Da bin ich wieder ^^ *alle knuddel* Danke für die wunderbar vielen Kommentar!!! *glücklich in die runde guck* Ich hab mir bei diesem Kapitel seeehr viel Zeit genommen und mich mordsmäßig angestrengt, damit ihr es sobald wie möglich lesen könnt ^^

Bitte lasst doch am Ende wieder was schönes kleines in Form von aneinander gereihten Buchstaben zurück ja? :O) *zwinker*

Zu den Kommentaren sage ich wieder am Ende was ^^

~*~Laurie lantar lassi súrinen~*~

[Wie Gold fallen die Blätter im Wind]

***

Auf der Flucht

***

„Verdammt." Wütend hielt Adamantiel inne, die Hände fest in den weißen Stoff geklammert, um den Halt nicht zu verlieren. Sie hatte noch nicht einmal die Hälfte der Schlossmauer zurückgelegt, als ihr einfiel, dass sie etwas vergessen hatte, das sie unbedingt mitnehmen wollte.

„Also noch mal rauf", grummelte sie ärgerlich über ihr überstürztes Handeln und zog sich nach oben. Ein keuchender Laut entwich ihrer Kehle. Hinauf zu klettern war wesentlich schwerer, als hinunter. Aber sie biss die Zähne zusammen und schaffte es schließlich, sich durchs Fenster in ihr Gemach zu ziehen. Dann sah sie sich schnell um, steuerte kurz entschlossen abermals auf den Schrank zu und förderte ihren Bogen und einen Köcher zu Tage, was sie sich kurzerhand über die Schulter und auf den Rücken hängte.

Mit einem zutiefst zufriedenen Gefühl in der Magengegend, kletterte sie abermals durch das Fenster und kletterte am weißen Laken hinab.

Doch sie war noch keine zwei Meter geklettert, da hörte sie flüsternde Stimmen auf Sindarin und mit einem stark klopfendem Herzen wandte sie den Kopf nach unten.

„Na Prima." Sie seufzte schwer und verdrehte verzweifelt die Augen. Unter ihrem Fenster hatten sich mehrere Schaulustige versammelt und deuteten erstaunt und teils belustigt nach oben.

„Hoffentlich werden die nicht laut und machen die Wachen aufmerksam", betete Adamantiel im Stillen, tat so als störte sie sich nicht an den tadelnden Blicken der Elben und setzte ihren Weg aus dem Fenster fort. Die letzten zwei Meter, die sie vom Boden trennten, sprang sie einfach hinab. Die Elben wichen schnell zur Seite und betrachteten Adamantiel dann misstrauisch.

*Ist das nicht das Mädchen, dass der Prinz bei sich im Schloss wohnen lässt?* Adamantiel verzog eine unbewegte Miene, als sie diese Worte hörte. Warum konnte nichts so verlaufen, wie sie es sich wünschte?

*Ihr meint diese Elbin, die bei den Zwergen aufgezogen wurde?* Ein noch misstrauischerer Blick traf die Elbin und Adamantiel entschloss sich, schnellst möglich hier weg zu kommen.

*Aber warum flieht sie denn?* Die Elbin verdrehte die Augen und wandte sich mit einem Lächeln zu der tuschelnden Menge um.

*Fragen wir sie doch*, schlug einer mit schwarzen Haaren vor.

*Es heißt, sie versteht unsere Sprache nicht", entgegnete eine hübsche Elbin und ihr Blick kreuzte sich mit dem Adamantiels.

*Heißt es nicht, der Prinz gibt ihr Unterricht?* Ein paar nickten auf diese Frage und dann wandten sich aller Augen wieder dem Flüchtling zu.

*Er ist ein mieser Lehrer.* Ein erstauntes Raunen ging durch die Versammelten, als Adamantiel in normalen Ton und kurz ihren Standpunkt erklärte.

*Und ein schlechter Pate*, fügte sie grübelnd hinzu, lächelte dann jedoch wieder.

*Und ihnen allen wäre ich sehr verbunden, diesen Vorfall bis heute Abend geheim zu halten, da ich endlich einmal an die frische Luft möchte. Der werte Prinz...verbietet mir nämlich, in die Stadt zu gehen und ewig halte ich es nicht mehr im Palast aus.* Dieses Mal ging ein empörtes Raunen zu ihren Gunsten durch die Reihen. Legolas sperrte die junge Elbin ein?

Ein Elb mit langem blonden Haar trat auf Adamantiel zu, drückte ihr ein paar silberne Münzen in die Hand und lächelte ihr freundlich zu.

*Ihr habt unser aller Wort darauf, mutiges Kind. Erfreut Euch an der schönen Natur. Ich gebe Euch etwas Geld, damit ihr auch auf dem Markt ein wenig Spaß haben könnt.* Gerührt von seinen Worten und vollkommen überrascht, nickte Adamantiel dankbar, starrte dann jedoch peinlich berührt auf die Münzen.

*Ihr...ihr müsst mir kein Geld geben*, wehrte sie schüchtern ab und hielt ihm die Münzen entgegen. Doch er schüttelte lächelnd den Kopf und so wie der Elb, traten auch die anderen vier an sie heran und drückten ihr jeweils ein paar Münzen in die Hand, die sie aus einem Lederbeutelchen kramten.

*Kauft Euch etwas schönes*, riet eine hübsche braunhaarige Elbin ihr und alle lächelten. Adamantiel hatte mit allem auf ihrer Flucht gerechnet, aber nicht damit und so stand sie sprachlos vor den Elben, die jetzt begannen zu lachen.

*Nun steht nicht wie ein verwurzelter junger Baum in der Gegend herum. Wenn Ihr Euren Plan in die Tat umsetzen wollt, müsst Ihr jetzt schnell laufen, damit man Eure Abwesenheit erst nachher bemerkt.*

Er hatte recht. Adamantiel nickte kurz, bedankte sich überglücklich und rannte dann durch die Bäume in Richtung der entfernten Straße, die sie drei Monate lang sehnsüchtig vom Fenster aus beobachtet hatte. Die netten Elben sahen ihr lächelnd und kopfschüttelnd hinterher.

***

Legolas POV

*Und ich sage dir, sie hat mich in Sindarin beleidigt*, beharrte ich eisern auf meinem Standpunkt, während Sémersion mich stirnrunzelnd betrachtete. Dann sprang er vom Balken, auf dem er Beine baumelnd gesessen hatte und knallte mir beide Hände auf die Schultern.

*Legolas*, begann er eindringlich und ich hielt seinem eindringlichen Blick stand. *Das glaubst du doch selbst nicht. Sie kann kein Wort Sindarin, oder? Hat sie jemals ein Wort in unserer Sprache hervorgebracht? Das bildest du dir sicher nur ein, da du endlich Erfolge deines Unterrichts sehen möchtest. Aber glaube mir, sie ist zu dumm, um diese Sprache vollends zu begreifen.*

Ich schüttelte die Arme meines Freundes ab und sah ihn beinahe ärgerlich an. Ich konnte schwören, nein ich WUSSTE, dass Adamantiel Sindarin gesprochen hatte. Und vielleicht tat sie das sogar schon die ganze Zeit. Nur nicht in meiner Gegenwart, um mich zu ärgern. Zuzutrauen wäre es ihr ja.

Unschlüssig ging ich im Stall auf und ab. Eigentlich hatten wir zur Jagd ausreiten wollen, aber nun gingen mir die zwei einzigen Worte, die sie je in Sindarin hervorgebracht hatte, nicht aus dem Kopf.

*Weißt du*, begann Sémersion erneut, während er einen Huf seines Braunen anhob und vom Mist befreite. *Wenn es dir so zu schaffen macht, dass dich dein kleiner Liebling ANGEBLICH zur Abwechslung einmal in Sindarin beleidigt hat, warum lässt du es nicht darauf ankommen und lockst sie nachher aus der Reserve. Beim Abendessen oder so?*

Ich ließ ärgerlich die Faust gegen einen hölzernen Stallpfeiler knallen.

*Sie ist nicht mein ‚kleiner Liebling'! Und außerdem ist sie beim Abendessen meist nie zugegen. Geschweige denn zum Frühstück oder zum Mittagessen. Die Köchinnen halten sich halt nicht an meine Anweisungen. Es scheint, als wollten sie dieses unerhörte Mädchen auch noch unterstützen.* Ich konnte ein Zittern in meiner Stimme nicht unterdrücken. Mein Vater ließ zwar kein Wort verlauten, was er über ihre ständige Abwesenheit bei den Mahlzeiten dachte, jedoch war es mir immer unangenehm, wenn ich in Richtung des leeren Platzes sah, der eigentlich Adamantiel zugeschrieben war.

