Huhu ich bin's ^.^ Aaaalso...ich möchte ein kleines Experiment mit euch machen ^^ *sich schon gemein die Hände reibt* *muahahahahaha* *irre funkelnde augen hat* Ehm...ja wo war ich? Ach ja ^^ Ich wollte ein Experiment mit euch machen und zwar:

Ich werde jetzt einfach mal die Perspektiven wechseln ^^ Ich hab ne FF gelesen (Minaiwen) und fand das total praktisch ^^ Da man so auch die Gedanken der einzelnen Personen besser rüberbringen kann *ggg* Also erzähl ich mal aus Legolas' mal aus Adamantiels Perspektive...Wie gesagt es ist ein Experiment, also würde ich gerne eure Meinung wissen, wie ihr das so beim Lesen empfindet, right? ^^ Also dann will ich nicht weiter schwafeln und euch lieber was ordentliches zu lesen geben :o)  

~*~Laurie lantar lassi súrinen~*~

[Wie Gold fallen die Blätter im Wind]

***

Zwerge und Elben

Adamantiel POV

Als ich das Klirren von Glas und den dumpfen Laut hörte, der dadurch entstand, wenn ein voller, schwerer Weinkrug auf dem Tisch aufkam und seinen Inhalt entleerte, schloss ich entsetzt die Augen. Der anfängliche Triumph, den ich empfunden hatte, als ich noch NICHT wusste, wer dieser rotzfreche Kerl in Wirklichkeit war, war verflogen und einem unguten Gefühl gewichen.

Wer um alles in der Welt sollte denn wissen, dass Grünblatt dieser verdammte Elbenprinz Legolas war!? Ich zumindest nicht! Und wenn er mir halt nicht schon eher seinen richtigen Namen genannt hatte, hatte er sich die Konsequenzen doch jetzt selbst zuzuschreiben.

Etwas beruhigt und wieder normaler atmend, öffnete ich meine Augen zaghaft. Das erste, was ich sah, war helles Sonnenlicht, das den Körper des Prinzen wie einen dunklen Schatten vom Himmel und dem Rest der Umgebung abhob. Ich konnte sein Gesicht deshalb nicht sehen, aber das brauchte ich auch gar nicht, denn ich spürte seinen hasserfüllten und verärgerten Blick, den er mir immer wieder zuwarf. Es benötigte große Selbstbeherrschung meinerseits, um nicht  laut loszulachen, wie ich es sonst immer tat. Ich konnte mir schon vorstellen, was der schöne rote Wein alles angerichtet hatte. Zudem hatte das Prinzlein auch noch eine weiße Tunika für die Festlichkeiten angelegt.

„Tja Legolas. Ich würde mal sagen, da ist was ausgelaufen", gewahrte ich die spöttelnde Stimme meines Vaters und als er daraufhin sofort laut losgrölte, war es auch um meine Beherrschung geschehen, die ich mühevoll gewahrt hatte, um den Elben nicht noch mehr zu reizen.

Prustend vor Lachen trat ich einen Schritt zur Seite, um die Sonne nicht mehr direkt in den Augen zu haben und nun konnte ich auch die Sauerei auf den Kleidern des Prinzen genau betrachten. Seine Tunika war vom Bauch an besudelt und griff noch auf seine ebenfalls weißen Leggins über. Es war einfach zu komisch, wie er dastand. Völlig verdutzt und außerdem mit einem etwas angeekelten Gesichtsausdruck. Es musste in der Tat widerlich sein, weingenässte Kleider am Körper zu spüren. Vor allem klebte der Stoff nicht nur an der zarten Elbenhaut, sondern es roch zudem noch stark und unerbittlich nach Wein. Der rote Fleck war auch nicht zu übersehen. Eins war sicher: Meine Rache war perfekt gelungen.

Ich betrachtete Legolas nun etwas genauer, nicht nur seine besudelte Kleidung. Alles in einem WAR er festlich angezogen gewesen. Wieder lachte ich los, als er in meine Richtung sah. Er stand kurz vor einem Wutausbruch, so wie sich seine Augen ansahen. Dunkelblau waren sie vor Zorn und Hass und das einzigste, was ich tun konnte, war über ihn zu lachen. Auch die Hobbits hatten nun in das Gelächter meines Vaters und mir eingestimmt. Einer von ihnen hielt sich sogar den Bauch und musste sich auf der Schulter des anderen aufstützen, um nicht den festen Stand zu verlieren und auf den Boden zu kippen. Gimli hatte oft über sie erzählt. Sie waren noch kleiner als Zwerge. Ich wollte es zwar immer nicht glauben, aber nun hatte ich ja den Beweis. Ihre haarigen, großen Füße und der viel zu kleine Körper dazu, waren wohl charakteristisch für ihr Volk.

Nur mit Mühe hielt ich Lachtränen zurück und zwang mich, ruhig ein und aus zu atmen, um mich wieder in Griff zu bekommen. Schließlich wollte ich mich noch entschuldigen. Etwas Anstand sollte und konnte ja nicht unbedingt verkehrt sein, doch das einzige, was ich herausbrachte war ein unter Lachanfällen hervorgeprustetes ‚Tschuldigung', was auch noch so unhöflich und spöttisch klang, dass mein Vater und die beiden Winzlinge erneut um ihre Fassung gebracht wurden.

Der dunkelhaarige Mann schmunzelte jedoch nur und reichte dem, in seiner Sprache fluchenden Legolas ein großes Taschentuch, das jedoch wütend auf den Boden geschleudert wurde. Im großen und ganzen benahm er sich sowieso sehr vornehm und...ja sogar hoheitlich. Wenn ich richtig lag, gehörte er auch zur ehemaligen Ringgemeinschaft, also musste er Aragorn, der König von Gondor sein. Anders konnte ich ihn mir nicht erklären.

Als wir uns langsam aber sicher endlich einmal wieder beruhigt hatten, gewahrte ich erst den großen Elbenauflauf, der sich um den großen Tisch versammelt hatte und belustigte sowie entsetzte Gesichter sahen in Legolas' Richtung. Nun war ich mir mehr als gewiss, dass meine Rache nicht perfekter hätte ausgehen können und ich begann es gut zu finden, dass Legolas der Prinz war.

Doch noch ehe ich etwas weiteres sagen konnte, spürte ich einen harten, befehlenden Griff auf meiner Schulter, der mich zwang, mich nach meinem Hintermann umzuwenden. Ich tat einen scharfen Atemzug als ich erkannte, wer der Wütende war und seufzte überrascht. Nein. Eigentlich hatte ich es schon geahnt, dass Haldir mich finden würde. Und so war es dann auch. Seine wütenden und zudem arroganten Augen hielten mich eisern in ihrem Blick, als er leise das Wort an mich richtete. Die Menge hielt verblüfft den Atem an und betrachtete das Schauspiel interessiert. Das Fest des Prinzen würde bestimmt noch interessanter werden.

„Ich wusste, dass ich Euch früher oder später finden würde, meine Dame. Schon da Ihr es nicht bei einem Fehltritt belassen könnt und den Ärger regelrecht sucht." Das Zischen in seiner Stimme war nicht zu überhören und ließ mich über beide Ohren grinsen. Ich konnte nicht anders, ich musste einfach wieder anfangen zu lachen. Ich hatte es doch tatsächlich geschafft, zwei ganz friedliche, nette Elben zum Fluchen zu bringen. Auch wenn ich Legolas nicht verstand, weil er in Sindarin schimpfte – er tat es immer noch und redete während meines Lachanfalls mit Haldir, der sich geschockt zu ihm gesellt hatte, mich immer noch hart am Handgelenk festhielt – aber ich wusste, dass er außer sich vor Wut war und das brachte mich zum Lachen.

„Und Ihr scheint wohl die Unfruchtbarkeit zu suchen!?" Meine Stimme war herausfordernd und absichtlich provozierend, was Haldir noch mehr in Rage brachte.

„Halt! Halt! Halt", schaltete sich mein Vater nun endlich ein, als er bemerkte, wie meine Haut an der Stelle, wo Haldir mich hielt, weiß anlief. Ich sah darauf hinab und dann wieder auf meinen Vater, der nun alles andere als belustigt dreinschaute. In der Tat. Der Kerl drückte mir das Blut ab und meine Hand war schon ganz taub.

Mein Vater machte eine Bewegung, die wohl so etwas wie einen Befreiungsversuch darstellen sollte, aber das misslang gründlich, hatte Haldir doch ausgebildetere Muskeln und einen stählernen Willen. Ich musste wirklich damit kämpfen nicht wieder in dieser ernsthaften Situation in Lachen auszubrechen.

„Was habt ihr jetzt mit ihr vor, Legolas!? Sie ist meine Tochter und außerdem war das sicherlich nicht ihre Schuld, wenn du zu dämlich bist, ein Glas abzustellen", verteidigte mein Vater mich, wie die Glucke ihre Eier. Ich nickte zustimmend und sah Legolas wieder an, der mir einen unerklärlichen Blick schenkte, sich dann in Bewegung setzte und – zu meinem größten Entsetzen – genau auf den Stein auf dem Boden zusteuerte, um den immer noch der Faden gewickelt war. Dann bückte er sich, hob ihn auf und sah abermals in mein nun versteinertes Gesicht und ein gehässiges Lächeln breitete sich darauf aus, als er den Ausdruck in meinen Augen las.

„Das", sagte er und hielt den Stein hoch. Das Sonnenlicht fiel nun auf den durchsichtigen Faden und reflektierte ihn so, dass ihn alle Umstehenden sehen konnten. Ein Raunen ging durch die versammelten Elben, als sie die Vorrichtung entdeckten und sich nun ausmalen konnten, dass es keineswegs unabsichtlich geschehen oder gar Zufall war.

„Das war ganz sicher Absicht mein Freund." Legolas' Augen schienen mich gänzlich zu durchbohren, als er das sagte und seine eisige Stimme jagte mir einen unangenehmen Schauer über den Rücken. Abermals schloss ich für 1, 2 Sekunden meine Augen und atmete tief durch. Warum musste das auch immer mir passieren?

„Adamantiel? Soll das heißen, du hast das mit Absicht gemacht!?" Die Stimme meines Vaters glich einem hohen Kreischton und ich sah ihn verständnislos an. Wieso spielte er jetzt den braven Zwerg, wo er doch mein Vorbild in solchen Sachen war. Er war es doch, der immerzu irgendwelche Streiche ausheckte um unsere Nachbarn oder reisende Handelsleute zu ärgern und sie in den Wahnsinn zu treiben. Er selbst benahm sich wie ein Kleinkind und verlangte von mir, gesittetes Benehmen. Das konnte er doch jetzt nicht ernst meinen!

„Ich wusste ja nicht, dass der da der Prinz ist", knirschte ich zwischen den Zähnen hervor und senkte trotzig den Kopf. Der triumphierende Blick dieses Grünblatts entging mir keineswegs, doch ich tat ihm nicht den Gefallen, zu ihm zu sehen. Stattdessen fing ich Haldir zornigen Blick auf, der mir zu verstehen gab, dass ich nun bestimmt wieder in eines dieser Löcher gesperrt werden sollte. Und zu alledem, den beiden zornigen Elben, dem besudelten Prinzen und der in Aufruhr versetzten Menge, spielte seelenruhig die melodische Flötenmusik und hüllte alles in eine nahezu harmonische Stimmung. Irgendwie ironisch.

„Ein bisschen mehr Respekt vor dem Prinzen des Düsterwaldes, kleine Lady!" Haldirs Worte waren ruhig und beherrscht. Nicht wie vorhin, als er seine Gefühle kaum unter Kontrolle hatte. Oh ja. Man konnte wirklich direkt sagen, dass er mich hasste. Und das nach nur 4 Stunden unseres ersten Treffens. Ich hatte es wirklich drauf, mir Freunde zu machen.

„Zolle du IHR erst einmal etwas Respekt! Eine junge Dame nimmt man nicht so hart in seinen Griff, da sie sich kaum wehren kann", polterte mein Vater erneut los und nun schaffte er es wirklich, Haldirs Hand wegzuschlagen und mich beschützend an seine Seite zu nehmen. Man konnte Haldir direkt aus dem Gesicht ablesen, was er darüber dachte. Anscheinend hatte er den Vorfall von vor ein paar Stunden noch nicht ganz verdaut.

„Wie kommt ein Zwerg dazu, mich zu duzen!? Mit Verlaub die Lady ist eine Verbrecherin und gehört eingesperrt", knurrte Haldir meinen Vater an und griff wieder nach meinem Arm!

„Och nö nicht schon wieder", entfuhr es mir genervt. Daraufhin erntete ich einen wirklich entgeisterten Blick väterlicherseits.

