Author's Note: Gleich mal vorweg: SOOORRRYYYYY _ Ich wollte euch wirklich nicht so lange warten lassen :( Vergebt ihr mir? Ja? OK. Passt. Puh. So jetzt aber: HEEEY NEUES KAPITEL :D Und gleich noch ein Schockmoment: DAS LETZTE KAPITEL VON TRON: ASCENSION -DER AUFSTIEG ! Ja, ich weiß, dass das ein Mindfu** ist, und bewerft mich ruhig mit Steinen (bitte nur im übertragenen Sinne sehen, dass tut nämlich weh o.o) aaaber ich verspreche, dass das Ende euch gefallen wird... Hoffentlich. Joaaaa, ich bin mir ziemlich sicher. So 90%. Ok, 80.
Nagut, aber jetzt ENJOY AND REVIEW! :D
/Outlands/
Es war kalt und der Geruch von Rauch lag in der Luft.
Susan lag neben einem schillernden Teich auf dem Boden. Zuse hatte gesagt, sie müssten ein wenig schlafen, wieder Energie sammeln, doch sie konnte es nicht. Sie versuchte es wirklich, aber immer wenn sie die Augen schloss, sah sie weinende ISO Gesichter und die Wächter, die hinter ihnen ihren Diskus bereit zum Todesschlag machten. Daher lag sie die ganze Zeit nur so da, beobachtete die kleinen Wellen auf dem Teich.
Ihre Augen schmerzten.
Sie hatte nicht aufhören können zu weinen und schreien. Zuse hatte sich zu ihr hingehockt als sie so heulend gekniet ist, hat sie festgehalten, und als sie dann ein näherkommendes Luftschiff entdeckt hattten, hatte er ihr aufgeholfen. Es hatte ihn einiges an Kraft gekostet bis sie endlich ein geeignetes Versteck irgendwo in den Outlands gefunden hatten. Erschöpft war hatte Zuse sich auf den Boden gesetzt und gesagt, sie sollten sich jetzt ausruhen. Susan hatte sich aber nicht zu ihm gesetzt, sondern war einem kurzen Pfad nach unten zu diesem hübschen kleinen Teich gefolgt.
Sie wollte allein sein.
Nun, nach etwa einem viertel Millizyklus, waren alle Tränen verbraucht und so lag sie jetzt einfach nur stumm da und konnte nicht schlafen. Sie fühlte sich leer, völlig ausgelaugt, unfähig irgendetwas zu spüren. Wenn sie jetzt jemand angreifen würde, ließe sie es einfach geschehen. Es wäre die Mühe nicht wert aufzustehen und zu kämpfen. Sie hatte bereits alles verloren. Flynn war verschwunden, das Portal hatte sich geschlossen, ohne, dass er durchgegangen war, die ISOs waren alle tot, Tron war tot. CLU hatte alles zerstört, was ihr etwas bedeutet hatte. Wenn sie jetzt an die Zeit zurückdachte, als sie mit Krebs in der Klinik lag, und wie sie sich damals selbstbemittleidet hatte, musste sie den Kopf über sich selbst schütteln. Wenn sie damals gedacht hatte, sie wüsste was unfair bedeutet, dann war sie eine Idioten gewesen. Unfair war, was man CLU jetzt ohne jeden Vorbehalt vorwerfen konnte: Völkermord.
"Susan...", kam es hinter ihr schwach.
"Hm?"
Es folgte eine kurze Pause, die Susan wie eine Ewigkeit vorkam.
"Komm zu mir.", sagte Zuse schließlich.
Jetzt drehte sie sich doch träge zu ihm und sah ihn müde und emotionslos an, rührte sich jedoch keinen Zentimeter. Er seufzte enttäuscht und verschwand dann wieder aus ihrem Blickfeld.
Sie wandte sich wieder ihrem kleinen Teich zu.
Ja, sie wollte allein sein.
Oder doch nicht?
'Ich lasse dich nicht allein.', hatte er gesagt.
Zuse hatte nicht eine Träne geweint, die ganze Zeit über nicht. Konnte er überhaupt nachfühlen, was sie fühlte? Er war geschockt gewesen, ja, aber war er auch traurig?
Sie war sich nicht ganz sicher wieso, aber sie stand schwerfällig auf, ignorierte den Schwindel, der sie überkam, und trottete langsam nach oben, wo sie Zuse auf einem großen viereckigen Stein liegen sah, in den Himmel starrend.
