Tataaataaaa, das neue Kapitel ist da (rumspring), ich habe ja so gute Laune, nach zwei Reviews auf einmal! Deswegen bekommt ihr auch gleich eine Belohnung und vielleicht schaffe ich es, noch am Wochenende mit dem fünften Kapitel anzufangen. Ich beeile mich, nur für euch ;-).

Chibiangel: Ich weiß gar nicht, wie ich dir für dein treues Lesen danken soll, ich freue mich immer über deine Reviews!
Und ja, ich mag Mordaunt auch ;-), und de Wardes... Hoffentlich übertreibe ich es nicht noch mit ihm... Was die Absätze angeht (schäm), du hast recht, ich werde versuchen, mich zu bessern, ich hoffe, im neuen Kapitel sind jetzt genug Absätze.

Jutschka: Hi (knuddel), Mann, habe ich mich gefreut! Du bist ja richtig schnell gewesen (rumspring), es ist toll, dass es dir gefallen hat, vor allem, da du dich nicht so gut auskennst und es trotzdem liest. Und natürlich ist es Zufall, dass unsere Heldinnen gleich heißen (grins), aber ich will den Namne wirklich nicht ändern, er passt zu ihr und ist so leicht zu schreiben. Und de Wardes ist mein Liebling, er ist so witzig. Und ob Mordaunt und Anne zusammen kommen, tja, das verrate ich nicht )
Man sieht sich (wäwäwäwä), man sieht sich gar nicht (heul), aber hey, wieder eine Woche rum. Lern mal fließig, damit du klüger als die Amis wirst ;-). Bis zur nächsten Mail!

Maren: Hi Maren, wenn du wüsstest, der Anfang des dritten Kapitels war ursprünglich als Anfang der Geschichte geplant und ist, lass mich nachdenken, zwei Jahre alt? Ich muss genial gewesen sein, an diesem Tag, es ist eine der Stellen, an denen ich kaum was rumzumäkeln habe .
Und ich freu mich wahnsinnig, dass dir d'Artagnan gefällt, ich finde ihn nämlich sehr schwierig zu schreiben, weil ich immer an die Stelle am Anfang denken muss, wo er mit Mazarin mitkommt und so komisch soldatisch ist, das mag ich nicht so. Und de Wardes, achja, ich mag ihn, habe ich bestimmt schon mal gesagt ;-).

Und mit dem vierten Kapitel bin ich mir unsicher wie mit allen anderen auch, weil irgendwie.... hm, ist es vielleicht so klischeehaft, ich weiß nicht, ich habe versucht, es einigermaßen glaubwürdig hinzukriegen und für historische Korrektheit lege ich wie immer keine Hand ins Feuer.
Na, dann wünsche ich euch alle viel Spaß mit dem neuen Kapitel, ich warte wie immer sehnsüchtig auf Reviews und hoffe, dass es euch gefällt. Ihr seid die Besten! Hoffentlich klappt das mit den Formaten hier...
00000000()()()0000 Blöde Formate hier...

4.Kapitel

Am Mittwochabend empfing de Wardes seine Gäste. Er hatte bereits die ganze Dienerschaft in Aufruhr gebracht, obwohl nur zwei Gäste kommen sollten, denn er wollte unbedingt vor den Engländern glänzen. Es gab erlesene Speisen, teuren Wein und dass der Abend schön wurde, dafür würde er schon sorgen.
Pünktlich um neun Uhr abends schellte es und ein Diener führte Anne, die sich für diesen Anlass sogar ein neues Kleid gekauft hatte und Mordaunt, der sich endlich von seiner schlichten, düsteren Kleidung getrennt hatte, hinein. Höflich erkundigte sich der Diener nach den Namen der Herrschaften und meldete sie dem jungen de Wardes. Aus dem Salon am Ende des Korridors erscholl des Grafen wütende Stimme.
„Hinaus, du Tölpel, was sollen die Förmlichkeiten, mit dir hat man nichts als Ärger!" Ein lautes Klatschen und gleich darauf ein Schmerzenslaut ertönten und der Diener fegte geradezu aus dem Salon in die Küche, die Treppe hinunter. Hinter ihm trat, in kostbarer, etwas geckenhaft erscheinender Kleidung, der Graf de Wardes heraus und ging mit breitem Lächeln und ausgestreckten Händen auf seine Besucher zu.

