Okay, Leute, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie stolz ich mich, ich habe es geschafft. Das vierte ist auch bald fertig, versprochen, nächste oder übernächste Woche!
Maren: Ich freue mich, dass dir die Geschichte so gut gefällt, ich werde mich mit Weiterschreiben beeilen. Ich glaube aber nicht, dass das dritte Kapitel so gut ist, ich habe bestimmt einige Schnitzer gemacht, und vor allem Flüchtigkeitsfehler und benachrichtigt mich bitte bei Tipp-und Schreibfehlern, ja?
Chibiangel: Ja, de Wardes ist klasse, oder? Ich finde ihn lustig, und was noch mit ihm passiert , das wird sich noch zeigen. Freu mich, wenn du weiterliest und beeile mich mit Weietrschreiben, das gleiche gilt aber auch für dich! ;-)
Übrigens, da wird eine Stelle sein, die ihr nicht versteht, da, wo d'Artagnan merkt, dass er den jungen Mann schon kennt. Müsst ihr im zweiten Kapitel nachlesen, ich habe da was reingeschoben, ja? Nicht böse sein!
Und tut mir auch leid, dass ihr die Stelle mit dem Kardinal am Anfang schon kennt, einfach weiterlesen, dann kommt noch was Neues!
Reviewt mir bitte!
3.Kapitel
"Eminenz", Bernouin, der Kammerdiener des Kardinals Mazarin trat in dessen Arbeitszimmer. "draußen im Vorzimmer steht ein junger Edelmann und verlangt Euch zu sprechen."
"Was für ein Edelmann?", erkundigte sich seine Eminenz und siegelte einen Brief, welcher an das habsburgische Königshaus gehen sollte, mit seinem hübsch gearbeiteten Siegelstempel. " Er sagt, er habe eine wichtige Botschaft für Euch. Aus England." Seine Eminenz sah erstaunt zu dem Diener und fragte sich, ob dieser scherze. "Aus England?" fragte er mit recht ungläubiger Stimme.
" Ja, von Englands Minister, Oliver Cromwell." "Ein Brief von Cromwell an mich?", murmelte Seine Eminenz leise, "Was mag das nur bedeuten?
Hat er ein Beglaubigungsschreiben?", fragte er dann etwas lauter. Bernouin deutete eine Verneigung an und verschwand wieder im Vorzimmer.
Der Edelmann, von dem die Rede war, war Mordaunt. Bernouin sah in Mordaunt einen jungen Mann mit schwarzem Haar und grauen Augen, der völlig ungezwungen im Vorzimmer stand und aussah, als gehöre die ganze Welt ihm. Sein Blick war scharf und stechend und er nahm nicht für sich ein.
"Monsieur", Bernouin trat auf ihn zu, "Seine Eminenz lässt fragen, ob Ihr ein Beglaubigungsschreiben bei Euch tragt, welches Euch als Bote ausweist." Mordaunt lächelte als hätte er mit dieser Frage gerechnet und holte einen gesiegelten Brief aus seinem Wams, welches er dem Diener reichte. Bernouin verschwand mit dem Brief wieder im Arbeitszimmer Seiner Eminenz. Er bemerkte nicht, dass ihm der junge Mann auf dem Fuß folgte.
Bernouin reichte den Brief dem Kardinal. Dieser nahm ihn jedoch nicht, sondern sah über die Schulter seines Dieners zu dem Edelmann. Verwirrt drehte sich Bernouin um und fuhr heftig zusammen als er direkt hinter sich Mordaunt erblickte. Dieser lächelte jedoch nur und versuchte einen Hauch von Unschuld in sein Gesicht zu zaubern. Es gelang ihm nicht recht.
Mazarin sah ihn streng an.
"Ich erinnere mich nicht, Euch schon hereingebeten zu haben, junger Mann. Bitte wartet draußen, bis ich geprüft habe, ob Ihr vertrauenswürdig seid und ob ich Euch anhören will." Er winkte lässig mit der Rechten.
Mordaunt lächelte und verneigte sich.
"Da ich doch schon einmal hier bin, kann ich doch wohl hier bleiben, oder nicht, Monseigneur? Und ob Ihr mich anhören wollt...- ob Ihr wollt, ist ganz gleich, Ihr müsst mich anhören, wenn Ihr nicht wollt, das es mit Frankreich ganz den Bach runtergeht." Wie zur Bestätigung seiner Worte fingen Paris' Bürger in diesem Moment wieder mit ihrem Geschrei an.
"Nieder mit Mazarin! Nieder mit Mazarin!" Heute war es nicht so kalt wie gestern und einige der unermüdlichen Frondeure hatten die Gelegenheit natürlich sofort genutzt und waren wieder vor die Tore des Palais' gezogen. Hinein wagten sie sich indessen nicht, die Musketiere hatten ihre Waffen nahe bei der Hand und es gab keinen Zweifel, dass sie von ihnen Gebrauch machen würden, sollte es zu Handgreiflichkeiten kommen.
Mordaunt lächelte wieder. Mazarin schauderte unwillkürlich zusammen, nicht wegen dem Gebrüll, sondern eher wegen des diabolischen Lächelns des Mannes. Er entsiegelte verwirrt den Brief Cromwells und fragte sich, was dieser wohl für einen Grund hatte, mit ihm in Briefwechsel zu treten. Der Inhalt des Briefes lautete:
"M. Mordaunt ist einer meiner Sekretäre und wird diesen Empfehlungsbrief zu Seiner Eminenz, dem Kardinal Mazarin in Paris bringen. Er ist in Besitz eines zweiten vertraulichen Schreibens für Seine Eminenz Kardinal Mazarins.""
Mazarin schaute lange auf diese zwei Zeilen. Dann sah er hoch. "Nun Monsieur Mordaunt, anscheinend kann ich Euch vertrauen, wenn dieser Brief von Cromwell kommt. Ihr wisst über den Inhalt dieses Briefes hier Bescheid?" Mordaunt nickte. "Ja, Eminenz, ich kenne den Inhalt beider Briefe. Mein Herr verlangte, ich solle sie auswendig lernen, falls sie mir abhanden gekommen wären."
"Nun, das sind sie zum Glück nicht", meinte der Kardinal. "Wäret Ihr so freundlich, mir auch noch das andere Schreiben zu überreichen?"
Mordaunt deutete eine Verbeugung an und holte einen zweiten, gesiegelten Brief aus seinem Wams. Er reichte ihn Seiner Eminenz, der ihn in seinen Händen hin und her drehte, ihn jedoch noch nicht öffnete. Mordaunt betrachtete ihn mit desinteressierter Miene und wartete geduldig. "Ihr seid in Diensten Cromwells unterwegs?", versuchte der Kardinal ein Gespräch mit dem undurchschaubaren Boten Cromwells anzuknüpfen." Und Ihr seid allein?"
