~*~Laurie lantar lassi súrinen~*~

[Wie Gold fallen die Blätter im Wind]

***

Das Fest des Prinzen

Mit einem triumphierenden Lächeln auf den Lippen, sah sich Adamantiel in der kleinen Gefängniszelle um. Nichts und niemand konnte ihr ihre geliebte Freiheit rauben und schon gar kein Elb, der noch grün hinter den Ohren war und sei er auch mehr als 10 000 Jahre alt!

Die Stücke des Seils, das sie mit einer Eisenfeder des Bettes durchtrennt hatte, fielen unbeachtet zu Boden und warfen zuckende Schatten im Lichte der Fackel, welche gierig an den Kerkerwänden leckte.

Sie hatte die Fesseln selbst durchtrennt. Es war ein Leichtes für die kleine Zwergin gewesen, schließlich erhielt jeder Angehörige ihres Volkes eine spezielle Ausbildung. Viele Jahre hatte sie, wie alle anderen Kinder in eine Schule gehen müssen, in der ihnen die erfahrensten Zwerge die Kniffe und Handgriffe vorgeführt hatten, mit denen man sich aus jeder noch so aussichtslosen Situation befreien konnte. Schließlich konnte es schnell einmal geschehen, dass ein überraschender Steinschlag den Ausgang einer Höhle versperrte und man jämmerlich zugrunde gehen würde, würde man in seiner Panik nur vergeblich schreien, wobei die Hilferufe eh niemand vernommen hätte.

Nun hieß es also nur noch, sich aus diesem Loch zu befreien und das konnte nicht allzu schwierig sein. Ein teuflisches Lächeln wechselte sich mit dem Spiel der Flammen der Fackel ab und hinterließ etwas gespenstisches auf ihren Zügen. Dieser Elb hatte sie nicht umsonst eingesperrt.

In einer geschmeidigen Bewegung überbrückte das Mädchen die Entfernung zur Fackel und nahm sie aus ihrer Halterung. Kaum hielt sie die Lichtquelle in ihren Händen, trat sie an das alte Bett heran und beugte sich hinunter um dessen Innenausstattung noch etwas genauer zu mustern. Eine verrostet, leicht zerbrechende Eisenfeder konnte sie für ihr jetziges Vorhaben nicht gebrauchen. Wenn sie Glück hatte, fand sich etwas Stabileres. Und sie wurde nicht enttäuscht. Da war eine Feder, die noch nicht gänzlich vom Rost aufgefressen worden war. Lächelnd streckte sie eine Hand danach aus und brach das gute Stück mit geringer Mühe heraus. Wäre sie nun eine Elbin gewesen, hätte sie sicher zu Eru gesprochen und ihm gedankt, dass er ihr geholfen hatte...... Mit einer ruckartigen Bewegung und einem grimmigen Gesichtszug, dreht sie sich um und schritt auf die verschlossene Tür zu, um sich am Schloss zu schaffen zu machen. Den einen Arm steckte sie so weit durch die Gitterstäbe, dass sie leicht an das Schlüsselloch herankommen konnte. Mit dem anderen Arm hielt sie sich die störenden Haare aus dem Gesicht.

Ein leises Klacken belohnte sie für ihre Mühen und ließ sie erleichtert aufatmen. ......aber zum Glück war sie ja keine Elbin. Die wären sicherlich zu dumm für so ein simples Schloss gewesen und hätten sich jammernd um ihre Freiheit die Augen ausgeheult.

Bevor sie jedoch die eiserne Tür öffnete, klopfte sie sich noch den Staub von den Gewändern und strich ihre Haare zurecht. Schließlich wollte sie um jeden Preis verhindern, dass ihr Vater etwas von ihren kleinen Problemen bemerkte. Er würde sicherlich nicht wütend auf die Elben sein, sondern sie zudem noch beglückwünschen. Ein lautloser Seufzer entwich ihrer Kehle, als sie an die Schadenfreude ihres Vaters dachte. Gut, man konnte es ihm nicht verdenken. Immerhin hatte sie ihn, als sie ungefähr 67 Jahre alt war, auf der Toilette eingeschlossen. Dummerweise ließ sich die Tür auch nur von außen verriegeln. Und da sie nicht bemerkt hatte, dass er noch immer sein Geschäft erledigte, hatte sie, schlaftrunken wie Adamantiel nachts immer war, die Tür von außen verriegelt, sodass der arme Kerl geschlagene 7 Stunden bis zum Morgengrauen ausharren musste, ehe die Mutter kam, um ihn heraus zu holen. Seitdem nahm er jede Gelegenheit wahr, um auch sie einmal irgendwo einzusperren. Aber diese Genugtuung wollte sie ihm nicht geben.

Schnell und dennoch lautlos huschte sie die dunklen feuchten Gänge entlang. Es war nicht schwer wieder hinaus zu finden. Die Höhlen waren ihr zuhause und sie wusste, woran man erkannte, wo der Ausgang lag. Und wie immer ließ sie ihr Gespür nicht im Stich. Bereits 5 Minuten später drang das Tageslicht den Gang entlang und wies ihr den Weg. Nun verlangsamte sich auch ihr Schritt und sie trat so würdevoll wie nur möglich aus der hohen Tür. Zum Glück jedoch, wurde sie von keinerlei Elben bemerkt, sodass sie sich unerkannt unter die Menge mischen konnte.

Doch wohin sollte sie sich wenden? Und vor allem: An wen? Wer half ihr schon weiter? Überall hörte sie nur fremde Worte, dessen Sinn sie nicht wahrnehmen konnte. Und dann klang es auch noch so, als würden alle auf einmal ein ganz anderes Lied singen. Gut zugegeben, die Sprache war schon nicht schlecht und die Ausdrucksweise bei weitem nicht so hart wie die der Zwerge, aber wer brauchte das schon? Diese Sprache war nur eine Verschönerung der sonst rauen Welt und verschwieg die grausamen Wahrheiten. Adamantiel vermutete, dass selbst der wüsteste Fluch in elbischer Sprache noch wie ein Singen klingen musste. So, als würde man sich den Hintern mit der feinsten Seide der Zwerge abwischen. Aber dazu mussten diese Elben erst einmal fluchen können! Und das bezweifelte die kleine Zwergin ernsthaft. Aber sie würde es schon noch irgendwie herausfinden und ihr fiel auch schon auf Anhieb ein passendes Opfer ein. Oh ja! Sie würde diesen Grünschnabel reizen, bis er anfing in den schönsten Tönen zu fluchen.

Ihre Augen blitzten bei diesen angenehmen Gedanken rachsüchtig auf. Immer mehr verlor sie sich in Racheplänen, die diesen Elben zur Weißglut treiben sollten, sodass sie erst ihren Namen erst hörte, als er schon im ganzen Wald als Echo erschallte und alle Elben sich nach dem Urheber umdrehten.

„ADAMANTIEL!!!!!!!!!!" Nun hörte sie es auch und fuhr überrascht über diese vertraute Stimme herum. Als die anderen erkannten, wer die Angesprochene war, drehten sie sich flüsternd nach ihr um. Schließlich wurde nur wegen ihr die Ruhe des Waldes gestört. Doch das junge Mädchen schien sich gar nicht daran zu stören und lief freudig auf einen kleinen untersetzten Mann zu, der aber im Gegensatz zu ihr sehr wütend zu sein schien.

„Vater! Wie bin ich froh, dich zu sehen", rief sie erfreut und rannte auf ihn zu. Doch der alte Zwerg verschränkte sauer seine kurzen Arme vor dem großen Bauch und sah streng zu ihr auf. Mit ausgebreiteten Armen sah das Mädchen so aus, als wollte sie den Mann umarmen, doch kurz vor ihm stoppte sie und tätschelte mehr provozierend als besänftigend seine kahle Stelle. Diese Geste schien schließlich das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben, denn der Kopf des Zwerges glich nun der Farbe seines Bartes.

„ADAMANTIEL! Hör auf, auf meinem Kopf herumzuklopfen! Was denkst du, woher der Haarausfall kommt, Kind", wetterte er los und schien kaum zu halten zu sein. Adamantiel lächelte peinlich berührt zu ihm hinab.

„Vater musst du denn so schreien? Die Leute gucken ja schon", wollte sie ihn beruhigen doch eigentlich hätte sie wissen müssen, dass sie da bei ihm auf Granit stieß.

„Was interessieren mich die Elben!? Ich kann schreien wie ich will!" Diese Ansicht teilte seine Tochter allerdings nicht. Unter normalen Umständen hätte sie nichts dagegen gehabt, dass sich der Vater so benahm, doch es herrschten keine normalen Umstände. Der Kerl und sein Freund konnten noch nicht weit sein und der Hauptmann ebenso wenig. Also war es gut denkbar, dass sie jeden Moment um die Ecke geschossen kamen, um sie abermals in eines dieser Löcher zu sperren. Dieser Gedanke lag nahe, da der Vater ihren Namen laut genug immer wieder gebrüllt hatte, sodass auch der taube Gluri, der älteste Zwerg des Einsamen Berges, gehört hätte und das ohne Mühen.

„Da sitze ich an diesem verflucht ruhig plätschernden Bach und warte treuherzig, dass meine Tochter zurückkommt um mir den Weg zu zeigen. Da raschelt es im Gebüsch und statt dir stehen da 3 Elben, die mich freundlichst bitten, ihnen in die Stadt zu folgen! Nun komme ich hier an, bin auf dem Weg im Palast und muss sehen, dass du vor mir auf der Straße läufst, ohne anscheinend an deinen armen Vater zu denken! Ich brülle mir fast die gute Seele aus dem Leib, während du nicht mal Anstalten machst, dich umzudrehen. Seit wann hörst du nur so schlecht!?" Einige Umstehenden begannen aufgrund der Auseinandersetzung belustigt zu kichern.

Adamantiel hatte wahrlich Mühe, sich das Kichern zu verkneifen. Doch es war besser für ihre Ohren, lieber ernst dazustehen und so zu tun, als nehme sie die Worte des kleinen Mannes gewissenhaft in sich auf. Sie wollte ihn nicht noch mehr reizen.

„Seit ich in Lórien bin, Vater und nun lass uns gehen", bat das Mädchen eindringlich. Sie hatte diesen Elben namens Haldir unter den Leuten entdeckt und wollte um jeden Preis verhindern, dass er sie sah. Der kleine Mann tat ihr zwar den Gefallen ihr zu folgen, jedoch das nur sehr widerwillig. Unter stetigem Gemecker und unaufhörlichen Beschwerden ließ er sich um die nächste Ecke ziehen, ehe ihm etwas ungewöhnliches an Adamantiel ins Auge stach. Sofort sträubte er sich gegen weitere Fortbewegung und blieb vehement stehen.

„Wo hast du denn deinen Bogen gelassen, mein Kind? Ich dachte er ist dein ständiger Begleiter", fragte er und das Grinsen war sogar noch durch den buschigen Bart zu sehen. Genervt rollte die junge Zwergin mit den Augen und zog ihren Vater weiter. Diese Frage hatte früher oder später kommen müssen. Aber im Moment wäre es ihr später lieber gewesen.

„Ist verloren gegangen", murrte sie unwillig und beide verschwanden hinter der nächsten Ecke. Dieser Elb sollte sie nicht noch einmal verhaften.

„Wie ist denn das passiert", fragte er theatralisch und sah seine Tochter bedauernd an, doch diese wusste nur allzu gut, dass er im Innersten voller Schadenfreude war.

„Ich habe eben nicht aufgepasst und jetzt sag mir, wo wir unsere Zimmer haben!" Ihre Stimme war ein einziger langgezogener Seufzer, der ihren Unwillen auf ein solches Gespräch demonstrierte, doch den alten Zwerg schien diese Tatsache nicht im Geringsten zu interessieren.

„Aber du hütest ihn doch sonst wie deinen eigenen Augapfel", führte er abermals an. Er wusste, dass ihr dieses Gespräch zutiefst peinlich war.

„Es ist nur ein Stück Holz und ich finde ihn wieder, verlass dich drauf Alterchen und nun rück mit der Sprache raus! Wo. Müssen. Wir. Hin?" Die Worte Alterchen und der fordernde Ton waren gezielt gewählt, denn nur so konnte man ihn vom Thema ablenken.

