Hey :) Ich wollte mich erst einmal bei euch bedanken, dass ihr die Geschichte lest und ich hoffe, sie gefällt euch soweit. Ich denke, es werden so etwa 14 Kapitel werden, vielleicht auch nur 13.. je nachdem wie ich voran komme ;D Ich wird mich gleich ans 12. Kapitel setzen und losschreiben :) Aber bevor ich euch hier weiter zutexte... hier ist das nächste Kapitel. Viel Spaß beim Lesen :)


Eine Vermutung

James starrte die Frau, die ihn so viele Male zusammengeflickt hatte, wie vom Donner gerührt an. Sie hatte eindeutig den Verstand verloren. Oder er hatte den Verstand verloren. Ja, eins der beiden musste es sein. So sehr er jedoch hoffte, dass es die erste Möglichkeit war, lag ihm bedauerlicher Weise die zweite doch näher. Oder Sirius färbte so langsam auf ihn ab? Naja, er hatte wohl doch eher einen ernsthaften Knacks vor so vielen Jahren abbekommen. Eine andere Erklärung gab es nicht. Ihm war schon klar, dass er nicht derselbe war nach dem Tod seines Sohnes, aber dass es so schlecht um in stand, war im bisher nicht klar geworden. Naja, besser spät als nie. Immerhin war Sirius nicht an allem Schuld. An vielem, ja, aber nicht an allem.

Rechts neben ihm hatte Lily ganz andere Gedanken. Sie war nachdem sie den Namen ihres Sohnes gehört hatte, in James Armen zusammengeschrumpft, so fühlte sie sich jedenfalls gerade. Sie war sich sicher, aus eigener Kraft, würde James sie nun aus welchem Grund auch immer, loslassen, nicht zum Stehen im Stande wäre. Sie fühlte nichts außer die warmen kräftigen Arme ihres Mannes und hörte nichts anderes als Madame Pomfreys Stimme in ihrem Kopf. „Und dieser junge Mann hört auf den Namen Harry James Potter… auf den Namen Harry James Potter… Harry James Potter…" Harry! Ihr Sohn!

„Oh je", sagte die Schulkrankenschwester matt und sah die beiden zu Stein gewordenen Potters an. „Ich befürchte, sie haben einen Schock erlitten, die Armen. Würdest du mir helfen, sie auf die Betten zu legen, Albus?" Poppy beschwor mit einem ausladenden Schlenker ihres Zauberstabes zwei weitere Betten aus dem Nichts hervor, auf die sie die Potters legten. Nun wurde der Raum langsam etwas voll. „So selten ich diesen Raum auch nutze, es kommt immer häufiger vor, dass er zu klein ist", murmelte sie und nahm James Potter seine Brille ab. „Nun, denn. Ich geb den beiden hier am besten einen Beruhigungstrank. Vielleicht hilft der ja. Albus, wärst du so gut?"

Nachdem sie den beiden geschockten Eltern ein Glas hellblauen Zaubertrank eingeflößt hatten, setzte sie sie mehr schlecht als recht neben die Betten der Erwachsenen und warteten darauf, dass der Trank seine Arbeit tat.

Als erstes blinzelte James, fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und setzte sich grummelnd auf. Madame Pomfrey reichte ihm mit einem „Hier, bitteschön, mein Lieber" seine runde Brille, die er sich mit einem dankenden Nicken auf die Nase setzte. „Was ist passiert?", fragte er verwirrt und sah sich in dem dunkeln Raum um. Sein Blick fiel zunächst auf Lily, die bewusstlos im Bett neben ihm lag, und wanderte über drei weitere bewusstlose Körper, die auf Betten an der Wand lagen und mit einmal erinnerte er sich. Ein Knall, ein Schrei, Lily, die Eindringe, der Hirsch, Harry! „Oh, Merlin", James stöhnte auf und blinzelte zu dem Jungen, der ganz rechts lag hinüber. „Oh, Merlin. Sagt jetzt bitte nicht, dass das alles wirklich passiert ist!"

„Das was alles wirklich passiert ist, mein Junge?", Albus Dumbledores Augen blitzten vergnügt auf. Mit einem leichten Kichern zwinkerte er einem verdrießlich dreinblickenden James Potter entgegen und lächelte ihm munter zu.

„Das machst du extra, oder?" James fuhr sich grummelnd mit der Hand durch sein ohne hin zerzaustes Haar, als gerade Lily mit einem leichten Stöhnen wieder zu sich kam. „Was…?", murmelte sie leise und riss im nächsten Moment sie Augen auf, setzte sich aufrecht hin und wirbelte zu dem Jungen, den James eben noch angeschaut hatte hin. „Es ist war, oder nicht? Ist das wirklich mein kleines Baby?", flüsterte sie mit glühenden Augen. „Ist das da Harry?"