*Vielleicht ist sie gar nicht so übel, wie sie sich gibt.* Als Sémersion jedoch meinen zweifelnden Blick auf seine Worte bemerkte, wandte er sich wieder ab, um sein Pferd aus dem Stall zu führen. Auch ich führte meinen Schimmel auf den Hof und klopfte abwesend seinen Hals.

*Ich meine*, setzte er wieder an und saß auf. Den Bogen über die Schulter gehängt und ein kaum sichtbares Lächeln auf den Lippen. *Es wäre doch möglich. Schließlich beschwert sich im Palast keiner über sie, außer dir, oder?* Ich brummte unwillig zur Antwort und saß ebenfalls auf Ivanneth auf, der fröhlich die Mähne schüttelte.

*Du kennst sie, ebenso wie ich. Und du weißt, welch stürmisches Temperament sie hat*, knurrte ich finster und ritt auf das Schlosstor zu. Sémersion folgte mir grinsend.

*Auch darüber habe ich nachgedacht. Meinst du nicht, sie fühlt sich ein bisschen einsam? Und dann sperrst du sie auch noch ein.* Seine Worte saßen und ich hüllte mich in Schweigen ein. Diese kurzen Momente, denen ich bisher nie große Beachtung zugerechnet hatte, diese Momente, in denen sie einsam und verloren schien, beherrschten nun meine Gedanken. Wie damals, als sie gegen die große Marmorsäule gelehnt hatte. War sie wirklich so einsam, wie Sémersion es behauptete?

*Ich sperre sie nicht ein! Ich will nur verhindern, dass sie irgendwelchen Unsinn anstellt.* Wir befanden uns schon im Wald. Es war ruhig und die Vögel zwitscherten munter. Wie wunderschön es außerhalb der Mauern war!

*Ich will ja keineswegs sagen, dass sie ein völlig unschuldiges Wesen ist. Eher ein Ork im Elbenkostüm, aber meinst du nicht, dass sie die Natur ebenso genießen würde wie du jetzt?* Verwundert öffnete ich die Augen, die ich genüsslich geschlossen hatte, um die frische Luft einzuatmen.  

*Vielleicht.* Sémersion bedachte mich mit einer hochgezogenen Augenbraue und ich richtete mich rasch im Sattel auf, nicht gewillt, dieses Gespräch noch fortzuführen.

*Ich meine, sie ist in vollkommener Dunkelheit und Höhlen aufgewachsen*, verteidigte ich meinen Standpunkt und Sémersion nickte.

*Du sprichst wahr. Sie wuchs in Dunkelheit und engen Gängen auf. Jedoch nicht in absoluter Isolierung von anderen.* Wieder ein Argument, dass ich nicht einfach so vom Tisch fegen konnte und so machte ich eine ungeduldige Handbewegung.

*Lass uns Jagen gehen, wie es geplant war. Über Adamantiel können wir uns nachher den Kopf zerbrechen.*

***

Adamantiel POV

Schnell hatte ich die Entfernung zwischen Mauer und der belebten Straße überwunden. Ein unheimlich intensives Gefühl übernahm die Kontrolle über mich, als ich das rege Treiben aus nächster Nähe beobachtete. Ich hätte schreien können vor Glück, doch tat ich es nicht, um allgemeine Aufmerksamkeit nicht gleich in den ersten Minuten meiner Freiheit auf mich zu ziehen.

Rasch huschte ich unter den Blätterdächern hindurch und trat dann auf den mit Natursteinen gepflasterten Weg. Wie wunderbar frisch die Luft hier war! Natürlich war es die gleiche Luft, die auch innerhalb der Mauern vorhanden war, doch nahmen meine überreizten Sinne alles ganz anders wahr. Mit strahlenden Augen sah ich mich nach allen Seiten um. Elben, groß und klein musterten mich interessiert, neugierig oder beachteten mich gar nicht. Doch es war mir egal. Aufgeregt und voll Unternehmungslust wie ein kleines Kind, folgte ich der Straße in die Richtung, aus der ich damals mit Legolas gekommen war.

Es war wunderbar allein in der Stadt umherzustreifen. Und je mehr ich mich in den Straßen verirrte, desto glücklicher und freier fühlte ich mich. Endlich war ich diesen elenden Tiraden des Prinzen davongelaufen. Endlich der ständig tuschelnden Dienerschaft entkommen. Ich hätte schon viel früher einen Fluchtversuch starten sollen.

Die Gerüche überall waren betörend, der Markt mit den vielen Ständen beeindruckend. Noch nie schien mir eine Vogelstimme so wunderschön und kostbar, so dass ich einige Minuten inmitten geschäftiger Elben stand und mit geschlossenen Augen einfach den verschiedenen Geräuschen lauschte, die um mich herum entstanden. Ich hörte hin und wieder leises Kichern, wenn ein paar Elbenmädchen mich so sahen. Es musste auch wirklich dumm aussehen, wie ich so auf der Straße stand. Aber es war mir egal.

Nach einer schier endlosen Zeit, als eine besorgte Elbin mich leicht an der Schulter antippte und höflich fragte, ob mit mir alles in Ordnung sei, öffnete ich langsam die Augen und strahlte sie überglücklich an.

*Ja. Es ist alles in bester Ordnung!* Meine Stimme war ein lauter Ruf und als ich wieder in das Gesicht der Elbin sah, musterte diese mich diese undefinierbar. Sie wusste nicht, ob sie lachen oder mich bemitleiden sollte.

*Wisst Ihr vielleicht wo ich Nestalinna finde?* Plötzlich war mir der Gedanke wieder gekommen, die nette Elbin aufzusuchen, die ich Lórien kennen gelernt hatte. Die Elbin vor mir nickte, fasste den Korb in ihrem Arm etwas fester und sah mich dann prüfend an.

*Ihr meint Nestalinna, die Heilerin, nicht wahr mein Kind?* Das Kind überging ich absichtlich und nickte stürmisch. In der Tat konnte man mich gerade ein Kind nennen. So wie ich mich aufführte.

*Eigentlich weiß jeder, wo ihr Haus steht. Auch wenn sie erst vor kurzem ihre Ausbildung abgeschlossen hat, ist sie sehr gefragt. Sie ist eine begabte Heilerin.* Ich lächelte breiter. Oh ja. Nestalinna war eine gutmütige Elbin mit viel Geduld und Durchsetzungsvermögen. So viel hatte ich schon erkannt, als ich sie zum ersten Mal traf.

*Ihr müsst fremd hier sein, wenn Ihr nicht wisst, wo ihr Haus sich befindet*, stellte die Frau fest und verlagerte den Korb vom rechten zum linken Arm.

*Gewissermaßen. Ich...hatte viel zu tun.*, wich ich dem prüfenden Blick aus.

*Könntet Ihr mich hinführen?* Meine Stimme musste die Elbin wohl an die eines kleinen, verzweifelten Kindes mit einem Hauch Hoffnung erinnert haben, denn sie sah mitleidig in meine Augen.

*Es tut mir leid, ich habe selbst sehr viel zu tun. Aber geht doch bitte zum Apfelstand. Hellina ist ein sehr nettes Mädchen und zudem eine gute Bekannte Nestalinnas. Sie müsste Euch weiterhelfen können.* Ich nickte dankbar und verabschiedete mich höflich von der Frau, die allmählich zwischen den Leuten verschwand. Dann machte ich mich auf zum Apfelstand.

Die Elbin, zu der mich die Frau geschickt hatte, war einen Kopf größer als ich, hatte seidiges schwarzes Haar und einen sehr rebellischen Gesichtsausdruck. Als ich zu ihr an den Stand trat, funkelten mir zwei lebhafte, beinahe schwarze Augen entgegen.

*Was wünscht Ihr?*, fragte sie schon beinahe gelangweilt und griff mit einer Hand schon zu den saftigen Äpfeln.

*Auskunft*, erwiderte ich knapp und im gleichen Tonfall wie die Elbin. Diese hielt erstaunt in ihrer Bewegung inne und musterte mich eingehend. Dann warf sie das Haar zurück und legte den Kopf schief.

*So?* Ihr Ton klang überrascht und zweifelnd. Ich nickte nur ernst, lachte jedoch innerlich. Diese Elbin gefiel mir.

