A/N: Nach dem 12. Kapitel wird diese Geschichte zu Ende sein. Ich sag das nur, da ich in einem der letzten Kapitel geschrieben hab, dass ich evtl 13 oder 14 Kapitel hochladen werde, aber das Ende hat an der Stelle so gut gepasst, dass ich es da einfach hinpacken musste xD Ich hoffe, ihr seid mir nicht böse :)
Und nun weiter mit dem nächsten Kapitel! Viel Spaß beim Lesen :)
Überlappende Dimensionen
Zu Hause angekommen stürmte Lily durch das Wohnzimmer in den Flur, die Treppe hinauf und in das alte Kinderzimmer ihres Sohnes. Sie konnte noch nicht einmal mehr denken ‚Ihres verstorbenen Sohnes'! Er war tot, aber irgendwie auch nicht. Es war alles so verwirrend.
Sie nahm das Stofftier hoch, mit welchem diese ganze Sache begonnen hatte, und setzte sich auf den Schaukelstuhl, in dem sie so viele Stunden verbracht hatte, alleine damit verbringend ihrem Sohn Bilderbücher zu zeigen, ihm Geschichten aus ihrer Hogwartszeit zu erzählen oder ihm vorzusingen. All diese Zeiten waren nur noch Erinnerungen und sie tat nicht gut daran, an ihnen verzweifelt festzuhalten, wie sie es all die Jahre getan hatte. Sie war auf einem guten Weg. Sie hatte wieder angefangen als Heilerin im St. Mungos Hospital für magische Krankheiten und Verletzungen zu arbeiten, hatte sich mit Freunden verabredet, Spaß gehabt. Klar, sie konnte und wollte Harry nicht vergessen, aber sie musste wieder ins Leben finden und das hat sie auch geschafft. Doch ab dem heutigen Tage war alles wieder so verwirrend, die alten, schon vernarbten Wunden rissen wieder auf und ihr wurde es noch nicht einmal gestattet, ihren mütterlichen Instinkten zu folgen und nach ihrem Baby zu sehen! Er war doch ihr Sohn! Er war verletzt und brauchte sie.
Das Stofftier in ihren Händen zitterte. Wie konnte er es nur wagen? Dumbledore! Mit einem Satz stand sie wieder, das Kuscheltier wie eine Rettungsleine an sich drückend und marschierte in dem kleinen Zimmer auf und ab. Wie konnte er es wagen, ihr den Zugang zu ihrem Sohn zu verweigern? Dem Jungen, den sie großgezogen hätte. Dem Jungen, den sie seit fünfzehn Jahren nicht mehr in den Armen halten, geschweige denn sehen konnte, da er mehrere Meter unter der Erde auf dem Friedhof von Godric's Hollow lag! Und dieser alte Mann, der nichts von mütterlichen Gefühlen verstand, der wahrscheinlich noch nicht einmal wusste, was sie die letzten Jahre hatte durchmachen müssen und jetzt durchmachte, der wahrscheinlich noch nicht einmal das Gefühl kannte, von dem eigenen Kind mit großen Augen angeschaut zu werden und „Mama" – oder in seinem Fall „Papa" – genannt zu werden… dieser Mann wagte es, ihr das zu nehmen, wonach sie sich in diesem Moment am meisten sehnte! Sie schnaubte und warf dem Buchregal einen finsteren Blick zu, als hätte es gerade verkündet, es stünde auf der Seite des naiven alten Mannes. Oh, wie sehr sie ihm ihre Meinung sagen wollte! Wie sehr sie ihm vorwerfen wollte, ihr Leid zuzufügen und sich einfach an ihm vorbei drängen und zum Krankenflügel rennen wollte.
Ein zögerliches Räuspern riss sie aus ihrer Rage und sie blickte mit weit aufgerissenen Augen zu ihrem Mann hinüber, der am Türrahmen zum Flur gelehnt mit verschränkten Armen stand. Er atmete einmal tief ein, als er seine wütende Frau mit hochrotem Kopf ihn anstarren sah und ging vorsichtig zu ihr hinüber. „Wir werden ihn bald sehen", sagte er mit zitternder Stimme und nahm sie zaghaft in den Arm. Er hatte Lily selten so wütend gesehen. Das letzte Mal – bevor sie von der Trauerphase in die ‚Es ist meine Schuld'-Phase überging und sich in Selbsthass badete – war, als sie Harry Sirius überlassen hatten, damit sie in dem nahegelegenen Pub einen gemütlichen Abend haben konnten. Zu Hause angekommen sahen sie einen vor Freude kichernden Harry auf dem Boden sitzend, sein Patenonkel mit weit herunter hängendem Unterkiefer seinen Patensohn anstarrend. Auf die Frage, was Sirius so geschockt hatte, blickte dieser nur mit einer schulbewussten Miene zu den beiden hoch und zuckte stark zusammen, als Harry sein erstes Wort sagte „Tadse!" Lily war daraufhin in die Luft gegangen. Das erste Wort Harrys und es war nicht „Mama" oder „Papa"! Nein! Es war ‚Tatze'! James war auch nicht gerade darüber erfreut gewesen, konnte Sirius jedoch auch um keine Erklärung bitten, da er zu sehr damit beschäftigt war, eine hochrote und stink wütenden Lily von seinem besten Freund fern zu halten und sie so gut es ging zu beruhigen.
