5. Rhyolite


Wir traten in das Apartment ein und Emmett schloss die Tür hinter sich. Edward lockerte seine Krawatte, holte sein Blackberry aus der Tasche und legte es auf die Kommode.

„Bella, bitte geh' in mein Wohnzimmer und warte dort auf mich. Ich komme gleich nach."

Diesmal wagte ich nicht zu widersprechen und ging gehorsam durch den langen Flur um die Ecke auf seinen Wohnbereich zu. Als ich in seinen Salon eintrat, schüttelte ich mir nervös die schweißnassen Hände und lief langsam umher. Ich fragte mich, was er jetzt wohl tun würde? Würde er es bei einer einfachen Standpauke belassen? Würde er mich einschüchtern, indem er mir verbal wehtat? Oder würde er sogar handgreiflich werden?

Meine Güte! Woher kam denn das? Ich wusste, Edward könnte mir kein Haar krümmen. Seit ich wieder hier war, war mein Hirn anscheinend kontinuierlich zu Mus verarbeitet worden…

Aber würde er mich wegschicken, fragte ich mich traurig. Egal, was ich auch großschnäuzig zu Edward gesagt hatte, er konnte mich zwingen wegzugehen. Er konnte mich hinschicken, wohin er auch wollte. Und ich würde mich fügen müssen.

Die Tür ging auf und ich sah mich zu Edward um. Er ging zielstrebig auf die Bar zu, goss sich Whisky ein, führte das Glas zum Mund, kippte es hinter, stellte es auf den Tresen und goss nach. Mit dem neu gefüllten Glas in der Hand drehte Edward sich um und lehnte sich nach hinten gegen die Bar. Minutenlang standen wir so da, starrten uns an. Ich hatte keine Ahnung, wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte. Als ich schon kurz davor war, auszurasten, wegen der Stille, fing er an:

„Warum bist du weggegangen? Wolltest du mich ärgern? Es mir heimzahlen? Oder wolltest du mir einfach nur irgendetwas beweisen?" Er hob sein Glas an die Lippen und trank einen Schluck.

Ich schüttelte meinen Kopf, beobachtete aufmerksam seine Körpersprache. „Warum dann, Isabella? Wieso bist du einfach mit Black abgehauen, obwohl du weißt, wie sehr mich das, verdammt noch mal, auf die Palme bringen würde? Hast du auch nur ansatzweise eine Ahnung, was ich emotional durchmachen musste, als ich nicht herausbekommen konnte, wo zum Teufel du dich aufhältst? Wenn Tanya mich nicht angerufen hätte, lägest du jetzt blutend und geschändet in dieser verrotteten alten Dreckshütte." Edward hatte Recht. In dieser Hinsicht war ich Tanya dankbar, auch wenn sie es ganz bestimmt nicht getan hatte, um mir zu helfen.

Ich brachte keinen Ton heraus. Ich zitterte, mir war das alles zu viel. Und ich wusste, wenn ich jetzt den Mund aufmachte, würden nur zusammenhangslose Schluchzer aus mir rauskommen. Daher biss ich nur fest die Zähne zusammen und sah ihm ins Gesicht.

Als nach einer Weile immer noch nichts von mir kam, fragte er: „Willst du mich nicht aufklären?" Ich zog meine zitternden Lippen zwischen meine Zähne und schüttelte den Kopf. „Warum nicht?" Edward leerte das zweite Glas in einem Zug und stellte es ab. Er kam ein paar Schritte auf mich zu, mich abwartend anstarrend.

„Ich… fühl mich nicht so gut.", brachte ich heraus. „Können wir das vertagen?" Meine Stimme klang kratzig vor Anstrengung nicht zu weinen.

Edward streckte eine Hand aus und ergriff mein Handgelenk, zog mich näher an sich. „Schon gut, du bist in Sicherheit. Dieser Hurensohn wird dir nie wieder etwas tun. Er hat seine Lektion gelernt. Hat er dir sehr wehgetan?"

Nochmal schüttelte ich meinen Kopf an seiner Brust. Ich fühlte, wie seine Hand meinen Hinterkopf streichelte. „Nur erschreckt. Danke, dass du gekommen bist." Mehrere Tränen hatten es geschafft sich durch meine Augenlider zu kämpfen. Ich wischte sie schnell mit meiner Hand ab.

„Ich werde immer kommen, wenn du meine Hilfe brauchst, Bella, das weißt du hoffentlich… Bella?"

Ich sah stur geradeaus auf seine Brust.

„Bella, bitte sieh mich an." Seine Stimme war nun ruhiger und ich hob meinen Kopf und sah ihm in die Augen. „Warum hast du es getan?", fragte er mich jetzt völlig gefasst und mit einem verständnisvollen Schimmern in seinen faszinierenden Augen.

„Es war nicht geplant, und keine böse Absicht! Ich wollte nur an den Pool.", flüsterte ich.

Er runzelte die Stirn. „Was hat der Pool damit zu tun?"