„Meine Teuerste", er küsste Anne galant die Hand, „ich bin entzückt Euch zu sehen, wahrlich, dieses Kleid ist ganz bezaubernd, ich kann kaum sprechen, sosehr verschlägt es mir den Atem." Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte Anne ihn an und er überlegte, ob er nicht eben zu sehr übertrieben hatte. Doch mit bemerkenswerter Unbekümmertheit, nachdem er ihr noch ein strahlendes Lächeln geschenkt hatte, wandte er sich an Mordaunt und schüttelte ihm kräftig die Hand.
„Mein lieber Freund, es macht mich unendlich glücklich, Euch zu sehen, lasst Euch sagen, dieses Wams ist wie geschaffen für Euch, was ist das für ein Schnitt? Ihr seht vortrefflich darin aus, ganz vortrefflich." Er ließ ihnen kaum Zeit, etwas zu erwidern, sondern rief aus:
„Und nun bitte ich Euch in den Salon, seid so gütig, mir zu folgen, ich stelle Euch dann auch gleich meinem Vater vor, er wird gleich eintreffen, er ist bei einem Verwandten, aber das wird ihn nicht lange aufhalten, was darf ich Euch anbieten? Wein, Tee, Schokolade, Kaffee, Milch? (er lachte auf) oder darf es noch etwas Anderes sein? Nehmt doch Platz, ich bitte Euch, da, die Dame in den Sessel, Ihr, Monsieur, könnt den Stuhl nehmen (er drückte Anne in einen niedrigen, kleinen, mit blauen Samt bespannten Sessel und nötigte Mordaunt, auf einem mächtigen, breiten Stuhl mit kostbar geschnitzten Armlehnen Platz zu nehmen), wenn Ihr erlaubt, werde ich mal eben nach dem Diener klingeln, dieser Trottel, nichts als Ärger." Das alles kam in einer so unglaublichen Geschwindigkeit aus ihm herausgesprudelt, dass Anne und Mordaunt ganz verdutzt waren, als er sie plötzlich allein ließ. Sie wagten erst gar nicht, sich zu bewegen, doch dann hörten sie, wie de Wardes in den hinteren Teilen des Hauses laut auf seinen Diener einredete.
Anne blickte sich in dem kostbar und geschmackvoll eingerichteten Zimmer um, Mordaunt hingegen hatte dafür keinen Blick, er versuchte, ein Möglichkeit zu finden, die Arme auf die Lehnen seines Stuhls zu legen, ohne dass die Schnitzereien ihm schmerzhaft ins Fleisch drückten. Das Zimmer war recht groß, die Einrichtung zeugte von Reichtum. An der Wand gegenüber der Tür standen hohe, aus dunklem Holz geschnitzte Vitrinen, durch deren gläsernen Scheiben man kostbares Porzellan, Besteck und anderes sah. Die Fenster, deren schwere Vorhänge mit Goldborten geschmückt waren, wurden von den Vitrinen eingerahmt. Rechter Hand neben der Tür, fast in der Mitte des Raumes stand ein großer, schwerer Tisch, in dessen Mitte eine weiße Schale mit Obst stand. Im ganzen Raum verteilt gab es Sessel, ein mächtiges Sofa nahm die gesamte linke Wand ein und auf der rechten Seite befand sich ein Kamin, dessen Feuer erst vor kurzem erloschen sein musste, der Wärme nach zu schließen, die in dem Raum herrschte. Zu beiden Seiten des Kamins hingen kostbare Gobelins fast bis zum Boden herab. Anne wurde gerade mit der Musterung fertig, als es auch schon klingelte. Ein Diener stürzte zur Tür, während de Wardes aus einem hinteren Zimmer entfernt rief: „Das ist mein Vater" und herbeikam. Mordaunt und Anne vernahmen, wie sich de Wardes und dessen Vater begrüßten, de Wardes erkundigte sich nach dem Ergehen seines Großcousins und teilte seinem Vater dann mit, dass sein Besuch bereits anwesend sei.
Gleich darauf führte de Wardes einen etwa fünfundvierzigjährigen Mann hinein, der ihm so glich, wie Vater und Sohn sich nur gleichen können. Sie waren etwa gleich groß, hatten die gleichen dunklen, lockigen Haare, die bei de Wardes père erst einen leichten Grauschimmer hatten und auch die Züge ähnelten sich in erstaunlicher Weise. Doch während bei de Wardes fils das Laster und die Langeweile durchbrach, erkannte man bei dem Vater zwar wie beim Sohn die Leichtlebigkeit, doch gleichzeitig auch Tatkraft und Verstand. De Wardes fils stellte vor:
„Vater, hier vor Euch seht Ihr Lady , die ich, wie ich Euch bereits erzählte, in England kennen gelernt habe und dies ist Monsieur Mordaunt, ihr Begleiter und Freund. Und das ist mein Vater, der Comte de Wardes." Die drei Personen begrüßten sich forvollendet, dann bat de Wardes fils sie alle, Platz zu nehmen. Gleichzeitig brachte ein Diener etwas Gebäck und Getränke herein, um den Herrschaften die Zeit bis zum Essen nicht allzu lang werden zu lassen. Während er aß und sein Sohn munter mit den Gästen plauderte, musterte de Wardes père aufmerksam Mordaunt. Es wollte ihm scheinen, als käme dieser ihm bekannt vor, und er war sich auch sicher, wem dieser junge Mann ähnlich sah, doch konnte es sein? Ob er es auf eine Probe ankommen lassen sollte?
„Mein lieber Monsieur Mordaunt", sprach de Wardes père liebenswürdig, als eine kurze Pause in das Gespräch zwischen seinem Sohn und den beiden Engländern trat, „könnte es sein, dass wir uns kennen?" Mordaunt sah den Grafen so verblüfft an, dass dieser diese Möglichkeit sofort wieder verwarf. Also doch nur die Ähnlichkeit.

