~*~Laurie lantar lassi súrinen~*~

[Wie Gold fallen die Blätter im Wind]

***

Der Düsterwald

Die Nacht war klar, so klar, dass man jeden noch so kleinen Stern am Himmel bewundern konnte, der sein verträumtes, schwaches Licht zur Erde sandte. Es schien beinahe, als würde sich der Himmel nur aus diesen kleinen weißen Punkten zusammensetzen.

Eine Eule streifte lautlos durch die Nacht auf der Suche nach Beute. Mäuse oder ähnliches Getier würden ihren Hunger stillen, den sie über den Tag hinweg gehegt hatte. Langsam ließ sich der große Vogel auf einen Ast nieder und beäugte den Wald um sich herum, immer aufmerksam, damit ihm nichts entging.

Doch plötzlich leuchteten die gelben Augen erschrocken auf und der Hals des gefiederten Tieres schoss um 180° herum. Ein Schrei und laute Fluchworte hatten die Eule aufgeschreckt und von der eben entdeckten Maus abgelenkt, die sofort ihre Chance ergriffen hatte und außer Reichweite huschte. Der Vogel warf noch schnell einen Blick auf das sich nähernde Pferd mit dessen Reitern und schlug dann mit den Flügeln, um sich verärgert ein neues Jagdrevier zu suchen. Dieses war ja nun nicht mehr zu gebrauchen.

„Verfluchtes, arrogantes Elbenpack! Ausrotten müsste man euch! Sauron und seine Orks hatten schon recht..." Wütend vor sich hin zeternd lag Adamantiel vor Legolas auf dem Pferd, welches geduldig die ständigen Beschimpfungen, die die kleine Elbin dem Prinzen an den Kopf warf, mit anhörte. Auch Legolas tat so, als würden ihn die Beleidigungen seines Befehlsmäßigen Zöglings nicht stören, doch innerlich kochte er.

„Wenn Ihr die Güte hättet, Euer Mundwerk für einen Moment nicht zu betätigen, wäre ich Euch sehr verbunden", begann er nach einiger Zeit ruhig. Die Bäume neigten sich leicht im Wind und es schien, als wollten sie seine Worte tatkräftig unterstützen, indem sie ihre Blätter rauschen ließen.

„Aaach...vergesst es", schimpfte Adamantiel zurück und drehte den Kopf ignorant auf die andere Seite.

„Ihr seid doch Schuld an der ganzen Sache. Ihr und Euer verdammtes Elbengehabe! Wir haben Mala und ihre Familie einfach so zurückgelassen! Nie darf man etwas sagen oder den Mund etwas aufreißen...", fuhr sie ihn giftig an und Legolas begriff, dass sie auf ihr gefesseltes Dasein auf seinem Pferd hinwies.

„Ihr reißt ihn schon die ganze Zeit zu weit auf", erwiderte der blonde Elb ruhig und sah sich aufmerksam um. Die Wälder des Düsterwaldes, die sie bald erreichen würden, waren gefährlich und dunkel. Der Wald, durch den sie gerade ritten, war nur ein Vorbote dessen, was sie erwarten würde. Es war gefährlich allein oder zu zweit zu reisen. Die Kreaturen, die sich im Düsterwald verbargen, waren grausam und existierten schon seit Melkors Herrschaft.

„Und Ihr denkt, Ihr könnt Euch alles erlauben!? Eine Dame einfach so verschnürt vor sich auf das Pferd zu werfen ist wohl nicht anmaßend!?" Langsam reichte es dem Prinzen ständig kritisiert zu werden. Schon seit dem Mittag hatte er sich ihre ständigen Beschwerden anhören müssen und er war ehrlich erstaunt, wie sie diese ohne eine Pause durchgehalten und sich niemals in ihren Worten wiederholt hatte. Stets hatte sie ein anderes Wort parat, um ihrem Ärger Luft zu machen.

„Wenn Ihr eine Dame wäret, würde ich Euch sicher allein auf Eurem eigenen Pferd reisen lassen." Er deutete mit einem Kopfnicken hinter sich, wo das zweite Pferd brav hintendrein trabte und seine Vorgänger nicht aus den Augen ließ. Ein verächtliches ‚Pfft' aus Bauchnähe war der einzige Kommentar der jungen Gefesselten.

„Falls es Euren scharfen Äuglein entgangen ist: Ich bin eine Frau! Und Ihr habt mich mit etwas mehr Respekt zu behandeln."

„Würden alle Frauen so sein wir Ihr...würde niemand in Mittelerde mehr auf die Idee kommen, Sauron als das reine Böse anzusehen." Er hörte, wie das zeternde Etwas vor ihm laut nach Luft schnappte und nach einem Konter suchte, doch noch ehe sie dazu kam, den Mund zu öffnen, schnitt ihr Legolas rasch flüsternd das Wort ab.

„Schht. Seid still", flüsterte er und wies sie an, zu schweigen. Den Kopf wandte er in eine Richtung, aus der er raschelndes Laub vernommen hatte. Also waren sie dem Düsterwald doch schon näher, als er angenommen hatte.

„Einen Dreck werde ich tun! Auf Euch höre ich gewiss nicht", knurrte Adamantiel und begann allen Ernstes ein Lied anzustimmen, welches sie laut hinein in die Nacht trällerte.

„Elben sind so arrogant,

sie waren's schon als der erste aufstand.

Sie sind eine Plage,

auf des Zwerges alte Tage.

Sie haben keine Manieren!

Ich wünscht' er würd'...."

Sie verstummte, als sie plötzlich spürte, wie sich Legolas im Sattel aufrichtete, dann auf dem Pferderücken stand, seinem Reittier noch etwas elbisches ins Ohr flüsterte und dann einen Rückwärtssalto auf das dahinter trabende Tier machte und elegant auf dessen Rücken landete. Für einen Moment trat Schweigen ein, was der junge Prinz zutiefst genoss, dennoch in einer Satteltasche nach etwas kramte.

„Und Angeber sind sie auch", sang Adamantiel dann weiter. Die sportliche Einlage ihres Vormunds hatte sie wirklich beeindruckt, doch das wollte sie nicht preisgeben.

*Sedho!* Seine zischende Stimme zog an ihrem spitzen Ohr vorbei, ohne beachtet zu werden.

„Schweigt", wiederholte er seine Aufforderung in der Allgemeinsprache.

„Und herrisch ist er auch." Sie funkelte kurz böse in seine Richtung. Warum um alles in Mittelerde, lief dieses dumme Ross eigentlich noch ohne Reiter weiter!? Sicher hatte er dem Tier geflüstert, es solle nicht stehen bleiben, damit Adamantiel nicht absprang und sich davon machte. Aber wie sollte sie das denn bewerkstelligen, so verschnürt wie sie war.

Aus den Augenwinkeln bemerkte Adamantiel, wie sich Legolas wieder aufrichtete. Vorher hatte er seitlich auf dem Pferd gehangen, um an die Satteltaschen heranzukommen.

„Habt Ihr Hunger?" Sie vernahm seine teilnahmslose Stimme hinter sich und schüttelte angewidert mit dem Kopf. Nachher fütterte er sie noch! Diese Schmach wollte sie sich nicht antun.

„Schade...dann müsst ihr mit einem Stück Leder vorlieb nehmen", bemerkte er bedauernd, doch sein Ton stand im Kontrast mit seinen Worten. Ein Stück Leder?

Adamantiel verkniff sich einen erschrockenen Laut, als Legolas plötzlich wieder leicht und selbstverständlich hinter ihr auf dem Pferderücken landete. Sie konnte seine Augen sehen, als sie sich zu ihm drehte. Sie glänzten sanft im Sternenlicht und das schwache Silber des Mondes das durch die Blätter fiel, umschmeichelte seinen muskulösen Körper. Das blonde Haar glänzte schwach und spiegelte das milchige Licht wider. Sie musste einmal kräftig schlucken, um den etwas schnelleren Herzschlag bei seinem Anblick zu regulieren.

„Seht Ihr? Das ist für Euch." Er hielt ihr seine Hand vor die Nase, in der sich ein kleines Stück Leder befand und Adamantiel sah verständnislos zu ihm auf. Doch noch ehe sie etwas sagen konnte, nahm er ihr Kinn in seine Hand und näherte sich mit seiner Nase der ihren.