*Wenn Ihr Hellina seid, dann schon* Verflixt ich hatte mich wieder verhaspelt beim Sprechen in Sindarin. Das schien auch mein Gegenüber bemerkt zu haben, denn sie grinste nun breit und wissend.

*Die bin ich. Und Ihr seid nicht unbedingt vertraut mit der sindarischen Sprache? Woher kommt ihr? Aus Lórien?* Ich lachte laut, was im allgemeinen Treiben unterging.

*Ich dachte eigentlich, ich erhalte Auskunft und nicht anders herum*, entgegnete ich lachend, woraufhin sich Hellina auf den Holztresen schwang und mir grinsend ins Gesicht sah. Passanten warfen missbilligende Blicke auf die schwarzhaarige Elbin, doch sie störte sich nicht sonderlich daran.

*Kommt darauf an, welche Art von Auskunft Ihr wünscht, Miss....?*

*Adamantiel*, entgegnete ich grinsend und stützte mich mit dem Ellenbogen auf dem Holz, neben den Äpfeln ab. Sie dufteten verlockend.

*Also womit kann ich dienen, Adamantiel?* Ihre Augen blitzten abermals rebellisch auf und sie trommelte mit einem Finger auf dem Tresen.

*Ich frage nach Nestalinna. Könnt Ihr mich führen?* Hellinas Gesicht wies Enttäuschung auf und sie sprang vom Tresen.

*Und ich dachte schon, Ihr fragt nach etwas Geheimen, Verbotenen und Mystischen, von dem niemand etwas wissen darf*, grummelte sie enttäuscht und suchte zwei schöne Äpfel heraus. Den einen reichte sie mir, dann kam sie hinter ihrem Stand hervor. Ich sah sie verwirrt an.

*Na los! Gehen wir.* Zögerlich tat ich ein paar Schritte hinter ihr her, warf einen Blick zurück zum Stand und dann wieder auf Hellina.

*Aber die Äpfel...*

*Klaut schon keiner*, verwarf sie meine Bedenken und drehte sich grinsend zu mir um. Dann bemerkte sie in süffisantem Ton: *Schließlich sind wir hier ja bei EHRENVOLLEN Elben, nicht wahr?* Ich lachte, als ich ihr zwinkerndes Auge bemerkte und schloss mit ein, zwei Schritten zu ihr auf.

*Was wollt Ihr von Nestalinna? Krank scheint Ihr nicht zu sein.* sie musterte mich eingehend und ich biss verlegen in den Apfel. Ja, was wollte ich eigentlich bei Nestalinna? Sagen ‚hallo hier bin ich!' ?

*Ich hab sie in Lórien kennen gelernt.* Etwas besseres als Antwort wollte mir nicht einfallen und Hellina schien die Antwort ebenso ungenügend zu sein wie mir selbst.

*Ja sicher. Sie hält sich manchmal dort auf. Ihr Vater lebt dort. Aber was genau wollt Ihr von ihr?*

*Nach drei Monaten Isolation und größtenteils nur von Deppen umgeben, endlich mal wieder eine nette Elbin sprechen vielleicht*, murmelte ich undeutlich mit bitterem Gesichtsausdruck, Hellina aber hatte mich genau verstanden und hielt nun neben mir an um mich kritisch zu betrachtete.

*Sagt nicht, Ihr seid das kleine Goldkindchen, welches beim Prinzen im Palast haust wie die Made im Speck?*, stieß sie hervor.

*Ich lebe da nicht freiwillig*, verteidigte ich mich. Vertuschen konnte ich es eh nicht mehr.

*Aha. Naja Ihr seht wirklich ziemlich ärmlich aus. Wo sind denn die prunkvollen Kleider? Oder fungiert Ihr als Putze?* Allmählich fragte ich mich, ob Hellina nicht auch eine falsch erzogene Elbin war.

*Eher als Köchin*, grinste ich und dachte daran, wie ich den guten Elbinnen immer beim Zubereiten der Mahlzeiten zur Hand ging. Hellina lachte laut und setzte sich wieder in Bewegung. Anscheinend wollte sie nicht mehr über mich wissen.

*Auch Köchinnen können einmal Königinnen werden.* Dieser Satz stieß mich wie vor den Kopf und ich blieb verständnislos stehen.

*Königin?*, wiederholte ich ziemlich einfallsreich. Ich hatte einen geistigen Höhenflug und kostete ihn voll aus.

*Es kursieren die verschiedensten Gerüchte über Euch*, ließ die Schwarzhaarige verlauten, versteckte sich dann aber hinter einem großen Baumstamm. Was mir jetzt erst auffiel – wir waren längst wieder im Wald, ohne viele Elben, die uns entgegenkamen.

*Gerüchte?*, wiederholte ich ebenso einfallsreich wie mein vorheriger Satz gewesen war. Hellina nickte barsch.

*Ja, Gerüchte. Das Ihr mit dem Prinz verlobt, verschwägert, verheiratet oder sonst was seid. Einige behaupten sogar, es sei schon ein Kind unterwegs. Sind aber alles nur Spekulationen, also achtet am besten nicht weiter darauf.*

*Ein KIND!?* Ich starrte die Elbin fassungslos an, die sich jedoch stur auf etwas anderes zu konzentrieren schien. Ich liebte Gerüchte. Und vor allen Dingen solche!

*Jaaa ein Kind. Sowas schreiendes kleines, was nur Ärger macht, stinkt und unheimlich viel ZeitinAnspruchnimmt.* Die letzten Worte nuschelte sie nur noch vor sich hin. Ich starrte noch immer entgeistert auf ihr Haar und biss abwesend in meinen Apfel.

*Da ist er!*, rief sie plötzlich. Ich erwachte aus meiner Starre und sah in die gleiche Richtung, wie Hellina es tat. Dabei verschluckte ich mich dummerweise an dem Apfelstückchen und hustete wie wild drauf los.

*Wer denn?*, keuchte ich. Immer noch rang ich um Luft. Ich konnte nichts erkennen.

*So ein Elb. Er verfolgt uns, seit wir aus der Innenstadt heraus sind*, informierte mich meine Begleiterin und nun sah ich, dass zwischen den Blättern jemand saß und uns beobachtete. Der Hustenanfall wurde stärker und Hellina erbarmte sich, mir ein paar Mal kräftig auf den Rücken zu klopfen, was prompt seine Wirkung tat.

*Ich habe den schon mal gesehen. Als ich für Nestalinna Kräuter sammeln war, sah ich ihn im Wald. Er treibt sich erst seit ein paar Monaten hier herum und niemand weiß, wer er ist. Genau zu sehen bekommt man ihn jedoch nicht. Aber Muskeln hat der. Mannomann.* Ich grinste kurz auf ihren anerkennenden Tonfall hin und versuchte den Elben im Blattwerk besser erkennen zu können.

Er trug einen Bogen und Pfeile, soviel war klar. Sein Haar war lang und blond. Plötzlich schoss mir Narwainion durch den Kopf und ich versuchte näher hinzusehen, um ihn zu erkennen. Doch als hätte er bemerkt, dass ich ihn verdächtigte, verschwand er lautlos und rasch zwischen den Blättern. Das war das Zeichen, auf das wir beide wohl gewartet hatten, denn sowohl Hellina als auch ich riefen gleichzeitig *Den schnappen wir uns!* und stürmten aus unserer Lauerhaltung hervor.

*Verdammt!*, rief Hellina, als wir in das dichte Dickicht einbrachen.

*Wie konnte der so schnell entkommen?*

*Keine Ahnung*, keuchte ich, darauf konzentriert, dass nicht irgendwelche unsinnigen Auswüchse von Rankengewächsen meine Beine umschlangen und mich zu Fall brachten.

Nach kurzem Versuch im verfilzten Gestrüpp weiter zu kommen, blieb ich stehen und aus den Augenwinkeln bemerkte ich, dass auch Hellina sich dazu ‚überreden lassen hatte' doch lieber nicht ihre Kleidung zu zerfetzen.

Ein Blick in die Augen der jeweils anderen reichte, um ein Grinsen auf unsere Gesichter zu zaubern.

*Wollen wir?*, fragte ich aufgeregt, gar nicht überrascht, dass ich mich mit ihr auch ohne ein Wort so gut verstehen konnte.

