~*~Laurie lantar lassi súrinen~*~

[Wie Gold fallen die Blätter im Wind]

***

Unterricht mit Folgen

*Seht, der Prinz ist zurückgekehrt. Mit einem Mädchen an seiner Seite.*

*Wie alt sie wohl sein wird?*

*Ich würde sie nicht älter als einhundert Jahre schätzen.*

Überall, wo Legolas und Adamantiel auftauchten, blieben die Elben tuschelnd stehen und warfen ihnen neugierige Blicke zu. Adamantiel konnte sie noch nicht verstehen. Mit Sindarin war sie nicht vertraut und doch war Legolas etwas peinlich berührt, als er durch die Straßen ging und hier und da mit dem Kopf nickte, wenn jemand sie grüßte und dann seines Weges ging. Doch er war sich bewusst, dass man es gleich jedem mitteilen würde, den man halbwegs kannte, dass der Prinz mit einer Elbin an seiner Seite zurückgekehrt war.

Er hoffte inständig, nein er flehte beinahe zu Eru, dass die junge Blonde neben ihm keinen Blödsinn veranstaltete und so ein schlechtes Licht auf sich warf und den Gerüchten noch mehr Grund gab, zu kursieren.

*Sie ist sehr hübsch. Wo sie wohl herkommt?* Die flüsternden Stimmen um Adamantiel, machten das junge Mädchen verlegen und vor allem schweigsam. Sie mochte es nicht, wenn über sie geredet wurde und sie zudem nicht mal eine Silbe verstand und so nahm die Beklommenheit überhand, als immer mehr Elben ihren Weg kreuzten.

Die Dichte und vor allem die Stille des Waldes hatten rapide abgenommen, als sie die Wachposten passiert hatten und immer weiter in die Elbenstadt vorgedrungen waren. Einige der Elbenkrieger hatten dem Prinzen beinahe mitleidige Blicke hinterhergeworfen, als er die – zu diesem Zeitpunkt noch meckernde – Adamantiel mit sich führte. Doch sie hatte so getan, als hätte sie diese Blicke nicht bemerkt.

„Dauert es noch ewig, bis wir im Palast sind", murrte sie leise in Legolas' Richtung. Sie wollte nicht weiterhin angestarrt werden und vielleicht noch das Gerücht aufwerfen, sie wäre freiwillig bei Legolas. Dass die Elben mittlerweile etwas anderes dachten, ahnte sie nicht einmal.

„Eine halbe Stunde etwa. Die Stadt der Elben ist nicht sehr groß. Aber groß genug, um das andere Ende erst in einer Stunde zu erreichen", erklärte Legolas knapp, immer auf ein erhabenes Aussehen bedacht und die Miene wie eh und je zu Stein verzogen. Adamantiel seufzte enttäuscht und hoffnungslos. Warum musste dieser Prinz denn mitten im Zentrum hausen? Ein kuscheliges Häuschen am Rande der Stadt hätte doch genügt. Aber diese Königsfamilie, konnte anscheinend den Rachen nicht voll kriegen und hauste, wie auf dem Präsentierteller.

‚Ich weiß, warum die alle so erstaunt gucken. Sicher weil Legolas so einen Flunsch zieht', dachte sie grimmig und sah unzufrieden zu ihm auf, warum konnte er nicht einmal ein bisschen ausrasten, wenn sie ihn ärgerte. Warum blieb er so unantastbar?

‚Elben sind alte Spießer', hatte Gimli einmal gesagt, mit einem riesigen Grinsen im Gesicht. Und er hatte recht gehabt. Je länger und neugieriger sich die junge Elbin umsah, desto mehr viel ihr auf, dass nicht nur Legolas so einen undefinierbaren Gesichtsausdruck an sich hatte.

‚Die müssen ja unheimlichen Spaß an ihrem unendlichen Leben haben', dachte Adamantiel und ihr schwarzer Humor war wieder einmal der Sieger über ihre Beklommenheit. Sicher hatten solch perfekte, erhabene Geschöpfe wenig Grund und Anlass zum Lachen. Also warum sollte sie ihnen nicht mal den Gefallen tun?

„Was auch immer Ihr gerade in Eurem etwas verwirrten Hirn ausheckt, lasst es lieber bleiben." Adamantiel sah ein wenig verblüfft zu Legolas auf. Der jedoch würdigte sie keines Blickes, sondern beschleunigte seinen Schritt nur. Wie hatte er nur erraten, dass sie etwas vorhatte? Ein kleiner Schmollmund wies ihre Unzufriedenheit vor, als sie sich bewusst wurde, dass sie wieder einmal ein schelmisches Grinsen auf ihren Lippen getragen hatte. Eine typische Angewohnheit von ihr, die sie so schnell wie möglich ändern musste.

„Ich habe nur die Gegend betrachtet", erwiderte sie mit ahnungsloser Stimme und einem unwissenden Gesichtsausdruck. Als Legolas sie mit einem kurzen, aber eindringlichen Blick bedachte, runzelte sie verärgert die Stirn.

„Man wird ja wohl noch mal lächeln dürfen! Auch wenn hier nur Spießer rumlaufen, heißt das noch lange nicht, dass ich selbst zu einem mutiere", grummelte sie böse und folgte dem Prinzen beleidigt, der sich zwischen den Massen durchschlängelte.

„Wenn es ein Lächeln gewesen wäre. Es glich eher einem dreckigen Grinsen."

„Mit Verlaub! Ich lächle oder grinse, wie es mir beliebt! Ihr habt es ja anscheinend noch nie erlernt, Eurer dämlichen Miene zu urteilen."

„Denkt lieber an meine Warnung nach, anstatt Euch erneut über mich auszulassen. Überall hier sind Elben, die Euer fehlerhaftes Benehmen bezeugen können", erinnerte Legolas sachlich und griff dann nach ihrem Handgelenk. Doch kurz darauf ließ er es erschrocken wieder los, als der Fuß der Elbin ihn in den Oberschenkel traf.

„Rührt. Mich. Nicht. An", fauchte sie böse und schritt dann erhobenen Hauptes an ihm vorbei. Sie hasste es, wenn Legolas sie berührte, obwohl der eigentliche Grund in dem feinen Kribbeln lag, das immer durch ihren Bauch schoss, wenn sie mit ihm in Kontakt kam. Da derartige Gefühle vollkommen neu und fremdartig für sie waren, misstraute sie ihnen gründlich. Wer wusste denn, ob das etwas Gutes zu bedeuten hatte? Vielleicht war Legolas ja gefährlich und ihr Körper reagierte allergisch auf ihn, indem er sie mit solchen Gefühlen warnte?

„Wartet! Ihr könnt nicht allein gehen!" Mit einem Satz war der Prinz wieder heran, unterließ es diesmal aber, sie durch eine Berührung zurückzuhalten, um so weiteren Schlägen oder Ohrfeigen zu entgehen.

„Und warum nicht!?" Mit säuerlichem Gesicht drehte sie sich schwungvoll zu ihm um, sodass ihre Haare seine Nase streiften, bevor sie wieder auf ihrem Rücken landeten. Ein paar Elben verbeugten sich höflich im Vorbeigehen vor ihrem Prinzen und setzten dann ihren Weg fort. Adamantiel jedoch hatte nur Augen für Legolas und forderte mit festem Blick eine Antwort von ihm.

„Weil dies der Weg zum Palast ist und kein Unbefugter nahe heran darf. Außer in Begleitung eines Dieners, des Prinzen oder des Königs." Adamantiel richtete den Blick wieder nach vorn und diesmal hatte sie Augen für ihre Umgebung. Der Mund ging etwas auf und sie brachte ein staunendes ‚oh' heraus, als sie die weißen Natursteine zwischen den grünen Blättern aufragen sah. Sie waren in so wunderbarer Weise zu einem Gebäude zusammengesetzt, das Äste und sogar ganze Bäume so mit einbezog, dass es beinahe einem außergewöhnlichen Kunstwerk glich.

„Palast?" Sie zeigte zweifelnd auf das riesige Monument, dass sich vor ihren Augen erstreckte und weit bis über die Baumwipfel ragte. Legolas nickte nur und weidete sich an ihrer momentanen Sprachlosigkeit.

„Ziemlich auffällig, findet Ihr nicht?" Diese Worte rissen ihn aus seiner gedanklichen Lobeshymne, wie perfekt die Elben doch diesen Palast erbaut hatten.