Er sagte jedoch nichts, als er sie bemerkte, schaute sie einfach nur an. Sie ging langsam auf ihn zu und blieb dann vor ihm stehen. Sie wusste nicht was sie sagen sollte, wusste ja nicht einmal, warum sie zu ihm gekommen ist. Sie schaute verlegen auf den Boden. Lange blieb sie einfach nur so angespannt stehen.
Dann plötzlich hauchte Zuse mit sanfter Stimme: "Komm her..."
Sie sah ihm an. Er lächelte leicht.
Susan legte sich zu ihm auf den Felsen, legte ihre linke Hand auf seine Brust und ihren Kopf auf seine Schulter. Er schlang seinen Arm um sie herum und streichelte sie sanft.
Auf einmal bemerkte sie, wie sehr sie das gebraucht hatte, diese Nähe. Sie wollte nicht allein sein, auf keinen Fall. CLU hatte zwar so viel zerstört, doch sie begriff nun, dass er ihr nicht alles genommen hatte.
Sie war nicht allein.
Zuse war bei ihr und das schätzte sie sehr.
Sie bemerkte auch, dass sie total falsch gelegen ist. Zuse war auch innerlich zerrissen, so wie sie, doch er wollte es einfach nicht so rauslassen, versuchte sich zu kontrollieren, aber an seiner Umklammerung und schweren Atmung merkte sie sofort, wie verzweifelt auch er war.
Obwohl sie gedacht hatte, dass sie nun alle Tränen verbraucht hatte, fing sie wieder an zu weinen. Sie schluchzte und drückte die Lider zusammen, während sie spürte, wie Zuse nun auch seinen anderen Arm um sie legte und sie fest an sich drückte.
Diesmal fühlte sich das Weinen anders an. Vorhin hatte sie aus Verzweiflung geweint und es hatte sie nur noch schwächer gemacht, als sie sowieso schon war. Aber jetzt war es befreiender, so als ob eine Last von ihr abfallen würde. Oder, dass sie sie zumindest mit jemanden teilen konnte.
"Zuse...", schluchzte sie.
"Ich bin da, mein Schatz, keine Sorge.", flüsterte er in ihr Haar hinein. Lange verharrten sie so, bis Susan schließlich einschlief.
"Zuse?"
"Mhm?"
Beide hatten mit dem Schlafzyklus wieder Energie schöpfen können, lagen jedoch trotzdem noch auf dem Felsen. Als Susan aufgewacht war, hatte sie sich gleich wieder an Zuse geschmiegt, um die Alpträume, die sie gerade heimgesucht hatten, weitgehend zu vergessen
"Wieso wolltest du damals nicht mehr Interpreter sein?" Er sah sie verwirrt an, also erklärte sie schnell. "Nachdem ich dich im Club kennengelernt habe, hab' ich Flynn gefragt, warum er einen Club Besitzer programmiert hat, ich meine... das wäre eigenartig für einen User, weil... du weißt schon, draußen sind Programme nur Ziffern auf einem Bildschirm. Und da er dich ziemlich am Anfang des Rasters geschrieben hat, müsstest du ja einen speziellen Zweck haben, dachte ich. Er hat mir gesagt, dass du ein Interpreter Programm warst, eines der Besten, und, dass du deinen Job verdammt gut gemacht hast, aber... du hättest dich verändert. Du wolltest das nicht mehr und wurdest der Entertainer, der du jetzt bist. .. Warum?"
"Ich... Ich bin mir nicht sicher. Ich habe einfach gefühlt, dass ich etwas anderes machen musste. Dass das doch nicht alles sein konnte..."
"...dass dir diese Welt mehr bieten musste..."
Er lächelte. "Du verstehst das besser, als alle anderen, schätze ich."
Susan nickte. Genau das hatte sie sich auch gedacht, als Flynn ihr seine Geschichte erzählt hatte. Das war wohl auch der Grund gewesen, warum sie sich so gut gefühlt hatte, als sie Zuse die Wahrheit über sich erzählt hatte nachdem er ihr den Raster gezeigt hatte. Sie hatte sich verstanden gefühlt, als würde sie mit jemanden sprechen, der genauso empfand wie sie, und wie sich ja dann herausgestellt hatte, war es auch so.
Da fiel ihr plötzlich etwas ein. "Weißt du eigentlich, dass du nach Konrad Zuse, einem IT Ingenieur, benannt bist? Er hat den ersten programmgesteuerten elektromechanischen Computer erfunden. Ohne dem wären Computer wie heute bestimmt erst später erfunden worden und Flynn hätte den Raster vielleicht nie entdeckt."
"Also..." Zuse dachte kurz nach und grinste dann. "Dann bin ich also, wenn man es theatralisch ausdrückt, nach dem Schöpfer des Schöpfers benannt?"
