Thatch verfiel nicht in Panik, keineswegs. Er lief nur so durch die Stadt und blickte sich wie ein aufgescheuchtes Huhn um. Sie hatten sich vor einer Stunde treffen wollen. Wo war Marco? Er war noch nie zu spät gekommen. Obwohl der inzwischen Vierzehnjährige gut für sich selber sorgen konnte machte sich Thatch doch immer noch Sorgen um seinen kleinen Bruder wenn dieser allein unterwegs war. das war einfach die Natur eines älteren Bruders, völlig normal. Daher suchte ihn der Achtzehnjährige nun auch, er wollte einfach sichergehen das alles in Ordnung war, mehr nicht. Auch wenn es Marco inzwischen nervte und er darauf bestand allein zu Recht zu kommen, so konnte Thatch nicht anders. Ja, er wusste wie stark sein kleiner Bruder geworden war und er hatte auch eine Ahnung wie stark er noch werden würde. Trotzdem durfte er sich Sorgen machen, das war quasi sein Job. Er war so mit suchen beschäftigt das er den anderen erst sah als es zu spät war, er prallte in vollem Lauf gegen den riesigen Mann, hinter welchem drei weitere Männer standen. „Verdammter Dreck…", murmelte Thatch und rieb sich den Kopf, dann stand er auf und blickte zu dem Mann hoch. „Schuldige Mann, hab dich nicht gesehen.", murmelte er, irgendwie sagte ihm was das er diesen Mann nicht verärgern sollte, ansonsten eine Spezialität von ihm. „Schon gut Bengel. Alles in Ordnung?", brummte der Mann mit den blonden Haaren und beeindruckenden Schnauzbart. „Klar, Mann.", meinte er und sah nun zu den Männern hinter dem Riesen. Ein ebenfalls großer Mann mit einer düsteren Miene, ein Mann mit einem Zylinder und Schnauzbart und einer mit einer Zigarre im Mund. Seltsamer Haufen. „OI, da vorne!", schrie jemand von einer Nebenstraße und Thatch hörte wie eine ganze Horde vorbeirannte. Kurz schloss er seine Augen und bettelte: „Bitte, lass es nicht ihn sein." Doch anscheinend hatte jemand da oben was gegen ihn als er sah wie Marco um die Ecke bog, ein Grinsen auf den Lippen das er nur allzu gut kannte. Der Blonde hielt keine Sekunde an, sondern raste auf Thatch und die Männer zu. „Hey, Thatch."; rief er nur als er vorbeirannte und hinter ihnen eine ganze Horde Männer erschien die rauchten vor Wut. „Was hast du nur wieder getan?", rief Thatch und eilte seinem Bruder hinterher, die anderen Männer vollkommen vergessend. Plötzlich ertönte hinter den Brüdern ein Knacken und dann ein Beben, erschrockene Ausrufe wurden laut, dann war es still. Verwundert hielten die beiden Jungen inne und drehten sich um. Fassungslos sah Thatch wie die ganzen Männer die hinter seinem kleinen Bruder her gewesen waren nun bewusstlos im Staub lagen und zwischen ihnen und den Brüdern die vier anderen Männer von eben standen, vollkommen unbeschadet. Ein donnerndes Lachen erfüllte die Stille und der Mann mit dem weißen Schnauzer sah auf die beiden Brüder hinab, ein Grinsen im Gesicht. Thatch sah noch immer fassungslos zu den Männern am Boden als Marcos Stimme erklang: „Sind das Freunde von dir Thatch?" Nun erst wieder an seine Wut erinnert fuhr er herum und verpasste dem Kleineren einen Hieb auf den Hinterkopf. „Autsch! Wofür war das denn, yoi?", beschwerte sich dieser und rieb sich die Stelle. „Das weißt du ganz genau! Was habe ich dir über das Aufwiegeln von Mobs gesagt?", fuhr Thatch ihn an. „Einen guten Grund dafür zu haben.", erwiderte Marco und Thatch stöhnte genervt auf. Ja, er liebte seinen Bruder über alles, aber manchmal würde er nichts lieber tun als ihn zu schütteln bis etwas Verstand in die Birne von dem Vogel kam. „Und der Grund hierfür wäre?" Nun strahlte Marco ihn doch tatsächlich an und hielt ihm zwei Schwerter hin. „Ich dachte die würden dir gefallen, yoi." Entgeistert blickte Thatch auf die Schwerter, dann wieder zu Marco. War das sein Ernst? Dennoch nahm er sie entgegen und wog sie in den Händen. „Die sind gut. Schön ausbalanciert, nicht zu schwer... Was hast du dir nur gedacht?! Das nennst du einen guten Grund?", schrie er und verpasste Marco noch eine. Nun ertönte ein Lachen neben ihnen und verwundert wandten sie sich um. Thatch sah zu dem Mann in den er hinein gelaufen war und bemerkte nun das enorme Grinsen mit welchem er ihn und Marco bedachte. Sofort ging er in die Defensive und trat halb vor seinen kleinen Bruder. „WAS?", fauchte er und ignorierte Marcos Stoß in seine Seite, seine Augen auf den großen Mann gerichtet. Nie hätte er die nächsten Worte des Mannes erwartet als er immer noch grinsend sagte: „Tretet meiner Crew bei."
Am selben Abend saßen sie mit dem Kerl, Edward Newgate, und seinen drei Crewmitgliedern in einer Bar und Thatch musterte ihn immer noch misstrauisch während Marco beleidigt war weil er ihm nichts von seinem Sake abgab. Aber was für ein Bruder wäre er wenn er dem Kleinen mit Vierzehn Sake gäbe? „Du willst uns echt in deiner Crew?", fragte Thatch erneut nach, noch immer konnte er es nicht recht glauben. Wusste der Alte wie viel Ärger er da zu sich einlud? „Natürlich, Bengel. Du und dein Bruder. Segelt unter meiner Flagge und befahrt die Gewässer so frei wie es nur möglich ist.", brummte Newgate und nahm einen ordentlichen Schluck Sake. Thatch suchte Marcos Augen, er musste wissen was sein Bruder davon hielt. Ihm gefiel die Vorstellung Pirat zu werden und der Alte wirkte nicht übel, aber ohne Marco würde er nirgendswo hingehen. Fragend hob er seine Augenbrauen als er in Marcos blaue Augen sah und neigte seinen Kopf leicht zu Newgate. Marco sah überlegend zu dem großen Mann, dann zu Thatch und dieser sah wie ein Mundwinkel seines kleinen Bruders nach oben wanderte. Ein breites Grinsen auf dem Gesicht sah er zu Newgate auf, welcher den stummen Austausch der Jungen interessiert beobachtet hatte. „Okay!"