Oh bei den Bärten der alten Zwerge! Er wird doch nicht...!?..., dachte sie mit klopfendem Herzen und registrierte nur ungenau seine Bewegungen. Umso überraschter war sie, als er ihr plötzlich mit einer blitzschnellen Bewegung den Mund öffnete und das Lederstückchen weit hinein schob. Entsetzt keuchte Adamantiel auf, als sie begriff, was er getan hatte und beobachtete ihn fassungslos aus den Augenwinkeln. Das war also Sinn und Zweck der ganzen Aktion gewesen!?

„Schaut mich nicht so an. Ich war gezwungen Euch zum Schweigen zu bringen, da Ihr auf meine Bitten nicht gehört habt", verteidigte sich Legolas, als er ihren wütenden und hasserfüllten Blick spürte und flüsterte seinem Pferd wieder ein paar elbische Worte zu. Er hatte ein ungutes Gefühl. Sicher verfolgte sie jemand und Adamantiels Gekeife, würde es ihren Verfolgern noch leichter machen, sie zu entdecken.

„Seid mir nicht böse, aber Eure Stimme hat mir den letzten Nerv geraubt, Mylady", fügte er spöttisch hinzu und klapste ihr einmal scherzhaft auf den Po, was Adamantiel eine Träne in die Augen trieb. Doch sie wandte sich ab, um diesem arroganten Kerl nicht zeigen zu müssen, wie gekränkt sie sich fühlte. Wie naiv sie doch war! Wie hatte sie glauben können, Legolas wollte sie küssen? Und dann auch noch in solch einer Situation! Dieser hochnäsige Prinz würde sicher lieber seinen Gaul küssen, ehe er auch nur auf den Gedanken kam, Hand an sie zu legen.

„Ohmshehmem", würgte sie heraus und ärgerte sich darüber, dass er das Wort ‚Orkscheißer' sicher nicht verstanden hatte. Aber er ging nicht einmal auf ihr Gemurmel ein, welches sie sich mühsam abquälte, sondern sah aufmerksam um sich. Offensichtlich genoss er die eingetretene Ruhe.

Doch dann bemerkte sie, dass es einen ganz anderen Grund für seine Aufmerksamkeit gab. Ein zischendes Geräusch durchschnitt die Luft und noch ehe sie einen klaren Gedanken fassen konnte, hatte Legolas auch schon sein Pferd herumgerissen, um in eine andere Richtung davon zu preschen.

‚Was war das!?', wollte die kleine Blonde schreien, doch nichts als ein unverständliches Gegurgel drang aus ihrer Kehle hervor und sie verfluchte den Elben noch einmal mehr an diesem Tag. Warum hatte er ihr dieses Leder in den Mund gestopft!? Sie war doch nicht seine Gefangene.

Das Pferd galoppierte verschreckt durch das dichte Blattwerk, das sich ihnen entgegenstellte. Äste streiften die Gefesselte an der Wange und zogen an ihren Haaren. Doch auch einen Schmerzensschrei hielt der Knebel zurück. Sie konnte nur dankbar sein, dass Legolas sie wenigstens festhielt, sodass sie nicht vom Pferd gerissen werden konnte.

„Bei Eru", vernahm sie plötzlich Legolas' Stimme und drehte den Kopf, soweit es ihr möglich war. Ein erleichterter Seufzer drang kaum hörbar aus ihrem Körper, als sie sein besorgtes Gesicht sah. Endlich war da nicht mehr diese gefühlskalte Maske an ihm. Aber was bereitete ihm solche Sorgen?

Ein Knacken der Äste über ihnen, ließ sie den Kopf noch etwas weiter nach oben drehen und was sie sah, ließ ihr einen kalten Schauer über den Rücken fahren. Hoch über ihnen lauerten dunkle Gestalten, deren Waffen im Sternenlicht glänzten, wenn überhaupt ein Lichtstrahl das dichte Astwerk durchdringen konnte.

Liebend gern hätte sie den Prinzen gefragt, was das alles zu bedeuten hätte, aber sie konnte lediglich zusehen, wie er überirdisch schnell nach seinem Bogen und seinen Pfeilen griff und die Sehne spannte. Dann schwirrte auch schon der erste Pfeil durch die Luft. Die Pferde tänzelten auf der Stelle. Die unheimliche Stille und das Dunkel des Waldes machten die Tiere nervös. Doch sie hielten sich an Legolas' geflüsterte Worte, die er ihnen immer wieder zuraunte und brachen nicht aus.

Ein dumpfer Laut sagte Adamantiel, dass der Pfeil ein Ziel getroffen hatte. Sie vernahm ein rasselndes Röcheln und dann einen dumpfen Aufprall im Gebüsch. Für einen Moment trat Stille ein, dann wurde Legolas' Tat mit Dutzenden von Pfeilen erwidert.

Diesmal konnten auch Legolas' Worte die Tiere nicht beruhigen und das Pferd, auf dem sie saßen, bäumte sich mit rollenden Augen auf. Durch die steile Aufwärtsbewegung wurde Adamantiel nach oben geschleudert, doch die starken Arme des Prinzen hielten ihren Fall auf und sie wurde wieder auf den Rücken des Tieres gepresst. Pfeile schwirrten um ihre Körper und auch Legolas schien einer davon getroffen zu haben, denn er hielt sich seine linke Schulter.

*Drego, Ivanneth(1)! Drego(2)!* Adamantiel wusste nicht, wie ihr geschah, als das Pferd auf die Worte des Prinzen panisch durch die Blätter preschte. Sie sah noch, wie Legolas wieder im Sattel stand, sich abstieß und dann vom Rücken des Pferdes auf den des anderen Reittieres sprang, Pfeil und Bogen hervorzog und ein Geschoss nach dem anderen abfeuerte.

Dieser Idiot!, dachte Adamantiel verbittert, als das Tier sie mit sich trug, weg von Legolas und den nächtlichen Angreifern. Hätte er mich nicht gefesselt mitgenommen und auch nicht geknebelt, könnte ich ihm jetzt helfen, die Angreifer zu besiegen, knurrte sie in sich hinein. Was war, wenn Legolas getötet wurde? Dann würde sie elendig verhungern und verdursten! Schließlich war sie gefesselt und geknebelt zugleich völlig wehrlos. Und wer wusste denn schon, wo dieser dumme Gaul in seiner panischen instinktmäßigen Angst hinlief!?

Idiot!, schimpfte sie abermals in sich hinein, als wieder ein Ast ihr ein Haarbüschel abnahm und sie schmerzvoll das Gesicht verzog.

‚Warum ist er nicht mitgeritten!? Warum muss er den Helden spielen, und kann mir nicht mal gönnen, mich zu beteiligen!? Und dieser blöde Gaul soll endlich mal stehen bleiben! Uns verfolgt ganz sicher niemand mehr!'

Aber Ivanneth blieb nicht stehen, sondern bahnte sich weiterhin einen Weg durch den Wald. Minuten und Stunden vergingen und erst als ein Sonnenstrahl durch das dichte Blattwerk fiel und sie am Rande eines Baches angelangt waren, verfiel das Pferd in Trab, schüttelte zufrieden die Mähne und knickte die Vorderbeine, damit sich Adamantiel auf den Boden rollen konnte. Danach schritt das Tier durstig an den Rand des plätschernden Baches und trank gierig das kristallklare Wasser. Adamantiel warf dem Pferd einen vernichtenden Blick zu.

‚Ja sauf du nur! Und das vor meinen Augen! Ich bin auch gar nicht durstig', zeterte sie. Der Knebel in ihrem Rachen begann langsam unangenehm zu reiben und wenn nicht zufällig jemand vorbei kam, der sie entfesselte und sie endlich das Stück Leder herausnehmen konnte, sah sie schwarz für ihre Zukunft.

Aber endlich verstand sie, warum Legolas das getan hatte. Er musste schon vorher etwas bemerkt haben, dass sie beobachtet worden waren und wollte von ihrer Fährte ablenken. Aber sie hatte den ganzen Weg in einem weg gemeckert und lauthals geschimpft. Jetzt im Nachhinein betrachtet war es lächerlich gewesen und zudem gefährlich.

Sie drehte sich mürrisch auf die Seite, um das durstige Tier nicht mehr sehen zu müssen. Das Plätschern des Baches reichte ihr schon, um sie neidisch auf das Pferd zu machen. Dieses Vieh hatte Legolas nicht geknebelt! Ihren Gedanken nachhängend merkte sie kaum, wie sie allmählich in einen leichten Schlaf hinüberglitt, der sie von ihren innerlichen Selbstvorwürfen befreite.