"Nein, Eminenz, ich bin in Begleitung einer zweiten Person, welche mich gegebenenfalls unterstützen soll, Eminenz."
"Ach, tatsächlich? Das ist interessant. Nun, wie erfreulich, dann müsst Ihr Paris ja nicht im Alleingang kennen lernen. Oder kennt Ihr die Stadt der Liebe bereits?" Es gab keinen Zweifel daran, dass Mazarin einiges über Mordaunt herauszufinden trachtete.
"Nein, ich war noch nie in Frankreich."
"Nicht? Dann sprecht Ihr aber sehr gut Französisch, junger Mann, besser als ich."
"Eminenz, ich hatte eine französische Nurse, welche mit mir ausschließlich in dieser Sprache gesprochen hat. Meine Mutter stammt aus Frankreich."
"Und sie wollte Euch Frankreich nie schon früher näher bringen?"
"Sie ist vor zwanzig Jahren gestorben, Eminenz", sagte Mordaunt kühl. "Sie hatte leider keine Gelegenheit, mir, einem damals Dreijährigen, Frankreich zu zeigen."
Mazarin musterte Mordaunt, und war erstaunt, ihn so gleichgültig vom Tode seiner Mutter sprechen zu hören.
"Das ist bedauerlich für Euch, junger Mann, dass Ihr nie Zeit hattet, Eure Frau Mutter kennen zu lernen. Ihr könnt Euch ja wohl kaum mehr an sie erinnern."
Mordaunt fand den Kardinal erstaunlich taktlos und neugierig. Ob alle Franzosen so waren? Hoffentlich nicht. Dann fiel ihm ein, dass Mazarin Italiener war.
"Meine Mutter hat mich dreimal in meinem Leben besucht und an den letzten ihrer Besuche kann ich mich erinnern, als wäre es gestern."
"Ihr habt ein gutes Gedächtnis, Monsieur."
"Ja." Mazarin fühlte einige Verlegenheit, das Gespräch mit dem jungen Mann fortzuführen. Er räusperte sich und erbrach das Siegel des Briefes von Cromwell, welchen er die ganze Zeit in der Hand behalten hatte.
Cromwell redete davon, dass der Frieden der beiden Länder bedroht sei durch Charles l. Er bot Frankreich Frieden an, wenn es sich nicht in die englische Politik einmische und versprach, Charles I. nicht zu unterstützen, sollte dieser nach Frankreich gelangen. Zudem unterstrich Cromwell noch einmal das Vertrauen, welches er in seinen jungen Boten setze. Er schloss den Brief mit der Bitte um baldige Antwort; sollte sie nicht kommen, betrachte er den Brief als nicht existent.
Mazarin las den Brief ein zweites Mal durch und versank dann in ein langes Nachsinnen.
Cromwells Brief war in perfektem Französisch abgefasst. Mazarin war klar, dass er dies dringend mit der Königin besprechen müsse, allein konnte und durfte er diese Angelegenheit nicht entscheiden. Charles I. konnte für Frankreich sehr wichtig sein, während Cromwell gefährlich werden konnte, wollte er doch für die Rechte der Ketzer kämpfen. Zwar herrschte zurzeit Frieden zwischen den Katholiken und Protestanten, aber wer wusste schon, wie lange das noch anhalten würde? Zudem, wenn das englische Beispiel von der Beseitigung des eigenen Königs Nachahmer finden würde? Französische Nachahmer? Dem Kardinal brach der kalte Schweiß aus. Man sollte besser Charles I. schützen als Cromwells dunkle Machenschaften, die er von Botschaftern wie Mordaunt verrichten ließ. Mit einem gekünstelten Lächeln sah Mazarin auf.
"Nun, Monsieur Mordaunt, Ihr werdet sicherlich verstehen, dass die Antwort auf einen solch heiklen Brief schwierig ist und gut durchdacht werden muss. Ihr habt doch Verständnis dafür, dass ich mich erst mit Ihrer Majestät in Einverständnis setzen muss und eine Antwort nicht übers Knie brechen kann."
"Eure Eminenz, mein Herr hat damit gerechnet, dass Ihr nicht sofort eine Antwort niederschreiben möchtet. Er wünscht nur eine Antwort innerhalb von zwei Wochen, wie er im Brief, so glaube ich, auch angemerkt hat."
Mazarin las die betreffende Stelle noch einmal durch. Er nickte.
"Ja, zwei Wochen räumt mir General Cromwell ein. Gut, Monsieur, es würde mich freuen, wenn Ihr mein bescheidenes Heim noch des Öfteren beehren würdet, genau wie Eure Begleitung gleichfalls jederzeit hochwillkommen ist."
Mordaunt nickte und verneigte sich.
"Eminenz, ich empfehle mich. Ich werde mich in Paris und näherer Umgebung aufhalten, wenn Ihr gestattet."
Er gab Mazarin die Adresse seines Heimes in Paris, so dass Mazarin ihn sehr schnell erreichen konnte, sollte er mit der Antwort fertig sein.
Danach empfahl Mordaunt sich wieder und richtete seine ergebensten Grüße an Ihre Majestät, Königin Anna, aus. Seine Eminenz klingelte, kaum dass sich die Tür hinter Mordaunt geschlossen hatte, nach seinem Diener und Sekretär. Bernouin trat sofort herein.
„Bringt mir so rasch wie möglich einen ergebenen Musketier, einen, der sein Leben bereits mehrmals für Frankreich auf's Spiel gesetzt hat!", befahl er und trat an das Fenster. Bernouin verneigte sich gehorsam und verließ das Zimmer.
Der junge Mann hatte rasch den Hof überquert und war gerade dabei, sein Pferd, ein schönes, graues Tier, von einer Stange nahe dem Tor loszubinden als ein anderer junger Herr auf ihn zutrat und ihn begrüßte.
In diesem Augenblick meldete Bernouin:
„Leutnant d'Artagnan, Monseigneur" und der Genannte trat ins Zimmer. Mazarin wandte sich halb vom Fenster ab und schickte Bernouin mit einer Handbewegung hinaus.
„Monsieur d'Artagnan, bitte kommt doch einmal hierher." D'Artagnan verzog ob dieser ungewöhnlichen Begrüßung keine Miene und tat die Schritte zu Mazarin. Der packte seinen Arm und wies hinunter auf den Hof zu Mordaunt, der immer noch mit dem jungen Mann redete.
