Im ersten Moment glaubte Molly, sich verhört zu haben.

Sie blinzelte überrascht in die Dunkelheit und versuchte, Sherlocks Gesicht vor ihr zu erkennen, versuchte seine Hände an den ihren zu ignorieren.

"W-Was?"

Das Herz schlug ihr bis zum Hals und sie spürte es deutlich unter Sherlocks Fingerspitzen pochen.

"Soll ich meine Frage...?"

"Nein.", unterbrach ihn Molly. "Woher willst Du das wissen?"

Sie hörte ihn leise auflachen, seine Hände hielten sie immer noch fest.

"Weil ich Deinen Puls genommen habe, Molly." Sie spürte, wie er sie näher an sich zog.

"Die Frequenz erhöht...Deine Pupillen sind mit Sicherheit erweitert...viele Leute denken, die Liebe sei ein Rätsel für mich, aber ihre Chemie ist unglaublich simpel und sehr destruktiv."

Er atmete tief aus und Molly lachte leise auf, freudlos.

"Gefühle sind ein chemischer Defekt, der nur auf der Verliererseite zu finden ist. Habe ich Dich richtig zitiert, Sherlock?"

"Offensichtlich kann Mycroft seinen Mund immer noch nicht halten." Keine Frage, sondern eine Feststellung.

"Denkst Du wirklich so, Sherlock?" fragte Molly und befreite ihre Hände aus seinen, tastete nach seinem Gesicht. "Denkst Du wirklich, die Liebe ist ein gefährlicher Nachteil?"

Sie fühlte erneut seine weiche Haut unter ihren Fingerspitzen, doch dieses Mal waren seine Wangen trocken.

Molly wusste, dass sie ihre Grenzen austestete. Aber wenn Sherlock ihre Nähe nicht gewollt hätte, wäre er längst zurückgewichen.

"Sie macht einen angreifbar.", flüsterte er, berührte ebenfalls Mollys Gesicht.

Sie zitterte und konnte nicht verhindern, dass sich ein warmes Gefühl in ihrer Bauchgegend ausbreitete.

Mutig und noch leicht durcheinander durch den heutigen Tag wagte sich Molly - die ansonsten eher zurückhaltend und schüchtern war - noch ein Stückchen vor, legte ihre andere Hand sanft auf Sherlocks Brustkorb, direkt über sein Herz, welches ebenso wir ihres schnell pochte.

Sie spürte seine kalten Finger an ihrer warmen, geröteten Wange. Sein Daumen glitt langsam über ihre leicht geöffneten Lippen.

"Stehst Du auf der Verlierseite, Sherlock?" flüsterte sie angespannt, wartend auf seine Reaktion.

Sein Atem ging stoßweiße, doch er schwieg.

Molly lächelte traurig.

Dann beugte sie sich vor und platzierte einen sanften Kuss auf seiner Wange, wie er es damals an dem Weihnachtsabend getan hatte, nachdem er sie vor den versammelten Gästen bloß gestellt hatte.

Als sie sich zurücklehnen wollte, hielt Sherlock sie fest umklammert, eine Hand auf ihrem Rücken.

Sein Kopf war direkt vor ihr und endlich konnte sie in seine dunklen, tiefen Augen sehen, in denen sie sich letztendlich verlor.

Molly spürte seinen heißen Atem an ihrer Wange, seine Hand umklammerte noch immer ihr Gesicht.

Unverhofft zog er sie näher an sich und Molly öffnete erschrocken den Mund, als er ihren Körper dicht an seinen presste.

Wenige Sekunden später spürte sie seine Lippen an ihrer Wange, sie fühlten sich kalt an auf ihrer erhitzten Haut.

Molly wagte nicht, sich zu bewegen geschweige denn zu atmen, zu schön war dieser unglaublich intime Augenblick.

Sherlocks Lippen wanderten von Ihrer Wange abwärts zu ihrem Kinn, den Kontakt mit ihrer Haut nicht unterbrechend.

Dann lehnte er seinen Kopf zurück, sah sie an. Deduzierte er sie?

Molly atmete tief ein, versuchte ihren Gefühle wieder unter Kontrolle zu bringen.

Erst jetzt bemerkte sie, dass sich ihre Hände wie selbstverständlich in Sherlocks Locken vergraben hatten.

Sie blickte wieder in seine Augen, sah ihn spöttisch lächeln.

"Offensichtlich..."

"Offensichtlich was?", meinte sie leise.

Er lächelte. "Dass Du mich liebst...und ich auf der Seite der Verlierer stehe."

Dann beugte er sich vor und verschloss ihre Lippen mit den seinen, bevor sie auch nur einen weiteren Ton sagen konnte.