Author's Note: Sodala! Hier das neue Kapitel :D Ich muss dazu kurz etwas anmerken: Für meine FF habe ich das TRON Zeitrechnungssystem verwendet wie es im TRON: Legacy The Official Movie Magazine erklärt wird. Wenn ihr das nicht kennt, keine Panik, hier sind die wichtigsten Infos daraus:
1 Jahr in unserer Welt fühlt sich auf dem Raster an wie 50, und 1 Jahr auf dem Raster wird dort Zyklus genannt, wobei dieser Ausdruck auch als Kurzform für Tageszyklus oder Millizyklus verwendet wird. Kommt eben auf den Kontext an.
Wenn ihr mehr Information darüber braucht, seht euch die Seite Tron Wiki mal an und gebt "Cycle" ein (wollte das eh verlinken aber irgendwie lässt das grad mein iPad nicht zu -.-), oder fragt mich direkt (ich LIIIEBE das ganze TRONiverse sowieso, also auch darüber zu reden :P)
Ich hoffe ihr fühlt euch jetzt gut informiert und bereit für das neue Kapitel! REVIEWS nicht vergessen :D ENJOY!
/Identity/
Tag 6 auf dem Raster
Susan war gelangweilt. Sie lag auf der Couch und spielte sich mit ihrem Diskus. Sie drehte ihn um ihren Finger, warf ihn dann und wann hoch um ihn dann wieder zu drehen. Sie hatte ihn von CLU bekommen.
CLU. Er war der Systemadministrator hier und ein sehr nettes und höfliches Programm. Bevor Flynn vor 6 Tagen gegangen war, hatte er ihm die Situation erklärt. Als sie ihn also vor 5 Tagen, oder Tageszyklen wie man es hier nannte, kennengelernt hatte, war er von ihrem Aussehen keineswegs verblüfft gewesen. Umso mehr war es Susan.
"Mann, Flynn hat genau das richtige ausgesucht!", lachte Susan, als sie mit Tron den Flur entlang ging.
Ihr Freund hatte ihr ein Outfit programmiert leich nachdem er das System verlassen hatte. Jetzt trug sie ihre Lieblingsjeans, ein braunes CCR T-Shirt und eine Schwarze Lederjacke, was alles ein wenig modifiziert war: Fogerty und Co. schienen weiß, genauso wie die Innenseite ihrer Jacke und zwei Sreifen an beiden Seiten der Hosenbeine.
"Du siehst ein bisschen aus wie Flynn. Bis jetzt fühlt es sich eher so, an als wärst du ein User und kein Programm!", lachte Tron.
"Du sagtest doch, ich wäre anders...", kicherte sie.
Susan war froh, dass sie sich jetzt schon so gut mit ihm verstand. Ihre aufgeschlossene Art hatte es ihr immer schon ermöglicht, schnell neue Freunde zu finden.
Sie mussten nicht lange gehen, denn CLU hielt sich in der selben Etage auf.
"Denkst du er wird mich mögen?"
"Wahrscheinlich. Mir fällt kein Grund ein, warum er es nicht tun sollte."
Susan's Mundwinkel gingen so schnell hoch, dass sie wie ein glückliches kleines Kind aussah, während sie durch ein paar Mal blinzeln so etwas wie 'Aw, danke' symbolisierte.
Sie erreichten eine runde Tür, die sich von selbst mit einem Zischen öffnete, als sie sich ihr näherten, was Susan an Star Wars oder andere SciFi Filme erinnerte. Sie wollte mit einem 'Wow' darüber staunen, doch das Aussehen des Mannes, der nur ein paar Schritte von der Tür entfernt stand und sich ihnen nun zuwandte, warf sie vollkommen aus der Bahn.
Schwarze Hose, schwarzes T-Shirt, schwarze Jacke. Er hatte dasselbe Outfit, das Flynn oft trug. Und dieselbe Frisur. und dieselbe Statur. Und dasselbe Gesicht. Er sah ganz genau wie Kevin Flynn aus.
Susan wusste nicht, wie sie sich nun verhalten sollte. CLU's Aussehen war identisch mit Flynn's, ihrem besten Freund.
Er lächelte sie an und ging auf sie und Tron zu, sich damit den großen Bildschirmen abwendend, die er und einige andere Programme um sie herum gerade betrachtet hatten. Diese anderen hatten Susan gar keine Aufmerksamkeit geschenkt.