„Aber wann, James?", Lily wand sich aus seinen Armen und fing erneut an, in dem Zimmer auf und ab zu gehen. „Es kann doch nicht sein, dass dieser… dieser Mensch", sie zischte das Wort so gehässig aus, dass James zusammen zuckte, „uns den Umgang mit unserem Sohn verbietet! Harry liegt im Krankenflügel und ist verletzt, ohnmächtig und wir wissen noch nicht einmal, was er alles genau für Verletzungen hat, wie lange er brauchen wird, um wieder ganz gesund zu werden, und alles, was er uns zu sagen hat ist ‚Er ist bewusstlos'. Super! Klasse! Genau das, was ich hören möchte!" Verächtlich drehte sie sich zu James um, der sie etwas verängstig ansah.
„Es handelt sich hier um unseren Sohn, James!"
„Ich weiß das, Lily. Und glaub mir, ich möchte ihn genauso stark sehen, wie du! Und ich versteh Dumbledores Beweggründe gerade auch nicht, aber so weh es auch tut, er wird seine Gründe haben!" James ging erneut auf Lily zu und diesmal versuchte sie nicht, auf seiner Umarmung zu kommen. „Madame Pomfrey hat gesagt, er würde im Laufe des Tages zu sich kommen. Wir können nicht mehr tun als zu warten. Und ob wir nun an seinem Bett sitzen oder ob wir uns in aller Ruhe einen Plan ausdenken, wie wir Mary von ihm erzählen ist doch egal. Wir werden Harry heute noch sehen. Nur nicht jetzt." Seit wann bin ich eigentlich der Vernünftige?
Lily seufzte und legte ihre Stirn an James Schulter. „Aber, was, wenn er aufwacht und wir sind nicht da. Er wird so verwirrt sein, wenn Madame Pomfrey ihm erzählt, dass…"
„Laut Hermine ist er es gewöhnt, dass wir nicht an seinem Krankenbett sind, Lily." Bei diesen Worten zuckte sie zusammen und James drückte sie noch fester an sich. „Ich denke, es ist das Beste, wenn er erst einmal darauf vorbereitet wird, dass wir noch am Leben sind. Er hat sein ganzes Leben lang ohne uns auskommen müssen. Ich glaube, es wird ihn nur noch mehr überfordern, wenn wir sofort bei ihm sind und du ihn bemutterst."
Mit einem Lächeln drückte James der nun wieder leicht kichernden Lily einen Kuss ins Haar. „Glaub mir, er braucht Zeit und wir brauchen sie auch."
„Du hast wahrscheinlich Recht", murmelte Lily und lächelte ihn durch ihre Tränen hindurch an.
„Ich und Recht haben? Wow, das ist Premiere!"
Lachend boxte Lily ihm spielerisch gegen den Arm. „Gewöhn dich nicht dran!"
James grinste sie verschmitzt an und küsste sie auf die Nase. „Das hab ich befürchtet."
„Lily? Jamie?", „Wir sind oben, Tatze!" James drückte Lily noch ein letztes Mal an sich. „Wir kriegen das schon hin", flüsterte er ihr ins Ohr.
Lautes Gepolter folgte und wenige Augenblicke kam ein empört aussehender Sirius ins Zimmer gestiefelt. „Dumbledore hat nicht vor, euch Harry wegzunehmen und bevor da mich anbrüllst", fügte er schnell hinzu, „ das hat er gesagt. Das kommt nicht von mir."
„Wie kommst du darauf, dass ich dich anbrüllen sollte?" James runzelte die Stirn und blickte seinem besten Freund mit einem schiefen Grinsen entgegen.
„Nicht du, sie", sagte dieser und deutete mit einer Hand auf Lily, die verdutzt den Kopf zu ihm umwandte.
„Wieso sollte ich dich anschreien?"