„Was soll das heißen ‚schon wieder'?" Seine Miene glich einem Fragezeichen und doch einer gleichzeitig wissenden Miene. Meine jetzigen Worte hatten ihm nur bestätigt, was er ohnehin längst erahnt hatte. Schon als ich ohne Bogen vor ihm auftauchte, hatte er sicher schon spekuliert und sich auf das Schlimmste gefasst gemacht.

„Das soll heißen, mein Freund, dass deine Tochter schon einmal wegen eines schweren Vergehens in den Kerkern des Goldenen Waldes verweilen musste." Legolas hatte anscheinend seine Stimme wiedergefunden. Schön für ihn, dass er sich immer dann einschalten konnte, wenn man mich zur Schnecke machte. Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu, den er ebenso hasserfüllt erwiderte. Im Volk der Zwerge erzählt man den Kindern immer die schönsten Geschichten. Geschichten von Liebenden, die sich hassten, aber dennoch liebten. Hassliebe sozusagen. Es war dann immer so, dass es nur den Anschein hatte, sie mochten sich nicht. Diese Geschichten waren immer meine Lieblingsgeschichten gewesen und man könnte DAS hier vielleicht so bezeichnen, wenn ich nicht genau wüsste, dass es wirklich Hass auf diesen Elben war, der in meinem Herzen tief verankert war. Und ihm schien es ebenso zu ergehen, denn auch in seinen Augen sah ich die Gnadenlosigkeit, die ich selbst ihm gegenüber fühlte. Also nichts mit romantischen Liebesgeschichten. Das hier war wirklich tief verwurzelte Feindschaft.

„Wer kann wissen, dass Elben so korrekt und...humorlos sind", zischte ich ihn an und malte mir in Gedanken die schönsten Sterbemethoden für ihn aus.

„Eure Unhöflichkeit hat nichts mit Humor zu tun!" Seine Stimme war lauter als die meine und ich bemerkte, dass er dies keineswegs beabsichtigt hatte.

„Da müsstet Ihr Euch erst einmal selbst an die Nase fassen!" Meine Stimme klingelte in meinen Ohren, doch ansonsten war sie ziemlich ruhig und leise.

„Wer tritt einem Mann denn in die Geschlechtsteile!?" Legolas wurde langsam immer lauter und unser beider Blicke wanderten kurz zu Haldir, der daraufhin errötete, ehe sie sich wieder trafen. Die herumstehenden Zuschauer, eingeschlossen der ehemaligen Ringgemeinschaft, schwiegen und verfolgten das Streitgespräch interessiert, was mir nur allzu recht war. Irgendwer musste diesem verzogenem Elben einmal die Meinung husten. Wenn keiner es tat, tat eben ich es.

„Wer zielt denn mit Pfeil und Bogen auf eine Frau, die nur den Weg nach Lóthlorien sucht!?" Mit Erschrecken bemerkte ich, dass ich nun schrie. Und nicht nur ich. Auch Legolas schien nun den letzten Rest seiner Beherrschung verloren zu haben.

„Euer Bogen war ebenfalls gespannt, falls ich Euch daran erinnern darf", brüllte er zurück. Sein Gesicht lief gefährlich rot an und brachte mich ganz gemein zum Grinsen.

„Das dürft Ihr aber nicht! Und nun entschuldigt mich, ich habe hier nichts mehr zu suchen. Das ist eine Party für Langweiler", fuhr ich ihn giftig an und drehte mich um, um zu gehen. Oh weia. Das war nicht nur eine Beleidigung gegen ihn gewesen sondern auch gegen alle anderen Elben. Aber es reichte mir, mit einem Trottel zu streiten und machte mich nur unnötig wütend, also wollte ich das beenden, doch Legolas schien es als Rückzug zu deuten. Immer noch außer sich vor Wut, griff er brutal meine Hand und zerrte mich herum. Schock und Überraschung standen in meinen Augen, als ich ihn ansah. Ein Blick genügte und ich hatte erkannt, dass ich es zu weit getrieben hatte. Hart und rücksichtslos griff er mit beiden Händen meine Schultern und zog mich unwirsch an sich heran. Angst kroch in mir hoch, als seine sturmblauen Augen nur wenige Zentimeter von den meinen entfernt glitzerten.

„Ich werde Euch nicht so davon kommen lassen. Ich werde schon dafür sorgen, dass Ihr bekommt, was Ihr verdient", flüsterte er. Jede einzige Silbe, nein jeder einzelne Buchstabe zitterte vor Hass und Zorn. Ich hätte nie gedacht, dass er sich darin noch steigern konnte und es machte mir tatsächlich ein wenig Angst. Ich schluckte hart, um die aufkommenden Tränen zu verbannen, dann ließ ich den Blick um mich schweifen und was ich sah, machte mich mehr als verlegen. Die Gesichter aller Anwesenden waren sprachlos und...entsetzt. Niemand wusste, was er von alledem halten sollte, bis auf Haldir natürlich, der mich verächtlich musterte. Mein Blick huschte hilfesuchend zu meinem Vater, doch selbst der schien nicht zu wissen, wie er die Situation ins lächerliche ziehen konnte.

***

Legolas POV 

Nachdem sie diese Worte gesagt hatte, war es um meine Fassung geschehen. Es schien ihr anscheinend nicht bewusst zu sein, dass sie damit nicht nur mich beleidigte sondern sämtliche, nein alle Gäste! Sicher, es konnte nicht jeder hier Westron und das war auch gut so. Hätten die anderen ihre Worte wirklich verstanden, stünden sie nun nicht so ruhig im Kreis um uns herum. Aber mich brachte es um den Verstand. Die anfängliche Abscheu hatte sich in lodernden Hass gegen dieses Geschöpf verwandelt. Sie schien es sogar bemerkt zu haben, denn sie sah mich nun, da ich sie fest im Griff hatte etwas verschreckt und hilflos an. Ich konnte sogar einen Anflug von Tränen in diesen gebirgswassergrünen Augen erkennen. Aber das war mir mehr als egal. Es war mir auch egal, dass sie eine Frau war. Es war mir egal, dass sie ein Gast war und vor allem war es mir egal, dass sie Gimlis Tochter war. Eigentlich konnte man ihr das alles nicht übel nehmen, schließlich hat sie ihr ganzes Leben bei ihm verbracht und doch..... sie war nicht wie er sondern um einiges schlimmer.

Mein Verstand wirbelte und ich war wirklich nicht in der Lage einen einzigen klaren Gedanken zu fassen. Das einzige, was ich erkennen konnte, war der offensichtliche Hass gegen sie, tief in meinem Herzen verankert. Noch nie hatte ich ein solches Gefühl verspürt und ich war überrascht, dass Elben überhaupt in der Lage waren, so etwas wirklich zu empfinden.

Eine sanfte, aber bestimmte Hand auf meiner rechten Schulter, ließ mich aus meinem tiefen Gefühlsstrudel auftauchen und die Umgebung wieder wahrnehmen.

*Lass gut sein, Legolas. Lass sie gehen oder willst du vor aller Augen einen Mord begehen.* Aragorns Stimme. So weise und ehrlich wie immer und doch sehr besorgt. Er schien sich der brenzligen Lage, in der ich mich befand besser bewusst zu sein, als ich selbst. Ich nickte zwar, unterbrach den Blickkontakt zu der jungen Zwergin jedoch nicht eine Millisekunde. Ich ließ mich von Aragorn von ihr wegziehen und stand nun einige Meter von ihr entfernt. Ihr Blick, eben noch etwas verstört und ängstlich, wies nun wieder den arroganten Trotz auf, den sie von Anfang an in sich hatte.

*Nein mein Freund, einen Mord nicht, aber sie muss bestraft werden* Aragorn und ich sprachen in Sindarin. Die wenigsten der Elben hier in Lóthlorien sprachen Sindarin. Nur die Elben des Düsterwaldes benutzten diese Sprache. Hier war es Quenya.

*Lass gut sein, Legolas. Es ist dein Geburtstag. Wenn du sie einsperrst, wird dich das außerdem nicht sehr beliebt machen. Zudem kannst du nicht beweisen, dass sie es war*, redete Aragorn weiterhin auf mich ein. Ich schenkte ihm keinen einzigen Blick sondern hielt ihn noch immer auf Adamantiel gerichtet, doch ich spürte Aragorns besorgten Tonfall, wie seinen flehenden, eindringlichen Blick.

Er hatte ja recht. Ich konnte diesem Mädchen nichts nachweisen. Vielleicht hatte auch eines der Kinder diese Vorrichtung bei den Vorbereitungen für das Fest installiert. Vielleicht war sie es nicht. Aber ich wusste es bestimmt. Sie war es und kein anderes Wesen sonst!

*Sie war es.* Meine Stimme war ruhiger als ich dachte. Der Druck von Aragorns Hand auf meiner Schulter wurde etwas fester als er sprach.

*Mein Freund. Es ist nicht wichtig. Vielleicht wollte sie einen anderen damit treffen und nicht dich. Vielleicht hat sie dich verwechselt.* Ich sah immer noch in ihre unbeugsamen Augen. Augen, die nie gelernt hatten, sich unterzuordnen. Augen, die nie wirklich gebrochen werden konnten, auch wenn der Tod sie trüben mochte. Augen, die stark und wild waren und ich wusste, dass Aragorn unrecht hatte. Seit so vielen Jahren zum ersten Mal. Doch statt etwas zu erwidern, seufzte ich geschlagen und wandte den Blick von ihr ab.

„Geht! Verschwindet von diesem Fest. Und sehe ich Euch noch einmal wieder, gnade Euch Eru!" Meine Worte waren leise aber bestimmt. Es kostete mich einige Überwindung, sie wieder anzusehen und sie wusste das. Um es noch etwas hinauszuzögern, strich sich Adamantiel eine, in die Stirn gefallene Haarsträhne aus dem Gesicht und verbannte sie hinter das linke Ohr. Dabei verrutschte ihr rotes Stirnband, das immer die oberste Kante der Ohren verdeckte und gab ein wenig den Blick darauf frei. Und was ich sah, entsetzte mich zutiefst, doch hatte ich meine Gefühle und Regungen wieder vollständig unter Kontrolle. So etwas wie dieser Streit, würde nicht noch einmal passieren. Abermals starrte ich auf die spitzen Ohren, die sich unter dem Stirnband befanden und nahm ihre Worte nur wie aus weiter Ferne wahr.

„Ich hatte es ohnehin satt mich zu langweilen", erwiderte sie rotzfrech und drehte sich arrogant auf dem Absatz um, um die Festwiese zu verlassen. Ich sah ihr lange nach, bis sie zwischen den Leuten verschwand und ihr rotes Kleid nicht mehr auszumachen war. Ich wusste weder ein noch aus. Dieses Mädchen war ganz sicher keine Zwergin sondern eine Elbin.

Ich lenkte meinen Blick zu Gimli, der wie versteinert zwischen den beiden Hobbits stand und nichts zu sagen wusste. Eine der seltensten Gelegenheiten und doch war es eingetroffen. Wusste er es nicht? Wusste er denn nicht, dass er eine Elbin großgezogen hatte? Bestimmt wusste er es und es musste schwer gewesen sein, sie nicht in dem Glauben zu lassen, sie sei anders als andere. Bedauern und Scham kam in mir auf. Ich hatte gerade seine Tochter von meinem Geburtstag ausgeschlossen und er stand nun zwischen mir und ihr. Er als mein Freund. Er als ihr Vater. Nur aus den Augenwinkeln bekam ich mit, dass Haldir sich leise und unscheinbar entfernte und sich der Rest der Gäste wieder dem Fest widmete. Ich konnte von Glück reden, dass mein Vater nicht aufgetaucht war. Oder besser Adamantiel und Gimli konnten von Glück reden. Sicher wäre es nicht so glimpflich ausgegangen.

„Legolas?" Erst jetzt bemerkte ich, dass Gimli zu mir getreten war und mich ernst ansah. Ich seufzte und mein Herz wurde schwerer.

„Ja?" Er musterte mich eingehenden und brachte dann eine Bitte hervor, die ich am wenigsten erwartet hatte.

„Könnten wir...Könnten wir bitte unter vier Augen reden. Ungestört und so? Ich wollte dich zwar erst später fragen, aber so wie das alles verlaufen ist, werde ich wohl jetzt damit rausrücken müssen." Mein Blick musste ihm wohl verraten, dass ich überhaupt nichts mehr verstand und so zog er mich ohne ein weiteres Wort vom Rest meiner Freunde fort, hinaus in den Wald. Eigentlich war die Festwiese ja nur eine kleine Lichtung mitten im Wald, sodass man bei Gelegenheit immer einen Spaziergang machen konnte. Dieser Tag war wirklich der Schicksalhafteste in meinem ganzen, langen bisherigen Leben. Die Ereignisse schienen sich zu überstürzen, aber es sollte noch besser kommen.