„Seht Ihr diesen Mann mit dem grauen Pferd, der sich mit einem anderen unterhält, Monsieur? Ich möchte, dass Ihr Euch gut einprägt, wie er aussieht, denn es kann sein, dass Ihr ihn wiedererkennen müsst." D'Artagnan musterte den jungen Mann. Selbst von hier oben erkannte er, dass es der war, den er gestern mit der Patrouille in Gesellschaft einer Frau gesehen hatte. Er nickte jedoch nur und teilte Seiner Eminenz nicht mit, dass er ihn bereits an einem anderen Ort begegnet war.
Der junge Mann verabschiedete sich nun von seinem Gegenüber, stieg auf sein Pferd und ritt vom Hof.
„Kennt Ihr den jungen Mann, der sich mit dem unterhalten hat, der eben davongeritten ist?", erkundigte sich Mazarin und setzte sich an seinen Schreibtsich. D'Artagnan stellte sich in tadelloser Soldatenhaltung vor den Schreibtisch und nickte.
„Sehr wohl, Monseigneur, es war der junge Graf de Wardes, der seit gestern wieder in Paris ist. Er ist der Sohn eines Bekannten von mir, wir kennen uns flüchtig." „Nun, mein lieber d'Artagnan, dann wird es Zeit, dass Ihr Eure Bekanntschaft etwas auffrischt. Es geht um Folgendes: Dieser junge Mann mit dem grauen Pferd heißt Mordaunt und ist aus England. Er ist Bote und Sekretär eines höchst bedeutenden Mannes, und, wie es scheint, auch noch sein Vertrauter. Er war bei mir in einer sehr brisanten Angelegenheit. Leider weiß ich wenig über ihn und deshalb möchte ich, dass Ihr ihn ein wenig kennen lernt. Natürlich müsst Ihr nicht alles über ihn herausfinden, aber was er über England und vor allem dessen König erzählt, merkt es Euch gut, es könnte sehr wichtig sein. Versteht Ihr?" „Ja." D'Artagnans ausdrucksloser Miene konnte man nicht ansehen, dass er gerade rasch nachdachte. Dieser junge Mann war also aus England und wegen einer wichtigen Angelegenheit in Paris. Und noch am vorigen Tag lauschte er den höchstwahrscheinlich den sehr aufrührerischen Reden eines Mannes, der, sobald er der Musketiere ansichtig geworden war, sich aus dem Staub gemacht hatte. Da war es nicht schwer, sich zu überlegen, was dieser junge Mann hier wohl wollte. Doch da man ihn nicht um seine Meinung gebeten hatte, schwieg er. Etwas ärgerlich musterte Seine Eminenz den Leutnant vor sich. Der war ja fast genauso schlimm wie Mordaunt vorhin. Sagte nichts, war zugeknöpft bis oben hin und man brachte nichts aus ihm heraus. Das kränkte die Eitelkeit eines Kardinals, der sich viel darauf einbildete, dass er Leute zum Sprechen bringen konnte. Kurz fragte er sich, ob Bernouin noch genug bei Verstand war, ihm diese traurige Gestalt als tapferen Frankreichkämpfer vorzusetzen. Wenn alle Helden so waren, war es kein Wunder, dass es mit Frankreich so den Bach runterging.
D'Artagnan schien zu wissen, was Seine Eminenz dachte, ein unmerkliches Lächeln ging über sein Gesicht. Er war nicht sehr groß, hielt sich trotz seiner etwa vierzig bis fünfundvierzig Jahre straff aufrecht und sah aus, als diente er schon lange der Krone in dem Wissen, dass er dafür nicht entlohnt wurde. Er war im Vorzimmer Seiner Eminenz gewesen als Bernouin gekommen war, um die Wachablösung zu kontrollieren. Als Berouin ihn gerufen hatte, verspürte er soetwas wie Freude, dass er endlich gebraucht wurde, womöglich für etwas Wichtiges, wo er seine Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Und nun befahl ihm Seine Eminenz, irgendeinem Boten aus England hinterherzuspionieren, der vielleicht gefährlicher war, als Mazarin dachte. Aber vielleicht winkte dann eine Belohnung. Der Hauptmannsposten möglicherweise, auf den d'Artagnan schon seit Jahren sehnsüchtig wartete. „Ich möchte", fuhr Mazarin fort, „dass Ihr mit dem jungen Mann gut bekannt werdet. Findet alles über England heraus was Ihr von ihm erfahren könnt, über Charles Stuart, über Cromwell. Ihm selbst könnt Ihr das sagen, was er durch den Pöbel sowieso erfahren könnte. Wenn Ihr mich gut mit Informationen versorgt, winkt Euch womöglich eine schöne Belohnung." Innerlich frohlockte d'Artagnan, als er sich tief verneigte, der Hauptmannsposten war nun vielleicht nicht mehr weit.
Seine Eminenz verabschiedete ihn und d'Artagnan begab sich auf die Suche nach dem jungen de Wardes.
Mordaunt war es schwergefallen, nicht zu seufzen als er hinter sich die laute, fröhliche Stimme des Grafen de Wardes vernahm.
„Mein lieber Monsieur Mordaunt, so ein Zufall, dass ich Euch hier und heute schon treffe." Er hätte ihn am liebsten umarmt, ließ es aber in Anbetracht der kühlen, abweisenden Haltung Mordaunts lieber sein. „Monsieur", grüßend neigte Mordaunt das Haupt, „ich freue mich zu sehen, dass Euch die Reise offensichtlich gut bekommen ist und Ihr froh und munter seid." „Aber das ist doch gar keine Frage, warum sollte mir die Reise nicht gut bekommen sein. Und Ihr, habt Ihr Euch bereits eingelebt? Wie gefällt es der Lady ? Fühlt sie sich wohl? Ich hoffe doch! Denn Ihr wisst ja sicherlich noch, dass ich Euch eingeladen habe. Heute ist Dienstag und wir haben uns für Mittwoch verabredet. Ist Euch das angenehm? Ich hoffe es sehr. Mein Vater sagte, er freue sich darauf, Euch kennen zu lernen, als ich ihm von Euch und der Dame erzähle. Also, seid so liebenswürdig und enttäuscht ihn nicht. Es wird ein feines Essen und guten Wein geben, nicht so eine Plürre, wie Ihr sie in England trinken müsst. Oh, verzeiht mir, ich wollte Euch nicht beleidigen. Ich wohne an der Place Royale, mein Kutscher holt Euch um acht Uhr ab. Es wird ganz zwanglos, beinahe ein Männerabend, wenn die Dame nicht wäre. Also bis morgen Abend!" Mordaunt lächelte und nickte, nahm sein Pferd, saß auf und machte, dass er vom Hof kam. Schaudernd überlegte er, wie der Vater sein musste, wenn der Sohn bereits nach einigen Worten unerträglich war. Aber die Einladung konnte er leider nicht absagen.