„Ich glaube, wir müssen uns unterhalten", sagte Dumbledore ruhig, stand auf und half Lily auf die Beine. „Ich nehme an, mein Büro wäre der beste Platz dafür, findet ihr nicht auch?" Mit einem Nicken zu James wandte er sich um, stieg in den Kamin und verschwand in den Flammen.

„Aber…", fing Lily an und blickte von der bewusstlosen Form ihres verstorbenen Sohnes zu ihrem Mann, zu dem Kamin und wieder zurück.

„Ich werde euch Bescheid geben, wenn einer der drei aufwacht", versprach Madame Pomfrey und führte eine noch recht wackelige Lily zum Kamin. „Ich bin ja dagegen, euch jetzt schon hier raus zu lassen, aber wenn Albus es so will", schnaubte sie und deutete James, ihnen zu folgen. „Versprecht mir nur, euch zu schonen. Das heißt kein Hin- und Herlaufen", sie sah James mit einer strengen Miene an, der ihr unschuldig zulächelte. „Nun denn, der Schulleiter wartet."

In Dumbledores Büro angekommen hatte James wenig Zeit sich umzusehen, da Lily keine zehn Sekunden nach ihm ins Zimmer gestolpert kam und nur so einiger Maßen ihre Würde behielt, da James sie auffing. „Danke", murmelte sie ihm zu und fügte mit leicht roten Wangen hinzu „ich hasse Flohpulver!" James zwinkerte ihr zu und geleitete sie zu einem der beiden Stühle, die vor Dumbledores Schreibtisch positioniert waren.

Dumbledore wartete bis beide saßen, legte seine Fingerkuppen übereinander und musterte die ehemaligen Schulsprecher. James hatte Lilys linke Hand in seiner rechten und fuhr beruhigend mit seinem Daumen über ihre Handfläche. Alles würde gut werden.

Dumbledore lächelte und atmete einmal tief durch. „Nun, wie ich vermute und wie ihr eben schon angedeutet habt, möchtet ihr eine Erklärung der Geschehnisse haben und ich verstehe euch nur zu gut. Es ist sicher nicht leicht, sein Kind zu verlieren, nur, um Jahre später das tot geglaubte Familienmitglied atmend und um einiges gealtert vor sich zu sehen", er räusperte sich und sah die Potters an. Lilys Gesichtsausdruck war angespannt, James' zeigte keine Gefühle. Das Aurorentraining hat auch seine Nachteile, dachte Dumbledore niedergeschlagen und konzentrierte sich wieder auf die Situation, mit der sie gerade umgehen mussten.

„Diese Erklärung kann ich euch leider nicht geben, wie ich es schon in Godric's Hollow gesagt habe, jedoch", Dumbledore hob seinen Finger, als Lily ihren Kopf enttäuscht sinken ließ, „jedoch hatte ich ebenso gesagt, dass ich eine Hypothese habe, die im Moment nur auf Annahmen beruht und somit nicht der Wahrheit entsprechen muss. Ich habe mich dennoch dazu entschieden, die Wartezeit, bis unsere besonderen Gäste aus ihrer Bewusstlosigkeit erwachen, sinnvoll zu nutzen und euch die groben Außenlinien meiner Vermutung zu erläutern." Dumbledore räusperte sich. „Nun, ich muss zunächst zugeben, dass ich so etwas noch nie zuvor gesehen, davon gelesen oder davon gehört habe. Meines Wissens ist diese Situation, in der wir uns zur Zeit befinden, einmalig und deshalb gibt es leider auch keine Literatur, die ich zur Unterstützung meiner Hypothese herbeiziehen könnte. Um euch meinen Gedankengang so deutlich wie möglich zu machen, möchte ich von ganz vorne beginnen. Nun, es war schon beunruhigend genug, als James mir berichtete, dass drei Unbekannte durch eure Schutzzauber direkt in euer Haus gelangen konnten, ohne, dass der Alarm ausgelöst wurde, doch als Lily mir das Stofftier gezeigt hat, welches erstaunlich ähnlich wie das Originaltier aussah, kam mir eine Vermutung. Dasselbe Stofftier, mit derselben Widmung und doch war der Zustand des zweiten Spielzeuges um so viel schlechter. Geschweige denn davon, dass etwas, das einmalig war zweimal existierte." Lily sah zu James hinüber, der ihr müde zulächelte. Sie hatte Recht gehabt. Es war dasselbe Tier.