„ALTERCHEN? Alterchen???! ICH und ALT??" Die Stimme des alten Zwerges donnerte abermals durch die Straßen der lórischen Hauptstadt und ließen Adamantiel unangenehm zusammenfahren.

„Ja. Aber ich nehme alles zurück, wenn du sagst, wohin wir gehen müssen." Der Zwerg schien kurz zu überlegen und offensichtlich rang er mit sich. Erpressen wollte er sich auf keinen Fall lassen, doch er kannte Adamantiel gut genug um zu wissen, dass sie die Anspielung auf sein Alter nur zurück nahm, wenn er tat, was sie ihn gefragt hatte. Und gerade sein Alter schaffte einen wunden Punkt in seiner Ehre und seinem Stolz. Rasch sah er sich um, bis er einen Elb erkannte, der offenbar ein Diener der Herrin Galadriel war und trat auf ihn zu. Doch zuvor richtete er noch einmal das Wort an seine Tochter.

„Und du nimmst es garantiert zurück", fragte er zweifelnd, doch als Adamantiel nickte, stand für ihn fest, dass seine Ehre wieder gerettet war. Versprechen hielt sie wenigstens, wie durchtrieben sie auch sonst sein mochte. Entschlossen wandte er das Wort an den Elben und fragte ihn höflich nach dem Weg.

„Verzeihung. Wo geht es zu den Schlafgemächern der Gäste des Prinzen", brummte er in einem so freundlichen Ton, wie es eben mit seiner tiefen Stimme ging. Der groß gewachsene Elb schien sofort zu wissen, wonach der Zwerg verlangte.

„Wen, darf ich fragen, soll ich in sein Zimmer geleiten", fragte das junge Spitzohr höflich nach. Adamantiel beäugte ihn dennoch kritisch. Diese Geschöpfe waren ihr nicht ganz geheuer und außerdem überhaupt nicht höflich. Aber es schien auch Ausnahmen zu geben. Sie lauschte, wie ihr Vater seinen Namen nannte und der langhaarige Zottelkopf daraufhin vornehm nickte.

„Folgt mir. Ich werde Euch führen." Diese Worte äffte Adamantiel in Gedanken immer wieder nach. ‚Folgt mir. Ich werde Euch führen' So geschwollen sprach doch kein Ork! Also was sollte dieses ganze Höflichkeitsgetue? Gut, vielleicht hatte ihr Vater etwas in ihrer Erziehung falsch gemacht, aber wen störte das schon? Außer den Elben eigentlich niemanden. So folgte sie, immer noch amüsiert über die Worte des Lórischen durch die hellen freundlichen Straßen bis hin zum Palast.

***

Haldir von Lórien hatte sich glücklicherweise wieder von dem gezielten Tritt der jungen Adamantiel erholt und kämpfte sich nun durch die Menge der vielen Elben. Eigentlich hatte er nachsehen sollen, wie es der kleinen Zwergin erging – er hoffte aufrichtig, dass es ihr schlecht ging, denn der Tritt hatte wahrlich gesessen und sie ihn vor versammeltem Publikum blamiert – aber ein stetiges Rufen ließ ihn eine andere Richtung einschlagen. Und desto näher er dem Ursprung dieser Rufe kam, desto deutlicher wurde das, was er zuvor nur erahnt hatte, nämlich der Name dieses frechen Mädchens.

„ADAMANTIEL!!!" Haldir sah sich erneut um. Kein Zweifel, irgendwer rief nach diesem kleinen Gör, aber konnte das möglich sein? So wie man ihn informiert hatte, müsste sie weit unten in den Tunneln unter der Stadt in einer kleinen Zelle sitzen. Zumindest hatten Legolas und Sémersion dies behauptet und ihm anschließend die Verantwortung über sie übertragen, da sich der Prinz schnellsten in seine Gemächer zurückziehen musste, um seine Rede einzustudieren und sich festlich anzukleiden.

Haldir wartete schon direkt auf einen erneuten Ruf, der ihm den genauen Standort des Suchers verraten konnte, doch nichts dergleichen war zu vernehmen. Schon wollte sich der Grenzwächter enttäuscht abwenden, als abermals eine überlaute Stimme zu hören war. Diesmal war es jedoch kein Rufen sondern eher eine saftige Standpauke. Sofort setzte sich der Elb in Bewegung, um in die Richtung vorzudringen, in der das Spektakel stattfand. Nicht auszudenken, wenn Adamantiel tatsächlich frei herum lief! Die Wachen Lóriens würden für unzuverlässig und die untergründigen Gefängnisse für nutzlos erklärt werden, was eigentlich keineswegs der Fall war.

Mit einem schlechten Gewissen und unheimlicher Vorahnung durchbrach er auch den letzten Ring der gaffenden Zuschauer des Spektakels. Doch er war zu spät gekommen. Die, die er eigentlich erwartet hatte zu sehen, war nicht aufzufinden, geschweige denn eine Spur von ihr. Rasch wandte er sich an eine junge Elbin neben ihm und fragte sie um Rat.

„Verzeiht mir, Mylady", begann er vorsichtig, aber der nächste Moment lehrte ihn, dass er besser einen männlichen Elben hätte um Rat bitten müssen denn nun drehte sich die junge Frau nach ihm um und als sie den Hauptmann erkannt hatte, glänzten ihre Augen schwärmerisch.

„Hauptmann Haldir", entfuhr es ihr entzückt und ihre Wangen färbten sich schneller rot, als der Elb antworten konnte. Der verzückte Gesichtsausdruck seines Gegenübers, ließ Haldir jedoch nicht mehr so selbstbewusst antworten, wie es seine Absicht gewesen war.

„Also...war hier vorhin ein ehm...junges Mädchen mit ehm...langen blonden Haaren und einem...roten Seidentuch um den Kopf?" Die Nachfrage erfolgte eher stockend und stotternd als wirklich selbstbewusst doch das schien der jungen Elbe keineswegs etwas auszumachen, denn sie plapperte sofort fröhlich drauflos.

„Aber ja! Mit einem kleinen Zwerg. Seltsames Pärchen, sage ich Euch. So wie sie sich angeredet haben, waren es wohl Vater und Tochter. Aber dabei glich das Mädchen – ich glaube, der Zwerg rief sie Adamantiel – eher einer jungen Elbin. Eher gesagt habe ich mir Zwergesfrauen ...nun ja...haariger vorgestellt. Mit Bart, versteht Ihr?" Der Redeschwall dieses Wesens schien kein Ende haben zu wollen, aber wenigstens hatte Haldir die Informationen, die er benötigte. Also war sie doch entkommen! Und ihr Vater war auch dabei. Hatte er sie befreit? Anders war es kaum möglich.

„In welcher Richtung sind sie verschwunden", platzte es aus ihm heraus. Wie peinlich wäre es für einen Hauptmann, ein junges Mädchen entkommen zu lassen.

„Nun ja... ich bin mir nicht sicher. Ich habe es ehrlich gesagt nicht genau sehen können. Sie waren so schnell verschwunden und die Menge hat ihnen Deckung gegeben..." Noch ehe die Elbin weitersprechen konnte, legte ihr Haldir rasch einen Finger auf die Lippen, um sie zum Schweigen zu bringen.

„Nennt mir Euren Namen", forderte er höflich und ein Lächeln zierte seine Lippen. Die junge Frau schien völlig überrumpelt zu sein und dennoch wartete Haldir geduldig bis sie ihren Namen hervorgestottert hatte.

„Ma...Mallos [Goldene Blume] mein Herr", hauchte sie. Nie hätte sie sich erträumt je mit dem Hauptmann der Garde Galadriels zu sprechen. 

„Ein außergewöhnlich schöner Name, meine Dame. Nun erlaubt mir, Euch für Eure Dienste auf die Geburtstagsfeier des Prinzen zu laden. Ich bin sicher, Ihr werdet dieses Angebot nicht abschlagen wollen." Sie schüttelte verneinend den Kopf und starrte den Elben aus großen Kulleraugen an.

„Sagt den Wachen, Haldir hätte Euch eingeladen und gebt ihnen das. Damit werdet Ihr sicher Einlass finden." Mit diesen Worten überreichte er ihr einen kleinen Orden, den er von seinem Gewand abtrennte und in ihre Hände legte. Dann verschwand er hinter der nächsten Ecke, jedoch nicht, ohne ihr noch einmal zuzulächeln.

‚Du kleine Zwergin ich kriege dich! Auch wenn es die ganze Armee der Elben braucht, dich zu finden, aber ich kriege dich noch am heutigen Tage!', schwor sich Haldir und knirschte mit den Zähnen. Er würde alle Wachen Lóriens beauftragen nach ihr Ausschau zu halten. Schließlich war sie nicht zu verkennen in ihrem außergewöhnlichen Aufzug einer Frau.

***

„Ich kann das nicht! Ich kann das nicht! Ich kann das nicht", rief Legolas verzweifelt mit den Händen ringend und schritt in seinen Gemächern auf und ab. Sémersion, der in einem der weichen Sitzgelegenheiten saß, sah ihm amüsiert zu. Sie waren unbemerkt in das Gemach des Prinzen gekommen. Auch Thranduil hatte nichts von der langen Abwesenheit seines Sohnes erfahren und so hatten beide noch einmal Glück gehabt, auch wenn der Tag bis jetzt noch nicht so gut verlaufen war. Doch eine Frage beschäftigte den Freund des Prinzen schon seit sie dieses Zimmer betreten hatten, in dem Legolas nun unruhig auf und ab ging, um sich eine Rede herbeizuzaubern.

„Sag, Mellon. Warum hast du ihr nicht deinen wahren Namen offenbart", fragte Sémersion unvermittelt. Er wusste, dass er Legolas nicht unterbrach, da der Prinz selbst bestimmt die ganze Zeit über dieses Mädchen nachdachte. Wie erstarrt verharrte Legolas an der Stelle und drehte dann den Kopf elend langsam nach seinem Freund um.

„Ich meine...", setzte dieser wieder an und spielte mit einer Brosche, die sein Gewand zusammenhielt. Der fragende Blick des Freundes ruhte auf ihm.

„Hättest du dich ihr offenbart, hätte sie klein bei gegeben und wäre sicherlich nicht so beleidigend geworden", beendete er seine Gedanken. Legolas stand noch kurze Zeit im Raum, ehe auch er sich dazu durchrang, eine Sitzgelegenheit zu nutzen.

„Gerade das bezweifle ich mein Freund. Ich denke, wir hätten ihr noch einen Ball mehr zugespielt, hätte sie heraus bekommen, dass ich der Prinz persönlich bin." Legolas' Blick entfleuchte der Wirklichkeit und seine Gedanken verfingen sich in der Erinnerung an die dunklen Gänge des Gefängnisses. War es wirklich richtig gewesen, sie einzusperren?

„Sie sagte, sie sei ein Gast deiner Feier. Spätestens dann erfährt sie es", konterte Sémersion. Legolas nickte, doch dann bahnte sich ein Lächeln auf seine Lippen.

„Umso größer jedoch wird die Blamage sein, die sie sich einholt, wenn sie erfährt, wen sie da heruntergemacht hat." Das Kichern des adligen Elben glich einem Knaben, der gerade einen wunderbaren Streich ausgeheckt hatte und nur darauf wartete, ihn endlich auszuprobieren. Doch noch ehe Sémersion ihm zustimmen konnte, flog die Tür zu den Gemächern des Prinzen auf, woraufhin beide erschrocken aufsprangen und stramm dastanden wie Kinder, die man bei etwas Verbotenem ertappt hatte.

„Ich nahm wirklich nicht an, dass du fürwahr in deinen Gemächern bist, Legolas", stellte der eintretende Vater fest und näherte sich mit einem etwas erstauntem Gesichtsausdruck den beiden Freunden.

„Nein Vater. Ich war in meinen Gemächern und bereitete mich auf die Festlichkeiten vor", schoss es aus Legolas' Mund, wie ein auswendig gelernter Vers. Thranduil runzelte etwas anzweifelnd die Stirn, nickte dann aber zustimmend.