*Logisch!*, erwiderte sie, teuflisch grinsend und als hätte es ein Kommando gegeben, kletterten wir jeder auf einen Baum. Die Äste waren dick und stabil, das Blattwerk dicht und doch war es viel einfacher, sich hier fortzubewegen, als unten auf dem Waldboden.

*Das ist also das Geheimnis. Immer nur in den Bäumen bleiben*, bemerkte ich anerkennend.

*Steh da nicht so staunend rum! Er ist da lang!* Sie deutete in eine bestimmte Richtung und ich nickte. Das Jagdfieber hatte mich gepackt und ich kletterte ihr schnell hinterher.

Nach einiger Zeit des ‚Asts dort hinauf, hier hinunter', hielt ich inne und legte einen Zeigefinger auf den Mund. Hellina hinter mir, kam zum Stehen und lauschte aufmerksam.

*Die Klettertour ist beendet, meine Damen* Ein doppelter Schrei entlud sich in den Wald, als ein Mann direkt vor unseren Nasen auftauchte. Den Bogen hatte er gespannt und auf uns gerichtet. Irgendwie kam mir die ganze Situation merkwürdig vertraut vor. Nur dass es einen Höhenunterschied zum letzten Mal gab und ich nicht gefesselt war.

Ich betrachtete den vor mir stehenden Elben mit klopfendem Herzen. Er war groß und schlank, hatte ausgesprochen ansehnliche Muskeln, langes blondes Haar und grasgrüne Augen mit einem leicht goldgesprenkelten Muster.

*Narwainion?*, brachte ich halb beglückt, halb ehrfürchtig hervor und richtete mich langsam vor ihm auf dem Ast auf. Die Pfeilspitze folgte meiner Bewegung.

*Du schon wieder*, bemerkte er gespielt überrascht. Seine Augen glitzerten seltsam. Nicht wie bei unserer ersten Begegnung voll Misstrauen und Hass, sondern irgendwie anders.

*Kennst du den etwa?*, flüsterte Hellina hinter mir und sofort hatte sie den Pfeil auf Augenhöhe. Entsetzt umfasste ich den Diamanten, der an einer Kette unter meinem Gewand hing.

*Ihr habt in diesen Wäldern nichts zu suchen*, knurrte mein ehemaliger Retter böse und funkelte mich ebenso gelaunt an.

*Aber IHR dürft hier auf den Bäumen herumturnen!?*, entgegnete ich aufgebracht. Warum sahen sich Männer nur immer als die Größten an?

*Was ich hier tue...ist meine Sache*, erwiderte er knapp, musterte mich jedoch interessiert.

„Du hast dem Prinzen nichts von mir verraten, warum?" Erstaunt blinzelte ich ihn an. Warum benutzte er die Allgemeinsprache?

*Was hat er gesagt?* Nun kannte ich die Antwort. Narwainion schien anscheinend zu wissen, dass Hellina kein Wort der Allgemeinsprache verstand. Ein Gefühl der Geheimniskrämerei packte mich und endlich konnte ich verstehen, warum Legolas gerne auf Sindarin gesprochen hatte, wenn er gewiss war, dass ich keine Silbe verstand.

Ich antwortete nicht auf Hellinas Frage, sondern konzentrierte mich voll und ganz auf Narwainion, der mich abwartend ansah.

„Ich dachte, es wäre Euch vielleicht nicht recht. Hätte ich etwas sagen sollen?"

„Du tust besser daran, zu schweigen", fuhr er mich an und ich schenkte ihm einen aufmüpfigen Blick. Er schien meine Missstimmung bemerkt zu haben, denn er fuhr etwas weniger barsch fort.

„Es ist nicht gut, wenn viele von meiner Existenz wissen, kleines Mädchen."

„Noch so eine Bezeichnung und jeder weiß es", giftete ich.

„Dir wird keiner Glauben schenken", entgegnete er kühl.

„Darauf würde ich nicht wetten." Meine Haltung ihm gegenüber, glich der seinen mir gegenüber sehr und wir maßen uns mit den Augen.

„Geht besser wieder zurück und schweigt über diese Begegnung. Es ist das Beste für Euch, denn ich werde euch weiterhin beobachten", drohte er nach kurzer Zeit. Hellina verfolgte interessiert die Unterhaltung, von der sie nicht eine Silbe verstand.

„Darf man den Anlass erfahren?"

„Keineswegs."

„Dann gehen wir nicht und verfolgen Euch bis..."

„Ihr tut besser daran, mir nicht mehr zu folgen, Mädchen."

„...bis wir wissen, warum Ihr uns beobachtet..."

„...was dich keineswegs etwas angeht..."

„...und verfolgt..."

„...was du bisher nicht gemerkt hast..."

„...und warum Ihr mich mit ‚Du' ansprecht..."

„...was auch nicht deinem Wissen preisgegeben werden muss, du aber nun mal noch ein kleines Mädchen bist..."

„...worin Ihr Euch heftig täuscht..."

„...das nicht einmal ein Jahrhundert hat vergehen sehen..."

„...was nicht weiterhin erforderlich ist, um mit großkotzigen Personen zurechtzukommen..."

„...wie Legolas, der in eben diesem Moment hier in der Nähe ist..."

„...und sie zur Schnecke zu machen, was, wenn Ihr mich weiterhin so herablassend behandelt..."

„...was du durchaus verdient hast bei deinem losen Mundwerk..."

„...auch bei Euch der Fall sein wird..."

„...worauf ich sehr gespannt bin", beendete Narwainion das Wortgefecht und ich stemmte empört die Hände in die Hüften. Hellina hatte das Gespräch beeindruckt verfolgt und ihr Kopf ging laufend von einem zum anderen. Erst nach seinem letzten Satz fiel mir auf, dass er Legolas erwähnt hatte, ließ ich die Arme schlaff hängen und sah ihn entgeistert an.

„Was meintet Ihr damit, ‚Legolas ist hier in der Nähe?" Ich merkte, wie mir die Farbe aus dem Gesicht wich. Das was ich am allerwenigsten wollte, stand mir anscheinend in einigen Minuten bevor.

*Er ist auf der Jagd und nicht weit von hier entfernt.* Narwainion grinste nicht oder hatte sonst auch keinen hämischen Gesichtsausdruck an sich, aber seine Worte reichten aus, um mich beinahe panisch zu Hellina herumfahren zu lassen.

*Wir müssen hier weg. Wenn der Prinz mich hier entdeckt, dann Gnade den Toten, die im Ringkrieg fielen*, stieß ich hervor, doch die Schwarzhaarige achtete nicht auf meine Worte, sondern sprang eher vom Jagdfieber getrieben auf.

*Er will fliehen!* 

Noch ehe ich mich umdrehen konnte, sprang Narwainion vom Ast und landete sicher im Gestrüpp. Dann machte er sich auf und davon. Hellina starrte ihm irritiert hinterher.

*Jaja. Jetzt läuft er wie ein ängstliches Tier davon. Womit hast du ihn nur eingeschüchtert?*, bemerkte Hellina anerkennend und musterte mich eingehend.

*Mit dies und jenem*, erwiderte ich kurz. Dieser Narwainion hatte ein weiteres großes Rätsel in meinem Leben aufgeworfen. Seit wann und vor allem WARUM verfolgte er mich?

Stimmen näherten sich und holten mich unsanft aus meinen Gedanken. Das musste Legolas sein!

*Wir müssen hier weg*, zischte ich leise und fasste Hellina am Arm.

*Wenn du weißt, wo wir lang müssen.* Ein breites Grinsen zog sich über ihr Gesicht, als sie meine entgeisterte Miene bemerkte.

*Du weißt es auch nicht?* Sie schüttelte den Kopf und ich blinzelte sie entsetzt an.

*Verdammt! Lass uns einfach in irgendeine Richtung gehen. Ich meine, wir sind doch von da gekommen.* Ich zeigte in die Richtung, in die ich gerade sah. Und ohne auf ihre Antwort zu warten, huschte ich über die Äste davon. 

*Warum rennst du so?* Ich sah sie nicht an. Mein einziger Gedanke galt meiner Flucht.

*Ich möchte nicht jetzt schon wieder im Palast eingesperrt werden. Sicher verschärft er noch die Sicherheitsmaßnahmen, wenn er mich jetzt im Wald findet*, philosophierte ich. Und meine Vermutungen waren sicher noch nicht einmal weit hergeholt.

*Sag bloß, du bist ausgerissen?* Sie musterte mich anerkennend als ich knapp nickte und mich über einen Ast hangelte.

