Dies ist eine autorisierte Übersetzung der Geschichte "Strangers at Drakeshaugh" von "Northumbrian". Das Original ist hier zu finden: s/6331126/1/Strangers-at-Drakeshaugh

4. Sonniger Nachmittag

Die Sonne schien hell und die letzten Wolken wurden von einer tüchtigen Brise runter ins Tal geweht als ich runter ins Tal nach Drakeshaugh fuhr. Der Tag was sicherlich sonniger als am Morgen, aber weder die Sonne noch der Wind hatten es geschafft, meine betrübte und verhangene Laune zu verbessern.

Henry war gestern so aufgeregt und begeisterungsfähig gewesen. ‚James'un'ich haben Farben gemischt und dann haben ich'un'James gemaln, un' dann hat Sarah gesagt, mein Bild is blöd, un' James hat so gemacht.' Henry streckte seinen Arm aus, direkt nach vorne in einer Bewegung, die fast nach Fechten aussah. ‚'Un er hat Sarah innen Bauch gepiekt mit sein' Pinsel un' gesag' ‚Stupor'.' Henry zögerte, als ihm klar wurde, dass er grade unabsichtlich seinen neuen Freund verpetzt hatte. ‚Die Lehrerin hat stoppesag' un' gesag', dass erdarf das nich' mach'n', gab er zu.

Dass er das nicht machen darf', korrigierte ich lächelnd. Alles in allem entschied ich, dass James sich für Henry eingesetzt hatte, und das war keine schlechte Sache. Obwohl eine Klassenkameradin mit einem Pinsel zu pieksen vermutlich nicht klug gewesen war. Ich hatte gelächelt und Henry hatte unerschütterlich gesagt: ‚Aber ich finde, dass erdarf das mach'n!' Ich verzweifelte an der Grammatik meines Sohns, aber ließ ihn mir alles über den Rest seines Tags erzählen, der nur aus ‚Ich'un'James' zu bestehen schien.

Ich wollte mich wirklich nicht mit den Eltern des neuen Freundes meines Sohns verkrachen, besonders nicht wegen der Taten einer Wichtigtuerin wie Mary Saville. Bloody Mary, dachte ich und das brachte mich zum Lächeln; wir hatten noch etwas Absolut Wodka und Tomatensaft, Worcestersoße und auch Tabasco. Falls ich es schaffte, Ginny alles zu erklären, würde ich mir heute Abend einen gönnen, nachdem ich die Kinder ins Bett gebracht hatte.

Ich warf einen Blick in den Rückspiegel auf meine Tochter als ich fuhr. Annies Kopf rollte von einer Seite zur anderen und ihre Lider waren schwer. Sie kämpfte gegen den Schlaf, aber sie war offensichtlich zu müde, um den Kampf zu gewinnen. Trotzdem bemühte sie sich tapfer und wurde erst besiegt als Ich von der Hauptstraße abbog und vor dem Tor anhielt.

Das rostige, alte Weidetor, an das ich mich erinnerte, war verschwunden. Jetzt hing ein neues Holztor aus fünf Balken an den verwitterten Torpfosten aus Granit. Der hölzerne Zaunübertritt daneben war auch erneuert worden. Ich stieg schnell aus dem Auto, entriegelte das Tor und fuhr auf den Pfad, der nach Drakeshaugh führte. Ich hielt an und schloss das Tor hinter mir und auf wundersame Weise schaffte ich all das ohne Annie zu wecken.

In meiner Erinnerung war der Pfad kaum mehr als zwei Spurrillen den Hügel hoch. Glücklicherweise war der Weg, den ich hinauffuhr, anders. Die Schlaglöcher waren mit Kies gefüllt worden und die Fahrt war viel einfacher als ich erwartet hatte. Sie hätte mir bekannt sein sollen; dies was auch der öffentliche Fußweg zum Drake Stone und ich war ihn schon oft entlanggegangen. Aber, wahrscheinlich wegen seiner Nähe, war ich schon seit Jahren nicht mehr oben bei dem Stein gewesen. Es war fast so, als würde ich die Strecke das erste Mal befahren. Als ich langsam den Abhang hinauffuhr, wurde ich plötzlich von der wilden Schönheit dieser vertrauten Hügel getroffen.

