Hallo ihr alle,

erstmal tut es mir mal wieder ganz doll leid, weil ich schon wieder so lange gebraucht habe. Und das sechste Kapitel ist mal auch gar nicht so klasse, finde ich, aber hey, ich beeile mich mit dem siebten Kapitel, das wird ganz super, hoffe ich mal und ja, das sechste muss euch alle erstmal trösten.

Maren: Ja, ich glaube auch, diese Geschichte wird doch ein bisschen länger werden, als ich vorher angenommen habe, also, mit acht ursprünglich geplanten Kapiteln ist hier nichts.
Dass dir Athos und Raoul und d'Artagnan gefallen, ist ein ganz großes Lob für mich, weil mir dir beiden halt so schwer fallen und außerdem noch öfter auftaachen werden (leider ;-)).

Chibiangel: Es freut mich, dass du doch noch wieder ins Internet gefunden hast. Ja, und jeztt ist sogar schon das sechste Kapitel da, damit du genug zum Lesen hast ;-). Jaja, der gute Mordaunt und seine Anne. Wir werden ja sehen, was das Leben so bringt, nicht wahr.
Und von de Wardes fils werde ich dich garantiert nicht erlösen, der wird immer da sein. Ich hoffe, du hast Spaß beim Lesen, Geduld mit meiner Langsamkeit und SCHREIBST SELBER BALD WEITER!!!

Julitschka oder Leynia whatever: You see, ich habe mich beeilt. Tschudo heißt Wunder. Ja, ich habe es dir ja schon ein paar tausendmal angekündigt, dass ich bereits beim siebten bin, deswegen bekommst du hier das sechste und weil du so nett bist, werde ich mich weiter beeilen. Dein Profil werde ich mir sofort nach dem Hochladen ankucken. Ist dir eigentlich klar,d ass du grade friedlich im Bett liegst und pennst, während bei uns bald Spätnachmittag ist? Heute ist auch der erste Advent. Du tust mir so leid, ohne richtiges Weihnachten dort, dafür aber ganz viel turkey!

alle: Viel Spaß beim Lesen!

Sissi

6.Kapitel

Am fünften Tag, den Anne und Mordaunt bereits in Paris verlebten, verließ Anne die Wohnung, um einen Spaziergang durch Paris zu machen. Ihr Pflegebruder wollte nicht mitkommen, also verließ sie das Haus ohne Begleitung. Mordaunt befasste sich mit dem Aufladen seiner Pistole und reinigte seinen Degen, eine andere Beschäftigung fiel ihm nicht ein. Danach widmete er sich den Ausführungen eines Calvinisten, den er ob seiner Strenge und Unbarmherzigkeit gegenüber verführbaren oder willenlosen Menschen schätzte. Anne hasste dieses Buch und sah es überhaupt nicht gern, wenn er es las, aber sie war ja nun nicht da. Er hatte es ihretwegen lange nicht mehr angerührt und überließ sich nun bereitwillig den Aussprüchen des Kirchenmannes, dessen unmenschlich harte Auslegung der Bibelworte ihn an sich selbst erinnerte. Er kam bei seiner Lektüre aber nicht weit, denn unten klingelte es und kurz darauf vernahm er die Schritte des Vermieters, der mit einem Mannes, der, dem Klang nach zu urteilen, offenbar schwere, eisenbeschlagene Stiefel trug, die Treppe hinaufstieg.
„Hier wohnt er, Monsieur, ich denke auch, er ist da", erläuterte der Wirt. Eine tiefe Männerstimme brummte etwas Undeutliches und im Zimmer vernahm der junge Mann das schlurfende Geräusch, welches den Pantoffeln des Vermieters eigen war.
Mordaunt griff, misstrauisch geworden, nach seiner Pistole und spannte den Hahn, als es klopfte.
„Wer ist da?", rief er.
„Clément, ich komme von Seiner Eminenz. Ich habe etwas abzugeben!", kam die Antwort. Mordaunt legte die Pistole beiseite, erhob sich von seinem Stuhl, auf welchem er am Fenster gesessen hatte und öffnete die Tür. Vor ihm stand ein Bote, der so hochgewachsen war, dass er den schmächtigen Mordaunt um mindestens zwei Köpfe überragte und ihm einen Brief entgegenstreckte.
„Wollt Ihr sofort eine Antwort haben?" erkundigte sich Mordaunt, während er den Brief mithilfe eines Dolches, den er aus seinem Gürtel genommen hatte, aufschlitzte.
„Nein, Ihr sollt sofort mit mir kommen", entgegenete Clément recht einfach. Mit gerunzelter Stirn las Mordaunt den Brief, eine Aufforderung des Kardinals, zu ihm zu kommen, denn er habe die Antwort auf Cromwells Schreiben. „Er schreibt so schlecht wie er spricht", murmelte Mordaunt verächtlich und knüllte den Brief zusammen, woraufhin Clément ihn mit schreckgeweiteten Augen anblickte.
„Ich brauche den Brief doch wohl jetzt nicht mehr oder denkt Ihr tatsächlich, ich benötige eine Erinnerungshilfe für den Weg von hier bis zu Palais?", fragte Mordaunt eisig, noch ganz im Banne des Buches, welches er eben gelesen hatte und in dem von Beherschtheit und Gefühlskälte, die den Feinden keinen Angriffspunkt bieten konnte, die Rede gewesen war.
Eingeschüchtert verneinte Clément hastig, während der junge Mann seine Sachen zusammensuchte und mit ihm hinausging. Auf der Straße warteten zwei gesattelte Pferde, die an einen Ring neben der Haustür angebunden waren. Clément deutete auf das eine Tier, welches Mordaunt zu nehmen hatte und bestieg selbst das andere. Mordaunt tat es ihm gleich und gemeinsam bahnten sie sich einen Weg durch die Straßen, welche zu dieser Tageszeit stark belebt waren. Wie immer war das Volk unruhig und nur widerwillig machten die Menschen Platz, wenn sich die beiden Reiter näherten. Mordaunt fragte sich, wer auf den Gedanken gekommen war, ihn mit Pferden zu holen. Zu Fuß wären sie dreimal so schnell gewesen.