„Tut mir leid, Monsieur le comte, nicht dass ich wüsste. Vielleicht habt Ihr mich vor einiger Zeit gesehen, vor etwa zwei Wochen war ich in Paris. Womöglich sind wir aneinander vorbeigelaufen, ohne uns weiter zu beachten."

De Wardes lächelte. „Oh nein, dass kann es nicht sein. Erlaubt Ihr mir, nach Euren Eltern zu fragen? Vielleicht kannte ich diese und nun fällt mir Eure Ähnlichkeit auf. Seht Ihr Euren Eltern oder einem Elternteil ähnlich?"

Anne warf Mordaunt einen kurzen Blick zu, dessen Miene sich verfinsterte. „Nicht dass ich wüsste", sagte er kurz. Doch de Wardes ließ nicht locker.

„Seid Ihr Euch sicher? Vielleicht kannte ich Euren Vater oder Eure Mutter."

Gereizt und gleichzeitig hilflos blickte Mordaunt auf den Grafen, ehe er sagte: „An meinen Vater kann ich mich nicht erinnern, meine Mutter habe ich dreimal gesehen, sie ist gestorben, als ich drei Jahre alt war. Danach habe ich bei anderen Menschen gelebt, wollt Ihr noch etwas darüber wissen?" Auf diese Worte folgte eine unangenehme Stille, keiner von ihnen sprach, selbst de Wardes fils spürte, dass es in diesem Moment unangebracht war, sich über die Pferde des Herzogs Beaufort zu unterhalten.
Mordaunt wurde immer wütender, je länger sich die Stille hinzog, und es fehlte nicht viel, und er hätte das Zimmer verlassen, als de Wardes père endlich das Wort ergriff.
„Es tut mir leid, wenn ich Euch mit meinen Fragen verletzt habe, das wollte ich wirklich nicht. Bitte verzeiht mir, ich konnte das nicht wissen."

„Schon gut", erwiderte Mordaunt knapp.

„Das Essen müsste nun auch angerichtet sein", sagte de Wardes père ruhig, „ich schlage vor, wir begeben uns in das Speisezimmer." De Wardes fils, unversehens wieder munter und unbekümmert geworden, nun, da sich die Gemüter wieder beruhigt hatten, sprang auf.

„Ja, Ihr habt Recht, Vater, ich habe auch großen Hunger und hoffe, meinen Gästen geht es genauso. Wenn Ihr mir folgen wollt." Er verneigte sich in Richtung Anne und Mordaunt, die sich erhoben und wollte das Zimmer bereits verlassen, doch sein Vater hielt ihn zurück. „Nicht über die Große Diele", murmelte er seinem Sohn zu. Der sah ihn verdutzt an, schwieg aber, als er seines Vaters ernsten Blick wahrnahm. De Wardes fils mochte nicht sehr intelligent sein und nicht viel Taktgefühl beseitzen, doch er stellte sich nie einem Menschen in den Weg oder behinderte ihn, wenn es in seiner Macht stand, ihm zu helfen. Zumal er daran gewöhnt war, seinen Vater bei manchen Handlungen zu unterstützen, ebenso wie dieser ihm immer zur Seite stand.
Er trat auf Anne zu und bot ihr den Arm, obwohl das eher dem Vater zugestanden hätte, was ihn jedoch wenig kümerte. Anne und Mordaunt hatten eben mitbekommen, dass sich Vater und Sohn über etwas unterhalten hatten, was nicht für sie bestimmt war, doch es hatte sich nicht weiter gekümmert.