***

Flashback zur Nacht

Als der tote Körper vom gegenüberliegenden Baum fiel, atmete Legolas zischend ein. Er wusste, dass er somit zu einem Kampf herausgefordert hatte. Aber er wusste auch, dass er früher oder später ganz sicher hätte kämpfen müssen, denn diese Wesen verfolgten jeden Fremden in ihren Gebieten, bis sie ihn getötet und bis aufs Fleisch aufgefressen hatten. Viele Elben waren dieser Kreuzung aus Werwolf, Ork und Mensch schon zum Opfer gefallen. Bei dem hohen Volk hießen sie ‚Crumenluro', bei den Menschen waren sie unter ‚Vampiren' bekannt. Ein Biss genügte und man war infiziert mit etwas, das sich schwer beschreiben ließ. Der Virus breitete sich im Körper aus, bis er den Verstand vollends verdreht hatte und das betroffene Wesen in eines ihresgleichen verwandelte.

Als der erste Pfeil nahe an seinem Kopf vorbeizischte, griff er in Ivanneths Mähne und riss das Pferd herum, sodass es sich verschreckt aufbäumte. Dabei wurde der Körper des jungen Mädchens gegen ihn gepresst und er fing sie gerade noch im Fall auf, um sie wieder auf den Rücken des Reittiers zu drücken. Er musste schnell handeln und die Angreifer von Adamantiel ablenken. Wenn er auf sie achten musste, konnte er nicht richtig kämpfen.

Ein stechender Schmerz in seinem Arm ließ ihn schneller handeln, als er es für möglich gehalten hatte. Ein Pfeil hatte ihn im linken Arm getroffen und er spürte, wie Blut seine Tunika benässte.

*Ivanneth! Bring Adamantiel fort! Reite so schnell du kannst. Wenn nur sie auf dir sitzt, bist du schneller als diese Bestien. Flieh, Ivanneth! Flieh!* Legolas zischte dem Pferd diese Worte sehr schnell ins Ohr, doch das gute Tier schien ihn verstanden zu haben, denn es setzte zum Galopp an. Gleichzeitig erhob sich Legolas, tat einen Salto auf das andere Pferd und sah gerade noch, wie Ivanneth zwischen den Bäumen verschwand, einige Gestalten hintendrein hetzten, ehe er sich von den nächtlichen Angreifern umringt sah.

„Blut! Gib uns Blut", keuchte eine angsteinflößende Stimme und der Elb spannte seinen Bogen erneut. Es war ein Wunder, dass Ivanneth und Adamantiel noch entkommen waren, nach der Anzahl der schauerlichen Gestalten zu urteilen.

„Nichts werdet ihr von mir bekommen", stieß Legolas laut und sicher hervor, danach zischte ein weiterer Pfeil von seiner Hand und streckte einen der Crumenluro nieder. Danach folgte ein dritter und ein vierter. Doch all die erlegten Gestalten, ließen den Rest noch wütender werden und der Kreis um Legolas zog sich allmählich immer enger.

***

Ein warmer Hauch an ihrer Wange weckte Adamantiel aus ihrem leichten Schlaf. Etwas ärgerlich drehte sie sich weg. Warum konnte sie nicht einmal in Ruhe schlafen!? Doch das Stupsen an ihrem Körper nahm kein Ende und so trat der Ausdruck des Erkennens wieder in ihre Augen und sie starrte in zwei weit geöffnete Pferdenüstern.

Schon wollte sie angewidert etwas hervorstoßen, doch ein Kloß in ihrem Rachen machte jeden Laut unmöglich.

‚Verdammter Knebel!' Wieder einmal versuchte sie, das Leder hervorzuwürgen. Doch es saß gut. Zu gut. Legolas hatte es wirklich perfekt platziert. Aber wo war er überhaupt?

Ein Stich ging durch ihren kleinen Körper, als sie sich an die letzte Nacht erinnerte. Sie war geflohen auf dem Pferd, das sie gerade eben geweckt hatte. Ohne Legolas. Er war geblieben und hatte gekämpft, dieser Wichtigtuer. Aber sie hatte immer angenommen, er wäre ihr dann gefolgt und sei wenige Zeit später nach ihr am Bach ankommen!

Panisch drehte sie sich auf die andere Seite um diese nach einem weiteren Elben abzusuchen, doch nichts als die beklemmende Ruhe des Waldes starrte ihr entgegen. Wo war dieser verdammte Idiot!? Sollte er am Ende doch gestorben sein? Wenn ja, es wäre schrecklich! Wer sollte sie denn entfesseln und entknebeln!? Schließlich konnte auch eine Elbin nicht ewig ohne Wasser und Nahrung auskommen. Außerdem kannte sie sich in diesem Wald kaum aus und was war, wenn diese Kreaturen wieder auftauchten? Wer sollte dann für sie sterben?

‚Idiot!' Wie oft hatte sie den Prinzen heute schon wieder mit diesem Wort betitelt? Sehr oft, so oft, dass sie es gar nicht mehr zu sagen wusste.

Krampfhaft und beinahe verzweifelt versuchte sie, die Fesseln zu lösen. Ein kleiner spitzer Stein, den sie dazu verwendete, brachte aber auch nicht die erwünschte Wirkung und nach langer Zeit der vergeblichen Besuche, gab sie es auf und ließ sich wieder rücklings ins Gras sinken.

Die rauschenden Blätter über ihr, ließen mal hier, mal dort etwas Sonnenlicht zum Waldboden durch. Doch der Wald jenseits des Baches war dicht und schwarz. Kein einziger Lichtstrahl war zu erkennen. Erstaunlich, wie das Pferd hierher gefunden hatte.

Allmählich wandelte sich ihr Zorn und der alles überspielende schwarze Humor in Unruhe und Sorge um. Was war, wenn Legolas wirklich nicht auftauchte? Sie wollte es sich gar nicht ausmalen. Wie es ihm wohl erging? War er schwer verletzt? Schon letzte Nacht während des Rittes hatten sie diese Fragen gequält und sie hatte festgestellt, dass sie sich ernsthafte Sorgen um diesen arroganten Kerl machte, der ohne sie gekämpft hatte.

Ein Wiehern und Schnaufen des Pferdes, machte sie auf eine Bewegung jenseits des Baches aufmerksam und sie schreckte zusammen. Wieder so eine Kreatur, die sie zur Flucht gezwungen hatte? Wie sollte sie sich verhalten?

‚Am besten ich stelle mich tot', dachte sie und schloss rasch die Augen, versuchte so flach wie möglich zu atmen. ‚Vielleicht greifen sie mich dann nicht an' Sie hörte wie leise, unregelmäßige Schritte auf sie zukamen und durch den Bach wateten.

‚Sie kommen', fuhr es ihr durch den Kopf. ‚Erst haben sie Legolas getötet und jetzt wollen sie mich auch töten' Panische Angst stieg in ihr auf, als sie diese Gedanken registrierte. Nichts war mehr von ihrer angeblichen Stärke geblieben.

„Ein Elb...hält auch im Tode seine Augen offen...aber...Ihr könnt das ja nicht wissen." Die Stimme, die Adamantiel vernahm, ließ sie hochfahren, sodass sie aufrecht auf dem feuchten, kalten Erdboden zu sitzen kam und sie starrte dem Angekommenen entgegen.

Das Haar zerzaust, die Kleidung größtenteils zerrissen und mit tiefen und langen Wunden übersät, stand ein Elb vor ihr und versuchte gemein zu grinsen, doch Adamantiel sah es nicht. Zu groß war die Erleichterung, dass diesem Idioten nichts ernsthaftes zugestoßen war. Abgesehen von seinen üblen Wunden, die sie zu Tode erschreckt hatten. Doch er stand aufrecht.

Tränen schossen ihr in die Augen, als ihr bewusst wurde, dass er auch hätte sterben können und sie die ganze Zeit über nichts anderes getan hatte, als sich geeignete Schimpfwörter für ihn auszudenken. Nun betrachtete sie seinen Arm, der schlaff herunterhing und seine eingefallenen Schultern.

„Momumas!? (Legolas)", murmelte sie entsetzt ob des Anblicks des Elben, der keine 10 Schritte von ihr entfernt gegen das Pferd lehnte. Doch dieser ignorierte sie gänzlich und schritt schwankend zu dem kleinen Bach und wie das Pferd vor ihm, beugte er sich herab und trank gierig das klare Wasser.

Die Reue in Adamantiels Herzen und die Sorge um den Prinzen verblassten bei diesem Anblick. Sie durstete und durstete und das erste was er tat, war etwas zu trinken! Und das vor ihren Augen! Liebend gern hätte sie ihn wütend angefahren, doch leider hatte er auch noch nicht daran gedacht, sie zu befreien.

