Als Molly den Friedhof verließ, ignorierte sie das wartende Taxi und machte sich zu Fuß auf den Weg zu Ihrer Wohnung.

Sie konnte und wollte jetzt nicht in einem engen Raum mit einem wildfremden Menschen sitzen, sie musste sich jetzt irgendwie abreagieren – und wie konnte sie das besser als zu Fuß?

Vor sich hinmurmelnd und die neugierigen Blicke der Menschen ignorierend, stapfte Molly also wütend zu ihrer Wohnung.

Sie hoffte inständig, dass Sherlock noch nicht zu Hause war – ansonsten würde sie ihn höchstpersönlich umbringen.


Sie hatte natürlich nicht das Glück, eine leere Wohnung vorzufinden.

Als Molly die Tür zu Ihrer Wohnung leise hinter sich schloss, hörte sie das sanfte Murmeln von zwei Männerstimmen.

Langsam entledigte sie sich ihrem Mantel und zog sich die Stiefel aus, schlüpfte in ihre warmen Pantoffel und begab sich anschließend in das angrenzende Wohnzimmer.

Das Gespräch verstummte augenblicklich und die beiden Männer vor ihr blickten sie schweigend an.

Sherlocks Gesichtsausdruck war wie immer nicht zu deuten.

Mycroft nickte ihr freundlich zu. „Miss Hooper…"

Sie spürte, dass sie ungelegen kam. „Möchte jemand Tee?", fragte sich der Höflichkeit wegen.

„Kaffe, schwarz, zwei Stück Zucker…", murmelte Sherlock, starrte sie immer noch an.

Mycroft lächelte, schüttelte aber den Kopf. „Nicht nötig, Miss Hooper. Ich wollte sowieso gerade gehen."

Er wandte sich ab, blickte noch einmal kurz nach hinten. „Wenn Du bereit bist, Sherlock…"

Den Rest ließ er ungesagt offen, dann ging er.

Molly blickte einige Sekunden lang auf die geschlossene Wohnungstür, dann blickte sie wieder zu Sherlock, dessen Position nach wie vor unverändert war.

Er wirkte entspannt und sie spürte, wie sie erneut wütend wurde.

Herausfordernd blickte sie ihn an, doch Sherlock schwieg beharrlich.

Und Mollys Zorn wuchs ins Unermessliche.

Entschlossenen Schrittes ging sie auf ihn zu, ignorierte seinen überraschten Blick.

Ihre Gedanken waren wie leergefegt als Sie die Hand hob, doch er hielt sie nicht ab, leistete keinen Widerstand.

Also ohrfeigte sie ihn.

Molly spürte den dumpfen Schmerz in ihrer Hand.

Sherlock zuckte nicht, noch veränderte sich sein Gesichtsausdruck.

„Bist Du fertig?" Jetzt wirkte er gelangweilt.

„Du verdammter…", sie hob erneut ihre Hand, doch dieses Mal war er schneller.

Sherlock fing sie ab, noch bevor ihre Hand seine Wange erneut berühren konnte und zog sie hinab.

Dicht über ihn gebeugt stand Molly vor ihm, ihre Hände in seinen, ihr Rücken gekrümmt. Sie atmete schwer.

Sie sah in Sherlocks graue Augen, sah das Funkeln darin - seinen Hunger - spürte seinen heißen Atem auf ihrer Haut, sah seine weichen sinnlichen Lippen, die leicht zuckten.

Gott, wie sehr wollte sie ihn jetzt auf ihren Lippen spüren, seinen Mund auf ihrem, wie er sich leicht bewegte, zögernd, vorsichtig, sinnlich.

"Molly...", flüsterte er, seine tiefe Stimme klang ihr fremd.

Sie wusste dass er lebte, er saß schließlich vor ihr, ein Mensch aus Fleisch und Blut. Sie müsste nur die Hand ausstrecken und ihn anfassen.

Doch das Gefühl des Verlustes in ihrem Herzen konnte sie nicht verdrängen, konnte die Trauer und Verzweiflung der vielen Menschen nicht vergessen.

Dieses Gefühl des Erstickens, welches sie bereits auf der Beerdigung gespürt hatte, überkam sie in diesem Moment erneut, schnell und unaufhaltsam.

Molly zuckte und verkrampfte sich.

Sie schloss die Augen, spürte aber die heißen Tränen die sich hinter ihren Augenlidern bereits zu sammeln begannen. Sie wimmerte leise, sie wollte - konnte - jetzt nicht vor ihm die Fassung verlieren. Aber es war zu viel, einfach zu viel.