„Meine Teure, wenn Ihr bitte mit mir kommen wollt", sprach de Wardes fils liebenswürdig zu Anne. „Wenn Ihr nichts dagegen habt, gehen wir nicht über den Korridor, den kennt Ihr immerhin schon und ich bin sicher, Ihr wollt gern noch ein wenig mehr von dem Haus kennen lernen." Er trat mit ihr an dem Tisch vorbei, schob den Gobelin rechts von dem prächtigen Kamin beiseite und präsentierte stolz die Tür, die sich hinter dem Goblin verbarg. Zu seiner Freude zeigte Anne auch ein recht beeindrucktes Gesicht.
„Euer Haus birgt Geheimnisse, Monsieur."

„Oh, es ist nichts besonderes, diese Tür kann man ganz einfach benutzen, seht, sie ist nicht verschlossen." Er drückte die Klinke herunter und tatsächlich schwang die Tür leicht auf. Doch hinter ihr befand sich nicht, entgegen Annes Erwartungen, ein dunkler, schmutziger Gang, nein, es war ein heller, wenn auch nicht sehr breiter Flur, welcher von einigen Leuchter mit je acht Kerzen, welche auf Vorsprünngen standen, die in regelmäßigen Abstand an der linken Wand eingelassen waren, erhellt wurde. Es war stickig und warm hier drinnen, aber so hell, dass man sich hier nicht unwohl fühlte. Zu beiden Seiten hingen Gemälde an der Wand. Manche hatten keinen Rahmen, andere waren nur kleine Zeichnungen. Es schien nicht so, als hingen die Bilder hier, um ein Zeugnis von Reichtum abzugeben. Vielmehr schienen es Bilder zu sein, die keinen anderen Nutzen hatten, als der Erinnerung zu dienen. Anne nahm im Vorbeigehen eine Kohlezeichnung war, die ein Ehepaar mittleren Alters zeigte. Sie lachten und der Mann hatte den Arm um die Schultern der Frau gelegt. Über ihnen war der Schriftzug: „Für Ren" und etwas Lateinisches zu lesen. Anne hätte gern gewusst, wer das gezeichnet hatte, es war sicher kein Künstler gewesen, dafür wirkte alles zu einfach. Sie kam noch an mehreren anderen Bildern vorbei, Männer und Frauen, vielleicht war das eine Ahnengalerie? Doch es blieb ihr keine Zeit, sich alle Bilder anzusehen, denn der kleine Korridor war bereits zu Ende. An seinem Ende angelangt, musste de Wardes feststellen, dass diese Tür verschlossen war, er suchte nach dem Schlüssel in seinem Wams, den er schließlich auch fand. Mit großartigem Gehabe schloss er auf, während Anne leicht ungeduldig wartete und die Zeichung, der sie am nächsten stand, betrachtete. Es war eine alte Frau, die in ihrer Jugend eine Schönheit gewesen sein musste. Vielleicht war es die Mutter des Grafen de Wardes? überlegte sie. Die Jahreszahl am unteren Rand des Bildes konnte sie nicht erkennen. Schließlich aber bekam de Wardes doch die Tür auf und zog Anne ohne weitere Umstände mit sich.

Langsamer folgten de Wardes père und Mordaunt ihnen nach. Sie hatten es nicht eilig. Mordaunt verhielt angesichts der vielen Bilder überrascht, dann ging er langsam hindurch. Im Vorbeigehen musterte er aber jedes Bild flüchtig. De Wardes folgte ihm, mit einem atemlos gespannten Gesichtsausdruck, den Mordaunt aber nicht bemerkte. Je weiter sie sich der Mitte des Flurs näherten, umso mehr steigerte sich die Aufregung des Grafen. Mordaunt verhielt angesichts einer Ölzeichnung. Mit zweifelnder Miene betrachtete er das Bild, das in seiner Augenhöhe hing und trat einen Schritt zurück. De Wardes blieb ebenfalls stehen. Das Bild war ungewöhnlich kunstfertig gezeichnet, und obwohl es sehr klein war, etwa sechs Zoll hoch und halb so breit, war es so naturgetreu, dass man meinte, die Frau, die dort zu sehen war, würde anfangen, zu sprechen. Es stellte eine junge Frau in einem schlichten, weißseidenen Kleid dar, die ihn einer großen Chaiselongue saß. Das Kleid, welches nur durch die Kostbarkeit seines Stoffes wirkte und die Schönheit der Trägerin vortrefflich betonte, fiel in weichen Falten an ihr herab. Den rechten Ellbogen hatte sie auf die Lehne des Sessels gestellt und in der Hand stützte sie ihren Kopf. Ihr Haar war von einem ungewöhnlichen goldblond und sie trug es offen und bis auf die Schultern fallend. Ihr Gesicht war mit außerordentlicher Feinheit gezeichnet. Sogar auf dem eher kleinen Bild erkannte man, dass sie blaue Augen, einen ebenmäßigen Teint und ein wunderschönes Lächeln hatte. Sie blickte den Betrachter direkt an und ihr Lächeln war das einer sündigen Göttin. Wie gebannt verharrte Mordaunt vor dem Bild, er schluckte mühsam, um sich einer Erregung, die sich seiner bemächtigte, Herr zu werden. De Wardes hatte ihn nicht aus den Augen gelassen und seine Beobachtungen bestätigten seine Vermutung.
„Wer ist das?", fragte Mordaunt heiser.