Der Drake Stone war fast direkt vor mir, sein prominentes Profil saß auffällig auf einer Erhöhung. Der ‚Draag Stane', wie mein Dad ihn nannte, war ein Stück eines Findlings aus Sandstein, hier abgelegt in einer uralten Eiszeit. Er ragte einsam aus dem Harbottle Crag hervor und aus dieser Entfernung schien er nicht mehr zu sein als ein merkwürdiger Pickel in der Landschaft. Tatsächlich ist der Stein über 10 Meter hoch.

Laut Legenden besitzt der Stein Heilkräfte oder ist ein prähistorisches druidisches Heiligtum oder war ein Aussichtspunkt in den Tagen der Border Reivers. Letzteres ist fast sicher wahr, denn man kann von der Spitze des Steins meilenweit sehen.

Zu meiner Rechten weideten Schafe eifrig die sanften grünen Wiesen. Ein Zaun aus Pfählen und Draht hielt ‚die dümmsten Kreaturen auf Gotten Erde', wie mein Dad sagen würde, davon ab, sich auf den Pfad zu verirren.

Zu meiner Linken lag eine Bruchsteinmauer, hinter der eine knorrige und ungepflegte Hecke mein Reiseziel vor neugierigen Augen verbarg. Die Hecke war größtenteils Weißdorn und Schwarzdorn mit ein wenig Stechpalme. Die Dornen und Stechpalme verschworen sich mit einem Gewirr aus Hagebutten und Brombeersträuchern zu einer dichten und stachligen Barriere, genug um selbst entschlossene Besucher davon abzuhalten, Drakeshaugh auf anderem Weg als durchs Tor zu betreten.

Rote Hagebutten und dicke Brombeerranken quollen üppig über die Mauer. Eine der Beeren an den Brombeersträuchern wurde schon dunkel, in ein paar Wochen würden sie reif sein. Hinter dieser stacheligen Grenze lagen die um die dreißig Morgen des verwitterten Waldgebiets, das Drakeshaugh umgab. Das alte Haus war vom Weg aus fast unsichtbar. Es war im Wald verborgen und schmiegte sich in eine Kuhle neben dem Drakestone Burn. Ich näherte mich nun dem einzigen Eingang nach Drakeshaugh.

Ich erklomm die Steigung langsam. Sehr selten nutzen forstwirtschaftliche Geländewagen diese Strecke um ihre Wälder zu erreichen und sie fahren oft schneller als sie sollten. Etwa hundert Meter vor mir auf der linken Seite, genau wie ich mich erinnerte, war eine Lücke in der Bruchsteinmauer. Das war mein Ziel.

Drakeshaugh lag direkt hinter dem Tor. Es war allerdings nicht erreichbar. Das Tor war offen, aber ich konnte nicht hinein. Ein glänzender, schwarzer Range Rover war direkt hinterm Tor geparkt und blockierte so die gesamte Einfahrt.

Ich stellte meinen Wagen soweit an den Rand des Pfads, wie ich es wagte, und hielt an. Neben dem Pfad verlief ein zugewachsener Entwässerungsgraben und ich wollte nicht stecken bleiben. Bevor ich den Micra verließ, stellte ich sicher, dass andere Fahrzeuge vorbeikonnten, obwohl ich wusste, dass andere Fahrzeuge unwahrscheinlich waren.

Durch irgendein Wunder schlief Annie noch immer. Da ich sie nicht wecken wollte, löste ich einfach den Sicherheitsgurt und stellte den Tragebügel ihres Kindersitzes ein. Ich hob den Sitz, der noch immer meine schlummernde Tochter enthielt, aus dem Auto und trug ihn mit mir. Es war eine Plackerei. Annie war keine besonders zierliche Zweijährige und der Sitz ließ sich nur unbequem tragen.

Als ich mich dem Tor näherte, hörte ich Stimmen. Ich hielt an und äugte durch eine kleine Lücke in der verwucherten Hecke und sah drei Leute auf dem mit Kies bedecktem Hof stehen. Eine der drei war Ginny. Sie trug noch immer die schlampigen Jeans und den Pulli und sah gehetzt aus. Sie stand zwei Fremden gegenüber. Jedenfalls waren sie mir fremd. Beide trugen lange, schwarze Trenchcoats.

Der Mann war über 1,90 Meter groß, breitschultrig und stämmig. Sein sich lichtendes braunes Haar war kurzgeschoren. Er sah aus wie ein Rugbyspieler, groß, bullig, mit einem flachen Gesicht und recht aggressiv. Der Schwarze Mantel trug zu seiner ohnehin schon bedrohlichen Erscheinung bei und er sah sicherlich nicht nach einem Mann aus, mit dem man sich anlegen sollte.

