/Digital Frontier/
Viele Menschen waren bei dem Begräbnis gewesen. ENCOM Mitglieder, Stammgäste der Spielehalle, andere Bekannte, Alan's Familie und Flynn's. Es hatte den ganzen Tag geregnet, so als würde der Himmel mit all den Menschen auf dem Friedhof mitweinen. Sogar der kleine Sam schien irgendwie zu spüren was los war und hatte den ganzen Vormittag geheult.
Nach der Beerdigung waren Alan und Lora zu Flynn nach Hause gekommen und sie alle hatten auf ihre liebe Susan getrunken. Keiner von ihnen konnte sich die Tränen verkneifen.
Als die Frauen gerade ihre Erfahrungen mit Susan teilten, nahm sich Alan Flynn mal zur Seite.
"Wie geht es dir?"
Flynn sah ihn stirnrunzelnd an.
"Naja, ich meine... Du warst derjenige der sie gefunden hat in der Spielehalle, weiß Gott was sie dort getrieben hat..."
"Ach so... Ich..."
Flynn wusste nicht, was er sagen sollte. Seine beste Freundin war in seinen Armen gestorben. Das war bis jetzt der schlimmste Tag seines Lebens gewesen. Er hatte alles noch so deutlich vor Augen: Susan, wie sie auf Enter drückte und von Lasercontrol digitalisiert wurde, gerade als er in den Raum stürmen wollte. Der Bildschirm, der ihn gleich darauf anzeigte, dass ihre Datei kopiert wurde. Er, wie er hastig Befehle eingab um sie da wieder rauszuholen. Susan, wie sie lächelnd in seinen Armen das letzte Mal ausatmete. Wie er schrie und sie anflehte, bei ihm zu bleiben. Wie er sie behutsam auf den Boden legte und versuchte, sie wiederzubeleben. Ohne Erfolg. Genauso auch die Sanitäter, als sie Minuten später kamen. Kein Erfolg. "Todeszeitpunkt 2:29", ließ einer von ihnen seufzend verlautbaren. Flynn wollte es in dem Moment nicht wahrhaben und brach beinahe zusammen. Sie lag einfach nur da, immer noch ein ganz leichtes Lächeln auf ihren Lippen, tot.
Es spielte sich alles sehr lebhaft vor seinen Augen ab und ihm wurden die Knie weich. Doch er sagte: "Ich schaff das schon."
Susan war nun schon 3 Tage tot. Flynn war seitdem nicht mehr außer Haus gegangen. Er hatte auf nichts Lust. Jordan machte sich schon Sorgen. Aber was sollte sie tun? Es war doch nur verständlich, dass es ihm schlecht ging, wenn gerade seine Freundin gestorben war, direkt vor seinen Augen. Nichts munterte ihn auf.
Auch nicht die Neueröffnung der Spielehalle in 4 Wochen. Flynn war zuerst dagegen sie überhaupt wieder zu eröffnen, nach dem was drin passiert war. Doch sogar Alan, der so gut wie nie einen Spielautomaten anfasste, hatte ihm dazu geraten. "Susan hätte es so gewollt. Sie liebte diesen Ort. Mein Gott, sie wollte sogar dort sterben! Sie hätte gewollt, dass auch weiterhin junge Menschen wie sie ihren Spaß dort haben können, und das weißt du..."
Alan selbst hatte einen Abschiedsbrief erhalten. Darin beschrieb Susan alles was sie für ihn empfand und jedes Detail, wie sie sich gefühlt hatte in bestimmten Momenten ihrer Freundschaft, unverblümt. An manchen Stellen musste er lachen, an manchen musste er weinen. Der Brief entsprach wirklich Susan's Mundart.
'Ich will ehrlich mit dir sein, Alan. Mein erster Gedanke, als ich dich bei ENCOM gesehen habe, war: Scheiße, geiler Arsch auf 12 Uhr!' Manchmal lachte und weinte er zugleich, zum Beispiel bei seinem Lieblingsteil: 'Du und Flynn, ihr seid mir immer die besten Freunde gewesen, die man sich nur wünschen kann. Ich liebe dich wie einen Bruder und das werde ich auch immer.
Susan
P.S.: DEINE BRILLE IST DER HAMMER! Lass dir nie was anderes einreden und schmeiße sie ja nie weg!'