„Kennt Ihr sie?"

„Ja. Sagt mir, wer sie ist."

„Wenn Ihr sie kennt, müsst Ihr doch nicht nachfragen."

„Sagt mir ihren Namen!", schrie Mordaunt den Grafen an, der angesichts dieses unerwarteten Wutausbruchs einen Schritt zurücktrat.
„Beruhigt Euch, Monsieur. Das Bild stellt die Gräfin de Winter dar, eine… Freundin von mir." Mordaunt schwieg eine Weile, während er mit verzerrtem Gesicht das Bild der Dame anstarrte.
„Eine Freundin von Euch", sagte er dann mit eigentümlich ruhiger Stimme und warf dem Grafen einen abschätzigen Blick zu.
„Ihr seid John-Francis, habe ich Recht?", gab de Wardes zurück. Diesmal gelang es Mordaunt, sich trotz seiner Überraschung zu beherrschen.

„Allerdings, Monsieur. John-Francis Mordaunt. Und Ihr, wie ist es mit Euch? Woher kennt er diese Dame, die, was Ihr sicherlich wisst, da Ihr auch meinen Namen kennt, meine Mutter ist?" „War", erinnerte de Wardes sanft. „Sie war Eure Mutter."

„Nun ja, sie war es. Nun?"

„Ich sagte doch", sprach de Wardes zögernd, „sie war eine recht gute Bekannte von mir."

„Eben sagtet Ihr noch, sie wäre eine Freundin gewesen", bemerkte Mordaunt trocken.

„Nun, ich will nicht leugnen, dass ich in enger Beziehung zu ihr stand, die mir auch dieses Bild eingebracht hat." De Wardes nickte zu der Zeichnung hin. „Und Eure Bekanntschaft ging so weit, dass sie Euch von mir erzählte?"

„Sie unternahm eine Reise nach England in dieser Zeit, da bin ich mit Ihr gegangen, auf ihren dringenden Wunsch. Erst dort habe ich erfahren, dass sie einen Sohn hatte." Mordaunt blieb eine Weile still und blickte die ganze Zeit das Bild an. Schließlich fragte er leicht verlegen und unsicher:
„War sie eine gute Mutter? Ich meine… hat sie sich um mich gekümmert? Also, hat sie von mir gesprochen?" Nun war es an de Wardes, verlegen zu sein. Die Gräfin de Winter, die allgemein nur Mylady genannt worden war, hatte sich für ihren Sohn nur soweit interessiert, als er ihr eine zusätzliche Rente einbrachte. Sie hatte ihn in der Obhut ihrer Amme gelassen und sich nur bei den zufälligen Gelegenheiten, die sie nach England geführt hatten, ab und zu nach dem Kinde erkundigt. De Wardes hatte sie öfter darauf angesprochen, doch sie hatte ihn immer rasch abgefertigt, wenn es darum ging. Doch es würde den jungen Mann hier vor ihm bitter enttäuschen, wenn er die Wahrheit erwähnte und es reizte de Wardes, Mordaunt einmal glücklich zu sehen.
„Wisst Ihr, Mylady, also Eure Mutter, hatte wenig Zeit für Euch, doch wenn sie von Euch sprach, erkannte man in ihr die Mutter." Mordaunt lächelte und wirkte nun nicht mehr so verstört wie zu Beginn des Gespräches.
„Sie sieht so aus, wie ich sie in Erinnerung habe. Wisst Ihr, ich kann mich noch gut an ihren letzten Besuch erinnern. Damals wusste ich nicht, dass ich sie nie wiedersehen würde. Aber ich habe ihr Bild aufbewahrt, für immer. Monsieur, ich weiß, es ist unbescheiden von mir, doch kann ich Euch um einen Gefallen bitten? Ich weiß, ich kenne Euch nicht, wir sind uns eher zufällig begegenet und ich habe kein Recht, Euch darum zu bitten, aber…"

„Ihr wollt das Bild haben?", unterbrach ihn de Wardes.