Ich seufzte. „Mir fiel die Decke auf den Kopf und ich wollte mich nur an den Pool legen. Ich hab gewartet bis Emmett aus der Tür war und bin dann runter gegangen. Dort hat mich Jake entdeckt, als er gerade auf dem Weg zur Party war. Ich habe mich gut gefühlt. Ich brauchte nicht mehr das Bett zu hüten und wollte etwas unternehmen."

„Das erklärt, warum du weggegangen bist. Und weshalb warst du mit diesem Arschloch alleine in den Stallungen? Er wird dich doch nicht dahin geschleift haben, oder etwa doch?"

„Nein, ich bin aus dem Haus gegangen, weil es mir zu laut und zu stickig da drin wurde. Sam ist mir gefolgt und hat gesagt, dass Jake noch eine Weile brauchen würde, bis wir gehen könnten und hatte mir angeboten zu den Pferden zu gehen. Das schien mir ein besserer Zeitvertreib zu sein, als mir drinnen das unerträgliche Getue von… ist nicht so wichtig. Auf jeden Fall hatte Jake vorher schon versprochen mit mir zu den Ställen zu gehen." Unbehaglich verschränkte ich meine Arme.

Edward atmete tief ein und trat wieder von mir zurück. Er schüttelte den Kopf. „Ich kann es einfach nicht fassen, dass du mit ihm mitgegangen bist. Wie dämlich muss man sein?" Ich zuckte zusammen. „Ich meine, hast du ehrlich geglaubt er würde dir einen Streichelzoo zeigen, damit du die lieben Pferdchen bewundern kannst? WAS IST LOS MIT DIR, BELLA?" Er wurde schon wieder lauter.

„Aber eigentlich wollte mich ja auch Jake herumführen…"

„Arrrrrg, Bella! JAKE WEISS, DASS ES IN DIESEM VERDAMMTEN STALL KEINE TIERE GIBT!"

„Oh."

„Sag mal bist du wirklich so…?" Edward unterbrach sich selbst, drehte sich um und ging zurück zum Bartresen, wo er, den Rücken mir zugewandt, seine Hände darauf abstützte. Nach einer Weile richtete er sich wieder auf und kam mit langen entschlossenen Schritten auf mich zu.

Vorsichtshalber machte ich einen zurück. Sobald er vor mir stand, ergriffen seine Hände mein Gesicht und rissen es an sich. Dann beugte er sich herunter und ließ seine Lippen auf meine knallen. Ich war so überrascht, dass ich erst gar nicht realisierte, was da gerade passierte, und stand sekundenlang nur wie erstarrt da. Doch dann ließ ich meine Hände seine Brust rauf und über seinen Nacken wandern. Da sagte ich nicht nein.

Seine Lippen bewegten sich erst fest auf meinen, bis sie etwas weicher wurden und zärtlich an meinen zupften. Seine Bartstoppeln rieben genüsslich an meinem Kinn und den Wangen. Seine Lippen fühlten sich unbeschreiblich gut an. Ich merkte, wie mein ganzer Körper anfing zu kribbeln und öffnete meinen Mund, um ein Stöhnen loszuwerden. Sofort glitt die Zunge von Edward hinein und zwischen meine Zähne. Zaghaft ertastete ich mit meiner seine Spitze. Diesmal hörte ich ihn stöhnen und er schlang seinen Arm um meine Taille und presste mich eng an sich. Mit der anderen Hand strich er an meinem Ohr vorbei, fuhr seine Fingerspitzen in meine Haare und massierte meine Kopfhaut. Eine Gänsehaut überzog meinen ganzen Körper. Ich drängte mich an ihn. Endlich! Tränen der Erleichterung stiegen auf, doch ich begrüßte sie. Das waren schöne Tränen! Mutiger geworden erwiderte ich seine Zärtlichkeiten jetzt ohne Vorbehalt.

Die Hand glitt mein Haar entlang, runter auf die andere Seite von meinem Körper und hob mich an, bis meine Beine in der Luft schwebten, dann lief er ein paar Schritte. Ich wollte sie schon hochheben und um seine Hüften schwingen, doch währenddessen beugte er sich vor und legte mich auf die breite Couch. Als ich lag, schaffte ich es dann doch noch ihn zu umschlingen. Unsere Zungen kämpften jetzt offen miteinander, seine Lippen saugten abwechselnd an meiner Zunge und Unterlippe. Irgendwann küsste er sich zu meinem Kinn hinab und meinen Kiefer entlang wieder rauf zu meinem Ohr. Er sog und saugte mein Ohrläppchen in seinen Mund und biss dann sanft darauf. Plötzlich fuhr seine Zunge in meine Ohrmuschel und ich erschauerte und stöhnte jetzt hemmungslos. Meine Finger spielten mit seinem Haar und ich zog ihn mit meinen Beinen so eng an meinen Körper, wie es meine Kraft zuließ. Auf einmal wanderte seine linke Hand an meiner Seite runter und schob mein Oberteil nach oben, wobei seine flache Hand über meinen Brustkorb streichelte. An dem Bügel von meinem BH stoppte er nicht, sondern schob ihn zusammen mit meinem Shirt über meine Brust, bis sein Daumen meine Brustwarze berührte. Sie war schon fest zusammengezogen und Edward kniff sie mit Zeigefinger und Daumen.

