, lachend und trinkend, konnte Susan fast vergessen, was los war. Aber leider nur fast.
Alan stand auf. "Ich hol mir mal etwas zu essen. Will sonst noch jemand etwas?" Beide schüttelten den Kopf. Es überraschte ihn, dass Susan nichts wollte, da sie normalerweise immer ja sagte, wenn sie essen umsonst bekam. Essen war ihr immer lieb und obwohl sie nicht groß und schlank war, konnte sie eine Menge in sich reinfressen. Doch dieses Kopfschütteln von ihr brachte ihn einfach wieder zurück auf den Boden. Sie war krank, hatte Krebs. Ein Wunder, dass sie bis jetzt ihr Gewicht noch halbwegs so halten konnte wie es war.
Als Alan den Raum verlassen hatte, sagte Flynn, während er auf seinen Pappbecher starrte: "Wir haben Sam einmal einen Schluck Kaffee trinken lassen und es sofort bereut. Er hat die ganze Zeit gezappelt und geschrien und gelacht. Mann, das war komisch!"
Er lachte und Susan lächelte leicht. Doch da fiel ihr etwas ein. "Kevin, ich hatte einen Traum heute Nacht."
"Was für einen?"
"Unwichtig. Er hat mich nur an etwas erinnert, das ich dich fragen wollte."
"Schieß los!"
Susan zögerte. Es war zwar gemein ihre Krankheit jetzt dazu zu nutzen, Dinge zu erfahren, aber wenn sie schon mit diesem Schicksal getroffen wurde, dürfte sie doch wenigstens erfahren was los war.
"Was hat es... mit diesem Raster auf sich?"
Flynn hörte auf zu grinsen. Er dachte nach. Er wollte zwar eigentlich noch niemanden davon erzählen, aber hatte Susan nun nicht irgendwie das Recht dazu? Sie konnte nicht mehr viel tun, was ihr Spaß machte. Würde sie so etwas nicht vielleicht aufmuntern? Vielleicht regte es sie aber auch zu sehr auf. Wahrscheinlich würde sie es sowieso nicht glauben.
"Naja, weißt du es ist so..." Er seufzte.
"Wenn du es mir nicht sagen, willst musst du's nicht.", sagte Susan leicht genervt. Verdammt, wieso musste sie immer so neugierig sein?
"Nein, nein. Ich WILL es dir erzählen..." Flynn stand auf und ging auf und ab. "Ich muss nur überlegen wie..."
Das machte Susan noch neugieriger. Was war so besonders an der Sache?
Sie stellte ihren Frappé zur Seite und schaute Flynn fragend an. Dann blieb er plötzlich vor ihr stehen. "Erinnerst du dich noch als Ed Dillinger den Laden geschmissen hat?"
"Ja", Susan verzog das Gesicht. Sie hatte damals bei ENCOM gekündigt, weil Flynn ihr anvertraut hatte, dass er Space Paranoids und andere Spiele erfunden hatte und Dillinger seine Idee geklaut hatte.
"Weißt du auch noch, wie ich ihn dann rausgekickt habe?"
Sie nickte. Sie wusste nicht wie ihr Freund es angestellt hatte, aber letztendlich konnte er es beweisen, dass dieser Mistkerl nur abgeschrieben hat und übernahm ENCOM letztes Jahr.
"Naja, das war nämlich so: Ich musste ja an die Daten ran, aber Ed hatte dieses Programm, den MCP. Also musste ich direkt in die Firma rein um mir Zugang zu beschaffen und Lora und Alan halfen mir dabei. Jedenfalls hatte Lora da auch gerade so ein Projekt am Laufen. Lasercontrol hieß das und es scannte Gegenstände und digitalisierte sie dann, das heißt sie verschwanden sozusagen im Computer. Das hat was mit den Molekülen zu tun oder so..."
"Flynn, komm auf den Punkt!"
"Ja, ja, das versuche ich. Mann..." Er fuhr sich durch die Haare und ging zum Fenster. "Weißt du, ich wollte mich da einfach nur reinhacken, aber der MCP wollte das nicht zulassen. Und ich war direkt bei Lasercontrol..."
Susan seufzte. "Ich weiß immer noch nicht, was du mir sagen willst..."