"Susan, das ist CLU. CLU, Susan.", stellte Tron sie vor.
CLU schüttelte ihre Hand. "Sei gegrüßt, Programm!"
Sagte man das wirklich so? Susan musste innerlich lachen über diese Begrüßung. So förmlich ging draußen niemand mit dem anderen um. Aber wenn das hier so Brauch war, dann wird sie sich dem gerne anschließen: "Sei... gegrüßt..."
"Flynn sagte mir, du wärst anders als andere Programme. So ähnlich wie ich es bin."
Er lachte sie freundlich an. Sie war unglaublich verwirrt. Genauso gut könnte Flynn ihr nur einen Streich spielen und sagen, er wäre CLU. So identisch...
"Ja... Ja, vielleicht..."
CLU's breites Grinsen verschwand langsam, als er merkte wie durcheinander sie war.
"Geht's dir gut?"
Susan schloss kurz die Augen und lachte. "Ja! Mir geht's toll. Ich bin nur..." Sie rieb sich die Augen und sah ihn dann wieder an. Verblüffend. "Oh, Mann ..."
Jetzt stimmten Tron und CLU auf ihr Lachen ein.
"Entschuldige, bei Tron war's ja noch einigermaßen in Ordnung... Aber du siehst genauso aus wie Flynn!", kicherte sie laut.
"Nun... Dankeschön!" Dann fragte CLU neugierig: "Du hast also Erinnerungen an die Welt draußen?"
"Ja. Ich erinnere mich an alles, was ich erlebt hab."
"Naja, streng genommen hast du das nicht erlebt..."
"Streng genommen bin ich schon tot, aber ist doch egal. Ich bin hier, oder?" Sie grinste.
"Ach ja, bevor ich vergesse..."
CLU rief ein Programm, das hastig mit so einer kreisrunden Scheibe, wie Tron sie auch auf seinem Rücken hatte und, wie Susan nun bemerkte, jedes Programm in diesem Raum am Rücken zu tragen schien, zu ihnen gelaufen kam.
"Das..." Er nahm das Ding in die Hand und hielt es hoch. "Ist ein Identitätsdiskus. Darauf werden alle deine Erfahrungen gespeichert. Du solltest ihn lieber nicht verlieren, sonst könntest du auch alle deine Erinnerungen verlieren." Er gab ihn Tron. Der wiederum stellte sich hinter Susan.
"Bereit?", fragte er sie.
"Ähm... Ich schätze schon."
Er steckte den Diskus an den Input auf ihrem Rücken und plötzlich verspürte Susan ein starkes Kribbeln im ganzen Leib. Es hielt nicht an, es war nur für eine Sekunde da. Doch es fühlte sich gut an. Sie fühlte sich dadurch richtig lebendig.
Bis jetzt war das Treffen mit CLU eines der Highlights ihres Aufenthaltes gewesen. Es war zwar kurz gewesen, aber immerhin war er Systemadministrator. Man hatte sicher eine Menge Verantwortung als solcher und bestmmt sehr viel zu tun.
Susan wünschte, sie hätte auch sehr viel zu tun. 6 Tage war es nun her, dass sie Flynn gesehen hatte. Und 6 Tage war es her, dass sie sich nicht gelangweilt hat.
Nach der Unterhaltung mit CLU, führte Tron sie wieder in ihr Zimmer.
"Zeig' mir noch mehr von dieser Welt!"
Tron seufzte und antwortete in ernstem Ton: "Flynn hat mir vor seiner Abreise verboten dich aus dieser Etage zu lassen..."
"Was?! Wieso?"
"Er sagte es sei zu gefährlich. Du musst warten bis er wieder da ist."
Zu gefährlich. Pah! Sie hatte schon einmal den Tod bekämpft und sie könnte es wieder tun.
Jeden Tag verbrachte sie ihre Zeit in ihren eigenen 4 Wänden. Sie erkundete die Technik der Räume und ihren eigenen Diskus, was ihr wenigstens ein Trost war. Denn durch die Synchronisation mit dem Diskus, hatten sich ihre Erinnerungen auf ihn übertragen und die konnte sie sich nun ansehen so oft sie wollte. Das war ihre Hauptbeschäftigung.