Im Palais angekommen, überließ er sein Pferd Clément, teilte diesem mit, dass er den Weg kenne und begab sich allein zum Kardinal. Im Vorzimmer des Kardinals war es warm und stickig, zu viele Menschen saßen hier und warteten auf eine Audienz. Mordaunt, ohne sich überhaupt umzusehen, trat in das Vorzimmer, stellte sich in der Nähe der Tür zum Audienzzimmer auf und wartete dort mit verschränkten Armen. Schon nach kurzer Zeit kam Bernouin, mit dem Mordaunt bereits Bekanntschaft gemacht hatte, hinaus und teilte dem jungen Mann mit, dass er bald hineingerufen werde. Mordaunt nickte und senkte den Blick wieder auf den Boden. Die Adligen im Vorzimmer, die verstummt waren, als der junge Mann hineingetreten war, nahmen nun ihre leisen Gespräche wieder auf. Nur ab und zu richteten sie ihre Blicke auf Mordaunt, und fragten sich, was dieser Puritaner hier wohl wollte. Denn dass er einer war, erkannte ein jeder von ihnen. Der Graf de Wardes, der zwischen zwei hochgestellten Gräfinnen seinen Platz hatten, die sich eifrig und ohne einander in die Quere zu kommen, um ihn bemühten, bemerkte natürlich auch den Eintritt des jungen Mannes. Er war erstaunt, ihn hier zu sehen und richtete seinen Blick auf ihn, in der Hoffnung, dass Mordaunt sich wenigstens einmal umsehen würde, aber vergeblich. Das Getuschel um Mordaunt herum wurde lauter und er spürte geradezu die neugierigen Blicke der Menschen, die ihn musterten und sich über sein Aussehen unterhielten.

Doch das Gemurmel verstummte aprupt, als die Tür zum Zimmer Seiner Eminenz aufflog und ein weißhaariger Mann mit raschen Schritten hinaustrat. Sogar Mordaunt sah auf. Der weißhaarige Mann ging, ohne auch nur seine Wut, die ihm allzudeutlich ins Gesicht geschrieben stand, zu verbergen, auf den Grafen de Wardes zu, der sich mit einer galanten Verneigung gegen die beiden Gräfinnen erhob und packte ihn am Arm. De Wardes warf Mordaunt, der ihn nun erkannte, einen kurzen Blick zu und dieser nickte zum Gruß. Ohne darauf zu achten, zog der Weißhaarige den Grafen mit und zusammen verließen die beiden Männer das Vorzimmer. Im gleichen Moment rief aus dem Audienzzimmer Bernouin:
„Monsieur Mordaunt!", und der junge Mann löste sich von der Wand und trat in das Zimmer Seiner Eminenz.

Hinter ihm hob prompt das Getuschel der Leute wieder an. Mordaunt trat an dem sich verneigendem Sekretär in das Audienzzimmer und stand vor Seiner Eminenz, nun schon zum zweiten Male in seinem Leben. Er deutete eine Verneigng an.
Mazarin saß an seinem Schreibtisch vor dem Kamin, in dem ein großes Feuer flackerte und blickte erfreut auf, als man ihm Mordaunt meldete. „Monsieur Mordaunt, ich freue mich, dass Ihr so schnell meinem Rufe gefolgt seid. Ich hoffe, es ist Euch nicht unangenehm, dass es mit der Antwort auf den Brief Eures Herrn solange brauchte, Politik ist Zeit, wisst Ihr." „Ja." Etwas irritiert ob der knappen Antwort, die er nicht im Geringsten erwartet hatte, blickte Seine Eminenz auf.
„Nun, hier ist die Antwort…" Seine Eminenz nahm einen gesigelten Brief in die Hand und hielt diesen Mordaunt entgegen. Dieser gab seine starre Haltung, die er auch schon bei seinem ersten Besuch hier eingenommen hatte, auf und nahm den Brief an sich.
„Ich bin sicher, General Cromwell wird mit der Antwort zufrieden sein." Mordaunt nickte und steckte den Brief weg.
„Ich danke Euch, Monseigneur und bin mir sicher, dass Ihr das Beste für Euer Land beschlossen habt. Soll ich meinem Herrn noch etwas ausrichten?" „Nein, mein Lieber, ich wünsche ihm nur alles Gute und dass Gott ihm zu einer gerechten Sache verhelfen möge." Ein Zucken ging über Mordaunts Gesicht, was Mazarin aber nicht bemerkte. „Beehrt Frankreich recht bald wieder mit Eurer Anwesenheit", sprach Seine Eminenz liebenswürdig.
Mordaunt verneigte sich.
„Ich werde mich bemühen, Monseigneur. Ich bin Euer ergebener Diener und empfehle mich." „Gott mit Euch, Monsieur." „Und mit Euch", murmelte Mordaunt, während er sich zum zweiten Mal verneigte und auf einen letzten Wink des Kardinals verschwand. Es war das letzte Mal, dass er ihn sah.