Unbewusst rieb ich meinen Unterleib an ihm und Edward keuchte auf. Er erhob sich etwas und packte mein Knie, drückte es zur Seite, damit er sich befreien konnte. Zuerst protestierte ich, aber er machte nur Platz, damit seine andere Hand zwischen unsere Körper fassen und den Knopf von meiner Hose öffnen konnte. Als das erledigt war, ließ er sich nah neben mich gleiten und zog meinen Reisverschluss auf. Ich atmete schwer und öffnete blinzelnd meine Augen, sah ihm wie benebelt ins Gesicht.

Ganz genau beobachtete er mich, keuchend mit leicht geöffneten Lippen. Er zerrte meine Hose etwas zur Seite und fasste mit der Hand in den Spalt zwischen Hosenstall und Slip. Ich wunderte mich, dass ich nicht längst knallrot angelaufen war, aber irgendwie dachte ich gar nicht an so etwas. Es fühlte sich so richtig an, so natürlich. Ein wenig unvorbereitet war das Gefühl, als er endlich einen Finger über mein Höschen gleiten ließ, und ich fühlte, wie Nässe den Stoff durchtränkte. Ein Wimmern kam aus meiner Kehle, während ich Edward aus halbgeschlossenen Lidern betrachtete. Der platzierte seinen Ellbogen neben meinen Kopf und brachte so sein Gesicht nah an meines heran. Schweratmend war ich unsicher, was ich nun tun sollte, da er sekundenlang so verharrte, doch dann bewegte er seinen Finger und ich krallte mich in den Sofabezug.

„Oh mein Gott, Edward…" Meine Augen verdrehten sich und ich gab mich völlig den Emotionen hin, die seine Finger in mir auslösten. Er strich zwischen meinen Schamlippen entlang, rieb quälend langsam über meinen Slip, sodass ich anfing, mich leicht hin und her zu winden vor Ungeduld, auf das, was mich da erwartete.

Er drehte Kreise mit seinem Daumen an einer Stelle, die viele kleine Vibrationen in mir auslösten. Ich drückte mein Geschlecht gegen seine Hand und plötzlich ging alles sehr schnell, ich spürte, wie mein Oberteil hochgezogen wurde, das Körbchen knapp über meine Brustwarze geschoben wurde, und wie ein warmer Mund und eine raue Zunge darüber rieb. Gleichzeitig machte sich Edwards Mittelfinger seinen Weg frei, schob mein Höschen beiseite und steckte ihn in mich. Das Ganze war so intensiv, dass ich mich verkrampfte und zusammen zog. Welle um Welle erfasste mein Innerstes und ich hörte, von weiter Ferne, wie jemand laut schrie. Erst als mein Körper sich wieder etwas beruhigt hatte, wurde mir bewusst, dass der Schrei aus mir heraus gekommen war. Schwer atmend und zitternd versuchte ich wieder herunterzukommen. Das, was da gerade mit mir passiert war, konnte man nicht beschreiben. Es war so intensiv, so wunderschön gewesen, dass ich auch nach mehreren Minuten noch bebend und schwerfällig dalag.

„Wunderschön. Schade, dass…" Mehr sagte Edward nicht.

Mit immer noch geschlossenen Augen glitt ich mit meiner Hand in seinen Nacken. „Schlaf mit mir!" Ich errötete, als mir Momente später klar wurde, um was ich ihn da gerade gebeten hatte.

Er platzierte einen Kuss auf meiner Schulter und legte dann seine Stirn an diese Stelle. „Ich kann nicht! Ich kann dir das nicht antun." Er zog seine Hand aus meinem Slip, als er dabei an meinem Geschlecht vorbeistrich, wimmerte ich und reckte mich ihm wieder entgegen.

„Was tust du mir denn an?", fragte ich verführerisch –nun, zumindest hoffte ich das- und glitt mit meiner Hand runter zu seinem Hemd, um es aufzuknöpfen.

Edward hielt meine Hand fest. Dann setzte er sich seufzend auf und fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare. Dann schaute er mich betrübt an.

„Das war nur eine Lektion, Bella."

Verwirrt schaute ich ihn an. Ich begriff nicht, was er meinte.

„Ich hatte nicht vorgehabt, es so weit zu treiben. Entschuldige!" Er schloss die Augen und schüttelte kurz den Kopf, wie um sich selbst zu rügen.

„Was meinst du damit? Eine Lektion?" Ich richtete mich auch auf, ihn verständnislos anguckend. Angst überkam mich.

„Ich wollte dir nur zeigen, dass du für Männer wie mich leichtes Futter bist, verstehst du?" Er erhob sich und wandte mir seinen Rücken zu.

Geschockt und mit geöffnetem Mund starrte ich ihn an. Nahm ihn und seine abweisende Körperhaltung in mich auf. „Das ist grausam.", brachte ich nach einer Weile mühsam heraus. „Du hast mich gedemütigt!"