So harrte sie aus, bis er endlich fertig war und sich mühsam erhob. Dann ihre Richtung einschlug und endlich sein Messer zückte. Doch wie groß war die Enttäuschung, als er nicht ihre Fesseln durchschnitt, sondern ein paar Äste des Baumes über ihr. Ungläubig sah sie zu, wie er das abgeschnittene Holz auf einen Haufen warf und gemütlich ein Feuer entzündete. Ein Kloß neben dem Leder bildete sich in ihrem Hals als sie die aufsteigenden Tränen unterdrückte. Verdammt sollte er sein!

Als das Feuer brannte, ging er zum Pferd und nahm etwas rohes Fleisch aus den Satteltaschen. Wo sein anderes Reittier verblieben war, wusste Adamantiel nicht. Sie wusste überhaupt nichts! Nicht was geschehen war, nicht wer sie eigentlich angegriffen hatte! Nichts! Wütend machte sie auf sich aufmerksam, indem sie sich hin und her rollte und protestierende Laute von sich gab.

„Es waren Crumenluros, die uns überfallen haben." Adamantiel stockte als er sprach. Er sah sie nicht an, aber er sprach mit ihr.

„Sie jagen nur in der Dunkelheit. Alles und jeden den sie kriegen können." Die junge Elbin erschauerte bei der Vorstellung, dass diese Nacht etwas Ähnliches vorfallen könnte, doch Legolas zerstreute ihre Befürchtungen im Nu.

„Hier werden sie nicht auftauchen. Wir befinden uns jenseits ihrer Grenzen, im Königreich des Elbenvolkes. Sie wagen es nicht, hier einzufallen."

‚Also wusste der Gaul, wohin er läuft', dachte Adamantiel anerkennend und schielte zu dem grasenden Pferd hinüber.

„Momuma (Legolas!)!!" Legolas sah auf, in ihre Richtung und ein gehässiges Lächeln schlich sich auf sein müdes Gesicht.

„Habt Ihr etwas gesagt?" Er lachte gemein, als sie ihn empört ansah.

„Mhom (Idiot!)" Wieder lachte der Elb, stand jedoch auf und trat auf sie zu. Es war beschämend, dass er über ihr thronte wie ein Berg über einem winzigen Stein.

„Wisst Ihr, Ihr gefallt mir, wenn Ihr nichts sagen könnt", stellte er amüsiert fest, stieß aber auf heftigen Protest, als er eine Hand nach Adamantiel ausstreckte, die sich gekränkt und beleidigt wegrollte. Und um so einen hatte sie sich gesorgt! Wieder ertönte sein müdes Lachen und ehe sie sich versah, hatte er sie gepackt und auf die Beine gezogen. Wie viel Kraft er noch immer besaß trotz seiner Wunden!


Doch sie kam nicht dazu, sich noch länger zu wundern, woher der Prinz nur diese Kraft nahm, denn schon verübte er ein neues Attentat auf sie, indem er ihren Körper fest gegen seinen drückte. Sie blinzelte überrascht über seine Schulter hinweg. Was tat er da? Ihr Herz klopfte schneller als zuvor und die Überraschung erlaubte es nicht, dass sie sich wehren konnte. Sie stand einfach in seinen Armen, froh, dass er doch noch aufgetaucht war.

„Ich bin erleichtert, dass Euch nichts zugestoßen ist, kleine Zwergesbrut. Gimli hätte mir wohl nie verziehen." Mit diesen Worten durchtrennte er ihre Handfesseln mit einem Messer und entließ sie dann aus seiner verzweifelten Umarmung, bückte sich und durchtrennte auch die Fesseln an ihren Fußgelenken. Zur gleichen Zeit, nahm sie den Knebel aus dem Mund. Erleichterung durchflutete sie aber dann landete eine schallende Ohrfeige auf Legolas' ohnehin schon geschundener Wange.

„IDIOT!!!", brüllte sie wütend und holte mit der anderen Hand aus, um erneut einen Abdruck auf seiner Wange zu hinterlassen. Diesmal war es die rechte Seite. Legolas ließ es über sich ergehen, da er einfach nicht mehr die Kraft besaß, sich mit ihr zu streiten.

„Wagt es nicht noch einmal, mich anzufassen!" Der zischende Laut klang in ihren Ohren wie die ersten Worte, die sie sprach, schließlich hatte sie fast einen Tag schweigen müssen.

„Hättet Ihr mich nicht gefesselt und geknebelt, hättet ihr nicht allein den Helden spielen müssen! Seht Euch doch an! Das habt Ihr jetzt davon", schalt sie ihn aus und Legolas straffte beleidigt die Schultern, als sie seine heldenhafte Tat so in den Dreck zog.

„Gefesselt habt Ihr Euch ja wohl selbst", zischte er zurück und Adamantiel blieb die Antwort schuldig. Stattdessen stapfte sie wütend an ihm vorbei, hin zum Bach um endlich etwas zu trinken.

„Wo geht Ihr hin!?" Legolas wollte nach ihrem Arm greifen, doch sie schlug ihn heftig weg, woraufhin er das Gesicht voller Schmerz verzog.

„Etwas trinken! Nachdem ich lange Zeit geknebelt dem Pferd beim Saufen zusehen musste!"

„Tut doch, was Ihr wollt", seufzte Legolas schwer und setzte sich dann wieder nah ans Feuer. Es war kalt im Wald und der Boden war feucht. Zum Glück war Adamantiel nicht wirklich eine Zwergin, sonst würde sie wohl am nächsten Tag krank im Bett liegen.

Sie beugte sich tief hinunter zum Wasser und als das kühle Nass ihre ausgetrockneten Lippen benetzte, schloss sie genüsslich die Augen. Legolas beachtete sie gar nicht mehr, sondern saß einfach aufrecht beim Feuer und stierte in die Flammen.

Als Adamantiel zurück kam, saß er noch immer gerade und aufrecht und schien in Gedanken versunken zu sein. Er schlief nicht, das erkannte sie sofort.

„Blöder eingebildeter Elb", knurrte sie leise und tat einen Schritt auf Ivanneth zu, um in ihrer Satteltasche zu kramen. Dann ging auch sie zum Feuer und blieb einige Schritte neben Legolas stehen, eine Decke über ihre Schultern geworfen.

Die knisternden Flammen des wärmenden Feuers, zeigten seine aufgerissenen Wunden, aus denen noch immer etwas Blut sickerte. Als er sie noch immer missachtete, tat sie noch einen Schritt auf sie zu und stupste ihn an der Brust an. Sofort fiel er rücklings auf den Waldboden und seine Augen richteten sich wütend auf das Mädchen.

„Meinetwegen müsst Ihr nicht den unantastbaren Helden spielen! Ich weiß, dass Ihr ein Idiot seid", stellte sie sachlich fest und ihre Worte drangen dem Elben ins Herz. Wieder einmal hatte sie seine Ehre verletzt. Mit verzweifelter Wut, aber einem starren Gesichtsausdruck, richtete er sich wieder auf.

„Mir geht es gut", knurrte er abweisend als er wieder saß. Und abermals bekam er einen Stoß vor die Brust und er blieb nach Atem ringend und mit schrecklichen Schmerzen in der Brust im feuchten Moos liegen.

„Sicher! Euch geht's blenden! Ich sehe es." Der sarkastische Ton in ihrer Stimme barg jedoch auch etwas, das Legolas nicht deuten konnte.

„Seid Ihr sicher, dass uns hier keiner mehr gefährlich werden kann?" Ihre leise Stimme, ließ ihn verwundert aufblicken, als sie sich zu ihm hinabbeugte, ein Schälchen auf den Erdboden stellte, ein Stück ihres Ärmels in Streifen riss und den noch sauberen Stoff in das kleine Holzschälchen eintauchte, woraufhin es vor kühlem Wasser nur so tropfte.

Als sie damit begann, seine Wunden zu säubern, meldete sich abermals Legolas' Widerstandsgeist und er griff fest nach ihrem Handgelenk.

„Lasst! Ich kann das allein", versicherte er mit bitterer Miene und einem Ton, der so abweisend wie nie zuvor war. Adamantiel schluckte kurz ihren aufwallenden Ärger hinunter, ehe sie seine Finger löste und weiter seine Wunden säuberte.

