Across the Anvil - Die Schmiede von Gretna Green

Das Unheil nimmt seinen Lauf

Die Feierlichkeiten gingen weiter wie geplant und Hermine war mehr als frustriert zu sehen, dass Severus Snape immer dabei war. Was noch viel schlimmer war, er machte eine gute Figur. Nicht nur äußerlich hatte er sich verändert, auch die Selbstverständlichkeit im Umgang mit den anderen Gästen schockierte Hermine. Niemanden störte der ehemalige, strenge Professor.

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Am Donnerstag besuchte Hermine das Brautjungfern-Mittagessen, zu dem alle Freundinnen kamen und sie auf den wichtigsten Tag in ihrem Leben vorzubereiteten und ihre Unterstützung zu zeigen. Zum Glück war das ein Event, an dem Snape nicht teilnehmen durfte und so genoss Hermine das Essen.

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Während dessen setzte Severus Snape seinen Plan um so viel wie möglich über Longbottom zu erfahren. Eine gute Gelegenheit bot ein Besuch im Pub, zu dem er den Bräutigam überreden konnte.

Mit einer Flasche Single Malt setzten sich die beiden in eine dunkle Ecke und fingen an zu trinken. Severus hoffte, dass man sie in Ruhe lassen würde, denn nur so würde sein Plan aufgehen.

Die beiden waren beim dritten Glas als er endlich das Gespräch begann.

Vertraulich lehnte er sich zu seinem Begleiter.

"Erzählen Sie mir von Abby."

Longbottom erschrak so sehr, dass Whisky über seine Finger spritzte. "Ich ... ich ...", stotterte er und versuchte einen Ausweg aus dieser unangenehmen Situation zu finden.

"Sie können mir vertrauen, Neville," fügte Severus hinzu. Nicht umsonst hatte er zu wichtigsten Anhänger des Dunklen Lords gezählt und wenn er etwas gelernt hatte, dann war es, Täuschen zu können.

Neville-Bloody-Longbottom musste glauben, dass er sein neuester und bester Freund war.

Dankbarkeit zeichnete sich auf Nevilles Gesicht ab und wenn Severus nicht so verzweifelt gewesen wären, könnte die Situation fast komisch sein. Aber dem war nicht so.

„Danke Sir."

"Severus, Neville. Sie dürfen mich Severus nennen."

Longbottom nickte.

„Danke Severus."

Er blickte auf die zerkratzte Tischplatte.

"Woher wissen Sie von Abby?", fragte er sein Glas.

„Sie haben sie doch in der letzten Nacht erwähnt", log Severus.

Neville sah wieder auf.

„Das habe ich? ", fragte er überrascht.

"Ich habe noch niemanden von ihr erzählt ... Ich möchte Hermines Gefühle nicht verletzen."

Severus nickte zustimmend.

„Das ist sehr ehrenwert, Neville."

Longbottom nahm einen großen Schluck aus seinem Glas, dass Severus inzwischen nachgefüllt hatte.

Longbottom seufzte. "Abby ist brillant", sagte er traurig.

"Nicht in der Schule, aber sie ist klug und hübsch und sie denkt, ich bin ein Held."

Eine fehlende Stück im Puzzle war gefunden.

Longbottom fühlte sich von Hermine eingeschüchtert, Abby dagegen schmeichelte seinem Ego.

„Da hat sie Recht. Was Sie im Krieg für die Zauberwelt getan haben, war sehr heldenhaft."

Longbotton lächelte leicht.

„Das stimmt. Abby sagt das gleiche."

„Und warum heiraten Sie Abby nicht?", fragte Severus vorsichtig.

„Abby meinte, dass wir uns nicht gut genug kennen. Und jetzt ist sie ganz weit weg von mir. Sie arbeitet in Lausanne."

Er blickte noch trauriger in sein Glas.

„Aber Sie weiß, dass Sie sie lieben?"

Severus war wirklich interessiert eine ehrliche Antwort zu bekommen.

Longbottom schien den Unterschied bemerken, gut.

"Nein", gab er zu. "Ich habe es versucht, aber sie hat es wohl nicht verstanden."

"Vielleicht, wenn Sie es geradezu gesagt hätten, dann würde sie Ihnen vielleicht eine Chance geben", schlug Severus vor, hörte die Hoffnung in seinen Worten und fühlte sich ziemlich erbärmlich.

Longbottom widersprach.

"Sie ist in der Schweiz und ich bin hier und ich heirate Hermine. Und überhaupt wäre das falsch."

Er lies seinen Kopf auf die Tischplatte fallen. Warum war ihm plötzlich so schwindlig?

„Aber Sie können doch nicht Hermine heiraten, wenn Sie Abby lieben? Wenn es andersherum wäre, Hermine liebt jemanden und fühlt sich Ihnen nur verpflichtet. Würden Sie das gut finden?", versuchte es der Ältere mit Logik.

Longbottom hob den Kopf.

Severus setzte zum tödlichen Stoß an.

„Wollen Sie und Hermine ein Leben lang mit dem Falschen verheiratet sein? Ein ganzes Leben lang?"

Stirnrunzelnd antwortete der inzwischen verunsicherte Bräutigam,

"Aber meine Oma sagt, dass Menschen, die sich nicht lieben, heiraten können, weil Achtung und Freundschaft viel wichtiger sind. Und das die wahre Liebe daraus entsteht."