D'Artagnan fand den Grafen de Wardes sehr rasch, stand dieser doch noch immer am Tor bei einem Musketier in ein gewiss amüsantes Gespräch vertieft und lachte gerade lauthals als d'Artagnan hinzutrat. Der Graf bemerkte das nicht sofort, wunderte sich dann aber, weil der Musketier stramm stand und grüßte. Er wandte sich um und erblickte d'Artagnan. Sofort zeigte sich auf seiner ohnehin schon belustigten Miene ein strahlendes Lächeln.
„Oh Monsieur d'Artagnan, das man Euch mal wiedersieht!" Beinahe hätte er dem Leutnant auf die Schulter geklopft. D'Artagnan lächelte benfalls und nickte dem Musketier zu, der daraufhin seine Aufmerksamkeit wieder der näheren Umgebung zuwandte.
„Nun, Monsieur de Wardes, Ihr habt Euch auch rar gemacht. Wie mir Euer Vater unlängst mitteilte, habt Ihr in England Fuß gefasst?" „Aber nein, ich hatte keinesfalls vor, dort länger zu wohnen, Monsieur. Ich habe mir nur eine kurze Auszeit von Paris und Frankreich und allem anderen genommen, aber nun hat mich doch die Sehnsucht nach der Heimat gepackt." „Wie lange seid Ihr denn schon hier? Weiß Euer Vater bereits, dass Ihr in Paris seid?" „Ich bin seit gestern hier, habe bei ihm übernachtet und daher weiß er natürlich, dass ich da bin." „Wie war es in England?", fragte d'Artagnan, um gleich auf den Grund zu kommen, weswegen er sich dieses Gespräch mit dem jungen Grafen antat. Er war überzeugt, dass de Wardes diesen Mordaunt erst seit kurzem kannte, er hatte ihn wohl in England kennen gelernt.
„England ist reizend, ganz wundervoll. Das Wetter war in der Zeit, in der ich dort weilte, auch prächtig, ich kann gar nicht verstehen, warum sich immer alle so über das englische Wetter aufregen. Natürlich hatte ich zuweilen Verständigungsschwierigkeiten oder es gab Probleme, weil ich Franzose war, aber ich habe mich doch immer wieder gut herausgehauen. Was nicht heißen soll, das ich Euren starken Arm samt Degen nicht ab und zu vermisst habe!" De Wardes lachte wie über einen guten Scherz. Mit einer Verneigung quittierte d'Artagnan diese ungeschickte Schmeichelei.
„Aber sonst kann ich mich kaum beklagen, die meisten Engländer waren freundlich, die Damen entzückend und wenn ich Probleme hatte, so kam mir immer jemand zu Hilfe." „Und wie habt Ihr die Reise überstanden? Es wimmelt zurzeit um Paris von Räubern und Verbrechern." „Ich bin nicht allein gereist, ich habe in Dover ganz reizende Gesellschaft bekommen und war sicherlich gut beschützt." Man sah de Wardes deutlich an, dass er sich viel auf seine Bekanntschaften einbildete.
„Reizende Gesellschaft? Sprecht Ihr von einer Dame? Wie kann sie Euch den beschützen?" Wieder lachte der junge Graf und zeigte zwei Reihen großer, weißer Zähne.
„Aber nein, Monsieur, Ihr seid einem Irrtum verfallen. Ich lernte in Dover einen freundlichen jungen Mann nebst einer Dame kennen, die wohl seine Verlobte ist oder wird, das habe ich nicht genau erfahren können, er war in dieser Hinsicht sehr verstockt. Sie haben mir geholfen, da ich Probleme mit dem Kutscher hatte und das einfache, dumme Volk in England kann kein Französisch. Ich habe sie eingeladen, mit mir zu fahren und denke, sie werden mich demnächst besuchen. Ich weiß nicht, wie lange Ihr schon hier auf dem Hof seid, aber womöglich habt Ihr ihn gesehen, er war vorhin hier, weiß der Teufel, was er hier wollte, ich habe ihn nicht gefragt, ich bin nicht neugierig", d'Artagnan musste sich ein Grinsen verkneifen, „er trägt dunkle Kleidung, sehr puritanisch angehaucht." „Oh, Monsieur Mordaunt?", rief d'Artagnan mit gutgespielter Freude. Verblüfft sah der junge Graf ihn an.
„Allerdings, Mordaunt. Ihr kennt ihn?" Er schien äußerst enttäuscht, dass jemand Mordaunt vor ihm hier in Paris gekannt hatte.
„Nein, leider noch nicht, aber ich würde ihn sehr gerne kennen lernen. Er ist ein wichtiger Mensch, was die Beziehungen zwischen Frankrich und England angeht, wisst Ihr?" „Nein, das wusste ich nicht." De Wardes' Augen waren nun tellergroß und er kostete in Gedanken das Wissen aus, dass er freundschaftliche Bande mit einem Mann geknüpft hatte, der wichtig war. Es war doch erfreulich, wie viele Menschen er kannte. „Ihr wollt ihn also kennen lernen? Oder kennt Ihr ihn bereits?" „Nein, leider nicht, aber ich würde ihn gerne so kennen lernen, dass es unverfänglich erscheint. Am besten dann, wenn mehrere Leute dabei sind. Dann kann ich mich so mit ihm unterhalten ohne dass es auffällt, dass ich mit einem Engländer mich unterhalte. Ihr versteht das sicherlich. Staatsgeheimnisse." „Aber ja", sprach de Wardes verständnisvoll und ohne weiteres wissen zu wollen. „Verlasst Euch auf mich, ich werde in näherer Zukunft einen kleinen Empfang geben, wenn Ihr das wünscht. Ich würde mich sehr freuen, Euch dabei zu sehen, ich lasse es Euch selbstverständlich wissen. Aber nun entschuldigt mich, ich sehe einen Bekannten. Ich wünsche Euch noch viel Erfolg bei Euren weiteren Geschäften." Geheimnisvoll legte de Wardes den Finger an die Lippen, so dass d'Artagnan Mühe hatte, nicht laut zu lachen und dann wuselte der Graf davon, seiner Bekanntschaft hinterher.
Der Leutnant verschwand in seinem Arbeitszimmer, froh, dass er dieses Gespräch überlebt hatte und erleichtert, dass er nun eine gute Verbindung zu diesem ominösen Mordaunt geschaffen hatte, die ihm hoffentlich zugute kommen würde. D'Artagnan saß vor Berichten und träumte von einer großen Zukunft, wie er das zum letzten Mal vor zwanzig Jahren getan hatte.