"Hey, wir wollen jetzt mal nicht übertreiben! Werd bloß nicht größenwahnsinnig, Mann!"
Sie lachten bis Susan wieder ernst wurde.
"Leider hat Konrad Zuse seine Erfindung nicht patentieren lassen, also seine Idee schützen sozusagen, und erhielt daher nie wirklich die Anerkennung die er verdiente..."
"Was für ein trauriges Ende...", murmelte Zuse.
Susan nickte.
Ein trauriges Ende für einen User. Keine Anerkennung bekommen. Die ISOs wurden nie als die wundervollen Kreaturen betrachtet, die sie eigentlich waren.
Kaum merkbar umarmte Susan Zuse noch fester.
CLU... Er hatte die ISOs verraten. er hatte Flynn verraten, Tron und sie selbst. Er war so ein guter Freund gewesen, launisch manchmal, aber alles in allem ein guter Freund. Und jetzt? Er war kein Freund mehr, er war der Feind.
Wie konnte das nur mit ihm passieren? Er war doch anfangs so ein nettes Programm gewesen, höflich, pflichtbewusst, ehrgeizig. Dann waren die ISOs gekommen und hatten alles verändert. Sie hatten IHN verändert. Er war eifersüchtig gewesen, da Flynn sich mehr auf sie konzentrierte, als auf ihn und die anderen Basics. Doch was CLU nicht verstanden hat war, dass Flynn ihn ja genau deshalb programmiert hat. Dass er auf das System achtet, wenn er einmal seine Konzentration auf etwas anderes lenken musste, und die ISOs waren immerhin sein Lebenswerk. Außerdem hatte CLU keine Ahnung davon, was Flynn alles aufgegeben hat, um auf dem Raster sein zu können.
Da fiel Susan etwas ein. "Das Portal ist geschlossen...", sagte sie leise.
"Ja."
"Aber... Flynn ist nicht durch und... ich weiß nicht... ich glaube, er hat niemanden vom Raster erzählt, außer vielleicht seinem Sohn Sam, aber der ist doch mit 7 noch viel zu klein um zu verstehen, was hier abgeht..." Sie setzte sich auf. "Flynn ist hier gefangen. Man kann das Portal nur von außen öffnen und wenn niemand weiß, wo er ist, wird ihn auch niemand rausholen... Er wird hier nie wieder rauskönnen!"
Zuse dachte nach und schaute weg. Lange blieb er stumm.
"Hast du mir überhaupt zugehört?"
Er sah Susan an. "Natürlich habe ich das. Ich bin aber der Meinung, dass wir uns darüber nicht aufregen sollten, da wir jetzt sowieso nichts mehr tun können..."
"Ja, aber Sam ist jetzt ganz alleine! Seine Mutter ist ja auch schon tot, wenn jetzt noch sein Vater spurlos verschwindet, was wird dann aus ihm werden?!"
Zuse legte seine Hände auf ihre Schultern. "Ruhig...", flüsterte er und
bedachte sie mit einem sehr intensiven Blick.
Erst jetzt bemerkte Susan, dass ihre Atmung schnell geworden ist und, dass sie wohl eine Art hysterischen Anfall hatte. Sie versuchte sich zur Ruhe zu zwingen, konnte es aber nicht. Sie stand schnell auf und ging auf und ab, die Hände in die Hüften gestemmt.
"Wie konnte das alles nur passieren?", murmelte sie immer wieder, während sie merkte, wie ihr Tränen übers Gesicht liefen.
Zuse stellte sich neben sie. Sie schaute ihm in die hellen Augen und begann dann wieder bitterlich zu weinen. Er nahm sie in den Arm. Es machte ihm das Herz schwer Susan so zu sehen, so zerbrechlich. Susan überlegte währenddessen, ob sie diesen grauenvollen Tag jemals verkraften könnte, den Tag der Säuberung.
Susan schaute Zuse beim Herumschrauben an seinem Lightcycle zu, hier und da auch mal helfend.
Er hatte gesagt, dass sie nicht ewig hier bleiben konnten, da sie nach der Zeit zu viel Energie verlieren und derezzen würden.
"Die Outlands sind dafür ausgelegt, dass Programme hier nicht leicht überleben können. Sie sollten kein Versteck haben, um sich vor ihrer Arbeit zu drücken.", hatte er erklärt.
Deshalb war der Plan wieder nach TRON City zu gehen, jedoch in einem der niedrigeren Ebenen zu bleiben, da dort nie so viele Wächter patrouillierten, wie im Zentrum. Dort könnten sie sich aufladen und gleichzeitig verstecken. Vielleicht konnten sie sogar ein paar Programme retten, die den ISOs helfen wollten. Doch es dürfte schwierig werden, da Susan auch noch immer gesucht wurde und möglicherweise Zuse ebenfalls. Daher brauchten sie gefälschte Disken.