„Könntest du uns bitte für einen Moment allein lassen, Sémersion? Du wirst ihn dann bei den Feierlichkeiten wieder sprechen können." Sofort verbeugte sich der dunkelhaarige Elb und verließ dann rasch das Zimmer mit einem letzten mitleidigen Blick auf Legolas, der ihm hilfesuchend nachstarrte. Doch dann unterbrach die Tür den Blickkontakt und Legolas widmete seine ganze Aufmerksamkeit dem König, der nun würdevoll platz nahm.

„Mein Sohn du bist dir dieses schicksalhaften Geburtstages, den du heute erlebst voll und ganz bewusst", setzte er an und musterte den jungen Prinzen eingehend. Dieser nickte brav und ließ eine Antwort verlauten.

„Vater ich weiß, dass mit diesem Tag die Verantwortung als Kronprinz nun voll und ganz auf mir lastet und das die Verantwortung die ich für unser Reich habe, der deinen näher kommt als zuvor", erwiderte er matt. Es behagte ihm gar nicht diese Verantwortung zu übernehmen. Er war noch nicht bereit dazu. Noch nicht einmal annährend bereit, wie sein Vater es gerne haben mochte und dies wusste Thranduil nur zu gut. Doch auch er konnte seinem Sohn nicht helfen.

„Und doch wünschte ich, es wäre noch nicht so weit." Nun hatte Legolas seine ganzen Gedanken ausgesprochen, denen er schon über ein Jahr nachhing. Er würde nicht mehr so unbeschwert wie zuvor leben können. Nun würde ihm niemand mehr einen Fehler nachsehen oder diesen sogar einfach übergehen. Es stimmte nicht, wenn man sagte allen, die 3000 Jahre wurden, erging es wie ihm. Jeder Elb war schon mit 100 Jahren erwachsen. Doch den Thronfolgern lastete der 3000. Geburtstag schwer an, denn das war letztendlich der Tag, an dem ihnen mit einem verschönernden Fest klar gemacht werden sollte, dass sie alsbald die Plätze ihrer Väter einzunehmen hatten. Legolas seufzte schwerer denn je in seinem Leben und senkte betroffen den Kopf. Er wartete schon direkt auf einen Tadel seines Vaters, doch er wurde enttäuscht. Stattdessen ruhte nach kurzer Zeit eine Hand auf seiner Schulter.

„Ich bin sicher, du wirst es bewältigen, mein Sohn", waren Thranduils Worte und danach verließ er leise das Zimmer. Seufzend ließ sich Legolas in einen Sessel sinken und stützte den Kopf in beide Hände. Das muntere Zwitschern der Vögel und das sanfte Rauschen des Windes nahm er überhaupt nicht mehr wahr, sosehr hatten ihn seine Gedanken gefesselt. Schließlich stand er abrupt auf und verließ ebenfalls den Raum, wie Sémersion und sein Vater vor ihm. Ordentlich gekleidet war er nun, doch eine Rede hatte er immer noch nicht beisammen. Vielleicht fiel ihm etwas ordentliches während eines Spazierganges ein.

***

„NEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!" Ein Schrei in den höchsten Tönen durchdrang die Wände und Gänge des ganzen Palastes und ließ jedes Geschöpf für kurze Zeit erstarren.

„Nein! Nein! Nein! Nein! Nein! Das kannst du mir doch nicht antun", schrie ein junges Mädchen entsetzt und flüchtete sich in die hinterste Ecke des großen Gemaches, anscheinend um dort Schutz zu suchen. Doch die andere Gestalt schien kein Erbarmen zu kennen, sondern hielt eisern auf Adamantiel zu.

„Wenn ich dir doch sage, dass du es zu tragen hast, dann trägst du es!"

„Und wenn ich dir sage, ich trage es auf keinen Fall, dann meine ich das auch so", kreischte Adamantiel zurück. Schon allein der Anblick dieses Stückchen Stoffes brachte dem Mädchen hysterische Anfälle. Wie konnten Frauen nur so etwas tragen? Wie nur? Wie nur? Wie nur? Immer wieder schwirrte diese Frage in ihrem klugen Kopf von rechts nach links. Wie konnte man sich freiwillig so etwas antun?

Passanten, die am Zimmer der beiden Gäste vorbeigingen, schüttelten immer wieder den Kopf und fragten sich ernsthaft, was dem Mädchen da drin überhaupt angetan wurde. Es musste die schrecklichste Folter sein, doch keiner von ihnen traute sich, das Gemach ungefragt zu betreten. Erst wenn die junge Frau nach Hilfe schrie, würden sie eingreifen. So bildete sich nach und nach abermals eine kleine Elbenmenge, die sich um eine einzige Tür herum versammelte und nur auf ihren Einsatz wartete.

„Ich werde das nicht tun und damit BASTA!" Die Stimme Adamantiels wurde von purem Zorn beherrscht. Schon allein der Blick auf die Spitzen und Rüschen des dunkelroten Kleides bereitete ihr höllische Kopfschmerzen. Noch nie hatte sie so etwas in der Art getragen, sich immer lustig über die aufgetakelten Mädchen ihres Volkes gemacht und nun sollte sie selbst zu einer lebenden Puppe werden?!

„Du hast selbst immer gesagt, du findest es richtig von mir, dass ich mich nicht stundenlang schön mache!" Der alte Zwerg schüttelte seufzend den Kopf. Er war offensichtlich fast am Ende seiner, über die Jahre immer wieder, überstrapazierten Nerven angelangt.

„Kind. Ich finde es nicht richtig, es für alltägliche Sachen zu machen. Aber wir gehen auf einen GEBURTSTAG! Und dazu noch auf den des Prinzen Legolas. Also hab dich nicht so und zieh es an", bat er leise als ob er ahnen würde, dass vor seiner Tür mindestens 7 Elben nur darauf warteten ihm an die Gurgel zu gehen.

„Ich ziehe es nicht an! Und auch nicht für so einen bekloppten Elben! Ich habe einfach keine Lust", erklärte sie matt.

„Aber deine Mutter hat es extra für dich und diesen Anlass angefertigt Kind. Ich musste ihr versprechen dafür zu sorgen, dass du es trägst. Du willst sie doch nicht enttäuschen?" Diese sanfte Seite kannte das Mädchen gar nicht an ihrem Vater. Noch nie hatte er ein Wort verloren, ohne mindestens eine Silbe davon mit überstrotzendem Sarkasmus hervorzubringen. Doch wenn es um ihre Mutter ging, war der Vater eh sanft wie ein Lämmchen.

Etwas neugierig geworden trat Adamantiel an ihren Vater heran und begutachtete das Kleid. Ihre Finger strichen durch fein gefertigten Stoff und sie sog überrascht die Luft ein. Das ganze Kleid bestand gänzlich aus hochprozentiger Seide. Der kostbarsten, die man überhaupt erwerben konnte. Es musste die Mutter viel Arbeit und Mühe gekostet haben. Wenn sie sich vorstellte, wie die alte Zwergin des Nachts noch im Sessel gesessen hatte, um das Kleid anzufertigen, ohne dass Adamantiel etwas davon mitbekam, schluckte sie gerührt. Und dennoch...

„Ich kann es nicht", flüsterte sie leise und schlängelte sich an ihm vorbei zur Tür hinaus. Ein verwunderter Blick blieb an den lauschenden Elben hängen, die neugierig die Ohren spitzten. Doch als sie sahen, wie sich die Tür öffnete, gingen sie hastig ihrer Wege, was Adamantiel äußerst rätselhaft vorkam. Schnell und ohne noch einen Blick hinter sich zu werfen folgte sie einem der Gänge tief in den Palast hinein.

Doch nach kurzer Zeit schon, machte sie sich selbstkritische Vorwürfe. Warum war sie weggelaufen? Ihr Vater würde lachen, wenn sie zurück kam. Er würde sie auslachen und seine Späße treiben, wie immer. Ein Grinsen huschte über ihre Züge. Das würde ihm ähnlich sehen sich auf ihre Kosten zu amüsieren. Schließlich ließ er keine Gelegenheit aus, sie zu foppen. So wie sie es ebenfalls mit ihm tat.

Ihr kindisches Benehmen kam ihr schon nach so wenigen Schritten lächerlich vor. Sie war wegen eines Kleides geflohen! Wegen eines Kleides! Das musste man sich mal vorstellen. Oder nein – besser man tat es nicht.

Ein leises Lachen entwich ihrer Kehle als sie um die nächste Ecke rannte. Die frische Luft und die Weite der hellen Gänge hatten ihren Gedanken gut getan. Irgendwie hatte sich heute alles überschlagen. Sie hatte von Glück sagen können, dass der Vater nicht weiter nachgefragt hatte, wo sie ihren Bogen gelassen hatte. Konnte er es sich vielleicht denken? Wieder musste sie lachen. Sicher konnte er es sich nicht denken.

Durch einen ernüchternden Zusammenstoß mit einem anderen Körper wurde sie aus ihren Gedanken geholt und gleichzeitig auf den Boden befördert. Ein spitzer Schrei wollte sich durchkämpfen, doch noch ehe er ihre Lippen passierte, spürte sie auch schon einen festen Griff um ihre Arme, der den Sturz abhielt. Mit zusammengekniffenen Augen ließ sie sich wieder vollständig auf die Beine ziehen, jedoch pochte ihr Herz noch immer sehr schnell von dem anfänglichen Schreck, den sie bekommen hatte.

„Was zum...", setzte sie an. Den Kopf, den sie vorher gesenkt gehalten hatte, hob sie nun ein Stückchen um ihren Retter oder besser Umnieter besser erkennen zu können. Doch im nächsten Moment wünschte sie, sie hätte den Kopf nicht gehoben, denn ein verwundertes Augenpaar musterte sie genauso ungläubig wie sie ihrerseits wohl aussehen musste. Es waren wunderschöne blaue Augen, in die sie da sah. Augen, die Wärme und Entschlossenheit, jedoch auch ein wenig Humor ausstrahlten. Doch nun war Überraschung, Schock und – sie schluckte einmal tapfer, ehe sie vage lächelte – und sogar etwas Zorn in diese schönen Augen trat. Und dennoch hatte Adamantiel das Gefühl, in den dunklen Nachthimmel zu blicken und zwei wundervolle Sterne leuchten zu sehen.

Selbst tadelnd holte sie sich wieder in die Gegenwart zurück, als sie registrierte, wie sie den Kerl vor sich einfach nur angestarrt hatte. Es war weder Nacht, noch konnte man Sterne sehen und diese Augen gehörten leider keinem liebevollen Traumprinzen, sondern diesem dämlichen Grünblatt.

„Es überrascht mich zutiefst, Euch hier zu sehen, meine Dame. Müsstet Ihr nicht eigentlich in Eurem hübschen Löchlein sitzen?" Legolas' Stimme war kalt ja beinahe eisig. Was suchte dieses Mädchen hier, in den Gängen des Palastes, wo sie doch rein theoretisch unten in den dunklen Kerkern sitzen müsste? Hatte sie Haldir überredet oder wieder neidergeschlagen?

„Und es überrascht mich ebenfalls, Euch zu sehen. Keineswegs angenehm muss ich jedoch anmerken", entgegnete sie keck und blitzte ihn herausfordernd an. Der junge Prinz, der eigentlich Klarheit in seine Gedanken bringen wollte, kam nun schon wieder fürchterlich durcheinander und musterte sie von oben bis unten.

„Was habt Ihr Haldir nun schon wieder angetan? Ihn gefoltert oder gar schon tot gekitzelt?" Ein eisiges Schweigen zwischen beiden Parteien kam zustande und beide starrten sich einfach nur wütend in die Augen.

„Ich hab ihn nicht gesehen. Vielleicht hatte er Angst vor mir", ließ sich Adamantiel kühl und herablassen zu einer Antwort herhalten, die dem Grünschnabel jedoch keineswegs auszureichen schien. Rasch trat er einen Schritt näher und packte sie hart am Handgelenk. Gleich darauf entfuhr dem jungen Mädchen ein spitzer Schrei, als er ihren Arm auf den Rück drehte und mit dem anderen beinahe grob ihren Kopf anhob. Es ziemte sich nicht, einem Mädchen Gewalt anzutun und schon gar nicht für einen Prinzen, aber seine Geduld ging in ihrer Gegenwart einfach mit ihm durch.