Maren: Ich freue mich, dass dir die Geschichte so gut gefällt, ich werde mich mit Weiterschreiben beeilen. Ich glaube aber nicht, dass das dritte Kapitel so gut ist, ich habe bestimmt einige Schnitzer gemacht, und vor allem Flüchtigkeitsfehler und benachrichtigt mich bitte bei Tipp-und Schreibfehlern, ja?
Chibiangel: Ja, de Wardes ist klasse, oder? Ich finde ihn lustig, und was noch mit ihm passiert , das wird sich noch zeigen. Freu mich, wenn du weiterliest und beeile mich mit Weietrschreiben, das gleiche gilt aber auch für dich! ;-)
Übrigens, da wird eine Stelle sein, die ihr nicht versteht, da, wo d'Artagnan merkt, dass er den jungen Mann schon kennt. Müsst ihr im zweiten Kapitel nachlesen, ich habe da was reingeschoben, ja? Nicht böse sein!
Und tut mir auch leid, dass ihr die Stelle mit dem Kardinal am Anfang schon kennt, einfach weiterlesen, dann kommt noch was Neues!
Reviewt mir bitte!
3.Kapitel
"Eminenz", Bernouin, der Kammerdiener des Kardinals Mazarin trat in dessen Arbeitszimmer. "draußen im Vorzimmer steht ein junger Edelmann und verlangt Euch zu sprechen."
"Was für ein Edelmann?", erkundigte sich seine Eminenz und siegelte einen Brief, welcher an das habsburgische Königshaus gehen sollte, mit seinem hübsch gearbeiteten Siegelstempel. " Er sagt, er habe eine wichtige Botschaft für Euch. Aus England." Seine Eminenz sah erstaunt zu dem Diener und fragte sich, ob dieser scherze. "Aus England?" fragte er mit recht ungläubiger Stimme.
" Ja, von Englands Minister, Oliver Cromwell." "Ein Brief von Cromwell an mich?", murmelte Seine Eminenz leise, "Was mag das nur bedeuten?
Hat er ein Beglaubigungsschreiben?", fragte er dann etwas lauter. Bernouin deutete eine Verneigung an und verschwand wieder im Vorzimmer.
Der Edelmann, von dem die Rede war, war Mordaunt. Bernouin sah in Mordaunt einen jungen Mann mit schwarzem Haar und grauen Augen, der völlig ungezwungen im Vorzimmer stand und aussah, als gehöre die ganze Welt ihm. Sein Blick war scharf und stechend und er nahm nicht für sich ein.
"Monsieur", Bernouin trat auf ihn zu, "Seine Eminenz lässt fragen, ob Ihr ein Beglaubigungsschreiben bei Euch tragt, welches Euch als Bote ausweist." Mordaunt lächelte als hätte er mit dieser Frage gerechnet und holte einen gesiegelten Brief aus seinem Wams, welches er dem Diener reichte. Bernouin verschwand mit dem Brief wieder im Arbeitszimmer Seiner Eminenz. Er bemerkte nicht, dass ihm der junge Mann auf dem Fuß folgte.
Bernouin reichte den Brief dem Kardinal. Dieser nahm ihn jedoch nicht, sondern sah über die Schulter seines Dieners zu dem Edelmann. Verwirrt drehte sich Bernouin um und fuhr heftig zusammen als er direkt hinter sich Mordaunt erblickte. Dieser lächelte jedoch nur und versuchte einen Hauch von Unschuld in sein Gesicht zu zaubern. Es gelang ihm nicht recht.
Mazarin sah ihn streng an.
"Ich erinnere mich nicht, Euch schon hereingebeten zu haben, junger Mann. Bitte wartet draußen, bis ich geprüft habe, ob Ihr vertrauenswürdig seid und ob ich Euch anhören will." Er winkte lässig mit der Rechten.
Mordaunt lächelte und verneigte sich.
"Da ich doch schon einmal hier bin, kann ich doch wohl hier bleiben, oder nicht, Monseigneur? Und ob Ihr mich anhören wollt...- ob Ihr wollt, ist ganz gleich, Ihr müsst mich anhören, wenn Ihr nicht wollt, das es mit Frankreich ganz den Bach runtergeht." Wie zur Bestätigung seiner Worte fingen Paris' Bürger in diesem Moment wieder mit ihrem Geschrei an.
"Nieder mit Mazarin! Nieder mit Mazarin!" Heute war es nicht so kalt wie gestern und einige der unermüdlichen Frondeure hatten die Gelegenheit natürlich sofort genutzt und waren wieder vor die Tore des Palais' gezogen. Hinein wagten sie sich indessen nicht, die Musketiere hatten ihre Waffen nahe bei der Hand und es gab keinen Zweifel, dass sie von ihnen Gebrauch machen würden, sollte es zu Handgreiflichkeiten kommen.
Mordaunt lächelte wieder. Mazarin schauderte unwillkürlich zusammen, nicht wegen dem Gebrüll, sondern eher wegen des diabolischen Lächelns des Mannes. Er entsiegelte verwirrt den Brief Cromwells und fragte sich, was dieser wohl für einen Grund hatte, mit ihm in Briefwechsel zu treten. Der Inhalt des Briefes lautete:
"M. Mordaunt ist einer meiner Sekretäre und wird diesen Empfehlungsbrief zu Seiner Eminenz, dem Kardinal Mazarin in Paris bringen. Er ist in Besitz eines zweiten vertraulichen Schreibens für Seine Eminenz Kardinal Mazarins.""
Mazarin schaute lange auf diese zwei Zeilen. Dann sah er hoch. "Nun Monsieur Mordaunt, anscheinend kann ich Euch vertrauen, wenn dieser Brief von Cromwell kommt. Ihr wisst über den Inhalt dieses Briefes hier Bescheid?" Mordaunt nickte. "Ja, Eminenz, ich kenne den Inhalt beider Briefe. Mein Herr verlangte, ich solle sie auswendig lernen, falls sie mir abhanden gekommen wären."
"Nun, das sind sie zum Glück nicht", meinte der Kardinal. "Wäret Ihr so freundlich, mir auch noch das andere Schreiben zu überreichen?"
Mordaunt deutete eine Verbeugung an und holte einen zweiten, gesiegelten Brief aus seinem Wams. Er reichte ihn Seiner Eminenz, der ihn in seinen Händen hin und her drehte, ihn jedoch noch nicht öffnete. Mordaunt betrachtete ihn mit desinteressierter Miene und wartete geduldig. "Ihr seid in Diensten Cromwells unterwegs?", versuchte der Kardinal ein Gespräch mit dem undurchschaubaren Boten Cromwells anzuknüpfen." Und Ihr seid allein?"