„Er ist nicht weit zu sehen. Das Gestein spiegelt das Sonnenlicht und erzeugt so eine optische Täuschung in Augen des Betrachters. Für eventuelle Angreifer aus der Luft ist es nicht sichtbar", erklärte er leicht gekränkt, während sie durch das Tor schritten, welches zum Inneren des Bauwerks führte. Die dort postierten Elbenkrieger grüßten den Prinzen kurz, widmeten sich dann aber wieder ihrer Dienstpflicht.

„Mit den Minen und Tunneln der Zwerge nicht zu vergleichen", stellte die junge Elbin spontan fest, als sie auch die Gemälde und verzierten Gänge begutachtet hatte. Kein Zweifel diese Elben besaßen schon Talent und Kunstfertigkeit. Die verzierten Säulen, in deren glatte Oberflächen Blätter, Blumen und Tiere gemeißelt waren, waren sehr beeindruckend. Aber das Volk der Zwerge lebte im Stein und nicht nur das. Es lebte mit dem Stein. Die Struktur und Beschaffenheit des harten Elements war ihnen vertrauter als allen anderen Lebewesen.

„Anstatt die Elben zu kritisieren, müsstet Ihr Euch langsam bewusst werden, dass Ihr selbst diesem Volk angehört", tadelte Legolas. Es würde ein ganz schönes Stück Arbeit werden, sie davon zu überzeugen.

„Im Herzen werde ich wohl immer eine Zwergin sein." Adamantiels Stimme war anders als sonst und ließ Legolas daher erstaunt nach hinten sehen. Er hatte vorher nicht bemerkt, dass sie angehalten hatte und nun mit der Stirn gegen eine kühle Marmorsäule lehnte. Die Hand sanft auf die glatte Oberfläche gelegt. So wie sie da stand, allein vor der hohen Säule, als suchte sie Schutz und Geborgenheit, wirkte sie verlorener als je zuvor. So als bräuchte sie jemanden, an den sie sich anlehnen könnte in der ihr völlig unbekannten Welt.

Legolas schluckte. Ihr Gesichtsausdruck war nicht wie sonst fröhlich, übermütig oder zornverzerrt. Es war einfach nur schrecklich traurig und allein, so wie er sie schon damals in der Nacht auf der Lichtung beobachtet hatte.

Er seufzte kurz und rief sich ins Gedächtnis, dass er ihr alles andere als eine Hilfe war, indem er sie ständig kritisierte und beschimpfte. Doch der Laut, den er von sich gegeben hatte, weckte das junge Mädchen aus ihrer Starre und sie wandte wieder den Kopf zu ihm. Legolas räusperte sich. Ihm wollte einfach nichts aufmunterndes über die Lippen kommen.

„Und genau das befürchte ich", antwortete er stattdessen nur, erntete aber lediglich einen irritierten Blick.

„Dass Ihr im Herzen eine Zwergin bleibt." Er grinste hämisch und drehte sich demonstrativ um. Der Protest, den er erwartet hatte, blieb nicht aus, denn er hörte ihre eiligen Schritte.

„Habt Ihr auch nur im Geringsten irgendetwas gegen mein Volk einzuwenden!?" Doch der Prinz lachte nur laut und schritt weiter durch die Gänge des Palastes. Die Schimpfparaden Adamantiels ließ er über sich ergehen. Wenn er sie auch nicht aufmuntern konnte, ablenken konnte er sie von den trüben Gedanken.

*Eure Hoheit! Prinz Legolas!* Der Gerufene hielt in seinem Lachen inne und drehte sich teils genervt, teils bemüht es sich nicht anmerken zu lassen, nach dem Berater seines Vaters, Luferion Herios, um und verbeugte sich kurz vor diesem. Doch der andere Elb seinerseits verneigte sich tief vor seinem Prinzen. Adamantiel hielt in ihrem Schritt inne und lief dann langsam an Legolas vorbei. Sie wollte dem fremden Elben nicht direkt gegenüber stehen.

*Seid gegrüßt, Luferion*, erwiderte Legolas mit der elbischen Ignoranz, die, wie Adamantiel nun für sich entschied, wohl doch angeboren war, denn der andere sah ebenso zurück. Doch bemerkte die Blonde, wie die Augen kurz in ihre Richtung huschten, ehe sich wieder dem Prinzen widmeten.

*Ich sehe Ihr seid wohlbehalten durch den Düsterwald gereist. Schreckliche Kreaturen regen sich dieser Tage wieder und selbst das Reich der Elben wird hin und wieder von einer Bestie heimgesucht. Eru sei Dank hat es noch keine Schäden gefordert.* Legolas nickte kurz mit dem Kopf und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Verärgert nahm er wahr, dass Adamantiel ihm diese Geste ironisch nachtat und ihn dabei schief von der Seite angrinste. Sie wollte ihm wohlmöglich deutlich machen, dass sie sich ungerecht behandelt fühlte, da er nur Sindarin mit diesem Elben sprach. Also wechselte Legolas in die Allgemeinsprache, damit sie künftige Späße unterließ. Es wurde Zeit, dass sie die Sprache endlich erlernte.

„Für wahr. Auch ich hatte zu kämpfen, einigen Vampiren zu entkommen." Adamantiel tat nun den entsetzten Luftschnapper des neuen Elben belustigt nach und amüsierte sich köstlich, als dieser empört eine Augenbraue in die Höhe zog. Ihm schien das Benehmen der Begleitung des Prinzen durchaus nicht höflich genug zu sein.

„Wie es scheint..." Er räusperte sich verlegen und fuhr dann fort. „habt Ihr eine Frau gefunden, der Ihr Euer Herz schenktet?" Diesmal war es an der jungen Elbin selbst, entsetzt und ungläubig zu gucken. Dazu brauchte sie Legolas' ebenso entrüstetes Gesicht gar nicht zu sehen.

„Ihr missversteht das. Dieses Mädchen ist niemals meine zukünftige Frau", wehrte Legolas heftig ab, fing sich aber nur ein ‚Es wäre auch zu schön gewesen' ein und verdrehte kurz die Augen ehe er fortfuhr.

„Gimli vertraute sie mir als Patenkind an und ich nehme meine Aufgabe hiermit auf. Sie wird im Palast leben und von mir in der elbischen Sprache unterrichtet werden. Zeigt Ihr ein Zimmer, dass sie beziehen kann", forderte er den Berater auf und dieser nickte kurz. Etwas beleidigt, dass ihm die Rolle des Laufburschen zugefallen war.

*Und bitte eines im anderen Flügel des Palastes. Weit entfernt von meinen Gemächern*, setzte Legolas ernst hinzu. Luferion verzog zwar keine Miene als er sich umdrehte und Adamantiel höflich aufforderte, ihm zu folgen, dennoch wunderte er sich, warum Legolas eine solche Bitte hervorgebracht hatte.

Adamantiel drehte sich noch einmal kurz zu Legolas und sah ihn fragend an. Dieser jedoch tat nur eine wegscheuchende Handbewegung und wandte sich dann ab, um den Gang entlang in sein Gemach zu gelangen.

„HEY!!! Was ist mit meinen Sachen", schrie ihm Adamantiel gereizt hinterher und Legolas zuckte unter der Lautstärke zusammen. Auch Luferion wandte sich entsetzt nach dem jungen Mädchen um.

„Das lasse ich Euch auf Euer Zimmer bringen. Und lasst Euch eins gesagt sein: Hier seid Ihr nicht mehr bei den Zwergen, die keinen Ton verstehen, wenn man sie ruft. Elben hingegen hören ausgezeichnet gut." Mit diesen Worten verschwand er rasch hinter der nächsten Ecke um seinem Berater das Vergnügen zu überlassen, sich Adamantiels Schimpfparaden anzuhören.

„Arroganter Elbenpopo!!!" Luferion blinzelte verwirrt. Zwerge? Eine Elbin? Elbenpopo? In seiner mehr als dreitausendjährigen Amtszeit als Berater des König hatte er noch nie einen solchen Ausdruck vernommen. Vielleicht war es doch das Beste, das Mädchen in einem weit abseits gelegenen Zimmer unterzubringen.

„Wie heißt Ihr?" Er zuckte zusammen, als er ihre nun ruhige, ja beinahe freundliche Stimme neben sich vernahm und sah sich kurz zu ihr um.

„Luferion. Ich bin Berater des Königs", erklärte er stolz und reckte des Kinn etwas nach oben, doch er bekam zugleich einen Dämpfer von der kleinen Zwergeselbin.