Mordaunt nickte. „Ihr würdet mir einen großen Gefallen tun und ich würde für immer in Eurer Schuld stehen. Aber Monsieur, ich bin sicher, Ihr habt mehr von ihr gehabt als ich", hier lächelte Mordaunt süffisant, „ und ich hätte etwas, was ich… nun… bei mir haben könnte. Von ihr." Mordaunt kam ein plötzlicher Gedanke. Wenn de Wardes mit Mylady zusammen gewesen war, war diese Beziehung womöglich nicht ohne Folgen geblieben. Er schätzte de Wardes fils etwas jünger als sich selbst ein. Wenn er nun einen Halbbruder hatte, von dem er nichts ahnte? Doch de Wardes unterbrach seine Gedankengänge, indem er das Bild vorsichtig von der Wand nahm, was nicht schwer war, da es nur an einem Nagel aufgehängt worden war, und es dem jungen Mann reichte. Mordaunt nahm es und betrachtete die Frau darauf mit einem so zärtlichen Blick, als wäre er ihr Liebhaber. „Wie sie lächelt", sagte er versonnen.

„Es ist das Lächeln einer Mörderin." Erst nach einer Weile schien Mordaunt diese Worte zu verstehen, er sah mit abweisendem Blick auf.
„Einer Mörderin?" De Wardes schauderte zusammen, diesem Blick war er schon oft ausgewichen. Himmel, wenn Mylady gewusst hätte, wie sehr ihr Sohn ihr ähnelte! Vielleicht hätte sie ihn dann anders behandelt. Die beiden hätten vortrefflich zusammen gepasst. Gleichzeitig war de Wardes froh, dass der junge Mann ohne den kalten, leidenschaftlichen und selbstsüchtigen Einfluss seiner Mutter aufgewachsen war.

„Eure Mutter, Monsieur, war zwar eine schöne Frau, die sehr liebenswürdig sein konnte, doch es mangelte ihr nicht an Feinden."

„Abgewiesenen Liebhabern vielleicht, wie Ihr wohl einer seid?", höhnte Mordaunt. Er wusste nicht, dass er in der Art, wie er plötzlich seine Launen änderte, de Wardes sehr an die Gräfin erinnerte.
„Mich hat sie nie abgewiesen, mein Lieber, und wenn wir uns voneinander entfernt haben, so hat das andere Gründe.
Aber vielleicht ist es besser, wenn wir hineingehen?" Mit einer Handbewegung deutete de Wardes auf die offenstehende Tür, durch die de Wardes fils und Anne vor wenigen Minuten verschwunden waren.

„Ihr weicht mir aus… Ich weiß nicht, wieviel Ihr von meiner Mutter wisst, ich weiß nicht, was zwischen euch vorgefallen ist. Doch seid gewiss, einiges werde ich herausfinden, besonders, was ihr Ende betrifft. Wenn Ihr mir helft, soll es Euer Schade nicht sein. Denn deswegen bin ich hier. Meine Mutter ist ermordet worden und der Himmel hat mir Euch geschickt. Ihr wart Ihr Liebhaber, Ihr, Monsieur, müsst wissen, was mit ihr geschehen ist. Und ich verlange Antworten. Nicht heute, nicht jetzt, doch irgendwann möchte ich in einer Angelegenheit klar sehen, die mir das Leben zerstört hat. Gehen wir." Mit einer Gelassenheit, die seinen heftigen Worten vorher widersprach, wandte sich Mordaunt um, das Bild seiner Mutter in der Hand und trat hinaus aus dem engen Flur. De Wardes folgte ihm. Sie mussten nur dem Geräusch der Stimmen nachgehen, Anne und de Wardes fils unterhielten sich und immer wieder hörte man das Glucksen des jungen Grafen, wenn er über etwas Amüsantes lachte. Die beiden hatten es sich an einem großen Tisch in der Mitte des Raumes, der genauso kostbar und prunkvoll wie der Salon eingerichtet war, bequem gemacht, welcher für vier Personen gedeckt war. Sie sahen auf, als Mordaunt und de Wardes eintraten.

„Da seid Ihr ja, ich dachte schon, Ihr wäret in der engen Diele steckengeblieben", scherzte de Wardes fils unbekümmert, doch Anne entging nicht, dass Mordaunt blass und erregt aussah und versuchte, ruhig zu scheinen. Ebenso wenig entging ihr, dass er einen flachen, quadratischen Gegenstand so in der Rechten trug, als wolle er ihn verbergen. De Wardes fils führte nun zum großen Teil die Unterhaltung fort, während sich Anne und sein Vater aber wenigstens ab und zu aufraffen konnten, zu antworten, schwieg Mordaunt fast durchgehend. Das enttäuschte de Wardes fils, der in Mordaunt doch einen lustigen Kameraden zu finden gehofft hatte, doch er würde ihn schon noch zum Auftauen bringen, dessen war er sich sicher. Und so zögerte er nicht, als die Gäste kurz vor dem Aufbruch waren, eine weitere Einladung anzubringen, etwas, was er ja Monsieur d'Artagnan, dem Leutnant der Königlichen Musketiere, fest versprochen hatte.
„Ich möchte in nicht allzu ferner Zeit einen kleinen Empfang geben, um Freunde wissen zu lassen, dass ich wieder da bin. Es würde mich freuen, wenn Ihr, Mylady und Monsieur, auch dazu erscheinen könntet- vorausgesetzt, Ihr könnt an jenem Tag."