Während Mordaunt dieses Gespräch mit Seiner Eminenz führte, bekam Anne Besuch. Es klopfte an ihre Zimmertür, als sie gerade einen Brief an Oliver Cromwell schrieb. Auf ihre Frage hin meldete sich der Vermieter, es sei Besuch für sie da. Die junge Frau erhob sich, warf einem Blick in den Spiegel, der über dem Waschtischchen an der Wand angebracht war und öffnete dann die Tür Vor ihr stand der Graf de Wardes fils. Überrascht trat Anne einen Schritt zurück. Monsieur de Wardes war erfreut und ergriff ihre Hand, ohne dass sie ihm diese gereicht hätte.
„Meine teuerste Dame, ich bin hochentzückt, Euch hier anzutreffen." „Ihr wolltet zu mir, Monsieur? Kann ich Euch etwas anbieten?" Sie entzog ihm mit einem sanften Lächeln die Hand, die er etwas zu lange in der seinen gehalten hatte. Der Graf de Wardes dachte über diese Geste nicht weiter nach und entgegnete:
„Nein, meine Liebe, ich danke. Ich wollte zu Monsieur Mordaunt." „John-Francis ist im Moment leider nicht hier, Graf. Wenn Ihr bitte Platz nehmen wollt, er müsste bald wieder hier eintreffen." De Wardes verneigte sich nur stumm. „Wenn Ihr mir folgen wollt, Monsieur, diese Kammer ist wahrlich nicht sosehr passend für einen Besuch." Auf diese Worte hin verließ die junge Dame ihr Zimmer und führte ihren Gast in ein anderes, etwas größeres Zimmer, wo sie mit Mordaunt gewöhnlich aß oder Briefwechsel erledigte.
Dort angekommen, forderte sie ihn auf sich zu setzen und bot ihm Gebäck und etwas Wein an, was der Graf entgegen seiner vorigen Worte, gerne annahm.
„Ich bin etwas in Eile", bemerkte de Wardes, „und wenn es länger dauern sollte, bis Euer Freund wiederkommt, dann muss ich mich wohl verabschieden. Es geht im Grunde auch nur um meinen Empfang und ob er, natürlich mit Euch, kommen wird." „Soweit mir bekannt ist, hat John-Francis nichts Gegenteiliges geäußert, wenn Euch das beruhigt, Graf. Er freut sich auf den Empfang und wird gerne kommen. Ich hoffe doch, Ihr wollt den Abend nicht absagen oder dergleichen? Kommen die alle, die Ihr eingeladen habt?" De Wades überlegte einen Moment, dann nickte er strahlend.
„Ohja, ich habe noch keine Absage erhalten und denke auch nicht, dass es noch eine geben wird. Es wird sehr schön werden, davon bin ich überzeugt, es kommt nur beste Gesellschaft."

Das bezweifelte Anne, doch sie enthielt sich einer Bemerkung. Sie hoffte sehr, dass Mordaunt bald wiederkäme, sie wusste, länger als eine halbe Stunde allein dem munteren Geschwätz des Grafen ausgesetzt zu sein würde sie nicht überstehen, ohne dass ein Unglück geschähe. Ihre Gebete wurden zum Glück sehr rasch erhört, denn während noch de Wardes dabei war, zu überlegen, wen er alles eingeladen hatte, trat Mordaunt in das Zimmer und begrüßte de Wardes.
„Monsieur ich freue mich, Euch zu sehen. Der Vermieter sagte mir, dass Besuch eingetroffen ist, konnte mir aber nicht sagen, wer es ist, da Ihr Euren Namen nicht genannt habt. Ich hoffe, es gibt keinen schwerwiegenden Grund für Euren Besuch?" „Aber nein!", versicherte de Wardes hastig. „Wie ich Eurer Freundin schon mitteilte, wollte ich nur wissen, ob Ihr fest zusagt, da ich mir dessen nicht ganz gewiss war. Eure bezaubernde Freundin hat mir aber versichert, dass Ihr kommen werdet." „Alledings, wir hatten nichts anderes vorgehabt", meinte Mordaunt, wobei er Anne musterte. „Es werden doch recht viele Gäste kommen, Monsieur?" „Natürlich, es kommen alle. Es wird, wie schon einmal erwähnt, sehr schön werden, mit Musik und Tanz und Häppchen…" „Es wird Tanz geben?", warf Anne erfreut ein, während Mordaunts Miene sich etwas verfinsterte.
„Aber natürlich, meine Gnädigste, das Haus ist groß genug, wir schieben die Möbel beiseite und im Salon wird es dann genug Raum für alle geben. Ihr tanzt also gern, Mademoiselle?" „Allerdings, Monseiur, aber ich habe nur selten die Gelegenheit dazu, da mein Vater nur selten Gesellschaften gab und ich nur wenige besucht habe." „Da erkennt man doch das wahre Weib!", sprach de Wardes innig. Mordaunt gab Anne einen Wink, dass sie verschwinden sollte. Gekränkt blickte sie ihn an und rauschte nach einem kurzen Wort an de Wardes aus dem Zimmer.
Erstaunt blickte dieser auf, als sie plötzlich verschwunden war.
„Wo ist sie denn hin?", fragte er. Mordaunt ließ sich ihm gegenüber nieder und zog sich die Handschuhe aus.
„Sie musste etwas erledigen. Hört mal, Monsieur de Wardes-", der Graf setzte sich aufrecht hin und neigte sich aufmerksam nach vorn, „es soll doch ein zwangloser Abend werden?"

„Aber ja, ganz zwanglos, ohne steife Etikette, ich versichere Euch…"

„Das ist mir sehr lieb, wenn ich mich nicht allenVergnügungen anschließen muss."

„Wieso, was stört Euch denn? Ich verstehe nicht…?"

„Ich kann nicht tanzen", entgegnete Mordaunt recht zurückhaltend. Mit fassungslosem Erstaunen blickte de Wardes auf Mordaunt, dessen Miene immer hochmütiger und abweisender wurde, doch das bemerkte der Graf nicht.
„Wie, Ihr könnt nicht tanzen?", fragte er und klang zum ersten Male nicht geziert und näselnd, sondern wirklich erstaunt, dass es Menschen gab, die nicht das konnten, was er von Kindesbeinen an fleißig geübt hatte.
„Derlei Vergnügungen sind mir fremd", erwiderte Mordaunt kühl und streng.