„Ich sagte Euch doch Ihr sollt es lassen", zischte er böse und griff abermals nach ihrer Hand, woraufhin er sich jedoch wieder eine Ohrfeige einfing. Die Überraschung war so groß, dass er das Handgelenk losließ und sie mit bitterem Ausdruck musterte.

„Erstens habe ich Euch gesagt, Ihr sollt nie wieder Hand an mich legen. Habt Ihr das in so kurzer Zeit schon wieder vergessen!? Zweitens habe ich noch nie auf das gehört, was Ihr mir befohlen habt und ich werde es auch diesmal nicht tun! Und drittens kann ich nicht einfach zusehen, wie Ihr hier auf dem kalten Boden liegt und Ihr langsam verblutet, oder Eure Wunden sich entzünden. Schließlich habe ich eine Lehre bei der alten Heilerin der Zwerge gemacht und musste schwören, jedes verletzte Lebewesen zu verarzten. Also keine Angst, es geht mir nicht um Euch, sondern um das Prinzip!"

Nachdem das gesagt war, ignorierte sie Legolas' zweifelnde Einwürfe mannhaft und säuberte jede noch so kleine Wunde sorgfältig. Dann riss sie ihren anderen langen Ärmel in Streifen und verband somit das Nötigste. Danach stand sie einfach auf und setzte sich auf die andere Seite des Lagerfeuers, jedoch nicht bevor sie den Prinzen in die kleine Decke gewickelt hatte.

Nun war das Knistern des Feuers der einzige Laut, der die einbrechende Nacht begrüßte. Das Pferd stand etwas abseits und schlief ruhig atmend. Legolas lag neben dem Feuer, verarztet, eingewickelt in eine Decke und seines Stolzes beraubt. Eine Frau hatte seine Wunden versorgt! Bei Kriegern taten das immer die Männer. Und zudem war sie nicht irgendeine Frau, sondern ein ungehobeltes Mädchen, dass sich niemals freiwillig seinem Willen beugte. Verärgert schloss er die Augen für einen Moment, dann öffnete er sie wieder, jedoch lag dieses Mal der Schleier des Schlafes über ihnen. Nur noch im letzten Moment seiner Wachsamkeit fiel ihm ein, dass er sich nicht bedankt hatte.

Doch so einfach wieder in einen Schlaf hinüber zu gleiten wie Legolas, war es für Adamantiel nicht. Seine Wunden gaben ihr zu denken. Auch wenn sie wusste, dass sie schnell heilen würden, wie es auch bei ihr stets war, hatte sie sein Anblick sehr tief getroffen. Wie einsam und hilflos er am Bach angelangt war. Dieses Bild, als er mit hängenden Schultern und schweren Wunden, erschöpft vor ihr stand, wollte der jungen Elbin einfach nicht mehr aus dem Kopf.

Ärgerlich über sich selbst und über die Schwäche ihres Willens, schlich sie sich an den schlafenden Prinzen heran. Als sie genau neben ihm saß und sein friedliches Gesicht betrachtete, konnte sie nicht umhin, ihm eine Strähne aus der Stirn zu streichen. Das blonde Haar war zerzaust und mit etwas Blut vom Kampf verklebt. Sie wollte sich nicht einmal vorstellen, wie er um sein Leben hatte kämpfen müssen. Seine Wunden jedoch sprachen Bände. Sie waren nicht lebensgefährlich und doch hatte sie im ersten Moment der Gedanke ergriffen, er könnte an den Verletzungen sterben.

„Verdammt", flüsterte sie leise und strich ihm wieder über die Stirn. Hoffentlich wachte er nicht auf und sah sie jetzt, er würde nur lachen. Sie wusste nicht einmal, warum sie hier saß und zärtlich über die vielen Kratzer auf seinem Gesicht strich. Sie wollte nichts weniger, als dass er sie so sah. Verletzlich, besorgt und traurig. Wie wütend war sie in ihrem Inneren auf sich selbst. Sie wollte ihn nicht berühren, nichts war ihr mehr zuwider und doch tat ihr Körper nicht das, was sie wollte.

„Verdammt", flüsterte sie wieder und wieder in die Stille der Nacht hinein.

***

Die Blätter rauschten leise über ihm und der kleine Bach plätscherte ruhig vor sich hin, als Legolas aus einem tiefen Schlaf erwachte. Langsam richtete er sich auf und die Decke, die ihn bedeckt hatte, rutschte ein wenig an seinem nackten, mit Verbänden übersäten Oberkörper herunter. Seine Wunden waren über Nacht ein wenig abgeheilt. Es würde nicht mehr lange dauern, vielleicht zwei, drei Tage und sie würden fast nicht mehr zu sehen sein.

Mit einem Satz war er auf den Beinen und sah um sich. Das Feuer war niedergebrannt und nur noch ein Aschehäufchen bedeckte die Stelle, wo ursprünglich Flammen gezüngelt hatten. Ivanneth stand wieder nahe beim Bach und graste hungrig das spärliche Grün. Doch als er sich weiterhin umsah, konnte er nichts und niemanden entdecken. Wo war Adamantiel?

Er runzelte ärgerlich die Stirn. Heckte sie etwa schon wieder etwas aus?

„Adamantiel?" Sein Ruf wurde von der Dichte der Bäume gedämpft und nicht weit getragen, sodass er nicht auf weitere Entfernung gehört werden konnte. Er seufzte geschlagen, trat auf Ivanneth zu und tätschelte seinen Hals liebevoll.

„Na mein Guter. Weißt du wohin unser Wirbelwind verschwunden ist", fragte er leise, nahe am Ohr seines Pferdes, das friedlich schnaufte. Ivanneth schüttelte kurz die Mähne und Legolas schien zu verstehen, klopfte dem Tier noch einmal dankbar auf den Hals und ging dann am Bach aufwärts entlang.

Es dauerte nicht lange, aber er ging weit genug, bis man den Lagerplatz nicht mehr sehen konnte, als er schon eine mehr oder weniger vertraute meckernde Stimme vernahm.

„Dieser Idiot! Immer wieder bringt er einen aus der Fassung!" Das Rauschen des Baches wurde mit jedem Schritt lauter und der Prinz hatte es nur seiner elbischen Herkunft zu verdanken, dass er dennoch ihre Worte vernahm. Gleich um die Ecke musste es einen Wasserfall geben.

„Und dann spielt er immer den unschlagbaren Helden! Was denkt der eigentlich, wer er ist!?" Legolas lächelte amüsiert und beschloss für sich, das schimpfende Mädchen zu erschrecken. Mit einem Satz sprang er hinter dem Stein hervor, hinter dem er gelauert hatte in die Richtung, aus der er die Stimme vernommen hatte.

„Ich bin ein Prinz, solltet Ihr dies vergessen haben", lachte er hämisch, doch sein Grinsen gefror ihm auf den Lippen, als er Adamantiel erblickte. Dieser stand noch immer der Mund offen den sie, womöglich für neue Schimpfparaden, geöffnet hatte und starrte den Elben an, als wäre er ein Ork. Das kleine Häschen, mit dem sie sich wohl unterhalten hatte hoppelte vorsichtshalber wieder in den Wald hinein, als es Adamantiels funkelnde Augen sah.

„Ich ehm... Ich bitte um Entschuldigung...", setzte Legolas sachlich und ziemlich desinteressiert an, doch gleich darauf landete eine Ohrfeige auf seiner Wange. Kaltes klares Wasser tropfte nun von seiner rechten Gesichtshälfte.

„Ver....schwindet", zischte Adamantiel, die ihre nackte Haut vergeblich vor den blauen Augen des Prinzen zu verbergen suchte, die unmissverständlich auf ihr zu heften schienen. Auf die Idee, den entblößten Körper abermals ins Wasser zu tauchen, kam sie in ihrer Wut und vor allem Verlegenheit gar nicht. Legolas nutzte die Chance, langsam und vorsichtig wieder hinter dem Fels zu verschwinden, der Adamantiel auf seinem Hinweg verdeckt hatte. Doch sobald er aus ihrem Sichtfeld verschwunden war, fiel seine steinerne Miene von ihm ab und eine frische Röte überzog seine Wangen. Noch nie war er in eine solch peinliche Situation geraten. Er hätte sich doch gleich denken können, dass Adamantiel badete und dennoch hatte er sie überraschen und erschrecken wollen. Nur war sein Vorhaben nach hinten losgegangen und er konnte von Glück sagen, dass ihm wenigstens die Überraschung auch bei ihr gelungen war, ansonsten wäre er sicher nicht so glimpflich davongekommen.