Das Mädchen, und sie war nicht viel mehr als ein Mädchen, überragte Ginny ebenfalls. Sie war kaum über zwanzig und hatte eine wilde Mähne aus dunkelblondem Haar. Sie war in etwa so groß wie Harry, dünn, gertenschlank und unkonventionell attraktiv.

„Seid ihr wegen der Bank hier?", hörte ich Ginny fragen. Sie wusste es schon! Ich verharrte bewegungslos und hörte angespannt zu.

„Die Bank?", fragte der Mann. Er sah von Ginnys Frage verwirrt aus. Seine Stimme war tief, angenehm und überraschend sanft. „Nein, wir wollten dir nur Bescheid sagen, dass Mark heute im Büro war mit Neuigkeiten über…"

Ich hatte den Akzent des Mannes gerade als Nottinghamshire identifiziert als Ginny ihn unterbrach.

„Lavender! Wie geht es ihr?", fragte Ginny dringlich. Der Mann zögerte, wählte seine Worte mit Bedacht, und das Mädchen verstand sein Schweigen als Aufforderung.

„Sie erholt sich gut", sagte das Mädchen. „Mum ist sie besuchen gegangen nach dem wir Mr Moon… Mark gesehen haben. Er sagt, dass sie wieder wird. Ihre alten Wunden haben sich am Freitag wieder geöffnet, gerade als sich verwandelt hat. Aber Mum hat die Wunden überprüft und sie denkt, dass Lavender in ein paar Wochen wieder aus dem Krankenhaus raus ist. Unglücklicherweise gibt es keine Chance, dass Mr… dass Mark und Lavender ein zweites Baby haben könnten, die Narben in ihrem Bauch würden nicht noch eine Schwangerschaft überstehen."

„Arme Lavender, wie hat sie auf die Nachricht reagiert?", fragte Ginny.

„Lavender war am Boden zerstört. Mark… naja, als er im Büro war, dachte ich, dass er nur glücklich war, dass Lavender und das Baby beide okay sein werden. Dem Baby geht's gut, sie war zwei Kilo…"

„…und 221 Gramm schwer, das weiß ich", unterbrach Ginny. Das Mädchen nickte.

„Er hat uns gesagt, dass sie sich für einen Namen entschieden haben. Sie nennen sie Violet Lilith Moon, sie hat wohl Lavenders Augen", fuhr das Mädchen fort.

Ginny lächelte. „Naja, wenigstens sind sie alle okay. Das sind gute Nachrichten, was eine erholsame Abwechslung ist. Ich nehme an, ihr seid beide auf dem Weg nach Sheffield um Harry zu treffen. Habt ihr Zeit für nen Tee, Terry? Ich würde mich gern mit euch über einen problematischen Nachbarn unterhalten."

Ich beschloss, dass es Zeit war mich zu bewegen. Ich hatte schon gefährlich lange zugehört und ich konnte es mir definitiv nicht leisten, mich beim belauschen dieser Unterhaltung erwischen zu lassen. Ich bewegte mich weiter am Tor entlang, quetschte mich am Range Rover vorbei und ging auf den Hof. Ich trat hinter dem Auto hervor als Ginny die Tür zu Drakeshaugh öffnete und ich kündigte meine Anwesenheit dadurch an, dass ich absichtlich den Kies trat als ich den Hof betrat. Das Pärchen in den Trenchcoats wirbelte bei dem Geräusch herum und ihre Hände zuckten in ihre Mäntel. Für einen wahnsinnigen Moment dachte ich, sie würde Pistolen auf mich richten!

Ich schrie!

Die zwei standen bewegungslos, jeder mit einer Hand noch in seinem Mantel. Mein Mund war plötzlich trocken, ich sah zu Ginny, dann zu ihren zwei Gefährten. Annie, erschreckt von dem Geräusch, das ich gemacht hatte, hatte ein erschrecktes und unglückliches Erwachen. Sie fing an zu weinen. Ginnys Gesichtsausdruck, als sie mich das erste Mal sah, war wütend gewesen. Aber der Blick dauerte nur an, bis Annies Wimmern über den Hof schallten, als er sofort durch einen Blick mütterlicher Besorgnis ersetzt wurde.

„Ich bin hier um mich entschuldigen, Ginny", sagte ich hastig und versuchte, mir über Annies Geheul Gehör zu verschaffen. Ich setzte den Autositz meiner Tochter auf dem Kies ab und begann, sie abzuschnallen. Ich musste sie beruhigen bevor ihr Kreischen seinen Trommelfell-zerplatzenden Höhepunkt erreichte.

