Kapitel 9
Riley saß auf ihrer Bettkante. Sie hatte den Chip herausgezogen und fast fallenlassen, so sehr hatten ihre Finger gezittert. Dann war sie rückwärts gestolpert und auf ihrem Bett gelandet.
Nun wanderte ihr Blick immer zwischen dem Chip auf ihrer Handfläche und Camerons leblosem Körper, dessen Augen offen standen, hin und her. Riley hatte angefangen zu weinen, ohne dass es ihr bewusst war. Sie hatte sich in Cameron verliebt und begriff langsam, dass ihre Gefühle viel zu tief gingen, nicht nur die romantischen sondern auch die freundschaftlichen.
Eigentlich sollte sie Cameron zerstören. Das war es wofür sie damals von Jesse hier her gebracht worden war.
Sie musste sich zusammenreißen, um nicht einfach vorzustürmen und Cameron in ihre Arme zu ziehen. Stattdessen erhob sie sich, den Chip wie ein rohes Ei behandelnd. Langsam machte sie die drei kleinen Schritte und beugte sich über Cameron. Ihr war bewusst, dass sie möglicherweise das Schicksal der ganzen Menschheit in der Hand hielt.
Nun verstand sie, wie schwierig es für John Connor manchmal sein musste Entscheidungen zu Vernunft sagte ihr, dass sie zumindest John hinzuziehen und ihm die Entscheidung überlassen sollte. Kurz ging sie nochmals die Ereignisse der letzten drei Tage durch. Schließlich holte sie tief Luft, schob den Chip in den Port zurück und verriegelte ihn.
Dann sprang sie fast hastig zurück und fiel erneut auf ihr Bett. Sie rollte sich zusammen und begann hemmungslos zu weinen. Ihr nackter Körper wurde von einem Weinkrampf geschüttelt. Sie erstarrte kurz, als sich ein anderer Körper von Hinten gegen sie schob und zwei starke Arme sie heranzogen. „Was...?"
„Schlaf jetzt Riley Dawson", sagte Cameron leise in Rileys Ohr.
Riley schniefte. „Ich... liebe Dich", sagte sie zögerlich.
Cameron streichelte ihr über die Schulter. „Ich weiß, tut mir leid".
Riley drehte den Kopf, so dass sie in Camerons Augen sehen konnte. „Werde ich aufwachen... am Morgen?".
„Das wirst Du", sagte Die Brünette eindringlich. „Du bist sicher vor... bei mir".
„Danke", entgegnete Riley, streichelte kurz über Camerons Wange und drehte sich etwas, damit sie besser lag.
„Gern geschehen... Süße", sagte Cameron leise. „Jetzt schlaf endlich Riley".
Und Riley schlief.
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Die Stress und die Angst hatten ihren Tribut gefordert. Riley schlief bis kurz nach Mittag. Als sie aufwachte war sie zugedeckt. Cameron war weg. „Cammy?!"
Riley hörte Musik und sprang aus dem Bett. Ohne sich Gedanken zu machen, dass sie nichts an hatte ging sie in den Wohnraum und blieb erstarrt stehen.
Cameron tanzte durch die Küche, während sie mit Töpfen und Pfannen hantierte. Rileys Augen wurden groß, dann begann sie zu grinsen. Die brünette Maschine bewegte sich im Takt. Geschmeidig waren ihre Bewegungen wie Riley neidlos anerkannte.
Cameron steckte gerade den Finger in den Mund, der zuvor in einer Schüssel gewesen war und schmatzte ihn sauber. Dann sah sie zur Seite. „Riley?"
„Morgen Cammy", entgegnete die blonde und kratzte sich ungeniert am Hintern.
„Es gibt gleich Essen", sagte Cameron und wandte sich wieder den Töpfen zu.
Riley schüttelte grinsend den Kopf. Ihre Angst war vollkommen verflogen. Nichts an Cameron war irgendwie maschinenhaft.
„Du solltest Dich übrigens anziehen", sagte Cameron ohne von dem Schneidbrett aufzublicken, an dem sie mit einem Messer hantierte.
„Äh...", entgegnete Riley. „Warum so eilig? Sonst stört ES Dich doch auch nicht.
„Weil John heute mit uns isst". Wiederum hatte Cameron nicht aufgeblickt.
„John?" Unwillkürlich schossen Riley Bilder durch den Kopf, die eine nackte Cameron und einen nackten John in ihrem Bett beinhalteten. Ohne nachzudenken wanderte ihre Hand in ihren Schritt.
„Ja John", sagte Cameron und ihr ausgestreckter Arm deutete in Richtung der Couch.
Rileys Kopf drehte sich ruckhaft in die Richtung der Couch. Ihre Augen wurden groß. Sie sah John Baum da sitzen, sein Gesicht mit beiden Händen bedeckt. Man konnte trotz der Hände eine heftige Rötung der Gesichtshaut bemerken.
„Häh...", brachte Riley schockiert lachend hervor und zog sich schnellstens zurück, selbst bis zu den Haarspitzen errötet.