„Sprecht! Was habt Ihr mit Haldir angestellt", forderte er sie zum Reden auf, erntete aber nur ein trockenes Lachen. Anscheinend hatte sie sich weitgehend von dem Schock erholt.

„Wie ich schon sagte. Ich habe ihn nicht gesehen! Und wenn Ihr es immer noch nicht verstanden habt, dann sperrt Eure angespitzten Lauscherchen auf und bemüht Euch wenigstens ein bisschen. Ich habe mich aus eigener Kraft aus Eurem ‚Kerker' befreit. Es war nicht schwer und wie Ihr sicher noch vernommen habt, erklärte ich Euch dass meine Freiheit nicht von meinem Benehmen abhängig ist! Außerdem lebe ich nicht nach Regeln oder Vorschriften! Und nun lasst mich los", zischte sie erbost zwischen den Zähnen hervor. Ihre gebirgswassergrünen Augen sprühten nur so vor Hass und Zorn auf ihren Peiniger. Ihre momentane Lage war mehr als peinlich. Wenn ihr Vater im nächsten Moment um die Ecke kam und sie so sah...

„Ich gebe Euch einen Rat: Treibt die Geduld anderer Lebewesen nicht zu weit an ihren Rand, denn dann könnte Eure Freiheit wirklich einmal ernsthaft gefährdet sein", erwiderte der widerliche Kerl ungerührt, hielt sie aber immer noch fest im Griff.

„Gut. Ich habe Euch zugehört und nun lasst mich los! Ich habe keine Zeit für Alte – Männer – Weisheiten. Behandelt man so etwa eine Frau!?" Der Elb schien sichtlich mit sich zu ringen. Einerseits hatte sie recht mit ihrem Argument, andererseits hatte sie ihn schon wieder beleidigt. Ob er das auf sich sitzen lassen konnte?

„Wenn Ihr Euch wie eine Frau kleiden oder gar benehmen würdet, würde ich Euch sicher anders behandeln. Aber in diesem jämmerlichen Aufzug gleicht Ihr wohl eher einem Bettelweib der Menschen und seid nichts weiter als ein kleines, unbedeutendes Geschöpf." Mit diesen Worten ließ er mit einem Ruck ihre Hand los und nahm sicherheitshalber ein paar Schritte Abstand. Der Prinz und Thronfolger hatten in diesem Streitgespräch die Oberhand gewonnen und seine Worte gewählt. Man konnte ja nicht wissen, was dieses junge Mädchen nun schon wieder anstellte. Doch zu seiner Überraschung tat sich erst einmal überhaupt nichts. Sie stand mit dem Rücken zu ihm und stierte stur auf den Boden. Ein mulmiges Gefühl stieg in seiner Magengegend auf. Hatte er vielleicht zu harte Worte gewählt? Doch noch ehe er etwas sagen konnte, drehte sich Adamantiel mit einem Ruck um und blitzte ihn aus wütenden Augen an, doch das so intensiv, dass er abermals ein paar Schritte zurückwich.

Dennoch hatte es ihm nicht weiter geholfen. Die Ohrfeige, zu der Adamantiel ausgeholt hatte, verfehlte ihr Ziel nicht. Im Gegenteil. Da er ein zwei Schritte zurückgewichen war, saß sie perfekter, als sie hätte werden sollen. Der Laut des Aufklatschens ihrer Hand hallte laut und vernehmlich an den hohen Wänden wider. Verwirrt und vollkommen überrumpelt, hielt sich Legolas die brennende Wange, die langsam rot anlief.

„Ach ja!? Und IHR denkt IHR seid etwas besseres!? Nur weil IHR ein Elb seid und ich nicht!? Und pfeife drauf! Lieber ein Zwerg und damit ein ‚kleines unbedeutendes Geschöpf, als so ein scheinheiliger Elb wie IHR es seid!" Legolas lauschte ihren Worten mit wütend hochgezogenen Augenbrauen und starrte ihr nach, als sie auf dem Absatz kehrt machte und davon rannte. Er folgte ihr nicht. Auch wenn er gewollt hatte, er konnte es nicht. Zu sehr beschäftigten ihn ihre Worte. Und war da nicht eine kleine silberne Träne in ihren Augenwinkeln gewesen? Ihm war so, als hätte er eine aufblitzen sehen. Aber wahrscheinlich hatte er es nur mit ihren wütenden Augen verwechselt.

Einige Zeit stand er noch so da und dachte über das eben Vorgefallene nach. Ihre Worte hatten etwas Wahres und hatten ihm die Tatsachen vor Augen geführt. Endlich hatte er etwas für seine feierliche Ansprache gefunden.

***

Fast blind vor Wut rannte Adamantiel die Gänge zurück bis hin zum Gemach, in dem ihr Vater auf sie wartete. Mitsamt dem roten Kleid, dass sie tragen sollte. Mitsamt der Weiblichkeit, die sie für diesen Tag anlegen sollte und ihre burschikose Art für kurze Zeit vergessen sollte.

Vor der prächtig verzierten Tür hielt sie keuchend inne, um erst einmal wieder zu Atem zu kommen. Sie war gerannt wie eine Irre, nur um vor diesem Besserwisser zu fliehen. Er hatte mit keinem seiner Worte recht gehabt! Mit keinem einzigen! Sie war nicht so wie die Bettelfrauen der Menschen und garantiert kein kleines unbedeutendes Geschöpf! Was der sich nur dachte! So viel Schwachsinn wie dieser Elb an einem Tag erzählte, erzählte sie nicht mal in einem ganzen Jahr! Aber warum hatte sie dann so überempfindlich auf seine Worte reagiert? Sollte es vielleicht doch stimmen...?

Adamantiel schüttelte vehement den Kopf, um wieder klare Gedanken fassen zu können. Nein dieser Kerl hatte ihr nicht in ihrer Persönlichkeit rumzupfuschen. Aber es war eigenartig, dass sie gerade diesem Grünschnabel immer wieder über den Weg lief. Und nicht nur dem! Auch diesem aufgeblasenem Hauptmann von einer lorischen Wache, war sie bereits ein zweites Mal – diesmal zwar unbemerkt aber immerhin – begegnet. Eins stand fest. Seit sie Lóthlorien betreten hatte, wurde sie vom Pech verfolgt. Aber sie würde sich nicht von diesen arroganten Typen klein kriegen lassen. Ganz gewiss nicht! Und schon um diesem verlotterten Elb zu beweisen, dass sie mehr als ein bedeutungsloses Geschöpf war – diese Bezeichnung machte ihr mehr zu schaffen als alles andere – würde sie nun dieses Kleid tragen. Und eins war sicher. Sie würde es diesem Elben noch heimzahlen.

Entschlossen öffnete sie die Tür, die sie noch von ihrem Vater und dem Kleid trennte und trat festen Schrittes ein. Das übliche Grinsen lag wieder auf ihrem Gesicht.

„Vater...Ich werde das Kleid doch tragen...", eröffnete sie ihm, kaum dass sie eingetreten war. Doch der hörte ihr gar nicht erst zu, sondern stand summend vor einem großen Spiegel und machte sich an seinem Festanzug zu schaffen. Er war aus schwarzem Satin gefertigt und machte ihn...nun ja ... etwas schlanker als gewöhnlich. Adamantiel war sich sicher, dass er der Mutter wochenlang in den Ohren gelegen haben musste, um sie davon zu überzeugen, dass auch er einen neuen Anzug benötigte. Leise und innerlich kichernd schlich sie sich zum Bett, auf dem das Kleid sorgfältig ausgebreitet in seiner vollen Schönheit dalag. Es war wirklich eine Augenweide. Schon allein der feine Schnitt und die niedlichen Spitzen, die vom Ausschnitt bis hinunter zum Kleidende den roten Stoff unterbrachen.

‚Adamantiel! Zieh es einfach nur diesen Abend an und dann nie wieder! Du willst doch nicht so werden wie all die anderen?', wies sie sich selbst zurecht und streckte ihre Hände nach dem wunderschönen Kleidungsstück aus. Erschrocken bemerkte sie, wie sie zittrig ihre Finger waren und zog sie schnell an den Körper zurück, ehe sie diese erneut nach dem Kleid ausstreckte. Kaum hatte sie es in ihren Besitz gebracht, huschte sie auch schon durch die Tür ins angrenzende Badezimmer. Unter keinen Umständen sollte ihr Vater sie sehen. Ein Kommentar hätte sie sicher ins Wanken gebracht, was ihren Beschluss betraf.

So schnell es ihr möglich war, legte sie die ungewohnte Tracht an. Das Ober- und Unterkleid machten ihr am meisten zu schaffen, denn immer als Adamantiel es umstülpte um mit dem Kopf hindurch zu kommen, verrutschte auch das Unterkleid in seiner Stellung und so kam sie nicht mit dem Kopf hindurch, sondern blieb im Stoff hängen. Immer wieder zog sie sich das Kleidungsstück wieder vom Körper, um erneut eine Niederlage zu erlangen, was allmählich an ihrer Geduld zehrte. Sie war schon nahe dran sich zu schwören, wenn es das nächste Mal nicht gelang, würde sie es hochkant in eine Ecke feuern, doch gerade da klappte es und sie zog die rote Seide siegreich über ihren Körper. Warum klappte alles immer erst, wenn man drohte ihm etwas anzutun?

Doch nun kam die nächste Hürde...Ihre Haare. Noch nie in ihrem kurzen Leben – was doch schon beachtliche 99 Jahre zählte – hatte sie etwas mit ihren Haaren gemacht. Geschweige denn nur an eine Frisur gedacht! Ihr hatte es stets genügt, morgens aufzustehen, die Haare zu bürsten und zu einem Zopf zusammen zu fassen. Sie konnte weder flechten, noch sonstige Verknotungskünste mit den langen Blonden durchführen. Seufzend ließ sie sich auf einen Hocker sinken. Der Spiegel, in den sie kurz zuvor gesehen hatte – nicht ohne eine hohe Portion Überwindung – hatte ihr gezeigt, wie erschreckend anders sie in diesem Kleid aussah. Nicht zum Schlechten – so konnte man es nun wirklich nicht sagen – sondern irgendwie anders. Vornehmer und – braver. Ein schelmisches Zucken ihrer Mundwinkel zerstörte diesen Eindruck jedoch sofort und ließ sie fröhlich aufspringen. Heute war ein Fest angesagt! Und egal wo sie war, sie liebte Feste über alles.

Der kleine pummlige Zwerg zuckte schreckhaft zusammen, als seine Tochter aus dem Badezimmer in das Schlafgemach gestürmt kam und drehte sich wie ein Blitz um.

„Wer seid...Adamantiel", stieß er ungläubig hervor, als er seine hübsche Tochter erkannt hatte.

„Aber, aber dieses Kleid...Ich meine du bist kaum wiederzuerkennen mein Kind...", stotterte er fassungslos und ging um sie herum um sie zu mustern. Adamantiel ließ sich seine prüfenden Blicke gefallen, auch wenn es ihr nicht wohl in diesem Kleid war.

Die untergehende Sonne ließ das kräftige Rot des Kleides zart schimmern und hüllte das junge Mädchen in ein zauberhaftes Licht. Die blonden Haare, die bis zu den Hüften fielen, hoben sich geltungsbedürftig von der feinen Seide ab. Und die weißen und goldenen Stickereien, die das Kleid zierten taten ihr übriges, um sie einfach zauberhaft wirken zu lassen.

Der Blick des Vaters glitt traurig über die Gesichtszüge seiner Tochter, die etwas verstört und peinlich berührt vor ihm stand. Jede einzelne Faser und jede einzelne Stelle ihrer Gesichtszüge kannte er in – und auswendig. Auch jeden Gesichtsausdruck ihrer Augen, die zwei glitzernden Sternen glichen, kannte er genau. Er wusste, wann sie verletzt war, auch wenn sie es nicht gerne zugab. Er wusste, wann sie glücklich und traurig war. Er wusste einfach alles über sie, denn er hatte sie 98 Jahre lang aufgezogen und umsorgt. Doch nun glich sie keinem Mädchen seines Volkes mehr, sondern eher den Mädchen der Elben. Er seufzte schwer, ehe er sich wieder zur Ordnung rief.