„Berater? Und da spielt Ihr den Laufburschen für Legolas, damit dieser hochnäsige Prinz auch ja keinen Schritt zu weit laufen muss?" Sie sprach ihm aus der Seele. Auch er sah es nicht ein, warum ihn Legolas ab und an als Nachrichtenüberbringer missbrauchte. Doch das wollte er der jungen Elbin nicht sagen, da sie ohnehin schon ein zu loses Mundwerk zu haben schien.

„Schweigt, Mädchen. Beleidigungen gegen den Prinzen..."

„...können ein übles Nachspiel haben. Ich weiß das", äffte Adamantiel und lächelte dann belustigt Richtung Führer, der sich selbst ein Lächeln nicht verkneifen konnte.

„Ich heiße Adamantiel. Ich würde mich freuen, wenn Ihr mich so nennt und nicht junges Gör oder Mädchen. Einfach Adamantiel." Ein bezauberndes Lächeln zierte ihre Lippen, wie er noch kein anderes zu Gesicht bekommen hatte und er nickte kurz entschlossen mit dem Kopf.

„Natürlich. Wenn Ihr mich darum bittet", bestätigte er, sah dann aber wieder stur gerade aus, da sie nun an vielen Dienerschaften vorüberliefen, die hinter ihren Rücken eifrig zu tuscheln begannen. Doch beide Elben ignorierten das und liefen weiter Richtung Westen des Palastes, bis Luferion plötzlich stehen blieb und eine Tür zu ihrer Linken öffnete.

„Tretet ein. Dies wird ab heute Euer Gemach sein." Er lächelte leicht und Adamantiel freute sich darüber. Vielleicht waren ja nicht alle Elben solche Spießer wie ihr ungewollter Pate.

„WOW! Das ist ja phänomenal", stieß sie hervor als sie in das hell und freundlich eingerichtete Zimmer trat, dessen Gegenstände und Möbel alle aus Holz bestanden. Helles, feines Holz welches seltsam warm im einfallenden Sonnenlicht schimmerte. Wunderschöne, schneeweiße Vorhänge verdeckten die Fenster und bewegten sich sacht im leichten Wind.

„Macht es Euch bequem. Aber verzeiht, dass ich nun wieder gehen muss, ich werde Euch sofort eine Zofe schicken, die Euch beim Anlegen...nun ja...", er errötete leicht und senkte kurz den Blick als Adamantiels Augen herausfordernd blitzten, „festlicherer Kleider behilflich sein kann." Mit diesen Worten verbeugte er sich kurz und schloss dann rasch die Tür hinter sich.

Die junge Elbin ließ sich seufzend auf das federweiche Bett fallen und streckte die Arme zu beiden Seiten des Körpers aus.

‚Die Euch beim Anlegen festlicherer Kleider behilflich sein kann.', äffte sie missgestimmt die Worte des Beraters nach und sprang rasch auf die Beine, um einen prüfenden Blick in den Spiegel zu werfen. Was hatte er an ihrer Kleidertracht auszusetzen? Bis auf die kleinen Risse hier und da und die Hose, die sie ungewöhnlicherweise trug, war doch eigentlich alles ganz in Ordnung. Und die Flecken entstanden nun einmal wenn man ständig verschnürt irgendwo auf einem Waldboden abgelegt wurde.

Leicht empört pustete sie eine rebellische, blonde Haarsträhne aus der Stirn und beschloss für sich, erst einmal ein Bad zu nehmen. Hoffentlich brauchte die sogenannte Zofe etwas länger, damit sie ihre Ruhe hatte.

Adamantiel POV

Es war wirklich ein schönes großes Zimmer und anscheinend führte es auch direkt in ein anderes, denn die schön verschnörkelte Zwischentür stand einen Spalt breit offen.

Ich zögerte nicht lange und ging darauf zu. Schließlich konnte sich nichts gefährliches dahinter verbergen, wenn man von einem solch schönen Zimmer ausging, in dem ich mich gerade befand. Der Blick in den Spiegel war dringend nötig gewesen, denn nur so war mir klar geworden, dass das Bad im Bach vor Stunden doch nicht ausgereicht hatte, um jede Dreckstelle wegzuspülen.

Ärgerlich stemmte ich meine Hand gegen die Holztür und stieß sie etwas schwungvoll auf, sodass sie gegen die Wand knallte und mir wieder ein Stück entgegen kam. Eine steinerne Wanne und viele andere Möbelstücke und Geräte, die wirklich keiner brauchte (seltsame Dosen mit verschiedenfarbigem Puder und Phiolen mit verschiedenen Düften standen in Kolonien auf den Schränken und warteten darauf, benutzt zu werden), standen in dem kleinen niedlichen Raum.

Doch ich bemerkte die eingemeißelten Figuren und Pflanzen und was nicht noch alles, am Rand und in der Verkleidung der Wanne oder gar der Schränke gar nicht. An diesem Abend galt mein einziger Gedanke ganz allein Legolas.

Die Stirn gerunzelt und ziemlich missgestimmt, öffnete ich ein Phiole und roch vorsichtig daran. Ein kleines Lächeln huschte auf meine Lippen, als ich erkannte, dass es Tannenduft war. Ich liebte diesen Geruch schon allein, da er immer in den Bergen zugegen war. Vorsichtig tröpfelte ich ein wenig von der zähen Flüssigkeit in die Wanne hinein, in der sich selbstverständlich noch kein Wasser befand. Jetzt musste ich also doch auf diese blöde Zofe warten.

Mit einer einzigen Handbewegung streifte ich mir den Mantel von den Schultern und ließ ihn unachtsam auf den Boden gleiten. Die dreckigen Lederstiefel landeten jeweils einer in einer anderen Ecke und der Rest der Kleidung gesellte sich zu meinem – vor Dreck stehenden – Mantel, bis ich mich bis aufs Unterhemd entkleidet auf den Wannenrand setzte und wartete.

Legolas war wieder einmal unverschämt gewesen. Er war es ja schon die ganze Reise lang. Aber der Vorfall am Bach hat dem ganzen noch eine Krone aufgesetzt, die immer prunkvoller zu werden schien. Ich konnte noch immer den gierigen Blick dieses arroganten, verzogenen Elben auf meiner Haut spüren. Auch wenn er danach abfällige Worte hatte fallen lassen, das was er gesehen hatte, schien ihm gefallen zu haben.

Ich hob plötzlich langsam und wie von selbst den Kopf und blickte entgeistert in den Spiegel, der gegenüber hing. Kein Zweifel. Das Gefühl, dass ich in den Mundwinkeln hatte, war jetzt zu sehen. Ich lächelte. Nein ich grinste sogar! Und das Schlimmste war, dass ich es nicht verbergen konnte. Fluchend schüttelte ich den Kopf und sah wieder auf meine – inzwischen kalten – Zehen hinab. Der eine bewegte sich richtig lustig hin und her.

Abermals hob ich den Kopf und starrte an die Decke. Albern diese ewigen Verzierungen mit Rehlein hier, Wildschweinchen da. Und dann waren da noch so viele Elben.

Narwainion. Wie ein Blitz durchfuhr mich der Name und ich schloss die Augen. Der Elb, der mir im Wald begegnet war, es war das Merkwürdigste gewesen, was mir seit der Begegnung mit Legolas geschehen war. Abgesehen von Legolas' ständig wechselndem Benehmen.

Ich spürte, wie mir das Blut in den Kopf schoss, als ich wieder an den entblößten Oberkörper und die unheimlich gut aussehenden Muskeln dachte. Dieser Elb war alles andere als gewöhnlich.

*Verzeiht, aber ich wurde geschickt, um Euch behilflich zu sein.*

Mein Kopf fuhr erschrocken in die Höhe, als ich eine weibliche, beinahe singende Stimme von der Tür her vernahm. Aber die Worte waren natürlich in Sindarin. Ich konnte von Glück sagen, dass über mir weder eine Wand noch etwas anderes hartes war, das jetzt schön laut geknallt hätte.

„Könnt Ihr nicht anklopfen", fuhr ich die hübsche Elbin an, die darauf entschuldigend den Kopf senkte, ihn dann jedoch wieder hob. Das anfängliche Lächeln auf ihren Zügen war verschwunden und einer steinernen Miene gewichen.

Nicht schon wieder, dachte ich und verdrehte die Augen kurz. Jetzt fing diese Elbin auch noch so an, wie Legolas.

„Ich habe angeklopft", verteidigte sich die Frau und schritt entschlossen auf mich zu, um mich vom Wannenrand wegzuziehen.