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Riley hatte wirklich, wirklich kalt geduscht und sich angezogen. Verlegen lächelnd betrat sie den Raum. Sie sah ihre beiden Freunde, die sich verliebt anblickten bereits am Tisch sitzen. Dann setzte sie sich selbst. „Morgen John", murmelte sie dabei leise, ohne ihn an zu sehen.
„Morgen Riley", entgegnete der Angesprochene ebenso leise.
Das Essen verlief weitestgehend schweigen. John war vor Verlegenheit stumm, Cameron redete nie viel und die sonst so gesprächige Riley fand vor Verlegenheit keinen Ansatzpunkt für eine Unterhaltung. Sie beobachtete lediglich die Blicke, die sich John und Cameron zuwarfen.
„Gehen wir heute ins Kino?" Fragte John nach dem Essen unvermittelt. Er blickte auf. „Ich meine wir Drei?"
Cameron und Riley sahen sich an. Riley fragend, ob sie überhaupt erwünscht sei. Ein kaum merkliches Nicken Camerons deutete deren Zustimmung an.
„Klar, warum nicht.", sagte Riley dann. „Was läuft denn?"
John kratzte sich am Kopf. „Star Wars Sieben läuft", sagte er zögerlich.
Während Cameron fragend den Kopf schräg legte verdrehte Riley die Augen. „Echt?" Sie wandte sich an Cameron. „Cammy, kennst du Star Wars?"
„Natürlich ist mir der Name ein Begriff, sowohl bezogen auf das Raketen Abwehrprogramm, wie auch auf die bislang sechsteilige SciencefiFiction Filmreihe. Gesehen habe ich davon allerdings noch keinen", führte Cameron aus.
Riley blickte noch zwei Sekunden verwirrt auf ihre mechanische Freundin, dann wandte sie sich wieder an John. „Damit fällt das wohl flach. Sonst noch ein Vorschlag?"
Erneut kratzte Er sich am Kopf. „Keine Ahnung". Musste er zugeben.
Riley sah Enttäuschung in seinen Augen, nicht wegen des Films, sondern weil er nun keinen Grund mehr hatte mit Cameron Auszugehen.
„Wie wäre es, wenn wir einfach zum Kino fahren und sehen ob noch was läuft und dann entscheiden, ob wir doch was Anderes machen?"
Als John nun in Rileys Gesicht sah zwinkerte Sie ihm verschwörerisch zu.
John lächelte dankbar, sah dann zu Cameron. „Was denkst Du Cam?"
Die Angesprochene legte den Kopf schräg. „Du hast einen... Kosenamen für mich?"
„Sorry", sagte John schnell und schrumpfte in sich zusammen.
Cameron blickte kurz zu Riley die sie erstaunt ansah, dann wieder zu John. „Kein Grund für eine Entschuldigung. Cam klingt... schön. Ich mag es wenn Du mich so nennst".
Strahlend blickte John auf.
Riley grinste ihn an. „Dann steht es. Wir gehen Richtung Kino und sehen mal was läuft".
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Sie hatten tatsächlich einen Film gefunden, per Mehrheitsentscheid. Genau genommen hatte Riley entschieden und Cameron hatte abgenickt.
John hingegen hatte fast gebettelt sich die Liebesschnulze nicht ansehen zu müssen aber dann auf Rileys erhobene Augenbraue hin doch nachgegeben.
Nun saß er wie viele im Kino während des Abspanns da und hatte Tränen in den Augen.
Riley liefen Tränen hinab. Allerdings war es für sie noch viel erstaunlicher, dass Cameron sie mit verschrecktem Blick und Tränen auf den Wangen ansah.
„Ich verstehe nicht", sagte Cameron leise.
Riley zog ein Taschentuch aus der Tasche und tupfte das Gesicht ihrer Freundin ab. „Ich weiß", sagte sie. Dann legte sie eine Hand an Camerons Wange. „Ich verstehs aber". Sie sah an Cameron vorbei auf John, der sich noch sammeln musste. „Ich erklärs Dir später".
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„Du hattest eine emotionale Reaktion auf den Film", sagte Riley, während sie darauf warteten, dass John mit ihrem Eis zurückkam.
„Ja, aber warum?" Fragte Cameron verwirrt. „Mein Chip wurde konstruiert, Emotionen zu verarbeiten. Ich bin in der Lage Emotionen zu ... erleben. Mir ist es aber nicht möglich, den Grund für meine Emotion am Ende des Films zu finden".
Riley strich der Verwirrten eine Haarsträhne hinter das Ohr und streichelte ihre Wange. „Wir Menschen haben ein Leben lang Zeit unsere Emotionen zu entdecken". Riley stutzte kurz. „Wie alt bist Du?"
„Sieben Jahre, drei Monate...", sie brach ab. „Sieben", sagte sie dann abkürzend.
Riley nickte. „Siehst Du? Du bist zwar super intelligent aber emotional noch nicht so weit. Der Film war einfach herzergreifend schön". Sie zuckte mit den Schultern. „Wir müssen alle erst lernen. Gib Dir Zeit".