„SEXBESESSENER ELB!!!!" Das Volumen der Stimme, die durch den Wald donnerte, ließ Legolas seinen Schritt erschrocken beschleunigen. Sogar einige Vögel flatterten irritiert aus den Bäumen und konnten sich gar nicht erklären, wie ein so zierliches Wesen so laut schreien konnte. Sie hatte sich wohl wieder gefangen und ihre Wut hatte die Oberhand ergriffen. Es sah nicht gut aus für ihn.

Aber wo hatte sie nur dieses Wort aufgeschnappt? Er und sexbesessen? Legolas runzelte ärgerlich die Stirn. Sicher hatte Gimli ihr diese ungenierten Worte eingetrichtert. Zwerge hegten ja freizügige Erziehungsmaßnahmen.

Als er – inzwischen im Laufschritt – bei dem grasenden Pferd angekommen war, packte er schnell alle Sachen zusammen und klopfte dem aufmerksam gewordenen Tier den Hals. Mehr um sich zu beruhigen, als das Pferd selbst. Bei Eru! wie hatte er nur in diese Situation geraten können?

Abermals strich ein feiner Rotschimmer über seine Wangen, auf denen die Kratzer schon gar nicht mehr zu sehen waren, als er an den Anblick dachte, den sie ihm geboten hatte. Einen wunderschönen Körper hatte sie ja. Schöne runde Proportionen. Und die Wassertropfen, die ihre nackte Haut hatten schimmern lassen...Aber ihr Charakter war das genaue Gegenteil und so schüttelte er rasch den Kopf, um die Gedanken an sie zu verbannen.

„AN EURER STELLE WÜRDE ICH AUCH DEN KOPF SCHÜTTELN!!!" Er zuckte erschrocken zusammen, als er ihre zorneszitternde Stimme hinter sich vernahm und achtete nicht auf Ivanneth, der mit angelegten Ohren einen Seitensprung machte. So verlor der Prinz das Gleichgewicht und er landete nicht gerade heldenhaft auf dem kühlen Waldboden. Doch mit seinem Sturz setzte er auch das teilnahmslose Gesicht wieder auf. Konnte jedoch seine bereits existierende Röte nicht so schnell verbergen und so bemühte er sich, so zu tun, als würde er sie bewusst ignorieren.

„Was regt Ihr Euch so auf?" Adamantiel glaubte nicht recht gehört zu haben, als er diese Frage stellte, die ihre Wut noch mehr anfachte.

„Was ich mich so aufrege!? Ihr habt mich NACKT gesehen! Ist das denn das Benehmen eines Prinzen!?", fuhr sie ihn ungläubig an und trat mehrere Schritte auf ihn zu. Sie war komplett angekleidet doch der Stoff ihrer Bluse klebte etwas an ihrer noch feuchten Haut. Sie war so besessen davon gewesen, Legolas zu verfolgen, dass sie ganz vergessen hatte, sich abzutrocknen. Hinzu kam das klitschnasse Haar, dass ihr über die Schultern fiel und zusätzlich den Stoff durchweichte.

„Viel gab es ja nicht zu sehen." Seine Stimme war ruhig und teilnahmslos und Adamantiel schluckte getroffen. Wieder diese beherrschte Miene und dazu seine ewigen Beleidigungen. Sie wusste sich nicht anders zu helfen, als Legolas an der Schulter zu sich zu drehen und ihm abermals eine Ohrfeige zu verpassen. Doch zu ihrem Verdruss fing er ihre Hand gelassen auf und sah ihr kalt in die Augen.

„Ich möchte Euch nur im Vornherein warnen", hauchte er an ihrem Ohr. „Wagt es nicht, in meinem Königreich Amts anmaßend zu werden, kleine Elbe. Es könnte Euch teuer zu stehen bekommen, falls es jemand mit ansieht und ich werde Euch gewiss nicht aus der Klemme holen. Dazu zählen auch Ohrfeigen und Beleidigungen. Ich hoffe Ihr habt das verstanden?"

Er ließ ihr Handgelenk mit einem Ruck los und sah ihr fest in die Augen, die wütend zu ihm auf glitzerten. Tränen schimmerten darin. Doch nur, da Adamantiel wütend war, wütend auf sich selbst und getroffen durch seine Worte.

Ein überhebliches Lächeln schlich sich abermals auf seine Lippen als er sie so sah. Es bereitete ihm eine gewisse Genugtuung, sie zu verletzen. Doch ehe er es sich versah, landete die angesetzte Ohrfeige doch noch perfekt auf seiner Wange und er führte erschrocken die Hand zu der sich rötenden Stelle.

„Solange es noch keinen gibt, der bezeugen kann, dass ich ‚amtsanmaßend' werde, kann ich Euch schlagen und beschimpfen, sooft ich will", zischte sie triumphierend über ihren schönen, naturgetreuen Handabdruck auf seiner Wange und drehte sich auf dem Absatz um. Legolas schüttelte ärgerlich den Kopf. Wie hatte er Gimli nur jemals zustimmen können?

***

Eruferion war ein vorbildlicher Elb, der seine Wachpostenaufgabe sehr ernst nahm. Ernster als manch anderer. Seine Augen wanderten stets wachsam den Waldrand entlang und nicht einmal die Bewegung eines kleinen Käfers entging seinem scharfen Blick.

So war auch er es, der das Pferd und beide Reiter darauf zuerst entdeckte. Seine Hand griff reflexartig nach seinem Bogen. Zu oft schon hatten Menschen versucht in das Elbenreich einzudringen und nie hatten sie etwas Gutes im Sinn gehabt.

Doch als das Schnaufen des Pferdes lauter wurde und er seinen Kameraden schon ein Zeichen gegeben hatte, dass sich jemand näherte, entfuhr ihm ein Name wie ein Geschenk, dass er soeben erhalten hatte.

„Der Prinz! Es ist der Prinz Legolas Thranduilion", zischte er einem Elben rechts neben sich erfreut zu. Die ganze Zeit über hatte er es bedauert, dass er nicht an dessen Feier hatte teilnehmen können und nun war er schon wieder zurück. Geschmeidig und unbemerkt schwang er sich von Ast zu Ast. Doch plötzlich hielt er inne, als er eine Stimme vernahm, die ihm vollkommen fremd war.

„...und deshalb meine ich, Ihr seid eines Prinzen nicht würdig! Das ist mein Ernst!" Eruferion runzelte säuerlich die Stirn. Wer wagte es, die Position des Prinzen in Frage zu stellen?

„Und ich meine, dass Ihr endlich Eure Zunge in Zaum halten solltet. Ihr bringt Euch sonst nur wieder in Schwierigkeiten." Diesmal war es die Stimme des Prinzen und der lauschende Elb stimmte ihm in Gedanken voll und ganz zu.

„Da seht Ihr wieder mal, wie arrogant Ihr seid!" Wieder eine Beleidigung gegen einen Angehörigen der königlichen Familie und nicht nur Eruferion war darauf aufmerksam geworden. Auch die anderen Wachen lauschten gespannt, wie sich dieses Gespräch entwickeln würde.

„Ich gebe Euch nur einen wohlgemeinten Rat. Hier könnten schon Wachen sein, die Euch hören können. Wenn Ihr weiterhin so beleidigend seid, werdet Ihr wohl wieder im Kerker enden." Eruferions Augenbrauen zogen sich dichter zur Nase. Wieder? Welch eine Frau führte der Prinz mit sich?

„Eure Wachen sind wahrscheinlich so stumpfsinnig wie Ihr arrogant und sexbesessen. Oder warum hält mir noch keiner eine Klinge an die Kehle", erwiderte sie trotzig. Der letzte Satz war wie ein Stichwort, auf das Eruferion und der Rest nur gewartet hatten, denn sie sprangen mit unbeweglichen Gesichtern, innerlich jedoch wütend und zornig von den Bäumen.

„Willkommen Prinz Legolas, Mylady. Ich wage es, die Behauptung anzustellen, dass EURE Sinne abgestumpft sind, sonst hättet Ihr uns wohl bemerkt", begrüßte sie Eruferion zuckersüß und hielt der jungen Adamantiel die Spitze seines Pfeils entgegen. Die kleine Elbe schluckte überrascht und sah zweifelnd zu Legolas, der stolz und erhaben hinter ihr saß.

„Ich verhafte Euch wegen Beleidigung und Amtsanmaßung, Lady. Steigt vom Pferd!" Adamantiel blinzelte überrascht. Sie hatte Legolas' Androhungen nur für leere Versprechen gehalten, doch anscheinend hätte sie ihm doch lieber Glauben schenken sollen.