„Nur Ihr scheint es nicht gehört zu haben. Also kam ich in Euer Zimmer." Ich ließ einen abfälligen Laut vernehmen, der zwar eher an mich selbst gerichtet war, sie jedoch schien ihn auf sich zu beziehen und schenkte mir einen weniger netten Blick. War ich wirklich so in Gedanken versunken gewesen? In Gedanken an diesen merkwürdigen Elben? Ich schüttelte ungläubig den Kopf.

„Was genau wünscht Ihr denn?" Sie riss mich wieder aus meinen Grübeleien. Ich musste gar verloren im Bad gestanden haben. Den Kopf in den Nacken gelegt, drehte ich mich soweit um, dass ich die junge Frau sehen konnte. Aber war sie denn so jung, wie sie aussah?

Ich grinste und sie tat es mir gleich, als sie meine Körperverrenkungen begutachtete, dann hing sie ein Handtuch über den Wannenrand, bückte sich nach meinen abgeworfenen Kleidern und hob sie vom Boden auf. Daraufhin erntete ich erneut einen belustigten Blick, den ich nur allzu gern erwiderte.

„Ich sehe schon, dass Ihr ein Bad dringend nötig habt." Ich nickte, den Kopf noch immer im Nacken und sie verkehrt herum ansehend.

„Dann werde ich warmes Wasser bringen lassen und Eure Kleider zum Säubern geben." Sie hing sich meine Sachen über den Arm und verließ so lautlos wie sie gekommen war mein Gemach.

„DANKE!!" Erst als sie bereits in den weiten Gängen war, fiel mir ein, dass ich auch Manieren besaß und rief ihr einen freundlichen Dank hinterdrein. Das einzige, was ich hörte, war ein leises Kichern als Antwort.

Seufzend ließ ich mich wieder auf dem Wannenrand nieder. Das weiße Unterkleid oder besser Unterhemd, das ich noch am Körper trug, war neben meinen Armen und Beinen noch erstaunlich sauber. Jedenfalls hatte es keine dreckige Staubschicht, die die helle Farbe verdeckte.

Ich seufzte abermals. Wie schnell sich das Leben verändern konnte! Ich hatte meinen Vater lediglich zu Legolas' Geburtstag begleiten wollen, und wollte daraufhin wieder mit ihm zum Einsamen Berg zurückkehren, doch er hatte von Anfang an andere Pläne gehabt.

Meine Hacke knallte unschlüssig gegen den kalten Stein der schönen Wanne. Mein Leben hatte sich an nur einem Abend so sehr umgekehrt, dass ich noch immer nicht begriffen hatte, was eigentlich vor sich ging. Immer wieder ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass Gimli sicher gleich ins Zimmer platzen würde und mir mit einem ‚Nun mach schon, dass du den Dreck von deiner Porzellanhaut entfernst, damit wir endlich spachteln gehen können! Du weißt doch, wie genau deine Mutter ist' Dampf unter dem Hintern machte, damit ich mich ein wenig mehr beeilte.

„Ich bringe Euch das Wasser." Die sanfte Stimme riss mich nun schon zum dritten Mal aus meinen Gedanken und dieses Mal ging der Schreck nicht so glimpflich aus. Mit einem spitzen Schrei verlor ich das Gleichgewicht und landete rücklings in der großen Wanne. Meine Beine hingen noch immer über den Rand, aber mein Kopf begann zu schmerzen.

Erstaunt öffnete ich die Augen, als ich mehrstimmiges Gekicher vernahm und sah gleich fünf Elbinnen auf einmal um die Wanne stehen und lachen. Schön, dass ich zur allgemeinen Belustigung beitragen konnte! Aber warum mussten es gleich fünf Zeuginnen sein?

„Ihr scheint erschöpft von der Reise", merkte die Elbin, die meine Sachen davon geschleppt hatte kichernd an und ich schenkte ihr nur einen funkelnden Blick. Warum verdammt, bewegten sich Elben so leise fort?

„Ein wenig", grummelte ich geschlagen. Zu mehr war ich nicht fähig, da mein Kopf ohnehin schon überbelastet war. Wieder hörte ich nur kichern.

„Nun. Da Ihr schon einmal in der Wanne sitzt, fehlt eigentlich nur noch das Wasser." Ich riss überrascht die Augen auf, als zwei Hände mein Unterkleid fassten und mir über den Kopf streiften. Doch noch ehe ich protestieren konnte, landete ein Schwall warmen Wassers in der Wanne und umschmeichelte meinen Körper. Dann kam der nächste Schwapp und darauf der nächste. Jede von ihnen musste wohl 2 große, volle Wassereimer getragen haben. Letztendlich saß ich bis zur Brust in warmem, aromatisch duftendem Wasser.

Als die Elbinnen ihre Arbeit erledigt hatten, wünschten sie mir eine angenehme Nacht und verschwanden sofort aus meinem Zimmer. Jedoch lächelten alle leicht und belustigt. Komischerweise störte mich das nicht.

„Wenn Ihr fertig seid und Euch gesäubert habt, so ruft nach mir. Ich werde in Eurem Schlafgemach warten und Euch schon ein passendes Gewand zum Abendessen heraussuchen." Ich nickte nur auf das Angebot der freundlichen Elbin und sie verließ ebenfalls lächelnd das Bad.

Endlich hatte ich meine Ruhe. Erleichtert und genießerisch holte ich einmal tief Luft und tauchte dann ein in das wunderbar warme Nass ein. Meine Gedanken ließ ich einfach fahren und konzentrierte mich nur auf die entspannende Wirkung, die das Wasser auf mich ausübte. Im Moment war mir alles egal. Die Sehnsucht nach den Zwergen, der rätselhafte Elb im Wald, die undurchsichtigen Gefühle und Manieren der Elben, Nestalinna, die auch irgendwo hier im Düsterwald sein musste und vor allen Dingen der ewig meckernde Legolas.

Doch die Tür öffnete sich erneut und die Elbin trat ein.

„Verzeiht. Doch der Prinz schickte nach Euch. Er meinte, der Unterricht beginne in wenigen Minuten." Ich schenkte der Dienerin einen ungläubigen Blick.

„Der hat es wohl nicht nötig, sich zu waschen!?" Das war das erste, was mir dazu einfiel. Schließlich war Legolas ebenso dreckig gewesen wie ich selbst und angenehmer gerochen, hatte er auch nicht. Ich sah, wie die Dienerin sich das Grinsen verkniff und dann zu einem tadelnden Kommentar ansetzen wollte.

„Sagt nichts! Ich weiß, dass Beleidigungen gegen den Prinzen SCHWEEEEEEERE Folgen haben können." Nach diesem Satz tauchte ich wieder unter Wasser und die Elbin kicherte amüsiert.

„Was soll ich nun ausrichten", fragte sie, als mein Kopf wieder auftauchte. Ich prustete kurz und öffnete dann wieder die Augen.

„Sagt ihm, dass mir im Gegensatz zu ihm die Körperpflege wichtig ist und ich nicht den ganzen Palast voll stinken werde." Diesmal lachte die Dienerin ungehemmt und entfernte sich rasch aus dem Zimmer. Noch bevor sie die Tür schloss, steckte sie den Kopf noch einmal ins Bad.

„Ich denke, er wird nicht sehr erfreut sein, das zu hören. Aber Ihr habt recht mit Euren Worten." Als die Tür geschlossen war, lachte ich kurz auf, ehe sie wieder unter Wasser tauchte.

Derweil bei den Zwergen

Keine POV

Als der kleine, rotbärtige Mann in die Wohnhöhle trat, kam ihm eine ebenso kleine Frau mit einem Kind pummligen Kind an der Hand entgegen und empfing den Zwerg mit einem liebevollen Blick, der jedoch Traurigkeit und Schweremut in sich barg.

„Willkommen zu Hause", begrüßte sie Gimli, der nur nickte und sein Reisegepäck in einer Ecke abstellte. Aragorn war schon vor dem Eingang in den Berg über die Felsen weiter geritten. Gimli nahm es ihm nicht übel. Schließlich war der stolze Mensch König eines großen Landes und trug viel Verantwortung auf seinen Schultern.

Mit müden Knochen ließ er sich am wärmenden Feuer nieder, nahm ein großes Stück Fleisch vom Spieß und begann, ständig in die Flammen starrend, zu kauen. Der kleine Junge und die Frau standen stumm abseits und betrachteten den betagten Zwerg. Sie wussten, wie wichtig und teuer ihm die kleine Ziehtochter gewesen war. Vor allem Klaina, seine Frau, war sich dessen bewusst. Adamantiel hatte alles mit ihrem vermeintlichen Vater zusammen unternommen. Ja er hatte sie sogar immer auf Jagd mitgenommen. Mit ihr hatte er reden können, so wie er es liebte, ohne dass ihn jemand falsch verstanden hatte. Mit ihr hatte er lachen und schimpfen können und sie hatte ihn schnell wieder besänftigt.