„Wann soll das denn sein?", erkundigte sich Mordaunt abwesend, der anscheinend nur die letzten Worte mitbekommen hatte.
„Ich weiß noch nicht, in einigen Tagen, denke ich, je nachdem, wie lange ich brauche, um allen Freunden Bescheid zu geben. Ich weiß ja, wo Ihr wohnt, ich werde Euch rechtzeitig Bescheid geben."

„Kommt Ihr auch?", wandte sich Mordaunt an de Wardes père. Dieser nickte, woraufhin Mordaunt an de Wardes fils gewandt antwortete: „Ich werde kommen."

„Vortrefflich!", de Wardes fils freute sich. „Es wird auch nichts Großes werden, zwanzig, dreißg Leute höchstens, ich kann Euch dann bekannt machen, es wird doch Zeit, dass Ihr in Paris Fuß fasst."

„Wie lange habt Ihr denn vor, zu bleiben?", erkundigte sich de Wardes bei Mordaunt.
„Vielleicht zwei, vielleicht vier Wochen."

„Das ist wenig. Da werdet Ihr nicht viel vom Paris kennen lernen." Mordaunt fragte sich, ob den de Wardes bewusst war, wie ähnlich Vater und Sohn einander waren, der Vater hatte ihm die gleichen Fragen gestellt, wie der Sohn in England auf dem Schiff. Gleichzeitig beobachtete er de Wardes fils und versuchte, festzustellen, ob er ihm ähnelte. „Ich denke, ich werde noch oft genug Gelegenheit haben, nach Paris zu kommen. Und ntaürlich werde ich immer dankbar sein, wenn ich hier Menschen kenne. Man kann ja nie wissen." De Wardes père fühlte jetzt schon Schauer, wenn er daran dachte, wie Mordaunt ihm bei diesem Empfang zusetzen würde, damit er etwas über Mylady und ihre letzten Stunden preisgab. Nun, er wusste, wer ihre Mörder waren und er verurteilte ihre Tat, doch gleichzeitig hatte er Verständnis dafür. Mit einem der Mörder war er gut bekannt und er wusste, was diesen und seine Freunde zu dieser Verzweiflungstat getrieben hatte. Und womöglich hätte er an ihrer Stelle genauso gehandelt. Aber Mordaunt würde das nie verstehen. Er musste aufpassen, was er diesem sagte.

„Was hast du da?", fragte Anne, als sie mit Mordaunt in der Kutsche saß, die sie zurück zu ihrem Heim bringen sollte. Sie meinte das Bild, welches Mordaunt nicht mehr aus den Händen gelassen hatte. Sie war müde und überreizt zugleich, sie wusste, dass etwas zwischen dem Grafen und Mordaunt vorgefallen war, doch sie wusste nicht, was, außerdem hatte de Wardes fils sie mit seiner geckenhaften Art und Sprechweise am Ende so erschöpft, dass sie wünschte, sie müsste ihn nie wieder sehen.
„Ein Bild", antwortete Mordaunt kurz.
„Was für eines?"

„Eines, welches mir der Graf de Wardes geschenkt hat."

„Ach ja? Dann zeig es mir doch bitte."

„Nein."

„Warum nicht?"

„Weil ich nicht will."

„John-Francis, solche Dialoge haben wir zuletzt geführt, als wir acht und elf Jahre alt waren und damals ging es um meine Puppe." Kurzentschlossen zog sie ihm das Bild aus der Hand und hielt es ans Fenster, so dass noch ein wenig Helligkeit auf die Zeichnung fiel. „Wer ist das?", fragte sie kurz darauf. Mordaunt grunzte etwas Unverständliches vor sich hin. „Du musst deutlicher reden. Also, wer ist das?"

„Meine Mutter."

„Was?"

„Gib mir das Bild wieder." Mordaunt packte ihre Handgelenke mit der einen Hand, mit der anderen entwand er ihr die Zeichnung. „Deine Mutter?" Anne sah nicht besonders entzückt aus, als er ihr das Bild genommen hatte und versuchte, ein Blick auf die Zeichnung zu werfen, die er wieder in den Händen hielt und liebevoll betrachtete.