"Nein, Eminenz, ich bin in Begleitung einer zweiten Person, welche mich gegebenenfalls unterstützen soll, Eminenz."
"Ach, tatsächlich? Das ist interessant. Nun, wie erfreulich, dann müsst Ihr Paris ja nicht im Alleingang kennen lernen. Oder kennt Ihr die Stadt der Liebe bereits?" Es gab keinen Zweifel daran, dass Mazarin einiges über Mordaunt herauszufinden trachtete.
"Nein, ich war noch nie in Frankreich."
"Nicht? Dann sprecht Ihr aber sehr gut Französisch, junger Mann, besser als ich."
"Eminenz, ich hatte eine französische Nurse, welche mit mir ausschließlich in dieser Sprache gesprochen hat. Meine Mutter stammt aus Frankreich."
"Und sie wollte Euch Frankreich nie schon früher näher bringen?"
"Sie ist vor zwanzig Jahren gestorben, Eminenz", sagte Mordaunt kühl. "Sie hatte leider keine Gelegenheit, mir, einem damals Dreijährigen, Frankreich zu zeigen."
Mazarin musterte Mordaunt, und war erstaunt, ihn so gleichgültig vom Tode seiner Mutter sprechen zu hören.
"Das ist bedauerlich für Euch, junger Mann, dass Ihr nie Zeit hattet, Eure Frau Mutter kennen zu lernen. Ihr könnt Euch ja wohl kaum mehr an sie erinnern."
Mordaunt fand den Kardinal erstaunlich taktlos und neugierig. Ob alle Franzosen so waren? Hoffentlich nicht. Dann fiel ihm ein, dass Mazarin Italiener war.
"Meine Mutter hat mich dreimal in meinem Leben besucht und an den letzten ihrer Besuche kann ich mich erinnern, als wäre es gestern."
"Ihr habt ein gutes Gedächtnis, Monsieur."
"Ja." Mazarin fühlte einige Verlegenheit, das Gespräch mit dem jungen Mann fortzuführen. Er räusperte sich und erbrach das Siegel des Briefes von Cromwell, welchen er die ganze Zeit in der Hand behalten hatte.
Cromwell redete davon, dass der Frieden der beiden Länder bedroht sei durch Charles l. Er bot Frankreich Frieden an, wenn es sich nicht in die englische Politik einmische und versprach, Charles I. nicht zu unterstützen, sollte dieser nach Frankreich gelangen. Zudem unterstrich Cromwell noch einmal das Vertrauen, welches er in seinen jungen Boten setze. Er schloss den Brief mit der Bitte um baldige Antwort; sollte sie nicht kommen, betrachte er den Brief als nicht existent.
Mazarin las den Brief ein zweites Mal durch und versank dann in ein langes Nachsinnen.
Cromwells Brief war in perfektem Französisch abgefasst. Mazarin war klar, dass er dies dringend mit der Königin besprechen müsse, allein konnte und durfte er diese Angelegenheit nicht entscheiden. Charles I. konnte für Frankreich sehr wichtig sein, während Cromwell gefährlich werden konnte, wollte er doch für die Rechte der Ketzer kämpfen. Zwar herrschte zurzeit Frieden zwischen den Katholiken und Protestanten, aber wer wusste schon, wie lange das noch anhalten würde? Zudem, wenn das englische Beispiel von der Beseitigung des eigenen Königs Nachahmer finden würde? Französische Nachahmer? Dem Kardinal brach der kalte Schweiß aus. Man sollte besser Charles I. schützen als Cromwells dunkle Machenschaften, die er von Botschaftern wie Mordaunt verrichten ließ. Mit einem gekünstelten Lächeln sah Mazarin auf.
"Nun, Monsieur Mordaunt, Ihr werdet sicherlich verstehen, dass die Antwort auf einen solch heiklen Brief schwierig ist und gut durchdacht werden muss. Ihr habt doch Verständnis dafür, dass ich mich erst mit Ihrer Majestät in Einverständnis setzen muss und eine Antwort nicht übers Knie brechen kann."
"Eure Eminenz, mein Herr hat damit gerechnet, dass Ihr nicht sofort eine Antwort niederschreiben möchtet. Er wünscht nur eine Antwort innerhalb von zwei Wochen, wie er im Brief, so glaube ich, auch angemerkt hat."
Mazarin las die betreffende Stelle noch einmal durch. Er nickte.
"Ja, zwei Wochen räumt mir General Cromwell ein. Gut, Monsieur, es würde mich freuen, wenn Ihr mein bescheidenes Heim noch des Öfteren beehren würdet, genau wie Eure Begleitung gleichfalls jederzeit hochwillkommen ist."
Mordaunt nickte und verneigte sich.
"Eminenz, ich empfehle mich. Ich werde mich in Paris und näherer Umgebung aufhalten, wenn Ihr gestattet."
Er gab Mazarin die Adresse seines Heimes in Paris, so dass Mazarin ihn sehr schnell erreichen konnte, sollte er mit der Antwort fertig sein.
Danach empfahl Mordaunt sich wieder und richtete seine ergebensten Grüße an Ihre Majestät, Königin Anna, aus. Seine Eminenz klingelte, kaum dass sich die Tür hinter Mordaunt geschlossen hatte, nach seinem Diener und Sekretär. Bernouin trat sofort herein.
„Bringt mir so rasch wie möglich einen ergebenen Musketier, einen, der sein Leben bereits mehrmals für Frankreich auf's Spiel gesetzt hat!", befahl er und trat an das Fenster. Bernouin verneigte sich gehorsam und verließ das Zimmer.
Der junge Mann hatte rasch den Hof überquert und war gerade dabei, sein Pferd, ein schönes, graues Tier, von einer Stange nahe dem Tor loszubinden als ein anderer junger Herr auf ihn zutrat und ihn begrüßte.
In diesem Augenblick meldete Bernouin:
„Leutnant d'Artagnan, Monseigneur" und der Genannte trat ins Zimmer. Mazarin wandte sich halb vom Fenster ab und schickte Bernouin mit einer Handbewegung hinaus.
„Monsieur d'Artagnan, bitte kommt doch einmal hierher." D'Artagnan verzog ob dieser ungewöhnlichen Begrüßung keine Miene und tat die Schritte zu Mazarin. Der packte seinen Arm und wies hinunter auf den Hof zu Mordaunt, der immer noch mit dem jungen Mann redete.