*Warum? Ich meine, im Palast hast du doch alles, was du dir wünschst. Viele Diener, alle tun, was du willst. Der Prinz ist immer in deiner Nähe...* Ihr Gesicht nahm einen ekelhaft schwärmenden Ausdruck an.

*Ja. Und gerade das widert mich an*, knurrte ich grimmig. *Du hast alles! Außer deiner Freiheit und Spaß.*

*So schlimm?* Ihr Ton hatte etwas mitleidiges an sich, was mein Herz etwas erleichterte. Ich hatte vermutet, sie würde stehen bleiben und mich zu Legolas führen, wenn ich offenbarte, dass ich geflüchtet war. Aber sie tat es nicht und das verstärkte das Gefühl in meiner Magengegend um einiges.

*Es ist die Hölle*, bestätigte ich und fing mir einen Lacher ein.

*Ich möchte auch nicht in einem Käfig leben. Kein Wunder, dass das Vögelchen davonfliegt, wenn man nicht darauf achtet.*

*Sie dachten, meine Flügel wären gestutzt*, grinste ich breit. Irgendwo musste doch der Weg sein!?

*Da vorn! Wir sind gleich da.* Hellinas Ton ließ auch in mir Vorfreude aufkeimen.

*Der Weg?* Sie schüttelte den Kopf.

*Nein. Viel besser! Nestalinnas Hütte!*

***

Keine POV

Die Einrichtung der niedlichen Hütte war heimelig und verbreitete eine beruhigende Atmosphäre. Überall hingen Regale an den Wänden, auf denen die verschiedensten Körbe mit Kräutern, Wurzeln oder komplizierten Geräten standen. Alle waren selbst geflochten und wunderbar verziert.

Drei bequeme Holzbetten füllten ein Zimmer, während im anderen so etwas wie eine kleine Hexenküche zu begutachten war. Die Elbin, die darin werkelte, war hübsch anzusehen und zudem noch sehr jung, wie es schien.

Gerade wollte sie einige Teller säubern, als es an der Türe klopfte. Sofort wirbelte sie herum und eilte zum Eingang.

*Mahlzeit*, tönte es ihr entgegen, als sie die Tür aufzog. Das Gesicht, dem sie sich gegenübersah, war ihr sehr vertraut und die junge Elbin lachte fröhlich über das ganze Gesicht.

*Ich dachte du bist am Stand und verkaufst Äpfel*, brachte Nestalinna verwundert hervor und gleich darauf stupste ihr der Schwarzhaarige Sturkopf mit einem Zeigefinger auf die Nase.

*Wie man sich doch irren kann. Aber Irren ist menschlich. Ich an deiner Stelle würde wirklich einmal meine Geschichte weeeeit zurück verfolgen, ob nicht doch irgendwo ein Mensch seine kleinen süßen Gesellen in einer Elbin hinterlassen hat.*, kam die prompte Antwort, woraufhin Nestalinna tadelnd die Stirn runzelte.

*Oder anders herum*, ertönte es hinter Hellinas Rücken, noch bevor die Heilerin die Jugendfreundin zurechtweisen konnte. Neugierig lugte sie über die Schulter der Freundin und erkannte eine kleine blonde Person.

*Adamantiel!? Du bist es doch, oder? Ich dachte, du seist gar nicht hier angekommen. Ich habe mich überall nach dir erkundigt* Hellina wurde unbeachtet zur Seite geschoben und Adamantiel gebührend umarmt.

*Was nichts gebracht hat*, murrte die ehemalige Zwergin.

*Sie war nämlich eingesperrt, musst du wissen*, meldete sich Hellina zu Wort, was einen entsetzten Ausruf auf Nestalinnas Seite erzeugte.

*Aber warum? Hast du etwas angestellt?* Adamantiel grinste breit.

*Nicht viel. Nur etliche Male den Prinzen beleidigt, geschlagen und verhöhnt. Zudem bin ich eine Elbin, die bei Zwergen aufwuchs, nun einen Prinzen zum Paten hat, der zudem arrogant und ziemlich eingebildet ist, ich wurde drei Monate lang auf sein Geheiß im Schloss festgehalten, aber ansonsten geht's mir prächtig, danke der Nachfrage.* Die Freundin verzog irritiert das Gesicht.

*Du musst wissen, sie ist nämlich abgehauen.* Die Schwarzhaarige und die Blonde grinsten einander an. Beide wussten, dass Nestalinna diese Nachrichten nicht so sehr auf die leichte Schulter nehmen würde. So schwang sich Hellina auf einen niedrigen Ast und baumelte mit den Beinen hin und her.

*Das war also doch nicht gelogen, als du mir das erzählt hast!?* Alle Begebenheiten schienen noch immer in kleinen zwergischen Runen vor Nestalinnas Auge zu tanzen und wollten einfach keine Formen annehmen und Sinn ergeben.

*Nein. Es war mein voller Ernst. Aber ich kann verstehen, warum du mir nicht glaubst. Ich meine...*

*...man bekommt ja schließlich nicht jeden Tag einen Prinzen zum Paten, nicht wahr, Nestilein?*, vollendete Hellina den Satz und zwinkerte Nestalinna zu, die einige Augenblicke benötigte, um alles vollständig zu erfassen.

*Und was hast du jetzt vor*, fragte sie ängstlich. Der Gedanke, dass eine Flüchtige auch gesucht wurde, krallte sich immer mehr in ihren Verstand.

*Erst mal etwas essen*, erwiderten Adamantiel und Hellina prompt. Die dritte Elbin lachte leise und öffnete die Tür noch ein weiteres Stück.

*Seid willkommen* Alle lächelten. Hellina schwang sich wieder von ihrem Ast hinunter und schritt als Erste durch die Tür. Darauf folgte Adamantiel.

*Na dann mal rein in die gute Stube*, flötete das blonde Mädchen und die Elbinnen lachten. Die Förmlichkeiten und das höfliche Benehmen, was Elben sonst an sich hatten, fielen prompt von ihnen ab. Oder besser: von Nestalinna. Adamantiel hatte schon längst erkannt, dass Hellina keineswegs die Regeln, die üblich waren, befolgte.

***

*Ihr wart bei Menschen!?* Beide neuen Freundinnen rissen ungläubig die Augen auf, während sie Adamantiels Reiseberichten neugierig folgten. Alle hatten in einem kleinen Zimmerchen um einen runden Tisch herum Platz genommen und Nestalinna hatte ein wenig Gebäck aufgetragen, an dem Adamantiel nun nickend knabberte.

*Ja bei Menschen. Sie waren arm und hatten nicht viel, aber sie waren höflich und haben uns Unterkunft gewährt.* Dass eine Hungersnot im Dorf geherrscht hatte, bevor Legolas mit den Männern jagen war, verschwieg sie bewusst. Sie wollte nicht an den Tod des Dorfältesten erinnert werden.

*Nun. Der Prinz hat ja auch gute Beziehungen zu König Elessar. Außerdem ist die Verbindung ja wieder hergestellt. Elb hilft Mensch, Mensch hilft Elb. So ist das nun mal heute. Aber das Legolas dich gefesselt und geknebelt hat, ist schon echt der Hammer und ne ziemliche Schweinerei.* Hellina hatte ihren Keks aufgeknabbert und griff nach einem neuen.

*Man könnte meinen, du hattest nie eine Mutter, die dir solche Begriffe ausgeredet hat*, warf Nestalinna ein. Sie hatte eine gute Erziehung genossen, aus welcher sie viele Höflichkeiten mitgenommen hatte und zudem wirklich ein Musterstück des elbischen Verhaltens war. Aber trotzdem mochte Adamantiel die neue Freundin sehr. Hellina zuckte gleichgültig mit den Schultern.

*Ich war schon immer nicht so, wie sie es gern gehabt hätte. Und ein junges Küken wie du, hat mir nichts zu sagen.* Sie grinste.

*Trotzdem war es eine Frechheit von diesem; wie nanntest du ihn noch?, Elbenpopo?* Adamantiel nickte und ein tadelnder Blick Nestalinnas folgte auf diesen Ausdruck *von diesem Elbenpopo, dich zu fesseln und wehrlos durch den Wald reiten zu lassen*

*Hätte er es nicht getan, hätten mich wohl viele von diesen Monstern verfolgt. Ich kann einfach im entscheidenden Moment nicht meine Klappe halten*, gab die Blonde zu und überging das anzügliche Grinsen von Hellinas Seite her.