„Besänftigt es Euch, wenn ich Euch gebührend begrüße", fragte sie schüchtern lächelnd, doch die Pfeilspitze wurde ihr nur näher gegen die Kehle gehalten.

„Anscheinend nicht", stellte sie beunruhigt fest und sah sich hilfesuchend nach Legolas um.

„Ich sagte Euch doch: Ich werde Euch nicht zur Seite stehen, sollte dieser Fall eintreten", lächelte er beinahe sanft und Adamantiel schlug ihm wütend gegen die Brust, um die noch immer die Verbände gelegt waren. Nach diesem ‚Angriff' auf den Prinzen, riss die Geduld der Wachposten und sie zerrten das junge Mädchen vom Pferd. Adamantiel wehrte sich zwar tapfer mit Händen und Füßen, konnte letzten Endes jedoch nicht verhindern, dass ihr abermals Handfesseln angelegt und ein Knebel in den Rachen geschoben wurde.

„Endlich ist sie ruhig", seufzte Legolas und sprang ebenfalls vom Pferd. Die Wachen verbeugten sich ehrerbietig und ihre Pfeile blitzten in der Sonne.

„Wo habt Ihr dieses Weib aufgegabelt, Herr?" Legolas wandte sich an Eruferion und lächelte gequält.

„Ich gab Gimli ein Versprechen, sie in die Kultur der Elben einzuführen." Ein Seufzen ging durch die Reihen und aller Blicke hefteten sich auf die kleine Blonde, deren Augen trotzig blitzten.

„So tragt Ihr selbst die Verantwortung für sie?" Die Männer runzelten mitleidig die Stirn. Sie wussten nicht, wie die Reise des Prinzen verlaufen war, aber nach den Beleidigungen zu urteilen, die sie mitbekommen hatten, hatte die kleine Elbin wohl die ganze zeit über auf Legolas geschimpft.

Legolas seufzte schwer bevor er antwortete und mühsam nickte. Zu gern hätte Adamantiel ihm die Zunge herausgestreckt, doch sorgte der neue, frische Knebel dafür, dass sie es nicht tun konnte.

*Ich bin ihr Vormund*, flüsterte er, als wäre es etwas streng Geheimes, über das er sprach. Aller Augen weiteten sich entsetzt und mitleidig und hingen dann wieder an Adamantiel.

*Aber dann ist es uns gar nicht gestattet, sie einzusperren.*, stellte plötzlich ein Elb mit langem schwarzem Haar fest. Adamantiel beäugte ihn und den Rest argwöhnisch. Warum um alles in der Welt sprachen die nun Sindarin!? Sie verstand kein Wort. Aber das war natürlich Sinn und Zweck der ganzen Sache.

„Nein, nein. Sperrt sie in das dunkelste Verließ des Kerkers." Als Legolas das sagte, weiteten sich Adamantiels Augen vor Schreck und da er nur 2 Schritte vor ihr stand, trat sie ihm einmal kräftig gegen das Schienbein.

Fluchend hielt sich Legolas die schmerzende Stelle und bückte sich hinunter, um sie mit seinen Händen zu umfassen. Er würde demnächst einen Mindestsicherheitsabstand zu ihr festlegen müssen.

Doch die Wachen taten schon ihre Aufgabe und zerrten die junge Elbin in die Nähe eines Baumes, wo sie stehen bleiben sollte und kehrten dann zurück, um weiter mit dem Prinzen zu beratschlagen, was mit ihr zu tun sei.

*In das finsterste Verließ? Aber ist diese Bestrafung nicht etwas zu...hart. Man bedenke sie ist eine Elbin.*, wagte ein groß gewachsener Elb mit langem blondem Haar einzuwerfen. Er hatte es so ähnlich wie Legolas, an den Seiten zu Zöpfen geflochten und hinter dem Kopf zusammen gefasst.

*Glaubt mir, das ist sie nicht.*, wehrte Legolas gelassen ab und ging zu seinen Satteltaschen, um einen kleinen Gegenstand heraus zu nehmen und in den Taschen seines Mantels zu verstauen. Dann ordnete er an, das Pferd samt Gepäck zum Schloss zu führen.

*Aber ihre Ohren...*, wandte Eruferion ein, doch Legolas hob die Hand und lächelte matt.

*Gewiss sind ihre Ohren spitz und ich bestreite nicht, dass sie dem Volk der Elben angehört. Und dennoch...sie wuchs in Höhlen und Dunkelheit auf...sie hält es schon ein, zwei Tage in einem kleinen Erdloch aus. Das ist die erste Lektion, die sie lernen muss. Vielleicht fühlt sie sich sogar wie zu Hause?* Der Rest brach in schallendes Gelächter aus und die Elben waren nun vollends überzeugt, dass sie die junge Lady in den dunkelsten Kerker werfen konnte, ohne Gewissensbisse zu haben.

„Dann wollen wir die Kleine einmal mitnehmen", lachte ein bewaffneter Elb lauthals und wandte sich zu dem Baum um, an dem Adamantiel gestanden hatte.

„Eure Hoheit!" Legolas fuhr überrascht herum, als der besagte Elb einen Ruf ausstieß und blickte ebenfalls zu dem Baum. Doch kaum hatte er entdeckt, dass Adamantiel dort nicht mehr stand, seufzte er auch schon grimmig und verzog missgestimmt das Gesicht.

„Es hat den Anschein als hätte sie alles verstanden. Sagtet Ihr nicht, sie spreche kein Sindarin?" Legolas nickte auf die Frage und schritt schnell auf den kahlen Baumstamm zu. Immer musste sie Schwierigkeiten machen!

„Nein. Sie war sich wohl bewusst, was ihr bevorstand und so will sie uns demonstrieren, dass sie keineswegs mit unserer Entscheidung einverstanden ist", philosophierte er und trat an dem Baum vorbei. Es war ein Fehler gewesen, sie nicht wieder über das Pferd geworfen zu haben, die Füße ebenfalls gefesselt. Nun musste er ihr nachlaufen und sie zurückholen.

„Geht vor und kündigt meine Ankunft an! Ich werde mit Adamantiel nachkommen", befahl er seinen Untergebenen und diese nickten gehorsam. Legolas jedoch rannte nun schnell in den Wald hinein. Auch wenn sie sich im elbischen reich befanden, war der Wald vor wilden Kreaturen nicht sicher.

***

Sie rannte und rannte. Nur ihre eigenen Schritte waren in der Stille des Waldes zu hören. Sie wusste nicht viel über Wälder, aber dieser hier unterschied sich definitiv vom Goldenen Wald wie der Tag von der Nacht. Sie hörte kaum einen Vogel, deren Gesang sie so liebte und denen sie heimlich des Nachts gelauscht hatte, wenn sie wieder eine verbotene Reise außerhalb des Einsamen Berges unternommen hatte.

Aber auch wenn es still und unheimlich war, so rannte sie doch in die richtige Richtung. Alle Richtungen waren richtig. Hauptsache sie konnte diesem Ekel von einem Prinzen entkommen.

Geknebelt und die Arme auf den Rücken gebunden, war es zwar eine schwere Aufgabe schnell und leise zu fliehen, aber die Männer waren so sehr in ihr Gespräch vertieft gewesen, dass sie nicht einmal einen Ork bemerkt hätten. Eingebildete Kerle diese Elben!

Das Gestrüpp des Waldes war hinderlich. Kaum ein Sonnenstrahl fiel mehr durch das dichte Blattwerk und wo die Sonne den Boden doch erreichte, sah man nur Gestrüpp und wieder Gestrüpp, das sich in ihrer Kleidung festhakte und kleine Schlitze hineinriss.

Plötzlich verfing sich ihr Fuß in einer Wurzel, sie stolperte und fiel der Länge nach auf die Nase und den Bauch, sodass sie entsetzt keuchte, als ihr die Luft weg blieb. Rasch drehte sie sich auf den Rücken und setzte sich auf, immer noch mühsam nach Atem ringend.

Als sie sich einigermaßen erholt hatte, richtete sie sich mühsam auf. Ohne die Hände zu benutzen war das aber auch schwierig. Doch sobald sie stand, richtete sich eine Pfeilspitze auf sie und sich wich erschrocken einen Schritt zurück, woraufhin sie abermals über die Wurzel fiel und diesmal auf dem Po landete.