Sie war jedoch ein wenig gekränkt, dass Flynn ihr noch diese Welt vorenthielt. Sie wurde ungeduldig. Immerhin hatte sie von diesem Ort geträumt und jetzt wollte sie alles sehen, was es zu sehen gab. Es es war nun schon 6 Tage her, dass Flynn hier war. Lange konnte es ja wirklich nicht mehr dauern.
Tag 22
22 Tage. 22 Tage war es her, dass Susan ihren besten Freund gesehen hat. Da half auch die trügerische Illusion CLU nicht hinweg. Er war zwar nett, hatte aber so gut wie nie Zeit für sie. Wenn sie ihm besuchen kam, und das kam oft vor, konnte sie höchstens dort sitzen bleiben und ihm und den anderen Programmen bei der Arbeit zusehen. Sie fühlte sich zunehmend einsamer. Diese anderen Programme bei CLU redeten auch nicht mit ihr. Nicht einmal Tron war mehr für sie da, denn er musste auf das System aufpassen. Er hatte ihr versprochen, sie bald wieder zu besuchen, aber sie setzte keine all zu große Hoffnungen hinein. Wenn nicht einmal ihr bester Freund sein Versprechen, bald wieder herzukommen, hielt, wieso sollte er das dann tun?
Susan lag wiedereinmal gelangweilt auf ihrem Bett.
Wieso kam Flynn nicht hierher? Er wusste doch, dass sie hier auf ihn wartete. Also wieso ließ er sie so lange alleine? Und dann durfte sie auch noch nicht einmal raus. Hatte er sie vergessen?
Nein. Sie schüttelte den Kopf um den Gedanken loszuwerden. Er würde sie nie vergessen. Er war doch so gerührt gewesen sie wiederzusehen und das, nachdem sie doch nur 3 Tage voneinander getrennt gewesen waren. Zugegeben, es war nicht so gewesen, als sei sie nur kurz auf Urlaub gegangen, sondern er hatte geglaubt, er sehe sie nie wieder. Aber trotzdem. Jetzt waren schon 22 Tage vergangen und er hatte sich nicht eine Sekunde blicken lassen.
Vielleicht war ja aber etwas schlimmes geschehen. Vielleicht war etwas mit Sam! Sie wollte gar nicht an so etwas denken. Möglicherweise gab es auch nur ein Problem bei ENCOM.
Auf jeden Fall hatte Flynn bestimmt einen Grund, warum er nicht kam. Aber trotzdem...
Susan nahm den Diskus von ihrem Rücken und lud eine Datei. Es war keine besondere Erinnerung, etwas ganz einfaches. Sie sah Flynn mit Jordan. Sie standen an einem Pier und Susan machte gerade ein Foto von ihnen.
"Noch ein bisschen nach rechts!", rief sie.
Flynn sah hinunter und bemerkte, dass er schon ganz am Rand vom Pier stand. "Willst du mich umbringen, Sue?", lachte er.
Susan lächelte bei dieser Erinnerung. Es war alles so schön. Die Sonne, ihre Freunde, der Pier...
Und nun hatte sie nichts davon. War ihre Entscheidung hier her zu kommen letztendlich doch falsch gewesen? Hätte sie einfach ihren Frieden machen sollen und ihre letzten Tage mit ihren Freunden feiern sollen, anstatt nun hier Tag für Tag gelangweilt rumzulungern?
Sie steckte sich den Diskus wieder auf den Rücken.
Nie, in ihrem ganzen Leben nicht, hatte sie irgendetwas bereut. Wenn sie einmal einen Fehler machte, dann akzeptierte sie ihn. Sie lebte damit und konnte daraus lernen. Doch diesmal war sie sich nicht sicher. War sie hier Fehl am Platz?
Sie versuchte den Gedanken gleich wieder loszuwerden, doch er blieb.
Susan drehte sich auf die Seite und begann leise weinend mit ihrem Schlafzyklus.
Tag 28
Susan stampfte den weißen Flur entlang.