„Aber Monsieur", stammelte de Wardes, „Ihr seid doch jung und müsst doch ein wenig Freude in Eurem Leben haben. Wozu ist man auf der Welt?"

„Um seine Pflicht zu erfüllen."

„Puritaner", murmelte de Wardes recht leise, doch Mordaunt hatte es verstanden und es blitzte in seinen Augen.

„Monsieur, wenn es Euch unangenehm ist, werde ich Eurer Gesellschaft fernbleiben, denn ich möchte Euch keine Schande bereiten. Es liegt mir fern, Euch zu verurteilen, denn dazu bin ich zu jung, aber es ist nicht meine Aufgabe, in einem Gewühl von Menschen mich zu tummeln, als wäre ich ein Narr."

„Aber Monsieur!", rief de Wardes verzweifelt, denn er dachte an d'Artagnan, „ich wollte Euch nicht beleidigen, da sei Gott vor. Bitte verzeiht mir, und ich flehe Euch inständig an, kommt zu meinem Empfang, ich habe mich so darauf gefreut. Und Ihr könnt doch nicht so plötzlich absagen, mein Vater erwartet Euch doch auch und Eure Verlobte, pardon, ich meinte, Eure Freundin, nun, sie möchte den Empfang gewiss nicht verpassen."

Bei dem Gedanken an de Wardes père gab sich Mordaunt gezwungenermaßen geschlagen, auch wenn ihn der Gedanke an das Tanzen immer noch mit Widerwillen erfüllte.

„Nun wohl, Monsieur, ich möchte nicht so streng sein, vergebt mir." Er zwang ein Lächeln auf seinen Mund, das liebenswürdig wirken sollte. „Nehmt es mir nicht übel, doch ich bin wohl anders erzogen worden. Nun denn, ich werde kommen, doch tanzen werde ich wohl nicht, da ich es nicht kann."

„Aber Monsieur, das ist kein Problem, ich bringe es Euch bei!", bot de Wardes hilfreich an, viel zu erleichtert darüber, dass Mordaunt nun doch käme, als dass er darüber nachgedacht hätte, weshalb sich die Züge des jungen Mannes so seltsam verzerrt hatten.
„Es ist nicht schwer, seid unbesorgt, kommt, wir gehen zu mir, bei mir ist viel Platz und ich bringe Euch die einfachsten Schritte bei. Aber Ihr könnt wirklich nicht auf einen Empfang gehen, wo getanzt wird, und Eure Partnerin so sehr kränken und sie nicht auffordern, Frauen sind da empfindlich." Mordaunt konnte sich zwar nicht vorstellen, dass Anne beleidigt wäre, wenn er nicht mit ihr tanzte, doch er widersprach nicht.
De Wardes , der von seiner Idee, dem Puritaner Unterricht im Tanzen zu geben, ganz begeistert war, sprang auf und zog ihn ohne weitere Umstände mit sich.
„Anne, der Graf und ich gehen noch einmal fort!", rief Mordaunt beim Vorbeigehen, erhielt aber keine Antwort, da Anne beleidigt in ihrem Zimmer saß. Es interessierte sie im Augenblick überhaupt nicht, wo John-Francis sich herumtrieb.

De Wardes, der sich immer mehr an dem Gedanken an den Tanzunterricht berauschte und der auch etwas Abwechslung in sein eintöniges Dasein brachte, beschleunigte seine Schritte und schon bald fand sich Mordaunt im Hause des Grafen wieder, wo der Graf von seinen Dienern einen Tisch beiseite rücken ließ, um mehr Platz zu haben. Der Graf schilderte höchst anschaulich, was der Herr und was die Dame zu tun hatten und tanzte die Schritte vor.
„Es ist wirklich nicht schwer, mein Lieber, wenn man auf die Musik hört und es kommt ja auch auf die Partnerin an, Eure Freundin ist doch musikalisch, tanzt anscheinend sehr gerne, nicht wahr?" De Wardes hielt mitten in einer Drehung inne, hielt einen Moment die Balance, tat einen kleinen Schritt und wandte sich nun wieder Mordaunt zu, um ihn fragend anzublicken.
„Ich habe sie noch nie dabei gesehen, doch sie wird es wohl können, da sie es gerne tut.", meinte Mordaunt trocken.
„Der Herr sei gepriesen!", sprach de Wardes überschwänglich, zog Mordaunt zu sich heran und stellte ihn so hin, wie ein Mann vor einer Dame zu stehen hatte.
„Zuerst einmal müsst Ihr sie auffordern, mein Lieber. Das ist nicht weiter schwer, seht Ihr?" De Wardes tat eine Verbeugung, lächelte bezaubernd und fragte in die Luft hinein:

„Mademoiselle, darf ich bitten?", und hielt gleichzeitig seinen Arm seiner unsichtbaren Partnerin hin. Dann wandte er sich strahlend an Mordaunt. „Versucht es auch einmal!", forderte er ihn auf.

Mordaun kam sich albern vor, doch er tat, wie ihm geheißen, brachte eine zackige Verneigung zustande, murmelte: „Darf ich bitten?" und hielt seinen Arm in die Luft. De Wardes' Augenbrauen schnellten in die Höhe und auf seinem Gesicht erschien ein spöttisches Grinsen, doch er hielt sich zurück und sagte nur:
„Das war doch schon sehr gut, das üben wir nachher weiter. Ihr müsst nur Euren Arm anders halten, seht Ihr, die Handflächen nach unten, zum Boden hingewendet.
So, und nun stellt Ihr Euch hin, so, und ich bin die Dame, Ihr haltet mich so, seht Ihr, im Arm und wenn die Musik einsetzt, dann wartet Ihr zwei Takte", de Wardes zählte, „und dann einen Schritt mit dem linken Fuß, darauf mit dem Rechten, seht Ihr…, und die Hüpfer..."