„Oh, Evans", trällerte Sirius und zwinkerte ihr zu. „So ungern du das auch hörst, ich kann dich lesen, wie ein offenes Buch! Und dass unser lieber Jamie hier jahrelang nur über dich gesprochen hat, hat wohl dabei geholfen. Irgendwas musste ja von dem hirnlosen Gefasel hängen bleiben!"
„Oi! Ich gebe nie hirnloses Gefasel von mir wieder!"
„Ach, nein?" Lily grinste ihrem Mann scheinheilig zu und verschwand mit wehenden Haaren aus dem Zimmer.
„Tja, tut mir ja Leid für dich, Krone, aber sie trägt hier wohl die Hosen in dieser Beziehung!"
„Wieso habe ich nur so gemeine Freunde", murmelte James und ging seiner Frau hinterher in die Küche. Als James und Sirius um die Ecke bogen, wurden sie von Mary begrüßt, die mit ihrer Mutter und einer Tasse Tee am Esstisch saß.
„Ich bin dann mal weg", Sirius klopfte James auf den Rücken, küsste Lily auf die Wange und flüsterte im Hinausgehen seinem Freund noch ein leises „Viel Glück" zu, bevor er in dem Kaminfeuer verschwand.
„Onkel Remus meinte, ich habe vor eine Woche frei", meldete sich die Jüngste im Bunde und nahm einen Schluck Tee. „Gibt's dafür irgendeinen bestimmten Grund?"
„Mary", begann Lily und blickte James verunsichert an. „Wir müssen etwas mit dir besprechen. Es ist wichtig."
„Okay", Mary nahm einen weiteren Schluck Tee und beäugte ihre Eltern neugierig. „Was gibt's?"
Doch ehe irgendeiner von ihnen etwas sagen konnte, unterbrach Mary sie. „Falls es mit dem dampfenden Schleim am Slytherintisch zu tun hat, ich bin unschuldig."
„Was für ein dampfender Schleim?", fragte Lily verdutzt und sah ihre Tochter misstrauisch an.
„Och, nichts weiter", Mary lächelte ihnen unschuldig zu.
„Mary Lilian Potter, was meinst du mit Schleim am Slytherintisch?"
„Oh, alle drei Namen", murmelte James kleinlaut und blickte von seiner Freu zu seiner Tochter und wieder zurück.
„Nicht wichtig, Mum", sagte letztere fröhlich. „Ihr wolltet wir etwas erzählen?"
„Sei froh, dass das, weswegen du jetzt zu Hause bist, wichtig ist, denn sonst würde sich dich sofort in zu Minervas Büro zerren. James wahrscheinlich gleich mit."
„Was hab ich damit zu tun?"
„Du hast ihr wahrscheinlich ein paar zu viele Rumtreibergeschichten erzählt und ihr den Floh in den Kopf gesetzt, ein Potter müsse ein wenig, wie habt ihr es doch gleich noch genannt?", Lily tat so, als ob sie ganz genau überlegte. „Ach ja, die Stimmung aufheizen." Lily schmunzelte ihm zu.
„Mum?", unterbrach Mary ihre Eltern, als ihr Vater mit gespielt empörter Miene den Mund aufriss, um sich zu verteidigen.
„Also, Tochter", begann James und wandte sich von der immer noch schmunzelnden Lily Potter ab. „Wie deine Mutter eben schon so treffend sagte", er warf Lily einen Blick zu, ihre Neckereien vergessen, „haben wir tatsächlich etwas, wovon wir dir erzählen müssen." Er räusperte sich und sah hilfesuchend zu seiner Frau hinüber.
„Als wir heute Morgen vom Friedhof wiedergekommen sind, bin ich sofort nach oben gegangen, das weißt du ja", begann Lily unsicher und blickte ihre Tochter an. „Du weißt ebenso, dass aus welchen Grund auch immer drei Teenager aus heiterem Himmel erschienen sind, alle drei bewusstlos."
Mary nickte.
„Nun, als wir die drei in den Krankenflügel gebracht haben, hat Madame Pomfrey sofort angefangen, sie zu untersuchen. Eindringlinge oder nicht, wir wollten wissen, ob sie irgendwelche schwerwiegenden Verletzungen hatten. Sie hat ein paar Diagnosezauber über sie gesprochen, darunter einer, der nicht nur die derzeitigen Verletzungen der Patienten anzeigte, sondern darüber hinaus auch ihre Krankengeschichte, darunter auch ihren Namen und das Geburtsdatum." Sie blickte zu James hinüber, der fortfuhr.