Sie hatte beschlossen sich Tron's oder eigentlich Flynn's Regel nicht länger zu beugen. Sie ist schon immer eine Person gewesen, die sich nichts vorschreiben ließ. Sie musste hier raus. Sie wollte einfach ihre Entscheidung, hier zu leben nicht bereuen müssen. Irgendetwas reizvolles musste es hier doch geben! Sonst hätte Flynn ja nicht so begeistert davon gesprochen. Ok, Programme, die so sind wie Menschen sind schon interessant, und überhaupt diese Diskustechnik, aber nach einer Zeit, wenn man sonst nichts zu tun hat, gewöhnt man sich daran und nimmt das alles als selbstverständlich.
Sie blieb abrupt stehen. Ein muskulöses Programm mit orange-roter Schaltmarkierung bewachte den Aufzug.
Der war aber noch nicht da gewesen, als sie hier hergekommen war oder? Sie holte tief Luft und ging weiter.
Gerade als sie einfach an dem Programm vorbei in den Aufzug steigen wollte, hielt es sie grob an der Schulter fest.
"Identifiziere dich, Programm.", befahl es mit tiefer Stimme, die richtig elektronisch klang.
"Lass mich los.", zischte Susan. Für wen hielt sich der Kerl?
"Identifiziere dich.", wiederholte er drohend.
"Mein Name geht dich gar nichts an! Hör mal, ich bin zufällig mit deinem Schöpfer befreundet, also..."
Plötzlich nahm er auch ihren anderen Arm und drehte ihn ihr auf den Rücken.
"Aua! Das tut weh, blödes Arschloch!"
Er beachtete sie gar nicht. "Unidentifizierbares Programm in Etage 5"
Schon kamen im Flur noch 2 weitere solche Programme.
Das eine packte den Arm, den ihr der Typ auf den Rücken gedreht hatte, und dieser nahm den anderen. Das letzte Programm stellte sich direkt vor sie und wiederholte die Worte des anderen: "Identifiziere dich."
Susan spuckte ihn an.
"Zu CLU", grummelte der zornig.
Susan grinste unverschämt. CLU war ihr Freund und wenn er sieht, was die da mit ihr machen wird er sie sicher bestrafen.
Als sie aber bei ihm ankamen, seufzte er nur und fragte: "Was wolltest du denn machen, Susan?"
Sie sah ihn verblüfft an. "Ich... wollte nur raus."
CLU nickte den zwei Programmen, die sie festhielten, zu und sie ließen los.
"Du weißt doch, dass das nicht geht..."
"Wieso nicht? Wieso darf ich mir eure Welt nicht ansehen?"
"Ganz einfach, weil Flynn es so will."
"Ich will es aber!"
CLU schwieg für einen Moment und starrte sie an. Dann sagte er langsam: "Flynn mag vielleicht nicht dein User sein, aber du solltest seinem Urteil dennoch vertrauen. Wenn er sagt, es ist zu gefährlich für dich, dann ist es auch so. Bitte verzeih mir, aber ich muss mich jetzt wieder der Aufgabe widmen, wofür ich geschrieben wurde."
Tag 35
"Tron!", rief sie und schlang ihre Arme um seinen Hals.
"Äh... Hab ich was verpasst?", murmelte der verwirrt.
Susan stieß sich leicht von ihm weg. "So einiges, mein Freund!", lachte sie.
"Na gut. Dann erzähl mal...", sagte er, löste sich von ihrer Umklammerung und setzte sich mit ihr auf die Couch.
Sie erzählte im alles. Während sie sprach, bemerkte sie, dass es eigentlich gar nicht so viel war, nur den Vorfall mit den Wächterprogrammen beschrieb sie detailliert. Sie dachte, wenigstens er würde hinter ihr stehen. Doch er sah nur nachdenklich auf den Boden.
"Ist das denn zu fassen, Tron?", versuchte sie ihn zu animieren.
"Wieso hast du das denn getan?", fragte er.
Verblüfft runzelte Susan die Stirn. "Weil ich raus wollte."
"Aber Flynn hat doch gesagt, du darfst nicht."
Wieder fing es an in ihr zu brodeln. Sie stand auf und ging mit verschränkten Armen auf und ab. "Flynn, Flynn, Flynn! Können Programme eigentlich nur von ihm reden? Interessiert sich hier keiner dafür, was ICH möchte?", fragte sie gereizt.
Tron seufzte. "Er wird schon einen Grund haben. Flynn weiß immer..."