Während sie Zuse zuschaute, wie er in das leuchtende Gerüst weißer Strahlen griff und versuchte, den Ursprung des Schadens zu finden, frage sie etwas, was ihr schon die ganze Zeit im Kopf rumgeisterte, sie sich aber bis jetzt nicht getraut hatte auszusprechen: "Glaubst du, es hat wenigstens ein ISO überlebt?"
Zuse erstarrte und sah zu ihr hoch. Es tat Susan gleich wieder leid, dass sie gefragt hatte, denn an seinem Blick erkannte sie sofort, dass es ihn schmerzte.
"Ich... Ich glaube nicht."
Sie verfluchte sich dafür, aber Zuse hatte so einen guten Sinn für das Wesentliche, also musste sie einfach weiterfragen: "Wieso denkst du das?"
"Sie hatten keine Chance zu entkommen. Entweder sie wurden in den Städten exekutiert oder mit den Fraktionen begraben. Wenn es doch welche geschafft haben, was ich bezweifle, in die Outlands auszuweichen, so wie ... " Er schluckte. "...Quorra mit diesem Luftschiff vielleicht, dann wäre das genauso das Ende für sie. Wie ich schon sagte, die Outlands sind nicht dafür geschaffen, gestrandete Programme zu beherbergen..."
"Also hat CLU alle auf dem Gewissen...", murmelte sie.
Zuse sprach mit düsterer, etwas zorniger Stimme, während er immer noch am Lightcycle rumhantierte: "Ja, das hat er..."
Auf einmal machte es 'KLICK', das Gerüst aus Strahlen wurde mit einer festen Schicht überzogen und das Lightcycle stand nun bereit zum losfahren.
Susan legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Hast du gut gemacht..."
Zuse seufzte nur. "Komm, fahren wir."
Es war jetzt schon das vierte Mal, dass Susan sich selbst an einer Hausmauer erkannte. Überall leuchteten Bilder von gesuchten Programmen, von Revoluzzern, die immer noch an die User glaubten, so wie sie.
Sie und Zuse hatten gerade aus dem Ausstattungslager 2 Disken gestohlen. Ihr war ganz mulmig dabei gewesen, doch Zuse hatte überhaupt keine Bedenken gehabt.
"Ich tue alles, um zu überleben.", hatte er gemurmelt und Susan fand seine Entschlossenheit sehr beeindruckend.
Jetzt knieten sie in einer dunklen Gasse, wo weit und breit kein Programm zu sehen war.
Zuse legte seinen Diskus auf den neuen drauf und sie fingen beide an zu leuchten.
"Könntest du das mal kurz halten, meine Liebe?", sagte er zu Susan.
Sie nahm die zwei Disken und hielt sie zwischen sich und Zuse. Auf einmal kam so etwas wie ein digitaler DNA-Strang aus dem oberen Diskus und Zuse berührte ihn ein paar mal, woraufhin sich das Bild ständig änderte.
"Jetzt halte bitte den unteren Diskus genau über den Quellcode..." Er gab die Anweisung ohne auch nur einmal hochzusehen, war völlig vertieft in seine Arbeit.
Sie tat was er sagte und plötzlich schien es so, als ob der DNA-Strang in den anderen Diskus überginge.
"Was genau machst du da eigentlich?"
"Ich überspiele wichtige Daten in den anderen Diskus und verändere sie dann so, dass kein Wächter beim scannen erkennen würde, wer ich eigentlich bin."
"Aber... Erkennen sie dich denn nicht von den Fahndungsbildern? Ich meine, dein Outfit ausgenommen, siehst du ja noch genauso aus wie vorher..."
Er lachte. "Erstens gibt es auch andere Programme, die so aussehen wie ich, zum Beispiel..." Er stockte, biss sich auf die Unterlippe und lächelte dann wieder. "Ach, vergiss es... Zweitens stehe ich nicht auf den Fahndungslisten. Du hingegen schon, also bereite dich lieber vor für ein Umstyling."
Sie schmollte. "Mein Aussehen gefällt mir aber..."
Er schaute sie grinsend an. "Mir auch..." Er widmete sich wieder den leuchtenden Strahlen zwischen den Disken. "Aber in einer Zeit wie dieser ist es etwas unpraktisch aufzufallen, zumal du doch in der Stadt öfters abgebildet bist."
Sie seufzte. "Du hast Recht. Na gut, was ändern wir?"