„Seht Ihr diesen Mann mit dem grauen Pferd, der sich mit einem anderen unterhält, Monsieur? Ich möchte, dass Ihr Euch gut einprägt, wie er aussieht, denn es kann sein, dass Ihr ihn wiedererkennen müsst." D'Artagnan musterte den jungen Mann. Selbst von hier oben erkannte er, dass es der war, den er gestern mit der Patrouille in Gesellschaft einer Frau gesehen hatte. Er nickte jedoch nur und teilte Seiner Eminenz nicht mit, dass er ihn bereits an einem anderen Ort begegnet war.
Der junge Mann verabschiedete sich nun von seinem Gegenüber, stieg auf sein Pferd und ritt vom Hof.
„Kennt Ihr den jungen Mann, der sich mit dem unterhalten hat, der eben davongeritten ist?", erkundigte sich Mazarin und setzte sich an seinen Schreibtsich. D'Artagnan stellte sich in tadelloser Soldatenhaltung vor den Schreibtisch und nickte.
„Sehr wohl, Monseigneur, es war der junge Graf de Wardes, der seit gestern wieder in Paris ist. Er ist der Sohn eines Bekannten von mir, wir kennen uns flüchtig." „Nun, mein lieber d'Artagnan, dann wird es Zeit, dass Ihr Eure Bekanntschaft etwas auffrischt. Es geht um Folgendes: Dieser junge Mann mit dem grauen Pferd heißt Mordaunt und ist aus England. Er ist Bote und Sekretär eines höchst bedeutenden Mannes, und, wie es scheint, auch noch sein Vertrauter. Er war bei mir in einer sehr brisanten Angelegenheit. Leider weiß ich wenig über ihn und deshalb möchte ich, dass Ihr ihn ein wenig kennen lernt. Natürlich müsst Ihr nicht alles über ihn herausfinden, aber was er über England und vor allem dessen König erzählt, merkt es Euch gut, es könnte sehr wichtig sein. Versteht Ihr?" „Ja." D'Artagnans ausdrucksloser Miene konnte man nicht ansehen, dass er gerade rasch nachdachte. Dieser junge Mann war also aus England und wegen einer wichtigen Angelegenheit in Paris. Und noch am vorigen Tag lauschte er den höchstwahrscheinlich den sehr aufrührerischen Reden eines Mannes, der, sobald er der Musketiere ansichtig geworden war, sich aus dem Staub gemacht hatte. Da war es nicht schwer, sich zu überlegen, was dieser junge Mann hier wohl wollte. Doch da man ihn nicht um seine Meinung gebeten hatte, schwieg er. Etwas ärgerlich musterte Seine Eminenz den Leutnant vor sich. Der war ja fast genauso schlimm wie Mordaunt vorhin. Sagte nichts, war zugeknöpft bis oben hin und man brachte nichts aus ihm heraus. Das kränkte die Eitelkeit eines Kardinals, der sich viel darauf einbildete, dass er Leute zum Sprechen bringen konnte. Kurz fragte er sich, ob Bernouin noch genug bei Verstand war, ihm diese traurige Gestalt als tapferen Frankreichkämpfer vorzusetzen. Wenn alle Helden so waren, war es kein Wunder, dass es mit Frankreich so den Bach runterging.
D'Artagnan schien zu wissen, was Seine Eminenz dachte, ein unmerkliches Lächeln ging über sein Gesicht. Er war nicht sehr groß, hielt sich trotz seiner etwa vierzig bis fünfundvierzig Jahre straff aufrecht und sah aus, als diente er schon lange der Krone in dem Wissen, dass er dafür nicht entlohnt wurde. Er war im Vorzimmer Seiner Eminenz gewesen als Bernouin gekommen war, um die Wachablösung zu kontrollieren. Als Berouin ihn gerufen hatte, verspürte er soetwas wie Freude, dass er endlich gebraucht wurde, womöglich für etwas Wichtiges, wo er seine Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Und nun befahl ihm Seine Eminenz, irgendeinem Boten aus England hinterherzuspionieren, der vielleicht gefährlicher war, als Mazarin dachte. Aber vielleicht winkte dann eine Belohnung. Der Hauptmannsposten möglicherweise, auf den d'Artagnan schon seit Jahren sehnsüchtig wartete. „Ich möchte", fuhr Mazarin fort, „dass Ihr mit dem jungen Mann gut bekannt werdet. Findet alles über England heraus was Ihr von ihm erfahren könnt, über Charles Stuart, über Cromwell. Ihm selbst könnt Ihr das sagen, was er durch den Pöbel sowieso erfahren könnte. Wenn Ihr mich gut mit Informationen versorgt, winkt Euch womöglich eine schöne Belohnung." Innerlich frohlockte d'Artagnan, als er sich tief verneigte, der Hauptmannsposten war nun vielleicht nicht mehr weit.
Seine Eminenz verabschiedete ihn und d'Artagnan begab sich auf die Suche nach dem jungen de Wardes.
Mordaunt war es schwergefallen, nicht zu seufzen als er hinter sich die laute, fröhliche Stimme des Grafen de Wardes vernahm.
„Mein lieber Monsieur Mordaunt, so ein Zufall, dass ich Euch hier und heute schon treffe." Er hätte ihn am liebsten umarmt, ließ es aber in Anbetracht der kühlen, abweisenden Haltung Mordaunts lieber sein. „Monsieur", grüßend neigte Mordaunt das Haupt, „ich freue mich zu sehen, dass Euch die Reise offensichtlich gut bekommen ist und Ihr froh und munter seid." „Aber das ist doch gar keine Frage, warum sollte mir die Reise nicht gut bekommen sein. Und Ihr, habt Ihr Euch bereits eingelebt? Wie gefällt es der Lady ? Fühlt sie sich wohl? Ich hoffe doch! Denn Ihr wisst ja sicherlich noch, dass ich Euch eingeladen habe. Heute ist Dienstag und wir haben uns für Mittwoch verabredet. Ist Euch das angenehm? Ich hoffe es sehr. Mein Vater sagte, er freue sich darauf, Euch kennen zu lernen, als ich ihm von Euch und der Dame erzähle. Also, seid so liebenswürdig und enttäuscht ihn nicht. Es wird ein feines Essen und guten Wein geben, nicht so eine Plürre, wie Ihr sie in England trinken müsst. Oh, verzeiht mir, ich wollte Euch nicht beleidigen. Ich wohne an der Place Royale, mein Kutscher holt Euch um acht Uhr ab. Es wird ganz zwanglos, beinahe ein Männerabend, wenn die Dame nicht wäre. Also bis morgen Abend!" Mordaunt lächelte und nickte, nahm sein Pferd, saß auf und machte, dass er vom Hof kam. Schaudernd überlegte er, wie der Vater sein musste, wenn der Sohn bereits nach einigen Worten unerträglich war. Aber die Einladung konnte er leider nicht absagen.
