7. Schuljahr

Es lag unglaublich viel Schnee in Godric's Hollow, als Hermine und Harry dort hinapparierten. Sie hatten sich via Vielsafttrank in ein Ehepaar mittleren Alters verwandelt, denn es führte leider kein Weg an diesem Ort vorbei. Harry würde endlich etwas über seine Vergangenheit hier erfahren und sie hoffentlich etwas, dass sie weiterbringen würde.

Sie gingen an dutzenden Häusern vorbei, doch niemand war auf den Straßen. Diese Stille hatte etwas Beruhigendes und als sie an einer Kirche vorbeikamen, wusste Hermine auch, warum – die Kirchengemeinde sang ein Weihnachtslied.

„Harry, ich glaub, es ist Heiligabend", teilte sie Harry ihren Verdacht mit.

„Tatsächlich?", erwiderte dieser nur.

Doch sie war sich sicher. „Ganz bestimmt", sagte sie.

Dann sah sie hinter der Kirche den Friedhof, doch Harry schien sich ein wenig zu fürchten, also nahm sie seine Hand und ging voran – es war wichtig für ihn, das Grab seiner Eltern zu suchen.

Als sie jedoch an dem Kriegsdenkmal in der Mitte der Stadt vorbeikamen, passierte etwas im Wahrsten Sinne des Wortes Magisches.

„Harry, sieh mal", rief sie aufgeregt, denn plötzlich sah man einen Mann, eine Frau und ein Kleinkind – James, Lily und der kleine Harry.

Besorgt sah Hermine zu Harry, doch dieser wollte lieber zum Friedhof, also näherten sie sich weiter der Kirche. Der Weihnachtsgesang wurde lauter.

Weihnachten… Oh, Severus, dachte sie traurig. Wo magst du nur sein?

Wie er vermutet hatte, war etwas Schlimmes geschehen, letztes Jahr, kurz vor den Sommerferien – er hatte Dumbledore ermordet! Die paar Monate zwischen Weihnachten und diesem schrecklichen Ereignis waren die glücklichsten in ihrem Leben gewesen. Nein, sie waren nie verdächtig worden, dafür waren sie zu klug gewesen, aber sie hatten es natürlich auch nicht übertrieben – wenn Hermine sich nur einmal in der Woche zu ihm schleichen konnte, war sie schon äußerst zufrieden gewesen. Und dann hatte er Dumbledore getötet!

Und doch hatte sie nie glauben können, dass er es aus Boshaftigkeit und für Voldemort getan hatte. Sie hatte dies natürlich niemals laut gesagt, aber sie erinnerte sich noch gut an seine Worte vor nun fast genau einem Jahr: „Du musst mir glauben, dass das Ganze seine Richtigkeit hat. Egal, wie schlimm es dir auch erscheinen mag, du darfst niemals daran zweifeln, dass ich auf eurer Seite kämpfe." Es waren diese Worte gewesen, an die sie sich das letzte halbe Jahr geklammert hatte, um nicht völlig den Verstand zu verlieren.

Auf dem Friedhof suchten sie nun nach Harrys Eltern. Es dauerte eine Weile, stattdessen fanden sie Dumbledores Mutter und Schwester, vermutlich einen Verwandten von Hannah Abbot und einen gewissen Ignotus Peverell, auf dessen altem Grabstein sich das geheime Zeichen aus ihrem Buch, das Dumbledore ihr vermacht hatte, befand.

Harry schien ein wenig genervt zu sein, dass er zwar alle anderen Gräber nur nicht das seiner Eltern fand, also ging Hermine in eine andere Reihe als er – sie hoffte, das Grab so schneller finden zu können.

Als sie sich gerade in der Nähe einer Kapelle befand, die von einem Baum verdüstert wurde, legte sich plötzlich eine Hand auf ihren Mund und zog sie in einen dunklen Schatten. Sofort vermutete sie das Schlimmste – Todesser! – und ihr Herz klopfte wie wild. Sie versuchte, sich zu befreien und nach Hilfe zu schreien, doch der Griff der Person hinter ihr war zu kräftig.

Und dann sprach diese Person und Hermines kompletter Widerstand löste sich in Luft auf.

„Hermine, ich bin es."

Als sich Hermine beruhigt hatte, löste sich die Hand von ihrem Gesicht. Sie drehte sich um – und blickte in die schwarzen Augen von Severus Snape. Einen Moment sah sie ihn einfach nur verwundert an, dann flog sie ihm um den Hals und rief: „Oh, Severus!"

Snape jedoch lachte nur, als er meinte: „Ich wusste schon, warum ich einen Schallschutzzauber um uns lege…", doch auch er umarmte sie fest.

Hermine sah ihn wieder an und küsste ihn dann stürmisch – ein halbes Jahr lang hatten sie sich nicht gesehen!

Er küsste sie inbrünstig zurück. Doch so leid es ihm tat, sie hatten keine Zeit, um diesen Augenblick lange genießen zu können, denn jeden Moment könnte Harry nach Hermine suchen. Also löste er sich sanft von ihr und sagte: „Gut siehst du aus." Er grinste.

Hermine wurde rot. „Ja, ich weiß… Sicherheit… Woher wusstest du, dass ich es bin?"

„Du hast immer noch deine eigene Stimme." Er strich ihr eine mausgraue Strähne aus dem Gesicht und meinte: „Jetzt sind wir gleich alt."

Das brachte sie wieder zum Lächeln und sie strahlte ihn an.

Er strahlte zurück, bis seine Miene plötzlich ernst wurde. „Ich wusste, du würdest es verstehen."

„Es gehörte alles zu Professor Dumbledores großem Plan, nicht wahr? Dass du ihn umbringst, nicht wahr?"

Snape zuckte bei dem Wort umbringen kurz zusammen, nickte dann jedoch. Dann nahm er sie wieder in den Arm und murmelte: „Ich habe dich vermisst."

„Ich dich auch", erwiderte Hermine. „Aber was machst du eigentlich hier?" Verwundert sah sie ihn an.

Sein Blick wurde für einen Augenblick leer, dann sagte er traurig: „Ich habe eine alte Freundin besucht."

„Oh", war das einzige, was ihr dazu einfiel, und sie strich ihm tröstend über die Wange.

Er lehnte sich an sie, doch dann seufzte er und sagte: „Du musst wieder zu Potter."

„Ich weiß." Hermine seufzte bekümmert, richtete sich aber tapfer auf und lächelte Snape leise an.

Er trat einen Schritt auf sie zu, sagte: „Ich liebe dich, Hermine, vergiss das bitte nicht." und gab ihr einen Kuss auf den Scheitel.

„Werde ich nicht. Wir werden uns wiedersehen", versprach sie, gab ihm noch einen letzten Kuss auf den Mund, drehte sich dann um und entfernte sich wacker von ihm, obwohl alles in ihr schrie, dass sie bei ihm bleiben wollte.

„Hermine", holte sie seine Stimme ein und sie wandte sich ihm wieder zu. „Das Grab, das ihr sucht, ist dort drüben." Er zeigte rechts an ihr vorbei.

Sie drehte sich um und ging ein paar Schritte in die Richtung. Als sie sich noch einmal nach Snape umblickte, war er schon disappariert…

Sie fand das Grab von Harrys Eltern sehr schnell, nun, da sie wusste, wo es sich befand. Sie rief Harry, der in ein paar Metern Entfernung weiterhin die Grabsteine absuchte: „Harry, sie sind hier… hier ist es."