Was plant Severus Snape?

„Ich habe nichts mit Neville gemacht", antwortete Severus, bemüht seiner Stimme beim Namen von Hermines Verlobten einen abfälligen Klang zu geben.

„Wirklich? Warum sollte er dann nicht zum Tee kommen?"

Sie verstärkte den Druck ihres Zauberstabes und Severus war sich nun sicher, dass der Stab Spuren auf seinem Hals hinterlassen würde.

„Ich schätze, dass er einen Hangover haben wird."

Der Zauberstab senkte sich.

„Ich werde allen sagen, dass Du das warst."

Er rieb sich die rote Stelle.

Hermine verstand die Welt nicht mehr. Was sollte das heißen?

„Hangover? Neville trinkt nicht. Du hast ja keine Ahnung."

„Oh, ich habe gelernt, dass man einem Bräutigam gratuliert und zu einem Drink einlädt. Oder irre ich mich da?"

Sie glaubte ihm kein Wort.

„Du warst bestimmt nicht dort."

Severus tat so, als wenn er nachdenken musste. Es machte so viel Spaß sie zu ärgern.

„Wie Du meinst."

„Du verschwendest meine Zeit."

Sie drehte sich um.

„Ich fand es sehr interessant von ihm den Grund für die Heirat zu hören."

Oh nein, dachte sie.

„Es geht ihm nur um sein Erbe, nicht wahr. Er liebt Dich nicht."

Seine Schadenfreude sollte ihm teuer zu stehen kommen. Ohne irgendetwas dagegen zu tun, sackte er zu Boden, als ihn Hermines Faust traf.

„Du Bastard", schrie sie ihn an.

Ihre Wut wurde noch größer als sie ihn lachen sah.

Severus fühlte sich trotz des Niederschlages wunderbar. Da hatten sie sich ewig nicht gesehen und innerhalb von 15 Minuten war es ihr gelungen ihn körperlich zu bezwingen.

Verdammt, wie hatte er ihr Temperament vermisst.

Am liebsten hätte er sie wieder geküsst, aber das war im Moment wohl keine gute Idee.

„Darf ich Dich korrigieren? Meine Eltern waren verheiratet, also trifft das Wort Bastard es nicht ganz. Wie auch immer, Longbottom hat mir von seinem Onkel Kelp erzählt. Ich bin wirklich enttäuscht von Dir."

Sie sah ihn fragend an.

„Nun ja, dass du so hinter dem Geld her bist, hätte ich nicht gedacht."

„Sein Onkel heißt Algie", korrigierte sie ihn.

Vorsichtig stand er auf und ging zu ihr hinüber. Endlich konnte er sie genauer anzusehen. Seit dem letzten Mal hatte sie ihren Babyspeck verloren und Severus mochte ihr erwachsenes Aussehen sehr.

Hermine hatte nicht mehr auf ihn geachtet. Nachwie vor glaubte sie ihm nicht.

„Warum solltest Du wegen eines Drinks nach Long Leighton fahren. Noch dazu mit jemanden, den Du nicht leiden kannst."

„Ich glaube, dass es mindestens 5 Drinks waren", verbesserte er sie.

„Und ich habe sie eigentlich auch nur bezahlt und nicht getrunken."

Zärtlich strich er ihr über ihre Wange. Ihre Haut war so unglaublich weich.

„Ich musste wissen, warum du plötzlich heiraten willst. Als ich davon hörte, war ich sehr überrascht."

Das traf es nicht wirklich, es hatte ihm den Boden unter den Füßen weggezogen.

„Unsinn, Du lügst."

Er griff in seine Tasche und holte eine kleine Phiole heraus.

„Ich habe mir schon gedacht, dass Du an mir zweifelst. Das hier ist Veritaserum."

Sie griff danach, aber diesmal war Severus schneller.

„Oh nein. Ich behalte es. Es ist Deine Wahl, ich werde es nur einmal benutzen und Du kannst mich dann fragen, was immer Du willst. Aber nur einmal."

