Es war wieder einmal sehr spät, als Molly das Labor verließ.

Lestrade und seine Kollegen hatten ihr kurz vor Feierabend einen erschossenen Mann in die Pathologie gebracht.

Der Chief Inspector hatte darauf bestanden, dass Molly die Patronenkugeln sicherstellte und sie ihm aushändigte, damit diese später im Labor untersucht werden konnten.

Als sie ihn fragte, um welchen Fall es sich handelte, schwieg er.

"Tut mir Leid, Molly. Die Sache ist noch streng geheim."

War es das nicht immer?

Aber sie hatte natürlich nicht lange nachfragt, sondern einfach ihre Arbeit gemacht.

Als sie jetzt, Stunden später, den Leichnam in ein Kühlfach gelagert und die Instrumente gesäubert hatte, freute sie sich innerlich auf ein heißes Bad bei sich zu Hause.

"Wird auch langsam Zeit." seufzte sie und löschte das letzte Licht hinter sich, setzte ihren Weg in der Dunkelheit fort.

"Wissen Sie, Sie irren sich."

Molly erschrak bis ins Mark und drehte sich erschrocken um.

Ein erleichtertes Seufzen entkam ihr, als sie Sherlocks Umrisse im dunklen Labor erkannte.

Er fuhr unbeirrt fort.

"Sie zählen sehr wohl. Sie haben immer gezählt und ich habe ihnen stets vertraut."

Sherlocks Kopf drehte sich zu ihr herum, seine Augen blickten Sie traurig an.

"Aber Sie hatten Recht..." bekannte er, "...es geht mir nicht gut."

"Sagen Sie mir, was los ist...", sie bekam Angst - was war los mit ihm, wovon sprach er?

"Molly...ich glaube, ich werde sterben."

Seine Stimme zitterte, seine Haltung war angespannt.

Sterben? Sherlock?

"Was brauchen Sie? Sagen Sie's!"

Ihr Herzschlag verdoppelte sich.

Sherlock schritt näher an Sie heran, blieb dicht vor ihr stehen, sein Gesicht direkt über ihr.

Sie bekam eine Gänsehaut, als erneut seine tiefe Stimme an ihre Ohren drang.

"Wenn ich nicht ganz der wäre, für den Sie mich halten und nicht ganz der wäre, für den ich mich halte...würden Sie mir trotzdem noch helfen wollen?"

Seine Stimme klang verletzlich, was sehr untypisch für ihn war.

Molly ignorierte seine Frage, stattdessen meinte Sie:

"Was brauchen Sie ?"

Sie würde alles für ihn tun, alles was notwendig wäre, um sein Leben zu schützen.

Selbst wenn Sie dafür töten müsste.

Sein Blick durchbohrte Sie.

Molly erschauderte, sah tief in seine Augen, sah...ihn...wie er tatsächlich war und wie ihn wohl noch nie jemand zu Gesicht bekommen hatte.

Wahrscheinlich nicht mal sein Freund John Watson.

In seinen Augen schimmerten Tränen.

"Dich!", sprach er heiser aus.

Mollys Blick trübte sich, Ihre Augen begannen ebenfalls verräterisch zu schimmern.

"Was soll ich tun, Sherlock?"

Sie musste sich zusammenreißen. Sie wollte ihm helfen - wollte ihm zeigen, dass sie es wirklich Wert war, dass sie wirklich zählte.

"Hilf mir, Molly..." Seine Hände umfassten ihre Arme, hielten sie fest.

"Wobei?"

"Mich zu töten!"

Für einen Moment stoppte ihr Atem und sie blickte ihn an. Fassungslos, verständnislos.

"Warum?", fragte sie. Ihre Stimme war voller Schmerz und Pein.

"Wenn ich nicht sterbe, werden andere sterben, Molly. Andere, die mir wichtig sind. Und die, wie ich weiß, auch Dir wichtig sind. Ich könnte nicht damit leben, dass sie sterben damit ich weiterleben kann."

Seine Stimme brach, seine Hände lösten sich von Ihr.

Er wandte sich ab, zurück in die schützende Dunkelheit.

Molly packte ihn am Arm, drehte ihn zu sich herum.

Sie hob zitternd ihre Hand, berührte sein Gesicht, spürte die nasse Haut unter Ihren Fingerspitzen.

Sherlock Holmes weinte - vor ihr.

Und in diesem Moment brauchte Molly nicht mehr zu überlegen.

"Sag mir, wie ich Dich töten soll, Sherlock."

Und er erklärte es ihr.