Manchmal schrieb sie so, als wäre sie nie gestorben, als wäre sie noch am Leben, was Alan etwas verblüffte aber gleichzeitig auch glücklich machte. Denn so ist sie nunmal gewesen: ein optimistischer Mensch durch und durch. Daher hatte es ihm jedes Mal das Herz gebrochen, wenn er sie wegen ihrer Krankheit hat weinen sehen. Doch immer wenn ihm so ein Gedanke kam, wischte er ihn gleich weg mit anderen, schöneren. Zum Beispiel wie fröhlich sie ihren Frappé getrunken hat. Der Gedanke an sie, mit ihrem strahlend schönem Lächeln, war das einzige, was ihm in den letzten paar Tagen hat einschlafen lassen.
Flynn hingegen konnte nicht wirklich schlafen. Jedes Mal wenn er es endlich doch schaffte, wachte er Minuten später wieder auf, schweißgebadet und zitternd. Er hatte schlimme Alpträume vom Erlebten.
Doch auch noch etwas machte ihm zu schaffen und raubte ihm den Schlaf: Auf dem Raster existierte seit 3 Tagen eine Datei. Eine Datei von der er nicht wusste, ob er sie aktivieren sollte. 'Das wäre doch nicht sie...', dachte er sich immer wieder. Oder... wäre sie es doch? Hatte Susan möglicherweise Recht gehabt, dass man sich durch Taten und Erinnerungen definiert und nicht durch Blut? Aber wie konnte ein Programm auf dem Computer überhaupt menschliche Erinnerungen in sich tragen?
Fragen über Fragen, und er kam nicht damit klar.
Wieder einmal wach stapfte er mitten in der Nacht runter in die Küche. Er schenkte sich ein Glas Wasser ein und schaute aus dem Fenster. Er atmete schwer aus. Draußen war alles dunkel. Eine leichte Böe zog um das Haus und ließ die Blätter der Bäume im Hof rauschen.
Er wollte sich gerade setzen als ihm etwas ins Auge fiel. Auf dem Küchentisch lag ein Zettel, darauf stand groß: SAM. Alan war nicht der einzige, der einen Brief erhalten hatte. Susan hatte Sam auch einen hinterlassen, aber darauf eindringlich darum gebeten ihm diesen nicht auszuhändigen, bevor er 12 war.
Flynn nahm das Blatt Papier in die Hand und las ein paar Zeilen. Er und Jordan hatten sich zwar vorgenommen nichts davon zu lesen, doch er fühlte sich nach diesem Alptraum vorhin so schwach, dass er das nun unbedingt brauchte.
Am Anfang beschrieb Susan wer sie war und wie sie Flynn kennengelernt hatte. Sie schrieb auch von Sam's eigener Geburt und wie sehr sie sich immer freute auf ihn aufpassen zu dürfen. Und dann schrieb sie noch...
Flynn zog scharf die Luft ein.
'Sam, um ganz ehrlich mit dir zu sein, bin ich nicht tot. Ich bin mir sicher, dass dein Vater dir vom Raster erzählt hat. Ich bin dort. Zwar als Programm, aber ich lebe. Solltest du mich also je kennenlernen wollen, würde ich mich freuen wenn du dorthin kommen und mich besuchen würdest, mein Schatz. Ich weiß, das hört sich alles unglaublich an, aber es ist wahr.
Ich warte auf dich, kleiner Sam.
Deine (dich knuddelnde) Susan'
Die Uhr in der Küche tickte laut.
Jordan schlief oben im Schlafzimmer. Doch sie wurde durch ein Rumpeln, das von unten kam, geweckt. Als sie nachsehen wollte entdeckte sie ihren Mann, wie er gerade zur Tür hinaus wollte.
"Kevin!", rief sie. Er drehte sich um. "Was machst du denn da?"
"Ich muss etwas erledigen."
Mit diesen Worten stürmte er hinaus, schwang sich auf seine Ducati und fuhr los Richtung Spielehalle.
Er hatte keine Zeit mehr.
Er hatte gedacht, dass Susan ein vollständiges Programm erschaffen hatte, doch als er den Computer gestartet hatte, wurde ihm angezeigt, dass der Upload unvollständig war. Das hieß, dass das Programm mit jeder Sekunde die verging an Bits verlor, da es nicht genutzt wurde. Er verfluchte sich selbst, nicht schon früher gehandelt zu haben.
Doch dieser Quellcode... Es könnte möglicherweise vieles beschädigen, vielleicht sogar alles zerstören, was er sich aufgebaut hat. Doch er hat es ihr versprochen.