***

Keine POV

Langsam und fast im Gleichschritt gingen beide Freunde nebeneinander her durch den ruhigen Wald. Hier und da fiel ein verirrter Sonnenstrahl auf den Boden und ließ mal hier und dort ein Blatt heller erscheinen, als es in Wirklichkeit war. Die Vögel zwitscherten munter und vergnügt die schönsten Melodien und alles machte den Eindruck, als hätte es an diesem Tag nie eine Auseinandersetzung gegeben. Legolas atmete die süße, klare Luft tief ein. Es tat gut, ein wenig Ruhe zu haben, doch diese sollte nicht lange vorherrschen.

„Was wolltest du mit mir besprechen, Gimli?" Seine Stimme klang nun wieder melodisch, warm und freundlich, als wäre er nie zornig gewesen. Schon verrückt diese Elben. Gimli schüttelte seufzend den Kopf, ehe er das Wort mühsam an seinen Freund richtete.

„Ich weiß, dass dir meine Bitte nach diesem Vorfall von eben unmöglich erscheinen wird, Legolas. Und doch muss ich sie vorbringen und dich wenn nötig sogar anflehen." Legolas öffnete überrascht die Augen. Er hatte den Zwerg noch nie ernsthaft über etwas reden hören. Der Schalk war aus seinen Augen, die Ironie aus seiner Stimme verbannt und die Gesichtszüge wiesen auf Besorgnis und Gram hin.

„So sprich. Ich werde sehen, was ich tun kann, um dir deine Bitte zu gewähren", forderte der Elb seinen Freund auf und ging etwas schneller voran. Irgendwie hatte er das unbestimmte Gefühl, Gimli wollte mit ihm über seine Tochter sprechen. Aber das hatte er auch ohnehin vorgehabt, nachdem was er vorhin entdeckt hatte.

„Legolas. Ich sah vorhin deine Augen, als sie auf Adamantiel fielen." Der Elb senkte betroffen den Kopf. Es musste Gimli schmerzen, dass er Hass auf Adamantiel hegte, aber er konnte nichts dagegen tun. Dieses Gefühl war einfach da und ließ sich nicht verbannen.

„Und damit meine ich nicht den Hass und die Verachtung, die darin standen", fuhr der Zwerg fort. Seine Stimme führte keinen Zorn oder Gram mit sich, sondern war ganz und gar neutral gehalten. Und dennoch hatte Legolas ein schlechtes Gewissen.

„Gimli ich...", wollte er sich ausdrücken, doch der schüttelte bestimmt den Kopf und hieß Legolas so, zu schweigen.

„Lass mich aussprechen. Ich meinte den Blick, als du sie richtig ansahst." Verwundert blieb Legolas für einen Moment stehen. Gimli hatte es also bemerkt. Es war überraschend, dass er dieses Thema nun anschnitt. Doch anstatt auch im Schritt innezuhalten, ging der Zwerg seelenruhig weiter über die Laubdecke des Goldenen Waldes. Legolas betrachtete ihn eingehender. Es war ein jämmerlicher Anblick, den sein Freund heute bot. Die Schultern hingen schlaff nach vorne und der Kopf war gesenkt, sodass der Bart schon bis auf die Brust fiel.

„Sie ist nicht deine Tochter, nicht wahr?" Legolas' Stimme war leise und einfühlsam. Er wollte Gimli keineswegs verletzen mit dem, was er sagte und doch hatten seine Worte eine lähmende Wirkung auf den Zwerg, denn er blieb ruckartig stehen und schüttelte dann ganz langsam den Kopf. Doch er war nicht fähig, auch nur ein einziges Wort zu verlieren und so übernahm es Legolas.

„Sie ist eine Elbin. Ich habe es an ihren Ohren gesehen. Und es war auch meine Vermutung gewesen, als ich sie das erste Mal traf, bevor sie mir erklärte, wessen Volk sie angehörte." Gimli nickte geschlagen und drehte sich nun nach Legolas um. Der Blick, der den Elben traf, ließ Legolas innerlich schmerzhaft zusammenfahren. Er war so voller Trauer und Schmerz, dass er meinte eine vollkommen andere Persönlichkeit, aber nicht Gimli vor sich zu haben.

„Sie gehört einem Volk der Elben an. Welches es ist, weiß ich nicht. Ich weiß sehr wenig über sie. Nur, dass man sie Adamantiel taufte. Von ihren Eltern weiß ich nichts." Legolas' Augen zogen sich zu verständnislosen Schlitzen zusammen und seine Stirn legte sich verwundert in Falten.

Gimli hob den Kopf und wandte den Blick nach oben, als ob er sich in Erinnerungen verlieren würde.

„Es war vor genau 98 Jahren. Es regnete in Strömen und wir mussten die Höhleneingänge zum Inneren des Berges verschließen um nicht zu ersaufen. Damals hatte ich Außendienst mit ein paar anderen. Ich weiß es noch genau. Als ich fortgeschickt wurde, Holz zu schlagen um einen Flaschenzug bauen zu können, sah ich einen Schatten zwischen den Bäumen, der nur darauf zu warten schien, dass einer von uns allein unterwegs war. Einen Augenblick später stand er direkt vor mir. Die anderen konnten ihn nicht sehen, da er hinter einem Baum stand und so vor Blicken abgeschirmt war.

Er war groß gewachsen und sein nasses Haar hing in Strähnen an ihm herab und klebte hier und da im Gesicht. Auf seinem Arm trug er ein kleines Bündel, dass er schützend an seine Brust gedrückt hatte, dann aber mir entgegenstreckte. Das einzige Wort, das ich im Rauschen des Regens verstand, war ‚Adamantiel'. Er machte undeutbare Gesten und drückte mir anschließend das Bündel in die Hand, welches ich verwundert festhielt. Dann versuchte er wieder, mir etwas verständlich zu machen. Und nach einigen Versuchen verstand ich so einigermaßen, was er mir mitteilen wollte. Er wollte, dass ich sie noch vor ihrem 100. Geburtstag zu den Elben brachte. Als er erkannte, dass ich diese Worte verstanden hatte, verschwand er so schnell er gekommen war zwischen den Bäumen im Regen. Erst als ich die Decken zurückschlug und der prasselnde Regen auf das kleine Gesicht des Mädchens fiel, erkannte ich, dass es eine Elbin war. Ich dachte zuerst, er wäre ein verzweifelter Mensch gewesen, der sich verlaufen hatte und nun jemanden brauchte, der für sein Kind sorgte. Doch es war ein Elb, Legolas."

Nun richtete Gimli den Blick wieder auf den lauschenden Freund und ehemaligen Gefährten, der interessiert zu ihm herübersah. Es war sehr ungewöhnlich, dass Elben ihre Kinder in Pflege gaben, schon weil es nur selten geschah, dass ein Ehepaar ein Kind zeugen konnte. Aber warum gerade bei den Zwergen?

„Meine Frau und ich zogen Adamantiel groß und versuchten so wenig wie möglich die Tradition der Zwerge an sie herankommen zu lassen. Es war schwer, aber trotzdem waren es wunderbare Jahre. Wir wollten es nie wahrhaben, doch die Zeit verging schnell und sie steht nun kurz vor ihrem 100. Geburtstag. Ich hatte es dem Elben versprochen, das Mädchen zu seinem Volk zurückzubringen und ich halte mich daran. Nur eins sag mir: Warum gerade der 100.?" Legolas antwortete nicht gleich, da er selbst erst überlegen musste, was an einem 100. Geburtstag so wichtig war, doch dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.

„Es ist der Geburtstag, an dem Elben ‚erwachsen' werden." Gimli nickte verstehend und senkte abermals den Kopf.

„Und nun komme ich zu meiner Bitte, Legolas. Nimm Adamantiel in euer Volk auf, wie es sich gehört und kümmert euch um sie." Bei jedem dieser Worte schien der Elbenprinz mehr und mehr zu Stein zu erstarren. Adamantiel sollte bei den Elben aufgenommen werden? Seiner Meinung nach machte sie sich als Zwerg besser. Und außerdem wollte er lieber gar nicht an das entstehende Chaos denken, welches vorherrschen würde, wenn sie erst einmal bei den hohen Geschöpfen lebte. Die Sicherheit eines ganzen Volkes würde gefährdet sein! Schließlich dachte sie wie ein Zwerg und benahm sich auch so.

Gimli sah es der Miene seines Freundes an, dass er ganz und gar nicht dafür war und versuchte einen erneuten Anlauf.

„Ich wollte die Herrin des Waldes bitten, aber sie ist fort. Nun bleibst nur du, der das entscheiden kann."

„AUF KEINEN FALL!" Nun hatte Legolas seine Stimme wiedergefunden und schrie seine Meinung regelrecht in den Wald hinein.

„Nichts in der Welt und auf Mittelerde kann mich dazu überreden, Adamantiel in das Volk der Elben aufzunehmen! Sie ist als Zwerg erzogen, Gimli und da soll sie auch bleiben", fauchte er. Seine Stimme war wie ausgewechselt, als er von ihr sprach. Sie war wieder von Hass und Wut regiert.

„Legolas! Sie weiß noch nicht einmal, dass sie eine Elbin ist! Und es wird ihr ebenso wenig behagen wie dir." Gimlis Stimme glich nun einem Knurren. Er hatte geahnt, dass es schwierig werden würde. Vor allem, nachdem er den offensichtlichen Hass der beiden aufeinander bemerkt hatte und dennoch...

„Na noch besser", bemerkte der Kronprinz sarkastisch und funkelte den Zwerg wütend an.

„Echt grandios, dass du sie nie über ihre Herkunft aufgeklärt hast, Gimli! Vielleicht würde sie sich etwas normaler verhalten, hättest du sie nicht als Zwergin aufgezogen!"

„Wie wäre denn ein Zwerg unter den Elben aufgewachsen, Legolas!? Sicher nicht als Zwerg! Er würde singen und tanzen, was nun so gar nicht zu seinem Volk passt!" Gimli und Legolas keiften sich nun gegenseitig an. Beide hatten geahnt, dass Adamantiel einen erheblichen Faktor in ihrer fortlebenden Freundschaft spielen würde, aber dass es so krass kommen würde, hätten beide nie zu denken gewagt. Die langjährige Freundschaft zwischen dem Elben und dem Zwerg stand auf Messers Scheide und konnte letztendlich nur von dem Elben entschieden werden, denn er musste eine Entscheidung treffen.

„Jedenfalls besser, als eine Elbin, die sich wie eine Zwergin aufführt!"

„Das denkst du! Es hängt nämlich von den Ansichten des Volkes ab! Und außerdem könntest du mir ruhig einmal einen Gefallen tun, ‚FREUND'! Was denkst du, wie oft ich deinen eingesalbten, glatten Hintern schon im Ringkrieg gerettet habe!? Man denke nur an Helms Klamm."

 Da haben wir uns gegenseitig die Orks vom Hals gehalten und das hat nichts damit zu tun, dass ich eine gefährliche Furie auf die Elben hetzen soll. Und außerdem: Woher weißt du, dass mein Hintern eingesalbt ist", verteidigte sich Legolas wacker und setzte sich in Bewegung. Gimli folgte ihm sofort.

„Sie ist KEINE Furie! Sie war nur etwas verunsichert, weil sie noch nie einen anderen Elben gesehen hat. Zu deiner 2. Frage: Ich habe dich in Minas Tirith gesehen wie du vom Baden kamst, mehr sag ich nicht dazu", rief Gimli empört. Er wollte nicht, dass Legolas seine Ziehtochter beschimpfte.

„Ich denke sie wusste selbst nicht, dass sie eine Elbin war! Nur komisch, dass ihr ihre Ohren nie aufgefallen sind", fauchte Legolas und verschärfte seinen Schritt, sodass der Zwerg schon hinterher rennen musste. Der Elb hatte absichtlich das andere Thema fallen gelassen.

„Wir haben ihr ein Lügenmärchen aufgetischt, dass sie sich nicht als Sonderling fühlen sollte. Was denkst du, warum sie immer dieses Stirnband trägt!? Du weißt überhaupt nicht, wie sie leiden musste unter allen Gleichaltrigen, die sie als abtrünniges Wesen beschimpft und gehänselt haben! Sie hat es versteckt und doch erkannte ich oft Tränen in ihren Augen, als sie heimkehrte!" Darüber hatte sich Legolas wirklich noch keine Gedanken gemacht. Sie musste es offensichtlich schwer gehabt haben, in ihrer Kindheit. Und dennoch wollte er nicht einfach so nachgeben.

„Und du denkst, dass sich das hier nicht so zutragen wird?"

„Ich gehe davon aus. Bitte Legolas. Sie braucht eine richtige Familie. Außerdem...findet sie keinen Gefallen an den Männern der Zwerge, was auch allzu verständlich ist. Wie soll sie je jemanden finden, der sie liebt und den sie liebt?" Gimli hatte wieder zu sich gefunden und versuchte es abermals auf die sanfte Tour. Seine Worte waren sogar einleuchtend und doch...