"FLYNN GEHT MIR AM ARSCH VORBEI!", schrie sie und bereute es sofort. Wie konnte sie so etwas nur sagen, nachdem er ihr das Leben gerettet hat? Nein! SIE war es! Sie hat sich selbst das Leben gerettet. ER hat 3 Tage damit gewartet sie zu reaktivieren. Und jetzt ließ er sie hier alleine.
Tron stand blitzschnell auf. "Sag das nicht nochmal!", sprach er ruhig aber mit einem drohenden Unterton. Das machte Susan noch wütender.
Sie schrie: "Willst du mir etwa drohen, Alan?!" Sie biss sich auf die Zunge. "Tron...", flüsterte sie.
Dieser ließ seine angespannten Schultern fallen. Langsam ging er zu ihr und sagte verständnisvoll: "Du bist verwirrt, habe ich recht?"
"Natürlich bin ich verwirrt!" Susan liefen Tränen über die Wangen. Sie schluchzte und ließ sich auf die Couch fallen. "Ich habe schon die ganze Zeit das Gefühl hier nicht hinzugehören!"
"Doch, du gehörst hier her..."
"Und wieso finde ich es dann hier so Scheiße?", ging sie ihn an. "Bitte entschuldige... Ich bin nur so wütend, weil Flynn sich nicht einmal hat blicken lassen. Er ist immerhin mein bester Freund, da könnte er doch..." Die Stimme versagte ihr.
Tron setzte sich neben sie. "Das liegt absolut nicht an dir. So viel Zeit vergeht immer zwischen Flynn's Aufenthalten auf dem Raster."
"Was?"
"Ja, manchmal bleibt er sogar einen ganzen Zyklus weg."
Susan weinte noch weiter. "Das heitert mich nicht gerade auf, Tron..."
Tron sah weg. Er wusste nicht, wie er mit ihr umgehen sollte. Diese Situation mit ihr war einmalig. Ein Programm ohne Bestimmung. So etwas musste frustrierend sein.
"Das heißt, ich kann solange nicht raus, bis er hier ist?"
Er nickte.
"Und das kann sogar einen ganzen Zyklus, also ein Jahr dauern?"
Wieder nickte er.
"Klasse...", murmelte sie ironisch.
Tag 49
Susan lag in ihrem Bett. Sie hatte zu nichts Lust. Es war wie damals, als sie krank war und keinen Ausweg gesehen hatte. Nur diesmal war es umgekehrt. Mittlerweile wünschte sie sich sogar, sie wäre nie geboren worden. Sie wünschte sich, dass einer dieser groben Wächterprogramme in ihr Zimmer kam und sie ein für alle Mal umbringen würde.
Sie hätte sich nie gedacht, dass sie zu einer Person mit Selbstmordgedanken werden würde. Aber war sie überhaupt noch eine Person? Nein. Sie war ein Programm. Ein Programm ohne Aufgabe. Sie war nicht Susan. Sie hatte nicht einmal einen eigenen Namen. Sie war ein Nichts. Zu nichts zu gebrauchen, ohne Bedeutung. Ihr gehörten auch diese Erinnerungen nicht, die auf ihrem Diskus gespeichert waren. Sie war nicht Susan Gifford.
'Naja, streng genommen hast du das nicht erlebt...' CLU hatte sowas von Recht gehabt.
Susan Gifford hatte Freunde gehabt, ein Zuhause, alles, wofür es sich zu leben lohnte. Sie selbst hatte nichts. Der Raster war nicht ihr Zuhause. Obwohl sie ein Programm war, das wusste sie. Sei gehörte nicht hierhin. Jede Nacht hatte sie in ihrem Krankenzimmer vom Raster geträumt. Und jetzt? Auch wenn sie genauso wenig in die reale Welt dort draußen gehörte, wollte sie dennoch raus. Dort kannte sie sich wenigstens aus. Dort wusste sie jedenfalls, was die Welt ihr bieten konnte. Wahrscheinlich wäre sie dort nicht einmal mehr Willkommen, aber das war ihr egal. Sie wollte einfach weg. Doch sie konnte nicht wieder zurück. Sie war hier drin gefangen. Sie hatte einen Entschluss gefasst und jetzt musste sie damit leben.
Langsam schlief sie weinend ein und hoffte, nicht mehr zu erwachen.