Er sah mich wieder an. „Du musst verstehen, dass das nun mal das Einzige ist, das Männer wie mich und Jake und dieser Bastard im Stall interessiert. Und du hast doch eben gesehen, wie anfällig du dafür bist. Man kann dich kinderleicht überreden. Du bist ein so leichtes Opfer!"

Nein, Edward, nur für dich, ging es mir durch den Kopf. Ich stand ebenfalls auf und schritt auf ihn zu, bis ich vor ihm stand. „War das etwa so eine Art Test?", fragend sah ich ihn an. Meine Unterlippe fing schon wieder an zu beben und mein ganzes Gesicht zog sich zusammen. Ich wusste nicht, wie ich diese Niederlage heute Abend noch verkraften konnte. Mir tat alles weh, was meine Emotionen und mein Herz betraf.

„Bella, sieh es doch ein, dass du lernen musst, dich besser zu kontrollieren. Wie leicht es ist, dich zu benutzen und zu manipulieren. Andere würden gnadenlos Gebrauch davon machen."

„Und du nicht?"

„Das musste sein!" Jetzt sah er wieder aus, wie der kühle Geschäftsmann. „Wer sollte dir denn sonst Vernunft beibringen?"

„Das glaubst du tatsächlich? Dass mir das im Leben weiterhilft? Das war einfach nur gemein, Edward. Ich will nicht glauben, wie du so etwas tun konntest. Hab ich nicht schon genug ertragen heute Nacht?"

„Wie gesagt, Isabella, es tut mir leid, dass ich so weit gegangen bin. Aber es war dennoch die richtige Entscheidung. Jacob Black hätte nicht so einfach aufgehört!"

„Gute Nacht, Edward.", sagte ich gefühllos und ging wie eine alte Frau auf die Tür zu. Ich musste hier weg. Das Ganze war nicht mehr ertragbar.

„Gute Nacht, Isabella. Ich hoffe, du verzeihst mir irgendwann.", flüsterte er noch.

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Ich saß auf einer Liege und sah emotionslos auf das hektische Treiben am Pool. Ich war vollständig angezogen und überlegte, was ich jetzt tun sollte. Ich hatte eigentlich vorgehabt auf Jobsuche zu gehen, doch ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Fürs Erste wollte ich nur etwas Leichtes, Schnelles. Eine Überbrückung, bis ich endlich Gelegenheit hatte, angemessene Bewerbungen mit meinen bereits erworbenen Referenzen zu schreiben. Auch wenn ich noch keine Ahnung hatte, was ich tun wollte. Im Internat hatte man mich immer für meine Schreibarbeiten gelobt, aber daran hatte ich weniger Spaß, als ich vielleicht sollte. Ich hatte mir immer vorgestellt etwas mit meinen Händen zu machen und mich dabei zu bewegen. Etwas zu Organisieren vielleicht… Im Hotel wollte ich nichts mehr, damit hatte ich abgeschlossen. Darum würde ich auch außerhalb suchen. Aber eben jetzt war meine erste Priorität, etwas Eigenes zu finden.

Zwei Tage war es her seitdem ich Edward gesehen hatte. Seit dieser Katastrophe an dem Abend von Sams Party, gingen wir uns komplett aus dem Weg. Aber erst nach vier Tagen ist es Edward gelungen, mich völlig zu meiden. Es ist das eingetreten, vor dem ich mich am meisten gefürchtet hatte. Wir entfernten uns voneinander und unsere Beziehung erstarb langsam aber sicher.

Ich schloss meine Augen und atmete durch den Mund ein und wieder aus, um mich zu beruhigen.

Nachts schlief ich schlecht und Emmett schalt mich immer, weil meine Appetitlosigkeit alle Rekorde sprengte, die ich bisher aufgestellt hatte. Er meckerte immer mehr und versuchte mit allen Mitteln herauszufinden, was mit Edward und mir passiert war. Doch wir schwiegen uns beide tot darüber. Emmett war nebenbei noch ständig weg. Er sagte, er hätte jemand ‚Unglaublichen' getroffen. Sie sei die Aphrodite in Menschengestalt und diejenige, mit der er den Rest der Ewigkeit verbringen wollte (als ob ihm das nicht schon einige Male passiert war). Ich rollte meine Augen. Wirklich! So wie ich mich erinnerte, waren da schon mindestens vier dieser Göttinnen auf zwei Beinen gewesen, die Em' mit nach Hause gebracht und beteuert hatte, sie seien seine zukünftigen Frauen. Es währte nie länger als acht Wochen… im besten Fall. Aber selbst wenn dieses neuerliche Abenteuer auch nicht von langer Dauer war, änderte das doch nichts an der Tatsache, dass er momentan so glücklich verliebt war, dass es ekelhaft anmutete.

Die Situation in der Wohngemeinschaft jedenfalls war unerträglich. So konnte es nicht bleiben, daher musste ich etwas unternehmen. Jake hatte mehrmals versucht mit mir zu reden und als er einmal angerufen hatte, als Edward da war und ran ging, war dieser in die Luft geflogen und hatte ihn angebrüllt und beleidigt, wo er nur konnte. Edward war sowieso äußerst explosiv in letzter Zeit.