\: bin/LLLLSDLasercontrol -ok
Aperture Clear? Yes No
Ja, von innen würde es besser gehen. Dann könnte er auch gleich die entstandenen Schäden versuchen zu reparieren. Er hoffte inständig, dass es klappen würde.
Yes - Enter
Drinnen angekommen sah er sich hastig um und entdeckte... nichts. Wie war das möglich? Susan musste die Kopie genau hier gemacht haben! Sie ist doch viel zu schwach gewesen um woanders hinzugehen!
Flynn drückte gegen die Wand, die sofort aufleuchtete.
"Bit? Nenne mir den Datenpfad vom Basic Programm 'Susan Gifford', und zwar dalli!"
"Programm wird gesucht..."
Flynn zappelte ungeduldig hin und her.
"Programm gefunden!"
Ein Bild, das sich von selbst an die Wand projizierte, zeigte ihm den Datenpfad an. Aufmerksam las er ihn sich durch. "Ah... Verstehe! Danke, Bit!"
"Flynn!"
Tron kam ihm verwundert dreinschauend entgegen. Er wollte ihn umarmen. "Es ist lange her, mein Fr..."
"Ich hab keine Zeit, tut mir Leid, Tron. Hör zu." Er packte Tron an den Schultern. "Hast du ein neues Programm von der Spielehalle weggeschafft?"
"Ja."
"Wo ist sie?"
"Ich bringe dich zu ihr..."
Sie gelangten zu einem Aufzug, der sie nun nach unten in die Erde fuhr. Als die Türen wieder aufgingen hielt Flynn seinen Atmen an.
Es war ein einziger dunkler Raum. Nichts war darin außer in der Mitte ein großer Block, der beleuchtet wurde. Darauf lag Susan, scheinbar schlafend. Jemand hatte ihr eine weiße Decke über den nackten Körper gelegt, höchstwahrscheinlich Tron.
Flynn ging langsam einen Schritt auf sie zu. Sie jetzt wiederzusehen verschlug ihm die Sprache.
"Susan...", flüsterte er.
"Was ist das für ein Programm?", fragte Tron. "Ich bin hingefahren, weil ich gesehen habe, dass das Portal offen war. Ich dachte, du wärst dort, aber stattdessen fand ich sie und sah, dass sie nicht aktiviert wurde. Also habe ich sie hierher gebracht, wo ihr System aufrecht erhalten wird, also ohne, dass sie Bits verliert. War das falsch?"
"Absolut nicht, Tron." Flynn und Tron standen nun neben ihr. Er drehte sich zu ihm. "Danke."
Tron nickte.
Er hatte Flynn noch nie so durcheinander erlebt. Dieses Programm musste ihm etwas bedeuten, so viel stand fest.
"Also...", fragte er vorsichtig. "Was hat es nun mit diesem Programm auf sich?"
"Sie..." Wie sollte er es nur erklären? Er wusste doch selbst noch gar nicht, wer oder viel mehr WAS sie war. "Eine Freundin von mir, ein anderer User, hat sich ins System eingeloggt und wollte eine Kopie von sich erschaffen."
Tron kniff die Augen zusammen. Eine Kopie eines Users? Ist so etwas überhaupt möglich? Wenn ja musste dieses Programm aber eine enorme Menge an Datenvolumen beinhalten. So etwas den nötigen Energieschub zur Aktivierung zu verpassen würde sicher schwierig werden.
Flynn berührte vorsichtig Susan's Wange. "Dann fangen wir mal an."
Susan riss ihre Augen auf und schnellte mit einem Ruck hoch. Ihr ganzer Körper kribbelte als hätte sie in eine Stromleitung gegriffen. Ihr Atem war schwer. Das letzte woran sie sich erinnern kann war Flynn und ein stechender Schmerz in ihrer Brust. Jetzt tat ihr nichts weh. Dieses Kribbeln war zwar stark, aber angenehm. Sie fühlte sich dadurch richtig lebendig.
Lebendig? Moment mal... Jetzt kamen ihr die anderen Erinnerungen. Sie war in Flynn's Armen gelegen und hatte bildlich gespürt, wie der Tod nach ihr griff. Sie war gestorben, das wusste sie.
"Susan...", kam eine ihr vertraute Stimme ganz zögerlich.
Sie sah sich um und erblickte Flynn, der Tränen in den Augen hatte.
"Kevin?"
Jetzt liefen sie ihm in großen Tropfen über die Wangen. "Susan!"
Er nahm sie fest in den Arm. "Susan, du bist es, du lebst!"