„Lass es mich erklären, bitte", bettelte ich. „Mein Mann kann manchmal ein Idiot sein."

Zu meiner Erleichterung grinste Ginny.

„Das Problem haben wir alle mal, Jacqui", sagte sie. Sowohl sie als ich das dunkelblonde Mädchen hatten sich auf mich zu bewegt, als Annie zu weinen anfing, aber Ginny hielt an. Ihr Gesicht war plötzlich angespannt.

„Lass dir Zeit, Annie zu beruhigen, Jacqui. Ich geh nur schnell rein und räum die Küche auf, und dann kannst du reinkommen und wir können uns unterhalten."

Der gruselige Mann sah Ginny fragend an. Ich hob Annie aus ihrem Sitz und hielt zu nah bei mir als sie sprach.

„Alles okay, Terry. Das ist Jacqui Charlton, die Mutter von James' neuem besten Freund", erzählte Ginny ihm.

Endlich nahm der Mann seine Hand aus dem Inneren seines Mantels.

„Jacqui, das sind Terry Boot und Amber Skoll. Sie arbeiten beide für Harry", sagte Ginny. „Sie passen für ein paar Minuten auf dich auf, während ich aufräume." Mit diesen Worten drehte sich Ginny um und huschte ins Haus. Sie wollte für mich aufräumen, das war offensichtlich, aber es schien mir komisch, dass sie bereit war, zwei Arbeitskollegen ihres Mannes hereinzubitten ohne sich um den Zustand ihres Hauses zu besorgen. Ich fragte mich, was sie vor mir verbergen wollte.

Ich sah die zwei Gestalten in den Trenchcoats an und wusste sofort, dass ich nicht hineingehen würde bis Ginny es erlaubte. Ich beobachtete sie genau. Konnte es wirklich sein, dass sie verdeckte Waffen trugen? War das legal? Falls dem so war, was tat dann Harry wirklich beruflich?

„Also", begann ich nervös, „Sie arbeiten beide für Harry?"

Terry nickte nur. Das Mädchen, Amber, lächelte und zog ihre Finger durch ihr Haar, hob es damit von ihrem rechten Auge und scheiterte daran, es hinter ihr Ohr zu stecken. Nach zwei weiteren Versuchen gab sie auf und erlaubte, dass es ihr wieder unordentlich ins Gesicht hing.

„Ja, es tut mir Leid, dass wir sie erschreckt haben, Mrs… Charlton", entschuldigte sie sich.

„Nicht schlimm", summte ich sanft. Ich versuchte mit meinen Augen auszudrücken, dass ich zu allen sprach, nicht nur zu meiner Tochter, die noch immer in meine Brust schluchzte.

„Es ist nur… So, wie Sie in Ihre Mäntel gefasst haben… Ich dachte… Ich meine, ich wusste nicht, wer Sie waren…", meine Stimme verstummte allmählich. Ich konnte mich nicht dazu durchringen, das Wort Pistole zu sagen. Mein Dad ist ein Bauer; er hat einen Waffenschein und zwei Schrotflinten. Aber ich habe noch nie eine Pistole gesehen und ich will es auch nicht.

Das Mädchen sah verwirrt aus, aber es war offensichtlich, dass Terry verstand.

„Schwarze Umhänge lassen uns bedrohlich aussehen", verkündete er. Er öffnete seinen Mantel weit und zog ihn aus. Da war kein Holster, keine Pistole, nichts. Ein Kugelschreiber oder möglicherweise ein Bleistift guckte aus der Innentasche seines Mantels hervor, das war alles. Vielleicht hatte er sich meinen Namen notieren wollen, dachte ich schwach. Ginny und Harry waren etwas seltsam, aber dies war eine furchteinflößende Begegnung gewesen.

Unter dem Mantel trug Terry eine elegante schwarze Hose, ein leuchtend weißes Hemd und einen grauen Schlips. Er nickte dem Mädchen zu und sie folgte seinem Beispiel und enthüllte einen kurzen schwarzen Rock, eine weiße Bluse und eine Krawatte. Ihre Beine waren dünn und lang und sie schienen ewig lang zu sein. In meinem Kopf hörte ich meinen Mann flüstern ‚Verflixt, diese Beine reichen bis ganz nach oben".

Annies Schluchzer klangen langsam ab, also murmelte ich sanft und schaukelte sie als ich mich darauf konzentrierte, sie zu beruhigen. Terry und Amber beobachteten mich einfach.