„Ich glaube, selbst hier wird sie NIE jemanden finden, so wie sie sich verhält! Ob hier oder da, was macht das für einen Unterschied!?" Er schien nicht zu erweichen zu sein und Gimli sah schwarz für die Zukunft Adamantiels. Aber es verwunderte ihn schon, dass ein Elb ein Mädchen seines Volkes nicht aufnehmen wollte. Also fasste er den Elben kurz entschlossen am Ärmel und zwang ihn, ihn anzusehen. Legolas sah immer noch wütend auf den Freund hinab, der bittend zu ihm aufsah. Es war ein niedliches Bild, dass sich einem Zuschauer geboten hätte, wäre einer ihnen gefolgt. So wie Legolas zu Gimli herab sah und dieser zu ihm herauf. Doch keinem von beiden war zum Lachen zumute.

„Ich bitte dich ernsthaft Legolas. Bitte lass Adamantiel einen Platz in deinem Volk bekommen", bat Gimli eindringlich und seine Augen flehten den Prinzen regelrecht an. Ein tiefer Seufzer gab preis, dass der Zwerg endlich gewonnen hatte und gleich darauf folgten zustimmende Worte.

„Gut. Ich werde mich nach einer Pflegfamilie für Adamantiel umsehen. So wird sie direkt ins Alltagsleben mit eingebunden." Er sah, wie sich Gimlis Miene etwas aufhellte, als er die bestätigenden Worte sprach. Was konnte es schon schaden? Wenn er sie jemandem in Pflege gab, der weit genug von ihm entfernt war, würde er die junge Elbin eh nie wiedersehen.

„Ist es auch möglich, dass du sie aufnimmst und unter deine Obhut stellst." Der entsetzte Ausdruck in Legolas' Augen ließ Gimli leicht schmunzeln.

„Ich bin zwar nicht ihr richtiger Vater, aber es würde mich sehr beruhigen zu wissen, dass Adamantiel wirklich in guten Händen ist. Und das ist sie bei dir ganz sicher." Abermals seufzte Legolas schwer. Die Vorstellung, die kleine Elbin zu bevormunden, war mehr als grausam und er schüttelte den Kopf.

„Es würde nur Mord und Totschlag zwischen uns geben, Gimli. Das kann nicht gut gehen. Sie wird sowieso nicht auf mich hören."

„Oh doch! Das wird sie ganz sicher, mein Freund. Auf MICH hört sie nämlich und ich werde ihr sagen, dass du die Verantwortung übernimmst." Was sollte Legolas noch darauf antworten? Er hatte schon viel zu viele Dinge in dieser Sache zugesagt, sodass er nun unmöglich ablehnen konnte.

„Gut. Ich werde sie mit in den Düsterwald nehmen und im Palast leben lassen oder ihr eine eigene Wohnung geben", willigte er in die Bitte des Zwerges ein.

„Außerdem wird sie Sindarin erlernen müssen, wenn unter meinem Volk leben will." Gimli nickte eifrig und seine Augen strahlten unendliche Dankbarkeit aus. Er konnte es zwar nicht in Worte fassen, aber Legolas wusste ohnehin Bescheid.

„Lass uns nun wieder zu den anderen gehen und das Fest genießen." Mit diesen Worten wandte sich Legolas um, in der Vorahnung, dass harte Jahre auf ihn zukommen würden.

***

Adamantiel POV

Schnell, nein hastig, verließ ich die Wiese, auf der sich diese ganzen merkwürdigen Geschöpfe aufhielten, denen auch dieser arrogante Legolas angehörte. Oh Gott, wie hatte ich mich doch zum Ei der gesamten Völker gemacht. Bis auf die Knochen blamiert, kam ich mir nun vor, während ich durch die schwatzende Menge huschte. Es kam mir so vor, als drehte sich jeder Elb, groß oder klein nach mir um und tuschelte dann über mich. Natürlich war es nicht so, das wusste ich und dennoch war ich misstrauisch und vor allem mies gelaunt.

Mit Hass dachte ich an den lächerlichen Streit zurück, aus dem ich eigentlich als Siegerin hervorgegangen war. Schließlich hatte mein Vater verhindert, dass diese verrückten Elben mich erneut einsperren ließen. Zum Glück, konnte man da wirklich nur sagen. So wie Haldirs oder gar Legolas' Augen gefunkelt hatten, hätte man eher annehmen können, sie würden mich auf der Stelle aufschlitzen.

„So zeitig verlasst ihr schon das Fest, junge Lady?" Ich drehte mich überrascht und etwas irritiert nach dem Sprecher um und lächelte etwas verzögert, als ich ihn erkannte. Es war einer der Wachen. Genauer gesagt der Vater von Nestalinna.

„Mir geht es nicht besonders, mein Herr", antwortete ich so höflich es eben in mieser Stimmung ging und er nickte bestätigend.

„Ihr seht wahrlich nicht gut aus, Mylady. Ihr solltet Euch zur Ruhe legen." Ich nickte zustimmend und verabschiedete mich von ihm, als mir plötzlich einfiel, dass ich ja gar nicht wusste, wo ich überhaupt war oder besser: wo ich hinmusste. Seufzend wandte ich mich noch einmal um und sah den Elben hilfesuchend an.

„Verzeiht, aber Eure Tochter führte mich hierher und nun weiß ich den Weg zu meiner Unterkunft nicht mehr" hob ich fragend an und zog schon wie geprügelt den Kopf ein. Hatte man bei meinem Volk jemals nach dem Weg gefragt, wurde man entweder ausgelacht oder beschimpft. Doch der Elb lächelte mich einfach nur freundlich an und verbeugte sich sehr höflich.

„Nennt mir Euren Namen und ich werde sehen, was ich tun kann, junge Dame", bot er sich freundlich an. Ich nickte und stellte mich mit meinem vollen Namen vor.

„Adamantiel, Gimli Gloinssohns Tochter." Meine Stimme klang irgendwie fremdartig, aber irgendwie auch wieder nicht. Ich atmete einmal tief durch. Dieser Wald und die Elben darin, machten mich ganz und gar verrückt. Ich sehnte mich schon richtig nach der Heimkehr und den dunklen Tunneln des Einsamen Berges. Hoffentlich würde sich mein Vater nicht zu lange hier aufhalten wollen.

„Ah. Die Tochter des Gefährten des Ringträgers, Frodo." Jeder schien meinen Vater zu kennen und das war nicht schmeichelnd, sondern nervig.

„Ja genau der", gab ich etwas ungeduldig zurück. Doch das schien ihn keineswegs zu stören, da er sich rasch umwandte, etwas auf elbisch zu einer anderen Wache sagt und dann meine Hand nahm, um mich mitzunehmen. Etwas perplex folgte ich ihm. Dies war nun schon die 2. Führung durch den Goldenen Wald. Nein. Die 3., aber mit verbundenen Augen zählte wohl eher nicht.

„Ein Mädchen der Zwerge also. Ich hätte eher auf eine wunderschöne Elbenprinzessin getippt", scherzte er und ich verzog verärgert die Nase. Das Wort ‚Prinzessin' erinnerte mich an diesen widerlichen Grünblatt und der war der Letzte, an den ich erinnert werden wollte.

„Nein eher nicht. Besser gesagt ein ziemlich mickriges Zwergenkind." Er lachte auf meine Antwort und ich mit ihm. Irgendwie war er nett. Wie seine Tochter und ihr Freund. Wo sie jetzt wohl war? Irgendwie wünschte ich mir jetzt jemanden, dem ich den Vorfall des heutigen Tages berichten konnte, mit dem ich darüber lachen und mich aufregen konnte, aber ich hatte niemanden, mit dem ich reden konnte. Mein ganzes Leben lang war ich Einzelgängerin gewesen, auch wenn ich mir etwas anderes eingeredet hatte.

„Mickrig seid Ihr aber ganz und gar nicht. Seht Euch nur an." Langsam wurde dieses Thema unangenehm und ich beschloss, es rasch zu wechseln.

„Wie alt ist Eure Tochter?", fragte ich neugierig und er wandte sich lächelnd nach mir um.

„Sie wird wohl kaum älter sein als Ihr, schätze ich." Diese Antwort war auch eine Antwort, aber sie genügte mir nicht.

„Und wie alt denkt ihr, bin ich?" Nun war ich aber mal auf seine Antwort gespannt. Schließlich sahen alle Elben jung aus und man konnte so ein Geschöpf gar nicht mit mir vergleichen.

„Vielleicht 100 Jahre. Mehr oder weniger ist auch möglich, aber ich denke eher weniger. Und doch erstaunt mich Euer junges Aussehen." Seine letzte Bemerkung war zwar rotzfrech gewesen, aber ich überhörte es einfach. Meine Fresse! Der Typ hatte wirklich richtig getippt! Nicht zu fassen.

„Ich bin eben eine Ausnahme", antwortete ich schnell und fing einen amüsierten Blick auf.

„Das bezweifle ich nicht. Ich muss Euch nur in die Augen sehen und schon weiß ich, dass Ihr anders seid, als der Rest der Welt." Er lachte wieder und obwohl ich nicht wusste, wie ich es auffassen sollte, lachte ich mit ihm.

„Ist Eure Tochter noch immer bei der Heilerin?" Ich wusste nicht direkt, warum ich ihn immer wieder nach Nestalinna ausfragte, aber die junge Elbin hatte es mir in Art und Erscheinungsbild angetan. Ich mochte sie, da sie auf Anhieb nett zu mir war. Génbô war zwar auch nicht unhöflich gewesen, aber er hatte sehr wenig gesagt, sodass ich mir kein Bild von ihm machen konnte.

„Ja das ist sie. Sie wird hier ihre Ausbildung abschließen und dann wieder in den Düsterwald zurückkehren", erklärte er und ich hörte den Stolz aus seiner Stimme heraus.

„Ach? Sie lebt gar nicht hier", entfuhr es mir verwundert und er schüttelte lächelnd den Kopf.

„Nein. Sie lebt mit ihrer Mutter im Düsterwald und kam nur für die Ausbildung zur Heilerin mit ihrem Jugendfreund hierher. Ich habe vor langer Zeit diesem Wald und seinen Bewohnern die Treue geschworen und sehe meine Familie nur selten. Aber sobald sie die Ausbildung abgeschlossen hat, kehrt sie zurück." Ich nickte verstehend. Nun schlenderte ich an seiner Seite und machte mir Gedanken darüber, dass dieser arme Mann hier lebte und seine Frau mit seiner Tochter ganz woanders. Wieso waren sie nicht zusammen geblieben? Aber je mehr ich darüber nachdachte, desto klarer kam mir der Gedanke, dass mich diese Angelegenheit nichts anging.

„Ich kann sie morgen früh zu Euch schicken, damit sie Euch die Gegend etwas näher zeigen kann", bot mir der Wächter an.

„Nein nein! Sie soll sich keine Umstände wegen mir machen", wehrte ich verlegen ab und schüttelte unterstreichend meinen Kopf, was ihm ein Lachen entlockte.

„Keine Angst. Sie tut eh nur das, was ihr gefällt und wonach ihr der Sinn steht. Aber ich bin sicher, sie lässt sich die Chance nicht entgehen, Euch wiederzusehen", versicherte er mir und seine Zuversichtlichkeit ließ meine Unsicherheit schmelzen.

„So. Da wären wir." Als ich diese Worte vernahm, sah ich überrascht auf. Und tatsächlich standen wir vor meiner Zimmertür! Verblüffend, wie gut sich diese Elben überall auskannten und zurechtfanden. Es kam mir so vor, als hätten sie eine Landkarte in ihrem Kopf gespeichert. Aber wenn man bedachte, dass viele schon über Tausende von Jahren hier lebten, war es eigentlich gar nicht mehr erstaunlich. Ja, ja unsterblich müsste man sein und man hätte viel mehr Zeit, alle Sachen zu erledigen.

„Ich danke Euch", brachte ich mit einem strahlenden Lächeln hervor, was der Nestalinnas Vater ebenso ehrlich erwiderte.

„Es war mir eine Ehre, junge Lady. Ich bin sicher wir sehen uns irgendwann einmal wieder aber nun wünsche ich Euch eine angenehme Nacht. Meine Tochter wird sich nach Sonnenaufgang bei Euch sein." Ich nickte dankend und erwiderte den Wunsch der guten Nacht und sah ihm nach, wie er davonging. Dann öffnete ich vorsichtig die Tür zu meinem Gemach und huschte durch den Spalt hinein in Sicherheit. Klar, niemand hätte mir etwas angetan, aber wer wusste denn, ob Haldir seinen Leuten schon mitgeteilt hatte, dass sie die Suche einstellen konnten? Sicher nicht. Er würde jede Gelegenheit genießen, mir eins auswischen zu können.