"So viel, dass nur ich dich noch erkenne."
"Ich darf mich nicht mal mehr selbst erkennen?", lachte sie.
Er grinste. "Zu hohes Risiko, meine Teure." Er nahm ihr die Disken aus der Hand und schon verschwanden die Lichtketten darin. Den einen Diskus, den richtigen, legte er behutsam neben sich, den anderen steckte er in den Input auf seinem Rücken.
"So, jetzt du."
Sie gab ihn ihren Diskus und den anderen, den sie gestohlen haben, und er wiederholte die Prozedur. Jedoch diesmal brauchte er länger, da er im gefälschten Diskus die Daten für ihr Aussehen änderte.
"Und was wird jetzt anders bei mir?"
"Hm... Dir wird es bestimmt nicht gefallen, wie du aussehen wirst. Mir gefällst du auch so wie jetzt am besten, aber es muss eben sein..."
Als er fertig war gab er ihr den gefälschten Diskus.
Sie zögerte. "Wie werde ich denn aussehen?"
"Das wirst du gleich herausfinden...", antwortete er grinsend.
Sie seufzte, zuckte mit den Schultern und synchronisierte den Diskus.
Plötzlich spürte sie, wie ihre Haare länger wurden und sich ihr Anzug änderte.
Auf einmal hörte sie Zuse lachen. Sie sah ihn an und er musste noch mehr lachen. Er biss sich fest auf die Unterlippe und hielt einen Daumen hoch.
Hinter Zuse entdeckte sie eine gläserne schwarze Scheibe. Sie drückte ihn leicht zur Seite und betrachtete sich.
Ihr Anzug sah ein wenig so aus wie der von Quorra, also so als hätte sie einen Rock über ihrer Hose an. Das Schaltzeichen auf ihrer Brust, ihr Markenzeichen, war verschwunden. Ihre Augen waren lila, so dunkel, dass man es fast nicht sah, und mit viel schwarzem Lidschatten umrandet. Ihr Haar war nicht mehr schulterlang sondern sie gingen ihr bis über die Brüste. Und sie waren... Pink. Knallpink.
"WAS ZUM...?"
Susan und Zuse prusteten los, hielten sich aber augenblicklich gegenseitig den Mund zu, damit sie niemand hören konnte, und lachten dort hinein.
Als sie sich wieder beruhigt hatten, zischte Susan grinsend: "Pink? Wieso sind meine Haare PINK?"
"Ich wollte unbedingt sehen wie du damit aussiehst!", kicherte Zuse.
"Ich habe ja damit gerechnet, dass ich irgendwie verunstaltet aussehen werde... ABER PINK?!" Sie lachte auch nochmal, sagte dann aber bestimmend: "Das kann auf keinen Fall so bleiben!"
"Natürlich bleibt das so! Du siehst vollkommen anders aus, als sonst. Niemand wird dich erkennen. Und das ist ja Sinn und Zweck der Sache!"
Sie quengelte. "Ja schon... aber PIIIIINK?"
"Du wirst dich schon daran..." Zuse konnte sein Lachen fast nicht mehr halten. "...gewöhnen..."
Susan schmollte. Sie hasste pink. Aber es stimmte: Damit würde sie niemand mehr erkennen. Blieb da nur ein Problem... Ihre Haare waren verdammt nochmal PINK!
Sie lachten, doch plötzlich hörten sie marschierende Schritte und lautes Dröhnen von der Hauptstraße. Beide verstummten sogleich. Sie sahen sich an, liefen durch die dunkle Gasse zu einer niedrigen Stelle des Gebäudes zu ihrer Rechten und halfen sich dann gegenseitig hoch. Vom Dach spähten sie nach unten, um zu sehen, was da vor sich ging.
Auf dem breiten Weg marschierten hunderte orangene Wächter. Panzer fuhren zwischen ihnen und Recognizer rauschten über sie hinweg.
So hatte es CLU also anstellen können. Er hatte eine riesige Armee versteckt gehalten und nur auf den richtigen Moment gewartet. Das waren keine Sicherheitsprogramme mehr, das waren Soldaten.
Mit geballten Fäusten starrte Susan nach unten.
Wie konnte sie jetzt nur mit Zuse in einer Gasse hocken und sich über ihre Haare beschweren? Wie konnte sie so viel lachen nach allem was geschehen ist? Es war doch noch nicht einmal 6 Tage her, dass sie die ISO Fraktionen einstürzen hat sehen. Sie fühlte sich auf einmal wie eine Verräterin, als müsste sie eigentlich noch viel mehr Trauer zeigen. Sie war Zuse zwar dankbar, dass er sie von den Erinnerungen ablenkte, aber sie durfte nichts davon vergessen. Das Wunder, die ISOs, sind gestorben und Tron, ihr bester Freund auf dem Raster, ebenfalls. Und sie hatte keinen von ihnen retten können.