*So etwas würde ich ihm nie sagen. Das beflügelt ihn nur in dem, was er tut*, riet sie weise und selbst die junge Heilerin stimmte zu.

*Vielleicht solltest du einmal mit ihm reden*, schlug sie vor, erntete jedoch ein doppeltes Stirnrunzeln.

*Mit ihm reden!? Er hört mir ja nicht einmal richtig zu! Geschweige denn, dass man ein vernünftiges Gespräch mit ihm führen kann*, knurrte Adamantiel. Lieber sprach sie mit ihrer Badewanne im Beisein einer großen Gesellschaft, ehe sie freiwillig ein Wort mit diesem Stümper wechselte.

Nestalinna lachte amüsiert und stand dann auf.

*Vielleicht sollte endlich einmal einer von euch über seinen Schatten springen und den Stolz überwinden, der euch wie eine undurchdringliche Mauer umgibt. Vielleicht klappt es dann zwischen euch. Ich muss jetzt leider los. Ich habe meiner Mutter versprochen, ihr beim backen behilflich zu sein.* Die anderen nickten und erhoben sich ebenfalls.

*Was ist eigentlich mit Génbô?*, erkundigte sich Adamantiel neugierig.

*Was soll schon sein? Er hilft mir, wo er mir helfen kann. Aber mehr als Freundschaft ist es wohl nicht.* ein tiefes, trauriges Seufzen entwich der Elbin, als sie die Tür öffnete.

*Du musst wissen*, erklärte die Schwarzhaarige *sie rennt ihm schon seit ihrem vierzigsten Lebensjahr hinterher.*

*Das musstest du jetzt nicht sagen! Das stimmt überhaupt nicht!*

*Siehst du, wie rot sie wird?* Hellina ignorierte die Proteste der Jüngeren und lachte nur leise vor sich hin. Dann griff sie nach Adamantiels Handgelenk und zog sie mit sich.

*Macht's gut!*, rief Nestalinna ihnen nach und winkte mit dem rechten Arm. Im Linken hielt sie einen Korb.

*Es war schön, dass du zu Besuch warst! Wenn du es auch nicht darfst, ich freue mich immer über dich!* Adamantiel und ihre Begleiterin lachten und verabschiedeten sich von der artigen Elbin, die einen anderen Weg einschlug. Dann beschleunigte Hellina ihre Schritte.

*Hast du noch etwas vor?*

*Auf dem Markt warten noch etliche Äpfel auf mich, die ich heute noch loswerden muss. Wenn nicht, wird Apfelmus gemacht, aber der schmeckt den Kleinen immer nicht.*

*Kleinen?* Adamantiel machte große Augen. Sollte das heißen, Hellina hatte...?

*Ja. Meine Kinder. Sie sind ziemlich eigenwillig.* Sie lachte.

*Du...hast Kinder!?*

*Ja. Ich dachte das weißt du, nachdem ich so ausführlich kleine plärrende Monster beschrieben habe.* Ein belustigtes Zwinkern ihrer Augen löste jedoch nur ein Kopfschütteln aus.

*Um genau zu sein sind es zwei.* Langsam wunderte Adamantiel gar nichts mehr. Das hatte sie nicht erwartet. Aber Elbinnen konnte man es eben nicht ansehen, wie alt sie waren.

*Ein Mädchen und ein Junge. Die Kleine ist zwanzig Jahre und der Kleine erst dreizehn. Sie können gerade mal ihren ersten Bogen halten.* Hellina kicherte. Das schwarze Haar passte sich ihren Bewegungen perfekt an und umschmeichelte ihre Figur. Sie sah richtig glücklich aus, wenn sie von den Sprösslingen sprach.

*Und wie alt bist du dann!? Viertausend?*

*Hey! Mach mich nicht älter, als ich bin. Ich habe gerade mal eintausendfünfhundert Jahre hinter mir*, gluckste die Freundin und lachte dann laut auf Adamantiels entgeisterten Gesichtsausdruck hin.

*Elben werden für mich immer ein großes Rätsel bleiben, glaube ich*, nuschelte sie und schüttelte grinsend den Kopf.

*Glaub mir, das geht sicher allen so, die anders aufgewachsen sind. Kommst du jetzt allein zurecht? Ich würde dich ja gern mit nach Hause nehmen, aber der Aufenthalt bei Nesta hat sich länger hinausgezogen, als ich gedacht hatte.* Sie zog die Stirn in Falten und beschleunigte ihren Schritt.

*Wer weiß, was die kleinen Racker schon wieder angestellt haben.* Adamantiel lachte herzlich. Irgendwie wunderte sie sich nicht, warum die Kinder angeblich kleine Unruhestifter waren.

*Nein ist schon in Ordnung. Ich vertrete mir die Beine noch etwas, ehe ich zum Schloss zurückgehe. Legolas muss ja nicht unbedingt wissen, mit wem ich gesprochen habe. Nachher zieht er euch noch zur Rechenschaft.*

*Gut. Ich wünsche dir viel Glück bei der nächsten Flucht!* Sie umarmte das blonde Mädchen kurz und verschwand dann in einer Richtung, die wohl zum Markt führen musste. Adamantiel sah sich suchend um. Was sollte sie jetzt tun? In der Stadt herum laufen? Auf jeden Fall wollte sie keineswegs schon zum Palast zurück. Die Sonne neigte sich zwar schon dem Abend entgegen, aber Adamantiel wollte ihre momentane Freiheit noch ein wenig genießen und so kletterte sie auf den nächsten Baum, um dann einen Abstecher in den Wald zu machen.

***

*Was soll das heißen, sie ist WEG!?* Legolas hielt ließ davon ab, das Pferd zu füttern und starrte den Diener, der ihm soeben die Botschaft überbracht hatte entgeistert an. Nach seinen Angaben war Adamantiel nicht in ihrem Gemach aufzufinden gewesen. Obwohl er vorsichtshalber zwei Diener zur Wache eingeteilt hatte.

*Es war mehr oder weniger klar, dass sie ihren Willen durchsetzen würde*, mischte sich Sémersion ein und trat an Legolas heran. Gejagt hatten sie nicht viel. Nur ein verletztes Reh, das schon dem Tode nahe gewesen war. Offensichtlich durch eines der Kreaturen verletzt, die im Düsterwald ihr Unwesen trieben.

*Habt ihr einen Anhaltspunkt?* Der Diener schwieg kurz, hob dann aber zögerlich den Kopf.

*Nun, das Fenster stand offen und einige Laken aus dem Schrank fehlten. Aber wir konnten sie nirgends finden. Unwahrscheinlich, dass sie sie mit sich geschleppt hat.* Das die netten Elben, die Adamantiel Geld gegeben hatten, auch die Laken mitgenommen hatten, um sie nicht so schnell auffliegen zu lassen, ahnte nicht mal der kleine Flüchtling selbst.

*Habt ihr Spuren gefunden? Habt ihr nach ihr gesucht?* Er wusste nicht, warum seine Stimme einen panischen Anflug hatte.

*Wir haben nichts gefunden, Hoheit. Sie wird schon nicht zu Schaden kommen.* Legolas' Kopf fuhr in die Höhe.

*Nein!? Das bezweifle ich. Schließlich könnte sie in den Wald gehen und...* Ein Räuspern unterbrach ihn und er sah den grinsenden Sémersion sonderbar an.

*Was ist?* Der Elb hob abwehrend die Hände und grinste noch etwas breiter.

*Nichts. Ich wundere mich nur. Fahr nur fort in deiner Philosophie, was ihr alles passieren könnte. Es ist sehr...amüsant.* Er wog den Kopf hin und her und betrachtete Legolas aufmerksam.

*Was IHR passieren könnte!?* Der blonde Elb schien sich erst jetzt bewusst zu werden, was Sémersion andeuten wollte.

*Eher was ihrer UMGEBUNG alles zustoßen könnte! Dieses Mädchen hat nichts als Unfug im Kopf und es würde mich nicht wundern, wenn auf dem Markt gerade eine Apfelschlacht oder sonstiges stattfindet.* (Und es fand statt, da hatte Legolas gar nicht so unrecht. Nur waren eher die Kinder der Verkäuferin dafür verantwortlich und Adamantiel nur passiv an dem Obstverlust beteiligt.)

*Mir ist dein Standpunkt wohl bekannt. Du brauchst nicht zu schreien.* Legolas zog es nun vor zu schweigen, sich wieder an den Diener zu wenden und ihn eindringlich anzusehen.