Unsicher was zu tun war, trat Klaina die paar Schritte, die das Ehepaar voneinander trennten auf ihn zu und legte eine Hand auf die Schulter des Bärtigen.

„Wie ist es...verlaufen?" Ihre Stimme war seltsam belegt und als sie merkte, wie Tränen ihre Augen trübten, drehte sie sich rasch nach dem stillen Jungen um.

„Geh und bitte Grada, dass sie dich für ein paar Stunden mit in die Höhle nimmt. Ich muss etwas mit deinem Vater besprechen." Der Junge nickte und machte sich auf und davon. Die bedrückte Atmosphäre passte so gar nicht in diese Wohnhöhle.

Ein kurzes Schweigen trat ein, ehe Gimli seine raue Stimme erhob.

„Legolas ist meiner Bitte nachgekommen und trägt nun die Verantwortung. Aber ich befürchte, sie wird es nicht leicht haben." Wieder trat Schweigen ein und Klaina ließ sich vorsichtig neben ihrem mann nieder, der nun die kleinen Käferäugelein auf sie richtete. Sie waren schwarz und klein und glänzten im Schein der Flamme verdächtig.

„Du hast sie als Zwerg erzogen."

„Wie sollte ich es sonst tun? Ich hatte, bevor ich Legolas traf, keine Ahnung von Elben", brummte er und biss abermals ein großes Stück vom Fleisch ab.

„Das war gewiss kein Vorwurf. Sie wird es vielleicht anfangs nicht leicht haben, aber du kennst unsere Adamantiel. Sie ist stark und wird mit jeder neuen Situation fertig." Klaina lächelte zuversichtlich und auch Gimli zuckten die Mundwinkel. Für wahr. Adamantiel war nicht dumm. Ganz und gar nicht. Sie würde sich bei den Elben einleben und vielleicht sogar herausfinden, wer ihre wahren Eltern waren.

„Du hast dein Bestes für dieses Mädchen gegeben. Auch wenn du die ersten Jahre keineswegs begeistert von ihr warst." Klaina lachte an die Erinnerung daran, wie ihr Mann das kleine hilflose Findelkind die ersten Jahre einfach ignoriert hatte. Doch sobald es sprechen konnte und das erste Wort auf zwergisch ‚Vater' gewesen war, war er über seinen Schatten gesprungen und hatte sich dem Zögling angenommen. Mit einer gewissen Vaterliebe, die von Jahr zu Jahr stärker geworden war und die der Grund dafür war, dass der kleine Sohn seine Schwester oft verächtlich angesehen hatte, da ihm so große Aufmerksamkeit nicht zu teil wurde.

Gimli brummte unwillig, als er sich daran erinnerte und grinste daraufhin leicht.

„Sie ist etwas besonderes. Egal ob als Zwergin oder als Elbin. Sie hat etwas, dass vielen Lebewesen fehlt. Und das hat sie nicht nur durch mich, sondern es liegt teilweise in ihrer Natur." Klaina nickte glücklich und umfasste sanft die Hand ihres Lebensgefährten.

„Sie ist ganz gewiss etwas besonderes."

Adamantiel schloss leise die Badtür hinter sich. Ein Handtuch war um ihren Körper gewickelt und sie sah sich neugierig im Zimmer um. Auf dem Bett saß die Zofe und erhob sich, als sie die eintretende Elbin erblickte. Das Haar Adamantiels war klitschnass und Wasser rann über ihre Schultern, bis es vom Handtuch aufgefangen wurde. Das jedoch ging ihr nur bis knapp über den Po und ließ einen freizügigen Blick auf ihre langen schlanken Beine gewähren.

„Ihr duftet wie ein ganzer Wald", lachte die Elbin und trocknete Adamantiel mit einem weiteren Handtuch das Haar.

„Ich liebe Tannenduft", entgegnete die junge Elbin gut gelaunt. Das Bad war wirklich entspannend gewesen.

„Wieso gerade Tannen?" Die Elbin stand hinter ihr und trocknete noch immer das lange blonde Haar, welches eine tief dunkle Farbe angenommen hatte.

„Immer wenn ich an die frische Luft ging, standen überall Tannen am Hang des Berges. Und nach starkem Regen dufteten sie besonders. Es waren die ersten Bäume, die ich je erblickt hatte", erklärte Adamantiel verträumt. Sie wusste nichts über ihre Ankunft bei den Zwergen und Gimli hatte ihr nie erzählt, dass es geregnet hatte, als er das Kind inmitten von Tannen von dem Elben entgegen genommen hatte.

„Vermisst Ihr Eure Heimat?" Adamantiel senkte langsam den Kopf. Ja. Sie vermisste ihre Heimat. Die Tunnel, das Gestein, die Tannen, die Höhlenfeuer, über denen immer saftige Fleischspieße hingen, die kuscheligen Felllager, auf denen sie geschlafen hatte.

„Ja", flüsterte sie leise und die Frau hinter ihr nickte verständnisvoll.

„Ich habe dem Prinzen Eure Nachricht überbracht", lachte sie plötzlich, um Adamantiel auf andere Gedanken zu bringen. Ihr Vorhaben gelang, denn diese hob rasch den Kopf und drehte ihn zu der Elbin um.

„Und!?" Ihr Blick war wissbegierig und hing wartend auf der Dienerin, die in sich hinein kicherte.

„Er hat nichts gesagt und mich nur verständnislos angesehen. Dann hat er mich beauftragt, Diener zu schicken, um Wasser zu bringen. Als ich seine Gemächer verließ, hörte ich nur noch wie er murmelte: ‚Na die kann was erleben'" Adamantiel lachte herzlich auf als die Zofe die tiefe Stimme des Prinzen nachzuahmen versuchte und die Elbin lachte mit ihr.

„Er wird wohl eingesehen haben, dass er wirklich nicht besonders gut riecht", lachte Adamantiel laut und ihre Schultern zuckten. Das Haar wurde nun außer acht gelassen und die Dienerin trat wieder zum Bett, auf dem ein schönes Kleid ausgebreitet lag.

„Sagt, wie heißt Ihr?" Die Dienerin drehte sich lächelnd zu Adamantiel um und schwenkte das Kleid hin und her.

„Gelirgladha. Aber Gelir reicht vollkommen aus." Adamantiel nickte lächelnd, verzog aber dann das Gesicht und betrachtete Kleid seufzend.

„Ich wusste, dass ihr mich in so ein Teil zwängen wollt", bemerkte sie bedrückt und deutete auf den grünen Stoff. Gelirgladha sah etwas irritiert von Adamantiel auf das Kleid und wieder zurück.

„Es ist wunderschön. Jede Elbin würde Euch darum beneiden", verteidigte sie die kunstvolle Anfertigung. Doch die Blonde schüttelte nur lächelnd den Kopf.

„Kleider sind viel zu unpraktisch. Ich habe eines zum Geburtstag des Prinzen getragen und ich konnte nicht gut auf einen Baum klettern", erinnerte sie sich stirnrunzelnd, fing sich aber nur einen Lacher ein.

„Dazu sind Kleider ja auch nicht da. Ihr müsst sie nur tragen und damit im Schloss auf und abgehen." Adamantiel sah sie entgeistert an.

„Dann werde ich ja genauso etepetete wie Euer hochnäsiger Prinz", rief sie entsetzt und schüttelte vehement den Kopf.

„Nein. Mir reichen einfache Hosen oder ein Gewand, wie Ihr es tragt. Außerdem sieht Legolas es sicher nicht gerne, wenn ich herausgeputzt bin. Ich möchte nicht weiter auffallen." Das war natürlich gelogen. Auffallen würde sie ohnehin schon mehr als genug. Schon allein da sie neu hier war und zudem noch zwergische Angewohnheiten besaß.

„Ich verstehe nicht recht. Der Prinz meinte, Ihr seid sein Patenkind und daher müsst Ihr standesgemäß gekleidet sein." Gelirgladha trat einen Schritt näher an Adamantiel heran und hielt ihr das Kleid entgegen, doch sie wich weiter zurück.

„Bitte gebt mir doch ein ganz stinknormales Kleid. Hosen oder Leggins tun es auch!" Ihre Stimme barg einen verzweifelten Unterton. Sie wollte nicht im Schloss umherstolzieren. Das lag ihr nicht in der Natur. Sie hatte stets um Aufmerksamkeit und Respekt kämpfen müssen und so war es einfach zu einfach. Sie würde Legolas bitten müssen, sie ganz normale Tätigkeiten ausführen zu lassen.