„Kind. Kind. Kind. Etwas straff um die Hüften, meinst du nicht auch", stellte er verschmitzt fest und klopfte ihr einmal kurz auf den kleinen straffen Hintern, was sie erschrocken aufspringen ließ.

„Ada", rief sie empört und glitzerte ihn böse an. Dieses Wort verwendete sie immer, wenn sie sauer auf ihn war. Denn sie wusste, wie seine Reaktion war, sprach sie dieses Wort aus. Es war eines der ersten Wörter, die sie erlernt hatte und sie wusste nicht einmal, woher. Ihr Vater hatte ihr erzählt, es hätte die elbische Bedeutung von Vater, doch sie glaubte es nicht. Sicher hatte er sich damals einen Scherz erlaubt und ihr ein außergewöhnlich gemeines Schimpfwort beigebracht, um seine Frau und somit ihre Mutter etwas zu necken. Doch diesmal kicherte er nur.

„Naja... Du siehst nicht schlecht aus nur deine Haare sind scheußlich!" Der Ton des kleinen Mannes war bewusst provozierend.

„Dann mach sie doch zurecht, wenn du es besser kannst", kam auch schon die erwartete Antwort, die er mit einem Grinsen begrüßte. Zu Adamantiels Verwunderung trat er tatsächlich auf seine Tochter zu und machte sich an ihren Haaren zu schaffen.

„Hey! Was soll das? Willst du mich noch mehr verunstalten", fragte Adamantiel empört. Doch der Vater ließ sich nicht beirren und fuddelte weiter an ihrer ‚Frisur' herum.

„Noch mehr geht gar nicht, Kind", brummte er belustigt und noch ehe sie etwas zu ihrer Verteidigung sagen konnte, sprach er weiter:

„Deine Mutter hat geahnt, dass spätestens deine Frisur alles versauen würde, also hat sie mir ein paar kleine Handgriffe für eine simple, aber gute Frisur beigebracht", erklärte er stolz. Offenbar hatte er das Geheimnis eh nicht mehr lange mit sich herumtragen können.

„Ach? Hat sie das?" Der Tonfall strotzte nur so von Sarkasmus und Ironie, sodass der Zwerg hellhörig wurde.

„Nun...dann hat sie dich ja langsam in dem Part als Hausmädchen." Ein teuflisches Grinsen zierte Adamantiels Lippen.

„Wenn ich jetzt nicht schon fertig wäre, würde ich die Frisur nicht weitermachen für deine Frechheit! Aber sei's drum...nun ist sie fertig..." Etwas ungläubig und auf das Schrecklichste gefasst, drehte Adamantiel den Kopf zum Spiegel und..........kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wie hatte der Vater das nur hinbekommen!? Er hatte nur einen Teil ihrer Haare zusammen genommen und sie mit einer großen schillernden Spange hoch gesteckt, sodass einzelne blonde Strähnen hier und da über ihre Schultern fielen und sich geschmeidig an ihren Körper schmiegten. Ein zweites Gesicht tauchte im Spiegel auf und grinste ihr entgegen.

„Na? Bereit für das große Fest? Dann kann ich dir endlich Legolas vorstellen", flötete er vergnügt und schob Adamantiel aus der Zimmertür hinaus auf den Gang.

***

„Legolas!" Ein ebenso lauter wie energischer Ruf verfolgte den Prinzen und brachte ihn zum Stehen. Mit einem etwas schnellem Atem, kam Haldir schlitternd um eine Ecke gerannt und stand dann straff vor dem Prinzen. Seine in Falten gelegte Tunika, hatte trotz des schnellen Ganges keinen Schaden genommen und saß noch immer wie angegossen an besagtem Elben. Immer wieder fragte sich der düsterwäldische Prinz, wie Lóriens Hauptmann dies – sogar in Kriegszeiten und dunklen Schlachten – bewerkstelligte. Aber was sollte man anderes erwarten von einem Elben, der den Sinn seines Lebens schon gefunden hatte? Legolas beneidete ihn nicht darum. Haldir hatte wirklich eine wundervolle Frau, aber er selbst fand es noch zu zeitig, um sich zu binden.

Legolas hatte noch nicht die Perfektion des Kleider Anlegens erreicht, doch eigentlich war es auch gar nicht so wichtig. Nur an diesem Tag hätte er sich glücklich darüber geschätzt, keine Diener zu benötigen, die ihn – was wie immer vollkommen sinnlos war – aufgekratzt ermunterten und immer wieder Ratschläge gaben, wie er sich zu verhalten hatte.

„Legolas ich muss dir sagen dass...", doch Haldirs Bericht wurde von dem Freund unterbrochen. Eine kurze Handbewegung brachte den Lórischen zum Schweigen und hieß ihm zu lauschen.

„Ich weiß es Haldir, du musst es mir nicht sagen, ich bin ihr eben begegnet", erklärte er zerknirscht und sah Haldir fast grimmig an. Doch dieser wusste, das der Zorn nicht auf ihn, sondern auf das junge Mädchen gerichtet war, welchem er gerade über den Weg gelaufen sein musste. Er bemitleidete Legolas innerlich sehr, denn egal was man tat, ihr schien es nicht recht zu sein. Doch plötzlich weiteten sich seine Augen überrascht und er deutete mit einer Hand auf die feuerrote Stelle, die auf der rechten Wange des anderen Elben leuchtete.

„War...war sie das?", fragte er nicht ohne eine Spur Belustigung in der Stimme. Als Legolas daraufhin sogar noch nickte, konnte er sich das hämische Grinsen nicht verkneifen. Schließlich geschah es nicht alle Tage, dass der Elb aus Düsterwald eine Ohrfeige verpasst bekam. Besser und präziser gesagt, war das noch nie der Fall gewesen. Doch Haldir fand glücklicherweise schnell wieder aus seiner Schadenfreude zurück, als er Legolas' versteinerte Miene angesichts seines Grinsens gewahrte.

„Ich habe alles für ihre Verfolgung eingeleitet und meinen Männern eine genaue Beschreibung von ihr gegeben. Sie werden die eintretenden Gäste in den Garten, in dem das Fest stattfinden wird, genaustens überprüfen und nach ihr Ausschau halten. Es wird nicht schwer sein, sie zu erkennen. Ihre Kleidertracht ist mehr als nur ungewöhnlich und würde jedem auffallen. Aber Hauptsache, wir finden sie, schließlich könnte sie mit ihrem Verhalten die Zeremonie stören und vielleicht sogar das Fest unangenehm gestalten", rechtfertigte er sein Handeln. Eigentlich musste er es nicht tun, denn Legolas selbst war ein Gast in diesem Wald und dennoch wollte er ihn über seine Absichten unterrichten. Für ihn stand fest, dass Adamantiel mit der Ohrfeige, die sie dem Prinzen verpasst hatte, letztendlich wirklich unverzeihlich über die Stränge geschlagen hatte. Und seine Aufgabe bestand schließlich darin, Unruhen im Wald zu unterbinden.

„Gut. Doch sobald du, oder einer deiner Männer, sie hat, setzt ihr mich unverzüglich davon in Kenntnis", bat Legolas ernsthaft und sah Haldir entschlossen an. Dieser nickte jedoch nur und legte dann eine Hand auf die Schulter des Freundes.

„Aber vorerst mache dir keine Gedanken über das Mädchen, Mellon. Denke lieber an deine Rede und die Zeremonie, die du vor dir hast. Immerhin ist es eine Art Vorbereitung auf deine anstehende Krönung zum König", mahnte der Ältere freundschaftlich und drückte noch einmal kurz die Schulter des Freundes, ehe er sich wieder auf die Suche nach Adamantiel machte.

Auch Legolas ging schnell seiner Wege und beeilte sich, endlich zu seinem Vater zu kommen, der sicherlich schon eine ganze Weile auf ihn wartete. Es war Tradition, dass Vater und Sohn zu diesem Anlass stets gemeinsam die Festwiese betraten, als Zeichen der Bereitwilligkeit, den Thron anzunehmen oder im Fall des Vaters, an seinen Sohn weiterzugeben. Gingen sie getrennt auf das Fest, wusste ein jeder dass die Thronfolge nie erfolgen würde und der Kronprinz wurde verbannt. Diese Sitte hörte sich hart an und dennoch war sie es in Legolas' Augen nicht. Damit wollte man verhindern, dass sich die Nachfolger der Könige zu lange ihren Verpflichtungen entzogen und die Thronfolgen immer weiter aufgeschoben wurden.

Als er die Tür zum Gemach seines Vaters öffnete, stand dieser schon startbereit im Zimmer vor einem großen Spiegel und richtete seine Tunika. Als er den Eingetretenen bemerkte, drehte er sich rasch zu ihm um und fasste ihn am Arm.

„Mein Sohn, wo warst du so lange? Ich ließ schon Diener nach dir schicken. Ehrlich gesagt befürchtete ich ernsthaft, du wolltest dich drücken." Eine Augenbraue schoss in die Höhe, als der König seinen Sohn musterte. Legolas wusste bei diesem Blick genau, was sein Vater über sein zu spät Kommen dachte. Sicherlich hatte er angenommen, Legolas wäre wieder im Wald verschwunden und scherte sich nicht um die anstehende Zeremonie. Doch diesmal würde er nicht flüchten um der Verantwortung zu entkommen. Irgendwann war die Zeit heran, und für ihn war es eben dieser heutige Tag.

„Ich musste mir über einiges klar werden. Aber nun bin ich bereit, Vater." Thranduil nickte nur barsch und eilte dann aus dem Gemach hinaus. Seinen innerlich aufgewühlten Sohn, zog er stetig mit sich und ließ ihn keinen Augenblick los, als fürchtete er, Legolas könnte im letzten Moment kneifen. Doch das hatte der Kronprinz gewiss nicht vor. Ein Gedanke stachelte ihn an, auf die Zeremonie zu gehen und verbannte die Gedanken an Flucht. Und dieser Gedanke galt einzig und allein Adamantiel, der er nun endlich demonstrieren würde, wer er wirklich war. Denn war sie ein Gast auf seinem Fest, würde sie es unmissverständlich zu sehen bekommen, wem sie da eine Ohrfeige verpasst hatte. Ein hässliches Grinsen legte sich auf seine Lippen, als er an das bevorstehende Ereignis dachte.

***

„Und du bist dir sicher, dass wir hier richtig sind, Vater?" Adamantiels Stimme wurde von keinem anderen Gefühl als Zweifel beherrscht. Schließlich irrten die beiden Zwerge nun schon über eine halbe Stunde in den Gängen und Gärten Lóriens umher und stetig beteuerte der Vater, sie seien auf dem richtigen Weg. Doch insgeheim bei sich, fluchte er selbst darüber, dass er nicht die geringste Ahnung hatte, wo sie sich befanden. Adamantiel seufzte schwer und richtete dann abermals das Wort an ihn.

„Vater. Wenn du nicht weißt, wohin wir müssen, wäre es dann nicht besser jemanden nach dem Weg zu fragen?" Ihr Blick fiel auf ein vorübereilendes Elbenpärchen, das anscheinend nicht zum Fest geladen war – denn beide hatten noch ihre alltägliche, grau-grüne Bekleidung an – dennoch konnte es nicht verkehrt sein, sie zu fragen. Schließlich kannten sie sich in Lórien besser aus als mancher Zwerg.

„Nein! Auf keinen Fall werden wir nach dem Weg fragen." Die Stimme des Zwerges glich beinahe einem Kreischen, als fürchtete er sich auf die Knochen zu blamieren. Doch seine Tochter wusste, wo der Haken in Wirklichkeit hing.

„Männer! Nie könnt ihr einfach mal nach dem Weg fragen", stöhnte Adamantiel und ging ein paar Schritte hinter den Elben her.

„Selbst ist der Mann! Merk dir das", knurrte der Zwerg jedoch nur als Antwort und tat so, als würde er das junge Mädchen nicht kennen.

„Entschuldigen sie bitte." Die beiden Elben blieben sofort stehen und sahen sich freundlich lächelnd nach Adamantiel um. Nie wären sie auch nur auf den Gedanken gekommen, dieses Mädchen vor ihnen in einem prachtvollen roten Kleid, würde dem Volk der Zwerge angehören.