„Kein Interesse", wehrte sie ab.

„Unterschätze mich nicht. Ich werde bleiben und Du wirst Dir anhören, was ich zusagen habe. Selbst wenn ich Dich kidnappe."

Er wusste nicht, ob Hermine seine letzten Worte gehört hatte, denn als er sich umsah, war er allein in der Suite.

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Neville kam zum 5-Uhr-Tee, aber jeder sah ihm an, dass er die Nacht durchgemacht hatte. Severus hatte sich in eine Ecke des Salons gesetzt und betrachtete das Treiben.

Er wusste, dass es nicht nur der Alkohol war, der dem Bräutigam zu schaffen machte.

Im Bier war auch eine gewisse Dosis von Veritaserum enthalten und beides vertrug sich nicht gut. Sicher war es nicht die feine englische Art, aber Snape hatte keine Zeit und keine Geduld. Die News von der bevorstehenden Heirat waren ein Schock. Da hatte er eine Detektei beauftragt, Hermine Granger zu überwachen, vierteljährlich bekam er schriftliche Berichte über sie und niemals wurde darin Neville Longbottom erwähnt.

Und dann strahlte ihn Hermines Gesicht aus der Sonntagsausgabe des Tages-Propheten an. Schnell bekam er heraus, dass es eine Regel in dem Testament des Onkels gab, aber die beiden hatten noch fast ein Jahr Zeit. Warum also diese schnelle Heirat?

Mit Hilfe des Veritaserum erfuhr er, dass der Junge verliebt war, allerdings in eine andere Frau.

Dem ehemaligen Professor kam das Gesicht der Frau bekannt vor, aber ein Name fiel ihm nicht ein. Neville nannte sie nur Abby, der Rest ging im Gelalle unter.

Zurück in der Gegenwart, musste Severus feststellen, dass er der einzige Slytherin in diesem Raum war. Pech, da musste er wohl allein arbeiten.

Er trank seine Teetasse leer und stand auf. Es war Zeit sich unters Volk zu mischen.

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Mit Erstaunen beobachtete Hermine wie Severus Snape Konversation betrieb.

Wo war der mürrische Mann geblieben, der seine Ruhe haben wollte und mit niemanden sprach?

Und wie es schien, genossen die anderen Gäste seine Anwesenheit. Es war zum Verrücktwerden.

Plötzlich stürzte Ginny Potter auf sie zu.

„Ist das Professor Snape?"

„Ja."

„Ich wusste gar nicht, dass Du ihn eingeladen hast."

Hermine sagte nichts.

„Komm schon. Man lädt doch nur Leute zu seiner Hochzeit ein, die man mag."

„Ich mag ihn nicht, ich hasse ihn. Und eingeladen hat ihn auch niemand."

Sie knallte ihre Teetasse auf den Tisch und ging zu Snape hinüber.

„Was machen Sie hier? Niemand hat Sie eingeladen."

Neville zog an ihrem Arm.

„Hermine, sei doch nicht so unhöflich."

„Ich bin nicht unhöflich, ich mag keine ungebetenen Gäste."

„Aber Miss Granger, ich habe natürlich eine Einladung."

Sie sah ihn fragend an.

„Ich habe ihn eingeladen", stellte Neville klar.

Hermine sah sich um. Die kleine Szene hatte Aufmerksamkeit erregt und das wollte sie nun gar nicht.

Sie rang sich zu einem falschen Lächeln durch.

„Natürlich. Dann genießen Sie unser kleines Fest."

Sie hakte sich bei Neville unter und schwebte mit ihm von dannen. Wenn sie gedacht hätte, dass Severus sie weiter beobachten würde, so wurde sie enttäuscht. Er redete, machte Witze und flirtete. Nur einen Blick auf sie warf er nicht mehr.

Als die Tee-Party zu Ende war, war Hermine frustriert und wütend. Dieser Mann trieb sie in den Wahnsinn. Was hatte er vor? Warum war er hier? Warum gerade jetzt?