Müde seufzend ließ ich mich in einen der gepolsterten Stühle sinken und streckte erschöpft die Beine von mir. Mein Körper fühlte sich so unglaublich matt und schlaff an. Am liebsten wäre ich auf der Stelle eingeschlafen und nie wieder aufgewacht, nur um diese schreckliche Müdigkeit endlich einmal zu überwinden. Aber meine verdiente Ruhe schien mir wohl niemand gönnen zu wollen. Etwas genervt sah ich Richtung Tür, die vorsichtig aufgeschoben wurde. Meine Ohren konnten das leise Scharren auf dem Fußboden wahrnehmen. Ich war sowieso ziemlich unnormal für eine Zwergin. Manchmal habe ich echt das Gefühl, diesem Volk nicht wirklich anzugehören. Schon meine Ohren müssten ein eindeutiger Beweis dafür sein.

Verschlafen rieb ich meine Augen. Moment? Verschlafen? Etwas ungläubig starrte ich aus dem Fenster und bemerkte, dass die Dämmerung der finsteren Nacht gewichen war. Ich musste eingenickt sein.

„Adamantiel?" Die Stimme war leicht belustigt und fragend. Sofort wusste ich, wer in das halbdunkle Zimmer eingetreten war: Mein Vater. Er musste mir wohl gefolgt sein, gleich nachdem ich die Wiese verlassen hatte. Das wäre typisch für ihn und schon bei dem Gedanken musste ich herzhaft schmunzeln. Meine schlechte Laune wurde von der momentanen Müdigkeit niedergekämpft und bevor dieser Legolas nicht wieder vor mir stehen würde, würde sie so schnell auch nicht zurückkehren.

„Hast du es in deiner Trunkenheit auch nach Hause geschafft", fragte ich verschmitzt. Ich hörte den rasselnden Atem, den mein Vater daraufhin einzog. Sicher, er hatte nichts getrunken, er hatte ja gar keine Möglichkeit dazu gehabt. Aber es war wohl eher eine Art Standardfrage bei Mutter und mir.

„Sehr witzig, Adamantiel! Ich konnte wegen dir keinen Tropfen anrühren", erhielt ich auch schon prompt die patzige Antwort, in einem Tonfall, der sehr stark an ein eingeschnapptes Kleinkind erinnerte.

„Es gab noch mehr Weinkrüge als den einen", entgegnete ich kühl und wich so dem Thema aus, das er angeschnitten hatte. Ein trockenes Lachen folgte und ein Geräusch, das entstand, als er sich ebenfalls in einen Sessel fallen ließ. Mit meinen Augen verfolgte ich jede seiner Bewegungen genau und kniff die Augen etwas nachdenklich zusammen. Irgendwie bewegte er sich an diesem Abend steifer als eh und je. Hatte er Rheuma oder eine andere Krankheit, die im Alter auftrat?

„Es ist schade um jeden Tropfen Wein, der vergossen wird. Du musst wissen, dass die Elben den Hochprozentigsten aller Weine herstellen, da weniger als 90% nicht bei ihnen anschlägt", erklärte rechthaberisch und schielte kurz in meine Richtung, konnte dem durchdringenden Blick meinerseits jedoch nicht lange standhalten und flüchtete seine Augen in eine etwas kahle Ecke des Zimmer, die er jedoch sehr interessant zu finden schien.

„Also legen sie es darauf an, sich zu besaufen. Typisch Elben. Immer müssen sie übertreiben", murrte ich. Doch wenn er über eine solche Antwort früher immer lauthals gelacht hatte, verhielt er sich nun sonderbar still. Sowieso war er den ganzen Tag schon so komisch gewesen, obwohl er versuchte es ernsthaft vor mir zu verbergen.

„Vater? Was hast du? War die Reise zu anstrengend?" Mein Ton war besorgt und das war ich auch wirklich. Sonst war er echt für jeden Scheiß zu haben, aber nun...? Ein Versuch konnte ja nicht schaden, also nahm ich eines der Kissen, die locker auf den Lehnen der Sessel angebracht waren und zielte damit auf ihn.

„Volltreffer", lachte ich triumphierend, als ich ihm direkt ins Gesicht schoss. Doch anstatt wütend anzulaufen und mich mit den wüstesten Schimpfwörtern zu belegen, legte er das Kissen einfach nur beiseite. Nun war es wirklich Zeit, sich ernsthaft Sorgen zu machen, doch noch ehe ich wieder irgendetwas anstellen konnte, hob er wieder den Kopf und sah mir fest in die Augen.

„Ich hatte eine kleine Auseinandersetzung mit Legolas", begann er ernst und sah mich traurig an. Etwas wie Zorn und ein mulmiges Gefühl zugleich wühlte in meinem Magen herum und verschaffte mir ein Übelkeitsgefühl. Was mochten sie wohl besprochen haben.

„Mach dir nichts aus dem, Vater! Der kann doch eh nur dumm rumfaseln und ansonsten überhaupt nichts. Du brauchst nichts auf seine Worte zu geben", versuchte ich ihn zu besänftigen und etwas aufzuheitern. Doch es nützte nichts.

„Wir sprachen über dich." Seine Stimme war die eines Bestattungsredners, der mich sogleich zu Grabe führen wollte.

„Na und? Ist doch klar, dass der Milchhautbubi über mich herziehen würde, nachdem er eine Niederlage einkassiert hat." Die trotzige Stimme war bewusst gewählt und sollte Vater zeigen, dass ich mir nichts daraus machte.

„Wir berieten über deine Zukunft, Adamantiel. So kann es nicht weitergehen." Meine Geduld war nun wirklich fast am Ende. Wieso verhielt er sich so komisch?? Ich merkte, wie ich fast anfangen musste zu heulen. Ich wollte kein ernsthaftes Gespräch mit ihm führen, sondern mit ihm herumalbern und mich mit ihm prügeln und Wortgefechte ausführen. Aber er schien andere Absichten zu verfolgen.

„Was hat dieser bekloppte Elb sich denn da einzumischen?! Und könntest du langsam aufhören, mit Grabesstimme zu sprechen, das macht mich krank", fuhr ich hoch und merkte erst jetzt, dass ich ihn anschrie und zudem auf den Beinen stand. Weg war die dumme Müdigkeit.

„Er MUSS sich da einmischen. Schließlich hat er eingewilligt die Verantwortung zu übernehmen." Die Miene meines Vaters glich nun echt einem Leichenbestatter, doch seine Worte gelangten nur an mein Ohr und nicht mal in die Nähe meines Gehirns.

„Der steckt seine Nase auch überall rein! Und ich bezweifle ernsthaft, dass er so was wie Verantwortungsgefühl besitzt und dann auch noch mir gegenü..." Ich stockte mitten im Satz. Was wollte ich sagen? ‚Mir gegenüber?' Erst jetzt begriff ich die Bedeutung der Worte, die mein Vater da von sich gegeben hatte und plötzlich stand ich gar nicht mehr so sicher auf meinen Beinen, sodass ich abermals schlaff in meinen Sessel fiel.

„Wie jetzt? Was soll das heißen...er übernimmt die Verantwortung über mich?" Meine Stimme war nur ein klägliches Krächzen, das sich gerade noch aus meiner Kehle befreien konnte, ohne ganz verschluckt zu werden. Der große Kloß in meinem Hals war auch plötzlich da, als hätte jemand ihn da hinein gezaubert.

„Ab morgen wird der Prinz die volle Verantwortung über dich übernehmen und somit auch die Vormundschaft, Adamantiel. Ich werde abreisen, ohne dich. Finde dich damit ab!" Ich starrte ihn ungläubig und aus zutiefst verletzten Augen an. Doch er blieb hart wie Stein, ließ sich nicht erweichen. Eigentlich war er jetzt so wie immer, nur gerade jetzt wollte ich, dass er nicht teilnahmslos aussah.

„Das kannst du nicht ernst meinen!?" Ich sprang kreischend auf und trat einen Schritt auf ihn zu, in der Hoffnung, er würde sich doch noch um entscheiden. Aber er nickte nur bestimmt mit dem Kopf.

„Aber... aber...was soll ich denn hier? Hier sind doch nur Elben und ich...ich...", stotterte ich daher. Meine Augen konnten einfach keinen festen Halt finden und flohen nur so hin und her. Nur ihn konnte ich nicht ansehen, ansonsten hätte ich wirklich angefangen vor ihm in Tränen auszubrechen.

„Du bist ebenfalls eine Elbin, Adamantiel. Deine Ohren beweisen das." Diese Worte stießen mich hart vor den Kopf. Ein Gefühl machte sich in mir breit, als ob nur noch schwarz existieren würde. Schwarz, schwarz und nochmals schwarz. Ich? Ich sollte ebenfalls eine Elbin sein? Ich war keine Zwergin? Mein Vater war gar nicht...mein Vater? Wer war es dann? Wer gehörte zu mir? Wer waren meine Eltern? All diese Fragen hätte ich mir stellen müssen, aber in diesem Moment zählte nur die Eine: Ich gehörte nicht dem Volk der Zwerge an?

„Aber...aber ihr habt mir doch immer erzählt, dass meine Ohren...Mutter und du, ihr habt etwas ganz anderes erzählt!" Oh Gott! Nun schluchzte ich wirklich. Ein brennendes, beißendes Ziehen werkelte in meiner Nase, bis wirklich Tränen in meine ungläubigen Augen traten.

„Das waren Lügen, Adamantiel. Lügen um dich nicht einsam werden zu lassen." Nun hatte seine Stimme schon einen sanfteren Ton und als ich ihn verstört ansah, bemerkte ich auch in seinen Augen Tränen. Naja nicht unbedingt, aber glasig waren sie schon.

„Ich war...immer einsam." Ich flüsterte nun. Zu mehr war ich wirklich nicht mehr fähig. Ich spürte nur schwach die tröstende Hand auf meiner Schulter.

„Das wissen wir Adamantiel. Und deshalb waren deine Mutter und ich uns einig, dich noch vor deinem 100. Geburtstag zu den Elben zu geben." Seine Stimme war zwar sanfter als nie zuvor und dennoch fühlte sie sich an wie ein Schlag ins Gesicht. Hektisch und panisch sprang ich auf, zu keinem vernünftigen Gedanken mehr fähig. Mutter war also auch gegen mich.

„NEIN", schrie ich aus vollster Kehle und rannte auf die Tür zu.

„HIER BLEIBE ICH NICHT, HÖRST DU?! Ich will nicht bei den Gottverdammten Elben leben! Ich verabscheue diese Geschöpfe!!! Und schon gar nicht bleibe ich bei diesem bekloppten Grünblatt! ICH HASSE IHN!!!" Nur durch einen undurchsichtigen Nebel nahm ich wahr, wie ich die Tür hinter mir zuknallte und in die Nacht hinein floh.

„ADAMANTIEL!" Die Stimme meines Vaters klang verzweifelt und doch drehte ich mich nicht um. Ich rannte und rannte, bis ich zu keinem Atemzug mehr fähig war, da meine Lungen fürchterlich brannten, verschnaufte kurz und stolperte dann weiter durch den Wald, den ich mittlerweile betreten hatte. Blinde Tränen der Verzweiflung stürzten wie kleine Bäche aus meinen Augen und ich konnte mich nicht erinnern, jemals so geweint zu haben.

***

Legolas POV

„Soso Legolas. Da hast du dich also nun verpflichtet, der Vormund, dieses verzogenen Görs zu werden", bemerkte Sémersion belustigt, ja beinahe spöttisch. Ich beobachte aus meiner liegenden Position, wie mein Freund auf dem von ihm belagertem Stuhl hin und her wippte. Ein Bein hatte er zu sich herangezogen, um sein Kinn darauf aufstützen zu können.

„Verdammt. Gimli ist mein Freund." Das war die halbwegs vernünftigste Antwort, die mir dazu einfiel. Ehrlich gesagt wusste ich auch nicht, wieso ich mich hatte weich klopfen lassen.

„Und deshalb erklärst du dich bereit ein Mädchen zu bevormunden, das dich bis auf dein letztes Haar hasst und anders herum!?" Nun richtete er seine Augen zweifelnd auf mich, was mir jedoch nur einen tiefen, verzweifelten Seufzer entlockte.

„Bitte, Sémersion. Ich wusste in dem Moment nicht wo mir der Kopf stand." Es war aussichtslos sich da herauszureden. Er würde so lange fragen, bis ich wirklich nicht mehr wusste, wo mir der Kopf stand. Warum musste das alles heute und vor allem MIR passieren? Und dazu noch an meinem Geburtstag? Es war wirklich zum Verzweifeln.

„Glaub mir, nachdem was ich von dir über diesen ‚Vorfall' gehört habe, reicht es mir, um zu wissen, dass einer von euch beiden irgendwann tot in seinem Bett liegen wird, wenn ihr permanent zusammen hockt", philosophierte er realistisch und musterte mich prüfend. Ich hatte alle Viere von mir gestreckt und es mir so gemütlich wie möglich gemacht.