„Ich verstehe, danke für die Erklärung".
Riley sah hinüber zur Eistheke. John stand noch immer in der Schlange. „Wie ist das mit Dir und John?"
Cameron sah über ihre Schulter. „Ich weiß es nicht. Immer in seiner Nähe habe ich ein unruhiges flattern in meinem Bauch, kann aber die Ursache nicht finden. Wenn er mich anlächelt fühle ich mich schwach und wünsche mir von ihm gehalten zu werden. Wenn er mich berührt habe ich ein warmes Gefühl in meinem Inneren".
„Du bist also tatsächlich in ihn verliebt", sagte Riley gedankenverloren.
Cameron sah sie verwirrt an. „Bist Du sicher?"
Riley nickte traurig. „Ich fühle das Selbe bei Dir...". Sie brach ab als sich Tränen in ihren Augen sammelten.
Cameron legte ihre Hand auf die Rileys. „Es tut mir Leid".
Riley ergriff Camerons Hand und brachte ein Lächeln zustande. „Das sollte es nicht. Wir fühlen, wie wir fühlen. Da kann niemand etwas für."
„Wir könnten John fragen", sagte die Brünette spontan.
Riley runzelte die Stirn. „Fragen? Weswegen?"
Cameron legte den Kopf schräg. „Ob er was dagegen hätte, wenn Du und ich Sex hätten. Ich bin zwar nicht auf diese Art in Dich verliebt aber ich hätte nichts dagegen meine beste Freundin glücklich zu machen".
Riley war einige Sekunden sprachlos. Wilde Bilder mit ihr und Cameron schossen vor ihrem inneren Auge vorbei. Dann riss sie sich von dieser Sexfantasie los. „Cameron , das ist wirklich lieb von Dir, aber es wäre John gegenüber nicht fair...".
„Was wäre mir gegenüber nicht fair?" Fragte John plötzlich. Unbemerkt war er mit dem Eis herangetreten.
Cameron sah zu ihm auf. „Wenn Riley und ich ganz unverbindlich Sex miteinander hätten".
John musste erst mal die drei Eisbecher abfangen, bevor er sie fallen lies. „Was?" Fragte er mit aufgerissenen Augen, als die Becher endlich unbeschadet auf dem Tisch standen.
Riley hatte sich wieder gefangen und drückte fest Camerons Hand. „Was Cameron sagen wollte ist, dass sie mich mag und weiß, dass ich... in sie verliebt bin und sie mir einen... gefallen tun wollte indem sie mit mir...".
„Verstehe", unterbrach John und sah in Camerons lächelndes aber auch fragendes Gesicht. „Ihr habt also nicht? Ich meine...". Er verstummte.
„Ich würde niemals Etwas tun was Dich verletzt, das weißt Du", warf Riley fast entrüstet ein.
„Ich weiß, entschuldige", sagte er und senkte den Kopf. „Ich hab schon bemerkt, dass Dir was auf der Seele liegt und wollte schon längst fragen".
Riley nickte. Sie kannten sich schon fast zu gut. „Das habe ich geahnt
aber ...".
„Ich habe ... nichts dagegen", warf er plötzlich ein. Dann sah er Cameron an. „Solange ich es nicht mitbekomme zumindest". Er zögerte und kratzte sich am Kopf. „Du tust das nur, weil sie Deine Freundin ist? Nicht weil Du in sie... verliebt bist?"
„Ja, nur aus Freundschaft", entgegnete Cameron und legte ihre Hand an seine Wange. „Verliebt bin ich nur in... Dich".
John war sprachlos. Seine Mutter hatte ihn dazu erzogen ein großer Anführer zu werden aber er verfluchte, dass er keine Gelegenheit gehabt hatte mehr mit dem weiblichen Geschlecht zu interagieren. Gerade die Frauen in seinem Club waren sehr offen was Sex betraf und ausgerechnet seine beste Freundin Riley war die Schlimmste. Und die zurückhaltende Cameron schien wie ein Betäubungsmittel auf seinen Verstand zu wirken. So saß er einfach nur da und starrte sie verlegen an.
Riley wartete einige Zeit und löffelte ihr Eis während sie den Beiden zusah, wie sie sich anstarrten. Nach gefühlten Stunden verdrehte sie die Augen, beugte sich vor und gab John einen Klaps auf den Hinterkopf. „Riley an Leerhirn!"
John zuckte zusammen „Was?"
„Pump das Blut mal wieder aus der Hose nach oben", sagte Sie aggressiv.
John starrte sie an. „Mein Blut ist nicht...".
Riley unterbrach ihn durch einen Griff an seine Hose. „Doch, ist es", sagte sie grinsend als sie sein Geschlechtsteil deutlich spüren konnte. Dass es sich unter ihrer Hand erst aufgerichtet hatte spielte für Riley dabei keine Rolle.
Er schlug spielerisch und peinlich berührt ihre Hand zur Seite. „Ist es nicht", sagte er ohne Überzeugung.
Da passierte Etwas, was John für den Rest des Tages aus der Bahn warf.