Sie übten eine Stunde lang die Schrittfolgen, danach die Verneigungen und wie man die Dame hält, bis Mordaunt aufgab.

„Mit wievielen Damen muss ich denn tanzen?", erkundigte er sich missgelaunt und erschöpft, während er sich mit seinem Hut Luft zufächelte.

„Oh, das steht Euch frei, mein Lieber, Ihr macht ja nicht bei den Wettbewerben mit, die ich mit meinen Freunden abzuhalten pflege, mit wie vielen Damen man an einem Abend tanzen kann. Seid unbesorgt, mein Lieber, ich gebe eine sehr kleine Gesellschaft, mein Haus ist groß und es werden nicht alle tanzen wollen. Vielleicht kommt Ihr ja um diese Zerstreuung herum, doch wird Eure Freundin möglicherweise beleidigt sein, denn alle Damen sind ganz begeistert vom Tanzen und sie wird Euch bestürmen, sie aufzufordern."

„So?"

„Aber gewiss, mein Lieber", versicherte de Wardes und fragte sich, wieso dieser junge Mann vor ihm so anscheinend gar keine Ahnung von Frauen hatte. Immerhin war er schon über zwanzig und selbst wenn er Puritaner war, war das doch kein Grund, keine Erfahrungen zu sammeln.
Doch Mordaunt, der es nun eilig hatte, aus diesem Haus hinauszukommen, in dem er eine Stunde in schamvoller Pein verbracht hatte, bei dieser für ihn so ungewohnten Tätigkeit und den Übungen mit de Wardes, verabschiedete sich nun rasch, richtete Grüße an de Wardes père aus und versicherte zum wiederholten Male, dass er kommen werde. Zu Hause wartete Anne auf ihn, die inzwischen verwunden hatte, dass er sie wortlos hinausgeschickt hatte. Er weigerte sich allerdings, auf ihre Fragen zu antworten, was er mit de Wardes so dringendes zu tun gehabt hatte und es durchzogen allerlei wirre Überlegungen durch ihren Kopf, während sie überlegte, was der Graf mit ihm angestellt hatte. Doch nichts in der Welt hätte Mordaunt dazu gebracht, zuzugeben, dass er bei de Wardes Tanzstunden genommen hatte und er nahm sich fest vor, bei de Wardes sich nicht auf so lächerliche Art und Weise zu blamieren.

Am Tag, nachdem d'Artagnan Athos zum ersten Mal nach zwanzig Jahren wiedergesehen hatte, gingen die beiden Männer zusammen zum Palais Royale. D'Artagnan hatte bei seinem Freund und ehemaligen Waffengefährten übernachtet und beim Frühstück hatte der Graf den Wunsch geäußert, noch einmal das Palais wieder zu sehen und vielleicht noch alte Kameraden, die er von früer kannte, wieder zu treffen.

„In diesem einen Punkt", meinte d'Artagnan auf dem Weg zum Hôtel Tréville, „, werdet Ihr wohl enttäuscht werden, alte Kameraden werdet Ihr dort vergeblich suchen. Die meisten haben abgedankt oder sind in den letzten Kämpfen gegen die Fronde gefallen."

„Sind die Bürger sehr unruhig?", erkundigte sich de La Fère.
„Zurzeit nicht, sie lassen sich von den Versprechungen Seiner Eminenz hinhalten, doch das wird nicht mehr lange andauern, dann wird Paris überkochen und der Pöbel wird Mazarin aus seinem Palais zerren und ihn an den Pranger stellen."

„Ihr klingt nicht so, als würdet Ihr das bedauern."

„Das müsst ausgrechnet Ihr sagen. Wer ist denn dagegen, dass ich Mazarin diene und mir einiges von ihm erhoffe? Ich werde zu verhindern wissen, dass das Volk an ihn herankommt."

„Aber weiß Mazarin das auch?"

„Ich hoffe doch." Sie waren nun am Palais angelangt und schritten durch das Haupttor. De La Fère wurde als des Leutnants Begleiter nicht untersucht, andere hingegen, die ihnen nachfolgten, mussten verschiedene Konotrollen über sich ergehen lassen. Es gab nur wenige, die sich widersetzten, jeder wusste, dass man einem Musketier nicht widersprach, besonders nicht, wenn er noch einen Kameraden zur Seite hatte, der drohend mit dem Degen klirrte. Der Vorhof des Palais war wie üblich stark belebt, da gab es natürlich Musketiere, die zu zweit oder in Grüppchen umherzogen oder ihre Fechtübungen abhielten, Adlige, die sich an den Soldaten vorbeidrängten, weil sie in das Palais mussten, Kutschen rollten durch das Tor hinein oder verließen den Hof wieder und überall gab es Lakaien, die mit fliegenden Rockschößen umhereilten, um wichtige Botschaften zu übermitteln.
„Hier hat sich nichts verändert", meinte de La Fère und sah sich um.
„Die gleiche Hast wie früher, die gleichen Gesichter. Nur die Menschen haben sich verändert."

„Oh, es hat sich vieles verändert. Unter dem großen Kardinal liefen die Leute anders als heute", widersprach d'Artagnan.

„Ihr meint, gezwungener, furchtsamer? Mag sein, unter Richelieu lebte man anders und dennoch, wenn ich aussuchen könnte, ob ich lieber unter Richelieu oder Mazarin Musketier bin, bräuchte ich nicht lange nachzudenken."

„Ihr wünscht Euch Richelieu zurück?", klang von hinten plötzlich eine spöttische Stimme und de La Fére sowie d'Artagnan wandten sich um. Zwei Männer näherten sich ihnen. Der eine war der Graf de Wardes, den d'Artagnan und de La Fère kannten, der andere war dessen Vetter, der Graf de Rochefort, den weder d'Artagnan noch der Graf de La Fère sofort erkannten.