Susan schloss die Augen und flüsterte: "Es tut mir so Leid..."
Einen halben Zyklus versteckten sie sich nun schon in den unteren Ebenen.
CLU war in der Zwischenzeit zum Befreier des Rasters ernannt worden und überall standen Statuen von ihm. Ihm zu ehren wurden auch wieder die Spiele abgehalten, obwohl man sie nun kaum mehr so nennen konnte. Denn die User-Gläubigen, die man fassen konnte, wurden dorthin gebracht, um entweder gegen Wächter zu kämpfen, gegen die sie natürlich nicht die geringste Chance hatten, oder gegeneinander, was besonders tragisch war. Denn meistens wurden Freunde zusammen gefangen, die dann dazu gezwungen werden, aufeinander loszugehen. Und die Massen jubelten trotzdem.
Glücklicherweise wurden natürlich nicht alle gefasst. Kurz nach der Säuberung waren dutzende Programme zu ihnen, eigentlich nur zu Zuse, gekommen, um um Hilfe zu bitten. Denn er hatte immer genau gewusst, was zu tun war, hatte sie aus der Stadt schaffen können, vielen eine Zuflucht an einem anderen Ort, meistens Argon City, verschaffen können. Doch nach und nach waren weniger gekommen, bis gar keine mehr gekommen waren.
Susan war gerade allein und programmierte sich ein neues Lightcycle. Zuse war kurz weggegangen um ihre Vorräte aufzufüllen. Das hieß er stahl von irgendwo Energie, oder dealte mit hinterlistigen Programmen, die mit Flüchtlingen wie ihnen das große Geld machten. Zuse machte es ihnen aber nie leicht. Er feilschte herum, trickste sie schlau aus und bekam dann meistens mehr Energie, als er eigentlich kaufen wollte.
Susan hingegen hatte andere Methoden. Sie hatte ein paar mal Programme überfallen, die sie vorher dabei belauscht hatte, wie sie abfällig über die User sprachen. Also schämte sie sich dann auch nicht dafür, ihre Wut an diesen auszulassen. Zuse hatte einmal mit ihr geschimpft deswegen, aber nicht, weil das irgendwie unmoralisch war, sondern, weil sie ihre Tarnung aufs Spiel setzte. Aber der Streit hatte nicht lange gedauert. Keiner konnte dem anderen böse sein. Sie hatten ja nur noch sich.
Sie aktivierte das Programm, das sie gerade geschrieben hatte und schon begannen weiße Strahlen das Muster eines Lightcycles aufzuzeigen. So weit war sie schon ein paar mal gekommen, musste dann aber immer wieder abbrechen, weil sie irgendeinen Fehler entdeckt hatte.
"Aha! Hab ich dich!", murmelte sie und Griff in das leuchtende Gerüst. Sie zog ein fluoreszierendes Teil raus, schaute es einmal an und schnippte es dann gleichgültig in die Luft, wo es mit einem Knattern verschwand.
"Bist du immer noch nicht fertig?"
Susan drehte sich um.
Zuse schlenderte mit zwei Flaschen voll blau leuchtender Flüssigkeit zu dem kleinen Unterschlupf, den sie sich in einer engen Gasse gebaut haben.
"Danke, das brauch ich jetzt.", seufzte sie als er ihr eine der Flaschen reichte. "Ich komm hier einfach nicht weiter..."
"Nun, du willst ja auch nicht meine Hilfe.", sagte er und hüpfte elegant auf das Bett, das sie gemeinsam provisorisch programmiert haben.
"Ich kann das alleine. Das kann ich wirklich! Ich hab ja schonmal zwei Bikes programmiert, wovon du mir eins vor hunderten Zuschauern zerschrotet hast. Danke nochmal dafür..."
Zuse lachte, ließ ein Bein vom Bett hängen und trank.
"Nur damals...", setzte sie fort. "Da hatte ich mehr Einzelteile. Und ich hatte ein Vorbild an dem ich es nachbauen konnte..."
"Ich hab dir ja gesagt, du kannst ruhig meines haben!"
"Neiiin! Ich will es selbst schaffen!"
Er sah lächelnd auf sie hinunter. "Weißt du, dass du bewundernswert bist? Du hast schon so viel durchgemacht, auch die Sachen in der Userwelt, und du stehst immer wieder auf und versuchst alles selbst hinzubiegen. Das ist beeindruckend!"