*Sucht sie. Und wenn sie vor dem Abendessen nicht auftaucht, dann sucht sie bis zum Morgen!* Schnell flüsterte er Ivanneth ein paar Worte ins Ohr. Das treue Tier schnaubte zwar etwas müde, gehorchte seinem Herrn dann aber doch und trabte folgsam hinter ihm her auf den Hof. Sémersion verfolgte alles, angelehnt an einen Holzpfeiler und einem schelmischen Lächeln auf den Lippen.

*Wo willst du hin?* Diese Frage war unnötig gewesen, doch es reizte ihn, den Prinzen ein bisschen in Verlegenheit zu bringen.

*Sie suchen, was sonst?*

*Warum? Das übernehmen doch schon die Wachen. Komm mit mir rein und wir spielen ein wenig ‚Ligolen' (A/N: So etwas ähnliches wie Schach. Entstammt meiner Fantasie ^^)* Sémersion lehnte sich betont noch etwas lässiger nach hinten, sodass sein Gesicht im Halbschatten kaum zu erkennen war.

*Ich bin ihr PATE! Das verpflichtet mich, sie zu suchen*, wehrte Legolas den passiven Angriff des Freundes ab. Dieser nickte seeehr verständnisvoll.

*Jaja. Ich bin auch der Pate meiner Freundin.* Er grinste höhnisch. Legolas befand es an dieser Stelle für besser, zu schweigen, als sinnlos hin und her zu diskutieren. Er wusste, dass ihm nicht mehr an der kleinen Elbin lag, als viele dachten und darum sollten alle denken, was sie wollten.

Besonnen drückte er Ivanneth die Hacken in die Flanken und das gute Tier setzte sich in Bewegung. Legolas steuerte bewusst auf den Wald zu. Irgendwie vermutete er, dass Adamantiel dort sein konnte.

***

„Argh verflucht mit diesen strammstehenden Bäumen!" Adamantiel hämmerte entnervt mit der Faust gegen eine morsche Rindenschicht, was ein hübsches Muster in ihrer Haut hinterließ und lehnte dann die Stirn dagegen. Sie hatte sich verlaufen! Verlaufen nach den ersten paar Minuten. Nach den ersten paar zehntausend Schritten, die sie je allein in einen Wald gewagt hatte.

„Und verflucht seien alle meine Gedanken! Verflucht sei Legolas und Narwainion und außerdem alle Elben", zeterte sie außer sich. Sie war wieder einmal kopflos durch die Gegend gerannt. Warum ähnelten sich alle Stellen im Wald nur so? Konnte nicht der eine Baum grün, der andere blau und der nächste schweinchenrosa sein? Wenigstens jeder zehnte Baum oder für jede Himmelsrichtung eine bestimmte Farbe, aber so!?

„Hier findet sich ja kein Zwerg zurecht! Verdammt!" Sie stieß sich vom Baum ab und tat wieder einige Schritte.

Plötzlich erschien es ihr, als hörte sie Gimlis Stimme, wie er eine alte Zwergenregel zum X-ten mal vorbetete.

‚Wenn du dich in den Weiten der Tunnel verirrt hast, solltest du nie ziellos drauf los laufen, sonst findest du nie wieder heraus. Du musst dich hinsetzen und darauf vertrauen, dass jemand dich findet. Einer wird schon kommen. Die Göttin der Zwerge lässt ihre Kinder nicht im Stich.'

Als würden sie der Regel Folge leisten, gaben ihre Knie nach, der Mut schwand und die angereicherte Wut in ihrem Bauch auch, sodass sie beinahe hilflos auf den Waldboden zusammenrutschte. Den Rücken an einen Baumstamm gelehnt. Dann zog sie wie ein kleines Kind die Knie an die Brust und stützte das Kinn darauf ab.

„Die Göttin der Zwerge vielleicht nicht, aber was ist mit der Gottheit der Elben", murmelte sie erschöpft. Außer dem Apfel und dem bisschen Gebäck hatte Adamantiel an diesem Tag nichts zu sich genommen. Und dies war der Aufregendste seit den letzten drei Monaten für sie gewesen.

„Und wer sollte mich schon suchen kommen!? Legolas ist bestimmt brezblöd und denkt sicher, ich würde im Palast rumlungern und mich irgendwo verstecken. Nestalinna und Hellina kommen auch nicht in Frage und sonst gibt es niemanden, den ich kenne", machte sie sich selbst Mut. Irgendwie gab es in letzter Zeit oft Momente, in denen sie sich nicht wieder erkannte. Ohne Gimli war die Welt halt trist und trostlos.

Ein rasselndes Schnaufen ließ sie erstarren. Es kam von hinten. Hinter dem Baum. Ein beißender Wildgeruch stieg ihr in die Nase und die junge Elbin wagte kaum zu atmen. Es schien, als hätte sie doch jemand oder besser ETWAS gefunden. Denn das, was ihre Sinne ihr von dem Geschöpf preisgaben, versprach nichts gutes.

Äste knackten unter leisen Bewegungen und das trockene Laub knisterte unter dem Gewicht des sich nähernden Körpers. Adamantiel warf keinen neugierigen Blick über die Schulter, um zu sehen, was sich da von hinten anschlich. Sie blieb still und wie festgenagelt sitzen, die Augen glitzerten vor Angst und das Herz pochte heftig gegen ihre Brust.

Wenn es eine dieser Kreaturen war, die sie und Legolas überfallen hatte? Oder eines der Ungeheuer, die angeblich überall in Düsterwald unterwegs waren? Was sollte sie tun?

‚Ich wusste es. Du bist mal wieder zu nichts zu gebrauchen!', hallte die Stimme ihres Ziehvaters in ihrem Kopf wider.

‚Aber Papa! D- Der Bär war so groß!' Ihre eigene Stimme. Sie schloss die Augen. Damals, als sie den großen Höhlenbären gejagt hatte, war sie auch vor Angst erstarrt.

‚Soll ich ihn bitten, sich kleiner zu machen!?', brummte Gimlis Stimme wieder.

‚Aber...'

‚Wozu hast du denn deine Waffe!? Du trägst sie nicht zum Spaß mit dir herum! Ich wusste doch, dass ich dich nicht hätte mitnehmen sollen. Du bist unbrauchbar! Anstatt zu jagen, muss man dich beschützen.' Diese Worte hatten sich in ihr Gedächtnis gebrannt und sie war nie mehr vor Angst erstarrt. Langsam öffnete Adamantiel die Augen. Der Angreifer schien keine zwei Meter mehr entfernt zu sein. Sie konnte schon den stinkenden Atem im Nacken spüren. Offensichtlich dachte er, sie wäre leichte Beute, da sie sich nicht regte und deshalb hatte er noch nicht zum Angriff angesetzt.

Mit einer blitzschnellen Bewegung riss sich die blonde Elbin den Bogen von der Schulter und einen Pfeil aus dem Köcher. Niemals würde sie Opfer eines niedereren Lebewesens werden! Entschlossen drehte sie sich um, bereit den Pfeil von der Sehne zu lassen. Doch der Anblick der Kreatur, ließ ihr Herz eine Sekunde aussetzen und sie zögerte kurz. Ein tödlicher Fehler.

Ihr stand ein Wolf gegenüber. Ein Wolf, dessen Fell struppig und an vielen Stellen ganz herausgerissen war. Sein Körper war so groß wie der eines einjährigen Höhlenbärs und er ging der kleinen Elbin bis zum Bauch. Die Augen funkelten gelb aus kleinen Schlitzen und das Maul war gefletscht, sodass der Speichel an beiden Seiten herauslief und die großen, unterarmlangen Reißzähne zu sehen waren. Der Körper des Wolfes war zum Absprung gespannt und noch ehe Adamantiel einen klaren Gedanken gefasst hatte, schnellte ihr der massige Körper entgegen und warf sie zu Boden. Ein dumpfer Schlag auf den Kopf, wollte ihre Sinne schwinden lassen, doch sie kämpfte gegen den Schmerz an.

Lange spitze Krallen bohrten sich in ihre Schultern und Speichel tropfte der Elbin auf die Stirn. Das gefletschte Maul war nur wenige Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt. Sie spürte, wie das Blut langsam aus den Wunden sickerte und das Untier die Krallen nur noch tiefer in das zarte Fleisch grub.

Mit all der Kraft, die sie aufbringen konnte, stieß sie den Pfeil, den sie noch immer umklammert hielt in die Magengegend des Tieres, das sofort laut aufheulte, den Druck auf ihre Schultern jedoch noch wütender verstärkte.