"Es funktioniert! Susan, es ist so, wie wir's uns immer erträumt haben, sogar noch besser!" Er hastete zu ihrem Bett, hockte sich hin und nahm ihre Hand. Im Flüsterton sagte er: "Wir haben uns doch oft vorgestellt wie's im inneren eines Computers aussehen würde. Ich weiß es jetzt. Ich bin reingekommen!"
"Was?", hauchte Susan ungläubig.
"Ich weiß, es ist schwer zu glauben, Sue, aber es ist wahr." Er stand wieder auf. "Der Raster ist ein von mir entworfenes System. Unter der Spielehalle hab ich den Computer mit dem System in das ich mit Hilfe von Lasercontrol reinkann wann immer ich will. Die Programme sind wie Menschen, Schaltkreise wie Autobahnen. Es ist... eine digitale Welt."
Susan sah ihn mit offenem Mund an. Glaubte er wirklich was er da sagte? Hatte ihr Freund den Verstand verloren?
"Kevin, hör zu. Programme leben nicht..."
Flynn stieß Luft aus. Er wusste wie sich das alles anhörte, aber sie war doch diejenige gewesen, die ihn dazu gebracht hat, es ihr zu sagen. Sie wollte die Wahrheit.
Nach einer langen Stillepause sagte er: "Es ist wahr... Ich weiß, es klingt verrückt, aber... Du kannst es mir glauben oder nicht, wie du willst... Aber halte mich bitte nicht für wahnsinnig. Oder für einen Lügner. Dafür habe ich für den Raster und Tron schon zu viele Opfer gebracht..."
"TRON? Das Sicherheitsprogramm?" Susan wurde noch hellhöriger.
"Ja. Alan's Program TRON passt auf den Raster auf."
"Momentmal... TRON?", wiederholte Susan. "So wie das Spiel?"
Flynn lachte. "Ja, so wie das Spiel. Ich hab's nach ihm benannt, weil er ein richtiges Kämpferprogramm ist. Und das ganze Spiel basiert nicht nur auf das, was im Raster passiert, sondern es passiert wirklich."
Susan konnte es nicht fassen. Ihr bester Freund war übergeschnappt! Sie drehte sich und stieg aus dem Bett. Sogleich wurde ihr schwindelig, aber sie versuchte es zu unterdrücken.
"Kev...", sagte sie liebevoll, als sie auf ihn zuging. "Ich glaub, die Nachricht gestern hat dich ein bisschen mehr überfordert, als ich dachte..."
"Sue, ich bin nicht verrückt."
"Nein, das sag ich auch nicht, aber..."
Auf einmal drehte sich alles und sie flog beinahe hin, wenn Flynn sie nicht gehalten hätte.
"Verdammt! Susan, geht's dir gut?"
"Ja, lass mich los! Ich brauche keine Hilfe!"
Sie riss sich von ihm los. So ganz plötzlich schäumte sie vor Wut. Einerseits, da ihr gerade der Gedanke kam, dass Flynn sie vielleicht nur anlog, um sie noch ein bisschen aufzuheitern mit dieser netten Geschichte, einer fantastischen Welt, an der sie sich erfreuen kann bevor sie starb. Andererseits auch deshalb, dass sie nicht einmal 5 Schritte alleine gehen konnte ohne vor Erschöpfung hinzufallen.
Sie atmete tief durch und sagte dann: "Deine Märchen kannst du wem anderen erzählen, Flynn! Ich hole mir jetzt doch was zu essen..." Sie ging die paar Schritte zur Tür öffnete sie und keuchte schon wieder vor Erschöpfung. Doch sie wollte nicht aufgeben.
"Susan, bitte leg dich wieder ins Bett..."
"Nein!", fauchte sie ihn an. Aber plötzlich verschwamm alles und ihr wurde wieder schwindelig. Hätte sie nicht die Türschnalle in der Hand gehabt, wäre sie wieder hingefallen und so krallte sie sich mit beiden Händen daran fest und atmete schwer. Flynn wollte ihr zur Hilfe eilen, doch sie kreischte: "ICH BRAUCHE DEINE HILFE NICHT!" Aber gleich nachdem sie die Worte ausgesprochen hatte, reckte es sie und sie übergab sich mitten am Flur. Sie konnte sich nicht mehr halten, rutschte ab und fiel zu Boden, wo sie nocheinmal und nocheinmal erbrach. Flynn rief nach Hilfe und hielt ihre Haare zurück.
"Bitte, lass mich dir helfen..."