Severus griff nach seinem Glas und leerte es.

"Ihre Großmutter kommt aus einer anderen Zeit. Damals waren arrangierte Ehen ganz normal. Aber die Zeiten haben sich geändert, denn die Menschen wollen ihr eigenes Leben führen."

Er schüttelte den Kopf.

"Es ist hart, nicht zu wissen was richtig ist, aber ich werde Ihnen etwas sagen: Sie sollten das tun, was Sie wollen. Was für Sie wichtig ist. Es ist falsch ein Leben zu führen, dass andere Menschen für Sie geplant haben. So werden Sie nicht glücklich."

Neville nickte zustimmend, vielleicht hatte sein ehemaliger Lehrer Recht?

Die beiden Männer tranken den Rest der Flasche schweigend aus.

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„Wo ist Neville?", frage Hermine zum dritten Mal. Sie stand vor Nevilles Hotelzimmer und starrte Harry und Ron wütend an.

„Er hatte etwas viel getrunken", gab Harry schließlich zu.

„Was? Ihr kennt Neville. Er verträgt nicht viel und Ihr solltet auf ihn aufpassen. Verdammt."

„Aber Snape hat auf ihn aufgepasst", warf Ron ein.
Das machte die Sache für Hermine nicht besser, eher im Gegenteil. Wütend drehte sie sich um und marschierte in ihr eigenes Zimmer.

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Trotz des schlechten Zustandes von Neville nahmen die Feierlichkeiten ihren Lauf. Hermine war egal, wie es dem Bräutigam ging, er war unter Beobachtung der Hauselfe. Nein, sie würde den heutigen Tanzabend genießen, egal wie. Und sie würde Snape ignorieren.

Die anderen Frauen taten es nicht, er war den ganzen Abend beschäftigt. Auch das störte Hermine enorm. Sie griff zum nächsten Glas Champagner und setzte sich an ihren Tisch.

„Hast Du gesehen wie toll Snape aussieht? Er ist wirklich gut in Form und es gibt sicher die eine oder andere Hexe, die an ihm interessiert ist."

Der Gegenstand ihres Gespräches kehrte mit Luna Lovegood am Arm von der Tanzfläche zurück. Für eine Frau, die manchmal verrückt schien, hatte sie eine gute Figur gemacht. Jetzt lehnte sie sich zu Snape und lachte über einen seiner Scherze. Verdammt, seit wann verstand sich dieser auf Smalltalk. Und überhaupt, was viel ihm ein: er flirtete mit jeder Hexe und das auf ihrer Party. Sie hatte genug gesehen.

„Mir ist es hier zu warm. Ich gehe ein wenig auf die Terrasse."

Draußen war es frisch und Hermine hatte keine Jacke mitgenommen. Es war so schön hier und am liebsten hätte sie die ganze Nacht den Mond angeschaut, aber langsam wurde es kalt.

Sie war ganz in Gedanken, so bemerkte sie Snape nicht.

„Versuchst Du mir auszuweichen?"

Erschrocken drehte sie sich um und stolperte. Snape fing sie auf und zog sie näher an sich heran.

„Lass mich los."

„Bist Du sicher? Wir haben uns den ganzen Abend nicht unterhalten können."

„Das war sehr in meinem Sinn. Bleib weg von mir."

„Aber Parker. Ich habe ein paar wichtige Dinge mit Dir zu besprechen und ich denke, jetzt ist der beste Zeitpunkt dafür."

Hermine wurde ganz heiß. Er sah so gut im Mondlicht aus und ihr fielen plötzlich tausend Dinge ein, die sie mit ihm im Bett anstellen könnte. Wie konnte sie vergessen haben, was er mit ihr machte?

So bekam sie nicht mit, dass er inzwischen seinen Arm um sie gelegt hatte und mit ihr apparierte.

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Die beiden landeten irgendwo auf einem Berg.

„Was hast Du getan", schimpfte Hermine.

„Die anderen werden mich suchen."

Sie hätte ihn verhext, wenn sie ihren Zauberstab dabei gehabt hätte.

„Reg Dich ab, Parker. Ich habe all Dein Sachen mitgenommen und den anderen gesagt, dass Du Kopfschmerzen hast. Und der Gentlemen, der ich nun mal bin, wollte ich Dich in diesem Zustand nicht allein lassen."

„Bring mich sofort zurück."

„Nein, noch nicht. Erst wenn ich sagt habe, was mir wichtig ist."

„Ich weigere mich Dir zu zuhören."

Ohne sie zu beachten, nahm er ihre Hand und zog sie mit sich.

„Wohin gehen wir?"

„Siehst Du das Licht dort ? Das Cottage gehört mir und da haben wir Ruhe zum Reden."

„Dein Cottage? Sind wir in Irland?"

„Ich lebe in Irland, natürlich sind wir hier."

„Du bist verrückt."

„Nach Dir. Kommst Du bitte mit? Ich möchte Dir mein Haus zeigen."

Sie war zu schockiert um zu antworten.

„Ich mache Feuer an und ich benehme mich. Bitte."

„Bring mich zurück ins Hotel."

Keine Sekunde lang nahm sie an, dass er ihrem Wunsch entsprechen würde, aber sie musste schließlich etwas für ihren Ruf tun.

„Wenn wir geredet haben."

Ihr blieb wohl nicht anders übrig als ihm zu folgen. Und genau das tat sie.

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