„Du musst wissen, dass dieser Zauber, wenn richtig ausgeführt, nicht lügt. Selbst wenn deine Mum den Zauber über einen kuriosen Mann spricht, der in Sirius Schlafzimmer Gestalt annimmt und der Zauber sagt, dieser Mann sei Severus Snape, wüssten wir, dass Sirius lügt, wenn er sagt, er habe nichts mit Snape hat."
Mary kicherte und Lily trat James unter dem Tisch auf den Fuß.
„Autsch! Lily, das tat weh!" James ignorierte das gemurmelte „Sollte es auch" und fuhr fort.
„Naja, du verstehst, was ich meine. Wie auch immer, Madame Pomfrey hat heraus gefunden, dass keiner der Drei ernsthafte Verletzungen hat, bis auf Gehirnerschütterungen und oberflächliche Wunden. Als sie uns jedoch die Namen der drei nannte, waren wir alle, mitsamt Madame Pomfrey recht verwirrt, denn der Zauber hat uns Namen gegeben, von denen wir wussten, dass die dazu gehörigen Personen schön mehrere Jahre tot sind."
„Was meinst du damit, Dad?" Mary sah von ihrem Vater, der betreten auf seine Hände starrte, zu ihrer Mutter hinüber, die ihren inzwischen kalten Tee umrührte. „Wer sind die drei?"
„Ronald Weasley und Hermine Granger heißen die, die oben im Flur lagen", flüsterte Lily und blickte auf ihre Tasse, die in ihren Händen leicht zitterte. Sie konnte es nicht über sich bringen, seinen Namen zu sagen. „Mollys Sohn und Hermine sind vor einigen Jahren von einem Troll getötet worden. Ich habe Poppy dabei assistiert, ihre Totenscheine auszustellen." Die Weasleys waren enge Freunde der Familie. Ginny, obwohl sie ein Jahrgang über ihrer Tochter war, war eine von Marys engeren Freunden. Nach dem Tod von Ron, hatte Lily ihnen angeboten, sich um Rons Beerdigung zu kümmern, doch sie hatten abgelehnt. Lily mochte zwar verstehen, wie Molly sich fühlte, hatte die trauernde Mutter zu ihr gesagt, doch sie müsste sich alleine um alles kümmern, um das alles akzeptieren zu können. Seit diesem Moment waren die Potters des Öfteren bei den Weasleys gewesen und hatten mit ihnen ihre Erfahrungen geteilt. Aus den doch recht traurigen Anlässen entstand eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden Zaubererfamilien.
„Wer war der Dritte?", fragte Mary. Sie wusste zwar nicht, wie auf einmal tote Menschen auferstanden waren und verletzt und bewusstlos in ihrem Haus herum lagen, doch das hatte Zeit bis später.
James stand auf und setzte sich neben Lily an den Tisch, schlang seine Arme um sie und flüsterte ihr beruhigende Worte ins Ohr. Nach einigen Minuten blickte er auf und sah Mary mit unergründlichem Gesicht an. „Harry James Potter."
Mary blinzelte ihre Eltern an. „Harry? Unser Harry?"
Lily nickte.
Sie starrte ihre Eltern an, als hätten sie den Verstand verloren. Harry war tot! Das ließen sie sie nicht vergessen. Wie auch? Überall in ihrem Haus standen und hingen Bilder von ihm und ihren Eltern. Bilder von ihr gab es auch zu Genüge, doch Harrys Bilder wurden wie Heiligtümer behandelt. Nahm man sie ab, um sie sich anzuschauen, hingen sie keine Stunde später wieder kerzengerade auf ihrem ursprünglichen Platz. Als Mary noch kleiner war, hatte sie beim Spielen mal ein Bild von ihm von der Fensterbank gestoßen, woraufhin das Glas vor dem Foto zersprang und hatte sofort zwei Tage Hausarrest bekommen. Zwei Tage wegen eines bekloppten Bild! Klar, sie hörte sich gerne all die kleinen Geschichten über ihren Bruder an und sie wünschte sich nichts mehr, als ihn kennengelernt zu haben. Als sie noch klein war, hatte sie sich bei jedem Mal Geburtstagskerzen auspusten keinen neuen Besen oder neue Bücher gewünscht, wie es andere Kinder in ihrem Alter sicher getan hätten, sie hatte sich gewünscht ihren Bruder kennenlernen zu dürfen. Als nach Jahren dieser Wunsch nicht erfüllt wurde, ging sie dazu über, sich zu wünschen, dass Harry wusste, dass er vermisst wurde und dass er wusste, dass sie ihn so gerne sehen wollte. Ein wenig Eifersucht war immer dabei gewesen, doch die Sehnsucht war stärker, bis heute noch. Und jetzt sollen ihre Wünsche von über zehn Jahren endlich in Erfüllung gehen? Endlich sollte sie die Möglichkeit haben, ihren Bruder zu sehen? Sie bezweifelte das stark. Was, wenn der Zauber misslungen ist? Was, wenn sich alle umsonst Hoffnung machten, nur, um enttäuscht zu werden? Der Schmerz einer solchen Enttäuschung wäre beinahe so stark wie, als ob man Harry ein erneutes Mal verlieren würde und in gewisser Weise wäre das ja auch der Fall.