Früher die ärgsten Feinde, hatten sich d'Artagnan und Rochefort, der ein Agent Richelieus gewesen war, auf dessen Befehl hin anfreunden müssen und als sich Athos, Porthos, Aramis und d'Artagnan getrennt hatten, blieb Rochefort einer der Wenigen, mit dem d'Artagnann noch so etwas wie Freundschaft verbunden hatte. Doch Rochefort war irgendwann verschwunden und lange nicht mehr aufgetaucht, es war das Gerücht umgegangen, dass der gefürchtete Spitzel Seiner Eminenz im Gefängnis saß. Daher war d'Artagnans Überraschung angesichts des Grafen sehr groß, was diesem ein dünnes Lächeln auf die Lippen trieb.
„Was ist, Monsieur le Lieutenant, ein wenig mehr Freude, oder gönnt Ihr mir dieses Wiedersehen nicht?"

Vielleicht war es nicht unbedingt Rocheforts plötzliches Auftauchen, was d'Artagnan so fassungslos machte, vielmehr erstaunte ihn des Grafen Aussehen… Rochefort war früher ein großer, schwarzhaariger Edelmann mit stechendem Blick und braungebrannter Haut gewesen. Nun waren seine Haare weiß, der Bart ebenso und die Haut war fast durchsichtig. Nur der Blick aus den schwarzen Augen war derselbe geblieben, und die Bewegungen sprachen immer noch für den unbedingten Edelmann. Doch nun war der Graf alt geworden, er war fast sechzig Jahre und die Zeit im Gefängnis hatte einen anderen Menschen aus ihm gemacht. Mechanisch begrüßte d'Artagnan ihn und konnte kaum glauben, was aus seinem alten Feind geworden war.
„Nehmt es nicht so tragisch", sagte Rochefort heiser, dem d'Artagnans Gemütsbewegung selbstverständlich nicht entging. „Ich hoffe, Monsieur, Ihr seid mir nicht böse, weil ich Euch nicht geschrieben habe, aber die Wachen im Gefängnis waren nicht so freundlich, mir Feder und Papier zu geben… Seht mich nicht so an, es ist doch das Wichtigste, dass ich lebe."

„Es ist doch verständlich, lieber Vetter, dass Monsieur d'Artagnan im ersten Augenblick fassungslos ist", mischte sich de Wardes ein und begrüßte unterdessen d'Artagnan und den Grafen de La Fère.
„Natürlich ist es das. Oh, Monseiur de La Fère, was für eine unerwartete Begegnung!", Rochefort reichte dem Grafen die Hand, „Ich hätte tatsächlich nie im Leben geglaubt, dass ich Euch noch einmal wieder sehen werde."

Der Graf, der sich wesentlich schneller als d'Artagnan gefasst hatte, begrüßte Rochefort und sie begannen sich über die jüngsten Vorkommnisse in der Stadt zu unterhalten. Es waren wieder zwei angesehene Bürger verschwunden, die offen mit dem Widerstand in der Stadt freundschaftliche Bande gepflegt hatten. Doch schon nach kurzer Zeit zog der Graf de Rochefort, der wie üblich in der tadellosen Kleidung eines Edelmannes steckte, wenn auch das dunkelblaue, geschmückte Wams nicht verbergen konnte, dass er abgemagert war, eine Taschenuhr hervor und sagte, nachdem er einen Blick darauf geworfen hatte:
„Messieurs, ich habe mich sehr gefreut, Euch wieder zu sehen, doch es ist mir nicht vergönnt, weiter mit Euch zu plaudern. Vielleicht trifft man sich ja wieder."

„Die Herren könnten zu dem Empfang kommen, den mein Sohn in wenigen Tagen geben möchte", schaltete sich de Wardes ein.
„Oh", sagte d'Artagnan, der endlich seine Sprache wieder gefunden zu haben schien. „Der Graf de La Fère und ich würden uns sehr freuen, wenn wir Euch bei dem Empfang begegnen werden. Euer Sohn, Monsieur, hat mich bereits eingeladen. Ihr, Graf", wandte er sich an de La Fère, „kommt doch gewiss auch?"

„Oh, mein Sohn würde sich freuen!", versicherte de Wardes rasch. Zögernd blickte de La Fère, der schon lange nicht mehr bei einer solchen Gelegenheit zugegen gewesen war, seinen Freund an.

„Was spricht denn dagegen, Graf, besinnt Euch nicht lange!", drängte d'Artagnan. „Es wäre doch schön, wenn wir alte Bekannte treffen. Und Ihr könntet doch Raoul mitbringen. Er würde diesen Empfang sicher genießen." Solcherart bedrängt, zögerte der Graf nicht allzulange und schließlich nickte er. De Wardes war begeistert und erinnerte so mehr denn je an seinen Sohn.
„Ich werde meinem Sohn ausrichten, dass Ihr fest zusagt und noch einige Freunde mitbringt."

„Dann ist eine Wiederbegegnung ja sehr wahrscheinlich", meinte Rochefort, der sich bis aus der Unterhaltung herausgehalten hatte, tippte sich an den Hut und verließ mit raschen Schritten das Palais. Einigermaßen unangenehm und überrascht berührt sahen die Herren ihm hinterher.

„Mein Vetter", entschuldigte sich de Wardes, „hat fünf Jahre im Gefängnis gesessen, und er war heute bei Seiner Eminenz. Bitte nehm ihm nicht übel, dass er Euch vielleicht nicht mit der ihm sonst eigenen Höflichkeit begrüßt hat. Ich denke, er wird bei dem Empfang meines Sohnes anwesend sein, wenn er auch sehr beschäftigt ist und dort hat er sicherlich mehr Zeit."