„Wir werden NICHT permanent zusammen hocken! Garantiert nicht", giftete ich ärgerlich und rollte mich auf die Seite um mit meinen Haaren zu spielen. Sie waren blond, wie die Adamantiels. Ärgerlich schüttelte ich den Kopf und musterte nun die himmelblaue Decke des Bettes.

„Oh glaub mir, Mellon. Auch wenn du ihr aus dem Weg gehst, wirst du gelegentliche Aufeinandertreffen nicht verhindern können, die dir womöglich nicht gut bekommen werden." Ich nickte zustimmend. So etwas in der Art befürchtete ich auch. Leider. Warum in Erus Namen hatte ich nur zugestimmt? Ich verstand es nicht.

„Sicher wird sie sich jetzt eins ins Fäustchen lachen, da sie so die Chance hat, mich auf Schritt und Tritt zu piesacken", stellte ich missmutig fest und warf einen prüfenden Blick auf Sémersion. Doch der wusste nicht recht, was er darauf antworten sollte.

„Mal angenommen, sie hasst dich genauso wie du sie. Denkst du nicht, sie wird völlig aus dem Häuschen sein und sich fürchterlich mit Gimli streiten?" Das hatte gesessen. Daran hatte ich nicht mehr gedacht, aber irgendwie erschien mir dieser Gedanke absurd und viel zu abwegig.

„Nein. Glaube mir, sie ist ein Mädchen ohne jegliches Gefühl, das nur darauf aus ist, anderen Schaden zuzufügen", erklärte ich grimmig und starrte zur Tür. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, wie mein Freund mit den Schultern zuckte.

„Wie du meinst, Legolas. Ich werde jetzt zu Bett gehen und einen wunderschönen Traum von Eru empfangen", erklärte er verschmitzt, stand auf und schloss rasch die Tür hinter sich.

Ich seufzte ergeben und ließ den Kopf sinken, den ich zuvor gehoben hatte. Diese kleine Elbin ging mir nicht aus dem Kopf. Ich hasste sie wirklich. Mehr sogar, als mir lieb war. Nie hätte ich gedacht, solchen Hass in meinem Herzen tragen zu können. Und s wie es aussah, würde wirklich Mord und Totschlag eintreten, würde ich sie im Volk der Elben begrüßen. Dann hieß es sie oder ich. Vielleicht sollte ich doch noch einmal mit Gimli reden.

Etwas plump rollte ich mich von der Bettkante, zog meinen Mantel über und verließ mein Gemach in Richtung Gimlis Zimmer. Ich konnte Adamantiel einfach nicht aufnehmen. Das ging einfach nicht!

Als ich wieder aufblickte, stand ich direkt vor Gimlis Zimmertür. Ich war so in Gedanken versunken gewesen, dass ich gar nicht bemerkt hatte, wie schnell ich gegangen war. Anscheinend schneller als mir lieb gewesen wäre, wie ich nun feststellen musste.

Vorsichtig ballte ich meine Hand zur Faust und klopfte so laut an, dass es ein normales Ohr vernehmen konnte. Als keine Reaktion erfolgte, klopfte ich erneut und als Gimli immer noch nicht öffnete, trat ich vorsichtig ein.

Das Bild, was ich zu sehen bekam, ließ mich erschrocken stehen bleiben und auf den zusammengesunkenen Zwerg starren, der in einem der vielen Sessel hockte. Sein Blick hing steif und starr auf der hölzernen Tischplatte.

„Gimli?" Meine Worte erschienen mir lauter, als sie in Wirklichkeit waren und auch ihm schien es so zu ergehen, denn er hob erschrocken den Kopf und starrte mich an.

„Legolas...Adamantiel...sie ist...fortgelaufen", brachte er mühsam stotternd hervor. Anscheinend hatten beide wirklich gestritten, so wie Sémersion es gesagt hatte und dennoch konnte ich das nicht so recht glauben. Aber meine Zunge sprach schneller, als ich die Worte in Gedanken formen konnte.

„Wohin ist sie verschwunden", fragte ich rasch. Das Gefühl, dass man Schadenfreude nennen konnte, überspielte ich selbsttadelnd.

„Ich weiß es nicht. Verdammt! Ich hätte es ihr eher sagen sollen. Und vor allem nicht SO!" Gimli schien sich schreckliche Selbstvorwürfe zu machen und er tat mir mehr als leid. Ich wollte ihm helfen, also verließ ich rasch den Raum und rannte in die Nacht hinein. Vielleicht hatte sie Spuren hinterlassen, die auf sie hindeuten konnten. Und tatsächlich hatte ich Glück und entdeckte einen Fetzen ihres schönen roten Kleides am Ast eines Baumes. Sie musste Hals über Kopf davongerannt, wenn sie nicht darauf geachtet hatte. Ein fieses Grinsen bildete sich auf meinem Gesicht. Also hatte sie doch ihre Grenzen. Gut zu wissen.

Schnell und leise folgte ich den Fußspuren, die sich gleich darauf im weichen Boden des Waldes abzeichneten. Trotz der sternenlosen Nacht konnte ich sie erkennen.

Nach einigem Laufen durch den Wald kam ich letztendlich an einer Lichtung an, an deren Rand die Spuren endeten. Aber nun brauchte ich auch keine mehr, da das Mädchen auf offener Wiese vor mir stand und in den Himmel starrte. Ihre Schultern zuckten in regelmäßigen Abständen und ich beschloss verwundert, mich noch nicht zu zeigen. Weinte sie etwa? Nicht vorzustellen, dass jemand wie sie überhaupt Tränen kannte! Irgendwie wanderte wieder ein schadenfrohes Grinsen auf meine Züge. Es befriedigte mich zutiefst, sie weinen zu sehen. Im Hinterkopf schalt ich mich zwar dafür, aber dieses Gefühl war einfach nicht abzustellen und so ergötzte ich mich einige Zeit daran, wie sie mit zuckenden Schultern, schluchzend auf einer kleinen Wiese stand.

Allmählich klärte sich der Himmel auf und sanftes Sternenlicht umhüllte ihr schönes Gesicht. Ich konnte nicht umhin zuzugeben, dass sie wirklich wunderschön war. Aber es kam ja nicht auf äußere Schönheit an, sondern auch auf Innere. Und die hatte sie nun einmal nicht.

Zu dem sanften Sternenlicht, dass sich auf ihren Haaren spiegelte, gesellte sich auch der silberne Mond, als die Wolke ihm die Sicht freigab und nun konnte ich glitzernde Tränenspuren auf ihrem Gesicht erkennen. Das leise Hauchen und Rascheln des Windes hüllte mich in einen zauberhaften Moment ein, in dem ich sie einfach nur betrachtete. Ohne Hass, ohne Abscheu, so wie ich jedes Wesen ansah.

Plötzlich vernahmen meine Ohren leisen Gesang. Es klang fremd und hart in meinen Ohren, da sie die zwergische Sprache zu nutzen schien, aber dennoch verzauberte er mich auf gewisse Weise und ich war nahe dran, meine Hassgefühle zu verbannen. War dies wirklich Adamantiel? Das Mädchen mit dem Temperament der Zwerge und der selbstsicheren Übermacht der Elben? War sie das selbe Mädchen, dass mich zur Schnecke und mich lächerlich gemacht hatte? Das Mädchen, das nur Unsinn und Rache im Kopf und meinen Stolz verletzt hat?? Ich wollte es nicht so recht glauben.   

Ich beobachtete, wie sie sich auf einmal ganz langsam bückte und etwas vom Boden aufhob. Neugierig trat ich einen Schritt nach vorn um vielleicht erkennen zu können, was sie da aufgehoben hatte, doch diese Bewegung ließ ein kleines Rascheln unter meinen Füßen entstehen, was mich sofort zusammenfahren ließ.

Wie von einem Ork bedroht, fuhr sie plötzlich herum, holte mit dem Arm aus und schleuderte etwas genau in meine Richtung. MIST! Sie hatte mich tatsächlich bemerkt. Leise fluchend konnte ich dem kleinen Geschoss gerade noch so ausweichen und so knallte es laut gegen einen Baum, der keine 10 cm neben mir stand.

„Was soll das?! Wie lange steht Ihr schon in der Dunkelheit und beobachtet mich", schrie sie mir entgegen. Ich atmete tief ein und aus. Dieses Mädchen überraschte mich immer wieder. Immerhin schien sie zu wissen, wer sie die ganze Zeit beobachtet hatte. Ich zwang mich, nicht gleich wieder etwas patziges zu antworten, sondern versuchte ruhig zu bleiben. Schweres Unterfangen, wie ich feststellen musste.

„Euer Vater sucht Euch", brachte ich so ruhig und selbstverständlich wie möglich hervor. Doch diese Antwort schien ihr keineswegs zu behagen.

„Wieso sollte er!? Er weiß mit Sicherheit, dass ich früher oder später wieder aufkreuze und was spricht gegen einen kleinen Spaziergang mitten in der Nacht!?" Ihre Stimme war feindselig und sie vermittelte mir nur zu gut das Gefühl, dass ich so schnell als möglich zu verschwinden hatte. Aber ihre Worte gaben mir zu denken. Gimli, der alte Fuchs. Wusste er wirklich, dass sie früher oder später zu ihm gehen würde, oder hatte er sich wirklich um Adamantiel gesorgt? Verdammt es war zum verrückt werden! Sicher lachte sich der Zwerg jetzt eins ins Fäustchen. Es war ihm zuzutrauen zu denken, dass wir uns vertragen würden, würde ich ihr hinterherlaufen. Und ich war ihm schön auf den Leim gegangen.

„Eure Tränen zeugen nicht von einem Spaziergang." Den gehässigen und selbstgefälligen Ton meiner Stimme konnte ich einfach nicht unterdrücken und ich wollte es ehrlich gesagt auch nicht. Sie sollte merken, dass ich sie genauso verachtete wie sie mich und so grinste ich überheblich in die Nacht hinein.

„Hätte ich meinen Bogen, hätte einer meiner Pfeile sein Ziel nicht so verfehlt wie dieser Stein", zischte sie zu mir herüber und ich kam nicht umhin, ihr wirklich Glauben zu schenken. Der tiefe Abdruck in der Rinde des alten mächtigen Baumes, musste einem wirklich zu denken geben.

„Nur habt Ihr ihn leider nicht. Und Ihr werdet ihn vorerst nicht wieder zwischen die verräterischen Finger bekommen", gab ich kühl zurück. Es machte Spaß zu wissen, dass sie diese Tatsache wohl am meisten ärgerte.

„Wer sollte mich daran hindern, ihn mir wieder zu holen?" Der kühle Wind der Nacht hatte etwas zugenommen und zerrte an unseren Haaren. Wir standen uns nun offen gegenüber doch in einiger Entfernung, da eine nähere Distanz wohl zu gefährlich für den jeweils anderen geworden wäre. Ich konnte die Spannung, die zwischen uns entstand direkt knistern hören.

„Ich, meine Dame. Denn ich habe die Verantwortung über Euch übernommen, falls Euer Vater es Euch nicht schon gesagt hatte." Der Gedanke daran, sie herumkommandieren zu können zauberte ein so hässliches Grinsen auf meine Lippen, dass mir meine Wangen schon weh taten.

„Ich verachte Autoritätspersonen und Ihr steht vornan auf der Liste derer." Wie immer war sie um keine Antwort verlegen und das machte mich rasend. Ich war es eben nicht gewohnt, dass jemand sich mir wiedersetzte und dann auch noch eine Frau. Und das Schlimmste an alledem war, dass sie es zu wissen schien.

***

Adamantiel POV

Ich hatte schon seit längerer Zeit das Gefühl, dass mich jemand beobachte und hatte mich heruntergebeugt, um einen kleinen Stein vom Boden aufzuheben. Wer konnte dieser Spanner sein? Eigentlich kamen nur 2 in Frage. Haldir oder dieser widerliche Prinz von einem Elben.

Als ich ein Rascheln hinter mir hörte, wusste ich endlich, wo dieser Kerl stand, fuhr herum und schleuderte ihm den Stein entgegen. Ich war gut im Werfen. Präzise und vor allem kraftvoll doch leider hatte ich mein Ziel verfehlt und nur den Baum dahinter getroffen. Aber die Gestalt, die nun offen auf die Wiese getreten war, war eindeutig die von Legolas. Ich seufzte resignierend und hörte mir seine schleimigen, widerlichen Worte an, die mein Blut immer mehr zum Kochen brachten.

Hätte ich doch nur meinen Bogen bei mir gehabt, er hätte schon längst 1 oder 2 Pfeile im königlichen Popo stecken. Aber dieser Racheakt war mir nicht vergönnt. Und so wie er mit mir redete, schien er sich schon voll und ganz auf seine Aufgabe als Aufsichtsperson einzustellen. Aber wenn er dachte, er konnte dann mit mir machen, was er wollte, hatte er sich gründlich geschnitten. Ich würde es ihm mehr als kompliziert machen!