„Ihr werdet dieses hier tragen und damit ist die Diskussion beendet. Erscheint Ihr nämlich nicht standesgemäß gekleidet zum Abendmahl, fällt alles auf mich zurück." Adamantiel schnaufte kurz, trat zum Bett, riss sich das Handtuch vom Körper, ließ es auf den Boden gleiten und schlüpfte unter die schöne weiche Decke. Dann nahm sie das Handtuch, mit dem Gelir ihr Haar getrocknet hatte, breitete es auf dem Kopfkissen auf und kuschelte sich ein. Das Nachthemd lag neben ihr, sodass sie nur den Arm danach auszustrecken brauchte.

„Entschuldigt mich bitte beim Essen. Ich bin müde und möchte schlafen", erklärte sie ihr Handeln auf den verständnislosen Blick von Gelirs Seite her. Ihr Magen knurrte zwar und doch wollte sie weder das Kleid anziehen, noch Legolas sehen und zudem Gelir nicht bloß stellen, wenn sie nur ein Arbeitsgewand trug.

Gelir nickte zögerlich, lächelte dann jedoch amüsiert und hing das Kleid zurück in den großen Schrank.

„Ich werde es ausrichten. Wenn Ihr etwas braucht, so geht nur den Gang entlang und am Ende die erste Tür links. Dies ist mein Gemach und ich werde ich Euch stets zu diensten sein."

„Danke." Adamantiel lächelte. Als Gelir den Raum verließ, kuschelte sie sich noch etwas weiter in die weichen Kissen. Es war nun offensichtlich. Legolas war wohl der einzige eingefleischte Spießer unter diesem Volk. Alle anderen waren freundlich und hilfsbereit. Aber ihn würde sie auch noch aus der Reserve locken und wieder einmal schön zur Weißglut treiben.

Ein Klopfen an der Tür weckte Adamantiel langsam und der Traum, den sie hatte, verflog. Es war ein verirrender Traum gewesen. Mit einem Elben, der stets an ihrer Seite war, egal was sie tat. Sie wusste, er war da. Doch immer wenn sie sich nach ihm umwandte, verschwand er plötzlich.

Das Klopfen an ihrer Tür wurde etwas eindringlicher und Adamantiel verzog unwillig die Stirn, sodass sich Fältchen bildeten. Sicher war es Gelir mit einem neuen Kleid.

„Herein", knurrte sie müde, die Augen nur zu Schlitzen geöffnet. Die Tür tat sich auf und eine Gestalt schlüpfte rasch hinein, schloss dann die Tür wieder hinter sich und trat dann an Adamantiels Bett heran. Diese hatte zwar nur die Beine gesehen, aber der Blick auf enganliegende Leggins hatte ihr verboten, den Kopf etwas zu heben um den Rest des eingetretenen Elben zu ergründen. Sie wusste ohnehin schon, wer der morgendliche Störenfried war, aber sie hoffte innig, sie möge noch träumen.

„Nun? Seid Ihr heute bereit, eine Mahlzeit einzunehmen?" Dieser sarkastische Ton! Wütend sah sie zu Legolas auf und funkelte ihm böse ins Gesicht.

„Wer in drei Saurons Namen erlaubt Euch, in das Gemach einer Lady einzudringen", fuhr sie ihn an und richtete sich hektisch im Bett auf. Legolas sah belustigt auf sie hinab.

„Ihr habt mich herein gerufen", bemerkte er schulterzuckend und betrachtete ihre nackten Schultern. Zornig zog Adamantiel die Decke noch etwas fester um ihren sonst nackten Körper.

„Ich wusste ja nicht, dass ein Spanner hier hereinplatzt!" Ihre Stimme hatte wieder das lautstarke Volumen erreicht, welches sie immer benutzt hatte, um ihren Vater aus dreihundert Metern Entfernung zu rufen.

Legolas Blick verfinsterte sich, aber seine Miene blieb unbeweglich.

„Das ist der Grund, weshalb ich Euch persönlich aufsuche um Euch mitzuteilen, dass in einer Stunde die erste Unterrichtsstunde beginnt. Ich lasse mich nicht von Euch durch irgendwelche Diener beleidigen", fauchte er und stupste ihr höhnisch mit dem Zeigefinger auf die Nasenspitze.

„DAS GIBT EUCH NOCH IMMER NICHT DAS RECHT HIER EINFACH SO REINZUPLATZEN!!" Legolas sah sie unbewegt an. Sie duftete merkwürdig gut nach Tannen. Und das blonde Haar fiel ihr seidiger und strahlender als zuvor über den Rücken. Die Augen hingegen und das Gesicht zerstörten den friedlichen Anblick, denn das Grün ihrer Pupillen schimmerte zornig und die Stirn war wütend in Falten gelegt.

„Seid pünktlich in der Bibliothek. Ihr habt genau eine Stunde Zeit. Ich kann meinen ganzen Tag nicht nur Euch widmen. Ich habe schließlich auch besseres zu tun." Mit diesen Worten wandte sich Legolas der Tür zu. Es raschelte hinter seinem Rücken.

„Ihr stinkt ja gar nicht mehr." Wie ein Blitz fuhr der Prinz herum und sah Adamantiel entgeistert an, die grinsend im Bett saß.

„Habt Ihr Euch endlich dazu durchringen können, Euch zu waschen? Oder war Euch meine Nachricht gestern Abend etwas peinlich?" Er tat einen Schritt auf die Elbin zu, die ihn herausfordern ansah.

„Zügelt Eure Zunge oder ihr verbringt den ganzen Tag hier."

„Wenn mir dadurch gewährt wird, Euch nicht sehen zu müssen, liebend gern", entgegnete sie prompt auf seine Drohung.

„Achtet auf das, was Ihr sagt." Legolas tat noch einen Schritt auf sie zu. Doch im nächsten Moment blieb er wie angewurzelt stehen, als Adamantiel gemein grinsend die Decke zurückschlug und aus dem Bett sprang. Rasch drehte er sich um. Doch sie lachte nur.

„Ohhhhh", bemerkte sie bedauernd und gehässig und strich sich das vorhin übergestreifte Nachthemd glatt, welches bis zu den Fußknöcheln ging.

„Hat das Prinzlein noch nie eine ANGEZOGENE Frau gesehen?" Legolas drehte sich wieder nach ihr um. Die Lippen zu einem schmaleren Strich verzogen als jemals zuvor. Wütend starrte er Adamantiel an, die kichernd zum Schrank ging und ein Kleid herauszog. Dann drehte sie sich lächelnd zu Legolas um.

„Wenn Ihr so gnädig sein würdet, aus meinem Zimmer zu verschwinden und keine Schleimspur zu hinterlassen, damit ich mich umziehen kann, wäre ich Euch sehr verbunden. Schließlich soll ich doch pünktlich in der Bibliothek sein." Ihr süffisanter Ton und das gespielt freundliche Lächeln brachten Legolas' Gemütszustand auf hundertachtzig. Ohne ein weiteres Wort verschwand er aus ihrem Gemach.

„Eingebildetes Spitzohr, Verfluchtes", meckerte Adamantiel in einer Tour und ließ keine Bezeichnung für den Elben aus. Das falsche Lächeln war prompt in dem Moment von ihr abgefallen, als die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war.

Gelangweilt rollte das Mädchen ein Stück abgerissenes Pergament zwischen den Fingern hin und her und formte es so zu einem kleinen, grauen Kügelchen, welches weitaus interessanter zu sein schien, als der Elb vor ihr, der in gelangweiltem Ton etwas vor sich hin erzählte.

„...tiel!"

„Adamantiel!" Erst als Legolas sie zum dritten Mal angesprochen hatte, schien der kleinen Elbin ein Licht aufzugehen und sie hob langsam den Kopf. Den Blick wehmütig vom Papierkügelchen abwendend, sah sie dem Prinzen mit müden Augen ins Gesicht.

„Habt Ihr zugehört?" Er zog eine Augenbraue in die Höhe und betrachtete sie eingehend. Adamantiel nickte nur langsam.

„Sicher", murmelte sie schleppend. Geschichte der Elben hatte sie sich spannender vorgestellt. Und vielleicht wäre es das auch, wenn nicht Legolas vor ihr stehen würde und ihr so das ganze Interesse raubte. Außerdem hatte sie seit gut fünfzig Jahren ihre Schulausbildung abgeschlossen.