„Ihr sagtet, er wäre heute bei Seiner Eminenz gewesen?"

„Er wollte einiges geklärt haben, weil er im Gefängnis gesessen hat, außerdem wollte Seine Eminenz ihn so einsetzen, wie Richelieu ihn eingesetzt hat, dann aber hat er mitbekommen, dass mein Vetter nicht mehr der Jüngste ist. Auf jeden Fall ist der Graf wutschnaubend aus dem Empfangszimmer hinausgekommen und meinte etwas wie, er wäre zwar nicht mehr zwanzig, aber Seine Eminenz solle sich ja in Acht nehmen. Ich habe vorsichtshalber so getan, als hätte ich nichts gehört."

„Das ist seltsam", fand de La Fère, „es hört sich an wie eine Drohung. Ihr sagtet doch, Euer Vetter wäre sehr beschäftigt?" „Ja, das ist er, aber ich weiß nichts genaues, er bringt sich den Leuten in Erinnerung, dass er noch lebt, nichts weiter. Er tut auf jeden Fall nichts, was ich nicht begrüße.Und nun entschuldigt Ihr mich bitte, ich habe noch zu tun." Mit diesen Worten verabschiedete sich der Graf und schloss zu einer Gruppe Damen auf, die ihn alle mit erfreutem Lachen begrüßten und ihm Vorwürfe machten, dass er nicht sofort zu ihnen gekommen war.

D'Artagnan und de La Fère wussten nicht recht, was sie von dem Ganzen halten sollten.
„Die ganze Sippschaft scheint verrückt geworden zu sein", fasste der Graf das Gespräch von eben zusammen. „Keiner will sagen, was er gerade macht, jeder hat ständig etwas zu tun, wenn man danach fragt, was einer gerade unternimmt."

„Man muss bedenken, was der Graf hinter sich hat. Fünf Jahre lang die Bastille, das war gewiss kein Zuckerschlecken.
Nun, wir werden ihn bei de Wardes sehen, vielleicht ergeben sich dort tatsächlich mehr Möglichkeiten, sich mit ihm zu unterhalten. Ihr werdet doch auch kommen?"

„Natürlich, wie könnte ich das verpassen. Und für Raoul ist es sicher auch gut, wenn er unter Leute kommt und vielleicht sogar Bekannschtaften macht."

„Frauenbekanntschaften?", fragte d'Artagnan mit einem gewissen, bei ihm seltenenen, zweideutigen Tonfall. Im Gesicht des Grafen zuckte es, sonst blieb er ruhig.
„Ginge es nach meinem Sohn, hate er die Liebe seines Lebens schon gefunden." D'Artagnan war so überrasscht, dass er sich ein Lachen nicht verbeißen konnte.
„Tatsächlich? Wer ist die Schöne?"

„Die Tochter eines Gutsnachbarn, unweit von La Fère. Sie ist ein reizendes, kleines Mädchen."

„Ihr sprecht von ihr wie von einer Fünfjährigen."

„Sie ist auch erst sieben Jahre alt." Die Heiterkeit drohte wieder bei d'Artagnan hervorzubrechen und rasch fragte er:
„Und ist diese Liebe wenigstens glücklich? Oder hat die kleine Demoiselle ihr Herz noch nicht entdeckt?"

„Natürlich nicht", antwortete de La Fère etwas gereizt und gestand dann:
„Ich schätze die kleine Louise nicht allzusehr, aber Raoul hängt an ihr. Vielleicht lernt er hier in Paris eine andere Frau kennen."

„Eine, die Eure Gnade findet, Monsieur? Ich glaube, dann wird Euer Raoul immer Junggeselle bleiben, wenn es eine Frau sein soll, die Euren Segen bekommt."

„D'Artagnan", entgegnete der Graf mit einem leisen Tadel, „Man merkt, dass Ihr schon sehr lange Soldat seid." Glücklicherweise kam in diesem Moment ein Musketier, der mit einer Frage an seinen Leutnant herantrat und ihn so einer Antwort enthob.
Die beiden Freunde verabschiedeten sich, obwohl ein leiser Missklang in ihnen war, den sie aber bald vergaßen. D'Artagnan arbeitete und de La Fère bereitete Raoul darauf vor, dass dieser ihn bald zu einem Empfang begleiten dürfe. Natürlich sagte Raoul zu, war es das erste Mal für ihn, das er zu einem so großen Empfang gehen sollte. In La Fère war immer nur eine kleine Anzahl von Gästen gewesen, die er alle gekannt hatte. Nun, da er etwas Neues kennen lernen sollte, freute er sich sehr darauf.

Das Verhältnis zwischen Mordaunt und Anne blieb nach dem Besuch des Grafen de Wardes einige Tage lang angespannt, was größtenteils von Anne ausging und Mordaunt verwunderte, da ihm kein Fehler seinerseits bewusst war. Anne hingegen war gereizt, weil Mordaunt, wie sie fand, Geheimnisse mit dem Grafen de Wardes hatte. Sie fühlte sich ausgeschlossen, doch nach einigen Tagen legte sich das wieder und sie zeigte ihm eine ruhige Miene. Doch sie war fest entschlossen, Mordaunt nicht mehr nur das machen zu lassen, was dieser wollte.
An dem Abend vor der Gesellschaft ging sie noch einmal herüber zu Mordaunt.
„John? Kann ich reinkommen?" Anne klopfte an die Zimmertür ihres Pflegebruders. Gleich darauf erklangen drinnen Schritte und ein Schlüssel drehte sich im Schloss. Mordaunt stand vor ihr, in Hemd und Hose, offensichtlich hatte er gerade zu Bett gehen wollen.

„Was ist denn?"

„Es geht noch einmal um morgen Abend."

„Hm. Komm rein." Er trat zur Seite und ließ sie auf seinem Bett Platz nehmen, während er sich mit dem Stuhl am Fenster vor dem Tisch begnügte.