Dann spürte sie seine Hand an ihrer Wange, die vorsichtig - ja schon fast zögerlich - die Tränen beiseite wischte.

Molly schluchzte laut auf, sie war nicht stark genug, würde es wohl niemals sein.

"Es ist in Ordnung, Molly. Wirklich, es ist vollkommen in Ordnung. Bitte, komm her zu mir..."

Sherlock zog sie an sich und widerstandslos ließ sie sich in seine Arme fallen, klammerte sich hilfesuchend an ihn.

Sie vergrub den Kopf in seiner Schulter und atmete tief seinen Geruch ein, versuchte sich selbst wieder in den Griff zu bekommen.

Sherlock bemerkte ebenfalls, dass ihr Weinen nachgelassen hatte, aber er ließ sie nicht los, sondern streichelte weiterhin beruhigend über ihren Rücken bis seine Hand auf ihrem Kopf zum Ruhen kam, um dort sanft zu verweilen.

Gedankenlos spielte er mit den seidigen Strähnen ihrer Haare und Molly drehte leicht den Kopf, um ihn anzusehen.

„W-Warum…"

„Ich musste, Molly! Ich musste es sehen..musste ihn sehen, musste alle sehen. Ich musste wissen, dass…."

„…sie Dir immer noch vertrauen? Dass keiner diesen verdammten Schwachsinn glaubt?"

Sie sah ihn traurig lächeln, dann nickte er.

Sie nahm sein Gesicht in ihre Hände. „Und das tun sie, Sherlock. Sie lieben und vermissen Dich. Hast Du das auch gesehen?"

„Ja, das war offenkundig…"

Molly lächelte jetzt leicht. „Ich bin aber immer noch wütend auf Dich, Sherlock."

„Auch das ist offenkundig...", war seine Antwort.

Seine Hände umschlossen sie noch immer, genau wie ihre Hände noch sein Gesicht umschlossen.

Erst jetzt wurde sie sich der Nähe zu ihm bewusst. Sie spürte die Wärme, die von ihm ausging und Molly schluckte schwer.

„Aber vielleicht kann ich es wieder gut machen, Molly."

Seine Stimme war eine Nuance dunkler und Molly spürte nun auch etwas Anderes.

Oh mein Gott.

Sie riss überrascht die Augen auf, starrte ihn an, sah ihn grinsen.

Ihre Wangen röteten sich und Sherlock lachte leise über ihren Gesichtsausdruck.

Dann überbrückte er die ohnehin schon geringe Distanz zwischen ihnen und küsste sie.

Mollys Augen fielen zu und sie seufzte gegen seinen Mund, ihr rasendes Herz vergessend.

Sie hatte nicht mehr damit gerechnet, hatte geglaubt, ihr bisheriger Kuss wäre eine einmalige Sache gewesen.

Wie sehr sie sich in ihm getäuscht hatte.

Seine freche Zunge strich über ihre Lippen und sie öffnete bereitwillig ihren Mund, staunend über seine Forschheit.

Und Molly erwiderte seinen Kuss mit einer Leidenschaft, die ihr selbst Angst machte.

Sie grub ihre Hände in seine Locken und richtete sich unmerklich auf, als seine Hände sich auf ihren Hüften legten.

Er ließ von ihr ab und sah sie an, seine Augen dunkel vor Lust.

Sie erschauderte und Sherlock strich ihr vorsichtig einige wilde Strähnen aus ihrem Gesicht.

„Schlafzimmer?"

Molly nickte nur, denn sie war nicht imstande einen vernünftigen Satz hervor zu bringen.

Er grinste sie an, dann erhob er sich mit ihr und ließ sie langsam an seinem Körper hinabgleiten, presste sie fest an sich.

Molly stöhnte leise auf, als sie ihn hart an ihren Schenkeln spürte und ihre Knie wurden weich, ihr Herzschlag verdoppelte sich.

Wann war es soweit gekommen?

War Sie überhaupt wach oder träumte sie das alles?

Sherlock beugte sich wieder zu ihr hinab und sein sinnlicher Mund eroberte sie erneut stürmisch.

„Keine Sorge, Molly. Du bist wach und das hier ist kein Traum.", murmelte er heiser an ihren Lippen, umschloss sie erneut, ließ seine Zunge sinnlich in sie gleiten.

Molly seufzte widerstandslos, während ihr endgültig die Beine wegknickten.

Sherlocks Arme fingen sie auf, legten sich wie selbstverständlich um sie.

Dann hob er Sie hoch, trug sie in ihr Schlafzimmer und schloss die Tür hinter ihnen.