„Alae", begrüßten die Elben sie höflich und deuteten eine Verbeugung an, was Adamantiel verdutzt nachtat. Elben konnten ja richtig freundlich sein.

„Alae...Könnt Ihr mir sagen, wie ich auf das Fest des Prinzen Legolas gelange?" Adamantiels Augen huschten hilfesuchend vom einen zum anderen und ein Lächeln bildete sich auf ihren Lippen, als die Frau nickte und sie an der Hand nahm.

„An Eurer Sprache erkennen wir, dass Ihr weder zu den Elben des Düsterwaldes noch zu denen im Goldenen Wald gehört. Sindarin scheint Euch fremd zu sein, meine Dame. Und die Worte, die das Westron bilden, sprecht ihr hart. Sagt, wo kommt Ihr her?" Adamantiel verdrehte in Gedanken unmerklich die Augen. Wieso musste sie jeder nach ihrer Herkunft fragen? War das denn nicht offensichtlich? Nun gut. In diesem Aufzug glich sie eher einer Porzellanpuppe eines Zwergesmädchens, aber war das denn Grund genug, sie immer und immer wieder zu fragen, welchem Volk sie angehörte? Sie kannte die Reaktionen schon zur Genüge. Immer wieder traten den Leuten die Augen aus dem Kopf, wenn sie ihnen die Wahrheit schilderte.

„Ich gehöre dem Volke der Zwerge an, Mylady. Doch nun würde ich Euch sehr verbunden sein, könntet Ihr mich zu dem Feste führen." Der Klang ihrer Stimme war ungemein ruhig und höflich. So kannte sie sich selbst nicht. Eigentlich hatte sie es ja patzig sagen wollen. Doch wie schon geahnt, sahen beide Elben sie höchst merkwürdig an. Doch dann lächelten sie amüsiert. Sicher hielten sie ihre Erklärung für einen kleinen Witz in ironischer Weise und so sagten sie auch nichts weiter. Die junge Frau nahm Adamantiel sacht am Arm und zog sie mit sich.

„Ihr müsst Euch beeilen, das Fest beginnt in wenigen Minuten und hier seid Ihr völlig falsch." Nun eilten die beiden Elben mit dem jungen Mädchen davon, gefolgt vom Vater Adamantiels, der jedoch immer einen angemessenen Sicherheitsabstand beibehielt, um ja nicht als Zugehöriger dieser kleinen Reisegruppe identifiziert zu werden.

Es verging einige weitere Zeit, in der sich die vier durch die Straßen und Gebäude Lóriens kämpften. Und dennoch hatte Adamantiel den Eindruck, dass beide Elben schon extra geheime Abkürzungen nahmen, um ihr Ziel so schnell wie möglich zu erreichen.

„Sagt kleine Lady", richtete die junge Frau abermals das Wort an Adamantiel, während sie einen Baum hinauf liefen – die Treppe führte wie ein Kreisel nach oben, sodass der jungen Zwergin schon fast schlecht wurde, ehe sie oben ankamen – und dann sofort auf der anderen Seite wieder hinabstiegen. Das dichte Blattwerk filterte das Sonnenlicht etliche Male, ehe es in hellen Punkten und manchmal etwas größeren Streifen den Boden berührte und das Mädchen mal hier und da blendete.

„Wie heißt Ihr?" Der Blick der schönen Elbin war sanft und freundlich und er hinterließ in Adamantiel das Gefühl, ihr vertrauen zu können.

„Adamantiel, meine Dame. Schon seit meiner Geburt", grinste sie und musterte beide Elben neugierig. Ihr Blick verriet, dass auch sie auf ihre Namen gespannt war.

„Dies ist in der Tat ein wunderschöner Name und er passt zu Eurer Persönlichkeit." Ein sanftes, ehrliches Lächeln strahlte Adamantiel entgegen und wieder ergriff sie das Gefühl der Zugehörigkeit.

„Ihr kennt mich jedoch noch nicht lange. Also könnt ihr nicht behaupten, der Name passe zu mir. Aber wie heißt Ihr?"

„Ich bin Nestalinna, eine angehende Heilerin. Und der Elb vor uns heißt Génbô." Nestalinna deutete mit einem Kopfnicken auf den schlanken Elben, der sie führte. Adamantiels Augen wurden größer, als sie vorher waren. Heilerinnen waren selten und dazu noch eine richtig erfahrene und gute zu kennen, die in jeder Situation und bei jeder Verletzung Bescheid wusste, war sehr selten.

„Seid ihr zusammen?" Die Frage trieb eine gesunde Röte in das sonst überirdisch weiße Gesicht der Elbin und ließ sie vehement den Kopf schütteln. Adamantiel betrachtete diese Reaktion amüsiert.

„Aber nein, nein! Er ist nur ein Jugendfreund, nicht wahr Génbô", wehrte Nestalinna ab, doch das Lächeln und der Glanz in ihren Augen verrieten Adamantiel, dass sie weit mehr für diesen Elben empfand und sie selbst musste lächeln.

„Sehr richtig. Wir wuchsen zusammen auf. Nestalinna war ein Mädchen ganz in meiner Nachbarschaft und wir haben viel Zeit miteinander verbracht. Aber mehr ist da nicht", bestätigte Génbô und drehte sich lächelnd nach den beiden Mädchen um. Nestalinna erwiderte das Lächeln sofort, auch wenn sich ein Schatten auf ihre fröhlichen Züge legte.

„Richtig. Du musst nämlich wissen, er hat bereits eine Freundin", kicherte sie dann drauflos und knuffte ihrem Gefährten in die rechte Seite. Er war stehen geblieben um die Mädchen vorangehen zu lassen.

„Nestalinna! Du musst es doch nicht jedem erzählen, den du triffst", empörte sich Génbô etwas beleidigt und strafte die junge Elbin mit einem säuerlichen Blick.

„Wieso? Ich denke doch, ihr seid glücklich miteinander, also macht das doch nichts aus", gab diese jedoch ungerührt zurück, bevor sie sich wieder Adamantiel zuwandte.

„Wir sind gleich da. Siehst du dort vorn? Dort wo die 3 Wachen stehen? Du musst nur an ihnen vorbei und schon bist du auf der Festwiese. Ich kann dich leider nicht begleiten, da ich der Heilerin zur Hand gehen muss. Schade eigentlich. Ich hatte mir dieses Fest so wunderbar vorgestellt aber sie besteht darauf." Ein bedauernder Blick hing auf den drei Wachen, die aufmerksam durch die Gegend spähten und nach etwas Ausschau zu halten schienen.

‚Oder jemanden', dachte Adamantiel sofort. Sicherlich hatte man ihr Verschwinden schon längst bemerkt, was auch durch Legolas entstanden sein könnte. Wenn diese Wachen nun nach ihr suchten? Schnell schluckte sie den Kloß in ihrem Hals hinunter. Sicher hielten sie nach einem Mädchen Ausschau, dass unmöglich gekleidet war und von einem Zwerg begleitet wurde. Doch beides war nicht der Fall und ein munterer Gedanke kam in ihr auf.

„Könnt ihr mich noch bis hin begleiten? Ich fürchte mich etwas vor den Wachen." Der bettelnde Blick Adamantiels löste einen lauten Lachanfall bei beiden Freunden aus und Nestalinna nahm abermals ihr Hand in die ihre.

„Das brauchst du nicht. Sie sehen nur so streng aus. Sieh. Einer davon ist mein Vater und der ist wirklich kein grausamer Typ", erklärte Nestalinna und zog die junge Zwergin munter voran. Génbô folgte beiden mit einem Schmunzeln.

„Ada!" Der Ruf der jungen schönen Elbin ließ den Blick der Wachen in ihre Richtung schweifen und als einer davon den Ankömmling erkannte, bildete sich ein Lächeln auf seinen Lippen.

„Mein Kind. Was tust du hier? Ich nahm an, du solltest der Heilerin zur Hand gehen", bemerkte der Vater Nestalinnas verwundert und ließ auch seinen Blick über Génbô und Adamantiel schweifen, was der jungen Zwergin einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Nachdem Génbô freundlich gegrüßt hatte, grüßte auch Adamantiel höflich.

„Und wer ist diese junge Schönheit?" Der fragende Blick der Wache haftete nun an Adamantiel. Dieser wurde heiß und kalt unter ihrem Kleid. Wenn Nestalinna nun ihren Namen nannte und den Wachen war ihr Name schon lange bekannt, würde sie auffliegen, egal wie sie aussah.

„Das ist Adamantiel, ein Gast auf diesem Fest. Sie wusste den Weg nicht, da haben wir ihn ihr gezeigt. Sie scheint von weit her zu kommen und behauptet..." Doch noch ehe Nestalinna auch nur eine weitere Silbe hervorbringen konnte, fiel ihr die erschrockene Zwergin ins Wort.

„Ich...also ich bin zum ersten Mal im Goldenen Wald und war sehr froh darüber, dass sich Eure Tochter meiner angenommen habt. Sie ist wirklich wundervoll", flüchtete sich Adamantiel in ein Kompliment, was den Vater geschmeichelt gucken ließ und Nestalinna abermals die rote Farbe ins Gesicht trieb.

„Aber das war doch selbstverständlich, Adamantiel. Wenn du mich nun entschuldigst, ich muss mich wirklich beeilen", erklärte sie bedauernd und als Adamantiel sich freundlich bei ihr bedankte, umarmte die junge Elbin das Mädchen zum Abschied.

„Ich bete zu Eru, dass wir uns noch einmal begegnen, Adamantiel." Mit diesen Worten zog sie Génbô mit sich und verschwand zwischen den Bäumen.

„Nun. Dann tretet ein, junge Lady. Ihr seht ganz und gar nicht aus wie eine Zwergin und da Ihr mit meiner Tochter angekommen seid, werde ich auch nicht weiter Fragen stellen müssen." Ein sanfter Druck in Richtung Festwiese ließ Adamantiel erleichtert aufatmen. Also war sie ohne großes Aufsehen hindurch gekommen. Ein verschmitztes Grinsen bildete sich auf ihren Lippen, als sie dann schließlich in der Menge untertauchte.

Als der alte Zwerg auch den Eingang zur Festwiese erreichte, wurde er von den Wachen angehalten und kritisch beäugt.

„Seid gegrüßt, Zwerg vom Einsamen Berg. Wir haben Anweisungen allen Gästen Fragen ihrer Herkunft zu stellen." Die Augen der drei Wachen waren fest und gespannt auf den Zwerg gerichtet, der nur dumm aus der Wäsche gucken konnte und etwas brummte wie: ‚Typisch Lóthlorien. Bis auf die Lady Galadriel sind hier alle total durchgeknallt'

„Meine Herkunft, sagtet ihr mir doch bereits. Und nun lasst mich durch sonst komme ich zu spät", knurrte der Zwerg böse und funkelte die drei Elben beleidigt an. Wieso geschah das immer ihm?

„Habt Ihr eine Tochter, die ebenfalls auf dieses Fest geht?" Sofort spitzten sich die Ohren des Vaters und er wurde hellhörig. Meinten die etwa Adamantiel?

„Meine familiären Verhältnisse gehen Euch einen Fliegendreck an, Herr Elb", wich er der Frage aus und machte Anstalten sich vorbeizuschlängeln.

„Verzeiht, aber dennoch haben wir die Anweisungen Euch diese Frage zu stellen." Ein genervter Blick von Seiten des Zwerges ließ die Elben eine entschuldigende Bewegung andeuten, doch zeigten sie ihm auch, dass er nicht eher durchkäme, wenn er nicht preisgab, ob er eine Tochter hatte. Und unwillkürlich fragte er sich, was Adamantiel angestellt hatte, dass sie schon nach ein paar Stunden in Lórien vom Militär gesucht wurde. Er würde ein ernstes Wörtchen mit ihr zu bereden haben. Er hatte doch geahnt, dass etwas nicht stimmte, schon als sie ohne Bogen angekommen war.

„Seht Ihr hier irgendetwas, dass auf eine Tochter hinweist!?" Der genervte Ton des Zwerges ließ die Elben etwas unsicher gucken. In der Tat war hier weit und breit niemand zu sehen, auf den die Beschreibung ihres Hauptmannes Haldir gepasst hätte. Und Vater und Tochter wären doch sicherlich zusammen auf das Fest gegangen. Der Vater Nestalinnas trat höflich einen Schritt zur Seite und ließ den etwas angesäuerten Zwerg passieren.