„Ich wollte wissen, warum genau wir dort hinmüssen."

„Du willst doch nicht etwa im letzten Moment davon ablassen?", fragte Mordaunt entsetzt.
„Nein, natürlich nicht. Ich möchte nur wissen, worauf ich achten soll."

„Ich muss dorthin, weil der Graf de Wardes dort ist, der mir alles Wissenswerte über meine Mutter und deren Mörder mitteilen wird."

„Und was werde ich inzwischen tun?"

„Du wirst dich von de Wardes fils allerlei Leuten vorstellen lassen, lächeln, plaudern, freundlich sein und aufmerksam auf alles hören, was für uns oder für England irgendwie von Wichtigkeit sein könnte."

„Kurz gesagt ich werde das tun, was gewöhnlich du bei deinen Aufträgen tust."

„So ist es. Aber Anne, ich bitte dich, es ist nur dieses eine Mal, ich versichere es dir und ich werde auf immer in deiner Schuld stehen. Aber es ist so wichtig."

„Und wenn man mich nach dir fragt, was durchaus vorkommen kann, wieviel soll ich dann erzählen?"

„Das, was du schon immer erzählt hast, dass ich dein Pflegebruder bin, weil meine Mutter auf tragische Weise ums Leben gekommen ist."

„Sollte ich etwas von Wichtigkeit, was deine Mutter betrifft, erfahren, teile ich es dir natürlich sofort mit. Aber ich stelle eine Bedingung."

„Und die wäre?"

„Sollte de Wardes fils mich länger eine Viertelstunde in Beschlag nehmen, kommst du, rettest mich und setzt dich ihm selbst aus."

„Einverstanden."

„Danke. Was ist eigentlich mit Seiner Eminenz? Hat er sich denn gemeldet?"

„Habe ich dir das noch nicht erzählt? Ich war doch bei ihm, er hat mich rufen lassen." Mordaunt klang, als wolle er nicht davon reden.
„Wann war das?"

„Vor einigen Tagen… Als der Graf hier war…."

„Da hattest du bestimmt keine Zeit, mir das zu erzählen, weil du ja mit dem Grafen fort musstest." Anne klang etwas spitz.
„Wahrscheinlich", erwiderte Mordaunt gleichgültig, der für solche Feinheiten wie den Stimmungsänderungen einer Frau kein Gespür hatte. „Dieser Bote hat mir mitgeteilt, dass ich mich umgehend zu Seiner Eminenz verfügen soll, was ich natürlich getan habe. Die Antwort für den General ist hier." Er wedelte mit einem Brief, der auf dem Tisch lag, herum. Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte Anne ihn an.
„Der Brief ist schon da? Du meinst, eigentlich könnten wir schon längst Paris schon hinter uns gelassen haben?"

Mordaunt, der sie gut genug kannte, um zu wissen, was sie sie genau wollte, setzte sich zu ihr aufs Bett und nahm ihre Hand „Anne, der General hat mir erlaubt, nach meiner Mutter zu forschen, ich muss zu diesem Empfang! Ich werde dort vielleicht alles erfahren, der General wird es verkraften, dass wir nicht sofort zu ihm zurückgefahren sind."

„Verkraften? John, ich kenne ihn seit Jahren, er wird sehr wütend sein, die Pflichterfüllung ist das Wichtigste für ihn! Ich denke nicht, dass es eine gute Idee ist, nur wegen dieser Geschichte dazubleiben. Wir sollten in zwei Wochen zurück sein, John, du darfst deinen Auftrag nicht vergessen!" Anne war immer lauter geworden und hielt nun inne.
Angespannt blickte sie Mordaunt an, der finster und mit zusammengezogenen Brauen auf dem Bett saß, ihre Hand bereits bei ihren ersten Worten losgelassen hatte und nun schwieg. Eine Weile herrschte Stille zwischen den beiden jungen Menschen. Siedehnte sich ausund wurde unangenehm.

„Sag was!", drängte Anne schließlich, es machte ihr Angst, wie Mordaunt so stumm dasaß. „Bitte sag was." Mordaunt biss sich auf die Lippen und atmete tief auf.
„Anne, wir werden abfahren. In zwei Tagen; ich verspreche es dir. Bist du nun zufrieden? Ich denke, die zwei Tage werden ausreichen, wenn ich etwas zu Ende führen muss. Es kommt drauf an, was ich von de Wardes erfahre, aber in zwei Tagen werden wir Paris hinter uns gelassen haben. Bist du zufrieden?"

„Oh John, ich danke dir." Sie umarmte ihn überglücklich. Einen Augenblick war sie tatsächlich unsicher gewesen, ihr Pflegebruder hatte wie ein Fremder vor ihr gesessen. Wieder musste sie an die Worte des Generals denken. „Hütet Euch, Euren Einfluss über ihn zu verlieren…" Sie musste aufpassen, mit dem, was sie sagte, Mordaunt war kompliziert und verschlossen und wenn er an ihr zweifelte… Sie mochte nicht daran denken. Mordaunt hingegen war über ihre plötzliche Nähe erstaunt und unwillkürlich erinnerte er sich an de Wardes' Worte: „Eure Verlobte?" Das sagte sich so einfach, Verlobte. Sie war seine Anne, so war das, ganz einfach. Seine Anne ließ nun von ihm ab, wünschte ihm noch eine gute Nacht und verschwand in ihrem Zimmer. Er bereute es bereits, ihr dieses Versprechen gegeben zu haben. Zwei Tage waren zu kurz, da war er sich sicher und er mochte nicht mit einer halbvollendeten Rache zurück nach England reisen. Er musste zusehen, dass er so schnell wie möglich alles erfuhr, was mit dem Tode seiner Mutter in Zusammenhang stand.