"Ich lebe...", flüsterte sie in ihn hinein. Er hatte es geschafft. Sie war auf dem Raster. Flynn hatte sie gerettet. "Ich lebe!", keuchte sie jetzt und umarmte ihn auch fest, während sie dicke Freudentränen weinte.
Sie lösten sich voneinander und Flynn nahm ihr Gesicht in seine Hände.
"Wie fühlst du dich?", fragte er freudig.
"Großartig!" Sie grinste bis über beide Ohren. Sie konnte es nicht glauben. Sie war am Leben! Und nicht nur das. Sie stieß Flynn leicht weg und steckte ihren Kopf unter die Decke die auf ihr lag. Susan betrachtete ihren Körper: schlank, aber muskulös. Von dem gebrechlichen Etwas, das sie im Spiegel gesehen hatte war nun nichts mehr da. Aber sie selbst, Susan war wieder da.
Sie kam wieder unter der Decke hervor und hielt sie fest, damit sie sich nicht entblößte. "Flynn, du..." Sie lächelte und weinte. "Du hast mich gerettet."
"Du hast dich selbst gerettet, Sue..."
Er umarmte sie wieder. Flynn war überglücklich. Alle Zweifel, die er vorhin gehabt hatte, waren verworfen. Diese Frau vor ihm war mehr Susan als sie es in den letzten 2 Monaten gewesen war. Weiche Wangen, ein strahlendes Lächeln. Das war sie.
Er sah ihr in die Augen. "Was ist das letzte woran du dich erinnern kannst?"
"Du!", lachte sie. "Dein Gesicht. Ich glaube du sagtest sowas wie... Ich glaube du hast mir versprochen mich zu retten. Und das hast du!" Sie küsste ihn mehrmals auf der Wange. "DANKEDANKEDANKE!"
Flynn lachte auch. Doch er musste noch mehr prüfen. Er nahm ihre Schultern.
"Woran erinnerst du dich noch?"
"An alles!" Sie sah ihn mit großen Augen an. "Kev, ich erinnere mich an alles! Sogar noch viel besser als je zuvor! Ich erinnere mich, wie ich die Diagnose bekam. Ich erinnere mich an Sam's Geburt. Ich erinnere mich, was für eine Katastrophe mein erstes Date gewesen ist. Ich erinnere mich, wie ich mit 5 kleine Käfer gegessen habe und dann gesagt habe, es sei alles im Namen der Wissenschaft! An sowas konnte ich mich fast gar nicht mehr erinnern!"
Flynn lachte auf. "Du hast sozusagen jede einzelne Synapse mitkopiert und jetzt wo die Datenstränge mit Energie durchflossen werden, sind sie wohl wieder aktiviert."
"Mann, mir schwirrt so viel durch den Kopf, wovon ich gar nicht mal mehr wusste, dass ich es weiß... Oh Mann, ich glaub ich krieg Kopfschmerzen!" Sie rieb ihre Schläfe.
"Vielleicht habe ich etwas zu viel Energie in dich hineingepumpt. Dein System wird etwas überlastet sein..."
Susan kicherte. "Das klingt viel besser als Migräne!"
Sie sah den grinsenden Flynn wieder in die Augen, doch gerade als sie noch etwas sagen wollte, bemerkte sie jemanden aus dem Augenwinkel.
"Alan!", sagte sie verwundert.
"Oh!" Flynn winkte ihn zu ihnen. Dann erklärte er ihr: "Das ist nicht Alan, Sue. Das ist Tron."
Tron stand nun neben ihr. "Sei gegrüßt, Programm."
Susan grunzte. "Sei... äh... du auch gegrüßt!"
Tron lächelte sie an. "Du kennst also meinen User?"
"Ja, er ist einer meiner besten Freunde. Und du bist sein Sicherheitsprogramm, stimmt's?"
Tron nickte.
Susan musterte ihn. Er hatte einen schwarzen Anzug mit vielen blauen Lichtern an. Obwohl er im Gründe genauso aussah wie Alan, unterschieden sie sich ein wenig: Tron war viel muskulöser und trug keine Brille. Susan musste sich ein lautes Lachen verkneifen, als ihr plötzlich wieder eine Zeile aus dem Brief einfiel, den sie Alan hinterlassen hatte: 'Geiler Arsch auf 12 Uhr!'
"Also dann...", riss Flynn sie aus den Gedanken. "Lasst uns doch mal ein Quartier für dich finden!"