„Diese Tatsache ließ mir keine andere Wahl, als über die normalen Grenzen der Zaubererwelt hinweg zu denken. Wir sind uns so sicher, dass das, was wir hier sehen, was wir hier erleben, die einzige Möglichkeit ist, wie etwas passieren soll, wenn das einen Sinn macht. Wir überlegen uns ‚Was wäre, wenn..', nur um diesen Gedanken zu verdrängen, da es nichts bringt, über eventuelle Auswirkungen einzelner Entscheidungen von uns nachzudenken. Auf dieser Basis habe ich meine Hypothese aufgebaut. Ein Beispiel." Dumbledore stand auf und ging vor Lily und James langsam auf und ab, ein Arm über seiner Brust verschränkt, die andere Hand über denen Bart streichend.

„Nehmen wir einmal an, dass zwei kleine Mädchen, die die besten Freunde waren, in einen Streit über eine Blume gerieten. Das erste Mädchen wollte die Blume für sich haben, das zweite jedoch auch. So beschloss das erste Mädchen solange an der Blume zu ziehen, bis sie sie besaß, doch die Blume riss entzwei, das zweite Mädchen viel zu Boden und fing an zu weinen. Damit endete ihre Freundschaft. Hätte das erste Mädchen anstelle an der Blume zu ziehen, eine weitere Blume gepflückt, wär das zweite Mädchen nicht gefallen und sie wären beide glücklich gewesen. Was ich damit sagen möchte, ist, dass dieses Mädchen zwei Wege hatte, wovon sie entweder den Weg wählen konnte, der mit dem Ende ihrer Freundschaft einher ging, oder den anderen Weg, in dem ihre Freundschaft diese kleine Auseinandersetzung überlebte. Wählt sie den ersten Weg, so sind die beiden keine Freunde mehr, sie finden irgendwann neue Freunde und gehen ihren eigenen Weg. Wählt sie jedoch den zweiten Weg, könnte die Freundschaft ein ganzes Leben andauern. Versteht ihr, was ich damit sagen will?"

Dumbledore blieb stehen und blickte die beiden stummen Eltern vor sich an.

„Soll das heißen, dass es immer mehrere Möglichkeiten gibt, in denen Menschen handeln können, die aber andere Auswirkungen auf ihr Leben haben?", fragte James mit runzelnder Stirn. Das war doch klar, wieso verschwendete Dumbledore ihre Zeit?

„Ja und nein", sagte Dumbledore und ging zum Fenster hinüber, welches ihm einen guten Überblick der Ländereien von Hogwarts bot. „Ich möchte damit sagen, dass selbst, wenn man einen Weg wählt, es immer einen zweiten, vielleicht sogar einen dritten und vierten Weg gibt, der einen anderen Verlauf der Geschehnisse mit sich bringt. Meine Vermutung ist, und ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass es sich hierbei um eine reine Hypothese handelt, dass sich an jeder Kreuzung, die zu all den Wegen führt, etwas wie eine neue Welt bildet. Eine Dimension, wenn ihr es so nennen wollt. Denken wir noch einmal an die Geschichte mit den beiden kleinen Mädchen zurück. Halten die beiden die Blume in den Händen, so hat das erste Mädchen nun die Möglichkeit, den einen oder den anderen Weg zu gehen. Geht sie den Weg, in dem ihre Sturheit die Überhand gewinnt, spaltet sich in diesem Moment eine weitere Dimension von der schon vorhandenen ab, in der das Mädchen ihre Freundschaft in den Vordergrund stellt. Ab diesem Moment existieren zwei Dimensionen, in der einen sind die Mädchen noch Freunde, in der anderen jedoch gehen sie ihren eigenen Weg und treffen nie wieder aufeinander. Überträgt man diese Vermutung nun auf unsere Situation…"

„Willst du damit sagen", ertönte Lilys leise Stimme, „dass der Harry, der im Krankenflügel liegt wirklich unser Sohn ist? Unser lebender Sohn aus einer anderen Dimension, weil in seiner Dimension einer eine andere Entscheidung getroffen hat und Harry somit überlebt hat?" Mit rotunterlaufenen Augen blickte sie zu ihrem alten Schulleiter hoch. Konnte sie es wagen, zu hoffen?

„Genau das möchte ich damit sagen", sagte Dumbledore lächelnd und setzte sich erneut hinter seinen Schreibtisch. „Wie die drei die Dimensionen gewechselt haben ist mir schleierhaft, aber ich bin mir sicher, sobald sie wach sind, können wir mehr Informationen sammeln."

In diesem Moment klopfte es an Dumbledores Tür und der Kopf von Madame Pomfrey erschien. „Ms. Granger ist wach, Albus."