„Das habt Ihr NICHT! Konzentriert Euch doch endlich einmal! In jeder Stunde ist es das gleiche Theater. Immer wieder muss ich von vorne beginnen", tadelte er vorwurfsvoll doch Adamantiel verzog keine Miene. Das einzige, das sie in ihrer dreimonatigen Anwesenheit hier gelernt hatte, war, wie man eine natürliche Gesichtsmaske zaubern konnte. Aber auch das beherrschte sie erst in den Anfängen.

„Wenn Ihr Euch bemühen würdet, etwas mehr Spannung in die Sache hineinzubringen, dann höre ich vielleicht zu", maulte sie unwillig und senkte den Kopf auf ihre verschränkten Arme. Doch gleich darauf knallten zwei Hände auf das dunkle Holz des Tisches und sie sah erschrocken zu Legolas auf. Er starrte sie wütend an und man konnte nicht behaupten, die Beziehung zwischen beiden, hätte sich in drei Monaten verbessert.

„Die Geschichte der Elben ist auch EURE Geschichte!" Adamantiel sah ihn kurz an, dann stand sie auch ruckartig auf und der Stuhl, auf dem sie gesessen hatte, landete polternd auf dem Fußboden.

„Ach ja!? Und woher wisst Ihr das so genau!? Meine Geschichte kennt niemand genau! Vielleicht habe ich ja spitze Ohren! Aber ist Euch jemals der Gedanke gekommen, dass ich vielleicht nicht zu EUREN verfluchten Elben gehöre!? Aber solche Gedanken können Euch gar nicht kommen, da Ihr Euch überhaupt kein bisschen für mich interessiert!" Legolas stand mit leicht geöffnetem Mund vor ihr und starrte sie an. Solche Worte hatte er noch nie aus ihrem Mund vernommen.

„Wer sollte sich schon für EUCH interessieren!? Was denkt Ihr, warum ich das ganze hier mache? Damit Ihr wenigstens einen halbwegs vernünftigen Mann findet, der mit Euch den Bund eingehen will, oder zumindest den Mut dazu hat", fauchte Legolas zurück. Seine Maske zerbröckelte allmählich und der Ärger schlich sich auf seine Züge. Adamantiel schluckte kurz die verletzenden Worte hinunter, ehe sie ihn etwas lauter anschrie.

„Und wenn ich mit keinem von euch Spießern den Bund eingehen will!? Schon einmal daran gedacht!?" Sie legte den Kopf schief und blitzte Legolas herausfordernd an.

„Ihr MÜSST früher oder später einen Bund eingehen! Schließlich will ich Euch nicht Jahrhunderte am Hals haben!" Sichtlich empört wedelte Legolas unwillig mit der Hand vor ihrer Nase herum, die sie lästig wegschlug.

„Dann lasst mich doch endlich hier raus und etwas vernünftiges tun! Und sperrt mich nicht ein wie einen Vogel in einen goldenen Käfig", fauchte sie und ihre Finger krallten sich in ihre Handballen.

„Von einem Vogel seid Ihr weit entfernt! Und was wollt Ihr denn Vernünftiges machen!? Ihr könnt Euch ja noch nicht einmal verständigen! Und das auch nur, weil Ihr mir nie zuhört!" Adamantiel pustete verächtlich die Luft aus. In diesem Punkt hatte sich Legolas heftig geschnitten. Sie hatte stets aufmerksam den sindarischen Worten gelauscht, die er ihr vorgesagt hatte, hatte aber stets so getan, als langweile sie sich. Zudem hatte sie Gelir gebeten im Geheimen mit ihr nur auf Sindarin zu kommunizieren. Und mit der Zeit war Adamantiel immer besser geworden. Sollte Legolas doch denken was er wollte, in diesem Punkt hatte er definitiv unrecht.

„Ihr seid halt ein mieser Lehrer und auch sonst zu nichts zu gebrauchen", stellte sie maulend fest.

„Aber IHR seid natürlich etwas Besseres!" Er verschränkte höhnisch die Arme vor der Brust, trat einen Schritt zurück und betrachtete sie mit emotionsloser Miene.

„Ich werde in die Stadt gehen! Verlasst Euch darauf!" Ihr Blick von unten zu ihm herauf gerichtet, hatte etwas rebellisches an sich.

„Das werde ich zu verhindern wissen", knurrte Legolas.

*Leckt mich!*, stieß sie hervor und stürmte aus der Bibliothek. Die stehen gebliebenen, neugierigen Diener an der Tür beachtete sie gar nicht und rannte durch die Gänge in ihr Zimmer. Legolas starrte ihr überrascht und leicht verärgert nach. Erst als die Diener begannen, sich unauffällig aus dem Staub zu machen, bemerkte er, dass sie letzteres in Sindarin gefaucht hatte.

*Wartet!* Ein paar Elben blieben stehen und verbeugten sich vor dem Prinzen, der leicht besorgt aussah. Er ahnte irgendwie, dass Adamantiel ihre Drohung, in die Stadt zu gehen, verwirklichen würde.

*Zwei von Euch stellen sich vor die Tür der jungen Lady und begleiten sie im Notfall überall hin.* Die Elben nickten und machten sich auf, dem Befehl des Prinzen nachzukommen. Legolas sah ihnen etwas beruhigter hinterher. Er wollte nicht, dass sie allein durch die Stadt lief. Aber er fürchtete nicht um sie, sondern die anderen Elben. Schließlich konnte man bei Adamantiel nie wissen. Und da ihr Zimmer zehn Meter über dem Erdboden lag und zudem kein Baum in der Nähe war, konnte sie unmöglich entkommen, ohne dass er davon wusste. Zufrieden mit sich und der Welt verließ er die Bibliothek, um Sémersion zu suchen, der zwei Wochen später im Düsterwald eingetroffen war, als sie.

Er hatte Thranduil begleitet und beide waren ohne weitere Zwischenfälle im Düsterwald angelangt. Sowieso schien es Legolas, als hätten die Vampire nur ihn und Adamantiel überfallen und keinen anderen. Sicher lag es an diesem Mädchen!

Der König wurde in den vergangenen Monaten zwar ebenfalls Zeuge Adamantiels ungestümer und aufbrausender Art, äußerste sich jedoch nie dazu oder wies Legolas nur an, Adamantiel weiterhin zu unterrichten.

Eingeschnappt und ziemlich sauer auf den Prinzen, riss die kleine Elbin die Tür zu ihren Gemächern auf. Es sah noch genauso aus wie bei ihrer Ankunft. Warum sollte es sich auch verändert haben? Aber genau das war es, was Adamantiel langsam aber stetig in den Wahnsinn trieb. Sie kannte allmählich alle Winkel und Türen im Palast. So groß, wie sie anfangs angenommen hatte, war er nicht. Und es gab nichts außer dem Schlosshof mit ein paar Bäumen, was etwas Abwechslung bot.

Den Schleichweg, der zur Küche führte, benutzte sie auch beinahe täglich, um so den abendlichen – höchst unangenehmen – Mahlzeiten zu entgehen. Legolas hatte anfangs zwar angeordnet, ihr nichts zu geben, doch die Köchinnen waren so beeindruckt von dem jungen Mädchen, dass ihnen immer eine Freude machte oder sie zum Lachen brachte, dass sie das Verbot einfach übergingen.

In all ihrer Zeit hier, hatte sie nie einen Schritt durch das Tor zur Stadt machen dürfen. Immer starrte sie nur verloren aus dem Fenster auf die etwas weiter entfernte Straße, auf der stets buntes Treiben herrschte. Manchmal vier, manchmal sogar acht Stunden am Tag. Sie langweilte sich. Nichts hatte ein wenig Spannung, niemand lachte mit ihr ungezwungen. Bis auf Gelirgladha und die beiden Köchinnen, behandelten sie alle wie eine piekfeine Dame, der sich niemand nähern durfte und Legolas ließ ihr auch keine Freiheiten. Sie hatte ihn schon oft gebeten, sie doch endlich zur Jagd mitzunehmen oder in die Stadt, wenn Markttag war. Aber er hatte immer abgelehnt. Allmählich reichte es ihr und so war sie in der heutigen – wieder einmal langweiligen Geschichtsstunde – zu dem Entschluss gekommen, endlich in die Stadt zu gehen und nach Nestalinna und Génbô zu suchen.

Sie drehte sich aus dieser Überlegung um und eilte zur Tür, um sie erneut aufzureißen, doch sie wurde von vier Armen zurückgehalten. Verständnislos und überrascht starrte sie auf die Elben vor sich. Das typisch emotionslose Gesicht wie eh und je unbewegt.