Seine Augen glitzerten im schwachen Licht von Mond und Sternen und seine Erscheinung war mehr als atemberaubend für jeden, der ihn anhimmelte. Aber für mich war er nichts weiter als ein schmieriger Angeber und dazu noch Thronfolger und neuerdings sogar mein Babysitter. Was hatte sich mein Vater eigentlich dabei gedacht!?

„Ich werde Euch schon noch lehren, Euch vor Königen und höheren Personen, als Ihr es seid zu beugen." Na wunderbar! Jetzt hatte er mir schon gedroht. Uuuuuh hatte ich vielleicht eine Angst! Ich warf ihm einen verächtlichen Blick zu und setzte mich in Bewegung. Ich wollte nach Hause zu meinem Vater, in mein Bett und dann nichts als schlafen. Ich war viel zu müde, um mich noch weiterhin mit diesem Idioten auseinander zu setzen.

„Ich bin ehrlich gespannt, wie Ihr das bewältigen wollt, ‚Hoheit'. Ich warne Euch nämlich jetzt schon. Mit mir ist nicht gut Kirschen essen. Zudem mag ich diese ekelhaften Früchte gar nicht. Sie sind außen weich und schön und innen haben sie einen harten Kern, an dem man sich die Zähne ausbeißt", raunte ich ihm im Vorbeigehen zu und wollte schon im Wald verschwinden. Er stand immer noch starr an seinem Platz und regte sich gar nicht, als ich das zu ihm sagte.

„Vielleicht mögt Ihr sie nicht, weil sie Euch an Euch selbst erinnern?" Rumms. Und wieder hatte ich einen wunderbaren Kommentar sitzen. Irgendwann reichte es wirklich mal! Aber nicht heute Abend, obwohl mein Blut schon am Überkochen war, vor Hass auf diesen Widerling.

„Schlaft schön. Denn es wird Eure letzte Nacht sein, die Ihr in Ruhe verbracht habt", zischte ich aggressiv, ehe ich zwischen den Bäumen verschwand. Doch ich konnte nichts dagegen tun, seine Worte zu hören.

„Ich hatte ehrlich nicht vor, so eine Art Beziehung mit Euch einzugehen. Eher würde ich die Nacht mit einer Orkfrau im Bett verbringen." Da! Wieder diese schleimige Stimme und zu allem Übel fiel mir nicht der geringste Gegenkommentar ein. Diesmal hatte er gewonnen.

***

Ich versuchte allen Ernstes, mir keine Gedanken über seine blöden Sprüche zu machen, aber es ärgerte mich zu sehr, dass mir auf seine letzten Worte nichts eingefallen, was seine Gemeinheit hätte übertreffen können. Nun fielen mir die schönsten Worte und Schimpfwörter ein, die ich ihm entgegenschleudern wollte. Aber nun war es zu spät. Naja. Ich hatte ja jetzt mein ganzes restliches Leben Zeit dazu.

Aber plötzlich fiel mir ein, dass mein ‚ganzes restliches Leben' ja die Ewigkeit war! Entsetzt stöhnend sprang ich auf einen Baum. Ich wollte noch nicht nach Hause, sondern lieber etwas Ordnung in meine Gedanken bringen.

Es war eine Leichtigkeit für mich, in die Baumkrone zu klettern. Schon von Kindesbeinen an, hatte ich die Begabung dazu, auf hohe, unsichere Objekte zu klettern, bei deren Anblick den meisten meiner Altersklasse schon schlecht geworden war. Jetzt wusste ich ja, warum ich mich so abgesondert hatte. Mit knirschenden Zähnen dachte ich an meine Kindertage zurück. Ich hatte es nie wirklich einfach gehabt, da viele erkannt hatten, dass ich den Elben angehörte. Das Tuch um Stirn und Ohren hatte nicht sonderlich viel vom elbischen Dasein verbergen können. Aber dennoch hatte mich nie jemand darauf angesprochen.

Seufzend drehte ich eine Strähne meiner Haare ein und sah in die weite Nacht hinaus. Es war ein wunderbares Gefühl, mitten auf einem Baum zu sitzen, das gesamte Ast- und Blätterwerk unter und die Sterne über sich. Der Wald schien nun im Schleier der Nacht, aus dunkelgrünen oder schwarzen Farbtönen zu bestehen. Doch die funkelnden Sterne und der silberne Mond belehrten mich hier und da eines Besseren, wenn die hellen Strahlen auf ein Blatt neben mir fiel oder gar einen Baum in das sanfte Licht hüllte.

Als ich so die Nacht betrachtete, merkte ich auf einmal, wie müde ich in Wirklichkeit war. Sicher, Elben schliefen nie besonders viel, aber das musste ja nicht heißen, dass dies bei mir auch zutreffen musste, nur weil ich diesem schrecklichen Volk angehörte. Wie erniedrigend. Ich, die größte Elbenhasserin unter den Zwergen, war selbst so ein, von mir verfluchtes Geschöpf. Es war doch echt zum Heulen!

So in meine Gedanken vertieft merkte ich nicht einmal, wie ich langsam in das Land der Träume hinüberglitt, das mich vorübergehend von meinem tiefgehenden Kummer befreien konnte.

***

So ziemlich das erste, was wieder an meine Ohren drang und den Schleier des Schlafes allmählich zerriss, waren laute Vogelstimmen, nicht weit von mir entfernt. Immer noch müde, öffnete ich langsam meine brennenden Augen. Es kam mir so vor, als wären sie über Nacht auf das Dreifache angeschwollen. Stöhnend setzte ich mich auf. Die etwas ungemütliche Position auf diesem Ast bekam ich nun in Form von Nackenschmerzen zu spüren. Wieso hatte ich denn nicht in mein Zimmer gehen und mich auf das weiche Bett werfen können? Ich hätte meinen ‚Vater' einfach nur zu ignorieren brauchen und schon wäre die Sache erledigt gewesen. Aber nein! Da war ich heulend durch den Wald gerannt, habe mich anschließend mit diesem Kotzbrocken von einem Prinzen gestritten – wieder mal – und war kurz darauf auf einen Baum gestiegen, um dort zu übernachten. Tolle Idee.

Die geschwollenen Augen und die mörderisch weh tuende Nackenverspannung waren das Resultat meiner Kopflosigkeit. Und das allerschlimmste war, dass ich noch nicht einmal irgendjemanden dafür verantwortlich machen konnte!

Wütend und deprimiert machte ich mich an den Abstieg. Irgendwie am mir dieser verfluchte Baum jetzt größer vor. Es konnte aber auch daran liegen, dass mir die Sicht von meinen Zwetschgenaugen enorm eingeschränkt wurde. Verdammt. Ich fühlte mich wie ein kleines, jammerndes Kätzchen. Wenn man den Geschichten der alten Zwerge Glauben schenken durfte, waren die nämlich immer so blöd, auf einen Baum zu klettern und vergaßen dabei, dass sie vor dem Heruntergehen mörderische Angst verspürten.

Ich runzelte die Stirn und sah erneut nach unten. So schwer konnte es nun wirklich nicht sein, hier herunter zu kommen. Man stelle sich nur vor, ich müsste hier festsitzen und mein Vater alarmierte ein paar Elben, mich zu suchen und ich saß hier auf diesem Baum fest. Legolas' Grinsen konnte ich schon direkt auf meiner Haut spüren. Nein, diesen Gefallen wollte ich ihm nicht tun und so schluckte ich zwei drei Mal und sprang dann hinunter auf den nächstgelegenen Ast.

Mein Glück war doch wirklich grandios! Kaum hatte ich festen Fuß auf diesem – zugegeben, etwas dünnem – Stück lebenden Holzes, knackte es auch schon wunderbar vielversprechend und im nächsten Moment befand ich mich im freien Fall, dem ein Aufprall auf dem laubbedeckten Boden folgte.

Stöhnend richtete ich mich auf und rieb mir mit schmerzverzerrtem Gesicht das geschundene Steißbein. Heute war entschieden nicht mein Tag. Als ich nach oben zur Baumkrone sah, raschelten die Blätter nur, als wäre nichts gewesen. Na ja. Wenigstens war ich jetzt unten. Aber WIE meine Landung verlaufen war! Ein Wort genügte, sie zu beschreiben: Erniedrigend. Und ich sollte eine Elbin sein. Jaja wer's glaubte. Angeblich hatten diese Geschöpfe Grazie, Schnelligkeit und Geschicklichkeit. Und so wie mein Sprung beendet wurde, besaß ich wohl nichts davon. Umso besser. Je mehr ich mich von diesen schrecklichen Geschöpfen unterschied, desto unbesorgter konnte ich sie beleidigen.

Ein Blick zum Himmel sagte mir, dass es kurz vor Morgengrauen war und ich sah zu, dass ich so schnell wie möglich wieder zu meinem Vater kam. Wollte Nestalinna heute nicht vorbeikommen? Irgendwie freute ich mich darauf, sie wiederzusehen. Sie war die erste Elbin gewesen, die freundlich zu mir war und mir den Weg gezeigt hatte. Was man von anderen gewissen Geschöpfen keineswegs behaupten konnte.

Vorsichtig und sehr leise schob ich die Tür zu unserer Unterkunft auf. Ich wollte meinen Vater nicht wecken, denn wenn man seinen Schlaf unterbrach, konnte er schnell ungehalten werden.

„Wo warst du?" Ich zuckte zutiefst erschrocken zusammen, schob die Tür aber gleich darauf vollends auf. Nun, da das schwache Tageslicht den Raum erhellte, sah ich meinen Vater. Er saß immer noch in einem der Sessel. Vielleicht hatte der Prinz recht und er hatte sich diesmal wirklich um mich gesorgt.

„Spazieren", war das Einzige, was ich erwidern konnte und trat ungerührt ein, huschte durch den Raum ins Badezimmer und schloss hinter mir ab. Das aller erste, was ich tun wollte, war dieses unbequeme Kleid abzulegen, doch ich hatte nicht mit den tückischen Verschnürungen gerechnet. Seufzend und mich geschlagen gebend, trat ich wieder aus dem Bad und an meinen Vater heran, der sich noch immer nicht aus dem Sessel bewegt hatte.

„Kannst du mal aufmachen", fragte ich etwas schüchtern und kniete mich vor ihn. Er sagte nichts, doch kurz darauf spürte ich seine rauen, knubbeligen Finger auf meiner Haut, wie sie an den Schnüren herumexperimentierten, bis diese endlich gelöst waren. Ich erhob mich ohne ein Wort und ging zum Schrank, in dem meine gewaschenen Reisesachen hingen. Wie wünschte ich mir doch die Zweit zurück, als wir unbeschwert miteinander streiten konnten.

„Du hättest nach Hause kommen sollen." Seine Stimme klang vorwurfsvoll und ließ mich aufsehen.

„Und du hättest mir nachlaufen sollen, wenn du wirklich gewollt hast, dass ich wieder zurückkomme", erwiderte ich ruhig und zog meine Gewänder aus dem Schrank hervor, stellte mich vor den Spiegel und hielt sie mir vor den Körper. Nichts daran würde verraten, dass mein Leben sich innerhalb eines Tages, eines Kleiderwechselns verändert hatte. Doch das hatte es. Und wie.

„Ich bin nicht gut im Verstecken spielen und das weißt du", bekam ich prompt die Antwort. War klar, dass es ihn nicht besonders störte, dass ich nicht nach Hause gekommen war.

„Klar. Und deshalb schickst du diesen eingebildeten Grünschnabel hinter mir her. Na ich habe mich gefreut, als ich den Kotzbrocken gesehen habe, sage ich dir." Meine Stimme war wie selbstverständlich, während ich mich aus dem roten Kleid pellte und die neuen Sachen anlegte.

„Du wirst versuchen müssen, mit ihm auszukommen, Adamantiel. Ich werde noch heute abreisen. Legolas wird morgen wieder gen Düsterwald gehen." Ein Zischen von ausgestoßener Luft war die Antwort darauf und verriet, wie viel ich davon hielt. Nämlich gar nichts.

„Warum können wir nicht zusammen reisen. Mit diesem ollen Elben alleine unterwegs zu sein, bereitet mir Angstzustände", murrte ich. Das war eine glatte Lüge. Angstzustände bekam ich von dem gewiss nicht. Aber ich befürchtete, dass meine Hassgefühle und die ungebändigte Mordlust mich dazu verführten, diesen Grünblatt wirklich im Schlaf zu überwältigen.

„Der Abschied würde uns nur noch schwerer fallen, wenn wir noch zusammen reisten." Diese Antwort machte mich rasend und ich überbrückte die letzten Meter zwischen mir und ihm, bis ich direkt vor ihm stand und auf ihn hinabsah.