Einmal hatte ich nachgegeben und das Telefon abgehoben, bevor das mit Edward nochmal passieren konnte. Da hatte Jake sich ungefähr tausendmal entschuldigt, und geschworen, wenn ich irgendwann einmal Hilfe brauchen würde, egal bei was, würde er für mich da sein.

Ich hatte ihn abwürgen können, sobald ich ihm versicherte, ich sei nicht mehr wütend auf ihn. Doch ich war aus einem anderen Grund wütend, als er annahm. Dass ich mit Sam mitgegangen bin, konnte man ihm nicht vorwerfen. Aber als Edward mir gesagt hatte, Jake wüsste von dem Stall, erinnerte ich mich an den Blick und an die Worte, die Jake mit Sam ausgetauscht hatte und das nahm ich ihm sehr übel.

Seufzend stand ich auf und strich mir imaginäre Flusen von der Hose. Dann auf in den Kampf…

Die ersten Boutiquen, in denen ich es versuchte, waren schon mit allen möglichen Angestellten versorgt, also versuchte ich es in Eisdielen und anderen kleinen Gastronomie-Gewerben, aber da fragte man nach Kenntnissen im Bedienen, da man deshalb schon schlechte Erfahrung gemacht hatte. Die einen störten sich daran, dass ich noch keine Tabletts voll mit Glaswaren getragen hatte (was sie, wenn sie mich kennen würden, mit Entsetzen füllen würde, ob meiner Bewerbung) und anderen störte die fehlende Erfahrung im Umgang mit Gästen.

Nach gefühlten hundert Absagen ging ich an einem Plattenladen vorbei, blieb davor stehen und schaute überlegend durchs Fenster. Vielleicht würde mir ja da jemand weiterhelfen. Und wenn es nur CDs alphabetisch zu sortieren galt, Hauptsache ein kleiner Job, der etwas Geld einbrachte.

Ich trat hinein und ging einen kurzen Gang entlang, schaute mir die Menge an Interpreten sortiert nach Genre an, die es hier gab.

„Darf ich dir behilflich sein?", fragte eine Stimme, von der ich nicht genau wusste, wo ich sie schon einmal gehört hatte. Es war James, der einen Arm an den CD-Ständen gelehnt hatte und mich lächelnd ansah, als ich mich umdrehte.

„Falls du ‚Justin Bieber' suchst, würde ich empfehlen mal unter Mädchen-Pop nachzusehen.", meinte er sarkastisch.

Ich runzelte meine Stirn. „Wohl kein Fan, was? Aber nein, ich… ich bin eigentlich auf der Suche nach Arbeit. Ich möchte mir eine eigene Wohnung nehmen. Deshalb möchte ich mir vorübergehend mit einem Aushilfsjob weiterhelfen."

„Ehrlich? Das ist ja prima. Wir suchen eine Aushilfe hinten im Lager. Wenn es dir also nichts ausmacht, für Mindestlohn undankbare Drecksarbeit zu machen…" Er zuckte mit den Schultern und sah mich an.

„Nein, nein, das wäre großartig. Ist das auch kein Problem? Ich meine, kannst du das entscheiden?"

„Klar, der Schuppen gehört mir und meiner Freundin."

„Oh, ist das das Mädchen von der Feier?"

„Jepp. Sie ist momentan nicht da, aber du kannst sie später kennen lernen. Sie wird nichts dagegen haben. Doch du kannst erst ab nächste Woche anfangen. Momentan haben wir ein kleines Logistik-Problem, außerdem wird der nächste Schub Ware erst dann geliefert. Ich hoffe, es ist nicht eilig mit deiner Wohnung."

Ich musste schlucken. „Uh, nein, eilig ist es eigentlich nicht. Es wär einfach nur schön, wenn es schneller ginge."

„Huh. Ärger im Paradies, he?" Ich zuckte meine Schulter und sah weg. „Ich hoffe, es hat nichts mit der Party letztens zu tun?!"

„Oh, das weißt du noch, hm?", nuschelte ich verlegen. James kam nicht mehr zum Antworten.

Erleichtert drehte ich mich zur Ladentür, als diese klingelte und sah, wie James Schwester Rosalie herein trat. Sofort drehte ich mich wieder um.

„Äh, alles klar. Also soll ich Montag früh einfach vorbeischauen? Gucken, ob es was zu tun gibt?", fragte ich, wollte so schnell wie möglich alles Ungeklärte aus der Welt schaffen, um verschwinden zu können. Dafür hatte ich jetzt wirklich keinen Nerv. Doch der beachtete mich nicht mehr.

„Na, Schwesterherz, was kann ich für dich tun?"

„Du kannst dich mal nützlich machen und mir die Tüten abnehmen.", sagte die vollbeladene Schwester.

„Was zum Henker hast du denn jetzt schon wieder alles gekauft? Rose, du weißt aber schon, dass du von mindestens einer der sieben Todsünden geplagt bist? Unersättlichkeit? Gier?"