„Verdammtes Mistvieh", fluchte sie und versuchte erneut, das große Tier von sich zu stemmen. Doch zunächst hatte sie alle Hände voll zu tun, das gefährliche Maul nicht zum Zuge kommen zu lassen.

Schließlich gelang es ihr, ein Bein zu befreien, welches sie gleich zum Einsatz brachte und dem fürchterlichen Angreifer sofort zwischen die Hinterbeine rammte.

Der Wolf ließ etwas von ihr ab und jaulte getroffen, woraufhin Adamantiel hämisch grinste, auch wenn die Situation weniger zum Lachen war.

*Ich wusste doch, dass du ein Männchen bist. Wie ich schon sagte: Alle Männer sind gleich.* Das Grinsen gefror auf ihrem Gesicht, als sie das mörderische Funkeln in den Augen des Tieres bemerkte und sie schluckte hilflos. Ihre Schultern brannten fürchterlich, ihre Kraft ließ nach und mit ihr auch der Mut.

*Hilfe!!!* Das war das einzige, was ihr jetzt noch einfiel. Sie musste um Hilfe rufen! Egal, ob sie jemand hörte oder nicht, es war der natürliche Impuls, der sie dazu trieb. Sie hatte erkannt, dass sie es nicht aus eigener Kraft schaffen konnte, diese Bestie zu überwältigen.

„HILFEEEEE!!!!!!" Sie schrie den ganzen Wald zusammen. Oder so kam es ihr zumindest vor. Einige Augenblicke vergingen, dann regte sich etwas im Unterholz und ein ebenso großer Körper wie der Wolf schoss zwischen den Bäumen hervor und jagte auf die Bestie zu. Adamantiel sah es nur aus den Augenwinkeln: Das aufgetauchte Wesen rammte dem Wolf mit einer Wucht in die Seite hinein, die ihn augenblicklich von seiner Beute wegschleuderte.

Noch einmal nahm das Tier Anlauf. Adamantiel erkannte zwei mächtige Hauer vor dem Maul, die nun eine rote Färbung aufwiesen. Erschöpft kam sie auf die Knie und danach auf die Beine. Wackelig sah sie in die Richtung, in der sie das Ungeheuer vermutete. Alles verschwamm vor ihren Augen. Doch ihr war es nicht vergönnt noch einen Blick auf beide Tiere zu werfen, da zwei starke Arme sich um ihren Körper legten, sie über die Schulter warfen und sie dann im Laufschritt davon schleppten.

*Legolas?*, murmelte sie hilflos, doch sie erhielt keine Antwort. Langes blondes Haar kitzelte ihre Nase und ein betörender Waldduft ging von der Kleidung aus.

Sie schrie nicht, sie wehrte sich nicht und vor allem machte sie sich keine Gedanken darüber, wer wohl zu ihrer Rettung erschienen war. Die Angst übermannte sie nun völlig und der letzte Wille, wach zu bleiben wurde durch das Sicherheitsgefühl, das sie nun empfand erstickt und sie schlief völlig erschöpft ein.

***

Fortsetzung folgt!!!

*evillach* Da ich ja soooooo gemein bin, mache ich hier einmal schluss. *fies grins* Ich merke langsam, dass sich meine Geschichte allmählich vom humor abwendet und eher in die Kategorie Abenteuer/Spannung eingeordnet werden muss, oder?

Naja ich hoffe jedenfalls, der Teil hat euch wieder gefallen ^^ Ich bin irgendwie endlich mal zufrieden mit dem geschriebenen...möchte aber lieber eure meinung hören ^^ *liebguck*

Zu den Kommentaren:

@Dunkelelbe: Viielen viiiielen Dank für das Lob ^_^ Ich bin gespannt, ob dir dieses Kapitel auch gefallen hat.

@Grammy: Liebe Grüße zurück ^__^ ich weiß, dass ich mich hundertpro wiederhole, aber ich freu mich riiiiesig über dein Kommentar ^^

@Nillithiel: Ich find es immer wieder richtig toll, wie ihr euch so gedanken macht, was wie womit zusammenhängt ^^ *knuddel* Das zeigt mir, dass ihr auch ‚zwischen den zeilen lest' und euch mit meiner Story beschäftigt *ganz tief gerührt ist*

@Dax: ^^ *knuddel* *nix zu sagen weiß*

@siane: Ich wäre froh, hätte ich mal wieder deutsch...-.- Das fällt bei uns seit schuljahresbeginn aus! *grummel* irgendwann findet man es dann nicht mehr lustig. Aber ich verstehe dich *lach* Deutsch kann ja sooooooo langweilig sein ^^ Und es ist immer wieder schön zu wissen, dass meine Geschichte diese tristen und traurigen prozeduren von Rechtschreibung und Grammatik verdrängt und freude macht *gg*

@simmi: Ja sie weiß es ^^ Sie weiß ja dass ‚irgendein Elbenprinz mit Gimli im Ringkrieg gegen Sauron gekämpft hat' Das es ihr Pate wird, wusste sie aber nicht *dreckig lach*

@starwater: Schnell genug? *gg* ^^ Ich hab ferien und massig zeit...da mir zu dieser geschichte so viele sachen einfallen, werde ich mal so dreist sein und sie vor einem neuen Kapitel von ‚Das Tor der Dimensionen' (Abkürzung: DTdD) posten ^^

@Kasumi-chan: Ich lieeeebe die story von kenshin *kreisch* Obwohl ich sonstige Kampfmangas albern und sinnlos finde. Aber die Story ist echt der hammer ^^*knuddel* Hdl bis zum nächsten Rpg ^^

@tolka: ^^ ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass sie jugendfrei bleiben wird ^^ In aller Hinsicht. Ob sich da noch was ändert, weiß ich nicht ^^ Aber weil du und andere nicht genug von der story kriegen könnt, hab ich mich extra beeilt ^^ *knuffl* wegen psychater und anti-agressionskurs: Der meinung bin ich auch...aber sie kriegen es sicher auf die reihe (hoffe ich)

@Jinxauthor Mel: Jaaa *rofl* Solche Träume hatte ich auch oft als ich klein war *lach* aber dass du gleich deinen teddy verdächtigen musst ;)

Ja typisch Mann. Erste Regel: Such die Schuld nie bei dir  *gg* aber Legolas ist ja ein besonderer Elb +gg* es mag sich alles vielleicht jetzt noch etwas krass ansehen, wie er handelt, aber soo böse ist er ja nicht. Wir kennen ihn ja anders und ich möchte ihn da gar nicht entstellen. Er hat mit Adamantiel eben nur keine Geduld, das ist das große Problem. Zu anderen als ihr ist er genauso anders wie sie zu anderen (was für ein Satz XD )

Ab jetzt wir Narwainion einen wichtigen Part in der Geschichte einnehmen ^^ Also wer ihn mag, kann sich freuen ^.^

@Yuna: Tja...Der ‚geheimnisvolle Fremde' bringt noch viel Verwirrung und Komplikation in die Story...mehr verrat ich noch nicht XD *knuffel* Freut mich total, dass du über meine Story gestolpert bist. (ich sollte vielleicht mehrere Fallen auslegen *gg*)

@Elies: :D Du bist die erste, die mir sagt, das Adamantiel keine Mary Sue ist ^^ *freu* ich will auch nicht, dass sie das ist..schließlich hat sie mehr als genug fehler ^^ Obwohl eigentlich versteh ich Kritiker nicht...ich meine, jede Frau, die Legolas in einer Story nahe kommt wird gleich als Mary Sue abgestempelt *lach*

Ja...Adamantiel ist wirklich kaum den Kinderschuhen entwachsen und gerade mal am Anfang des Erwachsen seins. (schließlich ist ein Elb das ab dem 100. Lebensjahr) Sie wird sicher noch viele Probleme machen! Keine Sorge ^^

@mystica: *knuddel* ^^ Du bist ein schatz ^^ Aber eigentlich ist Adamantiel vernünftig ^^ Sie mag es nur nicht, wenn man sie ‚dumm anmacht' *gg* Okay...bei Haldir war das was anderes *LOL*

@Fay Riddle: Lösung deines Rätsels: Ich hab Ferien!!! *freu* XD Ansonsten geht das wirklich nicht schnell. Kommt auch drauf an, ob ich total gut drauf binm, die Story zu schreiben oder nicht ^^'