„Tu doch nicht so! Mutter und du...ihr werdet froh sein, mich endlich los zu sein! Ihr werdet froh sein, mich nerviges Etwas endlich nicht mehr um euch zu haben! Aber dass ich niemanden kenne außer diesen Idioten und ganz allein auf mich gestellt bin, habt ihr wohl vergessen!?" Ein innerliches Fluchen hinderte auch nichts daran, dass mir schon wieder die Tränen über die Wangen rannen. Jedes Wort, dass ich verloren hatte, tat mir selbst so weh, als würde irgendwer ein scharfes Messer in mein Herz rammen.

„Du weißt, dass deine Worte Unfug sind! Deine Mutter und ich...wir lieben dich! Wir lieben dich mehr als alles andere und deshalb wollen wir, dass du glücklich wirst." Die Augen meines Vaters füllten sich ebenfalls mit Tränen und ich brach schluchzend vor ihm zusammen. Ich wusste, dass jedes einzige Wort, das er sagte, der Wahrheit entsprach.

„Aber ich kann nicht glücklich werden, wenn so ein bekloppter Idiot mein Babysitter ist", schluchzte ich unter Tränen. So viele Tränen, wie ich hier vergossen hatte, hatte ich nicht mal in meinen ersten 20 Lebensjahren verloren. Schon zum Heulen, wie sentimental ich plötzlich war.  Ich spürte, wie er mich umarmte und mir einen scheuen Kuss auf die Haare drückte, ehe er mir wieder ins Gesicht sah.

„Dies hier hat mir der junge Mann gegeben, der dich zu uns brachte." Mit weit aufgerissenen Augen verfolgte ich, wie er in die Tasche griff und eine Kette hervor holte, an der ein Haselnussgroßer Diamant hing. In meinen Gedanken stürmte es. Ein junger Mann, der mich zu den Zwergen brachte??

„Was weißt du über ihn", schrie ich beinahe heraus und fasste meinen Vater fest am Kragen. Er hob abwehrend die Hände und ich ließ erschrocken vor mir selbst von ihm ab.

„Ich weiß nur sehr wenig über ihn. Ich verstand ihn nicht, als er dich abgab. Nur deinen Namen habe ich erfahren. Mehr nicht." Ich senkte den Kopf. Mein Leben war in seinen Grundfestigungen zerrüttet worden! Bis in den letzten Baustein. Erst erfuhr ich, dass ich eine Elbin war, dann, dass mich irgendwer bei den Zwergen abgeliefert hatte, als wäre ich ein...ein Ding! Vollkommen verwirrt schüttelte ich den Kopf. Ich nahm nur halb wahr, wie der richtige Zwerg mir die Kette in die Hand legte und dann meine Finger darum schloss. Der harte Stein fühlte sich kühl an und doch irgendwie weich.

„Versprich mir, dass du versuchen wirst, dich anzupassen und letztendlich glücklich zu werden. Legolas hin oder her DU entscheidest, welche Zukunft du haben willst, mein Kind. Lebe wohl." Ich nickte nur auf seine Worte, stand unwirsch auf und flüchtete hastig ins Bad, um mir kaltes Wasser ins Gesicht zu klatschen.

Ein lautes Klopfen an der Tür, ließ mich aufschrecken, als ich meinen Kopf in einem der Handtücher vergrub. Das war sicher Nestalinna. Oh Gott und ich sah so...so...verheult aus! Trotzdem hastete ich zur Tür und riss sie mit einem fröhlichen Lächeln auf.

„Guten Morgen, Adaman..." Sie stockte mitten im Satz und musterte mich etwas verstört. Mein Lächeln gefror auf meinem Gesicht, doch ich mühte mich tapfer, es aufgesetzt zu lassen, obwohl ich innerlich fluchte.

„Wie siehst du denn aus", rief sie entsetzt und legte eine Hand auf meine Schulter. Die Frage hatte kommen müssen, so beschissen, wie ich aussah.

„Ja weißt du...", druckste ich unschlüssig und senkte etwas verlegen den Kopf.

„Der Wein war wohl doch etwas zu stark." Nun wich der entsetzte Ausdruck einem Grinsen und sie lachte schallend drauflos.

„Ach nein!? Du hast also getrunken, bis du nicht mehr bei Besinnung warst!?" Ihr Lachen steckte wirklich an und ich fiel mit ein. Der Umgangston, mit dem wir uns unterhielten, würde niemals darauf hinweisen, dass wir uns erst gestern kennen gelernt hatten, sondern ließ uns eher wie zwei, jahrelang dick befreundete, Elben erscheinen.

„Bei Besinnung war ich eigentlich schon", grinste ich verlegen und machte eine einladende Geste, sie möge doch hinein kommen, doch Nestalinna schüttelte entschuldigend den Kopf.

„Tut mir leid. Ich wollte mich eigentlich nur bei dir verabschieden. Ich reise mit Génbô zurück in den Düsterwald. Weißt du, meine Mutter lebt dort und..."

„...und du hast deine Ausbildung hier als Heilerin beendet, nicht wahr", ergänzte ich ihren Satz und sie sah mich erstaunt an. Dann nickte sie verblüfft.

„Ja aber woher..." Ich ließ sie wieder nicht ausreden, sondern unterbrach sie abermals mitten im Satz.

„Dein Vater hat es mir gestern erzählt." Ein freundliches Lächeln zierte mein Gesicht und sie strahlte zurück. Irgendwie hatte ich das Gefühl, endlich eine Freundin gefunden zu haben.

„Achso. Na dann... Musst du eigentlich auch schon abreisen? Deine Kleidung lässt darauf schließen." Sie deutete mit einer Kopfbewegung zu meinen zwergischen Gewändern und sah mir dann wieder in die Augen.

„Nunja...ich... eigentlich wollte ich mit meinem Vater zum Einsamen Berg zurück reisen, aber gestern habe ich die erschreckende Wahrheit erzählt bekommen, dass ich ebenfalls eine Elbin bin und nun muss ich morgen mit diesem bekloppten Legolas Thranduilion in den Düsterwald reisen", sprudelte es aus mir hervor. An ihrem Gesichtsausdruck erkannte ich jedoch, dass sie das alles für einen dummen Scherz halten musste. Diese Story war aber auch zu exotisch!

„Ehm...du hättest keine Geschichte zu erfinden brauchen, um mir zu sagen, dass du auch nach Düsterwald gehst. Die Sache mit dem Prinzen hättest du weglassen sollen, dann hätte ich dir die Geschichte gerne geglaubt, aber so..." Sie lachte los und umarmte mich freundschaftlich. Ich war zu perplex, um überhaupt reagieren zu können. Da dachte sie doch wirklich, ich hätte irgendeine Geschichte erfunden.

„Also. Wir sehen uns dann im Düsterwald. Ich würde gerne noch bis morgen warten, um mit dir reisen zu können, aber Génbô verlangt es nach seiner Liebsten!" Sie verdrehte genervt die Augen und diesmal war ich es, die anfing zu lachen. Es war nicht zu übersehen, was Nestalinna für diesen Elbenjungen empfand und irgendwie konnte ich es durchaus nachvollziehen. Er war schon süß.

Ich erwiderte die Umarmung, die sie mir zum zweiten Male schenkte und dann löste sie sich von mir und verschwand winkend hinter der nächsten Ecke. Anscheinend hatte sie es wirklich eilig. Kurz stand ich noch in der Tür, ehe auch ich mich abwandte und meine Sachen fertig machte. Jetzt gab es einen Grund, warum ich nach Düsterwald wollte und das löste eine gewisse Vorfreude in mir aus. So nahm ich auch den Abschied meines Vaters und der anderen Gefährten nicht so recht wahr, was mir später auch ganz lieb war. Denn hätte ich bewusst alles mitbekommen wäre ich sicherlich wieder in Tränen ausgebrochen. Und das vor Grünblatt! Ich konnte mir besseres vorstellen.

Mit einem strahlenden Lächeln sah ich meinem Vater beim Sachen packen zu und half ihm kurz darauf, dass Gepäck hinunter zu tragen, wo schon die Hobbits, der König Gondors und natürlich – zu meinem höchsten Verdruss – der Prinz des Düsterwaldes standen und auf uns warteten. Aragorn wollte meinen Vater zum Einsamen Berg bringen, da er selbst noch etwas in dieser Gegend zu tun hatte.

Ich beobachtete, wie Gimli sich mit etwas Abscheu auf das Pferd setzte, der König sich von Merry und dem widerlichsten Elben der Welt verabschiedete und Pippin es seinem Herren gleichtat. Vater rief mir noch einen letzten Gruß in der zwergischen Sprache zu und ich nickte widerwillig, da er mich an mein Versprechen erinnert hatte. Mit traurigem Blick sah ich dem davon galoppierenden Pferd nach, wie es rasch zwischen den Bäumen verschwand, doch dann straffte ich meine Schultern, um dem Prinzen kein Angriffsziel zu bieten.

„Ich werde mich dann auch auf den Weg nach Rohan machen." Ich sah freundlich zu Pippin hinab, der freundschaftlich meine Hand gefasst hatte und lächelte.

„Gimli sagte, ich soll dir ausrichten, dass du ihn und seine Frau an deinem 111. Geburtstag besuchen darfst. Auf keinen Fall eher." Ich nickte nur und wuschelte dem Hobbit kurz durch das lockige Haar, ehe er sich abwandte, um Legolas zu verabschieden. Beide wechselten ein paar Worte in der elbischen Sprache, was ich zwar nicht verstand, doch Legolas' giftiger Blick, den er Pippin zuwarf, verriet mir wenigstens etwas. Dann saß auch dieser ehemalige Ringgefährte auf seinem Pony auf und entschwand meiner Sicht zwischen den ersten Bäumen. Nun stand ich allein mit Legolas in Lóthlorien und ich ahnte jetzt schon, dass die Reise zu zweit die Hölle auf Erden werden würde.

***

[Fortsetzung folgt!]

Naaaaa gut ^.^ Ich werde das, was die beiden Elben da auf dem Schiff sagen übersetzen *sich geschlagen gibt* Sooo geheimnisvoll ist es nun auch wieder nicht. Aber wer mitdenkt... ^^' Also schaut doch noch mal ins 1. chap ich habe es nämlich überarbeitet :o) 1 Wort habe ich absichtlich NICHT übersetzt ^.^

Ich hoffe es hat euch gefallen *knuddelt* Und mein Experiment ist nicht verunglückt *schauder* Also bitte sagt, was ihr von den ‚Ich-Perspektiven' haltet, ja?

Zu euren Kommentaren:

@tolka: Ich hoffe, der Teil war auch wieder nach deinem Geschmack? ^^

@ Khair ed Din: *lol* Du lagst richtig damit, dass sie nicht betraft wird ^^ *gg* Aber in gewissem Maße doch schon irgendwie, oder? *fies grinst*

@sina: *gg* Happy End??? *lol* Wunsch notiert ^^ Freut mich, dass es dir gefällt ^^

@siane: Schneller ging es leider nicht ^^'

@Miss_Sixty: *vor so viel lob ganz rot anlauf* Sind einige Fragen geklärt? *g* Wenn nicht, dann wird das noch im Laufe der Geschichte aufgedeckt ^^ *knuddel*

@Arvi: *gg* Halb totlachen ist gut ^^ Aber bitte nicht totlachen, sonst kannst du es ja nicht weiterlesen *lach* *sich ganz lieb für das lob bedankt* ^^

@sister_of_dragon: *gg* Ich freu mich, dass ich Adamantiel so gut rüberbringen kann *lach* Sie kommt ganz nach dem Vater *lol* Ps.: Falls sich wer wundern sollte, dass Adamantiel hundert Jahre bei Gimli gelebt hat und der nicht zwischendurch gestorben ist: Ich hab irgendwo ausgerechnet dass zwerge ein Durchschnittsalter von 400-500 Jahren haben ^^

@Drachi: *ggg* In jedem neuen Kapitel hab ich ein Lieblingswort ^^ *lach* in diesem ist ‚vehement' glaube ich, nicht einmal aufgetaucht ^^

@Stoffpferd: Hui ^^ Die Königin des Humors!!! Ich find deine FF ‚Von Elben und Preiselbeeren' so klasse *lol* und die Fortsetzung auch ^^ *schwärm* Ehm...ja was wollte ich sagen...achja...schau mal in den ersten Teil, ich habe ihn überarbeitet und eine Übersetzung geschrieben ^^ Sorry, dass es erst so spät ist. *knuffz* Und zu Adamantiel: du liegst richtig ich musste mich totlachen über deine Vermutung ^^ Übersetzt heißt der Name ‚Diamantentochter' Also auch sehr sehr hart *lach* Kriegt der arme Legolas auch noch zu spüren *diabloisches Grinsen aufsetzt*

@Charley: Ich werde mich bemühen, das zu ändern ^.^

*knuddelt alle kräftig* Ich freue mich wie immer tierisch/elbisch/menschlich auf Reviews!! Also bitte tut mir den Gefallen, ja? :o)

Ciao ciao

Hegdl

Eure liebe Autorin dieser FF ^.^