„Das ist wirklich notwendig gewesen. Ich gehe heute Abend mit einem unglaublichen Typen aus."

Ich ruckte meinen Kopf zu ihr. Emmett? Oh mein Gott. Bitte, nein. Nicht sie!

„Bella? Hi. Was machst du denn hier?" Rosalie sah mich an, nachdem sie ihre Tüten auf einen Tresen abgestellt hatte.

„Nichts, ich wollte auch schon wieder gehen." Ich wollte mich schon an ihr vorbei schieben, als sie mich an der Schulter berührte. „Ist alles in Ordnung, Bella?"

Ich sah sie an. „Ja, klar. Alles bestens. Mir ist schon vor langer Zeit klar geworden, dass Menschen wie du mich niemals schätzen werden. Ich gehöre nicht zum Club und ich werde mich nicht mehr der irrigen Vorstellung hingeben, dass dem so sei. Also werde ich dir einfach aus dem Weg gehen und mir wäre lieb, wenn du das auch so halten würdest, okay? Guten Tag. Bis dann, James!"

„Bella, was…? Warte, was meinst du mit Menschen, wie ich? Natürlich schätze ich dich. Du bist mir sehr sympathisch und ich verbringe gerne Zeit mit dir. Nun, jedenfalls würde ich das, wenn wir uns mal treffen würden."

„Du meinst, du würdest das jetzt gerne wegen Emmett?!", konnte ich mir nicht verkneifen, und hatte immer noch die wage Hoffnung, dass ich falsch lag mit meiner Vermutung.

„Wisst ihr was? Das ist eine klasse Idee. Wie wär's, wenn wir alle heute nach Rhyolite rausfahren und dort picknicken? Wenn Vicky wiederkommt, verfrachte ich meinen Arsch ins Auto und hol euch ab. Was haltet ihr davon?"

Rosalie sah mir flehend in die Augen nach James Vorschlag. „Das finde ich super. Ich frag Emmett, ob er mitkommen will und zum Abend hin werden wir uns absetzen und James und Vicky können dich dann nach Hause bringen, okay? Bitte, Bella! Und falls du auf Tanya angespielt hast… Nun, ich weiß, sie kann manchmal sehr eigen sein, wenn es um ihren Freund geht, aber sie ist nun mal seit Kindertagen schon eine Freundin von mir. Ich kann sie nicht einfach abschreiben, auch wenn ich nicht immer gutheiße, wenn sie sich daneben benimmt."

„Edward ist nicht ihr Freund.", stellte ich sofort klar. „Jedenfalls nicht mehr. Sie war nur eine vorübergehende Geliebte. Und das hat sie sich selbst verspielt."

„In Ordnung, aber glaub' bitte nicht, dass ich genauso drauf bin wie sie. Wir entfernen uns eh immer mehr voneinander. Und mit Emmett hat das auch nichts zu tun! Ich habe es nicht nötig, mir über jemand anderen die Zuneigung von ihm zu erkaufen. Wenn ich eine Person, aus welchem Grund auch immer, nicht mag, dann verstecke ich es nicht, und auch ein Emmett McCarty müsste damit klar kommen! Die einzige Ausnahme ist manchmal Tanya, da ich sie schon ewig kenne und weiß, im Grunde ihres Herzens, ist sie ein netter Mensch." Entfesselnde Ehrlichkeit zierte ihr Gesicht.

Ich glaubte ihr und seufzte ergeben. „Also schön. Fahren wir nach… Wie hieß der Ort?"

„Rhyolite. Das ist eine alte Geisterstadt ganz in der Nähe vom Death Valley.", sagte James träge. Wohl von unserer Diskussion inzwischen gelangweilt.

„Ja, du musst sie gesehen haben." Rosalie packte ihre Einkäufe zusammen. „Danke, Bella. Du wirst es nicht bereuen. So jetzt muss ich aber los. Ich hab' gedacht, ich hätte noch bis heute Abend Zeit, mich fertig zu machen, doch jetzt bleiben mir nur noch ein paar Stunden. Also, bis dann." Sie war schon auf dem Weg zur Tür und flitzte schnell hindurch.

„Gut, dann gehe ich auch mal.", sagte ich, als ich mich wieder umgedreht hatte.

„Alles klar. Ich hol dich dann gegen vier ab, o.k.?" James hob die Hand zum Gruß und ging, jetzt wieder voll beschäftigt, in den hinteren Teil des Geschäftes.

Ich nickte und winkte auch noch kurz zum Abschied.

Die restliche Zeit bis zum Treffen überbrückte ich, indem ich noch durch diverse Geschäfte bummelte. In einem entdeckte ich ein neues leeres Notenheft mit einem gemalten silbernen Volvo C30 umgeben von schwarzen Noten als Cover. Zumindest sah es ganz so aus wie sein Modell. Ich kaufte es sofort, um es ihm bei nächster Gelegenheit zu schenken. Das würde auch das erste Mal sein, dass ich es aus eigener Tasche zahlte...