„Willkommen auf dem Fest des Prinzen von Düsterwald." Zornig und mit erhobenem Haupt schritt der Zwerg an den Wächtern vorbei auf die Festwiese und sah sich sofort nach seiner Tochter um. Keinen Augenblick konnte man sie ohne Aufsicht lassen, ohne das gleich Geheimdienste oder anderes Gesindel hinter ihr her waren! Vielleicht hatte er in der Erziehung wirklich etwas falsch gemacht. Doch das ließ sich nun nicht mehr ändern.

***

Die Masse an Elben, die sich drängelnd und schiebend in eine Richtung bewegte und Adamantiel mit sich riss, raubte dem jungen Mädchen fast den Atem. Sie hätte sich nie vorstellen können, dass es so viele Elben gab. Nicht einmal im Traum hatte sie daran gedacht. Und zudem hatte der Vater ihr erzählt, dass viele von ihnen in den Westen gezogen waren und noch immer zu den Valar segelten. Wie musste Mittelerde ausgesehen haben, als sie noch vollständig hier gelebt hatten? Wie viele von ihnen musste es hier gegeben haben?

Bei so vielen anmutigen, hübschen und vor allem graziösen Geschöpfen, fühlte sie sich wie ein streunender Straßenköter. Vielleicht hatte dieser widerliche Kerl ja wirklich recht gehabt und sie war nur ei unbedeutendes Geschöpf. Jedenfalls fühlte sie sich in Nähe dieser ganzen Wesen so. Zudem war sie noch nicht einmal so groß, wie sie stets gedacht hatte. Unter den Zwergen war sie stets herausgeragt. Immer hatte man sie entdeckt, wenn man nach ihr gesucht hatte. Doch nun umgaben sie Elben, in deren Nähe sie sich wie eine Ameise unter einem Mallornbaum fühlte. Etliche waren mindestens 2 Köpfe größer als sie selbst und das nicht nur die Männer.

Aber der Gedanke an Nestalinna ließ sie beruhigt Luft holen. Diese Elbin war kaum größer als sie selbst gewesen und schien sich nicht weiter dran zu stören. Und wenn man richtig hinsah, konnte man auch hier kleinere Frauen entdecken.

Überall um sie herum wurde gesprochen, gelacht und gegessen. Ein wundervolles Flötenspiel von mehreren Musikern zugleich gespielt, ertönte über die Festwiese und hüllte Adamantiels Gedanken in zauberhafte Fantasien. Bilder strichen an ihr vorbei. Bilder die von der Melodie und den Klängen der Flöte erzeugt wurden und in Wirklichkeit nur in ihrem Kopf herrschten.

Als sie endlich erkannte, wohin all die Elben steuerten – nämlich auf einen großen Baum zu, unter dem eine große Tribüne errichtet worden war – hielt sie neugierig nach etwas Ausschau, das auf den Prinzen hinweisen konnte. Doch sie entdeckte zu ihrer Enttäuschung nichts. Stattdessen gewahrte sie zu ihrer Rechten einen langen Tisch mit weißem Überzug, auf dessen Holz die köstlichsten Speisen zu finden waren. Den plötzlichen Hunger spürend, schlängelte sie sich gierig an ein paar umherstehenden, fröhlich schwatzenden Elben vorbei – leider konnte sie nie ein Wort verstehen, da alles auf Sindarin gesprochen wurde – und machte sich über die kleinen Snacks her, die liebevoll zubereitet worden waren und selbst dem Auge schon schmeckten. Hier und da sah man Früchte, die als verschiedenste Tiere geschnitten worden waren. Mal einen Schwan oder einen Wolf. Einen kleinen Vogel, Reh, Hase oder sei es nur eine kleine Erdbeere die den Eindruck einer ängstlichen Maus machte.

Sie hatte in der Tat ängstlich zu sein, denn sofort wurde sie von zwei Fingern geschnappt und in den hübschen Mund Adamantiels geschoben. Die Augen wanderten staunend und glücklich umher. Diese Elben hatten echt was drauf.

Plötzlich sagte ein Mann zu ihrer Linken etwas und einige Zeit und eine Widerholung seiner Worte wurden benötigt, damit sie registrierte, dass er sie meinte. Verwirrt sah sie zu ihm auf. Er hatte dunkles, langes, lockiges Haar und einen stoppligen Dreitagebart. Seine grauen Augen sahen weise und freundlich auf sie herab.

„Tut mir leid, ich verstehe Eure Worte nicht", zischte sie. Er schien auf eine Antwort gewartet zu haben.

„Das ist schade. I pedath iaur san nill. Die alte Sprache ist einfach", wiederholte er die sindarischen Worte auf Westron, sodass Adamantiel ihn verstand. Sie zuckte jedoch nur unwillig mit den Schultern.

„Mir egal, was ihr darüber denkt. Ihr seid schließlich damit aufgewachsen. Aber ich finde sie zu umständlich. Und nun entschuldigt mich." Ohne ihm noch einen weiteren Blick zu schenken drückte sie sich an dem verdutzten Mann vorbei um wieder in der Menge unterzutauchen. Zwar verließ sie den Tisch mit all den köstlichen Speisen nur äußerst ungern, aber die Anmache dieses Kerls war ihr zuwider gewesen. Und es war garantiert eine Anmache gewesen! Sie spürte seinen überraschten und gleichzeitig gekränkten Blick, als sie aus seinem Sichtfeld verschwand, aber es tat ihr keineswegs leid.

Stattdessen machte sie sich über etwas ganz anderes Gedanken. Sie hatte einen großen Weinkrug auf dem Tisch stehen sehen. Richtig kräftiger, roter Wein, der sich sehr schwer wieder auswaschen ließ und sofort war ihr ein teuflischer Gedanke gekommen. Wenn sie Glück hatte und überall so ein Krug stand, dann konnte sich da was schönes draus machen lassen. Kichernd huschte sie durch die Menge – auf der Suche nach einem geeigneten Platz für ihr Vorhaben.

Sie entschied sich entgegen dem Massenstrom anzulaufen, der zu der kleinen Tribüne trieb, um so einen leeren Tisch vorzufinden. Als sie den großen Weinkrug darauf stehen sah, bahnte sich abermals ein teuflisches Grinsen auf ihre Lippen. Zu ihrer Genugtuung stand dieser Tisch auch wieder unter einem Baum, dessen Äste noch nicht einmal so hoch hingen. Nur ein paar zusätzliche Handgriffe und ihre Rache wäre perfekt. Das geeignete Opfer würde sie schon noch dazu bringen, in die Nähe DIESES Tisches zu gehen. Oh ja! Sie war erfinderisch und außerdem nachtragend. Unbedingt wollte sie sich an diesem Grünblatt rächen und während sie angestrengt nach noch fehlenden Teilen suchte, die ihr Vorhaben ermöglichen würden, bemerkte sie gar nicht, wie die Festlichkeiten mit einer Rede des Prinzen Legolas eröffnet wurden.

***

Von einem Bein aufs andere tretend und ab und an sogar hüpfend, um einen besseren Überblick über die Menge zu haben, versuchte ein Zwerg etwas von dem Prinzen Legolas zu erspähen. All die großgewachsenen Elben versperrten ihm unweigerlich die Sicht und er war darauf angewiesen, sich hier und da auf einen kleinen Erdhügel zu stellen, was nicht unbedingt viel brachte. Grummelnd und schrecklich beleidigt, da keiner Rücksicht auf einen Zwerg nahm, stellte er sich mit verschränkten Armen hin. So was dummes! Da war er schon extra hierher gekommen um seinem Freund zum Geburtstag zu gratulieren und dann kam so etwas! Wirklich grandios.

Ein unsanfter Stoß in seinen Rücken, brachte ihm jedoch andere Gedanken, da es jetzt galt, das Gleichgewicht halten zu können. Doch dieses Vorhaben misslang gründlich und er konnte sich gerade noch mit den Händen abstützen als er fiel.

„Potz Blitz und Donnerschlag! Wer war das", grölte er schnaufend und übertönte so für kurze Zeit die Ansprache Legolas'. Einige Elben drehten sich nach ihm um und zischten verärgert, doch das brachte den Zwerg noch mehr in Rage. Er wollte gerade auf einen Elben losgehen, als ein leichtes Tippen auf seiner Schulter ansetzte.

„Verzeiht uns, Meister Gimli, aber Pippin hat geschubst." Eine etwas piepsige Stimme ertönte hinter seinem Rücken und ließ den Zwerg beim Namen ‚Pippin' herumfahren.

„Das stimmt doch gar nicht, Merry! Du hast gedrängelt und wolltest unbedingt weiter vor", empörte sich Pippin beleidigt. Nun endlich erkannte Gimli die beiden Hobbits richtig. Beide mit lockigem Haar und großen haarigen Füßen und dennoch anders. Der eine trug das Wappen Gondors auf seinem Hemd, der andere das Wappen Rohans. Ein freudiges Grinsen wurde auf seinem Gesicht breiter und breiter.

„Aber ich will doch was sehen! Da müssen wir schon weiter vor", maulte Merry.

„Meriadoc Brandybock und Peregrin Tuk! Ihr seid auch hier!? Ist ja schon lange her, dass ich euch gesehen habe. Und ihr seid noch ein Stück gewachsen", rief Gimli erfreut und beide Hobbits grinsten ihn anzüglich an.

„Und du bist noch ein Stück breiter geworden", riefen beide kleinen Männer erfreut und keineswegs bösartig und liefen auf Gimli zu, um ihn zu umarmen. Gimli ließ diese Worte auf sich beruhen und knuddelte die Hobbits einmal kräftig durch.

„Wo habt ihr denn Sam gelassen", fragte Gimli schließlich. Legolas und sein Geburtstag war in diesem Moment unwichtig geworden.

„Rosi erwartet ihr 12. Kind. Und da konnten sie nicht weg, so gerne sie auch mit wollten. Schließlich war auch Sam scharf drauf, euch wiederzusehen." Mit ‚euch' meinte Merry natürlich Legolas und Gimli.

„Aber Streicher ist hier", erklärte Pippin grinsend und strich einmal kurz über sein Wappen. Schließlich war er der Knappe Aragorns.

„Ich habe ihn noch nicht gesehen! Aber was nicht ist, kann ja noch werden", tönte Gimli vergnügt, woraufhin die Hobbits munter nickten.

‚Damit ist das Fest zu Ehren des Thronfolgers Legolas Thranduilion eröffnet!' Eine laute Stimme erhob sich über die Wiese und drang sogar an die Ohren der drei Freunde, die überrascht aufsahen. Doch im nächsten Augenblick sahen sie zu, dass sie nicht von den Elben überrannt wurden. Schließlich retteten sie sich keuchend an einen Tisch und ließen sich auf einen der vielen Sitze sinken. Für kleines Volk war es gefährlich, sich in einer solchen Masse von Riesen aufzuhalten, wollte man nicht plattgetrampelt werden. Doch der anfängliche Groll wandelte sich – zumindest bei den Hobbits – in fröhliches Japsen, als sie die köstlichen Speisen vor ihren Augen erblickten. Und sofort – wie es nun mal die Art der Hobbits war – griffen sie sich das nächstgelegenste Lebensmittel, was zu erreichen war und bissen genüsslich schmatzend hinein. Gimli sah ihnen grinsend und kopfschüttelnd zu.

„Weißt du", sagte Pippin mit vollem Mund – oder versuchte es tapfer – „Ich dachte immer das Festmahl, das wir zum Abschied verspeist haben als wir zu Zeiten des Krieges Lórien verließen, hätte die Herrin des Waldes selbst gefertigt. Doch nun sehe ich, dass das ein Irrtum war." Gimli zog zweifelnd eine Augenbraue in die Höhe und sah den schmatzenden Hobbits stirnrunzelnd zu.

„Woher wollt ihr denn wissen, dass sie es nicht zubereitet hat?" Gimlis Stimme klang fordernd. Er wollte eine Antwort auf die merkwürdigen Worte haben. Doch nun schien Pippin ihn nicht recht zu verstehen und er sah Merry etwas hilfesuchend an. Dann fiel sein Blick wieder auf Gimli.