D'Artagnan fand den Grafen de Wardes sehr rasch, stand dieser doch noch immer am Tor bei einem Musketier in ein gewiss amüsantes Gespräch vertieft und lachte gerade lauthals als d'Artagnan hinzutrat. Der Graf bemerkte das nicht sofort, wunderte sich dann aber, weil der Musketier stramm stand und grüßte. Er wandte sich um und erblickte d'Artagnan. Sofort zeigte sich auf seiner ohnehin schon belustigten Miene ein strahlendes Lächeln.
„Oh Monsieur d'Artagnan, das man Euch mal wiedersieht!" Beinahe hätte er dem Leutnant auf die Schulter geklopft. D'Artagnan lächelte benfalls und nickte dem Musketier zu, der daraufhin seine Aufmerksamkeit wieder der näheren Umgebung zuwandte.
„Nun, Monsieur de Wardes, Ihr habt Euch auch rar gemacht. Wie mir Euer Vater unlängst mitteilte, habt Ihr in England Fuß gefasst?" „Aber nein, ich hatte keinesfalls vor, dort länger zu wohnen, Monsieur. Ich habe mir nur eine kurze Auszeit von Paris und Frankreich und allem anderen genommen, aber nun hat mich doch die Sehnsucht nach der Heimat gepackt." „Wie lange seid Ihr denn schon hier? Weiß Euer Vater bereits, dass Ihr in Paris seid?" „Ich bin seit gestern hier, habe bei ihm übernachtet und daher weiß er natürlich, dass ich da bin." „Wie war es in England?", fragte d'Artagnan, um gleich auf den Grund zu kommen, weswegen er sich dieses Gespräch mit dem jungen Grafen antat. Er war überzeugt, dass de Wardes diesen Mordaunt erst seit kurzem kannte, er hatte ihn wohl in England kennen gelernt.
„England ist reizend, ganz wundervoll. Das Wetter war in der Zeit, in der ich dort weilte, auch prächtig, ich kann gar nicht verstehen, warum sich immer alle so über das englische Wetter aufregen. Natürlich hatte ich zuweilen Verständigungsschwierigkeiten oder es gab Probleme, weil ich Franzose war, aber ich habe mich doch immer wieder gut herausgehauen. Was nicht heißen soll, das ich Euren starken Arm samt Degen nicht ab und zu vermisst habe!" De Wardes lachte wie über einen guten Scherz. Mit einer Verneigung quittierte d'Artagnan diese ungeschickte Schmeichelei.
„Aber sonst kann ich mich kaum beklagen, die meisten Engländer waren freundlich, die Damen entzückend und wenn ich Probleme hatte, so kam mir immer jemand zu Hilfe." „Und wie habt Ihr die Reise überstanden? Es wimmelt zurzeit um Paris von Räubern und Verbrechern." „Ich bin nicht allein gereist, ich habe in Dover ganz reizende Gesellschaft bekommen und war sicherlich gut beschützt." Man sah de Wardes deutlich an, dass er sich viel auf seine Bekanntschaften einbildete.
„Reizende Gesellschaft? Sprecht Ihr von einer Dame? Wie kann sie Euch den beschützen?" Wieder lachte der junge Graf und zeigte zwei Reihen großer, weißer Zähne.
„Aber nein, Monsieur, Ihr seid einem Irrtum verfallen. Ich lernte in Dover einen freundlichen jungen Mann nebst einer Dame kennen, die wohl seine Verlobte ist oder wird, das habe ich nicht genau erfahren können, er war in dieser Hinsicht sehr verstockt. Sie haben mir geholfen, da ich Probleme mit dem Kutscher hatte und das einfache, dumme Volk in England kann kein Französisch. Ich habe sie eingeladen, mit mir zu fahren und denke, sie werden mich demnächst besuchen. Ich weiß nicht, wie lange Ihr schon hier auf dem Hof seid, aber womöglich habt Ihr ihn gesehen, er war vorhin hier, weiß der Teufel, was er hier wollte, ich habe ihn nicht gefragt, ich bin nicht neugierig", d'Artagnan musste sich ein Grinsen verkneifen, „er trägt dunkle Kleidung, sehr puritanisch angehaucht." „Oh, Monsieur Mordaunt?", rief d'Artagnan mit gutgespielter Freude. Verblüfft sah der junge Graf ihn an.
„Allerdings, Mordaunt. Ihr kennt ihn?" Er schien äußerst enttäuscht, dass jemand Mordaunt vor ihm hier in Paris gekannt hatte.
„Nein, leider noch nicht, aber ich würde ihn sehr gerne kennen lernen. Er ist ein wichtiger Mensch, was die Beziehungen zwischen Frankrich und England angeht, wisst Ihr?" „Nein, das wusste ich nicht." De Wardes' Augen waren nun tellergroß und er kostete in Gedanken das Wissen aus, dass er freundschaftliche Bande mit einem Mann geknüpft hatte, der wichtig war. Es war doch erfreulich, wie viele Menschen er kannte. „Ihr wollt ihn also kennen lernen? Oder kennt Ihr ihn bereits?" „Nein, leider nicht, aber ich würde ihn gerne so kennen lernen, dass es unverfänglich erscheint. Am besten dann, wenn mehrere Leute dabei sind. Dann kann ich mich so mit ihm unterhalten ohne dass es auffällt, dass ich mit einem Engländer mich unterhalte. Ihr versteht das sicherlich. Staatsgeheimnisse." „Aber ja", sprach de Wardes verständnisvoll und ohne weiteres wissen zu wollen. „Verlasst Euch auf mich, ich werde in näherer Zukunft einen kleinen Empfang geben, wenn Ihr das wünscht. Ich würde mich sehr freuen, Euch dabei zu sehen, ich lasse es Euch selbstverständlich wissen. Aber nun entschuldigt mich, ich sehe einen Bekannten. Ich wünsche Euch noch viel Erfolg bei Euren weiteren Geschäften." Geheimnisvoll legte de Wardes den Finger an die Lippen, so dass d'Artagnan Mühe hatte, nicht laut zu lachen und dann wuselte der Graf davon, seiner Bekanntschaft hinterher.
Der Leutnant verschwand in seinem Arbeitszimmer, froh, dass er dieses Gespräch überlebt hatte und erleichtert, dass er nun eine gute Verbindung zu diesem ominösen Mordaunt geschaffen hatte, die ihm hoffentlich zugute kommen würde. D'Artagnan saß vor Berichten und träumte von einer großen Zukunft, wie er das zum letzten Mal vor zwanzig Jahren getan hatte.