Als es vier Uhr war, stand ich vor dem Hoteleingang abholbereit. Ein schwarzer BMW -jedenfalls nahm ich an, dass es einer war- kam auf mich zu und hielt vor dem Bürgersteig. Von Autos hatte ich noch weniger Ahnung als von Mode. Das Einzige worüber ich jedoch Bescheid wusste, war Edwards heißgeliebter Wagen. Ich war sogar beim Kauf des C30 mit dabei gewesen. Daher liebte ich ihn beinahe genauso sehr wie er. Was für ein wunderbarer Tag das war. Ich musste lächeln, als ich an Edwards kindliche Freude über sein neues Spielzeug dachte.

James machte mir von innen die Beifahrertür auf und beugte sich nach vorne. „Steig ein, Schönheit!"

Das tat ich und sah dann nach hinten. „Wo ist deine Freundin?"

„Vicky wollte nicht mit. Rosalie und ihre Verabredung treffen wir dort."

„Oh, in Ordnung." Ich schnallte mich an, als er das Auto scharf anfuhr. Nach einer Weile drehte er die Musik auf und holte etwas vom Rücksitz hervor. Er klemmte das Lenkrad zwischen die Knie und machte eine Dose Bier auf.

„Bedien dich!", sagte er knapp, sah wieder durch die Windschutzscheibe und hob das Getränk an die Lippen.

Wow. „Uhm, findest du, es ist eine gute Idee, beim Fahren zu trinken? Ist das nicht ziemlich riskant? Mal abgesehen davon, ist es gegen das Gesetz." Unbehaglich überprüfte ich nochmal meinen Gurt.

Er lachte. „Keine Sorge, kleines Bellchen. Ich bin das gewohnt."

„Das Bier trinken? Oder unter Alkoholeinfluss Auto zu fahren?" Stirnrunzelnd beobachtete ich ihn.

„Na beides." Er grinste mich an, als müsste ich das auch lustig finden. Als er meinen Gesichtsausdruck bemerkte, fügte er hinzu: „Hör zu, das ist nur Bier, klar? Kein Grund loszuheulen." Und schon nahm er einen weiteren kräftigen Schluck. Ich sah aus dem Seitenfenster und fragte mich, ob das nicht schon wieder ein fataler Fehler gewesen war, hier einzusteigen. Ich schien so etwas ja förmlich anzuziehen.

Irgendwann kamen wir an einem Schild vorbei, auf dem ein Pfeil stand mit dem Zusatz ‚Rhyolite / 200yd' und kurz darauf erblickte ich Trümmer und Überreste von Mauern.

„Größtenteils bestand die Stadt mal aus Holzhäusern. Die sind alle weg. Das Einzige, was übrig geblieben ist, sind diese Gemäuer.", klärte Mr. Ich bin das gewohnt, ist doch nur Bier, mich auf. Ganz toll, ich sehnte mich schon danach, wenn Emmett und Rosalie dazu stoßen würden. Mit ihnen würde ich auch zurück fahren, hier würde ich jedenfalls nicht mehr einsteigen.

Wir fuhren ein gutes Stück die Stadt entlang. Toll sah sie schon aus. Ein paar Ausbrüche von alten Eisenbahnschienen, wie sie um neunzehnhundert erbaut wurden, konnte ich unter hochgewachsenem, verbranntem Gras ausmachen, mehrere Mineneingänge vor dem jetzt ein ‚Betreten Verboten! Einsturzgefahr'-Schild hing, sowas wie ein Hotel, eine Bank und, wie ich annahm, ein Bahnhofsgebäude. Außerdem erkannte ich noch ein Gefängnis, natürlich an den Gittern, die noch in einigen Fenstern zu sehen waren. Der Rest war nur noch vereinzelt stehende Mauern mit oder ohne Türdurchgänge. Aber besonders auffielen die Figuren aus Acryl, die hier und da verteilt standen und wohl den Eindruck von Bewohnern in der Geisterstadt erwecken sollten. Sie wurden wohl im Nachhinein für Touristen erbaut. Nachts verfehlten sie bestimmt nicht ihre Wirkung, mit all den Schatten, die sie werfen würden.

James hielt an und machte den Motor aus. Dann stellte er seinen Sitz zurück und legte einen Arm über meine Lehne, während er fleißig weitertrank.

„Bist du sicher, dass du nicht auch was willst? Ich hab auch was Stärkeres da, wenn dir das lieber ist."

„Nein, vielen Dank. Wo wollten wir uns eigentlich mit den anderen treffen? Diese Stadt ist ja doch recht groß."

„Ach was, sie finden uns schon. Und? Was wollen wir in der Zwischenzeit tun? Ich jedenfalls hätte da schon ein paar Ideen." James rückte sich die Hose im Schritt zurecht, ließ seinen Arm um meine Schultern gleiten und kam näher an mich heran. Ich zuckte zurück. „Was soll das? Du hast eine Freundin!"

„Hm." Er zuckte mit den Schultern. „Sie ist nur eine vorübergehende Lösung. Außerdem eine große Hilfe, was den Laden angeht. Sie macht fast alles, was ich ihr sage. Und da ich keinen Ring an meinem Finger sehe, geht es sie nichts an, was ich mit anderen tue. Also keine Sorge, was sie betrifft. Das bleibt unter uns!"