„Verzeiht, aber wir erhielten soeben strikte Anweisungen, Euch nicht aus Euren Gemächern zu lassen." Auf diese Erklärung hätte Adamantiel gut und gerne verzichten können. Das sah sie auch selbst! Und ungeachtet des aufsteigenden Ärgers, darüber, dass Legolas sie nun auch noch vollständig überwachte, setzte sie ein feines Lächeln auf.

„Aber ich möchte doch nur...in die Küche." Etwas Besseres wollte ihr einfach nicht einfallen und sie fluchte auch innerlich schon über ihre Worte.

„Auch das ist Euch nicht gestattet", kam die prompte Antwort.

„Bin ich hier unter Arrest oder was soll der ganze Müll hier darstellen!?" Wie gut sie sich doch beherrschen konnte. Sie war richtig stolz auf sich.

Noch ehe einer der Elben etwas erwidern konnte – natürlich ohne große Anteilnahme – knallte sie die Tür vor deren Nasen zu und verschwand wieder im Zimmer.

Mit grimmiger Miene, jedoch wohl überlegt, ging sie hinüber zum Schrank, öffnete die Türen weit und inspizierte den Inhalt. Es musste doch irgendwo ein Kleid geben, dass auch Damen in der Stadt trugen, ohne dass sie als besonders nobel herausstachen.

Sie hatte Glück. Das weiße, einfache Kleid, welches sie sich von Gelirgladha gewünscht hatte, hing gewaschen im Schrank und wartete förmlich darauf, getragen zu werden. Ihre normalen Gewänder, an die sich mittlerweile jeder im Palast gewöhnt hatte, würden nur unnötig Aufmerksamkeit auf sie lenken.

Schnell wechselte sie die Kleider und verstaute die abgelegten Sachen sorgfältiger denn je im Schrank. Dann kramte sie 5 lange, schneeweiße Betttücher hervor und begann, sie fest und mit einer äußersten Konzentration aneinander zu knoten.

„Wenn der denkt ich bleibe noch eine Sekunde länger hier in diesen Gemäuern, dann soll er verflucht sein bis zu dem Tag, an dem ihn Eru von dieser Welt holt", knurrte sie immer wieder, während sie im Inneren ihres Herzens mit sich zeterte, dass sie sogar schon Selbstgespräche führte.

Doch bald hatte sie alle Stoffe sicher und fest aneinander geknotet und erhob sich vom Boden. Das Fenster war nicht weit entfernt vom Bett und zudem groß und breit. Schließlich sollte ja Licht hineinfallen. Das keine Bäume in unmittelbarer Nähe standen, hatte Adamantiel schon vor drei Monaten mit einem traurigen Blick bedauert und nun war wieder einer dieser Momente. Auf einem Baum könnte sie unbemerkt entkommen. Herabhängende Bettlaken waren eher schwieriger, wenn man alles vertuschen wollte, um noch einmal fliehen zu können, wenn man es für angebracht hielt. Aber in diesem Moment war das egal. Es zählte nur das hier und jetzt. Sie wollte endlich hier heraus und unter Leute! Egal wie.

Schnell wurde das Bettlaken um ein Bein des Bettes gebunden und mehrfach verknotet. Zehn Meter Abstieg mochte sie nicht gerne stürzen. Das Ende endete zwar noch immer gute 2 Meter über dem Boden, doch den kleinen Sprung konnte sie verschmerzen. Und so kletterte sie aus dem Fenster, ein Bein vor das andere setzend.

Fortsetzung folgt!

Zu euren Kommentaren: ^^ (Hab mich übrigens wie ne wahnsinnige gefreut ^.^)

@Rouge: Ich werde mich bemühen, weiterhin so kostbare Szenen hinzubekommen ^_^ Aber streiten werden sie garantiert noch ne Weile *lol*

@mystica: Hey du! ^^ An der Stelle möchte ich mal sagen, das ich deine Geschichte ‚Fremde Welten' supi finde !!! ^^ Hmm...sicher kommt sich Legolas blöd vor *rofl* würde ich mir auch! ^^ aber hey! Mädchen schlägt man nicht, aber von treten war nie die Rede XD

@siane: ich hoffe, dein lachkrampf war nicht zuuuuuu heftig ^^ Luft zum lesen brauchste ja noch *knuddel*

@Dax: Kurz aber präzise ^^ Du schreibst immer fleißig ein Kommi find ich totaaaal lieb von dir!!! *knuddelt dax ganz doll*

@Nilli: Ich bin immer die letzte...- -" Wenn es etwas gibt, ist es immer ausverkauft oder weg, wenn ich da bin und es haben möchte *heul*

Nya...Auch um ne Person, die man nicht besonders mag, macht man sich mal Sorgen, oder? ^^ Aber ist schon richtig...er hat sich gesorgt und sie auch etwas XD

Hmm...na ja mit dem Elben...da verrat ich noch nix XD *knuffl*

@Khair: ^^ Tjaaaaaa wer ist das wohl? XD *gemein grins* Lasst eurer Fantasy freien lauf ^^ Der Unterricht wird erst noch ausgebaut....hier zuweilen ein ansatz, aber es kommen öfter Szenen vom Unterricht vor ^^

@varieFanel: Ich beeile mich so gut ich kann ^^ Hab ja jetzt ferien (und trotzdem viel zu tun -.-) Außerdem schreib ich auch noch die andere FF *im boden versink* Die lässt noch etwas länger auf sich warten ^^'''

@Miss_Sixty: Hmmm? Bad? *gaaanz unschuldig auf die szene guck* *missy anguck* *breit grinst* Nööö nicht dass ich wüsste *pfeif*

@Vanillaspirit: * überschwänglich umarm* Ich freu mich so, dass dir meine kleine Adamantiel so gefällt ^^ *gimli nachmach* ^^ Da hüpft das herzchen ^^ diese Story ist auch darauf angelegt etwas lockerer zu sein. „Das Tor der Dimensionen" ist in einer Phase entstanden, in der ich selbst Komplikationen hatte. Ursprünglich wollte ich Leute sterben lassen ^^'' *tüdelü* Mal sehen wie es ausgeht :D

@Kasumi: Zu dir brauch ich nicht viel zu sagen *knuddel*

@Legolanne: Naja...die Meisterschaft war ein Reinfall, aber das neue Chap ist trotzdem da ^__^

@tolka: *gg* Ich möchte nicht dein nachbar sein *rofl* *lach* Die Bezeichnung „ein potentieller ‚ab nach valinor reise' partner" war göttlich ^^ Ich hab beinahe nicht mehr eingekriegt ^^ Die bezeichnung ist so süss ^^ *wusel*

@Thaijena: Klar nenn mich ruhig so ^^ Macht ja fast jeder im Netz *groß und geheimnisvoll tut* XD Alle Kapitel an einem Tag? ^^ Hui...auch wenn es ‚nur' 6 waren, sie sind meist ziemlich lang ^^ Hast ja viel Ausdauer ^____^ Danke für das Lob *knuddel* Der ‚sexbesessene Elb' scheint ja wirklich guuuuuut angekommen zu sein ;)))) (kennt da noch welche, denen das Wort gefallen hat *lach* ^^)

@Jinxauthor Mel: Tjjaa. Er bezeichnet sie als vorlaut...weil er die worte teilweise verstanden hat...aber näheres kommt dann im nächsten Kapitel, ich glaub, da hat er wieder einen Auftritt ^^

*knuddel* ^^ Danke danke für das Lob und die lange E-mail ^^ *freu*

Ps.: Zum elbischen Betragen: Ich mag es nicht, wenn Authoren die armen Figuren durch den Dreck ziehen. (Bis auf einige, denen das famos gelingt (ausnahmen bestätigen die regeln) und habe deshalb Adamantiel ‚woanders aufwachsen lassen' *gg*

@Starwater: ^^ *knuddel* Danke für dein Kommentar ^^

@feanen: *knuffl* Dasselbe wie bei starwater. Ich freue mich immer, wenn ich ein Kommi von dir erhalte ^^

@Karo: *knuffl* Hab mich megamäßig über deine Mail gefreut und dir ja auch schon geantwortet ^^

@Vivi: *sich verneig* Danke ^____^

@annalea: ich denke die frage stellen sich viel...: ‚kommen sie zusammen oder gehen sie getrennte wege' Ich kann dazu nur sagen: Ließ einfach weiter und hab Spaß an der Story, der rest zeigt sich später ^.^ Das heiß !NICHT! dass sie nicht zusammenkommen könnten ;)))))))))