„Wie kommt dieser Graf denn bitte zu diesem Bild, hm? Und wie hast du es gesehen? Hing es etwa in diesem kleinen Korridor, in dem du eine Ewigkeit mit dem Grafen geblieben bist, während ich mich dem Geschwätz des jungen Grafen ausgesetzt habe?" Ein einsilbiges Brummen war die Antwort, doch Anne ließ nicht nach.
„Und weiter?" Endlich bequemte sich Mordaunt zu einer Antwort.
„Ich habe das Bild in dem Korridor gesehen, meine Mutter erkannt, gefragt, woher er sie kennt und wie er zu dem Bild kommt und dann hat er es mir geschenkt."

„Und, woher kennt er sie?"

„Er war ihr Liebhaber." Anne war für einen Moment sprachlos.
„Ihr Liebhaber? Willst du mir etwas erzählen, dass wir in England zufälligerweise den Sohn des Liebhabers deiner Mutter kennen gelernt haben? Und dass wir dann von diesem Sohn zum Abendessen eingeladen werden, so dass du entdecken kannst, dass der Vater mit deiner Mutter liiert war?"

„Ja."

„Und? Was wirst du nun tun?"

„Ich werde das tun, was ich seit vielen Jahren tun wollte. Ich werde die Umstände ihres Todes mit Hilfe des Grafen, der einiges darüber weiß, aufklären und mich dann an den Mördern meiner Mutter rächen." Mühsam unterdrückte Anne ein Seufzen. Sie musste an die Worte Generals denken, der sie ermahnt hatte, auf Mordaunts Rachewünsche Rücksicht zu nehmen.
„Meinst du, der Graf wird dir genügend darüber erzählen können?" Mordaunt nickte, er hatte nicht erwartet, dass sie sich dafür interessierte. Gewöhnlich hatte sie ihm immer deutlich zu verstehen gegeben, dass sie nicht mit ihm über seine Mutter sprechen wollte. Aber es machte ihn glücklich, dass er ihr nun endlich davon erzählen konnte.
„Nun, Monsieur de Wardes war nicht sehr erfreut darüber, als ich ihn an das tragische Ende meiner Mutter erinnerte, aber ich denke, er wird mir noch genügend Auskunft geben können. Und tut er es nicht freiwillig, so werde ich Mittel und Wege finden, ihn zum Sprechen zu bringen."

Mit gerunzelter Stirn starrte Anne aus dem Fenster, um ihn ihre Miene nicht sehen zu lassen. „Du willst ihn zwingen. Womit denn bitte? Gewalt? Ich bezweifle, dass er dir dann die Wahrheit erzählen wird."

„Wieso denn? Er wird schon reden, ich bin in dieser Hinsicht unbesorgt. Es schadet ihm nicht, mir zu erzählen, was er weiß. Und genau aus diesem Grund müssen wir auch zu der nächsten Einladung kommen, die de Wardes fils heute angebracht hat. Da de Wardes père da sein wird, hoffe ich, dort alles zu erfahren, was ich wissen muss, dieser Emfang ist wirklich eine denkbar gute Gelegenheit."

„Ich weigere mich, mich stundenlang mit de Wardes fils unterhalten zu müssen, während du in den Erinnerungen des Grafen herumwühlst", sagte Anne ungeduldig. „Ich habe damit nichts zu schaffen, ich will mich nicht diesem entsetzlichen Mann, dessen Vater dir so wichtig ist, aussetzen müssen."

„Ich bitte dich, dieser Empfang ist wichtig. Du vergisst außerdem, dass dort nicht nur de Wardes sein wird. Da kommen noch andere Leute, wir werden den wichtigsten Persönlichkeiten vorgestellt werden und wenn du dort jemanden findest, der dir gefällt, nun, dann lässt du de Wardes selbstverständlich links liegen. Aber zu diesem Empfang muss ich und es ist wichtig, dass du mitkommst. Es würde auffallen, wenn ich die meiste Zeit nur de Wardes in Beschlag nehme. Bitte, tu mir den Gefallen?" Er sah sie bittend an und als sie endlich, widerwillig lächelnd, nickte, nahm er ihre Hand und küsste diese stürmisch. „Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann. Ich werde es dir nie vergessen." Ihr flüchtiges Erröten bemerkte er nicht, als sie ihm langsam die Hand entzog.

Sie waren bei ihrer Unterkunft angekommen und ritterlich half er ihr aus der Kutsche. Lange mussten sie klopfen, ehe ihr Vermieter, der bereits im Nachthemd war, öffnete. Mit zahlreichen Verbeugungen begleitete er sie bis zur Treppe, um ihnen dann eine gute Nacht zu wünschen. Oben, in dem engen Korridor, dessen Leuchter nicht brannte, wünschten sie einander eine gute Nacht, tasteten sich im Dunkeln bis zu ihren Zimmern und verschwanden darin.