„Ooh nein, bleibt es nicht!"

Sein Arm schlängelte sich um meine Schultern, wollte mich näher ziehen. „Komm schon.", flüsterte er heißer.

Ich zog sauer seinen Arm von mir runter und schmiss ihn so stark ich konnte, in seinen Schoß. „Ich kann nicht glauben, dass du auch so bist. Was ist mit euch Typen los? Steht auf meiner Stirn vielleicht ‚Anfassen für jedermann' geschrieben? Ich bin doch kein Freibier! Und übrigens, wenn ich ‚Nein, ich will nicht' sage, dann bedeutet das auch ‚Nein, ich will nicht' und nicht ‚Oh ja, bitte mach's mir'! Ist das so schwer zu kapieren?"

James zog skeptisch seine Augenbrauen zusammen. „Sam hat mir erzählt, dass du nicht abgeneigt gewesen warst."

„WAS? Der Typ hat mich beinahe vergewaltigt!"

„Sam? Der hat das doch gar nicht nötig. Komm schon, du lebst mit Cullen zusammen, treibst dich mit Jakey-Boy rum und läufst Sam in den ‚Reitstall' nach wie eine geile Hündin." Bei Reitstall machte er mit seinen Fingern Gänsefüßchen in die Luft. „Du bist erfahren im Umgang mit so einer gewissen Sorte von Männern, und du kannst mir nicht weismachen, dass du nicht noch einen Musiker zu deiner Sammlung zählen willst. Ich bin bereit, Süße. Tun wir's!" Er versuchte wieder mich an einer Schulter zu sich heranzuziehen. „Mann, du musst höllisch gut sein, wenn Cullen dich sogar bei sich wohnen lässt…", murmelte er erregt vor sich hin.

„Nicht schon wieder!" Schnell befreite ich mich von den Gurten und öffnete die Tür. Ich sprang aus dem Auto und lief weg. Als ich einige Meter weg war, hörte ich eine Autotür knallen und schnelle Fußtritte. OH MEIN GOTT, er kam hinter mir her. Ich rannte schneller und bog um eine der noch stehenden Wände, um außer Sichtweite zu kommen und ein geeignetes Versteck zu finden.

Nachdem ich ein paar Haken geschlagen hatte, entdeckte ich im Eingang von einem Gebäude eine Treppe, die irgendwo hinauf führte und lief schnell darauf zu. Sobald ich oben war, schaute ich mich um. Es war nur teilweise verdeckt, große Stücke der Wände fehlten und ich bekam es mit der Angst zu tun. Was, wenn er mich hier entdeckte? Ich kam nur durch die Treppe wieder runter.

Zitternd hockte ich mich hin, horchte leise und wartete. So verharrte ich, bis ich leises Motorengeräusch vernahm, das irgendwann verklang. Ich reckte mich vorsichtig und schrie leise auf. Meine Gelenke taten unheimlich weh, da ich in dieser verkrampften Haltung bestimmt wenigstens zwanzig Minuten auf Geräusche irgendeiner Art gewartet hatte. Jetzt richtete ich mich so schnell wie möglich auf, und sah geschockt, wie sich der schwarze, protzige Wagen immer mehr entfernte. Er hatte mich hier zurück gelassen!

Obwohl mich keine zehn Pferde mehr in dieses Auto gebracht hätten, fragte ich mich, wie ich jetzt aus dieser Wüste wieder weg nach Hause kam. Emmetts Auto konnte ich von meiner erhöhten Position auch nirgendwo sehen. Und als es dunkler und dunkler wurde, bereiteten mir, wie ich es mir vorher schon ausgemalt hatte, die immer höher wachsenden Schatten äußerste Gänsehaut.

Zudem wurde es richtig kalt, sobald die Sonne über dem Horizont verschwunden war. Ich hatte mir heute nur ein kurzes T-Shirt und Shorts angezogen, was mich jetzt in Schwierigkeiten bringen würde, falls ich die ganze Nacht hier verbringen müsste. Doch nein, bestimmt würde Edward oder Emmett kommen und mich holen. Schwer war es ja nicht herauszubekommen, wo ich war. Es wäre also besser, wenn ich mich nicht so versteckt aufhalten würde.

Daher stieg ich die Treppe wieder nach unten und ging gemächlich die ausgestorbene Straße entlang. Ängstlich schaute ich in alle schattigen Ecken und dunklen Gebäudeeingängen. Einige Male erschreckte ich mich sogar vor den ‚Stadtbewohnern', die oft urplötzlich auftauchten. Gott, war das unheimlich hier, wenn man alleine war. Im Dunkeln! Wenigstens war fast Vollmond.

Auf einmal hörte ich etwas rascheln und einen Zweig knacken und drehte mich erschreckt in alle Richtungen. Meine Atmung kam jetzt ruckartiger und während ich mich im Kreis drehte, schaute ich in alle dunklen Ecken und Gassen. Auf einmal stand eine Gestalt vor mir und ich brüllte mir die Seele aus dem Leib…