Susan lächelte leicht. "Das liegt nur daran, dass ich immer Freunde an meiner Seite gehabt habe, so wie dich jetzt."
Zuse schaute sie noch kurz an, legte sich dann auf den Rücken und sah nachdenklich nach oben.
Plötzlich hörte Susan, wie es aufs Dach tropfte und schon wurde aus den paar Tropfen das prasselnde Geräusch von Regen. Sie seufzte. Sie arbeitete schon den ganzen Tag an dem Lightcycle und es funktionierte trotzdem nicht. Jetzt fühlte sie sich ausgelaugt.
Sie nahm einen Schluck von der Flasche, die ihr Zuse gegeben hatte, wusste aber, das das alleine nicht reichen würde. Also stand sie auf, trottete hinüber zu Zuse, wartete bis er ihr ein wenig Platz gemacht hatte und legte sich dann zu ihm.
"Wie lange glaubst du wird es dauern bis wir nicht mehr gesucht werden..." Sie lachte. "...und ich endlich diese schrecklichen rosa Haare loswerden kann?"
Zuse blieb ernst und schwieg.
Susan runzelte die Stirn und sah ihn an. "Zuse?"
Er seufzte. "Ich weiß es nicht..."
"Geht es dir gut?", fragte sie besorgt.
Plötzlich blinzelte Zuse als hätte sie ihn aus den Gedanken gerissen und grinste sie an. "Natürlich, meine Liebe!" Er wurde wieder ernst und schaute an die Decke. "Zumindest so gut wie es einem hier gehen kann..."
"Kopf hoch.", flüsterte sie aufmunternd. "Wir haben doch immer noch uns. Freunde die füreinander da sind solange es..."
"Ich will aber mehr.", sagte er gereizt.
Susan lachte verlegen und rückte ein Stück von ihm weg. "Ich bin zwar geschmeichelt, Zuse, ehrlich, aber eigentlich dachte ich, wir wären nur..."
"Das meinte ich nicht!", zischte er.
Sie schrak ein wenig zurück.
Was war nur mit ihm los? Gerade noch war er so nett gewesen, hat ihr gesagt, dass sie bewundernswert ist, und jetzt schüchterte er sie mit seiner schlechten Laune ein.
Er schloss die Augen und seufzte. "Es tut mir Leid, Susan. Ich... bin nur so müde. Morgen werde ich wieder der Alte sein, einverstanden?"
Susan dachte kurz nach, lächelte dann und legte sich wieder zu ihm hin. "Einverstanden. Lass uns einfach schlafen."
Susan öffnete ihre Augen.
Sie hatte gleich nachdem sie aufgewacht war bemerkt, dass sie alleine im Bett lag, was aber nicht ungewöhnlich war. Zuse stand immer vor ihr auf. Sie nahm an, dass das daran lag, dass er es schon gewohnt war, seine Schlafzyklen kurz zu halten, da er ja immerhin ca. 300 Zyklen einen Club geleitet hatte. Im Gegensatz zu den meisten Programmen, sogar Stammgästen, hatte er so gut wie jede Minute dort verbracht.
Sie drehte sich um. Es regnete immer noch. Zuse stand etwas weiter weg von ihr und starrte sie betrübt an.
Susan musterte ihn. Wieso schien er so eingeschnappt? Hat sie gestern etwas gesagt oder getan, was ihn verärgert haben könnte?
Er schaute auf den Boden und sprach auf einmal leise: "Es tut mir Leid... Susan, es ist... etwas passiert."
Sie runzelte die Stirn. Er machte ihr Angst.
"Ich hätte es dir gleich sagen sollen...", seufzte er. Er kam etwas näher und sah sie an. "Als ich vor drei Tageszyklen so in der Stadt nach Energie gesucht habe, habe ich Programme reden hören... über mich... Ich belauschte sie. Sie erzählten sich, was sie über Zuse und 'diesen ISO-freundlichen Club' von damals so gehört haben, verschiedenste Dinge, nicht alles wahr natürlich... Aber jedenfalls fragte dann einer den anderen, wie Zuse aussehe, und der antwortete, dass er es nicht wüsste, dass niemand das wüsste, weil alle, die ihn persönlich gekannt haben, entweder bei der Zerstörung des Clubs ums Leben gekommen sind, oder während der Säuberung hingerichtet wurden, weil sie mit ISOs kooperiert haben. Und es gibt noch etwas, das ich dir nicht erzählt habe..." Er schluckte. "Ich habe die Fahndungslisten und andere Berichterstattungen von der Säuberung nach Einträgen mit meinem Namen durchsucht und die einzigen Einträge dazu, sagen aus, dass ich bei der Zerstörung des End Of Line Clubs derezzed wurde. Ich gelte offiziell als tot, was bedeutet, dass... ICH nicht gesucht werde."