„Und, sind Sie schon näher dran diesen ‚Werwolf' Typen zu fangen?", fragte ich sie.

„Was?", prustete Terry. Er schien von der Frage erstaunt zu sein. Auch Amber starrte mich an. Meine Frage hatte sie aus irgendwelchen Gründen bestürzt gemacht.

„Hab ich was falsches gesagt?", fragte ich. „Harry hat gesagt, dass sein Büro… Entschuldigung, Ihr Büro… aus Spezialisten besteht, dass Sie der Polizei helfen."

„Das sind wir, das tun wir", sagte Terry. „Aber Harry bespricht offene Fälle normalerweise nicht außerhalb des Büros."

„Oh", sagte ich, „Er hat mir nicht wirklich was erzählt, Al hatte nur gesagt, dass sein Daddy in Sheffield war, also hab ich ihn gestern gefragt und er hat gesagt, dass er mit der Polizei an diesem Fall zusammenarbeitet."

„Nun ja, wir arbeiten daran", sagte Terry vorsichtig. „Aber es gibt nicht wirklich etwas zu erzählen."

Die Tür öffnete sich und Ginny trat heraus, lächelnd. Ihr folge eine plumpe, ältere Frau, die offensichtlich ihre Mutter war. Sie war einen Bruchteil kleiner als Ginny und ihr Haar war heller, aber nur weil es mit grau durchzogen war.

„Das ist Mum", sagen Ginny überflüssigerweise.

„Hallo, Liebes." Ginnys Mutter lächelte mich an während sie Krümel von der weißen Schürze wischte, die sie über ihrem langen, altmodischen Kleid trug. „Ginny hat mir alles über dich erzählt."

„Ich hab Teewasser aufgesetzt und Mum hat mit den Kindern fleißig Kekse gebacken", lächelte Ginny. „Komm doch rein, bitte."

Ich drehte mich um, um Annies Kindersitz aufzuheben, aber Amber war schneller.

„Ich trag das für Sie", sagte sie, hob ihn am Griff hoch und untersuchte ihn neugierig.

Ich drehte mich und ging auf das Haus zu.

Drakeshaugh war mindestens hundert Jahre alt, mit verwitterten Granitwänden und einem Schieferdach. Es war ein langes, dünnes Gebäude, das aus dem Hügel zu wachsen schien, auf dem es gebaut war. Genauer gesagt, bestand es aus drei zusammenhängenden Gebäuden.

Dem Tor am nächsten war die einstöckige ehemalige Scheune. Neues Mauerwerk verriet, wo die großen Türen zugemauert worden waren als die Scheune umgebaut worden war. Die Holztür glänzte mit neuer weißer Farbe und ein neues, mit Eichenschindeln besetztes Vordach war hinzugefügt worden, um den Eingang vor Regen zu schützen. Ein schmiedeeisernes Schild mit der Aufschrift Drake's Haugh war an der Tür angebracht. Es sollte offensichtlich die Haustür zu Harry und Ginnys neuem Heim sein. Die weiße Tür war von Schiebefenstern flankiert, auch frisch gestrichen. Dies war allerdings nicht die Tür, durch die wir das Haus betraten.

Der Giebel der alten Steinscheune war mit dem Hauptgebäude verbunden, einem alten zweistöckigen Bauernhaus, und die zwei Gebäude waren zu einem umgebaut worden. Das alte Bauernhaus lag ein halbes Stockwerk niedriger als die Scheune und Ginny und ihre Mutter waren durch diese offene Tür verschwunden. Annie war still und versuchte neugierig sich aus meinem Griff zu winden als ich zu der Tür hinunterging. Während ich das Gefälle hinabschritt, sah ich mir das dritte und letzte Gebäude an. Das alte Nebengebäude, das mit der anderen Giebelwand verbunden war, war kaum mehr als ein steinerner Schuppen. Seine Tür war einen Spalt weit geöffnet und im Innern erhaschte ich einen Blick auf die Rückseite von Harry Motorrad und, an der getünchten Wand hängend, etwas, das nach einem alten Reisigbesen aus Birkenruten aussah.

Als ich Amber durch die Tür folgte, wartete Terry draußen, ließ uns zuerst gehen. Mein erster Gedanke war ‚Was ein Gentleman', mein zweiter ‚Jetzt sitze ich in der Falle'. Mit einem rasant schlagenden Herzen betrag ich Drakeshaugh.