„Ja aber...sie ist doch mit Frodo und dem Herrn Gandalf in den Westen gesegelt." Die Worte des Hobbits waren so selbstverständlich, das Gimli entsetzt aufsprang.

„Sie ist WAS!?" Das konnte nicht sein. Galadriel war nicht fort, sonst wäre hier kein Goldener Wald mehr und auch keine Grenzwache. Wer sollte denn sonst den Wald verwalten? Seine Augen starrten entsetzt auf die Hobbits hinab. Wie sehr hatte er sich gefreut, gefreut auf ein Wiedersehen mit der Herrin des Waldes. Und nun war sie in den Westen gesegelt. Ohne sein Wissen. Er wusste, dass Gandalf und Frodo gegangen waren, aber dass Galadriel mitgesegelt ist, konnte er einfach nicht glauben.

„Und nun herrscht ihr Ehemann Celeborn über diesen Wald." Gimli drehte sich – noch immer geschockt – zu dem Besitzer der sanften, melodischen Stimme um und starrte in die Augen Legolas' der ihn gutmütig und glücklich ansah. Es dauerte einige Sekunden, ehe er begriff, wer da vor ihm stand. Und erst als ein dunkelhaariger Mann sich das Wort nahm, schien er wieder aufnahmefähig zu sein.

„Legolas spricht wahr, mein Freund." Nun schien Gimli nicht mehr zu halten zu sein, denn er stürmte auf Legolas zu und klopfte ihm wie besessen auf die rechte Schulter.

„Legolas! Alles gute zum 3000. Geburtstag du alter Knacker!" Gimlis und Legolas' Grinsen nahmen sich nichts in der Stärke, denn beide wussten, dass die alten Zeiten wieder da waren. Die Zeiten, in denen sie sich Tag für Tag mindestens ein Wortgefecht geliefert hatten.

„Und Aragorn! Der König Gondors!" Gimli ließ schnell von Legolas ab, um nicht einen Gegenkommentar einzuheimsen und wandte sich dem König der Menschen zu, der ihn ebenfalls froh und munter begrüßte.

„So scheint die Gemeinschaft wieder vereint zu sein...Bis auf ein paar Lücken", setzte Merry hinzu und heimste sich lautes Gelächter der restlichen Mitglieder ein. ‚Ein paar Lücken' war gut, wenn man bedachte, dass Vier der ehemaligen Ringgemeinschaft fehlten.

„Nun. Ich denke es gibt viel zu berichten", begann Legolas feierlich, doch er schien nicht ganz anwesend und konzentriert zu sein, denn seine Augen huschten stetig über den Festplatz, als suchten sie etwas oder jemanden.

Aragorn hatte dieses Verhalten schon vorher an seinem Freund festgestellt, als er seine Rede gehalten hatte. Immer wieder waren seine Augen über die Menge gehuscht, als würde er eine bestimmte Person ausfindig machen wollen. Aber da hatte der König noch gedacht, er würde nach Gimli und den Hobbits suchen. Doch nun, wo alle beisammen waren – Legolas wusste bereits schon, dass Sam nicht anwesend war, da er ihm schriftlich und tiefst bedauernd abgesagt hatte – suchten seine Augen noch immer ruhelos. Aber der frühere Waldläufer beließ es vorerst dabei und fragte ihn nicht.

„In der Tat mein Freund, aber zuerst möchte ich dir noch jemanden vorstellen", eröffnete Gimli ein Thema und zog somit die volle Aufmerksamkeit seiner Freunde auf sich. Wen mochte der Zwerg ihnen wohl vorstellen? Gimli musste angesichts der fragenden Gesichter schmunzeln.

„Darf ich?" Und da Legolas auf seine Frage nickte, hüpfte Gimli auf einen der Tische, um besser sehen zu können. Die Blicke der Elben störten ihn überhaupt nicht. Und auch die überraschten und erwartungsvollen Blicke seiner Freunde ließen ihn kalt.

„Da ist sie ja", rief er vergnügt und sprang vom Tisch auf den begrasten Boden.

„Wer", fragten alle im Chor und sahen sich suchend um. Gimli grinste und sah zu Legolas auf.

„Mein Freund geh dorthin, wo der große Baum steht. Du kannst die junge Frau im roten Kleid gar nicht verfehlen", wies Gimli an. Legolas nickte etwas irritiert. Eine Frau? Hatte Gimli jemanden kennen gelernt?

„Die Hobbits und ich brauchen etwas länger, da wir nicht so schnell durch die Menge kommen, aber geht ihr schon mal vor." Damit meinte Gimli keinen anderen als Aragorn und Legolas. Beide nickten einstimmig und setzten sich in Bewegung in Richtung der jungen Frau im roten Kleid. Warum tat der Zwerg nur so geheimnisvoll?

***

Mit einem zufriedenen Grinsen und einem Glas Wein in der Hand haltend, stand Adamantiel neben einem großen, festlich gedeckten Tisch. Noch bevor die Rede beendet war, hatte sie es geschafft, ihre Vorrichtung zu installieren. Der Nachteil war, dass sie den Elbenprinzen nun nicht gesehen hatte. Aber so schlimm war es nun auch wieder nicht. Ihr Vater würde ihn ihr sicher irgendwann einmal vorstellen. Schließlich waren die beiden Freunde.

Grinsend sah sie auf das dreiviertelvolle Weinglas hinab, dass von einem durchsichtigen, seidenen Faden umwickelt war, der nicht weiter auffiel. Jedoch war dieser nicht nur um das Glas gespannt, sondern führte von dort zu einem niedrigen Ast und verlief darüber. Am anderen Ende des Fadens, das ca. 1m und 20 cm über dem Boden hing, war ein faustgroßer Stein befestigt, der genau das Gewicht des Inhaltes des Glases hatte, das Adamantiel in der Hand hielt. Sie hatte alles genau abgemessen und ausprobiert, wobei ihr etliche Gläser zerbrochen waren, deren Scherben nun unter den großen Tischen lagen.

Genau unter dem baumelnden Stein, war ein dicker Ast schräg gegen den Baum gelehnt und führte nach bis hin zum Tisch und dann unter einen großen Weinkrug, der dadurch etwas schräg stand. Würde nun jemand aus dem Glas trinken und es wieder abstellen, hätte das Glas dem Stein kein Gegengewicht bieten können und dieser würde hinunterfallen, genau auf den Ast und somit den Weinkrug umstoßen. Alles war so platziert, dass es den Anschein machte, der Tisch sei durch diesen Ast befestigt.

Das Grinsen aus ihrem Gesicht ließ sich nicht verbannen, wenn sie daran dachte, wie spaßig es werden würde, sobald dieser Typ aufkreuzte.

Und sie sollte nicht mehr lange darauf warten müssen, denn als sie ihre Augen umherschweifen ließ, gewahrte sie einen blonden Schopf, der sich durch die Masse auf sie zuschob. Als er näher kam und einmal niemand zwischen ihnen stand, erkannte Adamantiel diesen überheblichen Elben wieder und sie wartete mit klopfendem Herzen und Vorfreude darauf, dass er endlich ankam.

Plötzlich stutzte sie. Der Mann an ihrer Seite war ja gar nicht der von vorhin. Der dabei gewesen war, als man sie eingesperrt hatte. Nein. Dieser Mann, der nun dem Grünschnabel folgte sah älter aus und hatte außerdem kurzes dunkles Haar, das hier und dort von einzelnen silbernen Strähnen geziert wurde.

Schnell schob sie den Gedanken beiseite, es doch lieber bleiben zu lassen. Umso mehr anwesend waren, umso größer Grünblatts Niederlage und Blamage.

Nun war er vor ihr stehen geblieben und musterte sie überrascht und dennoch fragend. Sie wollte schon etwas sagen, als sie auf den Gedanken kam, dass er sie vielleicht gar nicht erkannte. Hatte ihr Vater nicht gesagt, man würde sie kaum wiedererkennen? Nur mühsam verkniff sie sich das teuflische Grinsen und wandelte es zu einem Lächeln ab. Dann reichte sie ihrem Gegenüber, das Weinglas, nachdem er und der andere – Adamantiel hatte nun auch ihn erkannt, er war der Typ, der sie vorhin angesprochen hatte und offensichtlich war er ein Mensch, das sah man an seinen Ohren – sie freundlich begrüßt und sie den Gruß erwidert hatte. Der Elb hatte sie wirklich nicht erkannt und das befriedigte Adamantiel zutiefst.

Grünblatt nahm das Glas dankend an, trat neben sie, um es ihr aus der Hand zu nehmen und stellte sich somit günstig hin für das, von ihr geplante, Attentat. Dann nahm er einen kräftigen Zug Wein und veränderte somit die Masse, die dem Stein entgegenwirkte. Würde er das Glas nun abstellen, würde alles seinen Lauf nehmen. Adamantiel musste sich wegdrehen und so tun, als ob sie sich nach etwas Essbarem umsah, um ihn nicht ihr Grinsen sehen zu lassen.

„Adamantiel!" Sie horchte auf und drehte sich fragend und gleichzeitig innerlich fluchend um. Sie hatte die Stimme ihres Vaters erkannt und entdeckte ihn nun auch, wie er auf sie zueilend. Der Mensch drehte sich lächelnd zu dem Zwerg um und fragte etwas, das für Adamantiel nur einem Rauschen glich. Denn sie sah nur die zornigen Augen, die sie eingehend musterten vor sich. Sie gehörten natürlich diesem Elben und er schien sie plötzlich erkannt zu haben. Dennoch war er sichtlich verwirrt.

„Ihr...seid Adamantiel", stieß er ungläubig und ärgerlich hervor. Dann drehte er sich zu Gimli um, der nun mit zwei kleinen Männern vor ihnen stand.

„Gimli! Wer ist das!?" Die Stimme dieses Grünblatts war kalt und eisig und hinterließ eine Gänsehaut auf Adamantiel Armen. Ihr schwante nichts Gutes. Gimli jedoch schien den Ton nicht zu bemerken und stellte sie fröhlich vor. Immer wieder stellte sich das junge Mädchen die Frage, woher dieser Elb ihren Vater kannte.

„Legolas, darf ich vorstellen? Das ist meine Tochter Adamantiel", erklärte Gimli stolz und musterte Adamantiel überrascht, als ihr ein entsetzter Schrei entfuhr. Auch Legolas drehte sich wieder zu ihr um und musterte sie eingehend. Sein Blick versprach pure Wut und Mordlust. Doch Adamantiel starrte ihn einfach nur an und brachte keinen Ton heraus.

„IHR seid der Prinz!?" Ihre Stimme glich eher einem Kreischen und als sie sein Nicken gewahrte, sackte ihr ganzer Stolz und Eifer in sich zusammen.

‚DAS ist der Prinz? Der Freund meines Vaters??? Dieser Irre von einem Elben!? Ich glaub das nicht! Ich glaub das nicht!' Wie in Zeitlupe registrierte sie wie er das Glas auf den Tisch stellte und schloss – von den Ereignissen überwältigt – gequält die Augen.

„Oh Scheiße!" Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, als sie auch schon das Klirren von zerbrechendem Glas und das darauf folgende Geräusch, eines umkippenden Weinkruges wahrnahm und wie geschlagen zusammenzuckte. Ein fluchender Laut von Seiten des Elben sagte ihr, dass ihr Vorhaben gelungen war. Doch komischerweise traute sie sich gar nicht, die Augen wieder zu öffnen.

[FORTSETZUNG FOLGT!]

Huhu Ihr ^.^ *knuddels* Danke für eure Reviews im ersten Teil! ^^ Hab mich riesig gefreut. Aber was die beiden Elben gesprochen haben, werde ich nicht oder erst vieeeeeeel später übersetzen *gemein grinst* ^^

Tja...ich will zwar nicht betteln aber....*sich auf die knie wirft* Büdddee büdddeee reviewt wie es euch gefallen hat, ja?? *ganz lieb schau*

Tja...und wie es weitergeht und ob Adamantiel jetzt bestraft wird oder nicht *ggg* erfahrt ihr, wenn ihr mich überzeugt habt, weiterzuschreiben ^^ (ich liebe reviews die spornen an *lach*)

Ciao

Hegdl

Eure Sleepy Bird ^^