„Verdammt ich habe heute aber auch Pech", murmelte sie unverständlich in sich hinein und sah dann trotzig auf. Der Elb, der einen Pfeil auf sie gerichtet hatte, musterte sie streng, ja beinahe feindselig. Nun hatten sie sie gefunden. Legolas hatte gewonnen.

*Man ech?* Adamantiel zog die Stirn in Falten.

„Mann...was!? Ich sehe das Ihr ein Mann seid", schnaufte sie genervt und richtete sich abermals auf. Doch der Elb mit dem Bogen trat einen Schritt auf sie zu und spannte den Bogen fester.

„Wer seid Ihr, vorlautes Elbenkind?" Diesmal benutzte er die Allgemeinsprache und Adamantiel lächelte kaum merklich. Wenn er sie nach ihrem Namen fragte, dann konnte er nicht zu Legolas gehören. Ihre Feindseligkeit fiel von ihr ab, wie der Schnee von den Bäumen, wenn es zu tauen begonnen hatte. Ihre Blicke wanderten nun neugierig über den Elben, der noch immer grimmig vor ihr stand und je länger sie zögerte zu antworten, desto weiter ging sein Arm, mit dem er die Schnur hielt nach hinten.

Er hatte langes blondes Haar und grasgrüne Augen, die ein leichtes goldgesprenkeltes Muster aufwiesen. Seine Wimpern waren unnatürlich schwarz und lang, sodass man ihn als Frau deuten konnte und dennoch bewiesen seine Gesichtszüge, dass er ein Krieger war. Das Haar war ordentlich zu einem einzigen Zopf nach oben gesteckt und die breiten Schultern und der muskulöse Bauch, den er nicht mit einer Tunika bedeckte, zeugten von seiner Stärke.

„Wer seid Ihr?" Er wiederholte die Frage ruhig und geduldig, doch Adamantiel wusste, dass sein Ton ebenso Maske war, wie Legolas' teilnahmsloser Gesichtsausdruck.

Doch Adamantiel schüttelte den Kopf und machte einige undeutliche Geräusche. Der Elb schien zu verstehen, trat zu ihr heran und nahm ihr den Knebel aus dem Mund. Die Fesseln durchtrennte er nicht zu Adamantiels Verdruss. Stattdessen wiederholte er seine Frage ein drittes Mal.

„A...Adamantiel", brachte sie leicht stockend hervor und sah ihm beinahe schüchtern in die Augen, die unmerklich glänzten. Mit Erstaunen bemerkte sie, wie der Körper sich etwas entspannte, der Elb die Sehne mit dem Pfeil etwas lockerte und sie dann eingehend musterte.

„Und Ihr?" Sie wollte wenigstens auch seinen Namen erfahren, wenn er schon den ihren kannte. Er sah ihr einen kurzen Moment in die Augen, was ein kribbelndes Gefühl in ihrer Magengegend hinterließ.

„Narwainion", erwiderte er knapp auf ihre Frage, nahm den Pfeil von der Sehne und hing sich den hölzernen Bogen wieder über die Schulter. Dann sprang er auf einen Baum und von dort einfach in den Wald hinein. Adamantiel starrte ihm wie hypnotisiert nach.

„Nar-wai-nion", wiederholte sie wie in Trance und ließ sich langsam auf die Knie sinken. Warum war der Elb so übereilt wieder verschwunden?

Die Antwort sollte sie gleich darauf in Form eines leisen Blätterraschelns erhalten. Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend, drehte sie sich nach hinten um. Die Haut ihrer Stirn legte sich in verärgerte Falten, als sie den Elben erkannte, der gerade durch einen etwas größeren Sonnenstrahl ging.

„Weit seid Ihr nicht gekommen", stellte er ruhig fest.

„Ich wollte lediglich noch einmal frische Luft schnappen", erwiderte sie kühl und sah Legolas scharf an, doch der zuckte mit den Schultern.

„Ihr bringt Euch immer wieder selbst in Schwierigkeiten. Aber sagt: Wie kommt es, dass Ihr wieder sprechen könnt?" Seine Augen glitzerten gefährlich im schrägen Einfall des Sonnenlichtes, als er sich an einen Baumstamm lehnte und die kniende Elbin betrachtete.

„Ich beherrschte es schon seit meinem 3. Lebensjahr."

„Es wäre besser für Euch gewesen, hättet Ihr es noch nicht erlernt. Aber nun sagt: Wie gelang es Euch, das Leder herauszuholen mit gefesselten Händen?" Er trat einen Schritt näher auf sie zu. Kein einziger Ast knackte unter seinen Füßen, obgleich es so dunkel war. Sie hatte dagegen den halben Wald aufgeschreckt. Kein Wunder, dass dieser Narwainion auf sie aufmerksam geworden war.

„Ich bin nicht verpflichtet, Euch darauf eine Antwort zu geben." Legolas schwieg einen Augenblick, trat dann ganz zu ihr heran und hockte sich vor sie hin. Seine Augen zeigten Verwirrung und Überraschung.

„Das werdet Ihr ganz sicher tun", legte er strikt fest und zog sie auf die Beine.

„Ein Vögelchen mit langem Schnabel flog daher und nahm ihn mir aus dem Hals", giftete sie, als sie seinen festen Händedruck an ihrer Schulter spürte, der allmählich schmerzte.

„Seid Ihr jemandem begegnet?" Er sah sich ruhig um. Doch die Blätter der Bäume rauschten leise wie zuvor und keine Gestalt war in den Ästen zu bemerken.

„Ich habe es selbst hinaus gewürgt", versicherte Adamantiel dieses Mal ohne Spott oder Angriffslust. Vielleicht war es dem fremden Elben ja gar nicht recht, wenn Legolas oder ein anderer von ihm erfuhr. Warum sonst sollte er selbst auf eine Elbin einen Pfeil angelegt haben? Besser war es, sie zerstreute jeden Verdacht auf seine Existenz.

Legolas nahm ihre Erklärung nickend zur Kenntnis und führte sie mit sich, indem er einen ihren linken Arm mit seiner rechten Hand umklammert hielt.

„Wenn Ihr Eure Beschimpfungen einstellt, bleibt Euch ein erneuter Knebel erspart."

„Dann aber auch die Fesseln", knurrte die kleine Blonde böse. Sie stellte sich gerade vor, wie es wohl aussehen mochte, wenn Legolas sie gefesselt durch die Elben führte. Es würde jedenfalls keinen guten Eindruck bei ihrem neuen Volk hinterlassen. Aber wer wollte das eigentlich schon?

Ihr Ton war nicht gerade freundlich, umso erstaunter hielt sie kurz die Luft an, als der Prinz seinen Dolch zückte und die Schnur durchtrennte.

„Was...?", setzte sie verblüfft an und blieb einen Augenblick stehen ehe sie ihm folgte.

„Ich hoffe der Schock war Euch diesmal Lehre genug. Schließlich versprach ich Gimli, Euch zu unterrichten und nicht in ein dunkles Loch einzusperren, obwohl es Euch sicher nicht gerade schlecht gehen würde unter der Erde."

Ein empörter Laut war das Einzige, was die schattenhafte Gestalt zwischen den Blättern eines großen Baumes noch vernahm, ehe sich die beiden streitenden Elben aus seiner Hörweite entfernten. Ein kleiner Ast knackte unter den Fingern des Waldelben und sein Gesicht war wüten, hasserfüllt und besorgt zugleich. Doch noch ehe die Sonne weiterhin seine Nasenspitze kitzeln konnte, verschwand er zwischen den Bäumen, um wieder auf Jagd zu gehen.

***

[Fortsetzung folgt!]

Sorry, dass es so übermäßig lang gedauert hat ^^' Ich flehe euch trotzdem an, ein klitzekleines Review zu hinterlassen...*bettel*

Ein liebes Dankeschön an ALLE, die mich so lieb mit ihren Kommentaren unterstützen. Ihr gebt mir Grund, weiterzuschreiben. Ich hab im Moment so viel um die Ohren, dass ich es oft nicht zu mehr als 1-2 Abschnitten am Tag bringe...*drop*

Nächstes Wochenende wird auch wieder knapp...ich bin da zur Sachsenmeisterschaft Formen vom Taekwondo...also könnte es nächste Woche erst wieder was werden....

Ich hoffe, ihr versteht das und habt trotzdem weiterhin Spaß an meiner Geschichte

Ciao ciao

Heagdl!!!

Eure Seoko

*jeden einzelnen gaaaaaaaanz doll knuddel*

(1) Name des Pferdes

(2) Flieh!