Susan lag auf einem weißen Bett, in einem weißen Raum, doch er war anders als das Krankenzimmer, in dem sie die letzten Wochen vor ihrer 'Wiedergeburt', wie sie es selbst nun so nannte, verbracht hatte. Er war viel größer, mit einer kleinen Kommode links von ihr und einem Schrank rechts. Außerdem war da noch ein Badezimmer und ein anders Zimmer gleich nebenan, das ihr gehörte. Darin stand eine Couch, ein Kamin war direkt davor und dahinter ein großes Regal, von dem Flynn gesagt hatte, dass sie es ganz bestimmt füllen werde.
Sie waren gleich nach ihrer Aktivierung mit dem Aufzug ein paar Stockwerke nach oben gefahren, doch es war immer noch unterirdischer Bereich. Susan war begeistert von allem, was sie sah, obwohl sie bis jetzt noch nicht viel gesehen hatte. Sie waren direkt vom Aufzug in einen langen, ebenfalls weiß leuchtenden, Flur gekommen und Flynn hatte ihr ihre Zimmer gezeigt. Für sie war alles so aufregend! Alles war so hell!
Flynn hatte sich mit ihr und Tron hingesetzt und erzählte ihr, was in der Zwischenzeit passiert war. Alles in allem ziemlich traurig, doch irgendwie befriedigte es Susan zu hören, dass so viele Menschen um sie trauerten. Wenn die nur wüssten, wo sie jetzt war...
Danach hatte sie Tron ausgefragt über sich selbst, während Kevin etwas erledigen gegangen war.
"Was bedeutet es, ein Programm zu sein?", fragte sie.
"Du musst der Tätigkeit nachgehen, für die du geschrieben wurdest, andernfalls wirst du gelöscht." Susan machte erschrocken große Augen und bevor sie sich fürchten konnte, fügte er noch lächelnd hinzu: "Das gilt aber nicht für dich. Du bist... anders."
"Ich bin anders...", murmelte Susan.
"Und... Wann bekomme ich eigentlich etwas zum anziehen?", fragte sie vorsichtig.
Tron lachte. "Das haben wir ja ganz vergessen! Du hast so normal mit deiner Decke ausgesehen."
Susan lachte ebenfalls. Ja, mit diesem Kerl würde sie sch gut verstehen.
"Flynn muss das machen. Er programmiert dir die Kleidung."
"Darf ich mir etwa aussuchen, was ich trage?"
"Natürlich."
"Cool!"
Da kehrte Flynn zurück und erklärte, dass er beim Systemadministrator CLU gewesen war und ihm die Situation erläutert hat. Dieser freue sich schon, Susan kennenzulernen. Doch Flynn hätte ihm gesagt, dass sie jetzt mal einen Schlafzyklus einhalten sollte. Und das wollte er nun auch von ihr. Als sie ihn auf das Kleidungsproblem ansprach, hatte er ihr versichert, dass er sich darum kümmern werde, wenn er wieder zu Hause war. Denn auch er war durch die ganze Aufregung ziemlich müde geworden.
Tron hatte sich mit einem Händedruck verabschieden wollen, doch Susan hatte es sich nicht verkneifen können, ihn ordentlich zu umarmen. Er war ganz perplex gewesen, hatte aber trotzdem gelächelt.
"Susan,", sagte Flynn ernst , nachdem Tron gegangen war. "Das ist aber nicht Alan, ich hoffe, das ist dir klar..."
"Natürlich ist es das! Ich mag ihn trotzdem. Ich mag alles hier! Es ist atemberaubend!"
"Du hast doch noch fast nichts gesehen!"
"Trotzdem, dass so eine Welt überhaupt existiert ist... der Wahnsinn!" Sie seufzte und umarmte ihn. "Danke nochmal, dass du mich hierhergeholt hast."
"Das warst du selber, Sue. Ich hab dich nur wieder aufgeweckt." Er schwieg kurz. Dann sagte er leise aber eindringlich: "Ich bin so froh, dich wiederzusehen."
"Das bin ich auch."
Er hatte ihr versprochen bald wiederzukommen und war gegangen.
Susan starrte nun auf die ebenfalls leuchtende Decke, in ihrem weichem Bett liegend.
Sie war am Leben. Sie konnte es immer noch nicht fassen. Sie lebte und war auf dem Raster, von dem sie die ganze Zeit geträumt hatte. Morgen würde sie CLU kennenlernen. Er war sicher auch toll. Alles war hier toll! Sie konnte es kaum erwarten noch viel mehr zu sehen. Sie fühlte es. Sie wusste es. Hier, in dieser digitalen Welt, würde sie glücklich werden.