Susan schaute nachdenklich auf den Boden. Ihr war nun klar, was ihn bedrückte und was er vorhatte.
"Es tut mir so Leid... Aber weißt du... Das hier ist nichts für mich. Du weißt, wie ich bin. Ich brauche viele Programme um mich herum, Spaß und Musik..." Er stockte und biss sich auf die Unterlippe.
'Ich lass dich nicht allein.', hatte er damals gesagt.
Susan schluckte und schloss die Augen.
"Susan, glaub mir ich..."
Sie hob die Hand um ihn zum schweigen zu bringen, während sie immer noch die Augen geschlossen hatte und den Kopf nach unten geneigt hatte. Zuse verstummte augenblicklich. Er malte sich das Schlimmste aus.
Doch hingegen seiner Erwartungen hob sie den Kopf und lächelte ihn leicht an.
"Ist schon in Ordnung, Zuse..." Sie stand auf und ging auf den sichtlich verwirrten Zuse zu. "Das ist vollkommen verständlich. Dieses Leben, so auf der Flucht zu sein und sich auf der Straße zurechtfinden müssen, wünsche ich niemanden. Und wenn mein bester Freund die Möglichkeit hat, dem zu entgehen, dann sollte er die Gelegenheit ergreifen."
Zuse musterte sie und schaute immer noch schuldbewusst drein. "Aber... ich will dich nicht im Stich lassen..."
"Ach, ich komm' schon zurecht. Ehrlich, das ist ok. Du lässt mich nicht im Stich." Sie nahm sein Gesicht in die Hände und ihre Augen wurden feucht. "Versprich mir nur eins.", sagte sie zittrig.
"Alles, mein Schatz!"
Sie schluckte und versuchte ihre Stimme unter Kontrolle zu halten, während ihr dicke Tränen über die Wangen kullerten. "Lass dich nicht derezzen." Sie lachte und umarmte ihn, während sie sprach. "Ich mein's ernst! Wenn ich irgendwoher höre, dass du gelöscht wurdest, suche ich nach irgendwelchen übriggebliebenen Bits von dir und wenn ich sie gefunden habe, dann reiße ich dir den Arsch auf!"
Er lachte auch und nahm sie fest in den Arm.
Dann drückte Susan sich leicht weg, atmete tief durch, um ihre Weinerlichkeit loszuwerden, und lächelte ihn dann wieder an. "So. Du solltest jetzt gehen. Du darfst keine Zeit mehr verschwenden. Bring dein Leben wieder in geordnete Bahnen..."
Er wischte ihr lächelnd eine Träne von der Wange. "Wir werden uns wieder sehen, das verspreche ich dir."
Sie schluckte und nickte.
Er ließ sie los, nahm ihre linke Hand in seine und küsste sie sanft. "Susan Gifford, es war mir eine Ehre."
"Dito.", lachte sie.
Er lächelte sie noch einmal breit an, drehte sich um und ging. Während er so wegschleuderte rief er noch: "Auf dass die Party ewig weitergeht, meine Liebe!"
Sie lächelte traurig.
Sie freute sich für ihn, dass er nun wieder frei war. Doch jetzt stand sie wieder ohne jemanden an ihrer Seite da.
Ihr Herz wurde schwer und das Lächeln erstarb. Sie sah Zuse noch nach bis er voll und ganz weg war. Genau wie Tron und Flynn war nun auch er aus ihrem Leben verschwunden. Ihr letzter Freund, ihr letzter Halt.
Susan ließ den Regen auf sich herabprasseln und starrte auf den Punkt, wo er verschwunden war.
Sie war ganz allein. Ganz alleine in den unteren Ebenen der größten Stadt des Rasters. So hätte sie sich das Leben hier nie vorgestellt. Sie hatte von Spaß und Abenteuern geträumt, nicht von Tod und Verzweiflung. CLU hatte den Raster vollkommen verändert. So besonders sie sich anfangs auch vorgekommen war, jetzt wusste sie, dass sie nur eine unbedeutende Schachfigur in seinem Spiel war, eine um die nun, nachdem Zuse gegangen war, keine andere Figur mehr stand.
In diesem trüben Moment, verlassen von jeglicher Freude, ahnte sie nicht im geringsten, dass sie, Susan Gifford, zu Höherem bestimmt war...
...to be continued in "TRON: Downfall - Der Fall"...