Sie blickte zu ihrer Mutter, die sie mit tränennassem Gesicht anlächelte. Ihr Dad hielt sie immer noch an sich gedrückt und strich ihr beruhigend über ihr Haar. Sie glauben es, fuhr es Mary unwillkürlich durch den Kopf. Sie glauben wirklich, dass Harry wieder da ist. Aber Tote kamen nicht so einfach zurück! Keine Magie, so dunkel sie auch sein mochte, konnte Tote aus dem Grab auferstehen lassen! Es war einfach schlicht weg unmöglich! Ihre Eltern hatten es ihr selbst gesagt!
Wieso glaubten sie dem Zauber? Sie beschloss, diese Frage laut zu äußern. „Wieso glaubt ihr, dass es irgendwie geschafft wurde, den Tod auszutricksen?", sie zog auffordernd die Augenbrauen hoch. „Es ist unmöglich verstorbene Menschen wieder zu beleben. Das habt ihr mir selbst gesagt und doch sitzt ihr da und seid überglücklich, dass angeblich Harry wieder lebt!" Wie naiv konnten sie sein? Wollten sie so verzweifelt nach dem selbst ungläubigsten Geschehnis greifen, nur in dem Glauben leben zu können, ihr Sohn wäre von den Toten zurückgekehrt und würde gesund und munter wieder mit ihnen leben?
„Dumbledore hat eine Erklärung dafür", sagte Lily ruhig und nickte James zu, der sie langsam losließ, ihr jedoch nicht von der Seite wich. „Wir haben genauso reagiert wie du, Mary. Es ist unmöglich, Tote wieder zu beleben. Keine Magie der Welt schafft das. Doch Dumbledores Vermutung hat sich, nachdem er mit Hermine gesprochen hat, bestätigt. Er muss nur noch mit den beiden anderen sprechen, um sicher zu sein. Er meinte, es sei möglich, dass nicht nur unsere Welt existiert, sondern viele andere Welten parallel zu unserer. Wie verschiedene Dimensionen, verschiedene Abläufe der einzelnen Leben der Menschen in unterschiedlichen Bahnen, wenn du es dir so vorstellen kannst."
Lily setzt sich aufrechter hin und begann, ihrer Tochter darzustellen, wie Dumbledore es erklärte, dass plötzlich tot geglaubte Menschen auftauchten.
„…deshalb ist er in seiner Welt am Leben geblieben. Einer hat eine andere Entscheidung getroffen und es hat sich eine neue Bahn gebildet, in der wir sterben, Harry jedoch nicht."
„Irgendwie scheinen sich die Welten überschnitten zu haben", sagte James und fuhr sich mit einer Hand durch seine pechschwarzen Haare, die denen seines Sohnes so glichen. „Irgendwas muss geschehen sein, das bewirkt hat, dass die beiden Dimensionen – unsere und Harrys – miteinander für einen Moment verschmolzen und die Drei somit in eine andere Dimension gelangen konnten. Wie gesagt, Dumbledore ist sich in vielerlei Hinsicht sicher, in der Tatsache, wieso so etwas passieren konnte jedoch nicht. Dazu braucht er Rons und Harrys Erklärungen, was genau sie als letztes gemacht haben, bevor sie das Bewusstsein verloren haben."
Mary hatte ihr Gesicht mit den Händen bedeckt und stöhnte auf. Wieso musste alles so kompliziert sein? Sie rieb sich die Augen und blickte langsam zu ihren Eltern hinüber, die sie mit besorgten Mienen musterten. Sie atmete einmal tief ein und blies die ganze Luft rasch wieder aus.
„Also stimmt es? Harry lebt?"
Lily nickte und ein leichtes Lächeln bildete sich auf ihren Gesichtern.
„Und? Worauf warten wir?", fragte Mary plötzlich und sprang auf.
„Wie, worauf warten wir?", fragte James verdutzt und stand ebenfalls auf.
„Wieso sitzen wir hier noch rum? Ich möchte meinen Bruder kennen lernen!"
